{"id":189,"date":"2026-07-20T10:30:27","date_gmt":"2026-07-20T10:30:27","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/silent-payments-taproot-bitcoin-privatsphaere\/"},"modified":"2026-07-20T10:30:27","modified_gmt":"2026-07-20T10:30:27","slug":"silent-payments-taproot-bitcoin-privatsphaere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/silent-payments-taproot-bitcoin-privatsphaere\/","title":{"rendered":"Silent Payments: Wie Taproot Bitcoins Privatsph\u00e4re neu erfindet"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Im November 2025 verurteilte ein US-Bundesgericht die Gr\u00fcnder von Samourai Wallet zu Haftstrafen von f\u00fcnf und vier Jahren, weil ihr CoinJoin-Dienst Whirlpool nachweislich auch Kriminellen beim Verschleiern von Geldw\u00e4sche geholfen hatte. Das Urteil traf nicht nur zwei Entwickler, sondern eine ganze Kategorie von Bitcoin-Privatsph\u00e4re-Werkzeugen: koordinierte Mixing-Dienste mit einem greifbaren Betreiber, den Strafverfolger anklagen k\u00f6nnen. W\u00e4hrend dieser Ansatz sichtbar unter Druck ger\u00e4t, w\u00e4chst im Hintergrund ein anderer heran, der ganz ohne Koordinator und ohne zentralen Betreiber funktioniert. Silent Payments, offiziell als BIP 352 im Bitcoin-Protokoll dokumentiert, sind ein reines Adressformat, kein Dienst, den jemand betreibt und f\u00fcr den jemand haftet. M\u00f6glich wurde die Technik erst durch Taproot, das Upgrade, das Bitcoin seit November 2021 mit Schnorr-Signaturen ausgestattet hat. Dieser Artikel erkl\u00e4rt, wie Silent Payments funktionieren, warum sie ohne Taproot nicht denkbar w\u00e4ren, wer sie Mitte 2026 bereits unterst\u00fctzt und was der neue Standard f\u00fcr Bitcoin-Nutzer in Deutschland praktisch bedeutet.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Fall Samourai: Warum Mixer-Dienste zum Risiko wurden<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Samourai Wallet war \u00fcber Jahre eine der bekanntesten Adressen f\u00fcr Bitcoin-Nutzer, die ihre Transaktionshistorie verschleiern wollten. Kernst\u00fcck war Whirlpool, ein CoinJoin-Dienst, der die Ein- und Ausgaben mehrerer Nutzer zu einer gemeinsamen Transaktion b\u00fcndelte, sodass sich im Nachhinein nicht mehr eindeutig zuordnen lie\u00df, welche Ausgabe zu welchem urspr\u00fcnglichen Guthaben geh\u00f6rte. Im April 2024 klagte die US-Staatsanwaltschaft die Gr\u00fcnder Keonne Rodriguez und William Lonergan Hill wegen des Betriebs eines unlizenzierten Geldtransferdienstes und wegen Verschw\u00f6rung zur Geldw\u00e4sche an. Beide bekannten sich 2025 schuldig. Im November 2025 verh\u00e4ngte das Gericht f\u00fcr den Southern District of New York f\u00fcnf Jahre Haft gegen Rodriguez und vier Jahre gegen Hill; nach Angaben der <a href='https:\/\/www.justice.gov\/usao-sdny\/pr\/founders-samourai-wallet-cryptocurrency-mixing-service-sentenced-five-and-four-years'>US-Staatsanwaltschaft<\/a> wurden \u00fcber den Dienst mehr als 237 Millionen US-Dollar aus Straftaten gewaschen, von Drogenhandel bis zu Erpressung, und beide Angeklagten mussten diesen Betrag als Forfeiture abtreten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der zust\u00e4ndige US Attorney Nicolas Roos kommentierte das Urteil mit deutlichen Worten. &bdquo;Die Strafen, die die Angeklagten erhielten, senden eine klare Botschaft: Wer wissentlich Erl\u00f6se aus Straftaten w\u00e4scht, unabh\u00e4ngig von der eingesetzten Technologie oder davon, ob die Erl\u00f6se in Fiatgeld oder Kryptow\u00e4hrung vorliegen, muss mit ernsten Konsequenzen rechnen&ldquo;, erkl\u00e4rte er laut der <a href='https:\/\/www.justice.gov\/usao-sdny\/pr\/founders-samourai-wallet-cryptocurrency-mixing-service-sentenced-five-and-four-years'>Pressemitteilung des US-Justizministeriums<\/a>. F\u00fcr die Bitcoin-Entwicklerszene war das Signal eindeutig: Wer einen zentralen Koordinator betreibt, tr\u00e4gt ein greifbares rechtliches Risiko, unabh\u00e4ngig davon, wie solide die zugrunde liegende Kryptografie ist.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fall zeigt eine Parallele, die \u00fcber Bitcoin hinausreicht. Auf Ethereum verlief die Aufarbeitung des Mixing-Dienstes Tornado Cash komplizierter und am Ende teilweise sogar gegenl\u00e4ufig: Das US-Finanzministerium nahm Tornado Cash im M\u00e4rz 2025 von seiner Sanktionsliste, nachdem ein Berufungsgericht entschieden hatte, dass unver\u00e4nderliche Smart Contracts, die niemand mehr kontrolliert, kein Eigentum einer sanktionierten Person darstellen k\u00f6nnen, siehe die <a href='https:\/\/home.treasury.gov\/news\/press-releases\/sb0057'>Mitteilung des US-Finanzministeriums<\/a>. F\u00fcr Mitgr\u00fcnder Roman Storm pers\u00f6nlich \u00e4nderte das wenig: Eine Jury verurteilte ihn im August 2025 wegen des Betriebs eines unlizenzierten Geldtransferdienstes, blieb bei den schwereren Vorw\u00fcrfen der Geldw\u00e4sche-Verschw\u00f6rung jedoch uneinig; die US-Staatsanwaltschaft strebt f\u00fcr 2026 einen zweiten Prozess zu diesen offenen Punkten an, wie <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2025\/04\/05\/why-ofac-delisted-tornado-cash'>CoinDesk<\/a> berichtete. Die Lehre aus beiden F\u00e4llen ist \u00e4hnlich: Nicht zwangsl\u00e4ufig der Code selbst ger\u00e4t dauerhaft ins Visier der Justiz, sondern die Menschen, die als erkennbarer Betreiber, Koordinator oder Vermittler auftreten. Genau diese Rolle existiert bei Silent Payments von vornherein nicht, es gibt keinen Smart Contract und keinen Koordinator, den man abschalten oder anklagen k\u00f6nnte.