{"id":342,"date":"2026-08-23T10:26:11","date_gmt":"2026-08-23T10:26:11","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/bitcoin-l2s-2026-lightning-liquid-stacks-rollups\/"},"modified":"2026-08-23T10:26:11","modified_gmt":"2026-08-23T10:26:11","slug":"bitcoin-l2s-2026-lightning-liquid-stacks-rollups","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/bitcoin-l2s-2026-lightning-liquid-stacks-rollups\/","title":{"rendered":"Bitcoin L2s 2026: Lightning, Liquid, Stacks und die Rollup-Welle"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Fork-Versuche in einem einzigen Monat, fast w\u00f6chentlich ein neues Protokoll und Milliarden an Bitcoin, die pl\u00f6tzlich Rendite abwerfen sollen: Bitcoins zweite Schicht war selten so laut wie im August 2026. Am 21. August ging Paul Sztorcs umstrittener eCash-Fork bei Block 964.000 an den Start, nur zwei Wochen nachdem der Soft Fork BIP-110 an fehlender Miner-Unterst\u00fctzung gescheitert war. Gleichzeitig verwaltet das Lightning Network rund 5.600 BTC, Stacks und Rootstock streiten um die F\u00fchrung in der Bitcoin-DeFi, und mit Citrea l\u00e4uft seit Januar der erste echte ZK-Rollup direkt auf Bitcoin. Bei einem BTC-Kurs von rund 65.500 Euro (laut <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>CoinGecko<\/a>) ist die Frage, wie man die Basisschicht skaliert, l\u00e4ngst kein akademisches Randthema mehr.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Doch was genau ist ein &bdquo;Bitcoin Layer 2&ldquo; eigentlich, und warum nennt sich derzeit fast jedes Sidechain-Projekt so? Dieser Text ordnet das gesamte Feld: von Zahlungskan\u00e4len \u00fcber F\u00f6derationen und Merge Mining bis zu Rollups und virtuellen UTXOs. Der rote Faden ist dabei nicht die Marketing-Sprache der Projekte, sondern eine unbequeme technische Frage. Wie viel Vertrauen kostet die jeweilige Skalierung, und wie leicht kommen Nutzer im Ernstfall wieder zur\u00fcck auf die Bitcoin-Basiskette?<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum Bitcoin \u00fcberhaupt eine zweite Schicht braucht<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoins Basisschicht ist bewusst konservativ gebaut. Ein Block alle zehn Minuten, eine effektive Kapazit\u00e4t von grob sieben Transaktionen pro Sekunde und eine Blockgr\u00f6\u00dfe, die seit dem SegWit-Kompromiss von 2017 nur noch \u00fcber das Witness-Gewicht w\u00e4chst: Das ist kein Versehen, sondern Absicht. Wer will, dass ein Heim-Node auf g\u00fcnstiger Hardware die gesamte Kette verifizieren kann, darf den Durchsatz nicht beliebig hochdrehen. Dezentralisierung und hoher Durchsatz stehen im direkten Zielkonflikt, und Bitcoin hat sich f\u00fcr die Dezentralisierung entschieden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Folge kennt jeder, der schon einmal in einer Geb\u00fchrenspitze eine Transaktion senden musste. Steigt die Nachfrage nach Blockplatz, steigt auch der Preis daf\u00fcr. Der Ordinals- und Runes-Boom hat seit 2023 gezeigt, wie schnell sich der Geb\u00fchrenmarkt aufheizt, wenn pl\u00f6tzlich Bilddaten und Token-Pr\u00e4gungen um denselben Platz konkurrieren wie normale Zahlungen (mehr dazu in unserer Analyse zu <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/bitcoin-ordinals-recursive-inscriptions-2026\/'>Recursive Inscriptions<\/a>). Wenn eine simple \u00dcberweisung in solchen Phasen mehrere Euro kostet und lange auf Best\u00e4tigung wartet, taugt Bitcoin schlecht als Alltags-Zahlungsmittel.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antwort der Bitcoin-Entwickler lautet seit Jahren: nicht die Basisschicht aufbl\u00e4hen, sondern dar\u00fcber bauen. Die Idee ist alt und stammt aus dem klassischen Finanzsystem. Man behandelt die langsame, teure, maximal sichere Bitcoin-Kette als Settlement-Schicht, auf der nur die endg\u00fcltige Abrechnung stattfindet, und wickelt das schnelle, billige Tagesgesch\u00e4ft eine Ebene h\u00f6her ab. Genau das versprechen Layer-2-Systeme. Wie gut sie dieses Versprechen einl\u00f6sen, unterscheidet sich allerdings dramatisch.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was ein Layer 2 wirklich ausmacht (und was nur so hei\u00dft)<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Begriff Layer 2 ist inflation\u00e4r geworden. Kein Wunder: Er klingt nach der Sicherheit von Bitcoin bei der Geschwindigkeit einer modernen App. In der Praxis verstecken sich hinter dem Etikett aber v\u00f6llig verschiedene Konstruktionen mit v\u00f6llig verschiedenen Risiken. Eine brauchbare Arbeitsdefinition, auf die sich viele Analysten inzwischen verst\u00e4ndigt haben, verlangt zwei Dinge.