{"id":518,"date":"2026-09-30T12:50:25","date_gmt":"2026-09-30T12:50:25","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/at\/bear-steepener-zinskurve-anleiherenditen-bitcoin-2026\/"},"modified":"2026-09-30T12:50:25","modified_gmt":"2026-09-30T12:50:25","slug":"bear-steepener-zinskurve-anleiherenditen-bitcoin-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/at\/bear-steepener-zinskurve-anleiherenditen-bitcoin-2026\/","title":{"rendered":"Falsch herum steil: der Bear-Steepener und Bitcoin"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Der September 2026 endet mit einem Bild, das viele am Anleihemarkt schon abgeschrieben hatten. Die 30-j\u00e4hrige US-Staatsanleihe rentiert wieder \u00fcber 5,5 Prozent, so hoch wie zuletzt 2002; die deutsche Bundesanleihe kletterte auf den h\u00f6chsten Stand seit 2009, die \u00f6sterreichische zehnj\u00e4hrige auf das h\u00f6chste Niveau seit 2011. Und trotzdem legte Bitcoin im selben Monat leise um rund f\u00fcnf Prozent zu. Wer verstehen will, warum diese beiden Dinge gleichzeitig passieren, sollte nicht auf die H\u00f6he der Zinsen schauen, sondern auf die Form der Kurve. Und die hat sich zuletzt auf eine Weise ver\u00e4ndert, die selten und gef\u00e4hrlich oft missverstanden wird.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Monat, in dem die lange Kurve brach<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Am Dienstag dieser Woche ber\u00fchrte die Rendite der 30-j\u00e4hrigen US-Staatsanleihe rund 5,58 Prozent und lag damit nur einen Wimpernschlag unter dem h\u00f6chsten Stand seit 2002, dem sechsten Anstieg in Folge (<a href='https:\/\/finance.yahoo.com\/markets\/currencies\/articles\/us-30-treasury-yield-approaches-143423856.html'>Yahoo Finance<\/a>). Die zehnj\u00e4hrige Rendite, Ende August noch bei 4,76 Prozent, stand zum Monatsende bei etwa 5,22 Prozent (<a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/09\/29\/treasury-yields-bonds.html'>CNBC<\/a>). &bdquo;It&#8217;s been a train wreck in rates over September, and the pain trade may continue&ldquo;, brachte es Prashant Newnaha, Stratege bei TD Securities, gegen\u00fcber Bloomberg auf den Punkt. Ein Ausverkauf, der sich \u00fcber Wochen zog und ausgerechnet das lange Ende der Kurve traf.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist kein rein amerikanisches Ph\u00e4nomen. Die deutsche Bundesanleihe erreichte mit 3,65 Prozent den h\u00f6chsten Stand seit Juni 2009, ein 17-Jahres-Hoch, bevor sie zum Monatsende leicht auf rund 3,58 Prozent zur\u00fcckfiel (<a href='https:\/\/tradingeconomics.com\/germany\/government-bond-yield'>Trading Economics<\/a>). Als Treiber nennen die Marktberichte eine vertraute Mischung: hohe Energiepreise infolge des Nahost-Kriegs, schwere Neuemissionen von Unternehmensanleihen, Sorgen um Staatsdefizite und das schiere Anleiheangebot, eine sich aufl\u00f6sende Yen-Carry-Position und eine betont restriktive US-Notenbank (<a href='https:\/\/finance.yahoo.com\/markets\/currencies\/articles\/us-30-treasury-yield-approaches-143423856.html'>Yahoo Finance<\/a>). Vom Tokioter Terminmarkt bis zur Wiener B\u00f6rse zog dieselbe Bewegung durch.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert ist, wo der Stress sitzt und wo nicht. Der MOVE-Index, das Pendant des VIX f\u00fcr den Anleihemarkt, schloss Ende September erstmals seit dem Fr\u00fchjahr wieder \u00fcber 100 und legte im Monatsverlauf rund 35 Prozent zu (<a href='https:\/\/www.benzinga.com\/markets\/bonds\/26\/09\/62051889\/move-index-bond-volatility-vix-september-2026'>Benzinga<\/a>). Der VIX hingegen d\u00fcmpelte bei etwa 16, einem Niveau entspannter Aktienm\u00e4rkte. Und Bitcoin? Beendete den September mit einem Plus von rund f\u00fcnf Prozent, dem vierten gr\u00fcnen September in Folge (<a href='https:\/\/finance.yahoo.com\/personal-finance\/investing\/article\/bitcoin-and-ethereum-prices-today-wednesday-september-30-2026-red-september-a-thing-of-the-past-monthly-gains-holding-for-crypto-113317483.html'>Yahoo Finance<\/a>). Ein Anleihemarkt im Ausverkauf, ruhige Aktien, ein steigender Bitcoin: Das ergibt nur Sinn, wenn man die Form der Kurve liest, nicht ihr Niveau.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Nicht das Niveau, sondern die Form<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Zinskurve, also die Renditen derselben Schuldnerin \u00fcber verschiedene Laufzeiten hinweg, kann sich grunds\u00e4tzlich auf vier Arten bewegen. Zwei Achsen spannen das Feld auf: Steigen die Renditen insgesamt (ein B\u00e4renmarkt f\u00fcr Anleihen, weil die Kurse fallen) oder fallen sie (ein Bullenmarkt)? Und wird die Kurve dabei steiler oder flacher? Aus der Kombination dieser beiden Fragen ergeben sich vier Regime, und jedes erz\u00e4hlt eine andere Geschichte \u00fcber Wachstum, Inflation und Geldpolitik. Anleger, die nur die Schlagzeile &bdquo;Renditen steigen&ldquo; lesen, verpassen genau diese Information.