{"id":184,"date":"2026-07-19T10:28:59","date_gmt":"2026-07-19T10:28:59","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/taproot-bip-110-datenstreit\/"},"modified":"2026-07-19T10:28:59","modified_gmt":"2026-07-19T10:28:59","slug":"taproot-bip-110-datenstreit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/taproot-bip-110-datenstreit\/","title":{"rendered":"Taproot und BIP-110: Bitcoins Streit ums Blockspace"},"content":{"rendered":"<h2 class='wp-block-heading'>Was ist Taproot? Ein f\u00fcnf Jahre altes Upgrade wird wieder aktuell<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Taproot ist seit November 2021 Teil von Bitcoin, doch kaum ein Protokoll-Upgrade sorgt Mitte 2026 f\u00fcr so viel Gespr\u00e4chsstoff wie dieses urspr\u00fcnglich als &bdquo;stilles&ldquo; Update wahrgenommene Paket. Der Grund liegt weniger in der Kryptografie selbst als in dem, was Entwickler und Nutzer seither damit gemacht haben. Taproot b\u00fcndelt drei Bitcoin Improvement Proposals (BIP 340, 341 und 342) und brachte Schnorr-Signaturen, effizientere Mehrfachsignaturen und eine flexiblere Skriptsprache namens Tapscript nach Bitcoin. Diese Flexibilit\u00e4t hatte einen Nebeneffekt, den 2021 kaum jemand kommen sah: Sie machte es pl\u00f6tzlich billig, beliebige Daten, Bilder, Text, ganze Dateien, direkt in der Bitcoin-Blockchain zu speichern.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter steckt Bitcoin deshalb mitten in einem der grunds\u00e4tzlichsten Streits seiner Geschichte: Darf, soll oder muss das Netzwerk seinen begrenzten Blockspace f\u00fcr mehr als reine Zahlungen offenhalten? Im Zentrum dieser Debatte steht derzeit BIP-110, ein Soft-Fork-Vorschlag, der Anfang August 2026 vor einer entscheidenden Frist steht und dabei bislang auf eine Miner-Zustimmung von unter einem Prozent trifft. Dieser Artikel erkl\u00e4rt Taproots Technik von Grund auf, zeigt, wie sie \u00fcberhaupt erst zur Ordinals-Bewegung f\u00fchrte, und ordnet ein, warum ausgerechnet jetzt ein pseudonymer Entwickler versucht, einen Teil davon per Soft Fork wieder einzufangen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoin selbst notiert Mitte Juli 2026 bei rund <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>56.000 Euro<\/a>, ein Kursniveau, bei dem selbst technische Detailfragen wie Skriptgr\u00f6\u00dfen-Limits erhebliche wirtschaftliche Tragweite entfalten, weil sie potenziell Millionen bereits best\u00e4tigter UTXOs betreffen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die technischen Bausteine: BIP 340, 341 und 342<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Taproot ist kein einzelnes Feature, sondern ein Paket aus drei zusammenh\u00e4ngenden Vorschl\u00e4gen, die am 14. November 2021 im Block 709.632 gemeinsam aktiviert wurden. <a href='https:\/\/github.com\/bitcoin\/bips\/blob\/master\/bip-0340.mediawiki'>BIP 340<\/a>, verfasst von Pieter Wuille, Jonas Nick und Tim Ruffing, f\u00fchrte Schnorr-Signaturen f\u00fcr die Kurve secp256k1 ein. Anders als das bis dahin genutzte ECDSA-Verfahren liefert Schnorr eine feste Signaturgr\u00f6\u00dfe von 64 Byte statt einer variablen DER-Kodierung, und vor allem ist es linear: Mehrere Signaturen lassen sich zu einer einzigen aggregieren, ohne dass die zugrunde liegende Sicherheit leidet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\"><a href='https:\/\/github.com\/bitcoin\/bips\/blob\/master\/bip-0341.mediawiki'>BIP 341<\/a> (Wuille, Nick und Anthony Towns) definiert darauf aufbauend das eigentliche Taproot-Ausgabeformat P2TR sowie MAST, eine Merkleisierte Baumstruktur f\u00fcr alternative Ausgabebedingungen. Eine Taproot-Adresse kann entweder ganz normal per Schl\u00fcssel ausgegeben werden (Key Path, im Regelfall nicht von einer einfachen Einzelsignatur zu unterscheiden) oder \u00fcber einen von potenziell vielen hinterlegten Skriptpfaden (Script Path). Ein Beispiel macht den Vorteil greifbar: Eine Wallet mit drei unterschiedlichen Ausgabebedingungen, etwa einer 2-von-3-Multisig-Bedingung f\u00fcr den Alltag, einer Erben-Bedingung mit Zeitschloss und einer Notfall-Wiederherstellung \u00fcber einen vierten Schl\u00fcssel, musste vor Taproot alle drei Bedingungen offenlegen, sobald \u00fcberhaupt einmal ausgegeben wurde. Mit MAST bleibt nur der tats\u00e4chlich genutzte Zweig sichtbar, die beiden anderen Bedingungen bleiben verborgen, solange sie nie gebraucht werden. Das