{"id":370,"date":"2026-08-27T04:27:09","date_gmt":"2026-08-27T04:27:09","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/deepfakes-kyc-krypto-2026-identitaets-wettlauf\/"},"modified":"2026-08-27T04:27:09","modified_gmt":"2026-08-27T04:27:09","slug":"deepfakes-kyc-krypto-2026-identitaets-wettlauf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/deepfakes-kyc-krypto-2026-identitaets-wettlauf\/","title":{"rendered":"Deepfakes gegen KYC 2026: der Identit\u00e4ts-Wettlauf bei Krypto"},"content":{"rendered":"<h2 class='wp-block-heading'>Der Angriff mit Aquarellfarbe<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Im August 2022 brauchte ein Sicherheitsforscher des Chaos Computer Club keine k\u00fcnstliche Intelligenz, um das damals beliebteste deutsche Verfahren zur Online-Identifizierung auszuhebeln. Er brauchte einen Fernseher, die quelloffene Bildbibliothek OpenCV und, f\u00fcr den Pr\u00e4gestempel auf dem gef\u00e4lschten Dokument, etwas rote Aquarellfarbe. Martin Tschirsich fotografierte einen echten Ausweis aus mehreren Winkeln, baute daraus eine digitale Kopie mit ausgetauschtem Namen, Foto und Adresse und hielt w\u00e4hrend des Video-Anrufs einfach die Smartphone-Kamera auf einen Bildschirm, der das manipulierte Video abspielte. Die Pr\u00fcfer am anderen Ende bemerkten nichts. Sechs verschiedene Video-Ident-Verfahren fielen auf diese Weise, wie der Club damals <a href='https:\/\/www.ccc.de\/de\/updates\/2022\/chaos-computer-club-hackt-video-ident'>\u00f6ffentlich vorf\u00fchrte<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Chaos Computer Club, dessen Forscher den Angriff durchf\u00fchrte, bilanzierte trocken: &bdquo;W\u00e4hrend sich alle Welt vor ausgefeilten Deep Fakes f\u00fcrchtet, gelang hier der Angriff mit Uralt-Technik und einfachen Mitteln.&ldquo; Genau dieser Satz beschreibt das Problem, das die Kryptobranche 2026 einholt, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Vier Jahre sp\u00e4ter ist die Aquarellfarbe \u00fcberfl\u00fcssig. Was 2022 noch Bastelei war, liefert heute ein KI-Generator f\u00fcr rund 13 Euro, in Sekunden, ohne Fernseher und ohne handwerkliches Geschick.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Damit verl\u00e4uft die eigentliche Front der Geldw\u00e4scheaufsicht nicht mehr im Regelbuch, das so dick ist wie nie, sondern an einer viel banaleren Stelle: an der Frage, ob die Person am anderen Ende einer Anmeldung wirklich die ist, die sie vorgibt zu sein. Dieser Text handelt von diesem Wettlauf. Von den Werkzeugen, die ihn befeuern, von der deutschen und europ\u00e4ischen Regulierung, die hinterherl\u00e4uft, und von den zwei Reparaturans\u00e4tzen, die gerade in Frankfurt, Berlin und Br\u00fcssel entstehen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Das Paradox: mehr Regeln, schw\u00e4chere Pr\u00fcfung<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">KYC und AML werden oft in einem Atemzug genannt, meinen aber Verschiedenes. AML, die Geldw\u00e4schebek\u00e4mpfung, ist der Oberbegriff f\u00fcr das gesamte Regime aus Gesetzen, Meldepflichten und Kontrollen. KYC (Know Your Customer) ist der Identit\u00e4tsbaustein darin: die Pflicht, den Vertragspartner zu identifizieren und zu \u00fcberpr\u00fcfen, bevor eine Gesch\u00e4ftsbeziehung beginnt. In Deutschland steht das im Geldw\u00e4schegesetz (GwG). Die BaFin tr\u00e4gt dabei zwei H\u00fcte, sie lizenziert Kryptodienstleister und beaufsichtigt zugleich deren Geldw\u00e4schepr\u00e4vention.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein verbreiteter Irrtum lohnt die Klarstellung: MiCA regelt Geldw\u00e4sche nicht. Die europ\u00e4ische Kryptoverordnung deckt Zulassung, Wohlverhalten und Anlegerschutz ab, die AML-Aufsicht sitzt getrennt davon in der Geldw\u00e4scheverordnung (AMLR), der Geldtransferverordnung (TFR) und bei der neuen EU-Beh\u00f6rde AMLA in Frankfurt. Wer die Mechanik dieser Regeln im Detail nachlesen will, findet sie im <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/kyc-aml-krypto-2026-bafin-amla-regeln\/'>Begleitst\u00fcck zu BaFin, AMLA und den Sorgfaltspflichten<\/a>; hier geht es um die Stelle, an der diese Regeln auf eine kaputte Pr\u00fcfung treffen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Denn das ist das Paradox von 2026. Das Regelwerk war nie umfangreicher, die Bu\u00dfgelder nie h\u00f6her, die Meldepflichten nie enger. Und doch wird der Baustein, auf dem alles ruht, die Pr\u00fcfung, ob ein Ausweis echt und der Mensch davor real ist, zeitgleich mit Werkzeugen ausgehebelt, die jeder im Netz kaufen kann. Man kann das Dach beliebig verst\u00e4rken; wenn das Fundament br\u00f6ckelt, hilft es wenig. Dieselbe Aufsicht, die den <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/marktmissbrauch-mica-2026-bafin-insiderhandel-mev\/'>Marktmissbrauch unter MiCA<\/a> verfolgt, muss sich darauf verlassen k\u00f6nnen, dass die Namen in den Kundendatenbanken echt sind.