{"id":329,"date":"2026-08-21T16:30:32","date_gmt":"2026-08-21T16:30:32","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/ritual-2026-vertrauliche-ki-verifizierbar-und-privat\/"},"modified":"2026-08-21T16:30:32","modified_gmt":"2026-08-21T16:30:32","slug":"ritual-2026-vertrauliche-ki-verifizierbar-und-privat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/ritual-2026-vertrauliche-ki-verifizierbar-und-privat\/","title":{"rendered":"Ritual 2026: Kann KI-Inferenz verifizierbar und privat sein?"},"content":{"rendered":"<h2 class='wp-block-heading'>Warum vertrauliche KI 2026 zum Schl\u00fcsselthema wird<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Seit dem 2. August 2026 hat die Europ\u00e4ische Union eine Waffe, die ihr vorher fehlte. Das KI-B\u00fcro der Kommission darf die Pflichten f\u00fcr KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck (General-Purpose AI, GPAI) jetzt tats\u00e4chlich durchsetzen, mit Auskunftsverlangen, verpflichtenden Abhilfema\u00dfnahmen und Bu\u00dfgeldern von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Die Regeln selbst gelten schon seit August 2025, doch die Z\u00e4hne wachsen ihnen erst jetzt, wie die offizielle <a href='https:\/\/artificialintelligenceact.eu\/gpai-guidelines-overview\/'>\u00dcbersicht zu den GPAI-Leitlinien<\/a> festh\u00e4lt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die meisten Krypto-Projekte klingt das nach fremdem Terrain. F\u00fcr eine kleine, sehr technische Gruppe von KI-Krypto-Teams ist es das Gegenteil: der Beweis, dass ihre eigentliche Wette aufgeht. Diese Wette lautet, dass die n\u00e4chste Stufe von KI on-chain nicht nur nachweisbar korrekt, also verifizierbar, sondern zugleich vertraulich sein muss. Wer regulierte Daten verarbeitet, also Patientenakten, Kreditscores oder Handelsstrategien, kann sie nicht durch eine offene, \u00f6ffentlich nachvollziehbare Blockchain schicken und darauf hoffen, dass Datenschutz-Grundverordnung und KI-Verordnung wegsehen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ritual, das in New York gegr\u00fcndete Infrastrukturprojekt f\u00fcr verifizierbare KI, steht im Zentrum dieser These. HOGE Wire hat Ritual in diesem Jahr bereits zweimal beleuchtet: einmal als Erkl\u00e4rst\u00fcck zur Architektur und einmal als Realit\u00e4tscheck zu Mainnet und Token. Dieser Text stellt eine dritte, h\u00e4rtere Frage. Kann Inferenz gleichzeitig verifizierbar und privat sein, und ist genau diese Kombination der Grund, warum vertrauliche KI 2026 vom Nischenthema zum Gesch\u00e4ftsmodell wird?<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Ritual in einem Absatz: was bisher gebaut wurde<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz f\u00fcr alle, die neu einsteigen. Ritual wurde 2023 von Niraj Pant und Akilesh Potti gegr\u00fcndet, zwei ehemaligen Investoren und Forschern des Krypto-Fonds Polychain. Im November 2023 sammelte das Team eine Seed-Runde \u00fcber 25 Millionen US-Dollar ein, angef\u00fchrt von Archetype, mit Beteiligung von Accel, Dialectic und Angels wie Balaji Srinivasan, wie <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2023\/11\/08\/artificial-intelligence-platform-ritual-looks-to-decentralize-access-to-ai-with-25m-backing'>CoinDesk<\/a> damals berichtete. Das erste Produkt, Infernet, ist ein dezentrales Orakelnetzwerk, das EVM-Vertr\u00e4gen auf Ethereum, Base und Arbitrum erlaubt, KI-Modelle aufzurufen. Das zweite, die Ritual Chain, ist eine eigene Layer-1 mit einer erweiterten EVM namens EVM++, seit Ende 2024 im Testnetz.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Dinge sind wichtig und \u00e4ndern sich seit Monaten nicht. Es gibt bis heute kein Mainnet-Datum, und es gibt keinen handelbaren RITUAL-Token. Der RITUAL-Gastoken existiert laut <a href='https:\/\/docs.ritualfoundation.org\/'>Entwicklerdokumentation<\/a> nur im Testnetz (Chain-ID 1979, rund 350 Millisekunden Blockzeit) und hat keinen wirtschaftlichen Wert. Der Testnetz-Start selbst wurde seinerzeit von <a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/327108\/decentralized-ai-project-ritual-launches-testnet-to-bring-ai-onchain'>The Block<\/a> dokumentiert. Wer die Grundarchitektur im Detail nachlesen will, findet sie im fr\u00fcheren HOGE-Wire-Erkl\u00e4rst\u00fcck; dieser Text setzt sie voraus und dreht sich um eine Eigenschaft, die in beiden bisherigen St\u00fccken nur am Rand vorkam: Vertraulichkeit.