{"id":253,"date":"2026-08-19T20:50:27","date_gmt":"2026-08-19T20:50:27","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/at\/bitcoin-preis-volumen-referenzkurs-orakel-2026\/"},"modified":"2026-08-19T20:50:27","modified_gmt":"2026-08-19T20:50:27","slug":"bitcoin-preis-volumen-referenzkurs-orakel-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/at\/bitcoin-preis-volumen-referenzkurs-orakel-2026\/","title":{"rendered":"Wer bestimmt den Bitcoin-Preis? Das Volumen hinter dem Kurs"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Anlegerin in Wien \u00f6ffnet am Vormittag drei Apps. Bei ihrer heimischen B\u00f6rse steht Bitcoin bei knapp 59.000 Euro. Der Bitcoin-ETF in ihrem Depot wird am Abend zu einem leicht anderen Kurs abgerechnet. Und die Perpetual-Position, die sie auf einer internationalen Plattform h\u00e4lt, wird gegen einen dritten Preis liquidiert, der sich von beiden unterscheidet. Welcher davon ist &bdquo;der Bitcoin-Preis&ldquo;?<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die ehrliche Antwort lautet: keiner allein. Es gibt keinen einzelnen, amtlichen Bitcoin-Kurs, so wie es einen Schlusskurs der Erste-Group-Aktie an der Wiener B\u00f6rse gibt. Bitcoin wird rund um die Uhr auf Dutzenden Handelspl\u00e4tzen gehandelt, jeder mit eigenem Orderbuch, eigener Liquidit\u00e4t und eigenem letzten Preis. Laut CoinGecko lag Bitcoin Mitte August 2026 bei rund <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>58.885 Euro<\/a>, gut die H\u00e4lfte unter dem Allzeithoch von 107.662 Euro. Doch diese eine Zahl, die \u00fcber jede Kurstafel l\u00e4uft, ist ein Konstrukt. Sie wird aus einer einzigen Zutat gebaut, und diese Zutat ist das Handelsvolumen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Artikel dreht die \u00fcbliche Volumen-Debatte um. Statt zu fragen, ob das Volumen steigt oder f\u00e4llt, echt oder gef\u00e4lscht ist, fragen wir: Wie wird aus Volumen \u00fcberhaupt ein Preis? Wer entscheidet, welche Trades z\u00e4hlen? Und warum steht ausgerechnet die B\u00f6rse mit dem meisten Volumen nicht in jenem Index, an dem sich die gro\u00dfen Bitcoin-ETFs orientieren? Am Ende steht eine unbequeme Erkenntnis: Nicht das gr\u00f6\u00dfte Volumen macht den Preis, sondern das pr\u00fcfbarste. F\u00fcr Anlegerinnen und Anleger in \u00d6sterreich ist das mehr als eine akademische Feinheit, denn es entscheidet, welchem Kurs der eigene ETF, die eigene Steuererkl\u00e4rung und im Zweifel das eigene Liquidationssystem folgen.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Wie aus Volumen ein Preis wird<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Preisbildung, in der Fachsprache Price Discovery, ist der Prozess, in dem K\u00e4ufer und Verk\u00e4ufer sich \u00fcber ein Orderbuch auf einen Preis einigen. Jeder ausgef\u00fchrte Trade ist ein winziges Votum dar\u00fcber, was Bitcoin gerade wert ist. Das Volumen ist nichts anderes als die Summe dieser Voten, gewichtet nach Gr\u00f6\u00dfe. Ein Handelsplatz, an dem t\u00e4glich Milliarden umgesetzt werden, produziert ein dichtes, aussagekr\u00e4ftiges Signal. Ein Platz mit d\u00fcnnem Volumen liefert nur Rauschen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau deshalb ist Volumen kein blo\u00dfes Aktivit\u00e4tsma\u00df, sondern der Rohstoff jedes zusammengesetzten Preises. Wenn eine Handvoll Datenanbieter, ETF-Verwalter und Blockchain-Orakel eine einzige &bdquo;Bitcoin-USD&ldquo;-Zahl brauchen, m\u00fcssen sie viele Einzelpreise zu einem verdichten. Und die Regel, nach der sie das tun, lautet fast immer: Wer mehr Volumen liefert, dessen Preis wiegt schwerer. Volumen ist also die Gewichtung in jeder Formel, die aus vielen Kursen einen macht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum driften die B\u00f6rsen dann nicht auseinander? Weil Arbitrageure die L\u00fccken schlie\u00dfen. Steht Bitcoin an einem Platz zehn Euro h\u00f6her als am anderen, kaufen H\u00e4ndler dort, wo es billig ist, und verkaufen dort, wo es teuer ist, bis die Differenz verschwindet. Dieses Netz aus Arbitrage h\u00e4lt die globalen Preise eng beieinander, aber nie exakt gleich. Die Restdifferenzen entstehen aus Geb\u00fchren, aus der jeweiligen Quote-W\u00e4hrung (US-Dollar-Stablecoin gegen Euro) und aus der Tiefe des Orderbuchs. Wer den &bdquo;richtigen&ldquo; Preis sucht, sucht in Wahrheit den bestgewichteten Durchschnitt eines fragmentierten Marktes.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Fragmentierung ist kein Randph\u00e4nomen. Der Datenanbieter Kaiko weist seit Jahren darauf hin, dass sich Liquidit\u00e4t und Volumen \u00fcber Hunderte von Handelspaaren und Dutzende Pl\u00e4tze verteilen, mit der Folge, dass es den einen Bitcoin-Preis technisch gar nicht geben kann, nur eine Vielzahl eng gekoppelter Einzelpreise. Wer eine gro\u00dfe Order ausf\u00fchrt, sp\u00fcrt das sofort: Auf einem tiefen Markt bewegt sie den Kurs kaum, auf einem d\u00fcnnen rei\u00dft sie ein Loch ins Orderbuch. Deshalb ist die Frage, wo das Volumen sitzt, keine Statistik-Spielerei, sondern entscheidet \u00fcber den Preis, den man am Ende tats\u00e4chlich bezahlt.