{"id":214,"date":"2026-08-12T20:50:42","date_gmt":"2026-08-12T20:50:42","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/at\/derivate-positionierung-september-wette-2026\/"},"modified":"2026-08-12T20:50:42","modified_gmt":"2026-08-12T20:50:42","slug":"derivate-positionierung-september-wette-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/at\/derivate-positionierung-september-wette-2026\/","title":{"rendered":"Derivate-Positionierung: Die gro\u00dfe Wette auf den September"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Der 12. August 2026 war einer jener Handelstage, an denen der Krypto-Markt viel Aufmerksamkeit auf sich zog und am Ende kaum etwas tat. Um 14:30 Uhr mitteleurop\u00e4ischer Zeit meldete das US-Arbeitsministerium die Verbraucherpreise f\u00fcr Juli: 3,4 Prozent im Jahresvergleich, exakt auf Konsens, der Kernwert bei 2,5 Prozent. Bitcoin rutschte kurz unter 64.000 US-Dollar, drehte auf rund 64.100 zur\u00fcck und pendelte danach seitw\u00e4rts bei etwa 55.000 Euro (<a href='https:\/\/crypto.news\/bitcoin-reclaim-64k-analysts-assess-cpi-for-fed-policy\/'>crypto.news<\/a>). Kein Ausbruch, kein Einbruch.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer nur den Preis beobachtet, hat den eigentlichen Vorgang \u00fcbersehen. Das Kapital hat sich an diesem Mittwoch kaum bewegt, aber die Wetten dahinter haben sich neu sortiert. Genau das ist Positionierung im Derivatemarkt: nicht der Kurs selbst, sondern die Summe der Eins\u00e4tze, die auf ihn gesetzt sind. Und diese Eins\u00e4tze richten sich heuer im Sp\u00e4tsommer auf einen einzigen Punkt im Kalender aus, den September. Nach einem tr\u00e4gen Juli, in dem sich K\u00e4ufer wie Verk\u00e4ufer gleichzeitig zur\u00fcckzogen, hat sich das Pulver wieder geladen, und es zeigt in Richtung eines eng getakteten Zeitfensters aus Zinsentscheid, Gesetzesabstimmung und dem gr\u00f6\u00dften Optionsverfall des Quartals.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Beitrag liest die Positionierung Kennzahl f\u00fcr Kennzahl: Open Interest, Funding Rates, Put-Call-Ratio und Skew, Max Pain, Dealer-Gamma, die Futures-Basis und Liquidationen. Er zeigt, warum jede dieser Zahlen ein n\u00fctzliches, aber verzerrtes Bild liefert, und warum sie derzeit alle dasselbe Fenster anpeilen. Zum Kontext des tr\u00e4gen Vormonats haben wir bereits das <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/derivate-positionierung-vakuum-bitcoin-2026\/'>Positionierungs-Vakuum im Juli beschrieben<\/a>; hier geht es darum, was danach passiert ist.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Einordnung der Ausgangslage: Bitcoin notierte am 12. August bei rund 63.400 US-Dollar oder etwa 55.000 Euro, ein Minus von weniger als einem Viertelprozent binnen 24 Stunden, bei einer Marktkapitalisierung von etwa 1,27 Billionen US-Dollar. Ether lag bei knapp 1.880 US-Dollar (rund 1.630 Euro), Hyperliquids HYPE bei etwa 56 US-Dollar (<a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin'>CoinGecko<\/a>). Ruhige Kurse, ein voller Terminmarkt: Genau diese Kombination macht die Positionierung interessant.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Tag des CPI: ein Markt in Warteschleife<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Inflationsbericht war das gro\u00dfe Ereignis der Woche, und er lieferte genau das, was der Terminmarkt eingepreist hatte: nichts \u00dcberraschendes. Die Optionen hatten vor der Zahl nur eine kleine Tagesbewegung eingepreist, ein Hinweis darauf, dass die meisten Teilnehmer eine ged\u00e4mpfte Reaktion erwarteten. Sie bekamen sie. Der Kurs holte sich von einem Tagestief nahe 63.400 US-Dollar auf etwa 64.100 zur\u00fcck und blieb dort.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswerter als der Preis war die Stille im Handel. Die Aktivit\u00e4t an den Perpetual Futures war laut dem Analysehaus K33 vor der Ver\u00f6ffentlichung auf ein Dreijahrestief gefallen, ein Zustand, den <a href='https:\/\/www.theblock.co\/news\/markets\/2026-08-12-bitcoin-dips-under-64000-in-line-cpi-buys-fed-time-not-conviction-analysts-411594'>The Block<\/a> treffend als Winterschlaf bezeichnete. Ein Markt in Warteschleife handelt weniger, aber er positioniert sich weiter, nur leiser. Genau das ist der Schl\u00fcssel zum August 2026: geringe Ums\u00e4tze, aber gezielte Umschichtungen im Optionsbuch.