{"id":368,"date":"2026-09-03T12:48:55","date_gmt":"2026-09-03T12:48:55","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/at\/cds-spreads-frankreich-staatsanleihen-bitcoin-2026\/"},"modified":"2026-09-03T12:48:55","modified_gmt":"2026-09-03T12:48:55","slug":"cds-spreads-frankreich-staatsanleihen-bitcoin-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/at\/cds-spreads-frankreich-staatsanleihen-bitcoin-2026\/","title":{"rendered":"Der Preis des Ausfalls: CDS, Frankreichs Schulden und Bitcoin"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 3. September 2026 stiegen die Renditen von US-Treasuries, japanischen Staatsanleihen und deutschen Bunds beinahe im Gleichschritt, ein weltweiter Ausverkauf am langen Ende (<a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/09\/03\/global-bond-yields-rising-treasuries-jgb-bunds.html'>CNBC<\/a>). Die zehnj\u00e4hrige US-Anleihe rentierte zuletzt bei rund 4,79 Prozent, die drei\u00dfigj\u00e4hrige bei 5,27 Prozent (<a href='https:\/\/tradingeconomics.com\/united-states\/government-bond-yield'>Trading Economics<\/a>). Das ist die Oberfl\u00e4che. Darunter verschiebt sich etwas Grunds\u00e4tzlicheres: der Markt bepreist gerade neu, welche Staaten er noch f\u00fcr sicher h\u00e4lt, und welche nicht mehr.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der deutlichste Beleg kommt aus Paris. Frankreichs f\u00fcnfj\u00e4hrige Kreditausfallversicherung, im Fachjargon der Credit Default Swap oder CDS, kostet heuer rund 33 Basispunkte, jene Italiens nur noch etwa 31 (<a href='https:\/\/en.macromicro.me\/series\/27126\/france-5year-cds'>MacroMicro<\/a>). Zum ersten Mal seit der Euro-Schuldenkrise versichert sich das einstige Kernland teurer gegen den eigenen Ausfall als der notorische Problemschuldner des S\u00fcdens. Am Kassamarkt gilt dasselbe: die franz\u00f6sische Zehnjahresrendite liegt inzwischen \u00fcber der italienischen. Frankreich sei, so ein vielzitierter Satz dieses Sp\u00e4tsommers, zum &bdquo;poster child&ldquo; der Staatsschuldenprobleme geworden (<a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/08\/31\/france-debt-bond-yields-budget.html'>CNBC<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Krypto-Anleger klingt das nach einer Geschichte aus einer anderen Welt. Ist es nicht. Der &bdquo;risikofreie Zins&ldquo;, gegen den Bitcoin, Ether und jeder Stablecoin t\u00e4glich antreten, ist der Zins auf Staatsanleihen. Wenn dieser Zins keine reine Zeitpr\u00e4mie mehr ist, sondern eine Kreditpr\u00e4mie enth\u00e4lt, dann bewegt sich der Boden, auf dem der gesamte Risikomarkt steht. Dieser Text erkl\u00e4rt, was CDS-Spreads messen, was sie \u00fcber Anleiherenditen verraten, und warum die eigentliche Gefahr f\u00fcr einen Staat, der in eigener W\u00e4hrung schuldet, nicht der Ausfall ist, sondern die Entwertung.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Frankreich zahlt mehr als Italien: die Landkarte hat sich verschoben<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber Jahrzehnte war die Rangordnung der Euro-Staatsanleihen ein Naturgesetz. Deutschland und \u00d6sterreich bildeten den sicheren Kern, Frankreich lag knapp dahinter, und weit hinten k\u00e4mpften Italien, Spanien und Griechenland um Vertrauen. Heuer ist diese Ordnung durcheinandergeraten. Der Renditeabstand zehnj\u00e4hriger franz\u00f6sischer OATs zum deutschen Bund liegt bei rund 85 Basispunkten, nach etwa 55 zu Jahresbeginn (<a href='https:\/\/www.ideal-investisseur.fr\/en\/markets\/oat-bund-spread.html'>Ideal Investisseur<\/a>). Die drei\u00dfigj\u00e4hrige OAT n\u00e4herte sich mit knapp 4,9 Prozent dem h\u00f6chsten Stand seit 2008, die zehnj\u00e4hrige notierte Anfang September bei 4,25 Prozent (<a href='https:\/\/tradingeconomics.com\/france\/government-bond-yield'>Trading Economics<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der italienische BTP-Bund-Abstand liegt zur gleichen Zeit bei nur etwa 48 Basispunkten. Rechnerisch hei\u00dft das: Frankreich zahlt am zehnj\u00e4hrigen Punkt sp\u00fcrbar mehr Zinsen als Italien, ein Staat mit einer Schuldenquote von rund 138 Prozent und einer BBB-Bonit\u00e4t. Masahiko Loo, Senior Fixed Income Strategist bei State Street, brachte es auf den Punkt: &bdquo;France stands out among developed markets&ldquo;, wegen der fiskalischen Abrutschbewegung, der geringen politischen Bereitschaft zur Konsolidierung und der Wahlunsicherheit (<a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/08\/31\/france-debt-bond-yields-budget.html'>CNBC<\/a>). John Stopford von Ninety One erg\u00e4nzte, es sei &bdquo;not just a French problem&ldquo;, aber Frankreichs \u00f6ffentliche Finanzen liefen seit Jahren in die falsche Richtung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer nur auf die nackte Rendite schaut, sieht hier eine Zahl, die steigt. Wer den Spread zerlegt, sieht etwas anderes: eine Kreditpr\u00e4mie, die sich in einen Zins verkleidet hat. Genau diese Pr\u00e4mie machen CDS sichtbar, und genau deshalb sind sie das ehrlichere Barometer.