spart nicht nur Geb\u00fchren, weil ungenutzte Bedingungen keinen Platz in der Blockchain beanspruchen, sondern verr\u00e4t Au\u00dfenstehenden auch weniger \u00fcber die tats\u00e4chliche Absicherung eines Guthabens. F\u00fcr eine ausf\u00fchrliche Aufschl\u00fcsselung der gesamten Mechanik empfiehlt sich unser Grundlagenartikel <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/taproot-komplett-erklaert-schnorr-citrea\/'>Taproot komplett erkl\u00e4rt: Von Schnorr-Signaturen bis Citrea<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die folgende Tabelle fasst die drei Bausteine zusammen:<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>BIP<\/th><th>Titel<\/th><th>Kernfunktion<\/th><th>Autoren<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>BIP 340<\/td><td>Schnorr Signatures for secp256k1<\/td><td>Feste 64-Byte-Signaturgr\u00f6\u00dfe, linear aggregierbar<\/td><td>Pieter Wuille, Jonas Nick, Tim Ruffing<\/td><\/tr><tr><td>BIP 341<\/td><td>Taproot: SegWit Version 1 Spending Rules<\/td><td>P2TR-Adressen, MAST, Key-Path- und Script-Path-Ausgaben<\/td><td>Pieter Wuille, Jonas Nick, Anthony Towns<\/td><\/tr><tr><td>BIP 342<\/td><td>Validation of Taproot Scripts (Tapscript)<\/td><td>Neue Skriptsprache, OP_SUCCESS-Opcodes f\u00fcr k\u00fcnftige Soft Forks<\/td><td>Pieter Wuille, Jonas Nick, Anthony Towns<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Aktivierung 2021: Wie Speedy Trial einen Konsens-Pr\u00e4zedenzfall setzte<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Taproot aktivierte \u00fcber einen Mechanismus namens Speedy Trial: ein verk\u00fcrztes, dreimonatiges BIP8-Signalisierungsfenster mit einer hohen Zustimmungsschwelle. Miner sperrten das Upgrade am 12. Juni 2021 im Block 687.284 mit \u00fcber 90 Prozent Signalisierung endg\u00fcltig fest, die tats\u00e4chliche Aktivierung folgte gut f\u00fcnf Monate sp\u00e4ter am 14. November 2021 gegen 05:15 UTC (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/tech\/2021\/11\/13\/taproot-bitcoins-long-anticipated-upgrade-activates-this-weekend'>CoinDesk<\/a>). Diese hohe Schwelle ist kein Zufall, sondern seit den erbitterten Blockgr\u00f6\u00dfen-Konflikten der Jahre 2015 bis 2017 so etwas wie eine ungeschriebene Bitcoin-Norm: Konsensrelevante \u00c4nderungen brauchen eine breite, sichtbare Mehrheit, weit \u00fcber eine einfache 51-Prozent-Mehrheit hinaus, bevor sie das Netzwerk ver\u00e4ndern d\u00fcrfen. Diese Norm wird sp\u00e4ter in diesem Artikel noch wichtig, wenn es um die deutlich niedrigere Schwelle von BIP-110 geht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie sich Taproot in den f\u00fcnf Jahren seit der Aktivierung tats\u00e4chlich geschlagen hat, inklusive einer n\u00fcchternen Bilanz aus Licht- und Schattenseiten, haben wir in <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/taproot-fuenf-jahre-bitcoin-bilanz-2026\/'>Taproot f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter: Bilanz eines stillen Upgrades<\/a> ausf\u00fchrlich aufgearbeitet. Kurz zusammengefasst: Der Taproot-Transaktionsanteil kletterte von praktisch null 2021 \u00fcber einen Spitzenwert von rund 40 Prozent Anfang 2024, getrieben durch Ordinals und Runes, auf inzwischen rund 15 bis 20 Prozent, ein Niveau, das eher organische Wallet- und Protokoll-Nutzung als spekulative Inschriften widerspiegelt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Adressen, Schl\u00fcsselaggregation und ihre Grenzen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Sichtbar wird Taproot f\u00fcr Endnutzerinnen und -nutzer vor allem an der Adresse: Taproot-Adressen beginnen mit dem Pr\u00e4fix bc1p, im Unterschied zu bc1q bei klassischem SegWit (BIP 141 und 173) und der f\u00fchrenden 1 bei Legacy-Adressen aus Bitcoins Anfangsjahren. Die Schnorr-Linearit\u00e4t aus BIP 340 erm\u00f6glicht zudem Protokolle wie MuSig2 (BIP 327): Mehrere Unterzeichner k\u00f6nnen eine gemeinsame Signatur erzeugen, die auf der Blockchain nicht von einer einfachen Einzelsignatur zu unterscheiden ist. F\u00fcr ein Mehrfachsignatur-Setup bedeutet das sp\u00fcrbar geringere Geb\u00fchren und mehr Privatsph\u00e4re, weil Au\u00dfenstehende nicht erkennen k\u00f6nnen, wie viele Schl\u00fcssel tats\u00e4chlich beteiligt waren.