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reaktionen der Analysten fielen entsprechend n\u00fcchtern aus. Ryan Lee, Analyst bei Bitget Research, fasste die Lage so zusammen: Ein CPI-Wert auf Erwartung &bdquo;erzwingt weder eine restriktive Neubewertung noch liefert er einen klaren expansiven Ausl\u00f6ser&ldquo;. Gadi Chait, Investment Manager bei Xapo Bank, erinnerte an die eigentliche Triebfeder: &bdquo;Im Kern ist Bitcoin ein liquidit\u00e4tssensitives Asset. Historisch hat es stark abgeschnitten, wenn Liquidit\u00e4t reichlich vorhanden und die Zinsen niedrig waren&ldquo; (<a href='https:\/\/crypto.news\/bitcoin-reclaim-64k-analysts-assess-cpi-for-fed-policy\/'>crypto.news<\/a>). Weil der Bericht die Zinsfrage nicht beantwortete, sondern nur vertagte, schob er die Entscheidung genau dorthin, wo ohnehin schon alles zusammenl\u00e4uft: in den September. Wie stark der Kurs an Zinserwartungen und Realzinsen h\u00e4ngt, haben wir im Detail bei den <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/realzinsen-bitcoin-inflationsschutz-2026\/'>Realzinsen und Bitcoin<\/a> ausgef\u00fchrt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Vom Juli-Vakuum zur September-Wette<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Um zu verstehen, warum sich alles auf den September konzentriert, muss man den Juli kennen. Im Hochsommer hatte sich an der regulierten Terminb\u00f6rse CME ein seltenes Bild ergeben: Institutionelle Verm\u00f6gensverwalter hatten ihre Netto-Long-Positionen auf ein Mehrjahrestief abgebaut, und gleichzeitig deckten sich die Hebelfonds ein, indem sie ihre Short-Positionen massiv reduzierten. Das offene Interesse an der CME war deutlich geschrumpft. Beide Seiten hatten Risiko herausgenommen, nicht aus Panik, sondern aus Unsicherheit.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein solches Vakuum ist keine Kapitulation, sondern eine Pause. Die entscheidende Frage lautete: Wer sattelt zuerst wieder auf, und worauf? Die Antwort formte sich im Laufe des Julis und wurde im August sichtbar. Das Kapital kehrte zur\u00fcck, aber es kehrte nicht diffus zur\u00fcck, sondern geb\u00fcndelt um konkrete Termine. Der Ausl\u00f6ser war zun\u00e4chst ein regulatorischer: die Hoffnung auf ein Marktstruktur-Gesetz in den USA. Als diese Hoffnung in den September rutschte, rutschte die Positionierung mit.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann es sich wie ein zusammengedr\u00fccktes Sprungbrett vorstellen. Der Juli nahm die Spannung heraus, der fr\u00fche August lud sie neu. Nur zeigt das Brett diesmal nicht in eine Richtung, sondern auf ein Datum. Der Rest dieses Beitrags erkl\u00e4rt, wie man an den einzelnen Kennzahlen abliest, wie stark diese Feder gespannt ist und wohin sie zeigt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Open Interest: das wiedergeladene Pulver<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Das offene Interesse (Open Interest) ist die Zahl der ausstehenden Kontrakte, also das Kapital, das aktuell im Terminmarkt gebunden ist. Es sagt, wie viel gewettet wird, aber nicht, in welche Richtung. Steigendes offenes Interesse bei steigendem Preis deutet auf frisches Long-Kapital hin; steigt es bei fallendem Preis, bauen sich Short-Positionen auf. F\u00fcr sich genommen ist die Zahl richtungslos, sie misst Beteiligung, nicht Meinung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Anfang August war das Pulver wieder geladen. Das gesamte offene Interesse an Bitcoin-Optionen \u00fcber alle B\u00f6rsen war auf rund 36 Milliarden US-Dollar zur\u00fcckgekehrt. Entscheidend ist die Aufteilung: Rund 254.394 Bitcoin steckten in Calls, nur 156.227 in Puts, ein Verh\u00e4ltnis von etwa 62 zu 38 zugunsten der Aufw\u00e4rtswetten. Gleichzeitig war das Bild an der regulierten CME auff\u00e4llig d\u00fcnn: Der Nominalwert der dortigen Optionen war auf etwa 50 Millionen US-Dollar gefallen, von rund 290 Millionen im November, w\u00e4hrend die Puts dort durchgehend \u00fcberwogen (<a href='https:\/\/news.bitcoin.com\/market-updates\/bitcoin-options-flash-80k-max-pain-as-wall-street-loads-up\/'>news.bitcoin.com<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Divergenz ist die halbe Geschichte des Sommers: Die krypto-nativen Optionsh\u00e4ndler an Deribit waren offensiv positioniert, die regulierten Adressen an der CME defensiv. Die folgende Tabelle fasst die Ausgangslage in Zahlen zusammen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kennzahl<\/th><th>Wert (Anfang August 2026)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Bitcoin-Optionen, gesamtes offenes Interesse<\/td><td>rund 36 Mrd. US-Dollar<\/td><\/tr><tr><td>Calls vs. Puts (Kontrakte)<\/td><td>254.394 BTC vs. 156.227 BTC (62 zu 38)<\/td><\/tr><tr><td>CME-Optionen, Nominalwert<\/td><td>rund 50 Mio. US-Dollar (von rund 290 Mio. im November)<\/td><\/tr><tr><td>Max Pain Deribit (September und Dezember)<\/td><td>rund 69.700 US-Dollar<\/td><\/tr><tr><td>Futures-Basis, annualisiert<\/td><td>rund 4,3 Prozent (von rund 0,3 Prozent Ende April)<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class='wp-block-table__figcaption'>Quelle: news.bitcoin.com, Stand Anfang August 2026. Werte sind volatil.