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was ist ein risikofreier Zins \u00fcberhaupt?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">In fast jedem Finanzmodell steckt eine Zutat namens risikofreier Zins. Er ist der Referenzpunkt, gegen den alles andere bewertet wird: Aktien, Immobilien, Unternehmensanleihen und, seit ein paar Jahren, auch Bitcoin. In der Praxis wird daf\u00fcr der Zins auf kurzlaufende Staatsanleihen des jeweiligen W\u00e4hrungsraums verwendet, US-T-Bills f\u00fcr den Dollar, deutsche Bundesanleihen f\u00fcr den Euro. Die stille Annahme lautet: Ein Staat, der seine eigene W\u00e4hrung druckt, zahlt nominal immer zur\u00fcck, also ist sein Zins &bdquo;frei von Ausfallrisiko&ldquo;.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Annahme ist eine Bequemlichkeit, kein Naturgesetz. Jede Anleiherendite l\u00e4sst sich in Bausteine zerlegen: den erwarteten realen Zins, die erwartete Inflation, eine Laufzeit- oder Terminpr\u00e4mie f\u00fcr die Unsicherheit \u00fcber die Zukunft, und, falls vorhanden, eine Kredit- und Liquidit\u00e4tspr\u00e4mie. Beim Bund ist der letzte Block nahe null. Bei der OAT ist er es nicht mehr. Der Markt verlangt inzwischen einen Aufschlag daf\u00fcr, \u00fcberhaupt franz\u00f6sisches Risiko zu halten. Der &bdquo;risikofreie&ldquo; Teil der Rendite und der Kreditteil lassen sich nur trennen, wenn man ein Instrument hat, das ausschlie\u00dflich das Kreditrisiko handelt. Dieses Instrument ist der CDS.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dass der risikofreie Zins selbst zum beweglichen Ziel geworden ist, hat handfeste Folgen f\u00fcr Krypto. Steigt der Referenzzins, sinkt der Barwert aller Verm\u00f6genswerte, die ihre Ertr\u00e4ge weit in der Zukunft versprechen, und Bitcoin ist der Extremfall eines solchen Verm\u00f6genswerts. Wir haben das an anderer Stelle als den Kampf der <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/futures-basis-risikofreier-zins-warsh-jackson-hole-2026\/'>Futures-Basis gegen den risikofreien Zins<\/a> beschrieben. Wenn dieser Boden nun zus\u00e4tzlich eine Kreditkomponente bekommt, wird die Rechnung noch heikler.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Credit Default Swaps: der Preis, den der Markt f\u00fcr Angst verlangt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein CDS ist im Kern eine Versicherung gegen den Zahlungsausfall eines Schuldners. Der K\u00e4ufer der Absicherung zahlt dem Verk\u00e4ufer eine laufende Pr\u00e4mie, \u00fcblicherweise viertelj\u00e4hrlich und in Basispunkten des versicherten Nennwerts ausgedr\u00fcckt. Tritt ein sogenanntes Kreditereignis ein, springt der Verk\u00e4ufer ein und gleicht die Differenz zwischen Nennwert und Restwert der Anleihe aus (<a href='https:\/\/www.isda.org\/a\/rfiDE\/greek-sovereign-cds-credit-event-faqs-03-09.pdf'>ISDA<\/a>). Kostet der f\u00fcnfj\u00e4hrige CDS auf Frankreich 33 Basispunkte, zahlt der Absicherungsk\u00e4ufer also 0,33 Prozent des versicherten Betrags pro Jahr daf\u00fcr, dass ein Dritter das Ausfallrisiko tr\u00e4gt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Entscheidende ist, wer \u00fcber den Ausfall entscheidet. Bei Staatsanleihen ist das nicht so eindeutig, wie es klingt. Ein Gremium der Branchenvereinigung ISDA, das Determinations Committee aus gro\u00dfen H\u00e4ndlern und institutionellen Investoren, stimmt dar\u00fcber ab, ob ein Ereignis \u00fcberhaupt als Kreditereignis im Sinne der Vertr\u00e4ge z\u00e4hlt. Erst wenn es das bejaht, wird \u00fcber eine Auktion der Restwert der betroffenen Anleihen festgelegt und die Auszahlung berechnet. Ein CDS ist also kein Automat, sondern ein juristisches Konstrukt mit einem menschlichen Schiedsrichter. Diese Feinheit wird sp\u00e4ter wichtig.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Anleger ist der CDS-Spread trotzdem das sauberste verf\u00fcgbare Signal f\u00fcr reines Kreditrisiko, sauberer als die Rendite, weil er den Zinsanteil herausrechnet. Wenn ein Land keine eigene Notenpresse hat, etwa jedes Mitglied der Eurozone, wird dieses Signal ernst. Frankreich, Italien und Griechenland schulden in Euro, einer W\u00e4hrung, die sie nicht allein drucken k\u00f6nnen. F\u00fcr sie ist der nominale Ausfall keine reine Theorie, und ihr CDS ist deshalb kein Nullwert.