{"id":153,"date":"2026-07-17T12:50:56","date_gmt":"2026-07-17T12:50:56","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/at\/bitcoin-digitales-gold-mythos-realitaet\/"},"modified":"2026-07-17T12:50:56","modified_gmt":"2026-07-17T12:50:56","slug":"bitcoin-digitales-gold-mythos-realitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/at\/bitcoin-digitales-gold-mythos-realitaet\/","title":{"rendered":"Bitcoin als digitales Gold: Mythos oder Realit\u00e4t?"},"content":{"rendered":"<h2 class='wp-block-heading'>Ein Vergleich, der nicht verstummt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Kaum ein Vergleich in der Finanzwelt h\u00e4lt sich so hartn\u00e4ckig wie jener zwischen Gold und Bitcoin. Seit den fr\u00fchen Jahren der Kryptow\u00e4hrung hat sich die Bezeichnung \u201edigitales Gold&#8221; eingeb\u00fcrgert, meist als Kurzformel f\u00fcr die Idee, Bitcoin \u00fcbernehme die Rolle des Edelmetalls als Wertspeicher, nur eben in digitaler, grenzenlos \u00fcbertragbarer Form. Wie unterschiedlich sich beide Anlagen ausgerechnet heuer entwickelt haben, hat HOGE Wire bereits in einem eigenen Beitrag aufgearbeitet (siehe <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/gold-oder-bitcoin-2026-sicherer-hafen\/'>Gold oder Bitcoin 2026: Warum sich die Wege heuer trennen<\/a>). Dieser Artikel stellt eine grunds\u00e4tzlichere Frage, die \u00fcber die Kursbewegungen eines einzelnen Jahres hinausgeht: H\u00e4lt der Vergleich einer strukturierten Pr\u00fcfung \u00fcberhaupt stand? F\u00fcr heimische Anlegerinnen und Anleger ist das mehr als eine akademische Debatte, immerhin beeinflusst die Antwort ganz praktische Entscheidungen dar\u00fcber, wie viel Platz beide Anlagen im eigenen Portfolio verdienen und aus welchen Gr\u00fcnden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Daf\u00fcr lohnt sich ein Blick auf jene Eigenschaften, die einen Wertspeicher \u00fcberhaupt ausmachen: Knappheit, Herkunft des Angebots, Zusammensetzung der Nachfrage, Verwahrbarkeit, Verhalten unter Stress sowie die regulatorische und steuerliche Behandlung. Auf jeder dieser Ebenen unterscheiden sich Gold und Bitcoin teils erheblich, auch wenn beide f\u00fcr sich beanspruchen, eine Absicherung gegen die schleichende Entwertung von Fiat-W\u00e4hrungen zu sein. Der folgende Vergleich ordnet diese Unterschiede systematisch, mit Zahlen, Quellen und, wo verf\u00fcgbar, den Einsch\u00e4tzungen jener Personen, die diese Debatte pr\u00e4gen, ohne am Ende ein pauschales Anlage-Urteil zu f\u00e4llen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Ursprung eines Narrativs: Wer erfand \u201edigitales Gold&#8221;?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Satoshi Nakamoto selbst verwendete den Begriff \u201edigitales Gold&#8221; im Bitcoin-Whitepaper von 2008 nicht. Die Formulierung setzte sich erst in den Folgejahren durch, gepr\u00e4gt von Kommentatoren, fr\u00fchen Investoren und schlie\u00dflich der Kryptoindustrie selbst, die in der fixen Obergrenze von 21 Millionen Bitcoin eine Parallele zur geologischen Knappheit von Gold erkannten. Die bis heute einflussreichste Ausformulierung dieser Analogie stammt vom \u00d6konomen Saifedean Ammous, dessen 2018 erschienenes Buch \u201eThe Bitcoin Standard&#8221; Bitcoin explizit in die Tradition der \u00f6sterreichischen Schule der National\u00f6konomie stellt, jener Denkrichtung, die auf Carl Menger, Ludwig von Mises und Friedrich Hayek zur\u00fcckgeht, f\u00fcr ein \u00f6sterreichisches Publikum eine durchaus naheliegende Referenz. Ammous&#8217; Kernthese lautet, dass \u201ehartes Geld&#8221;, also Geld, das sich nur schwer und unter hohem Aufwand vermehren l\u00e4sst, die Voraussetzung f\u00fcr zivilisatorischen Fortschritt sei, und dass Bitcoin eine f\u00fcr das digitale Zeitalter optimierte Variante dieser Eigenschaft biete, so wie Gold sie \u00fcber Jahrtausende f\u00fcr die physische Welt geboten habe.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht alle folgen dieser Lesart. Der \u00d6konom und langj\u00e4hrige Goldbef\u00fcrworter Peter Schiff hat die Analogie zuletzt scharf zur\u00fcckgewiesen. Anfang Juli 2026 argumentierte er, Bitcoin k\u00f6nne schon deshalb kein digitales Gold sein, weil es sich nie wie Gold verhalten habe: \u201eSo far in 2026, gold is up 9%, silver is up 11%, the NASDAQ is up 13%, the Russell 2,000 is up 14%, while Bitcoin is down 11%&#8221;, rechnete er vor und folgerte, die vermeintliche Korrelation zwischen den beiden Anlagen sei \u201enever real&#8221; gewesen (<a href='https:\/\/news.bitcoin.com\/peter-schiff-bitcoins-gold-correlation-was-never-real-and-its-nasdaq-link-just-broke\/'>news.bitcoin.com, 10. Juli 2026<\/a>). Zwischen diesen beiden Polen, der Knappheits-Analogie einerseits und der empirischen Verhaltensfrage andererseits, bewegt sich der gesamte Rest dieses Vergleichs.