{"id":340,"date":"2026-08-23T04:30:33","date_gmt":"2026-08-23T04:30:33","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/kyc-aml-krypto-2026-bafin-amla-regeln\/"},"modified":"2026-08-23T04:30:33","modified_gmt":"2026-08-23T04:30:33","slug":"kyc-aml-krypto-2026-bafin-amla-regeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/kyc-aml-krypto-2026-bafin-amla-regeln\/","title":{"rendered":"KYC und AML bei Krypto 2026: BaFin, AMLA und die Regeln"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Im oberen Drittel eines Frankfurter Hochhauses arbeitet seit dem 1. Juli 2025 eine Beh\u00f6rde, von der die meisten Krypto-Nutzer noch nie geh\u00f6rt haben, die ihr Onboarding, ihre Auszahlungen und wom\u00f6glich bald ihre Privatsph\u00e4re pr\u00e4gen wird: die Anti-Money Laundering Authority, kurz AMLA. Zum ersten Mal bekommt die Europ\u00e4ische Union eine zentrale Aufsicht gegen Geldw\u00e4sche, und ihr Sitz steht auf deutschem Boden. Ihre Vorsitzende, die Italienerin Bruna Szego, hat eine unbequeme Botschaft im Gep\u00e4ck: Das Regelwerk f\u00fcr Krypto war noch nie so dicht, und trotzdem, warnt sie, k\u00f6nnte Geldw\u00e4sche kurzfristig schwerer zu fassen sein als zuvor.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr eine Branche, die mit dem Versprechen der Selbstbestimmung angetreten ist, sind KYC (Know Your Customer) und AML (Anti-Money Laundering) der unromantischste Teil der Geschichte. Und der folgenreichste. Jedes Mal, wenn jemand ein Konto bei einer deutschen oder europ\u00e4ischen Krypto-B\u00f6rse er\u00f6ffnet, den Ausweis vor die Kamera h\u00e4lt und auf die Freischaltung wartet, ber\u00fchrt er diese Maschinerie. Bei einem Bitcoin-Kurs von rund <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>65.800 Euro<\/a> Ende August 2026 und einem Markt, der wieder Milliarden anzieht, ist die Frage, wer hier eigentlich wen kontrolliert, l\u00e4ngst keine akademische mehr.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Text erkl\u00e4rt, wie KYC und AML bei Krypto in Deutschland und der EU im Jahr 2026 tats\u00e4chlich funktionieren: welche Beh\u00f6rden zust\u00e4ndig sind, was bei der Kontoer\u00f6ffnung wirklich passiert, welche Pflichten Anbieter treffen, was sich 2027 \u00e4ndert, warum eine Rekord-Strafwelle \u00fcber die Branche rollt und ob das alles \u00fcberhaupt h\u00e4lt, was es verspricht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was KYC und AML wirklich bedeuten<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">In der Alltagssprache werden die beiden Begriffe durcheinandergeworfen, dabei bezeichnen sie zwei verschiedene Dinge. AML ist der Oberbegriff: das gesamte rechtliche und operative System, das verhindern soll, dass das Finanzsystem zum Waschen krimineller Erl\u00f6se oder zur Terrorfinanzierung genutzt wird. KYC ist nur ein Baustein davon, n\u00e4mlich der Prozess, mit dem ein Anbieter feststellt und \u00fcberpr\u00fcft, wer sein Kunde ist. Wer &bdquo;KYC&ldquo; sagt, meint oft die ganze Compliance-Abteilung; genau genommen ist KYC die Identit\u00e4t, AML die gr\u00f6\u00dfere Maschine aus Risikobewertung, \u00dcberwachung, Meldewesen, Sanktionspr\u00fcfung und Governance.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum existiert das Ganze? Geldw\u00e4sche macht schmutziges Geld in drei Phasen sauber. In der Platzierung gelangt Bargeld ins System. In der Verschleierung (im Fachjargon Layering) wird es durch m\u00f6glichst viele Stationen geschleust, um die Spur zu kappen. In der Integration kehrt es als scheinbar legitimes Verm\u00f6gen zur\u00fcck. Krypto ist bei der Platzierung am schw\u00e4chsten, denn der Umtausch von Euro in Coins l\u00e4uft \u00fcber wenige Ein- und Ausstiegspunkte, und genau dort sitzt die KYC-Pr\u00fcfung. Am st\u00e4rksten ist Krypto beim Layering: schnelle Spr\u00fcnge \u00fcber Ketten hinweg, Mixer, Bridges.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die gesamte Architektur folgt deshalb einer einfachen Idee: Menschen an den T\u00fcren identifizieren (an den On- und Off-Ramps, den B\u00f6rsen und Verwahrern), die Str\u00f6me beobachten und die auff\u00e4lligen melden. Alles andere ist Detail. Der Rest dieses Textes buchstabiert dieses Detail f\u00fcr den deutschen und europ\u00e4ischen Kontext aus.