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Das eigentliche Problem: Verifizierbarkeit und Vertraulichkeit ziehen gegeneinander<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Um zu verstehen, warum vertrauliche KI schwer ist, muss man sehen, dass zwei erw\u00fcnschte Eigenschaften in entgegengesetzte Richtungen ziehen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Verifizierbarkeit will Transparenz. Die einfachste Art zu beweisen, dass ein Modell eine Ausgabe korrekt erzeugt hat, ist, die Rechnung offenzulegen, damit andere sie nachrechnen k\u00f6nnen. Optimistische Verfahren wie opML ver\u00f6ffentlichen die Spur der Berechnung und lassen jeden sie im Streitfall anfechten; das funktioniert nur, wenn die Spur \u00f6ffentlich ist. Zero-Knowledge-Beweise gehen sparsamer mit den Daten um, doch auch sie brauchen ein offenes Pr\u00fcfprotokoll, das jeder gegen die Behauptung halten kann.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Vertraulichkeit will das Gegenteil: Opazit\u00e4t. Ein Krankenhaus, das ein Diagnosemodell auf Patientendaten laufen l\u00e4sst, darf weder die Eingabe noch oft das Modell selbst preisgeben. Ein Fonds, der eine Handelsstrategie in ein Modell gegossen hat, will die Gewichte auf keinen Fall ver\u00f6ffentlichen, weil sie sein Gesch\u00e4ftsgeheimnis sind.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein konkretes Beispiel macht den Konflikt greifbar. Eine Klinik m\u00f6chte belegen, dass ihr Diagnosemodell eine bestimmte Aufnahme korrekt ausgewertet hat, damit eine Versicherung die Behandlung erstattet. Der Beweis der Korrektheit verlangt, dass ein Dritter die Rechnung nachvollziehen kann; der Datenschutz verlangt, dass weder das R\u00f6ntgenbild noch das Modell diesen Dritten je erreichen. Genau in diesem Spalt zwischen Nachweisbarkeit und Geheimhaltung siedelt sich vertrauliche Inferenz an.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Naiv kombiniert schlie\u00dfen sich beide aus: Was ich verstecke, kann niemand nachrechnen; was jeder nachrechnen kann, ist nicht mehr geheim. Der gesamte technische Aufwand, den Ritual und seine Partner betreiben, dient dazu, diesen scheinbaren Widerspruch aufzul\u00f6sen. Es geht um spezialisierte Kryptografie und um spezielle Hardware, die beweisen k\u00f6nnen, dass eine Rechnung korrekt war, ohne die Rechnung selbst zu zeigen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Ausl\u00f6ser: KI-Verordnung, DSGVO und was die BaFin erwartet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum jetzt? Weil die Kosten des Danebengreifens 2026 real geworden sind.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die KI-Verordnung der EU verpflichtet Anbieter von GPAI-Modellen seit dem 2. August 2025 zu Transparenz, technischer Dokumentation und Urheberrechtskonformit\u00e4t. Seit dem 2. August 2026 kann das KI-B\u00fcro diese Pflichten durchsetzen: Auskunftsverlangen, verpflichtende Abhilfema\u00dfnahmen, im Extremfall Marktr\u00fccknahme und die genannten Bu\u00dfgelder bis 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Modelle, die vor dem 2. August 2025 auf den Markt kamen, haben laut den <a href='https:\/\/artificialintelligenceact.eu\/gpai-guidelines-overview\/'>GPAI-Leitlinien<\/a> bis zum 2. August 2027 Zeit, konform zu werden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Parallel bleibt die DSGVO die h\u00e4rtere H\u00fcrde f\u00fcr alles, was personenbezogene Daten ber\u00fchrt. Datenminimierung und Privacy by Design nach Artikel 25 sind keine K\u00fcr, sondern Pflicht. Eine Architektur, die Rohdaten offen on-chain schreibt, ist mit beidem schwer vereinbar, weil eine \u00f6ffentliche Blockchain per Definition nichts vergisst.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Konflikt ist struktureller Natur. Die DSGVO kennt ein Recht auf L\u00f6schung, eine \u00f6ffentliche Blockchain jedoch ist bewusst unver\u00e4nderlich; was einmal geschrieben ist, bleibt. Personenbezogene Daten geh\u00f6ren deshalb nie im Klartext in eine solche Kette, auch nicht als Zwischenergebnis einer KI-Rechnung. Vertrauliche Verfahren umgehen das, indem nur verschl\u00fcsselte oder in Bruchst\u00fccke zerlegte Daten das Ger\u00e4t verlassen und on-chain am Ende bestenfalls ein Beweis oder ein Verweis landet, nicht der Rohwert selbst.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Finanzsektor kommt die Aufsicht der BaFin hinzu. Bankgeheimnis, Auslagerungsregeln und die DORA-Verordnung zur digitalen Betriebsstabilit\u00e4t setzen enge Grenzen, wohin Kundendaten flie\u00dfen d\u00fcrfen. Ein Kreditinstitut, das ein KI-Modell auf Transaktionsdaten anwenden will, kann diese nicht einfach an ein \u00f6ffentliches Rechennetz auslagern. Genau hier verspricht vertrauliche Inferenz einen Ausweg: rechnen, ohne die Daten je im Klartext preiszugeben.