<\/figcaption><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Funding Rates: das nerv\u00f6se Stimmungsbarometer<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Perpetual Futures, kurz Perps, sind Terminkontrakte ohne Verfallsdatum. Damit ihr Preis nicht dauerhaft vom Spotmarkt abweicht, gibt es die Funding Rate: eine Zahlung, die in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden zwischen Longs und Shorts flie\u00dft. Ist die Rate positiv, zahlen die Longs den Shorts, ein Zeichen f\u00fcr \u00fcberwiegend bullische Positionierung; ist sie negativ, ist es umgekehrt. Die Funding Rate ist damit das direkteste Echtzeit-Barometer der kurzfristigen Stimmung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ihr Nachteil ist genau ihre Schnelligkeit. Funding ist verrauscht und kehrt rasch zur Mitte zur\u00fcck. Ein einziges Wochenende kann die Rate von deutlich negativ auf deutlich positiv drehen, ohne dass sich am eigentlichen Trend etwas ge\u00e4ndert h\u00e4tte. Wer Funding als Prognose liest, verwechselt Wetterlage mit Klima. Als Best\u00e4tigungssignal taugt es dennoch: L\u00e4uft der Kurs, ohne dass Funding hei\u00df l\u00e4uft, tragen ihn eher Spot-K\u00e4ufer als gehebelte Spekulanten, was tendenziell nachhaltiger ist.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">2026 ist Funding zudem zu einem institutionellen Objekt geworden. Mit dem CF Bitcoin Kraken Perpetual Funding Rate Index existiert ein benannter, t\u00e4glich berechneter Referenzwert, an dem sich die Rate objektiv verfolgen l\u00e4sst. Wichtig f\u00fcr heimische Anleger: Perps sind keine harmlose Spielart des Spotmarkts. Regulatorisch sind sie Finanzinstrumente, und genau das hat f\u00fcr \u00d6sterreich Folgen, auf die wir weiter unten zur\u00fcckkommen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Put-Call-Ratio und Skew: die defensive Schlagseite<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Put-Call-Verh\u00e4ltnis setzt die Zahl der Verkaufsoptionen (Puts, Absicherung nach unten) ins Verh\u00e4ltnis zu den Kaufoptionen (Calls, Wetten nach oben). Ein Wert deutlich unter 1 signalisiert Optimismus, ein Wert \u00fcber 1 Absicherungsbedarf. Aussagekr\u00e4ftiger als das reine Verh\u00e4ltnis ist der Skew: der Preisunterschied zwischen Puts und Calls gleicher Distanz zum aktuellen Kurs. Er zeigt, wof\u00fcr der Markt bereit ist, einen Aufpreis zu zahlen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Und hier lag im August eine defensive Schlagseite. Andrei Grachev, Managing Partner von DWF Labs, beschrieb sie so: &bdquo;Beim Verfall Ende August kosten Abw\u00e4rts-Strikes nahe 60.000 US-Dollar mehr als gleichwertige Aufw\u00e4rts-Strikes nahe 70.000 US-Dollar&ldquo; (<a href='https:\/\/crypto.news\/bitcoin-reclaim-64k-analysts-assess-cpi-for-fed-policy\/'>crypto.news<\/a>). Mit anderen Worten: Trotz der offensiven Call-\u00dcbermacht im gesamten Buch zahlten die H\u00e4ndler kurzfristig lieber f\u00fcr Schutz nach unten. Das ist kein Widerspruch, sondern Arbeitsteilung. Die weit datierten Calls sind die Wette auf den September, die kurzfristigen Puts die Versicherung f\u00fcr den Weg dorthin.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ether zeigt diese Vorsicht traditionell noch ausgepr\u00e4gter als Bitcoin: Sein Put-Call-Verh\u00e4ltnis liegt strukturell h\u00f6her, der Optionsmarkt ist defensiver aufgestellt. Wer beide nebeneinanderlegt, erkennt zwei unterschiedliche Risikokulturen im selben Markt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Max Pain: beschreibend, nicht vorhersagend<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Max-Pain-Punkt ist jener Aus\u00fcbungspreis, bei dem am Verfallstag der gr\u00f6\u00dfte Gesamtwert an Optionen wertlos verf\u00e4llt, also der Preis des maximalen Schmerzes f\u00fcr die Optionsk\u00e4ufer in Summe. Anfang August lag er bei Deribit f\u00fcr die September- und Dezember-Verf\u00e4lle bei rund 69.700 US-Dollar, an anderen