{"id":476,"date":"2026-09-05T16:27:55","date_gmt":"2026-09-05T16:27:55","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/ki-agenten-erc-8004-identitaet-reputation-2026\/"},"modified":"2026-09-05T16:27:55","modified_gmt":"2026-09-05T16:27:55","slug":"ki-agenten-erc-8004-identitaet-reputation-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/ki-agenten-erc-8004-identitaet-reputation-2026\/","title":{"rendered":"KI-Agenten 2026: Die Identit\u00e4tsschicht ERC-8004 im Realit\u00e4tscheck"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein KI-Agent kann 2026 vieles allein: Er zerlegt eine Aufgabe in Schritte, greift \u00fcber Schnittstellen auf Werkzeuge und Daten zu, unterschreibt seine eigenen Transaktionen und bezahlt eine fremde Maschine in Sekunden mit einem Stablecoin. Zwei der drei Bausteine dieser Maschinen-\u00d6konomie sind weitgehend gebaut. Das Bezahlen erledigt x402, das Coinbase aus dem jahrzehntelang ungenutzten HTTP-Statuscode 402 wiederbelebt hat. Die Frage, ob eine Berechnung ehrlich ablief, beantworten verifizierbare Verfahren von zkML bis zur Attestierung in abgeschotteter Hardware. Der dritte Baustein fehlte lange: Woher wei\u00df ein Agent, oder ein Mensch, mit wem er es \u00fcberhaupt zu tun hat, und ob die gl\u00e4nzende Erfolgsbilanz auf der anderen Seite echt ist?<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Identit\u00e4ts- und Reputationsfrage ist der Kern von ERC-8004, einem Ethereum-Standard mit dem programmatischen Titel &bdquo;Trustless Agents&ldquo;. Vier Namen von Ethereum Foundation, MetaMask, Google und Coinbase stehen darunter, das Interesse der Branche ist entsprechend gro\u00df. Doch die ersten harten Daten aus dem Ethereum-Mainnet zeichnen ein n\u00fcchternes Bild: Registrieren ist leicht, betreiben ist schwer. Dieser Text erkl\u00e4rt, wie die Identit\u00e4tsschicht funktioniert, warum eine On-chain-Reputation so schwer f\u00e4lschungssicher zu bekommen ist, und was der ganze Aufbau f\u00fcr Haftung und Steuer in Deutschland bedeutet.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Zwei Bausteine stehen, der dritte fehlte: Identit\u00e4t<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann sich die Agenten-\u00d6konomie als Stapel aus drei Fragen vorstellen. Erstens: Wie bezahlt ein Agent f\u00fcr eine Leistung? Diese Frage ist inzwischen beantwortet. x402 ist im Juli 2026 unter dem Dach einer eigenen Stiftung institutionell geworden; an Bord sind unter anderem Visa, Mastercard, Stripe, Circle und Coinbase. Zweitens: Lief eine Berechnung korrekt ab? Daf\u00fcr gibt es verifizierbare Nachweise, die eine Rechnung \u00fcberpr\u00fcfbar machen, ohne dass man dem Rechenknecht vertrauen muss. Drittens, und das ist die offene Flanke: Wer ist dieser Agent, und stimmt seine Vorgeschichte?<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Solange zwei Agenten verschiedener Betreiber keine gemeinsame Sprache daf\u00fcr haben, mit wem sie es zu tun haben, beginnt jede Interaktion entweder bei null Vertrauen oder landet wieder bei einem zentralen T\u00fcrsteher, der b\u00fcrgt. Beides skaliert schlecht, wenn Software im Sekundentakt mit fremder Software handelt. Genau diese L\u00fccke adressiert ERC-8004. Der Standard versucht nicht, Agenten intelligenter oder sicherer zu machen; er gibt ihnen einen Ausweis, eine \u00f6ffentliche Bewertungsspur und einen Weg, Arbeit unabh\u00e4ngig pr\u00fcfen zu lassen. Bezahlen, Rechnen, Ausweisen: Erst wenn alle drei Schichten stehen, kann ein Agent einen anderen bezahlen, den er noch nie gesehen hat, und trotzdem wissen, mit wem er es zu tun hat.