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Das Volumen-Foto vom Juli 2026<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor wir zu den Referenzpreisen kommen, lohnt ein Blick darauf, wo das Volumen heuer \u00fcberhaupt liegt. Die vierzehn gr\u00f6\u00dften Spot-B\u00f6rsen setzten im Juli 2026 zusammen 429,0 Milliarden Dollar um, ein Minus von 21,7 Prozent gegen\u00fcber Juni; keine einzige davon legte zu, wie die Monatsauswertung von <a href='https:\/\/en.cryptonomist.ch\/2026\/08\/11\/cryptocurrency-spot-volume-july-2026\/'>Cryptonomist<\/a> zeigt. Aggregiert erreichte das CEX-Spot-Volumen laut <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/research\/exchange-review-july-2026'>CoinDesk Research<\/a> den tiefsten Stand seit 32 Monaten, w\u00e4hrend der Anteil der dezentralen B\u00f6rsen (DEX) mit rund 24 Prozent des CEX-Volumens ein Allzeithoch markierte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Konzentration ist die eigentliche Geschichte. Die drei gr\u00f6\u00dften Pl\u00e4tze machten zusammen rund 64 Prozent des gesamten Spot-Volumens aus. Binance allein stellte fast die H\u00e4lfte. Diese Dominanz wird gleich noch wichtig, wenn wir fragen, wessen Trades in den offiziellen Referenzkurs einflie\u00dfen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>B\u00f6rse<\/th><th>Spot-Volumen Juli 2026 (Mrd. USD)<\/th><th>Anteil an den 14 erfassten Pl\u00e4tzen<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Binance<\/td><td>196,5<\/td><td>45,8 %<\/td><\/tr><tr><td>OKX<\/td><td>41,6<\/td><td>9,7 %<\/td><\/tr><tr><td>Bybit<\/td><td>36,3<\/td><td>8,5 %<\/td><\/tr><tr><td>Coinbase<\/td><td>30,3<\/td><td>7,1 %<\/td><\/tr><tr><td>Uniswap (DEX)<\/td><td>24,5<\/td><td>5,7 %<\/td><\/tr><tr><td>Kraken<\/td><td>22,3<\/td><td>5,2 %<\/td><\/tr><tr><td>Gate<\/td><td>13,0<\/td><td>3,0 %<\/td><\/tr><tr><td>Bitfinex<\/td><td>4,1<\/td><td>1,0 %<\/td><\/tr><tr><td>Alle 14 B\u00f6rsen<\/td><td>429,0<\/td><td>100 %<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class='wp-block-table__figcaption'>Quelle: Cryptonomist, Spot-Volumen Juli 2026. Anteile gerundet.<\/figcaption><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig f\u00fcr alles Folgende: Dieses Spot-Volumen ist nur die kleinere H\u00e4lfte des Marktes. Derivate (Futures und vor allem Perpetuals) machen seit Jahren rund drei Viertel des gesamten Handels aus. Der Preis, an dem sich Milliarden an offenen Positionen entscheiden, entsteht deshalb oft nicht im Spot-Markt, sondern in einem Geflecht aus Spot-Referenz und Derivate-Aufschlag. Und weil das gesamte Volumen heuer schrumpft, wird jeder einzelne verbleibende Handelsplatz f\u00fcr die Preisbildung wichtiger, nicht unwichtiger: In einem d\u00fcnneren Markt wiegt jede gro\u00dfe Order schwerer.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Der Referenzkurs, dem die Wall Street traut<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn eine Fondsgesellschaft in New York einen Bitcoin-ETF abrechnen muss, kann sie sich nicht auf den zuf\u00e4lligen letzten Preis irgendeiner B\u00f6rse verlassen. Sie braucht eine Zahl, die repr\u00e4sentativ, manipulationsresistent und nachvollziehbar ist. Diese Zahl ist in aller Regel die CME CF Bitcoin Reference Rate, herausgegeben von CF Benchmarks, einem von der britischen Aufsicht FCA zugelassenen Benchmark-Administrator (Firmennummer <a href='https:\/\/www.cfbenchmarks.com\/blog\/cf-benchmarks-authorised-and-regulated-by-the-fca-under-eu-bmr'>FRN 847100<\/a>) und dem ersten Krypto-Index, der unter einer eigenen Benchmark-Verordnung reguliert wurde.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mechanik ist bewusst unspektakul\u00e4r, und genau das ist ihre St\u00e4rke. Statt einen Momentanpreis zu greifen, beobachtet die Reference Rate ein ganzes Fenster von einer Stunde vor dem Fixing. Dieses Fenster wird in zw\u00f6lf Intervalle zu je f\u00fcnf Minuten zerlegt. In jedem Intervall wird nicht der Durchschnitt, sondern der volumengewichtete Median aller Trades an den zugelassenen B\u00f6rsen berechnet. Zum Schluss werden die zw\u00f6lf Mediane gleich gewichtet zu einem einzigen Wert gemittelt. Die Details dieser Methode sind bei der <a href='https:\/\/www.cmegroup.com\/articles\/faqs\/cme-cf-cryptocurrency-benchmarks-faq.html'>CME Group<\/a> dokumentiert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum ein Median und kein Mittelwert? Weil ein Median gegen Ausrei\u00dfer robust ist. Wer eine einzelne, k\u00fcnstliche Riesenorder platziert, um den Preis zu ziehen, verschiebt einen Durchschnitt, aber kaum einen volumengewichteten Median \u00fcber zw\u00f6lf verteilte Fenster. Sui Chung, CEO von CF Benchmarks, bringt den Anspruch auf den Punkt: Ein Benchmark m\u00fcsse <a href='https:\/\/www.fow.com\/insights\/3700265-safeguarding-bitcoin-benchmarks-lessons-learned'>&bdquo;repr\u00e4sentativ f\u00fcr den zugrunde liegenden Markt, resistent gegen Manipulation und f\u00fcr Marktteilnehmer replizierbar&ldquo;<\/a> sein, um institutionelles Vertrauen zu tragen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Merkmal<\/th><th>Ausgestaltung der CME CF Bitcoin Reference Rate<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Beobachtungsfenster<\/td><td>Eine Stunde vor dem Fixing<\/td><\/tr><tr><td>Fixing-Zeitpunkt<\/td><td>16:00 London (BRR) bzw. 16:00 New York (BRRNY)<\/td><\/tr><tr><td>Partitionierung<\/td><td>Zw\u00f6lf Intervalle zu je f\u00fcnf Minuten<\/td><\/tr><tr><td>Preis je Intervall<\/td><td>Volumengewichteter Median aller Trades<\/td><\/tr><tr><td>Endwert<\/td><td>Gleichgewichteter Durchschnitt der zw\u00f6lf Mediane<\/td><\/tr><tr><td>Konstituenten<\/td><td>Kuratiertes Panel regulierter B\u00f6rsen (u. a. Bitstamp, Coinbase, Crypto.com, Gemini, itBit, Kraken, LMAX Digital)<\/td><\/tr><tr><td>Nicht im Panel<\/td><td>Binance, die nach Volumen gr\u00f6\u00dfte Spot-B\u00f6rse<\/td><\/tr><tr><td>Administrator<\/td><td>CF Benchmarks, FCA-reguliert (FRN 847100)<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class='wp-block-table__figcaption'>Quelle: CME Group und CF Benchmarks, Stand 2026.<\/figcaption><\/figure><h2 class=\"wp-block-heading\">Der gro\u00dfe Ausgeschlossene: warum Binance fehlt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier liegt die eigentliche Pointe. Das Panel, aus dem die weltweit wichtigste Bitcoin-Referenz gebaut wird, besteht 2026 aus einem kuratierten Kreis regulierter Handelspl\u00e4tze: Bitstamp, Coinbase, Crypto.com, Gemini, itBit, Kraken und LMAX Digital geh\u00f6ren dazu, wie CF Benchmarks in seiner <a href='https:\/\/www.cfbenchmarks.com\/data\/indices\/BRRNY'>Index-Dokumentation<\/a> ausweist. Binance ist nicht dabei. Die B\u00f6rse, die im Juli fast die H\u00e4lfte des gesamten Spot-Volumens stellte, liefert keinen einzigen Datenpunkt an den Kurs, der die US-Bitcoin-ETFs abrechnet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist kein Versehen, sondern Programm. F\u00fcr die Aufnahme in das Panel z\u00e4hlt nicht die schiere Gr\u00f6\u00dfe, sondern die Pr\u00fcfbarkeit: verl\u00e4ssliche Datenschnittstellen, klare Regulierung, ein Handelsplatz, dessen Volumen unabh\u00e4ngig nachvollzogen werden kann. Diese Logik spiegelt exakt die Anforderung, mit der die US-B\u00f6rsenaufsicht die Zulassung der Spot-ETFs begr\u00fcndete, n\u00e4mlich die Existenz eines &bdquo;regulierten Marktes von signifikanter Gr\u00f6\u00dfe&ldquo; mit \u00dcberwachungsvereinbarungen. Auditierbares Volumen schl\u00e4gt rohes Volumen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kontrast wird in Zahlen greifbar. Im Juli 2026 kam Binance auf einen rohen Spot-Anteil von 45,8 Prozent. In der gefilterten Quartalsstatistik von <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/research\/publications\/2026-q2-crypto-report'>CoinGecko<\/a>, die Wash-Trading-Verdacht und dubiose Paare herausrechnet, lag der Anteil im zweiten Quartal bei rund 38,7 Prozent. Die Differenz zwischen diesen beiden Zahlen ist genau der Graben zwischen &bdquo;viel gehandelt&ldquo; und &bdquo;glaubw\u00fcrdig gehandelt&ldquo;. Der Referenzkurs stellt sich bewusst auf die zweite Seite dieses Grabens.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Wer entscheidet, welche B\u00f6rse z\u00e4hlt?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn das Panel den Preis bestimmt, dann bestimmt die Frage, wer im Panel sitzt, indirekt den Preis. Deshalb ist die Zusammensetzung kein technisches Detail, sondern eine Governance-Frage. CF Benchmarks w\u00e4hlt nicht willk\u00fcrlich aus, sondern nach festen Aufnahmekriterien: Ein Handelsplatz muss ausreichende Liquidit\u00e4t, verl\u00e4ssliche Datenschnittstellen, eine wirksame Markt\u00fcberwachung und eine saubere Regulierungsbasis nachweisen. Ein Aufsichtsgremium wacht \u00fcber die Einhaltung dieser Regeln, wie es die internationalen IOSCO-Grunds\u00e4tze f\u00fcr Finanzbenchmarks verlangen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dass dieses Panel lebt, zeigen die j\u00fcngsten \u00c4nderungen. Crypto.com wurde Anfang 2025 als Konstituent aufgenommen, und auch <a href='https:\/\/www.cfbenchmarks.com\/blog\/cf-benchmarks-adds-gemini-as-constituent-exchange-to-reference-rate-underpinning-cme-bitcoin-futures-other-indices'>Gemini r\u00fcckte in den Kreis<\/a> der beitragenden B\u00f6rsen. Jede Aufnahme verschiebt die Gewichte ein St\u00fcck: Ein neuer Platz bringt sein Volumen ein und ver\u00e4ndert damit, wessen Trades den Median mitbestimmen. Umgekehrt kann ein Handelsplatz, der die Kriterien rei\u00dft, etwa durch einbrechende Liquidit\u00e4t oder einen Vertrauensverlust, auch wieder herausfallen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kollaps der B\u00f6rse FTX Ende 2022 f\u00fchrte der Branche vor Augen, warum diese Kontrolle \u00fcberhaupt existiert: Ein Volumen, das gestern noch als real galt, kann \u00fcber Nacht wertlos werden. Ein Referenzkurs, der stur jeder B\u00f6rse folgt, w\u00fcrde einen solchen Einbruch ungefiltert weiterreichen; ein kuratiertes, \u00fcberwachtes Panel federt ihn ab. Die unbequeme Kehrseite dieser Robustheit: Eine kleine Zahl von Institutionen entscheidet, welche Trades als der Bitcoin-Preis gelten. Dezentral ist an diesem Teil des Marktes wenig.