{"id":543,"date":"2026-10-04T20:41:31","date_gmt":"2026-10-04T20:41:31","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/at\/ethena-usde-perp-funding-rendite-2026\/"},"modified":"2026-10-04T20:41:31","modified_gmt":"2026-10-04T20:41:31","slug":"ethena-usde-perp-funding-rendite-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/at\/ethena-usde-perp-funding-rendite-2026\/","title":{"rendered":"Ethena und der Perp-Zins: woher die Rendite von USDe kommt"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Oktober hat f\u00fcr Bitcoin freundlich begonnen. Anfang des Monats kletterte der Kurs \u00fcber 86.500 US-Dollar (rund 77.000 Euro), das Open Interest an den Perpetual-Futures legte binnen zwei Tagen um 2,3 Milliarden Dollar zu, und der Funding-Zins sprang von etwa 3 auf 10 Prozent auf Jahresbasis. H\u00e4ndler zahlen also wieder sp\u00fcrbar daf\u00fcr, long zu bleiben, wie <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/markets\/2026\/10\/02\/why-rising-perpetual-funding-rates-signal-growing-bullish-leverage-as-bitcoin-crosses-usd86-500'>CoinDesk<\/a> dokumentiert. Fast unbemerkt fiel in dieselbe Woche ein zweites Datum, das mehr \u00fcber diesen unsichtbaren Zins verr\u00e4t als jede einzelne Kurskerze.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Am 30. September 2026 drehte Ethena die letzten Token-Subventionen ab. Seither ruht die Rendite des synthetischen Dollars USDe auf genau zwei Beinen, von denen das wichtigere der Perp-Funding-Zins ist. Wer verstehen will, was Funding eigentlich ist und wem es n\u00fctzt, schaut am besten auf den gr\u00f6\u00dften strukturellen Ernter dieses Zinses. Ethena ist heuer das lebende Lehrst\u00fcck daf\u00fcr, wie aus einer Zahlung zwischen Long und Short eine Rendite wird, und wie schnell dieselbe Mechanik zum Risiko kippt.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Der unsichtbare Zins, den ein ganzer Dollar braucht<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Perpetual Future, kurz Perp, ist ein Terminkontrakt ohne Verfallsdatum. Damit sein Preis nicht dauerhaft vom Spotmarkt abdriftet, gibt es den Funding-Zins: eine Ausgleichszahlung, die in festen Abst\u00e4nden (an den meisten B\u00f6rsen alle acht Stunden) zwischen Long- und Short-Positionen flie\u00dft. Notiert der Perp \u00fcber dem Spotpreis, ist die Stimmung also long-lastig, zahlen die Longs an die Shorts; notiert er darunter, zahlen die Shorts. Der Funding-Zins ist damit kein Geb\u00fchrenmodell der B\u00f6rse, sondern ein Transfer von einer Marktseite zur anderen, der die Herde immer wieder an den Spotpreis zur\u00fcckbindet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die allermeisten Anlegerinnen und Anleger ist dieser Zins l\u00e4stiges Kleingedrucktes. F\u00fcr ein einziges Produkt ist er das gesamte Gesch\u00e4ftsmodell. Ethena baut mit USDe einen synthetischen Dollar, dessen Rendite fast ausschlie\u00dflich daraus entsteht, dass das Projekt dauerhaft auf der Short-Seite der Perps sitzt und das Funding kassiert. Steigt der Zins, wie heuer zum Monatswechsel, steigt die Ernte. Dreht er ins Minus, wird aus der Einnahme eine Ausgabe. USDe ist damit die vielleicht reinste Wette darauf, dass die Longs auf lange Sicht mehr zahlen als die Shorts.