{"id":500,"date":"2026-09-27T12:50:33","date_gmt":"2026-09-27T12:50:33","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/at\/qivalis-euro-stablecoin-banken-oesterreich-2026\/"},"modified":"2026-09-27T12:50:33","modified_gmt":"2026-09-27T12:50:33","slug":"qivalis-euro-stablecoin-banken-oesterreich-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/at\/qivalis-euro-stablecoin-banken-oesterreich-2026\/","title":{"rendered":"Vom Verwahrer zum Emittenten: Qivalis und der Euro on-chain"},"content":{"rendered":"<h2 class='wp-block-heading'>Der Einlagenkrieg dreht sich um<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Jahr lang lautete die Erz\u00e4hlung in dieser Rubrik, dass Stablecoins den Banken gef\u00e4hrlich werden: Sie graben Einlagen ab, verlagern Zahlungsverkehr auf die Blockchain und lassen das klassische Giralgeld alt aussehen. Heuer im Herbst kippt die Geschichte. Nicht mehr Krypto-Firmen bedr\u00e4ngen die Banken, sondern die Banken selbst bauen das Produkt, das sie f\u00fcrchteten. 37 europ\u00e4ische Institute, darunter zwei aus Wien, stehen hinter einem regulierten Euro-Stablecoin namens Qivalis. Aus dem <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/einlagenkrieg-krypto-bankeinlagen-stablecoins-2026\/'>Einlagenkrieg<\/a> wird ein Gegenangriff.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Am 8. September best\u00e4tigte das Konsortium, dass sein Token auf der \u00f6ffentlichen Ethereum-Blockchain laufen wird; die E-Geld-Lizenz liegt bei der niederl\u00e4ndischen Zentralbank zur Pr\u00fcfung; der Start ist f\u00fcr die zweite Jahresh\u00e4lfte 2026 angesetzt. Und am 30. September treffen sich die EU-Gesetzgeber zur n\u00e4chsten Trilog-Runde \u00fcber den digitalen Euro. Zwei Vorstellungen eines Euro auf der Kette prallen aufeinander, eine von der Notenbank, eine von den Gesch\u00e4ftsbanken.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Hintergrund am Markt gibt dem Thema Schub. Bitcoin notiert laut <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>CoinGecko<\/a> rund 74.350 Euro, Ether etwa 2.375 Euro, beide gut f\u00fcnf Prozent h\u00f6her als vor einer Woche, w\u00e4hrend die US-Notenbank Mitte September erstmals seit 2023 wieder an der Zinsschraube gedreht hat. Der starke Dollar und die Zinswende geben der Frage nach W\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t zus\u00e4tzliche Sch\u00e4rfe: Wer den Euro digital macht, entscheidet mit, wie viel des europ\u00e4ischen Zahlungsverkehrs k\u00fcnftig in Dollar-Token abgewickelt wird, ein Muster, das wir schon beim <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/dollar-nenner-stablecoins-krypto-volumen-2026\/'>Dollar im Nenner<\/a> beschrieben haben. Der September war f\u00fcr die Krypto-M\u00e4rkte ohnehin ein Monat der <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/derivate-positionierung-abrechnung-september-2026\/'>Abrechnungen<\/a>, an den Terminm\u00e4rkten wie in der Regulierung.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was Qivalis ist, in einem Absatz<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Qivalis ist eine in Amsterdam ans\u00e4ssige Gesellschaft, die einen an den Euro gebundenen Stablecoin herausgeben will: gedeckt eins zu eins, reguliert unter MiCA als E-Geld-Token (englisch e-money token, kurz EMT). Getragen wird das Vorhaben von 37 Banken aus 15 L\u00e4ndern. Die Lizenz als E-Geld-Institut beantragt das Unternehmen bei De Nederlandsche Bank (DNB); bis diese erteilt ist, gibt Qivalis nach eigenen Angaben kein E-Geld aus. Als Technologiepartner f\u00fcr Tokenisierung, Wallet-Infrastruktur und Verwahrung wurde im M\u00e4rz <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2026\/04\/21\/crypto-custody-firm-fireblocks-powers-bank-backed-euro-stablecoin'>Fireblocks<\/a> gew\u00e4hlt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">An der Spitze stehen bekannte Namen. Vorstandschef ist Jan-Oliver Sell, zuvor Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Coinbase Deutschland, wo er die erste deutsche Krypto-Verwahrlizenz der BaFin holte; Finanzchef ist Floris Lugt, davor Leiter Digital Assets im Wholesale Banking der ING; den Aufsichtsrat f\u00fchrt Sir Howard Davies, erster Vorsitzender der britischen Finanzaufsicht FSA und langj\u00e4hriger Chairman von RBS\/NatWest (<a href='https:\/\/www.caixabank.com\/en\/headlines\/news\/qivalis-joint-venture-of-a-european-banking-consortium-to-launch-euro-stablecoin-in-the-second-half-of-2026'>CaixaBank<\/a>). Ein regulatorisch versierteres