{"id":201,"date":"2026-07-22T10:30:37","date_gmt":"2026-07-22T10:30:37","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/taproot-ordinals-inschriften-wirtschaft\/"},"modified":"2026-07-22T10:30:37","modified_gmt":"2026-07-22T10:30:37","slug":"taproot-ordinals-inschriften-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/taproot-ordinals-inschriften-wirtschaft\/","title":{"rendered":"Taproot und Ordinals: Bitcoins ungeplante Inschriften-Wirtschaft"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 7. August 2026 k\u00f6nnte Bitcoin eine seiner ungew\u00f6hnlichsten Wochen seit Langem erleben. An diesem Tag beginnt das verpflichtende Signaling-Fenster f\u00fcr BIP-110, einen Softfork-Vorschlag, der bestimmte Transaktionsarten f\u00fcr ein Jahr drastisch einschr\u00e4nken w\u00fcrde. Im Zentrum des Streits steht nicht Bitcoin als Zahlungsnetzwerk, sondern eine Industrie, die ohne ein einziges Protokoll-Upgrade nie entstanden w\u00e4re: Ordinals und Runes, zusammen verantwortlich f\u00fcr mehr als 100 Millionen Inscriptions und zeitweise \u00fcber 90 Prozent aller Bitcoin-Netzwerkgeb\u00fchren.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dieses Upgrade hei\u00dft Taproot. Aktiviert im November 2021, sollte es Bitcoin vor allem effizienter, privater und flexibler f\u00fcr komplexe Signaturen machen, nicht mehr und nicht weniger. Kaum jemand im Entwicklerteam rechnete damit, dass genau dieselben technischen Eigenschaften wenige Jahre sp\u00e4ter eine eigenst\u00e4ndige Wirtschaft aus digitalen Inschriften, Token-Standards, Marktpl\u00e4tzen und einem erbitterten Streit ums Blockspace hervorbringen w\u00fcrden. Dieser Artikel erkl\u00e4rt, wie Taproot technisch funktioniert, warum ausgerechnet dieses Upgrade zur Grundlage von Ordinals und Runes wurde, was die n\u00fcchternen Zahlen hinter dem Boom tats\u00e4chlich zeigen, wer an der Sache verdient und warum der Konflikt um BIP-110 l\u00e4ngst keine rein technische Frage mehr ist, sondern eine Grundsatzdebatte \u00fcber Bitcoins Identit\u00e4t.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was ist Taproot? Die Grundlagen in K\u00fcrze<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Taproot ist Bitcoins dritte gro\u00dfe Protokoll-Erweiterung nach Segregated Witness (SegWit) im Jahr 2017. Es aktivierte am 14. November 2021 bei Block 709.632 \u00fcber den sogenannten Speedy-Trial-Mechanismus, nachdem im Juni desselben Jahres mehr als 90 Prozent der Miner ihre Unterst\u00fctzung signalisiert hatten (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/tech\/2021\/11\/13\/taproot-bitcoins-long-anticipated-upgrade-activates-this-weekend'>CoinDesk<\/a>). Technisch besteht Taproot aus einem B\u00fcndel von drei Bitcoin Improvement Proposals: BIP 340 definiert Schnorr-Signaturen, BIP 341 f\u00fchrt das eigentliche Taproot-Output-Format samt MAST (Merkelized Alternative Script Trees) ein, und BIP 342 aktualisiert die Skriptsprache unter dem Namen Tapscript. Autoren waren unter anderem Pieter Wuille, Jonas Nick, Tim Ruffing und Anthony Towns (<a href='https:\/\/github.com\/bitcoin\/bips\/blob\/master\/bip-0341.mediawiki'>GitHub<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Nach au\u00dfen erkennbar ist Taproot an Adressen, die mit bc1p beginnen, im Unterschied zu bc1q bei SegWit oder der f\u00fchrenden 1 bei klassischen Legacy-Adressen. Die drei erkl\u00e4rten Ziele waren geringere Transaktionsgeb\u00fchren durch kompaktere Signaturen, mehr Privatsph\u00e4re, weil komplexe Ausgabebedingungen wie Multisig auf der Blockchain wie eine gew\u00f6hnliche Zahlung aussehen k\u00f6nnen, und mehr Flexibilit\u00e4t f\u00fcr Smart-Contract-\u00e4hnliche Konstruktionen wie Lightning-Kan\u00e4le. Wovon in der urspr\u00fcnglichen Diskussion praktisch nicht die Rede war: die M\u00f6glichkeit, beliebige Daten wie Bilder oder Text direkt in eine Bitcoin-Transaktion einzubetten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Name Taproot geht auf eine fr\u00fche Idee von Bitcoin-Core-Mitentwickler Greg Maxwell zur\u00fcck, der 2018 vorschlug, Ausgabebedingungen wie eine Pfahlwurzel zu strukturieren: ein einzelner sichtbarer Stamm an der Oberfl\u00e4che, unter dem sich beliebig viele, unsichtbare Verzweigungen verbergen k\u00f6nnen. Die Aktivierung selbst verlief, anders als bei SegWit 2017, weitgehend ger\u00e4uschlos. Wo SegWit von einem monatelangen Machtkampf zwischen Minern, Entwicklern und der User-Activated-Soft-Fork-Bewegung begleitet wurde, einigte sich die Community bei Taproot vergleichsweise schnell auf den Speedy-Trial-Mechanismus mit einer dreimonatigen Signaling-Phase und klarer Frist, ein Kontrast, der angesichts der heutigen BIP-110-Kontroverse fast nostalgisch wirkt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Schnorr-Signaturen und Tapscript: Der Schl\u00fcssel zur Inschriften-Wirtschaft<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Um zu verstehen, wie aus einem Effizienz-Upgrade eine Inschriften-Wirtschaft wurde, hilft ein Blick auf zwei technische Details. Erstens erlaubt ein Taproot-Output (P2TR) zwei Ausgabewege: den Key Path, der wie eine gew\u00f6hnliche Einzelsignatur aussieht, und den Script Path, der ein einzelnes Blatt aus einem Merkle-Baum m\u00f6glicher Skripte offenlegt, ohne die \u00fcbrigen Bedingungen preiszugeben. Genau dieser Script Path, kombiniert mit der neuen Tapscript-Sprache aus BIP 342, \u00f6ffnete die T\u00fcr f\u00fcr sogenannte Inscriptions.