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Delta-neutral: die Maschine hinter USDe<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grundidee ist alt und stammt aus dem klassischen Terminhandel. Ethena h\u00e4lt f\u00fcr jeden ausgegebenen USDe einen Korb an Sicherheiten (liquide Staking-Token, Bitcoin, Stablecoins und zuletzt verst\u00e4rkt kurzfristige Dollar-Reserven) und er\u00f6ffnet gleichzeitig eine Short-Position an Perpetual-Futures im selben Nominalwert. F\u00e4llt der Kurs des hinterlegten Ethereum um zehn Prozent, verliert die Sicherheit zehn Prozent an Dollarwert; die Short-Position gewinnt im Gegenzug ungef\u00e4hr gleich viel. Der Dollarwert des Gesamtpakets bleibt also stabil, egal wohin der Markt l\u00e4uft. Fachleute nennen das delta-neutral: Das Marktrisiko ist herausgerechnet, \u00fcbrig bleibt der Zins.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Was bleibt, sind genau zwei Ertragsquellen. Erstens die Staking-Rendite auf jene Sicherheiten, die selbst etwas abwerfen, etwa gestaktes Ethereum. Zweitens der Funding-Zins, den die Short-Position einstreicht, solange die Longs zahlen. Dieser zweite Posten ist der eigentliche Motor. In ruhigen, optimistischen Phasen tr\u00e4gt er den L\u00f6wenanteil der Rendite; in nerv\u00f6sen, fallenden M\u00e4rkten kann er versiegen oder sich umkehren. Ethena ist damit kein Kreditgesch\u00e4ft und keine Bank, sondern eine industrialisierte Version eines Trades, den professionelle Marktteilnehmer seit Jahren fahren.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Zwei Beine, ein Zins: woher die Rendite kommt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist die Unterscheidung zweier Token. USDe selbst ist der synthetische Dollar; wer ihn nur h\u00e4lt, bekommt keine Rendite. Erst wer USDe in sUSDe tauscht, also staket, nimmt am Ertrag teil. sUSDe ist damit die verzinste Variante, deren Wert gegen\u00fcber USDe langsam steigt, w\u00e4hrend die Ertr\u00e4ge auflaufen. Ende September lag die Jahresrendite von sUSDe laut <a href='https:\/\/cryptoticker.io\/en\/ethena-usde-incentives-end\/'>cryptoticker<\/a> bei rund 5 Prozent, bei etwa 1,3 Milliarden Dollar an gestaktem Bestand und einem USDe-Umlauf von knapp 4,9 Milliarden Dollar.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese rund 5 Prozent sind kein Versprechen, sondern eine Momentaufnahme. Sie setzen sich aus den beiden genannten Beinen zusammen, und beide schwanken. Die Staking-Rendite folgt dem, was Ethereum-Validatoren gerade abwerfen, grob im Bereich von drei bis vier Prozent. Das Funding-Bein ist das wilde: In euphorischen Phasen kann es zweistellig werden, in Panikphasen auf null fallen oder ins Minus drehen. Die folgende Tabelle zeigt, worauf die Rendite von sUSDe tats\u00e4chlich steht.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Renditebein<\/th><th>Quelle<\/th><th>Gr\u00f6ssenordnung 2026<\/th><th>Bedingung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Staking<\/td><td>Ertr\u00e4ge der hinterlegten Sicherheiten (etwa gestaktes ETH)<\/td><td>rund 3 bis 4 Prozent pro Jahr<\/td><td>h\u00e4ngt am Proof-of-Stake-Ertrag<\/td><\/tr><tr><td>Funding<\/td><td>Short-Bein der Perpetual-Futures<\/td><td>stark schwankend, positiv wenn die Longs zahlen<\/td><td>bricht weg oder kehrt sich um, sobald die Shorts zahlen m\u00fcssen<\/td><\/tr><tr><td>ENA-Subvention<\/td><td>Token-Aussch\u00fcttung von Ethena<\/td><td>seit 1. Oktober 2026: null<\/td><td>am 30. September 2026 eingestellt<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class='wp-block-table__figcaption'>Woraus sich die Rendite von sUSDe speist. Quellen: Ethena-Dokumentation, cryptoticker.