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Von der Pr\u00e4mie zur Ausfallwahrscheinlichkeit<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Aus einem CDS-Spread l\u00e4sst sich eine Ausfallwahrscheinlichkeit ableiten. Die Standardformel f\u00fcr die j\u00e4hrliche Ausfallrate lautet: Rate gleich Spread geteilt durch (eins minus Erl\u00f6squote). Die Erl\u00f6squote, also der Anteil, den ein Gl\u00e4ubiger im Ausfall noch zur\u00fcckbekommt, wird bei vorrangigen Staatsanleihen \u00fcblicherweise mit 40 Prozent angesetzt. F\u00fcr Frankreich mit 33 Basispunkten ergibt das eine j\u00e4hrliche Rate von 0,33 Prozent geteilt durch 0,6, also rund 0,55 Prozent. \u00dcber f\u00fcnf Jahre summiert sich das zu einer kumulierten Ausfallwahrscheinlichkeit von grob 2,7 Prozent (<a href='https:\/\/www.imf.org\/en\/publications\/wp\/issues\/2016\/12\/30\/anticipating-credit-events-using-credit-default-swaps-with-an-application-to-sovereign-debt-16485'>IWF<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier lauert die wichtigste Fehlinterpretation. Der CDS-Spread ist nicht die Ausfallwahrscheinlichkeit. Er enth\u00e4lt neben der reinen Ausfallerwartung auch eine Risikopr\u00e4mie f\u00fcr das Tragen dieser Gefahr und eine Liquidit\u00e4tspr\u00e4mie. Die daraus abgeleiteten Werte sind risikoneutrale Wahrscheinlichkeiten, sie \u00fcberzeichnen die tats\u00e4chliche Ausfallgefahr systematisch. Niemand glaubt ernsthaft, dass Frankreich in f\u00fcnf Jahren mit fast drei Prozent Wahrscheinlichkeit ausf\u00e4llt. Aber der Markt verlangt eine Pr\u00e4mie, als ob. Diese Differenz zwischen &bdquo;was der Markt bepreist&ldquo; und &bdquo;was real passieren wird&ldquo; ist selbst eine Information: Sie misst, wie viel Angst und wie viel Absicherungsbedarf im System steckt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau diese Logik gilt auch am Krypto-Markt. Die implizite Volatilit\u00e4t einer Bitcoin-Option ist fast immer h\u00f6her als die sp\u00e4ter realisierte Schwankung, weil sie eine Versicherungspr\u00e4mie enth\u00e4lt. CDS-Spreads und Optionspreise sind Vettern: Beide bepreisen nicht die erwartete Zukunft, sondern die Kosten, sich gegen die schlechte Zukunft abzusichern.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Risikokarte der Staatsanleihen 2026<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Legt man die F\u00fcnf-Jahres-CDS der gro\u00dfen Schuldner nebeneinander, entsteht ein Bild, das der Bonit\u00e4tsnote widerspricht. Deutschland versichert sich f\u00fcr rund 7 Basispunkte, Japan trotz einer Schuldenquote von \u00fcber 200 Prozent nur f\u00fcr etwa 26 (<a href='https:\/\/en.macromicro.me\/series\/27116\/japan-5year-cds'>MacroMicro<\/a>). Italien liegt bei 31, Frankreich bei 33, und die Vereinigten Staaten, formal die sicherste Adresse der Welt, bei rund 34 bis 38 Basispunkten (<a href='https:\/\/www.investing.com\/rates-bonds\/united-states-cds-5-years-usd'>Investing.com<\/a>).<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Staat<\/th><th>Rating (S&amp;P)<\/th><th>5J-CDS (ca.)<\/th><th>Impl. 5J-Ausfall (risikoneutral)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Deutschland<\/td><td>AAA<\/td><td>~7 bp<\/td><td>~0,6 %<\/td><\/tr><tr><td>Japan<\/td><td>A+<\/td><td>~26 bp<\/td><td>~2,1 %<\/td><\/tr><tr><td>Italien<\/td><td>BBB+<\/td><td>~31 bp<\/td><td>~2,6 %<\/td><\/tr><tr><td>Frankreich<\/td><td>A+<\/td><td>~33 bp<\/td><td>~2,7 %<\/td><\/tr><tr><td>USA<\/td><td>AA+<\/td><td>~34 bis 38 bp<\/td><td>~2,9 %<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die letzte Spalte ist bewusst als risikoneutral etikettiert, sie \u00fcberzeichnet die reale Gefahr. Trotzdem ist die Reihenfolge aufschlussreich. Das Rating sagt: USA und Frankreich sind besser als Italien. Der CDS sagt: Die USA werden gegen Ausfall teurer versichert als jeder dieser europ\u00e4ischen Staaten. Torsten Slok, Chef\u00f6konom von Apollo, wies schon Mitte 2025 darauf hin, dass der US-Staats-CDS auf Niveaus handle, die man von BBB+-Schuldnern wie Italien kenne (<a href='https:\/\/www.apolloacademy.com\/us-sovereign-cds-spread-at-bbb-levels\/'>Apollo Academy<\/a>). Der Emittent der Weltreservew\u00e4hrung wird also so bepreist wie ein Schuldner am unteren Rand des Investment-Grade. Das ist keine Prognose eines US-Bankrotts, sondern ein Urteil \u00fcber die fiskalische Flugbahn.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Frankreich: wie ein Kernland zum Wackelkandidaten wurde<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Frankreichs Absturz in der Wahrnehmung des Marktes ist kein Unfall, sondern das Ergebnis von zwei Jahren politischer Blockade. Alle drei gro\u00dfen Ratingagenturen stuften die Grande Nation innerhalb von zw\u00f6lf Monaten herab. Fitch nahm der zweitgr\u00f6\u00dften Volkswirtschaft der Eurozone im September 2025 das Pr\u00e4dikat AA- und setzte sie auf A+ (<a href='https:\/\/www.france24.com\/en\/france\/20250913-france-credit-score-downgraded-lowest-on-record-amid-political-crisis-lecornu-macron-budget'>France 24<\/a>); S&amp;P folgte im Oktober und begr\u00fcndete den Schritt mit politischer Instabilit\u00e4t, die die Sanierung der Staatsfinanzen gef\u00e4hrde (<a href='https:\/\/www.france24.com\/en\/business\/20251018-s-p-cuts-france-s-credit-rating-to-a-over-political-instability-risking-deficit'>France 