{"id":245,"date":"2026-08-10T04:30:41","date_gmt":"2026-08-10T04:30:41","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/stablecoin-regeln-2026-mica-genius-act\/"},"modified":"2026-08-10T04:30:41","modified_gmt":"2026-08-10T04:30:41","slug":"stablecoin-regeln-2026-mica-genius-act","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/stablecoin-regeln-2026-mica-genius-act\/","title":{"rendered":"Stablecoin-Regeln 2026: MiCA, GENIUS Act und die neue Kluft"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Der 1. Juli 2026 war f\u00fcr den europ\u00e4ischen Kryptomarkt eine Z\u00e4sur. An diesem Tag endete die \u00dcbergangsfrist der EU-Verordnung \u00fcber M\u00e4rkte f\u00fcr Kryptowerte (MiCA) in Deutschland und mehreren anderen Mitgliedstaaten, und mit ihr verschwand der weltweit gr\u00f6\u00dfte Stablecoin, Tether (USDT), aus dem Angebot praktisch jeder in der EU lizenzierten Handelsplattform. Wer in Frankfurt, Wien oder Mailand \u00fcber eine regulierte B\u00f6rse handelt, findet dort kein USDT-Paar mehr. Gleichzeitig nimmt auf der anderen Seite des Atlantiks der GENIUS Act Gestalt an, das erste US-Bundesgesetz f\u00fcr Zahlungs-Stablecoins. Zwei Kontinente, zwei Regelwerke, ein Markt von rund 250 Milliarden Euro: Die Stablecoin-Regeln von 2026 sind kein Entwurf mehr, sondern gelebte Realit\u00e4t.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Beitrag ordnet die Lage zum Stand 10. August 2026 ein: was MiCA von Emittenten verlangt, welche Rolle die BaFin spielt, warum der Euro einen eigenen Mengendeckel bekommen hat, wie der amerikanische GENIUS Act funktioniert und wo die beiden Systeme auseinanderdriften. Er richtet sich an alle, die verstehen wollen, warum ihr gewohnter Dollar-Stablecoin pl\u00f6tzlich anders behandelt wird als der Euro-Token daneben, und was das f\u00fcr Zahlungen, Unternehmenskassen und die Geldpolitik bedeutet. Der anhaltende Kurszerfall am Spotmarkt macht die Frage nach verl\u00e4sslichen, wertstabilen Abwicklungsschienen nur dringlicher.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was ein Stablecoin im Regelwerk \u00fcberhaupt ist<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">MiCA kennt das Wort &bdquo;Stablecoin&ldquo; nicht als eigene Rechtskategorie. Stattdessen teilt die Verordnung (EU) 2023\/1114 wertstabile Kryptowerte in zwei Klassen, und diese Einordnung entscheidet \u00fcber fast alles, was danach kommt. E-Geld-Token (englisch E-Money Token, EMT) sind an eine einzige amtliche W\u00e4hrung gebunden; ein an den Dollar gekoppelter Token wie USDC oder USDT und ein an den Euro gekoppelter Token wie EURC fallen in diese Klasse. Wertreferenzierte Token (Asset-Referenced Token, ART) beziehen sich dagegen auf einen Korb: mehrere W\u00e4hrungen, Rohstoffe, andere Kryptowerte oder eine Mischung daraus. Die zust\u00e4ndige Europ\u00e4ische Bankenaufsichtsbeh\u00f6rde stellt die beiden Klassen und ihre Pflichten auf ihrer <a href='https:\/\/www.eba.europa.eu\/regulation-and-policy\/asset-referenced-and-e-money-tokens-mica'>MiCA-Seite zu ART und EMT<\/a> geb\u00fcndelt dar.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Unterschied ist nicht akademisch. Ein EMT ist rechtlich elektronisches Geld, deshalb darf ihn nur ein zugelassenes Kreditinstitut oder ein E-Geld-Institut (Electronic Money Institution, EMI) ausgeben. Ein ART ist die kompliziertere Klasse mit einer eigenen Zulassung, h\u00f6heren Eigenkapital- und Governance-Pflichten und einer laufenden Aufsicht. Bemerkenswert ist, dass am Markt kaum ART existieren: Fast alle gro\u00dfen Stablecoins sind an eine einzige W\u00e4hrung gebunden und damit EMT. Rein algorithmische Stablecoins ohne werthaltige, jederzeit r\u00fccktauschbare Reserve haben unter MiCA keinen einfachen Weg zur Zulassung; der Zusammenbruch von TerraUSD im Jahr 2022 wirkt in dieser Strenge bis heute nach.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Emittenten ist die Wahl zwischen EMT und ART deshalb keine Marketingfrage, sondern eine Weichenstellung: Sie bestimmt die Lizenzart, die zul\u00e4ssige Zusammensetzung der Reserve und, wie sich zeigen wird, ob ein Mengendeckel greift. Wer diese erste Einordnung verstanden hat, versteht den Rest des europ\u00e4ischen Systems fast von selbst.