{"id":435,"date":"2026-09-15T20:50:29","date_gmt":"2026-09-15T20:50:29","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/at\/krypto-boersen-gebuehren-volumen-maker-taker-2026\/"},"modified":"2026-09-15T20:50:29","modified_gmt":"2026-09-15T20:50:29","slug":"krypto-boersen-gebuehren-volumen-maker-taker-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/at\/krypto-boersen-gebuehren-volumen-maker-taker-2026\/","title":{"rendered":"Wovon Krypto-B\u00f6rsen leben: die Geb\u00fchren hinter dem Volumen"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Im August 2026 kam das Volumen zur\u00fcck. Das Spot-Handelsvolumen der gro\u00dfen Krypto-B\u00f6rsen sprang auf rund 510,4 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 19,0 Prozent gegen\u00fcber dem Juli und der gr\u00f6\u00dfte Monatszuwachs des Jahres, wie <a href='https:\/\/beincrypto.com\/crypto-spot-derivatives-volume-august-2026\/'>BeInCrypto<\/a> unter Berufung auf die Monatsdaten berichtet. Binance allein verbuchte davon etwa 243,1 Milliarden Dollar, ein Marktanteil von 47,6 Prozent; zusammen mit OKX und Coinbase entfielen laut <a href='https:\/\/cryptobriefing.com\/binance-august-2026-spot-volume\/'>Crypto Briefing<\/a> knapp 65 Prozent auf die drei gr\u00f6\u00dften Handelspl\u00e4tze. F\u00fcr einen Anleger in Wien, dessen Bitcoin an diesem 15. September bei rund 67.000 Euro notiert (<a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>CoinGecko<\/a>), klingt das nach einem gesunden, gesch\u00e4ftigen Markt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Doch das Volumen ist die Zahl, die eine B\u00f6rse auf die Startseite schreibt. Es ist eine Marketing-Kennzahl, ein Ausweis von Gr\u00f6\u00dfe und Relevanz. Womit eine B\u00f6rse tats\u00e4chlich Geld verdient, steht dort nicht: die Geb\u00fchr. Jeder Trade, der in die Volumenstatistik einflie\u00dft, ist zugleich ein winziger Kassenzettel. Wer verstehen will, warum die Volumenzahl so aussieht, wie sie aussieht, warum sie sich auf wenige Pl\u00e4tze konzentriert und warum manche Paare pl\u00f6tzlich riesig werden, muss die Geb\u00fchrenmechanik dahinter kennen. Dieser Beitrag dreht die \u00fcbliche Perspektive um: Nicht das Volumen erkl\u00e4rt das Gesch\u00e4ft, sondern das Gesch\u00e4ftsmodell erkl\u00e4rt das Volumen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Umkehrung ist gerade heuer besonders lehrreich. Das Jahr 2026 hat den B\u00f6rsen erst einen scharfen Einbruch der Spot-Erl\u00f6se beschert und dann eine Erholung, die zwar das Volumen zur\u00fcckbrachte, nicht aber automatisch die Gewinne. Wer die einzelnen Ertragshebel kennt, versteht besser, warum ein Handelsplatz trotz Milliardenvolumen einen Quartalsverlust ausweisen kann und warum die Branche gerade jetzt so angestrengt nach neuen, verl\u00e4sslicheren Einnahmen sucht. Genau diese Hebel, von der Maker-Taker-Geb\u00fchr \u00fcber die Zinsen auf Guthaben bis zu Prognosem\u00e4rkten und tokenisierten Aktien, nimmt dieser Beitrag der Reihe nach auseinander.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was eine Handelsgeb\u00fchr \u00fcberhaupt ist: Maker, Taker und der Spread<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt im Kern zwei Wege, an einem Handel zu verdienen, und sie pr\u00e4gen die gesamte Branche. Der erste ist das Orderbuch-Modell mit einer Maker-Taker-Geb\u00fchr. Ein Maker stellt mit einer Limit-Order Liquidit\u00e4t ins Orderbuch und wartet, bis jemand darauf zugreift; ein Taker nimmt diese Liquidit\u00e4t mit einer Market-Order sofort heraus. Weil der Maker die Handelstiefe liefert, mit der die B\u00f6rse wirbt, wird er belohnt: Er zahlt in der Regel weniger als der Taker, manche Pl\u00e4tze zahlen ihm sogar eine R\u00fcckverg\u00fctung. Der Taker zahlt f\u00fcr die Bequemlichkeit, sofort zum besten verf\u00fcgbaren Preis zu handeln.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der zweite Weg ist das Broker- oder Spread-Modell. Hier sieht der Kunde gar keine ausgewiesene Handelsgeb\u00fchr, sondern nur einen Kaufpreis und einen etwas niedrigeren Verkaufspreis. Die Differenz zwischen beiden, der Spread, ist der Ertrag der Plattform. Dieses Modell wirkt einfach und ist bei Privatanlegern beliebt, weil man auf einen Knopf dr\u00fcckt und fertig; es ist aber weniger transparent, weil die Kosten im Preis versteckt sind. Ein dritter, oft \u00fcbersehener Punkt: In der gemeldeten Volumenstatistik z\u00e4hlt jeder ausgef\u00fchrte Handel, und die Geb\u00fchr f\u00e4llt auf beiden Seiten an, bei K\u00e4ufer und Verk\u00e4ufer. Volumen und Geb\u00fchreneinnahme sind also zwei Seiten derselben Bewegung, aber sie wachsen nicht im Gleichschritt, wie die n\u00e4chsten Abschnitte zeigen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein einfaches Rechenbeispiel macht den Unterschied greifbar. Wer f\u00fcr 1.000 Euro Bitcoin \u00fcber ein Orderbuch als Taker kauft, zahlt bei 0,10 Prozent einen Euro Geb\u00fchr, als Maker mit einer geduldigen Limit-Order oft noch weniger. Kauft dieselbe Person f\u00fcr 1.000 Euro \u00fcber ein reines Broker-Modell mit Aufschlag und Spread, k\u00f6nnen schnell 20 bis 28 Euro f\u00e4llig werden, ohne dass eine einzige Geb\u00fchr je separat ausgewiesen wird. \u00dcber ein Jahr mit vielen Transaktionen summiert sich diese Differenz zu einem Betrag, der die Rendite sp\u00fcrbar dr\u00fcckt, und genau darin liegt der Grund, warum aktive Anleger fast immer zum Orderbuch wandern.