24<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Hintergrund: eine Regierung, die ihr Budget nicht durch das Parlament bringt, wiederholte Vertrauensfragen, ein Haushalt, der ohne Abstimmung per Verfassungsartikel in Kraft gesetzt wurde. Der IWF erwartet eine Schuldenquote von rund 118,5 Prozent f\u00fcr 2026, mit Kurs \u00fcber 120 Prozent bis 2030 (<a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/08\/31\/france-debt-bond-yields-budget.html'>CNBC<\/a>). Das OMFIF rechnet vor, dass der politische Aufruhr die franz\u00f6sischen Steuerzahler \u00fcber die Laufzeit der seither begebenen Anleihen 6 bis 7,5 Milliarden Euro an zus\u00e4tzlichen Zinsen kosten d\u00fcrfte, weil ausl\u00e4ndische Nicht-Banken, die rund ein Viertel der franz\u00f6sischen Schuld halten, besonders empfindlich auf schlechte Nachrichten reagieren (<a href='https:\/\/www.omfif.org\/2025\/10\/putting-a-price-on-french-political-turmoil\/'>OMFIF<\/a>). Th\u00e9ophile Legrand von Natixis CIB fasst die Haltung vieler Investoren zusammen: Man betrachte franz\u00f6sische Anleihen inzwischen als &bdquo;pre-stressed&ldquo;, also als bereits vorbelastet.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Euro-Staat<\/th><th>10J-Rendite (ca.)<\/th><th>Spread zum Bund<\/th><th>Rating (S&amp;P)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Deutschland (Bund)<\/td><td>~3,4 %<\/td><td>0 bp<\/td><td>AAA<\/td><\/tr><tr><td>\u00d6sterreich<\/td><td>~3,5 %<\/td><td>~10 bis 15 bp<\/td><td>AA+<\/td><\/tr><tr><td>Italien<\/td><td>~3,9 %<\/td><td>~48 bp<\/td><td>BBB+<\/td><\/tr><tr><td>Frankreich<\/td><td>~4,25 %<\/td><td>~85 bp<\/td><td>A+<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Tabelle zeigt die neue Ordnung schwarz auf wei\u00df: Frankreich zahlt am zehnj\u00e4hrigen Punkt mehr als Italien, und der Abstand zum Bund ist so hoch wie seit der Euro-Krise nicht mehr. F\u00fcr Krypto ist das ein Signal, kein Randthema. Wenn das Fundament, gegen das Risikoanlagen bewertet werden, in einem Kernland derart wackelt, wird jede Pr\u00e4mie im System teurer.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>\u00d6sterreichs eigener Testfall<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">\u00d6sterreich steht auf der sicheren Seite dieser Landkarte, aber nicht unangefochten. S&amp;P best\u00e4tigte die Bonit\u00e4t der Republik am 6. Februar 2026 bei AA+ mit stabilem Ausblick und rechnet damit, dass die Staatsschuld (netto liquider Aktiva) bis 2029 auf rund 81 Prozent des BIP steigt (<a href='https:\/\/www.oebfa.at\/dam\/jcr:ae18d86b-38f6-4969-aa58-46af41a5fad6\/SandP_Austria_6Feb2026.pdf'>OeBFA<\/a>). Scope stufte \u00d6sterreich zuvor auf AA+ herab, DBRS h\u00e4lt zwar noch das Spitzenrating AAA, \u00e4nderte den Trend aber auf negativ und verwies auf ein Budgetdefizit von 4,5 Prozent des BIP f\u00fcr 2025 und 4,2 Prozent f\u00fcr 2026 (<a href='https:\/\/dbrs.morningstar.com\/research\/455796\/morningstar-dbrs-changes-trends-on-republic-of-austria-to-negative-confirms-credit-ratings-at-aaa'>Morningstar DBRS<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Praktisch hei\u00dft das: Die zehnj\u00e4hrige Bundesanleihe der Republik rentiert nur etwa 10 bis 15 Basispunkte \u00fcber dem deutschen Bund, und \u00d6sterreichs CDS bepreist ein Ausfallrisiko nahe jenem Deutschlands, weit entfernt von den franz\u00f6sischen 33 Punkten. Die \u00d6sterreichische Bundesfinanzierungsagentur OeBFA finanziert die Republik heuer mit einem RAGB-Emissionsvolumen im Bereich von 43 bis 47 Milliarden Euro. Der Abstand zum Kern ist klein, aber die Richtung des Defizits ist die gleiche wie \u00fcberall: nach oben. Auch ein AA+-Staat ist gegen die Frage nach seiner fiskalischen Glaubw\u00fcrdigkeit nicht immun, er hat nur mehr Puffer.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr heimische Anleger ist das der Rahmen, in dem die Debatte \u00fcber Bitcoin und Anleihen l\u00e4uft. Wer sein Portfolio gegen Staatsrisiko diversifizieren will, muss zuerst verstehen, welches Risiko in der vermeintlich sicheren Position \u00fcberhaupt steckt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Redenominierung: das Risiko, das keine Rendite zeigt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Euro-Staaten gibt es eine Gefahr, die ein Staat mit eigener Notenpresse nicht kennt: die Redenominierung. Weil Italien, Frankreich oder Griechenland den Euro nicht allein drucken k\u00f6nnen, ist ein Austritt und eine R\u00fcckkehr zu einer abgewerteten nationalen W\u00e4hrung ein echter Ausfallpfad. Genau das machte die Griechenland-Episode von 2012 zum Lehrst\u00fcck. Am 1. M\u00e4rz 2012 entschied das ISDA-Gremium noch, dass der blo\u00dfe Beschluss eines Gesetzes kein Kreditereignis sei. Nur acht Tage sp\u00e4ter, am 9. M\u00e4rz, stellte dasselbe Gremium einstimmig fest, dass sehr