<\/p><ul class='wp-block-list'><li><strong>Sicherheit aus Bitcoin:<\/strong> Ein Layer 2 muss seine Sicherheit aus Bitcoin ableiten, entweder direkt oder \u00fcber wirtschaftliche Anreize, die an BTC gekoppelt sind.<\/li><li><strong>Exit zur Basisschicht:<\/strong> Nutzer m\u00fcssen einen Weg zur\u00fcck auf die Bitcoin-Basiskette haben, ohne dabei vollst\u00e4ndig auf einen Dritten angewiesen zu sein. Die strengste Auslegung fordert einen unilateralen Exit, also die M\u00f6glichkeit, seine Coins allein durch die Bitcoin-Konsensregeln erzwungen abzuziehen, selbst wenn der Betreiber verschwindet oder b\u00f6swillig wird.<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">An diesem zweiten Kriterium scheiden sich die Geister. Ein reines State-Channel-System wie Lightning erf\u00fcllt es l\u00fcckenlos. Eine f\u00f6derierte Sidechain wie Liquid erf\u00fcllt es nicht: Wer dort BTC hinterlegt, vertraut darauf, dass eine Mehrheit der Funktion\u00e4re den Peg ehrlich verwaltet. Dazwischen liegt ein breites Spektrum von Vertrauensannahmen, und genau dieses Spektrum ist die eigentliche Landkarte der Bitcoin-Skalierung. Die folgende Tabelle sortiert die wichtigsten Kategorien danach, wem man am Ende vertrauen muss.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kategorie<\/th><th>Vertrauensmodell<\/th><th>Unilateraler Exit<\/th><th>Beispiele<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>State Channels<\/td><td>vertrauenslos (HTLCs, kein Betreiber)<\/td><td>ja<\/td><td>Lightning<\/td><\/tr><tr><td>Statechains \/ virtuelle UTXOs<\/td><td>1-von-n Betreiber (Verf\u00fcgbarkeit)<\/td><td>ja (vorsignierte Exits)<\/td><td>Spark, Ark<\/td><\/tr><tr><td>Rollup mit BitVM-Br\u00fccke<\/td><td>1-von-N ehrlicher Beobachter<\/td><td>in Entwicklung<\/td><td>Citrea, Bitlayer<\/td><\/tr><tr><td>F\u00f6derierte Sidechain<\/td><td>Mehrheit einer F\u00f6deration<\/td><td>nein<\/td><td>Liquid (11-von-15)<\/td><\/tr><tr><td>Merge-Mining-Sidechain<\/td><td>F\u00f6deration plus Miner<\/td><td>nein<\/td><td>Rootstock (PowPeg)<\/td><\/tr><tr><td>Eigene Kette mit Peg<\/td><td>Signer-Set<\/td><td>eingeschr\u00e4nkt<\/td><td>Stacks (sBTC)<\/td><\/tr><tr><td>Drivechain-Sidechain<\/td><td>Miner (BIP-300)<\/td><td>nein<\/td><td>eCash (geplant)<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Das Lightning Network: Zahlungskan\u00e4le als Blaupause<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Lightning ist der Ma\u00dfstab, an dem sich alle anderen messen lassen m\u00fcssen, weil es das einzige Vertrauensmodell ohne Kompromiss bietet. Zwei Parteien \u00f6ffnen einen Zahlungskanal, indem sie gemeinsam eine Bitcoin-Transaktion sperren. Danach k\u00f6nnen sie beliebig viele Zahlungen untereinander abwickeln, ohne dass eine davon auf der Kette landet. Erst beim Schlie\u00dfen des Kanals wird der Endstand auf Bitcoin verbucht. Abgesichert wird das Ganze durch Hash Time-Locked Contracts (HTLCs), die es jeder Seite erlauben, jederzeit einseitig auszusteigen und den ihr zustehenden Betrag zu reklamieren. Keine F\u00f6deration, kein Betreiber, kein dritter Schl\u00fcsselhalter.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zahlen zeigen ein reifes, aber sich verdichtendes Netz. Mitte 2026 umfasst die \u00f6ffentliche Kapazit\u00e4t rund 5.600 BTC, verteilt auf etwa 41.000 Kan\u00e4le und gut 17.400 Nodes; ihr Allzeithoch von 5.637 BTC erreichte die \u00f6ffentliche Kapazit\u00e4t im Dezember 2025, getrieben von Integrationen gro\u00dfer B\u00f6rsen (laut einer <a href='https:\/\/newhedge.io\/bitcoin\/lightning-network-capacity'>Newhedge<\/a>-Auswertung). Rechnet man die privaten, nicht angek\u00fcndigten Kan\u00e4le von Mobil-Wallets und Unternehmens-Nodes hinzu, d\u00fcrften \u00fcber 12.000 BTC im Netz stecken. Die Node-Zahl liegt dabei unter dem H\u00f6chststand von rund 20.700 aus dem Jahr 2022, ein Zeichen daf\u00fcr, dass sich Kapazit\u00e4t zunehmend bei professionellen Routing-Betreibern b\u00fcndelt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Lightnings St\u00e4rke ist zugleich seine Grenze. Das System ist