{"id":378,"date":"2026-08-28T04:29:08","date_gmt":"2026-08-28T04:29:08","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/krypto-aml-2026-ueberwachung-nutzen-kosten\/"},"modified":"2026-08-28T04:29:08","modified_gmt":"2026-08-28T04:29:08","slug":"krypto-aml-2026-ueberwachung-nutzen-kosten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/krypto-aml-2026-ueberwachung-nutzen-kosten\/","title":{"rendered":"Krypto-AML 2026: Was die \u00dcberwachung bringt und was sie kostet"},"content":{"rendered":"<h2 class='wp-block-heading'>Rekordbudgets, Rekordstr\u00f6me: das AML-Paradox 2026<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Regeln gegen Geldw\u00e4sche im Kryptomarkt waren nie umfassender und nie teurer als 2026. Binance zahlte Ende 2023 \u00fcber 4,3 Milliarden US-Dollar an US-Beh\u00f6rden, nachdem die B\u00f6rse jahrelang keine einzige Verdachtsmeldung eingereicht hatte (<a href='https:\/\/www.justice.gov\/archives\/opa\/pr\/binance-and-ceo-plead-guilty-federal-charges-4b-resolution'>US-Justizministerium<\/a>). Die neue EU-Geldw\u00e4schebeh\u00f6rde AMLA sitzt seit Juli 2025 im Frankfurter Messeturm. Die Transfer of Funds Regulation zwingt Krypto-Dienstleister seit Ende 2024 zu einer Travel Rule ohne Bagatellgrenze, und ab dem 10. Juli 2027 verbietet die EU-Geldw\u00e4scheverordnung anonyme Konten und Privacy Coins. Die BaFin lizenziert, pr\u00fcft und sanktioniert. Der Apparat l\u00e4uft auf Anschlag.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Und trotzdem: Laut dem Krypto-Kriminalit\u00e4tsbericht 2026 von Chainalysis flossen 2025 mindestens 154 Milliarden US-Dollar an illegale Adressen, ein Plus von 162 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr, w\u00e4hrend der illegale Anteil weiterhin unter einem Prozent des gesamten On-Chain-Volumens liegt (<a href='https:\/\/www.chainalysis.com\/blog\/2026-crypto-crime-report-introduction\/'>Chainalysis<\/a>). Mehr Aufsicht, mehr Meldungen, mehr Personal, und in absoluten Zahlen zugleich ein Rekord an illegalen Str\u00f6men. Genau dieser Widerspruch ist der Ausgangspunkt dieser Analyse.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Text ist kein Mechanik-Erkl\u00e4rst\u00fcck; wie KYC-Onboarding, Sorgfaltspflichten und Verdachtsmeldungen im Detail funktionieren, haben wir <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/kyc-aml-krypto-2026-bafin-amla-regeln\/'>an anderer Stelle beschrieben<\/a>. Hier geht es um die schlichte, unbequeme Frage einer Kosten-Nutzen-Rechnung: Was bringt die wachsende \u00dcberwachung tats\u00e4chlich, und was kostet sie, in Euro, in Grundrechten und in verlorenem Vertrauen? Vor dem Hintergrund eines Bitcoin-Kurses um 69.000 Euro Ende August (<a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>CoinGecko<\/a>) und einer Branche, die gerade eine <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/bitcoin-rally-80000-dollar-jackson-hole-warsh-2026\/'>Rally jenseits der Marke von 80.000 US-Dollar<\/a> hinter sich hat, ist die Antwort mehr als eine akademische \u00dcbung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die kurze Version vorweg: Das System ist weder wirkungslos noch ein sauberer Erfolg. Es macht die Blockchain zum Beweismittel und erm\u00f6glicht Milliarden-Beschlagnahmen. Es produziert zugleich in Deutschland 374.693 Verdachtsmeldungen im Jahr, aus denen am Ende 1.669 justizielle Ergebnisse werden, es schafft Datenhalden, die selbst zur Beute werden, und es greift inzwischen nach der Selbstverwahrung. Der Reihe nach.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>KYC, AML und die deutsche Zust\u00e4ndigkeit<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Begriffe werden st\u00e4ndig verwechselt. KYC (Know Your Customer) ist nur der Identit\u00e4tsbaustein: die Pr\u00fcfung, wer hinter einem Konto steht. AML (Anti-Money Laundering) ist das Dach dar\u00fcber, also das gesamte Geflecht aus Gesetzen und Kontrollen gegen Geldw\u00e4sche. KYC ist ein Teil von AML, nicht dessen Synonym, und wer beide gleichsetzt, untersch\u00e4tzt regelm\u00e4\u00dfig, wie viel Aufwand hinter dem Konto liegt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Geldw\u00e4sche l\u00e4uft klassisch in drei Phasen: Platzierung (placement), Verschleierung (layering) und Integration. Krypto ist vor allem in der Verschleierungsphase stark, weil sich Werte schnell \u00fcber viele Adressen, Chains und Dienste hinweg schichten lassen. Genau dort setzen die Kontrollen an, n\u00e4mlich an den