B\u00f6rsen teils h\u00f6her (<a href='https:\/\/news.bitcoin.com\/market-updates\/bitcoin-options-flash-80k-max-pain-as-wall-street-loads-up\/'>news.bitcoin.com<\/a>). Rund um solche Zahlen entsteht regelm\u00e4\u00dfig die Erz\u00e4hlung, der Kurs werde zum Verfall magnetisch an den Max-Pain-Punkt gezogen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Erz\u00e4hlung ist mit Vorsicht zu genie\u00dfen. Max Pain ist beschreibend, nicht vorhersagend. Jasper De Maere, OTC-H\u00e4ndler bei Wintermute, brachte es auf den Punkt: &bdquo;J\u00fcngste Optionsverf\u00e4lle haben die Kurse nicht wirklich mechanisch an einen Punkt gebunden, so wie es die Leute erwarten&ldquo; (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/markets\/2026\/06\/25\/forget-max-pain-bitcoin-is-well-below-the-usd72-000-magnet-ahead-of-usd10-billion-options-expiry'>CoinDesk<\/a>). Die Belege sind widerspr\u00fcchlich, und genau das ist der Punkt. Ende Juni notierte Bitcoin weit unter dem damaligen Max Pain von 72.000 US-Dollar und wurde nicht dorthin gezogen. Der gro\u00dfe Monatsverfall am 31. Juli dagegen, rund 9,6 Milliarden US-Dollar Nominalwert, settlete mit etwa 63.824 US-Dollar fast punktgenau auf dem Max Pain von 64.000 (<a href='https:\/\/www.cryptotimes.io\/2026\/07\/31\/bitcoin-price-slips-below-64000-as-9-6b-options-expiry-settles\/'>Cryptotimes<\/a>). Mal passt es, mal nicht. Eine Kennzahl, die manchmal stimmt und manchmal nicht, ist kein Fahrplan, sondern eine Landkarte des aktuellen Buches.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Dealer-Gamma: die unsichtbare Bremse um 70.000<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum verhalten sich Kurse rund um stark besetzte Strikes manchmal wie an einer Wand? Die Antwort hei\u00dft Dealer-Gamma. Market Maker, die Optionen verkaufen, m\u00fcssen ihr Risiko laufend gegen den Spotmarkt absichern. Sind sie in einer dicht besetzten Zone netto long im Gamma, verkauft ihr Absicherungsfluss in Rallys hinein und kauft in R\u00fccksetzer, was den Kurs in dieser Zone d\u00e4mpft. Sind sie netto short im Gamma, verst\u00e4rken sie Bewegungen in beide Richtungen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau diesen Effekt beschrieb Imran Lakha, Gr\u00fcnder von Options Insights, f\u00fcr den viel gehandelten 70.000-Dollar-Call: Die H\u00e4ndler seien oberhalb dieser Marke netto long im Gamma, also &bdquo;verkaufen in die St\u00e4rke oberhalb von 70.000, um neutral oder abgesichert zu bleiben&ldquo;, was &bdquo;wie eine Bremse wirkt&ldquo; und begrenzt, wie schnell Bitcoin dort nach oben laufen kann (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/daybook-us\/2026\/07\/16\/the-most-popular-bitcoin-call-option-has-slipped-by-usd10-000'>CoinDesk<\/a>). F\u00fcr die September-Wette ist das doppelt relevant: Dieselbe 70.000-Marke, auf die die Calls setzen, ist zugleich die Zone, in der die Absicherungsfl\u00fcsse der Market Maker am st\u00e4rksten bremsen. Wie diese Liquidit\u00e4tsanbieter Volumen bereitstellen und wann sie es abrupt zur\u00fcckziehen, haben wir bei den <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/market-maker-krypto-volumen-liquiditaet-2026\/'>Market Makern im Krypto-Handel<\/a> beschrieben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dealer-Gamma ist zugleich die am schwersten messbare Kennzahl dieser Liste. Sie muss aus dem gesamten Optionsbuch gesch\u00e4tzt werden und ver\u00e4ndert sich mit jedem Kursschritt, weil sich die Position der Dealer laufend verschiebt. Sie erkl\u00e4rt Verhalten oft besser r\u00fcckblickend als vorausschauend.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Futures-Basis: Carry als Positionierungssignal<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Futures-Basis ist der Aufschlag, mit dem ein datierter Terminkontrakt \u00fcber dem Spotpreis notiert. Sie ist im Kern derselbe Mechanismus wie Funding, nur f\u00fcr Kontrakte mit Verfall: Bei positiver Basis zahlen Long-K\u00e4ufer eine Pr\u00e4mie f\u00fcr gehebelte Aufw\u00e4rts-Exposure, die Arbitrageure \u00fcber den Cash-and-Carry-Handel einsammeln (Spot kaufen, Future verkaufen, die Differenz vereinnahmen). Die H\u00f6he der Basis misst damit, wie teuer der Markt bereit ist, f\u00fcr Hebel nach oben zu bezahlen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Anfang August war die annualisierte Drei-Monats-Basis auf rund 4,3 Prozent gestiegen, von nur etwa 0,3 Prozent Ende April (<a href='https:\/\/news.bitcoin.com\/market-updates\/bitcoin-options-flash-80k-max-pain-as-wall-street-loads-up\/'>news.bitcoin.com<\/a>). Diese Erholung passt zum Bild des wiedergeladenen Pulvers: Long-Nachfrage kehrte zur\u00fcck, blieb aber moderat, weit entfernt von den zweistelligen Basis-Werten fr\u00fcherer Euphoriephasen. Wichtig ist, was die Basis nicht ist: ein Fr\u00fchindikator. Sie l\u00e4uft mit dem Markt, nicht vor ihm; steigende Gier und eine sich weitende Basis fallen zeitlich zusammen. Ob die Basis den Markt \u00fcberhaupt vorhersagen kann, haben wir eigens untersucht: <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/futures-basis-signal-carry-prognose-2026\/'>Sagt die Futures-Basis den Markt voraus?