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zweiter Grund, warum die Einordnung so viel Gewicht hat: MiCA behandelt Stablecoins deutlich strenger als die meisten anderen Kryptowerte. Wer einen reinen Utility-Token oder ein Sammlerst\u00fcck herausgibt, muss zwar ein Whitepaper ver\u00f6ffentlichen, ben\u00f6tigt aber keine Banklizenz. Ein E-Geld-Token dagegen ber\u00fchrt den Kern des Zahlungsverkehrs, weshalb der Gesetzgeber ihn wie elektronisches Geld reguliert. Diese Abstufung erkl\u00e4rt, warum ausgerechnet Stablecoins, die technisch simpelste Kategorie, zur politisch heikelsten geworden sind: Sie sind der Punkt, an dem Krypto den etablierten Geldkreislauf am unmittelbarsten ber\u00fchrt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>MiCA, die BaFin und wer in Deutschland ausgeben darf<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Stablecoin-Kapitel von MiCA (Titel III f\u00fcr ART, Titel IV f\u00fcr EMT) gelten bereits seit dem 30. Juni 2024, das \u00fcbrige Regelwerk seit dem 30. Dezember 2024. In Deutschland ist die Bundesanstalt f\u00fcr Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die zust\u00e4ndige nationale Beh\u00f6rde. Sie lizenziert und beaufsichtigt Emittenten und Krypto-Dienstleister (Crypto-Asset Service Provider, CASP), nicht aber das Protokoll oder die Blockchain selbst. Diese Trennung zwischen reguliertem Anbieter und unreguliertem Code zieht sich durch das gesamte europ\u00e4ische Recht; die BaFin fasst ihre Erwartungen an Kryptowerte-Dienstleistungen im <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>Merkblatt vom 3. Januar 2025<\/a> zusammen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein EMT-Emittent muss also entweder eine Bank oder ein E-Geld-Institut sein und zus\u00e4tzlich ein Whitepaper notifizieren, das die Rechte der Halter, die Reservestruktur und die Risiken offenlegt. Zentral ist das R\u00fccktauschrecht: Jeder Inhaber kann seinen Token jederzeit und zum Nennwert in Euro oder Dollar zur\u00fccktauschen, ohne Abschlag. Verzinst werden darf ein EMT nicht; Halter bekommen keinen Zins auf den Betrag, den sie im Token parken. Genau diese Kombination aus Lizenzpflicht, jederzeitigem R\u00fccktausch und Zinsverbot macht aus einem MiCA-konformen Stablecoin ein streng reguliertes Zahlungsinstrument und nicht ein renditetr\u00e4chtiges Sparprodukt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Reserve-Regeln: 30 Prozent, 60 Prozent und das Bankrun-Argument<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Herzst\u00fcck der EMT-Regeln ist die Reserve. MiCA verlangt, dass ein Emittent jederzeit vollst\u00e4ndig gedeckt ist, und schreibt zugleich vor, wo diese Deckung liegen darf. Ein nicht als signifikant eingestufter EMT muss mindestens 30 Prozent seiner Reserve als Einlagen bei Kreditinstituten halten; f\u00fcr von der Bankenaufsicht als signifikant eingestufte Token steigt diese Quote auf 60 Prozent. Der Rest darf in hochliquide, risikoarme Instrumente flie\u00dfen, in der Regel kurzlaufende Staatsanleihen. Hinzu kommen Konzentrationsgrenzen (nicht mehr als ein Viertel der Bareinlagen bei einer einzigen Bank, bei signifikanten Token deutlich weniger), eine t\u00e4gliche Abstimmung zwischen Umlauf und Reserve sowie mindestens eine unabh\u00e4ngige Pr\u00fcfung pro Jahr.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade diese Bankeinlagenquote ist der lauteste Kritikpunkt der Branche. Paolo Ardoino, CEO von Tether, argumentiert seit Monaten, MiCA erreiche das Gegenteil seines Ziels: Statt das System sicherer zu machen, erzeuge die Verordnung ein enormes systemisches Risiko, <a href='https:\/\/cointelegraph.com\/news\/mica-regulation-systemic-risk-banking-system-tether-ceo'>wie er gegen\u00fcber Cointelegraph ausf\u00fchrte<\/a>. Seine Rechnung: Ein Emittent mit zehn Milliarden Euro im Umlauf m\u00fcsste sechs Milliarden als Bankeinlagen halten; da Banken einen Gro\u00dfteil der Einlagen weiterverleihen und im Zweifel nur einen Bruchteil sofort liquide ist, k\u00f6nne eine gro\u00dfe R\u00fccktauschwelle die Bank in Bedr\u00e4ngnis bringen. Tether hat seinen R\u00fcckzug aus dem regulierten EU-Handel unter anderem damit begr\u00fcndet, die eigenen Nutzer sch\u00fctzen zu wollen. Man kann das f\u00fcr Eigeninteresse halten, doch das Argument ber\u00fchrt einen echten Zielkonflikt: Reserven bei Banken zu parken, verkn\u00fcpft Stablecoins enger mit genau dem Bankensystem, dessen Fragilit\u00e4t Krypto urspr\u00fcnglich umgehen wollte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zur Reserve treten Transparenzpflichten, die den Halter sch\u00fctzen sollen. Jeder Emittent muss den Umlauf t\u00e4glich mit der hinterlegten Deckung abgleichen und die Reserve mindestens einmal j\u00e4hrlich unabh\u00e4ngig pr\u00fcfen lassen. \u00dcbersteigt ein Token bestimmte Schwellen bei Nutzerzahl, Marktkapitalisierung oder Transaktionsvolumen, kann die Europ\u00e4ische Bankenaufsichtsbeh\u00f6rde ihn als signifikant einstufen und direkt beaufsichtigen, mit den erw\u00e4hnten strengeren Reserve- und Kapitalpflichten. F\u00fcr den Nutzer ist die wichtigste Zusicherung das jederzeitige R\u00fccktauschrecht zum Nennwert: Ein regulierter Euro-Token muss auf Verlangen eins zu eins in Giralgeld zur\u00fcckflie\u00dfen, ohne Wartefrist und ohne Abschlag.