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Knappheit als Konstruktionsprinzip: Geologie gegen Code<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Golds Knappheit ist geologisch bedingt und daher graduell. Der oberirdisch existierende Bestand wird auf rund 216.000 Tonnen gesch\u00e4tzt, j\u00e4hrlich kommen durch den Bergbau weitere rund 1,6 bis 1,8 Prozent hinzu. Es gibt kein hartes Limit, theoretisch k\u00f6nnten Tiefsee-Vorkommen oder neue F\u00f6rdertechnologien das Angebot langfristig erweitern, auch wenn das in der Praxis nur langsam und mit hohem Kapitaleinsatz geschieht. Die Weltmenge an Gold w\u00e4chst also st\u00e4ndig, nur eben langsamer als die meisten Fiat-Geldmengen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoins Knappheit ist dagegen im Protokoll selbst festgeschrieben. Von den maximal 21 Millionen Einheiten sind bereits mehr als 19,9 Millionen gef\u00f6rdert, die j\u00e4hrliche Neuausgabe liegt seit dem Halving im April 2024 bei rund 0,83 Prozent und wird sich mit dem n\u00e4chsten Halving, das f\u00fcr etwa 2028 erwartet wird, neuerlich halbieren. Das popul\u00e4re \u201eStock-to-Flow&#8221;-Modell, das genau diese Knappheit in eine Preisprognose \u00fcbersetzen wollte, ist an der tats\u00e4chlichen Kursentwicklung allerdings wiederholt gescheitert und wird von seri\u00f6sen Marktbeobachtern mittlerweile eher als Erkl\u00e4rungsversuch denn als Prognoseinstrument behandelt. Kritikerinnen und Kritiker f\u00fchren das Scheitern auf einen simplen Denkfehler zur\u00fcck: Das Modell verwechselte eine Korrelation aus einer Phase steigender Adoption mit einer Art Naturgesetz und blendete Nachfrageschocks, regulatorische Eingriffe und die Konkurrenz durch neue Krypto-Assets komplett aus. Knappheit allein, so die Lehre daraus, erzeugt noch keinen Preis, sie ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung daf\u00fcr. Der Unterschied zwischen den beiden Knappheitsformen bleibt trotzdem bestehen: Golds Angebot w\u00e4chst langsam, aber real und unbegrenzt in der Zeit, Bitcoins Angebotswachstum ist eine reine Rechengr\u00f6\u00dfe, deren Endpunkt exakt feststeht und nie \u00fcberschritten werden kann, solange der Konsens des Netzwerks das verhindert.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Marktgr\u00f6\u00dfe: Zwei v\u00f6llig unterschiedliche Gr\u00f6\u00dfenordnungen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Gr\u00f6\u00dfenunterschied zwischen beiden M\u00e4rkten ist erheblich. Nach Daten von <a href='https:\/\/en.macromicro.me\/charts\/120695\/gold-market-cap-vs-bitcoin-market-cap'>MacroMicro<\/a> lag die Marktkapitalisierung von oberirdisch gehaltenem Gold Mitte 2026 bei rund 29 Billionen US-Dollar, jene von Bitcoin bei rund 1,2 Billionen US-Dollar, Gold ist damit etwa 23-mal so gro\u00df bewertet. Diese Differenz erkl\u00e4rt sich zu einem guten Teil aus der schieren Zeitspanne: Gold wird seit Jahrtausenden als Wertspeicher gehalten, w\u00e4hrend Bitcoin erst seit rund 17 Jahren existiert.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kennzahl<\/th><th>Gold<\/th><th>Bitcoin<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Marktkapitalisierung (Mitte 2026)<\/td><td>rund 29 Billionen US-Dollar<\/td><td>rund 1,2 Billionen US-Dollar<\/td><\/tr><tr><td>Existenz als Wertspeicher<\/td><td>mehrere Jahrtausende<\/td><td>rund 17 Jahre (seit 2009)<\/td><\/tr><tr><td>Gesamtangebot<\/td><td>rund 216.000 Tonnen oberirdisch<\/td><td>maximal 21 Millionen Coins (Hardcap)<\/td><\/tr><tr><td>J\u00e4hrliches Angebotswachstum<\/td><td>rund 1,6 bis 1,8 Prozent (Minenaussto\u00df)<\/td><td>rund 0,83 Prozent (nach Halving 2024)<\/td><\/tr><tr><td>Rekordhoch<\/td><td>rund 4.870 Euro \/ 5.597 US-Dollar je Feinunze (29. J\u00e4nner 2026)<\/td><td>126.198 US-Dollar (6. Oktober 2025)<\/td><\/tr><tr><td>Aktueller Wert (Mitte Juli 2026)<\/td><td>rund 3.650 Euro \/ 4.000 US-Dollar je Feinunze<\/td><td>rund 55.000 Euro \/ 63.000 US-Dollar<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Struktur der jeweiligen Handelsm\u00e4rkte unterscheidet sich. Gold wird traditionell \u00fcber physische Liefervertr\u00e4ge, Terminb\u00f6rsen wie die COMEX und zunehmend \u00fcber b\u00f6rsengehandelte Produkte gehandelt, ein \u00fcber Jahrzehnte eingespieltes System. Bitcoin hat dagegen einen eigenen, stark gehebelten Terminmarkt entwickelt, dessen Fragilit\u00e4t sich zeigte, als der sogenannte Cash-and-Carry-Handel ins Wanken geriet (siehe <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/futures-basis-2026-cash-and-carry-crash\/'>Futures-Basis 