F\u00fchrungstrio l\u00e4sst sich f\u00fcr ein solches Projekt kaum zusammenstellen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Sell fasst den Anspruch programmatisch: &bdquo;Der Euro ist Europas W\u00e4hrung, und die On-chain-Finanzinfrastruktur sollte ihn tragen, gebaut von europ\u00e4ischen Institutionen und gef\u00fchrt nach europ\u00e4ischen Regeln&ldquo; (<a href='https:\/\/cointelegraph.com\/news\/qivalis-euro-stablecoin-consortium-adds-25-banks'>Cointelegraph<\/a>). Es geht also erkl\u00e4rterma\u00dfen nicht nur um ein Produkt, sondern um eine Standortfrage. Aufsichtsratschef Davies wird noch grunds\u00e4tzlicher: &bdquo;Wir bauen nicht blo\u00df Zahlungsschienen; wir sorgen daf\u00fcr, dass europ\u00e4ische Prinzipien rund um Datenschutz, Finanzstabilit\u00e4t und regulatorische Strenge in die n\u00e4chste Generation des digitalen Geldes eingebettet werden&ldquo; (<a href='https:\/\/cointelegraph.com\/news\/qivalis-euro-stablecoin-consortium-adds-25-banks'>Cointelegraph<\/a>).<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Von neun auf 37: die Chronologie eines Konsortiums<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Was heute wie ein Schwergewicht wirkt, begann klein. Im September 2025 taten sich neun Banken zusammen, um einen MiCA-konformen Stablecoin-Emittenten aufzubauen. Danach ging es Schlag auf Schlag: BNP Paribas kam im Dezember dazu, die DZ Bank im J\u00e4nner, BBVA im Februar. Der gro\u00dfe Sprung folgte im Mai 2026, als 25 weitere Institute auf einen Schlag beitraten und das Konsortium auf 37 Banken aus 15 L\u00e4ndern anwachsen lie\u00dfen (<a href='https:\/\/ing.com\/news\/2026\/european-banks-rally-behind-a-euro-stablecoin.html'>ING<\/a>). Innerhalb von acht Monaten hatte sich die Mitgliederzahl also mehr als vervierfacht.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Zeitpunkt<\/th><th>Ereignis<\/th><th>Banken (kumuliert)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>25. September 2025<\/td><td>Gr\u00fcndung durch neun Banken (u.a. RBI, UniCredit, ING, CaixaBank, SEB)<\/td><td>9<\/td><\/tr><tr><td>Dezember 2025<\/td><td>BNP Paribas tritt bei<\/td><td>10<\/td><\/tr><tr><td>J\u00e4nner 2026<\/td><td>DZ Bank tritt bei<\/td><td>11<\/td><\/tr><tr><td>Februar 2026<\/td><td>BBVA tritt bei<\/td><td>12<\/td><\/tr><tr><td>M\u00e4rz 2026<\/td><td>Fireblocks als Technologiepartner gew\u00e4hlt<\/td><td>12<\/td><\/tr><tr><td>Mai 2026<\/td><td>25 weitere Banken auf einmal (u.a. Erste Group, Intesa Sanpaolo, Nordea, ABN AMRO)<\/td><td>37<\/td><\/tr><tr><td>8. September 2026<\/td><td>Ausgabe auf \u00f6ffentlicher Ethereum-Blockchain best\u00e4tigt<\/td><td>37<\/td><\/tr><tr><td>2. Halbjahr 2026<\/td><td>geplanter Start, vorbehaltlich DNB-Lizenz<\/td><td>37<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr ING-Manager Geert Wijnhoven, Technikchef im Wholesale Banking, ist die schiere Gr\u00f6\u00dfe der Punkt: &bdquo;Der eigentliche Wert dieser Initiative ist nicht die Technologie selbst, sondern das, was sie erm\u00f6glicht. Mit \u00fcber 25 zus\u00e4tzlichen Banken wird Qivalis zu einer wirklich gemeinsamen europ\u00e4ischen Anstrengung&ldquo; (<a href='https:\/\/ing.com\/news\/2026\/european-banks-rally-behind-a-euro-stablecoin.html'>ING<\/a>). Ein Token, der von 37 Hausbanken zugleich vertrieben wird, hat einen Startvorteil, den kein Fintech je kaufen k\u00f6nnte.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Zwei Namen aus Wien: RBI und Erste Group<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr \u00f6sterreichische Leser ist der interessante Teil, dass gleich zwei heimische Gro\u00dfbanken an Bord sind. Die Raiffeisen Bank International (RBI) z\u00e4hlte im September 2025 zu den neun Gr\u00fcndungsmitgliedern (<a href='https:\/\/www.rbinternational.com\/en\/raiffeisen\/media-hub\/press-releases\/2025\/nine-major-european-banks-join-forces-to-issue-stablecoin.html'>RBI<\/a>); die Erste Group stieg in der Mai-Welle 2026 ein. Damit ist \u00d6sterreich in dem Konsortium doppelt vertreten, ein Gewicht, das etwa Deutschland mit DZ Bank, DekaBank, Helaba und AllUnity im Hintergrund zwar \u00fcbertrifft, das f\u00fcr ein Land dieser Gr\u00f6\u00dfe aber bemerkenswert ist.