{"id":451,"date":"2026-09-18T12:48:41","date_gmt":"2026-09-18T12:48:41","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/at\/stille-duration-oesterreich-pensionen-ldi-bitcoin-2026\/"},"modified":"2026-09-18T12:48:41","modified_gmt":"2026-09-18T12:48:41","slug":"stille-duration-oesterreich-pensionen-ldi-bitcoin-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/at\/stille-duration-oesterreich-pensionen-ldi-bitcoin-2026\/","title":{"rendered":"Die stille Duration: \u00d6sterreichs Pensionen und Bitcoin"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Abend des 16. September hat die US-Notenbank getan, was sie seit Juli 2023 nicht mehr getan hatte: Sie hat die Zinsen erh\u00f6ht. Ein Viertelprozentpunkt, einstimmig, auf ein Zielband von 3,75 bis 4,00 Prozent. Sechs Tage zuvor hatte die Europ\u00e4ische Zentralbank ihren Einlagensatz auf 2,50 Prozent angehoben. Zwei Notenbanken, dieselbe Richtung, und ein Anleihemarkt, der die Botschaft l\u00e4ngst verstanden hat: Geld bleibt teuer.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schlagzeilen drehen sich um Bitcoin, um den Dollar, um die n\u00e4chste Fed-Sitzung. Der eigentliche Schauplatz steigender Zinsen liegt aber woanders, und er ist unsichtbar. Er sitzt in den Bilanzen jener Institutionen, die am meisten langlaufende Anleihen halten: in den \u00f6sterreichischen Pensionskassen, in den Deckungsst\u00f6cken der Lebensversicherer und letztlich im Pensionsversprechen des Staates selbst. Dort wirkt eine Kennzahl, die kaum jemand au\u00dferhalb der Finanzabteilungen kennt und die trotzdem \u00fcber die H\u00f6he mancher Firmenpension entscheidet: die Duration.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Und am ganz anderen Ende derselben Zinskurve sitzt Bitcoin. Wer verstehen will, warum eine Kryptow\u00e4hrung ohne Kupon und eine hundertj\u00e4hrige Staatsanleihe mehr gemeinsam haben, als es scheint, muss bei der Duration anfangen. Genau das tut dieser Text.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Zwei Zinserh\u00f6hungen, ein Trend<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Beginnen wir mit den Fakten. Am 16. September hob das Federal Open Market Committee das Zielband f\u00fcr den US-Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an, einstimmig mit 12 zu 0 Stimmen, die erste Erh\u00f6hung seit Juli 2023 (<a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/09\/16\/fed-rate-decision-september-2026.html'>CNBC<\/a>). Im Statement hie\u00df es knapp, die Inflation bleibe erh\u00f6ht, und der Schritt werde eine zeitn\u00e4here R\u00fcckkehr zum Zwei-Prozent-Ziel st\u00fctzen. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh, seit Mai im Amt, gab auf der Pressekonferenz demonstrativ keine eigene Prognose ab: &bdquo;I&#8217;m not in the forward guidance business&ldquo;.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidender als der einzelne Schritt war der Dot Plot, die Zinsprognose der Notenbanker. 16 der 18 Mitglieder erwarten heuer mindestens eine weitere Erh\u00f6hung, vier von ihnen sogar zwei; die Projektionen f\u00fcr das Jahresende b\u00fcndeln sich zwischen 3,9 und 4,4 Prozent, keine liegt mehr unter 3,75 Prozent (<a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/09\/16\/fed-rate-decision-september-2026.html'>CNBC<\/a>). Der Dezember ist damit, wie es im Marktjargon hei\u00dft, &bdquo;live&ldquo;: eine weitere Anhebung ist keine Randwahrscheinlichkeit, sondern das Basisszenario.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die EZB war schon sechs Tage fr\u00fcher dran. Am 10. September hob sie ihren Einlagensatz zum zweiten Mal binnen drei Monaten an, auf 2,50 Prozent (<a href='https:\/\/www.ecb.europa.eu\/stats\/policy_and_exchange_rates\/key_ecb_interest_rates\/html\/index.en.html'>EZB<\/a>); Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde nannte den Schritt vor Journalisten einen &bdquo;no brainer&ldquo; und betonte, er sei einstimmig gefallen (<a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/09\/10\/ecb-interest-rate-hike-lagarde-iran.html'>CNBC<\/a>). Zum ersten Mal seit Langem ziehen Fed und EZB in dieselbe Richtung, straffen also gleichzeitig. F\u00fcr den Anleihemarkt hei\u00dft das: Das kurze Ende der Zinskurve ist verankert, das lange Ende sucht nach oben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Und genau das tut es. Die zehnj\u00e4hrige US-Staatsanleihe notierte nach der Fed-Sitzung \u00fcber 5,0 Prozent, dem h\u00f6chsten Stand seit rund 19 Jahren; die 30-j\u00e4hrige lag bei etwa 5,3 Prozent (<a href='https:\/\/tradingeconomics.com\/united-states\/30-year-bond-yield'>Trading Economics<\/a>). In Europa ist der Trend derselbe: Die zehnj\u00e4hrige \u00f6sterreichische Bundesanleihe rentierte am 18. September mit 3,71 Prozent, nachdem sie am 10. September mit 3,68 Prozent den h\u00f6chsten Wert seit November 2011 erreicht hatte (<a href='https:\/\/tradingeconomics.com\/austria\/government-bond-yield'>Trading Economics<\/a>). Der Aufschlag \u00d6sterreichs gegen\u00fcber deutschen Bundesanleihen liegt bei rund 20 Basispunkten, historisch eng, aber beide Beine der Euro-Kurve sind gestiegen, nicht nur eines.