2026: Wie der Bitcoin-Cash-and-Carry-Trade kollabierte<\/a>). W\u00e4hrend Golds Terminmarkt seit Jahrzehnten stabil funktioniert, zeigte Bitcoins junger Derivatemarkt 2026 deutliche Wachstumsschmerzen, ein Reifegradunterschied, der in reinen Kursvergleichen oft untergeht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ob sich der Abstand von rund 23 zum Einen mittelfristig verringert, h\u00e4ngt weniger von einzelnen Kursausschl\u00e4gen als von strukturellen Trends ab: fortgesetzte Zentralbankk\u00e4ufe w\u00fcrden Golds Bewertung tendenziell weiter st\u00fctzen, w\u00e4hrend eine Wiederbelebung der institutionellen Bitcoin-Nachfrage \u00fcber ETFs oder eine breitere Nutzung als Zahlungsmittel den Abstand verkleinern k\u00f6nnte. Selbst eine \u00fcber Jahre anhaltende Outperformance w\u00fcrde daran allerdings nur langsam etwas \u00e4ndern, allein schon wegen der schieren Differenz der Ausgangsbasis. Wie die folgenden Abschnitte zeigen, ist heuer bislang eher das Gegenteil eingetreten.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wer produziert das Angebot? Ein Blick auf die Minenkosten<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein oft \u00fcbersehener Vergleichspunkt ist die Produktionsseite. Goldminen arbeiteten 2026 au\u00dfergew\u00f6hnlich profitabel: Die weltweiten durchschnittlichen Gesamtkosten, gemessen als All-in Sustaining Cost, lagen laut <a href='https:\/\/www.spglobal.com\/market-intelligence\/en\/news-insights\/research\/2026\/01\/mine-cost-outlook-2026-inflation-new-supply-reshape-global-mining-landscape'>S&#038;P Global<\/a> bei rund 1.500 bis 1.650 Dollar je Feinunze, w\u00e4hrend der Goldpreis im selben Jahr um rund 24 Prozent zulegte und die Kosten sogar leicht sanken. Die Folge waren Rekordmargen von sch\u00e4tzungsweise 2.800 Dollar je Feinunze, die h\u00f6chste Spanne in der Geschichte des Goldbergbaus. Die effizientesten Produzenten wie Newmont oder Agnico Eagle kommen bei ihren besten Minen sogar auf rund 1.000 bis 1.100 Dollar je Feinunze, B2Gold meldete f\u00fcr das erste Quartal 2026 einen Wert von 1.327 Dollar.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Bitcoin zeichnete sich 2026 das gegenteilige Bild ab. Nach Sch\u00e4tzungen von JPMorgan-Analyst Nikolaos Panigirtzoglou lagen die gesamten Produktionskosten der Miner bei rund 78.000 Dollar je Bitcoin, der Kurs notierte \u00fcber f\u00fcnf Monate hinweg rund 19 Prozent darunter (<a href='https:\/\/tftc.io\/bitcoin-mining-costs-jpmorgan-below-production-cost-2026\/'>tftc.io<\/a>). Panigirtzoglou brachte den Mechanismus auf den Punkt: \u201eWhen bitcoin trades below its production cost, higher-cost miners power down, the hashrate declines, and difficulty adjusts lower.&#8221; Wie konkret das aussieht, zeigt der Quartalsbericht von Riot Platforms an die US-B\u00f6rsenaufsicht SEC: Ohne Abschreibungen kostete die F\u00f6rderung eines Bitcoin im ersten Quartal 2026 rund 44.629 Dollar bei einem Produktionswert von 75.964 Dollar, inklusive Abschreibungen stiegen die Kosten auf 96.283 Dollar, also 126,7 Prozent des Produktionswerts (<a href='https:\/\/www.sec.gov\/Archives\/edgar\/data\/0001167419\/000110465926053120\/riot-20260331x10q.htm'>SEC-Filing, 10-Q<\/a>). Goldminen erwirtschafteten damit 2026 historische Gewinne, w\u00e4hrend ein erheblicher Teil der Bitcoin-Miner unterhalb der Kostendeckung produzierte, ein Kontrast, der im \u00f6ffentlichen Vergleich beider Anlagen selten auftaucht, aber viel \u00fcber die jeweilige Angebotsdisziplin aussagt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wof\u00fcr wird das Material eigentlich nachgefragt?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Golds Nachfrage ist breit gestreut. Im ersten Quartal 2026 stieg die weltweite Nachfrage laut World Gold Council auf 1.231 Tonnen, der Gesamtwert kletterte um 74 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr auf ein Rekordniveau von 193 Milliarden Dollar. Vier Nachfragequellen trugen dazu bei, jede mit einer eigenen Logik:<\/p><ul class='wp-block-list'><li>Barren und M\u00fcnzen: plus 42 Prozent auf 474 Tonnen, die st\u00e4rkste Investmentnachfrage seit Jahren, angef\u00fchrt von asiatischen K\u00e4ufern<\/li><li>Goldbesicherte ETFs: weitere Zufl\u00fcsse von 62 Tonnen<\/li><li>Schmuck: Menge minus 23 Prozent, ausgegebener Betrag aber plus 31 Prozent, also anhaltende Kauflust trotz h\u00f6herer Preise<\/li><li>Technologie: plus 1 Prozent auf 82 Tonnen, gr\u00f6\u00dftenteils getrieben von der Chipfertigung f\u00fcr KI-Infrastruktur<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">Auff\u00e4llig ist, dass drei dieser vier