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was Taproot mit Bitcoins Privatsph\u00e4re zu tun hat<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Taproot aktivierte sich am 14. November 2021 im Block 709.632, nachdem im Juni desselben Jahres \u00fcber 90 Prozent der Miner per Speedy Trial ihre Zustimmung signalisiert hatten. Technisch b\u00fcndelt das Upgrade drei Bitcoin Improvement Proposals: BIP 340 f\u00fchrt Schnorr-Signaturen ein, BIP 341 definiert das eigentliche Taproot-Ausgabeformat samt MAST (Merkleized Alternative Script Trees), und BIP 342 erweitert die Skriptsprache um Tapscript. Autoren der drei Kern-BIPs waren unter anderem Pieter Wuille, Jonas Nick, Tim Ruffing und Anthony Towns, allesamt langj\u00e4hrige Bitcoin-Core-Mitwirkende. Wer die Mechanik im Detail nachlesen m\u00f6chte, findet sie in <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/taproot-komplett-erklaert-schnorr-citrea\/'>unserem gro\u00dfen Taproot-Grundlagenartikel<\/a>; dieser Text konzentriert sich bewusst auf die eine Konsequenz, die f\u00fcr Silent Payments entscheidend ist: Taproot-Adressen, erkennbar am Pr\u00e4fix bc1p, sehen f\u00fcr einen externen Beobachter unabh\u00e4ngig vom tats\u00e4chlichen Inhalt der Transaktion nahezu identisch aus. Eine einfache Ein-Schl\u00fcssel-Zahlung und eine komplexe Mehrparteien-Vereinbarung nutzen im Idealfall exakt dasselbe Format.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Uniformit\u00e4t ist kein Nebeneffekt, sondern der Kern des Privatsph\u00e4re-Versprechens, das Taproot seit mittlerweile fast f\u00fcnf Jahren einl\u00f6st, siehe auch <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/taproot-fuenf-jahre-bitcoin-bilanz-2026\/'>unsere Bilanz f\u00fcnf Jahre nach der Aktivierung<\/a>. Ohne diese Eigenschaft k\u00f6nnten Silent Payments technisch zwar existieren, w\u00e4ren auf der Blockchain aber sofort als eigene, erkennbare und damit potenziell stigmatisierbare Kategorie sichtbar. Erst weil jede Silent-Payment-Zahlung wie eine gew\u00f6hnliche Taproot-Transaktion aussieht, verschwindet sie in der Menge der insgesamt wieder wachsenden Taproot-Nutzung, die laut aktuellen Marktdaten auf einen Anteil von grob 15 bis 20 Prozent aller Bitcoin-Transaktionen kommt, deutlich unter dem durch Ordinals und Runes getriebenen Zwischenhoch von \u00fcber 40 Prozent Anfang 2024, aber auf einem soliden, organisch gewachsenen Niveau.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Das Problem vor Silent Payments: Adressen, die alles verraten<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoin-Adressen sind aus Sicht des Protokolls im Grunde Wegwerfartikel. Best Practice ist seit Jahren, f\u00fcr jede eingehende Zahlung eine neue Adresse zu generieren, weil zwei Zahlungen an dieselbe Adresse zweifelsfrei demselben Empf\u00e4nger zugeordnet werden k\u00f6nnen. In der Praxis scheitert das st\u00e4ndig an der Realit\u00e4t: Ladenkassen drucken eine feste Adresse auf ein Schild, Spendenaufrufe verlinken eine einzige Adresse in einer E-Mail-Signatur oder auf Social Media, und viele Nutzer geben aus reiner Bequemlichkeit dieselbe Adresse mehrfach heraus. Jede Wiederverwendung schreibt ein St\u00fcck Transaktionshistorie unwiderruflich in eine \u00f6ffentliche, f\u00fcr immer einsehbare Datenbank, die von spezialisierten Chain-Analyse-Firmen systematisch ausgewertet wird.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein erster L\u00f6sungsversuch existierte bereits Jahre vor Silent Payments: BIP 47, auch als Reusable Payment Codes oder PayNym bekannt, erlaubte es, einen wiederverwendbaren Zahlungscode zu ver\u00f6ffentlichen. Das Problem dabei war die notwendige Ank\u00fcndigungstransaktion, die Notification Transaction: Bevor Sender und Empf\u00e4nger eindeutige Adressen f\u00fcreinander ableiten konnten, musste eine sichtbare, kostenpflichtige Vorab-Transaktion auf der Blockchain stattfinden, die selbst wieder ein erkennbares, kostspieliges Muster hinterlie\u00df und die eigentliche Privatsph\u00e4re teilweise wieder untergrub. Genau an diesem ungel\u00f6sten Rest setzte der pseudonyme Entwickler Ruben Somsen an, als er die erste Version dessen skizzierte, was sp\u00e4ter zu Silent Payments werden sollte.