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Schnorr-Signaturen unterscheiden sich von den zuvor bei Bitcoin ausschlie\u00dflich genutzten ECDSA-Signaturen vor allem durch ihre Linearit\u00e4t: Mehrere Schnorr-Signaturen lassen sich mathematisch zu einer einzigen kombinieren, was ECDSA so nicht erlaubt. Diese Eigenschaft ist die Grundlage f\u00fcr Protokolle wie MuSig2, die heute Multisig-Transaktionen effizienter und privater machen, aber eben auch eine indirekte Voraussetzung daf\u00fcr, dass komplexere Skript-Konstruktionen im Taproot-\u00d6kosystem \u00fcberhaupt praktikabel wurden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zweitens gilt seit SegWit f\u00fcr Witness-Daten, also den Teil einer Transaktion, der Signaturen und Skripte enth\u00e4lt, ein Gewichtsrabatt gegen\u00fcber dem Rest der Transaktion: Daten im Witness-Bereich z\u00e4hlen f\u00fcr die Blockgr\u00f6\u00dfe nur zu einem Bruchteil ihres tats\u00e4chlichen Volumens. Casey Rodarmor nutzte diese Kombination aus Script-Path-Spending und Gewichtsrabatt f\u00fcr einen Trick, der als Envelope bekannt wurde. Innerhalb eines OP_FALSE-OP_IF-Blocks, der vom Bitcoin-Skript-Interpreter niemals ausgef\u00fchrt wird, lassen sich beliebige Bytes wie ein Bild, ein Text oder eine JSON-Datei ablegen. Da der Code nie ausgef\u00fchrt wird, muss er auch keine sinnvolle Logik enthalten, er dient nur als Container. Verkn\u00fcpft mit der von Rodarmor entwickelten Ordinal Theory, die jedem Satoshi anhand seiner Position im F\u00f6rdervolumen eine eindeutige Nummer zuweist, entsteht so ein natives Bitcoin-Sammlerst\u00fcck ganz ohne Sidechain oder separates Token.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Keines der beteiligten BIPs erw\u00e4hnt Bilder, NFTs oder Token-Standards. Die Inschriften-Wirtschaft ist ein Nebeneffekt, der erst durch das Zusammenspiel von Schnorr-Signaturen, MAST-Struktur, Tapscript und dem SegWit-Gewichtsrabatt m\u00f6glich wurde, nicht durch eine einzelne, daf\u00fcr vorgesehene Funktion.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Geburt der Ordinals: Ein Pixel-Totenkopf ver\u00e4ndert Bitcoin<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Im Dezember 2022 inskribierte Casey Rodarmor die vermutlich erste Ordinal-Inschrift, ein simples Schwarz-Wei\u00df-Pixelbild eines Totenkopfs. Im Januar 2023 ver\u00f6ffentlichte er das Ordinal Theory Handbook und machte das Projekt \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/consensus-magazine\/2023\/02\/23\/casey-rodarmor-why-i-developed-the-ordinals-bitcoin-nft-project-coindesk'>CoinDesk<\/a>). Die Reaktion der Bitcoin-Community war von Anfang an gespalten: F\u00fcr die einen war es ein kreativer Beweis daf\u00fcr, wie offen und permissionless das Netzwerk tats\u00e4chlich ist, f\u00fcr die anderen ein Missbrauch von Blockspace, der eigentlich f\u00fcr Zahlungen reserviert sein sollte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Rodarmor selbst hatte zuvor \u00fcberlegt, NFTs auf Ethereum zu bauen, entschied sich dagegen und suchte nach einem Weg, digitale Kunst nativ auf Bitcoin zu verankern. Ordinal Theory macht das m\u00f6glich, indem sie jedem einzelnen Satoshi eine fortlaufende Nummer zuweist, abh\u00e4ngig davon, in welcher Reihenfolge er gef\u00f6rdert wurde. Eine Inschrift h\u00e4ngt Daten an einen bestimmten, nummerierten Satoshi, wodurch dieser zu einem eindeutigen, verfolgbaren Tr\u00e4ger einer digitalen Signatur wird, technisch n\u00e4her an einem Bitcoin-nativen Sammlerst\u00fcck als an einem klassischen Ethereum-NFT mit separatem Smart Contract.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Innerhalb weniger Wochen entstand um Ordinals ein eigenes kleines Subkultur-\u00d6kosystem. Sogenannte Rare Sats, also Satoshis mit besonderen Eigenschaften wie der erste Satoshi eines Blocks oder eines Halvings, wurden zu gesuchten Sammlerobjekten, unabh\u00e4ngig davon, ob \u00fcberhaupt eine Inschrift daran hing. Innerhalb der ersten Monate 2023 entstanden erste dedizierte Marktpl\u00e4tze und Wallet-Anbieter, und die Zahl der t\u00e4glichen Inscriptions stieg von einigen Hundert auf zeitweise mehrere Hunderttausend, ein Tempo, das selbst erfahrene Bitcoin-Entwickler \u00fcberraschte.