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum Krypto als erh\u00f6htes Risiko gilt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Aufseher behandeln Krypto nicht deshalb streng, weil es digital ist, sondern wegen dreier Eigenschaften. Erstens die Pseudonymit\u00e4t: Adressen sind keine Klarnamen, auch wenn die Kette \u00f6ffentlich einsehbar ist. Zweitens die Geschwindigkeit und Grenzenlosigkeit: Werte springen in Minuten \u00fcber Ketten und Jurisdiktionen hinweg, w\u00e4hrend eine klassische Auslands\u00fcberweisung Tage braucht und durch mehrere Banken l\u00e4uft. Drittens die Programmierbarkeit: Mixer, Bridges und dezentrale B\u00f6rsen lassen sich ohne menschlichen Mittelsmann aneinanderreihen. Diese Mischung macht das Layering, die zweite Phase der Geldw\u00e4sche, technisch bequem.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau deshalb konzentriert sich die Aufsicht auf die Ein- und Ausstiegspunkte, an denen Euro auf Coins trifft. Dort sitzt der Hebel, dort greift KYC am wirksamsten. Wichtig ist die Einordnung: Krypto ist nicht das gr\u00f6\u00dfte Geldw\u00e4sche-Vehikel der Welt, denn Bargeld und der klassische Bankensektor bewegen ungleich mehr, aber es ist das am schnellsten wachsende und politisch am st\u00e4rksten beleuchtete. Der Streit dreht sich deshalb weniger um das Ob der Kontrolle als um ihr Ausma\u00df.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wer in Deutschland reguliert: BaFin, FIU und das Geldw\u00e4schegesetz<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Das deutsche Fundament ist das Geldw\u00e4schegesetz (GwG), das die EU-Vorgaben in nationales Recht umsetzt. Es benennt die sogenannten Verpflichteten: Banken, Versicherer, Notare, Immobilienmakler, H\u00e4ndler hochwertiger G\u00fcter und, entscheidend f\u00fcr dieses Thema, Krypto-Dienstleister. Wer als Verpflichteter gilt, muss ein ganzes Pflichtenpaket erf\u00fcllen, von der Kundenidentifizierung bis zur Verdachtsmeldung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Aufsicht \u00fcber die Einhaltung dieser Pflichten liegt im Finanzsektor bei der <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>BaFin<\/a>. Sie kann pr\u00fcfen, anordnen und Bu\u00dfgelder verh\u00e4ngen, die bei schwerwiegenden oder systematischen Verst\u00f6\u00dfen empfindlich ausfallen. Wichtig ist, dass die BaFin hier zwei H\u00fcte tr\u00e4gt: Nach dem Kryptom\u00e4rkteaufsichtsgesetz (KMAG) erteilt sie die MiCA-Lizenzen f\u00fcr Krypto-Dienstleister, nach dem GwG beaufsichtigt sie deren Geldw\u00e4sche-Compliance. Es sind zwei getrennte Regelkreise, auch wenn dieselbe Beh\u00f6rde beide bedient.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verdachtsmeldungen selbst landen nicht bei der BaFin, sondern bei der Financial Intelligence Unit (FIU), die in Deutschland bei der <a href='https:\/\/www.zoll.de\/DE\/FIU\/fiu_node.html'>Generalzolldirektion<\/a> angesiedelt ist. Die FIU sammelt, analysiert und leitet an die Strafverfolgung weiter. Seit dem 1. M\u00e4rz 2026 m\u00fcssen Meldungen verbindlich \u00fcber das FIU-Portal goAML im XML-Format eingereicht werden. Innerhalb eines Unternehmens muss zudem ein Geldw\u00e4schebeauftragter bestellt werden; interne Kontrollen, Schulungen, eine unabh\u00e4ngige Pr\u00fcfung und ein risikobasierter Ansatz sind Pflicht, ebenso die Feststellung des wirtschaftlich Berechtigten \u00fcber das Transparenzregister.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein h\u00e4ufiges Missverst\u00e4ndnis lohnt die Klarstellung: Geldw\u00e4scheaufsicht ist nicht dasselbe wie Marktaufsicht. In den USA verwechseln viele die B\u00f6rsenaufsicht SEC mit der Geldw\u00e4sche-Zust\u00e4ndigkeit; die liegt dort bei FinCEN und, f\u00fcr Sanktionen, beim OFAC. In Deutschland vereint die BaFin beides, aber unter verschiedenen Gesetzen, und die FIU ist eine eigene Stelle. Sanktionslisten wiederum stammen von EU und UN. Diese Zust\u00e4ndigkeiten auseinanderzuhalten, erspart viel Verwirrung.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Onboarding-Flow: von der Identifizierung zur Dauer\u00fcberwachung<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Was passiert eigentlich, wenn man ein Konto er\u00f6ffnet? Der Ablauf hat vier Stufen. Zuerst die Identifizierung: Der Kunde legt ein amtliches Ausweisdokument vor und weist nach, dass er ein lebender Mensch ist, per Video-Ident, Foto-Ident, \u00fcber die eID-Funktion des Personalausweises oder zunehmend per Selfie mit Lebenderkennung (Liveness-Check).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Es folgt die Verifizierung, bei der das Dokument auf Echtheit gepr\u00fcft und dem Kunden zugeordnet wird. Dritte Stufe ist das Screening: Der Name l\u00e4uft gegen Sanktionslisten, gegen Datenbanken politisch exponierter Personen (PEP) und gegen negative Presseberichte (Adverse Media). Vierte Stufe ist die laufende \u00dcberwachung: Nach dem Onboarding werden Transaktionen gegen ein Risikoprofil abgeglichen, Auff\u00e4lligkeiten l\u00f6sen eine Pr\u00fcfung aus.