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein verwandtes, aber langsameres Verfahren ist FROST (Flexible Round-Optimized Schnorr Threshold Signatures), bei dem nur eine Teilmenge von Unterzeichnern, etwa 3 von 5, gemeinsam signieren muss. Der zugeh\u00f6rige Standard BIP 445 erhielt erst im Januar 2026 den Status eines Entwurfs, deutlich sp\u00e4ter als MuSig2. Das neuere Bitcoin-Layer-2-Netzwerk Spark setzt bereits auf FROST f\u00fcr sein Betreiber-Schwellenwertmodell. Die praktischen Anwendungen von Taproot in Lightning, bei Discreet Log Contracts und in Sachen Privatsph\u00e4re haben wir an anderer Stelle vertieft, dieser Artikel konzentriert sich stattdessen auf eine Folge von Taproot, die 2021 kaum jemand kommen sah.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Nebeneffekt: Wie Tapscript Ordinals erst m\u00f6glich machte<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\"><a href='https:\/\/github.com\/bitcoin\/bips\/blob\/master\/bip-0342.mediawiki'>BIP 342<\/a> definiert Tapscript, die Skriptsprache f\u00fcr den Script-Path-Zweig von Taproot-Ausgaben. Ein zentrales Detail: Tapscript reserviert eine ganze Reihe bislang ungenutzter Opcodes als OP_SUCCESS, das hei\u00dft, sie gelten f\u00fcr heutige Full Nodes automatisch als g\u00fcltig, unabh\u00e4ngig davon, was tats\u00e4chlich dahintersteht. Der Sinn dieser Konstruktion ist an sich harmlos, n\u00e4mlich k\u00fcnftige Skript-Erweiterungen per Soft Fork zu erleichtern, ohne dass alle Nodes vorher aktualisiert werden m\u00fcssen. In Kombination mit dem sogenannten Witness Discount aus SegWit (BIP 141), wonach Witness-Daten nur mit einem Viertel ihres eigentlichen Gewichts in das Blockgr\u00f6\u00dfenlimit einflie\u00dfen, entstand daraus jedoch ein g\u00fcnstiger Weg, praktisch beliebig gro\u00dfe Datenmengen in einer Bitcoin-Transaktion unterzubringen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau diese L\u00fccke nutzte der Softwareentwickler Casey Rodarmor im Januar 2023 mit dem Ordinals-Protokoll. \u00dcber eine Konstruktion, die als &bdquo;Envelope&ldquo; bekannt wurde, ein OP_FALSE-OP_IF-Block innerhalb eines Tapscript-Zweigs, der von Full Nodes zwar verarbeitet, aber nicht als ausf\u00fchrbarer Code interpretiert wird, lassen sich Bilder, Text oder andere Dateien direkt und dauerhaft in einer Bitcoin-Transaktion ablegen, jedem einzelnen Satoshi zuordenbar. Im April 2024, am Tag des vierten Bitcoin-Halvings, erg\u00e4nzte Rodarmor das Ganze um Runes, ein zweites, UTXO-natives Format f\u00fcr fungible Token, das gezielt die Ineffizienzen des zuvor popul\u00e4ren BRC-20-Standards vermeidet, der Token-Zust\u00e4nde umst\u00e4ndlich als Text innerhalb von Inscriptions kodierte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zahlen zeigen, wie sehr sich das durchgesetzt hat: Bis Januar 2026 \u00fcberschritt die Gesamtzahl der Inscriptions die Marke von 107 Millionen, allein im vierten Quartal 2025 kamen mehr als 7,7 Millionen weitere hinzu, und das, obwohl der Bitcoin-Kurs im selben Zeitraum um rund 23 Prozent fiel. Die Nutzung ist damit l\u00e4ngst nicht mehr rein spekulativ getrieben, sie hat sich als feste Gr\u00f6\u00dfe im Bitcoin-\u00d6kosystem etabliert, und genau das ist der Kern des Konflikts, um den es im Rest dieses Artikels geht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>OP_RETURN: das eigentlich f\u00fcr Daten vorgesehene Feld<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoin hatte schon Jahre vor Taproot ein offizielles Datenfeld: OP_RETURN, seit 2014 fester Bestandteil von Bitcoin Core. Anders als die Tapscript-Envelope-Technik erzeugt ein OP_RETURN-Output eine Transaktionsausgabe, die von vornherein als unspendbar markiert ist. F\u00fcr den UTXO-Satz, die riesige Datenbank aller aktuell ausgebbaren Bitcoin-Betr\u00e4ge, die jeder Full Node im Arbeitsspeicher vorhalten muss, ist das ein wichtiger Unterschied: OP_RETURN-Daten belasten diesen Satz nicht dauerhaft, w\u00e4hrend viele alternative Datenspeicher-Tricks, etwa Daten, die in fingierten Public-Key-Hashes versteckt werden, den UTXO-Satz f\u00fcr immer aufbl\u00e4hen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gr\u00f6\u00dfe von OP_RETURN-Ausgaben war historisch jedoch keine Konsensregel, sondern lediglich eine Standardness- beziehungsweise Relay-Policy-Einstellung einzelner Nodes, ein informeller Richtwert von 80 Byte, den Bitcoin Core \u00fcber den Parameter -datacarriersize durchsetzte. Wer diese Grenze \u00fcberschritt, konnte seine Transaktion zwar nicht \u00fcber das normale Netzwerk verbreiten, aber dennoch direkt bei einem kooperierenden Miner einreichen. Genau dieser Umstand wurde 2025 zum Ausgangspunkt einer der hitzigsten Debatten in der j\u00fcngeren Bitcoin-Core-Geschichte.