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Geb\u00fchrentreppe: warum Vielhandler fast nichts zahlen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Kaum jemand zahlt bei den gro\u00dfen Orderbuch-B\u00f6rsen den Listenpreis. Binance startet zwar mit einer Basis von 0,10 Prozent f\u00fcr Maker wie Taker im Spot-Handel, doch die Geb\u00fchr sinkt entlang einer Treppe aus VIP-Stufen, die sich am Handelsvolumen der letzten 30 Tage und am Bestand des hauseigenen BNB-Tokens bemisst. Wer die Geb\u00fchr in BNB bezahlt, bekommt zus\u00e4tzlich 25 Prozent Rabatt, und an der Spitze der Treppe f\u00e4llt die Maker-Geb\u00fchr laut den bei <a href='https:\/\/tradersunion.com\/brokers\/crypto\/view\/binance\/fees\/'>Traders Union<\/a> zusammengetragenen Konditionen auf etwa 0,02 Prozent oder darunter. Im Futures-Handel liegt die Basis noch tiefer, bei rund 0,02 Prozent Maker und 0,05 Prozent Taker.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Treppe hat eine paradoxe Folge: Ausgerechnet jene Marktteilnehmer, die das meiste Volumen erzeugen, die Handelsfirmen und Hochfrequenzh\u00e4user, zahlen pro Trade fast nichts, w\u00e4hrend der gelegentlich handelnde Privatanleger die volle Basisgeb\u00fchr tr\u00e4gt. Das Modell ist bewusst so gebaut, dass es Volumen anzieht, denn mehr Volumen bedeutet f\u00fcr den H\u00e4ndler eine niedrigere Stufe und f\u00fcr die B\u00f6rse ein volleres Orderbuch, das wiederum neue Nutzer anlockt. Genau dieser Anreiz erkl\u00e4rt einen Teil der Konzentration, die man in den Statistiken sieht, und er erkl\u00e4rt auch, warum manche Pl\u00e4tze zu fast jedem Preis um Volumen k\u00e4mpfen. Die folgende Tabelle stellt die g\u00e4ngigen Modelle nebeneinander.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Handelsplatz<\/th><th>Modell<\/th><th>Basis (Spot)<\/th><th>Besonderheit<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Binance<\/td><td>Orderbuch, Maker-Taker<\/td><td>0,10 % \/ 0,10 %<\/td><td>bis ca. 0,02 % an der Spitze; 25 % BNB-Rabatt<\/td><\/tr><tr><td>Kraken Pro<\/td><td>Orderbuch, Maker-Taker<\/td><td>gestaffelt nach Volumen oder Bestand<\/td><td>Spitze bis 0,00 % Maker \/ 0,05 % Taker<\/td><\/tr><tr><td>Coinbase Advanced<\/td><td>Orderbuch, Maker-Taker<\/td><td>an der Basis deutlich \u00fcber Binance<\/td><td>Coinbase One: geb\u00fchrenfrei bis zu Obergrenzen<\/td><\/tr><tr><td>Bitpanda (Brokerage)<\/td><td>Aufschlag plus Spread<\/td><td>ca. 0,99 % f\u00fcr Bitcoin plus Spread<\/td><td>auf Bequemlichkeit f\u00fcr Privatanleger ausgelegt<\/td><\/tr><tr><td>Bitpanda Fusion<\/td><td>Orderbuch, Maker-Taker<\/td><td>0,02 % bis 0,25 %<\/td><td>Profi-Plattform desselben Anbieters<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Das \u00f6sterreichische Modell: Bitpanda und der Preis der Bequemlichkeit<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den \u00f6sterreichischen Markt lohnt der Blick auf Bitpanda, den heimischen Vorzeige-Anbieter. Im Standardprodukt, dem sogenannten Brokerage, gibt es kein Orderbuch, in das man Limit-Orders legt, sondern einen Kauf- und einen Verkaufsknopf. Bezahlt wird \u00fcber einen Aufschlag plus Spread: Nach den Aufstellungen des <a href='https:\/\/www.handelsblatt.com\/erfahrungen\/bitpanda-gebuehren\/'>Handelsblatt<\/a> fallen f\u00fcr Bitcoin rund 0,99 Prozent Geb\u00fchr an, hinzu kommt eine im Preis enthaltene Differenz zwischen An- und Verkauf von grob 1,5 bis 2 Prozent. In Summe zahlt ein Privatkunde damit ein Vielfaches der 0,10 Prozent, die eine Orderbuch-B\u00f6rse an der Basis nimmt, bei Altcoins mit kleiner Marktkapitalisierung noch mehr.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist kein verstecktes \u00c4rgernis, sondern ein bewusstes Gesch\u00e4ftsmodell: Der Aufpreis ist der Preis f\u00fcr eine einfache, regulierte, deutschsprachige Oberfl\u00e4che, f\u00fcr die schnelle Ausf\u00fchrung und f\u00fcr die Entlastung von jeder Orderbuch-Mechanik. Wer diese Bequemlichkeit nicht braucht, kann bei Bitpanda auf die Profi-Plattform Fusion wechseln, die mit 0,02 bis 0,25 Prozent plus variablem Spread rechnet, also nahe an den Orderbuch-Konditionen der internationalen H\u00e4user. Dass ein und dieselbe Firma zwei so unterschiedliche Geb\u00fchrenwelten anbietet, zeigt die eigentliche Logik der Branche: Nicht das Produkt kostet, sondern die Zielgruppe wird bepreist. Bitpanda ist zugleich der erste in \u00d6sterreich unter MiCA lizenzierte Anbieter, wozu wir weiter unten kommen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den typischen Privatkunden bleibt dieser Aufschlag oft unsichtbar, weil er nie eine separate Geb\u00fchrenzeile sieht, sondern nur den fertigen Preis. Genau das ist der Grund, warum das Spread-Modell f\u00fcr ein Massenpublikum funktioniert: Es tauscht Transparenz gegen Einfachheit. Wer nur gelegentlich kleine Betr\u00e4ge kauft und langfristig h\u00e4lt, f\u00fcr den f\u00e4llt der Aufschlag kaum ins Gewicht, wer aber regelm\u00e4\u00dfig handelt oder gr\u00f6\u00dfere Summen bewegt, zahlt \u00fcber die Zeit deutlich drauf. Diese Zweiteilung erkl\u00e4rt, warum Anbieter wie Bitpanda parallel eine Profi-Schiene f\u00fchren, um jene Kunden zu halten, die sonst zu einer reinen Orderbuch-B\u00f6rse abwandern w\u00fcrden.