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die wenigsten B\u00f6rsen bauen diese Kette selbst. Sie kaufen sie von spezialisierten Anbietern wie IDnow, Sumsub, Jumio, Onfido oder Persona ein, die Dokumentenpr\u00fcfung, Biometrie und Sanktionsabgleich als Dienst liefern. Jeder Kunde erh\u00e4lt einen Risiko-Score, der bestimmt, wie viel Reibung er zu sp\u00fcren bekommt. Das ist die Maschinerie, die man als Nutzer direkt erlebt; der weitaus gr\u00f6\u00dfere Teil bleibt unsichtbar.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Doch KYC ist nur so gut wie die Pr\u00fcfung selbst, und die ger\u00e4t zunehmend unter Druck. KI-generierte Ausweisdokumente, synthetische Identit\u00e4ten und Deepfake-Videos fordern die Liveness-Erkennung heraus; was gestern als sicherer Nachweis galt, l\u00e4sst sich heute mit erschwinglicher Software f\u00e4lschen. Anbieter r\u00fcsten deshalb mit Injektionserkennung, Ger\u00e4teanalyse und wiederholten Pr\u00fcfungen nach. Die Identit\u00e4tspr\u00fcfung ist zu einem Wettr\u00fcsten geworden, bei dem die Verteidigung selten dauerhaft vorne liegt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Sorgfaltspflichten: CDD, EDD und der risikobasierte Ansatz<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht jeder Kunde wird gleich behandelt, und das ist Absicht. Der risikobasierte Ansatz staffelt die Pr\u00fcftiefe nach dem Geldw\u00e4scherisiko. Das GwG kennt drei Stufen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Stufe<\/th><th>Wann sie greift<\/th><th>Was verlangt wird<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Vereinfachte Sorgfaltspflichten (\u00a7 14 GwG)<\/td><td>nachweislich geringes Risiko<\/td><td>reduzierte, aber nie ganz entfallende Pr\u00fcfung<\/td><\/tr><tr><td>Allgemeine Sorgfaltspflichten, CDD (\u00a7 10 GwG)<\/td><td>Standardfall<\/td><td>Identifizierung, Kl\u00e4rung des Gesch\u00e4ftszwecks, laufende \u00dcberwachung<\/td><\/tr><tr><td>Verst\u00e4rkte Sorgfaltspflichten, EDD (\u00a7 15 GwG)<\/td><td>hohes Risiko (PEP, Hochrisikoland, auff\u00e4llige Transaktion)<\/td><td>zus\u00e4tzliche Nachweise, Herkunft der Mittel, Freigabe durch die F\u00fchrungsebene<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Ausgel\u00f6st wird die verst\u00e4rkte Pr\u00fcfung (Enhanced Due Diligence) etwa durch den PEP-Status eines Kunden, durch Bez\u00fcge zu Hochrisikol\u00e4ndern, durch ungew\u00f6hnlich komplexe Transaktionen oder durch Interaktionen mit nicht-verwahrten Wallets. Dann verlangt der Anbieter Nachweise \u00fcber die Herkunft von Mitteln und Verm\u00f6gen, holt eine Freigabe der Gesch\u00e4ftsleitung ein und \u00fcberwacht enger.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Firmenkunden kommt die Feststellung des wirtschaftlich Berechtigten hinzu, also der nat\u00fcrlichen Person hinter der Gesellschaft. Genau hier setzt das Transparenzregister an, das die Eigent\u00fcmerketten sichtbar machen soll. Der risikobasierte Ansatz bedeutet nicht, dass jemand ungepr\u00fcft bleibt; er bedeutet, dass die Ressourcen dorthin flie\u00dfen, wo das Risiko am gr\u00f6\u00dften ist.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Verdachtsmeldung, Sanktionslisten und das Tipping-off-Verbot<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ergibt sich ein Verdacht auf Geldw\u00e4sche oder Terrorfinanzierung, muss der Verpflichtete eine Verdachtsmeldung nach \u00a7 43 GwG an die FIU abgeben. Anders als bei manchen Meldeschwellen im Ausland gibt es hier keinen Mindestbetrag; ein tats\u00e4chlicher Anhaltspunkt gen\u00fcgt. Die Meldung ist kein Schuldspruch, sondern ein Signal, dem die FIU nachgeht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Regeln flankieren das. Erstens das Tipping-off-Verbot (\u00a7 47 GwG): Der Anbieter darf den Kunden nicht dar\u00fcber informieren, dass \u00fcber ihn gemeldet wurde; ein Versto\u00df ist strafbar. Zweitens die Sanktionspr\u00fcfung: Namen und Wallet-Adressen werden gegen EU- und UN-Sanktionslisten abgeglichen (bei global t\u00e4tigen H\u00e4usern faktisch auch gegen die OFAC-Listen der USA), Treffer werden eingefroren.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Unterlagen werden in der Regel f\u00fcnf Jahre aufbewahrt. Wie ernst der Staat das nimmt, zeigt ein Detail, das im weiteren Verlauf wiederkehrt: Die weltgr\u00f6\u00dfte B\u00f6rse Binance hat \u00fcber Jahre keine einzige Verdachtsmeldung eingereicht, obwohl das Gesetz sie dazu verpflichtet h\u00e4tte. Genau dieses Vers\u00e4umnis wurde sp\u00e4ter zum teuersten der Branchengeschichte.