{"id":537,"date":"2026-10-03T20:47:24","date_gmt":"2026-10-03T20:47:24","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/at\/derivate-positionierung-gegenseite-kohorten-2026\/"},"modified":"2026-10-03T20:47:24","modified_gmt":"2026-10-03T20:47:24","slug":"derivate-positionierung-gegenseite-kohorten-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/at\/derivate-positionierung-gegenseite-kohorten-2026\/","title":{"rendered":"Derivate-Positionierung: wer auf der Gegenseite sitzt"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Jede Woche dasselbe Ritual: Das offene Interesse an Bitcoin-Futures steigt, die Funding-Rate dreht ins Positive, die Optionsb\u00fccher f\u00fcllen sich mit Calls, und prompt liefern zwei Analysten zwei entgegengesetzte Deutungen. Der eine sieht frisches Kapital, das auf h\u00f6here Kurse setzt. Der andere sieht \u00fcberhebelte Longs, die nur auf ihre Liquidation warten. Beide schauen auf dieselbe Zahl, und beide k\u00f6nnen recht haben. Der Unterschied liegt nicht in der H\u00f6he der Position, sondern darin, wer sie h\u00e4lt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Dasselbe Buch, zwei Leser<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Positionierung ist kein Zustand, sondern eine Verteilung. Als das aggregierte Futures-Open-Interest Anfang Oktober von 626.000 auf 653.000 Bitcoin kletterte, ein Plus von rund 2,3 Milliarden Dollar oder 4,3 Prozent binnen Tagen, und Bitcoin dabei von 83.500 auf \u00fcber 86.500 Dollar lief, war das zun\u00e4chst nur eine Zahl: rund 56,2 Milliarden Dollar (etwa 50 Milliarden Euro) nominal, bei einer gleichzeitig von grob drei auf zehn Prozent annualisiert anziehenden Perp-Funding-Rate (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/markets\/2026\/10\/02\/why-rising-perpetual-funding-rates-signal-growing-bullish-leverage-as-bitcoin-crosses-usd86-500'>CoinDesk<\/a>). Bitcoin selbst notierte in dieser Phase um 75.225 Euro (rund 84.660 Dollar), gut ein Drittel unter dem Allzeithoch von 126.080 Dollar vom 6. Oktober 2025 (<a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin'>CoinGecko<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Zahl sagt f\u00fcr sich genommen nichts dar\u00fcber, ob der Markt fragil oder robust ist. Steigendes offenes Interesse bei steigendem Preis kann bedeuten, dass neue Long-Positionen mit frischem Kapital aufgebaut werden, bullisch, solange es Spot- oder ETF-getrieben ist. Es kann aber genauso bedeuten, dass Hebel auf Hebel gestapelt wird und die n\u00e4chste Abw\u00e4rtsbewegung eine Kaskade ausl\u00f6st. Funding von zehn Prozent annualisiert ist je nach Leser ein Zeichen gesunder Nachfrage oder ein Warnsignal f\u00fcr \u00dcberhitzung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Aufl\u00f6sung dieses Widerspruchs ist unbequem, aber einfach: Man muss das Buch nach Haltern zerlegen. Ein Delta-neutraler Basis-Fonds, der Futures short gegen long Spot f\u00e4hrt, erscheint in derselben Open-Interest-Statistik wie ein Kleinanleger mit 25-fachem Hebel, obwohl die beiden nichts gemeinsam haben, au\u00dfer dass sie dieselbe Kennzahl aufbl\u00e4hen. Der eine hat keine Richtungsmeinung und wird bei einem Kursrutsch nicht verkaufen; der andere ist der Kursrutsch. Erst die Zusammensetzung sagt, ob eine Position \u00dcberzeugung ist oder nur geliehenes Risiko.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Zahlenbeispiel macht das greifbar. Nehmen wir zwei Marktphasen mit identischem offenem Interesse von 50 Milliarden Euro und identisch positivem Funding. In der ersten stammt der Zuwachs aus ETF-K\u00e4ufen und Spot-Nachfrage, abgesichert durch Fonds, die gleichzeitig Futures shorten; in der zweiten aus gehebelten Perp-Longs von Privatanlegern, die auf eine Fortsetzung der Rally setzen. Die Statistik sieht in beiden F\u00e4llen gleich aus. Bei einem Kursrutsch von zehn Prozent passiert jedoch das Gegenteil: Das erste Buch bleibt ruhig, weil niemand zum Verkauf gezwungen ist; das zweite entl\u00e4dt sich in einer Kette von Zwangsliquidationen. Dieselbe Momentaufnahme, zwei v\u00f6llig verschiedene Risikoprofile.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die sieben Kohorten im \u00dcberblick<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer auf der Gegenseite einer Krypto-Derivate-Wette sitzt, l\u00e4sst sich grob in sieben Gruppen einteilen. Jede handelt aus einem anderen Grund, reagiert anders auf Stress und hinterl\u00e4sst dieselben Spuren in den aggregierten Daten. Die folgende \u00dcbersicht ist das Grundger\u00fcst f\u00fcr alles Weitere.