{"id":237,"date":"2026-08-09T04:27:26","date_gmt":"2026-08-09T04:27:26","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/sec-krypto-strafe-disgorgement-bussgelder-fair-funds-2026\/"},"modified":"2026-08-09T04:27:26","modified_gmt":"2026-08-09T04:27:26","slug":"sec-krypto-strafe-disgorgement-bussgelder-fair-funds-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/sec-krypto-strafe-disgorgement-bussgelder-fair-funds-2026\/","title":{"rendered":"Anatomie einer SEC-Krypto-Strafe: Disgorgement bis Fair Funds"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 6. August 2026 wurde offiziell, was sich seit Wochen abgezeichnet hatte: Der US-Senat wird vor der Sommerpause nicht mehr \u00fcber die CLARITY Act abstimmen. Mehrheitsf\u00fchrer John Thune best\u00e4tigte, dass es im August keine Abstimmung geben werde, k\u00fcndigte aber einen neuen Anlauf nach der R\u00fcckkehr der Kammer am 14. September an (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2026\/08\/06\/senate-won-t-vote-on-crypto-clarity-act-before-its-summer-break'>CoinDesk<\/a>). Zwei Tage sp\u00e4ter er\u00f6ffnete der Senat immerhin die erste prozedurale Stufe des Verfahrens, ein Signal, dass das Gesetz nicht tot ist, aber eben auch kein beschlossener Rahmen (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2026\/08\/08\/u-s-senate-opens-first-stage-of-crypto-clarity-act-voting-to-give-bill-a-chance-next-month'>CoinDesk<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Kryptomarkt bedeutet die Vertagung vor allem eines: Solange der Kongress kein Gesetz verabschiedet, das kl\u00e4rt, wann ein Token ein Wertpapier ist und welche Beh\u00f6rde zust\u00e4ndig ist, bleibt die US-B\u00f6rsenaufsicht SEC das eigentliche Regelbuch. Wie es dazu kam, hat HOGE Wire in der <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/sec-enforcement-2026-krypto-regelwerk\/'>gr\u00f6\u00dferen Bestandsaufnahme des SEC-Enforcements 2026<\/a> ausf\u00fchrlich beschrieben. Dieser Beitrag geht eine Ebene tiefer und seziert die Mechanik, \u00fcber die kaum jemand schreibt: Was passiert eigentlich, wenn die SEC einen Krypto-Fall gewinnt oder vergleicht? Wie wird eine Strafe berechnet, aus welchen Bausteinen besteht sie, und wo landet das Geld am Ende?<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antwort ist technischer, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Eine SEC-Sanktion ist kein einzelner Betrag, sondern ein Baukasten aus mehreren Instrumenten, jedes mit eigener Rechtsgrundlage, eigenen Obergrenzen und eigenen Regeln daf\u00fcr, wer am Ende profitiert. Wer diese Bausteine kennt, versteht die Zahlen hinter F\u00e4llen wie Terraform, Kraken oder BlockFi besser, und erkennt, warum ein Bu\u00dfgeld von 30 Millionen Dollar f\u00fcr die eine Firma ruin\u00f6s und f\u00fcr die andere ein Rundungsfehler ist.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum die Strafmechanik gerade jetzt z\u00e4hlt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Auf den ersten Blick wirkt es paradox, sich ausgerechnet 2026 mit der Strafmechanik der SEC zu besch\u00e4ftigen. Die Beh\u00f6rde hat unter Chairman Paul Atkins fast alle gro\u00dfen Krypto-Registrierungsklagen fallengelassen, und die Zahl der Verfahren ist eingebrochen. Die Beratungsgesellschaft Cornerstone Research z\u00e4hlte f\u00fcr das Gesch\u00e4ftsjahr 2025 nur noch 13 kryptobezogene Verfahren gegen\u00fcber 33 im Vorjahr, ein R\u00fcckgang von rund 60 Prozent (<a href='https:\/\/www.cornerstone.com\/insights\/press-releases\/sec-cryptocurrency-enforcement-declined-atkins-administration\/'>Cornerstone Research<\/a>). Weniger F\u00e4lle bedeuten aber nicht, dass die Konsequenzen milder werden. Sie bedeuten, dass jeder Fall, der doch noch landet, sorgf\u00e4ltiger ausgew\u00e4hlt ist und die Frage nach der H\u00f6he und der Struktur der Strafe umso genauer beantwortet werden muss.