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Von Bildern zu Token: BRC-20 und der Aufstieg von Runes<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Nur wenige Wochen nach dem Ordinals-Start experimentierten andere Entwickler damit, das Inschriften-Format f\u00fcr mehr als Bilder zu nutzen. Am 9. M\u00e4rz 2023 ver\u00f6ffentlichte der pseudonyme Entwickler Domo den BRC-20-Standard, inspiriert von Ethereums ERC-20-Token, aber technisch grundverschieden umgesetzt (<a href='https:\/\/bitcoinmagazine.com\/glossary\/brc-20'>Bitcoin Magazine<\/a>). Technisch funktioniert BRC-20 \u00fcber drei JSON-Operationen innerhalb einer Inschrift: deploy legt ein neues Token mit Namen, Gesamtangebot und Pr\u00e4gelimit an, mint erzeugt neue Einheiten bis zum Limit, und transfer \u00fcbertr\u00e4gt sie an eine andere Adresse. Jede dieser drei Operationen ist eine eigene, vollst\u00e4ndige Inschrift, was erkl\u00e4rt, warum BRC-20 das UTXO-Set so viel st\u00e4rker belastet als eine klassische Zahlung. Das erste und bis heute bekannteste BRC-20-Token hei\u00dft schlicht ORDI.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem: BRC-20 ist f\u00fcr Bitcoins UTXO-Modell denkbar ineffizient, weil jede Aktion das UTXO-Set weiter aufbl\u00e4ht, was wiederum jeden Full Node dauerhaft belastet. Rodarmor selbst reagierte mit einem eigenen Gegenentwurf: Runes, gestartet am 20. April 2024 exakt zum Block des vierten Bitcoin-Halvings, Block 840.000 (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/tech\/2024\/04\/17\/runes-casey-rodarmors-protocol-for-shtcoins-on-bitcoin-set-to-go-live-at-halving'>CoinDesk<\/a>). Runes verankert Token-Zust\u00e4nde direkt im UTXO-Modell \u00fcber sogenannte Runestones in OP_RETURN-Ausgaben, statt sie wie BRC-20 aus Text-Inschriften zu rekonstruieren. Das spart UTXOs und Geb\u00fchren, auch wenn Kritiker anmerken, dass Runes im Kern eine Umgehung von OP_RETURNs traditioneller 80-Byte-Grenze darstellt, dem eigentlichen Streitpunkt hinter BIP-110.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Start war spektakul\u00e4r: Innerhalb weniger Stunden machten Runes-Transaktionen \u00fcber 90 Prozent aller Bitcoin-Netzwerkgeb\u00fchren aus, ausgerechnet an dem Tag, an dem sich die Block-Subvention durch das Halving halbierte.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Merkmal<\/th><th>BRC-20<\/th><th>Runes<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Speicherort der Daten<\/td><td>Text\/JSON innerhalb einer Ordinals-Inschrift<\/td><td>Nativ im UTXO-Modell \u00fcber OP_RETURN-Runestones<\/td><\/tr><tr><td>Start<\/td><td>9. M\u00e4rz 2023<\/td><td>20. April 2024 (Block 840.000, Halving)<\/td><\/tr><tr><td>Urheber<\/td><td>Pseudonymer Entwickler Domo<\/td><td>Casey Rodarmor<\/td><\/tr><tr><td>UTXO-Effizienz<\/td><td>Gering, jede Aktion erzeugt neue Inschriften<\/td><td>Deutlich h\u00f6her, Zustand lebt direkt im UTXO<\/td><\/tr><tr><td>Bekanntestes Token<\/td><td>ORDI<\/td><td>DOG\u2022GO\u2022TO\u2022THE\u2022MOON<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Boom, Absturz, Konsolidierung: Die Zahlen hinter Ordinals und Runes<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer die reinen Zahlen betrachtet, sieht eine klassische Boom-Bust-Kurve mit einer bemerkenswerten Wendung: Trotz eines massiven R\u00fcckgangs der Spekulation ist die zugrunde liegende Nutzung nicht verschwunden, sondern hat sich auf einem niedrigeren, aber stabileren Niveau eingependelt.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kennzahl<\/th><th>Wert<\/th><th>Zeitpunkt<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Taproot-Anteil an allen Transaktionen (H\u00f6chststand)<\/td><td>\u00fcber 40 Prozent<\/td><td>Anfang 2024<\/td><\/tr><tr><td>Taproot-Anteil an allen Transaktionen (aktuell)<\/td><td>rund 15 bis 20 Prozent<\/td><td>Anfang 2026<\/td><\/tr><tr><td>Inscriptions insgesamt<\/td><td>\u00fcber 107 Millionen<\/td><td>Januar 2026 (Dune\/Ordiscan)<\/td><\/tr><tr><td>Runes-Anteil an Netzwerkgeb\u00fchren (Start)<\/td><td>\u00fcber 90 Prozent<\/td><td>20. April 2024<\/td><\/tr><tr><td>Runes-Anteil an Netzwerkgeb\u00fchren<\/td><td>unter 2 Prozent<\/td><td>Mitte 2025<\/td><\/tr><tr><td>BTC\/EUR-Kurs<\/td><td>rund 57.800 Euro<\/td><td>22. Juli 2026 (CoinGecko)<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Der R\u00fcckgang bei Runes f\u00e4llt besonders drastisch aus: Die t\u00e4gliche Geb\u00fchreneinnahme sank von zeitweise mehreren zehn Millionen US-Dollar auf teils unter 250.000 US-Dollar pro Tag (<a href='https:\/\/blockeden.xyz\/blog\/2026\/01\/26\/runes-protocol-evolution-bitcoin-tokenization-one-year-later\/'>BlockEden<\/a>). Das mit Abstand liquideste Runes-Token, DOG\u2022GO\u2022TO\u2022THE\u2022MOON, verlor vom Hoch im November 2024 bei rund 730,6 Millionen US-Dollar Marktkapitalisierung bis Januar 2026 etwa 87 Prozent seines Werts und lag zuletzt bei rund 128 Millionen US-Dollar, blieb damit aber weiterhin das mit Abstand meistgehandelte Rune.