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was ERC-8004 ist, und wer dahintersteht<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">ERC-8004 tr\u00e4gt in der offiziellen Vorschlagsliste die Nummer 8004 und den Titel &bdquo;Trustless Agents&ldquo;. Es ist ein Standards-Track-Vorschlag der Kategorie ERC, angelegt am 13. August 2025, und er baut auf etablierten Bausteinen auf: den Token-Standards ERC-721, den Signaturformaten EIP-712 und der Vertragssignatur-Pr\u00fcfung ERC-1271. Als Autoren f\u00fchrt das <a href='https:\/\/eips.ethereum.org\/EIPS\/eip-8004'>offizielle EIP-Dokument<\/a> Marco De Rossi (MetaMask), Davide Crapis (Ethereum Foundation), Jordan Ellis (Google) und Erik Reppel (Coinbase) auf, also genau die vier Lager, die auch hinter der breiteren Zahlungsinitiative f\u00fcr Agenten stehen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Standard beschreibt sich selbst knapp: Das Protokoll schl\u00e4gt vor, Blockchains zu nutzen, um &bdquo;discover, choose, and interact with agents across organizational boundaries without pre-existing trust&ldquo; und so &bdquo;open-ended agent economies&ldquo; zu erm\u00f6glichen. Auf Deutsch: Agenten sollen sich \u00fcber Betreibergrenzen hinweg finden, ausw\u00e4hlen und miteinander handeln, ohne dass vorher jemand Vertrauen herstellen musste. Wichtig ist, was ERC-8004 nicht ist. Es ist kein Token, kein Produkt und keine Plattform, sondern eine schlanke Menge von On-chain-Registern, die Googles A2A-Protokoll (Agent2Agent) um eine Vertrauensinfrastruktur erweitern. Und es ist formal noch ein Entwurf (Status: Draft), auch wenn Referenz-Register l\u00e4ngst live laufen, dazu weiter unten mehr. Wer die Debatte im Detail verfolgen will, findet den offenen Diskussionsfaden im <a href='https:\/\/ethereum-magicians.org\/t\/erc-8004-trustless-agents\/25098'>Ethereum-Magicians-Forum<\/a>, wo Beitragende von Consensys, Nethermind, Olas und der Ethereum Foundation am Feinschliff arbeiten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zwischen Entwurfsstatus und Praxis klafft dabei eine bemerkenswerte L\u00fccke. Formal durchl\u00e4uft ERC-8004 noch die \u00f6ffentliche Pr\u00fcfung, doch die Register existieren l\u00e4ngst als lauff\u00e4higer Code. 2026 entstanden Referenzimplementierungen auf mehreren Testnetzen, und Ende Januar 2026 gingen die ersten Register auf dem Ethereum-Mainnet in Betrieb; genau auf diesem Datenstand fu\u00dft die weiter unten zitierte Vermessung. Weitere EVM-kompatible Ketten folgten. Ein Standard, der noch nicht final ist, aber schon auf mehreren Ketten l\u00e4uft, ist typisch f\u00fcr das Tempo dieses Feldes: Gebaut wird, bevor das Regelwerk trocken ist.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Drei Register: Identity, Reputation, Validation<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Herz des Standards sind drei getrennte, bewusst minimal gehaltene Register. Das Identity-Register beantwortet die Frage &bdquo;Wer bist du?&ldquo;: Jeder Agent erh\u00e4lt einen ERC-721-Token als globale Kennung, die aus Namespace, Chain-ID und Registry-Adresse zusammengesetzt ist, plus eine Registrierungsdatei mit seinen Kontaktpunkten. Das Reputation-Register beantwortet &bdquo;Wie war deine Bilanz?&ldquo;: Auftraggeber hinterlegen signierte Bewertungen, die Feinauswertung passiert au\u00dferhalb der Kette. Das Validation-Register beantwortet &bdquo;Ist deine Arbeit nachpr\u00fcfbar?