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Denn es ist nicht egal, welches Ende der Kurve die Bewegung anf\u00fchrt. Ein kurzes Ende, das steigt, weil die Notenbank strafft, bedeutet etwas v\u00f6llig anderes als ein langes Ende, das steigt, weil Anleger f\u00fcr die ferne Zukunft mehr Kompensation verlangen. Im ersten Fall reagiert der Markt auf die aktuelle Geldpolitik, im zweiten auf Inflation, Verschuldung und Vertrauen, die weit \u00fcber den n\u00e4chsten Zinsentscheid hinausreichen. Die folgende \u00dcbersicht sortiert die vier Bewegungen und ihre grobe Lesart.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Bewegung<\/th><th>Was passiert<\/th><th>Typischer Ausl\u00f6ser<\/th><th>Grobe Lesart<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Bull-Steepener<\/td><td>Kurzes Ende f\u00e4llt st\u00e4rker<\/td><td>Notenbank senkt, Rezessionsangst<\/td><td>Lockerung, oft sp\u00e4t im Zyklus<\/td><\/tr><tr><td>Bear-Steepener<\/td><td>Langes Ende steigt st\u00e4rker<\/td><td>Laufzeitpr\u00e4mie, Inflation, Angebot<\/td><td>Kapitalkosten steigen ohne Lockerung<\/td><\/tr><tr><td>Bull-Flattener<\/td><td>Langes Ende f\u00e4llt st\u00e4rker<\/td><td>Flucht in Sicherheit, Wachstumsangst<\/td><td>Risk-off, Duration gefragt<\/td><\/tr><tr><td>Bear-Flattener<\/td><td>Kurzes Ende steigt st\u00e4rker<\/td><td>Notenbank strafft in laufendes Wachstum<\/td><td>Straffung fr\u00fch im Zyklus<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Was ein Bear-Steepener wirklich ist<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Bear-Steepener liegt vor, wenn die langfristigen Renditen schneller steigen als die kurzfristigen, die Kurve sich also versteilt, w\u00e4hrend das gesamte Zinsniveau klettert. Typischerweise steckt dahinter eine steigende Laufzeitpr\u00e4mie, h\u00f6here Inflationserwartungen oder schlicht zu viel Angebot am langen Ende (<a href='https:\/\/investinglive.com\/news\/what-is-a-bear-steepener-and-why-it-matters-20240530\/'>InvestingLive<\/a>). Genau das beschreibt den September 2026: Das lange Ende rennt, das kurze bleibt vergleichsweise verankert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist die Umkehrung dessen, was der Markt noch Ende August zeigte. Nach der betont restriktiven Rede von Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole f\u00fchrte damals das kurze Ende: Die Zweijahresrendite bewegte sich ein Vielfaches der Zehnjahresrendite, ein klassischer Bear-Flattener, weil der Markt vor allem den n\u00e4chsten Zinsschritt einpreiste. Im September hat sich das Bild gedreht. Am Monatsende lag der Abstand zwischen zwei- und zehnj\u00e4hriger US-Rendite bei rund plus 36 Basispunkten, jener zwischen Drei-Monats- und Zehnjahressatz bei plus 108 Basispunkten (<a href='https:\/\/streetstats.finance\/rates\/treasuries'>StreetStats<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kurve ist damit wieder eindeutig positiv geneigt, und sie wird steiler. Das klingt nach Normalisierung, nach R\u00fcckkehr zur gesunden aufw\u00e4rtsgerichteten Form, die Lehrb\u00fccher als Regelfall beschreiben. Doch der Weg dorthin verr\u00e4t mehr als das Ziel. Eine Kurve kann sich aufrichten, weil das kurze Ende f\u00e4llt, oder weil das lange Ende steigt. Beides f\u00fchrt zur selben Form, aber zu v\u00f6llig unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Und 2026 ist es die zweite, unbequemere Variante.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Zwei Notenbanken, ein kurzes Ende<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Dass das kurze Ende \u00fcberhaupt verankert ist, verdankt sich zwei Zinsentscheidungen im September. Die US-Notenbank hob am 16. September ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an, die erste Anhebung seit Juli 2023, einstimmig mit 12 zu 0 Stimmen. Im Dot-Plot sahen 16 der 18 Mitglieder mindestens einen weiteren Schritt, vier sogar zwei; Warsh selbst gibt seit seinem Amtsantritt bewusst keinen Punkt ab und h\u00e4lt wenig von Vorabfestlegungen (<a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/09\/16\/fed-rate-decision-september-2026.html'>CNBC<\/a>). Die Botschaft war klar: Die Inflationsbek\u00e4mpfung hat Vorrang, und der Zyklus zeigt nach oben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Sechs