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die EU-Architektur: AMLR, AMLA und die TFR<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber dem deutschen Recht baut die EU gerade ein einheitliches Regelwerk. Bisher galten 27 nationale Ans\u00e4tze; k\u00fcnftig soll ein gemeinsames Fundament greifen. Es ruht auf mehreren S\u00e4ulen.<\/p><ul class='wp-block-list'><li><strong>AMLR<\/strong> (Verordnung (EU) 2024\/1624): ein unmittelbar geltendes Einheitsregelwerk, das ab dem <a href='https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/reg\/2024\/1624\/oj'>10. Juli 2027<\/a> voll wirksam wird und Sorgfaltspflichten, wirtschaftlich Berechtigte, Bargeldgrenzen und Krypto-Regeln vereinheitlicht.<\/li><li><strong>AMLD6<\/strong>: eine begleitende Richtlinie mit organisatorischen und institutionellen Vorgaben, die die Mitgliedstaaten bis zum selben Datum umsetzen.<\/li><li><strong>AMLA<\/strong> (Frankfurt): die neue EU-Beh\u00f6rde, seit dem <a href='https:\/\/www.consilium.europa.eu\/en\/policies\/fight-against-terrorist-financing\/timeline\/'>1. Juli 2025<\/a> im Dienst; sie koordiniert die nationalen FIUs und Aufseher und wird ab 2028 bis zu 40 der risikoreichsten grenz\u00fcberschreitenden Institute, darunter gro\u00dfe Krypto-Dienstleister, direkt beaufsichtigen.<\/li><li><strong>TFR<\/strong> (Verordnung (EU) 2023\/1113): die EU-Fassung der Travel Rule, in Kraft seit dem 30. Dezember 2024.<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">Ihre Vorsitzende Bruna Szego beschreibt den Kern des Projekts als Abl\u00f6sung von 27 nationalen Regelb\u00fcchern durch eines. Die folgende Zeitleiste ordnet die wichtigsten Daten f\u00fcr den Krypto-Bereich.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Datum<\/th><th>Regel oder Ereignis<\/th><th>Bedeutung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>30. Dez. 2024<\/td><td>TFR gilt; MiCA-CASP-Regeln gelten<\/td><td>Travel Rule ohne Schwelle; Marktzulassung, aber keine AML-Regel<\/td><\/tr><tr><td>1. Juli 2025<\/td><td>AMLA nimmt in Frankfurt die Arbeit auf<\/td><td>erste zentrale EU-Geldw\u00e4schebeh\u00f6rde<\/td><\/tr><tr><td>31. Dez. 2025<\/td><td>deutscher MiCA-\u00dcbergang endet<\/td><td>BaFin-Lizenzpflicht (der deutsche Sonderweg)<\/td><\/tr><tr><td>1. Juli 2026<\/td><td>EU-weiter MiCA-\u00dcbergang endet<\/td><td>nicht lizenzierte Anbieter m\u00fcssen den Markt verlassen<\/td><\/tr><tr><td>10. Juli 2027<\/td><td>AMLR gilt voll<\/td><td>Verbot anonymer Konten und Privacy Coins; Bargeldgrenze 10.000 Euro<\/td><\/tr><tr><td>ab 2028<\/td><td>AMLA startet direkte Aufsicht<\/td><td>bis zu 40 der risikoreichsten Institute<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Deutschland ist die AMLA mehr als eine Br\u00fcsseler Abk\u00fcrzung. Sie wird die nationalen Aufseher nicht ersetzen, aber sie setzt einheitliche Standards, f\u00fchrt gemeinsame Aufsichtsteams und kann bei den gr\u00f6\u00dften grenz\u00fcberschreitenden Anbietern selbst durchgreifen. F\u00fcr einen Krypto-Dienstleister mit Kunden in mehreren EU-L\u00e4ndern hei\u00dft das: weniger Spielraum, sich die mildeste nationale Auslegung auszusuchen, ein Muster, das die Aufsicht in der Vergangenheit als Regulierungsarbitrage kritisiert hat.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Travel Rule ohne Schwelle<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Travel Rule ist im Kern simpel und in der Umsetzung heikel. Bei jeder \u00dcberweisung von einem Krypto-Dienstleister zu einem anderen m\u00fcssen vollst\u00e4ndige Angaben zu Auftraggeber und Empf\u00e4nger mitreisen, so wie sie im klassischen Zahlungsverkehr eine \u00dcberweisung begleiten. Die EU hat sich f\u00fcr die strengste Variante weltweit entschieden: eine Nullschwelle f\u00fcr Krypto. W\u00e4hrend f\u00fcr klassische Geldtransfers eine Bagatellgrenze von 1.000 Euro gilt und die internationale FATF eine Schwelle von rund 1.000 Dollar oder Euro empfiehlt, ist bei Krypto <a href='https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/reg\/2023\/1113\/oj'>jede \u00dcberweisung erfasst<\/a>, unabh\u00e4ngig vom Betrag.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Technisch werden die Daten in einem standardisierten Format (IVMS 101) ausgetauscht. Der Haken ist das sogenannte Sunrise-Problem: Die Regel funktioniert nur, wenn beide Enden mitspielen. Geht eine \u00dcberweisung an einen nicht regulierten oder ausl\u00e4ndischen Anbieter, der die Daten nicht entgegennimmt, rei\u00dft die Kette. Wie tief dieses Problem reicht und warum weltweit viele Aufseher die Regel zwar erlassen, aber kaum durchsetzen, hat HOGE Wire in der Analyse zur <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/fatf-2026-travel-rule-vasps-durchsetzungsluecke\/'>FATF und der Durchsetzungsl\u00fccke<\/a> ausgeleuchtet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr nicht-verwahrte Wallets (self-hosted oder unhosted) gilt eine Besonderheit: Bei Transfers ab 1.000 Euro von oder zu einer solchen Wallet \u00fcber einen Dienstleister muss dieser nachweisen oder plausibilisieren, dass der Kunde die Wallet auch kontrolliert. Das private Halten und Versenden zwischen eigenen Wallets bleibt erlaubt; die Pflicht trifft den Dienstleister an der Schnittstelle, nicht den Nutzer in seiner eigenen Verwahrung.