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Instrument<\/th><th>Satz \/ Rendite<\/th><th>Kontext<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>US-Leitzins (Fed)<\/td><td>3,75 bis 4,00 %<\/td><td>+25 bp am 16. Sep, erste Erh\u00f6hung seit Juli 2023<\/td><\/tr><tr><td>EZB-Einlagensatz<\/td><td>2,50 %<\/td><td>+25 bp am 10. Sep, zweite in drei Monaten<\/td><\/tr><tr><td>US-Staatsanleihe 10 J.<\/td><td>rund 5,0 %<\/td><td>h\u00f6chster Stand seit ~19 Jahren<\/td><\/tr><tr><td>US-Staatsanleihe 30 J.<\/td><td>rund 5,3 %<\/td><td>nahe H\u00f6chststand seit 2007<\/td><\/tr><tr><td>Bundesanleihe (DE) 10 J.<\/td><td>rund 3,5 %<\/td><td>Aufschlag \u00d6sterreich ~20 bp<\/td><\/tr><tr><td>\u00d6sterreich 10 J.<\/td><td>3,71 %<\/td><td>10. Sep: 3,68 % = Hoch seit Nov 2011<\/td><\/tr><tr><td>Jahrhundertanleihe 2120<\/td><td>Kurs ~30, YTM ~3,24 %<\/td><td>modifizierte Duration ~40<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption>Quellen: Trading Economics, EZB, CNBC, investing.com (Stand 18. September 2026).<\/figcaption><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Was Duration bedeutet: die Jahrhundertanleihe als Lehrst\u00fcck<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Anleihe ist ein Versprechen auf feste Zahlungen in der Zukunft: einen j\u00e4hrlichen Kupon und die R\u00fcckzahlung am Ende der Laufzeit. Steigt der Marktzins, wird dieses fixe Versprechen relativ unattraktiver, also f\u00e4llt sein Preis, bis die laufende Rendite wieder zum neuen Zinsniveau passt. Kurs und Rendite bewegen sich gegenl\u00e4ufig; das ist die eiserne Grundregel des Anleihemarktes.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie stark der Kurs auf eine Zins\u00e4nderung reagiert, misst die Duration. Grob gesagt gibt sie an, um wie viel Prozent der Kurs f\u00e4llt, wenn die Rendite um einen Prozentpunkt steigt. Eine Anleihe mit einer Duration von acht verliert bei plus einem Prozentpunkt also rund acht Prozent an Wert. Zwei Dinge treiben die Duration nach oben: eine lange Restlaufzeit und ein niedriger Kupon. Je sp\u00e4ter das Geld zur\u00fcckflie\u00dft und je weniger laufend ausgesch\u00fcttet wird, desto empfindlicher der Kurs. Ein zweiter Effekt, die Konvexit\u00e4t, sorgt daf\u00fcr, dass Kursgewinne bei fallenden Zinsen etwas gr\u00f6\u00dfer ausfallen als die Verluste bei steigenden; f\u00fcr das Grundverst\u00e4ndnis gen\u00fcgt aber die Duration.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">\u00d6sterreich besitzt f\u00fcr dieses Prinzip ein Lehrst\u00fcck von fast schon dramatischer Reinheit: die Jahrhundertanleihe 2120. 2020 begab die Republik einen Bond mit 0,85 Prozent Kupon und 100 Jahren Laufzeit; in der Spitze notierte er \u00fcber 139. Als die EZB von minus 0,5 Prozent bis in den Straffungsmodus drehte, fiel der Kurs auf rund 30, ein Minus von etwa drei Vierteln, ganz ohne Zahlungsausfall. Bei einem Tap im April 2026 wurde die Anleihe bei einem Kurs von 29,9 und einer Rendite von 3,24 Prozent zugeteilt, ihre modifizierte Duration liegt bei etwa 40 (<a href='https:\/\/www.investing.com\/rates-bonds\/at0000a2hlc4'>investing.com<\/a>). \u00d6sterreich ist mit AA+ (S&amp;P) weiter erstklassig geratet; verloren haben die Anleger nicht wegen eines Kreditrisikos, sondern allein wegen der Duration (<a href='https:\/\/www.bloomberg.com\/opinion\/articles\/2023-07-10\/austria-s-century-bonds-have-cost-investors-dearly'>Bloomberg<\/a>). Wer die Mechanik der Staatsschuld dahinter genauer nachlesen will, findet sie in unserer Analyse dazu, <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/primaermarkt-oebfa-staatsanleihen-auktion-bitcoin-2026\/'>wer \u00d6sterreichs Schulden eigentlich kauft<\/a>.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Laufzeit<\/th><th>ungef\u00e4hre Duration<\/th><th>Kursverlust bei +1 Prozentpunkt<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>2 Jahre<\/td><td>~2<\/td><td>rund -2 %<\/td><\/tr><tr><td>10 Jahre<\/td><td>~8<\/td><td>rund -8 %<\/td><\/tr><tr><td>30 Jahre<\/td><td>~18<\/td><td>rund -17 %<\/td><\/tr><tr><td>Jahrhundert (2120)<\/td><td>~40<\/td><td>rund -30 % und mehr<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption>Illustrative N\u00e4herung; die Konvexit\u00e4t d\u00e4mpft gro\u00dfe Bewegungen etwas ab. Die 2120 hat eine modifizierte Duration nahe 40 (investing.com).<\/figcaption><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Tabelle erkl\u00e4rt, warum ein einziger Prozentpunkt mehr Rendite am langen Ende Portfolios zerlegen kann, die auf dem Papier grundsolide sind. Und sie erkl\u00e4rt, warum die Frage, wer diese langen Anleihen h\u00e4lt, keine akademische ist.