Tage zuvor hatte die Europ\u00e4ische Zentralbank vorgelegt und ihren Einlagensatz ebenfalls um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent erh\u00f6ht, den Hauptrefinanzierungssatz auf 2,65 Prozent. Es war der zweite Schritt des Jahres nach dem Juni und laut EZB-Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde &bdquo;a no brainer&ldquo;, einstimmig beschlossen und getrieben vom Energieschock des Nahost-Kriegs (<a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/09\/10\/ecb-interest-rate-hike-lagarde-iran.html'>CNBC<\/a>). Beide Notenbanken straffen also synchron. Das dr\u00fcckt die kurzen S\u00e4tze nach oben, aber in kontrollierten Schritten, entlang einer Route, die der Markt weitgehend kennt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Und hier liegt das R\u00e4tsel. Wenn Notenbanken straffen, f\u00fchrt normalerweise das kurze Ende, und die Kurve verflacht, weil die kurzen S\u00e4tze schneller steigen als die langen. Dass stattdessen das lange Ende davonzieht, obwohl beide Zentralbanken anheben, hei\u00dft: Der Markt preist etwas ein, das \u00fcber die Geldpolitik hinausgeht. Nicht die Fed treibt die 30-j\u00e4hrige Rendite auf ein 2002er-Hoch, sondern das, was jenseits des Leitzinshorizonts liegt, wie schon die j\u00fcngsten <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/inflation-prints-neues-regime-zinsschritt-2026\/'>Inflationsdaten im neuen Regime<\/a> andeuteten. Das lange Ende ist der Ort, an dem der Markt seine Zweifel \u00fcber Jahrzehnte ausdr\u00fcckt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum das lange Ende f\u00fchrt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Vier Kr\u00e4fte schieben das lange Ende, und keine davon liegt im direkten Zugriff der Notenbanken. Die erste ist die Laufzeitpr\u00e4mie, jener Aufschlag, den Anleger f\u00fcr das Risiko verlangen, ihr Geld \u00fcber Jahrzehnte zu binden, statt es kurzfristig zu rollen. Das ACM-Modell der New Yorker Fed taxierte sie f\u00fcr die zehnj\u00e4hrige US-Anleihe Mitte September auf rund 0,6 Prozent, wieder klar positiv, nachdem sie ein knappes Jahrzehnt lang nahe null oder darunter gelegen hatte (<a href='https:\/\/www.newyorkfed.org\/research\/data_indicators\/term-premia-tabs'>New York Fed<\/a>). Eine positive und steigende Laufzeitpr\u00e4mie ist die technische Handschrift eines Bear-Steepeners.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Kraft ist die Fiskalpolitik: rekordhohe Defizite und eine Flut neuer Staatsanleihen, die jedes Quartal K\u00e4ufer finden m\u00fcssen. Wenn das Angebot steigt und die Notenbank per Bilanzabbau nicht mehr als Gro\u00dfabnehmer bereitsteht, muss der Preis sinken, also die Rendite steigen, bis genug private K\u00e4ufer anbei\u00dfen. Die dritte Kraft ist die Inflation, angeheizt durch den \u00d6lpreis und den Nahost-Konflikt, die den realen Wert langfristiger Zinszahlungen bedroht. Und die vierte ist ein technischer Faktor, den der September besonders deutlich zeigte, n\u00e4mlich schwere Emissionen von Unternehmensanleihen, die um dasselbe Kapital konkurrieren (<a href='https:\/\/finance.yahoo.com\/markets\/currencies\/articles\/us-30-treasury-yield-approaches-143423856.html'>Yahoo Finance<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zusammengenommen ergeben diese vier Kr\u00e4fte kein Wachstumssignal, sondern ein Angebots- und Pr\u00e4miensignal. Das ist ein entscheidender Unterschied, denn es gibt zwei sehr verschiedene Gr\u00fcnde, warum eine 30-j\u00e4hrige Rendite steigen kann: weil die Wirtschaft floriert und h\u00f6here Realrenditen verkraftet, oder weil Anleger den Staat als Schuldner skeptischer bewerten und mehr Risikoausgleich verlangen. Der September 2026 riecht deutlich nach dem zweiten. Diese Unterscheidung wird gleich zentral, wenn es um Bitcoin geht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Kurve hat sich gedreht, aber falsch herum<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier wird es f\u00fcr Krypto-Anleger interessant, denn die Zinskurve galt lange als der zuverl\u00e4ssigste Rezessionsindikator \u00fcberhaupt. Von 2022 bis 2024 war die Differenz aus zehn- und zweij\u00e4hriger US-Rendite invertiert, das kurze Ende lag \u00fcber dem langen. Es war die l\u00e4ngste je gemessene Inversion und zugleich die bislang einzige, auf die (noch) keine Rezession folgte (<a href='https:\/\/www.usbank.com\/investing\/financial-perspectives\/market-news\/treasury-yields-invert-as-investors-weigh-risk-of-recession.html'>U.S. Bank<\/a>). Inzwischen ist die Kurve wieder positiv geneigt. Nach der reinen Lehre ist die Rezessionswarnung damit abgeschaltet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Nur: Historisch begann die Rezession oft genau dann, wenn sich die Kurve wieder aufrichtete, nicht w\u00e4hrend sie invertiert war. Der Mechanismus dahinter ist ein Bull-Steepener: Die Wirtschaft kippt, die Notenbank senkt hastig, das kurze Ende f\u00e4llt, und die Kurve versteilt sich von unten nach oben. Diese Art der Entinversion, angetrieben durch ein fallendes kurzes Ende, ist die eigentliche Sp\u00e4twarnung vor einem Abschwung. Sie ist das Signal, dass die Notenbank bereits in den R\u00fcckw\u00e4rtsgang geschaltet hat.