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Blind Computing: die Nillion-Wette auf verteilte Geheimnisse<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der konkreteste Baustein von Rituals Vertraulichkeitsstrategie tr\u00e4gt einen Namen: Nillion. Bereits im August 2024 k\u00fcndigten beide Teams eine Partnerschaft an, die Nillions Blind-Computing-Technologie als Backend f\u00fcr private Modell-Inferenz und -Speicherung in Ritual integriert, wie <a href='https:\/\/siliconangle.com\/2024\/08\/07\/nillion-ritual-team-build-trustless-decentralized-ai-inference-technology\/'>SiliconANGLE<\/a> berichtete.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Blind Computing bedeutet, vereinfacht gesagt: Daten werden mathematisch in Bruchst\u00fccke zerlegt und auf viele Knoten verteilt, die gemeinsam rechnen, ohne dass ein einzelner Knoten je den vollst\u00e4ndigen Datensatz sieht. Das Verfahren stammt aus der Familie der sicheren Mehrparteienberechnung (Multi-Party Computation, MPC) und des Secret Sharing. Das Ergebnis l\u00e4sst sich nur von einer vom Nutzer bestimmten Partei wieder zusammensetzen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Unterschied zur gew\u00f6hnlichen Verschl\u00fcsselung ist entscheidend. Verschl\u00fcsselte Daten muss man vor der Verarbeitung wieder entschl\u00fcsseln, und in genau diesem Moment liegen sie im Klartext vor. Bei sicherer Mehrparteienberechnung wird dagegen auf den Bruchst\u00fccken selbst gerechnet, ohne sie je zusammenzuf\u00fchren. Die Sicherheit h\u00e4ngt an einer Annahme: Solange nicht mehr als eine festgelegte Zahl der Knoten heimlich zusammenspielt, kann niemand die Daten rekonstruieren. Das ist ein anderes Vertrauensmodell als bei einer TEE, wo alles an der Integrit\u00e4t eines einzelnen Chips h\u00e4ngt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Punkt f\u00fcr KI: Vertraulich bleiben nicht nur die Eingabedaten des Nutzers, sondern auch die Modellgewichte. Ein Anbieter kann ein propriet\u00e4res Modell bereitstellen, ohne es offenzulegen; ein Nutzer kann sensible Eingaben schicken, ohne sie preiszugeben. Alex Page, Mitgr\u00fcnder und CEO von Nillion, formulierte es so: Die Integration der Blind-Computing-Technologie in Rituals Schnittstelle werde Entwicklern erlauben, &bdquo;die Vertraulichkeit sowohl der Nutzereingaben als auch der KI-Modelle zu wahren&ldquo;.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die genannten Anwendungsf\u00e4lle lesen sich wie eine Liste regulierter Branchen: Gesundheitswesen, Internet der Dinge, gesch\u00fctzte Preisprognosemodelle, sichere Chatbots und Retrieval-Augmented Generation (RAG) mit vertraulichen Quelldaten. Es sind genau die Felder, in denen offene Modelle bislang am Datenschutz scheiterten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist, dass Nillion selbst kein Testnetz-Versprechen mehr ist. Das Netzwerk ging 2025 in den produktiven Betrieb, sodass der Baustein, auf den Ritual f\u00fcr Blind Computing setzt, real existiert und nicht blo\u00df auf dem Papier steht. Das unterscheidet diese Zusammenarbeit von vielen Ank\u00fcndigungen der Branche, in denen zwei noch unfertige Systeme einander Reife bescheinigen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>TEEs: Vertraulichkeit als Hardware-Versprechen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der zweite Weg zur Vertraulichkeit l\u00e4uft nicht \u00fcber Mathematik, sondern \u00fcber Hardware. Rituals Ausf\u00fchrungsmodell kennt zwei Pfade \u00fcber einen gemeinsamen Zustand, in der Dokumentation Superposition genannt: einen replizierten Pfad, bei dem alle Validatoren dieselbe deterministische Rechnung wiederholen, und einen delegierten Pfad, bei dem schwere Arbeit wie ein LLM-Aufruf au\u00dferhalb des Ausf\u00fchrungsclients passiert, in einer Trusted Execution Environment (TEE) wie Intel SGX oder AWS Nitro. Die Antwort wird dabei kryptografisch an die Anfrage gebunden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr regulierte Anwender ist das der praktischere der beiden Wege. Eine Bank, die ein Betrugserkennungsmodell auf Transaktionen anwenden will, kann die Daten in eine Enklave schicken, dort auswerten lassen und erh\u00e4lt Ergebnis plus Attestierung zur\u00fcck, ohne dass Betreiber oder Cloud-Anbieter je Einblick in die Zahlen hatten. Weil die Rechenlast nahezu ungebremst l\u00e4uft, eignet sich der Ansatz auch f\u00fcr gro\u00dfe Sprachmodelle, an denen rein kryptografische Verfahren heute noch scheitern.