Nachfragequellen, Schmuck, Technologie und ein erheblicher Teil der Investmentnachfrage, v\u00f6llig unabh\u00e4ngig davon bestehen, ob jemand Gold gerade als Krisenschutz betrachtet oder nicht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoin kennt diese Vielfalt nicht. Es gibt keine industrielle Verwendung, keinen Schmuckmarkt, keine technische Anwendung au\u00dferhalb des eigenen Netzwerks. Die Nachfrage speist sich praktisch ausschlie\u00dflich aus dem Glauben an die eigene Wertspeicherfunktion, aus spekulativem Handel und, in geringerem Ausma\u00df, aus grenz\u00fcberschreitenden Zahlungen. Das bedeutet: Golds Preis wird von einem Nachfragefundament getragen, das auch ohne monet\u00e4re Erwartungen best\u00fcnde, Schmuck und Technologie werden gekauft, unabh\u00e4ngig davon, ob jemand Gold als Krisenschutz betrachtet. Bitcoins Wert h\u00e4ngt dagegen fast vollst\u00e4ndig davon ab, dass gen\u00fcgend Marktteilnehmer die Knappheits-Erz\u00e4hlung weiterhin f\u00fcr \u00fcberzeugend halten, eine deutlich schmalere Basis.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Verwahrung und Sicherheit: Tresor gegen Private Key<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Physisches Gold muss gelagert werden, sei es im Bankschlie\u00dffach, im privaten Tresor oder bei spezialisierten Verwahrern. Wer Gold nicht selbst in Verwahrung nimmt, sondern \u00fcber ein unallociertes Konto h\u00e4lt, geht ein Gegenparteirisiko ein, das im Ernstfall einem Bankguthaben \u00e4hnelt und nicht dem tats\u00e4chlichen Besitz eines konkreten Barrens entspricht. Hinzu kommen laufende Kosten f\u00fcr Lagerung und Versicherung, ohne dass Gold selbst einen Ertrag abwirft. Genau davor warnte die \u00f6sterreichische Finanzmarktaufsicht FMA im Februar 2026 in einer eigenen Verbraucherinformation: Nach der Kursrallye h\u00e4tten sich vermehrt fragw\u00fcrdige H\u00e4ndler mit au\u00dfergew\u00f6hnlichen Rabatten und unklaren Gesch\u00e4ftsmodellen am Markt gezeigt, zudem schm\u00e4lerten Lager- und Versicherungskosten die Rendite sp\u00fcrbar, da Gold anders als Aktien oder Anleihen keine laufenden Ertr\u00e4ge biete (<a href='https:\/\/www.fma.gv.at\/fma-raet-zu-umsicht-bei-gold-nach-kursrallye-und-preiskapriolen\/'>FMA, 27. Februar 2026<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoin verlagert das Risiko von der physischen auf die technische Ebene. Wer selbst verwahrt, ben\u00f6tigt einen sicher gespeicherten privaten Schl\u00fcssel, ein verlorener oder gestohlener Schl\u00fcssel bedeutet den unwiederbringlichen Verlust der Coins, anders als bei einem gestohlenen Goldbarren gibt es keine Versicherung, die automatisch einspringt, und keine Seriennummer, die eine R\u00fcckverfolgung erlaubt. Wer stattdessen eine B\u00f6rse oder einen ETF nutzt, tauscht dieses Risiko gegen ein Gegenparteirisiko ein, wie es zahlreiche B\u00f6rsen-Hacks der vergangenen Jahre gezeigt haben. Der Vorteil gegen\u00fcber Gold: keine physische Lagerlogistik, keine Transportkosten, und eine \u00dcbertragung, die weltweit in Minuten statt in Tagen erfolgt. Beide Anlagen verlangen also Vertrauen, nur in unterschiedliche Institutionen: bei Gold in Tresorbetreiber und Pr\u00fcfsiegel, bei Bitcoin in Kryptografie und die eigene Sorgfalt im Umgang mit Schl\u00fcsseln.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Fr\u00fchere Krisen im R\u00fcckblick: 2008, 2020 und 2022<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Iran-Schock von 2026 ist nicht der erste Stresstest f\u00fcr beide Anlagen, nur der bislang aussagekr\u00e4ftigste f\u00fcr Bitcoin, weil es die Kryptow\u00e4hrung 2008 schlicht noch nicht gab. W\u00e4hrend der globalen Finanzkrise geriet Gold im Herbst 2008 durch Zwangsverk\u00e4ufe \u00fcberschuldeter Institutionen kurzzeitig selbst unter Druck, erholte sich aber binnen weniger Monate und markierte in den Folgejahren, getrieben von Nullzinspolitik und den ersten Anleihek\u00e4ufen der US-Notenbank, wiederholt neue Rekordst\u00e4nde. Bitcoin existierte zu diesem Zeitpunkt entweder gar nicht oder war praktisch wertlos, ein systemischer Bankenschock geh\u00f6rt damit schlicht nicht zu seiner Erfahrung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der pandemiebedingte Liquidit\u00e4tsschock im M\u00e4rz 2020 traf dagegen beide Anlagen gleichzeitig. Bitcoin verlor binnen weniger Tage rund die H\u00e4lfte seines Werts, ein Ereignis, das in der Szene als \u201eBlack Thursday&#8221; bekannt ist, auch Gold geriet unter Druck, weil Investorinnen und Investoren in der akuten Panik selbst traditionell sichere Anlagen liquidierten, um Barmittel zu beschaffen. Beide Anlagen erholten sich anschlie\u00dfend deutlich, Gold erreichte im August 2020 ein neues Rekordhoch, Bitcoin stieg im folgenden Jahr auf damalige H\u00f6chstst\u00e4nde. Der Unterschied zeigte sich erst 2022: W\u00e4hrend der aggressivsten Zinserh\u00f6hungsserie der US-Notenbank seit Jahrzehnten hielt sich Gold in US-Dollar gerechnet nahezu stabil, Bitcoin brach dagegen im Zuge der Kollapse von Terra\/Luna, Celsius und schlie\u00dflich FTX um rund zwei Drittel seines Werts ein. Gold zeigte damit \u00fcber drei v\u00f6llig unterschiedliche Krisentypen hinweg ein bemerkenswert konsistentes Muster, Bitcoin verhielt sich in zweien von dreien wie eine hochspekulative Risikoanlage und nicht wie ein verl\u00e4sslicher Krisenschutz.