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die unsichtbare Duration-Maschine: Pensionskassen und Versicherer<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Privatanleger, die eine einzelne Anleihe im Depot halten, sp\u00fcren Kursschwankungen kaum, weil sie meist bis zur Tilgung warten. Die eigentliche Duration eines Landes liegt bei den gro\u00dfen institutionellen Halterinnen, und in \u00d6sterreich sind das zwei Gruppen: die Pensionskassen und die Lebensversicherer.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die acht \u00f6sterreichischen Pensionskassen verwalteten Ende 2025 rund 30,4 Milliarden Euro f\u00fcr \u00fcber 1,13 Millionen Anwartschafts- und Leistungsberechtigte; gut 159.000 davon beziehen bereits eine Zusatzpension (<a href='https:\/\/www.fma.gv.at\/fma-statistik-pensionskassen-und-vorsorgekassen-wachsen-im-schlussquartal-weiter\/'>FMA<\/a>). Anleihen sind neben Aktien die tragende Anlageklasse: In der strategischen Ausrichtung der VBV-Pensionskasse, einer der gr\u00f6\u00dften des Landes, machen Forderungswertpapiere f\u00fcr 2026 etwa 41 Prozent aus, Aktien 30 Prozent (<a href='https:\/\/www.vbv.at\/pensionskasse\/veranlagung\/'>VBV<\/a>). \u00dcber 95 Prozent des Verm\u00f6gens sind \u00fcber Fonds veranlagt, beaufsichtigt von der Finanzmarktaufsicht FMA nach dem Pensionskassengesetz.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Noch anleihelastiger sind die Versicherer. Bei der Vienna Insurance Group, dem gr\u00f6\u00dften Versicherungskonzern der Region, machten Anleihen zuletzt 74,6 Prozent des Kapitalanlageportfolios aus; davon entfielen 57,4 Prozent auf Staatsanleihen, und 74,5 Prozent des Bond-Portfolios waren mit A oder besser geratet (<a href='https:\/\/group.vig\/en\/investor-relations\/ir-news\/ir-meldungen\/vienna-insurance-group-delivering-dynamic-growth-exceptional-result-for-2025-and-positive-outlook-for-2026\/'>VIG<\/a>). Bei der UNIQA lag die Anleihequote bei rund 69 Prozent (<a href='https:\/\/beinsure.com\/news\/uniqa-raises-solvency-ratio-to-275\/'>beinsure<\/a>). Diese H\u00e4user kaufen lange Anleihen nicht aus Spekulationslust, sondern weil ihre Verpflichtungen, k\u00fcnftige Renten und Versicherungsleistungen, ebenfalls lang sind. Genau hier, im Deckungsstock der Lebensversicherer und in den Portfolios der Pensionskassen, sitzt die stille Duration-Maschine der Republik.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Halter<\/th><th>Gr\u00f6\u00dfenordnung<\/th><th>Anleihequote<\/th><th>Hebel<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Pensionskassen (8)<\/td><td>~30,4 Mrd. Euro<\/td><td>~40 % (VBV-Beispiel 41 %)<\/td><td>keiner (beitragsorientiert)<\/td><\/tr><tr><td>Vienna Insurance Group<\/td><td>zweistellige Mrd. Euro<\/td><td>74,6 % der Kapitalanlagen<\/td><td>Solvency-II-gebunden<\/td><\/tr><tr><td>UNIQA<\/td><td>zweistellige Mrd. Euro<\/td><td>~69 %<\/td><td>Solvency-II-gebunden<\/td><\/tr><tr><td>Republik \u00d6sterreich<\/td><td>Bundesschuld ~320 Mrd. Euro<\/td><td>Emittentin, nicht Halterin<\/td><td>Schuldnerin<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption>Quellen: FMA, VBV, VIG, UNIQA (Gesch\u00e4ftsjahr 2025 \/ Ausrichtung 2026).<\/figcaption><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>2022: als \u00d6sterreichs Pensionen die Duration sp\u00fcrten<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Man muss nicht in die Zukunft spekulieren, um zu sehen, was steigende Zinsen mit einem duration-lastigen Portfolio anrichten. Es ist erst gut drei Jahre her. 2022 fuhren die \u00f6sterreichischen Pensionskassen mit einer durchschnittlichen Veranlagungsperformance von minus 9,68 Prozent das schw\u00e4chste Jahr seit der Finanzkrise 2008 ein; das verwaltete Verm\u00f6gen sackte auf 24,35 Milliarden Euro ab (<a href='https:\/\/www.fma.gv.at\/en\/fma-report-for-q4-2022-on-austrian-pensionskassen-assets-managed-fell-to-24-35-bn-in-2022-investment-performance-9-68-in-2022\/'>FMA<\/a>). Das Besondere daran: Es gab kein Entkommen. Weil die Notenbanken die Zinsen abrupt anhoben, fielen Aktien und Anleihen gleichzeitig; die Anleihen, sonst der ruhige Anker im Portfolio, waren 2022 selbst der Brandherd.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Betroffenen blieb das nicht abstrakt. \u00d6sterreichische Firmenpensionen aus Pensionskassen sind an die Veranlagung gekoppelt: Unterschreitet die tats\u00e4chliche Performance den kalkulierten Rechnungszins, werden die laufenden Zusatzpensionen gek\u00fcrzt. Wer beispielsweise mit einem Rechnungszins von 3,5 Prozent kalkuliert war und ein Jahr mit rund minus zehn Prozent erlebte, musste mit einer sp\u00fcrbaren K\u00fcrzung rechnen (<a href='https:\/\/extrajournal.net\/2023\/03\/09\/performance-der-pensionskassen-2022-fast-10-prozent-minus\/'>Extrajournal<\/a>). Das ist Duration, \u00fcbersetzt in Euro und Cent auf dem Kontoauszug eines Pensionisten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Seither hat sich das Verm\u00f6gen der Kassen wieder auf \u00fcber 30 Milliarden Euro erholt, auch weil die h\u00f6heren Kupons neuer Anleihen jetzt wieder Ertrag abwerfen. Aber die Episode bleibt die beste Erinnerung daran, dass die stille Duration-Maschine sehr laut werden kann, wenn die Zinsen springen. Und 2026 springen sie wieder, diesmal nicht aus dem Nullzins heraus, sondern mitten in eine Straffung hinein.