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Bruch: Peter Todd, Bitcoin Core 30 und die Spaltung der Nodes<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoin-Core-Entwickler Peter Todd brachte die Idee, die OP_RETURN-Grenze zu lockern, erstmals im Juli 2023 in einem Pull Request ein, legte den Vorschlag im April 2025 \u00fcberarbeitet erneut vor und sah ihn im Juni 2025 schlie\u00dflich gemergt. Seine Begr\u00fcndung, dokumentiert in der PR-Diskussion und von mehreren Fachmedien zusammengefasst: Die alte 80-Byte-Grenze verhindere ohnehin niemanden mehr, der wirklich Daten speichern will, weil sich datenintensive Transaktionen l\u00e4ngst \u00fcber direkte Miner-Kan\u00e4le wie Marathon Digitals Slipstream an der Relay-Policy vorbeischleusen lassen. Wer stattdessen daran gehindert wird, ist vor allem, wer sich an die Regeln h\u00e4lt und OP_RETURN so nutzt, wie es gedacht ist, n\u00e4mlich als sauber gekennzeichnetes, nie UTXO-belastendes Datenfeld. Miner, so Todds Argument, seien ohnehin rationale wirtschaftliche Akteure, die geb\u00fchrenzahlende Transaktionen unabh\u00e4ngig von der Mempool-Politik einzelner Nodes aufnehmen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Am 10. Oktober 2025 erschien <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/tech\/2025\/06\/10\/bitcoin-core-30-to-increase-op_return-data-limit-after-developer-debate-concludes'>Bitcoin Core 30<\/a> mit genau dieser \u00c4nderung: Der Standardwert f\u00fcr -datacarriersize stieg von 83 Byte auf 100.000 Byte, also von einer knappen Notiz auf ann\u00e4hernd 100 Kilobyte pro Ausgabe. Die Reaktion in Teilen der Community fiel scharf aus. Kritiker sahen darin eine faktische Einladung an Spam- und Datenprojekte aller Art, unabh\u00e4ngig davon, dass die \u00c4nderung technisch nur eine Relay-Empfehlung und keine Konsensregel betraf.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Teil der Bitcoin-Nutzerschaft reagierte, indem er schlicht die Software wechselte. Bitcoin Knots, eine alternative Full-Node-Implementierung, die kompatibel zum Bitcoin-Konsens bleibt, aber striktere Standardness-Regeln durchsetzt, sah seinen Anteil an allen erreichbaren Bitcoin-Nodes innerhalb weniger Monate nach der Core-30-Kontroverse von rund 4 Prozent auf \u00fcber 21 Prozent steigen. Wichtig f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis: Ein h\u00f6herer Knots-Anteil \u00e4ndert an den Konsensregeln selbst nichts, Bl\u00f6cke mit gro\u00dfen OP_RETURN-Daten bleiben f\u00fcr Knots-Nodes genauso g\u00fcltig wie f\u00fcr Core-Nodes. Was sich \u00e4ndert, ist lediglich, welche Transaktionen die jeweiligen Nodes bereitwillig weiterleiten und im eigenen Mempool vorhalten. Der Nodewechsel markiert trotzdem einen echten Stimmungsumschwung, aus dem heraus wenige Wochen sp\u00e4ter ein deutlich ambitionierterer Vorschlag entstand, der nicht mehr nur auf Relay-Policy-Ebene, sondern auf Konsensebene ansetzen wollte: BIP-110.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>BIP-110: Der Versuch, die Uhr per Soft Fork zur\u00fcckzudrehen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ende Oktober 2025 ver\u00f6ffentlichte der pseudonyme Entwickler Dathon Ohm den Entwurf f\u00fcr <a href='https:\/\/github.com\/bitcoin\/bips\/blob\/master\/bip-0110.mediawiki'>BIP-110<\/a>, offiziell &bdquo;Reduced Data Temporary Soft Fork&ldquo;. Anders als Peter Todds \u00c4nderung ist BIP-110 keine blo\u00dfe Relay-Policy-Einstellung, sondern eine echte, wenn auch zeitlich befristete Konsensregel\u00e4nderung. Der Vorschlag begrenzt f\u00fcr alle nach der Aktivierung neu erzeugten Transaktionsausgaben drei Arten von Daten gleichzeitig:<\/p><ul class='wp-block-list'><li>Die scriptPubKey-Gr\u00f6\u00dfe neuer Ausgaben auf 34 Byte, mit einer Ausnahme f\u00fcr OP_RETURN-Ausgaben, die weiterhin bis zu 83 Byte gro\u00df sein d\u00fcrfen.<\/li><li>OP_PUSHDATA-Nutzlasten und Witness-Skriptelemente auf 256 Byte, mit Ausnahmen f\u00fcr regul\u00e4re Redeem- und Tapleaf-Skripte.<\/li><li>Taproot-Kontrollbl\u00f6cke auf 257 Byte, was ungef\u00e4hr 128 Skriptzweige erlaubt.