{"id":464,"date":"2026-09-04T04:30:32","date_gmt":"2026-09-04T04:30:32","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/stablecoin-regeln-2026-zinsverbot-rendite\/"},"modified":"2026-09-04T04:30:32","modified_gmt":"2026-09-04T04:30:32","slug":"stablecoin-regeln-2026-zinsverbot-rendite","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/stablecoin-regeln-2026-zinsverbot-rendite\/","title":{"rendered":"Stablecoin-Regeln 2026: Wer die stille Rendite kassiert"},"content":{"rendered":"<h2 class='wp-block-heading'>Der Markt, der seinen Nutzern nichts zahlt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Stablecoins sind das stille R\u00fcckgrat des Kryptomarkts. Wer an einer B\u00f6rse handelt, DeFi nutzt oder Werte \u00fcber Grenzen schickt, parkt sein Geld fast immer in einem dollargebundenen Token wie USDT oder USDC. Ende August 2026 lag der gesamte Stablecoin-Markt bei rund 301 Milliarden US-Dollar (etwa 257 Milliarden Euro bei einem Kurs von rund 1,17 US-Dollar je Euro), wie die <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/categories\/stablecoins'>Stablecoin-\u00dcbersicht von CoinGecko<\/a> zeigt. Tethers USDT h\u00e4lt davon gut 183 Milliarden Dollar und knapp 61 Prozent, Circles USDC rund 74 Milliarden. Beide zusammen decken fast neun von zehn Dollar im Markt ab, und rund 99 Prozent aller Stablecoins lauten weiter auf US-Dollar.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Hinter dieser N\u00fcchternheit steckt ein bemerkenswertes Gesch\u00e4ftsmodell. Jeder dieser Dollar ist mit sicheren Anlagen hinterlegt, \u00fcberwiegend mit kurzlaufenden US-Staatsanleihen, die bei den Leitzinsen des Jahres 2026 noch immer rund vier Prozent abwerfen. Diese Zinsen kassiert der Emittent. Der Halter des Tokens bekommt: nichts. Ein Guthaben von 10.000 Euro in USDC bringt seinem Besitzer null Euro Ertrag, w\u00e4hrend Circle auf die dahinterliegenden Reserven Jahr f\u00fcr Jahr Zinsen einnimmt. Das ist kein Marktversagen, sondern das direkte Ergebnis einer Regel, die in Europa wie in den USA im Zentrum des Stablecoin-Rechts steht: dem Zinsverbot.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Anfang September 2026, mit Bitcoin bei rund 69.000 Euro (<a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>CoinGecko<\/a>) und einem Kryptomarkt in Feierlaune, dreht sich die \u00f6ffentliche Debatte \u00fcber Stablecoin-Regeln meist um Reserven, Lizenzen und die Frage, ob der Euro dem Dollar etwas entgegensetzen kann. Ein anderer Blick lohnt sich aber genauso: Folgt man dem Geld, wird sichtbar, wer in diesem Markt wirklich verdient und warum die Regeln genau das so wollen. Dieser Text zeichnet nach, wie aus einer einzigen Vorschrift ein Milliardengesch\u00e4ft f\u00fcr wenige Emittenten wurde, wohin die Rendite stattdessen flie\u00dft und warum Br\u00fcssel ausgerechnet jetzt dar\u00fcber nachdenkt, das Zinsverbot wieder aufzuweichen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Das Zinsverbot: die Regel, die alles entscheidet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Im Zentrum steht ein einziger Satz im Regelwerk. Artikel 50 der EU-Verordnung MiCA untersagt es Emittenten von E-Geld-Token, den Haltern Zinsen zu gew\u00e4hren. F\u00fcr die wertreferenzierten Token (ART) gilt \u00fcber Artikel 40 dasselbe. Das Verbot ist absolut und bewusst weit gefasst: Jeder Vorteil, der an die Haltedauer eines Tokens gekn\u00fcpft ist, gilt als Zins, egal wie man ihn nennt. Bonus, Belohnung, Rabatt oder ein als flexibles Sparprodukt verpacktes Angebot fallen alle darunter. Eine ausf\u00fchrliche juristische Einordnung dazu liefert ein <a href='https:\/\/blogs.law.ox.ac.uk\/oblb\/blog-post\/2026\/03\/stablecoin-interest-crossroads-micas-prohibition-and-us-regulatory-maze'>Beitrag des Oxford Business Law Blog<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die USA ziehen mit dem 2025 unterzeichneten GENIUS Act nach. Auch dort d\u00fcrfen zugelassene Emittenten von Zahlungs-Stablecoins keinen Zins, keine Dividende und keine Rendite an die Halter aussch\u00fctten, die allein aus dem Halten des Tokens folgt. Zwei Rechtsr\u00e4ume, die sich in fast allem unterscheiden, sind sich in diesem Punkt einig. Der US-Kongressdienst CRS hat die dahinterliegende Kontroverse in einem eigenen Papier zur <a href='https:\/\/www.congress.gov\/crs-product\/IF13174'>Stablecoin-Zinsdebatte<\/a> zusammengefasst. Das Verbot klingt technisch, aber es ist der Hebel, an dem die gesamte \u00d6konomie des Sektors h\u00e4ngt. Es bestimmt, dass die Zinsen der Reserven nicht bei den Nutzern landen. Die Frage ist damit nicht mehr, ob Rendite entsteht, sondern nur noch, wer sie einstreicht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was ein Stablecoin im Regelwerk ist: E-Geld, kein Investment<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Um zu verstehen, warum das Verbot existiert, muss man wissen, als was MiCA einen Stablecoin \u00fcberhaupt einstuft. Ein an eine einzige W\u00e4hrung gebundener Coin wie USDC oder der Euro-Token EURC ist rechtlich ein E-Geld-Token, also elektronisches Geld. Damit steht er in einer Reihe mit einer Prepaid-Karte oder einem PayPal-Guthaben, nicht mit einer Aktie oder einem Fonds. Ein Guthaben auf dem Bezahlkonto hat noch nie Zinsen abgeworfen, und genau diese Logik \u00fcbertr\u00e4gt MiCA auf den Stablecoin. Wer ihn h\u00e4lt, h\u00e4lt Geld, kein Wertpapier.