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Stresstest: Wie beide Anlagen auf Schocks reagieren<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die bislang deutlichste Nagelprobe f\u00fcr die \u201edigitales Gold&#8221;-These lieferte der Konflikt zwischen Iran, Israel und den USA, der am 27. Februar 2026 begann. In den ersten 48 Stunden legte Gold um 5,2 Prozent zu, Bitcoin verlor im selben Zeitraum 12 Prozent (<a href='https:\/\/cointelegraph.com\/features\/how-bitcoin-and-gold-reacted-differently-to-the-iran-war-shock'>Cointelegraph<\/a>). Ein Wertspeicher, der ausgerechnet in dem Moment einer echten geopolitischen Eskalation zweistellig verliert, erf\u00fcllt die klassische Definition eines sicheren Hafens nicht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Korrelationsdaten st\u00fctzen diesen Befund. Die rollierende Einjahreskorrelation zwischen Gold und Bitcoin fiel bis Februar 2026 auf etwa minus 0,17, den niedrigsten Stand seit 2022. Gleichzeitig kletterte Bitcoins rollierende 30-Tage-Korrelation zum S&#038;P 500 am 6. M\u00e4rz 2026 auf 0,74 und damit deutlich \u00fcber den F\u00fcnfjahresschnitt von rund 0,30 f\u00fcr ein 90-Tage-Fenster (<a href='https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2026-03-06\/bitcoin-s-correlation-with-stocks-surges-as-volatility-returns'>Bloomberg<\/a>). Die ausf\u00fchrliche Analyse dieser Aktienkorrelation hat HOGE Wire bereits gesondert aufgearbeitet (siehe <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/bitcoin-aktien-korrelation-2026-2\/'>Bitcoin und Aktien: Wie eng ist die Korrelation heuer wirklich?<\/a>). Das Muster ist konsistent: Bitcoin bewegt sich in Stressphasen eher im Gleichschritt mit Technologieaktien als mit Gold, unabh\u00e4ngig davon, wie oft es als dessen digitales Pendant bezeichnet wird. F\u00fcr alle, die Bitcoin explizit als Absicherung gegen Aktienmarktrisiken im Portfolio halten, ist das ein unbequemer Befund, der sich mit der reinen Knappheits-Erz\u00e4hlung nur schwer vereinbaren l\u00e4sst.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Institutionelle Nachfrage: Zentralbanken kaufen Gold, Bitcoin wartet auf Wall Street<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Zentralbanken bauen ihre Goldreserven seit Jahren best\u00e4ndig aus. Allein im ersten Quartal 2026 kauften sie netto 244 Tonnen, im April kamen weitere 19 Tonnen hinzu, angef\u00fchrt von Polen mit 14 Tonnen, w\u00e4hrend China seine K\u00e4ufe auf den h\u00f6chsten Stand seit Dezember 2024 ausweitete und damit den 18. Monat in Folge zukaufte. Polen setzte den Trend im Mai mit weiteren 18 Tonnen fort, den vierten Monat in Folge mit zweistelligem Nettokauf, Singapur kaufte im Mai erstmals seit September 2025 wieder zu (<a href='https:\/\/www.gold.org\/goldhub\/gold-focus\/2026\/07\/central-bank-gold-statistics-central-banks-remain-committed-gold'>World Gold Council<\/a>). Eine begleitende Umfrage ergab, dass 89 Prozent der befragten Reservemanager davon ausgehen, dass die globalen Goldreserven der Zentralbanken in den kommenden zw\u00f6lf Monaten weiter steigen, ein Rekordwert von 45 Prozent plant, die eigenen Best\u00e4nde aufzustocken. Shaokai Fan, bei der World Gold Council Global Head of Central Banks, brachte den Sinneswandel auf den Punkt: \u201eWhat stands out is the shift in how central banks think about gold. Fewer see it as a legacy holding, more see it as an active, strategic allocation in an environment defined by geopolitical uncertainty and reserve diversification&#8221; (<a href='https:\/\/www.kitco.com\/news\/article\/2026-06-16\/record-45-central-banks-plan-increase-gold-holdings-wgc-survey-finds'>Kitco, 16. Juni 2026<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoin fehlt ein Pendant zu dieser offiziellen Nachfrage praktisch vollst\u00e4ndig, El Salvador bleibt mit seinen vergleichsweise kleinen Staatsbest\u00e4nden die Ausnahme. Stattdessen l\u00e4uft die institutionelle Nachfrage \u00fcber Spot-ETFs, und die zeigten sich zuletzt