On- und Off-Ramps, wo Pseudonym und Identit\u00e4t aufeinandertreffen. Das ist der neuralgische Punkt, an dem sich sp\u00e4ter alles entscheidet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland ist die Zust\u00e4ndigkeit oft missverstanden. F\u00fcr die Geldw\u00e4scheaufsicht sind die BaFin (nach dem Geldw\u00e4schegesetz) und die Financial Intelligence Unit bei der Generalzolldirektion verantwortlich, nicht eine B\u00f6rsenaufsicht im Sinne der reinen Wertpapieraufsicht. Die BaFin tr\u00e4gt einen doppelten Hut: Sie lizenziert Krypto-Dienstleister nach dem MiCAR-Regime und beaufsichtigt zugleich deren Geldw\u00e4schepr\u00e4vention. Seit dem 1. M\u00e4rz 2026 m\u00fcssen Verdachtsmeldungen zwingend \u00fcber das Meldeportal goAML im XML-Format eingereicht werden, ein Detail, das gleich noch eine Rolle spielt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Architektur ist inzwischen ausbuchstabiert. Die spannende Frage ist nicht mehr, welche Pflicht in welchem Paragrafen steht, sondern ob das Geb\u00e4ude h\u00e4lt, was es verspricht, und zu welchem Preis. Daf\u00fcr lohnt es sich, zuerst die st\u00e4rkste Seite des Systems ernst zu nehmen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Nutzen-Seite: was die Blockchain den Ermittlern verr\u00e4t<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Fangen wir fair an, mit der st\u00e4rksten Verteidigung des Systems. Die verbreitete Vorstellung, Krypto sei anonym, ist falsch. \u00d6ffentliche Blockchains sind pseudonym, und Pseudonymit\u00e4t ist nicht Anonymit\u00e4t. Jede Transaktion bleibt dauerhaft und \u00f6ffentlich einsehbar. In Kombination mit KYC an den Handelspl\u00e4tzen wird der Ledger zu einem Beweismittel, das Bargeld nie geboten hat.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Lehrbuchfall ist der Bitfinex-Hack. 2016 wurden der B\u00f6rse rund 119.754 Bitcoin gestohlen. Im Februar 2022 beschlagnahmte das US-Justizministerium daraus 3,6 Milliarden US-Dollar, die damals gr\u00f6\u00dfte Finanzbeschlagnahme seiner Geschichte, und verhaftete das Ehepaar Ilya Lichtenstein und Heather Morgan (<a href='https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2022-02-08\/doj-seizes-3-6-billion-in-bitcoin-stolen-in-2016-bitfinex-hack'>Bloomberg<\/a>). M\u00f6glich wurde das gerade wegen der Transparenz der Blockchain: Sobald die Coins in Bewegung gerieten und ins traditionelle Bankensystem sickerten, lie\u00df sich die Spur bis in die reale Welt verfolgen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Nachverfolgbarkeit ist heute eine Industrie. Firmen wie Chainalysis, Elliptic und TRM Labs clustern Adressen und verkn\u00fcpfen sie \u00fcber regulierte B\u00f6rsen mit Identit\u00e4ten; ein Gro\u00dfteil der US-Strafverfolgungsbeh\u00f6rden nutzt solche Werkzeuge. Chainalysis-Mitgr\u00fcnder Jonathan Levin bringt die Selbstbeschreibung der Branche auf den Punkt: Man sei da, &bdquo;to prevent abuse and pave the way for all people, businesses and governments to leverage it safely&ldquo; (<a href='https:\/\/www.pymnts.com\/blockchain\/2025\/chainalysis-ceo-jonathan-levin-says-blockchain-can-facilitate-action-against-criminals\/'>PYMNTS<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Punkt f\u00fcr die Kosten-Nutzen-Rechnung: Dieser Nutzen existiert \u00fcberhaupt nur, weil an den Rampen KYC greift. Ohne den Identit\u00e4tsknoten an der B\u00f6rse bliebe die Spur eine Kette aus Zahlen. Der Ledger liefert das Wie, KYC liefert das Wer. Das ist der harte Kern dessen, was die \u00dcberwachung bringt, und niemand, der ehrlich argumentiert, kann ihn wegwischen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Kosten-Seite: 374.693 Meldungen, 1.669 Urteile<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Nun die Rechnungsseite, und hier wird es unbequem. Der Jahresbericht der deutschen FIU zeichnet das Bild eines Systems, das enorm viel meldet und erstaunlich wenig trifft. 2025 gingen 374.693 Verdachtsmeldungen ein, ein Plus von rund 41 Prozent gegen\u00fcber den 265.708 des Vorjahres (<a href='https:\/\/paytechlaw.com\/fiu-jahresbericht-2025\/'>PayTechLaw<\/a>). Der L\u00f6wenanteil kam aus dem Finanzsektor: Kreditinstitute stellten 319.857 Meldungen, w\u00e4hrend der Anteil digitaler Finanzdienstleister und Neobanken binnen eines Jahres von 13 auf 29 Prozent sprang.