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der 200-Millionen-Deckel: Wie Br\u00fcssel den Euro sch\u00fctzt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein weiteres, spezifisch europ\u00e4isches Instrument hat mit Reserven nichts zu tun, sondern mit W\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t. MiCA begrenzt Nicht-Euro-Stablecoins, die als Zahlungsmittel f\u00fcr Waren und Dienstleistungen innerhalb eines W\u00e4hrungsraums genutzt werden, auf eine Million Transaktionen oder 200 Millionen Euro pro Tag. Wird eine dieser Schwellen \u00fcberschritten, muss der Emittent die Neuausgabe stoppen, bis die Nutzung wieder darunter liegt. Der Deckel war im Gesetzgebungsverfahren zeitweise gestrichen und dann wieder eingef\u00fcgt worden, <a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/173479\/non-euro-stablecoin-transaction-cap-revived-in-mica'>wie The Block dokumentierte<\/a>, und zielt unverhohlen darauf, die Rolle des Euro im europ\u00e4ischen Zahlungsverkehr gegen die Dominanz dollarbasierter Token abzusichern.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist die Reichweite: Der Deckel greift nur bei der Verwendung als Zahlungsmittel f\u00fcr Waren und Dienstleistungen, nicht beim Handel, bei der Verwahrung oder bei der Abwicklung zwischen Gegenparteien on-chain. Ein Dollar-Stablecoin darf in Europa also weiterhin als Handelspaar oder als Abwicklungsbr\u00fccke dienen, solange er nicht in gro\u00dfem Stil zum allt\u00e4glichen Bezahlen an der Ladenkasse wird. In der Praxis ist die Abgrenzung heikel, und genau hier setzt die sp\u00e4tere Debatte um eine Reform an.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>1. Juli 2026: Das Ende der \u00dcbergangsfrist, das Ende von USDT im EU-Handel<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Deutschland geh\u00f6rt mit \u00d6sterreich, Italien, Irland und Spanien zu den L\u00e4ndern, die die MiCA-\u00dcbergangsfrist auf ein Minimum verk\u00fcrzt haben; sie endete am 1. Juli 2026. Ab diesem Datum durften lizenzierte Plattformen keine \u00dcbergangsregeln mehr in Anspruch nehmen. Die sichtbarste Folge: Tether hatte keine E-Geld-Token-Zulassung beantragt, weshalb die gro\u00dfen, in der EU lizenzierten B\u00f6rsen USDT-Handelspaare f\u00fcr Kundinnen und Kunden im Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum entfernten. Betroffen waren unter anderem Binance, Coinbase, Kraken und Crypto.com; <a href='https:\/\/cryptobriefing.com\/tether-usdt-eu-mica-removal\/'>Crypto Briefing hatte den Countdown bis zur Entfernung begleitet<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Verbot des Besitzes ist das ausdr\u00fccklich nicht. Privatpersonen d\u00fcrfen USDT weiterhin halten, in selbstverwahrten Wallets bewegen und \u00fcber nicht-EU-Plattformen nutzen. Was wegf\u00e4llt, ist der bequeme Zugang \u00fcber regulierte Anbieter: kein USDT-Paar, keine Einzahlung, keine Auszahlung in USDT bei einer MiCA-lizenzierten B\u00f6rse mit EU-Sitz. Diese Verschiebung von der Verfolgung einzelner Verst\u00f6\u00dfe hin zu klaren Marktzutrittsregeln \u00e4hnelt der Entwicklung, die wir f\u00fcr die USA in unserem Beitrag \u00fcber <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/sec-enforcement-2026-krypto-regelwerk\/'>SEC-Enforcement zwischen Krypto-Kreuzzug und Regelwerk<\/a> nachgezeichnet haben: Der Hebel verlagert sich vom Gericht in die Lizenz.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Nutzer lief der Stichtag \u00fcberraschend ger\u00e4uschlos ab. Wer USDT auf einer EU-B\u00f6rse hielt, wurde in den Wochen davor aufgefordert, die Best\u00e4nde in einen konformen Token wie USDC umzutauschen, in eine andere Kryptow\u00e4hrung zu wechseln oder auf eine selbstverwahrte Wallet abzuziehen. Die bef\u00fcrchteten Verwerfungen an den Euro-Handelspaaren blieben weitgehend aus, weil die Liquidit\u00e4t rechtzeitig zu USDC und den Euro-Token abwanderte. Sichtbar blieb vor allem eine strukturelle Folge: Der europ\u00e4ische Handel l\u00e4uft seither \u00fcber einen kleineren Kreis lizenzierter Stablecoins, was die Auswahl verengt, die Nachvollziehbarkeit f\u00fcr die Aufsicht aber erh\u00f6ht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Circle gewinnt, Tether zieht sich zur\u00fcck<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der gro\u00dfe Profiteur hei\u00dft Circle. Das Unternehmen sicherte sich fr\u00fch eine EMI-Zulassung \u00fcber Frankreich und stellte USDC sowie den Euro-Token EURC damit von Tag eins auf ein MiCA-konformes Fundament. Wo USDT aus dem regulierten Angebot fiel, r\u00fcckte USDC als Standard-Abwicklungsw\u00e4hrung nach. An der globalen Rangordnung \u00e4ndert das zun\u00e4chst wenig: Nach Daten von <a href='https:\/\/defillama.com\/stablecoins'>DefiLlama<\/a> lag der gesamte Stablecoin-Markt Anfang August 2026 bei rund 287 Milliarden US-Dollar (umgerechnet etwa 250 Milliarden Euro), USDT bei rund 183 Milliarden Dollar und USDC bei rund 72 Milliarden Dollar; zusammen decken die beiden Token etwa 89 Prozent des Marktes ab. Innerhalb der EU verschiebt sich das Bild jedoch sp\u00fcrbar zugunsten der lizenzierten Anbieter.