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Aus dieser Einordnung folgt der Rest. Ausgeben darf einen E-Geld-Token nur eine Bank oder ein zugelassenes E-Geld-Institut. Die Reserven m\u00fcssen die Token jederzeit zu eins zu eins decken, getrennt vom Verm\u00f6gen des Emittenten verwahrt sein, und jeder Halter hat einen Anspruch auf R\u00fccktausch zum Nennwert. In Deutschland wacht dar\u00fcber die BaFin auf Basis des Kryptom\u00e4rkteaufsichtsgesetzes, das Teil des Finanzmarktdigitalisierungsgesetzes ist; die Beh\u00f6rde beaufsichtigt die Dienstleister und Emittenten, nicht das Protokoll selbst, wie ihr <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen<\/a> deutlich macht. Wer die Lizenzh\u00fcrden und die daraus folgende Marktbereinigung im Detail nachlesen will, findet sie in unserer Analyse zu den <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mica-2026-lizenzkosten-konsolidierung-banken\/'>MiCA-Lizenzkosten und der Konsolidierung<\/a>. Die entscheidende Weichenstellung aber ist die Einstufung als Geld: Geld zahlt keine Zinsen, ein Investment schon.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zweiter Token-Typ, die wertreferenzierten Token (ART), bildet einen Korb aus mehreren W\u00e4hrungen oder Verm\u00f6genswerten ab und spielt im Markt bislang kaum eine Rolle. F\u00fcr beide gilt zudem eine Obergrenze, die zeigt, wie sehr MiCA Stablecoins als Zahlungsmittel und nicht als Anlage denkt: Wird ein nicht auf Euro lautender Token in gro\u00dfem Umfang f\u00fcr allt\u00e4gliche Zahlungen genutzt, jenseits von rund 200 Millionen Euro Tagesumsatz, muss der Emittent die Ausgabe drosseln. Der Gesetzgeber will damit verhindern, dass ein fremdw\u00e4hrungsgebundener Coin zum parallelen Alltagsgeld im Euroraum wird.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wie aus Reserven Milliarden werden: die Mechanik des Float<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kern des Gesch\u00e4fts hei\u00dft Float. Nimmt ein Nutzer 10.000 Euro und tauscht sie in einen dollargebundenen Stablecoin, erh\u00e4lt er Token im Gegenwert. Die 10.000 Euro (beziehungsweise die entsprechenden Dollar) legt der Emittent in kurzlaufende Staatsanleihen an. Bei rund vier Prozent Zins sind das 400 im Jahr, die vollst\u00e4ndig beim Emittenten bleiben. Der Nutzer tr\u00e4gt das Kursrisiko nicht, hat aber auch keinen Anteil am Ertrag. Er hat schlicht sein Geld gegen einen digitalen Gutschein getauscht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Skaliert man das auf den ganzen Markt, entsteht eine gewaltige Ertragsquelle. Bei einem Umlauf von gut 183 Milliarden Dollar summieren sich vier Prozent auf mehr als sieben Milliarden Dollar Bruttoertrag im Jahr, allein aus Anleihezinsen. \u00d6konomen kennen dieses Prinzip als Seigniorage, den Gewinn aus der Ausgabe von Geld. Klassische Banken verdienen an Einlagen \u00e4hnlich, geben davon aber traditionell einen Teil als Guthabenzins zur\u00fcck. Der Stablecoin-Emittent beh\u00e4lt alles. Das Zinsverbot verwandelt einen Zahlungsmittel-Anbieter in einen der ertragsst\u00e4rksten Finanzintermedi\u00e4re \u00fcberhaupt, ohne dass er daf\u00fcr eine einzige Filiale betreiben oder einen Kredit vergeben m\u00fcsste. Genau diese Asymmetrie treibt die politische Debatte an.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Circle: ein Zinsgesch\u00e4ft an der B\u00f6rse<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie stark ein Stablecoin-Emittent am Float h\u00e4ngt, zeigt kein Unternehmen so klar wie Circle, der Herausgeber von USDC. F\u00fcr das Gesamtjahr 2025 meldete Circle rund 2,7 Milliarden Dollar Umsatz, von denen etwa 2,6 Milliarden aus Reserve-Ertr\u00e4gen stammten. Andere Einnahmen trugen nur rund 110 Millionen bei. Nach eigener Analyse h\u00e4ngen <a href='https:\/\/cryptoslate.com\/circle-processed-32-trillion-in-usdc-transfers-yet-95-of-its-revenue-relies-entirely-on-interest-rates\/'>rund 95 Prozent der Erl\u00f6se an den Zinss\u00e4tzen<\/a>, obwohl \u00fcber USDC im selben Zeitraum Transfers von rund 32 Billionen Dollar liefen. Circle verdient nicht am Bezahlen, sondern am