schw\u00e4chelnd: Der Juni 2026 war f\u00fcr US-Spot-Bitcoin-ETFs der bisher schw\u00e4chste Monat \u00fcberhaupt, mit Netto-Abfl\u00fcssen von rund 4,5 Milliarden Dollar, mehr als im bisherigen Rekordmonat Februar 2025. Die ausf\u00fchrlichen Hintergr\u00fcnde dazu liefert <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/krypto-etf-abfluesse-rekordmonat-juni-oesterreich\/'>Krypto-ETF-Abfl\u00fcsse: Der Rekordmonat Juni und \u00d6sterreichs Optionen<\/a>. Eine dritte Nachfragequelle, die es bei Gold in dieser Form nicht gibt, sind b\u00f6rsennotierte Unternehmen, die Bitcoin gezielt als Bilanzreserve aufbauen. Wie fragil auch dieses Modell sein kann, zeigte sich, als die Marktbewertung von Strategy im Juni 2026 erstmals unter den Wert der eigenen Bitcoin-Best\u00e4nde fiel (siehe <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/treasury-moves-2026-krypto-treasuries-unter-druck\/'>Treasury Moves 2026: Warum die Krypto-Schatzkammern wanken<\/a>). Zentralbanken kaufen Gold in aller Stille und mit langem Atem, Bitcoins institutionelle Nachfrage bleibt dagegen eng an Kursschwankungen gekoppelt und damit deutlich prozyklischer.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Das Zukunftsrisiko: Quantencomputer und Bitcoins Achillesferse<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein struktureller Risikofaktor, den Gold gar nicht kennt, betrifft Bitcoins kryptografisches Fundament. Anfang 2026 ver\u00f6ffentlichte Google Forschungsergebnisse, wonach sich die Zahl der f\u00fcr einen Angriff auf Bitcoins Signaturverfahren ben\u00f6tigten Qubits um das rund 20-Fache reduzieren lie\u00dfe, was den Zeithorizont f\u00fcr einen theoretischen Angriff deutlich verk\u00fcrzt, ohne dass ein entsprechend leistungsf\u00e4higer Quantencomputer heute bereits existiert (<a href='https:\/\/www.forbes.com\/sites\/digital-assets\/2026\/02\/23\/bitcoin-took-its-first-step-against-quantum-computers\/'>Forbes<\/a>). Als Reaktion darauf haben die Bitcoin-Entwickler mit BIP-360 den ersten quantensicheren Adressvorschlag in das offizielle Verzeichnis aufgenommen, ein begleitender Vorschlag namens BIP-361 k\u00f6nnte gef\u00e4hrdete Altbest\u00e4nde in veralteten Adressformaten k\u00fcnftig zu einer Migration zwingen oder im Extremfall einfrieren, darunter Guthaben im Wert von sch\u00e4tzungsweise mehr als 700 Milliarden Dollar, deren \u00f6ffentliche Schl\u00fcssel bereits sichtbar sind, einschlie\u00dflich der mutma\u00dflichen Satoshi-Best\u00e4nde.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Gold existiert kein vergleichbares Szenario. Ein Barren im Tresor l\u00e4sst sich durch keinen noch so leistungsf\u00e4higen Computer der Zukunft entschl\u00fcsseln oder auf digitalem Weg entwenden, das Risiko bleibt physisch und damit grunds\u00e4tzlich anderer Natur. Diese Asymmetrie hat nichts mit der Kursentwicklung des Jahres 2026 zu tun, sie ist struktureller Natur und wird die beiden Anlagen auch dann noch unterscheiden, wenn sich die aktuelle Kursdivergenz l\u00e4ngst wieder umgekehrt haben sollte.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Regulierung in \u00d6sterreich: Ungleiche Aufsicht f\u00fcr zwei Wertspeicher<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer in \u00d6sterreich Bitcoin \u00fcber eine lizenzierte Plattform kauft, bewegt sich in einem vollst\u00e4ndig regulierten Rahmen. Bitpanda etwa erhielt im April 2025 von der FMA die Zulassung als Krypto-Dienstleister nach Artikel 63 der EU-Verordnung MiCA (<a href='https:\/\/www.fma.gv.at\/en\/granting-of-authorisation-bitpanda-gmbh\/'>FMA<\/a>). Die MiCA-\u00dcbergangsfrist ist in \u00d6sterreich, wie auch in Deutschland, Italien, Irland und Spanien, bereits mit 1. Juli 2026 ausgelaufen, Derivate auf Kryptowerte fallen zus\u00e4tzlich unter die Finanzmarktrichtlinie MiFID II.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr physisches Gold gibt es keine vergleichbare Zulassungspflicht. Die FMA beaufsichtigt Edelmetallh\u00e4ndler nicht als Finanzdienstleister, sondern lediglich \u00fcber die Sorgfaltspflichten der Gewerbeordnung zur Geldw\u00e4schepr\u00e4vention: Ab einer Transaktionssumme von 10.000 Euro m\u00fcssen H\u00e4ndler, ab 15.000 Euro Finanzinstitute die Identit\u00e4t ihrer Kunden feststellen. Trotzdem sah sich die Beh\u00f6rde veranlasst, im Februar 2026 eine eigene Verbraucherwarnung zu Gold zu ver\u00f6ffentlichen, inhaltlich durchaus vergleichbar mit jenen Warnungen, die sie sonst f\u00fcr Kryptowerte ausspricht, nur eben ohne dahinterliegendes Lizenzregime.