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Stablecoin<\/th><th>Anbindung<\/th><th>Emittent<\/th><th>MiCA-Status<\/th><th>Gr\u00f6\u00dfe (ca., Anf. Aug. 2026)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>USDT<\/td><td>US-Dollar<\/td><td>Tether<\/td><td>keine EMT-Zulassung; im regulierten EU-Handel entfernt<\/td><td>rund 183 Mrd. USD<\/td><\/tr><tr><td>USDC<\/td><td>US-Dollar<\/td><td>Circle (EMI, Frankreich)<\/td><td>MiCA-konform (EMT)<\/td><td>rund 72 Mrd. USD<\/td><\/tr><tr><td>EURC<\/td><td>Euro<\/td><td>Circle<\/td><td>MiCA-konform (EMT)<\/td><td>rund 370 Mio. EUR<\/td><\/tr><tr><td>EURCV<\/td><td>Euro<\/td><td>Soci\u00e9t\u00e9 G\u00e9n\u00e9rale (SG-Forge)<\/td><td>MiCA-konform (EMT)<\/td><td>rund 120 Mio. EUR<\/td><\/tr><tr><td>EURAU<\/td><td>Euro<\/td><td>AllUnity (DWS, Galaxy, Flow Traders)<\/td><td>MiCA-konform, BaFin-lizenziert<\/td><td>im Aufbau<\/td><\/tr><tr><td>USDS \/ DAI<\/td><td>US-Dollar<\/td><td>Sky (ehem. MakerDAO)<\/td><td>dezentral, nicht als EMT zugelassen<\/td><td>mehrere Mrd. USD<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Tabelle macht den entscheidenden Punkt sichtbar: Der Status &bdquo;lizenziert&ldquo; verl\u00e4uft quer zur Gr\u00f6\u00dfe. Der gr\u00f6\u00dfte Token der Welt ist im regulierten EU-Handel nicht mehr verf\u00fcgbar, w\u00e4hrend ein vergleichsweise kleiner, aber sauber lizenzierter Euro-Token dort jede Genehmigung besitzt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>EURAU und der kleine, wachsende Euro-Stablecoin-Markt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr deutsche Leserinnen und Leser ist ein Name besonders relevant: EURAU. Hinter dem Token steht AllUnity, ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS mit Galaxy und dem Handelshaus Flow Traders. AllUnity erhielt von der BaFin eine E-Geld-Institut-Lizenz und brachte EURAU als, nach eigener Darstellung, ersten von der BaFin als E-Geld lizenzierten und MiCAR-konformen Euro-Stablecoin an den Start; <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2025\/07\/31\/germany-s-allunity-launches-bafin-regulated-euro-stablecoin-eurau'>CoinDesk berichtete \u00fcber den Launch<\/a>. EURAU ist als ERC-20-Token auf Ethereum ausgegeben und zielt vor allem auf grenz\u00fcberschreitende Zahlungen und das Treasury-Management von Unternehmen, Fintechs und Instituten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Im Vergleich zum Dollar bleibt der Euro-Markt allerdings winzig. Nach dem <a href='https:\/\/www.decta.com\/company\/media\/euro-stablecoin-trends-report-2026'>Euro Stablecoin Trends Report 2026 von DECTA<\/a> wuchs die gemeinsame Marktkapitalisierung der acht MiCA-konformen Euro-Stablecoins binnen eines Jahres von rund 296 auf knapp 674 Millionen US-Dollar (etwa 580 Millionen Euro), ein Plus von 128 Prozent. Marktf\u00fchrer ist EURC mit etwa 42 Prozent Anteil, gefolgt von EURCV der Soci\u00e9t\u00e9 G\u00e9n\u00e9rale und dem Neuzugang EURI von Banking Circle. Gemessen an den dollarbasierten Token bleiben alle Euro-Stablecoins zusammen jedoch bei einem Bruchteil von rund 0,2 Prozent. Wer wertstabile On-Chain-Zahlungen in Euro sucht, hat also erstmals eine echte, regulierte Auswahl, bewegt sich aber in einem noch schmalen Segment.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Euro-Stablecoin<\/th><th>Emittent<\/th><th>Kennzeichen<\/th><th>Marktkap. (ca.)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>EURC<\/td><td>Circle<\/td><td>Marktf\u00fchrer, rund 42 Prozent des Euro-Segments<\/td><td>rund 370 Mio. EUR<\/td><\/tr><tr><td>EURCV<\/td><td>Soci\u00e9t\u00e9 G\u00e9n\u00e9rale \/ SG-Forge<\/td><td>Bank-Emittent, mehrere Blockchains<\/td><td>rund 120 Mio. EUR<\/td><\/tr><tr><td>EURI<\/td><td>Banking Circle<\/td><td>Neuzugang 2026<\/td><td>rund 44 Mio. EUR<\/td><\/tr><tr><td>EURAU<\/td><td>AllUnity (DWS, Galaxy, Flow Traders)<\/td><td>erster BaFin-lizenzierter Euro-Stablecoin<\/td><td>im Aufbau<\/td><\/tr><tr><td>EUROe<\/td><td>Membrane Finance<\/td><td>fr\u00fcher MiCA-Vorreiter aus Finnland<\/td><td>kleiner Bestand<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Dass Euro-Token an Bedeutung gewinnen, hat auch technische Gr\u00fcnde. Stablecoins wandern zunehmend auf schnelle, g\u00fcnstige Abwicklungsschichten; sogar auf Bitcoin kehren sie \u00fcber Umwege zur\u00fcck, und Zahlungsnetze wie das <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/lightning-network-erklaert-zahlungsschicht-2026\/'>Lightning Network als Bitcoins Zahlungsschicht<\/a> zeigen, wie eng Stablecoins und Payment-Infrastruktur inzwischen verzahnt sind.