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">BlockEdens Analyse nennt vier Gr\u00fcnde f\u00fcr den Absturz: Spekulationskapital wanderte in neue Trends wie KI-Agenten-Token und Solana-Memecoins ab, Wallet- und DEX-Infrastruktur f\u00fcr Runes blieb im Vergleich zu Ethereum oder Solana unausgereift, es entstanden kaum komplexe Anwendungen jenseits von Pr\u00e4gung und Handel, und Bitcoins bewusst eingeschr\u00e4nkte Skriptsprache verhindert von Haus aus Lending oder Yield-Farming, wie man es aus DeFi kennt. Ein fr\u00fcher Nachfolgeversuch namens Alkanes, der eine programmierbare Schicht auf Runes aufsetzt, hat seit M\u00e4rz 2025 nach Angaben von BlockEden immerhin 11,5 BTC an Gasgeb\u00fchren erzeugt, bleibt aber ein Nischenprojekt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr gew\u00f6hnliche Bitcoin-Nutzer hatten diese Wellen eine unangenehme Kehrseite: W\u00e4hrend der H\u00f6hepunkte 2023 und 2024 stiegen die Durchschnittsgeb\u00fchren f\u00fcr einfache Zahlungen zeitweise auf mehrere Zehn US-Dollar pro Transaktion, was gerade f\u00fcr kleinere Betr\u00e4ge unwirtschaftlich wurde und der Kritik neuen Auftrieb gab, Bitcoin verliere durch Inscriptions seinen urspr\u00fcnglichen Zweck als Zahlungsnetzwerk aus den Augen, ein Vorwurf, der sich in der heutigen BIP-110-Debatte praktisch unver\u00e4ndert wiederfindet.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wer verdient mit? Miner, Marktpl\u00e4tze und die Geb\u00fchren-\u00d6konomie<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Bitcoin-Miner war die Inschriften-Welle mehr als eine Kuriosit\u00e4t. Nach jedem Halving sinkt die Block-Subvention, zuletzt 2024 auf 3,125 BTC, was den Druck auf die Geb\u00fchreneinnahmen als Ausgleich erh\u00f6ht, ein Zusammenhang, den wir in unserem Artikel zu <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/bitcoin-mining-margen-2026\/'>Bitcoin-Mining-Margen 2026<\/a> ausf\u00fchrlich einordnen. Ausgerechnet am Halving-Tag 2024 sorgte der Runes-Start f\u00fcr einen der h\u00f6chsten Geb\u00fchrentage der Bitcoin-Geschichte und bewies damit, wie stark Inschriften-Aktivit\u00e4t die Minerwirtschaft kurzfristig beeinflussen kann.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem f\u00fcr Miner: Diese Einnahmen sind hochgradig volatil und lassen sich nicht planen. W\u00e4hrend der Ordinals- und Runes-Hochphasen 2023 und 2024 stiegen die durchschnittlichen Transaktionsgeb\u00fchren zeitweise stark an, was Nutzern gew\u00f6hnlicher Zahlungen hohe Kosten bescherte, aber gleichzeitig einen willkommenen Puffer f\u00fcr die im Zuge der <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/bitcoin-hashrate-wachstum-2026\/'>weiter wachsenden Hashrate<\/a> steigenden Betriebskosten der Miner bot. Sobald die Spekulationswelle abflaute, verschwand dieser Puffer wieder, was die zugrunde liegende Herausforderung f\u00fcr Minerbetreiber nur versch\u00e4rfte: sinkende Subvention, volatile Zusatzerl\u00f6se, steigende Energiekosten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auch abseits der Miner entstand eine eigene Marktinfrastruktur: Handelspl\u00e4tze wie Magic Eden erweiterten ihr Angebot um Bitcoin-Inscriptions, spezialisierte Wallets wie Xverse oder Unisat kamen hinzu, und Analyseplattformen wie Ordiscan oder Dune-Dashboards etablierten sich als Standard-Referenz f\u00fcr Inscription-Zahlen. Ein wiederkehrendes Problem dieser fr\u00fchen Marktphase war die Durchsetzbarkeit von Creator-Royalties: Anders als bei manchen Ethereum-Standards l\u00e4sst sich eine Beteiligung des urspr\u00fcnglichen Erstellers am Sekund\u00e4rmarkt bei Ordinals nicht technisch erzwingen, sondern nur auf Marktplatz-Ebene freiwillig umsetzen, was zu denselben Debatten f\u00fchrte, die zuvor schon die Ethereum-NFT-Szene besch\u00e4ftigt hatten. Hinzu kommt ein Bitcoin-spezifisches Risiko: Wer nicht aufpasst, kann einen wertvollen, inskribierten Satoshi versehentlich als gew\u00f6hnliches Geb\u00fchren-Change ausgeben und damit unwiederbringlich verlieren, weshalb sich inzwischen spezialisierte Wallets etabliert haben, die Inscriptions und normale Bitcoin-Guthaben strikt voneinander trennen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Spam-Vorwurf: Wie sich die Bitcoin-Community spaltete<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Widerstand gegen Ordinals und Runes ist beinahe so alt wie die Projekte selbst. Historisch galt f\u00fcr OP_RETURN-Ausgaben, dem regul\u00e4ren Weg, um kleine Datenmengen in eine Transaktion einzubetten, eine informelle Standardness-Grenze von 80 Bytes. Diese Grenze war nie Teil des Konsensprotokolls, sondern eine Voreinstellung von Bitcoin Core, die Miner freiwillig \u00fcbernehmen konnten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Im April 2025 reichte der langj\u00e4hrige Bitcoin-Core-Entwickler Peter Todd einen Pull Request ein, der diese Voreinstellung effektiv aufhob, indem er die Standardgr\u00f6\u00dfe von 83 auf 100.000 Bytes anhob. Der Vorschlag wurde im Juni 2025 gemerged und ist seit der im Oktober 2025 ver\u00f6ffentlichten Version Bitcoin Core 30 aktiv. F\u00fcr Kritiker wie Luke Dashjr war das ein Bruch mit einer stillschweigenden Norm, Inscriptions seien, so seine Position, eine Ausnutzung technischer L\u00fccken statt einer bestimmungsgem\u00e4\u00dfen Nutzung des Protokolls. Als Reaktion stieg der Marktanteil der alternativen Node-Software Bitcoin Knots, die restriktivere Voreinstellungen beibeh\u00e4lt, deutlich an, von niedrigen einstelligen auf zweistellige Prozentwerte unter den erreichbaren Full Nodes.