wohl ein Restrukturierungs-Kreditereignis vorlag, nachdem Athen r\u00fcckwirkende Umschuldungsklauseln aktiviert und damit auch widerwillige Gl\u00e4ubiger zu Verlusten gezwungen hatte (<a href='https:\/\/www.isda.org\/2012\/03\/09\/isda-emea-determinations-committee-restructuring-credit-event-has-occurred-with-respect-to-the-hellenic-republic\/'>ISDA<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Auktion am 19. M\u00e4rz 2012 ergab eine Erl\u00f6squote von 21,5 Prozent, die Absicherungsk\u00e4ufer erhielten also 78,5 Prozent des Nennwerts ausbezahlt; netto flossen rund 2,89 Milliarden Dollar bei einem Bruttovolumen von 80,1 Milliarden (<a href='https:\/\/money.cnn.com\/2012\/03\/19\/markets\/greece-cds-payouts\/index.htm'>CNN Money<\/a>). Die Lehre ist unbequem: Ob ein Ausfall \u00fcberhaupt als Ausfall z\u00e4hlt, h\u00e4ngt an einer Abstimmung eines Ausschusses, nicht an einer mechanischen Regel. Sovereign-CDS sind ein Vertrag, kein Naturgesetz.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Grund, warum die Euro-Spreads trotz Frankreichs Krise nicht explodieren, hat einen Namen: das Transmission Protection Instrument. Die EZB schuf dieses Werkzeug am 21. Juli 2022, um in unbegrenzter H\u00f6he Staatsanleihen einzelner L\u00e4nder aufzukaufen, wenn deren Finanzierungsbedingungen sich ohne fundamentale Rechtfertigung verschlechtern (<a href='https:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/pr\/date\/2022\/html\/ecb.pr220721~973e6e7273.en.html'>EZB<\/a>). Der Markt bepreist also nicht nur Frankreichs B\u00fccher, sondern auch die stillschweigende Zusage, dass die Zentralbank im Ernstfall die Druckerpresse anwirft. Damit sind wir beim Kern der Sache.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Staat, der nie nominal pleitegeht<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier trennen sich zwei Welten. Ein Euro-Staat kann nominal ausfallen, weil ihm die eigene Notenpresse fehlt. Ein monet\u00e4rer Souver\u00e4n, die USA, Japan, Gro\u00dfbritannien, kann das im Prinzip nicht: Er schuldet in einer W\u00e4hrung, die er selbst herstellt. Deshalb bleibt der US-CDS selbst bei einem Schuldenberg von \u00fcber 40 Billionen Dollar bei mickrigen 35 Basispunkten, und der japanische bei 26, obwohl Tokios Schuldenquote die 200-Prozent-Marke l\u00e4ngst gesprengt hat. Der nominale Ausfall ist f\u00fcr sie fast ausgeschlossen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Nur: Das ist die falsche Sicherheit. Ein Staat, der immer drucken kann, geht nicht pleite, er entwertet. Die eigentliche &bdquo;Insolvenz&ldquo; eines monet\u00e4ren Souver\u00e4ns l\u00e4uft \u00fcber die Inflation, \u00fcber die schleichende Abwertung der Kaufkraft, in der er zur\u00fcckzahlt. Und diese Gefahr kann ein CDS strukturell nicht abbilden, denn er zahlt im Ausfall in genau derselben entwerteten W\u00e4hrung aus. Der US-CDS versichert gegen das Ereignis, das praktisch nie eintritt, und l\u00e4sst jene Gefahr unversichert, die st\u00e4ndig wirkt. Kevin Warsh, seit Mai Chef der Fed, nannte in seiner Rede in Jackson Hole am 28. August die Inflation ausdr\u00fccklich zur obersten Priorit\u00e4t und betonte, das 2-Prozent-Ziel sei &bdquo;a firm, fixed target&ldquo; (<a href='https:\/\/www.federalreserve.gov\/newsevents\/speech\/warsh20260828a.htm'>Federal Reserve<\/a>). Der Preis dieser Glaubw\u00fcrdigkeit sind h\u00f6here Realzinsen, und die sp\u00fcrt jeder Risikomarkt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau an dieser Stelle setzt der Debasement-Trade an. Ray Dalio empfahl im August, Anleihen unterzugewichten und stattdessen 10 bis 15 Prozent des Portfolios in Gold plus &bdquo;ein bisschen&ldquo; Bitcoin zu halten; die US-Schuldenkrise komme &bdquo;in three years, give or take two&ldquo; (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/markets\/2026\/08\/24\/ray-dalio-says-buy-gold-and-bitcoin'>CoinDesk<\/a>). Larry Fink, Chef von BlackRock, schrieb in seinem Aktion\u00e4rsbrief 2025, die USA h\u00e4tten allein 2025 \u00fcber 952 Milliarden Dollar Zinsen gezahlt, mehr als f\u00fcr Verteidigung, und die Reservew\u00e4hrungsrolle des Dollars sei &bdquo;not guaranteed to last forever&ldquo; (<a href='https:\/\/www.blackrock.com\/corporate\/investor-relations\/larry-fink-annual-chairmans-letter'>BlackRock<\/a>). Beide sagen im Grunde dasselbe: Der Ausfall ist nicht das Problem, die Entwertung ist es. Wie sich das im Zusammenspiel mit Aktien und Gold auswirkt, haben wir im Detail beschrieben, als <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/bitcoin-nasdaq-gold-korrelation-warsh-september-2026\/'>Warsh die Korrelation zwischen Bitcoin, Nasdaq und Gold drehte<\/a>.