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was eine KYC-Pr\u00fcfung 2026 wirklich leistet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn ein Kunde sich bei einer Kryptob\u00f6rse oder einer Bank anmeldet, l\u00e4uft im Hintergrund eine Kette von Pr\u00fcfungen ab, die meist ein spezialisierter Dienstleister \u00fcbernimmt. In Deutschland sind das etwa der M\u00fcnchner Anbieter IDnow oder die Berliner WebID Solutions, international Sumsub, Jumio oder Onfido. Der Ablauf zerf\u00e4llt in f\u00fcnf Schritte, und jeder einzelne hat inzwischen seine eigene Angriffsfl\u00e4che. Was fr\u00fcher ein Blick des geschulten Auges war, ist heute ein Stapel aus Bilderkennung, Biometrie und Listenabgleich, und jede dieser Ebenen l\u00e4sst sich mit KI gezielt attackieren.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Schritt<\/th><th>Was gepr\u00fcft wird<\/th><th>Angriff durch KI<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Dokumentenpr\u00fcfung<\/td><td>Echtheit von Ausweis und Pass (Hologramme, Schriftbild, maschinenlesbare Zone)<\/td><td>KI-generierte Vorlagen, digitale Bildmanipulation<\/td><\/tr><tr><td>Lebenderkennung (Liveness)<\/td><td>Ob ein echter Mensch live vor der Kamera ist<\/td><td>Deepfake-Videos, Injection-Angriffe<\/td><\/tr><tr><td>Biometrischer Abgleich<\/td><td>Gesicht auf dem Selfie stimmt mit dem Ausweisfoto \u00fcberein<\/td><td>Face-Swap, synthetische Gesichter<\/td><\/tr><tr><td>Sanktions- und PEP-Screening<\/td><td>Abgleich mit Sanktions- und PEP-Listen<\/td><td>Namensvarianten, synthetische Identit\u00e4ten<\/td><\/tr><tr><td>Laufende \u00dcberwachung<\/td><td>Auff\u00e4llige Transaktionsmuster nach Kontoer\u00f6ffnung<\/td><td>Money-Mule-Netze, gest\u00fcckelte Betr\u00e4ge<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem GwG staffelt sich die Intensit\u00e4t dieser Pr\u00fcfung nach Risiko. F\u00fcr den Normalfall gelten die allgemeinen Sorgfaltspflichten (Paragraf 10 GwG), bei geringem Risiko d\u00fcrfen sie vereinfacht werden (Paragraf 14), bei erh\u00f6htem Risiko, etwa bei politisch exponierten Personen oder undurchsichtigen Firmenkonstruktionen, greifen die verst\u00e4rkten Sorgfaltspflichten (Paragraf 15) mit zus\u00e4tzlichen Nachweisen und einer Pr\u00fcfung der Mittelherkunft. Genau an dieser Risikostaffel setzt der Betrug an: Wer die billige, automatisierte Standardpr\u00fcfung \u00fcberlistet, kommt gar nicht erst in die teure, verst\u00e4rkte Kontrolle. Der Angreifer sucht die Naht, nicht die Wand.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Gute Anbieter kontern das mit gestaffelten, sich erg\u00e4nzenden Signalen: Sie pr\u00fcfen nicht nur das Dokument, sondern auch die Metadaten des Uploads, das Verhalten des Ger\u00e4ts, die IP-Adresse und ob dieselbe Selfie-Vorlage schon einmal aufgetaucht ist. F\u00e4llt eines dieser Signale auf, wird die Anmeldung zur Step-up-Verifizierung eskaliert, etwa zu einem zus\u00e4tzlichen eID-Nachweis. Doch jede zus\u00e4tzliche H\u00fcrde kostet Konversion: Ehrliche Kunden brechen ab, wenn die Anmeldung zu lang wird. Zwischen Sicherheit und Nutzerfreundlichkeit liegt ein st\u00e4ndiger Zielkonflikt, und der Betr\u00fcger profitiert genau von der Bequemlichkeit, die sich eine Plattform im Wettbewerb leisten muss.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Das 13-Euro-Problem<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Name, der die Debatte 2024 ausl\u00f6ste, war OnlyFake. Die Untergrund-Seite verkaufte KI-generierte Ausweise und F\u00fchrerscheine aus 26 L\u00e4ndern, bezahlbar in Kryptow\u00e4hrungen, ab 15 US-Dollar, umgerechnet keine 13 Euro. Reporter des Magazins <a href='https:\/\/www.404media.co\/inside-the-underground-site-where-ai-neural-networks-churns-out-fake-ids-onlyfake\/'>404 Media<\/a> erzeugten damit einen t\u00e4uschend echten kalifornischen F\u00fchrerschein mit frei w\u00e4hlbarem Namen und Foto und kamen damit durch die Verifizierung der B\u00f6rse OKX. In einem begleitenden Telegram-Kanal meldeten Nutzer erfolgreiche Anmeldungen bei weiteren Handelspl\u00e4tzen. Der