{"id":261,"date":"2026-08-12T04:24:55","date_gmt":"2026-08-12T04:24:55","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/sec-cftc-doj-us-krypto-enforcement-landkarte-2026\/"},"modified":"2026-08-12T04:24:55","modified_gmt":"2026-08-12T04:24:55","slug":"sec-cftc-doj-us-krypto-enforcement-landkarte-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/sec-cftc-doj-us-krypto-enforcement-landkarte-2026\/","title":{"rendered":"SEC, CFTC, DOJ: US-Krypto-Enforcement 2026 im \u00dcberblick"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer in Deutschland \u00fcber die Regulierung von Kryptow\u00e4hrungen in den USA liest, denkt zuerst an die Securities and Exchange Commission, kurz SEC. \u00dcber Jahre lieferte die US-B\u00f6rsenaufsicht die Schlagzeilen: Klagen gegen Coinbase, Kraken und Binance, der Dauerstreit um Ripple, das Milliardenurteil gegen Terraform. Doch die SEC ist nur einer von mindestens f\u00fcnf Bundesakteuren, die in Washington \u00fcber den Kryptomarkt wachen, und im Sommer 2026 hat sich das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zwischen ihnen sp\u00fcrbar verschoben. Bitcoin notiert derzeit bei rund 55.500 Euro und damit fast 48 Prozent unter dem Rekordhoch vom Oktober 2025, wie die Kursdaten von <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>CoinGecko<\/a> zeigen; Ethereum liegt bei etwa 1.630 Euro. In einem ruhigeren Markt entscheidet weniger der Kurs als die Frage, welche Beh\u00f6rde welchen Teil des Gesch\u00e4fts kontrolliert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Grund f\u00fcr die neue Un\u00fcbersichtlichkeit liegt in Washington selbst. Der CLARITY Act, das Gesetz, das die Zust\u00e4ndigkeiten zwischen SEC und CFTC ein f\u00fcr alle Mal kl\u00e4ren soll, h\u00e4ngt fest: Mehrheitsf\u00fchrer John Thune best\u00e4tigte Anfang August, dass der Senat vor der Sommerpause nicht dar\u00fcber abstimmt, wie <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2026\/08\/06\/senate-won-t-vote-on-crypto-clarity-act-before-its-summer-break'>CoinDesk<\/a> berichtete. Der Senat er\u00f6ffnete am 8. August immerhin die erste Verfahrensstufe, doch die eigentliche Abstimmung wurde auf September vertagt, wie <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2026\/08\/08\/u-s-senate-opens-first-stage-of-crypto-clarity-act-voting-to-give-bill-a-chance-next-month'>dieselbe Quelle<\/a> festhielt. Solange kein einheitliches Regelwerk existiert, bleibt das Enforcement, also die Durchsetzung bestehender Gesetze durch Klagen, Vergleiche und Sanktionen, das eigentliche Regelbuch. Und dieses Regelbuch schreiben f\u00fcnf Beh\u00f6rden gleichzeitig, dazu 50 Bundesstaaten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Text zeichnet die Landkarte: Wer macht was, auf welcher Rechtsgrundlage, mit welchen Leitf\u00e4llen, und was die amerikanische Zersplitterung f\u00fcr europ\u00e4ische und deutsche Anleger bedeutet, die es mit einem ganz anderen Modell zu tun haben, dem einheitlichen MiCA-Rahmen und der BaFin. Wer die Details zur Wertpapierfrage sucht, findet sie in unserer Analyse zum <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/howey-test-sec-krypto-wertpapier-2026\/'>Howey-Test 2026<\/a>; dieser Beitrag geht bewusst dar\u00fcber hinaus.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum die SEC nur ein Akteur von f\u00fcnf ist<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die USA haben keine einheitliche Finanzaufsicht. Statt einer zentralen Beh\u00f6rde teilen sich mehrere \u00c4mter die Zust\u00e4ndigkeit entlang von Funktionen: Wertpapiere geh\u00f6ren zur SEC, Rohstoffe und Derivate zur Commodity Futures Trading Commission (CFTC), Straftaten zum Justizministerium (Department of Justice, DOJ), Geldw\u00e4sche zum Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) und Sanktionen zum Office of Foreign Assets Control (OFAC). Fachleute nennen das eine funktionale Regulierung: Nicht das Unternehmen bestimmt den Aufseher, sondern die konkrete T\u00e4tigkeit.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Kryptomarkt ist das ein Grundproblem, denn ein einzelner Token oder eine einzelne B\u00f6rse kann gleichzeitig in mehrere Kategorien fallen. Ein Handelsplatz, der Spot-Bitcoin, Ether-Futures und einen m\u00f6glichen Wertpapier-Token anbietet, dazu Kundengelder verwahrt und internationale \u00dcberweisungen abwickelt, sieht sich f\u00fcnf Beh\u00f6rden mit f\u00fcnf verschiedenen Gesetzen gegen\u00fcber. Genau das macht die amerikanische Durchsetzung so m\u00e4chtig und zugleich so schwer vorhersehbar. Die folgende \u00dcbersicht zeigt die Grundaufteilung, bevor wir jede Beh\u00f6rde einzeln betrachten.