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Atkins selbst hat die Linie mehrfach zusammengefasst. In seiner Rede vor dem Economic Club of New York erkl\u00e4rte er, die Kommission habe der Regulierung durch Enforcement einen Riegel vorgeschoben und ihr Vollstreckungsprogramm wieder auf den Kern des Auftrags ausgerichtet, den Schutz der Anleger vor Betrug (<a href='https:\/\/corpgov.law.harvard.edu\/2026\/07\/02\/remarks-by-chair-atkins-on-the-secs-regulatory-priorities\/'>Harvard Law School Forum on Corporate Governance<\/a>). Genau diese Verschiebung macht die Mechanik interessant: Wenn die SEC nicht mehr die Existenz eines Gesch\u00e4ftsmodells anzweifelt, sondern konkreten Betrug ahndet, r\u00fccken die klassischen Abhilfe-Instrumente in den Vordergrund. Sie sind \u00e4lter als der Kryptomarkt, aber sie treffen ihn mit voller Wucht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr deutsche Leser lohnt der Blick doppelt. Erstens handeln viele hierzulande auf Plattformen mit US-Bezug oder halten Token von Projekten, die den US-Markt ansprechen. Zweitens zeigt der Vergleich mit dem europ\u00e4ischen System, das unter MiCAR und der Aufsicht der BaFin ganz anders funktioniert, wie stark Sanktionskulturen auseinanderlaufen k\u00f6nnen. Beginnen wir mit dem Werkzeugkasten.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>F\u00fcnf Werkzeuge, ein Verfahren: das Sanktions-Arsenal der SEC<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die SEC vor einem Bundesgericht obsiegt oder einen Vergleich schlie\u00dft, kombiniert sie in der Regel mehrere Abhilfen. Die wichtigsten f\u00fcnf lassen sich klar unterscheiden, auch wenn die \u00d6ffentlichkeit sie oft zu einer einzigen Schlagzeilensumme verschmilzt. Da ist zun\u00e4chst die gerichtliche Unterlassungsverf\u00fcgung, die k\u00fcnftige Verst\u00f6\u00dfe untersagt und bei Zuwiderhandlung als Missachtung des Gerichts geahndet wird. Dann folgt die Gewinnabsch\u00f6pfung, im Englischen Disgorgement, die den unrechtm\u00e4\u00dfig erzielten Vorteil absch\u00f6pft. Das dritte Werkzeug ist das zivilrechtliche Bu\u00dfgeld, das nach einem festen Stufensystem bemessen wird.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommen zwei Instrumente, die sich nicht gegen Geld, sondern gegen Personen und Papiere richten: das Berufsverbot f\u00fcr Vorst\u00e4nde und Direktoren, der sogenannte Officer-and-Director-Bar, sowie der Handelsstopp f\u00fcr ein Wertpapier nach Section 12(k) des Securities Exchange Act. Jedes dieser Werkzeuge hat eine eigene Rechtsgrundlage, eine eigene Obergrenze und ein eigenes Ziel. Erst ihr Zusammenspiel ergibt die Zahl, die am Ende in der Pressemitteilung steht.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Instrument<\/th><th>Was es bewirkt<\/th><th>Typischer Krypto-Einsatz<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Unterlassungsverf\u00fcgung<\/td><td>Untersagt k\u00fcnftige Verst\u00f6\u00dfe, durchsetzbar als Missachtung des Gerichts<\/td><td>Standard in fast jedem Vergleich<\/td><\/tr><tr><td>Disgorgement (Gewinnabsch\u00f6pfung)<\/td><td>Zieht den Nettogewinn aus dem Fehlverhalten ein<\/td><td>Terraform, Ripple, Betrugsf\u00e4lle<\/td><\/tr><tr><td>Zivilrechtliches Bu\u00dfgeld<\/td><td>Geldstrafe nach Drei-Stufen-System, pro Versto\u00df<\/td><td>Fast alle Enforcement-Vergleiche<\/td><\/tr><tr><td>Officer-and-Director-Bar<\/td><td>Verbietet F\u00fchrungs\u00e4mter in b\u00f6rsennotierten Firmen<\/td><td>FTX-F\u00fchrungskr\u00e4fte<\/td><\/tr><tr><td>Handelsstopp (Section 12(k))<\/td><td>Setzt den Handel mit einem Wertpapier bis zu zehn B\u00f6rsentage aus<\/td><td>Krypto-Treasury-Aktien, Pump-and-Dump<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Disgorgement: Gewinnabsch\u00f6pfung nach Liu und Kokesh<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Das am h\u00e4ufigsten missverstandene Instrument ist die Gewinnabsch\u00f6pfung. Sie ist keine Strafe im engeren Sinne, sondern soll verhindern, dass ein T\u00e4ter seinen unrechtm\u00e4\u00dfigen Gewinn beh\u00e4lt. Zwei Entscheidungen des Obersten US-Gerichtshofs haben ihre Grenzen scharf gezogen. In Liu gegen SEC von 2020 stellte das Gericht mit acht zu einer Stimme klar, dass die Absch\u00f6pfung den Nettogewinn nicht \u00fcberschreiten darf, dass also legitime Kosten abzuziehen sind, und dass die eingezogenen Mittel m\u00f6glichst an die gesch\u00e4digten Anleger zur\u00fcckflie\u00dfen sollen (<a href='https:\/\/www.scotusblog.com\/cases\/case-files\/liu-v-securities-and-exchange-commission\/'>SCOTUSblog<\/a>). Damit wurde eine Praxis beendet, bei der die SEC teils den vollen Bruttoumsatz absch\u00f6pfte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Leitentscheidung, Kokesh gegen SEC von 2017, war einstimmig und traf eine unbequeme Feststellung: Die Gewinnabsch\u00f6pfung wirke wie eine Strafe und unterliege damit der allgemeinen f\u00fcnfj\u00e4hrigen Verj\u00e4hrungsfrist des Bundesrechts (<a