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kohorte<\/th><th>Was sie h\u00e4lt<\/th><th>Wonach sie handelt<\/th><th>Verhalten unter Stress<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Market Maker \/ Dealer<\/td><td>Delta-Hedges, Optionsbest\u00e4nde<\/td><td>Fluss, nicht Richtung<\/td><td>Gamma bremst oder beschleunigt<\/td><\/tr><tr><td>Basis- \/ Carry-Fonds<\/td><td>Short Futures gegen Long Spot<\/td><td>Zinsdifferenz (Carry)<\/td><td>preisgleichg\u00fcltig, l\u00f6sen bei Margin-Stress auf<\/td><\/tr><tr><td>ETF-Allokatoren<\/td><td>Spot \u00fcber IBIT und Co.<\/td><td>Allokation, teils Hedge-Bein<\/td><td>z\u00e4h, aber umkehrbar<\/td><\/tr><tr><td>Treasuries \/ DATs<\/td><td>Bitcoin in der Bilanz<\/td><td>Aktienpr\u00e4mie (mNAV)<\/td><td>reflexiv, stocken unter mNAV 1<\/td><\/tr><tr><td>Systematische \/ CTAs<\/td><td>Futures nach Trendmodell<\/td><td>Momentum, Volatilit\u00e4t<\/td><td>verst\u00e4rken die Bewegung<\/td><\/tr><tr><td>Retail-Perps<\/td><td>Perpetuals mit Hebel<\/td><td>Richtung, Gier und Angst<\/td><td>Liquidations-Treibstoff<\/td><\/tr><tr><td>Konvexit\u00e4ts-K\u00e4ufer<\/td><td>Optionen (Calls\/Puts)<\/td><td>Volatilit\u00e4t, Absicherung<\/td><td>kaufen Schutz, Skew misst Angst<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Dinge fallen sofort auf. Erstens handeln nur drei dieser sieben Gruppen \u00fcberhaupt auf eine Kursrichtung (ETF-Allokatoren teilweise, Retail-Perps, systematische Fonds). Die \u00fcbrigen vier sind entweder preisgleichg\u00fcltig oder reagieren auf etwas anderes als die Richtung. Zweitens verhalten sich diese Gruppen unter Stress diametral verschieden: Manche stabilisieren den Markt, andere beschleunigen jede Bewegung. Ein Buch, das zu 70 Prozent aus der ersten Art besteht, ist etwas v\u00f6llig anderes als ein optisch identisches Buch, das von der zweiten Art dominiert wird.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Kohorte 1, Market Maker: das Gamma, das bremst oder beschleunigt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die unauff\u00e4lligste und zugleich wichtigste Kohorte sind die Market Maker. Sie haben in der Regel keine Richtungsmeinung; sie verdienen an der Geld-Brief-Spanne und am Verkauf von Optionen, und sie hedgen das daraus entstehende Delta laufend am Spot- und Futures-Markt. Entscheidend ist ihr Gamma, also wie stark sich ihr Absicherungsbedarf \u00e4ndert, wenn der Kurs sich bewegt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Sind die Dealer per saldo short Gamma, weil sie dem Markt Optionen verkauft haben, die nun am Geld liegen, m\u00fcssen sie prozyklisch hedgen: Sie kaufen in steigende Kurse hinein und verkaufen in fallende, was Bewegungen beschleunigt. Sind sie long Gamma, d\u00e4mpfen sie: Sie verkaufen in die St\u00e4rke und kaufen in die Schw\u00e4che, was den Kurs an bestimmte Strikes &bdquo;pinnt&ldquo;. Rund um gro\u00dfe Optionsverf\u00e4lle, wenn ein erheblicher Teil des offenen Interesses an einem Tag ausl\u00e4uft, ist dieser Effekt am st\u00e4rksten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Luuk Strijers, CEO der Optionsb\u00f6rse Deribit, hat das zum j\u00fcngsten Quartalsverfall pr\u00e4gnant beschrieben: Sobald nach der Abrechnung das Gamma und der damit verbundene Hedging-Fluss abrollen, lasse der Pinning-Effekt nach, die kurzfristige Volatilit\u00e4t k\u00f6nne steigen und die bestehende Handelsspanne sich zur\u00fccksetzen (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/markets\/2026\/09\/23\/bitcoin-s-usd16-billion-quarterly-options-settlement-arrives-with-a-call-heavy-book'>CoinDesk<\/a>). F\u00fcr den Leser der Positionierungsdaten hei\u00dft das: Ein ruhiger, an einen Strike geklebter Markt ist nicht unbedingt ein \u00fcberzeugter Markt. Er kann schlicht ein Markt sein, in dem Dealer-Gamma die Bewegung vor\u00fcbergehend einfriert. Verschwindet dieses Gamma mit dem Verfall, verschwindet auch die k\u00fcnstliche Ruhe.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Woher wei\u00df man, auf welcher Seite des Gammas die Dealer stehen? Hinweise liefern die Produkte, die den Markt mit Optionen versorgen. Covered-Call-ETFs, strukturierte Produkte und Renditestrategien verkaufen systematisch Calls an die Market Maker, die dadurch tendenziell long Gamma werden und den Markt d\u00e4mpfen. Baut der Markt dagegen vor einem Verfall massiv Calls auf der Nachfrageseite auf, geraten die Dealer in die kurze Gamma-Position und wirken als Verst\u00e4rker. F\u00fcr den Leser der Positionierung ist das die vielleicht wichtigste unsichtbare Variable: Sie steht in keiner Open-Interest-Zahl, bestimmt aber, ob der Markt Bewegungen gl\u00e4ttet oder \u00fcberzeichnet.