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Vom Referenzkurs zum ETF-Preis<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Was passiert mit dieser Referenz konkret? Sie wird zum Nettoinventarwert (NAV) der Bitcoin-ETFs. Fonds wie iShares Bitcoin Trust (IBIT), ARK 21Shares (ARKB), Bitwise (BITB), Franklin (EZBC) und andere schlagen ihren t\u00e4glichen NAV auf Basis der New-York-Variante der Reference Rate um 16:00 Uhr New Yorker Zeit fest, so f\u00fchrt es CF Benchmarks in seiner <a href='https:\/\/www.cfbenchmarks.com\/data\/indices\/BRRNY'>BRRNY-\u00dcbersicht<\/a>. Das ist der Preis, zu dem Anteile geschaffen und zur\u00fcckgenommen werden, und damit der Preis, der am Ende in jedem europ\u00e4ischen Depot ankommt, das einen dieser Fonds abbildet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Untertags kann der B\u00f6rsenkurs des ETF von diesem NAV abweichen. Dann greift ein Arbitrage-Mechanismus: Autorisierte Teilnehmer, meist gro\u00dfe Handelsh\u00e4user, tauschen Fondsanteile gegen den zugrunde liegenden Bitcoin und umgekehrt und verdienen an der Differenz zwischen Marktpreis und innerem Wert. Genau dieses Wechselspiel aus Schaffung, R\u00fccknahme und Referenzpreis erkl\u00e4rt, warum eine einzelne Milliarde an ETF-Zufl\u00fcssen den Spot-Markt so stark bewegen kann; wir haben das im Detail in unserer Analyse zu <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/etf-flows-bitcoin-preis-multiplikator-2026\/'>ETF-Flows und dem Bitcoin-Preis<\/a> auseinandergenommen. Wer hinter diesen Zufl\u00fcssen wirklich steht, ist eine eigene Geschichte, die wir in <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/krypto-etf-fluesse-wer-kauft-milliarden-2026\/'>&bdquo;Wer kauft die Milliarden&ldquo;<\/a> erz\u00e4hlt haben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Punkt f\u00fcr dieses Thema: Der ETF-Preis ist kein eigener Preis. Er ist ein direktes Destillat aus dem Volumen an einer Handvoll gepr\u00fcfter B\u00f6rsen, einmal t\u00e4glich zu einer festen Sekunde eingefroren.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Der 24\/7-Markt und die Wochenendl\u00fccke<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Bitcoin-Referenzkurs st\u00f6\u00dft auf ein grunds\u00e4tzliches Problem: Bitcoin ruht nie, die regulierte Finanzwelt aber schon. Der Kassamarkt handelt rund um die Uhr, an sieben Tagen die Woche. Die CME-Bitcoin-Futures dagegen pausieren am Wochenende, und die Reference Rate liefert ihren ma\u00dfgeblichen Wert nur einmal t\u00e4glich zu einer festen Sekunde. Zwischen diesen Takten l\u00e4uft der Preis weiter, ohne dass die offizielle Welt ihn festh\u00e4lt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Daraus entsteht die ber\u00fcchtigte CME-L\u00fccke (CME Gap). Bewegt sich Bitcoin \u00fcbers Wochenende stark, \u00f6ffnet der Futures-Markt am Montag mit einem Sprung, und im Chart klafft eine L\u00fccke zwischen Freitagsschluss und Montagser\u00f6ffnung. Viele H\u00e4ndler beobachten diese L\u00fccken genau, weil der Kurs sie sp\u00e4ter oft wieder auff\u00fcllt. F\u00fcr die Preisbildung bedeutet das: Der offizielle Terminpreis und der durchgehende Kassapreis k\u00f6nnen am Wochenende sp\u00fcrbar auseinanderlaufen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auch der ETF erbt dieses Problem. Sein Nettoinventarwert wird nur an Handelstagen zum 16-Uhr-Fixing in New York festgestellt. L\u00e4uft Bitcoin am Samstag um zehn Prozent, bleibt der zuletzt festgestellte NAV davon zun\u00e4chst unber\u00fchrt; erst der n\u00e4chste B\u00f6rsentag holt die Bewegung nach. Wer am Wochenende in Euro auf einer durchgehend ge\u00f6ffneten B\u00f6rse handelt, sieht also einen Preis, den die regulierte ETF-Welt in diesem Moment gar nicht kennt. Der 24\/7-Charakter von Bitcoin und die getakteten Referenzkurse passen nicht nahtlos zusammen, und genau in dieser Fuge entstehen manche der irritierendsten Preisunterschiede.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Der Euro-Preis ist ein anderer Preis<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Anlegerinnen und Anleger in \u00d6sterreich kommt eine zweite Ebene dazu. Der globale Bitcoin-Preis wird \u00fcberwiegend gegen US-Dollar-Stablecoins gebildet. Der Preis, den eine Wienerin auf ihrer Kurstafel in Euro sieht, entsteht dagegen auf ganz anderen Handelspl\u00e4tzen. Nach Auswertungen des Datenanbieters <a href='https:\/\/www.kaiko.com\/news\/kaiko-research-highlights-bitvavos-position-in-eur-spot-trading'>Kaiko<\/a> entfielen im Zeitraum 2025 bis 2026 rund 44 Prozent des weltweiten Euro-Spot-Volumens auf Bitvavo, 20 Prozent auf Kraken, 13 Prozent auf Coinbase und nur 8 Prozent auf Binance. Der Euro-Bitcoin wird also dort entdeckt, wo der globale Dollar-Bitcoin gar nicht dominiert.