<\/figcaption><\/figure><h2 class=\"wp-block-heading\">Der 30. September: Schluss mit den St\u00fctzr\u00e4dern<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Jahrelang bekamen USDe- und sUSDe-Halter zus\u00e4tzlich zur Marktrendite noch ENA zugeteilt, den hauseigenen Governance-Token. Diese Aussch\u00fcttungen waren ein Wachstumsinstrument: Sie lie\u00dfen die Rendite optisch \u00fcppiger wirken und zogen Kapital an. Am 30. September 2026 endeten sie. Die Zuteilungen waren laut cryptoticker ohnehin seit dem Airdrop von 2024 um rund 85 Prozent geschrumpft; insgesamt hat Ethena seit dem Start mehr als 750 Millionen Dollar an Belohnungen verteilt. Seit 1. Oktober gilt: Was in der Rendite steht, hat der Markt verdient, nicht die Token-Druckerpresse.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist aus Anlegersicht ein ehrlicheres Produkt, aber auch ein n\u00fcchterneres. Ohne Subvention ist die Schlagzeilen-Rendite von sUSDe exakt das, was Staking plus Funding hergeben, nicht mehr. Wer heuer \u00fcber f\u00fcnf oder sechs Prozent auf einen Dollar-Token liest, sollte deshalb zuerst fragen, aus welchem Topf das kommt. Bei USDe ist die Antwort klar: zu einem erheblichen Teil aus dem Perp-Funding, also aus den Taschen der gehebelten Longs. Das verkn\u00fcpft die Rendite direkt mit der Risikobereitschaft am Terminmarkt, und die ist bekanntlich launisch.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Wer die Ernte bezahlt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Funding ist ein Nullsummenspiel. Jeder Dollar, den Ethenas Short-Bein einnimmt, stammt von einer Long-Position, die genau diesen Dollar zahlt. In der Praxis sind das \u00fcberwiegend Privatanleger, die mit Hebel auf steigende Kurse setzen und bereit sind, f\u00fcr diesen Hebel laufend zu zahlen. Laut dem Q2-Derivatebericht von <a href='https:\/\/www.bitmex.com\/blog\/2026q2-derivatives-report'>BitMEX<\/a> (Analyst Shang Wu) l\u00e4uft das Funding auf On-Chain-Plattformen strukturell hei\u00dfer als an den gro\u00dfen zentralen B\u00f6rsen, weil die Kundschaft dort \u00fcberwiegend retail-gepr\u00e4gt, on-chain aktiv und strukturell long sei. Genau dieser Dauer-Long-Bias ist Ethenas Rohstoff.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Damit sitzt Ethena auf der Gegenseite der Masse, ohne je selbst auf den Kurs zu wetten. Wer wissen will, welche Kohorten am Terminmarkt gegeneinanderstehen und warum dasselbe Signal je nach Zusammensetzung Gegenteiliges bedeuten kann, findet das in unserer Analyse dazu, <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/derivate-positionierung-gegenseite-kohorten-2026\/'>wer auf der Gegenseite sitzt<\/a>. F\u00fcr Ethena z\u00e4hlt nur eines: Solange der Saldo dieser Zahlungen positiv ist, flie\u00dft Rendite. Die n\u00e4chste Tabelle \u00fcbersetzt die vier typischen Funding-Regime in das, was sie f\u00fcr den synthetischen Dollar bedeuten.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Funding-Regime<\/th><th>Wer zahlt<\/th><th>Ethenas Short-Bein<\/th><th>Folge f\u00fcr die sUSDe-Rendite<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Stark positiv<\/td><td>gehebelte Longs, reichlich<\/td><td>hohe Einnahme<\/td><td>zweistellig m\u00f6glich<\/td><\/tr><tr><td>Leicht positiv<\/td><td>Longs, moderat<\/td><td>solide Einnahme<\/td><td>Staking plus etwas Zins<\/td><\/tr><tr><td>Null<\/td><td>niemand<\/td><td>nur das Staking tr\u00e4gt<\/td><td>Rendite f\u00e4llt auf das Staking-Niveau<\/td><\/tr><tr><td>Negativ<\/td><td>die Shorts, also Ethena selbst<\/td><td>Kostenstelle<\/td><td>Rendite kann unter null rutschen, Puffer n\u00f6tig<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class='wp-block-table__figcaption'>Wie die Funding-Lage die Ernte von Ethena bestimmt.