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Kohorte 2, Basis- und Carry-Fonds: die preisgleichg\u00fcltige Seite<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Kohorte ist f\u00fcr viele Privatanleger die kontraintuitivste: Fonds, die Futures oder Perpetuals shorten, ohne auf fallende Kurse zu wetten. Sie fahren den Basis- oder Cash-and-Carry-Trade, also long Spot (oder ETF) gegen short Futures, und kassieren die Differenz zwischen Terminpreis und Kassapreis. F\u00fcr sie ist die Richtung des Bitcoin-Kurses egal; sie verdienen an der Konvergenz der beiden Preise zum Verfall.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem: Dieser Carry ist 2026 praktisch verschwunden. Die annualisierte Drei-Monats-Basis liegt seit Februar durchgehend unter der Rendite zweij\u00e4hriger US-Staatsanleihen, erst das zweite Mal in der Geschichte des Marktes (das erste Mal war von August 2022 bis Januar 2023). Zum Vergleich: 2021 lag dieselbe Pr\u00e4mie zeitweise \u00fcber 20 Prozent annualisiert. Glassnode brachte es in der Analyse &bdquo;Paid to Wait&ldquo; auf den Punkt: Ein Dollar im Carry-Trade verdiene derzeit weniger als ein Dollar, der schlicht in Staatsanleihen liegt (<a href='https:\/\/www.tftc.io\/bitcoin-futures-basis-below-treasury-yields-2026'>TFTC<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Lesart der Positionierung ist diese Kohorte doppelt wichtig. Erstens bl\u00e4hen ihre Shorts das offene Interesse auf, ohne dass auch nur ein Cent auf fallende Kurse gesetzt wird; wer Open Interest mit bearishem Sentiment verwechselt, liest hier falsch. Zweitens sind diese Shorts bei einem geordneten Markt extrem stabil, k\u00f6nnen aber bei einem Liquidit\u00e4tsschock oder einer Margin-Verknappung schlagartig aufgel\u00f6st werden, was dann wie eine Short-Deckung aussieht, ohne je eine Richtungswette gewesen zu sein. Wie fragil der Carry als Einkommensquelle geworden ist und was ihn zur\u00fcckbringen w\u00fcrde, haben wir an anderer Stelle im Detail zerlegt: <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/rebound-ohne-carry-futures-basis-hebel-2026\/'>was die Futures-Basis zur\u00fcckbringt<\/a>.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Kohorte 3, ETF-Allokatoren: Zufluss ist nicht \u00dcberzeugung<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Seit den US-Spot-ETFs ist eine neue Kohorte zum gr\u00f6\u00dften sichtbaren K\u00e4ufer geworden: Allokatoren, die Bitcoin \u00fcber Produkte wie BlackRocks IBIT halten. Das dritte Quartal 2026 brachte den US-Spot-ETFs netto rund 6,3 Milliarden Dollar, davon entfielen etwa 5,1 Milliarden oder 81 Prozent allein auf IBIT, dessen verwaltetes Verm\u00f6gen bis Ende September auf rund 67 Milliarden Dollar stieg (<a href='https:\/\/www.spotedcrypto.com\/bitcoin-etf-q3-2026-inflows-ibit\/'>SpotedCrypto<\/a>). Bitcoin legte im Quartal um 42,71 Prozent zu, das beste Quartal seit dem vierten Quartal 2024.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Reflex ist, diese Zufl\u00fcsse als geballte bullische \u00dcberzeugung zu lesen. Genau davor warnt James Butterfill, Head of Research bei CoinShares. Ein Teil der ETF-Nachfrage, so Butterfill, stamme von Profis, die IBIT als Long-Bein einer abgesicherten Position gegen short gehaltene Bitcoin-Futures kauften, um die Spanne, also genau die oben beschriebene Basis, einzufangen, nicht um eine bullische Meinung auszudr\u00fccken. Der ETF-Zufluss und der Futures-Short sind dann zwei Beine derselben marktneutralen Wette; in der Statistik erscheinen sie als starke Nachfrage plus starkes Short-Interesse, obwohl netto niemand auf die Richtung setzt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die praktische Frage lautet, wie man beide Arten von ETF-Nachfrage auseinanderh\u00e4lt. Ein brauchbares Indiz ist, ob parallel zum ETF-Zufluss das Futures-Short-Interesse steigt: W\u00e4chst beides im Gleichschritt, deutet das auf die Basis-Arbitrage hin, bei der der ETF nur das Long-Bein ist. Bleibt das Short-Interesse flach, w\u00e4hrend die ETFs Kapital aufnehmen, ist die Nachfrage eher direktional und damit z\u00e4her. Genau deshalb ist die blanke Zuflusszahl, so gern sie als Stimmungsbarometer zitiert wird, ohne den Blick auf die Futures-Seite nur die halbe Geschichte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das macht die ETF-Kohorte z\u00e4h, aber nicht so \u00fcberzeugt, wie die Schlagzeilen suggerieren. Ein echter Allokator mit langem Horizont verkauft bei einem Zehn-Prozent-R\u00fccksetzer nicht; ein Carry-Arbitrageur dagegen dreht seine gesamte Position, sobald die Basis kollabiert. Dass sich die Zufl\u00fcsse auch wieder umkehren, zeigte der 1. Oktober: IBIT nahm 195,6 Millionen Dollar ein, Fidelitys FBTC gab 60,7 Millionen ab, netto blieb ein mageres Plus von 102,7 Millionen. Wer wissen will, woran Bitcoin \u00fcber die ETF-Schiene und die Aktienm\u00e4rkte wirklich h\u00e4ngt, findet mehr Kontext in unserer Analyse zur <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/bitcoin-eurostoxx-nasdaq-korrelation-welt-etf-2026\/'>Korrelation mit Nasdaq und Euro Stoxx<\/a>.