href='https:\/\/www.goodwinlaw.com\/en\/insights\/publications\/2017\/06\/united-states-supreme-court-limits-sec'>Goodwin<\/a>). F\u00fcr den Kryptomarkt hat das handfeste Folgen. Die F\u00fcnfjahresfrist begrenzt, wie weit die Beh\u00f6rde zeitlich zur\u00fcckgreifen kann, und die Nettogewinn-Grenze zwingt sie, Betriebskosten, R\u00fcckzahlungen und legitime Aufwendungen sauber gegenzurechnen. Bei einem Protokoll, das \u00fcber Jahre lief, kann das den Unterschied zwischen einer Rekordsumme und einem \u00fcberschaubaren Betrag ausmachen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">In der Praxis ist die Gewinnabsch\u00f6pfung oft der gr\u00f6\u00dfte Einzelposten. Im Terraform-Verfahren etwa entfiel der L\u00f6wenanteil der Gesamtsumme auf die Absch\u00f6pfung, nicht auf das eigentliche Bu\u00dfgeld. Genau deshalb k\u00e4mpfen Beklagte im Krypto-Kontext h\u00e4rter um die Kostenseite als um die Strafh\u00f6he: Jeder anerkannte Abzug senkt die absch\u00f6pfbare Basis unmittelbar.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die drei Bu\u00dfgeldstufen und was sie 2026 kosten<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Das zivilrechtliche Bu\u00dfgeld folgt einem festen Raster. Der Kongress hat drei Stufen definiert, die sich nach der Schwere des Versto\u00dfes richten, und die Betr\u00e4ge werden regelm\u00e4\u00dfig an die Inflation angepasst. Entscheidend ist ein Detail, das die Summen nach oben treibt: Die Obergrenze gilt pro Versto\u00df, nicht pro Verfahren. Wer tausend Anleger get\u00e4uscht hat, kann tausend Verst\u00f6\u00dfe begehen. Zus\u00e4tzlich erlaubt das Gesetz eine Alternative, n\u00e4mlich den gesamten erzielten Gewinn anzusetzen, falls dieser h\u00f6her liegt als die jeweilige Stufenobergrenze.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die folgenden Betr\u00e4ge gelten seit dem 15. Januar 2025 und wurden f\u00fcr 2026 nicht weiter angehoben, da in diesem Jahr keine erneute Inflationsanpassung erfolgte (<a href='https:\/\/www.sec.gov\/enforce\/civil-penalties-inflation-adjustments'>SEC, Civil Penalties Inflation Adjustments<\/a>). Es handelt sich um US-Rechtsgr\u00f6\u00dfen, die in Dollar bemessen werden; die Umrechnung in Euro ist f\u00fcr die rechtliche Wirkung irrelevant.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Stufe<\/th><th>Voraussetzung<\/th><th>Obergrenze Einzelperson<\/th><th>Obergrenze Unternehmen<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Stufe I<\/td><td>Einfacher Versto\u00df<\/td><td>11.823 USD<\/td><td>118.225 USD<\/td><\/tr><tr><td>Stufe II<\/td><td>Betrug, T\u00e4uschung, Manipulation<\/td><td>118.225 USD<\/td><td>591.127 USD<\/td><\/tr><tr><td>Stufe III<\/td><td>Betrug plus erheblicher Schaden oder Schadensrisiko<\/td><td>236.451 USD<\/td><td>1.182.251 USD<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zahlen wirken auf den ersten Blick moderat. Ihre Sprengkraft entfaltet erst der Multiplikator: Kombiniert man die dritte Stufe mit hunderten oder tausenden Einzelverst\u00f6\u00dfen oder greift man auf die Gewinn-Alternative zur\u00fcck, entstehen die zweistelligen Millionenbetr\u00e4ge, die aus den Schlagzeilen bekannt sind. F\u00fcr die meisten Krypto-Vergleiche verhandelt die SEC ohnehin einen Pauschalbetrag, doch das Stufensystem bildet die rechtliche Drohkulisse, vor deren Hintergrund verhandelt wird.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Officer-and-Director-Bars: wenn Personen aus dem Markt fliegen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht jede Sanktion l\u00e4sst sich in Geld ausdr\u00fccken. Das Berufsverbot f\u00fcr Vorst\u00e4nde und Direktoren untersagt einer Person, ein F\u00fchrungsamt in einer b\u00f6rsennotierten Gesellschaft zu bekleiden, befristet oder auf Lebenszeit. F\u00fcr Gr\u00fcnder und F\u00fchrungskr\u00e4fte ist das oft die einschneidendere Konsequenz als jedes Bu\u00dfgeld, weil es die berufliche Zukunft betrifft und nicht nur das Konto.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der prominenteste Krypto-Fall ist der Zusammenbruch von FTX. Im Zuge der Aufarbeitung beantragte die SEC mehrj\u00e4hrige Berufsverbote gegen zentrale Beteiligte: rund zehn Jahre f\u00fcr die fr\u00fchere Alameda-Chefin Caroline Ellison sowie jeweils rund acht Jahre f\u00fcr die FTX-F\u00fchrungskr\u00e4fte Gary Wang und Nishad Singh (<a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/383363\/sec-seeks-multi-year-officer-director-bans-alameda-ceo-ellison-ftx-execs-wang-singh'>The Block<\/a>). Auff\u00e4llig war, dass hier keine spektakul\u00e4ren Geldstrafen im Vordergrund standen. Die Betroffenen hatten mit den Beh\u00f6rden kooperiert, und die Abhilfe verlagerte sich auf die pers\u00f6nliche Ebene. Das zeigt eine wichtige Logik des Systems: Die SEC gewichtet die Instrumente je nach Fall unterschiedlich, und bei kooperierenden Einzelpersonen kann das Verbot das eigentliche Druckmittel sein.