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der GENIUS Act: Amerikas Antwort auf die Stablecoin-Frage<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend Europa MiCA vollzieht, baut Washington sein eigenes System. Der GENIUS Act wurde am 18. Juli 2025 als Gesetz unterzeichnet und schafft erstmals einen bundesweiten Rahmen f\u00fcr Zahlungs-Stablecoins (payment stablecoins). Kernpflicht ist eine Deckung von mindestens eins zu eins, und zwar ausschlie\u00dflich in sehr liquiden Aktiva: Bargeld, Einlagen bei der Federal Reserve, kurzlaufende US-Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von h\u00f6chstens 93 Tagen sowie besicherte Repos auf solche Papiere. Unternehmensanleihen oder Aktien sind ausgeschlossen. Die Reserven d\u00fcrfen weder verpf\u00e4ndet noch weiterverliehen oder mehrfach genutzt werden, und die Emittenten m\u00fcssen ihre Deckung monatlich offenlegen und von einer unabh\u00e4ngigen Pr\u00fcfgesellschaft kontrollieren lassen. Auch der GENIUS Act verbietet, den Haltern Zinsen zu zahlen; die Einzelheiten der Umsetzung regelt der <a href='https:\/\/www.occ.gov\/news-issuances\/bulletins\/2026\/bulletin-2026-3.html'>Verordnungsentwurf des OCC zum GENIUS Act<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Vom Gesetz zum vollzugsf\u00e4higen Regelwerk ist es allerdings ein weiter Weg, der Anfang August 2026 noch nicht abgeschlossen ist. Das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) legte am 25. Februar 2026 in seinem Bulletin 2026-3 einen Verordnungsentwurf vor, der die Rolle der &bdquo;permitted payment stablecoin issuers&ldquo; regelt und im M\u00e4rz 2026 im Federal Register ver\u00f6ffentlicht wurde; die Kommentierungsfrist lief bis Anfang Mai. Das Finanzministerium schob im April einen eigenen Entwurf zu Geldw\u00e4schepr\u00e4vention und Sanktionspflichten nach. Finale Regeln fehlen aber weiterhin; die gesetzlich vorgesehene Jahresfrist verstrich, ohne dass die Durchf\u00fchrungsverordnungen abgeschlossen w\u00e4ren. In Kraft tritt das materielle Regime ohnehin erst sp\u00e4ter, nach dem Gesetzeswortlaut am fr\u00fcheren der beiden Termine 18. Januar 2027 oder 120 Tage nach Erlass der finalen Regeln.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Anders als MiCA kennt der GENIUS Act zwei Wege zur Erlaubnis. Gro\u00dfe Emittenten mit mehr als zehn Milliarden Dollar im Umlauf unterstehen der Bundesaufsicht, kleinere k\u00f6nnen unter einem als gleichwertig anerkannten Regime ihres Bundesstaates arbeiten. Auch ausl\u00e4ndische Emittenten d\u00fcrfen ihre Token in den USA anbieten, sofern ihr Heimatregime als vergleichbar gilt und sie sich registrieren. Diese Offenheit gegen\u00fcber Drittstaaten ist genau der Punkt, an dem sich Washington und Br\u00fcssel am deutlichsten unterscheiden: W\u00e4hrend die USA einen Gleichwertigkeitspfad vorsehen, fehlt ein solcher Rahmen in der EU bislang, was europ\u00e4ische Anbieter vom Zugang zu globaler Dollar-Liquidit\u00e4t abschneidet.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>MiCA gegen GENIUS Act: Zwei Philosophien, ein Produkt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Legt man beide Regelwerke nebeneinander, f\u00e4llt eine Gemeinsamkeit sofort auf: Beide verbieten es Emittenten, den Haltern eine Rendite zu zahlen. Ein Stablecoin soll ein Zahlungsmittel sein, kein verstecktes Sparkonto. Dar\u00fcber hinaus setzen die Systeme aber unterschiedliche Schwerpunkte. MiCA verankert Stablecoins tief im Bankensystem, indem es hohe Bankeinlagenquoten vorschreibt, und sch\u00fctzt den Euro mit einem Mengendeckel. Der GENIUS Act st\u00fctzt sich st\u00e4rker auf kurzlaufende Staatsanleihen, kennt keinen solchen Deckel und \u00f6ffnet die Emission neben Banken auch bestimmten Nichtbanken.