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Was am Ende dabei herauskommt, ist ern\u00fcchternd. Von den Meldungen leitete die FIU 2025 rund 67.024 Analyseberichte an Strafverfolgungsbeh\u00f6rden weiter, ein Viertel weniger als die 87.731 des Vorjahres. Nur 1.669 dieser F\u00e4lle m\u00fcndeten laut Bericht in ein Urteil, einen Strafbefehl, einen Beschluss oder eine Anklageschrift; in etwa 96 Prozent der zur\u00fcckgemeldeten Verfahren wurde eingestellt.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kennzahl der deutschen FIU<\/th><th>2024<\/th><th>2025<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Verdachtsmeldungen gesamt<\/td><td>265.708<\/td><td>374.693<\/td><\/tr><tr><td>Anteil Neobanken \/ digitale Finanzdienstleister<\/td><td>13 %<\/td><td>29 %<\/td><\/tr><tr><td>An Strafverfolgung weitergeleitet<\/td><td>87.731<\/td><td>67.024<\/td><\/tr><tr><td>Urteil \/ Strafbefehl \/ Beschluss \/ Anklage<\/td><td>rund 1.625<\/td><td>1.669<\/td><\/tr><tr><td>Anteil eingestellter R\u00fcckmeldungen<\/td><td>rund 96 %<\/td><td>rund 96 %<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist die Signatur defensiven Meldens. Wer bei Versto\u00df gegen die Meldepflicht pers\u00f6nlich haftet, meldet im Zweifel lieber zu viel als zu wenig. Zum Vergleich: In Deutschland kam 2024 eine Verdachtsmeldung auf 319 Einwohner, in \u00d6sterreich nur eine auf 1.201, und Fachleute sch\u00e4tzen, dass mindestens ein Drittel des Meldeaufkommens ohne Verlust an Pr\u00e4ventionswirkung wegfallen k\u00f6nnte (<a href='https:\/\/www.brak.de\/newsroom\/newsletter\/nachrichten-aus-berlin\/2025\/ausgabe-13-2025-v-2662025\/fiu-jahresbericht-weniger-aber-bessere-geldwaesche-verdachtsmeldungen\/'>Bundesrechtsanwaltskammer<\/a>). Jede dieser Meldungen kostet Personal, bei der meldenden Stelle und bei der FIU.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann einwenden, Pr\u00e4vention lasse sich nicht an Verurteilungen messen, weil Abschreckung unsichtbar wirkt. Das stimmt. Aber ein Verh\u00e4ltnis von Hunderttausenden Meldungen zu wenigen Tausend justiziellen Ergebnissen verlangt nach einer Begr\u00fcndung, die \u00fcber das Prinzip &bdquo;viel hilft viel&ldquo; hinausgeht. Und diese Begr\u00fcndung ist auch international d\u00fcnn.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die 0,2-Prozent-Frage: bringt das System, was es verspricht?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die grunds\u00e4tzlichste Kritik kommt nicht von Krypto-Maximalisten, sondern aus der Grundlagenarbeit einer Denkfabrik. In ihrem Bericht &bdquo;Tear Down this Walled Garden&ldquo; vom September 2025 fassen Peter Van Valkenburgh und Ian Miers vom US-Thinktank Coin Center eine UN-Sch\u00e4tzung zusammen, die seit Jahren im Raum steht: Nur etwa 0,2 Prozent der kriminellen Gelder, die durch das Finanzsystem flie\u00dfen, werden unter dem heutigen AML-Regime beschlagnahmt oder eingefroren (<a href='https:\/\/coincenter.org\/tear-down-this-walled-garden\/'>Coin Center<\/a>). Ihr Fazit f\u00e4llt hart aus: Das System sei zugleich invasiv, teuer und wirkungsarm; es bewirke gegen illegale Finanzstr\u00f6me &bdquo;remarkably little&ldquo;.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kostenseite ist dabei alles andere als klein. Weltweit geben Finanzinstitute jedes Jahr zweistellige Milliardenbetr\u00e4ge f\u00fcr Compliance aus, ein Aufwand, der von KYC-Teams \u00fcber Transaktionsmonitoring und Sanktionsscreening bis zu den Meldepflichten reicht. Bezahlt wird das am Ende \u00fcber Geb\u00fchren und \u00fcber den Ausschluss all jener, die durch das Raster fallen, ohne je etwas Verbotenes getan zu haben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gegenrede ist ebenso real. Chainalysis betont, dass illegale Transaktionen weniger als ein Prozent des gesamten On-Chain-Volumens ausmachen. Die Basis ist also klein, und die Transparenz der Kette erlaubt es, dieses eine Prozent gezielt zu verfolgen. Beide Aussagen stimmen gleichzeitig: Der Anteil ist winzig, und die absolute Summe von 154 Milliarden US-Dollar ist ein Rekord. Die Frage ist, welche Zahl man f\u00fcr die relevantere h\u00e4lt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau hier liegt der Kern der Analyse. Lohnt sich ein Regime, das einen Bruchteil der Beute sichert, die FIU mit Meldungen flutet und die Branche Milliarden kostet? Wer nur auf die beschlagnahmten 0,2 Prozent schaut, sagt Nein. Wer auf die abschreckende Wirkung und die verhinderten, nie gemessenen Taten schaut, sagt Ja. Ehrlich ist: Den Nenner, also die tats\u00e4chlich verhinderte Kriminalit\u00e4t, kennt niemand. Und ohne Nenner bleibt jede Bilanz eine Sch\u00e4tzung.