{"id":598,"date":"2026-10-11T12:48:46","date_gmt":"2026-10-11T12:48:46","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/at\/banken-stablecoin-emittenten-qivalis-genius-2026\/"},"modified":"2026-10-11T12:48:46","modified_gmt":"2026-10-11T12:48:46","slug":"banken-stablecoin-emittenten-qivalis-genius-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/at\/banken-stablecoin-emittenten-qivalis-genius-2026\/","title":{"rendered":"Jetzt pr\u00e4gt die Bank: Euro-Stablecoin, Qivalis und GENIUS"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Jahr lang drehte sich die Debatte \u00fcber Banken und Krypto um ein einziges Wort: Verwahrung. Wer h\u00e4lt die Schl\u00fcssel, wer haftet, wer darf Bitcoin f\u00fcr Kundinnen und Kunden lagern. Heuer im Herbst hat sich die Frage verschoben. Banken verwahren nicht mehr nur fremdes Krypto, sie geben zunehmend ihr eigenes digitales Geld aus. Aus der Frage, <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/banken-krypto-verwahrung-usa-europa-2026\/'>wer die Schl\u00fcssel verwahrt<\/a>, wird die Frage, wer das Geld ausgibt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Ereignisse markieren den Wechsel. In Europa haben sich bis Mai heuer 37 Banken aus 15 L\u00e4ndern unter dem Namen Qivalis zusammengeschlossen, um einen regulierten Euro-Stablecoin herauszugeben; mit der Erste Group und der Raiffeisen Bank International sind zwei der gr\u00f6\u00dften heimischen Institute an Bord. In den USA ist der GENIUS Act Ende September vom Gesetzestext zur bindenden Verordnung geworden: Das US-Finanzministerium ver\u00f6ffentlichte am 30. September heuer die erste sofort wirksame Durchf\u00fchrungsregel, und die Bankenaufsicht OCC will bis November die finalen Vorschriften vorlegen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist mehr als eine Fu\u00dfnote im Krypto-Jahr. Ein Stablecoin, den eine Bank ausgibt, ist kein spekulatives Token, sondern ein tokenisiertes Zahlungsversprechen auf Euro oder Dollar, hinterlegt mit echten Reserven und jederzeit zum Nennwert einl\u00f6sbar. Wer ihn ausgeben darf, unter welchen Regeln und mit welcher Deckung, entscheidet mit dar\u00fcber, wer in den n\u00e4chsten Jahren das digitale Bargeld der Wirtschaft stellt. Dieser Beitrag ordnet ein, warum Banken diesseits und jenseits des Atlantiks fast gleichzeitig zu Emittenten werden, wie sich die beiden Regelb\u00fccher unterscheiden und was der FMA-beaufsichtigte \u00f6sterreichische Markt davon hat.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Vom Verwahrer zum Emittenten: die neue Rolle der Bank<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Um zu verstehen, was neu ist, hilft eine simple Dreiteilung. Eine Bank kann mit Krypto grunds\u00e4tzlich dreierlei tun: es halten, es verwahren oder selbst eines ausgeben. Diese drei T\u00e4tigkeiten sind aufsichtsrechtlich grundverschieden, und genau diese Unterscheidung ist der Schl\u00fcssel zum heurigen Umbruch.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das <strong>Halten<\/strong> von Bitcoin oder Ether auf eigene Rechnung ist f\u00fcr eine Bank die teuerste Variante. Der Baseler Standard bestraft ungedeckte Kryptowerte mit einem Risikogewicht von 1.250 Prozent, was praktisch eine Eigenkapitalunterlegung von eins zu eins bedeutet. Keine Aktie, keine Hochzinsanleihe wird so hart behandelt. Das <strong>Verwahren<\/strong> dagegen, also das Lagern fremder Coins gegen Geb\u00fchr, belastet die Bilanz kaum und war der Einstieg, den die meisten Institute zuerst w\u00e4hlten. Dieser Geb\u00fchrenmarkt ist dank des institutionellen Nachfrageschubs der vergangenen zwei Jahre, sichtbar etwa an der <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/etf-flows-ein-jahr-nach-rekord-rundreise-2026\/'>Rundreise der ETF-Milliarden<\/a>, l\u00e4ngst etabliert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das <strong>Ausgeben<\/strong> eines Stablecoins ist die dritte, neue Kategorie, und sie passt in keine der ersten beiden Schubladen. Ein Euro- oder Dollar-Token ist kein volatiler Kryptowert, der Eigenkapital frisst, sondern ein elektronisches Geldinstrument: voll gedeckt, zinslos, auf Abruf r\u00fccktauschbar. F\u00fcr die Bank ist es ein Zahlungsprodukt mit ihrem Namen darauf, eine Verbindlichkeit in der eigenen Bilanz, kein Handelsbestand. Dass beide gro\u00dfen Rechtsr\u00e4ume heuer fast zeitgleich ein Regelwerk daf\u00fcr scharf geschaltet haben, der GENIUS Act in den USA und die MiCA-Verordnung in der EU, erkl\u00e4rt, warum die Banken genau jetzt vom Rand in die Mitte dieses Marktes r\u00fccken.