f\u00fcr Zahlungen gebaut, nicht f\u00fcr Smart Contracts. Es kennt keine komplexe Vertragslogik, keine Kreditm\u00e4rkte, keine native Token-Emission, jedenfalls nicht ohne Erweiterungen wie Taproot Assets. Und es hat eigene Reibungspunkte: eingehende Liquidit\u00e4t muss beschafft werden, Routing \u00fcber viele Zwischenstationen kann scheitern, und wer sein Wallet nicht regelm\u00e4\u00dfig online h\u00e4lt, riskiert im Streitfall Nachteile. F\u00fcr den grenz\u00fcberschreitenden Zahlungsverkehr, etwa \u00dcberweisungen von Arbeitsmigranten, ist Lightning dennoch die mit Abstand ausgereifteste Bitcoin-Schicht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Sidechains: Liquid und die Macht der F\u00f6deration<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Lightning das vertrauensloseste Modell ist, steht die f\u00f6derierte Sidechain am anderen Ende der Skala. Das prominenteste Beispiel ist das 2018 von Blockstream gestartete Liquid Network. Wer BTC auf Liquid transferiert, sperrt sie in einer Multisig-Wallet der F\u00f6deration und erh\u00e4lt im Verh\u00e4ltnis 1:1 sogenanntes L-BTC auf der Sidechain. Dort best\u00e4tigen Bl\u00f6cke im Zwei-Minuten-Takt, deutlich schneller und vorhersehbarer als auf Bitcoin.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Preis daf\u00fcr ist Vertrauen. Laut dem Quartalsbericht der <a href='https:\/\/blog.liquid.net\/liquid-federation-quarterly-update-q1-2026\/'>Liquid-F\u00f6deration<\/a> z\u00e4hlte das Netz Anfang 2026 rund 87 Mitglieder, darunter B\u00f6rsen, Broker und Verwahrer. Eine Untergruppe von 15 sogenannten Funktion\u00e4ren betreibt die Server, die abwechselnd Bl\u00f6cke signieren und die verwahrten Bitcoin in einer Multisig mit einer Schwelle von 11-von-15 absichern. Ein einseitiger Exit ist nicht vorgesehen: Verweigert eine Mehrheit der Funktion\u00e4re den Peg-Out, kommt der Nutzer nicht ohne Weiteres an seine BTC. Das ist ein grundlegend anderes Sicherheitsversprechen als bei Bitcoin selbst.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Daf\u00fcr bietet Liquid Funktionen, die die Basiskette nicht hat. Confidential Transactions verbergen sowohl den Betrag als auch die Art des transferierten Assets vor allen Beobachtern, sogar vor den Funktion\u00e4ren selbst. Das Netz w\u00e4chst zudem sp\u00fcrbar: Im ersten Quartal 2026 wickelte Liquid nach eigenen Angaben 1.163.119 Transaktionen ab, fast das F\u00fcnffache des Vorjahresquartals. Und technisch wagt sich die F\u00f6deration weit vor. Anfang 2026 wurde Liquid nach eigener Darstellung die erste produktive Bitcoin-Sidechain, die post-quantensichere Signaturen verifiziert, umgesetzt als Smart Contract in der Sprache Simplicity.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Merge Mining: Rootstock und die geliehene Hashrate<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Rootstock (RSK) verfolgt einen dritten Weg. Die Sidechain ist EVM-kompatibel, f\u00fchrt also Smart Contracts im Ethereum-Stil aus, sichert sich aber \u00fcber Merge Mining ab. Bitcoin-Miner k\u00f6nnen mit derselben Rechenleistung, mit der sie Bitcoin-Bl\u00f6cke suchen, gleichzeitig Rootstock-Bl\u00f6cke finden, ohne zus\u00e4tzlichen Energieaufwand. Ein gro\u00dfer Teil der Bitcoin-Hashrate sichert so auch Rootstock und h\u00e4rtet das Netz gegen Reorganisationen. Wer verstehen will, warum Miner solche Zusatzeinnahmen gern mitnehmen, findet in unserer Analyse zum <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/hashprice-hebel-bitcoin-august-rally-2026\/'>Hashprice-Hebel<\/a> den \u00f6konomischen Hintergrund.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Bitcoin-Peg l\u00e4uft bei Rootstock \u00fcber die sogenannte PowPeg, eine F\u00f6deration, deren Schl\u00fcssel in manipulationssicherer Hardware liegen. Das hinterlegte BTC-Pendant hei\u00dft RBTC und wird im Verh\u00e4ltnis 1:1 gehalten; Bl\u00f6cke entstehen etwa alle 30 Sekunden. Wie bei jeder Sidechain gilt: Die Sicherheit des Pegs h\u00e4ngt an der F\u00f6deration, nicht am Bitcoin-Konsens. Beim gebundenen Kapital liefern sich Rootstock und Stacks 2026 ein enges Rennen. Je nach Messzeitpunkt lag der DeFi-TVL beider Netze im Bereich von grob 90 bis 120 Millionen US-Dollar (laut <a href='https:\/\/defillama.com\/chain\/Rootstock'>DefiLlama<\/a>), wobei die F\u00fchrung mehrfach wechselte.