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die versteckte Staatsanleihe in deinem Stablecoin<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer glaubt, dieses Thema betreffe nur Anleiheninvestoren, h\u00e4lt wom\u00f6glich selbst eine der gr\u00f6\u00dften Wetten auf US-Staatskredit, ohne es zu merken. Stablecoins wie USDT und USDC sind im Kern durchgereichte Geldmarktfonds: Sie hinterlegen jeden Token mit kurzlaufenden US-Staatsanleihen und Repo-Gesch\u00e4ften. Tether h\u00e4lt nach eigenen Attestierungen \u00fcber 140 Milliarden Dollar an US-Staatsschulden und z\u00e4hlt damit zu den zwei Dutzend gr\u00f6\u00dften Gl\u00e4ubigern der USA weltweit, mehr als die offiziellen Best\u00e4nde vieler Industriestaaten (<a href='https:\/\/spark.money\/research\/stablecoin-treasury-bill-reserve-mechanics'>Spark<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der amerikanische GENIUS Act, seit 2025 in Kraft, zementiert diese Struktur sogar: Reserven m\u00fcssen aus Bargeld, Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von h\u00f6chstens 93 Tagen oder besicherten Repo bestehen. Das bindet den gesamten Stablecoin-Sektor, l\u00e4ngst \u00fcber 300 Milliarden Dollar gro\u00df, an das kurze Ende der US-Zinskurve. Die Ironie ist betr\u00e4chtlich: Das &bdquo;Cash-Bein&ldquo; des Krypto-Marktes, das als Sicherheit und Fluchtw\u00e4hrung dient, ist eine hochkonzentrierte Position in genau jenem Papier, dessen CDS laut Slok auf BBB+-Niveau handelt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Im Normalbetrieb ist das kein Problem, kurze T-Bills sind so liquide wie es geht. Aber die Debt-Ceiling-Episode von 2023 hat gezeigt, wie schnell sich das dreht: Der einj\u00e4hrige US-CDS schoss damals auf rund 177 Basispunkte, der f\u00fcnfj\u00e4hrige von 18 auf 60 (<a href='https:\/\/www.chicagofed.org\/publications\/economic-perspectives\/2023\/4'>Federal Reserve Bank of Chicago<\/a>). In einem technischen Zahlungsverzug der USA, so unwahrscheinlich er ist, st\u00fcnde nicht nur der Anleihemarkt unter Stress, sondern auch die Sicherheit hinter jedem gro\u00dfen Stablecoin. Das ist keine Prognose, sondern eine Landkarte der Bruchstellen. Wer einen USDT h\u00e4lt, h\u00e4lt indirekt ein St\u00fcck US-Staatskredit.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Bitcoin: gegenparteifrei, aber nicht risikofrei<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Und Bitcoin? Bitcoin ist in diesem Bild der Sonderfall, weil es keinen Emittenten hat. Es gibt kein Land, keine Firma, keinen Schatzmeister, der ein Versprechen brechen k\u00f6nnte. Es gibt keinen Kupon, der ausfallen kann, kein ISDA-Gremium, das \u00fcber ein Kreditereignis abstimmt, keine Umschuldungsklausel. Man kann auf Bitcoin schlicht keinen sinnvollen CDS schreiben, weil es keine vertragliche Zahlungsverpflichtung gibt, die versichert werden m\u00fcsste. In diesem sehr engen Sinn ist Bitcoin gegenparteifrei.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist aber nicht dasselbe wie risikofrei, und diese Verwechslung ist gef\u00e4hrlich. Bitcoin tauscht Kreditrisiko gegen Preisrisiko. Ein Staat kann seine Anleihe zu 100 zur\u00fcckzahlen, w\u00e4hrend die Kaufkraft schwindet; Bitcoin f\u00e4llt nicht aus, kann aber binnen Wochen 70 Prozent an Wert verlieren. Der Verm\u00f6genswert hat kein Ausfallrisiko, daf\u00fcr eine Volatilit\u00e4t, die eine Staatsanleihe nie h\u00e4tte. Anfang September notierte Bitcoin bei rund 67.000 Euro, gut ein Drittel unter dem Allzeithoch vom Oktober 2025 (<a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>CoinGecko<\/a>). Diese Spanne ist der Preis der Gegenparteifreiheit.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb passt Bitcoin nicht in den Werkzeugkasten regulierter Bilanzen. Eine Bank, die Bitcoin direkt h\u00e4lt, muss ihn nach den Basler Regeln mit einem Risikogewicht von 1.250 Prozent unterlegen, faktisch Eigenkapital in H\u00f6he des vollen Werts. Warum das so ist und was es bedeutet, haben wir in der Analyse zur <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/warum-banken-kein-bitcoin-halten-1250-prozent-regel-2026\/'>1.250-Prozent-Regel<\/a> auseinandergenommen. Das Regelwerk behandelt eine Anlage ohne Emittenten als riskanter als eine mit, weil es Preisrisiko und nicht Kreditrisiko misst. Genau das ist die Pointe: Der Markt hat f\u00fcr die beiden Risiken zwei v\u00f6llig verschiedene Preisschilder.