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Handelsplatz<\/th><th>Anteil am globalen EUR-Spot-Volumen (2025\/2026)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Bitvavo<\/td><td>rund 44 %<\/td><\/tr><tr><td>Kraken<\/td><td>rund 20 %<\/td><\/tr><tr><td>Coinbase<\/td><td>rund 13 %<\/td><\/tr><tr><td>Binance<\/td><td>rund 8 %<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class='wp-block-table__figcaption'>Quelle: Kaiko Research, Euro-denominierte Spot-Paare.<\/figcaption><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Das hat handfeste Folgen. Zwischen dem Euro- und dem Dollar-Preis liegt der Wechselkurs EUR\/USD, der selbst schwankt; ein steigender Dollar kann den Euro-Bitcoin dr\u00fccken, auch wenn der Dollar-Bitcoin stillsteht. Wie dieses Vorzeichenspiel zwischen Dollar-Index und Bitcoin funktioniert, haben wir im <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/dollar-smile-dxy-bitcoin-regime-2026\/'>Dollar-L\u00e4cheln<\/a> beschrieben. F\u00fcr die Preisqualit\u00e4t ist zudem die Enge der Spreads entscheidend: Kaiko ma\u00df bei Bitvavo mit 0,981 Basispunkten die engsten durchschnittlichen Geld-Brief-Spannen unter den gro\u00dfen Euro-Pl\u00e4tzen, ein Zeichen f\u00fcr dichte Liquidit\u00e4t und damit gute Preisbildung im Euro-Raum. Euro-gedeckte Stablecoins, getrieben von der MiCA-Klarheit, legten gegen\u00fcber 2024 um das Sieben- bis Achtfache zu.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitpanda, \u00d6sterreichs von der FMA lizenzierter Vorzeige-Anbieter, spielt in diesem Euro-\u00d6kosystem eine tragende Rolle f\u00fcr heimische Kundinnen und Kunden. Und ob dieser Euro-Preis eher der Wall Street oder der Wiener B\u00f6rse folgt, ist eine eigene, spannende Frage; unsere Analyse zur <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/bitcoin-atx-wall-street-korrelation-2026\/'>Korrelation zwischen Bitcoin, ATX und Wall Street<\/a> zeigt, dass die Antwort fast immer Richtung New York deutet, nicht Richtung Wien.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Orakel: wie die Blockchain den B\u00f6rsenpreis importiert<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt eine dritte Welt, die den B\u00f6rsenpreis braucht: die dezentrale Finanzwelt (DeFi). Ein Kreditprotokoll auf Ethereum muss wissen, wie viel eine hinterlegte Bitcoin-Position wert ist, um zu entscheiden, ob ein Kredit liquidiert werden muss. Doch eine Blockchain kann von sich aus keine B\u00f6rsenkurse lesen. Diese L\u00fccke f\u00fcllen Orakel, allen voran das Netzwerk von Chainlink.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Chainlink aggregiert Preise in drei Stufen, wie das Projekt in seinem <a href='https:\/\/blog.chain.link\/levels-of-data-aggregation-in-chainlink-price-feeds\/'>technischen Blog<\/a> beschreibt. Zuerst bildet jeder Datenanbieter aus vielen Handelspl\u00e4tzen einen volumengewichteten Durchschnitt. Dann meldet jeder unabh\u00e4ngige Knotenbetreiber seinen eigenen aggregierten Wert. Schlie\u00dflich einigt sich das Netzwerk auf den Median all dieser Meldungen und schreibt nur diesen einen Wert auf die Blockchain. Jede Stufe filtert Ausrei\u00dfer heraus; wieder ist das Prinzip Volumen plus Median, nur diesmal dezentral abgesichert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum dieser Aufwand? Weil ein Orakel, das nur eine B\u00f6rse liest, trivial angreifbar w\u00e4re. Sergey Nazarov, Mitgr\u00fcnder von Chainlink, beziffert das Risiko drastisch: Schon mit <a href='https:\/\/decrypt.co\/36468\/defi-growth-is-fuelled-by-oracles-says-chainlink-founder'>rund 100.000 Dollar<\/a> lasse sich der Preis an einer einzelnen B\u00f6rse bewegen, ein Risiko &bdquo;auf dem Niveau von Mt. Gox&ldquo;. Nur wer aus vielen volumenstarken Quellen zieht, macht Manipulation so teuer, dass sie sich nicht mehr lohnt. Das Volumen ist hier die Verteidigungslinie: Je mehr echte Tiefe hinter einem Preis steht, desto teurer wird es, ihn zu f\u00e4lschen.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Mango Markets: wenn d\u00fcnnes Volumen zur Waffe wird<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Was passiert, wenn ein Preis auf d\u00fcnnem Volumen ruht, zeigt der bekannteste Orakel-Angriff der j\u00fcngeren Geschichte. Im Oktober 2022 nutzte der H\u00e4ndler Avraham Eisenberg die dezentrale B\u00f6rse Mango Markets auf Solana aus. Er kaufte den nur schwach gehandelten Token MNGO auf mehreren Pl\u00e4tzen (unter anderem FTX, AscendEX und Serum) und trieb dessen Preis in wenigen Minuten in die H\u00f6he. Weil das Mango-Orakel diesen aufgebl\u00e4hten Preis als Wahrheit \u00fcbernahm, stieg der rechnerische Wert seiner Position sprunghaft an.