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Kraken schreibt die Regeln um: Geb\u00fchren nach Bestand, nicht nur Umsatz<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wettbewerb um Volumen treibt die B\u00f6rsen dazu, ihre Geb\u00fchrenmodelle laufend umzubauen. Kraken hat zum 9. Juli 2026 seine Pro-Stufen neu geordnet: Die Einstufung richtet sich seither nach dem f\u00fcr den Kunden g\u00fcnstigsten aus drei Werten, dem Spot-Volumen, dem Futures-Volumen oder dem auf der Plattform gehaltenen Verm\u00f6gen, wie die B\u00f6rse in ihrem <a href='https:\/\/blog.kraken.com\/product\/pro\/new-kraken-pro-fee-tiers'>eigenen Blog<\/a> beschreibt. Die Botschaft ist neu: Belohnt wird nicht mehr nur, wer viel handelt, sondern auch, wer viel liegen l\u00e4sst. An der Spitze der Treppe f\u00e4llt die Maker-Geb\u00fchr auf 0,00 Prozent bei 0,05 Prozent Taker. Ein Kunde, der ein gro\u00dfes Guthaben h\u00e4lt, erh\u00e4lt damit Konditionen, die fr\u00fcher nur Vielh\u00e4ndlern vorbehalten waren.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Coinbase geht einen anderen Weg. Die Advanced-Plattform startet an der Basis deutlich \u00fcber Binance, doch das interessante Detail ist das Abo: Wer <a href='https:\/\/www.datawallet.com\/crypto\/coinbase-fees'>Coinbase One<\/a> bucht, handelt bis zu monatlichen Obergrenzen geb\u00fchrenfrei und erh\u00e4lt dar\u00fcber hinaus eine R\u00fcckverg\u00fctung auf die Spot-Geb\u00fchren. Aus einer Kosten-pro-Trade wird so eine Flatrate. Beide Ans\u00e4tze, die bestandsbasierte Staffel von Kraken und das Abo von Coinbase, zielen auf dasselbe: den Kunden zu binden und die Erl\u00f6se verl\u00e4sslicher zu machen, als es die schwankende Handelsgeb\u00fchr allein je sein kann. Warum diese Verl\u00e4sslichkeit so wichtig geworden ist, zeigt der Blick auf die B\u00fccher einer b\u00f6rsennotierten Handelsplattform, weiter unten in diesem Text.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wo das echte Geld liegt: Derivate statt Spot<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schlagzeilen kreisen um das Spot-Volumen, doch der L\u00f6wenanteil des Gesch\u00e4fts spielt sich woanders ab. Perpetual Futures und andere Derivate machten Anfang 2026 nach den Marktdaten rund drei Viertel des gesamten Krypto-Handelsvolumens aus. Binance allein wickelte laut den bei <a href='https:\/\/earthweb.com\/binance-statistics\/'>EarthWeb<\/a> gesammelten Zahlen im ersten Quartal 2026 ein Derivatevolumen von rund 4,9 Billionen Dollar ab und hielt damit den gr\u00f6\u00dften Marktanteil. Die Geb\u00fchr pro Trade ist im Futures-Handel zwar niedriger als im Spot, doch weil das Volumen um ein Vielfaches gr\u00f6\u00dfer ist, flie\u00dft der Gro\u00dfteil der Geb\u00fchreneinnahmen aus den Derivaten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein verbreitetes Missverst\u00e4ndnis ist hier auszur\u00e4umen: Die Funding-Rate, jene periodische Zahlung, die bei Perpetuals zwischen Long- und Short-Positionen flie\u00dft, ist kein Ertrag der B\u00f6rse. Sie ist ein Ausgleich zwischen den Marktteilnehmern, der den Perpetual-Preis an den Kassapreis bindet; zuletzt lag sie klar im positiven Bereich, bei etwa 0,009 Prozent je Achtstundenfenster, wie <a href='https:\/\/www.fxstreet.com\/cryptocurrencies\/news\/why-is-everyone-in-the-crypto-market-talking-about-open-interest-and-funding-rates-202508070945'>FXStreet<\/a> festh\u00e4lt. Die B\u00f6rse verdient an den Derivaten anders: \u00fcber die Taker-Geb\u00fchr auf jedes gehebelte Gesch\u00e4ft und \u00fcber die Geb\u00fchren, die bei Zwangsliquidationen anfallen. Gerade in volatilen Phasen, wie beim Stresstest rund um die Entkopplung des synthetischen Dollars <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/ethena-usde-funding-synthetischer-dollar-stresstest-2026\/'>USDe im Oktober 2025<\/a>, verwandelt sich Volatilit\u00e4t \u00fcber Liquidationen direkt in Geb\u00fchreneinnahmen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Hebel ist dabei der eigentliche Verst\u00e4rker. Ein Perpetual erlaubt es, mit wenig Kapital ein Vielfaches an Position zu bewegen, sodass aus einem kleinen Einsatz ein gro\u00dfes gehandeltes Volumen wird, auf das die B\u00f6rse ihre Taker-Geb\u00fchr erhebt. Das ist f\u00fcr den Handelsplatz hochprofitabel und f\u00fcr den Privatanleger riskant, weshalb der Gesetzgeber hier eingreift: In der EU gelten Krypto-Derivate als Finanzinstrumente unter MiFID II, mit Hebelobergrenzen f\u00fcr Kleinanleger. Der L\u00f6wenanteil des gemeldeten Krypto-Volumens ist also gehebeltes Gesch\u00e4ft, das reguliert wird wie ein klassisches Derivat, und nicht der beschauliche Spot-Kauf, den sich viele unter Krypto-Handel vorstellen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Null-Geb\u00fchr als Waffe: wie Gratis-Paare Volumen erzeugen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn niedrigere Geb\u00fchren mehr Volumen bringen, was passiert dann bei einer Geb\u00fchr von null? Genau dieses Instrument haben B\u00f6rsen wiederholt eingesetzt. Als Binance 2024 f\u00fcr bestimmte Paare mit den Stablecoins FDUSD und TUSD zeitweise keine Handelsgeb\u00fchr verlangte, schoss deren Volumen nach oben; ein einzelnes geb\u00fchrenfreies Bitcoin-Paar konnte das kostenpflichtige Pendant um ein Vielfaches \u00fcbertreffen, wie damals <a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/300748\/fdusd-trading-dominance-persists-despite-binance-ending-zero-fee-promotion'>The Block<\/a> dokumentierte. Das Kalk\u00fcl dahinter ist mehrschichtig: Ein geb\u00fchrenfreies Paar hebt die B\u00f6rse in den Volumen-Ranglisten nach oben, macht eine bestimmte Quote-W\u00e4hrung attraktiv und lockt H\u00e4ndler an, die dann auch geb\u00fchrenpflichtige Paare nutzen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das so erzeugte Volumen besteht aus echten Trades; es ist nicht dasselbe wie Wash Trading, bei dem eine Partei mit sich selbst handelt. Aber es ist durch den Geb\u00fchrenanreiz verzerrt und l\u00e4sst die gemeldete Zahl gr\u00f6\u00dfer wirken, als sie im geb\u00fchrentragenden Handel w\u00e4re. F\u00fcr den Beobachter verschwimmt damit die Grenze zwischen organischem und angeschobenem Volumen, und die Frage, wie viel des insgesamt gemeldeten Handels \u00fcberhaupt echt ist, geh\u00f6rt zu den heikelsten der Branche; wir haben sie in der Analyse zum <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/phantomvolumen-wash-trading-proof-of-reserves-2026\/'>Phantomvolumen<\/a> ausf\u00fchrlich behandelt. F\u00fcr diesen Text gen\u00fcgt der Befund: Das Geb\u00fchrenmodell formt die Volumenzahl aktiv mit, es misst sie nicht nur passiv.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dieselbe Ranglisten-Logik wirkt auch bei den Listing-Geb\u00fchren. Eine B\u00f6rse kann von einem Projekt Geld daf\u00fcr verlangen, dessen Token \u00fcberhaupt aufzunehmen, und schafft damit zugleich neues handelbares Volumen, an dem sie danach \u00fcber Jahre mitverdient. F\u00fcr kleine Projekte kann eine prominente Notierung \u00fcberlebenswichtig sein, weshalb die gro\u00dfen Pl\u00e4tze hier eine erhebliche Verhandlungsmacht besitzen. Aus Sicht der B\u00f6rse ist jeder neu gelistete Token damit potenzielles k\u00fcnftiges Geb\u00fchrenaufkommen, was den Anreiz erkl\u00e4rt, das Angebot an handelbaren Werten immer weiter zu verbreitern, bis hin zu den spekulativsten Meme-Coins.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Coinbase zeigt die B\u00fccher: vom Geb\u00fchrenhaus zum Abo-Modell<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Weil die meisten gro\u00dfen B\u00f6rsen privat sind, bleibt ihre Ertragsrechnung im Dunkeln. Binance etwa nennt keine offiziellen Umsatzzahlen; Sch\u00e4tzungen f\u00fcr 2023 reichten von 12 bis 16 Milliarden Dollar. Coinbase dagegen ist b\u00f6rsennotiert und muss offenlegen, und diese Zahlen sind der beste verf\u00fcgbare R\u00f6ntgenblick auf das Gesch\u00e4ftsmodell. Im zweiten Quartal 2026 meldete das Unternehmen laut <a href='https:\/\/finance.yahoo.com\/markets\/crypto\/articles\/coinbase-q2-2026-earnings-miss-144916215.html'>Yahoo Finance<\/a> einen Gesamtumsatz von 1,22 Milliarden Dollar, ein Minus von 18,5 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr, sowie einen Nettoverlust von 359 Millionen Dollar. Die Transaktionserl\u00f6se, also die klassischen Handelsgeb\u00fchren, fielen auf 599 Millionen Dollar und lagen damit 21 Prozent unter dem Vorquartal; das Spot-Handelsvolumen der Privatkunden sackte um 24 Prozent ab.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert ist die andere Seite der Rechnung: Die Erl\u00f6se aus Abos und Services hielten sich bei rund 555 Millionen Dollar und machten damit etwa 48 Prozent des Nettoumsatzes aus. Der reine Bitcoin-Spot-Handel steuert heute nur noch gut 10 Prozent zum Umsatz bei, gegen\u00fcber mehr als 50 Prozent beim B\u00f6rsengang 2021. Vorstandschef Brian Armstrong beschrieb die Strategie im Analystengespr\u00e4ch so: <a href='https:\/\/finance.yahoo.com\/markets\/crypto\/articles\/coinbase-global-inc-coin-q2-050522482.html'>&bdquo;Wir diversifizieren die Erl\u00f6se auf beiden Seiten, bei den Handelsgeb\u00fchren und bei Abos und Services. Auf der Geb\u00fchrenseite sehen wir gute Akzeptanz von Prognosem\u00e4rkten, Perpetual Futures und Aktienhandel, und der Handel mit Aktienoptionen steht bevor.&ldquo;<\/a> Finanzchefin Alesia Haas erg\u00e4nzte, man versuche, die handelbaren Produkte zu diversifizieren, damit immer etwas da sei, das die Leute handeln wollen, wenn sich M\u00e4rkte und Verhaltensweisen verschieben. Die Botschaft ist unmissverst\u00e4ndlich: Die Handelsgeb\u00fchr allein ist zu launisch geworden, um ein Unternehmen zu tragen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Launenhaftigkeit ist strukturell. Transaktionserl\u00f6se folgen der Stimmung: In einem Bullenmarkt handeln die Menschen viel und die Geb\u00fchren sprudeln, in einer Flaute versiegen sie. F\u00fcr ein b\u00f6rsennotiertes Unternehmen, dessen Aktion\u00e4re planbare Zahlen erwarten, ist das ein Problem, und es erkl\u00e4rt, warum Coinbase seit dem B\u00f6rsengang so konsequent auf wiederkehrende Erl\u00f6se setzt. Der Quartalsverlust von 359 Millionen Dollar bei gleichzeitig steigendem Marktanteil ist das Paradox in einer Zahl: Man kann Marktf\u00fchrer sein und trotzdem Geld verlieren, wenn das Kerngesch\u00e4ft an einem Zyklus h\u00e4ngt, den niemand kontrolliert.