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Beh\u00f6rde<\/th><th>Kernzust\u00e4ndigkeit<\/th><th>Rechtsgrundlage<\/th><th>Krypto-Leitfall<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>SEC<\/td><td>Wertpapiere, Anlegerschutz<\/td><td>Securities Act 1933, Howey-Test<\/td><td>Terraform, Ripple, Coinbase<\/td><\/tr><tr><td>CFTC<\/td><td>Rohstoffe, Derivate, Marktmanipulation<\/td><td>Commodity Exchange Act<\/td><td>BitMEX, Binance, Ooki DAO<\/td><\/tr><tr><td>DOJ<\/td><td>Straftaten, Betrug, Geldw\u00e4sche<\/td><td>US Code, Strafrecht<\/td><td>FTX\/SBF, Terraform\/Do Kwon<\/td><\/tr><tr><td>FinCEN<\/td><td>Geldw\u00e4schepr\u00e4vention, Meldepflichten<\/td><td>Bank Secrecy Act<\/td><td>Binance, BitMEX, Mixer<\/td><\/tr><tr><td>OFAC<\/td><td>Sanktionen, SDN-Liste<\/td><td>IEEPA, Sanktionsprogramme<\/td><td>Tornado Cash, Binance<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Die SEC: Wertpapiere, der Howey-Test und die Kehrtwende<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die SEC pr\u00fcft, ob ein Krypto-Asset als Wertpapier gilt und damit ihrer Aufsicht unterliegt. Ma\u00dfstab ist der Howey-Test aus einem Urteil des Supreme Court von 1946: Eine Investition von Geld in ein gemeinsames Unternehmen mit Gewinnerwartung, die wesentlich auf der Arbeit anderer beruht. Unter dem fr\u00fcheren Vorsitzenden Gary Gensler legte die Beh\u00f6rde diesen Test breit aus und klagte reihenweise gegen B\u00f6rsen und Emittenten. Diese \u00c4ra ist vorbei.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Unter Vorsitzendem Paul Atkins, seit April 2025 im Amt, vollzog die SEC eine Kehrtwende. Sie stellte die Verfahren gegen Coinbase (Februar 2025), Kraken, ConsenSys und Cumberland (M\u00e4rz 2025) sowie Binance (Mai 2025) ein; im Ripple-Streit zogen beide Seiten im August 2025 ihre Berufungen zur\u00fcck. Im M\u00e4rz 2026 folgte eine gemeinsame Auslegungsmitteilung mit der CFTC, wonach die meisten Krypto-Assets keine Wertpapiere seien, wie die Beh\u00f6rde in ihrer <a href='https:\/\/www.sec.gov\/newsroom\/press-releases\/2026-30-sec-clarifies-application-federal-securities-laws-crypto-assets'>Pressemitteilung 2026-30<\/a> darlegte. Atkins fasste sein Verst\u00e4ndnis von Regulierung so zusammen, dass Beh\u00f6rden klare Linien in klaren Worten ziehen sollten. Die Statistik untermauert den Bruch: Das Analysehaus <a href='https:\/\/www.cornerstone.com\/insights\/press-releases\/sec-cryptocurrency-enforcement-declined-atkins-administration\/'>Cornerstone Research<\/a> z\u00e4hlte f\u00fcr das Gesch\u00e4ftsjahr 2025 nur noch 13 Krypto-Verfahren gegen\u00fcber 33 im Vorjahr.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig f\u00fcr die Landkarte: Die SEC hat die Registrierungstheorie zur\u00fcckgezogen, den Betrugsschutz aber nicht. Enforcement-Direktor David Woodcock, seit Mai 2026 im Amt, gab die Losung einer R\u00fcckkehr zu den Grundlagen aus, Qualit\u00e4t vor Quantit\u00e4t. Wie die verbleibenden Strafen berechnet werden, von Disgorgement bis zu den Fair Funds, hat HOGE Wire in der <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/sec-krypto-strafe-disgorgement-bussgelder-fair-funds-2026\/'>Anatomie einer SEC-Krypto-Strafe<\/a> aufgeschl\u00fcsselt. Entscheidend ist, dass die SEC nur einen Ausschnitt abdeckt, n\u00e4mlich die Wertpapierfrage. F\u00fcr alles andere sind andere zust\u00e4ndig.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die CFTC: Rohstoffe, Derivate und Chairman Selig<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wo die SEC Wertpapiere sieht, sieht die CFTC Rohstoffe. Nach US-Recht gelten Bitcoin und Ether als Commodities, \u00e4hnlich wie Weizen oder \u00d6l, und Derivate darauf, also Futures und Perpetuals, fallen unter den Commodity Exchange Act. Die CFTC hat diese Zust\u00e4ndigkeit vor Gericht mehrfach best\u00e4tigt bekommen und sie in spektakul\u00e4ren F\u00e4llen genutzt. Die Derivateb\u00f6rse BitMEX zahlte im August 2021 einen Vergleich von 100 Millionen US-Dollar, je zur H\u00e4lfte an CFTC und FinCEN, wie die <a href='https:\/\/www.cftc.gov\/PressRoom\/PressReleases\/8412-21'>CFTC selbst mitteilte<\/a>. Binance zahlte 2023 zus\u00e4tzlich zu den anderen Strafen 150 Millionen US-Dollar an die CFTC.