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Stacks: Bitcoin wird programmierbar<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Kein Projekt verk\u00f6rpert den Traum vom programmierbaren Bitcoin so sehr wie Stacks. &bdquo;Wir m\u00fcssen Bitcoin in Layer 2s programmierbar machen, dieses BTC in Smart Contracts stecken, es Entwicklern in die Hand geben und sie dann machen lassen&ldquo;, brachte Mitgr\u00fcnder Muneeb Ali die Idee schon auf der Consensus 2023 auf den Punkt (Zitat via <a href='https:\/\/bitcoinworld.co.in\/one-small-change-bitcoin-needs-to-unlock-its-programming-potential-stacks-ceo-consensus-2023-live\/'>BitcoinWorld<\/a>). Stacks ist keine klassische Sidechain und kein Rollup, sondern eine eigenst\u00e4ndige Kette mit eigener Smart-Contract-Sprache (Clarity), die ihre Bl\u00f6cke aber an Bitcoin verankert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Nakamoto-Upgrade vom Oktober 2024 war daf\u00fcr der Wendepunkt. Es verk\u00fcrzte die Stacks-Blockzeiten auf wenige Sekunden und kn\u00fcpfte die Endg\u00fcltigkeit der Transaktionen an Bitcoin: Um eine best\u00e4tigte Stacks-Historie zu revidieren, m\u00fcsste ein Angreifer faktisch Bitcoin selbst reorganisieren. Das eigentliche Scharnier zwischen beiden Welten ist aber sBTC, ein 1:1 durch BTC gedecktes, programmierbares Token. Anders als bei einem zentralen Verwahrer verwaltet ein dezentrales Signer-Set den Peg; Ein- und Auszahlungen brauchen laut Projektangaben eine Schwellenzustimmung von 70 Prozent der Signer. Die anf\u00e4ngliche Einzahlungsobergrenze wurde inzwischen aufgehoben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Nachfrage war beachtlich: Der in sBTC gebundene Wert erreichte im ersten Quartal 2026 nach <a href='https:\/\/www.stacks.co\/blog\/best-bitcoin-layer-2-projects'>Projekt- und DefiLlama-Daten<\/a> einen H\u00f6chststand von \u00fcber 545 Millionen US-Dollar und pendelte sich zum Quartalsende bei rund 437 Millionen ein. Circles Dollar-Stablecoin USDC l\u00e4uft als USDCx auf Stacks, im Juni 2026 kam eine Anbindung an den Verwahr-Riesen Fireblocks hinzu, und mit dem PoX-5-Hardfork kommt Bitcoin-Staking: BTC-Halter k\u00f6nnen Rendite verdienen, indem sie ihre Coins mit STX koppeln. Die Kehrseite bleibt: Stacks bringt eigene Risiken mit, die Bitcoin nicht hat, von der Sicherheit des Signer-Sets \u00fcber die Liquidit\u00e4t bis zum eigenen Token STX.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Rollup-Welle: Citrea, BitVM und die vertrauensarme Br\u00fccke<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der spannendste technische Fortschritt der vergangenen zwei Jahre tr\u00e4gt einen sperrigen Namen: BitVM. Das 2023 von Robin Linus vorgestellte Konzept erlaubt es, komplexe Berechnungen \u00fcber optimistische Betrugsbeweise auf Bitcoin \u00fcberpr\u00fcfbar zu machen, und zwar ohne Soft Fork, also ohne \u00c4nderung der Konsensregeln. Die Logik \u00e4hnelt der von optimistischen Rollups oder von verifizierbarer KI-Berechnung, wie wir sie etwa bei <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/opml-2026-verifizierbare-ki-betrugsbeweise\/'>opML<\/a> beschrieben haben: Man geht zun\u00e4chst von Ehrlichkeit aus, und wer betr\u00fcgt, kann von einem einzigen ehrlichen Beobachter mit einem Beweis \u00fcberf\u00fchrt werden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau darauf baut Citrea, seit dem 27. Januar 2026 der erste produktive ZK-Rollup direkt auf Bitcoin (wie <a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/387140\/zk-powered-bitcoin-layer-2-citrea-launches-mainnet'>The Block<\/a> berichtete). Citrea b\u00fcndelt Tausende Transaktionen, erzeugt mit Zero-Knowledge-Technik einen STARK-Beweis \u00fcber deren G\u00fcltigkeit und schreibt diesen komprimierten Beweis auf die Bitcoin-Kette. Die zugeh\u00f6rige Br\u00fccke Clementine nutzt BitVM2 und kommt mit einer 1-von-N-Annahme aus: Ein einziger ehrlicher Teilnehmer gen\u00fcgt, um betr\u00fcgerische Abhebungen anzufechten. Das ist ein deutlich schw\u00e4cheres Vertrauensmodell als eine klassische F\u00f6deration, in der man auf eine Mehrheit vertrauen muss.