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Zinsen im Hintergrund: wenn die B\u00f6rse zur Bank wird<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein gro\u00dfer Teil dieser stabileren Erl\u00f6se hat mit dem Handel nur noch mittelbar zu tun. B\u00f6rsen halten die Guthaben ihrer Kunden, dazu die Reserven hinter Stablecoins, und auf diesen Best\u00e4nden verdienen sie Zinsen. Bei Coinbase speist sich ein erheblicher Teil der Abo- und Service-Erl\u00f6se aus den Ertr\u00e4gen rund um den Dollar-Stablecoin USDC; eine Analyse von <a href='https:\/\/www.stratrix.com\/business-model\/coinbase-s-trading-fee-dependence-and'>Stratrix<\/a> beschreibt das Unternehmen daher pointiert als zinsabh\u00e4ngig und verwundbar, sollte das Zinsumfeld drehen. Je h\u00f6her die Leitzinsen, desto \u00fcppiger dieser Ertrag; je niedriger, desto d\u00fcnner.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Mechanik dahinter \u00e4hnelt dem klassischen Bankgesch\u00e4ft mit einer Bilanz aus kurzfristigen Staatsanleihen und Einlagen. Reserven hinter regulierten Stablecoins m\u00fcssen unter den europ\u00e4ischen Regeln sicher und liquide gehalten werden, und die Zinsen, die diese Reserven abwerfen, landen beim Emittenten oder bei der Plattform, nicht beim Halter des Coins. F\u00fcr die B\u00f6rse ist das ein bequemer, handelsunabh\u00e4ngiger Ertrag, der auch dann flie\u00dft, wenn kaum jemand handelt. Genau deshalb ist er so wertvoll und zugleich so verwundbar, denn er steht und f\u00e4llt mit einer Entscheidung, die in Washington und nicht am Handelsplatz getroffen wird.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Damit h\u00e4ngt das Gesch\u00e4ftsmodell der B\u00f6rsen an einem Faden, den sie nicht selbst spinnen, n\u00e4mlich an der Geldpolitik. Die Zinsentscheidung der US-Notenbank am 16. September f\u00e4llt genau in diese Rechnung, und ein Umfeld hoher Zinsen hat den B\u00f6rsen zuletzt geholfen, den R\u00fcckgang der Handelsgeb\u00fchren abzufedern; wie stark die Zinsen inzwischen f\u00fcr die gesamte Anlageklasse z\u00e4hlen, zeigt der Blick auf <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/europas-bitcoin-treasuries-fed-zinserhoehung-2026\/'>Europas Bitcoin-Treasuries und die erste Fed-Erh\u00f6hung seit 2023<\/a>. Die Parallele zu einer Bank ist offensichtlich: Wer fremdes Geld verwahrt und darauf Zinsen einnimmt, betreibt ein Einlagengesch\u00e4ft, auch wenn keine Filiale daran h\u00e4ngt. Genau diese N\u00e4he zum Bankgesch\u00e4ft, und die Konkurrenz um die Einlagen selbst, haben wir im <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/einlagenkrieg-krypto-bankeinlagen-stablecoins-2026\/'>Einlagenkrieg zwischen Krypto und Banken<\/a> beschrieben.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Ertragsquelle<\/th><th>Wie die B\u00f6rse verdient<\/th><th>Bezug zum Volumen<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Spot-Handelsgeb\u00fchren<\/td><td>Maker-Taker je Trade<\/td><td>direkt, aber stark rabattiert<\/td><\/tr><tr><td>Derivate<\/td><td>Taker- und Liquidationsgeb\u00fchren<\/td><td>gr\u00f6\u00dfter Volumenblock<\/td><\/tr><tr><td>Listing-Geb\u00fchren<\/td><td>Aufnahme neuer Token<\/td><td>schafft neues handelbares Volumen<\/td><\/tr><tr><td>Auszahlungsgeb\u00fchren<\/td><td>Abhebungen in Kryptowerten<\/td><td>unabh\u00e4ngig vom Handel<\/td><\/tr><tr><td>Zinsertr\u00e4ge<\/td><td>Verzinsung von Guthaben und Reserven<\/td><td>zinsabh\u00e4ngig, handelsunabh\u00e4ngig<\/td><\/tr><tr><td>Abos und Services<\/td><td>Flatrates, Verwahrung, Staking<\/td><td>verl\u00e4sslicher als Geb\u00fchren<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Neue Volumenquellen: die Wette als Handelspaar<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die klassische Handelsgeb\u00fchr schrumpft, suchen B\u00f6rsen neues, geb\u00fchrentragendes Volumen. Die auff\u00e4lligste neue Quelle sind Prognosem\u00e4rkte. Auf Plattformen wie Kalshi und Polymarket wetten Nutzer auf Ereignisse, von Wahlausg\u00e4ngen bis zu Sportergebnissen, und das Volumen ist explodiert. Im Juni 2026 kamen beide zusammen auf rund 44,8 Milliarden Dollar Handelsvolumen, angetrieben von der Fu\u00dfball-Weltmeisterschaft; Kalshi allein lag laut <a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/07\/04\/2026-fifa-world-cup-boosts-prediction-market-volumes.html'>CNBC<\/a> \u00fcber 30 Milliarden, Polymarket erreichte mit 10,8 Milliarden einen Rekord. Das <a href='https:\/\/www.pewresearch.org\/short-reads\/2026\/05\/27\/trading-volume-on-prediction-markets-has-soared-in-recent-months\/'>Pew Research Center<\/a> hatte zuvor dokumentiert, wie das kombinierte Monatsvolumen von unter 5 Milliarden Dollar im September 2025 auf rund 24 Milliarden im April 2026 gestiegen war.