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Qivalis: 37 Banken, ein Euro-Token und zwei \u00d6sterreicher<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Das europ\u00e4ische Gesicht dieser Entwicklung hei\u00dft Qivalis. Hinter dem Namen steht ein Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in Amsterdam, im September 2025 gegr\u00fcndet und am 2. Dezember 2025 \u00f6ffentlich vorgestellt. Den Anfang machten neun Institute, kurz darauf kamen BNP Paribas und die irische Citigroup-Einheit dazu, Anfang Februar heuer BBVA. Den gro\u00dfen Sprung brachte der 20. Mai: An diesem Tag traten laut der <a href='https:\/\/qivalis.eu\/press\/news\/qivalis-more-than-triples-in-size-as-25-new-banks-join-the-consortium-accelerating-institutional-shift-towards-a-fully-regulated-euro-stablecoin'>Mitteilung des Konsortiums<\/a> 25 weitere Banken bei, womit sich die Zahl auf 37 H\u00e4user aus 15 L\u00e4ndern mehr als verdreifachte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr \u00f6sterreichische Leserinnen und Leser ist die Mitgliederliste das eigentlich Bemerkenswerte. Die Raiffeisen Bank International geh\u00f6rte zum Gr\u00fcndungskreis, die Erste Group kam in der Mai-Runde dazu. Damit stehen zwei der gr\u00f6\u00dften heimischen Banken hinter einem Projekt, das den Euro als programmierbares Token auf die Blockchain bringen will. Daneben finden sich Schwergewichte wie ING, UniCredit, CaixaBank, Danske Bank, KBC, SEB, DekaBank und DZ Bank sowie, aus der Mai-Welle, ABN Amro, Intesa Sanpaolo, Nordea, Rabobank und die National Bank of Greece.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Qivalis beantragt bei der niederl\u00e4ndischen Zentralbank De Nederlandsche Bank eine Lizenz als E-Geld-Institut; erteilt ist sie noch nicht. Erst mit ihr darf das Token nach den Regeln der EU-Verordnung MiCA ausgegeben werden. Der geplante Start liegt in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2026, also in dem Fenster, in dem wir uns gerade befinden, abh\u00e4ngig von der Freigabe aus Amsterdam. Hinterlegt werden soll jeder Token eins zu eins mit Euro, ein Teil als Einlagen bei Banken, der Rest in kurzlaufenden Staatsanleihen mehrerer Euro-L\u00e4nder, um die Abh\u00e4ngigkeit von einem einzigen Staat zu vermeiden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Qivalis-Chef Jan-Oliver Sell nannte die Erweiterung auf 37 Mitglieder einen &bdquo;gewaltigen Sprung hin zu einem offenen und regelkonformen On-Chain-\u00d6kosystem f\u00fcr den Euro&ldquo;. Die Sto\u00dfrichtung hatte er zuvor in einem <a href='https:\/\/www.forbes.com\/sites\/christerholloman\/2026\/03\/09\/european-banks-launch-their-own-stablecoin-as-hedge-against-america\/'>Forbes-Gespr\u00e4ch<\/a> noch deutlicher gemacht: F\u00fcr europ\u00e4ische Institute sei es nicht nachhaltig, sich bei der Abwicklung von Transaktionen allein auf den Dollar zu verlassen. Europa, so Sell, laufe Gefahr einer &bdquo;digitalen Dollarisierung&ldquo;. Genau dieser Satz ist der Schl\u00fcssel zur n\u00e4chsten Frage: Warum kommt der Bank-Euro-Token ausgerechnet jetzt?<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Merkmal<\/th><th>Qivalis im \u00dcberblick<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Rechtsform<\/td><td>Gemeinschaftsunternehmen der Konsortialbanken<\/td><\/tr><tr><td>Sitz<\/td><td>Amsterdam<\/td><\/tr><tr><td>Aufsicht<\/td><td>De Nederlandsche Bank (DNB)<\/td><\/tr><tr><td>Lizenz<\/td><td>E-Geld-Institut unter MiCA, Antrag l\u00e4uft<\/td><\/tr><tr><td>Mitglieder<\/td><td>37 Banken aus 15 EU-L\u00e4ndern<\/td><\/tr><tr><td>\u00d6sterreichische H\u00e4user<\/td><td>Erste Group, Raiffeisen Bank International<\/td><\/tr><tr><td>Deckung<\/td><td>1:1 in Euro (Bankeinlagen plus kurzlaufende Staatsanleihen)<\/td><\/tr><tr><td>Geplanter Start<\/td><td>zweite Jahresh\u00e4lfte 2026, nach Lizenzerteilung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Warum der Euro-Token jetzt kommt: die 200-Millionen-Mauer<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Stablecoin-Markt ist bis heute ein Dollar-Markt. Die beiden gr\u00f6\u00dften Token, Tether und der USD Coin, lauten auf US-Dollar und machen zusammen den weitaus gr\u00f6\u00dften Teil der weltweit umlaufenden Stablecoins aus. F\u00fcr Europa ist das eine strategische Unbequemlichkeit: Wenn Unternehmen und Handelspl\u00e4tze ihre tokenisierten Zahlungen in Dollar abwickeln, verschiebt sich ein St\u00fcck monet\u00e4rer Hoheit \u00fcber den Atlantik, ganz \u00e4hnlich wie die St\u00e4rke des Greenback, die wir zuletzt beim <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/dxy-pausen-dollar-jahreshoch-fomc-2026\/'>Dollar-Index auf Jahreshoch<\/a> gesehen haben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier zieht MiCA eine Mauer ein, die in der Praxis selten erkl\u00e4rt wird, f\u00fcr das Qivalis-Kalk\u00fcl aber entscheidend ist. F\u00fcr E-Geld-Token, die nicht auf eine EU-W\u00e4hrung lauten, also f\u00fcr Dollar-Stablecoins, gilt eine Obergrenze, sobald sie als Tausch- und Zahlungsmittel f\u00fcr Waren und Dienstleistungen verwendet werden. \u00dcbersteigt die gesch\u00e4tzte Nutzung innerhalb eines W\u00e4hrungsraums im Quartalsschnitt sowohl eine Million Transaktionen pro Tag als auch 200 Millionen Euro Tagesvolumen, muss der Emittent die Ausgabe stoppen und der Aufsicht einen Plan zur R\u00fcckf\u00fchrung vorlegen. Nachzulesen ist das in <a href='https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/HTML\/?uri=CELEX:32023R1114'>Artikel 23 der Verordnung<\/a>, der \u00fcber Artikel 58 auch f\u00fcr E-Geld-Token gilt; eine <a href='https:\/\/bex.co\/blog\/2026\/05\/03\/mica-200m-daily-cap-non-euro-stablecoin-payments'>Branchenanalyse<\/a> nennt sie treffend die Stablecoin-Mauer Europas.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Logik dahinter ist bewusst asymmetrisch. Ein auf Euro lautendes Token kennt diese Deckelung nicht; ein Dollar-Token im Euro-Zahlungsverkehr schon. Wer also im europ\u00e4ischen Massenzahlungsverkehr skalieren will, braucht einen Euro-Stablecoin, und ausgeben darf ihn nach MiCA nur ein zugelassenes Kreditinstitut oder ein E-Geld-Institut. Damit sind die Banken nicht Zaung\u00e4ste, sondern die naturgegebenen Emittenten. Qivalis ist die kollektive Antwort darauf: ein gemeinsamer Euro-Token, der gro\u00df genug ist, um gegen die Dollar-Platzhirsche anzutreten, ohne dass eine einzelne Bank das Risiko allein tragen muss.