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Start fiel klein aus, mit rund 30 Anwendungen und einem noch niedrigen einstelligen Millionenbetrag an gebundenem Kapital, doch die Architektur weist den Weg. Wer tiefer in die Mechanik von Schnorr-Signaturen, BitVM und dem Citrea-Rollup einsteigen will, findet die Details in unserer Einordnung von <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/taproot-bitvm-citrea-bitcoin-layer2-2026\/'>Taproot, BitVM und Citrea<\/a>. F\u00fcr dieses Panorama gen\u00fcgt der Kernpunkt: Rollups sind der ambitionierteste Versuch, Bitcoin echte Programmierbarkeit zu geben, ohne das Protokoll anzufassen und ohne einer F\u00f6deration zu vertrauen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>EVM auf Bitcoin: Botanix, BOB und Bitlayer<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Eine ganze Kohorte von Projekten verfolgt ein pragmatischeres Ziel: den kompletten Werkzeugkasten von Ethereum auf Bitcoin zu bringen, damit Entwickler ihre vertrauten Solidity-Vertr\u00e4ge und Wallets weiternutzen k\u00f6nnen. Botanix ging am 1. Juli 2025 mit seinem Mainnet an den Start (laut <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/tech\/2025\/07\/01\/bitcoin-layer-2-botanix-mainnet-debuts-cuts-block-times-to-5-seconds'>CoinDesk<\/a>) und ist als EVM-\u00e4quivalente Kette gebaut. Die Absicherung \u00fcbernimmt die sogenannte Spiderchain, eine dezentrale F\u00f6deration von Node-Betreibern, zu denen Infrastruktur-Namen wie Alchemy, AntPool und Galaxy z\u00e4hlen; die Blockzeit liegt bei rund f\u00fcnf Sekunden, und die Betreibergruppe soll 2026 auf \u00fcber 100 wachsen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">BOB (&bdquo;Build on Bitcoin&ldquo;) und Bitlayer verfolgen \u00e4hnliche Ziele mit unterschiedlichen Br\u00fccken-Designs, wobei beide zunehmend auf das BitVM-Paradigma setzen, um ihre BTC-Br\u00fccken vertrauens\u00e4rmer zu machen. Der gemeinsame Nenner all dieser Ketten: Sie liefern sofort ein reifes \u00d6kosystem aus DeFi-Bausteinen, weil sie den Ethereum-Standard kopieren. Der Haken ist ebenso gemeinsam: Die eigentliche Sicherheit der hinterlegten BTC h\u00e4ngt an der jeweiligen Br\u00fccke und ihrer F\u00f6deration, nicht am Bitcoin-Konsens. Wer hier Kapital parkt, sollte genau wissen, wem er die Schl\u00fcssel anvertraut.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die neue Generation: Ark, Spark und virtuelle UTXOs<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die j\u00fcngste Welle versucht, den Zielkonflikt zwischen Selbstverwahrung und Bequemlichkeit neu aufzul\u00f6sen. Ark f\u00fchrt daf\u00fcr virtuelle UTXOs (VTXOs) ein: Nutzer halten Guthaben au\u00dferhalb der Kette, das von einem Ark Service Provider (ASP) koordiniert wird. Man muss dem ASP f\u00fcr die Verf\u00fcgbarkeit vertrauen, nicht aber f\u00fcr die Sicherheit; verschwindet er, k\u00f6nnen Nutzer ihre Mittel on-chain abziehen, m\u00fcssen das aber tun, bevor ihre VTXOs ablaufen. Ark Labs brachte mit Arkade im Oktober 2025 eine erste Umsetzung auf Bitcoin.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Spark, entwickelt von Lightspark, setzt auf eine verwandte Statechain-Technik mit einem 1-von-n-Vertrauensmodell. Der Clou: Nutzer erhalten vorsignierte Exit-Transaktionen, mit denen sie jederzeit einseitig auf Bitcoin L1 abheben k\u00f6nnen, selbst wenn die Betreiber ausfallen. Transfers sind praktisch sofortig, das System ist Lightning-kompatibel und ausdr\u00fccklich f\u00fcr Stablecoins und Token gebaut; f\u00fcr 2026 hat Lightspark eine Roadmap mit weiteren Ausbaustufen vorgelegt. Ark und Spark stehen exemplarisch f\u00fcr eine Erkenntnis: Skalierung braucht nicht zwingend eine eigene Kette. Manchmal gen\u00fcgt eine clevere Anordnung von Bitcoin-Transaktionen, die nur im Ernstfall on-chain gehen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>BTCFi: Wenn Bitcoin pl\u00f6tzlich Rendite abwirft<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Parallel zur Skalierungsdebatte ist ein zweiter Trend gewachsen, der oft im selben Atemzug genannt wird, technisch aber etwas anderes ist: BTCFi, also Rendite auf Bitcoin. Vorreiter ist Babylon. Das Protokoll erlaubt es, native BTC selbstverwahrend zu staken, um damit andere Proof-of-Stake-Netze abzusichern und daf\u00fcr Belohnungen zu kassieren, ganz ohne die Coins zu verpacken oder \u00fcber eine Br\u00fccke zu schicken. Der in Babylon gebundene Wert bewegte sich 2026 im Bereich von rund vier Milliarden US-Dollar (laut <a href='https:\/\/messari.io\/report\/babylon-bitcoin-shared-security-and-staking'>Messari<\/a> und Projektangaben).