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Eine TEE ist ein abgeschotteter Bereich im Prozessor, in den weder das Betriebssystem noch der Betreiber der Maschine hineinsehen kann. Modell und Eingabe werden innerhalb dieses Enklaves verarbeitet; nach au\u00dfen dringt nur das Ergebnis plus eine Attestierung, die belegt, dass genau der erwartete Code gelaufen ist. F\u00fcr vertrauliche Inferenz ist das attraktiv, weil es nahezu native Geschwindigkeit liefert, anders als die schwergewichtige Kryptografie von MPC oder homomorpher Verschl\u00fcsselung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Preis ist eine Vertrauensannahme: Man muss dem Chip-Hersteller und der Korrektheit seiner Enklave vertrauen. Seitenkanalangriffe der Spectre-Familie haben in der Vergangenheit gezeigt, dass Enklaven nicht unfehlbar sind. TEEs verschieben das Vertrauen also von einem zentralen Anbieter zu einem Hardware-Lieferanten, sie eliminieren es nicht. Diese Debatte, Hardware-Vertrauen gegen kryptografische Beweise, zieht sich durch die gesamte verifizierbare KI; HOGE Wire hat sie am Beispiel <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/opml-2026-verifizierbare-ki-betrugsbeweise\/'>optimistischer Betrugsbeweise<\/a> ausf\u00fchrlich diskutiert.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Vier Wege zur vertraulichen Inferenz im Vergleich<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Vertrauliche und zugleich pr\u00fcfbare Inferenz l\u00e4sst sich mit mindestens vier Werkzeugen bauen. Keines gewinnt auf allen Achsen; die Wahl h\u00e4ngt vom Anwendungsfall ab.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Ansatz<\/th><th>Vertrauensannahme<\/th><th>Was verborgen bleibt<\/th><th>Performance<\/th><th>Reife 2026<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>TEE (SGX\/Nitro)<\/td><td>Hardware-Hersteller plus Attestierung<\/td><td>Eingabe und Modell im Enklave<\/td><td>nahezu nativ<\/td><td>produktiv im Einsatz<\/td><\/tr><tr><td>MPC \/ Blind Computing<\/td><td>Mehrheit der Knoten ehrlich<\/td><td>Eingabe und Gewichte, \u00fcber Knoten verteilt<\/td><td>Kommunikations-Overhead, sp\u00fcrbar langsamer<\/td><td>Mainnet seit 2025<\/td><\/tr><tr><td>FHE (homomorphe Verschl\u00fcsselung)<\/td><td>rein kryptografisch, keine vertraute Partei<\/td><td>alles, Rechnen auf Chiffretext<\/td><td>um Gr\u00f6\u00dfenordnungen langsam<\/td><td>fr\u00fch, Forschung<\/td><\/tr><tr><td>ZK \/ zkML<\/td><td>rein kryptografisch<\/td><td>Eingabe privat, Korrektheit beweisbar<\/td><td>teuer bei gro\u00dfen Modellen<\/td><td>reift, LLM-Grenze f\u00e4llt<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">In der Praxis kombinieren ernsthafte Projekte diese Bausteine. Eine TEE kann eine schnelle Antwort liefern, w\u00e4hrend ein ZK-Beweis stichprobenartig die Korrektheit absichert; MPC kann Daten aufteilen, bevor sie \u00fcberhaupt ein Modell erreichen. Rituals Anspruch ist nicht, sich f\u00fcr einen Weg zu entscheiden, sondern die Grundlage zu liefern, auf der alle vier nebeneinander laufen k\u00f6nnen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein kostenloses Mittagessen gibt es dabei nicht. Wer maximale Vertraulichkeit ganz ohne vertrauensw\u00fcrdige Partei will, zahlt mit FHE einen enormen Rechenaufschlag. Wer Tempo braucht, nimmt mit einer TEE eine Hardware-Abh\u00e4ngigkeit in Kauf. Wer beweisbare Korrektheit sucht, landet bei ZK-Verfahren, die bei sehr gro\u00dfen Modellen teuer bleiben. Diese Abw\u00e4gungen sind der Grund, warum 2026 kaum jemand mehr auf eine einzige Methode setzt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wie Ritual das zusammensetzt: EVM++, Precompiles und sieben F\u00e4higkeiten<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Damit ein Smart Contract diese Werkzeuge \u00fcberhaupt aufrufen kann, braucht es mehr als eine normale EVM. Rituals EVM++ erweitert die Ethereum Virtual Machine um sogenannte Precompiles, also spezialisierte Recheneinheiten f\u00fcr Aufgaben, die in reiner Solidity unbezahlbar w\u00e4ren. Im Testnetz sind es 16 St\u00fcck, darunter eine f\u00fcr LLM-Aufrufe, eine f\u00fcr ONNX-Modelle, eine f\u00fcr HTTP, und, entscheidend f\u00fcr dieses Thema, je eine f\u00fcr Zero-Knowledge-Beweise und f\u00fcr homomorphe Verschl\u00fcsselung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu kommen Sidecars, also Ausf\u00fchrungsumgebungen f\u00fcr schwere Rechenlast au\u00dferhalb des Ausf\u00fchrungsclients, native Planung (Scheduling) und eingebaute Orakel. Die Dokumentation gruppiert die F\u00e4higkeiten neuerdings in sieben Kategorien mit sprechenden Namen: Denken, Handeln, Erinnern, Beweisen, Geheimnisse wahren, Bezahlen und Autorisieren. Die f\u00fcnfte, das Wahren von Geheimnissen, ist der Vertraulichkeitsbaustein: Sie b\u00fcndelt TEE-Ausf\u00fchrung, Blind Computing und Verschl\u00fcsselung zu einer F\u00e4higkeit, die ein Vertrag anfordern kann wie jede andere.