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">RBI hat mit tokenisiertem Geld Erfahrung. Bereits 2020 stellte das Institut den sogenannten RBI Coin vor, eine tokenisierte Form von Giralgeld f\u00fcr Zahlungen zwischen Banken und Unternehmen, und lie\u00df dessen Blockchain-Interoperabilit\u00e4t vom Pantos-Projekt des heimischen Krypto-Hauses Bitpanda pr\u00fcfen, das gemeinsam mit der TU Wien entwickelt wurde (<a href='https:\/\/www.finextra.com\/pressarticle\/84629\/bitpanda-tests-blockchain-interoperability-on-rbi-coin-from-raiffeisen'>Finextra<\/a>). Die Erste Group wiederum z\u00e4hlt zu den gr\u00f6\u00dften Instituten Zentral- und Osteuropas mit \u00fcber 23 Millionen Kunden, RBI f\u00fchrt eine Bilanzsumme im dreistelligen Milliardenbereich. Beide bringen also echte Reichweite mit, nicht nur ein Logo im Pressefoto.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Beaufsichtigt wird der Token dennoch nicht in erster Linie von der \u00f6sterreichischen <a href='https:\/\/www.fma.gv.at\/'>Finanzmarktaufsicht (FMA)<\/a>. Weil Qivalis die Lizenz in den Niederlanden beantragt, ist die DNB die Heimatbeh\u00f6rde; nach MiCA kann das E-Geld-Institut den Token dann in die gesamte EU passporten, auch nach \u00d6sterreich, wo die FMA die Rolle der Aufsicht im Aufnahmestaat \u00fcbernimmt. Das Muster ist typisch f\u00fcr den Binnenmarkt: eine Lizenz, viele M\u00e4rkte. F\u00fcr die heimischen Nutzer \u00e4ndert das an den Schutzrechten nichts, wohl aber an der Frage, an welche Beh\u00f6rde sie sich im Streitfall zuerst wenden.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum eine Bank \u00fcberhaupt einen Stablecoin baut<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Reflex ist verst\u00e4ndlich: Warum sollte eine Bank ein Produkt f\u00f6rdern, das ihr eigenes Gesch\u00e4ftsmodell untergr\u00e4bt? Die Antwort steckt in den MiCA-Regeln selbst. Ein E-Geld-Token muss vollst\u00e4ndig gedeckt sein, und ein erheblicher Teil dieser Deckung muss als Einlage bei EU-Kreditinstituten liegen. Gibt ein Bankenkonsortium den Token selbst heraus, bleibt genau dieses Geld im europ\u00e4ischen Bankensystem, statt zu einem US-Emittenten wie Circle abzuwandern. Der Einlagenabfluss, der die Institute jahrelang nerv\u00f6s machte, verwandelt sich so in einen Einlagenkreislauf.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu kommt die Zinsseite, und die ist heuer entscheidend. MiCA verbietet es ausdr\u00fccklich, den Haltern eines Stablecoins Zinsen zu zahlen. Die Reserve dagegen, geparkt in kurzlaufenden Euro-Staatsanleihen und Bankeinlagen, wirft Rendite ab, und die beh\u00e4lt der Emittent. In einer Welt, in der die EZB einen klar positiven Einlagensatz f\u00e4hrt und die Fed Mitte September erstmals seit 2023 wieder erh\u00f6ht hat, ist dieser Zinsvorteil kein Rundungsfehler, sondern das eigentliche Gesch\u00e4ftsmodell. Je gr\u00f6\u00dfer der umlaufende Bestand, desto gr\u00f6\u00dfer der Ertrag aus der Reserve, ein Zusammenhang, den wir schon mit Blick auf das neue Zinsregime bei den <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/inflation-prints-neues-regime-zinsschritt-2026\/'>Inflation Prints<\/a> ausgeleuchtet haben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der dritte Grund ist strategisch und wiegt langfristig am schwersten. Tokenisierte Wertpapiere, digitale Lieferketten, Zahlungen zwischen Maschinen: F\u00fcr all das braucht es eine Bargeldkomponente auf derselben Blockchain, sonst bleibt die Abwicklung auf halbem Weg stecken. Wer diese Bargeldkomponente stellt, sitzt an der zentralen Schnittstelle des k\u00fcnftigen Zahlungsverkehrs. Die Banken wollen mit aller Macht verhindern, dass diese Rolle an Dollar-Token oder an branchenfremde Technologiekonzerne f\u00e4llt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Und schlie\u00dflich der Effekt auf die Kundenbindung. Ein Firmenkunde, der seine Treasury zunehmend on-chain f\u00fchrt, wird die Hausbank wechseln, wenn sie ihm keine tokenisierte Euro-Option bietet. F\u00fcr RBI, Erste und die 35 anderen ist Qivalis deshalb auch eine Versicherung gegen den eigenen Bedeutungsverlust: lieber selbst das digitale Euro-Geld stellen, als zusehen, wie es ein anderer tut.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Halten verboten, ausgeben erlaubt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier schlie\u00dft sich der Kreis zu einem fr\u00fcheren Thema dieser Rubrik. Unter dem Basler Regelwerk und der EU-Kapitalverordnung CRR3 tr\u00e4gt Bitcoin in der Bankbilanz ein Risikogewicht von 1.250 Prozent. Vereinfacht hei\u00dft das: Eine Bank muss praktisch jeden Euro an Bitcoin-Bestand mit einem Euro hartem Eigenkapital unterlegen, was das direkte Halten wirtschaftlich sinnlos macht (die Mechanik dahinter haben wir unter dem Titel <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/banken-bitcoin-kapitalregel-1250-prozent-2026\/'>1.250 Prozent<\/a> ausf\u00fchrlich beschrieben). Ein an den Euro gebundener Stablecoin ist bilanziell etwas v\u00f6llig anderes.