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Das Honeypot-Problem: Compliance-Daten als Beute<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt eine Kostenart, die in keiner Aufsichtsbilanz auftaucht und trotzdem real ist: Die Daten, die zur Bek\u00e4mpfung von Kriminalit\u00e4t gesammelt werden, werden selbst zum Ziel von Kriminalit\u00e4t. Jede KYC-Pflicht zwingt B\u00f6rsen, riesige Best\u00e4nde an Ausweiskopien, Adressen und Selfies anzuh\u00e4ufen. Solche Datenhalden sind ein Honeypot, und Honeypots werden ausgeraubt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fall Coinbase f\u00fchrte das im Mai 2025 vor. Bestochene Support-Dienstleister im Ausland kopierten die Daten von 69.461 Kundinnen und Kunden; die Angreifer forderten anschlie\u00dfend 20 Millionen US-Dollar L\u00f6segeld. Coinbase lehnte ab und lobte stattdessen 20 Millionen US-Dollar Kopfgeld f\u00fcr Hinweise auf die T\u00e4ter aus (<a href='https:\/\/www.coinbase.com\/blog\/protecting-our-customers-standing-up-to-extortionists'>Coinbase<\/a>). Die gesch\u00e4tzten Kosten f\u00fcr Aufarbeitung und Entsch\u00e4digung: 180 bis 400 Millionen US-Dollar. Kein Bitcoin wurde dabei gestohlen, sondern etwas Wertvolleres, n\u00e4mlich die Identit\u00e4tsdaten selbst, die nun f\u00fcr Phishing, Erpressung und SIM-Swapping taugen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr ein deutsches Publikum trifft das einen wunden Punkt. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist hierzulande kein Randthema, und die Pflicht, sensible Ausweisdaten bei privaten Dritten zu hinterlegen, kollidiert mit einer tief verankerten Datenschutz-Kultur. Wie fragil der Identit\u00e4tsnachweis selbst geworden ist, zeigt der <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/deepfakes-kyc-krypto-2026-identitaets-wettlauf\/'>Wettlauf zwischen Deepfakes und Liveness-Pr\u00fcfungen<\/a>, in dem gef\u00e4lschte Ausweise und synthetische Gesichter immer billiger werden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Pointe ist eine Asymmetrie: Der Nutzen der KYC-Daten f\u00e4llt der Allgemeinheit zu, in Form von Ermittlungsans\u00e4tzen. Das Risiko der Datenhaltung tragen dagegen die Nutzer, deren Ausweise pl\u00f6tzlich im Darknet kursieren. Diese Schieflage ist eine der am meisten untersch\u00e4tzten Kosten des ganzen Regimes.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wenn die Aufsicht die Selbstverwahrung erreicht<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Bis vor Kurzem endete die \u00dcberwachung an der B\u00f6rsent\u00fcr. Das \u00e4ndert sich. Die Transfer of Funds Regulation, die EU-Fassung der Travel Rule, gilt seit dem 30. Dezember 2024 und kennt f\u00fcr Transfers zwischen Dienstleistern keine Bagatellgrenze. Bei \u00dcberweisungen von oder zu einer selbstverwahrten (self-hosted) Wallet \u00fcber 1.000 Euro muss der Dienstleister zus\u00e4tzlich pr\u00fcfen, ob die Wallet tats\u00e4chlich seinem Kunden geh\u00f6rt oder von ihm kontrolliert wird (<a href='https:\/\/notabene.id\/post\/a-deep-dive-into-self-hosted-wallet-transaction-requirements-under-the-eu-tfr'>Notabene<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Rund um diese Regeln kursiert viel Angst, und ein Teil davon ist \u00fcbertrieben. Patrick Hansen, EU-Politikchef des Stablecoin-Emittenten Circle, stellt richtig: &bdquo;Self custody wallets are not banned. Payments to\/from self custody wallets are not banned. P2P transfers are explicitly excluded from AMLR&ldquo; (<a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/284442\/no-the-eu-is-not-banning-self-custodial-crypto-transactions-or-wallets'>The Block<\/a>). Das Europ\u00e4ische Parlament kippte zudem eine zun\u00e4chst geplante 1.000-Euro-Obergrenze f\u00fcr Zahlungen aus selbstverwahrten Wallets sowie eine Ausweispflicht f\u00fcr den blo\u00dfen Empfang solcher Zahlungen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die tats\u00e4chliche Kostenwirkung ist subtiler und hei\u00dft De-Risking. Wenn die Eigentumspr\u00fcfung f\u00fcr self-hosted Transfers Aufwand und Haftung bedeutet, ist es f\u00fcr manche Plattform einfacher, solche Auszahlungen ganz zu drosseln oder zu verweigern. Nicht ein Verbot der Selbstverwahrung, sondern ihre schrittweise Verteuerung ist das wahrscheinliche Ergebnis, ein Reibungseffekt, der ausgerechnet die Nutzer trifft, die ihre Schl\u00fcssel selbst halten wollen, etwa im <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/lightning-network-sicherheit-risiken-schutz-2026\/'>Lightning Network<\/a>.