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Reiz dieses Ansatzes ist Komponierbarkeit. Ein Entwickler muss nicht selbst ein MPC-Netzwerk oder eine Enklave betreiben; er ruft eine F\u00e4higkeit auf, und die Kette k\u00fcmmert sich um den Rest. Der Preis ist, dass all das bislang nur im Testnetz existiert. Ob die Precompiles unter echter Last und mit echten wirtschaftlichen Anreizen halten, was die Spezifikation verspricht, ist die offene Frage, an der Ritual letztlich gemessen wird.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Entwickler soll sich das wie normale Solidity-Arbeit anf\u00fchlen. Statt ein Modell selbst zu betreiben, referenziert ein Vertrag es \u00fcber einen Precompile und bezahlt die Ausf\u00fchrung mit Gas, so wie er heute eine Signaturpr\u00fcfung aufruft. Ritual bewirbt dazu einen Marktplatz, auf dem Modelle bereitgestellt und abgerechnet werden. Die Werkzeugkette bleibt bewusst vertraut, mit Foundry, Hardhat und den \u00fcblichen JavaScript-Bibliotheken, damit die Einstiegsh\u00fcrde niedrig ist.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Vertrauliche Agenten: der Anwendungsfall, der alles zusammenh\u00e4lt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum der ganze Aufwand? Die \u00fcberzeugendste Antwort hei\u00dft 2026 autonome Agenten. Ein On-Chain-Agent ist ein Programm, das dauerhaft lebt, eigenst\u00e4ndig auf Ereignisse reagiert, Transaktionen ausl\u00f6st und, in Rituals Modell, dank nativer Planung ohne externen Ausl\u00f6ser Block f\u00fcr Block aktiv werden kann.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Solche Agenten sind erst dann wirklich n\u00fctzlich, wenn sie Geheimnisse h\u00fcten k\u00f6nnen. Ein Handelsagent, dessen Strategie offen im Code steht, wird sofort kopiert oder ausgespielt. Ein pers\u00f6nlicher Assistent, der Zugangsschl\u00fcssel oder Gesundheitsdaten verwaltet, darf diese nicht preisgeben. Genau hier greifen die F\u00e4higkeiten f\u00fcr das Wahren von Geheimnissen und f\u00fcr das Bezahlen ineinander: Der Agent h\u00e4lt private Daten in einer Enklave oder verteilt \u00fcber MPC, handelt darauf und begleicht Rechnungen \u00fcber Zahlungsstandards f\u00fcr Maschinen wie x402.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Man stelle sich einen Agenten vor, der die Kasse einer DAO verwaltet. Er beobachtet Marktdaten, entscheidet \u00fcber Umschichtungen und f\u00fchrt sie aus, alles nach einer Strategie, die als Gesch\u00e4ftsgeheimnis gilt. L\u00e4ge diese Strategie offen im Vertrag, k\u00f6nnten Dritte sie kopieren oder gezielt gegen den Agenten wetten. In einer Enklave oder \u00fcber Blind Computing bleibt sie verborgen, w\u00e4hrend die Kette dennoch nachweisen kann, dass der Agent im Rahmen seiner Regeln gehandelt hat. Ohne Vertraulichkeit w\u00e4re so ein Agent bestenfalls ein Spielzeug.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist keine Science-Fiction mehr, sondern die logische Fortsetzung eines Trends, den 2026 auch Render, Bittensor und die gro\u00dfen GPU-Marktpl\u00e4tze antreiben: KI-Dienste, die von anderer Software statt von Menschen konsumiert werden. Wer dieses Feld baut, braucht Vertraulichkeit nicht als Zusatz, sondern als Fundament, weil ein Agent ohne Geheimnisse kaum mehr ist als ein \u00f6ffentliches Skript.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Landschaft: wer sonst an vertraulicher KI baut<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ritual ist nicht allein. Der Wettbewerb um verifizierbare und vertrauliche KI umfasst etablierte Namen mit gehandelten Token und Infrastruktur ganz ohne Token. Die folgende \u00dcbersicht ordnet die wichtigsten Akteure ein (Kurse laut CoinGecko, Stand 21. August 2026).