pseudonyme Betreiber, der sich John Wick nannte, warb offen damit, dass seine Dokumente die KYC-Pr\u00fcfungen gro\u00dfer B\u00f6rsen best\u00fcnden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kern des Problems ist nicht ein einzelner Anbieter, der abgeschaltet wird und unter neuem Namen wieder auftaucht. Der Kern ist, dass die Grenzkosten einer \u00fcberzeugenden F\u00e4lschung gegen null gehen. Ein physischer Ausweis kostete Zeit, Material und handwerkliches K\u00f6nnen; eine digitale, generierte Vorlage kostet einen Klick. Und da die meisten Pr\u00fcfungen l\u00e4ngst nicht mehr am Schalter, sondern per Kamera und Datei-Upload stattfinden, ist die digitale F\u00e4lschung genau das Format, das ankommt. Die \u00d6konomie hat sich umgedreht: Der Verteidiger muss jede einzelne F\u00e4lschung erkennen, der Angreifer nur eine von tausend durchbekommen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Deepfakes gegen die Lebenderkennung<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Verteidigungslinie nach dem Dokument ist die Lebenderkennung: der Nachweis, dass da ein echter, lebendiger Mensch vor der Kamera sitzt und nicht ein Foto oder ein Video. Angreifer haben daf\u00fcr zwei Wege. Beim Pr\u00e4sentationsangriff h\u00e4lt jemand ein Bild oder eine Maske vor die Linse, so wie der CCC 2022 einen Bildschirm abfilmte. Beim viel gef\u00e4hrlicheren Injection-Angriff wird die Kamera komplett umgangen und ein manipulierter Videostrom direkt in die App oder den Browser eingespeist, ein Deepfake, der auf Zuruf blinzelt, nickt und den Kopf dreht. F\u00fcr die Pr\u00fcfsoftware sieht das aus wie eine echte Kamera.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau diese Injection-Angriffe explodieren. Der Biometrie-Spezialist iProov meldet in seinem <a href='https:\/\/www.iproov.com\/press\/iproov-issues-annual-threat-intelligence-report'>Threat-Intelligence-Report 2026<\/a> f\u00fcr das Jahr 2025 einen Anstieg der Injection-Angriffe auf iOS-Ger\u00e4te um 741 Prozent; im zweiten Halbjahr allein lag der Zuwachs gegen\u00fcber dem Vorjahreszeitraum bei 1.151 Prozent. &bdquo;Identit\u00e4t wird zum neuen Schlachtfeld der Cybersicherheit&ldquo;, sagt Dr. Andrew Newell, Chief Scientific Officer bei iProov. Parallel wandern Deepfakes aus der reinen Identit\u00e4tspr\u00fcfung in den Arbeitsalltag, etwa in Videokonferenzen, in denen ein gef\u00e4lschter Vorgesetzter eine \u00dcberweisung anordnet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die internationale Aufseherrunde hat das Thema erreicht. Die Financial Action Task Force (FATF) benannte in ihrem <a href='https:\/\/www.fatf-gafi.org\/en\/publications\/Methodsandtrends\/horizon-scan-ai-deepfake.html'>Horizon Scan zu KI und Deepfakes<\/a> vom Dezember 2025 synthetische Medien ausdr\u00fccklich als Werkzeug, das Geldw\u00e4schekontrollen, Sorgfaltspflichten und digitale Identit\u00e4tspr\u00fcfung beim Onboarding aushebeln kann, und forderte einen einheitlichen, risikobasierten Umgang damit. F\u00fcr ein Video-Ident-Verfahren, dessen Kern ein Live-Videoanruf ist, ist das die denkbar unbequemste Diagnose: Der Angriffsvektor sitzt genau dort, wo das Verfahren seine St\u00e4rke vermutete.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Betrug in Zahlen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie gro\u00df der Wettlauf ist, l\u00e4sst sich an den Zahlen der Pr\u00fcfdienstleister ablesen, die t\u00e4glich Millionen Verifizierungen sehen. Der Anbieter Sumsub wertete f\u00fcr seinen <a href='https:\/\/sumsub.com\/fraud-report-2025\/'>Identity Fraud Report 2025\/2026<\/a> mehr als vier Millionen Betrugsversuche aus. Das Bild ist zwiesp\u00e4ltig: Die reine Betrugsquote sank leicht, doch die Raffinesse der Angriffe stieg drastisch. Nicht die Menge ist das Problem, sondern die Qualit\u00e4t.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kennzahl (Sumsub 2025)<\/th><th>Wert<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Globale Betrugsquote<\/td><td>2,2 % aller Pr\u00fcfungen (2024: 2,6 %)<\/td><\/tr><tr><td>Deepfake-Betrug<\/td><td>rund +1.100 % gegen\u00fcber Vorjahr<\/td><\/tr><tr><td>Synthetische Ausweisf\u00e4lschung<\/td><td>\u00fcber +300 %<\/td><\/tr><tr><td>Mehrstufige, koordinierte Angriffe<\/td><td>+180 %<\/td><\/tr><tr><td>Betrugsquote im Kryptosektor<\/td><td>2,2 %<\/td><\/tr><tr><td>Erstparteibetrug: synthetische Identit\u00e4t<\/td><td>21 %<\/td><\/tr><tr><td>Erstparteibetrug: Deepfakes<\/td><td>11 %<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert ist die Verschiebung von einzelnen Tricks hin zu koordinierten Ketten: eine synthetische Identit\u00e4t plus Social Engineering plus manipulierte Ger\u00e4te-Signale in einem Angriff. Sumsub warnt zudem, dass 2026 die n\u00e4chste Stufe z\u00fcnde, n\u00e4mlich Betrug durch autonome KI-Agenten, die Anmeldungen selbstst\u00e4ndig durchspielen. Wie fragil solche Agenten mit eigener Wallet im Kryptokontext sind, zeigt der Blick auf das <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/eliza-framework-2026-ki-agent-sicherheit-wallet\/'>Eliza-Framework und seine Sicherheitsfragen<\/a>. Der Betr\u00fcger von morgen ist wom\u00f6glich selbst eine Software.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum die Kryptobranche besonders im Visier steht<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht jede Branche sp\u00fcrt den Identit\u00e4ts-Wettlauf gleich stark. Die Betrugsquote im Kryptosektor liegt laut Sumsub mit 2,2 Prozent zwar unter der von Online-Dating oder Teilen des Finanzsektors, doch die Angreifer sind hier besonders motiviert. Ein erfolgreich unter falscher Identit\u00e4t er\u00f6ffnetes B\u00f6rsenkonto l\u00e4sst sich sofort in liquide, weltweit transferierbare Werte umwandeln; die Auszahlung erfolgt in Sekunden und nicht in Werktagen. F\u00fcr organisierte Geldw\u00e4sche ist das die attraktivste Kombination aus Tempo, Reichweite und Endg\u00fcltigkeit.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Gegen solche Konten helfen zwar die Analysefirmen Chainalysis, Elliptic und TRM Labs, die verd\u00e4chtige Adressen mit Risikobewertungen versehen. Doch ihre Scores sind Wahrscheinlichkeiten, kein Beweis, und Datenschutz-Coins oder frische Adressen entziehen sich dem Clustering. Die Blockchain-Analyse setzt zudem erst an, wenn die Transaktion bereits l\u00e4uft; sie ersetzt die Identit\u00e4tspr\u00fcfung am Eingang nicht, sie erg\u00e4nzt sie nur. F\u00e4llt das KYC, verschiebt sich die gesamte Last auf eine nachgelagerte, unsichere Wahrscheinlichkeitsrechnung. Deshalb ist die Pr\u00fcfung am Onboarding kein Formalismus, sondern der einzige Punkt, an dem ein regulierter Anbieter \u00fcberhaupt noch eine harte Identit\u00e4t erzwingen kann.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Video-Ident in Deutschland: die ausgeh\u00f6hlte Br\u00fcckentechnologie<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Deutschland hat mit dem Video-Ident-Verfahren fr\u00fch auf digitale Identifizierung gesetzt. Rechtsgrundlage ist das <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Rundschreiben\/2017\/rs_1703_gw_videoident.html'>BaFin-Rundschreiben 3\/2017 (GW)<\/a>, das geschulte Mitarbeiter, Bild- und Tonaufzeichnung sowie technische Mindestanforderungen vorschreibt. Millionen Deutsche haben so ein Bankkonto, eine SIM-Karte oder ein Krypto-Depot er\u00f6ffnet. Als der Chaos Computer Club 2022 vorf\u00fchrte, wie leicht sich das aushebeln lie\u00df, geriet das Verfahren unter Druck: Die gematik untersagte Video-Ident als Identifizierungstechnik f\u00fcr die elektronische Patientenakte, und die Finanzaufsicht musste ihre Anforderungen nachsch\u00e4rfen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antwort der Regulierung ist ein Nebeneinander aus Nachbesserung und Alternative. Zum einen wurden die technischen Vorgaben f\u00fcr Video-Ident versch\u00e4rft und in einen Entwurf f\u00fcr eine eigene Geldw\u00e4sche-Videoidentifizierungsverordnung gegossen. Zum anderen soll die eID, die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises, das schw\u00e4chere Videoverfahren zunehmend ersetzen, weil sie kryptografisch abgesichert ist und nicht am menschlichen Auge eines Pr\u00fcfers h\u00e4ngt, das ein gutes Deepfake ohnehin nicht mehr erkennt. Das Muster ist typisch: Die Bedrohung entwickelt sich schneller als die Verordnung, und die Aufsicht schlie\u00dft eine L\u00fccke, w\u00e4hrend sich die n\u00e4chste bereits \u00f6ffnet.