&ldquo;: Ein Agent kann seine Ergebnisse unabh\u00e4ngig verifizieren lassen, etwa durch erneute Ausf\u00fchrung, kryptografische Beweise oder abgesicherte Hardware.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist die Idee austauschbarer, dem Risiko angepasster Vertrauensmodelle: Eine belanglose Auskunft darf sich mit einem billigen Signal begn\u00fcgen, ein Auftrag \u00fcber f\u00fcnfstellige Summen verlangt Einsatz und harte Pr\u00fcfung. Die folgende Tabelle fasst zusammen, was jedes Register speichert und wie daraus Vertrauen entsteht.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Register<\/th><th>Was es speichert<\/th><th>Wie Vertrauen entsteht<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Identity<\/td><td>ERC-721-Token je Agent; globale Kennung aus Namespace, Chain-ID und Registry-Adresse; Registrierungsdatei mit Endpunkten (MCP, A2A, ENS, DIDs, E-Mail)<\/td><td>Der Agent beweist per Signatur die Kontrolle \u00fcber seinen Schl\u00fcssel; die Kennung ist als NFT \u00fcbertragbar<\/td><\/tr><tr><td>Reputation<\/td><td>signierte Bewertungen von Auftraggebern, optionale Tags, Verweise auf Off-chain-Belege<\/td><td>aggregierte Erfolgsbilanz; Auswertung durch spezialisierte Dienste, Auditoren-Netze und Versicherungspools<\/td><\/tr><tr><td>Validation<\/td><td>Pr\u00fcfanfragen und -antworten via Stake-gesicherter Re-Execution, zkML-Beweisen oder TEE-Oracles<\/td><td>unabh\u00e4ngige Verifikation der Arbeit, on-chain protokolliert und damit auditierbar<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Trennung in drei Register ist kein Zufall, sondern Absicht. Identit\u00e4t, Reputation und Validierung folgen unterschiedlichen Logiken und d\u00fcrfen sich nicht vermischen: Eine Kennung ist entweder g\u00fcltig oder nicht, eine Reputation ist ein weiches, aggregiertes Signal, und eine Validierung ist ein harter Einzelnachweis. Weil alle drei on-chain adressierbar sind, lassen sie sich frei kombinieren, und Dritte k\u00f6nnen darauf aufbauen, ohne die Zustimmung eines Betreibers einzuholen. Genau diese Komponierbarkeit unterscheidet den offenen Ansatz von den geschlossenen Agenten-Verzeichnissen einzelner Plattformen, in denen ein Anbieter allein bestimmt, wer als vertrauensw\u00fcrdig gilt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wie ein Agent zu einer On-chain-Identit\u00e4t kommt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Ablauf ist bewusst leichtgewichtig. Der Betreiber pr\u00e4gt f\u00fcr seinen Agenten einen Identity-Token (technisch ein ERC-721 mit URIStorage). Dieser Token zeigt auf eine Registrierungsdatei, die man sich als erweiterte A2A-AgentCard vorstellen kann: Sie listet, unter welchen Adressen der Agent erreichbar ist, etwa \u00fcber das Model Context Protocol (MCP) f\u00fcr den Werkzeugzugriff, \u00fcber A2A f\u00fcr die Kommunikation, \u00fcber ENS oder DIDs, und welche Vertrauensmechanismen er unterst\u00fctzt. Ab diesem Punkt hat der Agent eine portable Kennung, die er \u00fcber Ketten und Plattformen hinweg mitnimmt, statt in jedem \u00d6kosystem bei null anzufangen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Authentifizierung l\u00e4uft danach rein kryptografisch: Der Agent signiert eine Nachricht oder Transaktion, die Gegenseite liest den \u00f6ffentlichen Schl\u00fcssel aus dem Register und pr\u00fcft die Signatur; f\u00fcr Smart-Contract-Wallets \u00fcbernimmt das ERC-1271. Zwei Dinge sind bemerkenswert. Erstens ist die Registrierung billig: auf einem Layer 2 kostet sie nur Bruchteile eines Euro, auf dem Ethereum-Mainnet wenige Euro. Zweitens ist die Identit\u00e4t \u00fcbertragbar, weil sie eben ein NFT ist. Das ist m\u00e4chtig (Identit\u00e4ten k\u00f6nnen verkauft oder in ein anderes Wallet verschoben werden), aber es ist auch ein Risiko: Wechselt der Besitzer, wechselt der Verantwortliche hinter dem Agenten, ohne dass die Kennung selbst sich \u00e4ndert.