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Vorgang<\/th><th>Was in der EU gilt (Stand 2026, mit Blick auf 2027)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Konto bei einem Krypto-Dienstleister (CASP)<\/td><td>Volle Identifizierung (KYC), laufendes Monitoring; ab 2027 keine anonymen Konten<\/td><\/tr><tr><td>Transfer zwischen zwei CASP<\/td><td>Travel Rule ohne Bagatellgrenze: Sender- und Empf\u00e4ngerdaten reisen mit<\/td><\/tr><tr><td>Transfer CASP zu self-hosted Wallet<\/td><td>Eigentums- oder Kontrollnachweis ab 1.000 Euro<\/td><\/tr><tr><td>Peer-to-Peer (Wallet zu Wallet, ohne CASP)<\/td><td>Von der AMLR ausdr\u00fccklich ausgenommen<\/td><\/tr><tr><td>Privacy Coins (z. B. Monero, Zcash)<\/td><td>CASP d\u00fcrfen sie ab 10. Juli 2027 nicht mehr f\u00fchren; privater Besitz bleibt legal<\/td><\/tr><tr><td>Anonyme Bargeldzahlung<\/td><td>EU-weit ab 10.000 Euro unzul\u00e4ssig<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz: Wer \u00fcber regulierte Rampen geht, wird identifiziert; wer bei sich selbst bleibt, darf das weiterhin, zahlt aber einen wachsenden Preis an Bequemlichkeit und Zugang. Diese Grenzverschiebung ist neu, und sie ist der eigentliche Schauplatz der n\u00e4chsten Jahre.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Anonyme Konten, Privacy Coins und die 10.000-Euro-Grenze<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der 10. Juli 2027 ist das Datum, auf das die Branche blickt. Dann gilt die EU-Geldw\u00e4scheverordnung (AMLR, Verordnung 2024\/1624) voll. Sie verbietet Krypto-Dienstleistern anonyme Konten und den Umgang mit anonymit\u00e4tswahrenden Coins, ausdr\u00fccklich genannt werden Monero und Zcash (<a href='https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/reg\/2024\/1624\/oj'>EUR-Lex<\/a>). Parallel zieht die EU eine Obergrenze von 10.000 Euro f\u00fcr anonyme Bargeldzahlungen ein.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist die Feinheit, die in Schlagzeilen untergeht: Verboten wird nicht der Besitz. Monero zu halten oder zwischen zwei privaten Wallets zu transferieren, bleibt in jedem EU-Mitgliedstaat legal. Untersagt ist, dass regulierte B\u00f6rsen und Verwahrer solche Coins listen, verwahren oder handelbar machen. In der Praxis bedeutet das Delistings an regulierten Handelspl\u00e4tzen und damit d\u00fcnnere Liquidit\u00e4t, nicht ein Strafgesetz gegen Privatsph\u00e4re.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem verschiebt sich hier eine Grundlinie. Kritiker verweisen auf die Artikel 7 und 8 der EU-Grundrechtecharta, also auf das Recht auf Privat- und Familienleben und den Schutz personenbezogener Daten. Ihr Argument: Bargeld ist anonym und legal; warum soll digitales Bargeld anders behandelt werden? An diesem Punkt wird der Preis der \u00dcberwachung nicht mehr in Euro gemessen, sondern in einem Grundrecht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ob dieser Preis angemessen ist, ist eine politische, keine technische Frage. Sie l\u00e4sst sich nicht durch bessere Software aufl\u00f6sen, sondern nur durch eine Abw\u00e4gung zwischen Sicherheit und Freiheit, die Europa gerade erst offen f\u00fchrt. Und sie f\u00e4llt in eine Zeit, in der die illegalen Str\u00f6me trotz aller Kontrollen wachsen, was die Abw\u00e4gung nicht leichter macht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum die Str\u00f6me wachsen: Stablecoins, Sanktionen, Mixer<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die Kontrollen so dicht sind, warum steigen die illegalen Summen dann? Die Antwort liegt in der Struktur der 154 Milliarden. Der Zuwachs ist nicht von Kleinbetrug getrieben, sondern von Sanktionsumgehung: Der Wert, den sanktionierte Adressen empfingen, stieg 2025 um 694 Prozent auf rund 104 Milliarden US-Dollar (<a href='https:\/\/www.chainalysis.com\/blog\/crypto-sanctions-2026\/'>Chainalysis<\/a>). Allein der rubelgedeckte Stablecoin A7A5 wickelte in weniger als einem Jahr 93,3 Milliarden US-Dollar ab.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auff\u00e4llig ist das Vehikel. Stablecoins machen inzwischen rund 84 Prozent des illegalen Transaktionswerts aus und haben Bitcoin als bevorzugte Schiene abgel\u00f6st, weil sie wertstabil, grenz\u00fcberschreitend und breit einsetzbar sind. Das ist die unbequeme Ironie: Ausgerechnet das am st\u00e4rksten regulierte Segment, an Fiat gebunden und oft von lizenzierten Emittenten ausgegeben, tr\u00e4gt den Gro\u00dfteil der Str\u00f6me.