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der bemerkenswerteste Fall betraf keine Firma, sondern eine dezentrale Organisation. Im September 2022 verklagte die CFTC die Ooki DAO, Nachfolgerin des bZx-Protokolls, wegen illegal angebotener gehebelter Gesch\u00e4fte und erwirkte 2023 ein Vers\u00e4umnisurteil. Die Beh\u00f6rde behandelte die DAO und ihre stimmberechtigten Token-Inhaber als haftbare Personenvereinigung, ein Pr\u00e4zedenzfall, der die gesamte DeFi-Welt aufschreckte, wie die <a href='https:\/\/www.cftc.gov\/PressRoom\/PressReleases\/8715-23'>CFTC in ihrer Mitteilung<\/a> zum Prozesserfolg betonte. Auch Prognosem\u00e4rkte wie Kalshi laufen als Event-Kontrakte \u00fcber die CFTC, ein Feld, das HOGE Wire in der Analyse zu <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/prediction-market-agents-2026-bots-orakel-tradfi\/'>Prediction-Market-Agents<\/a> ausleuchtet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Seit Dezember 2025 f\u00fchrt Michael Selig die Beh\u00f6rde als 16. Vorsitzender. Seine Personalie ist ein Politikum, denn Selig war zuvor Chefsyndikus der SEC-Krypto-Arbeitsgruppe und Berater von Atkins; er half nach eigener Darstellung, die Regelwerke von SEC und CFTC zu harmonisieren und die Regulierung durch Enforcement zu beenden, wie seine <a href='https:\/\/www.cftc.gov\/About\/Commissioners\/MichaelSelig\/index.htm'>CFTC-Biografie<\/a> festh\u00e4lt. Zum Enforcement-Chef machte er den fr\u00fcheren Bundesstaatsanwalt David Miller. Parallel treibt die CFTC ihren im August 2025 gestarteten Crypto Sprint voran, ein Programm zur schnellen Kl\u00e4rung offener Fragen wie tokenisierte Sicherheiten und Marktstruktur, das die damalige gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Vorsitzende Caroline Pham in einer <a href='https:\/\/www.cftc.gov\/PressRoom\/PressReleases\/9109-25'>Mitteilung<\/a> ank\u00fcndigte.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Grenzstreit und Waffenstillstand: SEC und CFTC schlie\u00dfen ein MOU<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Trennung zwischen Wertpapier und Rohstoff klingt sauber, ist es aber nicht. \u00dcber Jahre stritten SEC und CFTC darum, wer f\u00fcr welchen Token zust\u00e4ndig ist, ein Grenzkrieg, der Projekte in der Schwebe lie\u00df. 2026 legten beide Beh\u00f6rden ihn bei. Am 11. M\u00e4rz 2026 unterzeichneten Atkins und Selig ein Memorandum of Understanding, eine formale Absichtserkl\u00e4rung zur Zusammenarbeit, die die SEC in ihrer <a href='https:\/\/www.sec.gov\/newsroom\/press-releases\/2026-26-sec-cftc-announce-historic-memorandum-understanding-between-agencies'>Pressemitteilung 2026-26<\/a> als historisch bezeichnete. Wenige Tage sp\u00e4ter, am 17. M\u00e4rz, folgte die erw\u00e4hnte gemeinsame Auslegungsmitteilung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das MOU ersetzt jedoch kein Gesetz. Es koordiniert nur, wie zwei Beh\u00f6rden ihre bestehenden Befugnisse anwenden, und l\u00e4sst sich von einer k\u00fcnftigen F\u00fchrung wieder aufk\u00fcndigen. Genau diese L\u00fccke soll der CLARITY Act schlie\u00dfen, indem er gesetzlich festschreibt, dass reife, hinreichend dezentrale Netzwerke als Digital Commodities der CFTC zufallen, w\u00e4hrend die SEC f\u00fcr echte Anlagevertr\u00e4ge zust\u00e4ndig bleibt. Bis das Gesetz durch den Senat ist, beruht die Arbeitsteilung auf gutem Willen und einer Verwaltungsvereinbarung, nicht auf verl\u00e4sslichem Recht. F\u00fcr Anleger hei\u00dft das: Die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr einen bestimmten Token kann sich mit einer neuen Regierung \u00e4ndern.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Das DOJ: Strafrecht und das Ende der Regulierung durch Strafverfolgung<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">SEC und CFTC f\u00fchren Zivilverfahren; sie k\u00f6nnen Strafen und Verbote erwirken, aber niemanden ins Gef\u00e4ngnis bringen. Das kann nur das Justizministerium. Das DOJ verfolgt Betrug, Geldw\u00e4sche und den Betrieb nicht lizenzierter Geldtransferdienste strafrechtlich, und seine Urteile wiegen schwerer als jede Geldbu\u00dfe. FTX-Gr\u00fcnder Sam Bankman-Fried wurde 2024 zu 25 Jahren Haft verurteilt, Terraform-Gr\u00fcnder Do Kwon nach seiner Auslieferung in einem laufenden Strafverfahren angeklagt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Doch auch das DOJ hat seinen Kurs ge\u00e4ndert. Am 7. April 2025 erlie\u00df der stellvertretende Justizminister Todd Blanche ein Memorandum mit dem Titel Ending Regulation by Prosecution. Darin stellte er unmissverst\u00e4ndlich klar, dass das Justizministerium keine Aufsichtsbeh\u00f6rde f\u00fcr digitale Verm\u00f6genswerte sei, wie <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2025\/04\/08\/doj-axes-crypto-unit-as-trump-s-regulatory-pullback-continues'>CoinDesk<\/a> aus dem Papier zitierte. Das Memo l\u00f6ste das 2022 gegr\u00fcndete National Cryptocurrency Enforcement Team (NCET) auf und wies die