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Kohorte 4, Treasuries und DATs: der reflexive Hebel<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die vierte Kohorte sind die b\u00f6rsennotierten Bitcoin-Treasuries, oft Digital Asset Treasuries (DATs) genannt: Firmen, die Bitcoin in der Bilanz halten und sich \u00fcber Aktien- und Anleiheemissionen finanzieren. Ihr Hebel ist nicht der Perp, sondern der Kapitalmarkt. Solange ihre Aktie mit einem Aufschlag auf den Nettoinventarwert handelt (mNAV \u00fcber 1), k\u00f6nnen sie Kapital aufnehmen, mehr Bitcoin kaufen und den Bitcoin-pro-Aktie-Wert steigern, ein sich selbst verst\u00e4rkender Kreislauf.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Kreislauf ist reflexiv und kippt, sobald der Aufschlag verschwindet. Die folgende Momentaufnahme von Ende September zeigt, wie unterschiedlich die Pr\u00e4mien inzwischen sind.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Unternehmen<\/th><th>Bitcoin-Bestand<\/th><th>mNAV<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Strategy<\/td><td>846.000 BTC<\/td><td>1,13<\/td><\/tr><tr><td>Strive<\/td><td>n\/a<\/td><td>1,42<\/td><\/tr><tr><td>Metaplanet<\/td><td>43.000 BTC<\/td><td>0,78<\/td><\/tr><tr><td>Twenty One<\/td><td>43.514 BTC<\/td><td>0,73<\/td><\/tr><tr><td>MARA<\/td><td>35.577 BTC<\/td><td>n\/a<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class='wp-element-caption'>Quelle: Upshift, 24. September 2026<\/figcaption><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00e4llt der mNAV unter 1, dreht sich die Mechanik um: Dieselbe Emission, die vorher Wert schuf, verw\u00e4ssert nun den Bitcoin-Bestand pro Aktie, und der Wachstumsmotor stottert (<a href='https:\/\/www.upshift.finance\/blog\/bitcoin-treasury-companies'>Upshift<\/a>). Zwei der f\u00fcnf gelisteten Firmen handelten Ende September bereits unter ihrem rechnerischen Bitcoin-Wert. F\u00fcr die Positionierung hei\u00dft das: Die Treasury-Kohorte ist ein Verst\u00e4rker in beide Richtungen, ein aggressiver K\u00e4ufer mit Aufschlag und ein lahmgelegter oder gar verkaufender Akteur unter Abschlag. Ihre Bitcoin liegen zwar im Spot, nicht im Derivat, aber ihr Finanzierungshebel macht sie zu einer der fragilsten Gruppen im Gesamtbild, und zu einer, die sich anders als ein Perp-Trader nicht \u00fcber Nacht glattstellen l\u00e4sst.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Kohorte 5, systematische Fonds und CTAs: die Momentum-Verst\u00e4rker<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die f\u00fcnfte Kohorte handelt nicht nach Meinung, sondern nach Modell. Systematische Fonds und Commodity Trading Advisors (CTAs) folgen Trend- und Volatilit\u00e4tssignalen: Steigt der Kurs \u00fcber eine Modellschwelle, kaufen sie; dreht die Volatilit\u00e4t, reduzieren sie. Ihr Kapital ist regelbasiert und damit prozyklisch; sie verst\u00e4rken bestehende Bewegungen, statt gegen sie zu stehen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Lesart der Daten sind sie heikel, weil sie dieselben Spuren hinterlassen wie \u00fcberzeugte Longs: steigendes offenes Interesse, anziehendes Volumen, positives Funding. Doch ihre Teilnahme ist bedingt. Ein Trendfolger, der bei 80.000 Dollar long gegangen ist, hat keine Bindung an Bitcoin; sein Modell dreht die Position, sobald der Trend bricht, und zwar unabh\u00e4ngig davon, ob die fundamentale Geschichte unver\u00e4ndert ist. In einem Markt, in dem die Funding-Rate binnen Tagen von drei auf zehn Prozent sprang und das offene Interesse um \u00fcber vier Prozent zulegte, ist ein erheblicher Teil dieses frischen Hebels mit hoher Wahrscheinlichkeit modellgetrieben, nicht \u00fcberzeugungsgetrieben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zweiter Mechanismus versch\u00e4rft das: Viele dieser Strategien steuern ihr Risiko \u00fcber ein Volatilit\u00e4tsziel. Steigt die realisierte Schwankung, reduzieren sie automatisch ihre Position, um das Ziel zu halten, und zwar unabh\u00e4ngig davon, ob der Kurs steigt oder f\u00e4llt. In einem ruhigen Aufw\u00e4rtstrend baut diese Kohorte also Hebel auf, bei der ersten heftigen Bewegung wirft sie ihn ab. Das macht sie zu einem der st\u00e4rksten Beschleuniger genau in dem Moment, in dem der Markt ohnehin unter Stress steht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist der Grund, warum Momentum-Kohorten den \u00dcbergang von einem geordneten in einen fragilen Markt so schwer lesbar machen. Sie liefern die Liquidit\u00e4t und das Volumen, die einen Aufschwung best\u00e4tigen, ziehen sie aber genau dann zur\u00fcck, wenn der Markt sie am dringendsten braucht. Ihre Positionen sind echt, aber ihre Loyalit\u00e4t gilt dem Signal, nicht dem Asset.