<\/a><\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der September-Fahrplan: f\u00fcnf Termine, ein Fenster<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt wird konkret, warum sich die Positionierung auf einen Monat verdichtet. Der September 2026 stapelt binnen zwei Wochen f\u00fcnf Ereignisse \u00fcbereinander, von denen jedes f\u00fcr sich den Kurs bewegen kann. Zusammengenommen ergeben sie das engste makro-regulatorische Fenster des Jahres.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Datum<\/th><th>Termin<\/th><th>Warum es f\u00fcr die Positionierung z\u00e4hlt<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>11. September<\/td><td>US-Inflationsdaten (August-CPI)<\/td><td>Letzter Preis-Check vor dem Zinsentscheid<\/td><\/tr><tr><td>14. September<\/td><td>US-Senat kehrt aus der Sommerpause zur\u00fcck<\/td><td>Der CLARITY Act steht wieder auf der Tagesordnung<\/td><\/tr><tr><td>15. September<\/td><td>Cloture-Abstimmung zum CLARITY Act<\/td><td>60 Stimmen n\u00f6tig, um das Marktstruktur-Gesetz voranzubringen<\/td><\/tr><tr><td>15. bis 16. September<\/td><td>FOMC-Sitzung samt Projektionen (Dot Plot)<\/td><td>Zinsentscheid und der erste vollst\u00e4ndige Zinsausblick seit Juni<\/td><\/tr><tr><td>25. September<\/td><td>Deribit-Quartalsverfall<\/td><td>Gr\u00f6\u00dfter Optionsverfall des Quartals, Tage nach FOMC und Abstimmung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class='wp-block-table__figcaption'>Quellen: US-Notenbank (FOMC-Kalender), The Block, Deribit-Verfallslogik (letzter Freitag im Quartal).<\/figcaption><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sitzung des Offenmarktausschusses am 15. und 16. September ist per <a href='https:\/\/www.federalreserve.gov\/monetarypolicy\/fomccalendars.htm'>Fed-Kalender<\/a> best\u00e4tigt und bringt neben dem Zinsentscheid einen frischen Dot Plot, also die Zinsprojektionen der Mitglieder. Nach dem schwachen Juli-Arbeitsmarktbericht und dem heutigen CPI auf Erwartung preisten die Prognosem\u00e4rkte zuletzt rund 67 Prozent Wahrscheinlichkeit f\u00fcr keine \u00c4nderung und etwa 34 Prozent f\u00fcr eine Anhebung um 25 Basispunkte ein (<a href='https:\/\/crypto.news\/bitcoin-reclaim-64k-analysts-assess-cpi-for-fed-policy\/'>crypto.news<\/a>). Wie eng die September-Wette an der US-Zinsfrage h\u00e4ngt, zeigt unsere Analyse zur <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/fed-jobmarkt-september-wette-bitcoin-2026\/'>Fed-Zwickm\u00fchle nach dem Jobmarkt-Einbruch<\/a>. Der Quartalsverfall am 25. September ist der gr\u00f6\u00dfte des Quartals und landet nur wenige Tage nach dem Zinsentscheid und der Abstimmung, ein selten dichtes Zusammentreffen von Makro, Regulierung und Optionsmechanik.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>CLARITY Act: die regulatorische Wette hinter den Calls<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum \u00fcberhaupt eine Gesetzesabstimmung im Zentrum der Krypto-Positionierung? Weil der CLARITY Act, das US-Marktstruktur-Gesetz, jene Grundsatzfrage kl\u00e4ren soll, die den Sektor seit Jahren l\u00e4hmt: Ist ein digitales Asset ein Wertpapier oder eine Ware, und welche Beh\u00f6rde ist damit zust\u00e4ndig. Das Repr\u00e4sentantenhaus hatte seine Fassung bereits im Juli 2025 verabschiedet, der Bankenausschuss des Senats zog im Mai 2026 mit 15 zu 9 Stimmen nach. Danach stockte es.