Staatsanw\u00e4lte an, B\u00f6rsen und Wallet-Anbieter nicht l\u00e4nger f\u00fcr das Verhalten ihrer Nutzer oder f\u00fcr unwissentliche Verst\u00f6\u00dfe zu verfolgen. Regulatorische Delikte wie der Betrieb ohne Geldtransferlizenz sollen nur noch bei nachweislich vors\u00e4tzlichem Handeln angeklagt werden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgenommen bleibt, was das DOJ als Kernkriminalit\u00e4t versteht: Betrug an Kunden und Anlegern sowie der Einsatz von Krypto durch Kartelle, transnationale Verbrecherorganisationen, Terrorgruppen und Sanktionsbrecher. F\u00fcr die Landkarte hei\u00dft das: Das DOJ zieht sich aus der Rolle des Ersatzregulierers zur\u00fcck, bleibt aber der sch\u00e4rfste Akteur \u00fcberall dort, wo echte Kriminalit\u00e4t im Spiel ist. Die beratende Rolle in Grundsatzfragen \u00fcbernahm die Sektion f\u00fcr Computerkriminalit\u00e4t und geistiges Eigentum (CCIPS).<\/p><h2 class='wp-block-heading'>FinCEN: Geldw\u00e4sche, Bank Secrecy Act und der Kampf gegen Mixer<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Financial Crimes Enforcement Network, eine Beh\u00f6rde des US-Finanzministeriums, k\u00fcmmert sich nicht um Wertpapiere oder Rohstoffe, sondern um Geldw\u00e4sche. Unter dem Bank Secrecy Act m\u00fcssen sich Krypto-B\u00f6rsen, die US-Kunden bedienen, als Money Services Business registrieren, Identit\u00e4ten pr\u00fcfen (KYC) und verd\u00e4chtige Transaktionen melden. Wer das unterl\u00e4sst, riskiert die h\u00f6chsten Geldbu\u00dfen im ganzen System. Der 3,4-Milliarden-Dollar-Vergleich mit Binance 2023 war die gr\u00f6\u00dfte Strafe, die FinCEN je verh\u00e4ngt hat.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">FinCEN nimmt zunehmend die Infrastruktur ins Visier, die Herkunft und Ziel von Coins verschleiert. 2023 stufte die Beh\u00f6rde das sogenannte Convertible Virtual Currency Mixing erstmals als vorrangiges Geldw\u00e4scherisiko ein und schlug unter Section 311 des USA Patriot Act besondere Meldepflichten f\u00fcr Mixing-Dienste vor. Damit verschiebt sich die Front von einzelnen B\u00f6rsen hin zu Werkzeugen der Transaktionsverschleierung. Eng verbunden mit FinCEN ist die Aufsicht \u00fcber Stablecoins: Der 2025 verabschiedete GENIUS Act schreibt vollst\u00e4ndige Reservedeckung und monatliche Offenlegung vor und macht Zahlungs-Stablecoins ausdr\u00fccklich weder zu Wertpapieren noch zu Rohstoffen. Wie sich dieses US-Regime vom europ\u00e4ischen unterscheidet, zeigt unsere Analyse zu den <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/stablecoin-regeln-2026-mica-genius-act\/'>Stablecoin-Regeln 2026<\/a>.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>OFAC: Sanktionen, Tornado Cash und die Grenzen der Staatsmacht<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Office of Foreign Assets Control, ebenfalls im Finanzministerium angesiedelt, f\u00fchrt die Sanktionslisten der USA. Wer auf der Liste der Specially Designated Nationals (SDN) steht, ist f\u00fcr US-Personen tabu. OFAC traf Binance 2023 mit einer Strafe von 968.618.825 US-Dollar f\u00fcr 1.667.153 mutma\u00dfliche Sanktionsverst\u00f6\u00dfe, etwa Transaktionen mit Nutzern in sanktionierten L\u00e4ndern.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Doch gerade hier stie\u00df der Staat an eine verfassungsrechtliche Grenze. 2022 hatte OFAC den Mixing-Dienst Tornado Cash auf die SDN-Liste gesetzt, also nicht eine Person, sondern ein B\u00fcndel unver\u00e4nderlicher Smart Contracts. Im November 2024 entschied das Berufungsgericht des F\u00fcnften Bezirks im Fall Van Loon gegen das Finanzministerium, dass unver\u00e4nderliche Smart Contracts kein Eigentum im Sinne des Sanktionsgesetzes IEEPA seien und OFAC seine Befugnisse \u00fcberschritten habe, wie die <a href='https:\/\/law.justia.com\/cases\/federal\/appellate-courts\/ca5\/23-50669\/23-50669-2024-11-26.html'>Urteilsbegr\u00fcndung<\/a> dokumentiert. Im M\u00e4rz 2025 strich OFAC die Tornado-Cash-Vertr\u00e4ge daraufhin von der Liste, wie <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2025\/04\/05\/why-ofac-delisted-tornado-cash'>CoinDesk<\/a> berichtete. Den Mitentwickler Roman Semenov lie\u00df die Beh\u00f6rde als Person weiter sanktioniert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der strafrechtliche Strang l\u00e4uft parallel und weniger g\u00fcnstig f\u00fcr die Entwickler. Ein Geschworenengericht in New York sprach Mitgr\u00fcnder Roman Storm im August 2025 in einem Anklagepunkt schuldig, dem Betrieb eines nicht lizenzierten Geldtransfergesch\u00e4fts, konnte sich bei den schwereren Vorw\u00fcrfen der Geldw\u00e4sche- und Sanktionsverschw\u00f6rung aber nicht einigen, wie die <a href='https:\/\/natlawreview.com\/article\/tornado-cash-and-legality-mixers'>National Law Review<\/a> zusammenfasste. Das DOJ strebt f\u00fcr die offenen Punkte einen neuen Prozess an, m\u00f6glicherweise im Oktober 2026. Der Fall bleibt der sch\u00e4rfste Test der Frage, ob das Schreiben von Code strafbar sein kann.