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Kohorte 6, Retail-Perps: der Treibstoff der Liquidationen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die sechste Kohorte ist die sichtbarste und die am h\u00e4ufigsten missverstandene: Privatanleger an den Perpetual-M\u00e4rkten. Sie handeln Richtung, oft mit zweistelligem Hebel, und sie sind in Summe der Treibstoff, aus dem Liquidationskaskaden gemacht werden. Anders als Basis-Fonds oder Dealer haben sie weder eine Absicherung noch ein preisgleichg\u00fcltiges Motiv; wenn der Kurs gegen sie l\u00e4uft, werden ihre Positionen zwangsweise geschlossen, was den Kurs weiter gegen die n\u00e4chste Kohorte treibt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie gro\u00df dieser Block wirklich ist, l\u00e4sst sich aus den offiziellen Zahlen kaum ablesen, weil B\u00f6rsen Liquidationen massiv untertreiben. Jeff Yan, Mitgr\u00fcnder der Perp-B\u00f6rse Hyperliquid, hat darauf hingewiesen, dass gemeldete Liquidationsvolumina die tats\u00e4chlichen um das bis zu Hundertfache untersch\u00e4tzen k\u00f6nnten (<a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/374311'>The Block<\/a>). Was das im Ernstfall bedeutet, f\u00fchrte der 10. Oktober 2025 vor: An einem einzigen Tag wurden rund 19 Milliarden Dollar an Positionen liquidiert, etwa 1,6 Millionen Konten getroffen, und Bitcoin fiel von 122.574 auf 104.782 Dollar (<a href='https:\/\/www.coingecko.com\/learn\/october-10-crypto-crash-explained'>CoinGecko<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier greift auch das letzte Sicherheitsnetz der B\u00f6rsen, das Auto-Deleveraging (ADL): Reicht der Versicherungsfonds nicht, werden profitable Gegenpositionen zwangsweise geschlossen, um das System auszugleichen. Wie dieses Netz hinter dem Volumen funktioniert und warum ein Teil des Gewinns, den man gerade noch verbucht hat, in Wahrheit nie gedeckt war, haben wir gesondert aufgeschl\u00fcsselt: <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/safu-adl-versicherungsfonds-sicherheitsnetz-2026\/'>das Sicherheitsnetz hinter dem Volumen<\/a>. F\u00fcr den Leser der Positionierung ist die Retail-Perp-Kohorte das klarste Beispiel daf\u00fcr, dass Hebel keine \u00dcberzeugung ist: Je gr\u00f6\u00dfer dieser Block relativ zum Spot-getriebenen Teil, desto brennbarer das Buch.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie schwer dieser Block im aktuellen Buch wiegt, l\u00e4sst sich n\u00e4herungsweise ablesen. Einseitig hohe, positive Funding-Raten, ein stark long-lastiges Verh\u00e4ltnis offener Positionen und ein \u00fcberproportionaler Anteil kleiner Kontogr\u00f6\u00dfen deuten auf einen gro\u00dfen Retail-Perp-Block hin. Treffen diese Merkmale zusammen, ist das Buch brennbar, fast unabh\u00e4ngig vom Preisniveau. Dass Funding und offenes Interesse zum Oktober-Auftakt gemeinsam anzogen, ist deshalb kein beruhigendes, sondern ein mahnendes Signal.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Kohorte 7, Konvexit\u00e4ts-K\u00e4ufer: wenn Skew Angst misst<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die siebte Kohorte kauft keine Richtung, sondern Konvexit\u00e4t: Optionen, deren Wert \u00fcberproportional steigt, wenn sich der Markt heftig bewegt. Ihr Verhalten verr\u00e4t, wof\u00fcr der Markt bereit ist zu zahlen, und das ist oft aussagekr\u00e4ftiger als das reine offene Interesse. Ende September lag das offene Interesse an Bitcoin-Optionen \u00fcber 50 Milliarden Dollar, davon rund 60 Prozent Calls (362.972 BTC) gegen 40 Prozent Puts (242.031 BTC) (<a href='https:\/\/news.bitcoin.com\/market-updates\/bitcoin-derivatives-are-heating-up-traders-want-insurance\/'>Bitcoin.com News<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auf den ersten Blick ein bullisches Bild. Doch die Volumenverteilung erz\u00e4hlte eine andere Geschichte: Puts machten 58,2 Prozent des Handelsvolumens \u00fcber 24 Stunden aus. Mit anderen Worten, w\u00e4hrend der Bestand nach oben ausgerichtet blieb, kaufte der Markt aktiv Absicherung nach unten. Das ist die klassische Signatur eines Marktes, der auf h\u00f6here Kurse wettet, aber die Hand fest am Notausgang h\u00e4lt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das eigentliche Angstbarometer dieser Kohorte ist aber nicht das Verh\u00e4ltnis von Calls zu Puts, sondern der Skew: der Preisunterschied zwischen Puts und Calls gleicher Distanz zum Geld. Ist der 25-Delta-Skew negativ, zahlt der Markt mehr f\u00fcr Absicherung nach unten als f\u00fcr Wetten nach oben, ein klassisches Zeichen von Nervosit\u00e4t. Dreht er ins Positive, jagt der Markt der Aufw\u00e4rtsbewegung hinterher. Weil der Skew unabh\u00e4ngig vom reinen Bestand ist, verr\u00e4t er die Stimmung der Optionsk\u00e4ufer oft fr\u00fcher als jede Open-Interest-Statistik.