Halten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der B\u00f6rsengang im Juni 2025 machte diese Abh\u00e4ngigkeit \u00f6ffentlich. Circle deb\u00fctierte an der NYSE zu 31 Dollar je Aktie und schloss den ersten Handelstag rund 168 Prozent h\u00f6her, was das Unternehmen mit fast 17 Milliarden Dollar bewertete, wie <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/markets\/2025\/06\/04\/circle-debuts-on-nyse-at-31-per-share-valuing-stablecoin-issuer-at-62-billion'>CoinDesk<\/a> berichtete. Seither schwankt die Aktie mit den Zinserwartungen, denn jeder Zinsschritt der US-Notenbank ver\u00e4ndert direkt den Reserve-Ertrag. Im ersten Quartal 2026 lag der Umsatz bei 694 Millionen Dollar, der Reserve-Ertrag bei 653 Millionen, w\u00e4hrend die Rendite auf die Reserven bereits sp\u00fcrbar sank, wie Circle in seinen <a href='https:\/\/www.circle.com\/pressroom\/circle-reports-first-quarter-2026-results'>Quartalszahlen<\/a> auswies. Ein Emittent, dessen Ertr\u00e4ge fallen, sobald die Zinsen fallen, ist im Kern ein gehebeltes Zinsvehikel, verpackt als Zahlungsdienstleister.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie empfindlich dieses Modell auf Zinsen reagiert, zeigte das zweite Quartal 2026. Das USDC-Transfervolumen sprang gegen\u00fcber dem Vorjahr um rund 151 Prozent, doch Umsatz und Reserve-Ertrag legten laut den <a href='https:\/\/www.thestreet.com\/investing\/stocks\/circle-crcl-q2-earnings-revenue-miss-usdc-volume'>Zahlen zum zweiten Quartal 2026<\/a> nur um sieben beziehungsweise f\u00fcnf Prozent auf gut 701 Millionen Dollar zu. Der Grund: Sinkende Leitzinsen dr\u00fccken die Rendite auf jede einzelne Reserve-Position, selbst wenn die Menge an Token w\u00e4chst. F\u00fcr Circle ist das eine strukturelle Verwundbarkeit, denn das Unternehmen verdient am meisten, wenn die Zinsen hoch sind und die Nutzer am wenigsten Grund haben, sich \u00fcber die fehlende Verzinsung zu \u00e4rgern.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Tether: \u00fcber zehn Milliarden Gewinn, keine Aussch\u00fcttung<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Noch deutlicher wird das Bild bei Tether, dem Herausgeber von USDT und dem mit Abstand gr\u00f6\u00dften Emittenten. F\u00fcr 2025 wies Tether laut Pr\u00fcfbescheinigung der Gesellschaft BDO einen Nettogewinn von <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2026\/01\/30\/tether-s-gold-holdings-top-usd17-billion-as-net-profits-surpassed-usd10-billion-for-2025'>mehr als zehn Milliarden Dollar<\/a> aus. Das Unternehmen hielt zum Jahresende rund 135 Milliarden Dollar in US-Staatsanleihen, dazu Gold im Wert von \u00fcber 17 Milliarden und einen \u00dcberschuss von etwa 6,3 Milliarden Dollar \u00fcber die 186,5 Milliarden Dollar an ausstehenden Token hinaus. Tether z\u00e4hlt damit zu den gr\u00f6\u00dften Haltern von US-Staatsschulden weltweit, vor L\u00e4ndern wie Deutschland, Saudi-Arabien oder S\u00fcdkorea.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Dimension ist schwer zu \u00fcbersch\u00e4tzen. Mit einem Gewinn in dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung steht Tether auf einer Stufe mit gro\u00dfen Wall-Street-H\u00e4usern, besch\u00e4ftigt aber nur einen Bruchteil ihrer Mitarbeiter und h\u00e4lt weder Filialen noch ein klassisches Kreditbuch. Das Unternehmen verdient im Kern daran, dass Millionen Menschen weltweit Dollar in einem Token parken, f\u00fcr den sie freiwillig auf jeden Zins verzichten. Kritiker nennen das eine private Notenpresse, Bef\u00fcrworter einen effizienten Dollar-Zugang f\u00fcr L\u00e4nder mit schwacher W\u00e4hrung. Beide Lesarten \u00e4ndern nichts an der Grundmechanik: Der Ertrag der Reserven geh\u00f6rt dem Emittenten, nicht dem Halter.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Gewinn ist fast vollst\u00e4ndig Float-Ertrag, und weil Tether privat ist und keine Aktion\u00e4re \u00fcber die B\u00f6rse bedient, bleibt er im Kreis der Eigent\u00fcmer. Kein Cent davon flie\u00dft an die Millionen Nutzer, deren geparkte Dollar die Reserven \u00fcberhaupt erst f\u00fcllen. Tether-Chef Paolo Ardoino hat die MiCA-Regeln wiederholt kritisiert und gewarnt, die europ\u00e4ische Vorgabe, gro\u00dfe Teile der Reserven in Bankeinlagen zu halten, berge ein <a href='https:\/\/crypto.news\/tether-ceo-warns-mica-stablecoin-rules-could-pose-systemic-risks-to-eu-banks\/'>systemisches Risiko f\u00fcr die europ\u00e4ischen Banken<\/a>. An seiner eigenen Gewinnrechnung \u00e4ndert die Debatte nichts. Die folgende Tabelle stellt die Float-\u00d6konomie der wichtigsten Token nebeneinander.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Stablecoin<\/th><th>Emittent<\/th><th>Umlauf (ca.)