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Darauf setzen wiederum Liquid-Staking-Anbieter auf. Lombard etwa gibt gegen hinterlegtes, \u00fcber Babylon gestaktes BTC ein handelbares Token namens LBTC aus, das dann quer durch die DeFi weiterverwendet werden kann; Lombard kam damit auf rund 1,5 Milliarden US-Dollar und einen Marktanteil von grob 57 Prozent unter den Bitcoin-Liquid-Staking-Token. Das Muster kennt man aus dem Ethereum-Lager, wo Anbieter wie Lido, Rocket Pool und Frax den Markt pr\u00e4gen (unser <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/lido-vs-rocket-pool-vs-frax-liquid-staking-2026-check\/'>Liquid-Staking-Vergleich<\/a> ordnet dieses Feld ein). Ob man Staking-Protokolle \u00fcberhaupt als Layer 2 bezeichnen sollte, ist umstritten: Sie skalieren keine Zahlungen, sondern schaffen Rendite, und sie bringen eigene, teils erhebliche Risiken mit. Aber sie geh\u00f6ren zur selben Bewegung, Bitcoin vom reinen Wertspeicher zu produktivem Kapital zu machen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Drivechains und der eCash-Fork vom August 2026<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Kein Skalierungsansatz ist so alt und so umstritten wie die Drivechain. Bereits 2017 bis 2019 schlug Paul Sztorc mit den Vorschl\u00e4gen BIP-300 und BIP-301 vor, Sidechains direkt in Bitcoin zu verankern, wobei die Miner den Peg verwalten. Die Bitcoin-Entwickler lehnten das \u00fcber Jahre ab: zu viel Macht f\u00fcr die Miner, zu viel Komplexit\u00e4t, und mit Lightning gebe es bereits eine Skalierungsl\u00f6sung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Statt weiter auf einen Soft Fork zu warten, w\u00e4hlte Sztorc 2026 den radikalen Weg. Am 21. August ging bei Block 964.000 sein Hard Fork eCash an den Start, eine nahezu identische Kopie von Bitcoin Core mit demselben SHA-256-Mining, einem einmaligen Zur\u00fccksetzen der Schwierigkeit auf das Minimum und einer 1:1-Gutschrift f\u00fcr alle BTC-Halter zum Zeitpunkt der Abspaltung. Obendrauf schaltet eCash die Drivechain-Funktionalit\u00e4t ein, um Sidechains f\u00fcr dezentrale B\u00f6rsen, Prognosem\u00e4rkte, Privatsph\u00e4re und quantensichere Werkzeuge zu erm\u00f6glichen. Ein Zur\u00fccksetzen der Schwierigkeit ist bei jeder Minderheits-Abspaltung n\u00f6tig, weil sonst kaum genug Hashrate die Bl\u00f6cke findet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Papier klingt das nach mehr Programmierbarkeit f\u00fcr Bitcoin. In der Praxis fehlte dem Fork die Unterst\u00fctzung. Die Miner-Signalisierung lag bis Ende Juli bei rund zwei Prozent; kein gro\u00dfer Pool hatte sich verbindlich angeschlossen (F2Pool lehnte ab, AntPool schwieg). Beobachter erwarteten daher, wie schon beim gescheiterten BIP-110 Anfang August, eher eine kleine Abspaltung als eine netzweite \u00c4nderung (so etwa die Analyse der <a href='https:\/\/aminagroup.com\/research\/bitcoin-fork-august-2026-bip-110-ecash-covenants-and-the-quantum-clock\/'>AMINA Bank<\/a>). Besonders heikel: eCash weist rund 500.000 bis 600.000 ruhende, mit Satoshi Nakamoto verkn\u00fcpfte Coins auf der neuen Kette neu zu. Fidelity Digital Assets kritisierte, dies schaffe einen schlechten Pr\u00e4zedenzfall. Sztorc selbst wehrte sich gegen den Vorwurf des Diebstahls: &bdquo;Wir nehmen keinen von Satoshis BTC. Wir schenken Satoshi 600.000 eCash, statt 1,1 Millionen zu schenken&ldquo; (via <a href='https:\/\/ambcrypto.com\/we-wont-take-satoshis-btc-ecash-founder-defends-bitcoin-hard-fork-plans\/'>AMBCrypto<\/a>). Wie auch immer man dazu steht: eCash erinnert daran, dass &bdquo;Layer 2&ldquo; und &bdquo;Fork&ldquo; nicht dasselbe sind und dass die Community \u00fcber den richtigen Skalierungsweg alles andere als einig ist.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der gro\u00dfe Vergleich: Vertrauen, Exit und Reife<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die folgende \u00dcbersicht fasst zusammen, wie sich die wichtigsten Ans\u00e4tze in Architektur, Peg-Mechanik, Geschwindigkeit und Reifegrad unterscheiden. Sie ist bewusst als Momentaufnahme vom August 2026 zu lesen, denn kaum ein Feld bewegt sich derzeit so schnell.