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dieselbe Doppeldeutigkeit zeigt der Max Pain, jener Strike, an dem die meisten Optionen wertlos verfallen w\u00fcrden, Ende September bei rund 76.000 Dollar auf Deribit und OKX und rund 80.000 Dollar auf Binance, also klar unter dem Spotkurs. Max Pain ist ein beliebter Orientierungspunkt, aber er ist beschreibend, nicht prognostisch; er sagt, wo das Buch sitzt, nicht wohin der Preis muss. Die Konvexit\u00e4ts-Kohorte ist damit die ehrlichste Angstmessung im Markt: Ein positiver Call-Bestand bei gleichzeitig hohem Put-Volumen und negativem Skew ist kein Widerspruch, sondern genau die Mischung aus Hoffnung und Vorsicht, die ein sp\u00e4tzyklischer Markt produziert.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Dasselbe Signal, zwei Lesarten<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Fasst man die sieben Kohorten zusammen, wird klar, warum dieselbe Kennzahl je nach Zusammensetzung das Gegenteil bedeuten kann. Die folgende Tabelle \u00fcbersetzt die g\u00e4ngigsten Positionierungssignale in ihre zwei m\u00f6glichen Lesarten.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Signal<\/th><th>Bullische Lesart (wer dahintersteht)<\/th><th>Fragile Lesart (wer dahintersteht)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Steigendes Open Interest<\/td><td>frisches Spot-\/ETF-gedecktes Kapital<\/td><td>gestapelter Retail-Hebel<\/td><\/tr><tr><td>Positives Funding (rund 10 Prozent)<\/td><td>gesunde Long-Nachfrage<\/td><td>\u00fcberhitzte, gehebelte Longs<\/td><\/tr><tr><td>Hoher Call-Bestand<\/td><td>echte Aufw\u00e4rtswetten<\/td><td>verkaufte Dealer-Calls (Short Gamma) oder Carry-Hedges<\/td><\/tr><tr><td>Gro\u00dfes Short-Interesse<\/td><td>bearishe Wetten<\/td><td>preisgleichg\u00fcltige Basis-Fonds<\/td><\/tr><tr><td>Starke ETF-Zufl\u00fcsse<\/td><td>langfristige Allokation<\/td><td>Long-Bein marktneutraler Arbitrage<\/td><\/tr><tr><td>Ruhiger Kurs an einem Strike<\/td><td>Konsens und Stabilit\u00e4t<\/td><td>Dealer-Gamma-Pinning vor dem Verfall<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Keine Zeile dieser Tabelle l\u00e4sst sich allein aus der Zahl aufl\u00f6sen. Positives Funding von zehn Prozent ist weder gut noch schlecht; es ist der Preis, den Longs an Shorts zahlen, und ob das gesund ist, h\u00e4ngt davon ab, ob die Longs \u00fcberzeugte Allokatoren oder gehebelte Nachz\u00fcgler sind. Deshalb ist die ehrlichste Antwort auf die Frage &bdquo;Was sagt die Positionierung?&ldquo; fast immer eine Gegenfrage: Wer h\u00e4lt sie?<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum die Zusammensetzung die Fragilit\u00e4t bestimmt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die praktische Konsequenz dieser Zerlegung ist eine einzige These: Nicht die H\u00f6he des Hebels entscheidet \u00fcber die Fragilit\u00e4t eines Marktes, sondern seine Zusammensetzung. Ein Buch, das von Spot- und ETF-K\u00e4ufern getragen wird, ist z\u00e4h, weil diese Kohorten bei einem R\u00fccksetzer nicht zu Zwangsverk\u00e4ufen gezwungen sind. Ein Buch, das von Retail-Perps und Momentum-Modellen dominiert wird, ist brennbar, weil jede Abw\u00e4rtsbewegung mechanische Verk\u00e4ufe ausl\u00f6st, die die n\u00e4chste Abw\u00e4rtsbewegung erzeugen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Oktober-Auftakt 2026 ist ein Testfall daf\u00fcr. Dass das offene Interesse um 4,3 Prozent und das Funding von drei auf zehn Prozent sprang, w\u00e4hrend der Kurs lief, deutet darauf hin, dass frischer Hebel zur\u00fcckkehrt, nicht nur Spot-Nachfrage. Das ist nicht automatisch bearish; es hei\u00dft aber, dass der brennbare Anteil des Buches w\u00e4chst. Ob daraus eine gesunde Fortsetzung oder eine Kaskade wird, entscheidet sich an der Frage, ob die ETF- und Spot-Schiene mith\u00e4lt oder ob der Aufschwung zunehmend auf geliehenem Geld steht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Konkret hei\u00dft das f\u00fcr die kommenden Wochen: Solange die ETF-Schiene positiv bleibt und das Short-Interesse der Basis-Fonds den gehebelten Teil abfedert, kann der Markt auch zweistelliges Funding eine Weile verkraften. Kippt dagegen die ETF-Nachfrage ins Negative, w\u00e4hrend das Funding hoch bleibt, steht ein wachsender gehebelter Block ohne stabilisierende Gegenseite da. Das ist die Konstellation, aus der historisch die sch\u00e4rfsten R\u00fccksetzer entstanden sind: nicht ein hoher Hebel an sich, sondern ein hoher Hebel ohne Puffer.