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auch steuerlich trennen sich die Wege deutlich. Bitcoin-Gewinne unterliegen in \u00d6sterreich unabh\u00e4ngig von der Haltedauer dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent nach Paragraf 27a des Einkommensteuergesetzes, eingef\u00fchrt mit der \u00f6kosozialen Steuerreform 2022, inl\u00e4ndische Handelsplattformen f\u00fchren die Kapitalertragsteuer seit 1. J\u00e4nner 2024 automatisch ab. Physisches Anlagegold hingegen bleibt bei privaten Verk\u00e4ufen nach Ablauf der einj\u00e4hrigen Spekulationsfrist in der Regel steuerfrei, der Ankauf von Anlagegold ist zudem EU-weit von der Umsatzsteuer befreit. Wer Gold ein Jahr und einen Tag h\u00e4lt, profitiert damit steuerlich deutlich st\u00e4rker als jemand, der Bitcoin \u00fcber denselben Zeitraum h\u00e4lt, ein Unterschied, den viele Anlegerinnen und Anleger untersch\u00e4tzen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Zugang f\u00fcr \u00f6sterreichische Anlegerinnen und Anleger<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der praktische Zugang zu beiden Anlagen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich vereinfacht, bleibt aber strukturell unterschiedlich, wie die folgende \u00dcbersicht zeigt.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kriterium<\/th><th>Gold<\/th><th>Bitcoin<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Kaufkan\u00e4le<\/td><td>M\u00fcnze \u00d6sterreich, Banken, spezialisierte Edelmetallh\u00e4ndler, physisch besicherte ETCs<\/td><td>Lizenzierte CASPs wie Bitpanda, internationale B\u00f6rsen, Hardware-Wallets f\u00fcr Selbstverwahrung<\/td><\/tr><tr><td>Mindestinvestment<\/td><td>ab wenigen Gramm bzw. Bruchteilen einer Feinunze<\/td><td>beliebig teilbar bis auf 0,00000001 BTC (1 Satoshi)<\/td><\/tr><tr><td>Laufende Kosten<\/td><td>Aufgeld beim Kauf, Lagerung, Versicherung, kein laufender Ertrag<\/td><td>Handelsgeb\u00fchren, ggf. Verwahrungsgeb\u00fchr bei B\u00f6rsen, keine Lagerkosten bei Selbstverwahrung<\/td><\/tr><tr><td>Identit\u00e4tspflicht<\/td><td>ab 10.000 Euro beim H\u00e4ndler bzw. 15.000 Euro bei Finanzinstituten<\/td><td>grunds\u00e4tzlich ab dem ersten Euro bei lizenzierten CASPs (KYC\/AML nach MiCA)<\/td><\/tr><tr><td>Steuerliche Behandlung in \u00d6sterreich<\/td><td>in der Regel steuerfrei nach einem Jahr Haltefrist, Kauf umsatzsteuerbefreit<\/td><td>27,5 Prozent Sondersteuersatz unabh\u00e4ngig von der Haltedauer, KESt-Abzug seit 1.1.2024<\/td><\/tr><tr><td>Handelszeiten<\/td><td>im Wesentlichen an \u00d6ffnungszeiten von H\u00e4ndlern und B\u00f6rsen gebunden<\/td><td>24 Stunden, 7 Tage die Woche, weltweit<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer den physischen Umgang scheut, kann bei Gold auf b\u00f6rsengehandelte, physisch hinterlegte Produkte ausweichen, die in der EU mangels UCITS-tauglicher Einzelrohstofffonds meist als ETC oder ETN strukturiert sind. Bei Bitcoin f\u00fchrt der regulierte Weg f\u00fcr \u00f6sterreichische Privatanlegerinnen und Privatanleger in aller Regel \u00fcber eine lizenzierte CASP wie Bitpanda, w\u00e4hrend US-amerikanische Spot-ETFs europ\u00e4ischen Privatanlegern aufgrund der PRIIPs-Vorgaben in der Praxis meist nicht unmittelbar zug\u00e4nglich sind. Wer beide Anlagen im selben Depot kombinieren m\u00f6chte, muss also zwei unterschiedliche Zugangswege und zwei unterschiedliche Kostenstrukturen in Kauf nehmen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein praktischer Unterschied betrifft auch den regelm\u00e4\u00dfigen Verm\u00f6gensaufbau: Mehrere \u00f6sterreichische Banken und Fintechs bieten sowohl Gold-Sparpl\u00e4ne als auch Bitcoin-Sparpl\u00e4ne an, bei denen monatlich ein Fixbetrag automatisch investiert wird. Die Geb\u00fchrenstruktur unterscheidet sich dabei sp\u00fcrbar, bei Gold-Sparpl\u00e4nen f\u00e4llt neben der Servicegeb\u00fchr meist noch ein Aufgeld auf den physischen R\u00fcckkaufswert an, bei Bitcoin-Sparpl\u00e4nen dominieren reine Transaktionsgeb\u00fchren, die mit steigendem Handelsvolumen einer Plattform tendenziell sinken.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Fazit: Zwei Wertspeicher, zwei Zeitachsen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende dieses Vergleichs steht keine einfache Antwort, sondern eine Pr\u00e4zisierung der Frage. Gold verf\u00fcgt \u00fcber eine Jahrtausende w\u00e4hrende Geschichte, ein diversifiziertes Nachfragefundament aus Schmuck, Technologie und offizieller Reserve, ein im aktuellen Umfeld ausgesprochen ruhiges Verhalten in Stressphasen und historisch hohe Minengewinne, die die Angebotsseite stabil halten. Der Preis daf\u00fcr: keine laufende Rendite, Lager- und Versicherungskosten, und ein Angebot, das langfristig eben doch nicht v\u00f6llig starr ist.