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen diese k\u00fcnstlich aufgeblasene Sicherheit lieh er sich anschlie\u00dfend \u00fcber 100 Millionen Dollar aus dem Protokoll und zog das Geld ab. Der Schaden lag bei rund 110 Millionen Dollar. Der Kern des Angriffs war nicht ein Software-Fehler, sondern d\u00fcnnes Volumen: Ein Token, den kaum jemand handelt, l\u00e4sst sich mit wenig Kapital weit bewegen, und ein Orakel, das ihm blind folgt, wird zur Waffe.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die juristische Nachgeschichte ist ein eigenes Lehrst\u00fcck. Eisenberg wurde im April 2024 wegen Warenbetrug, Marktmanipulation und \u00dcberweisungsbetrug verurteilt. Doch im Mai 2025 hob Bundesrichter Arun Subramanian s\u00e4mtliche Schuldspr\u00fcche <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2025\/05\/24\/judge-overturns-convictions-in-mango-markets-exploiters-crypto-fraud-case'>wieder auf<\/a>, unter anderem wegen eines falschen Gerichtsstands und weil Mango Markets &bdquo;permissionless und automatisch&ldquo; funktioniere und es an ausreichenden Beweisen f\u00fcr eine T\u00e4uschung fehle. Dass ein Protokoll ohne Torw\u00e4chter \u00fcberhaupt get\u00e4uscht werden kann, blieb rechtlich strittig; die technische Lehre ist eindeutig: Ein Preis ist nur so robust wie das Volumen, das ihn st\u00fctzt.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Die drei Preise einer Perpetual<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Nirgends wird sichtbarer, dass es viele Preise gibt, als im Derivatemarkt. Ein Perpetual-Future, das meistgehandelte Krypto-Produkt \u00fcberhaupt, kennt gleich drei Preise nebeneinander, und die Unterscheidung entscheidet \u00fcber Gewinn oder Zwangsliquidation.<\/p><ul class='wp-block-list'><li><strong>Der letzte Preis<\/strong> ist schlicht der Kurs des j\u00fcngsten Trades auf genau dieser B\u00f6rse. Er ist am nerv\u00f6sesten und am leichtesten kurz zu verzerren.<\/li><li><strong>Der Index-Preis<\/strong> wird aus dem volumengewichteten Spot-Preis mehrerer externer B\u00f6rsen gebildet. Binance etwa bildet seinen Index aus einem Korb mehrerer Spot-Pl\u00e4tze, damit kein einzelner Ausrei\u00dfer durchschl\u00e4gt.<\/li><li><strong>Der Mark-Preis<\/strong> schlie\u00dflich ist der gegl\u00e4ttete Wert, gegen den Gewinne, Verluste und Liquidationen berechnet werden. Er kombiniert den Index-Preis mit einem Finanzierungs-Aufschlag, damit ein kurzer Docht an einer einzelnen B\u00f6rse niemanden f\u00e4lschlich aus der Position wirft.<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Dreiteilung ist der Grund, warum ein Blitz-Crash auf einem einzelnen Handelsplatz nicht sofort eine globale Liquidationswelle ausl\u00f6st: Die Position wird gegen den korbbasierten Mark-Preis bewertet, nicht gegen den panischen letzten Preis. Der Aufschlag zwischen Spot und Perpetual, die Funding Rate, ist dabei ein eigenes Signal f\u00fcr die Marktstimmung, das inzwischen bis in die Wall Street reicht; wir haben es in <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/funding-perp-zins-wall-street-regulierung-2026\/'>&bdquo;Funding wird erwachsen&ldquo;<\/a> beschrieben.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Warum Fake-Volumen den Referenzkurs meist nicht erreicht<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Nun die naheliegende Sorge: Wenn Volumen den Preis macht, k\u00f6nnte man den Preis dann nicht durch gef\u00e4lschtes Volumen f\u00e4lschen? In der Theorie ja, in der Praxis nur schwer, und der Grund liegt in der Bauweise der Referenzkurse. Ein klassischer Trick, das sogenannte Banging the Close, besteht darin, in der letzten Sekunde vor einem Fixing mit Gewalt Trades in eine Richtung zu dr\u00fccken. Genau dagegen ist das Stundenfenster mit zw\u00f6lf Median-Intervallen konstruiert: Wer nur den Schlussmoment attackiert, bewegt einen von zw\u00f6lf gleich gewichteten Werten kaum.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Verteidigung ist die Kuratierung des Panels. Wash Trading, also das Hin- und Herhandeln mit sich selbst, um Volumen vorzut\u00e4uschen, findet vor allem auf schwach regulierten Pl\u00e4tzen statt, die gar nicht erst in die Referenz aufgenommen werden. CoinGecko filtert solche Verzerrungen in seinem Trust Score, der seit dem &bdquo;Basilisk&ldquo;-Update von Mai 2026 die Gewichtung nach Web-Traffic gestrichen und stattdessen direkte Volumina, Orderbuch-Tiefe und einen Regulierungs-Score in den Vordergrund gestellt hat. Die L\u00fccke zwischen Binances rohem Juli-Anteil von 45,8 Prozent und dem gefilterten Quartalswert von 38,7 Prozent ist genau das, was diese Filter herausrechnen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lehre f\u00fcr die Preisbildung: Gef\u00e4lschtes Volumen kann Ranglisten aufbl\u00e4hen und Kleinanleger t\u00e4uschen, aber es dringt selten bis in die Referenzkurse vor, an denen ETFs und regulierte Derivate h\u00e4ngen. Diese Kurse sind bewusst so gebaut, dass nur pr\u00fcfbares, tiefes, verteiltes Volumen z\u00e4hlt.