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Silent Payments erkl\u00e4rt: Eine Adresse, unz\u00e4hlige Ziele<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grundidee l\u00e4sst sich in einem Satz zusammenfassen: Eine Person ver\u00f6ffentlicht eine einzige, dauerhafte Adresse, erkennbar am Pr\u00e4fix sp1, aber jede Zahlung, die dort eingeht, erzeugt auf der Blockchain einen v\u00f6llig neuen, einmaligen Taproot-Output, den niemand au\u00dfer Sender und Empf\u00e4nger der ver\u00f6ffentlichten Adresse zuordnen kann. Es gibt keine Ank\u00fcndigungstransaktion, keine Interaktion und keinen Informationsaustausch au\u00dferhalb der eigentlichen Zahlung selbst. Ein Freelancer k\u00f6nnte seine sp1-Adresse dauerhaft auf seiner Webseite stehen lassen, ein gemeinn\u00fctziger Verein sie in jede Spendenaufforderung kopieren, ohne dass Au\u00dfenstehende jemals sehen, wie viele Zahlungen tats\u00e4chlich eingegangen sind oder wie hoch der Gesamtbetrag ausf\u00e4llt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Technisch berechnet der Sender aus den eigenen Transaktionseingaben und dem \u00f6ffentlichen Scan-Schl\u00fcssel des Empf\u00e4ngers ein gemeinsames Geheimnis, das per Hash-Funktion in einen sogenannten Tweak umgewandelt wird. Dieser Tweak wird auf den \u00f6ffentlichen Ausgabeschl\u00fcssel des Empf\u00e4ngers addiert und ergibt den tats\u00e4chlichen, einmaligen Taproot-Schl\u00fcssel der Zahlung. Der Empf\u00e4nger kann exakt dasselbe gemeinsame Geheimnis unabh\u00e4ngig berechnen und dadurch jede eingehende Zahlung erkennen, ohne dass der Sender ihm vorher irgendetwas mitteilen musste. F\u00fcr jeden au\u00dfenstehenden Beobachter der Blockchain sieht das Ergebnis wie eine gew\u00f6hnliche, einmalige Taproot-Zahlung aus, wie es <a href='https:\/\/bitcoinops.org\/en\/topics\/silent-payments\/'>Bitcoin Optech in seiner technischen \u00dcbersicht<\/a> beschreibt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Praktisch relevant ist das vor allem dort, wo Empf\u00e4nger nicht st\u00e4ndig neue Adressen kommunizieren k\u00f6nnen oder wollen. Menschenrechtsorganisationen und Aktivisten in autorit\u00e4r regierten L\u00e4ndern, die auf Bitcoin-Spenden angewiesen sind, aber keine wechselnden Adressen an ein oft anonymes, wechselndes Publikum verteilen k\u00f6nnen, geh\u00f6ren zu den am h\u00e4ufigsten genannten Anwendungsf\u00e4llen f\u00fcr Silent Payments. Dieselbe Eigenschaft hilft aber ebenso gew\u00f6hnlichen Selbstst\u00e4ndigen, Ladenbesitzern oder Streaming-Plattformen, die Trinkgelder in Bitcoin annehmen wollen, ohne f\u00fcr jede einzelne Zahlung manuell eine neue Adresse zu generieren.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Kryptografie im Detail: Scan-Key, Spend-Key und ECDH<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer die Mechanik einen Schritt tiefer verstehen will, muss zwei getrennte Schl\u00fcsselpaare des Empf\u00e4ngers kennen, einen Scan-Schl\u00fcssel und einen Spend-Schl\u00fcssel. Diese Trennung ist kein Zufall, sondern eine bewusste Sicherheitsentscheidung, die den gesamten Ablauf in einzelne, nachvollziehbare Schritte zerlegt:<\/p><ul class='wp-block-list'><li>Der <strong>Scan-Schl\u00fcssel<\/strong> wird ben\u00f6tigt, um eingehende Zahlungen zu erkennen. Er kann an einen Server oder eine Watch-Only-Anwendung weitergegeben werden, ohne dass diese Stelle jemals Geld ausgeben k\u00f6nnte.<\/li><li>Der <strong>Spend-Schl\u00fcssel<\/strong> bleibt ausschlie\u00dflich beim Empf\u00e4nger und wird nur ben\u00f6tigt, um erkannte Guthaben tats\u00e4chlich auszugeben.<\/li><li>Der Sender summiert die privaten Schl\u00fcssel aller eigenen Transaktionseingaben und multipliziert sie mit dem \u00f6ffentlichen Scan-Schl\u00fcssel des Empf\u00e4ngers (Elliptic Curve Diffie-Hellman, ECDH).<\/li><li>Aus diesem gemeinsamen Geheimnis entsteht per Hash-Funktion ein Tweak-Wert, der per Punktaddition auf der elliptischen Kurve mit dem \u00f6ffentlichen Spend-Schl\u00fcssel verrechnet wird.<\/li><li>Der Empf\u00e4nger wiederholt dieselbe Rechnung mit dem eigenen privaten Scan-Schl\u00fcssel und der Summe der \u00f6ffentlichen Eingabeschl\u00fcssel aus der Transaktion und erh\u00e4lt dasselbe Ergebnis.