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Sektor in Zahlen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Identit\u00e4tsschicht ist Infrastruktur und weitgehend tokenlos; sie hat keinen eigenen handelbaren Kurs. Davon zu trennen sind die b\u00f6rsengelisteten &bdquo;KI-Agenten&ldquo;-Tokens, die eine ganz andere Kategorie bilden und meist weit unter ihren H\u00f6chstst\u00e4nden notieren. Zur Einordnung: Laut <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/categories\/ai-agents'>CoinGecko<\/a> bringt die Kategorie AI Agents am 5. September 2026 rund 3,11 Milliarden US-Dollar auf die Waage, umgerechnet etwa 2,68 Milliarden Euro (EUR\/USD rund 1,16), bei einem Tagesumsatz von rund 327 Millionen Dollar (etwa 282 Millionen Euro). Die folgende Momentaufnahme zeigt die gr\u00f6\u00dften Vertreter.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Token<\/th><th>Kurs (USD)<\/th><th>Marktkapitalisierung (USD)<\/th><th>ca. in EUR<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Venice (VVV)<\/td><td>17,23<\/td><td>822,98 Mio.<\/td><td>709 Mio.<\/td><\/tr><tr><td>Virtuals Protocol (VIRTUAL)<\/td><td>0,6853<\/td><td>451,22 Mio.<\/td><td>389 Mio.<\/td><\/tr><tr><td>ASI Alliance (FET)<\/td><td>0,1651<\/td><td>381,60 Mio.<\/td><td>329 Mio.<\/td><\/tr><tr><td>Kite (KITE)<\/td><td>0,1252<\/td><td>299,53 Mio.<\/td><td>258 Mio.<\/td><\/tr><tr><td>OriginTrail (TRAC)<\/td><td>0,3232<\/td><td>144,57 Mio.<\/td><td>125 Mio.<\/td><\/tr><tr><td>Holoworld (HOLO)<\/td><td>0,06583<\/td><td>50,26 Mio.<\/td><td>43 Mio.<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kontrast ist lehrreich: W\u00e4hrend einzelne Agenten-Tokens Achterbahn fahren, w\u00e4chst die Infrastruktur darunter still weiter. Der Wert von ERC-8004 h\u00e4ngt gerade nicht an einem Kurs, sondern daran, ob gen\u00fcgend Betreiber ihre Agenten dort registrieren und, wichtiger noch, tats\u00e4chlich betreiben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Leserinnen und Leser ist die Unterscheidung wichtig, weil beide Ebenen oft in einen Topf geworfen werden. Ein steigender oder fallender Agenten-Token sagt nichts dar\u00fcber aus, ob die Identit\u00e4tsschicht darunter angenommen wird. Umgekehrt kann ein weitgehend tokenloser Standard wie ERC-8004 zum unverzichtbaren Fundament werden, ohne dass es daf\u00fcr ein handelbares Papier g\u00e4be. Wer die Reife des Sektors einsch\u00e4tzen will, sollte deshalb weniger auf Kurse schauen als auf betriebliche Kennzahlen: wie viele Agenten tats\u00e4chlich Auftr\u00e4ge annehmen, Bewertungen sammeln und \u00fcber Ketten hinweg erreichbar sind.