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>GENIUS wird scharf: der 30-September-Stichtag<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der anderen Seite des Atlantiks hat sich im selben Herbst der entscheidende Schritt vollzogen. Der GENIUS Act, im Juli 2025 unterzeichnet, war lange ein Gesetz ohne Betriebsanleitung. Das \u00e4nderte sich Ende September heuer binnen 48 Stunden. Am 29. September legte die US-Notenbank Federal Reserve ihre <a href='https:\/\/www.federalregister.gov\/documents\/2026\/09\/29\/2026-19860\/implementing-the-federal-reserve-boards-responsibilities-under-the-genius-act'>Durchf\u00fchrungsregeln<\/a> vor, am 30. September folgte das Finanzministerium mit der ersten sofort bindenden Verordnung \u00fcberhaupt unter diesem Gesetz.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Herzst\u00fcck dieser Treasury-Regel ist eine harte Zahl: zehn Milliarden Dollar. Emittenten mit h\u00f6chstens zehn Milliarden Dollar an ausstehenden Token d\u00fcrfen weiter unter der Aufsicht ihres Bundesstaates bleiben, sofern dessen Regelwerk einen Test auf &bdquo;wesentliche Gleichwertigkeit&ldquo; mit dem Bundesrecht besteht. Wer dar\u00fcber liegt, muss binnen 360 Tagen in den f\u00f6deralen Rahmen wechseln. \u00dcber die Zertifizierung der bundesstaatlichen Regime wacht ein eigens geschaffenes Gremium, die Stablecoin Certification Review Committee, besetzt mit dem Finanzminister, dem Fed-Vorsitzenden und dem Chef der Einlagensicherung FDIC. Die Kommentarfrist l\u00e4uft laut der <a href='https:\/\/bankingjournal.aba.com\/2026\/09\/new-rule-establishes-procedures-for-reviewing-state-stablecoin-regulations\/'>American Bankers Association<\/a> bis 30. November.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Den letzten Baustein liefert die Bankenaufsicht OCC, die \u00fcber die Zulassung von bundesweiten Stablecoin-Emittenten entscheidet. Comptroller Jonathan Gould hat sich beim Wyoming Blockchain Symposium festgelegt: Eine finale Regel werde bis November kommen, man arbeite &bdquo;mit gro\u00dfer Geschwindigkeit&ldquo;, erkl\u00e4rte er laut <a href='https:\/\/decrypt.co\/376048\/banking-regulator-occ-genius-act-stablecoin-rules-november'>Decrypt<\/a>. Gould sprach von der &bdquo;Geburt einer neuen Branche in Gestalt der Zahlungs-Stablecoins&ldquo;; die Beh\u00f6rde wolle Antr\u00e4ge auf eine Emittentenlizenz noch vor dem Inkrafttreten des Gesetzes am 18. J\u00e4nner 2027 bearbeiten k\u00f6nnen. Der Zeitplan ist also kein vages Versprechen, sondern ein Countdown mit konkretem Enddatum.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Zwei Regelb\u00fccher, ein Versprechen: GENIUS gegen MiCA<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">So unterschiedlich die beiden Rechtsr\u00e4ume klingen, im Kern verlangen sie dasselbe. Ein regulierter Stablecoin muss vollst\u00e4ndig gedeckt sein, jederzeit zum Nennwert r\u00fcckgetauscht werden k\u00f6nnen, und er darf seinen Haltern keinen Zins zahlen. Das ist die gemeinsame DNA von GENIUS und MiCA. Die Unterschiede stecken in den Details, und diese Details entscheiden dar\u00fcber, welche Bank welchen Token wo ausgeben kann. Die folgende \u00dcbersicht stellt die beiden Regelb\u00fccher nebeneinander; die US-Mechanik ist in einem <a href='https:\/\/www.paulhastings.com\/insights\/crypto-policy-tracker\/the-genius-act-a-comprehensive-guide-to-us-stablecoin-regulation'>Leitfaden der Kanzlei Paul Hastings<\/a> zusammengefasst, die europ\u00e4ische in der <a href='https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/EN\/TXT\/HTML\/?uri=CELEX:32023R1114'>MiCA-Verordnung<\/a> selbst.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kriterium<\/th><th>GENIUS Act (USA)<\/th><th>MiCA, E-Geld-Token (EU)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Erfasste Token<\/td><td>Zahlungs-Stablecoins auf US-Dollar<\/td><td>E-Geld-Token auf eine Einzelw\u00e4hrung, auch Euro<\/td><\/tr><tr><td>Wer darf ausgeben<\/td><td>bundesweit zugelassene Emittenten (Bankt\u00f6chter, lizenzierte Nichtbanken), unter 10 Mrd. Dollar auch bundesstaatlich<\/td><td>zugelassene Kreditinstitute oder E-Geld-Institute<\/td><\/tr><tr><td>Deckung<\/td><td>100 Prozent in Bargeld, Sichteinlagen, T-Bills bis 93 Tage, Repos, Geldmarktfonds<\/td><td>1:1, mindestens 30 Prozent Bankeinlagen (60 Prozent bei bedeutenden Token), Rest in liquiden Staatstiteln<\/td><\/tr><tr><td>R\u00fccktausch<\/td><td>jederzeit zum Nennwert<\/td><td>jederzeit zum Nennwert<\/td><\/tr><tr><td>Zinsen an Halter<\/td><td>verboten<\/td><td>verboten<\/td><\/tr><tr><td>Aufsicht<\/td><td>OCC, Fed, Bundesstaaten, SCRC<\/td><td>nationale Aufsicht (in \u00d6sterreich die FMA), EBA bei bedeutenden Token<\/td><\/tr><tr><td>Transparenz<\/td><td>monatlich testierte Reserveberichte<\/td><td>Whitepaper plus laufende Offenlegung<\/td><\/tr><tr><td>Besonderheit<\/td><td>10-Milliarden-Dollar-Grenze zwischen Staat und Bund<\/td><td>200-Millionen-Euro-Deckel f\u00fcr Nicht-Euro-Token<\/td><\/tr><tr><td>Inkrafttreten<\/td><td>18. J\u00e4nner 2027<\/td><td>Stablecoin-Regeln seit 30. Juni 2024 in Kraft<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Punkte lohnen die genaue Lekt\u00fcre. Erstens ist der Kreis der Emittenten in Europa enger gezogen: Nur Kreditinstitute und E-Geld-Institute d\u00fcrfen \u00fcberhaupt einen Euro-Token herausgeben, w\u00e4hrend die USA \u00fcber die Zehn-Milliarden-Schwelle einen Raum f\u00fcr kleinere, bundesstaatlich beaufsichtigte Anbieter offenlassen. Zweitens ist der Zeitpfeil gegenl\u00e4ufig: Die EU-Stablecoin-Regeln gelten bereits, in \u00d6sterreich endete die MiCA-\u00dcbergangsfrist am 1. Juli 2026, w\u00e4hrend die US-Regeln erst im J\u00e4nner 2027 voll greifen. Europa ist beim Regelwerk voraus, bei der Marktgr\u00f6\u00dfe hinkt es hinterher.