<\/th><th>Reserve-Ertrag \/ Gewinn 2025<\/th><th>Zinsen an Halter<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>USDT<\/td><td>Tether<\/td><td>rund 183 Mrd. USD<\/td><td>\u00fcber 10 Mrd. USD Nettogewinn<\/td><td>0 Prozent<\/td><\/tr><tr><td>USDC<\/td><td>Circle<\/td><td>rund 74 Mrd. USD<\/td><td>rund 2,6 Mrd. USD Reserve-Ertrag<\/td><td>0 Prozent (USA: Rewards \u00fcber Plattform)<\/td><\/tr><tr><td>EURC<\/td><td>Circle<\/td><td>rund 0,4 Mrd. USD<\/td><td>im kleinen Euro-Segment<\/td><td>0 Prozent<\/td><\/tr><tr><td>EURAU<\/td><td>AllUnity (DWS u.a.)<\/td><td>rund 19 Mio. USD<\/td><td>noch jung<\/td><td>0 Prozent<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Warum die Reserve-Regeln \u00fcber die Rendite entscheiden<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die Halter keinen Zins bekommen, wird die zweite gro\u00dfe Frage umso wichtiger: Wo d\u00fcrfen die Reserven liegen? Denn davon h\u00e4ngt ab, wie hoch der Float-Ertrag \u00fcberhaupt ausf\u00e4llt und wem das Geld nebenbei zugutekommt. Hier trennen sich Europa und die USA scharf. MiCA schreibt f\u00fcr E-Geld-Token vor, dass mindestens 30 Prozent der Reserve in Einlagen bei EU-Banken liegen, bei als signifikant eingestuften Token sogar 60 Prozent; der Rest muss in hochliquiden, sicheren Anlagen stecken, Kryptowerte sind ausgeschlossen. Der GENIUS Act dagegen lenkt die Reserven vor allem in kurzlaufende US-Staatsanleihen bis 93 Tage Restlaufzeit, versicherte Einlagen, Repos und Staats-Geldmarktfonds.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist mehr als eine technische Feinheit. Bankeinlagen werfen in der Regel weniger ab als Staatsanleihen, weshalb die europ\u00e4ische Vorgabe den Ertrag der Emittenten tendenziell dr\u00fcckt und zugleich Geld in die Bilanzen europ\u00e4ischer Banken zur\u00fccksp\u00fclt, ein bewusstes Ziel. Das US-Modell h\u00e4lt den Float in Staatsanleihen und macht die Emittenten damit zu einer wachsenden Nachfragequelle f\u00fcr US-Schulden, ein ebenso bewusster Effekt. Die Reserve-Regeln entscheiden also nicht nur \u00fcber Sicherheit, sondern \u00fcber H\u00f6he und Empf\u00e4nger der Rendite. Wer in den USA die entstehende Aufsichtsl\u00fccke f\u00fcllt, w\u00e4hrend die Regeln erst geschrieben werden, beleuchtet unsere Analyse zum <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/sec-enforcement-vakuum-2026-wer-die-luecke-fuellt\/'>SEC-Enforcement-Vakuum 2026<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Washington ist dieser Effekt kein Nebenprodukt, sondern Kalk\u00fcl. US-Finanzminister Scott Bessent hat mehrfach betont, dass regulierte Dollar-Stablecoins zu einer strukturellen Nachfragequelle f\u00fcr US-Staatsanleihen werden und den Kreis der K\u00e4ufer amerikanischer Schulden erweitern; Sch\u00e4tzungen aus dem Finanzministerium sehen den Markt bis zum Ende des Jahrzehnts in Richtung mehrerer Billionen Dollar wachsen, wie <a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/357872'>The Block<\/a> berichtete. Jeder neue Stablecoin-Dollar, der in kurzlaufende Treasuries flie\u00dft, st\u00fctzt so indirekt die Finanzierung des US-Haushalts, ein geopolitischer Hebel, den die europ\u00e4ische Bankeinlagen-Vorgabe bewusst nicht nachbaut.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Merkmal<\/th><th>MiCA (EU, E-Geld-Token)<\/th><th>GENIUS Act (USA)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Zul\u00e4ssige Emittenten<\/td><td>Bank oder E-Geld-Institut<\/td><td>Banken und zugelassene Nichtbanken (OCC \/ Bundesstaat)<\/td><\/tr><tr><td>Reserve-Zusammensetzung<\/td><td>mind. 30 Prozent (signifikant: 60 Prozent) in EU-Bankeinlagen, Rest sichere Aktiva; keine Kryptowerte<\/td><td>v.a. US-Staatsanleihen bis 93 Tage, versicherte Einlagen, Repos, Staats-Geldmarktfonds<\/td><\/tr><tr><td>Zinsen an Halter<\/td><td>verboten (Art. 50)<\/td><td>verboten<\/td><\/tr><tr><td>Rewards \u00fcber Dritte (B\u00f6rsen)<\/td><td>ebenfalls erfasst, faktisch blockiert<\/td><td>erlaubt (Plattform-Rewards)<\/td><\/tr><tr><td>Aufsicht<\/td><td>BaFin \/ EBA, ESMA<\/td><td>OCC und Bundesstaaten<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Die Belohnungs-L\u00fccke: wenn aus Zinsen Rewards werden<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">An dieser Stelle \u00f6ffnet sich der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Regimen. Der GENIUS Act verbietet dem Emittenten die Zinszahlung, l\u00e4sst aber Dritten wie Kryptob\u00f6rsen ausdr\u00fccklich Raum, den Nutzern Belohnungen auszusch\u00fctten. Coinbase nutzt das und zahlt US-Kunden auf USDC-Guthaben eine Belohnung von rund vier Prozent, deklariert nicht als Zins, sondern als Reward. Rechtlich ist das eine Marketingleistung der Plattform, kein Ertrag aus dem Token selbst. Wirtschaftlich f\u00fchlt es sich f\u00fcr den Nutzer an wie ein Zins.