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis ist eine Unterscheidung, die in der \u00f6ffentlichen Debatte oft verloren geht: Die alte 80-Byte-Grenze war nie Teil des Konsensprotokolls, sondern eine sogenannte Mempool-Policy, also eine freiwillige Voreinstellung einzelner Node-Betreiber und Miner. Wer sie umgehen wollte, konnte das schon vor Core 30 tun, etwa \u00fcber den bereits beschriebenen Envelope-Trick im Script Path. Core 30 \u00e4nderte also nicht, was technisch m\u00f6glich war, sondern nur, was als Standard-Voreinstellung empfohlen wird, ein Detail, das die eigentliche Motivation hinter BIP-110 erkl\u00e4rt: Wer Inscriptions auf Konsensebene und nicht nur auf Policy-Ebene einschr\u00e4nken will, kommt an einem Softfork wie BIP-110 nicht vorbei.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Kontroverse ist der unmittelbare Vorl\u00e4ufer von BIP-110. Wer die Core-30-\u00c4nderung als Kapitulation vor der Inscription-Wirtschaft ansah, suchte nach einem Weg, die alte Beschr\u00e4nkung auf Konsensebene zu erzwingen, also so, dass sie sich nicht mehr durch eine einzelne Software-Voreinstellung umgehen l\u00e4sst.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>BIP-110: Der Gegenschlag im August 2026<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">BIP-110, offiziell Reduced Data Temporary Softfork, wurde unter dem Pseudonym Dathon Ohm eingereicht, wobei der urspr\u00fcngliche Entwurf Luke Dashjr zugeschrieben wird; die BIP-Nummer wurde im Dezember 2025 vergeben (<a href='https:\/\/github.com\/bitcoin\/bips\/blob\/master\/bip-0110.mediawiki'>GitHub<\/a>). Der Vorschlag w\u00fcrde f\u00fcr rund ein Jahr sieben neue Konsensregeln aktivieren, gezielt gegen die technischen Mechanismen gerichtet, die Ordinals, BRC-20 und Runes erst erm\u00f6glichen:<\/p><ul class='wp-block-list'><li>Nicht-OP_RETURN-Ausgaben werden auf 34 Bytes begrenzt, OP_RETURN-Ausgaben auf 83 Bytes<\/li><li>Datenpushes und Witness-Elemente werden auf 256 Bytes begrenzt<\/li><li>Ausgaben mit bislang undefinierten Witness-Versionen werden ung\u00fcltig<\/li><li>Taproot-Annexe im Witness-Stack werden abgelehnt<\/li><li>Taproot-Control-Blocks werden auf 257 Bytes begrenzt, rund 128 Script-Bl\u00e4tter<\/li><li>OP_SUCCESS-Opcodes sind in Tapscripts verboten<\/li><li>OP_IF und OP_NOTIF in Tapscripts machen die Transaktion ung\u00fcltig<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits bestehende UTXOs blieben von s\u00e4mtlichen Regeln ausgenommen, sodass keine Coins eingefroren w\u00fcrden, ein bewusstes Zugest\u00e4ndnis an Halter, die mit dem eigentlichen Streit nichts zu tun haben. Ungew\u00f6hnlich ist dagegen die Aktivierungsschwelle: Statt der bei Bitcoin sonst \u00fcblichen 95 Prozent Miner-Zustimmung reichen bei BIP-110 bereits 55 Prozent, ein bewusster Bruch mit der Konvention, den Bef\u00fcrworter mit der Dringlichkeit des Themas begr\u00fcnden und Kritiker als demokratisch fragw\u00fcrdig bezeichnen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Parameter<\/th><th>Wert<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Autor<\/td><td>Dathon Ohm (Pseudonym), Erstentwurf Luke Dashjr zugeschrieben<\/td><\/tr><tr><td>BIP-Nummer zugewiesen<\/td><td>Dezember 2025<\/td><\/tr><tr><td>Aktivierungsschwelle<\/td><td>55 Prozent Miner-Signaling (1.109 von 2.016 Bl\u00f6cken)<\/td><\/tr><tr><td>Pflicht-Signaling-Fenster<\/td><td>ab Block 961.632, rund 7. August 2026<\/td><\/tr><tr><td>Aktivierungsfrist<\/td><td>rund 1. September 2026<\/td><\/tr><tr><td>Geltungsdauer bei Aktivierung<\/td><td>52.416 Bl\u00f6cke, etwa ein Jahr<\/td><\/tr><tr><td>Signaling-Stand<\/td><td>deutlich unter 1 Prozent der Hashrate (Stand Juli 2026)<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Das verpflichtende Signaling-Fenster beginnt um Block 961.632, voraussichtlich am 7. August 2026 (<a href='https:\/\/news.bitcoin.com\/bip-110-pushes-bitcoin-toward-august-fork-deadline-with-only-5-eh-s-signaling\/'>news.bitcoin.com<\/a>). Sollte die Schwelle nicht erreicht werden, endet der Versuch ohne Aktivierung. Erzwingt eine Minderheit die Regeln dennoch durch, droht ein Chain Split mit zwei konkurrierenden Chains, inklusive Risiken f\u00fcr B\u00f6rsen und potenzieller Replay-Angriffe. Pikant: Bitcoin-Entwickler Greg Maxwell \u00e4u\u00dferte \u00f6ffentlich den Verdacht, hinter dem Pseudonym Dathon Ohm stecke der von Luke Dashjr betriebene Mining Pool Ocean, was Dathon Ohm zur\u00fcckwies. Unabh\u00e4ngig davon, wer tats\u00e4chlich hinter dem Vorschlag steht: Mit einem Signaling-Anteil von deutlich unter einem Prozent der Hashrate gilt eine nat\u00fcrliche Aktivierung zum jetzigen Zeitpunkt als unwahrscheinlich. Wer die technischen und politischen Details der Aktivierungsmechanik vollst\u00e4ndig nachvollziehen will, findet eine ausf\u00fchrliche Einordnung in unserem Artikel <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/taproot-bip-110-datenstreit\/'>Taproot und BIP-110: Bitcoins Streit ums Blockspace<\/a>.