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Das Verbot anonymer Konten und Privacy Coins ab 2027<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der wohl umstrittenste Teil der neuen Ordnung steht in Artikel 79 der AMLR. Ab dem 10. Juli 2027 d\u00fcrfen Krypto-Dienstleister keine anonymen Konten mehr f\u00fchren und keine sogenannten anonymit\u00e4tssteigernden Coins mehr halten oder anbieten. Gemeint sind Privacy Coins wie Monero oder Zcash, deren Design Transaktionsdaten verschleiert. Faktisch werden sie damit von regulierten EU-Plattformen verschwinden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist die Reichweite: Das Verbot richtet sich an die Anbieter, nicht an Privatpersonen. Wer Monero selbst verwahrt und zwischen eigenen Wallets bewegt, tut das weiterhin legal; nur die regulierten B\u00f6rsen verlieren die M\u00f6glichkeit, solche Coins zu listen. Parallel f\u00fchrt die AMLR eine EU-weite Bargeldobergrenze von 10.000 Euro ein, was in Deutschland sp\u00fcrbar ist, weil es hier bislang keine allgemeine Grenze gibt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier verl\u00e4uft die eigentliche Bruchlinie der Debatte. F\u00fcr Kritiker ist das anlasslose Erfassen von Zahlungsdaten Massen\u00fcberwachung; f\u00fcr die Aufsicht schlie\u00dft es genau die Anonymit\u00e4t, die das Layering ausnutzt. Deutsche Leser mit ausgepr\u00e4gtem Datenschutzinstinkt sitzen mitten auf dieser Linie.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bargeldgrenze von 10.000 Euro trifft dabei einen besonders empfindlichen deutschen Nerv. Anders als viele EU-Nachbarn kennt Deutschland bislang keine allgemeine Obergrenze f\u00fcr Barzahlungen, und Bargeld gilt hier als St\u00fcck gelebter Freiheit. Dass ausgerechnet eine EU-Verordnung diese Grenze zieht und parallel die Anonymit\u00e4t im Digitalen schlie\u00dft, verbindet zwei Debatten, die sonst getrennt laufen: die um das Bargeld und die um die finanzielle Privatsph\u00e4re im Netz.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Und es gibt eine Grenze der Reichweite: Wo kein Anbieter sitzt, l\u00e4uft die Logik der Verpflichteten ins Leere. Bei echter Selbstverwahrung oder bei stark dezentralisierten Protokollen, etwa im Liquid Staking rund um <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/lido-vs-rocket-pool-vs-frax-liquid-staking-2026-check\/'>Lido, Rocket Pool und Frax<\/a>, gibt es niemanden, an den sich die KYC-Pflicht heften lie\u00dfe. Die Grenze der Geldw\u00e4scheaufsicht ist die Grenze der Vermittlung.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum MiCA keine Geldw\u00e4sche-Regel ist<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Missverst\u00e4ndnis h\u00e4lt sich hartn\u00e4ckig: Eine MiCA-Lizenz sei ein Geldw\u00e4sche-G\u00fctesiegel. Ist sie nicht. MiCA regelt Marktverhalten, Zulassung und aufsichtsrechtliche Anforderungen von Krypto-Dienstleistern und Emittenten; die Geldw\u00e4sche sitzt getrennt davon in AMLR, AMLA, TFR und dem nationalen GwG. Ein Anbieter braucht beides. Die <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>BaFin stellt in ihrem Merkblatt<\/a> klar, dass sie die Dienstleister und Emittenten beaufsichtigt, nicht das Protokoll selbst. Wie Deutschland MiCA umsetzt und warum es dabei einen Sonderweg gegangen ist, hat HOGE Wire in einer eigenen Analyse zu <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mica-deutschland-2026-bafin-casp-lizenzen-sonderweg\/'>BaFin und den CASP-Lizenzen<\/a> beschrieben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">2026 kommt eine unbequeme Wendung hinzu. Mit dem Ende der MiCA-\u00dcbergangsfristen (in Deutschland zum 31. Dezember 2025, EU-weit zum 1. Juli 2026) mussten nicht lizenzierte Anbieter den Markt verlassen, und Kunden wanderten in Scharen zu lizenzierten H\u00e4usern. Genau diese Wanderung ist selbst ein Risiko. Vor dem gemeinsamen Ausschuss ECON und LIBE des Europ\u00e4ischen Parlaments warnte <a href='https:\/\/www.amla.europa.eu\/news-media\/news-articles\/amla-chair-bruna-szego-appears-econ-libe-committees-european-parliament_en'>AMLA-Chefin Bruna Szego<\/a> am 15. Juli 2026, abziehende Kunden setzten die ausscheidenden Anbieter unter Druck: &bdquo;Wir wissen, dass Kunden ihre Guthaben \u00fcberst\u00fcrzt abziehen werden; das setzt diese Anbieter zus\u00e4tzlich unter Druck.