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">In Europa ist diese T\u00fcr verschlossen. MiCA geht \u00fcber das Emittentenverbot hinaus und erfasst auch die Dienstleister, sodass eine B\u00f6rse einem EU-Kunden keine solche Belohnung zahlen darf. Der Fachdienst Ledger Insights bringt es auf den Punkt: <a href='https:\/\/www.ledgerinsights.com\/the-eus-mica-stablecoin-regulation-prevents-remuneration-or-does-it\/'>Coinbase darf US-Kunden Stablecoin-Rewards zahlen, in der EU blockiert MiCA das<\/a>. Dass die Grenze zwischen Belohnung und Zins flie\u00dfend ist, zeigen findige Umgehungsversuche, etwa <a href='https:\/\/en.cryptonomist.ch\/2026\/09\/01\/mica-interest-ban-stablecoins\/'>Cashback-Karten auf USDT-Basis<\/a>, die den Ertrag als R\u00fcckverg\u00fctung auf Ausgaben tarnen. Coinbase-Chef Brian Armstrong argumentiert offen f\u00fcr mehr Spielraum. Viele Amerikaner verdienten auf dem Sparkonto nur 0,14 Prozent, obwohl kurzlaufende Staatsanleihen rund 4,5 Prozent abw\u00fcrfen, <a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2025\/04\/02\/coinbase-ceo-brian-armstrong-says-congress-should-allow-stablecoin-companies-to-pay-users-interest.html'>das sei unfair<\/a>, sagte er. Bemerkenswert ist sein Eingest\u00e4ndnis, ein Verbot der Rewards w\u00fcrde Coinbase paradoxerweise profitabler machen, weil das Unternehmen dann nichts mehr an die Kunden weiterreichen m\u00fcsste.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">In Washington ist genau diese Belohnungsfrage zum Politikum geworden. Bankenverb\u00e4nde warnten, erlaubte Stablecoin-Rewards w\u00fcrden Einlagen aus kleineren Gemeinschaftsbanken abziehen, w\u00e4hrend die Kryptobranche auf Wettbewerbsf\u00e4higkeit pochte. Im Streit um das nachgelagerte Marktstruktur-Gesetz, den CLARITY Act, rangen beide Lager monatelang um die Frage, wie weit Plattform-Rewards reichen d\u00fcrfen, ehe sich ein <a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/399780\/coinbase-says-deal-reached-on-clarity-act-stablecoin-yield-clearing-path-to-long-stalled-senate-markup'>Kompromiss<\/a> abzeichnete. Er hielt an der Grundregel fest: Der Emittent zahlt nichts, die Plattform darf in engen Grenzen teilen. Damit blieb die eigentliche Rendite dort, wo die Reserven liegen, und die Belohnung eine Sache des Marketingbudgets, nicht des Rechtsanspruchs.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Coinbase, Circle und die \u00d6konomie der Verteilung<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wo Nutzer etwas bekommen, ist es kein Zins, sondern ein Baustein eines Verteilungsdeals. Circle beh\u00e4lt vom Reserve-Ertrag l\u00e4ngst nicht alles. Ein gro\u00dfer Teil flie\u00dft an Vertriebspartner, allen voran Coinbase, die USDC bewerben und verbreiten. Im vierten Quartal 2025 zahlte Circle nach Branchenberichten <a href='https:\/\/crypto.news\/circle-paid-461-million-in-distribution-costs-from-733-million-reserve-income-in-q4\/'>461 Millionen Dollar Vertriebskosten aus 733 Millionen Dollar Reserve-Ertrag<\/a>, also deutlich mehr als die H\u00e4lfte. \u00dcber das Jahr gerechnet gehen grob 59 Prozent des Bruttoertrags an die Partner.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Coinbase wiederum verdiente 2025 rund 1,35 Milliarden Dollar mit Stablecoins, gro\u00dfenteils aus dieser USDC-Partnerschaft, wie <a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2025\/09\/18\/stablecoin-rewards-crypto-banks-coinbase.html'>CNBC<\/a> berichtete. Die Rewards an die Nutzer sind das Mittel, mit dem die B\u00f6rse um Guthaben konkurriert; finanziert werden sie aus dem Float, den letztlich die Nutzer selbst erzeugen. Der Ertrag wandert also vom Halter zum Emittenten, von dort teils zur B\u00f6rse und in den USA zu einem kleinen Teil zur\u00fcck zum Nutzer. In Europa endet die Kette schon beim Emittenten. F\u00fcr die Halter ist das Ergebnis in beiden F\u00e4llen dasselbe Ausgangsproblem: Ohne einen Dritten, der freiwillig teilt, bleibt vom Zins nichts \u00fcbrig.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Tokenisierte Geldmarktfonds: die legale Rendite<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer die Zinsen der Reserven doch selbst einstreichen will, muss den Stablecoin verlassen und in ein Produkt wechseln, das rechtlich kein Geld, sondern ein Investment ist. Genau hier wachsen tokenisierte Geldmarktfonds. BlackRocks Fonds BUIDL, aufgelegt im M\u00e4rz 2024 zusammen mit dem Tokenisierer Securitize, ist mit rund 2,5 Milliarden Dollar der gr\u00f6\u00dfte tokenisierte Staatsanleihe-Fonds und wurde 2026 unter anderem auf Solana ausgeweitet, wie <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2026\/08\/03\/blackrock-expands-tokenized-cash-with-new-blockchain-based-money-market-offerings'>CoinDesk<\/a> dokumentiert. Ein