<\/figcaption><\/figure><h2 class=\"wp-block-heading\">Wenn der Zins dreht: der Stresstest<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Normalfall am Kryptomarkt ist positives Funding: Die Gier \u00fcberwiegt, die Longs zahlen, Ethena kassiert. Garantiert ist das aber nicht. Dreht die Stimmung, dr\u00e4ngen also mehr Trader auf die Short-Seite, kann der Funding-Zins negativ werden. Dann zahlen die Shorts an die Longs, und Ethenas ertragreichstes Bein wird zur Kostenstelle. Die eigene <a href='https:\/\/docs.ethena.fi\/solution-overview\/risks\/funding-risk'>Risikodokumentation von Ethena<\/a> benennt das offen als zentrales Risiko. Historisch war negatives Funding kein Dauerzustand: \u00dcber mehrere Jahre summierten sich die Minustage auf grob ein Sechstel aller Tage, die l\u00e4ngste zusammenh\u00e4ngende Negativ-Strecke lag bei etwa 13 Tagen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist also nicht, ob das Funding mal ins Minus dreht, sondern wie lange. Kurze Negativphasen \u00fcberbr\u00fcckt Ethena aus Reserven. Ein langer, tiefer Minuszins dagegen frisst zuerst die Rendite, dann den Puffer. Und solche Phasen treten ausgerechnet dann auf, wenn der Markt f\u00e4llt, die Nerven blank liegen und ohnehin viele aus USDe aussteigen wollen. Die Mechanik, die in guten Zeiten Geld druckt, arbeitet in schlechten Zeiten gegen das Produkt. Das ist kein Konstruktionsfehler, sondern die Kehrseite jeder Carry-Strategie.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Oktober 2025: Entkopplung oder Infrastruktur-Panne?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Den h\u00e4rtesten Praxistest erlebte das Modell am 11. Oktober 2025. W\u00e4hrend eines marktweiten Crashs, bei dem rund 19 Milliarden Dollar an Hebelpositionen liquidiert wurden, fiel USDe auf der B\u00f6rse Binance kurzzeitig auf etwa 0,65 Dollar (<a href='https:\/\/www.netcoins.com\/blog\/ethenas-usde-depeg-an-overview-and-its-relation-to-the-ena-token'>netcoins<\/a>). Auf dezentralen Handelspl\u00e4tzen wie Curve und Uniswap hielt der Token dagegen nahezu seine Parit\u00e4t bei rund 0,99 Dollar, und R\u00fccknahmen \u00fcber die Smart Contracts von Ethena liefen weiter zu einem Dollar.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Was nach einem klassischen Stablecoin-Kollaps aussah, war vor allem eine Preis-Panne an einem einzigen Ort. Binance st\u00fctzte sich beim USDe-Kurs allein auf das eigene, in der Panik d\u00fcnne Orderbuch, nicht auf einen externen Orakelpreis; ein- und ausgehende Transfers stockten. Ethena-Gr\u00fcnder Guy Young stellte danach klar, Mint und Redeem h\u00e4tten durchgehend funktioniert: Binnen 24 Stunden seien mehr als zwei Milliarden Dollar ausbezahlt worden, \u00fcber neun Milliarden Dollar an Sicherheiten seien sofort verf\u00fcgbar gewesen. Auch <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/markets\/2025\/10\/13\/no-ethena-s-usde-didn-t-de-peg'>CoinDesk<\/a> kam zum Schluss, dass USDe im eigentlichen Sinn nicht entkoppelt war. Wie leicht Kurse je nach Handelsplatz auseinanderlaufen, zeigt dabei auch unsere Analyse dazu, <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/krypto-handelsvolumen-2026-wash-trading-dex-cex\/'>wie echt Krypto-Handelszahlen \u00fcberhaupt sind<\/a>.