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein vollst\u00e4ndig gedeckter EMT ist im Kern ein durchgereichtes Gesch\u00e4ft: Der Verbindlichkeit gegen\u00fcber dem Halter steht eine gleich hohe, hochliquide und risikoarme Reserve gegen\u00fcber. Es entsteht keine offene Krypto-Position, kein Kursrisiko auf einen schwankenden Verm\u00f6genswert, und damit auch nicht die Strafunterlegung mit Eigenkapital. Die Bank h\u00e4lt keinen volatilen Coin, sie verwaltet Euro-Deckung, und das ist regulatorisch eine ganz andere Kategorie.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau diese Asymmetrie ist der Schl\u00fcssel zum ganzen Modell. Banken d\u00fcrfen Bitcoin faktisch nicht in die eigene Bilanz nehmen, einen an den Euro gebundenen Token aber sehr wohl ausgeben. Sie verdienen an den Krypto-Schienen mit, ohne die Krypto-Kapitalstrafe zu zahlen. Was f\u00fcr den Handelstisch verboten bleibt, wird \u00fcber die Emissionsseite erlaubt. Deshalb ist der Weg vom Verwahrer zum Emittenten f\u00fcr die Institute nicht nur reizvoll, sondern regulatorisch der einzig gangbare, um im gro\u00dfen Stil an digitalem Geld zu verdienen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die MiCA-Mechanik: EMT, Reserven, kein Zins<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Um zu verstehen, was Qivalis darf und was nicht, lohnt ein Blick auf die Regelmechanik. Ein E-Geld-Token nach MiCA ist an eine einzige amtliche W\u00e4hrung gebunden, hier den Euro, und darf nur von einer Bank oder einem lizenzierten E-Geld-Institut herausgegeben werden. Der Halter hat jederzeit Anspruch auf R\u00fccktausch zum Nennwert, eins zu eins, ohne Abschlag. Zinsen darf der Emittent nicht zahlen. Genau dieser Zinsverzicht unterscheidet den EMT vom tokenisierten Geldmarktfonds, der Rendite aussch\u00fcttet und deshalb regulatorisch als etwas ganz anderes behandelt wird (<a href='https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/reg\/2023\/1114\/oj'>MiCA-Verordnung<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Herzst\u00fcck ist die Reserve. Nach MiCA m\u00fcssen bei einem gew\u00f6hnlichen EMT mindestens 30 Prozent der Deckung als Einlagen bei EU-Kreditinstituten liegen, bei einem als &bdquo;signifikant&ldquo; eingestuften Token sogar mindestens 60 Prozent; der Rest steckt in hochliquiden, risikoarmen Aktiva, typischerweise kurzlaufenden Staatsanleihen des Euroraums. Krypto, Aktien oder Rohstoffe sind als Reserve ausgeschlossen. F\u00fcr Qivalis bedeutet das konkret: Ein wesentlicher Teil der Deckung wandert als Einlage zu genau jenen Banken, die den Token tragen, was den vorhin beschriebenen Einlagenkreislauf regulatorisch zementiert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein oft \u00fcbersehener Punkt ist ein regelrechter Heimvorteil. MiCA deckelt nicht-euro-denominierte Stablecoins, sobald sie als Zahlungsmittel eine Million Transaktionen oder 200 Millionen Euro Tagesvolumen \u00fcberschreiten; der Emittent muss dann die Neuausgabe drosseln. Diese Bremse zielt auf Dollar-Token wie USDC. Ein Euro-EMT wie der Qivalis-Token f\u00e4llt nicht darunter und kann im Euroraum ungebremst wachsen, w\u00e4hrend der Dollar-Konkurrent im europ\u00e4ischen Zahlungsverkehr per Gesetz ausgebremst w\u00fcrde. Regulatorisch spielt Qivalis also ein Heimspiel, und das ist kein Zufall, sondern ausdr\u00fccklicher Zweck der Regel.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Markt, den Qivalis betritt: winzig und dollarlastig<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">So gro\u00df der regulatorische R\u00fcckenwind, so ern\u00fcchternd ist die Ausgangslage am Markt. Der gesamte Stablecoin-Markt liegt bei rund 300 Milliarden US-Dollar, und etwa 99 Prozent davon lauten auf Dollar; Tethers USDT h\u00e4lt rund 60 Prozent, Circles USDC etwa ein Viertel. Alle Euro-Stablecoins zusammen bringen es dagegen auf unter eine Milliarde Dollar, im Sp\u00e4tsommer 2026 gut 800 Millionen, also weniger als ein halbes Prozent des Gesamtmarkts (<a href='https:\/\/cryptobriefing.com\/eurc-euro-stablecoin-market-dominance\/'>Crypto Briefing<\/a>). Der Euro on-chain ist heute eine Fu\u00dfnote, und genau diese Fu\u00dfnote will Qivalis in ein Kapitel verwandeln.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Innerhalb dieses kleinen Segments sind die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse klar verteilt, wie die folgende \u00dcbersicht zeigt.