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoin bietet eine im Code festgeschriebene, absolute Obergrenze, sofortige globale \u00dcbertragbarkeit und eine noch junge, aber wachsende Infrastruktur aus B\u00f6rsen, Verwahrern und b\u00f6rsennotierten Unternehmen. Der Preis daf\u00fcr: eine Nachfrage, die fast ausschlie\u00dflich auf dem Glauben an die eigene Erz\u00e4hlung beruht, ein Verhalten in Krisen, das bislang eher jenem von Technologieaktien gleicht als jenem von Gold, sowie strukturelle Zukunftsrisiken wie die Quantencomputer-Frage, die Gold in dieser Form nicht kennt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Portfoliokonstruktion bedeutet das: Beide Anlagen k\u00f6nnen unkorrelierte Bausteine sein, aber aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden und mit unterschiedlichem Zeithorizont. Gold hat seinen Beweis bereits erbracht, \u00fcber Jahrtausende. Bitcoin liefert diesen Beweis noch, ein gut 17 Jahre altes Experiment, das seinen Anspruch auf den Titel \u201edigitales Gold&#8221; erst noch endg\u00fcltig einl\u00f6sen muss, unabh\u00e4ngig davon, wie \u00fcberzeugend die Analogie auf dem Papier klingt. Wer heute entscheidet, wie viel Platz beide Anlagen im eigenen Portfolio bekommen sollen, tut gut daran, diese unterschiedliche Beweislast im Hinterkopf zu behalten, und zwar unabh\u00e4ngig davon, welche Kursentwicklung die kommenden Monate tats\u00e4chlich bringen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Ist Bitcoin wirklich digitales Gold?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Begriff beschreibt vor allem die Knappheits-Analogie zwischen der fixen Obergrenze von 21 Millionen Bitcoin und Golds geologischer Seltenheit. Empirisch h\u00e4lt der Vergleich nur bedingt: Beim Iran-Schock im Februar 2026 legte Gold in 48 Stunden um 5,2 Prozent zu, w\u00e4hrend Bitcoin 12 Prozent verlor, und die Korrelation zwischen beiden Anlagen bewegte sich zuletzt im negativen Bereich statt im Gleichlauf. Die Bezeichnung ist damit eher ein Marketing-Narrativ als eine belegte Eigenschaft.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist der Unterschied zwischen der Knappheit von Gold und Bitcoin?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Golds Knappheit ist geologisch bedingt und w\u00e4chst langsam mit dem Minenaussto\u00df, rund 1,6 bis 1,8 Prozent pro Jahr, ohne festes Limit. Bitcoins Knappheit ist im Protokoll selbst codiert: eine harte Obergrenze von 21 Millionen Einheiten und eine aktuelle Inflationsrate von rund 0,83 Prozent pro Jahr seit dem Halving im April 2024.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum kaufen Zentralbanken Gold, aber kein Bitcoin?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Gold hat seit Jahrhunderten eine anerkannte Rolle als Reservewert und Diversifikationsinstrument, ohne technologische oder regulatorische Unsicherheit. Zentralbanken kauften allein im ersten Quartal 2026 netto 244 Tonnen, und laut einer Umfrage des World Gold Council erwarten 89 Prozent der Reservemanager weiter steigende globale Goldreserven. Bitcoin findet in offiziellen Reserven praktisch keinen Platz, El Salvador ist die einzige nennenswerte Ausnahme.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie hoch sollte der Anteil von Gold und Bitcoin in einem Portfolio sein?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Eine allgemeing\u00fcltige Zahl gibt es nicht, sie h\u00e4ngt von Risikobereitschaft, Anlagehorizont und der \u00fcbrigen Portfoliostruktur ab. Entscheidender als eine konkrete Prozentzahl ist das Verst\u00e4ndnis, dass beide Anlagen unterschiedliche Rollen erf\u00fcllen: Gold eher als stabilisierender Baustein in Stressphasen, Bitcoin eher als asymmetrische Wette auf eine noch junge monet\u00e4re Technologie.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Ist Bitcoin in \u00d6sterreich genauso steuerfrei wie Gold nach einem Jahr Haltefrist?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Bitcoin-Gewinne unterliegen in \u00d6sterreich unabh\u00e4ngig von der Haltedauer dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent nach Paragraf 27a EStG, inl\u00e4ndische Plattformen f\u00fchren die Steuer seit 1. J\u00e4nner 2024 automatisch ab. Physisches Anlagegold bleibt bei privaten Verk\u00e4ufen nach Ablauf der einj\u00e4hrigen Spekulationsfrist hingegen in der Regel steuerfrei.<\/p><script type=\"application\/ld+json\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Ist Bitcoin wirklich digitales Gold?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Der Begriff beschreibt vor allem die Knappheits-Analogie zwischen der fixen Obergrenze von 21 Millionen Bitcoin und Golds geologischer Seltenheit. 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