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Saylor, Rodarmor und der Streit ums Wesen von Bitcoin<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Konflikt um BIP-110 ist l\u00e4ngst zu einer Debatte \u00fcber Bitcoins Identit\u00e4t geworden, in die sich prominente Stimmen einschalteten. Michael Saylor, Gr\u00fcnder von Strategy und gr\u00f6\u00dfter b\u00f6rsennotierter Bitcoin-Halter, ver\u00f6ffentlichte im Juli 2026 einen Essay mit dem Titel &bdquo;110 Reasons BIP 110 Is a Bad Idea&ldquo; und warnte, der Vorschlag sei letztlich gef\u00e4hrlicher als das Problem, das er l\u00f6sen soll: &bdquo;the proposed cure more dangerous than the condition&ldquo;. Saylors Kernargument lautet, harte, erzwungene Konsens\u00e4nderungen seien das eigentliche Risiko f\u00fcr Bitcoin, nicht Spam: &bdquo;110 things more dangerous to Bitcoin than spam&ldquo;, erg\u00e4nzt um die Formulierung, Bitcoin brauche &bdquo;guardians of neutrality&ldquo; statt &bdquo;guardians of purity&ldquo; (<a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/408850\/saylor-urges-bitcoin-to-reject-bip-110-in-110-point-essay-as-soft-forks-august-showdown-approaches'>The Block<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Adam Back, Mitgr\u00fcnder von Blockstream und einer der fr\u00fchesten Bitcoin-Mitstreiter \u00fcberhaupt, positionierte sich ebenfalls klar gegen BIP-110. Er warnte wiederholt vor den Folgen eines erzwungenen Forks bei derart niedriger Zustimmungsschwelle, darunter das Risiko eines dauerhaften Chain Splits und ein Vertrauensverlust in Bitcoins permissionless Charakter, sollte eine kleine, gut organisierte Gruppe Konsensregeln gegen die Mehrheit durchsetzen k\u00f6nnen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der anderen Seite steht die Position, aus der Ordinals \u00fcberhaupt erst entstanden sind. Casey Rodarmor selbst beschrieb bei der Consensus-Konferenz 2024 in Austin, warum ihn die fehlende formale Governance von Bitcoin nicht abschreckt, sondern im Gegenteil \u00fcberzeugt: &bdquo;What makes people uncomfortable about Bitcoin governance is that there is no formal governance, [\u2026] we actually want it to be an anarchic, messy process&ldquo; (<a href='https:\/\/cryptobriefing.com\/bitcoin-protocols-debate-rodarmor\/'>Crypto Briefing<\/a>). F\u00fcr Rodarmor ist genau dieses chaotische, informelle Ringen um Legitimit\u00e4t kein Fehler im System, sondern dessen eigentlicher Kern, eine Sichtweise, die sich im BIP-110-Streit fast eins zu eins wiederholt: Beide Seiten berufen sich auf Bitcoins Prinzipien, kommen aber zu entgegengesetzten Schl\u00fcssen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen diesen beiden Polen gibt es eine dritte, pragmatischere Position, die in Entwicklerkreisen zunehmend Anklang findet: Bitcoin habe sich seit seiner Entstehung ohnehin laufend ver\u00e4ndert, von P2SH \u00fcber SegWit bis Taproot, und die eigentliche Aufgabe der Community sei es nicht, Wandel grunds\u00e4tzlich zu verhindern, sondern jede einzelne \u00c4nderung sorgf\u00e4ltig und mit breitem Konsens zu pr\u00fcfen. Genau an diesem letzten Punkt, was als breiter Konsens gilt und was nicht, entz\u00fcndet sich der Streit um BIP-110 und seine ungew\u00f6hnlich niedrige 55-Prozent-Schwelle von Neuem.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Jenseits von Ordinals: Wof\u00fcr Taproot sonst noch genutzt wird<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">So dominant die Berichterstattung \u00fcber Ordinals und Runes auch ist: Taproot wird l\u00e4ngst auch f\u00fcr die Zwecke genutzt, f\u00fcr die es urspr\u00fcnglich gedacht war. MuSig2 (BIP 327) erlaubt es mehreren Signaturen, sich zu einer einzigen, nicht unterscheidbaren Schnorr-Signatur zusammenzufassen. Wallet-Anbieter wie BitGo, Ledger und Nunchuk haben MuSig2 inzwischen produktiv im Einsatz, was Multisig-Transaktionen g\u00fcnstiger und auf der Blockchain nicht mehr von einer gew\u00f6hnlichen Einzelzahlung unterscheidbar macht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auch im Lightning Network spielt Taproot eine wachsende Rolle, etwa \u00fcber Taproot Assets zur Ausgabe von Stablecoins und anderen Verm\u00f6genswerten auf Lightning-Kan\u00e4len. Und die Privatsph\u00e4re-Eigenschaften von Taproot, die im Ordinals-Rummel oft untergehen, sind eigentlich einer der st\u00e4rksten Vorteile des Upgrades: Wer eine Taproot-Adresse \u00fcber den Key Path ausgibt, hinterl\u00e4sst on-chain keinen Hinweis darauf, ob dahinter eine einzelne Person, eine 3-von-5-Multisig-Wallet oder ein Lightning-Kanal steckt. Wie genau diese Eigenschaften genutzt werden k\u00f6nnen, haben wir in unserem Artikel <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/silent-payments-taproot-bitcoin-privatsphaere\/'>Silent Payments: Wie Taproot Bitcoins Privatsph\u00e4re neu erfindet<\/a> ausf\u00fchrlich behandelt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Weitere Anwendungen reichen von FROST-basierten Schwellenwert-Signaturen, die anders als MuSig2 auch dann funktionieren, wenn nicht alle Beteiligten gleichzeitig online sind, bis zu Discreet Log Contracts (DLCs), einer M\u00f6glichkeit, Derivate und Wetten auf externe Ereignisse direkt \u00fcber Bitcoin-Transaktionen abzuwickeln, ohne dass eine der Parteien der anderen vertrauen muss. Keine dieser Anwendungen erzeugt ann\u00e4hernd so viel \u00f6ffentliche Aufmerksamkeit wie Ordinals, macht aber einen erheblichen Teil der tats\u00e4chlichen, nachhaltigen Taproot-Nutzung aus.