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Verwandt damit sind branchenweite Verbote, die einer Person die T\u00e4tigkeit als Broker, Dealer oder Anlageberater untersagen. Sie greifen seltener direkt in reine Token-F\u00e4lle ein, werden aber relevant, sobald ein Beteiligter regulierte Finanzdienstleistungen erbracht hat. In der Summe bilden diese personenbezogenen Sanktionen eine zweite Ebene neben dem Geld, und sie \u00fcberdauern jede Zahlung.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Fair Funds: wohin das eingezogene Geld wirklich flie\u00dft<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Frage, die Anleger am meisten interessiert, wird in den Schlagzeilen selten beantwortet: Bekommen die Gesch\u00e4digten etwas zur\u00fcck? Das Instrument daf\u00fcr hei\u00dft Fair Fund und geht auf Section 308(a) des Sarbanes-Oxley Act von 2002 zur\u00fcck. Es erlaubt der SEC, Bu\u00dfgelder und abgesch\u00f6pfte Gewinne in einem Topf zu b\u00fcndeln und an die gesch\u00e4digten Anleger auszusch\u00fctten. Ohne diese Regel w\u00e4ren zivilrechtliche Bu\u00dfgelder fr\u00fcher schlicht in die Staatskasse geflossen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">In der Theorie schlie\u00dft der Fair Fund den Kreis vom T\u00e4ter zum Opfer. In der Praxis ist der Weg oft lang, teuer und unvollst\u00e4ndig. Das eindrucksvollste Beispiel liefert erneut Terraform. Der Gesamtvergleich von rund 4,47 Milliarden Dollar (<a href='https:\/\/www.sec.gov\/newsroom\/press-releases\/2024-73'>SEC, Pressemitteilung 2024-73<\/a>) klingt nach vollst\u00e4ndiger Wiedergutmachung, doch die Summe ist dem Insolvenzverfahren von Terraform nachgeordnet. Die SEC zieht faktisch nichts ein, bevor nicht die Gl\u00e4ubiger und Anleger im Chapter-11-Verfahren bedient sind, wie die Beh\u00f6rde in ihrer eigenen Verteilungsdokumentation offenlegt (<a href='https:\/\/www.sec.gov\/enforcement-litigation\/distributions-harmed-investors'>SEC, Distributions to Harmed Investors<\/a>). Eine Rekordzahl auf dem Papier kann so zu einer langwierigen, quotalen Auszahlung schrumpfen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Getrennt davon existiert das Whistleblower-Programm, das aus einem eigenen Fonds gespeist wird und nichts mit dem Fair Fund zu tun hat. Im Gesch\u00e4ftsjahr 2025 zahlte die SEC rund 60 Millionen Dollar an 48 Hinweisgeber aus, die zwischen 10 und 30 Prozent der eingetriebenen Sanktionen erhalten k\u00f6nnen, sofern diese eine Million Dollar \u00fcbersteigen. F\u00fcr Anleger ist die entscheidende Lehre: Eine hohe Vergleichssumme ist keine Garantie f\u00fcr eine hohe R\u00fcckzahlung, und die Reihenfolge der Gl\u00e4ubiger entscheidet oft mehr als der Schlagzeilenbetrag.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Handelsstopp nach Section 12(k): zehn Tage ohne Anh\u00f6rung<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Das schnellste und am wenigsten verstandene Werkzeug ist der Handelsstopp. Nach Section 12(k) des Securities Exchange Act kann die SEC den Handel mit einem Wertpapier f\u00fcr bis zu zehn B\u00f6rsentage aussetzen, und zwar summarisch, ohne vorherige Anh\u00f6rung. Das Instrument zielt auf Situationen, in denen der Markt unzureichend oder irref\u00fchrend informiert ist, etwa bei einem verd\u00e4chtigen Kurssprung oder einem Informationsvakuum.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Im Krypto-Umfeld trifft dieser Hebel vor allem die wachsende Zahl b\u00f6rsennotierter Firmen, die eine Krypto-Treasury-Strategie ank\u00fcndigen. Ein Beispiel aus dem Jahr 2025 ist QMMM Holdings, deren Aktie nach der Ank\u00fcndigung eines Treasury-Programms f\u00fcr Bitcoin, Ethereum und Solana in wenigen Wochen um fast 960 Prozent zulegte, woraufhin die SEC den Handel aussetzte (<a href='https:\/\/www.ainvest.com\/news\/sec-qmmm-trading-suspension-implications-crypto-market-integrity-2510\/'>AInvest<\/a>). Wichtig ist die Abgrenzung: Der Handelsstopp betrifft die Aktie, also ein klassisches Wertpapier, nicht den Token selbst. Doch weil immer mehr Unternehmen ihre Bilanz mit Kryptowerten f\u00fcllen, r\u00fccken sie direkt in die Reichweite dieses Instruments. Ein zehnt\u00e4giger Stopp klingt kurz, kann aber die Handelbarkeit eines Papiers dauerhaft besch\u00e4digen und wirkt deshalb weit \u00fcber seine Frist hinaus.