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was deckt den Token? Reserven, R\u00fccktausch und das Zinsverbot<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die wichtigste Eigenschaft eines Bank-Stablecoins ist unsichtbar: seine Reserve. Beide Regelwerke zwingen den Emittenten, hinter jedem ausgegebenen Token einen echten Euro oder Dollar zu parken, und zwar in Form von Verm\u00f6genswerten, die sich notfalls sofort zu Geld machen lassen. GENIUS schreibt Bargeld, Sichteinlagen und kurzlaufende Staatsanleihen vor; MiCA verlangt einen Mindestanteil an Bankeinlagen und erlaubt daneben nur hochliquide, risikoarme Papiere. Der gemeinsame Zweck: Es soll keine Fristentransformation geben, kein Verleihen der Reserve, nichts, was den sofortigen R\u00fccktausch gef\u00e4hrden k\u00f6nnte. Ein Stablecoin ist damit das genaue Gegenteil einer klassischen Bankeinlage, die genau von dieser Fristentransformation lebt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum das so streng ist, hat der Markt selbst vorgef\u00fchrt. Als eine gro\u00dfe US-Regionalbank im M\u00e4rz 2023 kollabierte, verlor der damals zweitgr\u00f6\u00dfte Dollar-Stablecoin kurzzeitig seine Bindung und rutschte unter 90 Cent, weil ein Teil seiner Reserve bei genau dieser Bank lag. Erst als klar wurde, dass die Einlagen gesichert waren, kehrte die Parit\u00e4t zur\u00fcck. Die Lehre: Ein R\u00fccktauschversprechen ist nur so gut wie die Liquidit\u00e4t der Reserve im schlechtesten Moment. Genau deshalb betont Qivalis, seine kurzlaufenden Anleihen \u00fcber mehrere Euro-L\u00e4nder zu streuen, um die Klumpenbildung in einem einzigen Staat zu vermeiden, und einen R\u00fccktausch rund um die Uhr zu erm\u00f6glichen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der dritte, oft untersch\u00e4tzte Baustein ist das Zinsverbot. Weder GENIUS noch MiCA erlauben es, dem Halter eines Stablecoins einen Zins zu zahlen. F\u00fcr die Bank ist das ein Gesch\u00e4ftsmodell: Sie kassiert die Ertr\u00e4ge auf die Reserve, der Kunde bekommt nur die Zahlungsfunktion. F\u00fcr den Kunden ist es ein Grund, gr\u00f6\u00dfere Summen nicht in Token, sondern in verzinsten Produkten zu halten. Und f\u00fcr den Regulierer ist es die eingebaute Bremse, die verhindern soll, dass Stablecoins zu einem zinslosen Schattenbanksystem anschwellen, das dem regul\u00e4ren Bankensektor die Einlagen abzieht. Genau an dieser Nahtstelle entsteht das heikelste Problem f\u00fcr die emittierende Bank selbst.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Einlagen-Zwickm\u00fchle: wenn die Bank sich selbst kannibalisiert<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier liegt der Widerspruch, der den Banken Kopfzerbrechen bereitet. Eine klassische Einlage, das Giralgeld auf dem Konto, kann die Bank weiterverleihen; genau das ist ihr Gesch\u00e4ft. Ein Stablecoin dagegen muss zu 100 Prozent liquide hinterlegt sein und darf nicht ausgeliehen werden. Wandert also ein Kunde 10.000 Euro vom Sparkonto in einen Euro-Token, schrumpft die verleihbare Basis der Bank um denselben Betrag. Die Bank gibt ein Zahlungsmittel aus, das ihr an anderer Stelle das Rohmaterial f\u00fcr Kredite entzieht. Je erfolgreicher der eigene Token, desto st\u00e4rker nagt er an der eigenen Refinanzierung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Piero Cipollone, Direktoriumsmitglied der Europ\u00e4ischen Zentralbank, hat genau davor gewarnt: Eine breitere Stablecoin-Nutzung k\u00f6nne die Basis an Privatkundeneinlagen der Gesch\u00e4ftsbanken aush\u00f6hlen, erkl\u00e4rte er heuer im Sommer, wie <a href='https:\/\/cointelegraph.com\/news\/stablecoin-growth-bank-deposits-ecbs-cipollone'>Cointelegraph<\/a> berichtete. Das ist die bittere Ironie des europ\u00e4ischen Vorsto\u00dfes: Die Banken bauen Qivalis, um sich gegen die Verdr\u00e4ngung durch Dollar-Token zu wehren, doch ein wirklich erfolgreicher Euro-Stablecoin k\u00f6nnte am Ende ihre eigenen Einlagen anknabbern.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb unterscheiden Fachleute sauber zwischen zwei tokenisierten Geldformen. Ein Stablecoin oder E-Geld-Token ist vollgedeckt und zinslos, ein \u00fcbertragbares Inhaberinstrument. Eine tokenisierte Einlage dagegen bleibt eine Bankeinlage, nur eben auf der Blockchain abgebildet; sie bleibt verleihbar und verzinsbar. Viele Institute favorisieren deshalb die tokenisierte Einlage f\u00fcr das eigene Buch. Dass sich die 37 Qivalis-Banken trotzdem f\u00fcr einen gemeinsamen Stablecoin entschieden haben, ist eine bewusste Wahl: Nur ein portables, banken\u00fcbergreifendes Token kann als neutrales Bindeglied im offenen Zahlungsverkehr dienen, so wie es Bargeld heute tut.