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was LDI ist, und warum Gro\u00dfbritannien 2022 fast kippte<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die \u00f6sterreichische Episode zeigt, was Duration ohne Hebel anrichtet, dann zeigt der britische Fall von 2022, was passiert, wenn Hebel dazukommt. Der Fachbegriff lautet Liability-Driven Investment, kurz LDI: eine Strategie, mit der Pensionsfonds die Duration ihrer Anlagen an die Duration ihrer Verpflichtungen angleichen. Weil k\u00fcnftige Rentenversprechen extrem lang laufen, kaufen die Fonds lange Anleihen und verst\u00e4rken deren Zinssensitivit\u00e4t zus\u00e4tzlich \u00fcber Derivate und Repo-Gesch\u00e4fte, um mit weniger Kapital dieselbe Absicherung zu erreichen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das funktioniert, solange die Zinsen ruhig bleiben. Im September 2022 taten sie das nicht. Nach dem schuldenfinanzierten Mini-Budget der damaligen britischen Regierung schossen die Renditen langer Gilts binnen Tagen um mehr als einen Prozentpunkt nach oben. Die gehebelten LDI-Fonds mussten schlagartig Sicherheiten nachschie\u00dfen, verkauften daf\u00fcr Anleihen, was die Kurse weiter dr\u00fcckte und neue Nachschussforderungen ausl\u00f6ste: eine Abw\u00e4rtsspirale. Die Bank of England musste am 28. September mit einem Notkaufprogramm von bis zu 65 Milliarden Pfund eingreifen, um den Markt zu stabilisieren; tats\u00e4chlich abgerufen wurden rund 19,3 Milliarden (<a href='https:\/\/www.bankofengland.co.uk\/-\/media\/boe\/files\/working-paper\/2023\/an-anatomy-of-the-2022-gilt-market-crisis.pdf'>Bank of England<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Notenbankchef Andrew Bailey lie\u00df den Fonds wenig Spielraum. Bei einer Veranstaltung in Washington sagte er ihnen unverbl\u00fcmt, das Nothilfeprogramm laufe aus: &bdquo;You&#8217;ve got three days left now. You&#8217;ve got to get this done&ldquo; (<a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2022\/10\/11\/bank-of-englands-bailey-tells-pension-funds-they-have-3-days-to-rebalance.html'>CNBC<\/a>). Es war die deutlichste Warnung der j\u00fcngeren Notenbankgeschichte, dass eine vermeintlich langweilige Anlageklasse ein ganzes Finanzsystem an den Rand bringen kann, wenn Duration und Hebel zusammentreffen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>F\u00e4hrt \u00d6sterreich dasselbe Risiko?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die naheliegende Frage lautet: Kann das in \u00d6sterreich passieren? Die ehrliche Antwort ist ein klares Jein, und der Unterschied ist wichtig genug, um ihn auszubuchstabieren.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00f6sterreichischen Pensionskassen sind ganz \u00fcberwiegend beitragsorientiert. Anders als klassische britische Leistungszusagen garantieren sie keine fixe Rentenh\u00f6he, die \u00fcber Jahrzehnte mit Derivaten abgesichert werden m\u00fcsste; sie schreiben den Berechtigten die tats\u00e4chliche Veranlagung gut, im Guten wie im Schlechten. Damit fehlt der wichtigste Z\u00fcndstoff des britischen Debakels: der Hebel. Ohne gehebelte Derivatepositionen gibt es keine Nachschussforderungen, die zu Notverk\u00e4ufen zwingen, und damit keine selbstverst\u00e4rkende Spirale. Das Minus der Kassen im Jahr 2022 war schmerzhaft, aber es war ein Kursverlust, kein Liquidit\u00e4tsinfarkt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Duration verschwindet damit aber nicht, sie wandert nur. Sie sitzt zum einen bei den Lebensversicherern, deren Deckungsst\u00f6cke per Konstruktion lange, sichere Anleihen halten m\u00fcssen. Und sie sitzt zum anderen im gr\u00f6\u00dften \u00f6sterreichischen Pensionssystem \u00fcberhaupt, der staatlichen Umlagepension, deren Versprechen \u00f6konomisch eine sehr lange, nicht handelbare Verbindlichkeit ist. \u00d6sterreich hat also kein akutes LDI-Problem, wohl aber eine strukturell hohe Sensitivit\u00e4t gegen\u00fcber dem langen Ende, verteilt auf Versicherer und Staat statt konzentriert in gehebelten Fonds. Der britische Fall ist damit kein Drehbuch f\u00fcr Wien, sondern eine Warnung, was Hebel aus einem Duration-Problem machen kann.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Solvency II: warum Versicherer Anleihen halten m\u00fcssen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum halten Versicherer \u00fcberhaupt so viele Anleihen, wenn diese doch so zinssensibel sind? Die Antwort hei\u00dft Solvency II, das europ\u00e4ische Aufsichtsregime f\u00fcr Versicherer. Es verlangt, dass die Kapitalanlagen in Laufzeit und Zinssensitivit\u00e4t zu den Verpflichtungen passen. Ein Lebensversicherer, der in 20 oder 30 Jahren Leistungen auszahlen muss, deckt diese Verpflichtungen am besten mit ebenso langen, erstklassigen Anleihen ab. Das ist kein Fehler im System, das ist das System.