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kriterium<\/th><th>MiCA (EU)<\/th><th>GENIUS Act (USA)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Kategorie<\/td><td>E-Geld-Token (EMT) und wertreferenzierte Token (ART)<\/td><td>Zahlungs-Stablecoins (payment stablecoins)<\/td><\/tr><tr><td>Wer darf ausgeben<\/td><td>Kreditinstitut oder E-Geld-Institut (EMI)<\/td><td>zugelassene Emittenten: Bankt\u00f6chter, bundeslizenzierte Nichtbanken, Staatsaufsicht bis 10 Mrd. USD<\/td><\/tr><tr><td>Reserve<\/td><td>mind. 30 Prozent (60 Prozent bei signifikanten EMT) als Bankeinlagen, Rest hochliquide Instrumente<\/td><td>1:1 in Bargeld, Fed-Einlagen, US-T-Bills bis 93 Tage, Repos<\/td><\/tr><tr><td>Zinsen an Halter<\/td><td>verboten<\/td><td>verboten<\/td><\/tr><tr><td>Mengendeckel<\/td><td>200 Mio. EUR bzw. 1 Mio. Transaktionen pro Tag f\u00fcr Nicht-Euro-EMT als Zahlungsmittel<\/td><td>kein Mengendeckel<\/td><\/tr><tr><td>Aufsicht<\/td><td>BaFin (national), EBA und ESMA (EU)<\/td><td>OCC, Federal Reserve, Treasury und FinCEN, Bundesstaaten<\/td><\/tr><tr><td>Stand Aug. 2026<\/td><td>in Kraft, \u00dcbergangsfrist beendet (1. Juli 2026)<\/td><td>Gesetz in Kraft, Durchf\u00fchrungsregeln noch im Entwurf<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die praktische Folge dieser Divergenz: Ein Emittent, der beide M\u00e4rkte bedienen will, muss zwei getrennte, teils gegenl\u00e4ufige Reserve- und Lizenzlogiken erf\u00fcllen. Circle l\u00f6st das \u00fcber getrennte Einheiten, Tether hat sich gegen den europ\u00e4ischen Zweig entschieden. F\u00fcr den Markt bedeutet es, dass ein und derselbe Token je nach Kontinent unter v\u00f6llig verschiedenen Regeln zirkuliert.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Sorge der Notenbanken: Dollarisierung und schwindende Einlagen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hinter dem europ\u00e4ischen Mengendeckel steht eine handfeste geldpolitische Sorge. EZB-Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde warnte, dollarbasierte Stablecoins wie die von Tether und Circle bergen f\u00fcr Europa das Risiko einer &bdquo;digitalen Dollarisierung&ldquo;, <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2026\/05\/08\/ecb-s-lagarde-warns-tether-and-circle-stablecoins-risk-digital-dollarisation-in-europe'>wie CoinDesk ihre Aussagen im Mai 2026 wiedergab<\/a>. Der Gedanke: Wenn Europ\u00e4erinnen und Europ\u00e4er im Alltag zunehmend in Dollar-Token abrechnen, wandert ein St\u00fcck W\u00e4hrungshoheit unbemerkt \u00fcber den Atlantik.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone erg\u00e4nzte die Perspektive der Finanzstabilit\u00e4t. Er wies darauf hin, dass eine breite Nutzung von Stablecoins die Einlagenbasis der Gesch\u00e4ftsbanken aush\u00f6hlen und die Kontrolle der Notenbanken \u00fcber Zinsen und Geldmenge schw\u00e4chen k\u00f6nne, <a href='https:\/\/cryptobriefing.com\/ecb-warns-stablecoin-growth-erode-bank-deposits\/'>so seine von Crypto Briefing berichteten Ausf\u00fchrungen<\/a>. Sein Gegenmittel ist der digitale Euro, eine Zentralbankw\u00e4hrung, die bewusst nicht verzinst und in der Haltemenge je Person begrenzt sein soll, um einen Massenabzug von Bankeinlagen zu verhindern. Der Zeitplan bleibt jedoch gestreckt: Die gesetzliche Grundlage wird f\u00fcr 2026 angestrebt, Pilottransaktionen fr\u00fchestens f\u00fcr Mitte 2027, eine erste Ausgabe erst gegen Ende des Jahrzehnts. Bis dahin f\u00fcllen private Stablecoins die L\u00fccke, die eine \u00f6ffentliche digitale W\u00e4hrung noch offenl\u00e4sst.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Debatte hat allerdings zwei Seiten. Kritiker der Notenbank-Position weisen darauf hin, dass dollarbasierte Stablecoins zu bedeutenden K\u00e4ufern kurzlaufender US-Staatsanleihen geworden sind und damit eine reale Nachfrage nach sicheren Papieren schaffen. Wo die EZB die Aush\u00f6hlung der Einlagenbasis f\u00fcrchtet, sehen Bef\u00fcrworter eine effiziente, rund um die Uhr verf\u00fcgbare Abwicklungsschiene, die klassische Korrespondenzbankwege unterbietet. Beide Lesarten sind mit den Fakten vereinbar, und genau diese Ambivalenz macht die Regulierung so schwierig: Dasselbe Instrument ist zugleich ein Risiko f\u00fcr die Geldpolitik und ein Fortschritt f\u00fcr den Zahlungsverkehr.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wo die Regeln enden: Multi-Issuer-Modelle und Offshore-Perps<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Kein Regelwerk ist l\u00fcckenlos, und zwei Grauzonen verdienen Aufmerksamkeit. Die erste ist das sogenannte Multi-Issuer- oder Dual-Issuance-Modell. Ein Anbieter kann denselben Token \u00fcber eine EU-Einheit und eine Nicht-EU-Einheit ausgeben, wobei die europ\u00e4ische Gesellschaft nur die Reserven f\u00fcr den in der EU zirkulierenden Anteil h\u00e4lt. Kritiker fragen, was passiert, wenn ein Ansturm auf den au\u00dfereurop\u00e4ischen Teil auf die gemeinsamen Reserven durchschl\u00e4gt, die formal getrennt, wirtschaftlich aber verbunden sind. Die anstehende MiCA-\u00dcberpr\u00fcfung, auf die dieser Beitrag noch zur\u00fcckkommt, nimmt sich dieses Themas ausdr\u00fccklich an.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Grauzone betrifft die Produktgrenze. MiCA regelt Spot-Kryptowerte und deren Dienstleister, nicht aber Derivate. Krypto-Futures und Perpetuals sind Finanzinstrumente nach der Richtlinie MiFID II und werden in Deutschland von der BaFin beaufsichtigt, nicht unter MiCA. F\u00fcr Kleinanleger gelten dort eigene Schutzregeln mit strengen Hebelgrenzen. Wer dagegen \u00fcber Offshore-Plattformen mit hohem Hebel handelt und dort weiterhin USDT nutzt, verl\u00e4sst gleich beide Schutzschirme, den von MiCA und den des Derivaterechts, auf einmal.