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Basel und die 1.250-Prozent-Frage: Ausgeben ist leichter als Halten<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum dr\u00e4ngen die Banken \u00fcberhaupt in die Rolle des Emittenten und nicht in die des Halters? Die Antwort liefert der Baseler Eigenkapitalrahmen. Nach dem Standard SCO60, der seit 1. J\u00e4nner 2026 gilt, f\u00e4llt ungedecktes Krypto wie Bitcoin in die strengste Gruppe und tr\u00e4gt ein Risikogewicht von 1.250 Prozent; zus\u00e4tzlich darf das gesamte Engagement einer Bank in dieser Kategorie in der Regel ein Prozent des Kernkapitals nicht \u00fcberschreiten und muss unter zwei Prozent bleiben. In der Praxis hei\u00dft das: F\u00fcr jeden Euro Bitcoin, den eine Bank auf eigene Rechnung h\u00e4lt, muss sie rund einen Euro hartes Eigenkapital vorhalten. Kein Wunder, dass die Institute in der Debatte, ob digitales Gold ins Bankbuch geh\u00f6rt, bislang <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/gold-bitcoin-ein-jahr-nach-rekord-2026\/'>lieber Gold als Bitcoin<\/a> w\u00e4hlen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein vollgedeckter Euro-Stablecoin ist aufsichtsrechtlich etwas v\u00f6llig anderes. Er ist kein spekulativer Kryptowert im Bankbuch, sondern eine E-Geld-Verbindlichkeit, hinterlegt mit Bargeld und erstklassigen Staatspapieren. Die Reserveaktiva tragen minimale Risikogewichte, das Token selbst ist eine Verbindlichkeit, kein Handelsbestand. Damit kehrt sich die Rechnung um: Halten von Krypto ist extrem kapitalteuer, Ausgeben eines gedeckten Geld-Tokens ist kapitalschonend. Genau diese Asymmetrie lenkt die Banken auf den Pfad der Emission.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ob der Baseler Ausschuss bei der 1.250-Prozent-Regel bleibt, ist offen. Der Ausschuss hat heuer, bei seinen Sitzungen im Februar und im Mai, eine beschleunigte, gezielte \u00dcberpr\u00fcfung einzelner Elemente des Krypto-Standards angek\u00fcndigt und eine Aktualisierung f\u00fcr sp\u00e4ter im Jahr in Aussicht gestellt; ver\u00f6ffentlicht ist sie bis dato nicht. Die <a href='https:\/\/www.bis.org\/press\/p260225.htm'>Mitteilung der Bank f\u00fcr Internationalen Zahlungsausgleich<\/a> l\u00e4sst offen, ob am Ende eine Lockerung f\u00fcr tokenisierte Verm\u00f6genswerte und qualifizierte Stablecoins steht. F\u00fcr die emittierenden Banken ist das die wichtigste regulatorische Baustelle des kommenden Jahres.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der digitale Euro: die \u00f6ffentliche Antwort<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Neben dem privaten Bank-Token baut die \u00f6ffentliche Hand an einer eigenen Variante: dem digitalen Euro. Er w\u00e4re Zentralbankgeld f\u00fcr die Brieftasche, eine direkte Verbindlichkeit der EZB ohne Ausfallrisiko eines privaten Emittenten. Der Gesetzgebungsprozess ist heuer entscheidend vorangekommen. Der Wirtschaftsausschuss des Europ\u00e4ischen Parlaments nahm seine Position am 23. Juni mit 43 zu 14 Stimmen bei einer Enthaltung an, das Plenum gab am 9. Juli mit 416 zu 169 Stimmen gr\u00fcnes Licht f\u00fcr die Verhandlungen mit dem Rat. Diese Triloge begannen am 13. Juli und wurden am 10. September fortgesetzt; eine Einigung wird bis Jahresende angestrebt, wie die Dokumentation des <a href='https:\/\/www.europarl.europa.eu\/legislative-train\/theme-an-economy-that-works-for-people\/file-digital-euro'>Europ\u00e4ischen Parlaments<\/a> festh\u00e4lt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bis zu einer Ausgabe ist es dennoch weit. Die EZB plant eine Pilotphase ab 2027 und eine m\u00f6gliche Einf\u00fchrung erst um 2029. Heikel bleibt die Obergrenze pro Person; diskutiert wird ein Rahmen um die 3.000 Euro, festgelegt werden soll die konkrete Zahl erst nach Verabschiedung des Gesetzes, damit sie anpassbar bleibt. Unternehmen sollen gar keine digitalen Euro horten d\u00fcrfen, sondern eingehende Betr\u00e4ge binnen 24 Stunden weiterleiten. Der Grund f\u00fcr die Limits ist, wie der <a href='https:\/\/positivemoney.org\/eu\/update\/econ-committee-approves-its-position-on-the-digital-euro\/'>Ausschussbericht<\/a> zeigt, exakt die Sorge aus dem vorigen Kapitel: Ein unbegrenztes Zentralbankkonto k\u00f6nnte in einer Krise die Einlagen aus den Gesch\u00e4ftsbanken saugen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die EZB bem\u00fcht sich daher, die Banken zu beruhigen. Der digitale Euro sei &bdquo;nicht darauf angelegt, die Banken zu entmachten&ldquo;, sagte Cipollone Anfang Oktober laut <a href='https:\/\/paymentexpert.com\/2026\/10\/07\/digital-euro-ecb-eu-private-sector'>Payment Expert<\/a>, sondern darauf, ihre Rolle zu sichern, w\u00e4hrend das Geldsystem zunehmend digital werde. Seine Kollegin im Direktorium, Isabel Schnabel, hat beim Notenbank-Treffen in Jackson Hole heuer im August den Rahmen gesetzt: Stablecoins seien am besten als Erg\u00e4nzung zum Zentralbankgeld zu verstehen, nicht als Ersatz, berichtete <a href='https:\/\/finance.yahoo.com\/markets\/crypto\/articles\/ecb-wants-euro-directly-blockchain-220000477.html'>Yahoo Finance<\/a>. Europa f\u00e4hrt damit zweigleisig: Es l\u00e4sst private Banken einen Euro-Stablecoin bauen und errichtet zugleich ein \u00f6ffentliches Pendant, beide verankert im Zentralbankgeld.