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Was wir 2026 sehen, ist das Gegenteil. Die Kurve richtet sich auf, weil das lange Ende steigt, nicht weil das kurze f\u00e4llt, und das bei Notenbanken, die anheben statt senken. Gleiche Form, umgekehrte Ursache. Die alte Rezessions-Reflexkarte greift hier nicht sauber; dies ist eine fiskal- und pr\u00e4miengetriebene Entinversion, keine Lockerungs-Entinversion. Wer den positiven 2s10s-Spread heute als Entwarnung liest, verwechselt eine gesunde Aufsteilung mit einer, die aus Misstrauen gegen\u00fcber dem langen Ende geboren ist. Das ist der Kern dieses Zyklus, und der Grund, warum Bitcoin sich so eigenartig verh\u00e4lt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>\u00d6sterreichs Anleihen im Sog<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Sog des langen Endes macht an der Atlantikk\u00fcste nicht halt. Die \u00f6sterreichische zehnj\u00e4hrige Rendite stieg zum Monatsende auf 3,78 Prozent und markierte am 24. September mit 3,79 Prozent den h\u00f6chsten Stand seit November 2011; binnen vier Wochen ging es um rund 35 Basispunkte nach oben, im Jahresvergleich um 69 (<a href='https:\/\/tradingeconomics.com\/austria\/government-bond-yield'>Trading Economics<\/a>). Der Abstand zur deutschen Bundesanleihe blieb mit rund 20 Basispunkten eng, wie es sich f\u00fcr einen Kern-Emittenten der Eurozone geh\u00f6rt. \u00d6sterreich importiert damit einen Gutteil der amerikanischen Laufzeitpr\u00e4mie, ohne selbst der Ausl\u00f6ser zu sein.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Republik ist das keine Fu\u00dfnote. \u00d6sterreich steht seit Juli 2025 in einem Defizitverfahren der EU, das Defizit lag 2025 bei 4,2 Prozent, die Schuldenquote soll bis 2030 von rund 81 auf 88 Prozent steigen; S&amp;P best\u00e4tigte im Februar 2026 das Rating AA+ (<a href='https:\/\/www.oebfa.at'>OeBFA<\/a>). Finanzminister Markus Marterbauer bringt die Logik des Sparens genau auf diesen Zins zur\u00fcck: &bdquo;Wir sanieren nicht um der Budgetsanierung willen, sondern um die Zinskosten f\u00fcr die Staatsschuld zu begrenzen&ldquo; (<a href='https:\/\/www.meinbezirk.at\/c-politik\/a7316325'>MeinBezirk<\/a>). Steigt das lange Ende weltweit, steigt auch die Rechnung der OeBFA, deren Bundesschuld bei rund 321 Milliarden Euro und einer mittleren Restlaufzeit von gut zw\u00f6lf Jahren liegt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der folgende Schnappschuss fasst die Ausgangslage zum 30. September zusammen. Er zeigt in einer Zeile, was den Bear-Steepener ausmacht: ein kurzes Ende, das von den Notenbanken gesetzt wird, und ein langes Ende, das auf Mehrjahreshochs davonzieht.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Instrument<\/th><th>Satz \/ Rendite<\/th><th>Kontext (30. September 2026)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Fed Funds (Obergrenze)<\/td><td>4,00%<\/td><td>+25 Bp am 16. September<\/td><\/tr><tr><td>US 2 Jahre<\/td><td>4,88%<\/td><td>preist weitere Schritte<\/td><\/tr><tr><td>US 10 Jahre<\/td><td>5,22%<\/td><td>von 4,76% Ende August<\/td><\/tr><tr><td>US 30 Jahre<\/td><td>~5,55%<\/td><td>h\u00f6chster Stand seit 2002<\/td><\/tr><tr><td>2s10s-Spread<\/td><td>+36 Bp<\/td><td>wieder positiv, versteilt sich<\/td><\/tr><tr><td>EZB-Einlagensatz<\/td><td>2,50%<\/td><td>+25 Bp am 10. September<\/td><\/tr><tr><td>Bund 10 Jahre<\/td><td>3,58%<\/td><td>Hoch seit Juni 2009<\/td><\/tr><tr><td>\u00d6sterreich 10 Jahre<\/td><td>3,78%<\/td><td>Hoch seit November 2011<\/td><\/tr><tr><td>Bitcoin<\/td><td>~73.900 EUR<\/td><td>rund ein Drittel unter Rekord<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Wenn Anleihe-Vola br\u00fcllt und Aktien-Vola schl\u00e4ft<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die auff\u00e4lligste Zahl des Monats ist nicht die Rendite, sondern die Volatilit\u00e4t. Der MOVE-Index sprang im September um rund 35 Prozent, ein Anstieg, den es seit 2008 nur achtmal gab, und schloss mit 101,82 erstmals seit dem Fr\u00fchjahr \u00fcber der 100er-Marke (<a href='https:\/\/www.benzinga.com\/markets\/bonds\/26\/09\/62051889\/move-index-bond-volatility-vix-september-2026'>Benzinga<\/a>). Zum Vergleich: Der Aktien-Angstmesser VIX notierte weiter bei rund 16, einem Wert, der \u00fcblicherweise Gelassenheit signalisiert. Der b\u00f6rsengehandelte Langl\u00e4ufer-Fonds TLT verlor im September 4,7 Prozent und seit Jahresbeginn fast 10.