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Token<\/th><th>Emittent<\/th><th>Gr\u00f6\u00dfe (ca.)<\/th><th>Besonderheit<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>EURC<\/td><td>Circle (USA)<\/td><td>460 bis 520 Mio. USD<\/td><td>Marktf\u00fchrer, gut 60 Prozent des Euro-Segments<\/td><\/tr><tr><td>EURCV<\/td><td>Soci\u00e9t\u00e9 G\u00e9n\u00e9rale-FORGE (FR)<\/td><td>rund 190 Mio. USD<\/td><td>von einer Bank ausgegeben, mehrere Blockchains<\/td><\/tr><tr><td>EURAU<\/td><td>AllUnity (DWS, Galaxy, Flow Traders)<\/td><td>jung, klein<\/td><td>BaFin-lizenziert, live seit Juli 2025<\/td><\/tr><tr><td>EUROe, EURI, EURS u.a.<\/td><td>Fintech-Emittenten<\/td><td>Nischenwerte<\/td><td>kleinere Anbieter, geringe Reichweite<\/td><\/tr><tr><td>Qivalis-Token<\/td><td>37-Banken-Konsortium (EU)<\/td><td>Start ausstehend<\/td><td>gr\u00f6\u00dfte Vertriebsbasis, Lizenz bei DNB anh\u00e4ngig<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wette von Qivalis ist im Grunde eine Vertriebswette. Kein bestehender Euro-Token verf\u00fcgt \u00fcber die kombinierte Kundenbasis von 37 europ\u00e4ischen Banken. Sollten auch nur ein paar Prozent der Firmen- und Privatkunden dieser Institute den Token nutzen, w\u00e4re er \u00fcber Nacht gr\u00f6\u00dfer als alles, was heute im Euro-Segment existiert. Ob es so kommt, ist eine andere Frage, doch das Potenzial ist ungleich gr\u00f6\u00dfer als bei jedem Fintech-Start, der bei null Kunden anf\u00e4ngt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Konkurrenz im eigenen Lager: EURC, EURCV, AllUnity<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Qivalis betritt kein leeres Feld. Marktf\u00fchrer im Euro-Segment ist ausgerechnet ein US-Unternehmen: Circles EURC h\u00e4lt gut 60 Prozent, ein Umstand, der die europ\u00e4ische Debatte um W\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t erst so dringlich macht. Auf Platz zwei folgt mit EURCV die Digitaltochter der franz\u00f6sischen Gro\u00dfbank Soci\u00e9t\u00e9 G\u00e9n\u00e9rale, SG-FORGE, mit rund 190 Millionen Dollar; dieser Token ist der lebende Beweis, dass eine einzelne europ\u00e4ische Bank einen EMT bereits erfolgreich betreiben kann, \u00fcber mehrere Blockchains hinweg.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Aus Deutschland kommt EURAU von AllUnity, einem Gemeinschaftsunternehmen des Deutsche-Bank-Verm\u00f6gensverwalters DWS mit dem Krypto-Konzern Galaxy und dem Market-Maker Flow Traders. AllUnity erhielt eine E-Geld-Lizenz der BaFin und ging Ende Juli 2025 live (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2025\/07\/31\/germany-s-allunity-launches-bafin-regulated-euro-stablecoin-eurau'>CoinDesk<\/a>). Damit stehen sich in Europa nun drei Ans\u00e4tze gegen\u00fcber: der Einzelbank-Token (EURCV), das Joint-Venture aus Verm\u00f6gensverwalter und Handelsh\u00e4usern (EURAU) und das breite Bankenkonsortium (Qivalis).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Darin liegt zugleich das gr\u00f6\u00dfte Risiko. Ein zersplittertes Feld aus einem halben Dutzend konkurrierender Euro-Token n\u00fctzt am Ende nur dem Dollar, weil keiner die kritische Masse erreicht. Qivalis argumentiert, genau dieses Problem zu l\u00f6sen, indem es 37 Banken hinter einem einzigen Standard b\u00fcndelt. Der Preis daf\u00fcr ist Tempo: Ein Konsortium aus 37 H\u00e4usern in 15 L\u00e4ndern entscheidet langsamer als eine einzelne Bank, und w\u00e4hrend Qivalis noch auf die Lizenz wartet, sind EURCV und EURAU l\u00e4ngst am Markt. Geschwindigkeit gegen Gr\u00f6\u00dfe, das ist die eigentliche Auseinandersetzung im europ\u00e4ischen Lager.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Elefant im Raum: der digitale Euro<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber all dem schwebt das Projekt der EZB. Der digitale Euro ist keine private M\u00fcnze, sondern eine von der Notenbank ausgegebene digitale Zentralbankw\u00e4hrung f\u00fcr Endkunden. Der Gesetzgebungsprozess steckt mitten im Trilog: Die erste Runde lief am 13. Juli, eine weitere am 10. September, und f\u00fcr den 30. September 2026 steht die n\u00e4chste an, unter irischer Ratspr\u00e4sidentschaft; eine politische Einigung wird bis Jahresende angepeilt, ein m\u00f6glicher Start liegt um 2029. Umstritten sind vor allem die Haltegrenze pro Person, im Gespr\u00e4ch sind rund 3.000 Euro, und die Frage, wer die H\u00e4ndlergeb\u00fchren tr\u00e4gt (<a href='https:\/\/www.omfif.org\/2026\/09\/whose-interest-does-the-digital-euros-holding-limit-really-serve\/'>OMFIF<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Damit stehen sich zwei Antworten auf dieselbe Frage gegen\u00fcber: Wie kommt der Euro auf die Blockchain, \u00f6ffentlich \u00fcber die Notenbank oder privat \u00fcber die Banken? Die folgende Gegen\u00fcberstellung ordnet die drei Kandidaten ein.