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>\u00d6sterreich mittendrin: Erste, Raiffeisen, Bitpanda und die FMA<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr \u00d6sterreich ist das kein fernes Br\u00fcsseler Thema. Mit der Erste Group und der Raiffeisen Bank International sitzen zwei heimische Gro\u00dfbanken im Qivalis-Konsortium und schreiben am europ\u00e4ischen Euro-Stablecoin mit. Der Standort ist damit nicht Zuschauer, sondern Mitautor. Sollte das Token in \u00d6sterreich angeboten werden, wacht die Finanzmarktaufsicht FMA als zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde \u00fcber das Marktverhalten; bei einer Einstufung als bedeutend k\u00e4me die Europ\u00e4ische Bankenaufsicht EBA hinzu.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dass die FMA kein zahnloser Aufseher ist, hat sie heuer gezeigt. Der heimische Krypto-Primus Bitpanda h\u00e4lt seit 9. April 2025 eine MiCA-Lizenz der FMA, nach Zulassungen in Deutschland und Malta die dritte in Europa, wie <a href='https:\/\/en.cryptonomist.ch\/2025\/04\/10\/bitpanda-obtains-its-third-micar-license-in-europe-from-the-austrian-fma\/'>The Cryptonomist<\/a> dokumentierte. Im August verh\u00e4ngte die FMA dann 70.000 Euro Strafe gegen Bitpanda, es war laut <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2026\/08\/17\/bitpanda-fined-eur70-000-in-austria-s-first-published-mica-enforcement-case'>CoinDesk<\/a> die erste ver\u00f6ffentlichte MiCA-Sanktion des Landes. Der Vorwurf betraf Formfragen der Markteinf\u00fchrung: eine versp\u00e4tete Whitepaper-Meldung, vorzeitiges Marketing und fehlende Pflichtangaben. F\u00fcr jeden k\u00fcnftigen Token-Emittenten ist das ein Signal, die prosaischen Pflichten rund um Whitepaper und Werbung ernst zu nehmen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Wort zur Steuer, ohne in Beratung abzugleiten. Krypto-Gewinne unterliegen in \u00d6sterreich seit der \u00f6kosozialen Steuerreform dem besonderen Steuersatz von 27,5 Prozent nach Paragraf 27a EStG, Inlandsplattformen behalten die Kapitalertragsteuer seit 1. J\u00e4nner 2024 automatisch ein. Ein Euro-Stablecoin ist dabei ein Sonderfall: Ein Token, das definitionsgem\u00e4\u00df stets zum Nennwert gehandelt und eingel\u00f6st wird, wirft keinen Kursgewinn ab, der besteuert werden k\u00f6nnte. Die interessanten steuerlichen Fragen verschieben sich damit auf die Zinsertr\u00e4ge der Reserve, und die bleiben beim Emittenten, nicht beim Halter. Im Hintergrund wirkt au\u00dferdem die Oesterreichische Nationalbank mit, die als Teil des Eurosystems am digitalen Euro und an der Abwicklung tokenisierter Gesch\u00e4fte in Zentralbankgeld baut.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was ein Bank-Stablecoin f\u00fcr Anleger und Firmen hei\u00dft<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Jenseits der Regulierungsarchitektur stellt sich die bodenst\u00e4ndige Frage: Was bringt ein Bank-Euro-Token im Alltag? F\u00fcr Unternehmen liegt der Reiz in der Abwicklung. Ein Euro-Stablecoin l\u00e4sst sich rund um die Uhr bewegen, ohne Bank\u00f6ffnungszeiten und ohne Wartezeiten im Korrespondenzbankennetz. Zahlungen werden programmierbar, k\u00f6nnen also an Bedingungen gekn\u00fcpft und automatisch ausgel\u00f6st werden, und grenz\u00fcberschreitende \u00dcberweisungen innerhalb der Eurozone werden zur Sekundensache. Im Kapitalmarkt dient ein solches Token als Geldseite f\u00fcr tokenisierte Wertpapiere: Eine tokenisierte Anleihe und ihr Kaufpreis k\u00f6nnen Zug um Zug und unteilbar den Besitzer wechseln, was das Ausfallrisiko in der Abwicklung praktisch beseitigt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Risiken sollte man dennoch nicht kleinreden. Anders als beim digitalen Euro steht hinter einem Bank-Stablecoin ein privater Emittent. F\u00e4llt er aus, greift nicht automatisch die Einlagensicherung, sondern der Halter ist auf die Qualit\u00e4t der Reserve und auf sein R\u00fccktauschrecht angewiesen. Hinzu kommen Betriebsrisiken der Technik und die Gefahr der Zersplitterung, wenn jede Bank ihr eigenes Token herausgibt. Der gemeinsame Ansatz von Qivalis ist auch der Versuch, genau diese Fragmentierung zu vermeiden und einen einzigen, interoperablen Euro-Token zu etablieren. Die folgende Tabelle ordnet die vier Geldformen ein, zwischen denen Haushalte und Firmen k\u00fcnftig w\u00e4hlen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Geldform<\/th><th>Emittent<\/th><th>Ausfallrisiko<\/th><th>Zins<\/th><th>Sicherung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Bargeld<\/td><td>Zentralbank<\/td><td>keines<\/td><td>nein<\/td><td>Zentralbankgeld<\/td><\/tr><tr><td>Giralgeld (Bankeinlage)<\/td><td>Gesch\u00e4ftsbank<\/td><td>Bankrisiko<\/td><td>m\u00f6glich<\/td><td>Einlagensicherung bis 100.000 Euro<\/td><\/tr><tr><td>Bank-Stablecoin (E-Geld-Token)<\/td><td>Bank oder E-Geld-Institut<\/td><td>Emittenten- und Reserverisiko<\/td><td>verboten<\/td><td>keine Einlagensicherung, aber volle Reservepflicht und R\u00fccktausch zum Nennwert<\/td><\/tr><tr><td>Digitaler Euro<\/td><td>EZB<\/td><td>keines<\/td><td>nein (geplant)<\/td><td>Zentralbankgeld, mit Haltelimit<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lehre aus der Tabelle: Ein