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau dieser Fahrplan trieb die Optionswetten. Jimmy Yang, Mitgr\u00fcnder von Orbit Markets, ordnete die Call-Nachfrage des Sommers so ein: &bdquo;Ein gro\u00dfer Teil dieser Positionierung wurde von der Erwartung getrieben, dass der CLARITY Act verabschiedet werden k\u00f6nnte&ldquo; (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/markets\/2026\/07\/24\/a-usd5-billion-cluster-has-formed-in-bitcoin-options-it-tells-a-bullish-story'>CoinDesk<\/a>). Als klar wurde, dass vor der Sommerpause nichts mehr passieren w\u00fcrde, wanderte die Wette weiter nach hinten. Mehrheitsf\u00fchrer John Thune brachte am 8. August einen Cloture-Antrag ein, der die erste prozedurale Abstimmung auf Dienstag, den 15. September, terminierte, den Tag nach der R\u00fcckkehr des Senats (<a href='https:\/\/www.theblock.co\/news\/regulation\/2026-08-08-majority-leader-thune-files-cloture-on-clarity-act-setting-up-sept-15-senate-vote-411211'>The Block<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Ausgang ist offen. Cloture braucht 60 Stimmen, und Teile der demokratischen Fraktion haben signalisiert, den Antrag zu blockieren, solange zwei Streitpunkte ungel\u00f6st sind: die Frage, ob Stablecoin-Emittenten ihren Haltern Zinsen zahlen d\u00fcrfen, und Ethik-Regeln f\u00fcr Amtstr\u00e4ger mit Krypto-Bezug. F\u00fcr die Positionierung hei\u00dft das: Die weit datierten Calls sind letztlich eine Wette auf einen Gesetzestext, dessen Schicksal an einer prozeduralen H\u00fcrde h\u00e4ngt. Genau deshalb dominiert kurzfristig die Absicherung, w\u00e4hrend die Aufw\u00e4rts-Fantasie in den sp\u00e4ten September ausgelagert ist.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wenn Positionierung zum Brennstoff wird: Liquidationen und ADL<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Positionierung ist nicht nur ein Signal, sie ist auch Brennstoff. Gehebelte Positionen tragen eine eingebaute Sollbruchstelle: Reicht die Sicherheit nicht mehr, werden sie zwangsweise geschlossen. In einem d\u00fcnn gehandelten Markt, wie ihn der August bot, k\u00f6nnen solche Liquidationen kaskadieren, weil jede erzwungene Schlie\u00dfung den Preis weiterschiebt und die n\u00e4chste ausl\u00f6st. Genau das macht eine Zone dichter, gleichgerichteter Positionierung gef\u00e4hrlich: Sie ist zugleich die gr\u00f6\u00dfte Chance und das gr\u00f6\u00dfte Risiko.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie brutal das an den R\u00e4ndern des Marktes aussieht, zeigte im April 2026 der Memecoin FARTCOIN. Ein H\u00e4ndler baute \u00fcber gestaffelte K\u00e4ufe eine Long-Position von rund 145 Millionen Token auf und trieb den Kurs von etwa 0,16 auf 0,25 US-Dollar. Dann brach der Preis in einer einzigen Stundenkerze um rund 50 Prozent ein, von 0,2519 auf 0,1244 US-Dollar; der urspr\u00fcngliche H\u00e4ndler verlor etwa 3 Millionen US-Dollar. Der automatische Deleveraging-Mechanismus (ADL) der B\u00f6rse schloss daraufhin zwei Short-Positionen zwangsweise und bescherte ihnen zusammen rund 849.000 US-Dollar Gewinn (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/markets\/2026\/04\/09\/someone-tried-to-manipulate-fartcoin-s-price-with-a-usd145-million-long-it-crashed-50'>CoinDesk<\/a>). ADL bedeutet, dass in Extremsituationen auch profitable Gegenpositionen aufgel\u00f6st werden, um das System solvent zu halten, ein Risiko, das viele Anleger erst bemerken, wenn es sie trifft. F\u00fcr den September gilt: Je gleichgerichteter die Positionierung in das enge Fenster l\u00e4uft, desto gr\u00f6\u00dfer die Gefahr solcher Kaskaden, wenn eines der f\u00fcnf Ereignisse \u00fcberrascht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der blinde Fleck: On-Chain-Positionierung ohne COT<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Alle bisher genannten Kennzahlen haben einen wachsenden blinden Fleck: die dezentralen Terminb\u00f6rsen. Auf Plattformen wie Hyperliquid entstehen Perpetual-M\u00e4rkte, die kein Aufsichtsbericht erfasst. Es gibt keinen w\u00f6chentlichen Positionierungsbericht wie den Commitments-of-Traders-Report der US-Aufsicht, keine geregelte Meldepflicht gro\u00dfer Positionen, und die Preisbildung st\u00fctzt sich oft auf einen Oracle-Wert statt auf ein klassisches Orderbuch. Wer nur die regulierten B\u00f6rsen liest, sieht einen wachsenden Teil des Marktes schlicht nicht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders anschaulich wird das an den sogenannten HIP-3-M\u00e4rkten, die Entwickler auf Hyperliquid selbst aufsetzen k\u00f6nnen, indem sie 500.000 HYPE hinterlegen und den Oracle stellen. Damit lassen sich sogar Perps auf vorb\u00f6rsliche Aktien handeln. Der SpaceX-Perp etwa hielt Ende Juli noch rund 170 Millionen US-Dollar an offenem Interesse, obwohl er mit 20-fachem Hebel \u00fcber die Funding-gegen-Mark-Mechanik abgerechnet wird und keine physische Lieferung kennt (<a