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">MiCA, ESMA und die FMA: der Referenzkurs unter Aufsicht<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Seit dem 1. Juli 2026 ist die \u00dcbergangsfrist der EU-Verordnung MiCA endg\u00fcltig abgelaufen. Wer in \u00d6sterreich Krypto-Dienstleistungen anbietet, braucht eine CASP-Zulassung, in \u00d6sterreich erteilt und beaufsichtigt von der <a href='https:\/\/www.fma.gv.at\/'>Finanzmarktaufsicht (FMA)<\/a>. Damit r\u00fcckt auch die Frage, wie Preise und Volumen zustande kommen, in den regulatorischen Blick.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Regelwerke greifen ineinander. Erstens verbieten die Marktmissbrauchsbestimmungen von MiCA (Titel VI) ausdr\u00fccklich Marktmanipulation und Wash Trading, und zwar auf und au\u00dferhalb der Handelsplattform; die ESMA-Leitlinien verlangen, dass die nationalen Aufseher On-Chain- und Off-Chain-Daten abgleichen. Zweitens fallen die Referenzindizes selbst unter die EU-Benchmark-Verordnung, die genau jene Robustheit und Nachvollziehbarkeit einfordert, die CF Benchmarks mit seinem Median-Verfahren umsetzt. Krypto-Derivate wiederum sind keine MiCA-Materie, sondern gelten als Finanzinstrumente unter MiFID II, mit entsprechenden Hebel-Grenzen f\u00fcr Kleinanleger.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die heimische Praxis ist das mehr als Theorie. Wenn eine \u00f6sterreichische Plattform seit 1. J\u00e4nner 2024 die Kapitalertragsteuer automatisch einbeh\u00e4lt und Krypto-Gewinne dem Sondersteuersatz von 27,5 Prozent unterliegen, dann braucht es einen verl\u00e4sslichen Referenzwert, um \u00fcberhaupt zu bestimmen, wie viel ein Bitcoin im Moment der Ver\u00e4u\u00dferung wert war. Der Referenzkurs ist damit nicht nur ein B\u00f6rsenthema, sondern reicht bis in die Steuererkl\u00e4rung.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Was Anlegerinnen und Anleger aus dem Volumen lesen sollten<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer verstanden hat, wie aus Volumen ein Preis wird, liest Kurstafeln danach anders. Eine hohe Volumenzahl ist weder ein G\u00fctesiegel noch ein Kaufsignal; sie ist eine Rohgr\u00f6\u00dfe, die erst durch Pr\u00fcfung, Tiefe und Herkunft Bedeutung bekommt. Drei praktische Schl\u00fcsse lassen sich daraus ziehen.<\/p><ul class='wp-block-list'><li><strong>Der Preis, den Sie sehen, hat eine Herkunft.<\/strong> Ein ETF-NAV, ein Orakel-Preis und der letzte Preis einer kleinen B\u00f6rse sind nicht dasselbe. Bei gro\u00dfen Betr\u00e4gen lohnt der Blick, gegen welchen Referenzwert abgerechnet wird.<\/li><li><strong>Volumen ohne Tiefe ist wertlos.<\/strong> Eine hohe 24-Stunden-Zahl sagt wenig, wenn das Orderbuch d\u00fcnn ist. Pr\u00fcfen Sie Spread und Tiefe, nicht nur die Volumenmeldung; ein Warnsignal ist ein Token, dessen Tagesvolumen seine Marktkapitalisierung \u00fcbersteigt.<\/li><li><strong>Auditierbarkeit schl\u00e4gt Gr\u00f6\u00dfe.<\/strong> Dass die volumenst\u00e4rkste B\u00f6rse nicht im wichtigsten Referenzindex steht, ist kein Widerspruch, sondern die Regel. Pr\u00fcfbares Volumen ist mehr wert als rohes.<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende bleibt der eingangs beschriebene Widerspruch bestehen, aber er l\u00f6st sich auf. Die drei Preise auf den drei Bildschirmen der Wienerin sind alle richtig, weil sie unterschiedliche Fragen beantworten: Wo kann ich jetzt handeln, wie wird mein Fonds bewertet, wann wird meine Position liquidiert. Was sie eint, ist die stille Zutat dahinter. Ohne Volumen gibt es keinen Preis, nur eine Zahl ohne Deckung.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Frequently Asked Questions<\/h2><h3 class=\"wp-block-heading\">Gibt es einen offiziellen Bitcoin-Preis?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein, es gibt keinen einzelnen amtlichen Kurs. Bitcoin wird auf Dutzenden B\u00f6rsen gehandelt, jede mit eigenem Preis. Was als Referenz gilt, sind volumengewichtete Indizes wie die CME CF Bitcoin Reference Rate, an denen sich ETFs und regulierte Produkte orientieren. Der Preis auf Ihrer B\u00f6rsen-App kann davon leicht abweichen.<\/p><h3 class=\"wp-block-heading\">Warum ist Binance nicht im Bitcoin-Referenzindex?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Weil f\u00fcr den Referenzindex nicht die Gr\u00f6\u00dfe z\u00e4hlt, sondern die Pr\u00fcfbarkeit. Das Panel der CME CF Bitcoin Reference Rate besteht aus regulierten Pl\u00e4tzen wie Coinbase, Kraken, Bitstamp oder Gemini, deren Volumen unabh\u00e4ngig nachvollziehbar ist. Binance stellt zwar das meiste Volumen, ist aber nicht Teil dieses kuratierten Kreises.<\/p><h3 class=\"wp-block-heading\">Kann man den Bitcoin-Preis durch gef\u00e4lschtes Volumen manipulieren?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ranglisten und Kleinanleger lassen sich t\u00e4uschen, die gro\u00dfen Referenzkurse kaum. Sie nutzen ein Stundenfenster mit volumengewichteten Medianen \u00fcber zw\u00f6lf Intervalle und ein kuratiertes B\u00f6rsen-Panel. Beides macht klassische Tricks wie das Banging the Close weitgehend wirkungslos. Wash Trading auf schwach regulierten Pl\u00e4tzen dringt selten bis in diese Kurse vor.