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Der Vertrauensverlust in Zahlen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Preis erholte sich schnell, das Kapital nicht. Rund um den 4. Oktober 2025, also fast genau ein Jahr vor dem heutigen Datum, hatte der USDe-Umlauf mit knapp 15 Milliarden Dollar seinen H\u00f6chststand erreicht. Seither ist er auf unter f\u00fcnf Milliarden geschrumpft. Cointelegraph beziffert den R\u00fcckgang seit dem Oktober-Crash auf rund 8,3 Milliarden Dollar und spricht von einem Vertrauensverlust (<a href='https:\/\/www.tradingview.com\/news\/cointelegraph:4bc2a9faa094b:0-ethena-s-usde-loses-8-3b-since-october-crash-amid-loss-of-confidence\/'>Cointelegraph<\/a>). Das Modell hat also gehalten, die Nutzer sind trotzdem gegangen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr ein funding-getriebenes Produkt ist das doppelt heikel. Eine kleinere Kapitalbasis bedeutet weniger Short-Nominale, auf das Funding einl\u00e4uft, und damit in absoluten Zahlen weniger Ertrag. Gleichzeitig ist die verbliebene Basis krisenerprobter und klebriger. Die spannende Frage f\u00fcr 2026 lautet deshalb nicht, ob USDe technisch funktioniert (das tut es), sondern ob der synthetische Dollar nach dem Wegfall der Token-Anreize wieder w\u00e4chst oder ob die Schrumpfung weitergeht. Der Markt wird das an der Rendite ablesen: Bleibt sie konkurrenzf\u00e4hig, kehrt Kapital zur\u00fcck; f\u00e4llt sie, beschleunigt der Abfluss.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Der Versicherungsfonds: Puffer gegen Minuszinsen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen die Gefahr negativen Fundings hat Ethena ein Sicherheitsnetz: einen Reserve- oder Versicherungsfonds, der einen Teil der Einnahmen aus guten Zeiten zur\u00fcckh\u00e4lt, um schlechte abzufedern. Dreht das Funding ins Minus, kann das Protokoll die ausgewiesene Rendite aus diesem Topf st\u00fctzen, statt sie sofort auf null fallen zu lassen. Im M\u00e4rz 2026 lag der Fonds bei rund 61 Millionen Dollar, bei einem Umlauf von damals etwa 5,6 Milliarden Dollar; das entspricht gut einem Prozent der Deckung. Der Analysedienst CryptoQuant mahnt USDe-Haltende ausdr\u00fccklich, genau diesen Reservefonds im Auge zu behalten (<a href='https:\/\/finance.yahoo.com\/news\/usde-holders-monitor-ethenas-fund-081043411.html'>Yahoo Finance<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Prozent klingt nach wenig, und gemessen an einem wochenlangen Extremszenario ist es das auch. Der Fonds ist f\u00fcr normale Dellen gebaut, nicht f\u00fcr einen Dauer-B\u00e4renmarkt mit anhaltend negativem Funding. Diese Logik kennen Trader von zentralisierten B\u00f6rsen: Dort federn Versicherungsfonds und automatische Entschuldung die Verluste ab, bis das Netz rei\u00dft. Wie solche Sicherungsmechanismen hinter dem Handel funktionieren und wo ihre Grenzen liegen, haben wir am Beispiel von <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/safu-adl-versicherungsfonds-sicherheitsnetz-2026\/'>SAFU und ADL<\/a> beschrieben. F\u00fcr USDe gilt dasselbe Prinzip: Der Puffer verschafft Zeit, er schafft das Risiko nicht ab.