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>&bdquo;Weder zugestehen noch bestreiten&ldquo;: die Vergleichsmechanik<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die gro\u00dfe Mehrheit der SEC-Verfahren endet nicht mit einem Urteil, sondern mit einem Vergleich. Das Standardmodell l\u00e4uft \u00fcber eine Zustimmungserkl\u00e4rung, in der der Beklagte die Vorw\u00fcrfe &bdquo;weder zugesteht noch bestreitet&ldquo;. Diese Formel erlaubt beiden Seiten, einen Schlussstrich zu ziehen: Die SEC sichert sich die Sanktion, das Unternehmen vermeidet ein \u00f6ffentliches Gest\u00e4ndnis und einen langen Prozess. Der Preis daf\u00fcr ist, dass kaum belastbare gerichtliche Pr\u00e4zedenz entsteht, denn ein Vergleich kl\u00e4rt keine Rechtsfrage.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Kryptomarkt hat diese Mechanik in den vergangenen Jahren einen doppelten Effekt gehabt. Einerseits konnten Firmen wie BlockFi oder Kraken ihre Verfahren z\u00fcgig beenden und weiterarbeiten. Andererseits blieb die zentrale Streitfrage, ob ein bestimmtes Angebot ein Wertpapier ist, juristisch offen, weil sie im Vergleich gar nicht entschieden wurde. Genau dieses Vakuum wollte die SEC unter Atkins durch Regelsetzung statt durch Enforcement schlie\u00dfen. Solange die entsprechende Regel jedoch nicht in Kraft ist, bleibt der Vergleich das dominierende Format, und seine Konditionen werden im Schatten der oben beschriebenen Instrumente ausgehandelt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>F\u00fcnf Krypto-Vergleiche im direkten Zahlenvergleich<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Nichts verdeutlicht die Baukastenlogik besser als der direkte Vergleich prominenter F\u00e4lle. Die folgende Tabelle stellt f\u00fcnf Verfahren gegen\u00fcber und zeigt, wie unterschiedlich die Instrumente gewichtet wurden. Alle Betr\u00e4ge sind US-Rechtsgr\u00f6\u00dfen in Dollar.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Fall<\/th><th>Jahr<\/th><th>Finanzielle Gr\u00f6\u00dfe<\/th><th>Schwerpunkt der Abhilfe<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><a href='https:\/\/www.sec.gov\/newsroom\/press-releases\/2022-26'>BlockFi<\/a><\/td><td>2022<\/td><td>100 Mio. USD (50 Mio. SEC, 50 Mio. an 32 US-Bundesstaaten)<\/td><td>Bu\u00dfgeld, unregistriertes Kreditprodukt<\/td><\/tr><tr><td><a href='https:\/\/www.sec.gov\/newsroom\/press-releases\/2023-25'>Kraken<\/a><\/td><td>2023<\/td><td>30 Mio. USD<\/td><td>Gewinnabsch\u00f6pfung plus Bu\u00dfgeld, Staking-Programm<\/td><\/tr><tr><td><a href='https:\/\/www.pymnts.com\/blockchain\/2025\/ripple-and-sec-end-legal-battle-by-dropping-appeals\/'>Ripple<\/a><\/td><td>2024, final 2025<\/td><td>125 Mio. USD<\/td><td>Bu\u00dfgeld f\u00fcr institutionelle Verk\u00e4ufe<\/td><\/tr><tr><td><a href='https:\/\/www.sec.gov\/newsroom\/press-releases\/2024-73'>Terraform \/ Kwon<\/a><\/td><td>2024<\/td><td>4,47 Mrd. USD gesamt, Kwon pers\u00f6nlich rund 204 Mio.<\/td><td>Gewinnabsch\u00f6pfung dominant, dem Insolvenzverfahren nachgeordnet<\/td><\/tr><tr><td><a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/383363\/sec-seeks-multi-year-officer-director-bans-alameda-ceo-ellison-ftx-execs-wang-singh'>FTX-F\u00fchrung<\/a><\/td><td>2024<\/td><td>keine Rekordstrafe betont<\/td><td>Berufsverbote (10 bzw. 8 Jahre)<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Spannweite ist gewaltig, von einem 30-Millionen-Vergleich bis zu einer Milliardensumme, und die Zusammensetzung erkl\u00e4rt sie. Bei Ripple ging es um ein reines Bu\u00dfgeld f\u00fcr bestimmte Verk\u00e4ufe; beide Seiten lie\u00dfen ihre Berufungen im August 2025 fallen und beendeten den Streit endg\u00fcltig. Bei Kraken standen Gewinnabsch\u00f6pfung und Bu\u00dfgeld f\u00fcr ein Staking-Angebot im Zentrum. Terraform ragt heraus, weil die Gewinnabsch\u00f6pfung die Zahl in Milliardenh\u00f6he trieb, w\u00e4hrend bei den FTX-Verantwortlichen die pers\u00f6nlichen Verbote die eigentliche Abhilfe bildeten. Wer nur auf die Schlagzeilensumme schaut, verwechselt f\u00fcnf v\u00f6llig verschiedene Sanktionsprofile.