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Muster hei\u00dft Verdr\u00e4ngung. Die Aufsicht ist an den regulierten Rampen am dichtesten, also weicht die organisierte Kriminalit\u00e4t dorthin aus, wo die Kontrolle am d\u00fcnnsten ist: offshore, in einfrierresistente Stablecoins, in Mixer. Der Fall Tornado Cash zeigt, wie z\u00e4h dieses Ringen ist: Das US-Finanzministerium sanktionierte den Mixer 2022, nahm ihn im M\u00e4rz 2025 wieder von der Liste, und Mitentwickler Roman Storm wurde im August 2025 wegen des Betriebs eines unlizenzierten Geldtransmitters verurteilt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Kosten-Nutzen-Rechnung hei\u00dft das: Die \u00dcberwachung an den Rampen fasst die Unvorsichtigen und die Kleinen. Die industriellen Str\u00f6me routen um sie herum. Der Rekord von 154 Milliarden ist deshalb auch ein Ma\u00df daf\u00fcr, was das Regime gerade nicht verhindert, und nicht nur daf\u00fcr, wie gut es misst.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>BaFin, AMLA und die Frage nach mehr Zentralisierung<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Europas Antwort auf diese L\u00fccken hei\u00dft Zentralisierung. \u00dcber der nationalen Aufsicht (in Deutschland BaFin plus FIU beim Zoll) thront seit dem 1. Juli 2025 die AMLA im Frankfurter Messeturm. Ab 2028 wird die Beh\u00f6rde etwa 40 der komplexesten, risikoreichsten Institute in der EU direkt beaufsichtigen, ausdr\u00fccklich auch Krypto-Firmen; die AMLA hat Krypto-Dienstleistungen bereits als eine der gr\u00f6\u00dften Geldw\u00e4schebedrohungen der EU eingestuft (<a href='https:\/\/www.amla.europa.eu\/news-media\/news-articles\/amla-expects-high-standards-against-financial-crime-crypto-sector_en'>AMLA<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorsitzende Bruna Szego, zuvor Geldw\u00e4scheaufseherin der Banca d&#8217;Italia, hat zugleich vor einem \u00dcbergangsrisiko gewarnt: Die Migration nach dem Auslaufen der MiCA-\u00dcbergangsfristen k\u00f6nnte Geldw\u00e4sche kurzfristig schwerer auffindbar machen, wenn Kunden von abzuwickelnden zu lizenzierten Plattformen wechseln und dort f\u00fcr Onboarding-Wellen sorgen. Mehr Zentralisierung ist also kein Selbstl\u00e4ufer.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Wette dahinter ist plausibel: Ein harmonisiertes Regelbuch und eine europ\u00e4ische Aufsicht sollen die schw\u00e4chsten Glieder beseitigen, das Forum-Shopping zwischen Mitgliedstaaten beenden und die grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit verbessern. Offen ist, ob diese zus\u00e4tzliche Aufsichtsschicht die entscheidende Kennziffer bewegt, also die beschlagnahmten 0,2 Prozent, oder ob sie vor allem Kosten auft\u00fcrmt. Auch die europ\u00e4ische <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mica-2-0-eu-ueberpruefung-2026-defi-staking-aufsicht\/'>\u00dcberpr\u00fcfung von MiCA<\/a> ringt genau mit solchen L\u00fccken, von DeFi \u00fcber Staking bis Lending.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zentralisierung ist die Richtung, in die Europa geht. Ob sie die Nadel bewegt, ist unbewiesen, und genau das sollte man offen aussprechen, statt es als selbstverst\u00e4ndlichen Fortschritt zu verkaufen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Nutzen gegen Kosten: die Bilanz 2026<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ziehen wir die Bilanz. Auf der Nutzenseite steht eine reale, gerichtsfeste Nachverfolgbarkeit, die F\u00e4lle wie Bitfinex m\u00f6glich macht, plus die abschreckende Wirkung, die sich naturgem\u00e4\u00df schwer beziffern l\u00e4sst. Auf der Kostenseite steht ein wachsender Stapel: Compliance-Milliarden, eine Meldelawine mit magerer Trefferquote, Datenhalden als Honeypots, ein Grundrechtskonflikt und die schleichende Verteuerung der Selbstverwahrung.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Was das System bringt<\/th><th>Was das System kostet<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Gerichtsfeste Spur auf der Blockchain (Bitfinex: 3,6 Mrd. USD beschlagnahmt)<\/td><td>Weltweit zweistellige Milliardenbetr\u00e4ge pro Jahr f\u00fcr Compliance<\/td><\/tr><tr><td>KYC an den Rampen verkn\u00fcpft Pseudonym und Identit\u00e4t<\/td><td>374.693 Meldungen in Deutschland, aber nur 1.669 justizielle Ergebnisse<\/td><\/tr><tr><td>Abschreckung und h\u00f6here Kosten f\u00fcr T\u00e4ter<\/td><td>Datenhalden als Honeypot (Coinbase: bis 400 Mio. USD Aufarbeitung)<\/td><\/tr><tr><td>Sanktionsdurchsetzung und Einfrieren von Verm\u00f6gen<\/td><td>Grundrechtskonflikt (Charta Art. 7 und 8), Privacy-Coin-Delistings<\/td><\/tr><tr><td>Standardisierte EU-Aufsicht ab 2028 (AMLA)<\/td><td>Nur rund 0,2 % krimineller Gelder beschlagnahmt; 154 Mrd. USD Rekord<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ergebnis ist kein Freispruch und kein Todesurteil. Das Regime ist weder wirkungslos, denn die Spur funktioniert, noch ein sauberer Sieg, denn der Gro\u00dfteil der Beute entkommt. Es ist ein grobes, teures Instrument, dessen Grenznutzen umstritten und dessen Kosten konkret und steigend sind.