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wenn die KYC-Datenbank zur Waffe wird<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die unbequeme Kehrseite strengerer Identit\u00e4tspr\u00fcfung: Je mehr Ausweisdaten eine Plattform sammelt, desto wertvoller wird sie als Ziel. Im Mai 2025 machte Coinbase \u00f6ffentlich, dass bestochene externe Support-Mitarbeiter \u00fcber Monate Kundendaten kopiert hatten, darunter Namen, Adressen, teilweise Ausweisfotos und Teile von Sozialversicherungsnummern. Betroffen waren nach Angaben der B\u00f6rse rund 69.461 Kunden. Die Erpresser forderten 20 Millionen Dollar L\u00f6segeld; Vorstandschef Brian Armstrong lehnte ab und setzte stattdessen ein Kopfgeld in gleicher H\u00f6he aus. Die Kosten der Aufarbeitung bezifferte Coinbase auf 180 bis 400 Millionen Dollar, wie <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2025\/05\/15\/coinbase-says-criminals-stole-customer-data-offers-20m-bug-bounty'>CoinDesk berichtete<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist die Datenschutz-Bruchlinie der ganzen Debatte. KYC verlangt, dass ehrliche Nutzer ihre sensibelsten Dokumente bei einem Dritten hinterlegen, um Kriminelle abzuhalten, die genau diese Dokumente ohnehin f\u00e4lschen. Jede zus\u00e4tzliche Pflicht zur Datensammlung schafft einen gr\u00f6\u00dferen Honeypot, und ein einziges Leck versorgt die Betr\u00fcger mit echten Vorlagen f\u00fcr ihre n\u00e4chsten synthetischen Identit\u00e4ten. Die europ\u00e4ische AMLR verbietet anonyme Konten und konzentriert damit echte Identit\u00e4tsdaten an immer weniger, immer attraktiveren Orten. Sicherheit und Datensparsamkeit ziehen hier in entgegengesetzte Richtungen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schaden endet zudem nicht mit dem Datenabfluss. Nach gro\u00dfen Lecks folgt regelm\u00e4\u00dfig eine zweite Welle: gezieltes Phishing, bei dem sich Betr\u00fcger als Support der betroffenen Plattform ausgeben und, ausgestattet mit echten Namen und Kontodaten, zur angeblichen Verifizierung auffordern. Aus einem KYC-Datensatz wird so das Werkzeug f\u00fcr den n\u00e4chsten Angriff. Der Datenberg, den die Regulierung im Namen der Sicherheit anlegt, wird damit selbst zur Angriffsfl\u00e4che, und die Rechnung zahlt am Ende der Kunde, dessen Ausweis nun im Umlauf ist.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Bringt der Wettlauf \u00fcberhaupt etwas?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Angesichts von Aufwand und Kosten lohnt die Frage, was die Eskalation eigentlich bringt. Die Antwort ist unbequem. Nach dem <a href='https:\/\/www.chainalysis.com\/blog\/2026-crypto-crime-report-introduction\/'>Krypto-Crime-Report 2026 von Chainalysis<\/a> flossen 2025 mehr als 154 Milliarden US-Dollar an Adressen, die mit illegaler Aktivit\u00e4t verkn\u00fcpft sind, ein Anstieg um 162 Prozent, getrieben vor allem von Sanktionsumgehung. Zugleich blieb dieser Betrag weniger als ein Prozent des gesamten On-Chain-Volumens, und rund 84 Prozent des illegalen Transaktionswerts liefen inzwischen \u00fcber Stablecoins, nicht \u00fcber Bitcoin, der Ende August 2026 um die 68.000 Euro notierte (<a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>CoinGecko<\/a>), nachdem er zuvor <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/bitcoin-rally-80000-dollar-jackson-hole-warsh-2026\/'>die Marke von 80.000 Dollar \u00fcberschritten hatte<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Kritiker ziehen daraus einen scharfen Schluss: Ein Regime, das Milliarden kostet und Millionen ehrlicher Nutzer durch immer aufwendigere Anmeldungen schleust, f\u00e4ngt den professionellen Geldw\u00e4scher kaum, der f\u00fcr 13 Euro einen passenden Ausweis kauft und den Rest \u00fcber Stablecoins und Mittelsm\u00e4nner schichtet. Der Wettlauf trifft am h\u00e4rtesten diejenigen, die er am wenigsten meint. Das ist kein Argument gegen jede Kontrolle, aber ein starkes Argument daf\u00fcr, die Pr\u00fcfung selbst zu reparieren, statt nur ihre Frequenz zu erh\u00f6hen. Mehr Kontrollpunkte helfen wenig, wenn jeder einzelne mit demselben Trick f\u00e4llt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Grund, warum die Identit\u00e4tspr\u00fcfung so zentral ist, liegt in der Mechanik der Geldw\u00e4sche selbst. Sie verl\u00e4uft klassisch in drei Phasen: Platzierung (das Geld kommt ins System), Verschleierung (es wird durch viele Transaktionen verschichtet) und Integration (es kehrt scheinbar sauber zur\u00fcck). Krypto ist vor allem in der Verschleierungsphase stark, weil sich Werte schnell, grenz\u00fcberschreitend und \u00fcber viele Adressen bewegen lassen. Die einzige Stelle, an der ein echter Name zwingend f\u00e4llt, ist das Onboarding bei einem regulierten Dienstleister. Wird genau dort ein gef\u00e4lschter Ausweis akzeptiert, ist die gesamte sp\u00e4tere Kette bereits vergiftet, so ausgefeilt die Transaktions\u00fcberwachung danach auch arbeiten mag.