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Woodcock-\u00c4ra: zur\u00fcck zu den Grundlagen, aber Betrug bleibt Betrug<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer die Strafmechanik 2026 verstehen will, muss die Person kennen, die das Enforcement-Programm leitet. Seit dem Fr\u00fchjahr 2026 f\u00fchrt David Woodcock, zuvor Partner einer gro\u00dfen Anwaltskanzlei, die Enforcement-Abteilung der SEC. In seinen ersten \u00f6ffentlichen Bemerkungen im Mai 2026 fasste er seine Linie als R\u00fcckkehr zu den Grundlagen zusammen und betonte, sein Ziel decke sich mit dem von Chairman Atkins: das Enforcement-Programm auf seine Kernaufgabe zur\u00fcckzuf\u00fchren, Anleger zu sch\u00fctzen und M\u00e4rkte zu sichern, bei gleichzeitiger Transparenz f\u00fcr die Beaufsichtigten (<a href='https:\/\/www.sidley.com\/en\/insights\/newsupdates\/2026\/05\/new-us-sec-enforcement-director-david-woodcock-signals-continued-back-to-basics-approach'>Sidley Austin<\/a>). Als Priorit\u00e4ten nannte er Anlagebetrug, Bilanz- und Offenlegungsbetrug, Marktmanipulation und Insiderhandel sowie grenz\u00fcberschreitende Betrugsf\u00e4lle, und er k\u00fcndigte an, die Arbeitsgruppe gegen Kleinanlegerbetrug wiederzubeleben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Botschaft ist eindeutig: Weniger F\u00e4lle, aber gezielter, unter dem Leitmotiv Qualit\u00e4t vor Quantit\u00e4t. Das bedeutet keineswegs, dass Krypto-Verfahren verschwinden. Betrug bleibt Betrug, und die Beh\u00f6rde verfolgt ihn weiter. 2026 z\u00e4hlten dazu ein mutma\u00dflicher Schneeball mit angeblichen KI-Handelsbots, bei dem rund 12,3 Millionen Dollar von etwa 150 Anlegern eingesammelt wurden, sowie \u00e4ltere Gro\u00dfverfahren wie das PGI-Global-Schema mit einem Volumen von 198 Millionen Dollar. Die fr\u00fcher zentrale Theorie, wonach schon der blo\u00dfe Handel mit Token eine Registrierungspflicht ausl\u00f6se, ist zur\u00fcckgetreten; die Betrugsverfolgung nicht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Kommissarin Hester Peirce, langj\u00e4hrige Stimme f\u00fcr eine klarere Krypto-Regulierung, hatte diese Trennung schon fr\u00fch auf den Punkt gebracht. Man wolle die Enforcement-Abteilung nicht daf\u00fcr benutzen, Regulierungspolitik zu schreiben, sagte sie mit Blick auf die neue Task Force (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2025\/03\/14\/sec-commissioner-hester-peirce-on-the-new-crypto-task-force'>CoinDesk<\/a>). Genau diese Haltung pr\u00e4gt die Woodcock-\u00c4ra: Regeln geh\u00f6ren in Regeln, Strafen in Betrugsf\u00e4lle.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Jarkesy: warum sich das Wo der Bestrafung verschoben hat<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Detail der Strafmechanik hat sich 2024 grundlegend ge\u00e4ndert, und es betrifft nicht die H\u00f6he, sondern den Ort der Bestrafung. In SEC gegen Jarkesy entschied der Oberste Gerichtshof am 27. Juni 2024 mit sechs zu drei Stimmen, dass der siebte Verfassungszusatz ein Geschworenenverfahren garantiert, wann immer die SEC zivilrechtliche Bu\u00dfgelder wegen Betrugs verlangt (<a href='https:\/\/corpgov.law.harvard.edu\/2024\/07\/11\/jarkesy-supreme-court-ruling-limits-secs-enforcement-authority\/'>Harvard Law School Forum on Corporate Governance<\/a>). Damit endete die Praxis, streitige Betrugsverfahren vor hauseigenen Verwaltungsrichtern der Beh\u00f6rde auszutragen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Mechanik hat das sp\u00fcrbare Folgen. Betrugsverfahren, die zu einem Bu\u00dfgeld f\u00fchren sollen, m\u00fcssen nun vor ein Bundesgericht, mit Geschworenen, l\u00e4ngeren Verfahren und h\u00f6heren Kosten f\u00fcr beide Seiten. Das erh\u00f6ht den Anreiz, sich zu vergleichen, und es verschiebt das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis. Die SEC kann Sanktionen nicht mehr so einfach im eigenen Haus durchsetzen, sondern muss den langen Weg durch die Bundesgerichte gehen oder verhandeln. In einer Zeit, in der die Beh\u00f6rde ohnehin auf weniger, aber sorgf\u00e4ltiger ausgew\u00e4hlte F\u00e4lle setzt, verst\u00e4rkt Jarkesy diesen Trend zus\u00e4tzlich.