href='https:\/\/www.cryptotimes.io\/2026\/07\/24\/hyperliquid-spacex-perpetuals-retain-170m-in-open-interest-while-price-slump\/'>Cryptotimes<\/a>). Das Risiko dieser Struktur ist ein anderes als an der B\u00f6rse: Der Betreiber kontrolliert zentrale Parameter, und ein Markt kann verschwinden, wenn er den Betrieb einstellt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr das Lesen der Positionierung hei\u00dft das: Ein wachsender, undurchsichtiger Teil des Wettgeschehens l\u00e4uft an den etablierten Kennzahlen komplett vorbei. Wer nur den COT-Bericht, die Deribit-Optionskette und die ETF-Zufl\u00fcsse verfolgt, \u00fcbersieht diese On-Chain-Schicht. Dass sich Krypto und Aktienm\u00e4rkte zuletzt zusehends entkoppeln, verkompliziert die Lesart zus\u00e4tzlich, wie wir in der <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/bitcoin-aktien-entkopplung-regime-2026\/'>Entkopplung 2026<\/a> beschrieben haben.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>FMA, MiFID II und die 2:1-Grenze: was f\u00fcr Anleger in \u00d6sterreich gilt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Anlegerinnen und Anleger in \u00d6sterreich ist eine Abgrenzung entscheidend, die im Alltag oft untergeht: Der Spotmarkt und der Derivatemarkt stehen unter unterschiedlicher Aufsicht. Spot-Krypto und die Dienstleistungen der Handelsplattformen (Verwahrung, Tausch, Ausf\u00fchrung) fallen unter die europ\u00e4ische MiCA-Verordnung; nationale Aufsicht ist die Finanzmarktaufsicht (FMA), die \u00f6sterreichische Anbieter wie Bitpanda lizenziert. Krypto-Derivate dagegen, also Futures, Optionen und eben Perpetuals, sind Finanzinstrumente und fallen unter die Wertpapieraufsicht nach MiFID II beziehungsweise dem heimischen Wertpapieraufsichtsgesetz. Die FMA erl\u00e4utert diese Trennung auf ihrer Seite dazu, <a href='https:\/\/www.fma.gv.at\/geldanlage\/welche-krypto-assets-sind-reguliert-und-welche-nicht\/'>welche Krypto-Assets reguliert sind und welche nicht<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Unterscheidung hat praktische Folgen. Die europ\u00e4ische Wertpapieraufsicht ESMA stellte am 24. Februar 2026 klar, dass der Handelsname &bdquo;perpetual futures&ldquo; f\u00fcr die Einordnung irrelevant ist: Diese gehebelten Krypto-Derivate fallen unter die bestehenden CFD-Produktinterventionsma\u00dfnahmen der MiFID II (<a href='https:\/\/www.esma.europa.eu\/sites\/default\/files\/2026-02\/ESMA35-243228190-8024_-_Public_statement_on_derivatives_in_scope_of_the_CFD_product_intervention_measures.pdf'>ESMA-Statement<\/a>). F\u00fcr Kleinanleger bedeutet das einen Hebel-Deckel von 2:1, eine verpflichtende Risikowarnung, Margin-Glattstellung und einen Schutz vor Negativsalden. Wer stattdessen bei einer Offshore-B\u00f6rse mit hundertfachem Hebel handelt, sitzt au\u00dferhalb dieses Schutzschirms, auch wenn dieselbe Funding-Rate \u00fcber den Bildschirm l\u00e4uft. Die FMA warnt seit Jahren, dass Betrug rund um vermeintliche Handelsplattformen, Bin\u00e4roptionen und CFDs zu den gr\u00f6\u00dften Risiken f\u00fcr Konsumenten z\u00e4hlt und dass Krypto-Beschwerden einen wachsenden Anteil der Beschwerdef\u00e4lle ausmachen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Und die Steuer? Realisierte Gewinne aus Krypto-Verm\u00f6genswerten unterliegen in \u00d6sterreich dem Sondersteuersatz von 27,5 Prozent nach dem Einkommensteuergesetz, wobei inl\u00e4ndische Plattformen seit 1. J\u00e4nner 2024 die Kapitalertragsteuer automatisch einbehalten. Bei Derivaten kann die steuerliche Behandlung abweichen; hier lohnt im Zweifel die R\u00fccksprache mit einer Steuerberatung, denn die 2:1-Grenze sch\u00fctzt vor Hebel, nicht vor dem Finanzamt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Positionierung lesen, ohne sich zu t\u00e4uschen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ziehen wir die F\u00e4den zusammen. Keine einzelne Kennzahl tr\u00e4gt eine Prognose; jede ist ein Proxy f\u00fcr die Absicht der Masse, und jeder Proxy ist auf seine Weise verzerrt, sei es zeitlich verz\u00f6gert, venue-abh\u00e4ngig oder schlicht leicht misszuverstehen. Die Kunst besteht darin, sie zu triangulieren: Funding zeigt die kurzfristige Balance, die Basis den Carry f\u00fcr datierte Kontrakte, der Skew den Absicherungsbedarf. Zusammen ergeben sie eine einzige Carry-Oberfl\u00e4che, nicht drei getrennte Signale.