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Merkmal<\/th><th>Qivalis-Token<\/th><th>Digitaler Euro<\/th><th>USDC<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Emittent<\/td><td>37-Banken-Konsortium<\/td><td>Europ\u00e4ische Zentralbank<\/td><td>Circle (USA)<\/td><\/tr><tr><td>Rechtsnatur<\/td><td>E-Geld-Token (MiCA)<\/td><td>gesetzliches Zentralbankgeld<\/td><td>E-Geld-Token (MiCA)<\/td><\/tr><tr><td>W\u00e4hrung<\/td><td>Euro<\/td><td>Euro<\/td><td>US-Dollar<\/td><\/tr><tr><td>Haltegrenze<\/td><td>keine<\/td><td>rund 3.000 Euro (in Diskussion)<\/td><td>keine<\/td><\/tr><tr><td>Zinsen f\u00fcr Halter<\/td><td>nein<\/td><td>nein (geplant)<\/td><td>nein<\/td><\/tr><tr><td>Verf\u00fcgbarkeit<\/td><td>2. Halbjahr 2026 (geplant)<\/td><td>rund 2029<\/td><td>bereits live<\/td><\/tr><tr><td>Blockchain<\/td><td>\u00f6ffentliches Ethereum<\/td><td>offen, EZB-Infrastruktur<\/td><td>mehrere Chains<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Unterschied ist das Timing. Qivalis k\u00f6nnte noch 2026 starten, der digitale Euro fr\u00fchestens 2029. In diese L\u00fccke von mehreren Jahren sto\u00dfen die Banken vor. Ob die Notenbank das als willkommene Br\u00fccke oder als unliebsame Konkurrenz begreift, ist die politisch heikelste Frage des ganzen Themas, und die Antwort darauf ist alles andere als gekl\u00e4rt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was die EZB dazu wirklich sagt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Haltung der Notenbank ist ambivalent, und das ist noch freundlich formuliert. EZB-Direktorin Isabel Schnabel machte bei der Notenbank-Konferenz in Jackson Hole Ende August klar, wo die Priorit\u00e4ten liegen: &bdquo;Zentralbankreserven bleiben Stablecoins als ultimatives Abwicklungsobjekt \u00fcberlegen&ldquo;, und die Zentralbanken m\u00fcssten selbst on-chain gehen, ausdr\u00fccklich als Frage der W\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t gegen\u00fcber Dollar-Stablecoins (<a href='https:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/key\/date\/2026\/html\/ecb.sp260828~fe9afc86e8.en.html'>EZB<\/a>). Regulierte Stablecoins sieht Schnabel in einer unterst\u00fctzenden Rolle, nicht als Ersatz f\u00fcr Zentralbankgeld in der finalen Abwicklung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Noch deutlicher ist Piero Cipollone, im EZB-Direktorium f\u00fcr den digitalen Euro zust\u00e4ndig. Er gilt als dessen st\u00e4rkster F\u00fcrsprecher und zugleich als entschiedener Skeptiker privat ausgegebener digitaler W\u00e4hrungen; sein Argument lautet, dass tokenisierte M\u00e4rkte tokenisiertes Zentralbankgeld brauchen, um sicher zu skalieren, und dass gerade ein digitaler Euro die Banken vor der Verdr\u00e4ngung durch Stablecoins sch\u00fctze (<a href='https:\/\/www.bis.org\/review\/r251002b.htm'>BIS<\/a>). Aus dieser Perspektive ist ein privater Bank-Stablecoin bestenfalls eine \u00dcbergangsl\u00f6sung, bis das \u00f6ffentliche Geld selbst auf der Kette ist.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Im Ziel treffen sich Notenbank und Banken also durchaus: Beide wollen europ\u00e4isches Geld auf der Blockchain, beide f\u00fcrchten die Dominanz des Dollars. Beim Weg dorthin aber liegen sie \u00fcber Kreuz. Die EZB m\u00f6chte die Hoheit \u00fcber das digitale Geld behalten, die Banken m\u00f6chten die Ertr\u00e4ge und die Kundenschnittstelle nicht abgeben. Qivalis ist damit auch ein Vorsto\u00df, Fakten zu schaffen, bevor Br\u00fcssel und Frankfurt den digitalen Euro fertig verhandelt haben. Wer zuerst am Markt ist, pr\u00e4gt die Standards, an denen sich alles Sp\u00e4tere messen muss.