Anteil an einem solchen Fonds bewegt sich wie ein Token auf der Kette, sch\u00fcttet aber die Rendite der zugrunde liegenden Anleihen aus, weil er als Wertpapier reguliert ist und nicht unter das Zinsverbot f\u00e4llt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist die \u00f6konomische Pointe des Regelwerks: Die Nachfrage nach verzinstem Digital-Cash verschwindet nicht, sie verlagert sich nur vom Stablecoin zum Fondsanteil. Institutionelle Anleger nutzen tokenisierte Fonds l\u00e4ngst als renditetragende Parkposition, w\u00e4hrend der Stablecoin die zinslose Zahlungsschicht bleibt. Wer Rendite sucht, kann sie im Kryptobereich auch \u00fcber Staking erzielen, ein ganz anderes Risikoprofil, das wir im Vergleich von <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/lido-rocket-pool-frax-liquid-staking-vergleich-2026\/'>Lido, Rocket Pool und Frax<\/a> aufschl\u00fcsseln. Der tokenisierte Geldmarktfonds ist aber die direkteste Antwort auf das Zinsverbot: dieselben Staatsanleihen, dieselbe Kette, nur mit einem rechtlichen Etikett, das die Aussch\u00fcttung erlaubt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Trend hat handfeste Folgen f\u00fcr die Struktur des Marktes. Wer gr\u00f6\u00dfere Betr\u00e4ge \u00fcber Nacht sicher parken will, ein Handelshaus, ein DAO-Treasury, ein Fintech, w\u00e4hlt zunehmend den tokenisierten Fonds statt des zinslosen Stablecoins und holt sich so die vier Prozent, die der Stablecoin verschenkt. Der Stablecoin bleibt f\u00fcr die schnelle Abwicklung und den Handel, der Fonds \u00fcbernimmt das verzinste Zwischenparken. Das Zinsverbot hat die Rendite also nicht abgeschafft, sondern nur in ein anderes, strenger reguliertes Gef\u00e4\u00df umgeleitet, das nicht jedem Privatanleger gleich leicht zug\u00e4nglich ist.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum das Verbot existiert: Banken, Einlagen und die Angst vor dem Run<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Zinsverbot ist kein Zufall, sondern Schutzmauer. Drei Sorgen tragen es. Erstens w\u00fcrde ein verzinster Stablecoin zu einem quasi unregulierten Geldmarktfonds, der Anlegern eine bank\u00e4hnliche Rendite ohne die entsprechenden Schutzmechanismen verspricht. Zweitens l\u00e4dt eine Rendite hei\u00dfes, jederzeit abziehbares Geld ein; bei Stress kann das einen klassischen Ansturm ausl\u00f6sen, wie ihn USDC im M\u00e4rz 2023 erlebte, als ein Teil der Reserven bei der kollabierenden Silicon Valley Bank festhing und der Token kurzzeitig unter einen Dollar rutschte. Drittens, und politisch am schwersten, f\u00fcrchten Notenbanken und Banken den Abfluss von Einlagen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00fcrden Stablecoins vier Prozent zahlen, k\u00f6nnten Sparer ihre Bankguthaben massenhaft in Token umschichten, was den Banken die g\u00fcnstige Refinanzierung und damit einen Teil ihrer Kreditvergabe entz\u00f6ge. EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone hat wiederholt gewarnt, Stablecoins k\u00f6nnten den Banken Einlagen entziehen, und den digitalen Euro als sch\u00fctzende Antwort ins Feld gef\u00fchrt, wie <a href='https:\/\/www.ledgerinsights.com\/ecbs-cipollone-argues-digital-euro-will-shield-banks-from-stablecoin-encroachment\/'>Ledger Insights<\/a> berichtet. Der digitale Euro selbst, seit Juli 2026 im Trilog zwischen Parlament, Rat und Kommission und mit angepeilter Einigung bis Jahresende, ist ausdr\u00fccklich als \u00f6ffentliches, ebenfalls unverzinstes Geld konzipiert. Das Zinsverbot bei privaten Stablecoins und der zinslose digitale Euro folgen derselben Logik: Zahlungsgeld soll Zahlungsgeld bleiben und nicht mit Bankeinlagen um die Ersparnisse konkurrieren.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Banken bleiben dabei nicht passiv. Statt den Float an private Emittenten zu verlieren, versuchen sie, eigenes Geld auf die Kette zu bringen. Tokenisierte Einlagen, also digital abgebildete Bankguthaben, bleiben rechtlich Einlagen: Sie d\u00fcrfen Zinsen tragen, stehen in der Bankbilanz und fallen unter die Einlagensicherung. JPMorgan brachte mit seinem Einlagen-Token bereits institutionelles Dollar-Geld auf eine \u00f6ffentliche Kette, und europ\u00e4ische Institute arbeiten an vergleichbaren Modellen. Der Wettlauf um die stille Rendite verl\u00e4uft damit nicht nur zwischen Nutzer und Emittent, sondern auch zwischen jungen Stablecoin-Firmen und den etablierten Banken, die sich ihr Geldsch\u00f6pfungsprivileg nicht nehmen lassen wollen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>BaFin, EURAU und der deutsche Blick<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Deutschland ist in dieser Debatte nicht nur Zuschauer. Die BaFin hat einen strengen nationalen Weg gew\u00e4hlt: Die