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Fallstudie Binance: Wenn f\u00fcnf Beh\u00f6rden gleichzeitig zuschlagen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Kein Fall zeigt die Mechanik der amerikanischen Zersplitterung besser als der Vergleich mit Binance vom 21. November 2023. Die weltgr\u00f6\u00dfte Krypto-B\u00f6rse einigte sich am selben Tag mit vier Bundesbeh\u00f6rden auf einen der h\u00f6chsten Vergleiche der US-Geschichte, und Gr\u00fcnder Changpeng Zhao (CZ) bekannte sich pers\u00f6nlich schuldig, trat als CEO zur\u00fcck und akzeptierte eine eigene Strafe. Jede Beh\u00f6rde brachte ihre eigene Rechtsgrundlage ein: das DOJ das Strafrecht, FinCEN den Bank Secrecy Act, OFAC die Sanktionsgesetze, die CFTC den Commodity Exchange Act.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist eine Feinheit, an der sich Schlagzeilen oft verrechnen: Die Betr\u00e4ge sind nicht additiv. Das DOJ rechnete nach eigenen Angaben rund 1,8 Milliarden US-Dollar auf die Zahlungen an OFAC, FinCEN und CFTC an, um Doppelbestrafung zu vermeiden. Die folgende Tabelle schl\u00fcsselt die einzelnen Komponenten auf, die Zahlen stammen aus der <a href='https:\/\/ofac.treasury.gov\/system\/files\/2023-11\/20231121_binance.pdf'>OFAC-Vergleichsurkunde<\/a> und der <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2023\/11\/21\/binance-to-make-complete-exit-from-u-s-pay-billions-to-fincen-ofac-on-top-of-doj-settlement'>Berichterstattung von CoinDesk<\/a>.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Beh\u00f6rde<\/th><th>Betrag (US-Dollar)<\/th><th>Grundlage<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>DOJ<\/td><td>4.316.126.163 (2,51 Mrd. Einziehung + 1,81 Mrd. Strafe)<\/td><td>Strafrecht, BSA-Verst\u00f6\u00dfe<\/td><\/tr><tr><td>FinCEN<\/td><td>3.400.000.000<\/td><td>Bank Secrecy Act<\/td><\/tr><tr><td>OFAC<\/td><td>968.618.825<\/td><td>1.667.153 Sanktionsverst\u00f6\u00dfe<\/td><\/tr><tr><td>CFTC<\/td><td>150.000.000<\/td><td>Commodity Exchange Act<\/td><\/tr><tr><td>CZ pers\u00f6nlich<\/td><td>50.000.000<\/td><td>Schuldbekenntnis, R\u00fccktritt<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Binance-Fall verdeutlicht die eigentliche Machtquelle des US-Systems: Nicht eine einzelne Beh\u00f6rde ist gef\u00fcrchtet, sondern die koordinierte Wucht mehrerer Beh\u00f6rden, die dasselbe Verhalten aus f\u00fcnf Blickwinkeln angreifen. Ein europ\u00e4isches Unternehmen kann sich mit der BaFin einigen; ein global t\u00e4tiger Kryptokonzern muss in den USA mit einer ganzen Phalanx rechnen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Betrug bleibt Betrug: Die F\u00e4lle, die trotz Kehrtwende weiterlaufen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kurswechsel unter Atkins, Blanche und Selig hat die Registrierungsklagen beendet, nicht aber die Betrugsverfahren. Diese Unterscheidung ist zentral und wird in der Debatte oft \u00fcbersehen. Das gr\u00f6\u00dfte Zivilverfahren blieb bestehen: Terraform Labs und Do Kwon einigten sich mit der SEC auf insgesamt 4,47 Milliarden US-Dollar, nachdem eine Jury 2024 die Kernvorw\u00fcrfe best\u00e4tigt hatte, wie die <a href='https:\/\/www.sec.gov\/newsroom\/press-releases\/2024-73'>SEC-Pressemitteilung 2024-73<\/a> festh\u00e4lt. Der Kollaps des Stablecoins UST hatte im Mai 2022 rund 40 Milliarden US-Dollar an Marktwert vernichtet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auch der Fall Justin Sun zeigt, dass Enforcement fortbesteht, wenn auch mit Kompromissen. Das urspr\u00fcnglich 2023 wegen Betrugs und nicht registrierter Angebote eingeleitete Verfahren endete im M\u00e4rz 2026 mit einem Vergleich: Sun beziehungsweise die zugeh\u00f6rige Rainberry Inc. zahlt 10 Millionen US-Dollar, die pers\u00f6nlichen Vorw\u00fcrfe gegen Sun wurden fallengelassen, wie <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2026\/03\/05\/sec-justin-sun-reach-settlement-over-tron-lawsuit'>CoinDesk<\/a> berichtete. Und die neue Enforcement-F\u00fchrung unter Woodcock verfolgt weiter klassische Anlagebetr\u00fcgereien, darunter 2026 ein rund 16 Millionen US-Dollar schweres Schema um falsche Versicherungsversprechen und einen Ponzi mit angeblichen KI-Handelsbots \u00fcber rund 12,3 Millionen US-Dollar. Die