<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Trennung von Scan- und Spend-Schl\u00fcssel erlaubt es beispielsweise Unternehmen, das Scannen nach eingehenden Zahlungen an einen externen Dienst oder Buchhaltungsserver auszulagern, ohne diesem gleichzeitig die Kontrolle \u00fcber das Guthaben zu geben. F\u00fcr kollaborative Konstruktionen wie CoinJoin b\u00f6ten sich zus\u00e4tzlich sogenannte DLEQ-Beweise (Discrete Log Equality) an, mit denen sich beweisen lie\u00dfe, dass ein Teilnehmer einen Tweak korrekt berechnet hat, ohne den privaten Schl\u00fcssel offenzulegen; die <a href='https:\/\/github.com\/bitcoin\/bips\/blob\/master\/bip-0352.mediawiki'>BIP-352-Spezifikation selbst<\/a> h\u00e4lt dieses Feld aber ausdr\u00fccklich f\u00fcr zuk\u00fcnftige Arbeit offen, weil bislang kein formaler Sicherheitsbeweis f\u00fcr eine solche Kombination vorliegt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Von Ruben Somsens Idee zu BIP 352<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Idee ist \u00e4lter, als viele annehmen. Im M\u00e4rz 2022 ver\u00f6ffentlichte der pseudonyme Entwickler Ruben Somsen <a href='https:\/\/gist.github.com\/RubenSomsen\/c43b79517e7cb701ebf77eec6dbb46b8'>ein erstes technisches Konzept<\/a> unter dem Titel &bdquo;Non-interactive private payments with no on-chain overhead&ldquo; und stellte es kurz darauf auf der Bitcoin-Dev-Mailingliste zur Diskussion. Eine sp\u00e4tere Version im Oktober 2022 versuchte sogar, Unterst\u00fctzung f\u00fcr CoinJoin-artige Kombinationen einzubauen, ein Ziel, das, wie im vorherigen Abschnitt beschrieben, bis heute nicht vollst\u00e4ndig gel\u00f6st ist.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ende 2022 stie\u00df die Bitcoin-Core-Mitwirkende Josie Baker, die unter dem Pseudonym josibake auftritt, zum Projekt und trieb gemeinsam mit Sebastian Falbesoner die Formalisierung voran. Am 9. M\u00e4rz 2023 erhielt der Vorschlag offiziell die Bezeichnung <a href='https:\/\/github.com\/bitcoin\/bips\/blob\/master\/bip-0352.mediawiki'>BIP 352<\/a>. Wichtig f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis: BIP 352 verlangt keine \u00c4nderung der Bitcoin-Konsensregeln. Es handelt sich um einen reinen Adress- und Wallet-Standard, den jede Software implementieren kann, ohne auf einen Softfork oder eine Mehrheit von Minern warten zu m\u00fcssen, ein deutlicher Unterschied zu den langwierigeren Aktivierungsdebatten, wie sie etwa um <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/taproot-bip-110-datenstreit\/'>umstrittene Softfork-Vorschl\u00e4ge rund um Bitcoins Blockspace<\/a> gef\u00fchrt werden. Die aktuelle Version 1.1 vom April 2026 f\u00fchrte eine Obergrenze von 2.323 Adressen pro Sendergruppe ein, um gezielte Denial-of-Service-Angriffe zu erschweren, bei denen jemand absichtlich Tausende Scheinzahlungen an eine Adresse schickt, um deren Scan-Aufwand k\u00fcnstlich in die H\u00f6he zu treiben.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum jede Silent-Payment-Zahlung eine Taproot-Adresse ist<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">BIP 352 schreibt explizit vor, dass jede Silent-Payment-Ausgabe im P2TR-Format erfolgen muss, also als Pay-to-Taproot-Output. Das ist keine willk\u00fcrliche Designentscheidung. Taproot-Ausgaben verwenden durchg\u00e4ngig sogenannte X-only Public Keys, ein kompaktes Schl\u00fcsselformat, das sich ideal f\u00fcr die Tweak-Arithmetik eignet, die Silent Payments ben\u00f6tigen. F\u00fcr die Berechnung des gemeinsamen Geheimnisses auf Senderseite l\u00e4sst die Spezifikation nur Eingaben aus P2TR-, P2WPKH-, P2SH-P2WPKH- und klassischen P2PKH-Adressen zu; Mehrfachsignatur-Konstruktionen sind bewusst ausgeschlossen, weil sie das Ergebnis der Berechnung durch sogenannte Malleability-Probleme verf\u00e4lschen k\u00f6nnten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der praktische Effekt: Eine Silent-Payment-Zahlung ist auf der Blockchain von einer gew\u00f6hnlichen Taproot-Einzelzahlung nicht zu unterscheiden. Sie nutzt dieselbe Adressklasse wie die inzwischen Millionen allt\u00e4glicher Taproot-Transaktionen, von einfachen \u00dcberweisungen bis zu den Ordinals-Inschriften, die Taproots Witness-Bereich seit Januar 2023 auf ganz andere Weise nutzen, um Bilddaten und Text direkt auf der Blockchain zu speichern. Ohne die Uniformit\u00e4t, die Taproot seit 2021 etabliert hat, g\u00e4be es schlicht keine ausreichend gro\u00dfe Menge optisch identischer Transaktionen, in der sich Silent Payments \u00fcberhaupt verstecken k\u00f6nnten.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wallet-Unterst\u00fctzung Mitte 2026: Wer kann schon senden und empfangen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Unterst\u00fctzung in der Wallet-Landschaft ist Mitte 2026 uneinheitlich, w\u00e4chst aber sp\u00fcrbar von Monat zu Monat. Die folgende \u00dcbersicht zeigt den Stand bei den wichtigsten Software- und Hardware-Wallets:<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Wallet<\/th><th>Senden<\/th><th>Empfangen<\/th><th>Status \/ seit<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Sparrow Wallet<\/td><td>Ja<\/td><td>Ja<\/td><td>Senden seit Version 2.3.0 (Oktober 2025), Empfangen seit Version 2.5.0 (Mai 2026)<\/td><\/tr><tr><td>Cake Wallet<\/td><td>Ja<\/td><td>Ja<\/td><td>Scanning direkt auf dem Ger\u00e4t, eine der ersten mobilen Wallets mit vollem Support<\/td><\/tr><tr><td>Nunchuk<\/td><td>Nein<\/td><td>Ja<\/td><td>Empfangen