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der transatlantische Kontrast: GENIUS gegen MiCA<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wettlauf hat eine geopolitische Dimension. In den USA schuf der GENIUS Act, im Juli 2025 unterzeichnet, erstmals einen bundesweiten Rahmen f\u00fcr Zahlungs-Stablecoins. Er wird am 18. J\u00e4nner 2027 wirksam, 18 Monate nach Inkrafttreten oder 120 Tage nach den finalen Regeln, je nachdem, was fr\u00fcher eintritt. Die Bankenaufsicht OCC will die Regeln bis November fertigstellen und dann Antr\u00e4ge bearbeiten (<a href='https:\/\/www.pymnts.com\/legal\/2026\/occ-races-the-clock-to-finish-genius-act-stablecoin-rules\/'>PYMNTS<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">OCC-Chef Jonathan Gould formuliert das Tempo unmissverst\u00e4ndlich: &bdquo;Wir sind fest entschlossen, schnell voranzukommen und bis November eine finale Regel vorzulegen, damit wir mit der Bearbeitung von Antr\u00e4gen im neuen Jahr beginnen k\u00f6nnen&ldquo; (<a href='https:\/\/www.pymnts.com\/legal\/2026\/occ-races-the-clock-to-finish-genius-act-stablecoin-rules\/'>PYMNTS<\/a>). Auch in den USA d\u00fcrfen Banken k\u00fcnftig \u00fcber T\u00f6chter Stablecoins ausgeben, doch sie tun es in eine bereits existierende, 300 Milliarden Dollar schwere Infrastruktur hinein.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau hier liegt der Unterschied. Die USA haben eine W\u00e4hrung, ein Bundesgesetz und einen gewaltigen Vorsprung; der Dollar dominiert das Segment fast vollst\u00e4ndig. Europa hat ebenfalls eine W\u00e4hrung und mit MiCA sogar das \u00e4ltere, umfassendere Regelwerk, muss den Markt aber praktisch von null aufbauen. Deshalb ist das europ\u00e4ische On-chain-Euro-Projekt so sehr eine Frage der Souver\u00e4nit\u00e4t wie des Profits, ein Zusammenhang, den wir in der <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/dxy-euro-wette-bitcoin-gewinn-waehrung-oesterreich-2026\/'>DXY-Betrachtung<\/a> aus der reinen W\u00e4hrungsperspektive beleuchtet haben. Wer die Schienen des digitalen Euro nicht selbst baut, \u00fcberl\u00e4sst sie am Ende dem Dollar.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was das f\u00fcr \u00d6sterreich hei\u00dft<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr heimische Anleger und Unternehmen ist Qivalis mehr als eine europ\u00e4ische Randnotiz, weil zwei der wichtigsten Banken des Landes dahinterstehen. Konkret k\u00f6nnte ein Firmenkunde von RBI oder Erste k\u00fcnftig Euro-Betr\u00e4ge rund um die Uhr on-chain bewegen, tokenisierte Wertpapiere Zug um Zug abwickeln oder programmierbare Zahlungen aufsetzen, alles mit einem Token, hinter dem eine regulierte Bankdeckung steht statt eines undurchsichtigen Offshore-Emittenten. Der R\u00fccktausch zum Nennwert ist garantiert, Zinsen gibt es keine, daf\u00fcr die Gewissheit, dass eine europ\u00e4ische Aufsicht mitliest.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Steuerlich ist die Sache differenzierter, als es auf den ersten Blick wirkt. Krypto-Gewinne unterliegen in \u00d6sterreich dem Sondersteuersatz von 27,5 Prozent nach Paragraf 27a EStG, und heimische Plattformen behalten seit 1. J\u00e4nner 2024 automatisch Kapitalertragsteuer ein. Ein an den Euro gebundener Token beh\u00e4lt seinen Wert, wirft also aus dem blo\u00dfen Halten keinen Kursgewinn ab. Heikler ist der Tausch: Ob das Umschichten von Bitcoin in einen regulierten Euro-Token als steuerlicher Realisierungsvorgang gilt, h\u00e4ngt davon ab, ob der Token rechtlich als E-Geld oder als Kryptow\u00e4hrung eingestuft wird, eine Abgrenzung, die man im Zweifel mit dem BMF oder einem Steuerberater kl\u00e4ren sollte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Aufsichtsrechtlich bleibt die FMA f\u00fcr \u00f6sterreichische Nutzer die Ansprechpartnerin im Aufnahmestaat, auch wenn die eigentliche Lizenz aus Amsterdam kommt. Und der heimische Platzhirsch Bitpanda, ohnehin technischer Partner vieler Bankprojekte und selbst \u00fcber die FMA lizenziert, d\u00fcrfte bei Integration und Vertrieb eine Rolle spielen, so wie schon beim RBI-Coin-Pilot vor sechs Jahren. \u00d6sterreich ist in diesem Rennen also nicht Zuschauer, sondern Mitspieler, und zwar mit gleich zwei Startnummern.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die offenen Fragen: Lizenz, Tempo, Akzeptanz<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Bei aller Aufbruchsstimmung sind drei Fragen ungel\u00f6st. Die erste ist die Lizenz. Solange die DNB die E-Geld-Genehmigung nicht erteilt hat, gibt Qivalis nach eigener Aussage keinen einzigen Token aus. Der angepeilte Start in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2026 ist damit ambitioniert; eine Verschiebung ins Jahr 2027 w\u00e4re keine \u00dcberraschung, denn die Aufsicht pr\u00fcft ein Novum mit 37 Eigent\u00fcmern besonders genau, und Governance \u00fcber so viele H\u00e4user hinweg ist selbst ein Pr\u00fcfpunkt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Frage ist die Akzeptanz. Einen Token zu bauen ist einfach, ihn in Umlauf zu bringen ist schwer. Damit der Qivalis-Euro relevant wird, m\u00fcssen ihn B\u00f6rsen listen, H\u00e4ndler annehmen und DeFi-Protokolle einbinden. Circles EURC hat hier einen jahrelangen Vorsprung und ist auf zahllosen Plattformen verf\u00fcgbar. Die Theorie von Qivalis, dass 37 Hausbanken den Vertrieb quasi mitliefern, muss sich erst in echten Transaktionen beweisen, nicht nur in Absichtserkl\u00e4rungen und Pressefotos.