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht &bdquo;\u00dcberwachung ja oder nein&ldquo;, sondern: L\u00e4sst sich der Nutzen (Nachverfolgbarkeit, Identit\u00e4t an der Rampe) erhalten, w\u00e4hrend die Kosten (Massendatenhaltung, defensives Melden, Grundrechtseingriff) sinken? Genau hier setzt der interessanteste Reform-Pfad an, und er kommt aus der Kryptografie selbst.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Reform-Pfad: Compliance ohne Total\u00fcberwachung<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die technisch interessanteste Antwort sind Zero-Knowledge-Beweise. Die Idee ist, einen Nachweis von seinen Daten zu trennen. Man beweist, dass man eine KYC-Pr\u00fcfung bestanden hat, \u00fcber 18 ist oder nicht auf einer Sanktionsliste steht, ohne Namen, Adresse oder Ausweis preiszugeben. Aus einer Daten\u00fcbergabe wird eine selektive Offenlegung (selective disclosure), und aus der Datenhalde wird ein Beweis, den niemand stehlen kann, weil er keine Rohdaten enth\u00e4lt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist keine Theorie mehr. Die Deutsche Bank hat 2025 mit dem Anbieter Privado ID einen Proof of Concept abgeschlossen, der ZK-basierte Identit\u00e4tspr\u00fcfung auf der Blockchain demonstriert, ohne Kundendaten auf einen geteilten Ledger zu schreiben (<a href='https:\/\/www.privado.id\/blog\/the-moment-of-trusted-identity'>Privado ID<\/a>). Sie gilt als eine der ersten Gro\u00dfbanken, die ZK-Identit\u00e4t als Produktionsanforderung f\u00fcr tokenisierte Verm\u00f6genswerte behandelt; auch Citi, HSBC und Sony Bank testen die Technik, und Anbieter wie zkMe sind bereits in RWA-Plattformen aktiv. F\u00fcr ein Land mit ausgepr\u00e4gter Datenschutz-Tradition ist das mehr als eine Randnotiz.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Haken ist regulatorisch, nicht technisch. Weder die AMLR noch die aktuellen FATF-Leitlinien haben Zero-Knowledge-Beweise ausdr\u00fccklich als vollwertiges Compliance-Mittel anerkannt; die Eins\u00e4tze laufen in einer Grauzone, bis die Europ\u00e4ische Bankenaufsicht technische Standards liefert (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/opinion\/2026\/03\/19\/the-privacy-paradox-regulating-zero-knowledge-finance-in-the-eu-and-beyond'>CoinDesk<\/a>). Die Aufsicht muss also erst entscheiden, ob &bdquo;beweisbare Compliance&ldquo; als Compliance z\u00e4hlt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der verwandte Weg ist wiederverwendbare, nutzergehaltene Identit\u00e4t, wie sie die geplante europ\u00e4ische EUDI-Wallet verspricht: einmal gepr\u00fcft, danach vielfach und datensparsam vorzeigbar. Zusammengenommen skizzieren beide Ans\u00e4tze ein System, das die Rampe kennt, ohne jede B\u00f6rse zur Datenhalde zu machen. Es ist der einzige Weg, der Nutzen und Kosten gleichzeitig verbessert, statt sie nur gegeneinander abzuw\u00e4gen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was das f\u00fcr Nutzer in Deutschland bedeutet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Was hei\u00dft das konkret f\u00fcr Anlegerinnen und Anleger in Deutschland? Kurzfristig \u00e4ndert sich wenig am Alltag: Wer bei einer lizenzierten Plattform handelt, durchl\u00e4uft volle KYC, wird laufend \u00fcberwacht und akzeptiert, dass Auszahlungen an eigene self-hosted Wallets \u00fcber 1.000 Euro einen Eigentumsnachweis ausl\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Mittelfristig, bis 2027 und 2028, verdichtet sich das Bild: keine anonymen Konten mehr, Delistings von Privacy Coins, eine 10.000-Euro-Grenze f\u00fcr anonymes Bargeld und eine europ\u00e4ische Aufsicht, die die gr\u00f6\u00dften Anbieter direkt pr\u00fcft. Mehr gesammelte Daten bedeuten auch mehr m\u00f6gliche Datenlecks; der eigene KYC-Fu\u00dfabdruck wird zu einem Risiko, das man dort klein halten sollte, wo es legal m\u00f6glich ist.