<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits bestehende UTXOs sind ausdr\u00fccklich ausgenommen, eingefroren w\u00fcrde also nichts Vorhandenes, die Regeln gelten nur f\u00fcr k\u00fcnftig neu entstehende Ausgaben. Technisch l\u00e4uft die Aktivierung \u00fcber einen BIP9-Mechanismus namens &bdquo;reduced_data&ldquo; (Bit 4). Die Signalisierungsperiode begann laut Startzeit-Parameter am 1. Dezember 2025 mit einer vergleichsweise niedrigen Schwelle von 55 Prozent (1.109 von 2.016 Bl\u00f6cken). Besonders ist ein verpflichtendes Signalisierungsfenster zwischen Block 961.632 und 963.647, erwartet Anfang August 2026: Bl\u00f6cke, die in diesem Fenster nicht signalisieren, gelten schlicht als ung\u00fcltig, eine deutlich aggressivere Variante als bei den meisten fr\u00fcheren Bitcoin-Soft-Forks. Erreicht BIP-110 die Schwelle bis zur maximalen Aktivierungsh\u00f6he von Block 965.664, voraussichtlich Anfang September 2026, nicht, l\u00e4uft der gesamte Vorschlag automatisch aus. Aktiviert, gilt die Beschr\u00e4nkung f\u00fcr weitere 52.416 Bl\u00f6cke, also ungef\u00e4hr ein Jahr, danach fallen die Regeln von selbst wieder weg.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Datum<\/th><th>Ereignis<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Juli 2023<\/td><td>Peter Todd schl\u00e4gt erstmals vor, die OP_RETURN-Grenze aufzuheben (PR #28130)<\/td><\/tr><tr><td>April 2025<\/td><td>Todd bringt den Vorschlag \u00fcberarbeitet erneut ein (PR #32359)<\/td><\/tr><tr><td>Juni 2025<\/td><td>Der Vorschlag wird in Bitcoin Core gemergt (PR #32406)<\/td><\/tr><tr><td>10. Oktober 2025<\/td><td>Bitcoin Core 30 erscheint, -datacarriersize steigt von 83 auf 100.000 Byte<\/td><\/tr><tr><td>Ende Oktober 2025<\/td><td>Dathon Ohm ver\u00f6ffentlicht den Entwurf zu BIP-110<\/td><\/tr><tr><td>1. Dezember 2025<\/td><td>Start der Signalisierungsperiode laut BIP9-Parametern<\/td><\/tr><tr><td>19. Juli 2026<\/td><td>Miner-Signalisierung liegt bei rund 0,86 Prozent<\/td><\/tr><tr><td>Anfang August 2026<\/td><td>Verpflichtendes Signalisierungsfenster (Block 961.632 bis 963.647)<\/td><\/tr><tr><td>Anfang September 2026<\/td><td>Maximale Aktivierungsh\u00f6he (Block 965.664), danach gilt BIP-110 als ausgelaufen<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Stimmen aus der Szene: \u00d6konomie, Prominenz und die Miner-Abstimmung<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hinter der technischen Debatte steckt ein handfestes wirtschaftliches Argument, das in \u00f6ffentlichen Diskussionen oft zu kurz kommt: Daten-Transaktionen, ob \u00fcber Tapscript-Envelopes oder gro\u00dfe OP_RETURN-Ausgaben, zahlen echte, teils \u00fcberdurchschnittliche Netzwerkgeb\u00fchren, die direkt an die Miner flie\u00dfen. Da der Block-Subsidy mit jedem Halving weiter sinkt, das n\u00e4chste ist f\u00fcr 2028 angesetzt, gewinnt jede zus\u00e4tzliche Geb\u00fchreneinnahme f\u00fcr die Wirtschaftlichkeit des Minings an Bedeutung, ein Zusammenhang, den wir in <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/bitcoin-mining-margen-2026\/'>Bitcoin-Mining-Margen 2026: Warum viele Miner kaum noch verdienen<\/a> ausf\u00fchrlich mit Zahlen unterlegt haben. Vor diesem Hintergrund \u00fcberrascht es kaum, dass ausgerechnet die Miner selbst, die angeblich am st\u00e4rksten unter Spam-Transaktionen leiden sollen, bislang am wenigsten Interesse an dessen Eind\u00e4mmung per Soft Fork zeigen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Strategy-Gr\u00fcnder <a href='https:\/\/www.cryptotimes.io\/2026\/07\/19\/110-reasons-michael-saylors-case-against-bitcoins-bip-110\/'>Michael Saylor<\/a> brachte seine Kritik auf eine einpr\u00e4gsame Formel: &bdquo;There are 110 things more dangerous to Bitcoin than spam. BIP 110 turns a spam dispute into a consensus change that would invalidate some currently valid, fee-paying transactions.&ldquo; An anderer Stelle desselben Beitrags spitzt er zu: &bdquo;The proposed cure is more dangerous than the condition.