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dieselbe Logik verbindet die Krypto-Positionierung mit der Makrolage. Solange die risikofreie Rendite hoch ist, bleibt der Carry-Trade unattraktiv, und die preisstabilisierende Basis-Kohorte d\u00fcnnt aus; f\u00e4llt sie als Puffer weg, wiegt der gehebelte Anteil umso schwerer. Warum eine steiler werdende Zinskurve ausgerechnet verkehrt herum f\u00fcr Bitcoin zum Thema wird, haben wir im Zusammenhang mit dem <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/bear-steepener-zinskurve-anleiherenditen-bitcoin-2026\/'>Bear-Steepener<\/a> beleuchtet. Die Positionierung ist, kurz gesagt, kein isoliertes Krypto-Ph\u00e4nomen, sondern die lokale Auspr\u00e4gung einer globalen Risikobereitschaft.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was das f\u00fcr \u00d6sterreich bedeutet: FMA, MiFID II und 27,5 Prozent<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Anlegerinnen und Anleger in \u00d6sterreich hat die Kohortenfrage auch eine regulatorische und steuerliche Seite. Entscheidend ist zun\u00e4chst eine Abgrenzung, die viele \u00fcbersehen: Krypto-Derivate wie Futures und Perpetuals sind keine Spot-Kryptowerte. Sie gelten als Finanzinstrumente unter MiFID II und werden damit von der Finanzmarktaufsicht (<a href='https:\/\/www.fma.gv.at'>FMA<\/a>) beaufsichtigt, nicht \u00fcber die MiCA-Verordnung, die nur Spot-Kryptowerte und deren Dienstleister (CASPs) erfasst.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auf EU-Ebene hat die ESMA im Februar 2026 klargestellt, dass Krypto-Perpetuals rechtlich als CFDs (Contracts for Difference) einzuordnen sind, unabh\u00e4ngig vom kommerziellen Namen. F\u00fcr Kleinanleger gelten damit die bekannten Produktinterventions-Grenzen: ein Hebel von h\u00f6chstens 2:1, eine Margin-Close-out-Regel bei 50 Prozent, ein Negativsaldo-Schutz und ein verpflichtender Risikohinweis. Ausdr\u00fccklich \u00e4ndert laut ESMA auch ein Funding-Mechanismus oder ein freiwilliger Versicherungsfonds nichts an dieser Einstufung (<a href='https:\/\/www.esma.europa.eu\/sites\/default\/files\/2026-02\/ESMA35-243228190-8024_-_Public_statement_on_derivatives_in_scope_of_the_CFD_product_intervention_measures.pdf'>ESMA<\/a>). Wer also als \u00f6sterreichischer Privatanleger auf einer regulierten EU-Plattform Perps handelt, bekommt bei Weitem nicht die 25- bis 40-fachen Hebel, die auf Offshore-B\u00f6rsen den Retail-Perp-Block aufbl\u00e4hen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Steuerlich fallen Krypto-Gewinne in \u00d6sterreich seit der \u00d6kosozialen Steuerreform 2022 unter den Sondersteuersatz von 27,5 Prozent (\u00a7 27a EStG), und inl\u00e4ndische Dienstleister behalten die Kapitalertragsteuer (KESt) seit 1. J\u00e4nner 2024 automatisch ein (<a href='https:\/\/www.bmf.gv.at\/themen\/steuern\/sparen-veranlagen\/steuerliche-behandlung-von-kryptowaehrungen.html'>BMF<\/a>). Bei Derivaten ist die Einordnung komplexer, weil der Derivate-Teil als Finanzinstrument gesondert zu betrachten ist; die Gr\u00f6\u00dfenordnung von rund 27,5 Prozent auf realisierte Gewinne bleibt f\u00fcr die meisten privaten F\u00e4lle aber der Orientierungswert, w\u00e4hrend Offshore-Plattformen keine KESt einbehalten und die Erkl\u00e4rung beim Anleger liegt. Der heimische Vorzeige-CASP Bitpanda ist \u00fcber die FMA lizenziert; die MiCA-\u00dcbergangsfrist f\u00fcr Bestandsanbieter l\u00e4uft mit 1. Juli 2026 aus, und die ESMA-Leitlinien zum Marktmissbrauch unter MiCA Titel VI greifen in ihrem letzten Teil ab 28. Juli 2026.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Kohortenlesart hat das eine konkrete Folge: Der in \u00d6sterreich erreichbare, regulierte Teil des Perp-Marktes ist strukturell weniger brennbar als das Offshore-Segment, weil der 2:1-Hebel den Retail-Block von vornherein kleiner h\u00e4lt. Wer die Positionierungsdaten gro\u00dfer Offshore-B\u00f6rsen liest und daraus auf das eigene Risiko schlie\u00dft, \u00fcbertr\u00e4gt ein Hebelprofil, das f\u00fcr regulierte EU-Anleger gar nicht gilt. Die Daten bleiben n\u00fctzlich als Marktsignal, aber die Fragilit\u00e4t, die sie anzeigen, sitzt \u00fcberwiegend au\u00dferhalb der FMA-Reichweite.