&ldquo; Zugleich tr\u00e4fen die aufnehmenden, lizenzierten Plattformen pl\u00f6tzlich auf einen Ansturm neuer Nutzer, der ihre KYC- und AML-Prozesse strapaziere.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Szego k\u00fcndigte an, die AMLA werde noch vor Jahresende 2026 einen Bericht vorlegen, der die Geldw\u00e4scherisiken im Kryptosektor und die tats\u00e4chliche Aufsichtspraxis der Mitgliedstaaten vergleicht. Ihre Kernaussage ist so paradox wie ehrlich: mehr Regeln, und kurzfristig wom\u00f6glich mehr Risiko, weil die Migration L\u00fccken \u00f6ffnet, bevor das neue System sie schlie\u00dft.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Enforcement-Welle: Binance, OKX und die Botschaft<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Dass Geldw\u00e4scheregeln keine Formsache sind, hat eine Strafwelle bewiesen, die ihresgleichen sucht. Im November 2023 einigte sich Binance, die gr\u00f6\u00dfte B\u00f6rse der Welt, mit den US-Beh\u00f6rden auf <a href='https:\/\/www.justice.gov\/archives\/opa\/speech\/attorney-general-merrick-b-garland-delivers-remarks-announcing-binance-and-ceo-guilty'>\u00fcber 4,3 Milliarden US-Dollar<\/a> (rund 3,7 Milliarden Euro), damals der gr\u00f6\u00dfte Vergleich der Krypto-Geschichte. FinCEN verh\u00e4ngte allein eine zivilrechtliche Strafe von 3,4 Milliarden Dollar, Gr\u00fcnder Changpeng Zhao bekannte sich schuldig, zahlte pers\u00f6nlich 50 Millionen Dollar und trat als CEO zur\u00fcck; \u00fcber Jahre hatte Binance keine einzige Verdachtsmeldung abgegeben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der damalige US-Justizminister Merrick Garland fasste die Botschaft in einen Satz, der die ganze Enforcement-Philosophie tr\u00e4gt: &bdquo;Neue Technologie zu nutzen, um das Gesetz zu brechen, macht niemanden zum Vordenker. Es macht ihn zum Kriminellen.&ldquo; (<a href='https:\/\/www.justice.gov\/archives\/opa\/speech\/attorney-general-merrick-b-garland-delivers-remarks-announcing-binance-and-ceo-guilty'>justice.gov<\/a>). Gut ein Jahr sp\u00e4ter, im Februar 2025, bekannte sich die B\u00f6rse OKX schuldig und akzeptierte <a href='https:\/\/www.justice.gov\/usao-sdny\/pr\/okx-pleads-guilty-violating-us-anti-money-laundering-laws-and-agrees-pay-penalties'>\u00fcber 504 Millionen Dollar an Strafen<\/a>; sie hatte \u00fcber sieben Jahre hinweg Transaktionen im Volumen von mehr als einer Billion Dollar abgewickelt, ohne die n\u00f6tige Lizenz und lange ohne KYC f\u00fcr Privatkunden.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Fall<\/th><th>Datum<\/th><th>Strafe (USD)<\/th><th>Kern<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Binance<\/td><td>Nov. 2023<\/td><td>\u00fcber 4,3 Mrd.<\/td><td>BSA-Verst\u00f6\u00dfe, CZ tritt zur\u00fcck, nie eine Verdachtsmeldung<\/td><\/tr><tr><td>OKX<\/td><td>Feb. 2025<\/td><td>\u00fcber 504 Mio.<\/td><td>\u00fcber 1 Bio. Dollar Umsatz ohne Lizenz, lange kein KYC<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die F\u00e4lle stehen f\u00fcr eine Verschiebung: Geldw\u00e4sche hat die Wertpapierfragen als gr\u00f6\u00dftes regulatorisches Risiko der Branche abgel\u00f6st. Im ersten Halbjahr 2025 schnellten die weltweiten AML-, KYC- und Sanktionsstrafen gegen Finanzinstitute in die H\u00f6he; der Ton ist gesetzt, und die europ\u00e4ischen Aufseher schauen genau hin.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Funktioniert das System \u00fcberhaupt?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Bleibt die unbequemste Frage: Bringt es etwas? Die Zahlen sind zwiesp\u00e4ltig. Der <a href='https:\/\/www.chainalysis.com\/blog\/2026-crypto-crime-report-introduction\/'>Crypto Crime Report 2026 von Chainalysis<\/a> sch\u00e4tzt, dass illegale Adressen 2025 mindestens 154 Milliarden Dollar erhielten, ein Plus von 162 Prozent, getrieben vor allem von Sanktionsumgehung. Zugleich bleibt der illegale Anteil am gesamten On-Chain-Volumen unter einem Prozent. Auff\u00e4llig: Stablecoins tragen inzwischen rund 84 Prozent des illegalen Transaktionswerts, der Wert bei sanktionierten Akteuren stieg um 694 Prozent.