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>SEC gegen BaFin: zwei Sanktionswelten<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr deutsche Leser lohnt der Kontrast mit dem heimischen System. Die BaFin arbeitet unter der europ\u00e4ischen Kryptoverordnung MiCAR und beaufsichtigt Krypto-Dienstleister und Emittenten, nicht das Protokoll selbst, wie die Beh\u00f6rde in ihrem Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen darlegt (<a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>BaFin, Merkblatt<\/a>). Ihr Sanktionsinstrumentarium ist anders geschnitten als das der SEC. Es setzt auf verwaltungsrechtliche Bu\u00dfgelder, die bei Verst\u00f6\u00dfen gegen MiCAR bis zu einem festgelegten Prozentsatz des Jahresumsatzes reichen k\u00f6nnen, sowie auf die Einziehung rechtswidrig erlangter Verm\u00f6gensvorteile, die in Deutschland \u00fcber die Gerichte und das Strafrecht l\u00e4uft.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der wichtigste Unterschied betrifft die Anleger. Ein \u00c4quivalent zum Fair Fund, \u00fcber das eine Beh\u00f6rde eingezogene Gelder direkt an Gesch\u00e4digte verteilt, kennt das deutsche System in dieser Form nicht. Anleger m\u00fcssen ihre Anspr\u00fcche in der Regel selbst auf dem Zivilrechtsweg durchsetzen. Auch die Kultur unterscheidet sich: Die EU setzt zuerst auf ein detailliertes Regelbuch und sanktioniert Verst\u00f6\u00dfe dagegen, w\u00e4hrend die USA lange den umgekehrten Weg gingen und Regeln faktisch \u00fcber Einzelf\u00e4lle formten. Genau diesen Weg will die SEC nun verlassen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Merkmal<\/th><th>SEC (USA)<\/th><th>BaFin (Deutschland, unter MiCAR)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Grundansatz<\/td><td>Einzelfall und Gerichtsverfahren<\/td><td>Regelbuch zuerst, dann Sanktion<\/td><\/tr><tr><td>Gewinnabsch\u00f6pfung<\/td><td>Disgorgement, gerichtlich, Nettogewinn<\/td><td>Einziehung \u00fcber Strafrecht und Gerichte<\/td><\/tr><tr><td>Bu\u00dfgeld<\/td><td>Drei-Stufen-System pro Versto\u00df<\/td><td>Bu\u00dfgeld, teils bis zu einem Umsatzanteil<\/td><\/tr><tr><td>R\u00fcckzahlung an Anleger<\/td><td>Fair Fund m\u00f6glich<\/td><td>meist \u00fcber den Zivilrechtsweg<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer die beiden Systeme nebeneinanderlegt, erkennt schnell, warum ein und derselbe Sachverhalt in den USA und in Europa v\u00f6llig unterschiedlich enden kann. Das gilt besonders f\u00fcr die Frage der Zulassung von Produkten, die HOGE Wire am Beispiel der <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/krypto-etf-zulassungen-2026-usa-europa-etn\/'>Krypto-ETF-Zulassungen 2026<\/a> ausf\u00fchrlich verglichen hat.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was das f\u00fcr deutsche Anleger und Gr\u00fcnder bedeutet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die meisten deutschen Privatanleger ist die SEC keine direkte Aufsichtsbeh\u00f6rde. Relevant wird sie dann, wenn ein Projekt US-Anleger anspricht, \u00fcber US-Plattformen abgewickelt wird oder wenn ein in Deutschland gehaltener Token von einem US-Verfahren betroffen ist. In solchen F\u00e4llen ist die Strafmechanik kein akademisches Thema, sondern ein Risikomodell. Ein Betrugsvorwurf kann Gewinnabsch\u00f6pfung, gestaffelte Bu\u00dfgelder und Handelsstopps ausl\u00f6sen, und die Reihenfolge der Gl\u00e4ubiger entscheidet, ob am Ende etwas zur\u00fcckflie\u00dft.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist, das US-System sauber von der deutschen Steuer- und Aufsichtslage zu trennen. Wer hierzulande Kryptowerte h\u00e4lt, sollte sich zuerst mit den heimischen Regeln befassen, etwa mit dem <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/krypto-steuer-2026-ende-haltefrist-abgeltungsteuer\/'>Ende der Haltefrist und der Abgeltungsteuer<\/a> oder mit der <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/krypto-selbstanzeige-2026-dac8-frist\/'>Krypto-Selbstanzeige vor DAC8<\/a>. Diese Themen betreffen den Alltag deutscher Anleger unmittelbarer als jede SEC-Sanktion. Gr\u00fcnder und Selbstst\u00e4ndige, die Zahlungen in Bitcoin annehmen, sto\u00dfen zudem auf eigene Fallstricke, wie HOGE Wire im Beitrag zu <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/bezahlt-in-bitcoin-steuerfallen-selbststaendige-2026\/'>Steuerfallen f\u00fcr Selbstst\u00e4ndige<\/a> zeigt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die praktische Kernbotschaft lautet: Die Registrierungstheorie ist zur\u00fcckgetreten, aber Betrug wird konsequent verfolgt, und die Konsequenzen sind vielschichtig. Wer ein Projekt mit US-Bezug betreibt, sollte die f\u00fcnf Instrumente kennen, denn sie definieren, was ein Fehler kostet, nicht die Schlagzeile.