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Projekt<\/th><th>Typ<\/th><th>Peg \/ Absicherung<\/th><th>Geschwindigkeit<\/th><th>Reife (Aug 2026)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Lightning<\/td><td>State Channels<\/td><td>vertrauenslos (HTLC)<\/td><td>sofort<\/td><td>produktiv, ~5.600 BTC Kapazit\u00e4t<\/td><\/tr><tr><td>Liquid<\/td><td>f\u00f6derierte Sidechain<\/td><td>11-von-15 Funktion\u00e4re<\/td><td>~2 Minuten<\/td><td>produktiv seit 2018<\/td><\/tr><tr><td>Rootstock<\/td><td>Merge-Mining-Sidechain<\/td><td>PowPeg-F\u00f6deration<\/td><td>~30 Sekunden<\/td><td>produktiv, ~90 bis 120 Mio USD TVL<\/td><\/tr><tr><td>Stacks<\/td><td>eigene Kette plus sBTC<\/td><td>Signer-Set (70 %)<\/td><td>Bitcoin-Finalit\u00e4t<\/td><td>produktiv, sBTC ~437 Mio USD<\/td><\/tr><tr><td>Citrea<\/td><td>ZK-Rollup<\/td><td>BitVM2 Clementine (1-von-N)<\/td><td>Bitcoin-verankert<\/td><td>Mainnet seit Jan 2026, jung<\/td><\/tr><tr><td>Botanix<\/td><td>EVM-Sidechain<\/td><td>Spiderchain-F\u00f6deration<\/td><td>~5 Sekunden<\/td><td>Mainnet seit Jul 2025<\/td><\/tr><tr><td>Spark \/ Ark<\/td><td>Statechain \/ VTXO<\/td><td>1-von-n Betreiber<\/td><td>sofort<\/td><td>2025 \/ 2026 gestartet<\/td><\/tr><tr><td>eCash<\/td><td>Drivechain via Fork<\/td><td>Miner (BIP-300)<\/td><td>~10 Minuten<\/td><td>Minderheits-Fork Aug 2026<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Muster stechen heraus. Erstens: Je st\u00e4rker ein System die Sicherheit von Bitcoin erbt, desto weniger flexibel ist es meist (Lightning kann fast nichts au\u00dfer Zahlungen, daf\u00fcr vertrauenslos). Zweitens: Je mehr Funktionen ein System bietet, desto mehr Vertrauen verlangt es in der Regel (die EVM-Sidechains k\u00f6nnen alles, was Ethereum kann, h\u00e4ngen aber an einer F\u00f6deration). BitVM-Rollups wie Citrea sind der Versuch, diesen scheinbar unaufl\u00f6sbaren Kompromiss zu durchbrechen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Regulierung: Was BaFin und MiCA mit Layer 2 zu tun haben<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr deutsche Anleger stellt sich die Frage, wie all das aufsichtsrechtlich einzuordnen ist. Die beruhigende Nachricht zuerst: Weder die BaFin noch die EU-Verordnung MiCA regulieren das Bitcoin-Protokoll oder eine seiner Schichten als solche. Ein Soft Fork, eine Sidechain oder ein Rollup ist kein Finanzprodukt, das eine Beh\u00f6rde genehmigt oder verbietet. Reguliert werden die Dienstleister und Emittenten drumherum. Nach dem <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>Merkblatt der BaFin<\/a> zu Kryptowerte-Dienstleistungen fallen Verwahrung, Tausch und Vermittlung von Kryptowerten unter die MiCA-Erlaubnispflicht; die BaFin ist die zust\u00e4ndige nationale Beh\u00f6rde und vergibt die CASP-Lizenzen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Konkret hei\u00dft das: Wer als B\u00f6rse oder Verwahrer L-BTC, RBTC, sBTC oder einen anderen gepeggten Verm\u00f6genswert f\u00fcr Kunden h\u00e4lt oder tauscht, braucht daf\u00fcr in der Regel eine Erlaubnis. Und die dabei ausgegebenen Stablecoins (etwa ctUSD auf Citrea oder USDCx auf Stacks) k\u00f6nnen als E-Geld-Token unter MiCA fallen, mit eigenen Reserve- und Emittentenpflichten. Wer seine Coins dagegen selbst verwahrt und einen Kanal oder eine Sidechain eigenst\u00e4ndig nutzt, bewegt sich au\u00dferhalb dieses Dienstleister-Regimes. Bei einem Fork wie eCash gilt dieselbe Logik wie bei fr\u00fcheren Abspaltungen: Ob und wann eine B\u00f6rse die neue Kette gutschreibt, entscheidet jeder Anbieter selbst, und steuerlich behandelt das deutsche Recht zugeteilte Fork-Coins gesondert.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Ausblick: Fragmentiert, schnell, noch ungetestet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der ehrlichste Satz \u00fcber Bitcoins zweite Schicht im Jahr 2026 lautet vermutlich: Sie steht ungef\u00e4hr dort, wo Ethereums Layer-2-Landschaft 2021 stand. Fragmentiert, in rascher Bewegung und mit vielen konkurrierenden Ans\u00e4tzen, von denen keiner im gro\u00dfen Ma\u00dfstab erprobt ist. Das ist keine Schw\u00e4che, sondern eine Phase. Ethereum hat aus einem \u00e4hnlichen Wildwuchs am Ende eine funktionierende Rollup-Landschaft geformt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Drei Entwicklungen d\u00fcrften das Feld ordnen. Erstens die Br\u00fcckenfrage: BitVM verspricht, den gr\u00f6\u00dften Schwachpunkt der meisten L2s zu entsch\u00e4rfen, die vertrauensvolle F\u00f6deration; je mehr