<\/p><h2 class=\"wp-block-heading\">Reflexivit\u00e4t: warum Gr\u00f6\u00dfe selbst zum Risiko wird<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt ein zweites, subtileres Problem, und es hat nichts mit einem Hack oder einem Betrug zu tun, sondern mit schierer Gr\u00f6\u00dfe. Je mehr USDe im Umlauf ist, desto mehr Short-Positionen muss Ethena offen halten. Diese Shorts dr\u00fccken selbst auf den Funding-Zins: Viel zus\u00e4tzliches Short-Interesse verringert tendenziell genau jene Pr\u00e4mie, von der das Produkt lebt. Ethena kann also, wenn es zu gro\u00df wird, die eigene Rendite verw\u00e4ssern. Und im Abschwung kehrt sich die Mechanik um: Wollen viele gleichzeitig USDe zur\u00fcckgeben, muss das Protokoll seine Shorts aufl\u00f6sen, also in einen fallenden Markt hinein zur\u00fcckkaufen, was den Stress zus\u00e4tzlich verst\u00e4rkt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese R\u00fcckkopplung hat einen Namen, den die Wissenschaft ernst nimmt. In einem vielzitierten Arbeitspapier der Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungsausgleich kommen die \u00d6konomen Maik Schmeling, Andreas Schrimpf und Karamfil Todorov zum Schluss, dass ein hoher Krypto-Carry k\u00fcnftige Kurseinbr\u00fcche vorhersagt (<a href='https:\/\/www.bis.org\/publ\/work1087.htm'>BIS Working Paper 1087<\/a>). Im Schnitt liege die Carry-Rendite \u00fcber zehn Prozent pro Jahr, in Spitzen nahe sechzig. \u00dcbersetzt hei\u00dft das: Die fette Funding-Ernte ist kein Gratis-Mittagessen, sondern die Bezahlung f\u00fcr genau das Crash-Risiko, das sie am Ende selbst mit ausl\u00f6sen kann. Die folgende Tabelle b\u00fcndelt die Risiken, die unter dem synthetischen Dollar liegen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Risiko<\/th><th>Mechanik<\/th><th>Puffer oder Gegenma\u00dfnahme<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Negatives Funding<\/td><td>Short-Bein wird zur Kostenstelle<\/td><td>Versicherungsfonds, Umschichtung in Stablecoins<\/td><\/tr><tr><td>Gegenpartei und Verwahrung<\/td><td>Shorts liegen auf B\u00f6rsen, deren Ausfall die Deckung trifft<\/td><td>Verteilung auf mehrere Pl\u00e4tze, Off-Exchange-Settlement<\/td><\/tr><tr><td>Liquidit\u00e4t und Entkopplung<\/td><td>d\u00fcnne Orderb\u00fccher lassen den Kurs lokal abst\u00fcrzen<\/td><td>direkte R\u00fccknahme zu einem Dollar \u00fcber Smart Contracts<\/td><\/tr><tr><td>Reflexivit\u00e4t<\/td><td>R\u00fccknahmen erzwingen Short-Aufl\u00f6sung im fallenden Markt<\/td><td>kaum, nur Gr\u00f6\u00dfendisziplin und Reserven<\/td><\/tr><tr><td>Regulatorik<\/td><td>kein MiCA-Stablecoin, R\u00fcckzug aus der EU<\/td><td>Offshore-Struktur, offene Rechtsfragen<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class='wp-block-table__figcaption'>Das Risiko-B\u00fcndel hinter USDe. Nicht jedes Risiko ist gleich wahrscheinlich, aber jedes ist real.<\/figcaption><\/figure>@@CONTENT@@","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 30. September zahlt Ethena keine Token mehr drauf. Die Rendite von USDe h\u00e4ngt jetzt allein am Staking und am Perp-Funding, dem unsichtbaren Zins der Krypto-M\u00e4rkte.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":544,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-543","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-markets"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/543","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=543"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/543\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/544"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=543"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=543"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=543"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}