Bank-Stablecoin ist bequemer und schneller als Giralgeld, tr\u00e4gt aber ein anderes Sicherungsprofil. Er ist nicht durch die Einlagensicherung gedeckt, daf\u00fcr aber voll reserviert und jederzeit einl\u00f6sbar. Wer gro\u00dfe Summen parkt, wird weiter zwischen verzinsten Einlagen und zinslosen Token abw\u00e4gen; wer zahlen und abwickeln will, gewinnt ein Werkzeug, das die alte Infrastruktur in Geschwindigkeit und Verf\u00fcgbarkeit klar schl\u00e4gt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Zeitplan: was bis Jahresende und 2027 ansteht<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Selten liegen so viele Weichenstellungen in einem so engen Fenster. Die kommenden Monate entscheiden, ob aus Ank\u00fcndigungen Produkte werden. Die wichtigsten Termine im \u00dcberblick:<\/p><ul class='wp-block-list'><li>Bis 30. November 2026: Kommentarfrist zur ersten GENIUS-Durchf\u00fchrungsregel des US-Finanzministeriums.<\/li><li>November 2026: erwartete finale OCC-Regel; danach will die Beh\u00f6rde Antr\u00e4ge auf Emittentenlizenzen bearbeiten.<\/li><li>Zweite Jahresh\u00e4lfte 2026: geplanter Start von Qivalis, abh\u00e4ngig von der E-Geld-Lizenz der niederl\u00e4ndischen Zentralbank.<\/li><li>Jahresende 2026: angestrebte Trilog-Einigung \u00fcber die Verordnung zum digitalen Euro.<\/li><li>18. J\u00e4nner 2027: Inkrafttreten des GENIUS Act.<\/li><li>2027: Beginn der Pilotphase des digitalen Euro.<\/li><li>Um 2029: m\u00f6gliche Ausgabe des digitalen Euro an die \u00d6ffentlichkeit.<\/li><li>Offen: Ver\u00f6ffentlichung der gezielten Baseler \u00dcberpr\u00fcfung des Krypto-Standards.<\/li><\/ul><h2 class='wp-block-heading'>Einordnung: die Bank wird zur M\u00fcnzst\u00e4tte<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Jahr lang war Verwahrung das Leitwort, jetzt ist es Emission. Das ist der eigentliche Bruch des Krypto-Jahres 2026 f\u00fcr den Bankensektor. Diesseits und jenseits des Atlantiks verwandeln sich Banken vom Dienstleister, der fremdes Krypto lagert, zum Hersteller von Geld-Token mit dem eigenen Namen darauf. Die beiden Regelb\u00fccher, GENIUS in den USA und MiCA in Europa, sind sich im Kern einig: volle Deckung, R\u00fccktausch zum Nennwert, kein Zins. Sie unterscheiden sich darin, wer ausgeben darf und wie streng die Reserve gef\u00fchrt wird.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Europa ist das Motiv Souver\u00e4nit\u00e4t. Der Satz von Qivalis-Chef Sell von der drohenden digitalen Dollarisierung bringt es auf den Punkt: Wer den tokenisierten Euro nicht selbst stellt, \u00fcberl\u00e4sst ihn den Dollar-Emittenten. F\u00fcr \u00d6sterreich wird das mit der Erste Group und der Raiffeisen Bank International greifbar; beide schreiben an diesem Euro-Token mit. Die offenen Fragen bleiben anspruchsvoll: die Baseler Kapital\u00fcberpr\u00fcfung, das Paradox der selbst kannibalisierten Einlagen und die schlichte Frage, ob ein gemeinsames Euro-Token je die Gr\u00f6\u00dfe der Dollar-Platzhirsche erreicht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende h\u00e4ngt viel an der Zinskurve. Die Ertr\u00e4ge auf die Reserven speisen sich aus kurzlaufenden Staatspapieren, deren Rendite wiederum am Inflationspfad h\u00e4ngt, den wir zuletzt beim <a href='https:\/\/hoge.gg\/at\/cpi-zuender-oder-blindgaenger-jahr-nach-krach-2026\/'>CPI-Wert nach dem Krach<\/a> verfolgt haben. Solange die Zinsen ordentlich tragen, ist das Emittentengesch\u00e4ft lukrativ. F\u00e4llt die Rendite, schmilzt die Marge, und die Frage, wer das digitale Bargeld der Wirtschaft stellt, wird neu gestellt. F\u00fcrs Erste aber gilt: Die Bank hat den Tresor verlassen und die M\u00fcnzst\u00e4tte betreten.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufige Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Was ist Qivalis?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Qivalis ist ein Gemeinschaftsunternehmen von 37 europ\u00e4ischen Banken mit Sitz in Amsterdam, das einen regulierten Euro-Stablecoin herausgeben will. Zu den Mitgliedern z\u00e4hlen auch die \u00f6sterreichischen H\u00e4user Erste Group und Raiffeisen Bank International. Das Token soll nach den MiCA-Regeln in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2026 starten, sobald die niederl\u00e4ndische Zentralbank die Lizenz als E-Geld-Institut erteilt.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was regelt der GENIUS Act?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Der GENIUS Act ist das US-Bundesgesetz f\u00fcr Zahlungs-Stablecoins, unterzeichnet im Juli 2025. Es verlangt eine vollst\u00e4ndige Deckung, den R\u00fccktausch zum Nennwert und ein Zinsverbot gegen\u00fcber den Haltern. Am 30. September 2026 ver\u00f6ffentlichte das Finanzministerium die erste bindende Durchf\u00fchrungsregel mit einer Zehn-Milliarden-Dollar-Grenze zwischen bundesstaatlicher und f\u00f6deraler Aufsicht; das Gesetz tritt am 18. J\u00e4nner 2027 in Kraft.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>D\u00fcrfen \u00f6sterreichische Banken einen Stablecoin ausgeben?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ja. Nach MiCA d\u00fcrfen E-Geld-Token nur von zugelassenen Kreditinstituten oder E-Geld-Instituten ausgegeben werden, und beide Kategorien stehen heimischen Banken offen. Die Erste Group und die Raiffeisen Bank International beteiligen sich \u00fcber das Qivalis-Konsortium an einem gemeinsamen Euro-Token. Zust\u00e4ndige Aufsicht ist in \u00d6sterreich die FMA, bei als bedeutend eingestuften Token zus\u00e4tzlich die Europ\u00e4ische Bankenaufsicht EBA.