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der MiCA-Review 2026: Kommt die Kurskorrektur?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">MiCA ist kein fertiges Denkmal, sondern ein lernendes System. Die Europ\u00e4ische Kommission hat 2026 eine \u00dcberpr\u00fcfung eingeleitet; eine Konsultation lief seit Mai und endet am 31. August 2026. Auf dem Pr\u00fcfstand stehen ausgerechnet die h\u00e4rtesten Stablecoin-Regeln: der 200-Millionen-Deckel und das Fehlen eines \u00c4quivalenzrahmens f\u00fcr Emittenten aus Drittstaaten, das europ\u00e4ischen Anbietern den Zugang zu globaler Dollar-Liquidit\u00e4t verschlie\u00dft. Die Anwaltskanzlei Skadden fasst die Sto\u00dfrichtung der \u00dcberpr\u00fcfung unter der Frage <a href='https:\/\/www.skadden.com\/insights\/publications\/2026\/06\/fit-for-purpose'>&bdquo;Fit for Purpose?&ldquo; zusammen<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Kernvorwurf lautet, die restriktiven Regeln machten Europa unattraktiv und schnitten den Kontinent von globaler Liquidit\u00e4t ab, w\u00e4hrend sie zugleich schnell wachsende Bereiche wie DeFi, Staking, Lending und tokenisierte Einlagen kaum erfassen. Eine tats\u00e4chliche Reform, im Branchenjargon bereits &bdquo;MiCA 2.0&ldquo; genannt, d\u00fcrfte allerdings nicht vor 2028 greifen. Diese Spannung zwischen Schutz und Wettbewerbsf\u00e4higkeit kennt man aus anderen Feldern der EU-Krypto-Regulierung; sie pr\u00e4gt auch <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/krypto-etf-zulassungen-2026-usa-europa-etn\/'>Europas ETN-Sonderweg bei den Krypto-ETFs<\/a>, wo der Kontinent ebenfalls einen eigenen, vorsichtigeren Pfad als die USA geht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Standort Europa steht dabei mehr auf dem Spiel als ein technisches Detail. Die Branche argumentiert, ein Kontinent, der eigene, weltweit nutzbare Euro-Stablecoins hervorbringen wolle, m\u00fcsse seinen Emittenten den Zugang zu globaler Liquidit\u00e4t und praktikable Regeln bieten, statt sie mit Mengendeckeln und starren Reservequoten auszubremsen. Aufseher und Notenbanken halten dagegen, gerade die Strenge schaffe das Vertrauen, das ein Zahlungsmittel braucht. Welche Seite sich im Review durchsetzt, wird mitentscheiden, ob der digitale Euro und private Euro-Token zu Konkurrenten oder zu Erg\u00e4nzungen werden.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was das f\u00fcr Nutzer und Unternehmen in Deutschland bedeutet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr private Nutzer lassen sich die Regeln auf wenige S\u00e4tze verdichten. USDT zu halten bleibt legal, doch der bequeme Zugang \u00fcber regulierte deutsche und europ\u00e4ische B\u00f6rsen ist weg; wer weiter Dollar-Token braucht, weicht auf USDC aus oder nutzt Wege au\u00dferhalb des lizenzierten Systems, mit den entsprechenden Risiken. F\u00fcr wertstabile Euro-Zahlungen stehen erstmals lizenzierte Optionen wie EURC oder das BaFin-regulierte EURAU bereit. Und weil regulierte Stablecoins keine Zinsen zahlen d\u00fcrfen, ist der geparkte Token kein Renditeprodukt; wer Ertrag sucht, muss ihn \u00fcber separate, eigenst\u00e4ndig regulierte Angebote erzielen, was zus\u00e4tzliche Gegenparteirisiken bedeutet und nichts mit den Staking-Ertr\u00e4gen zu tun hat, die wir in der <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/validator-oekonomie-2026-mev-emission-rendite\/'>Validator-\u00d6konomie 2026<\/a> beschreiben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Unternehmen er\u00f6ffnet sich zugleich eine Chance. Ein lizenzierter Euro-Stablecoin erlaubt nahezu sofortige, rund um die Uhr abwickelbare grenz\u00fcberschreitende Zahlungen ohne Wechselkursrisiko innerhalb des Euroraums, ein Argument, mit dem AllUnity ausdr\u00fccklich um Firmenkunden wirbt. Steuerlich \u00e4ndert MiCA nichts an der deutschen Behandlung von Krypto-Transaktionen; wer Token tauscht oder als Zahlungsmittel einsetzt, sollte die geltenden Regeln kennen, die wir in unserem Beitrag zur <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/krypto-steuer-2026-ende-haltefrist-abgeltungsteuer\/'>Krypto-Steuer 2026<\/a> aufschl\u00fcsseln. Die Regulierung schafft Rechtssicherheit, sie ersetzt aber keine sorgf\u00e4ltige eigene Pr\u00fcfung von Anbieter, Reserve und R\u00fccktauschbedingungen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Praktisch hei\u00dft das: Vor der Nutzung eines Stablecoins lohnt ein Blick auf drei Punkte. Erstens, ob der Emittent eine Lizenz als Bank oder E-Geld-Institut in der EU besitzt und ein aktuelles Whitepaper ver\u00f6ffentlicht hat. Zweitens, wie die Reserve zusammengesetzt ist und ob sie regelm\u00e4\u00dfig gepr\u00fcft wird. Drittens, ob der Token \u00fcber eine in der EU lizenzierte Handelsplattform erreichbar ist, denn nur dort greift der volle MiCA-Schutz. F\u00fcr die meisten privaten Anwender laufen diese Fragen auf eine einfache Faustregel hinaus: Ein in Deutschland regulierter Euro-Token oder ein MiCA-konformer Dollar-Token wie USDC deckt die \u00fcblichen Anwendungsf\u00e4lle rechtssicher ab.