verk\u00fcrzte \u00dcbergangsfrist f\u00fcr Krypto-Dienstleister endete hier bereits Ende Dezember 2025, ein halbes Jahr vor dem EU-Standard. Zugleich ist Deutschland Heimat des ersten BaFin-regulierten Euro-Stablecoins nach MiCA. Der Token EURAU der Gesellschaft AllUnity, einem Gemeinschaftsunternehmen unter Beteiligung der Deutsche-Bank-Tochter DWS, startete Ende Juli 2025 und wurde 2026 auf weitere Ketten ausgeweitet, wie <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2026\/04\/30\/germany-s-allunity-expands-eurau-to-solana-as-euro-stablecoins-gain-traction'>CoinDesk<\/a> berichtete. AllUnity-Chef Alexander H\u00f6ptner nennt das Projekt einen bedeutenden Schritt f\u00fcr die finanzielle Souver\u00e4nit\u00e4t Europas.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Noch ist der Euro-Markt winzig. EURAU kommt auf einen Umlauf im niedrigen zweistelligen Millionenbereich, alle regulierten Euro-Stablecoins zusammen lagen Mitte 2026 bei rund 674 Millionen Dollar und damit bei kaum mehr als 0,2 Prozent des Gesamtmarkts. F\u00fcr den deutschen Sparer bleibt das Ergebnis konkret unattraktiv: Ein Euro-Stablecoin zahlt null Prozent, w\u00e4hrend ein simples Tagesgeldkonto je nach Zinslage zwei bis drei Prozent bietet, gedeckt durch die Einlagensicherung. Der Stablecoin punktet mit Programmierbarkeit und rund um die Uhr verf\u00fcgbarer Abwicklung, nicht mit Ertrag. Genau diese L\u00fccke zwischen bequemer Zahlungsschicht und fehlender Rendite ist der Grund, warum die Regel jetzt politisch unter Druck ger\u00e4t.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auch deshalb formiert sich in Europa ein Bankenlager. Unter dem Namen Qivalis hat sich ein Konsortium europ\u00e4ischer Banken zusammengeschlossen, um einen gemeinsamen Euro-Stablecoin auf den Markt zu bringen, w\u00e4hrend einzelne H\u00e4user wie die Deutsche-Bank-Tochter DWS mit EURAU einen eigenen Weg gehen. Das Motiv ist dasselbe, das dem Zinsverbot zugrunde liegt: Wer das Zahlungsmittel ausgibt, sitzt an der Quelle des Float. F\u00fcr deutsche Banken geht es dabei weniger um Ideologie als um die Frage, ob die Ertr\u00e4ge aus dem digitalen Euro-Zahlungsverkehr k\u00fcnftig bei ihnen oder bei amerikanischen Emittenten landen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Br\u00fcssel \u00f6ffnet das Regelbuch: f\u00e4llt das Zinsverbot?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Kaum ein Jahr nach dem vollen Wirksamwerden von MiCA hat die Europ\u00e4ische Kommission das Regelwerk zur \u00dcberpr\u00fcfung gestellt. Die im Mai 2026 gestartete gezielte Konsultation fragt ausdr\u00fccklich, ob das Zinsverbot beibehalten oder \u00fcberarbeitet werden soll, neben Fragen zu Reserven, Liquidit\u00e4t und den Schwellen f\u00fcr signifikante Token. Der Branchendienst <a href='https:\/\/cointelegraph.com\/news\/eu-mica-crypto-rules-review-updates'>Cointelegraph<\/a> ordnet den Schritt als m\u00f6glichen Einstieg in eine Lockerung ein; das <a href='https:\/\/finance.ec.europa.eu\/document\/download\/62be7015-f066-4fac-b74e-71bacdbcc9f5_en?filename=2026-mica-review-targeted-consultation-document_en.pdf'>Konsultationsdokument der Kommission<\/a> selbst listet die Zinsfrage als eigenen Pr\u00fcfpunkt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ironie liegt im transatlantischen Kontrast. W\u00e4hrend die USA das Verbot mit dem GENIUS Act gerade erst gesetzlich zementiert haben, denkt Europa bereits \u00fcber die Gegenrichtung nach. Fiele das Verbot, k\u00f6nnten Emittenten einen Teil des Float an die Halter weiterreichen, was Stablecoins f\u00fcr Nutzer attraktiver und f\u00fcr Banken gef\u00e4hrlicher machte, genau der Konflikt zwischen Verbraucherfairness und Einlagenschutz, den Armstrong und Cipollone von entgegengesetzten Seiten beschreiben. Ein Bericht der Kommission wird f\u00fcr Mitte 2027 erwartet, samt m\u00f6glichem Gesetzesvorschlag f\u00fcr eine Art MiCA 2.0. Bis dahin bleibt das Zinsverbot in Kraft, aber sein Fundament ist erstmals offen in Frage gestellt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was das f\u00fcr Anleger und Unternehmen in Deutschland bedeutet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Praxis lassen sich klare Schl\u00fcsse ziehen. Erstens: Ein Stablecoin ist per Gesetz ein Zahlungs- und Parkmittel, kein Renditeprodukt. Wer null Prozent erwartet, wird nicht entt\u00e4uscht. Zweitens: Wer die Zinsen der Reserven selbst einnehmen will, muss bewusst in ein anderes Produkt wechseln, etwa einen tokenisierten Geldmarktfonds, ein Tagesgeldkonto oder, mit ganz anderem Risiko, in Staking. Die folgende \u00dcbersicht ordnet die Wege ein.