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die dritte Frage ist die nach Tempo und Fragmentierung. Kann ein Konsortium aus 37 Instituten in 15 L\u00e4ndern schnell genug entscheiden, um vor dem digitalen Euro relevante Netzwerkeffekte aufzubauen? Und was bleibt vom Bank-Stablecoin, wenn die EZB ihr \u00f6ffentliches Pendant ab 2029 ausrollt, war er dann Br\u00fccke oder Sackgasse? Wer die Entwicklung verfolgen will, achtet auf drei Marken: die Lizenzentscheidung der DNB, die Trilog-Runde zum digitalen Euro am 30. September und die Frage, ob der Token tats\u00e4chlich noch 2026 an den Start geht. Bis dahin gilt: Die Banken haben aufgeh\u00f6rt, den Stablecoin nur zu f\u00fcrchten. Sie bauen ihn jetzt selbst.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Frequently Asked Questions<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Was ist Qivalis?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Qivalis ist ein in Amsterdam ans\u00e4ssiges Gemeinschaftsunternehmen von 37 europ\u00e4ischen Banken, das einen an den Euro gebundenen, MiCA-regulierten Stablecoin (E-Geld-Token) herausgeben will. Der Token soll eins zu eins gedeckt sein und auf der \u00f6ffentlichen Ethereum-Blockchain laufen. Die n\u00f6tige E-Geld-Lizenz liegt bei der niederl\u00e4ndischen Zentralbank DNB zur Pr\u00fcfung, der Start ist f\u00fcr die zweite Jahresh\u00e4lfte 2026 geplant.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Welche \u00f6sterreichischen Banken sind bei Qivalis dabei?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei heimische Gro\u00dfinstitute sind Teil des Konsortiums. Die Raiffeisen Bank International geh\u00f6rte im September 2025 zu den neun Gr\u00fcndungsmitgliedern, die Erste Group stie\u00df in der Erweiterungswelle im Mai 2026 dazu, als das Konsortium auf 37 Banken aus 15 L\u00e4ndern anwuchs.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wann startet der Qivalis-Euro-Stablecoin?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Geplant ist ein Start in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2026, vorbehaltlich der E-Geld-Lizenz von De Nederlandsche Bank. Solange diese Genehmigung aussteht, gibt Qivalis nach eigenen Angaben kein E-Geld aus. Eine Verz\u00f6gerung ins Jahr 2027 ist m\u00f6glich, weil die Lizenz die entscheidende H\u00fcrde bleibt.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Ist der Qivalis-Token dasselbe wie der digitale Euro?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Der Qivalis-Token ist privates E-Geld, das von einem Bankenkonsortium ausgegeben und \u00fcber eine E-Geld-Lizenz reguliert wird. Der digitale Euro dagegen w\u00e4re gesetzliches Zentralbankgeld, herausgegeben von der Europ\u00e4ischen Zentralbank, mit einer geplanten Haltegrenze von rund 3.000 Euro und einem m\u00f6glichen Start erst um 2029.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Ist ein Euro-Stablecoin in \u00d6sterreich steuerpflichtig?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein an den Euro gebundener Token beh\u00e4lt seinen Wert und wirft keine Zinsen ab, sodass aus dem blo\u00dfen Halten kein Kursgewinn entsteht. Krypto-Gewinne unterliegen in \u00d6sterreich dem Sondersteuersatz von 27,5 Prozent, und heimische Plattformen behalten seit 1. J\u00e4nner 2024 automatisch KESt ein. Ob der Tausch von Bitcoin in einen regulierten Euro-Token als steuerlicher Realisierungsvorgang gilt, h\u00e4ngt von dessen Einstufung als E-Geld ab und sollte mit dem BMF oder einem Steuerberater gekl\u00e4rt werden.<\/p><script type=\"application\/ld+json\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was ist Qivalis?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Qivalis ist ein in Amsterdam ans\u00e4ssiges Gemeinschaftsunternehmen von 37 europ\u00e4ischen Banken, das einen an den Euro gebundenen, MiCA-regulierten Stablecoin (E-Geld-Token) herausgeben will. Der Token soll eins zu eins gedeckt sein und auf der \u00f6ffentlichen Ethereum-Blockchain laufen. 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