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wenn Spreads rei\u00dfen: der \u00dcbertragungskanal zu Krypto<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum sollte einen Bitcoin-Anleger ein franz\u00f6sischer Spread interessieren? Weil Kreditstress sich \u00fcber einen sehr konkreten Kanal in die Krypto-Kurse fortpflanzt. Staatsanleihen sind die wichtigste Sicherheit des globalen Finanzsystems. Weiten sich ihre Spreads aus, steigen die Abschl\u00e4ge (Haircuts), mit denen sie im Repo-Markt beliehen werden. H\u00f6here Haircuts zwingen gehebelte Akteure zum Verkauf, zuerst der liquidesten Risikopositionen. Bitcoin und Ether, rund um die Uhr handelbar, sind oft das Erste, was verkauft wird, wenn irgendwo im System eine Sicherheit an Wert verliert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diesen Mechanismus kennt der Krypto-Markt aus eigener Erfahrung. Wenn die Absicherung teuer wird und Positionen zwangsliquidiert werden, entstehen Kaskaden, in denen ein Verkauf den n\u00e4chsten ausl\u00f6st. Wir haben das am Beispiel der Perpetual-M\u00e4rkte beschrieben, als <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/funding-liquidationskaskaden-hebel-bricht-2026\/'>der Hebel brach und die Liquidationskaskaden liefen<\/a>. Die Euro-Krise 2011 und 2012 war das makro\u00f6konomische Original dieses Musters: Als die italienischen und spanischen Spreads explodierten, fiel weltweit alles Riskante gleichzeitig, weil die Sicherheiten wackelten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Umkehrung gilt genauso. Als das US-Finanzministerium Mitte August seine R\u00fcckk\u00e4ufe am langen Ende verdoppelte und die drei\u00dfigj\u00e4hrige Rendite fiel, sprang Bitcoin innerhalb von Stunden um mehrere Tausend Dollar. Anleiherenditen und Krypto sind nicht mechanisch gekoppelt, aber sie teilen sich denselben Treibstoff: die Verf\u00fcgbarkeit von Dollar-Liquidit\u00e4t und die Bewertung von Sicherheiten. CDS-Spreads sind das Fr\u00fchwarnsystem f\u00fcr die Momente, in denen dieser Treibstoff knapp wird.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der September-Test<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der September 2026 ballt die Termine, die \u00fcber die n\u00e4chste Bewegung entscheiden. Nach Warshs betont falkenhafter Rede in Jackson Hole preist der Markt eine m\u00f6gliche Zinserh\u00f6hung der Fed am 16. September wieder ein, die Wettquoten daf\u00fcr sprangen zuletzt in Richtung 60 Prozent. F\u00fcnf Tage zuvor entscheidet die EZB, deren Einlagensatz seit Juni bei 2,25 Prozent liegt (<a href='https:\/\/www.ecb.europa.eu\/mopo\/implement\/app\/html\/index.en.html'>EZB<\/a>) und die vom Konsens einen weiteren Schritt auf 2,50 Prozent erwartet bekommt. Dazwischen liegen der US-Arbeitsmarktbericht und die Verbraucherpreise.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Datum<\/th><th>Ereignis<\/th><th>Warum es f\u00fcr Spreads und Bitcoin z\u00e4hlt<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>4. Sep<\/td><td>US-Arbeitsmarktbericht (August)<\/td><td>Schwache Zahlen entlasten Realzinsen und Risikoanlagen<\/td><\/tr><tr><td>10. Sep<\/td><td>EZB-Zinsentscheid<\/td><td>Erwartete Anhebung auf 2,50 %; Signal zur TPI-Bereitschaft<\/td><\/tr><tr><td>11. Sep<\/td><td>US-Verbraucherpreise (August)<\/td><td>Letzter CPI vor der Fed; treibt die Zinserwartung<\/td><\/tr><tr><td>15. bis 16. Sep<\/td><td>FOMC plus Dot-Plot<\/td><td>Warshs Kurs setzt den risikofreien Zins neu<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Worauf man neben den Renditen achten sollte, sind die Spreads: Weitet sich der OAT-Bund-Abstand \u00fcber 90 Basispunkte, ist das ein Zeichen, dass der Kredit- und nicht nur der Zinsanteil arbeitet. L\u00e4uft die Fed hawkisher als erwartet, steigen Realzinsen und Dollar gleichzeitig, die h\u00e4rteste Kombination f\u00fcr Bitcoin. Wie sehr Warshs neuer Stil ohne verl\u00e4ssliche Vorw\u00e4rtssignale die M\u00e4rkte im Ungewissen l\u00e4sst, haben wir beschrieben, als die <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/fed-blindflug-warsh-forward-guidance-bitcoin-september-2026\/'>Fed in den Blindflug ging<\/a>.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was das f\u00fcr \u00f6sterreichische Anleger hei\u00dft<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die praktische Lehre ist keine Handelsempfehlung, sondern eine Lesehilfe. Erstens: Der risikofreie Zins ist ein Benchmark, kein Versprechen. Sobald ein Staat eine Kreditpr\u00e4mie zahlt, ist seine Rendite ein Mischsignal, und der CDS zeigt, wie viel davon reines Ausfallrisiko ist. Zweitens: F\u00fcr Krypto z\u00e4hlt weniger die absolute H\u00f6he der Renditen als die Richtung der Spreads. Ruhige, hohe Zinsen sind eine langsame Belastung; rei\u00dfende Spreads sind ein Schock.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr heimische Anleger kommt der steuerliche Rahmen dazu. In \u00d6sterreich unterliegen realisierte Krypto-Gewinne dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent nach Paragraf 27a EStG, und inl\u00e4ndische Plattformen behalten die KESt seit 1. J\u00e4nner 2024 automatisch ein. Die Finanzmarktaufsicht FMA ist unter der EU-Verordnung MiCA die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde f\u00fcr Krypto-Dienstleister, wobei die verk\u00fcrzte \u00dcbergangsfrist mit 1. Juli 2026 endete. Krypto-Derivate wie Futures und Perpetuals fallen dagegen unter MiFID II, nicht unter MiCA, ein Unterschied, der bei der Absicherung von Zinsrisiken schnell relevant wird.