Botschaft an die Branche ist eindeutig: Wer l\u00fcgt und stiehlt, wird weiter verfolgt; wer sich nur nicht registriert hat, eher nicht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die 50 anderen Aufseher: NYDFS, BitLicense und der Flickenteppich<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber den f\u00fcnf Bundesbeh\u00f6rden liegt eine zweite Ebene, die aus europ\u00e4ischer Sicht leicht \u00fcbersehen wird: die Bundesstaaten. Fast jeder der 50 Staaten verlangt f\u00fcr Geldtransferdienste eine eigene Lizenz, sodass ein landesweit t\u00e4tiger Zahlungs- oder Krypto-Anbieter theoretisch Dutzende Genehmigungen ben\u00f6tigt. Der bekannteste Sonderweg ist New York: Die Finanzaufsicht NYDFS f\u00fchrte 2015 mit der BitLicense (23 NYCRR Part 200) ein eigenes Krypto-Regime ein, das Anlegerschutz, Geldw\u00e4schepr\u00e4vention und Cybersicherheit vorschreibt. Die offiziellen Vorgaben stehen auf der <a href='https:\/\/www.dfs.ny.gov\/virtual_currency_businesses'>Seite der NYDFS<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die BitLicense gilt als streng und teuer, sie hat aber auch dazu gef\u00fchrt, dass New York eine eigene, durchsetzungsstarke Aufsicht mit eigenen Vergleichen und Verboten unterh\u00e4lt. Hinzu kommen die Generalstaatsanw\u00e4lte der Bundesstaaten, die parallel zum DOJ ermitteln k\u00f6nnen. F\u00fcr die Landkarte bedeutet das: Selbst wenn Washington einen Fall fallen l\u00e4sst, kann ein einzelner Bundesstaat weitermachen. Die amerikanische Aufsicht ist damit nicht nur horizontal (f\u00fcnf Beh\u00f6rden), sondern auch vertikal (Bund und L\u00e4nder) zersplittert, ein Flickenteppich, den kein europ\u00e4isches System in dieser Form kennt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die CLARITY-Act-L\u00fccke: Warum die Landkarte vorerst zersplittert bleibt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der CLARITY Act soll den horizontalen Teil dieses Durcheinanders aufl\u00f6sen, indem er die Grenze zwischen SEC und CFTC gesetzlich zieht. Das Repr\u00e4sentantenhaus hat ihn 2025 mit breiter Mehrheit verabschiedet, im Senat aber hakt es. Anfang August 2026 stand fest, dass es vor der Sommerpause keine Abstimmung geben w\u00fcrde; der Senat kehrt am 14. September zur\u00fcck, eine erste Cloture-Abstimmung w\u00e4re in der Woche darauf m\u00f6glich. F\u00fcr die Verabschiedung braucht es 60 Stimmen, bei 53 republikanischen Sitzen also rund sieben Stimmen aus dem demokratischen Lager.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Drei Streitpunkte blockieren den Fortschritt:<\/p><ul class='wp-block-list'><li>ethische Bedenken wegen der milliardenschweren Krypto-Eink\u00fcnfte des Pr\u00e4sidenten,<\/li><li>der Umgang mit der strafrechtlichen Haftung von Software-Entwicklern (Developer Liability),<\/li><li>der Streit um Zinsertr\u00e4ge auf Stablecoins, ein f\u00fcr Coinbase und andere Emittenten lukratives Gesch\u00e4ft.<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">Prognosem\u00e4rkte taxieren die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung 2026 zuletzt nur noch im niedrigen bis mittleren Bereich zwischen etwa 15 und 30 Prozent. Solange das Gesetz nicht steht, bleibt die Zust\u00e4ndigkeitsverteilung eine Sache von Verwaltungsvereinbarungen und Gerichtsurteilen. Genau deshalb ist die Landkarte, die dieser Text zeichnet, keine akademische \u00dcbung, sondern der reale Zustand der US-Krypto-Aufsicht im Jahr 2026.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Das europ\u00e4ische Gegenmodell: Ein Regelwerk statt f\u00fcnf Beh\u00f6rden<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr deutsche Leser ist der Kontrast zu Europa der eigentliche Erkenntnisgewinn. Die EU hat den umgekehrten Weg gew\u00e4hlt: statt f\u00fcnf Bundesbeh\u00f6rden und 50 Landesregimen ein einziges harmonisiertes Regelwerk, die Markets-in-Crypto-Assets-Verordnung (MiCA). Sie gilt unmittelbar in allen 27 Mitgliedstaaten und definiert Kategorien von Krypto-Assets (wertreferenzierte Token, E-Geld-Token und sonstige) sowie einheitliche Pflichten f\u00fcr Dienstleister. Wo die USA im Nachhinein per Klage kl\u00e4ren, welche Regel gilt, schreibt die EU die Regeln vorab ins Gesetz.