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Das europ\u00e4ische Regelwerk zieht an<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Parallel zum technischen Wettlauf zieht Br\u00fcssel die Regeln an. Die Geldw\u00e4scheverordnung (AMLR, Verordnung 2024\/1624) gilt in ihren Kernteilen ab dem 10. Juli 2027 und bringt einen einheitlichen europ\u00e4ischen Rahmen. Sie verbietet anonyme Krypto-Konten ebenso wie Anonymisierungsdienste, was Datenschutz-Coins wie Monero faktisch aus dem regulierten Angebot dr\u00e4ngt, deckelt Barzahlungen EU-weit bei 10.000 Euro und verlangt bei bestimmten Transfers zwischen selbst verwahrten und gehosteten Wallets zus\u00e4tzliche Nachweise. Die Details stehen in der <a href='https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/reg\/2024\/1624\/oj'>Fassung im EU-Amtsblatt<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Durchgesetzt wird das k\u00fcnftig auch zentral. Die neue EU-Beh\u00f6rde AMLA hat ihren Sitz in Frankfurt am Main, nahm 2025 die Arbeit auf und wird ab 2028 eine Gruppe der risikoreichsten Finanzunternehmen, darunter gro\u00dfe Kryptodienstleister, direkt beaufsichtigen. Erg\u00e4nzt wird das durch die Geldtransferverordnung (TFR), den europ\u00e4ischen Ableger der FATF-Travel-Rule, die seit Ende 2024 gilt und anders als der FATF-Standard keine Bagatellgrenze kennt: Auch Kleinstbetr\u00e4ge m\u00fcssen mit Absender- und Empf\u00e4ngerdaten reisen. Wo die Grenzen dieses Regelwerks liegen, etwa bei DeFi und Staking, zeigt die Debatte um <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mica-2-0-eu-ueberpruefung-2026-defi-staking-aufsicht\/'>MiCA 2.0 und die L\u00fccken im Regelwerk<\/a>. Die Vorschriften werden dichter, doch die Identit\u00e4tspr\u00fcfung, auf der sie beruhen, bleibt der wunde Punkt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">National bleibt die Durchsetzung zweigeteilt. Die BaFin beaufsichtigt die Geldw\u00e4schepr\u00e4vention der Institute, w\u00e4hrend verd\u00e4chtige Vorg\u00e4nge bei der Financial Intelligence Unit (FIU) der Generalzolldirektion gemeldet werden. Jede Verdachtsmeldung nach Paragraf 43 GwG muss vertraulich bleiben; wer den Betroffenen warnt, macht sich strafbar. Kryptodienstleister sind damit zu Meldern in eigener Sache geworden, und die Qualit\u00e4t der ersten Identifizierung entscheidet dar\u00fcber, ob eine sp\u00e4tere Meldung \u00fcberhaupt einen echten Namen tr\u00e4gt oder nur eine synthetische H\u00fclle.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Reparatur eins: wiederverwendbare Identit\u00e4t und die EUDI-Wallet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die wiederholte Selfie-und-Ausweis-Prozedur das eigentliche Einfallstor ist, liegt eine Reparatur nahe: die Identit\u00e4t einmal sauber pr\u00fcfen und danach wiederverwendbar machen. Genau das ist die Idee der europ\u00e4ischen Digital-Identity-Wallet (EUDI-Wallet) aus der eIDAS-2.0-Verordnung (Verordnung 2024\/1183). B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger bekommen eine digitale Brieftasche, in der \u00fcberpr\u00fcfte Nachweise liegen; gegen\u00fcber einer B\u00f6rse beweisen sie dann nur noch, dass ein staatlich best\u00e4tigter Nachweis vorliegt, ohne bei jeder Anmeldung erneut Ausweisfoto und Video hochzuladen. Ein Deepfake n\u00fctzt wenig, wenn gar keine Live-Kamera mehr \u00fcberzeugt werden muss.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Deutschland baut daran sichtbar. Die Bundesagentur SPRIND er\u00f6ffnete Anfang 2026 eine EUDI-Wallet-Sandbox, in der \u00fcber hundert Organisationen Anwendungsf\u00e4lle testeten; im Mai 2026 folgte der Entwurf des Digitale-Identit\u00e4ten-Gesetzes (DIdG), der die europ\u00e4ische Vorgabe in deutsches Recht \u00fcberf\u00fchrt. Die staatliche Wallet soll zum 2. Januar 2027 starten, ausgelegt auf bis zu 80 Millionen Nutzer auf dem h\u00f6chsten Vertrauensniveau, wie <a href='https:\/\/www.corbado.com\/blog\/eudi-wallet-2026-deadline-rollout-eic-2026'>Analysen des Rollout-Fahrplans<\/a> festhalten. Technisch st\u00fctzt sich das auf \u00fcberpr\u00fcfbare Nachweise (Verifiable Credentials) nach dem W3C-Standard, mit dem Dreieck aus Aussteller, Inhaber und Pr\u00fcfer.