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Worin unterscheiden sich Bank-Stablecoin und digitaler Euro?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Bank-Stablecoin ist eine private Verbindlichkeit des Emittenten, vollst\u00e4ndig mit Reserven gedeckt, aber nicht durch die Einlagensicherung gesch\u00fctzt. Der digitale Euro w\u00e4re dagegen Zentralbankgeld der EZB ohne Ausfallrisiko eines privaten Anbieters, allerdings mit einer Obergrenze pro Person, \u00fcber die noch verhandelt wird. Der digitale Euro soll ab 2027 getestet und m\u00f6glicherweise um 2029 ausgegeben werden.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum d\u00fcrfen Stablecoins keine Zinsen zahlen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Sowohl der GENIUS Act als auch MiCA verbieten es, den Haltern eines Stablecoins einen Zins zu zahlen. Damit sollen die Token Zahlungsmittel bleiben und nicht zu einem zinslosen Schattenbanksystem anwachsen, das den Banken die Einlagen entzieht. Die Ertr\u00e4ge auf die Reserve verbleiben beim Emittenten, der Halter erh\u00e4lt nur die Zahlungsfunktion.<\/p><script type='application\/ld+json'>{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was ist Qivalis?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Qivalis ist ein Gemeinschaftsunternehmen von 37 europ\u00e4ischen Banken mit Sitz in Amsterdam, das einen regulierten Euro-Stablecoin herausgeben will. Zu den Mitgliedern z\u00e4hlen auch die \u00f6sterreichischen H\u00e4user Erste Group und Raiffeisen Bank International. Das Token soll nach den MiCA-Regeln in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2026 starten, sobald die niederl\u00e4ndische Zentralbank die Lizenz als E-Geld-Institut erteilt.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was regelt der GENIUS Act?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Der GENIUS Act ist das US-Bundesgesetz f\u00fcr Zahlungs-Stablecoins, unterzeichnet im Juli 2025. Es verlangt eine vollst\u00e4ndige Deckung, den R\u00fccktausch zum Nennwert und ein Zinsverbot gegen\u00fcber den Haltern. Am 30. September 2026 ver\u00f6ffentlichte das Finanzministerium die erste bindende Durchf\u00fchrungsregel mit einer Zehn-Milliarden-Dollar-Grenze zwischen bundesstaatlicher und f\u00f6deraler Aufsicht; das Gesetz tritt am 18. J\u00e4nner 2027 in Kraft.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"D\u00fcrfen \u00f6sterreichische Banken einen Stablecoin ausgeben?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Ja. Nach MiCA d\u00fcrfen E-Geld-Token nur von zugelassenen Kreditinstituten oder E-Geld-Instituten ausgegeben werden, und beide Kategorien stehen heimischen Banken offen. Die Erste Group und die Raiffeisen Bank International beteiligen sich \u00fcber das Qivalis-Konsortium an einem gemeinsamen Euro-Token. Zust\u00e4ndige Aufsicht ist in \u00d6sterreich die FMA, bei als bedeutend eingestuften Token zus\u00e4tzlich die Europ\u00e4ische Bankenaufsicht EBA.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Worin unterscheiden sich Bank-Stablecoin und digitaler Euro?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Ein Bank-Stablecoin ist eine private Verbindlichkeit des Emittenten, vollst\u00e4ndig mit Reserven gedeckt, aber nicht durch die Einlagensicherung gesch\u00fctzt. Der digitale Euro w\u00e4re dagegen Zentralbankgeld der EZB ohne Ausfallrisiko eines privaten Anbieters, allerdings mit einer Obergrenze pro Person, \u00fcber die noch verhandelt wird. Der digitale Euro soll ab 2027 getestet und m\u00f6glicherweise um 2029 ausgegeben werden.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Warum d\u00fcrfen Stablecoins keine Zinsen zahlen?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Sowohl der GENIUS Act als auch MiCA verbieten es, den Haltern eines Stablecoins einen Zins zu zahlen. Damit sollen die Token Zahlungsmittel bleiben und nicht zu einem zinslosen Schattenbanksystem anwachsen, das den Banken die Einlagen entzieht. Die Ertr\u00e4ge auf die Reserve verbleiben beim Emittenten, der Halter erh\u00e4lt nur die Zahlungsfunktion.\"}}]}<\/script><p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Von Liam Brennan, Redakteur f\u00fcr Makro und Regulierung bei HOGE Wire.<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>37 europ\u00e4ische Banken, darunter Erste Group und Raiffeisen, bauen mit Qivalis einen Euro-Stablecoin. In den USA wird der GENIUS Act scharf: Banken werden vom Verwahrer zum Geldemittenten.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":599,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-598","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-macro-tradfi"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/598","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=598"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/598\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/599"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=598"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=598"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=598"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}