Projekte auf 1-von-N-Br\u00fccken umstellen, desto n\u00e4her r\u00fccken sie an das Sicherheitsversprechen von Bitcoin heran. Zweitens die Konsolidierung: Kapital und Nutzer werden sich auf wenige Ketten mit echter Liquidit\u00e4t und echtem Exit-Recht b\u00fcndeln, der Rest verschwindet. Drittens die Regulierung: Sobald gepeggte Token und Bitcoin-native Stablecoins in gro\u00dfem Stil zirkulieren, r\u00fcckt der Peg-Betreiber ins Blickfeld der Aufsicht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Anleger bleibt die wichtigste Frage dieselbe, mit der dieser Text begonnen hat. Nicht &bdquo;wie schnell&ldquo; oder &bdquo;wie billig&ldquo;, sondern: Wie komme ich im Ernstfall wieder an meine Bitcoin, und wem muss ich daf\u00fcr vertrauen? Wer diese Frage bei jedem Layer 2 zuerst stellt, hat die Marketing-Sprache bereits durchschaut.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Was ist ein Bitcoin Layer 2?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Bitcoin Layer 2 ist ein System, das Transaktionen au\u00dferhalb der Bitcoin-Basiskette abwickelt, seine Sicherheit aber aus Bitcoin ableitet und den Nutzern einen Weg zur\u00fcck auf die Basisschicht l\u00e4sst. Ziel sind mehr Geschwindigkeit und mehr Funktionen (etwa Smart Contracts) bei niedrigeren Geb\u00fchren, ohne das Bitcoin-Protokoll selbst zu ver\u00e4ndern. Die Beispiele reichen von Zahlungskan\u00e4len wie Lightning \u00fcber Sidechains wie Liquid bis zu Rollups wie Citrea.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Ist das Lightning Network der beste Bitcoin Layer 2?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Zahlungen ist Lightning der ausgereifteste und vertrauensloseste Layer 2, weil Nutzer jederzeit einseitig auf Bitcoin aussteigen k\u00f6nnen und keiner F\u00f6deration vertrauen m\u00fcssen. F\u00fcr Smart Contracts, Kreditm\u00e4rkte oder Token-Emission ist es aber ungeeignet; daf\u00fcr sind Ketten wie Stacks, Rootstock oder Citrea gedacht. Welcher Layer 2 der beste ist, h\u00e4ngt also vom Anwendungsfall ab.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Sind Bitcoin-Sidechains sicher?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Sidechains wie Liquid oder Rootstock sind nur so sicher wie ihre F\u00f6deration. Wer BTC dort hinterlegt, vertraut darauf, dass eine Mehrheit der Betreiber den 1:1-Peg ehrlich verwaltet, und kann seine Coins in der Regel nicht einseitig erzwingen. Das ist ein schw\u00e4cheres Sicherheitsmodell als die Bitcoin-Basiskette selbst. Neuere Br\u00fccken auf BitVM-Basis wollen dieses Risiko auf eine 1-von-N-Annahme senken.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was war der eCash-Fork im August 2026?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">eCash ist ein von Paul Sztorc initiierter Hard Fork von Bitcoin, der am 21. August 2026 bei Block 964.000 startete und BTC-Haltern 1:1 ein neues Guthaben gutschrieb. Er aktiviert Drivechain-Sidechains nach BIP-300 und BIP-301. Mangels Miner-Unterst\u00fctzung (rund zwei Prozent Signalisierung) gilt er als kleine Abspaltung, nicht als netzweite \u00c4nderung; die Neuzuweisung ruhender Satoshi-Coins l\u00f6ste zus\u00e4tzlich Kritik aus.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>F\u00e4llt Bitcoin Layer 2 unter die Regulierung von BaFin und MiCA?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Protokoll und seine Schichten selbst werden nicht reguliert; ein Fork oder Rollup wird von keiner Beh\u00f6rde genehmigt. Reguliert werden Dienstleister: Wer gepeggte Token wie L-BTC oder sBTC gewerblich verwahrt oder tauscht, braucht nach MiCA eine CASP-Erlaubnis der BaFin, und Bitcoin-native Stablecoins k\u00f6nnen als E-Geld-Token unter MiCA fallen. Selbstverwahrung bleibt au\u00dferhalb dieses Regimes.<\/p><script type='application\/ld+json'>{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was ist ein Bitcoin Layer 2?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Ein Bitcoin Layer 2 ist ein System, das Transaktionen au\u00dferhalb der Bitcoin-Basiskette abwickelt, seine Sicherheit aber aus Bitcoin ableitet und den Nutzern einen Weg zur\u00fcck auf die Basisschicht l\u00e4sst. Ziel sind mehr Geschwindigkeit und mehr Funktionen bei niedrigeren Geb\u00fchren, ohne das Bitcoin-Protokoll selbst zu ver\u00e4ndern. 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