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Weg<\/th><th>Typische Rendite 2026<\/th><th>Rechtlicher Rahmen<\/th><th>Wesentliches Risiko<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Stablecoin einfach halten<\/td><td>0 Prozent<\/td><td>E-Geld (MiCA) \/ Zahlungs-Stablecoin (GENIUS)<\/td><td>Emittenten- und Depeg-Risiko, keine Einlagensicherung<\/td><\/tr><tr><td>USDC-Rewards bei Coinbase (nur USA)<\/td><td>rund 4 Prozent (Reward)<\/td><td>Plattform-Belohnung, in der EU blockiert<\/td><td>Plattform- und Kontrahentenrisiko<\/td><\/tr><tr><td>Tokenisierter Geldmarktfonds (z.B. BUIDL)<\/td><td>rund 4 Prozent<\/td><td>Fondsanteil \/ Wertpapier<\/td><td>Fonds- und Kursrisiko, kein Eins-zu-eins-Token<\/td><\/tr><tr><td>Tagesgeld bei einer Bank<\/td><td>rund 2 bis 3 Prozent<\/td><td>Bankeinlage<\/td><td>gedeckt bis 100.000 Euro<\/td><\/tr><tr><td>Staking (z.B. ETH)<\/td><td>variabel<\/td><td>Kryptowert, kein Stablecoin<\/td><td>Kurs- und Slashing-Risiko<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Drittens zur Rechtslage vor Ort: USDT ist auf regulierten EU-Handelspl\u00e4tzen seit dem Ende der \u00dcbergangsfrist nicht mehr f\u00fcr den Retail-Handel gelistet; halten und selbst verwahren bleibt m\u00f6glich, aber ohne MiCA-Schutz. Ein E-Geld-Token gibt seinem Halter einen Anspruch auf R\u00fccktausch zum Nennwert und getrennt verwahrte Reserven, aber keine Einlagensicherung wie ein Bankkonto. F\u00fcr Unternehmen, die Stablecoins als Zahlungsschiene nutzen, etwa im Handel oder bei automatisierten Zahlungen, z\u00e4hlt vor allem die Abwicklung, nicht der Zins; wie das an der Ladenkasse praktisch aussieht, zeigt unser Beitrag dazu, wie <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/lightning-network-haendler-bitcoin-annehmen-2026\/'>H\u00e4ndler 2026 Bitcoin und digitale Zahlungen annehmen<\/a>. Wer die aufsichtsrechtlichen Grundlagen und den Anlegerschutz vertiefen will, findet die Details in unserer Analyse zur <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mica-praxis-2026-anleger-plattformen\/'>MiCA-Praxis 2026<\/a>. Die Kernbotschaft bleibt: In einem 300-Milliarden-Markt zahlt das Produkt seinen Nutzern nichts, weil eine Regel es so will, und diese Regel steht 2026 erstmals zur Debatte.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Warum zahlen Stablecoins keine Zinsen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Weil das Recht es verbietet. In der EU untersagt Artikel 50 der MiCA-Verordnung den Emittenten von E-Geld-Token jede Verzinsung, und jeder an die Haltedauer gekn\u00fcpfte Vorteil gilt als Zins. In den USA schreibt der GENIUS Act dieselbe Regel f\u00fcr Zahlungs-Stablecoins fest. Die Zinsen der hinterlegten Reserven bleiben damit beim Emittenten, nicht beim Halter.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Darf ich als deutscher Nutzer USDT noch halten?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Halten und selbst verwahren ist weiterhin m\u00f6glich. Regulierte Handelspl\u00e4tze in der EU d\u00fcrfen USDT nach dem Ende der \u00dcbergangsfrist aber nicht mehr f\u00fcr Privatkunden listen, weil Tether keine MiCA-Zulassung anstrebt. Wer USDT h\u00e4lt, genie\u00dft keinen MiCA-Schutz wie R\u00fccktauschanspruch und getrennte Reserven, die bei zugelassenen Token wie USDC gelten.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie verdienen Tether und Circle ihr Geld?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Fast ausschlie\u00dflich \u00fcber den Float, also die Zinsen auf die Reserven, die die ausgegebenen Token decken. Tether wies f\u00fcr 2025 mehr als zehn Milliarden Dollar Nettogewinn aus, \u00fcberwiegend aus US-Staatsanleihen. Bei Circle stammten rund 2,6 von 2,7 Milliarden Dollar Umsatz aus Reserve-Ertr\u00e4gen. Am Bezahlvorgang selbst verdienen beide vergleichsweise wenig.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Gibt es eine legale M\u00f6glichkeit, mit stabilen Digital-Assets Rendite zu erzielen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, aber nicht mit dem Stablecoin selbst. Tokenisierte Geldmarktfonds wie BlackRocks BUIDL bilden dieselben kurzlaufenden Staatsanleihen ab, sch\u00fctten deren Rendite aber aus, weil sie als Wertpapier und nicht als E-Geld reguliert sind. Klassische Alternativen bleiben Tagesgeld mit Einlagensicherung oder, mit deutlich h\u00f6herem Risiko, Staking von Kryptowerten.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>K\u00f6nnte das Zinsverbot in der EU fallen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00f6glich ist es. Die Europ\u00e4ische Kommission hat 2026 eine \u00dcberpr\u00fcfung von MiCA gestartet und fragt darin ausdr\u00fccklich, ob das Zinsverbot beibehalten oder \u00fcberarbeitet werden soll. Ein Bericht wird f\u00fcr Mitte 2027 erwartet, samt einem m\u00f6glichen Gesetzesvorschlag. 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