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Hinter der Durchsetzung steht eine eigene Industrie: Blockchain-Analytik. Firmen wie Chainalysis, Elliptic und TRM Labs verkn\u00fcpfen Adressen zu Clustern, ordnen sie B\u00f6rsen, Mixern oder sanktionierten Akteuren zu und liefern Risiko-Scores, auf die sich Banken, B\u00f6rsen und Ermittler st\u00fctzen. Wichtig ist die Einschr\u00e4nkung: Diese Scores sind Wahrscheinlichkeiten, kein Beweis, und Privacy Coins wie Monero brechen die Cluster-Analyse gezielt auf. Die Transparenz der Blockchain ist Fluch und Segen zugleich, sie macht Spuren sichtbar, aber eben nur, solange keine Verschleierungstechnik dazwischenliegt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Kritiker ziehen daraus einen scharfen Schluss. Peter Van Valkenburgh von der Denkfabrik Coin Center argumentiert, das bestehende AML- und KYC-Regime leiste <a href='https:\/\/www.coincenter.org\/tear-down-this-walled-garden\/'>&bdquo;bemerkenswert wenig, um illegale Finanzstr\u00f6me zu verhindern&ldquo;<\/a>, w\u00e4hrend es enorme Kosten und Eingriffe in die Privatsph\u00e4re verursache; allein in den USA l\u00e4gen die Compliance-Kosten bei \u00fcber 26 Milliarden Dollar im Jahr.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu kommt ein Risiko, das KYC selbst erzeugt: den Honeypot. Wer Millionen Ausweise, Adressen und Selfies speichern muss, schafft ein begehrtes Ziel. Im Mai 2025 bestach eine kriminelle Gruppe ausl\u00e4ndische Support-Dienstleister von Coinbase und erbeutete Daten von rund 69.461 Kunden; die B\u00f6rse <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2025\/05\/15\/coinbase-says-criminals-stole-customer-data-offers-20m-bug-bounty'>lehnte eine L\u00f6segeldforderung von 20 Millionen Dollar ab<\/a>, lobte stattdessen ein Kopfgeld in gleicher H\u00f6he aus und bezifferte die Aufr\u00e4umkosten auf 180 bis 400 Millionen Dollar. F\u00fcr datenschutzbewusste Nutzer ist das der Kern des Dilemmas: Dieselben Daten, die den Regulierer zufriedenstellen, werden zur Hypothek, sobald sie abflie\u00dfen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Zukunft: wiederverwendbare Identit\u00e4t und Zero-Knowledge-KYC<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antwort, auf die fast alle zeigen, lautet: einmal pr\u00fcfen, mehrfach nutzen und dabei weniger preisgeben. Mit eIDAS 2.0 verpflichtet die EU ihre Mitgliedstaaten, bis Ende 2026 digitale Identit\u00e4ts-Wallets (EUDI Wallets) bereitzustellen. Dahinter steht das Modell der \u00fcberpr\u00fcfbaren Nachweise (Verifiable Credentials) mit dem Dreieck aus Aussteller, Inhaber und Pr\u00fcfer: Eine Stelle best\u00e4tigt ein Merkmal einmal, der Nutzer tr\u00e4gt es in seiner Wallet, ein Dritter pr\u00fcft es, ohne die Rohdaten zu sehen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der n\u00e4chste Schritt ist Zero-Knowledge-KYC: der Nachweis eines Merkmals (&bdquo;\u00fcber 18&ldquo;, &bdquo;nicht sanktioniert&ldquo;, &bdquo;von einem lizenzierten Anbieter gepr\u00fcft&ldquo;), ohne die zugrunde liegenden Dokumente herauszugeben. Hier trifft Datenschutztechnik auf Compliance. Dieselbe kryptografische Maschinerie, die verifizierbare und zugleich vertrauliche Berechnungen erm\u00f6glicht (etwa im Ansatz von <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/ritual-2026-vertrauliche-ki-verifizierbar-und-privat\/'>Ritual<\/a>) oder die Korrektheit \u00fcber Betrugsbeweise absichert (wie bei <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/opml-2026-verifizierbare-ki-betrugsbeweise\/'>opML<\/a>), k\u00f6nnte einem Nutzer erlauben, den Nachweis &bdquo;Ich habe KYC bestanden&ldquo; zu f\u00fchren, ohne den Reisepass erneut offenzulegen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Damit der Staat nicht blind wird, arbeiten viele Entw\u00fcrfe mit einem Break-Glass-Mechanismus: Die Privatsph\u00e4re ist der Normalzustand, aber bei einem gerichtlich gedeckten Verdacht l\u00e4sst sich eine Spur nachtr\u00e4glich \u00f6ffnen. Noch ist das Zukunftsmusik; Standards, Haftungsfragen und die Frage, wer das Vertrauen kuratiert, sind ungel\u00f6st. Doch die Richtung ist klar: weniger Datenhalden, mehr Beweise.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Eng verwandt ist die Frage nach dem Nachweis der Einzigartigkeit, im Fachjargon Proof of Personhood: Wie stellt man sicher, dass hinter einem gepr\u00fcften Konto genau ein Mensch steht und nicht tausend automatisierte Scheinidentit\u00e4ten, ohne diesen Menschen vollst\u00e4ndig zu deanonymisieren? Biometrische Ans\u00e4tze versprechen genau das, werfen aber neue Datenschutzfragen auf, weil sich biometrische Merkmale, anders als ein Passwort, nicht zur\u00fccksetzen lassen. Auch hier gilt: Die Technik ist vielversprechend, die gesellschaftliche Aushandlung steht erst am Anfang.