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Unterschied betrifft auch die Zust\u00e4ndigkeitsfrage selbst. In den USA teilen sich SEC und CFTC den Markt entlang der Grenze Wertpapier gegen Rohstoff, eine Grenze, die bei Krypto notorisch unscharf ist. Unter MiCA gibt es diese Zweiteilung nicht: Spot-Krypto-Assets und Dienstleister fallen einheitlich unter MiCA, w\u00e4hrend Krypto-Derivate wie Futures und Perpetuals als Finanzinstrumente unter die Richtlinie MiFID II fallen und von der nationalen Marktaufsicht \u00fcberwacht werden. Wie unterschiedlich beide Kontinente daraus etwa bei b\u00f6rsengehandelten Produkten Konsequenzen ziehen, zeigt unsere Analyse zu den <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/krypto-etf-zulassungen-2026-usa-europa-etn\/'>Krypto-ETF-Zulassungen 2026<\/a>. Die folgende Tabelle stellt beide Systeme gegen\u00fcber.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Dimension<\/th><th>USA<\/th><th>EU \/ Deutschland<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Grundmodell<\/td><td>Funktionale Aufsicht, 5 Bundesbeh\u00f6rden + 50 Staaten<\/td><td>Einheitliche Verordnung (MiCA), 27 Staaten<\/td><\/tr><tr><td>Wertpapierfrage<\/td><td>Howey-Test, gerichtlich, Einzelfall<\/td><td>Gesetzliche Kategorien, vorab definiert<\/td><\/tr><tr><td>Zust\u00e4ndigkeit national<\/td><td>SEC vs. CFTC, Grenze umstritten<\/td><td>BaFin als integrierte Aufsicht<\/td><\/tr><tr><td>Geldw\u00e4sche<\/td><td>FinCEN (Finanzministerium)<\/td><td>FIU (im Zoll), k\u00fcnftig AMLA<\/td><\/tr><tr><td>Sanktionen<\/td><td>OFAC, unilaterale SDN-Liste<\/td><td>EU-Rat, gemeinsame Beschl\u00fcsse<\/td><\/tr><tr><td>Regelsetzung<\/td><td>Vorwiegend per Enforcement<\/td><td>Vorwiegend per Gesetz<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>BaFin, FIU und AMLA: Wie Deutschland Krypto beaufsichtigt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Deutschland setzt MiCA \u00fcber das Finanzmarktdigitalisierungsgesetz (FinmadiG) um, das am 30. Dezember 2024 in Kraft trat und in seinem Kern das Kryptom\u00e4rkteaufsichtsgesetz (KMAG) enth\u00e4lt. Das KMAG bestimmt die BaFin als zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde, von der Zulassung bis zum Einschreiten gegen unerlaubte Gesch\u00e4fte, wie die Kanzlei <a href='https:\/\/paytechlaw.com\/en\/finmadig-finally-adopted-by-the-bundestag\/'>PayTechLaw<\/a> zusammenfasst. Anders als Frankreich, das die volle \u00dcbergangsfrist bis Juli 2026 aussch\u00f6pfte, zog Deutschland den nationalen Stichtag bewusst auf den 31. Dezember 2025 vor und versch\u00e4rfte damit den Takt der Marktkonsolidierung. Die Standardauslegung, wonach MiCA und BaFin die Dienstleister und Emittenten regulieren, nicht das Protokoll selbst, steht im <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>BaFin-Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende strukturelle Unterschied zu Washington: Was in den USA f\u00fcnf Beh\u00f6rden erledigen, b\u00fcndelt Deutschland weitgehend in einer. Die BaFin vereint Marktaufsicht und Solvenzaufsicht unter einem Dach und arbeitet dabei mit der Deutschen Bundesbank zusammen; sie ist damit sogar st\u00e4rker zentralisiert als etwa Italien, wo sich Consob und Banca d&#8217;Italia die Aufgaben teilen. F\u00fcr die Geldw\u00e4scheaufsicht ist die Zentralstelle f\u00fcr Finanztransaktionsuntersuchungen (FIU) zust\u00e4ndig, Deutschlands Pendant zu FinCEN. Interessant ist ihre Einbettung: Anders als das FinCEN, das im Finanzministerium sitzt, geh\u00f6rt die deutsche FIU seit Mai 2021 zur Generalzolldirektion und damit zum Zoll, wie der <a href='https:\/\/www.zoll.de\/DE\/FIU\/fiu_node.html'>Zoll selbst darstellt<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber der nationalen Ebene entsteht gerade eine europ\u00e4ische. Die neue Anti-Geldw\u00e4schebeh\u00f6rde AMLA hat ihren Sitz in Frankfurt am Main, nahm im Juli 2025 den Betrieb auf und \u00fcbernahm zum Januar 2026 die einschl\u00e4gigen Mandate der Europ\u00e4ischen Bankenaufsicht, wie der <a href='https:\/\/www.consilium.europa.eu\/en\/press\/press-releases\/2024\/02\/22\/frankfurt-to-host-the-eus-new-anti-money-laundering-authority-amla\/'>Rat der EU<\/a> bei der Standortentscheidung mitteilte. Ab 2028 soll die AMLA rund 40 grenz\u00fcberschreitend t\u00e4tige Hochrisiko-Institute direkt beaufsichtigen, die erste Auswahlrunde ist f\u00fcr 2027 geplant. F\u00fcr Krypto ist ein Detail wichtig: Jeder unter MiCA zugelassene Dienstleister gilt automatisch als geldw\u00e4scherechtlich Verpflichteter, ohne Bagatellgrenze. Dass die zentrale europ\u00e4ische AML-Beh\u00f6rde ausgerechnet in Deutschland sitzt, macht die Bundesrepublik zu einem Knotenpunkt der k\u00fcnftigen EU-Aufsicht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was das f\u00fcr deutsche Anleger und Unternehmen bedeutet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Privatanleger in Deutschland hat die amerikanische Landkarte vor allem indirekte Folgen. Erstens setzen US-Beh\u00f6rden Ma\u00dfst\u00e4be, die global wirken: Wenn OFAC einen Mixer sanktioniert oder das DOJ eine B\u00f6rse schlie\u00dft, sp\u00fcren das auch europ\u00e4ische Nutzer, deren Guthaben oder Handelspaare betroffen sind. Zweitens sind viele der gro\u00dfen Handelspl\u00e4tze und Stablecoin-Emittenten in den USA reguliert oder haben sich, wie Binance, aus dem US-Markt zur\u00fcckgezogen; wer solche Dienste nutzt, sollte wissen, welche Beh\u00f6rde im Zweifel den Ton angibt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr deutsche Unternehmen, die international t\u00e4tig werden wollen, ist die Lektion konkreter. In der EU gen\u00fcgt eine MiCA-Zulassung bei der BaFin, um \u00fcber den Passporting-Mechanismus im gesamten Binnenmarkt t\u00e4tig zu sein. In den USA gibt es dieses Passporting nicht: Dort drohen parallele Anforderungen von SEC, CFTC, FinCEN und einzelnen Bundesstaaten zugleich. Der Binance-Fall zeigt das Extrem, aber die Grundlogik gilt f\u00fcr jeden, der US-Kunden bedient. Wer die geringere Komplexit\u00e4t des europ\u00e4ischen Systems als Standortvorteil begreift, liegt 2026 nicht falsch, auch wenn MiCA seine eigenen, strengen Pflichten mitbringt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bleibt die politische Unsicherheit auf beiden Seiten des Atlantiks. In den USA h\u00e4ngt die Dauerhaftigkeit der jetzigen, industriefreundlichen Linie an Personen und an einer Verwaltungsvereinbarung, nicht an einem Gesetz; ein Machtwechsel k\u00f6nnte die Priorit\u00e4ten erneut drehen. In Europa wird sich die Aufsicht mit der AMLA und der laufenden Konsolidierung eher verdichten. F\u00fcr Anleger hei\u00dft das schlicht: Die Regulierung ist kein statischer Hintergrund, sondern ein bewegliches Teil des Marktes, das man wie den Kurs im Blick behalten sollte.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Welche US-Beh\u00f6rden regulieren Kryptow\u00e4hrungen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Auf Bundesebene sind es mindestens f\u00fcnf: die SEC f\u00fcr Wertpapiere, die CFTC f\u00fcr Rohstoffe und Derivate, das Justizministerium (DOJ) f\u00fcr Straftaten, FinCEN f\u00fcr Geldw\u00e4schepr\u00e4vention und OFAC f\u00fcr Sanktionen. Hinzu kommen die 50 Bundesstaaten mit eigenen Lizenzen wie der New Yorker BitLicense. Ein und derselbe Anbieter kann gleichzeitig mehreren dieser Beh\u00f6rden unterliegen.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Ist Bitcoin in den USA ein Wertpapier oder ein Rohstoff?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoin und Ether gelten nach US-Recht als Rohstoffe (Commodities) und fallen damit in die Zust\u00e4ndigkeit der CFTC. Eine gemeinsame Auslegungsmitteilung von SEC und CFTC vom M\u00e4rz 2026 bekr\u00e4ftigte, dass die meisten Krypto-Assets keine Wertpapiere sind. Ob ein einzelner Token dennoch als Wertpapier gilt, entscheidet der Howey-Test im Einzelfall.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist der Unterschied zwischen SEC und CFTC bei Krypto?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Die SEC beaufsichtigt Krypto-Assets, die als Wertpapiere einzustufen sind, und sch\u00fctzt Anleger vor unregistrierten Angeboten. Die CFTC ist f\u00fcr Rohstoffe wie Bitcoin sowie f\u00fcr Derivate darauf zust\u00e4ndig. Die Grenze ist umstritten, weshalb beide Beh\u00f6rden 2026 ein Kooperationsabkommen schlossen und der CLARITY Act die Zust\u00e4ndigkeiten gesetzlich kl\u00e4ren soll.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum wurde Tornado Cash von der Sanktionsliste gestrichen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein US-Berufungsgericht entschied 2024 im Fall Van Loon, dass die unver\u00e4nderlichen Smart Contracts von Tornado Cash kein Eigentum im Sinne des Sanktionsgesetzes IEEPA sind und OFAC seine Befugnisse \u00fcberschritten hatte. Daraufhin strich OFAC die Vertr\u00e4ge im M\u00e4rz 2025 von der SDN-Liste. Der Mitentwickler Roman Semenov blieb als Person jedoch sanktioniert, und ein Strafverfahren gegen Mitgr\u00fcnder Roman Storm l\u00e4uft weiter.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wer beaufsichtigt Kryptow\u00e4hrungen in Deutschland?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland ist die BaFin die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde f\u00fcr Krypto-Dienstleister und Emittenten, geregelt \u00fcber das Kryptom\u00e4rkteaufsichtsgesetz (KMAG) zur Umsetzung der EU-Verordnung MiCA. F\u00fcr die Geldw\u00e4scheaufsicht ist die im Zoll angesiedelte FIU zust\u00e4ndig, auf EU-Ebene entsteht mit der AMLA in Frankfurt eine neue Anti-Geldw\u00e4schebeh\u00f6rde. 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