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Merkmal<\/th><th>Klassisches KYC (Video-Ident, Selfie)<\/th><th>Wiederverwendbare Identit\u00e4t (EUDI-Wallet)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Pr\u00fcfung<\/td><td>Bei jeder Plattform neu<\/td><td>Einmal, dann wiederverwendbar<\/td><\/tr><tr><td>Datenhaltung<\/td><td>Kopien bei jedem Anbieter (Honeypots)<\/td><td>Nachweis in der Wallet des Nutzers<\/td><\/tr><tr><td>F\u00e4lschungsrisiko<\/td><td>Hoch (KI-Dokumente, Deepfakes)<\/td><td>Kryptografisch signiert, staatlich best\u00e4tigt<\/td><\/tr><tr><td>Datenschutz<\/td><td>Voller Datensatz pro Anmeldung<\/td><td>Selektive Offenlegung einzelner Attribute<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Selbstl\u00e4ufer ist das nicht. Wiederverwendbare Identit\u00e4t verlagert das Vertrauen auf die erste, einmalige Pr\u00fcfung, und die muss makellos sein, sonst wird eine gef\u00e4lschte Identit\u00e4t nur bequemer wiederverwendbar. Zudem n\u00fctzt die beste Wallet wenig, solange kaum eine B\u00f6rse sie akzeptiert: Der Engpass liegt weniger bei den B\u00fcrgern als bei den Pr\u00fcfstellen, die den neuen Nachweis erst technisch anbinden m\u00fcssen. Genau das zeigte die SPRIND-Sandbox, in der die Anbindung der akzeptierenden Stellen als eigentliche H\u00fcrde galt. Die EUDI-Wallet ist also eine Chance, kein Automatismus.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Reparatur zwei: Proof of Personhood und der Datenschutz-Konflikt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Reparatur setzt an einer anderen Frage an: nicht wer jemand ist, sondern nur, dass er ein einmaliger, echter Mensch ist. Proof of Personhood soll Bots und Massenkonten aussperren, ohne den Klarnamen preiszugeben. Das prominenteste Projekt, World (fr\u00fcher Worldcoin), scannt daf\u00fcr die Iris und stellt eine World ID aus; nach eigenen Angaben z\u00e4hlte das Netzwerk im April 2026 rund 18 Millionen verifizierte Menschen in mehr als 160 L\u00e4ndern (<a href='https:\/\/world.org\/blog\/announcements\/world-id-full-stack-proof-of-human'>World<\/a>). Der Nachweis l\u00e4sst sich per Zero-Knowledge-Beweis f\u00fchren, also ohne die biometrische Vorlage selbst zu zeigen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">In Europa st\u00f6\u00dft dieser Ansatz allerdings auf die h\u00e4rteste Datenschutzaufsicht der Welt. Das Bayerische Landesamt f\u00fcr Datenschutzaufsicht (BayLDA) ordnete im Dezember 2024 an, dass World bestimmte ohne ausreichende Rechtsgrundlage erhobene Daten l\u00f6schen muss und den Nutzern ein wirksames L\u00f6schverfahren f\u00fcr ihre Iris-Daten bereitzustellen hat. BayLDA-Pr\u00e4sident Michael Will erkl\u00e4rte, alle Nutzer, die World ihre Iris-Daten \u00fcberlassen h\u00e4tten, k\u00f6nnten k\u00fcnftig uneingeschr\u00e4nkt ihr Recht auf L\u00f6schung geltend machen, wie <a href='https:\/\/www.btc-echo.de\/schlagzeilen\/worldcoin-europaeische-behoerden-fordern-datenloeschung-198108\/'>BTC-Echo dokumentierte<\/a>. Das Unternehmen legte Widerspruch ein und verwies auf inzwischen \u00fcberholte Technik.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Konflikt zeigt die europ\u00e4ische Pointe: Selbst die eleganteste biometrische L\u00f6sung muss sich an der Datenschutz-Grundverordnung messen lassen, und die verlangt Datensparsamkeit statt globaler Iris-Datenbanken. Die staatlich verankerte EUDI-Wallet und der privatwirtschaftliche Iris-Scan sind zwei Antworten auf dieselbe Frage, doch nur eine von beiden ist in Europa politisch anschlussf\u00e4hig. Wer Menschlichkeit beweisen will, ohne einen zentralen Datenschatz zu schaffen, muss die Biometrie auf dem Ger\u00e4t lassen, nicht in der Cloud.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was Anleger und Plattformen jetzt tun sollten<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Anlegerinnen und Anleger hei\u00dft der Wettlauf vor allem: mit strengeren, aber auch kl\u00fcgeren Pr\u00fcfungen rechnen und die eigenen Daten wie ein Wertgegenstand behandeln.<\/p><ul class='wp-block-list'><li>Bei h\u00f6heren Betr\u00e4gen oder ungew\u00f6hnlichen Mustern sind verst\u00e4rkte Nachfragen (Mittelherkunft, Wohnsitznachweis) normal und keine Schikane; wer sie vorbereitet, spart Zeit.<\/li><li>Transfers zwischen B\u00f6rse und selbst verwahrter Wallet k\u00f6nnen ab bestimmten Schwellen einen Nachweis der Verf\u00fcgungsgewalt ausl\u00f6sen; das ist die TFR, nicht Willk\u00fcr.<\/li><li>Niemals denselben, wom\u00f6glich schon geleakten Ausweis-Scan an dubiose Dienste hochladen; genau daraus entstehen synthetische Identit\u00e4ten.<\/li><li>Vorsicht bei angeblichem KYC-Support per Mail oder Anruf: Nach Datenlecks folgen gezielte Phishing-Wellen, die den echten Anbieter t\u00e4uschend imitieren.