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende ist die Botschaft der CDS-Spreads schlicht. Sie sagen nicht, dass Frankreich oder die USA morgen ausfallen. Sie sagen, dass der Begriff der sicheren Staatsanleihe br\u00fcchiger geworden ist und dass die eigentliche Gefahr f\u00fcr einen Staat mit Druckerpresse nicht der Bankrott ist, sondern die Entwertung. Bitcoin ist keine Versicherung gegen diese Entwertung, es ist eine Wette darauf, mit eigenem, kr\u00e4ftigem Preisrisiko. Wer beide Risiken auseinanderh\u00e4lt, das Kreditrisiko der Anleihe und das Preisrisiko des Coins, liest den Markt 2026 klarer als jene, die nur auf die eine Zahl an der Oberfl\u00e4che starren.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen (FAQ)<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Was ist ein Credit Default Swap (CDS) einfach erkl\u00e4rt?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein CDS ist eine Versicherung gegen den Zahlungsausfall eines Schuldners, etwa eines Staates. Der K\u00e4ufer zahlt eine j\u00e4hrliche Pr\u00e4mie in Basispunkten des versicherten Betrags; f\u00e4llt der Schuldner aus, ersetzt der Verk\u00e4ufer den Verlust. Der CDS-Spread gilt als saubereres Ma\u00df f\u00fcr reines Kreditrisiko als die Anleiherendite, weil er den Zinsanteil herausrechnet. Er ist aber nicht identisch mit der Ausfallwahrscheinlichkeit, weil er auch eine Risiko- und Liquidit\u00e4tspr\u00e4mie enth\u00e4lt.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Ist eine Staatsanleihe wirklich risikofrei?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nur eingeschr\u00e4nkt. Ein Staat mit eigener Notenpresse f\u00e4llt nominal fast nie aus, weil er die Schuld in selbst gedruckter W\u00e4hrung bedienen kann. Das echte Risiko ist dann die Inflation, also die Entwertung der Kaufkraft, in der zur\u00fcckgezahlt wird. Euro-Staaten ohne eigene Druckerpresse tragen zus\u00e4tzlich ein reales Ausfall- und Redenominierungsrisiko, sichtbar an CDS-Spreads, die deutlich \u00fcber null liegen. Risikofrei ist also eine Modellannahme, keine Garantie.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum zahlt Frankreich heuer h\u00f6here Zinsen als Italien?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Weil der Markt Frankreichs fiskalische und politische Lage inzwischen als riskanter einsch\u00e4tzt als Italiens. Alle drei gro\u00dfen Ratingagenturen stuften Frankreich binnen eines Jahres auf A+ herab, der Haushalt kam wiederholt nicht durchs Parlament, und die Schuldenquote steuert \u00fcber 120 Prozent. Der Renditeabstand zum Bund liegt bei rund 85 Basispunkten, jener Italiens bei etwa 48. Auch Frankreichs f\u00fcnfj\u00e4hriger CDS notiert leicht \u00fcber dem italienischen.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Kann Bitcoin ausfallen wie eine Anleihe?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Bitcoin hat keinen Emittenten, keinen Kupon und keine Zahlungsverpflichtung, die ausfallen k\u00f6nnte; man kann darauf keinen sinnvollen CDS schreiben. In diesem Sinn ist Bitcoin gegenparteifrei. Das bedeutet aber nicht risikofrei: Bitcoin tauscht Kreditrisiko gegen Preisrisiko und kann binnen Wochen einen gro\u00dfen Teil seines Werts verlieren. Es ist eine Wette gegen die Entwertung von Papierw\u00e4hrungen, keine Versicherung mit garantierter Auszahlung.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie werden Krypto-Gewinne in \u00d6sterreich besteuert?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Realisierte Gewinne aus Kryptow\u00e4hrungen unterliegen in \u00d6sterreich dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent nach Paragraf 27a EStG. Inl\u00e4ndische Plattformen behalten die Kapitalertragsteuer seit 1. J\u00e4nner 2024 automatisch ein. Zust\u00e4ndige Aufsichtsbeh\u00f6rde f\u00fcr Krypto-Dienstleister ist unter der EU-Verordnung MiCA die FMA; Krypto-Derivate fallen dagegen unter MiFID II. F\u00fcr die konkrete Veranlagung empfiehlt sich steuerliche Beratung, da Details vom Einzelfall abh\u00e4ngen.<\/p><script type=\"application\/ld+json\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was ist ein Credit Default Swap (CDS) einfach erkl\u00e4rt?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Ein CDS ist eine Versicherung gegen den Zahlungsausfall eines Schuldners. Der K\u00e4ufer zahlt eine j\u00e4hrliche Pr\u00e4mie in Basispunkten; f\u00e4llt der Schuldner aus, ersetzt der Verk\u00e4ufer den Verlust. Der CDS-Spread misst reines Kreditrisiko sauberer als die Rendite, ist aber nicht identisch mit der Ausfallwahrscheinlichkeit, weil er auch eine Risiko- und Liquidit\u00e4tspr\u00e4mie enth\u00e4lt.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Ist eine Staatsanleihe wirklich risikofrei?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Nur eingeschr\u00e4nkt. 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