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was das f\u00fcr Nutzer und Anbieter in Deutschland bedeutet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland hei\u00dft das konkret: Bei \u00dcberweisungen zwischen Dienstleistern reisen Daten mit, ohne Bagatellgrenze. Wer eine eigene, nicht-verwahrte Wallet mit einer B\u00f6rse verbindet, sollte ab 1.000 Euro mit einem Kontrollnachweis rechnen. Privacy Coins verschwinden ab Mitte 2027 von regulierten EU-Plattformen, bleiben in Selbstverwahrung aber legal. Ab 2027 gilt zudem eine Bargeldgrenze von 10.000 Euro. Und: Die eigenen Ausweisdaten sind sch\u00fctzenswert, denn Datenlecks passieren.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Anbieter bleibt die Pflichtenliste lang: einen Geldw\u00e4schebeauftragten bestellen, die goAML-Meldewege einrichten, risikobasierte CDD und EDD umsetzen, gegen Sanktions- und PEP-Listen screenen, die Travel Rule technisch bedienen und sich auf die AMLA einstellen, die ab 2028 die gr\u00f6\u00dften H\u00e4user direkt aus Frankfurt beaufsichtigen wird.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Unterm Strich ist KYC\/AML 2026 kein Randthema mehr, sondern die Statik des regulierten Kryptomarkts. Die Regeln sind so dicht wie nie, ihre Wirkung bleibt umstritten, und die spannendste Frage der kommenden Jahre ist nicht, ob gepr\u00fcft wird, sondern wie viel man daf\u00fcr preisgeben muss.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Muss ich bei jeder deutschen Krypto-B\u00f6rse meinen Ausweis hochladen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">In aller Regel ja. Lizenzierte Krypto-Dienstleister in Deutschland und der EU sind als Verpflichtete nach dem Geldw\u00e4schegesetz zur Kundenidentifizierung verpflichtet, bevor sie ein Konto vollst\u00e4ndig freischalten. \u00dcblich sind Video-Ident, Foto-Ident oder die eID des Personalausweises. Ohne diese Pr\u00fcfung bleibt der Handel gesperrt oder stark eingeschr\u00e4nkt.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist der Unterschied zwischen KYC und AML?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">AML (Anti-Money Laundering) ist der Oberbegriff f\u00fcr das gesamte System gegen Geldw\u00e4sche, von der Risikobewertung \u00fcber die \u00dcberwachung bis zur Verdachtsmeldung. KYC (Know Your Customer) ist ein Baustein davon, n\u00e4mlich die Identifizierung und \u00dcberpr\u00fcfung des Kunden. Kurz gesagt: KYC ist die Identit\u00e4t, AML die ganze Maschine dahinter.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Werden Monero und andere Privacy Coins in der EU verboten?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht f\u00fcr Privatpersonen, aber f\u00fcr Anbieter. Ab dem 10. Juli 2027 d\u00fcrfen regulierte Krypto-Dienstleister nach Artikel 79 der AMLR keine anonymit\u00e4tssteigernden Coins mehr f\u00fchren; Monero und Zcash verschwinden damit faktisch von regulierten EU-Plattformen. Das eigene Halten und Versenden in Selbstverwahrung bleibt legal.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Gilt die Travel Rule auch f\u00fcr kleine Krypto-Betr\u00e4ge?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">In der EU ja. Die Transfer of Funds Regulation (TFR) schreibt seit dem 30. Dezember 2024 eine Nullschwelle f\u00fcr Krypto vor: Jede \u00dcberweisung zwischen Dienstleistern muss vollst\u00e4ndige Angaben zu Auftraggeber und Empf\u00e4nger enthalten, unabh\u00e4ngig vom Betrag. Das ist strenger als die 1.000-Euro-Bagatellgrenze im klassischen Zahlungsverkehr.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wer kontrolliert in Deutschland die Geldw\u00e4sche-Aufsicht bei Krypto?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Die BaFin beaufsichtigt die Geldw\u00e4sche-Compliance der Krypto-Dienstleister, die Financial Intelligence Unit bei der Generalzolldirektion nimmt die Verdachtsmeldungen entgegen und wertet sie aus. Auf EU-Ebene koordiniert seit Juli 2025 die AMLA in Frankfurt, die ab 2028 die gr\u00f6\u00dften Institute direkt beaufsichtigen soll.<\/p><script type='application\/ld+json'>{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Muss ich bei jeder deutschen Krypto-B\u00f6rse meinen Ausweis hochladen?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"In der Regel ja. Lizenzierte Krypto-Dienstleister in Deutschland und der EU m\u00fcssen als Verpflichtete nach dem Geldw\u00e4schegesetz die Identit\u00e4t ihrer Kunden feststellen, bevor sie ein Konto voll freischalten, meist per Video-Ident, Foto-Ident oder eID des Personalausweises.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was ist der Unterschied zwischen KYC und AML?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"AML ist der Oberbegriff f\u00fcr das gesamte System gegen Geldw\u00e4sche, von der Risikobewertung \u00fcber die \u00dcberwachung bis zur Verdachtsmeldung. 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