unterst\u00fctzt seit 2026<\/td><\/tr><tr><td>Wasabi Wallet<\/td><td>Ja<\/td><td>Geplant<\/td><td>Empfangen laut Roadmap noch nicht ausgeliefert<\/td><\/tr><tr><td>BlueWallet<\/td><td>Nein<\/td><td>Ja<\/td><td>Empfangen unterst\u00fctzt<\/td><\/tr><tr><td>BitBox02 (Hardware)<\/td><td>Signierung<\/td><td>Nein<\/td><td>Signiert Silent-Payment-Transaktionen \u00fcber eine Companion-App seit 2024<\/td><\/tr><tr><td>Coldcard (Hardware)<\/td><td>In Entwicklung<\/td><td>In Entwicklung<\/td><td>Erste Implementierung 2026 in Arbeit<\/td><\/tr><tr><td>Bitcoin Core<\/td><td>Nein<\/td><td>Nein<\/td><td>Mehrere Pull Requests offen, noch keine ver\u00f6ffentlichte Version mit Wallet-Unterst\u00fctzung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoin Core selbst, die Referenzimplementierung, auf der viele andere Projekte aufbauen, hat bislang keine ver\u00f6ffentlichte Version mit Silent-Payments-Wallet-Funktion ausgeliefert. Mehrere Pull Requests, darunter einer von <a href='https:\/\/github.com\/bitcoin\/bitcoin\/pull\/28122'>josibake selbst<\/a>, kreisen seit Jahren um die Kernlogik; ein im Mai 2026 gestarteter zweiter Anlauf zeigt, dass die Integration technisch komplex bleibt und die Review-H\u00fcrden bei sicherheitskritischem Kryptografie-Code bewusst hoch angesetzt sind, damit kein Fehler reale Nutzergelder gef\u00e4hrdet.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Silent Payments, CoinJoin und PayJoin im Vergleich<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Silent Payments treten nicht in Konkurrenz zu allen bisherigen Privatsph\u00e4re-Werkzeugen, sondern l\u00f6sen ein spezifisches Teilproblem: die Wiederverwendung von Empfangsadressen. CoinJoin-Verfahren und PayJoin verfolgen andere Ziele und bleiben weiterhin relevant. Die folgende Tabelle ordnet die drei Ans\u00e4tze ein:<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Merkmal<\/th><th>CoinJoin (z. B. Whirlpool)<\/th><th>PayJoin<\/th><th>Silent Payments<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Koordinator n\u00f6tig<\/td><td>Ja, zentraler Mixing-Pool<\/td><td>Nein<\/td><td>Nein<\/td><\/tr><tr><td>Interaktion n\u00f6tig<\/td><td>Ja, mehrere Teilnehmer gleichzeitig<\/td><td>Ja, einmalig zwischen Sender und Empf\u00e4nger<\/td><td>Nein, vollst\u00e4ndig non-interaktiv<\/td><\/tr><tr><td>Rechtliches Risiko f\u00fcr Betreiber<\/td><td>Hoch, siehe Samourai-Verfahren<\/td><td>Gering, kein zentraler Betreiber<\/td><td>Gering, reines Adressformat ohne Dienstleister<\/td><\/tr><tr><td>On-Chain-Erscheinungsbild<\/td><td>Teils als typisches Mixing-Muster erkennbar<\/td><td>Sieht aus wie eine normale Zahlung<\/td><td>Sieht aus wie eine normale Taproot-Zahlung<\/td><\/tr><tr><td>Rechenaufwand f\u00fcr Empf\u00e4nger<\/td><td>Gering<\/td><td>Gering<\/td><td>H\u00f6her, da die Blockchain gescannt werden muss<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Unterschied zum Samourai-Modell liegt in der Struktur: CoinJoin-Dienste wie Whirlpool brauchten einen Koordinator, der die Transaktionen mehrerer Nutzer b\u00fcndelte, eine Rolle, die sich strafrechtlich als Geldtransferdienst einstufen lie\u00df, wie das Samourai-Verfahren gezeigt hat. Silent Payments kommen v\u00f6llig ohne diese Rolle aus. Es gibt niemanden, der einen Pool betreibt, Geb\u00fchren nimmt oder Transaktionen mehrerer fremder Nutzer physisch zusammenf\u00fchrt. Hinzu kommt ein praktischer Kostenvorteil: Weil keine gemeinsame Koordinator-Transaktion mit vielen gleich gro\u00dfen Ausg\u00e4ngen konstruiert werden muss, fallen f\u00fcr Sender und Empf\u00e4nger keine zus\u00e4tzlichen Runden-Geb\u00fchren oder Wartezeiten an, bis gen\u00fcgend Teilnehmer f\u00fcr einen Mix zusammengekommen sind. Das reduziert nicht automatisch jedes denkbare regulatorische Risiko, ver\u00e4ndert aber die Angriffsfl\u00e4che f\u00fcr Strafverfolger fundamental, weil schlicht kein Betreiber existiert, den man anklagen k\u00f6nnte.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Grenzen und offene Baustellen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">So elegant das Konzept ist, Silent Payments haben reale Nachteile. Der wichtigste: Empf\u00e4nger m\u00fcssen praktisch jede Transaktion in jedem neuen Block darauf pr\u00fcfen, ob sie zum eigenen Scan-Schl\u00fcssel passt. Klassische Wallets scannen nur die eigene, \u00fcberschaubare Menge bekannter Adressen; Silent-Payment-Wallets m\u00fcssen dagegen potenziell jede Transaktion der gesamten Kette gegenpr\u00fcfen, was laut <a href='https:\/\/bitcoinops.org\/en\/topics\/silent-payments\/'>Bitcoin Optech<\/a> deutlich rechenintensiver ist und auf Mobilger\u00e4ten mit begrenzter Akkulaufzeit und Rechenleistung an klare Grenzen st\u00f6\u00dft. Ohne die in Version 1.1 eingef\u00fchrte Obergrenze f\u00fcr Adressgruppen k\u00f6nnte dieser Scan-Aufwand durch gezielte Spam-Transaktionen sogar noch k\u00fcnstlich