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kennzahl<\/th><th>Was sie zeigt<\/th><th>Blinder Fleck<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Open Interest<\/td><td>gebundenes Kapital, Beteiligung<\/td><td>sagt nichts \u00fcber die Richtung<\/td><\/tr><tr><td>Funding Rate<\/td><td>kurzfristige Long\/Short-Balance bei Perps<\/td><td>verrauscht, kehrt schnell zur Mitte zur\u00fcck<\/td><\/tr><tr><td>Put-Call und Skew<\/td><td>Absicherungsbedarf, defensive Schlagseite<\/td><td>Momentaufnahme, je nach B\u00f6rse verschieden<\/td><\/tr><tr><td>Max Pain<\/td><td>Strike mit dem gr\u00f6\u00dften Optionsverlust<\/td><td>beschreibend, nicht vorhersagend<\/td><\/tr><tr><td>Dealer-Gamma<\/td><td>Absicherungsfluss der Market Maker<\/td><td>schwer zu messen, \u00e4ndert sich mit dem Preis<\/td><\/tr><tr><td>Liquidationen<\/td><td>erzwungene Positionsaufl\u00f6sung<\/td><td>zeigt die Folge, nicht die Ursache<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class='wp-block-table__figcaption'>Wie sich die g\u00e4ngigen Positionierungs-Kennzahlen lesen lassen.<\/figcaption><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Fallstricke bleiben. Erstens die Reflexivit\u00e4t: Dealer-Gamma ver\u00e4ndert die Wahrscheinlichkeit seines eigenen Ergebnisses, weil die Absicherung der Market Maker den Kurs bewegt, den sie absichern. Zweitens die Verwechslung von Landkarte und Gel\u00e4nde. Max Pain, Open Interest und Skew beschreiben, wo das Geld gerade liegt, nicht, wohin der Preis muss. Der September 2026 ist deshalb weniger eine Vorhersage als ein Testfall: F\u00fcnf Ereignisse treffen auf eine Positionierung, die offensiv auf die Aufw\u00e4rts-Strikes und defensiv auf den Weg dorthin setzt. Wer die Kennzahlen als das liest, was sie sind, als verzerrte Fenster in die Absicht der Masse, kommt der Wahrheit n\u00e4her als jeder, der aus einer einzelnen Zahl eine Prophezeiung macht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Frequently Asked Questions<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Was bedeutet Derivate-Positionierung?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Positionierung ist die Summe der Wetten, die \u00fcber Futures, Perpetuals und Optionen auf einen Kurs gesetzt sind, nicht der Kurs selbst. Man liest sie \u00fcber Kennzahlen wie Open Interest, Funding Rate, Put-Call-Ratio, Skew, Max Pain und Dealer-Gamma. Jede davon ist ein verzerrter N\u00e4herungswert f\u00fcr die Absicht der Marktteilnehmer, kein Vorhersagewerkzeug.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum ist der September 2026 f\u00fcr Krypto-Derivate so wichtig?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Weil sich binnen zwei Wochen f\u00fcnf marktbewegende Termine stapeln: die US-Inflationsdaten am 11. September, die R\u00fcckkehr des US-Senats am 14. September, die Cloture-Abstimmung zum CLARITY Act am 15. September, die FOMC-Sitzung samt Zinsprojektionen am 15. und 16. September sowie der gro\u00dfe Deribit-Quartalsverfall am 25. September. Die Positionierung hat sich nach dem tr\u00e4gen Juli genau um dieses Fenster geb\u00fcndelt.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist Max Pain und sagt es den Bitcoin-Preis voraus?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Max Pain ist der Aus\u00fcbungspreis, bei dem am Verfallstag der gr\u00f6\u00dfte Gesamtwert an Optionen wertlos verf\u00e4llt. Er ist beschreibend, nicht vorhersagend. Mal settlet der Kurs nahe dem Punkt, wie beim Monatsverfall Ende Juli 2026, mal weit entfernt, wie Ende Juni. Diese Widerspr\u00fcchlichkeit ist der Grund, ihn als Landkarte des aktuellen Optionsbuchs zu behandeln, nicht als Fahrplan.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Sind Krypto-Perpetuals in \u00d6sterreich reguliert?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ja. Krypto-Derivate wie Perpetuals sind Finanzinstrumente und fallen unter die Wertpapieraufsicht nach MiFID II beziehungsweise dem Wertpapieraufsichtsgesetz, beaufsichtigt durch die FMA, nicht unter MiCA, das den Spotmarkt und die Dienstleister abdeckt. Die ESMA stuft Perpetuals als CFDs ein; f\u00fcr Kleinanleger gilt damit ein Hebel-Deckel von 2:1 samt Risikowarnung und Negativsaldo-Schutz.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist Dealer-Gamma und wie beeinflusst es den Kurs?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Dealer-Gamma beschreibt den Absicherungsfluss der Market Maker, die Optionen verkaufen. Sind sie in einer dicht besetzten Strike-Zone netto long im Gamma, verkaufen sie in Rallys hinein und kaufen in R\u00fccksetzer, was den Kurs dort d\u00e4mpft, eine Art Bremse. 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