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der scheinbar paradoxe Nebeneffekt: Steigende Zinsen sind f\u00fcr die Solvenzquote der Versicherer per saldo oft gut, nicht schlecht. Denn nicht nur die Anleihen im Aktivbestand verlieren an Wert, auch die k\u00fcnftigen Verpflichtungen werden mit einem h\u00f6heren Zins abgezinst und schrumpfen dadurch im Barwert; sind die Laufzeiten sauber gematcht, \u00fcberwiegt oft der Entlastungseffekt. Sichtbar wird das an den Kennzahlen: Die VIG wies zum Jahreswechsel eine Solvency-II-Quote von 296 Prozent aus (276 Prozent ohne \u00dcbergangsma\u00dfnahmen), die UNIQA rund 275 Prozent, beide klar \u00fcber ihren Zielb\u00e4ndern (<a href='https:\/\/group.vig\/en\/investor-relations\/ir-news\/ir-meldungen\/vienna-insurance-group-delivering-dynamic-growth-exceptional-result-for-2025-and-positive-outlook-for-2026\/'>VIG<\/a>; <a href='https:\/\/beinsure.com\/news\/uniqa-raises-solvency-ratio-to-275\/'>beinsure<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Haken liegt woanders. Solvency II sch\u00fctzt die Solvenz, nicht den Ertrag, und schon gar nicht die Bewertung einzelner Positionen zum Marktwert. Wer 2020 eine Jahrhundertanleihe zu 139 gekauft hat, sitzt heute auf einem realen Kursverlust, auch wenn die Aufsichtskennzahl gesund aussieht. F\u00fcr die Versicherten hei\u00dft das: Die H\u00e4user sind stabil, aber die Ertragskraft der klassischen Lebensversicherung leidet unter genau der Duration, die die Regulierung ihnen vorschreibt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Term-Premium ist zur\u00fcck<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt einen Grund, warum das lange Ende 2026 besonders unruhig ist, und er hat einen Namen: die Laufzeitpr\u00e4mie, im Fachjargon Term Premium. Sie ist der Extra-Ertrag, den Anleger verlangen, um \u00fcberhaupt eine lange statt einer kurzen Anleihe zu halten, die Entsch\u00e4digung f\u00fcr all die Unsicherheit \u00fcber zehn oder drei\u00dfig Jahre. Ein Jahrzehnt lang war diese Pr\u00e4mie durch die Anleihek\u00e4ufe der Notenbanken nahe null oder sogar negativ gedr\u00fcckt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das hat sich gedreht. Das g\u00e4ngige Modell der New York Fed (ACM) taxiert die Laufzeitpr\u00e4mie zehnj\u00e4hriger US-Anleihen zuletzt auf rund 0,8 Prozent, den h\u00f6chsten Wert seit etwa einem Jahrzehnt (<a href='https:\/\/www.newyorkfed.org\/research\/data_indicators\/term-premia-tabs'>New York Fed<\/a>). Die Treiber sind bekannt: gewaltige Haushaltsdefizite, der Abbau der Notenbankbilanzen (Quantitative Tightening) und ein schier endloser Nachschub an neuen Anleihen. Der Markt verlangt wieder eine echte Risikopr\u00e4mie f\u00fcr das lange Ende, und deshalb bleibt die US-30-J\u00e4hrige nahe ihrer h\u00f6chsten St\u00e4nde seit 2007, obwohl niemand eine Rezession ausruft.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr \u00d6sterreich und die Eurozone ist das keine ferne Nachricht. Das lange Ende der Kurven ist global vernetzt; steigt die amerikanische Laufzeitpr\u00e4mie, zieht sie Bund- und \u00d6sterreich-Renditen mit nach oben. Genau das sieht man an der \u00d6sterreich-Zehnj\u00e4hrigen auf einem 15-Jahres-Hoch. Die h\u00f6heren Kupons sind eine gute Nachricht f\u00fcr alle, die jetzt neu anlegen, und eine schlechte f\u00fcr alle, die den Bestand aus der Nullzinszeit noch in den B\u00fcchern haben.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Bitcoin am langen Ende der Kurve<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Womit wir bei Bitcoin sind. Auf den ersten Blick hat eine Kryptow\u00e4hrung mit der Duration einer Staatsanleihe nichts zu tun. Auf den zweiten sitzt Bitcoin ziemlich genau am \u00e4u\u00dfersten langen Ende derselben Kurve. Bitcoin zahlt keinen Kupon, keine Dividende, keinen laufenden Ertrag; sein gesamter Wert liegt in der erwarteten Zukunft. \u00d6konomisch verh\u00e4lt es sich damit wie eine Nullkuponanleihe mit sehr, sehr langer Laufzeit, also wie das duration-empfindlichste Wertpapier, das man sich vorstellen kann.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das erkl\u00e4rt das wiederkehrende Muster: Wenn der risikofreie Zins und die Laufzeitpr\u00e4mie steigen, wird die ferne Zukunft h\u00e4rter abgezinst, und genau dort liegt der Wert von Bitcoin. Ein Umfeld von &bdquo;higher for longer&ldquo;, wie es die Fed am 16. September ausdr\u00fccklich signalisiert hat, ist deshalb strukturell Gegenwind f\u00fcr ein maximal langlaufendes Asset. Nach der Zinsentscheidung notierte Bitcoin bei rund 76.400 US-Dollar, umgerechnet knapp 66.600 Euro, und hielt damit die viel beachtete Marke von 75.000 Dollar, blieb aber deutlich unter dem Rekordhoch von 126.198 Dollar vom Oktober 2025 (<a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>CoinGecko<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist die Betonung auf strukturell. Kurzfristig kann Bitcoin steigen, w\u00e4hrend die Zinsen steigen, und fallen, w\u00e4hrend sie fallen; die Korrelation ist wackelig und dreht immer wieder. \u00dcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume aber wirkt die Zinsschwerkraft auf lange Duration in beide Richtungen, und Bitcoin ist, in dieser Sprache gelesen, die l\u00e4ngste Duration im Anlageuniversum. Wie b\u00f6rsennotierte Unternehmen mit Bitcoin in der Bilanz durch genau dieses Zinsumfeld navigieren, zeigt unser Blick auf <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/europas-bitcoin-treasuries-fed-zinserhoehung-2026\/'>Europas Bitcoin-Treasuries und die erste Fed-Erh\u00f6hung seit 2023<\/a>.