in die H\u00f6he getrieben werden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau an diesem Punkt setzt eine der interessantesten Neuerungen des Jahres 2026 an: Sparrow-Entwickler Craig Raw ver\u00f6ffentlichte mit Frigate einen experimentellen Electrum-Server, der das rechenintensive Scannen auf die Serverseite auslagert und optional durch GPU-Beschleunigung erheblich beschleunigt, ohne dass der Server dabei erf\u00e4hrt, welche Ausgaben tats\u00e4chlich dem Nutzer geh\u00f6ren. &bdquo;Frigate ist noch experimentell&ldquo;, kommentierte Raw <a href='https:\/\/x.com\/craigraw\/status\/2039351666714071046'>auf X<\/a>, &bdquo;aber es beweist zum ersten Mal, dass Silent-Payments-Wallets praktisch genug f\u00fcr eine breite Nutzung sind. Das ist nicht nur ein l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4lliges Upgrade f\u00fcr Bitcoin-Wallets, sondern auch ein bedeutender Schritt f\u00fcr die Privatsph\u00e4re.&ldquo;<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei weitere Baustellen bleiben offen. Erstens empfiehlt die BIP-352-Spezifikation selbst ausdr\u00fccklich noch nicht, Silent Payments innerhalb von CoinJoin-artigen Kombinationstransaktionen einzusetzen, da laut den Autoren ein formaler Sicherheitsbeweis daf\u00fcr bislang fehlt. Zweitens bleibt die fehlende native Unterst\u00fctzung in Bitcoin Core selbst ein Engpass; \u00e4hnlich wie andere technische Vorschl\u00e4ge rund um Bitcoins Blockspace, etwa die in <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/taproot-bip-110-datenstreit\/'>umstrittenen Softfork-Debatten dieses Jahres<\/a>, zeigt sich, wie langsam und vorsichtig \u00c4nderungen an der Referenzimplementierung typischerweise verlaufen, selbst wenn eine breite Mehrheit der Entwickler das grunds\u00e4tzliche Ziel bef\u00fcrwortet.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wer daran arbeitet: Maelstrom, Kernentwickler und das \u00d6kosystem<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Weiterentwicklung von Silent Payments h\u00e4ngt an einer vergleichsweise kleinen Zahl spezialisierter Entwickler, was das Projekt auch von der Finanzierungsseite her interessant macht. Josie Baker, die unter dem Pseudonym josibake BIP 352 mitverfasst hat, erhielt f\u00fcr ihre fortlaufende Arbeit an Bitcoin Core unter anderem ein Long-Term-Support-Stipendium von OpenSats, einer gemeinn\u00fctzigen Organisation, die Open-Source-Bitcoin-Entwicklung finanziert. Ihre Motivation beschrieb sie in einem Interview mit dem Bitcoin-Infrastrukturanbieter Hiro so: &bdquo;F\u00fcr mich geht es bei der Arbeit an Privatsph\u00e4re in Bitcoin darum, diesem neuen System dasselbe Ma\u00df an Privatsph\u00e4re zu geben, das Menschen heute in traditionellen Finanzsystemen genie\u00dfen&ldquo;, sagte sie laut <a href='https:\/\/www.hiro.so\/blog\/what-are-bitcoin-silent-payments'>Hiro<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zus\u00e4tzlichen R\u00fcckenwind bekam das Thema im Juni 2026 von eher unerwarteter Seite: Maelstrom, das Family Office des fr\u00fcheren BitMEX-Chefs Arthur Hayes, vergibt Entwicklungsstipendien f\u00fcr Bitcoin-Core-nahe Arbeit in H\u00f6he von 50.000 bis 150.000 US-Dollar pro Jahr, die sich auf bis zu 250.000 US-Dollar kombinieren lassen. Laut <a href='https:\/\/cointelegraph.com\/news\/arthur-hayes-maelstrom-fund-announces-bitcoin-grant-program-250k-developer'>Cointelegraph<\/a> arbeiten zwei der vier aktuell von Maelstrom finanzierten Entwickler in Vollzeit an Privatsph\u00e4re-Protokollen mit Schwerpunkt auf PayJoin und Silent Payments. Dass ausgerechnet ein Family Office mit Wurzeln im Derivatehandel privatsph\u00e4refreundliche Bitcoin-Infrastruktur querfinanziert, unterstreicht, wie sehr das Thema inzwischen als strategisch wichtig f\u00fcr Bitcoins langfristige Rolle als Zahlungsnetzwerk gilt, unabh\u00e4ngig von kurzfristigen Kursschwankungen um die aktuell rund 56.100 Euro pro Bitcoin (Stand 20. Juli 2026, laut <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>CoinGecko<\/a>).<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Regulatorischer Rahmen: BaFin, MiCA und die Transfer-of-Funds-Verordnung<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie bei jedem Bitcoin-Protokollstandard gilt zun\u00e4chst: Weder BaFin noch die EU-weite MiCA-Verordnung nehmen Einfluss darauf, welches Adressformat ein einzelner Nutzer verwendet. Die <a href='https:\/\/www.bafin.de\/DE\/Aufsicht\/MiCAR\/MiCAR_artikel.html'>MiCAR-Zulassungspflichten<\/a>, die seit dem 30. Dezember 2024 f\u00fcr Kryptowerte-Dienstleister gelten, setzen an der Ebene der Diensteanbieter an, also an B\u00f6rsen, Verwahrern und Handelsplattformen, nicht an der Bitcoin-Konsensschicht selbst. Ob eine Wallet klassische SegWit-Adressen, Taproot-Adressen oder eben Silent-Payment-Adressen erzeugt, ist f\u00fcr die Zulassungspflicht eines Anbieters irrelevant.