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Steuerliche Behandlung von Ordinals und Runes in Deutschland<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr deutsche Anleger ist entscheidend: Weder Ordinals noch Runes sind eigenst\u00e4ndig im Einkommensteuergesetz geregelt. Die Finanzverwaltung wendet stattdessen die allgemeinen Grunds\u00e4tze f\u00fcr Kryptowerte analog an. Ordinals gelten dabei als andere Wirtschaftsg\u00fcter im Sinne des \u00a7 23 Abs. 1 S. 1 Nr. 2 EStG, f\u00fcr die Gewinne aus dem Verkauf innerhalb eines Jahres nach Erwerb (Haltefrist) mit dem pers\u00f6nlichen Einkommensteuersatz von bis zu 45 Prozent zuz\u00fcglich Solidarit\u00e4tszuschlag zu versteuern sind, w\u00e4hrend Gewinne nach Ablauf der Haltefrist steuerfrei bleiben. Die j\u00e4hrliche Freigrenze von 1.000 Euro gilt gemeinsam f\u00fcr alle privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4fte, nicht gesondert f\u00fcr Ordinals. F\u00fcr die Aufsicht \u00fcber Kryptodienstleister ist auf EU-Ebene MiCA zust\u00e4ndig, national umgesetzt \u00fcber die <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>BaFin<\/a>, die allerdings CASPs beaufsichtigt und nicht das zugrunde liegende Protokoll.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das reine Pr\u00e4gen (Minting) einer Inschrift gilt in der Regel nicht selbst als steuerpflichtiger Vorgang, die dabei anfallenden Netzwerkgeb\u00fchren z\u00e4hlen stattdessen als Anschaffungsnebenkosten und mindern einen sp\u00e4teren Ver\u00e4u\u00dferungsgewinn. Wer allerdings systematisch Inscriptions erstellt und verkauft, riskiert die Einstufung als Gewerbebetrieb nach \u00a7 15 EStG mit entsprechender Gewerbesteuerpflicht. F\u00fcr die umsatzsteuerliche Seite gilt eine wichtige Unterscheidung: Der Handel mit Bitcoin selbst ist seit dem Hedqvist-Urteil des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs von 2015 als Devisenumsatz von der Umsatzsteuer befreit. Ordinals und Runes sind aber gerade keine reinen Zahlungsmittel, sondern einzigartige digitale Sammlerst\u00fccke beziehungsweise handelbare Token, f\u00fcr die diese Befreiung nicht automatisch gilt. Die genaue umsatzsteuerliche Einordnung von NFT-artigen Verm\u00f6genswerten bleibt auf EU-Ebene bislang ungekl\u00e4rt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Runes-Token gelten grunds\u00e4tzlich dieselben ertragsteuerlichen Prinzipien wie f\u00fcr andere Kryptowerte auch: Kauf und Verkauf sind private Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4fte mit einj\u00e4hriger Haltefrist, Swaps zwischen verschiedenen Runes-Token gelten als eigenst\u00e4ndige Ver\u00e4u\u00dferung mit neu beginnender Frist. Eine ausf\u00fchrliche Einordnung von Grauzonen bei NFTs und DeFi-Verm\u00f6genswerten in Deutschland bietet unser Artikel <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/defi-nft-steuern-deutschland-2026\/'>DeFi- und NFT-Steuern in Deutschland: Die Grauzonen 2026<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein vereinfachtes Beispiel: Wer eine Inscription f\u00fcr umgerechnet 50 Euro Netzwerkgeb\u00fchr pr\u00e4gt und sie acht Monate sp\u00e4ter f\u00fcr 2.000 Euro verkauft, muss die Differenz von 1.950 Euro abz\u00fcglich der 50 Euro Anschaffungsnebenkosten, also 1.900 Euro, mit dem pers\u00f6nlichen Steuersatz versteuern, weil die Jahresfrist noch nicht abgelaufen ist. Wartet dieselbe Person stattdessen 13 Monate, bleibt der gesamte Gewinn steuerfrei, unabh\u00e4ngig von dessen H\u00f6he. Dieser Unterschied macht die genaue Dokumentation von Pr\u00e4gedatum und tats\u00e4chlichen Kosten, wie von der Finanzverwaltung im BMF-Schreiben vom 6. M\u00e4rz 2025 gefordert, in der Praxis zum wichtigsten Hebel f\u00fcr die eigene Steuerlast.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Ausblick: Covenants, Layer 2 und die n\u00e4chste Blockspace-Debatte<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Unabh\u00e4ngig davon, wie die Signaling-Frist im August 2026 endet, d\u00fcrfte der Grundkonflikt hinter BIP-110 bestehen bleiben: Wie viel nicht-monet\u00e4re Nutzung vertr\u00e4gt Bitcoins Basisschicht, bevor sie zulasten von Dezentralisierung und Node-Betriebskosten geht? Ein Teil der Antwort k\u00f6nnte auf Layer 2 liegen. Projekte wie Citrea, das im Januar 2026 als erstes produktives ZK-Rollup direkt auf Bitcoin live ging (<a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/387140\/zk-powered-bitcoin-layer-2-citrea-launches-mainnet'>The Block<\/a>), nutzen BitVM2-Techniken, um komplexe, datenintensive Anwendungen von der Bitcoin-Basisschicht wegzuverlagern, ohne dass daf\u00fcr ein eigener Softfork n\u00f6tig w\u00e4re.