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Stablecoins am kurzen Ende<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert ist, dass die Kryptowelt nicht nur am langen Ende der Zinskurve sitzt, sondern auch am kurzen, und dort inzwischen erstaunlich gro\u00df. Stablecoins, also an den Dollar gekoppelte Kryptotoken, funktionieren im Kern wie ein Geldmarktfonds: Der Emittent nimmt Dollar herein und parkt sie in kurzlaufenden US-Staatsanleihen (T-Bills) und Repo-Gesch\u00e4ften. Marktf\u00fchrer Tether h\u00e4lt nach eigenen Angaben mehr als 140 Milliarden Dollar an US-Staatsanleihen (<a href='https:\/\/spark.money\/research\/stablecoin-treasury-bill-reserve-mechanics'>Spark<\/a>), mehr als so mancher Staat, und das amerikanische Stablecoin-Gesetz GENIUS schreibt seit 2025 vor, dass die Reserven aus Bargeld, T-Bills mit einer Restlaufzeit bis 93 Tage oder besicherten Repos bestehen m\u00fcssen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Damit steht das Krypto-\u00d6kosystem auf beiden Enden derselben Kurve: Bitcoin als maximale Duration am langen Ende, Stablecoins als praktisch durationsfreier Geldmarktfonds am kurzen. F\u00fcr den Emittenten ist das kurze Ende ein Gesch\u00e4ft, denn die Zinsen der T-Bills bleiben bei ihm; die h\u00f6heren Leitzinsen von Fed und EZB machen dieses Modell heute lukrativer als je zuvor. Wie fragil solche zinsgetriebenen Konstruktionen im Stress werden k\u00f6nnen, hat sich am synthetischen Dollar von Ethena gezeigt, den wir <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/ethena-usde-funding-synthetischer-dollar-stresstest-2026\/'>gesondert unter die Lupe genommen haben<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Doppelstruktur ist mehr als eine h\u00fcbsche Analogie. Sie erkl\u00e4rt, warum Zinsentscheidungen f\u00fcr Krypto so unmittelbar sp\u00fcrbar sind: Das kurze Ende bestimmt die Ertr\u00e4ge der Stablecoin-Emittenten und die Attraktivit\u00e4t des risikofreien Parkens, das lange Ende bestimmt die Abzinsung von Bitcoin. Eine Notenbank, die beide Enden bewegt, bewegt zwangsl\u00e4ufig auch Krypto.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Gegenparteifrei hei\u00dft nicht risikofrei<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Aus der Duration-Perspektive ergibt sich ein Argument, das Bitcoin-Anh\u00e4nger gern anf\u00fchren: Eine Staatsanleihe tr\u00e4gt ein Emittentenrisiko, Bitcoin nicht. Es gibt keinen Schuldner, der ausfallen, und keine Notenbank, die die Bilanz aufbl\u00e4hen k\u00f6nnte. Wer Staatsschulden h\u00e4lt, ist einem Kredit- und einem Entwertungsrisiko ausgesetzt; wer Bitcoin h\u00e4lt, ist gegenparteifrei. So weit die These.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Gegenparteifrei hei\u00dft aber nicht risikofrei. Bitcoin hat kein Ausfallrisiko, weil es kein Versprechen ist; genau deshalb hat es aber auch keinen Kupon, keine F\u00e4lligkeit und keinen inneren Anker. Es tauscht das Kreditrisiko der Anleihe gegen ein Preisrisiko ein, und dieses Preisrisiko ist gewaltig. Die eigentliche Wette lautet nicht &bdquo;Bitcoin ist sicher&ldquo;, sondern &bdquo;die schleichende Entwertung von Staatsschulden ist das gr\u00f6\u00dfere Risiko&ldquo;. Das ist die Debasement-These, und sie hat prominente F\u00fcrsprecher.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ray Dalio, Gr\u00fcnder des weltgr\u00f6\u00dften Hedgefonds Bridgewater, riet im August, Anleihen unterzugewichten und stattdessen 10 bis 15 Prozent in Gold sowie &bdquo;a bit&ldquo; Bitcoin zu halten; die US-Schuldenkrise komme &bdquo;in three years, give or take two&ldquo; (<a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/08\/21\/ray-dalio-bessent-debt-crisis-bitcoin-gold.html'>CNBC<\/a>). BlackRock-Chef Larry Fink schrieb schon in seinem Aktion\u00e4rsbrief 2025, allein die US-Zinslast habe 2025 mehr als 952 Milliarden Dollar betragen, mehr als der Verteidigungshaushalt, und der Status des Dollars als Weltreservew\u00e4hrung sei &bdquo;not guaranteed to last forever&ldquo; (<a href='https:\/\/www.blackrock.com\/corporate\/investor-relations\/larry-fink-annual-chairmans-letter'>BlackRock<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr \u00f6sterreichische Pensionskassen und Versicherer bleibt das vorerst Theorie. Die Aufsicht macht es ihnen fast unm\u00f6glich, Bitcoin direkt in nennenswertem Umfang zu halten: Unter den Basel-Regeln m\u00fcssen Banken unbesicherte Kryptowerte mit einem Risikogewicht von 1.250 Prozent unterlegen, faktisch Euro f\u00fcr Euro mit Eigenkapital; Solvency II und die Aufsicht der FMA wirken f\u00fcr Versicherer \u00e4hnlich prohibitiv. Der Zugang l\u00e4uft daher indirekt, \u00fcber b\u00f6rsengehandelte Produkte (ETPs) oder tokenisierte Geldmarktinstrumente. Warum die Kapitalregeln den gro\u00dfen Institutionen den direkten Weg zu Bitcoin versperren, haben wir beim <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/banken-krypto-usa-eu-graben-genius-clarity-basel-2026\/'>transatlantischen Graben in der Banken-Krypto-Regulierung<\/a> im Detail beschrieben.