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Registrieren ist leicht, betreiben ist schwer<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier setzt der ern\u00fcchterndste, zugleich aufschlussreichste Befund an. ERC-8004 bleibt formal ein Entwurf, doch seit Ende Januar 2026 laufen Referenz-Register auf dem Ethereum-Mainnet, und Agenten registrieren sich in nennenswerter Zahl. Eine akademische Bestandsaufnahme (arxiv-Kennung 2606.12128) hat 10.000 dieser ERC-8004-Agenten zwischen dem 29. Januar und dem 9. April 2026 systematisch vermessen. Das Ergebnis ist eine kalte Dusche f\u00fcr jeden, der von einer bl\u00fchenden Agenten-Wirtschaft ausgeht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Von den 10.000 registrierten Agenten legten laut der <a href='https:\/\/arxiv.org\/abs\/2606.12128'>Untersuchung<\/a> nur 67 (0,67 Prozent) \u00fcberhaupt Dienstprofile offen, nur 628 (6,28 Prozent) erhielten je eine Reputationsbewertung, und ganze 19 wiesen die volle Betriebsreife aus Metadaten, Diensten, Feedback und ketten-\u00fcbergreifender Registrierung nach. Zudem war die Verteilung extrem konzentriert: Die zehn gr\u00f6\u00dften Wallets hielten rund 51,4 Prozent aller Agenten, und ein einziger Auftraggeber steuerte fast zwei Drittel aller Bewertungen bei. Das Fazit der Autoren, w\u00f6rtlich: &bdquo;early ERC-8004 adoption is registration-heavy but operationally shallow&ldquo;, also registrierungslastig, aber betrieblich flach. Der \u00dcbergang von der Agenten-Identit\u00e4t zur Agenten-\u00d6konomie bleibe unvollst\u00e4ndig. Das ist dieselbe Geschichte wie bei den Agenten-Zahlungen: Erst werden die Schienen verlegt, der echte Verkehr kommt sp\u00e4ter, wenn \u00fcberhaupt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Praxis hei\u00dft das: Wer heute einen Agenten \u00fcber sein Register ausw\u00e4hlt, findet vor allem leere H\u00fcllen. Eine Kennung allein beweist nur, dass jemand ein NFT gepr\u00e4gt hat, nicht, dass dahinter ein funktionierender, gepr\u00fcfter Dienst steckt. Die extreme Konzentration, wenige Wallets halten die Mehrheit der Identit\u00e4ten und ein einzelner Auftraggeber liefert den Gro\u00dfteil der Bewertungen, macht die fr\u00fchen Reputationsdaten zus\u00e4tzlich wenig aussagekr\u00e4ftig. Das ist kein Defekt des Standards, sondern der normale Fr\u00fchzustand eines Netzwerks: Erst kommen die Adressen, dann, vielleicht, das Leben darauf. Bis dahin gilt f\u00fcr teure Aufgaben die alte Regel, die Gegenseite unabh\u00e4ngig zu pr\u00fcfen, statt einer jungen Note zu vertrauen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum On-chain-Reputation so schwer f\u00e4lschungssicher ist<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein \u00f6ffentlicher Reputationswert klingt bestechend einfach, ist aber ein Angriffsziel, sobald echtes Geld daran h\u00e4ngt. Die Sicherheitsfirma <a href='https:\/\/www.halborn.com\/blog\/post\/how-attackers-game-ai-agent-reputation-systems-and-how-to-stop-them'>Halborn<\/a> hat mehrere Wege beschrieben, wie sich Reputationssysteme f\u00fcr Agenten austricksen lassen. Die wichtigsten Muster:<\/p><ul class='wp-block-list'><li><strong>Sybil-Schw\u00e4rme:<\/strong> Ein Betreiber startet Tausende Agenten, die sich gegenseitig positiv bewerten; im Maschinentempo entsteht so eine Reputation ohne echte Arbeit.<\/li><li><strong>Wash-Attestierung:<\/strong> Ein Agent l\u00e4sst sich f\u00fcr erfundene Auftr\u00e4ge von sich selbst oder verbundenen Wallets bezahlen und erntet daf\u00fcr lupenreines Feedback.<\/li><li><strong>Whitewashing:<\/strong> Ist eine Identit\u00e4t durch schlechte Bewertungen belastet, wird sie fallengelassen und eine frische gepr\u00e4gt; die Vorgeschichte startet wieder bei null.<\/li><li><strong>Kollusion:<\/strong> Ringe aus Agenten pushen sich wechselseitig hoch, ohne dass ein Au\u00dfenstehender das Muster leicht erkennt.