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr B\u00f6rsen ist das aus zwei Gr\u00fcnden attraktiv: Es ist Volumen, auf dem Geb\u00fchren anfallen, und es zieht ein Publikum an, das mit klassischem Krypto wenig anfangen kann. Armstrong nannte Prognosem\u00e4rkte in seiner Aufz\u00e4hlung neuer Erl\u00f6squellen nicht zuf\u00e4llig an erster Stelle. Der Grat zwischen Handel und Gl\u00fccksspiel ist dabei schmal, und die N\u00e4he zum Wettgesch\u00e4ft ist offensichtlich, wie schon der Weg <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/krypto-esport-sponsoring-fan-tokens-oesterreich-2026\/'>vom FTX-Trikot zum Wettschein im Esport<\/a> zeigte. In der EU ist die regulatorische Linie deshalb heikel: Bin\u00e4re Ereigniskontrakte f\u00fcr Privatkunden fallen in weiten Teilen unter das bestehende Verbot bin\u00e4rer Optionen, was das europ\u00e4ische Wachstum dieser Kategorie bremst und sie st\u00e4rker in die USA verlagert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die B\u00f6rsen ist die Einbindung dieser M\u00e4rkte inzwischen strategisch. Gro\u00dfe Pl\u00e4tze binden Prognose-Kontrakte direkt in ihre Apps ein oder kooperieren mit spezialisierten Anbietern, um das neue Publikum nicht an reine Wettplattformen zu verlieren. Der regulatorische Graben zwischen den USA, wo eine Aufsicht f\u00fcr Warenterminm\u00e4rkte den Rahmen setzt, und der EU, die den Privatkundenzugang eng f\u00fchrt, entscheidet dabei mit dar\u00fcber, wo dieses Volumen k\u00fcnftig anf\u00e4llt. F\u00fcr einen \u00f6sterreichischen Anleger hei\u00dft das konkret, dass ihm ein Teil dieser boomenden Kategorie schlicht nicht offensteht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Neue Volumenquellen: tokenisierte Aktien als Perpetual<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Noch spektakul\u00e4rer w\u00e4chst der Handel mit tokenisierten Verm\u00f6genswerten aus der klassischen Finanzwelt. Nach dem Bericht von <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/research\/publications\/tradfi-on-crypto-exchanges-report-2026'>CoinGecko<\/a> stieg das kombinierte Monatsvolumen dieser Kategorie \u00fcber sechs B\u00f6rsen von 3,46 Milliarden Dollar im J\u00e4nner 2025 auf 393,15 Milliarden im Juni 2026, eine mehr als hundertfache Ausweitung. Der Handel l\u00e4uft fast ausschlie\u00dflich \u00fcber Perpetual Futures: Im Juni entfielen 387,39 Milliarden Dollar auf Perpetuals und nur 5,75 Milliarden auf den Spot-Handel, ein Verh\u00e4ltnis von 98,5 zu 1,5 Prozent. Am meisten gehandelt werden Nachbildungen bekannter Aktien wie Nvidia und Tesla; die Liquidit\u00e4t bleibt allerdings d\u00fcnn und konzentriert, zehn Werte machen mehr als drei Viertel des Volumens aus.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Konzentration ist die eigentliche Schwachstelle. Wenn zehn Werte den Gro\u00dfteil des Volumens tragen und der Handel sich auf wenige B\u00f6rsen ballt, kann ein einzelnes Problem, ein Ausfall der Preisquelle oder ein pl\u00f6tzlicher Liquidit\u00e4tsentzug, den ganzen Markt erfassen. Hinzu kommt eine Eigenheit tokenisierter Aktien: Sie werden rund um die Uhr gehandelt, w\u00e4hrend die zugrunde liegende B\u00f6rse am Wochenende und nachts geschlossen ist, sodass der Token-Preis vom realen Aktienkurs abweichen kann. F\u00fcr den Anleger ist das ein zus\u00e4tzliches Risiko, das im klassischen Aktienhandel so nicht existiert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Reiz f\u00fcr die B\u00f6rsen ist klar: ein Aktien-Perpetual erzeugt Taker-Geb\u00fchren rund um die Uhr, auch wenn die zugrunde liegende B\u00f6rse in New York l\u00e4ngst geschlossen hat. Vugar Usi Zade, Chef der B\u00f6rse MEXC, die in dieser Nische f\u00fchrend ist, ordnete den Trend gegen\u00fcber <a href='https:\/\/www.globenewswire.com\/news-release\/2026\/07\/29\/3335052\/0\/en\/mexc-and-coingecko-report-cex-tradfi-volume-surges-over-100-fold-as-83-3-of-users-plan-to-trade-more.html'>GlobeNewswire<\/a> so ein: &bdquo;Traditionelle Verm\u00f6genswerte werden zu einem Kernbestandteil dessen, wie Nutzer mit Krypto-B\u00f6rsen interagieren, und nicht mehr zu einer experimentellen Produktkategorie.&ldquo; F\u00fcr den Anleger bedeutet das: Ein wachsender Teil des gemeldeten Krypto-Volumens hat mit Kryptow\u00e4hrungen im engeren Sinn gar nichts mehr zu tun, sondern ist gehebelter Handel auf Aktien und Rohstoffe. Die n\u00e4chste Tabelle fasst die beiden neuen Quellen zusammen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Neue Volumenquelle<\/th><th>Volumen (Juni 2026)<\/th><th>Struktur<\/th><th>Treiber<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Prognosem\u00e4rkte (Kalshi, Polymarket)<\/td><td>ca. 44,8 Mrd. USD kombiniert<\/td><td>Ereigniskontrakte<\/td><td>Fu\u00dfball-WM, Wahlen, Sport<\/td><\/tr><tr><td>Tokenisierte TradFi-Werte<\/td><td>393,15 Mrd. USD (6 B\u00f6rsen)<\/td><td>98,5 % Perpetual Futures<\/td><td>Aktien wie Nvidia, Tesla; 24\/7-Handel<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Was die Geb\u00fchr \u00fcber die Zahl verr\u00e4t: Volumen lesen mit Skepsis<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Nimmt man die Bausteine zusammen, wird klar, warum die Volumenzahl mit Vorsicht zu genie\u00dfen ist. Die Geb\u00fchrentreppe zieht die Vielh\u00e4ndler an einen Ort, geb\u00fchrenfreie Paare bl\u00e4hen einzelne Statistiken auf, und der Wettbewerb um Ranglistenpl\u00e4tze belohnt jede Form von Aktivit\u00e4t, ob organisch oder angeschoben. Das Volumen ist damit eine Kennzahl der Aktivit\u00e4t, nicht der Qualit\u00e4t und schon gar nicht der Solvenz. Eine B\u00f6rse kann ein gewaltiges Volumen ausweisen und trotzdem ein Loch in der Bilanz haben, wie der Fall FTX gezeigt hat.