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>So liest man die Kohorten als Anleger<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Aus alldem folgt keine Handelsempfehlung, aber eine Lesehaltung. Wer Positionierungsdaten nutzt, sollte vor jeder Deutung eine kurze Checkliste durchgehen:<\/p><ul class='wp-block-list'><li>Spot oder Hebel? Steigt das offene Interesse zusammen mit ETF-Zufl\u00fcssen und Spot-Volumen, ist der Zuwachs eher z\u00e4h; steigt es allein mit dem Funding, kehrt gehebeltes Risiko zur\u00fcck.<\/li><li>Wer zahlt das Funding? Moderat positives Funding ist normal; zweistellig annualisiertes Funding hei\u00dft, dass Longs zunehmend f\u00fcr ihre Position bezahlen, also ein sp\u00e4tzyklisches Zeichen.<\/li><li>Bestand gegen Volumen. Ein call-lastiger Optionsbestand bei gleichzeitig put-lastigem Volumen ist kein bullisches, sondern ein abgesichertes Signal.<\/li><li>Verfallskalender. Vor gro\u00dfen Optionsverf\u00e4llen kann Dealer-Gamma den Kurs k\u00fcnstlich ruhig halten; nach der Abrechnung steigt die Volatilit\u00e4t oft.<\/li><li>Treasury-Pr\u00e4mien. Rutscht der mNAV gro\u00dfer DATs unter 1, verliert eine ganze K\u00e4ufergruppe ihren Finanzierungshebel.<\/li><li>Makro-Kontext. Hohe risikofreie Zinsen trocknen die stabilisierende Carry-Kohorte aus und erh\u00f6hen so das relative Gewicht des gehebelten Teils.<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Fragen \u00e4ndern nichts an den Zahlen, aber sie \u00e4ndern, was die Zahlen bedeuten. Der n\u00e4chste Datenpunkt, der diese Lesart auf die Probe stellt, ist ohnehin makro\u00f6konomisch: Der n\u00e4chste US-Inflationsbericht steht Mitte Oktober an, und wie Bitcoin davor positioniert ist, h\u00e4ngt wie immer weniger an der Schlagzeile als an der Zusammensetzung des Buches, wie wir mit Blick auf die <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/teuerung-reinflation-cpi-14-oktober-bitcoin-2026\/'>Teuerung vor dem CPI am 14. Oktober<\/a> ausgef\u00fchrt haben. Positionierung ist eine Verteilung, keine Zahl, und wer sie als Verteilung liest, wird seltener vom selben Signal in zwei Richtungen get\u00e4uscht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Was bedeutet Derivate-Positionierung \u00fcberhaupt?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Begriff fasst zusammen, wie Marktteilnehmer \u00fcber Futures, Perpetuals und Optionen aufgestellt sind: wie hoch das offene Interesse ist, in welche Richtung die Funding-Rate zeigt, wie sich Calls und Puts verteilen und wo der Max Pain liegt. Entscheidend ist, dass diese Kennzahlen f\u00fcr sich genommen mehrdeutig sind; ihre Bedeutung ergibt sich erst daraus, welche Kohorte die Positionen h\u00e4lt.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum ist ein hoher Call-Bestand nicht automatisch bullisch?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein gro\u00dfer Call-Bestand kann echte Aufw\u00e4rtswetten widerspiegeln, aber ebenso Calls, die Market Maker verkauft haben und nun absichern m\u00fcssen, oder das Long-Bein einer marktneutralen Basis-Position. Ende September standen rund 60 Prozent Calls einem Put-Anteil von 58,2 Prozent am Handelsvolumen gegen\u00fcber, der Markt kaufte also gleichzeitig Absicherung nach unten.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was hei\u00dft es, wenn die Funding-Rate auf zehn Prozent steigt?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Positives Funding bedeutet, dass Long-Positionen laufend an Short-Positionen zahlen, ein Zeichen von Nachfrage nach Hebel. Moderate Werte sind normal; ein Sprung von rund drei auf zehn Prozent annualisiert binnen Tagen, wie Anfang Oktober 2026, deutet auf zur\u00fcckkehrenden gehebelten Risikoappetit hin und erh\u00f6ht den brennbaren Anteil des Buches.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie werden Krypto-Derivate in \u00d6sterreich reguliert und besteuert?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Krypto-Derivate gelten als Finanzinstrumente unter MiFID II und werden von der FMA beaufsichtigt, nicht \u00fcber MiCA. F\u00fcr Kleinanleger gilt bei Perpetuals (rechtlich CFDs) ein Hebel von h\u00f6chstens 2:1. Krypto-Gewinne unterliegen in \u00d6sterreich grunds\u00e4tzlich dem Sondersteuersatz von 27,5 Prozent, wobei inl\u00e4ndische Plattformen die KESt seit 1. J\u00e4nner 2024 automatisch einbehalten.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist der Unterschied zwischen einem Basis-Fonds und einem gehebelten Privatanleger?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Beide erscheinen im offenen Interesse, aber sie sind das genaue Gegenteil. Ein Basis-Fonds ist Delta-neutral (long Spot gegen short Futures) und hat keine Richtungsmeinung; er verkauft bei einem Kursrutsch nicht. Ein gehebelter Privatanleger wettet auf die Richtung und wird bei einer Gegenbewegung zwangsliquidiert. 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