<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie schnell eine sch\u00f6ne Reputationserz\u00e4hlung an der Realit\u00e4t zerbricht, hat die Krypto-Branche schon einmal teuer gelernt. Der KI-Fonds ai16z warb ausgerechnet mit einem &bdquo;Marketplace of Trust&ldquo;, einem Community-Reputationssystem, in dem sich erfolgreiche Tipp-Geber mehr Einfluss verdienen sollten, und kollabierte trotzdem, als die Autonomie-Versprechen nicht hielten. Gr\u00fcnder Shaw Walters wurde sp\u00e4ter ungew\u00f6hnlich offen und sagte gegen\u00fcber <a href='https:\/\/decrypt.co\/343166\/eliza-labs-founder-ai-agents-shouldnt-manage-your-money-yet'>Decrypt<\/a>: &bdquo;You probably do not want to give an AI agent a bunch of money and expect it to make you more.&ldquo; Was von diesem toten Fonds f\u00fcr Anleger und Steuerzahler \u00fcbrig bleibt, haben wir <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/ai16z-trades-2026-anleger-steuer-vergleich\/'>an anderer Stelle aufgearbeitet<\/a>. Die Lehre f\u00fcr ERC-8004: Ein Wert im Reputation-Register ist ein Signal, kein Beweis. Die vorgeschlagenen Gegenmittel setzen deshalb auf Kosten und Nachweis: Pr\u00e4ge- und Einsatzkosten (Staking) mit Strafabzug (Slashing) verteuern das Massen-Sybil, ein Nachweis der Personen- oder Prinzipalbindung (Proof of Personhood oder zkKYC) h\u00e4ngt jede Identit\u00e4t an einen realen Verantwortlichen, und die eigentliche Auswertung \u00fcberlassen Auditoren-Netze und Versicherungspools spezialisierten Diensten statt einer naiven Durchschnittsnote.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Validation: wenn Beweise die Reputation erg\u00e4nzen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau an dieser Stelle trifft die Identit\u00e4tsschicht auf die Schicht der verifizierbaren Berechnung. Das Validation-Register speichert Pr\u00fcfanfragen und deren Antworten, und laut <a href='https:\/\/chain.link\/article\/erc-8004-agent-identity'>Chainlink<\/a> kommen daf\u00fcr drei Werkzeuge infrage: Stake-gesicherte erneute Ausf\u00fchrung durch unabh\u00e4ngige Pr\u00fcfer, kryptografische zkML-Beweise oder Attestierungen aus abgeschotteter Hardware (TEE). Der Unterschied zur Reputation ist fundamental und wird gern verwechselt. Reputation beantwortet: Wer ist das, und wie war seine Bilanz? Verifizierbare Berechnung beantwortet: War genau dieser eine Auftrag korrekt ausgef\u00fchrt? Das eine ersetzt das andere nicht, beide erg\u00e4nzen sich.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Pr\u00fcfschicht ist ein eigenes, gro\u00dfes Thema, das wir separat vertieft haben, etwa dazu, wie <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/zk-ml-2026-ki-modelle-ueberpruefbar-blockchain\/'>zk-ML KI-Modelle \u00fcberpr\u00fcfbar macht<\/a>, und welches Hardware-Risiko in der <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/confidential-computing-verifizierbare-ki-hardware-2026\/'>abgesicherten Ausf\u00fchrung (Confidential Computing)<\/a> steckt. F\u00fcr ERC-8004 z\u00e4hlt vor allem, dass das Validation-Register als Zeiger auf solche Beweise dient: Ein Agent kann nicht nur behaupten, gute Arbeit zu leisten, er kann f\u00fcr hochwertige Auftr\u00e4ge einen pr\u00fcfbaren Nachweis nachreichen, der on-chain protokolliert und damit auditierbar wird. Wer teure Entscheidungen an einen Agenten delegiert, sollte sich auf diese Validierungsspur verlassen, nicht auf eine h\u00fcbsche Reputationsnote allein.