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Debatte um Covenants wie OP_CTV (BIP 119) oder OP_CAT (BIP 347) ist eng mit dieser Frage verkn\u00fcpft: Beide Vorschl\u00e4ge w\u00fcrden Bitcoin-Skripten mehr Ausdruckskraft verleihen und damit potenziell neue, heute noch unbekannte Anwendungsf\u00e4lle erm\u00f6glichen, was die Grundsatzfrage, wof\u00fcr Blockspace da sein soll, nur versch\u00e4rfen d\u00fcrfte. Klar ist schon jetzt: Taproot war als Effizienz- und Privatsph\u00e4re-Upgrade gedacht und wurde zur Grundlage einer eigenen Wirtschaft, die niemand explizit geplant hatte. Genau diese Eigendynamik, technische M\u00f6glichkeiten, die weit \u00fcber die urspr\u00fcngliche Absicht hinauswachsen, d\u00fcrfte Bitcoin auch nach der BIP-110-Entscheidung im August weiter begleiten. F\u00fcr Anleger und Entwickler gleicherma\u00dfen bleibt die praktische Lehre aus f\u00fcnf Jahren Taproot dieselbe: Sobald ein Protokoll einmal live ist, entscheiden Nutzer, Miner und Entwickler gemeinsam und oft unvorhersehbar, wof\u00fcr ein Werkzeug tats\u00e4chlich verwendet wird.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Was ist Taproot bei Bitcoin einfach erkl\u00e4rt?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Taproot ist ein im November 2021 aktiviertes Bitcoin-Upgrade, das aus drei Verbesserungsvorschl\u00e4gen (BIP 340, 341 und 342) besteht. Es f\u00fchrt Schnorr-Signaturen ein, erm\u00f6glicht komplexere Ausgabebedingungen \u00fcber eine Baumstruktur namens MAST und macht viele Transaktionen kompakter, g\u00fcnstiger und privater, weil Multisig- und Einzelsignatur-Zahlungen auf der Blockchain gleich aussehen k\u00f6nnen.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie hat Taproot Ordinals und Runes erm\u00f6glicht?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Taproot erlaubt es, \u00fcber den sogenannten Script Path beliebige Daten in einem nie ausgef\u00fchrten Codeblock einer Transaktion abzulegen, kombiniert mit dem Gewichtsrabatt f\u00fcr Witness-Daten aus SegWit. Casey Rodarmor nutzte diese Kombination 2022 und 2023 f\u00fcr Ordinals, indem er Bilder und Text an einzelne, nach Ordinal Theory nummerierte Satoshis anh\u00e4ngte. Runes baut technisch anders, aber auf demselben Taproot-Fundament auf.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist der Unterschied zwischen Ordinals, BRC-20 und Runes?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ordinals ist das Basisprotokoll, um beliebige Daten an einzelne Satoshis zu binden. BRC-20, entwickelt vom pseudonymen Domo im M\u00e4rz 2023, nutzt dieses Format, um textbasierte, fungible Token zu simulieren, ist dabei aber ineffizient und bl\u00e4ht das UTXO-Set auf. Runes, Rodarmors eigene Antwort vom April 2024, verankert Token-Zust\u00e4nde stattdessen direkt und nativ im UTXO-Modell und gilt als deutlich effizienter.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist BIP-110 und wann tritt es in Kraft?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">BIP-110 ist ein Softfork-Vorschlag, der Datenspeicherung auf Bitcoin f\u00fcr rund ein Jahr stark einschr\u00e4nken w\u00fcrde, um Ordinals, BRC-20 und Runes technisch zur\u00fcckzudr\u00e4ngen. Das verpflichtende Signaling-Fenster beginnt um den 7. August 2026, ben\u00f6tigt aber ungew\u00f6hnliche 55 Prozent Miner-Zustimmung. Bei einem Signaling-Anteil von deutlich unter einem Prozent im Sommer 2026 gilt eine nat\u00fcrliche Aktivierung als unwahrscheinlich.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Sind Gewinne aus Ordinals und Runes in Deutschland steuerfrei?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nur unter Bedingungen: Werden Ordinals oder Runes l\u00e4nger als ein Jahr gehalten, sind Verkaufsgewinne nach \u00a7 23 EStG steuerfrei. Innerhalb der Jahresfrist gilt der pers\u00f6nliche Einkommensteuersatz von bis zu 45 Prozent zuz\u00fcglich Solidarit\u00e4tszuschlag, abz\u00fcglich einer gemeinsamen Freigrenze von 1.000 Euro pro Jahr f\u00fcr alle privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4fte. Umsatzsteuerlich ist die Lage komplexer, da die f\u00fcr Bitcoin geltende Befreiung als Devisenumsatz nicht automatisch auf NFT-artige Inschriften oder Token \u00fcbertragbar ist.<\/p><script type='application\/ld+json'>{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was ist Taproot bei Bitcoin einfach erkl\u00e4rt?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Taproot ist ein im November 2021 aktiviertes Bitcoin-Upgrade, das aus drei Verbesserungsvorschl\u00e4gen (BIP 340, 341 und 342) besteht. 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