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist aber eine zweite, oft \u00fcbersehene Ebene: die sogenannte Transfer-of-Funds-Verordnung, offiziell <a href='https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/reg\/2023\/1113\/oj\/eng'>Verordnung (EU) 2023\/1113<\/a>, die ebenfalls seit dem 30. Dezember 2024 gilt und die europ\u00e4ische Umsetzung der internationalen Reisemitteilungspflicht, der Travel Rule, regelt. Sie verpflichtet Kryptowerte-Dienstleister, bei jedem Transfer, unabh\u00e4ngig vom Betrag und ohne die im klassischen Zahlungsverkehr \u00fcbliche Bagatellgrenze von 1.000 Euro, Angaben zu Auftraggeber und Beg\u00fcnstigtem zu erheben und weiterzugeben. Silent Payments \u00e4ndern daran nichts: Sie verbessern die Privatsph\u00e4re gegen\u00fcber au\u00dfenstehenden Beobachtern der Blockchain, also gegen\u00fcber jedem, der \u00f6ffentlich einsehbare Transaktionsdaten analysiert, nicht aber gegen\u00fcber der eigenen B\u00f6rse oder dem eigenen Verwahrer, die im Rahmen der Kontoer\u00f6ffnung ohnehin die Identit\u00e4t ihrer Kunden kennen. Wer Bitcoin \u00fcber eine regulierte Plattform kauft oder verkauft, bleibt dieser Plattform gegen\u00fcber identifizierbar, ganz gleich, welches Adressformat am Ende auf der Blockchain verwendet wird.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was das f\u00fcr Bitcoin-Nutzer in Deutschland praktisch bedeutet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Privatanwender in Deutschland \u00e4ndert die Nutzung von Silent Payments zun\u00e4chst wenig an der steuerlichen Behandlung. Nach wie vor kn\u00fcpft \u00a7 23 EStG die Frage einer m\u00f6glichen Besteuerung an die Ver\u00e4u\u00dferung von Bitcoin, nicht an das verwendete Adressformat; das Verschieben eigener Coins zwischen eigenen Adressen unterschiedlichen Typs ist kein steuerlich relevantes Ereignis. Wie sich die Haltefristregeln 2026 grunds\u00e4tzlich weiterentwickeln, haben wir bereits separat eingeordnet, siehe dazu <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/krypto-steuer-2026-kabinett-kippt-haltefrist-bitcoin\/'>unseren Artikel zur Kabinettsentscheidung bei der Haltefrist<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Punkt verdient dagegen besondere Aufmerksamkeit: die Nachlassplanung. Wer Bitcoin \u00fcber eine Silent-Payment-Adresse empf\u00e4ngt, hinterl\u00e4sst auf der Blockchain selbst keinen sichtbaren, festen Adress-Fingerabdruck, den Erben eines Tages einfach nachschlagen k\u00f6nnten. Ohne sorgf\u00e4ltig dokumentierte Wallet-Deskriptoren, Seed-Backups und im Idealfall einen digitalen Nachlassplan k\u00f6nnen genau jene Privatsph\u00e4re-Eigenschaften, die zu Lebzeiten erw\u00fcnscht sind, nach einem Todesfall zum Problem werden, wenn Angeh\u00f6rige nicht einmal wissen, wo sie mit der Suche nach vorhandenen Guthaben beginnen sollen. Diese Problematik ist kein Sonderfall von Silent Payments, sondern eine Versch\u00e4rfung eines Themas, das wir bereits im Zusammenhang mit der <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/krypto-vererben-erbschaftsteuer-stichtag\/'>Erbschaftsteuer-Falle beim Bewertungsstichtag<\/a> beschrieben haben. Es gewinnt aber an Dringlichkeit, je mehr Nutzer auf Adressformate umsteigen, die absichtlich keine wiederkehrenden, leicht auffindbaren Spuren hinterlassen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Rechtlich bleibt festzuhalten, dass Selbstverwahrung in Deutschland und der gesamten EU weiterhin uneingeschr\u00e4nkt legal ist; MiCA reguliert Dienstleister, nicht die private Nutzung der eigenen Wallet. Wer Silent Payments ausschlie\u00dflich zwischen eigenen, selbstverwahrten Adressen oder mit privaten Vertragspartnern au\u00dferhalb regulierter Plattformen nutzt, bewegt sich damit im selben rechtlichen Rahmen wie jeder andere Bitcoin-Nutzer auch, nur mit dem zus\u00e4tzlichen Vorteil, dass die eigene Zahlungshistorie nicht durch wiederverwendete Adressen f\u00fcr jeden sichtbar wird, der die Blockchain analysiert.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Ausblick: Der Weg zu privater Bitcoin-Nutzung als Standard<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Weg von Silent Payments zu einem allt\u00e4glichen Standardwerkzeug ist noch nicht abgeschlossen. Solange Bitcoin Core selbst keine native Wallet-Unterst\u00fctzung ausliefert, bleibt die Technik auf Drittanbieter-Wallets und experimentelle Infrastruktur wie Frigate angewiesen, was die Zug\u00e4nglichkeit f\u00fcr weniger technisch versierte Nutzer einschr\u00e4nkt. Gleichzeitig sprechen mehrere Entwicklungen f\u00fcr wachsende Dynamik: die steigende Zahl unterst\u00fctzender Wallets, gezielte Entwicklerfinanzierung durch Organisationen wie Maelstrom und OpenSats, und ein regulatorisches Umfeld, das koordinierte Mixing-Dienste sichtbar unter Druck setzt, w\u00e4hrend ein