<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Projekt<\/th><th>Token (Kurs \/ Rang)<\/th><th>Fokus<\/th><th>Vertraulichkeitsansatz<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Ritual<\/td><td>kein Token (Testnet)<\/td><td>verifizierbare plus vertrauliche Inferenz, eigene L1<\/td><td>TEE, MPC (Nillion), FHE-Precompile<\/td><\/tr><tr><td>Bittensor<\/td><td><a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bittensor\/eur'>TAO, rund 197 Euro \/ Rang 42<\/a><\/td><td>dezentrales Training in Subnetzen<\/td><td>teils TEE in einzelnen Subnetzen<\/td><\/tr><tr><td>Chainlink<\/td><td><a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/chainlink\/eur'>LINK, 9,89 Euro \/ Rang 15<\/a><\/td><td>Oracle-Incumbent, Runtime Environment<\/td><td>DECO- und TEE-Verfahren<\/td><\/tr><tr><td>EigenCloud<\/td><td><a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/eigenlayer\/eur'>EIGEN, 0,18 Euro \/ Rang 175<\/a><\/td><td>restaked verifizierbare KI<\/td><td>TEE plus Krypto-\u00d6konomie<\/td><\/tr><tr><td>Nillion<\/td><td>eigenes Netz<\/td><td>Blind Computing als Basisdienst<\/td><td>MPC nativ<\/td><\/tr><tr><td>Phala<\/td><td>TEE-Netzwerk<\/td><td>vertrauliche Compute-Cloud<\/td><td>TEE, produktiv<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Dinge fallen auf. Erstens sind die meisten Wettbewerber keine reinen KI-Firmen, sondern Orakel- oder Restaking-Netzwerke, die Vertraulichkeit als Erweiterung anbauen; Ritual dagegen will die ganze Kette daf\u00fcr neu bauen. Zweitens notieren fast alle Token, wo es sie gibt, deutlich unter ihren H\u00f6chstst\u00e4nden. TAO liegt rund 69 Prozent unter dem Allzeithoch vom M\u00e4rz 2024. F\u00fcr Ritual ohne Token ist das zweischneidig: kein Kursverfall, aber auch kein Kapitalpolster und kein liquides Anreizinstrument. Wie unterschiedlich Token-Modelle in dieser Ecke funktionieren, zeigen die F\u00e4lle von <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/bittensor-2026-emissionsregeln-dtao-subnetz-oekonomie\/'>Bittensor<\/a> und <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/render-2026-otoy-studio-ki-token-utility\/'>Render<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der eigentliche strategische Streit dreht sich um die Frage, ob vertrauliche Inferenz eine eigene Kette braucht. Chainlink und EigenCloud argumentieren, dass sie ihre Dienste als Erweiterung bestehender Netze anbieten k\u00f6nnen, ohne dass Entwickler migrieren m\u00fcssen. Ritual h\u00e4lt dagegen, dass nur eine speziell gebaute Ausf\u00fchrungsschicht KI-F\u00e4higkeiten, Vertraulichkeit und Planung wirklich nahtlos zusammenbringt. Wer recht beh\u00e4lt, entscheidet am Ende weniger die Technik als die Frage, wo die Entwickler tats\u00e4chlich bauen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Haken: Vertraulichkeit macht das Pr\u00fcfen schwerer<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">So verlockend die These klingt, sie hat eine unbequeme Kehrseite: Jedes Gramm Vertraulichkeit erschwert die Verifizierbarkeit, mit der Ritual eigentlich angetreten ist.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Optimistische Betrugsbeweise brauchen eine \u00f6ffentliche Spur der Berechnung, damit ein W\u00e4chter sie anfechten kann. Ist die Eingabe geheim, ist genau diese Spur nicht mehr \u00f6ffentlich, und das Anfechtungsspiel funktioniert nicht mehr wie vorgesehen. TEEs l\u00f6sen das, indem sie das Pr\u00fcfen durch eine Attestierung ersetzen, doch dann verl\u00e4sst man sich wieder auf die Hardware statt auf offene Nachpr\u00fcfbarkeit. FHE und MPC bewahren die Vertraulichkeit mathematisch, kosten aber ein Vielfaches an Rechenzeit oder Bandbreite.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Vitalik Buterin hat in seinem viel zitierten <a href='https:\/\/vitalik.eth.limo\/general\/2024\/01\/30\/cryptoai.html'>Essay zu Krypto und KI<\/a> argumentiert, dass die st\u00e4rkste Verbindung beider Welten die Verifizierbarkeit sei, zugleich aber auf den harten Zielkonflikt hingewiesen: billige, unverifizierbare Rechnung gegen teure, verifizierbare. F\u00fcgt man Vertraulichkeit als dritte Achse hinzu, wird aus dem Zielkonflikt ein Dreieck, in dem man selten alle Ecken gleichzeitig bekommt: hohe Integrit\u00e4t, niedrige Latenz, niedrige Kosten. Genau dieses Trilemma ist der Grund, warum die Branche 2026 zu Hybriden neigt, die je nach Anwendungsfall unterschiedliche Werkzeuge mischen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Neben dem Vertrauensmodell schmerzt vor allem die Zeit. Optimistische Verfahren brauchen ein Anfechtungsfenster, in dem ein Ergebnis noch angezweifelt werden kann; solange es l\u00e4uft, ist die Ausgabe nicht endg\u00fcltig, und andere Vertr\u00e4ge k\u00f6nnen nicht darauf aufbauen. F\u00fcr interaktive Anwendungen oder schnell handelnde Agenten ist diese Verz\u00f6gerung ein echtes Hindernis. TEEs liefern zwar sofort, verlagern das Problem aber auf die Frage, wie sehr man der Hardware traut. Ein K\u00f6nigsweg, der Geschwindigkeit, Vertraulichkeit und offene