&ldquo; Blockstream-Mitgr\u00fcnder Adam Back \u00e4u\u00dferte sich \u00e4hnlich unmissverst\u00e4ndlich \u00fcber <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/tech\/2026\/07\/12\/bitcoin-s-bip-110-fork-deadline-nears-with-miner-support-at-zero'>CoinDesk<\/a>: Wer BIP-110 durchsetzen wolle, k\u00f6nne dies gern \u00fcber einen eigenen, separaten Fork versuchen, &bdquo;bitcoin won&#8217;t be joining it&ldquo;, wie er es formulierte. Auch Jameson Lopp, eine der bekanntesten technischen Stimmen der Szene, bezeichnete den Vorschlag laut <a href='https:\/\/news.bitcoin.com\/bip-110-pushes-bitcoin-toward-august-fork-deadline-with-only-5-eh-s-signaling\/'>News.Bitcoin.com<\/a> als &bdquo;reckless&ldquo; und verwies dabei ausdr\u00fccklich auf die vergleichsweise niedrige 55-Prozent-Signalisierungsschwelle, deutlich unter der faktischen Supermehrheit, mit der Taproot selbst 2021 aktivierte. Nicht jede Stimme ist ablehnend: Bitcoin-Educator Jimmy Song positionierte sich demonstrativ neutral und begr\u00fcndete dies damit, die tats\u00e4chlichen Konsequenzen des Vorschlags nicht abschlie\u00dfend beurteilen zu k\u00f6nnen, w\u00e4hrend eine kleinere Gruppe von Minern rund um den Pool Club Orange aktiv f\u00fcr eine Zustimmungssignalisierung warb.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende d\u00fcrfte die Entscheidung ohnehin bei den gro\u00dfen Mining-Pools liegen. <a href='https:\/\/bitcoinmagazine.com\/news\/foundry-asks-bitcoin-miners-vote-bip-110'>Foundry<\/a>, das sch\u00e4tzungsweise ein Drittel der weltweiten Bitcoin-Hashrate kontrolliert, lie\u00df seine angeschlossenen Miner Mitte Juli 2026 direkt \u00fcber eine Ja\/Nein-Signalisierung abstimmen, mit klarer Ansage: Ohne eine Ja-Mehrheit von \u00fcber 51 Prozent der teilnehmenden Hashrate bleibt die Standardantwort Nein, nicht reagierende Teilnehmer werden automatisch als Nein gez\u00e4hlt. Antpool, der zweitgr\u00f6\u00dfte Pool mit rund 14 Prozent Netzwerkanteil, bewegte sich zum Zeitpunkt der Recherche ebenfalls nicht in Richtung Zustimmung. Dass ausgerechnet die Betreiber mit der gr\u00f6\u00dften Hashrate bei einer derart folgenreichen Entscheidung auf Nummer sicher gehen, \u00fcberrascht wenig angesichts ohnehin d\u00fcnner Gewinnmargen im Mining-Gesch\u00e4ft, eine unn\u00f6tige Kontroverse, die Kurs oder Netzwerksicherheit gef\u00e4hrden k\u00f6nnte, kann sich kaum ein Betreiber leisten.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was passiert, wenn BIP-110 scheitert, und was, wenn nicht?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der aktuelle Stand ist eindeutig: Die Miner-Signalisierung f\u00fcr BIP-110 lag am 19. Juli 2026 bei lediglich 0,86 Prozent der laufenden Periode, umgerechnet rund 9 von 1.109 f\u00fcr einen Lock-in notwendigen Bl\u00f6cken. Sollte sich dieser Trend bis zum verpflichtenden Signalisierungsfenster im August nicht dramatisch umkehren, w\u00fcrde BIP-110 schlicht nicht aktivieren und Anfang September 2026 automatisch auslaufen, ohne dass sich an den bestehenden Konsensregeln \u00fcberhaupt etwas ge\u00e4ndert h\u00e4tte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst im hypothetischen Fall einer Aktivierung w\u00e4re die Geschichte damit nicht zwingend zu Ende, denn eine Soft-Fork-Regel ist nur so stark wie die Zahl der Netzwerkteilnehmer, die sie tats\u00e4chlich durchsetzen. Ein Soft Fork gilt gemeinhin nur dann als sicher, wenn nahezu die gesamte wirtschaftliche Infrastruktur, von B\u00f6rsen \u00fcber Wallet-Anbieter bis zu einzelnen Node-Betreibern, die neuen Regeln mittr\u00e4gt. Eine Aktivierung auf Basis von nur 55 Prozent Miner-Zustimmung, ohne begleitende breite Zustimmung der wirtschaftlichen Knoten, birgt das Risiko, dass ein relevanter Teil des Netzwerks die neuen Regeln schlicht ignoriert, was im schlimmsten Fall zu einer dauerhaften Kettenspaltung f\u00fchren k\u00f6nnte, genau die Sorge, die Kritiker wie Lopp, Back und Saylor eint. Zum Vergleich: Sowohl Taproot selbst 2021 als auch der im Hintergrund verhandelte Covenant-Vorschlag OP_CTV (BIP-119) setzen auf eine Schwelle von rund 90 Prozent, fast doppelt so hoch.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die gr\u00f6\u00dfere Debatte: Covenants, Citrea und Bitcoins Rolle als Plattform<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">BIP-110 ist nur die lauteste, nicht die einzige Front, an der seit Taproot \u00fcber die Zukunft von Bitcoins Blockspace verhandelt wird. Der Covenant-Vorschlag OP_CTV (BIP-119, Autor Jeremy Rubin) verfolgt im Grunde das entgegengesetzte Ziel, n\u00e4mlich Bitcoins Skriptsprache um kontrollierte, nicht-rekursive Bedingungen f\u00fcr Vaults und Zahlungsb\u00fcndelung zu erweitern, bewegt sich dabei aber bewusst in einem deutlich langsameren, konservativeren Tempo: Die eigene Signalisierung begann erst am 30. M\u00e4rz 2026 mit einer Schwelle von 90 Prozent und einer Zieldauer von einem vollen Jahr, statt der wenigen Monate bei BIP-110. Der umstrittenere OP_CAT (BIP-347) hat bislang nicht einmal einen konkreten Aktivierungsfahrplan.