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Divergenz, br\u00fcllende Anleihe-Volatilit\u00e4t bei schlafender Aktien-Volatilit\u00e4t, ist historisch instabil und l\u00f6st sich meist auf eine von zwei Weisen. Entweder der Anleihemarkt beruhigt sich und l\u00e4sst die Aktien in Ruhe, dann war der Schreck vor\u00fcbergehend. Oder die Spannung entl\u00e4dt sich \u00fcber steigende Sicherheitenabschl\u00e4ge, teurere Refinanzierung und erzwungene Verk\u00e4ufe, und dann springt sie auf die Risikoanlagen \u00fcber. Staatsanleihen sind die Grundsicherheit des gesamten Finanzsystems; wenn ihr Preis unberechenbar wird, wird alles teurer, was auf ihnen aufbaut.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr hochvolatile Anlagen wie Krypto ist der zweite Pfad der gef\u00e4hrliche, weil ein sprunghaftes langes Ende Liquidit\u00e4t aus dem gesamten System zieht und gehebelte Positionen als Erste unter Druck geraten. Der Ruhepuls des VIX ist also weniger beruhigend, als er aussieht: Er sagt nur, dass die Aktienm\u00e4rkte den Anleihestress noch nicht eingepreist haben, nicht, dass er sie nichts anginge. Ob dieser September ein vor\u00fcbergehender Schreck bleibt oder der Auftakt zu etwas Gr\u00f6\u00dferem, h\u00e4ngt genau daran, ob das lange Ende sich wieder f\u00e4ngt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was der Bear-Steepener f\u00fcr Bitcoin bedeutet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoin ist, in der Sprache der Anleihewelt, das Instrument mit der l\u00e4ngsten Duration \u00fcberhaupt: ein Verm\u00f6genswert ohne laufende Zahlungen, dessen gesamter Wert in einer fernen Zukunft liegt, vergleichbar mit einem Nullkupon-Bond ohne Enddatum. Genau solche Werte reagieren am empfindlichsten auf den Diskontierungssatz am langen Ende, denn je h\u00f6her der Zins, mit dem k\u00fcnftige Werte auf heute abgezinst werden, desto weniger ist eine ferne Zahlung heute wert. Steigt die 30-j\u00e4hrige Realrendite und mit ihr die Laufzeitpr\u00e4mie, w\u00e4chst der mechanische Gegenwind f\u00fcr die am weitesten in die Zukunft gerichteten Anlagen. Insofern ist ein Bear-Steepener zun\u00e4chst schlechte Nachricht f\u00fcr alles mit hoher Duration.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Doch die Ursache entscheidet. Steigt das lange Ende, weil die Wirtschaft brummt, ist das ein Wachstumssignal, das Risikoanlagen tragen k\u00f6nnen. Steigt es, weil Staaten sich nicht mehr zu vern\u00fcnftigen S\u00e4tzen finanzieren k\u00f6nnen, ist es ein Fiskal- und Entwertungssignal, und genau das ist die These der Anleihe-Skeptiker. Ray Dalio riet zuletzt, Anleihen unterzugewichten und 10 bis 15 Prozent in Gold plus &bdquo;a bit&ldquo; Bitcoin zu halten; eine US-Schuldenkrise sieht er &bdquo;in three years, give or take two&ldquo; (<a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/08\/21\/ray-dalio-bessent-debt-crisis.html'>CNBC<\/a>). In dieser Lesart ist ein fiskalgetriebener Anstieg des langen Endes kein Grund gegen Bitcoin, sondern das Argument daf\u00fcr.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein fiskalgetriebener Bear-Steepener ist damit paradoxerweise beides zugleich: Gegenwind \u00fcber den Diskontierungssatz und R\u00fcckenwind \u00fcber die Entwertungserz\u00e4hlung. Welche Kraft dominiert, h\u00e4ngt vom Horizont ab und davon, wie geordnet die Bewegung verl\u00e4uft. Wie schon der <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/rebound-ohne-carry-futures-basis-hebel-2026\/'>Blick auf die Futures-Basis<\/a> zeigte, macht es einen gro\u00dfen Unterschied, ob steigende Renditen als langsamer Trend oder als abrupter Schock kommen. Wichtig bleibt die n\u00fcchterne Einordnung: Bitcoin ist gegenparteifrei, aber nicht risikofrei. Es gibt keinen Emittenten, der ausfallen k\u00f6nnte, daf\u00fcr tauscht man das Kreditrisiko gegen ein Preis- und Diskontierungsrisiko. F\u00fcr Banken bleibt der direkte Bestand wegen der Basel-Risikogewichtung von 1250 Prozent faktisch unattraktiv.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der historische Befund: ist steiler gleich riskant?