<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Plattformen und CASPs verschiebt sich die Verteidigung von der einzelnen Pr\u00fcfung zur ganzen Kette:<\/p><ul class='wp-block-list'><li>Lebenderkennung darf sich nicht auf den Bildschirm verlassen, sondern muss Injection-Angriffe erkennen (Herkunft des Signals, Ger\u00e4teintegrit\u00e4t).<\/li><li>Datensparsamkeit wird zur Sicherheitsstrategie: Was nicht gespeichert wird, kann nicht gestohlen werden.<\/li><li>Wiederverwendbare Nachweise (EUDI-Wallet, eID) senken zugleich die Reibung f\u00fcr ehrliche Kunden und das Honeypot-Risiko.<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wettlauf zwischen F\u00e4lschung und Pr\u00fcfung endet nicht 2026. Aber seine Richtung entscheidet sich jetzt: Wer nur die Frequenz der Kontrollen erh\u00f6ht, f\u00fcttert Honeypots und vertreibt ehrliche Nutzer, ohne den Profi zu fangen. Wer die Pr\u00fcfung selbst repariert, mit wiederverwendbaren, kryptografisch signierten Nachweisen statt endloser Selfie-Uploads, hat die Chance, den 13-Euro-Ausweis wertlos zu machen. Die Aquarellfarbe von 2022 war eine Warnung. Ob Europa sie geh\u00f6rt hat, zeigt sich daran, ob die EUDI-Wallet 2027 h\u00e4lt, was sie verspricht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen (FAQ)<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Was ist der Unterschied zwischen KYC und AML?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">AML (Geldw\u00e4schebek\u00e4mpfung) ist der Oberbegriff f\u00fcr das gesamte Regime aus Gesetzen, Meldepflichten und Kontrollen. KYC (Know Your Customer) ist der Identit\u00e4tsbaustein darin: die Pflicht, den Kunden vor Beginn der Gesch\u00e4ftsbeziehung zu identifizieren und zu \u00fcberpr\u00fcfen. In Deutschland regelt das Geldw\u00e4schegesetz beides, beaufsichtigt von der BaFin.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>K\u00f6nnen Deepfakes die Video-Identifizierung austricksen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ja. Bereits 2022 umging der Chaos Computer Club sechs Video-Ident-Verfahren mit einfachen Mitteln. Seither sind KI-Werkzeuge deutlich besser geworden; iProov meldet f\u00fcr 2025 einen Anstieg der Injection-Angriffe auf iOS um 741 Prozent. Deshalb verlagert sich die Pr\u00fcfung zunehmend auf die kryptografisch abgesicherte eID und k\u00fcnftig auf die EUDI-Wallet.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Ist mein Ausweis bei einer Krypto-B\u00f6rse sicher?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht garantiert. KYC-Datenbanken sind attraktive Ziele. Bei Coinbase kopierten 2025 bestochene Support-Mitarbeiter Daten von rund 69.461 Kunden. Wer kann, nutzt Anbieter mit strenger Datensparsamkeit und wiederverwendbaren Nachweisen und l\u00e4dt sensible Dokumente niemals bei dubiosen Diensten hoch.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Verbietet die EU anonyme Krypto-Konten?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ja. Die Geldw\u00e4scheverordnung (AMLR) verbietet ab dem 10. Juli 2027 anonyme Krypto-Konten und Anonymisierungsdienste, deckelt Barzahlungen bei 10.000 Euro und verlangt zus\u00e4tzliche Nachweise bei bestimmten Wallet-Transfers. Durchgesetzt wird das auch von der neuen EU-Beh\u00f6rde AMLA in Frankfurt.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist die EUDI-Wallet und wie ver\u00e4ndert sie KYC?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Die EU Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) aus der eIDAS-2.0-Verordnung ist eine digitale Brieftasche f\u00fcr \u00fcberpr\u00fcfte Identit\u00e4tsnachweise. Statt bei jeder Plattform erneut Ausweis und Selfie hochzuladen, weisen Nutzer nur das n\u00f6tige Attribut nach. Deutschlands staatliche Wallet soll am 2. Januar 2027 starten.<\/p><script type=\"application\/ld+json\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was ist der Unterschied zwischen KYC und AML?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"AML (Geldw\u00e4schebek\u00e4mpfung) ist der Oberbegriff f\u00fcr das gesamte Regime aus Gesetzen, Meldepflichten und Kontrollen. KYC (Know Your Customer) ist der Identit\u00e4tsbaustein darin: die Pflicht, den Kunden vor Beginn der Gesch\u00e4ftsbeziehung zu identifizieren und zu \u00fcberpr\u00fcfen. In Deutschland regelt das Geldw\u00e4schegesetz beides, beaufsichtigt von der BaFin.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"K\u00f6nnen Deepfakes die Video-Identifizierung austricksen?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Ja. Bereits 2022 umging der Chaos Computer Club sechs Video-Ident-Verfahren mit einfachen Mitteln. 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