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Praxis helfen ein paar Faustregeln. Erstens: Pr\u00fcfen, ob das ausgewiesene Volumen \u00fcberhaupt geb\u00fchrentragend ist oder auf Gratis-Aktionen beruht. Zweitens: Das Handelsvolumen mit dem Open Interest im Derivatemarkt vergleichen, der offenen Position, die schwerer zu f\u00e4lschen ist als eine Handelszahl. Drittens: Ein Volumen, das die Marktkapitalisierung eines Tokens um ein Vielfaches \u00fcbersteigt, ist ein Warnzeichen. Und schlie\u00dflich lohnt der Blick auf unabh\u00e4ngige Datenanbieter, die auff\u00e4lliges Volumen herausfiltern, statt sich auf die von der B\u00f6rse selbst gemeldete Zahl zu verlassen. Wer so liest, versteht das Volumen als das, was es ist: eine Marketingzahl mit einem realen Geb\u00fchrenmotor darunter.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein praktisches Beispiel: Taucht ein kaum bekannter Token mit einem Tagesvolumen auf, das seine gesamte Marktkapitalisierung \u00fcbersteigt, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass hier k\u00fcnstlich gehandelt oder mit Geb\u00fchrenanreizen nachgeholfen wird. Ein etablierter Wert wie Bitcoin dagegen zeigt ein Volumen, das im Verh\u00e4ltnis zu seiner Gr\u00f6\u00dfe plausibel bleibt und sich \u00fcber viele B\u00f6rsen verteilt. Der Vergleich mehrerer Kennzahlen, Volumen gegen Marktkapitalisierung, gegen Orderbuch-Tiefe und gegen offene Position, sch\u00fctzt besser vor T\u00e4uschung als das blinde Vertrauen in eine einzelne, sch\u00f6n gerundete Milliardenzahl.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>MiCA, MiFID II und die FMA: Kostentransparenz als Pflicht<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">In Europa ist die Geb\u00fchr nicht mehr nur eine Gesch\u00e4ftsentscheidung, sondern zunehmend eine regulatorische. Unter der EU-Verordnung MiCA, deren \u00dcbergangsfrist in \u00d6sterreich am 1. Juli 2026 endete, m\u00fcssen zugelassene Krypto-Dienstleister ihre Kosten offenlegen und Werbung sauber kennzeichnen. Die Finanzmarktaufsicht FMA (<a href='https:\/\/www.fma.gv.at\/en\/granting-of-authorisation-bitpanda-gmbh\/'>fma.gv.at<\/a>) ist daf\u00fcr die zust\u00e4ndige nationale Beh\u00f6rde und hat Bitpanda im April 2025 als ersten heimischen Anbieter unter MiCA lizenziert. Wie ernst die Beh\u00f6rde die Regeln nimmt, zeigte der 14. August 2026: Die FMA verh\u00e4ngte gegen Bitpanda eine Strafe von 70.000 Euro, die erste ver\u00f6ffentlichte MiCAR-Sanktion in \u00d6sterreich und zugleich, wie <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2026\/08\/17\/bitpanda-fined-eur70-000-in-austria-s-first-published-mica-enforcement-case'>CoinDesk<\/a> berichtet, die erste in ganz Europa. Es ging um formale Verst\u00f6\u00dfe: ein Whitepaper, das nicht rechtzeitig eingereicht wurde, und eine Werbemitteilung ohne den vorgeschriebenen Hinweis. Bitpanda sprach von Fragen des Timings und formaler Vorgaben und korrigierte die Punkte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig f\u00fcr die Einordnung: MiCA regelt den Spot-Handel und die Dienstleister, nicht aber die Derivate. Krypto-Perpetuals und -Futures gelten als Finanzinstrumente und fallen unter MiFID II, \u00fcberwacht vom nationalen Markt-Regulator, mit Hebelgrenzen f\u00fcr Privatanleger. Und f\u00fcr den Anleger selbst z\u00e4hlt die steuerliche Seite: Realisierte Krypto-Gewinne unterliegen in \u00d6sterreich dem Sondersteuersatz von 27,5 Prozent, den inl\u00e4ndische Plattformen seit 1. J\u00e4nner 2024 als KESt automatisch einbehalten. Die gute Nachricht dabei ist, dass gezahlte Handelsgeb\u00fchren und Anschaffungsnebenkosten den steuerpflichtigen Gewinn mindern, weshalb es sich lohnt, die Geb\u00fchren sauber zu dokumentieren, gerade beim intransparenteren Spread-Modell.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sto\u00dfrichtung von MiCA ist dabei klar: Der Kunde soll vor dem Handel wissen, was ihn ein Gesch\u00e4ft kostet, in Form klarer Angaben zu Geb\u00fchren, Spreads und Nebenkosten. Hinzu kommen Regeln zur Ausfallsicherheit der IT und zur Trennung von Kundengeldern, die verhindern sollen, dass die Guthaben der Nutzer im Insolvenzfall mit dem Verm\u00f6gen der B\u00f6rse vermischt werden. F\u00fcr den Anleger in \u00d6sterreich bedeutet die neue Ordnung vor allem eines: Eine unter FMA-Aufsicht lizenzierte Plattform muss ihre Kosten offenlegen, was den Vergleich zwischen einem Spread- und einem Maker-Taker-Modell \u00fcberhaupt erst fair macht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Ausblick: der Kampf um die Geb\u00fchr<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Richtung ist klar: Die reine Spot-Handelsgeb\u00fchr steht unter Dauerdruck. Sie ist f\u00fcr Vielh\u00e4ndler nahe null gefallen, wird \u00fcber Gratis-Paare zeitweise ganz ausgesetzt und bei Coinbase zunehmend in ein Abo umgewandelt. F\u00fcr die B\u00f6rsen ist das eine existenzielle Frage, denn ein Gesch\u00e4ft, das nur an der zyklischen Handelslust h\u00e4ngt, schwankt zu stark, wie Coinbases Quartalsverlust vorf\u00fchrt. Die Antwort der Branche ist die Diversifikation: hin zu den margenst\u00e4rkeren Derivaten, zu den zinsabh\u00e4ngigen Ertr\u00e4gen auf Guthaben und Reserven, zu verl\u00e4sslichen Abos und zu ganz neuen Volumenkategorien wie Prognosem\u00e4rkten und tokenisierten Aktien.