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die reflexhafte Angst lautet: steile Kurve gleich Ausverkauf bei Risikoanlagen. Die Datenlage ist unbequemer und ehrlicher. Nach einer Auswertung von Hartford Funds legten Risikoanlagen in den meisten Bear-Steepenern seit dem Jahr 2000 sogar zu; in acht von neun Episoden von mindestens 30 Basispunkten, die drei Monate oder l\u00e4nger dauerten, stiegen die Aktienm\u00e4rkte anschlie\u00dfend, mit einer durchschnittlichen annualisierten Rendite von rund 21,6 Prozent (<a href='https:\/\/www.hartfordfunds.com\/insights\/market-perspectives\/fixed-income\/what-the-shape-shifting-yield-curve-is-telling-us-about-markets.html'>Hartford Funds<\/a>). Der Grund: Ein Bear-Steepener spiegelt h\u00e4ufig gesunde Wachstumserwartungen, und Wachstum ist gut f\u00fcr Aktien.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das eigentliche Risiko ist also enger gefasst, als die Schlagzeile suggeriert, und liegt in drei Punkten. Erstens in der Duration selbst, die den h\u00f6heren Diskontierungssatz tr\u00e4gt und damit die am weitesten in die Zukunft gerichteten Anlagen am h\u00e4rtesten trifft. Zweitens im Ausl\u00f6ser: Wenn nicht Wachstum, sondern Fiskalstress und Inflation die Bewegung tragen, versagt die freundliche Deutung, weil dann h\u00f6here Zinsen kein Wohlstandssignal sind, sondern ein Warnsignal. Drittens in der Ordnung des \u00dcbergangs: Ein sprunghaftes langes Ende, ablesbar an einem MOVE-Index \u00fcber 100, kann \u00fcber Sicherheiten und Kredithebel Verk\u00e4ufe erzwingen, die nichts mit den Fundamentaldaten zu tun haben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Bitcoin hei\u00dft das: Ein Bear-Steepener ist nicht automatisch b\u00e4risch, und wer ihn reflexhaft als Verkaufssignal liest, ignoriert die Historie. Er ist schlecht f\u00fcr den Diskontierungssatz und gut f\u00fcr die Entwertungserz\u00e4hlung, und der Schiedsrichter zwischen beiden ist die Frage, ob die Bewegung geordnet bleibt oder in Stress kippt. Genau deshalb ist der MOVE-Index \u00fcber 100 diesmal die wichtigere Kennzahl als das Renditeniveau selbst.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Beide Enden derselben Kurve: Bitcoin und Stablecoins<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Krypto lebt an beiden Enden der Zinskurve zugleich, und ein Bear-Steepener ist fast schon der nat\u00fcrliche Lebensraum dieses Gegensatzpaars. Am langen Ende steht Bitcoin, die Wette mit maximaler Duration und ohne Cashflow. Am kurzen Ende stehen die Stablecoins, die faktisch als Geldmarktfonds fungieren: Tether h\u00e4lt \u00fcber 140 Milliarden US-Dollar an US-Staatsanleihen, und nach der GENIUS-Regel d\u00fcrfen die Reserven nur aus Bargeld, Treasuries mit h\u00f6chstens 93 Tagen Restlaufzeit oder besicherten Repos bestehen. Die Zinsertr\u00e4ge beh\u00e4lt der Emittent, nicht der Halter des Coins.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">In einem Umfeld hoher kurzer S\u00e4tze und fiskalgetriebener langer S\u00e4tze profitieren beide Enden, aus unterschiedlichen Gr\u00fcnden. Die Stablecoin-Reserven verdienen am verankerten kurzen Ende vier bis f\u00fcnf Prozent auf kurzlaufende T-Bills, ein Gesch\u00e4ftsmodell, das erst durch die Zinswende der letzten Jahre \u00fcberhaupt lukrativ wurde. Bitcoin dagegen setzt auf die lange Entwertungsthese, also darauf, dass eine Welt steigender Staatsschulden und struktureller Defizite am Ende die Kaufkraft von Fiatw\u00e4hrungen aush\u00f6hlt. Ein Steepener bedient beide Wetten gleichzeitig.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Zweiteilung erkl\u00e4rt, warum das Krypto-\u00d6kosystem gegen\u00fcber der reinen Zinsh\u00f6he erstaunlich robust sein kann: Das kurze Ende f\u00fcttert die dollarbasierte Infrastruktur, das lange Ende f\u00fcttert die Knappheitsgeschichte. Wie diese Zinsmaschine am kurzen Ende in eine handelbare Rendite \u00fcbersetzt wird, zeigt das Modell hinter <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/ethena-usde-synthetischer-dollar-funding-rendite-2026\/'>Ethenas synthetischem Dollar<\/a> besonders anschaulich, wo Funding-Raten und kurze Zinsen zu einer synthetischen Aussch\u00fcttung verschmelzen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Gr\u00fcner September, leise Entkopplung<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Bleibt die Beobachtung, mit der dieser Text begann. W\u00e4hrend der Anleihemarkt seinen &bdquo;train wreck&ldquo; erlebte, legte Bitcoin im September um rund f\u00fcnf Prozent zu, den vierten gr\u00fcnen September in Folge; historisch war der Monat in acht von