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Am weitesten geht inzwischen ein Ansatz, der gar keinen Soft Fork mehr ben\u00f6tigt: BitVM2 nutzt optimistische Challenge-Response-Beweise, um komplexe Berechnungen von Bitcoin auslagern und trotzdem gegen das Bitcoin-Mainnet absichern zu k\u00f6nnen. Auf dieser Grundlage startete im Januar 2026 Citrea, das erste produktive ZK-Rollup direkt auf Bitcoin, mit \u00fcber 30 dezentralen Anwendungen zum Start. Das dort gebundene Kapital bewegt sich bislang im niedrigen einstelligen Millionenbereich, w\u00e4chst zeitweise aber sehr dynamisch, ein typisches Bild f\u00fcr eine noch junge Infrastruktur.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der rote Faden durch alle diese Vorschl\u00e4ge ist derselbe: Taproot wurde f\u00fcr effizientere Signaturen konzipiert, hat aber nebenbei eine Plattform geschaffen, auf der sich inzwischen sehr unterschiedliche, teils gegens\u00e4tzliche Visionen von Bitcoins Zukunft messen, von striktem Zahlungsnetzwerk bis zu einer breiteren Smart-Contract-f\u00e4higen Infrastruktur. Auch die parallel diskutierte Frage, wie widerstandsf\u00e4hig all diese Adressformate gegen k\u00fcnftige Quantencomputer sind, Stichwort BIP-360 und BIP-361, geh\u00f6rt in dieses gr\u00f6\u00dfere Bild, w\u00fcrde den Rahmen dieses Artikels aber sprengen, wir haben sie in separaten Analysen ausf\u00fchrlich behandelt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Regulatorischer Kontext: Warum BaFin und MiCA hier au\u00dfen vor bleiben<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr deutsche Leserinnen und Leser lohnt sich an dieser Stelle eine Einordnung: Weder BIP-110 noch ein zuk\u00fcnftiges Taproot-Nachfolgeprotokoll f\u00e4llt in irgendeiner Form in die Zust\u00e4ndigkeit von <a href='https:\/\/www.bafin.de\/DE\/Aufsicht\/MiCAR\/MiCAR_node.html'>BaFin<\/a> oder der EU-weiten MiCA-Verordnung. MiCA reguliert Kryptowerte-Dienstleister wie B\u00f6rsen und Verwahrer sowie die Emittenten bestimmter Token, nicht aber die Konsensregeln von Bitcoin selbst. Ob ein Soft Fork wie BIP-110 aktiviert, welche Opcodes Tapscript reserviert oder wie gro\u00df eine OP_RETURN-Ausgabe sein darf, das entscheidet ausschlie\u00dflich das dezentrale Zusammenspiel aus Minern, Node-Betreibern und wirtschaftlichen Akteuren selbst, ganz ohne aufsichtsrechtliches Mitspracherecht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Praktisch relevant wird das Thema f\u00fcr deutsche Bitcoin-Halter eher an anderer Stelle: Wer eigene Coins von einer Legacy- oder SegWit-Adresse auf eine Taproot-Adresse verschiebt, t\u00e4tigt damit keine Ver\u00e4u\u00dferung im Sinne des Paragrafen 23 EStG, solange die Coins im eigenen Besitz bleiben, die einj\u00e4hrige Haltefrist l\u00e4uft ungest\u00f6rt weiter. Sollte die vom Bundeskabinett angesto\u00dfene Reform kommen und Kryptogewinne k\u00fcnftig pauschal wie Kapitaleink\u00fcnfte besteuern, wie wir in <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/krypto-steuer-2026-kabinett-kippt-haltefrist-bitcoin\/'>Krypto-Steuer 2026: Kabinett kippt die Haltefrist f\u00fcr Bitcoin<\/a> beschrieben haben, w\u00fcrde diese Unterscheidung ohnehin an Bedeutung verlieren. Wer seine Bitcoin dagegen \u00fcber sehr lange Zeitr\u00e4ume h\u00e4lt und eines Tages vererben m\u00f6chte, f\u00fcr den ist das gew\u00e4hlte Adressformat aus praktischen wie sicherheitstechnischen Gr\u00fcnden keineswegs nebens\u00e4chlich, wie wir in <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/krypto-vererben-erbschaftsteuer-stichtag\/'>Krypto vererben: Die Erbschaftsteuer-Falle beim Stichtag<\/a> gezeigt haben.