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Ausblick: Zwei Systeme, ein globaler Markt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Jahr 2026 hat aus der abstrakten Frage &bdquo;Wie reguliert man Stablecoins?&ldquo; eine konkrete Marktordnung gemacht. Europa hat sich f\u00fcr ein bankennahes, den Euro sch\u00fctzendes Modell entschieden und die \u00dcbergangsfrist ohne R\u00fccksicht auf die Gr\u00f6\u00dfe einzelner Anbieter durchgesetzt. Die USA bauen mit dem GENIUS Act ein staatsanleihengest\u00fctztes System, dessen Durchf\u00fchrungsregeln aber noch nicht stehen. Dazwischen bewegt sich ein globaler Markt von rund 250 Milliarden Euro, der sich nicht an Grenzen h\u00e4lt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die spannendste Frage der kommenden Monate ist, ob Br\u00fcssel im MiCA-Review H\u00e4rte gegen Wettbewerbsf\u00e4higkeit tauscht, ob Washington seine finalen Regeln liefert und ob der digitale Euro rechtzeitig kommt, um privaten Token nicht das gesamte Feld zu \u00fcberlassen. Klar ist nur: Der Stablecoin ist erwachsen geworden, und mit ihm die Aufsicht. Wer heute einen wertstabilen Token nutzt, sollte wissen, unter welchem Regelwerk er steht, denn davon h\u00e4ngt ab, ob er morgen noch handelbar ist.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Ist USDT in Deutschland verboten?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Privatpersonen d\u00fcrfen USDT weiterhin halten und in selbstverwahrten Wallets nutzen. Seit dem 1. Juli 2026 d\u00fcrfen MiCA-lizenzierte Handelsplattformen USDT jedoch nicht mehr f\u00fcr Kundinnen und Kunden im Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum anbieten, weil Tether keine E-Geld-Token-Zulassung beantragt hat. Der Besitz bleibt erlaubt, der Zugang \u00fcber regulierte Anbieter f\u00e4llt weg.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Welche Euro-Stablecoins sind MiCA-konform?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Zu den MiCA-konformen Euro-Stablecoins z\u00e4hlen unter anderem EURC von Circle, EURCV von der Soci\u00e9t\u00e9 G\u00e9n\u00e9rale, EURI von Banking Circle, EUROe aus Finnland und EURAU von AllUnity, dem ersten von der BaFin als E-Geld lizenzierten Euro-Stablecoin. Mitte 2026 gab es insgesamt acht MiCA-konforme Euro-Stablecoins.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist der Unterschied zwischen MiCA und dem GENIUS Act?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">MiCA ist das EU-Regelwerk f\u00fcr Kryptowerte und behandelt Stablecoins als E-Geld-Token oder wertreferenzierte Token; Emittenten brauchen eine Bank- oder E-Geld-Lizenz. Der GENIUS Act ist das US-Bundesgesetz f\u00fcr Zahlungs-Stablecoins mit 1:1-Reserven aus Bargeld und kurzlaufenden US-Staatsanleihen. Beide verbieten Zinsen an die Halter, aber nur MiCA kennt einen Mengendeckel f\u00fcr Nicht-Euro-Token.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Zahlen regulierte Stablecoins Zinsen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Sowohl MiCA als auch der GENIUS Act verbieten es Emittenten, den Haltern eines Stablecoins Zinsen oder eine Rendite zu zahlen. Wer Rendite sucht, muss den Token in separate, eigenst\u00e4ndig regulierte Angebote geben, was zus\u00e4tzliche Risiken mit sich bringt.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist der 200-Millionen-Euro-Deckel bei Stablecoins?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">MiCA begrenzt Nicht-Euro-Stablecoins, die als Zahlungsmittel f\u00fcr Waren und Dienstleistungen genutzt werden, auf 1 Million Transaktionen oder 200 Millionen Euro pro Tag innerhalb eines W\u00e4hrungsraums. Wird die Schwelle \u00fcberschritten, muss der Emittent die Neuausgabe stoppen. Handel, Verwahrung und Abwicklung zwischen Gegenparteien sind davon ausgenommen.<\/p><script type=\"application\/ld+json\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Ist USDT in Deutschland verboten?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Nein. Privatpersonen d\u00fcrfen USDT weiterhin halten und in selbstverwahrten Wallets nutzen. Seit dem 1. 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