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Anleger in \u00d6sterreich folgen daraus zwei n\u00fcchterne Konsequenzen. Erstens: Man sollte genau wissen, welches Geb\u00fchrenmodell man nutzt, denn zwischen dem Spread-Modell f\u00fcr Privatkunden und der Maker-Taker-Welt der Profi-Plattformen liegen leicht mehrere Prozentpunkte, die \u00fcber Jahre sp\u00fcrbar an der Rendite zehren. Zweitens: Die gro\u00dfe Volumenzahl auf der Startseite ist kein G\u00fctesiegel, sondern eine Marketingkennzahl, deren Form vom Geb\u00fchrenmotor dahinter bestimmt wird. Wer beides im Kopf beh\u00e4lt, liest den Markt weniger als Zuschauer und mehr als jemand, der versteht, wer hier woran verdient.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Worauf man in den kommenden Quartalen achten sollte, l\u00e4sst sich in drei Punkten b\u00fcndeln. Erstens, ob die Geb\u00fchrenfreiheit \u00fcber Abos und Gratis-Paare weiter um sich greift und die klassische Handelsgeb\u00fchr endg\u00fcltig zur Ausnahme wird. Zweitens, ob die B\u00f6rsen ihren Umbau zur Alles-Plattform fortsetzen, auf der Krypto, Aktien, Prognosen und Zinsen unter einem Dach zusammenlaufen. Und drittens, wie die europ\u00e4ische Aufsicht auf dieses Zusammenwachsen reagiert, denn je mehr eine Krypto-B\u00f6rse zugleich wie eine Bank und wie ein Broker aussieht, desto lauter wird der Ruf nach einer Aufsicht, die dem gerecht wird.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Was ist der Unterschied zwischen Maker- und Taker-Geb\u00fchren?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Maker stellt mit einer Limit-Order Liquidit\u00e4t ins Orderbuch, ein Taker entnimmt sie mit einer Market-Order sofort. Weil Maker die Handelstiefe liefern, mit der eine B\u00f6rse wirbt, zahlen sie meist weniger als Taker; bei Binance liegt die Basis bei 0,10 % f\u00fcr beide Seiten und sinkt f\u00fcr Vielhandler auf etwa 0,02 % oder darunter.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum ist Bitpanda teurer als eine Order-Book-B\u00f6rse?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitpanda richtet sich im Standardprodukt an Privatanleger und rechnet mit einem Aufschlag plus Spread statt mit Maker-Taker-Geb\u00fchren; f\u00fcr Bitcoin sind das rund 0,99 % Geb\u00fchr zuz\u00fcglich einer Preisdifferenz, in Summe deutlich mehr als die 0,10 % einer Orderbuch-B\u00f6rse. Wer die professionelle Plattform Bitpanda Fusion nutzt, zahlt mit 0,02 bis 0,25 % sp\u00fcrbar weniger.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Womit verdienen Krypto-B\u00f6rsen mehr, mit Spot oder mit Derivaten?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Derivaten. Perpetual Futures machten Anfang 2026 rund drei Viertel des gesamten Handelsvolumens aus; obwohl die Geb\u00fchr pro Trade niedriger ist als im Spot, sorgt das um ein Vielfaches gr\u00f6\u00dfere Volumen f\u00fcr den L\u00f6wenanteil der Geb\u00fchreneinnahmen. Die Funding-Rate selbst ist dabei kein B\u00f6rsenerl\u00f6s, sondern eine Zahlung zwischen Long- und Short-Positionen.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was sind Null-Geb\u00fchren-Paare und warum gibt es sie?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Null-Geb\u00fchren-Paar ist ein Handelspaar, auf dem eine B\u00f6rse zeitweise keine Handelsgeb\u00fchr verlangt, um Volumen und eine bestimmte Quote-W\u00e4hrung zu f\u00f6rdern. Das erzeugte Volumen besteht aus echten Trades, ist aber durch den Geb\u00fchrenanreiz verzerrt und l\u00e4sst die gemeldete Zahl gr\u00f6\u00dfer wirken, als sie im geb\u00fchrentragenden Handel w\u00e4re.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie werden Krypto-Gewinne und -Geb\u00fchren in \u00d6sterreich besteuert?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Realisierte Krypto-Gewinne unterliegen in \u00d6sterreich dem Sondersteuersatz von 27,5 %; inl\u00e4ndische Plattformen behalten die KESt seit 1. J\u00e4nner 2024 automatisch ein. Handelsgeb\u00fchren und Anschaffungsnebenkosten mindern den steuerpflichtigen Gewinn, weshalb eine saubere Dokumentation der gezahlten Geb\u00fchren sinnvoll ist.<\/p><script type='application\/ld+json'>{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was ist der Unterschied zwischen Maker- und Taker-Geb\u00fchren?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Ein Maker stellt mit einer Limit-Order Liquidit\u00e4t ins Orderbuch, ein Taker entnimmt sie mit einer Market-Order sofort. 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