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Praktisch hei\u00dft das: bei der Wahl der Plattform auf Sicherheitskultur und Datensparsamkeit achten, die Regeln zur Self-Custody-Verifizierung kennen, mit Delistings rechnen und den zk- und EUDI-Track im Auge behalten, denn dort entscheidet sich, ob Compliance k\u00fcnftig ohne vollst\u00e4ndige Preisgabe der Identit\u00e4t funktioniert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Richtung ist gesetzt: mehr Abdeckung, mehr Zentralisierung, mehr Daten. Die Frage, mit der dieser Text begann, bleibt offen: Kauft die \u00dcberwachung genug, um ihren Preis zu rechtfertigen? Der n\u00e4chste ehrliche Test ist, ob AMLA und beweisbare Compliance die Trefferquote heben, ohne die Kosten weiter zu t\u00fcrmen. Bis dahin gilt der n\u00fcchterne Befund: Das System sieht sehr viel und verhindert \u00fcberraschend wenig, und beides stimmt zugleich.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Ist Selbstverwahrung von Krypto in der EU ab 2027 verboten?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Selbstverwahrte (self-hosted) Wallets, Zahlungen an sie und Peer-to-Peer-Transfers zwischen Privatpersonen bleiben erlaubt und sind von der AMLR ausdr\u00fccklich ausgenommen. Reguliert wird die Schnittstelle: \u00dcberweist eine lizenzierte B\u00f6rse mehr als 1.000 Euro von oder zu einer self-hosted Wallet, muss sie pr\u00fcfen, ob die Wallet dem Kunden geh\u00f6rt. In der Praxis kann das dazu f\u00fchren, dass manche Plattformen solche Transfers erschweren.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Werden Monero und andere Privacy Coins in Deutschland verboten?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Der private Besitz und die Nutzung bleiben legal. Ab dem 10. Juli 2027 d\u00fcrfen lizenzierte Krypto-Dienstleister in der EU anonymit\u00e4tswahrende Coins wie Monero oder Zcash jedoch nicht mehr listen, verwahren oder handelbar machen. Praktische Folge sind Delistings an regulierten B\u00f6rsen und damit geringere Liquidit\u00e4t, kein strafrechtliches Verbot des Coins selbst.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wer beaufsichtigt Geldw\u00e4sche bei Krypto in Deutschland?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Zust\u00e4ndig sind die BaFin nach dem Geldw\u00e4schegesetz und die Financial Intelligence Unit bei der Generalzolldirektion, die Verdachtsmeldungen entgegennimmt und auswertet. Ab 2028 tritt die EU-Beh\u00f6rde AMLA in Frankfurt hinzu, die die gr\u00f6\u00dften und risikoreichsten Anbieter direkt beaufsichtigt. Eine reine Wertpapieraufsicht ist daf\u00fcr nicht zust\u00e4ndig; Geldw\u00e4sche ist ein eigenes Regime neben MiCA.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Funktioniert KYC und AML \u00fcberhaupt gegen Krypto-Kriminalit\u00e4t?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bilanz ist gemischt. Einerseits liegt der illegale Anteil unter einem Prozent des On-Chain-Volumens, und die Transparenz der Blockchain erm\u00f6glichte Beschlagnahmen wie die 3,6 Milliarden US-Dollar im Bitfinex-Fall. Andererseits werden nach UN-Sch\u00e4tzung nur rund 0,2 Prozent krimineller Gelder eingefroren, und die illegalen Str\u00f6me erreichten 2025 mit 154 Milliarden US-Dollar einen Rekord. Nutzen und Kosten stehen in einem umstrittenen Verh\u00e4ltnis.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist die Travel Rule oder TFR bei Krypto?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Travel Rule verlangt, dass mit jeder Krypto-\u00dcberweisung zwischen Dienstleistern Angaben zu Sender und Empf\u00e4nger mitreisen. In der EU setzt die Transfer of Funds Regulation (TFR) sie seit dem 30. Dezember 2024 ohne Bagatellgrenze um, sie gilt also ab dem ersten Euro. F\u00fcr Transfers von oder zu selbstverwahrten Wallets \u00fcber 1.000 Euro kommt eine Eigentumspr\u00fcfung hinzu.<\/p><script type=\"application\/ld+json\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Ist Selbstverwahrung von Krypto in der EU ab 2027 verboten?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Nein. Selbstverwahrte Wallets, Zahlungen an sie und Peer-to-Peer-Transfers zwischen Privatpersonen bleiben erlaubt und sind von der AMLR ausdr\u00fccklich ausgenommen. Reguliert wird die Schnittstelle: \u00dcberweist eine lizenzierte B\u00f6rse mehr als 1.000 Euro von oder zu einer self-hosted Wallet, muss sie pr\u00fcfen, ob die Wallet dem Kunden geh\u00f6rt. 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