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Ausblick: September, CLARITY und die Grenzen der Strafmechanik<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kalender gibt den n\u00e4chsten Takt vor. Der Senat kehrt am 14. September 2026 zur\u00fcck, ein erster prozeduraler Schritt ist m\u00f6glich, doch die CLARITY Act braucht 60 Stimmen, und die Prognosem\u00e4rkte sahen die Chancen f\u00fcr eine Verabschiedung 2026 zuletzt im niedrigen Bereich. Solange kein Gesetz die Zust\u00e4ndigkeiten zwischen SEC und der Terminmarktaufsicht CFTC neu verteilt und die Wertpapierfrage kl\u00e4rt, bleibt die hier beschriebene Strafmechanik der scharfe Teil der US-Kryptoregulierung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zugleich ist diese Mechanik nicht in Stein gemei\u00dfelt. Personalentscheidungen und Gerichtsurteile k\u00f6nnen ihre Reichweite verschieben, und die Frage, wie dauerhaft der aktuelle Kurs ist, bleibt offen, da eine k\u00fcnftige F\u00fchrung andere Priorit\u00e4ten setzen k\u00f6nnte. F\u00fcr den Moment gilt jedoch eine klare Ordnung: Die SEC straft weniger oft, aber wenn sie straft, tut sie es mit einem pr\u00e4zisen Baukasten aus Gewinnabsch\u00f6pfung, gestaffelten Bu\u00dfgeldern, Berufsverboten, Fair Funds und Handelsstopps. Wer diese Teile kennt, liest die n\u00e4chste Schlagzeile mit anderen Augen, und er sieht hinter der gro\u00dfen Zahl die eigentliche Struktur.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Einordnung: Bitcoin notierte Anfang August 2026 bei rund 56.100 Euro, Ethereum bei etwa 1.660 Euro (<a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>CoinGecko<\/a>). In einem Markt dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung ist die Frage, wie eine Aufsichtsbeh\u00f6rde Fehlverhalten in konkrete Zahlen \u00fcbersetzt, alles andere als ein Randthema.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Was bedeutet Disgorgement bei einer SEC-Krypto-Strafe?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Disgorgement ist die Absch\u00f6pfung unrechtm\u00e4\u00dfig erzielter Gewinne. Seit dem Urteil Liu gegen SEC von 2020 ist sie auf den Nettogewinn nach Abzug legitimer Kosten begrenzt und soll m\u00f6glichst an gesch\u00e4digte Anleger zur\u00fcckflie\u00dfen. Das Urteil Kokesh von 2017 unterwirft sie zudem einer Verj\u00e4hrungsfrist von f\u00fcnf Jahren.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie hoch k\u00f6nnen SEC-Bu\u00dfgelder gegen Krypto-Unternehmen ausfallen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Die zivilrechtlichen Bu\u00dfgelder folgen einem Drei-Stufen-System, das pro Versto\u00df gilt. F\u00fcr 2026 reichen die Obergrenzen von rund 11.800 Dollar in der niedrigsten Stufe bis \u00fcber 1,18 Millionen Dollar pro Versto\u00df f\u00fcr Unternehmen in der h\u00f6chsten Stufe, wobei alternativ der gesamte erzielte Gewinn angesetzt werden kann.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Bekommen gesch\u00e4digte Anleger ihr Geld von der SEC zur\u00fcck?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber sogenannte Fair Funds kann die SEC Bu\u00dfgelder und abgesch\u00f6pfte Gewinne b\u00fcndeln und an Gesch\u00e4digte verteilen. In der Praxis ist die Auszahlung aber oft langwierig und unvollst\u00e4ndig; im Fall Terraform etwa steht die Milliardensumme hinter dem Insolvenzverfahren an, sodass zuerst die dortigen Gl\u00e4ubiger bedient werden.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Verfolgt die SEC 2026 \u00fcberhaupt noch Krypto-F\u00e4lle?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, allerdings mit verschobenem Schwerpunkt. Die Theorie, wonach der blo\u00dfe Handel mit Token eine Registrierungspflicht ausl\u00f6st, ist zur\u00fcckgetreten, doch Betrug wird weiter konsequent verfolgt. Unter Enforcement-Direktor David Woodcock gilt seit Fr\u00fchjahr 2026 eine Linie der R\u00fcckkehr zu den Grundlagen mit Fokus auf Anlagebetrug, Bilanzbetrug und Marktmanipulation.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Gelten SEC-Strafen auch f\u00fcr deutsche Anleger und Projekte?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Direkt betroffen sind vor allem Projekte und Personen mit US-Bezug, etwa wer US-Anleger anspricht oder \u00fcber US-Plattformen handelt. F\u00fcr in Deutschland ans\u00e4ssige Dienstleister ist dagegen die BaFin im Rahmen von MiCAR zust\u00e4ndig, die mit eigenen Instrumenten wie Bu\u00dfgeldern und Gewinneinziehung arbeitet. 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