Pr\u00fcfbarkeit zugleich bietet, existiert 2026 schlicht noch nicht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Kein Token, viel Spekulation, echte Betrugsrisiken<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz fehlendem Token ist rund um Ritual eine handfeste Spekulations\u00f6konomie entstanden. Das Projekt taucht auf Airdrop-Farming-Listen auf; Nutzer sammeln Punkte, betreiben Testnetz-Knoten und pflegen Discord-Rollen in der Hoffnung auf eine sp\u00e4tere Verteilung. Offiziell hat Ritual weder eine Tokenomics ver\u00f6ffentlicht noch einen Airdrop best\u00e4tigt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese L\u00fccke zwischen Erwartung und Realit\u00e4t ist gef\u00e4hrlich. Wo ein begehrter Token erwartet, aber nicht ausgegeben wird, entstehen fast zwangsl\u00e4ufig gef\u00e4lschte &bdquo;RITUAL&ldquo;-Token, Phishing-Seiten und angebliche Vorverk\u00e4ufe. Die BaFin warnt regelm\u00e4\u00dfig davor, dass es zu nicht existierenden Token keinen seri\u00f6sen Handel geben kann; jede Seite, die einen RITUAL-Kauf anbietet, ist bis auf Weiteres als Betrugsversuch zu behandeln. Es gibt derzeit keinen legitimen Weg, Ritual-Token zu kaufen, aus dem einfachen Grund, dass es keine gibt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Solche Punkte-Programme haben eine gemischte Geschichte. In manchen F\u00e4llen m\u00fcndeten sie in gro\u00dfz\u00fcgige Verteilungen, in anderen in Entt\u00e4uschung, wenn die Bedingungen sich \u00e4nderten oder die Ausgabe ganz ausblieb. Wer Zeit oder Geld in das Betreiben von Knoten steckt, tut das auf eigenes Risiko und ohne jede Zusage. F\u00fcr die Redaktion gilt die klare Linie: Solange Ritual keine Tokenomics ver\u00f6ffentlicht, ist jede Zahl zu einem angeblichen RITUAL-Kurs frei erfunden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Konstellation wirft auch eine Haftungsfrage auf, die weit \u00fcber Ritual hinausreicht: Wer ist verantwortlich, wenn ein Protokoll ohne Betreiber Schaden anrichtet? HOGE Wire hat diese Debatte f\u00fcr <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/defi-compliance-2026-wer-haftet-wenn-code-laeuft\/'>DeFi ausf\u00fchrlich gef\u00fchrt<\/a>; f\u00fcr tokenlose KI-Infrastruktur ist sie noch ungel\u00f6ster.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Regulierung: was MiCA, BaFin und die KI-Verordnung wirklich erfassen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Einordnung ist eine Unterscheidung zentral. MiCA und die BaFin regulieren Krypto-Dienstleister (CASPs) und Emittenten, nicht das Protokoll selbst, wie das <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>BaFin-Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen<\/a> klarstellt. Solange Ritual keinen Token ausgibt, f\u00e4llt es nicht unter die MiCA-Klassifizierung von Krypto-Werten; es gibt schlicht kein Asset, das eingeordnet werden m\u00fcsste. K\u00e4me eines Tages ein Token, \u00e4nderte sich das sofort: Dann st\u00fcnden Klassifizierung und, f\u00fcr handelnde Plattformen, eine CASP-Zulassung im Raum. Deutschland hat die \u00dcbergangsfrist hier <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mica-deutschland-2026-bafin-casp-lizenzen-sonderweg\/'>fr\u00fcher beendet als der Rest der EU<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der relevante Rahmen ist heute ein anderer: die KI-Verordnung und die DSGVO. Und hier liegt die eigentliche Pointe der Vertraulichkeitsthese. Confidential Computing ist nicht nur ein Feature, sondern ein potenzieller Compliance-Hebel. Datenminimierung, Zweckbindung und Privacy by Design lassen sich technisch leichter belegen, wenn Rohdaten das Ger\u00e4t des Nutzers nie im Klartext verlassen. F\u00fcr einen Anbieter, der 2026 unter der neuen Durchsetzung der KI-Verordnung steht, kann vertrauliche Inferenz aus einer Last ein Verkaufsargument machen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr beaufsichtigte Institute kommt die Auslagerungsfrage hinzu. Verl\u00e4sst sich eine Bank auf ein externes Rechennetz, muss sie nach DORA und den Auslagerungsregeln der BaFin nachweisen, dass sie Kontrolle, Pr\u00fcfrechte und Ausfallsicherheit beh\u00e4lt. Ein dezentrales Netz ohne klaren Vertragspartner ist damit schwer vereinbar. Vertrauliche Inferenz l\u00f6st dieses Problem nicht allein, denn Datenschutz ist nur eine von mehreren Anforderungen; sie beseitigt aber zumindest die H\u00fcrde, dass Kundendaten das Haus im Klartext verlassen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Betonung liegt auf dem Wort k\u00f6nnen. Weder Ritual noch ein Wettbewerber hat bislang einen aufsichtsrechtlich abgesegneten, produktiven Einsatz mit regulierten Daten vorgewiesen. Die regulatorische Nachfrage ist real; der Nachweis, dass die Technik sie im Alltag bedient, steht aus.