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Adressformate im Vergleich<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Abschluss noch einmal im \u00dcberblick, wie sich die verschiedenen Bitcoin-Adressformate technisch unterscheiden:<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Format<\/th><th>Pr\u00e4fix<\/th><th>Grundlage<\/th><th>Einf\u00fchrung<\/th><th>Signaturverfahren<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Legacy (P2PKH)<\/td><td>1&#8230;<\/td><td>Urspr\u00fcngliches Bitcoin-Skript<\/td><td>2009<\/td><td>ECDSA<\/td><\/tr><tr><td>SegWit v0 (P2WPKH\/P2WSH)<\/td><td>bc1q&#8230;<\/td><td>BIP 141 \/ BIP 173<\/td><td>2017<\/td><td>ECDSA<\/td><\/tr><tr><td>Taproot (P2TR)<\/td><td>bc1p&#8230;<\/td><td>BIP 341 \/ BIP 350<\/td><td>2021<\/td><td>Schnorr (BIP 340)<\/td><\/tr><tr><td>Postquantensicher (in Entwicklung)<\/td><td>noch nicht festgelegt<\/td><td>BIP 360 (Entwurf, Merge Februar 2026)<\/td><td>noch nicht aktiviert<\/td><td>noch offen, BIP 360 selbst f\u00fchrt noch keine neuen Signaturen ein<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig zu betonen: Kein \u00e4lteres Format wird durch ein neueres automatisch ung\u00fcltig. Legacy-, SegWit- und Taproot-Adressen funktionieren parallel und werden das auf absehbare Zeit auch weiterhin tun, unabh\u00e4ngig davon, wie der Streit um BIP-110 ausgeht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Was ist Taproot bei Bitcoin genau?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Taproot ist ein B\u00fcndel aus drei Bitcoin Improvement Proposals (BIP 340, 341 und 342), die am 14. November 2021 gemeinsam aktiviert wurden. Es f\u00fchrte Schnorr-Signaturen, das Adressformat P2TR, erkennbar am Pr\u00e4fix bc1p, sowie die Skriptsprache Tapscript ein und erm\u00f6glicht dadurch effizientere Mehrfachsignaturen, mehr Privatsph\u00e4re bei komplexen Skripten und, als Nebeneffekt, auch Anwendungen wie Ordinals-Inschriften.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was unterscheidet eine bc1p-Adresse von einer bc1q-Adresse?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">bc1q-Adressen nutzen klassisches SegWit (BIP 141 und 173) mit ECDSA-Signaturen, eingef\u00fchrt 2017. bc1p-Adressen nutzen Taproot (BIP 341 und 350) mit Schnorr-Signaturen (BIP 340) und unterst\u00fctzen zus\u00e4tzlich MAST f\u00fcr versteckte Skriptbedingungen. Beide Formate bleiben parallel g\u00fcltig, welches Format eine Wallet verwendet, entscheidet allein die Software, nicht das Bitcoin-Protokoll selbst.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie hat Taproot Ordinals und Inscriptions \u00fcberhaupt erm\u00f6glicht?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Tapscript (BIP 342) reserviert bislang ungenutzte Opcodes als automatisch g\u00fcltige OP_SUCCESS-Felder, um k\u00fcnftige Soft Forks zu erleichtern. Kombiniert mit dem Witness Discount aus SegWit, der Witness-Daten nur zu einem Viertel ihres Gewichts anrechnet, konnte Entwickler Casey Rodarmor damit ab Januar 2023 \u00fcber eine als Envelope bekannte Konstruktion beliebige Dateien direkt in Bitcoin-Transaktionen einbetten, deutlich g\u00fcnstiger als zuvor m\u00f6glich.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist BIP-110, und wird es aktivieren?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">BIP-110 ist ein vom pseudonymen Entwickler Dathon Ohm vorgeschlagener, zeitlich auf ein Jahr befristeter Soft Fork, der neue Datenspeicher-Transaktionen wieder st\u00e4rker einschr\u00e4nken soll. Die Miner-Signalisierung lag Mitte Juli 2026 bei unter einem Prozent, weit entfernt von der notwendigen 55-Prozent-Schwelle, und gro\u00dfe Pools wie Foundry und Antpool zeigten keine Zustimmungstendenz. Ohne einen deutlichen Umschwung bis zum verpflichtenden Signalisierungsfenster im August 2026 l\u00e4uft der Vorschlag Anfang September 2026 automatisch aus, ohne Konsequenzen f\u00fcr bereits bestehende Bitcoin.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Macht Taproot Bitcoin anf\u00e4lliger f\u00fcr Quantencomputer?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Taproot-Adressen legen den \u00f6ffentlichen Schl\u00fcssel bereits bei ihrer Erstellung offen, nicht erst beim Ausgeben, wie es bei \u00e4lteren Formaten \u00fcblich ist. Das vergr\u00f6\u00dfert theoretisch das Zeitfenster f\u00fcr einen k\u00fcnftigen Quantenangriff, auch wenn heute noch kein Computer existiert, der dazu tats\u00e4chlich in der Lage w\u00e4re. Vorschl\u00e4ge wie BIP-360 und BIP-361 arbeiten an einer schrittweisen Absicherung, die Details dazu haben wir in unseren vertiefenden Artikeln zum Thema Taproot und Quantenrisiko separat behandelt.<\/p><script type='application\/ld+json'>{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was ist Taproot bei Bitcoin genau?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Taproot ist ein B\u00fcndel aus drei Bitcoin Improvement Proposals (BIP 340, 341 und 342), die am 14. November 2021 gemeinsam aktiviert wurden. 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