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Vom Fed-Beschluss zum Wiener Deckungsstock<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie kommt eine Zinsentscheidung in Washington eigentlich in einem Wiener Deckungsstock an? \u00dcber drei Kan\u00e4le, die alle in dieselbe Richtung wirken.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Erstens der Renditekanal. Die Fed-Erh\u00f6hung und die hawkishen Dots treiben die US-Laufzeitpr\u00e4mie, diese zieht \u00fcber den global vernetzten Anleihemarkt Bund- und \u00d6sterreich-Renditen mit nach oben, und h\u00f6here Renditen bedeuten niedrigere Kurse der Bestandsanleihen in Pensionskassen und Versicherungen. Zweitens der Sicherheitenkanal: Fallende Anleihekurse mindern den Wert der Papiere, die im Finanzsystem als Sicherheiten hinterlegt sind; das kann Nachschussforderungen und, wie 2022 in Gro\u00dfbritannien, Notverk\u00e4ufe ausl\u00f6sen, die sich bis in die Risikom\u00e4rkte fortpflanzen. Drittens der Opportunit\u00e4tskanal: Wenn eine sichere Staatsanleihe wieder 3,7 Prozent abwirft, steigt die Messlatte f\u00fcr jedes riskante, ertragslose Asset, und kaum eines ist ertragsloser und riskanter als Bitcoin.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der letzte Kanal ist der subtilste und f\u00fcr Krypto der wichtigste. Solange das Geld nichts kostete, war der Verzicht auf Zinsen billig, und Bitcoin konkurrierte mit einer Null. Jetzt konkurriert es mit 3,7 Prozent risikofreier Rendite in Euro und rund 5 Prozent in Dollar. Dass die Korrelationen dabei nicht mechanisch sind, sondern sich immer wieder neu ordnen, hat sich rund um die September-Sitzung gezeigt, als Bitcoin zeitweise sogar die Verbindung zu den Aktienm\u00e4rkten kappte; wie das im Detail ablief, zeigt unsere Analyse dazu, wie bei der <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/fed-erhoehung-korrelation-bitcoin-aktien-september-2026\/'>Fed-Erh\u00f6hung die Korrelation zwischen Bitcoin und Aktien brach<\/a>.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was das f\u00fcr \u00f6sterreichische Anleger hei\u00dft<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Was folgt daraus praktisch, f\u00fcr jemanden in \u00d6sterreich? Zun\u00e4chst eine unbequeme Erkenntnis: Wer eine Firmenpension aus einer Pensionskasse bezieht, ist l\u00e4ngst im Anleihemarkt investiert, ob er will oder nicht, und tr\u00e4gt dessen Duration mit. Die H\u00f6he der eigenen Zusatzpension h\u00e4ngt an der Veranlagung; ein schwaches Anleihejahr kann sie dr\u00fccken, ein Umfeld h\u00f6herer Kupons sie mittelfristig st\u00fctzen. Der Blick auf den j\u00e4hrlichen Kontoauszug der Pensionskasse ist damit auch ein Blick auf die Zinskurve.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr das eigene Depot legt die Duration-Brille eine Hantel-Struktur (Barbell) nahe, wie sie das Krypto-\u00d6kosystem unfreiwillig vormacht: am kurzen Ende sicheres, jetzt wieder verzinstes Parken (Geldmarkt, kurze Anleihen, in der Kryptowelt regulierte Stablecoins), am langen Ende die spekulative, maximal duration-lastige Wette, f\u00fcr die manche Bitcoin halten. Die gef\u00e4hrlichste Position ist die unbewusste Mitte: ein Portfolio, das glaubt, sicher zu sein, weil es lange Anleihen h\u00e4lt, und dabei die Duration \u00fcbersieht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Steuerlich bleibt \u00d6sterreich eigen. Kursgewinne aus Kryptow\u00e4hrungen fallen seit der \u00d6ko-sozialen Steuerreform 2022 unter den besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent (Sondersteuersatz nach Paragraf 27a EStG), und inl\u00e4ndische Plattformen wie der heimische Marktf\u00fchrer Bitpanda behalten die Kapitalertragsteuer seit 1. J\u00e4nner 2024 automatisch ein. Die FMA beaufsichtigt Krypto-Dienstleister unter der EU-Verordnung MiCA, nicht aber die Protokolle selbst. Wer Gold statt Bitcoin als Absicherung gegen Entwertung w\u00e4hlt, sollte wissen, dass physisches Gold nach Ablauf der einj\u00e4hrigen Spekulationsfrist steuerfrei bleibt, ein Unterschied, der die Nach-Steuer-Rechnung deutlich verschieben kann.