<\/p><h3 class=\"wp-block-heading\">Warum ist der Bitcoin-Preis in Euro anders als in Dollar?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Euro-Preis entsteht auf anderen Handelspl\u00e4tzen als der globale Dollar-Preis; laut Kaiko dominieren Bitvavo, Kraken und Coinbase den Euro-Spot-Markt. Zwischen beiden liegt der Wechselkurs EUR\/USD, der selbst schwankt. Ein st\u00e4rkerer Dollar kann den Euro-Bitcoin dr\u00fccken, selbst wenn sich der Dollar-Kurs nicht bewegt.<\/p><h3 class=\"wp-block-heading\">Was ist der Unterschied zwischen Mark-Preis und letztem Preis?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Der letzte Preis ist der Kurs des j\u00fcngsten Trades auf einer einzelnen B\u00f6rse und schwankt am st\u00e4rksten. Der Mark-Preis ist ein gegl\u00e4tteter Wert aus einem Korb externer B\u00f6rsen, gegen den Gewinne, Verluste und Liquidationen berechnet werden. Diese Trennung verhindert, dass ein kurzer Kursausschlag an einem Platz sofort Zwangsliquidationen ausl\u00f6st.<\/p><script type=\"application\/ld+json\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Gibt es einen offiziellen Bitcoin-Preis?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Nein, es gibt keinen einzelnen amtlichen Kurs. Bitcoin wird auf Dutzenden B\u00f6rsen gehandelt, jede mit eigenem Preis. Was als Referenz gilt, sind volumengewichtete Indizes wie die CME CF Bitcoin Reference Rate, an denen sich ETFs und regulierte Produkte orientieren. Der Preis auf Ihrer B\u00f6rsen-App kann davon leicht abweichen.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Warum ist Binance nicht im Bitcoin-Referenzindex?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Weil f\u00fcr den Referenzindex nicht die Gr\u00f6\u00dfe z\u00e4hlt, sondern die Pr\u00fcfbarkeit. Das Panel der CME CF Bitcoin Reference Rate besteht aus regulierten Pl\u00e4tzen wie Coinbase, Kraken, Bitstamp oder Gemini, deren Volumen unabh\u00e4ngig nachvollziehbar ist. Binance stellt zwar das meiste Volumen, ist aber nicht Teil dieses kuratierten Kreises.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Kann man den Bitcoin-Preis durch gef\u00e4lschtes Volumen manipulieren?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Ranglisten und Kleinanleger lassen sich t\u00e4uschen, die gro\u00dfen Referenzkurse kaum. Sie nutzen ein Stundenfenster mit volumengewichteten Medianen \u00fcber zw\u00f6lf Intervalle und ein kuratiertes B\u00f6rsen-Panel. Beides macht klassische Tricks wie das Banging the Close weitgehend wirkungslos. Wash Trading auf schwach regulierten Pl\u00e4tzen dringt selten bis in diese Kurse vor.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Warum ist der Bitcoin-Preis in Euro anders als in Dollar?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Der Euro-Preis entsteht auf anderen Handelspl\u00e4tzen als der globale Dollar-Preis; laut Kaiko dominieren Bitvavo, Kraken und Coinbase den Euro-Spot-Markt. Zwischen beiden liegt der Wechselkurs EUR\/USD, der selbst schwankt. Ein st\u00e4rkerer Dollar kann den Euro-Bitcoin dr\u00fccken, selbst wenn sich der Dollar-Kurs nicht bewegt.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was ist der Unterschied zwischen Mark-Preis und letztem Preis?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Der letzte Preis ist der Kurs des j\u00fcngsten Trades auf einer einzelnen B\u00f6rse und schwankt am st\u00e4rksten. Der Mark-Preis ist ein gegl\u00e4tteter Wert aus einem Korb externer B\u00f6rsen, gegen den Gewinne, Verluste und Liquidationen berechnet werden. Diese Trennung verhindert, dass ein kurzer Kursausschlag an einem Platz sofort Zwangsliquidationen ausl\u00f6st.\"}}]}<\/script><p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Von Liam Brennan, Markets-Redaktion HOGE Wire. Alle Kurse und Marktdaten Stand August 2026, ohne Gew\u00e4hr und keine Anlageberatung.<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt nicht einen Bitcoin-Kurs, sondern viele. Wie aus Handelsvolumen ein Referenzpreis wird, warum die gr\u00f6\u00dfte B\u00f6rse fehlt und welcher Preis f\u00fcr ETFs, Orakel und die FMA wirklich z\u00e4hlt.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":254,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-253","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-markets"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/253","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=253"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/253\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/254"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=253"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=253"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=253"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}