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Ausblick: verifizierbar und privat, oder gar nicht<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wo steht Ritual damit im Sp\u00e4tsommer 2026? Die Vision ist koh\u00e4renter denn je, und der regulatorische R\u00fcckenwind ist neu und echt. Zugleich bleiben die harten Fakten unver\u00e4ndert: kein Mainnet, kein Token, kein \u00f6ffentlich vermessener produktiver Anwendungsfall mit echten vertraulichen Daten.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Wof\u00fcr die These spricht<\/th><th>Was dagegen spricht<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Regulatorischer R\u00fcckenwind: KI-Verordnung durchsetzbar seit 2. August 2026, DSGVO-Druck auf offene Datenverarbeitung<\/td><td>Ausf\u00fchrungsrisiko: Mainnet weiter ohne Termin, alles l\u00e4uft im Testnetz<\/td><\/tr><tr><td>Konkreter Baustein: reale Nillion-Partnerschaft, FHE- und ZK-Precompiles, TEE-Pfad<\/td><td>Verifizierbarkeit gegen Vertraulichkeit: beides zugleich bleibt technisch teuer und ungel\u00f6st<\/td><\/tr><tr><td>Klarer Bedarf: vertrauliche Agenten und regulierte Branchen brauchen genau das<\/td><td>Wettbewerb: Chainlink, EigenCloud und Phala liefern \u00c4hnliches ohne Ketten-Migration<\/td><\/tr><tr><td>Kein Token-Kursverfall, keine Emissionslast<\/td><td>Kein Kapitalpolster, kein liquider Anreiz, Betrugsrisiko um Phantom-Token<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die ehrliche Bilanz lautet: Rituals Wette auf vertrauliche, verifizierbare KI ist intellektuell die \u00fcberzeugendste im Feld und praktisch die am wenigsten bewiesene. Drei Signale w\u00fcrden die These vom Versprechen zur Realit\u00e4t machen: ein Mainnet mit Termin, eine benannte Anwendung, die echte regulierte Daten vertraulich verarbeitet, und ein Token-Modell, das Anreize und Sicherheit ehrlich abbildet. Bis dahin gilt die n\u00fcchterne Regel, die auch die beiden vorherigen HOGE-Wire-Analysen zu Ritual pr\u00e4gte: eine faszinierende Technologie ist noch keine Investition, erst recht keine, die man heute kaufen kann.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufige Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Hat Ritual einen Token oder einen Airdrop?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Stand August 2026 gibt es keinen handelbaren RITUAL-Token und keinen offiziell best\u00e4tigten Airdrop. Der RITUAL-Gastoken existiert nur im Testnetz und hat keinen wirtschaftlichen Wert. Jede Seite, die einen RITUAL-Kauf oder Vorverkauf anbietet, sollte als Betrugsversuch behandelt werden.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist vertrauliche oder blinde Inferenz?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Vertrauliche Inferenz bedeutet, ein KI-Modell auf Daten anzuwenden, ohne dass die Eingabe oder das Modell im Klartext offengelegt werden. Ritual setzt daf\u00fcr auf Trusted Execution Environments, auf das Blind Computing des Partners Nillion (verteilte Berechnung, ohne dass ein Knoten die vollen Daten sieht) und auf Precompiles f\u00fcr Verschl\u00fcsselung und Zero-Knowledge-Beweise.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie unterscheidet sich Ritual von Chainlink oder Bittensor?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Chainlink ist ein Orakelnetzwerk, das verifizierbare Inferenz als Erweiterung anbietet; Bittensor konzentriert sich auf dezentrales Training in Subnetzen. Ritual baut eine eigene Layer-1 speziell f\u00fcr verifizierbare und vertrauliche Ausf\u00fchrung. Anders als beide hat Ritual bislang keinen gehandelten Token.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>F\u00e4llt Ritual unter MiCA oder die Aufsicht der BaFin?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Solange kein Token ausgegeben wird, gibt es kein Krypto-Asset, das unter MiCA fiele, und keinen Dienst, der eine BaFin-Zulassung br\u00e4uchte. Relevanter ist heute die KI-Verordnung der EU, deren Pflichten f\u00fcr Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck seit dem 2. August 2026 durchsetzbar sind, sowie die DSGVO.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wann kommt das Ritual-Mainnet?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt kein angek\u00fcndigtes Datum. Ritual l\u00e4uft weiterhin im Testnetz (Chain-ID 1979). 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