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Und der obligatorische, aber ernst gemeinte Hinweis: Nichts davon ist eine Anlageempfehlung. Bitcoin ist das volatilste Asset in diesem Text und kann in Wochen die H\u00e4lfte verlieren; lange Anleihen k\u00f6nnen, wie 2022 gezeigt, ein Viertel verlieren; und selbst die vermeintlich sichere Staatspension tr\u00e4gt ein Zins- und ein politisches Risiko. Duration ist kein Feind, sondern ein Werkzeug, das man verstehen muss, bevor man es einsetzt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Ausblick: das lange Ende bleibt die Front<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Front der kommenden Monate verl\u00e4uft nicht am kurzen, sondern am langen Ende der Kurve. Die Fed hat den Dezember ausdr\u00fccklich offengelassen; 16 ihrer 18 Mitglieder erwarten heuer noch mindestens einen weiteren Schritt. Der Kalender ist dicht: Anfang Oktober erscheint das Protokoll der September-Sitzung, am 27. und 28. Oktober tagt das FOMC erneut, am 8. und 9. Dezember folgt die letzte Sitzung des Jahres samt frischer Zinsprognose (<a href='https:\/\/www.federalreserve.gov\/monetarypolicy\/fomccalendars.htm'>Federal Reserve<\/a>). Die EZB d\u00fcrfte nach zwei Erh\u00f6hungen vorerst innehalten, aber auch sie hat den Straffungskurs nicht widerrufen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Kennzahlen lohnen die Aufmerksamkeit. Erstens die Laufzeitpr\u00e4mie: Solange sie steigt, bleibt Druck auf allen langlaufenden Aktiva, von der Jahrhundertanleihe bis zu Bitcoin. Zweitens die \u00d6sterreich-Zehnj\u00e4hrige: Ein nachhaltiger Bruch \u00fcber die j\u00fcngsten Hochs w\u00fcrde die Bewertungsverluste in den Deckungsst\u00f6cken vertiefen und den Refinanzierungsbedarf des Bundes verteuern, den die Bundesfinanzierungsagentur OeBFA im vierten Quartal ohnehin am Prim\u00e4rmarkt decken muss.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die eigentliche Lehre dieses Textes ist unspektakul\u00e4r und gerade deshalb wichtig: Die spannendste Geschichte am Zinsmarkt spielt sich nicht in den Schlagzeilen \u00fcber den n\u00e4chsten Leitzinsschritt ab, sondern in einer Kennzahl, die kaum jemand nennt. Die Duration verbindet den Pensionisten, dessen Zusatzpension an einem Anleihejahr h\u00e4ngt, den Versicherer, der lange Staatspapiere halten muss, und den Bitcoin-K\u00e4ufer, der auf das lange Ende der Zukunft wettet. Sie alle sitzen, ob sie es wissen oder nicht, auf derselben Kurve. Und diese Kurve zeigt 2026 wieder nach oben.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufige Fragen (FAQ)<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Was bedeutet Duration bei Anleihen einfach erkl\u00e4rt?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Duration misst, wie stark der Kurs einer Anleihe auf Zins\u00e4nderungen reagiert. Als Faustregel verliert eine Anleihe mit einer Duration von acht rund acht Prozent an Wert, wenn die Marktrendite um einen Prozentpunkt steigt. Lange Laufzeiten und niedrige Kupons erh\u00f6hen die Duration und damit das Risiko.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum haben \u00d6sterreichs Pensionskassen 2022 Verluste gemacht?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">2022 verzeichneten die \u00f6sterreichischen Pensionskassen im Schnitt eine Veranlagungsperformance von minus 9,68 Prozent, ihr schw\u00e4chstes Jahr seit 2008. Ursache war der gleichzeitige Kursverfall von Aktien und Anleihen, weil die Notenbanken die Zinsen abrupt anhoben; bei duration-lastigen Anleihen schlug das voll durch.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Kann in \u00d6sterreich eine Pensionskrise wie 2022 in Gro\u00dfbritannien passieren?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein direktes LDI-Debakel wie in Gro\u00dfbritannien ist unwahrscheinlich, weil \u00f6sterreichische Pensionskassen \u00fcberwiegend beitragsorientiert und nicht gehebelt sind. Es gibt also keine Nachschussforderungen, die Notverk\u00e4ufe erzwingen. Die Duration sitzt in \u00d6sterreich vor allem bei den Lebensversicherern und im staatlichen Umlagesystem, nicht in gehebelten Fonds.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum verh\u00e4lt sich Bitcoin wie ein langlaufendes Wertpapier?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoin zahlt keinen Kupon und keine Dividende; sein gesamter Wert liegt in der erwarteten Zukunft. \u00d6konomisch gleicht es damit einer Nullkuponanleihe mit sehr langer Laufzeit und reagiert deshalb besonders empfindlich auf steigende Zinsen und eine h\u00f6here Laufzeitpr\u00e4mie, also auf ein Umfeld von higher for longer.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie werden Krypto-Gewinne in \u00d6sterreich besteuert?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Gewinne aus Kryptow\u00e4hrungen unterliegen in \u00d6sterreich seit der \u00d6ko-sozialen Steuerreform 2022 dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent. Inl\u00e4ndische Plattformen wie Bitpanda behalten die Kapitalertragsteuer seit 1. J\u00e4nner 2024 automatisch ein. 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