dreizehn Jahren rot, weshalb H\u00e4ndler sogar vom &bdquo;Red September&ldquo; sprachen (<a href='https:\/\/finance.yahoo.com\/personal-finance\/investing\/article\/bitcoin-and-ethereum-prices-today-wednesday-september-30-2026-red-september-a-thing-of-the-past-monthly-gains-holding-for-crypto-113317483.html'>Yahoo Finance<\/a>). Bei einem Kurs von rund 73.900 Euro liegt Bitcoin damit noch immer etwa ein Drittel unter seinem Rekordhoch von 107.662 Euro (<a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>CoinGecko<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Entkopplung, ein steigender Bitcoin bei fallenden Langl\u00e4ufern, ist kein mechanischer Zusammenhang und sollte nicht \u00fcberinterpretiert werden. Korrelationen sind notorisch instabil, wie der <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/bitcoin-60-40-depot-backtest-korrelation-2026\/'>Backtest zum 60\/40-Depot<\/a> zeigt, und ein einzelner gr\u00fcner Monat ist noch kein Regime. Es gab in diesem Zyklus genug Wochen, in denen Bitcoin und Anleihen im Gleichschritt fielen, und es wird sie wieder geben. Wer aus einem Monat einen Trend macht, hat aus der Geschichte der Krypto-Korrelationen wenig gelernt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Aber die Beobachtung passt zur fiskalischen Lesart des Bear-Steepeners. Wenn das lange Ende steigt, weil Staaten zu viel Schuld verkaufen m\u00fcssen und nicht, weil die Wirtschaft \u00fcberhitzt, ist das exakt jenes Umfeld, in dem ein knapper, gegenparteifreier Verm\u00f6genswert Anh\u00e4nger findet. Der gr\u00fcne September ist kein Beweis, aber er ist ein Datenpunkt, der zur These passt, dass Bitcoin genau die Sorte langfristiger Zinsanstieg mag, die aus fiskalischem Misstrauen geboren wird, und nicht die, die aus robustem Wachstum kommt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Oktober-Doppelschlag: was jetzt z\u00e4hlt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die entscheidende Frage f\u00fcr die kommenden Wochen ist, ob das kurze Ende zum langen aufschlie\u00dft oder das lange weiterl\u00e4uft. Beide Notenbanken tagen erneut Ende Oktober. Die Fed entscheidet am 28. Oktober, die EZB einen Tag sp\u00e4ter am 29. Eine weitere Anhebung auf beiden Seiten des Atlantiks ist nach den September-Signalen alles andere als ausgeschlossen; die US-Zweijahresrendite von 4,88 Prozent preist einen Teil davon bereits ein. Sollte die Fed tats\u00e4chlich den im Dot-Plot angedeuteten Schritt nachlegen, bewegt sich das kurze Ende nach oben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zieht das kurze Ende an, w\u00e4hrend das lange stehen bleibt, k\u00f6nnte der Bear-Steepener in einen Bear-Flattener zur\u00fcckkippen, die Kurve w\u00fcrde sich also wieder abflachen. L\u00e4uft das lange Ende hingegen trotz Anhebung weiter davon, versch\u00e4rft sich die Versteilung, und die Durationsfrage f\u00fcr Krypto wird dr\u00e4ngender. Hinzu kommt der Quartalswechsel Ende September, an dem sich Spannungen im Geldmarkt gern zeigen, ein Thema f\u00fcr sich, das die <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/repo-sofr-geldmarkt-bitcoin-2026\/'>Rohre unter dem Zins<\/a> genauer ausleuchten. Der folgende Kalender fasst zusammen, worauf zu achten ist.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Datum<\/th><th>Ereignis<\/th><th>Worauf es ankommt<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>27.\/28. Oktober<\/td><td>FOMC (Entscheid am 28.)<\/td><td>weitere Anhebung, Ton zur Laufzeitpr\u00e4mie<\/td><\/tr><tr><td>29. Oktober<\/td><td>EZB-Rat<\/td><td>zweiter Schritt in Folge?<\/td><\/tr><tr><td>laufend<\/td><td>US-CPI, Arbeitsmarkt<\/td><td>treibt das lange Ende<\/td><\/tr><tr><td>laufend<\/td><td>\u00d6lpreis, Nahost<\/td><td>Inflations- und Angebotsschock<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Was das f\u00fcr Anlegerinnen und Anleger in \u00d6sterreich hei\u00dft<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Steepener ist kein Handelssignal f\u00fcr das Privatdepot, sondern eine Umfeldbeschreibung. Drei Dinge lassen sich daraus mitnehmen. Erstens: &bdquo;Sichere&ldquo; lange Anleihen tragen ein sehr reales Kursrisiko. \u00d6sterreichs Jahrhundertanleihe von 2120, mit einem Kupon von 0,85 Prozent begeben, notiert heute bei rund 30 Cent je Euro Nennwert, ein anschaulicher Beleg daf\u00fcr, wie brutal Duration bei steigenden Zinsen zuschl\u00e4gt, ganz ohne dass der Schuldner je in Zahlungsschwierigkeiten geriet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zweitens: Bitcoin ist die Gegenwette mit maximaler Duration, gegenparteifrei, aber schwankungsreich; die Basel-Regeln halten Banken mit einem Risikogewicht von 1250 Prozent vom direkten Bestand fern, weshalb der Zugang f\u00fcr die meisten indirekt \u00fcber regulierte Anbieter l\u00e4uft. In \u00d6sterreich ist Bitpanda der \u00fcber die FMA lizenzierte Referenz-Anbieter, und der Handel f\u00e4llt unter MiCA f\u00fcr den Spotmarkt beziehungsweise MiFID II f\u00fcr Derivate wie Futures und Perpetuals. Wer Krypto und Anleihen im selben Depot h\u00e4lt, sollte wissen, dass beide auf dieselbe lange Rendite reagieren, nur mit umgekehrtem Vorzeichen der Interpretation.