reines, dienstleisterloses Adressformat rechtlich in einer deutlich ruhigeren Zone operiert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Parallel dazu besch\u00e4ftigt sich die Bitcoin-Entwicklerszene 2026 mit einer ganz anderen Kategorie von Zukunftsfragen rund um Taproot, etwa den m\u00f6glichen Risiken durch Quantencomputer f\u00fcr offengelegte \u00f6ffentliche Schl\u00fcssel, wor\u00fcber unter anderem <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/tech\/2026\/03\/31\/bitcoin-s-taproot-could-make-quantum-attacks-easier-than-expected-new-google-research-says'>CoinDesk im M\u00e4rz 2026 berichtete<\/a>. Beide Themenstr\u00e4nge, Privatsph\u00e4re und langfristige kryptografische Sicherheit, laufen technisch getrennt, teilen sich aber dieselbe Grundlage: ein Bitcoin-Protokoll, das seit Taproot deutlich mehr kryptografische Flexibilit\u00e4t bietet, als die urspr\u00fcngliche Version von 2009 vorsah, ohne dass daf\u00fcr in den meisten F\u00e4llen ein neuer, umstrittener Konsens-Fork n\u00f6tig gewesen w\u00e4re.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Was sind Silent Payments bei Bitcoin?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Silent Payments, standardisiert in BIP 352, sind ein Adressformat, mit dem eine Person eine einzige, dauerhafte Adresse mit dem Pr\u00e4fix sp1 ver\u00f6ffentlichen kann. Jede eingehende Zahlung erzeugt automatisch einen neuen, einmaligen Taproot-Output auf der Blockchain, sodass verschiedene Zahlungen an dieselbe ver\u00f6ffentlichte Adresse f\u00fcr Au\u00dfenstehende nicht miteinander verkn\u00fcpfbar sind. Die Technik erfordert keine \u00c4nderung der Bitcoin-Konsensregeln und keine Interaktion zwischen Sender und Empf\u00e4nger.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie unterscheiden sich Silent Payments von einer normalen Bitcoin-Adresse?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Eine normale Bitcoin-Adresse, die mehrfach verwendet wird, verkn\u00fcpft alle eingehenden Zahlungen sichtbar miteinander, weil dieselbe Zeichenfolge in mehreren Transaktionen auftaucht. Eine Silent-Payment-Adresse erscheint dagegen nie direkt auf der Blockchain. Sie dient nur als Ausgangspunkt f\u00fcr eine kryptografische Berechnung, aus der f\u00fcr jede Zahlung ein eigener, einmaliger Taproot-Schl\u00fcssel entsteht, der nach au\u00dfen wie eine gew\u00f6hnliche Einzelzahlung aussieht.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Welche Wallets unterst\u00fctzen Silent Payments bereits?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Mitte 2026 unterst\u00fctzen unter anderem Sparrow Wallet und Cake Wallet Senden und Empfangen, Nunchuk und BlueWallet das Empfangen sowie Wasabi Wallet das Senden. Das Hardware-Signierger\u00e4t BitBox02 unterst\u00fctzt entsprechende Signaturen bereits seit 2024, w\u00e4hrend Coldcard noch an einer Umsetzung arbeitet. Bitcoin Core selbst hat bislang keine Version mit nativer Silent-Payments-Wallet-Funktion ver\u00f6ffentlicht.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Sind Silent Payments legal und was bedeuten sie f\u00fcr BaFin- und MiCA-Pflichten?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, Silent Payments sind ein legales Adressformat auf Protokollebene, das weder von BaFin noch von der MiCA-Verordnung reguliert wird, \u00e4hnlich wie die Wahl zwischen SegWit- und Taproot-Adressen. F\u00fcr Kryptowerte-Dienstleister \u00e4ndert sich dadurch nichts an ihren Pflichten aus der Transfer-of-Funds-Verordnung (EU) 2023\/1113: Sie m\u00fcssen weiterhin bei jedem Transfer Angaben zu Auftraggeber und Beg\u00fcnstigtem erheben, unabh\u00e4ngig davon, welches Adressformat ihre Kunden nutzen.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist der Unterschied zwischen Silent Payments und CoinJoin?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">CoinJoin-Verfahren wie das fr\u00fchere Whirlpool von Samourai Wallet b\u00fcndeln die Transaktionen mehrerer Teilnehmer \u00fcber einen Koordinator zu einer gemeinsamen Transaktion und erfordern aktive Interaktion mehrerer Nutzer gleichzeitig. Silent Payments l\u00f6sen ein anderes Problem, die Wiederverwendung von Empfangsadressen, ben\u00f6tigen daf\u00fcr aber \u00fcberhaupt keinen Koordinator und keine gleichzeitige Interaktion mehrerer Parteien, was sie strukturell schwerer angreifbar macht als koordinierte Mixing-Dienste, deren Betreiber wie im Fall Samourai strafrechtlich belangt werden k\u00f6nnen.<\/p><script type='application\/ld+json'>{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was sind Silent Payments bei Bitcoin?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Silent Payments, standardisiert in BIP 352, sind ein Adressformat, mit dem eine Person eine einzige, dauerhafte Adresse mit dem Pr\u00e4fix sp1 ver\u00f6ffentlichen kann. 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