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Drittens die Steuer: Krypto-Gewinne unterliegen dem Sondersteuersatz von 27,5 Prozent nach Paragraph 27a EStG, und inl\u00e4ndische Plattformen behalten die KESt seit dem 1. J\u00e4nner 2024 automatisch ein. Unterm Strich hat der September 2026 die Zinskurve nicht nur h\u00f6her, sondern steiler gemacht, und zwar von der falschen Seite. Ob dieser Bear-Steepener f\u00fcr Bitcoin am Ende Gegenwind oder R\u00fcckenwind ist, entscheidet sich weniger an der H\u00f6he der Renditen als daran, warum sie steigen und ob der Weg dorthin geordnet bleibt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufige Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Was ist ein Bear-Steepener einfach erkl\u00e4rt?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Bear-Steepener ist eine Bewegung der Zinskurve, bei der die langfristigen Renditen schneller steigen als die kurzfristigen. Die Kurve wird also steiler, w\u00e4hrend das gesamte Zinsniveau nach oben klettert. Meist steckt eine steigende Laufzeitpr\u00e4mie, h\u00f6here Inflationserwartungen oder ein zu gro\u00dfes Anleiheangebot am langen Ende dahinter, nicht die Geldpolitik der Notenbank.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum steigen die Anleiherenditen, obwohl Fed und EZB die Kurve schon straffen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Notenbanken steuern vor allem das kurze Ende der Kurve \u00fcber den Leitzins. Das lange Ende bildet dagegen Erwartungen zu Inflation, Staatsverschuldung und der geforderten Laufzeitpr\u00e4mie ab. Im September 2026 stiegen diese langfristigen Renditen schneller als die kurzen, weil Anleger Defizite, Anleiheangebot und Inflation st\u00e4rker gewichteten als den n\u00e4chsten Zinsschritt.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Bedeutet die wieder positive Zinskurve, dass die Rezessionsgefahr vorbei ist?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht zwangsl\u00e4ufig. Historisch begann eine Rezession oft erst, wenn sich eine invertierte Kurve wieder aufrichtete, allerdings \u00fcber ein fallendes kurzes Ende, weil die Notenbank senkte. Die Entinversion 2026 l\u00e4uft umgekehrt \u00fcber ein steigendes langes Ende bei straffender Notenbank, ist also fiskal- und pr\u00e4miengetrieben statt lockerungsgetrieben. Die klassische Rezessionslesart greift hier nicht sauber.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Ist eine steile Zinskurve gut oder schlecht f\u00fcr Bitcoin?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Beides zugleich. Als Anlage mit maximaler Duration leidet Bitcoin unter einem h\u00f6heren Diskontierungssatz am langen Ende. Wird der Anstieg aber von Fiskalstress und Entwertungssorgen getrieben, st\u00fctzt genau das die These von Bitcoin als knappem, gegenparteifreiem Wertspeicher. Entscheidend ist die Ursache des Renditeanstiegs und ob er geordnet verl\u00e4uft.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie k\u00f6nnen Anlegerinnen und Anleger in \u00d6sterreich auf dieses Umfeld reagieren?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Steepener ist eine Umfeldbeschreibung, kein Handelssignal. Wichtig ist das Bewusstsein f\u00fcr Durationsrisiko: Lange Anleihen k\u00f6nnen bei steigenden Zinsen deutlich an Kurswert verlieren. Krypto-Engagements laufen in \u00d6sterreich meist \u00fcber FMA-regulierte Anbieter unter MiCA, und Gewinne unterliegen dem Sondersteuersatz von 27,5 Prozent, den inl\u00e4ndische Plattformen seit 2024 automatisch einbehalten.<\/p><script type=\"application\/ld+json\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was ist ein Bear-Steepener einfach erkl\u00e4rt?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Ein Bear-Steepener ist eine Bewegung der Zinskurve, bei der die langfristigen Renditen schneller steigen als die kurzfristigen. Die Kurve wird also steiler, w\u00e4hrend das gesamte Zinsniveau nach oben klettert. 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