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Agenten-Stack: A2A, MCP, x402 und ERC-8004<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">ERC-8004 ergibt erst im Verbund Sinn. Es erweitert ausdr\u00fccklich Googles A2A-Protokoll, und im Standard-Diskussionsfaden weisen die Beitragenden auf eine A2A-Zahlungserweiterung hin, die auf x402 aufbaut. Vier Schichten greifen also ineinander: eine f\u00fcr das Auffinden und Ansprechen, eine f\u00fcr den Werkzeugzugriff, eine f\u00fcr das Bezahlen und eine f\u00fcr Identit\u00e4t und Reputation.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Schicht<\/th><th>Standard<\/th><th>Beantwortet<\/th><th>Herkunft<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Auffinden und Kommunikation<\/td><td>A2A (Agent2Agent)<\/td><td>Welche Agenten gibt es, wie spreche ich sie an?<\/td><td>Google<\/td><\/tr><tr><td>Werkzeugzugriff<\/td><td>MCP (Model Context Protocol)<\/td><td>Wie greift ein Agent auf Tools und Daten zu?<\/td><td>Anthropic<\/td><\/tr><tr><td>Bezahlung<\/td><td>x402<\/td><td>Wie zahlt ein Agent f\u00fcr eine Leistung?<\/td><td>Coinbase (heute x402 Foundation)<\/td><\/tr><tr><td>Identit\u00e4t und Reputation<\/td><td>ERC-8004<\/td><td>Wer ist das, kann ich der Bilanz trauen?<\/td><td>EF, MetaMask, Google, Coinbase<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Datenanbieter The Graph benutzt ein anschauliches Bild: ERC-8004 sei der Ausweis, der einen Agenten \u00fcberhaupt bedient bekommt, x402 das Portemonnaie, mit dem er zahlt. Dass beide zusammengeh\u00f6ren, betont der <a href='https:\/\/thegraph.com\/blog\/understanding-x402-erc8004\/'>Anbieter in einer Analyse<\/a> ausdr\u00fccklich. F\u00fcr die Zahlungsseite, gerade dort, wo Maschinen einander in vielen kleinen Betr\u00e4gen bezahlen, lohnt der Blick auf unsere Reportage dazu, wie <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/lightning-network-ki-agenten-maschinen-zahlungen-2026\/'>KI-Agenten \u00fcber das Lightning Network selbst zahlen<\/a>. Das erkl\u00e4rte Ziel der ERC-8004-Autoren, offene Agenten-\u00d6konomien \u00fcber Betreibergrenzen hinweg, funktioniert nur, wenn diese vier Schichten sauber zusammenspielen: Ein Agent findet einen anderen (A2A), pr\u00fcft dessen Ausweis und Bilanz (ERC-8004), l\u00e4sst ihn eine Aufgabe erledigen (MCP) und bezahlt daf\u00fcr (x402).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Reiz dieser Arbeitsteilung liegt darin, dass keine Schicht die andere ersetzen will. A2A kl\u00e4rt, wie zwei Agenten \u00fcberhaupt eine Verbindung aufbauen und Aufgaben beschreiben; MCP, urspr\u00fcnglich von Anthropic, standardisiert den Zugriff auf Werkzeuge und Datenquellen; x402 wickelt die Bezahlung ab; und ERC-8004 liefert den \u00fcberpr\u00fcfbaren Ausweis samt Bilanz. In der Theorie kann ein Agent damit einen wildfremden Dienstleister finden, dessen Identit\u00e4t und Vergangenheit pr\u00fcfen, ihn beauftragen und in Sekunden bezahlen, ganz ohne Vertrag, Konto oder menschlichen Mittelsmann. In der Praxis steht und f\u00e4llt dieses Versprechen mit der Frage, ob die Vertrauensschicht h\u00e4lt, was die Zahlungsschicht schon eingel\u00f6st hat.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Identit\u00e4t ist kein Schutzschild<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein verbreiteter Denkfehler lautet: Wenn ich wei\u00df, wer der Agent ist und dass seine Bilanz sauber ist, bin ich sicher. Das stimmt nicht. Eine gepr\u00fcfte Identit\u00e4t und ein makelloser Reputationswert sagen nichts dar\u00fcber aus, ob sich derselbe Agent im n\u00e4chsten Moment manipulieren l\u00e4sst. Der praktische Beweis kam am 4. Mai 2026 mit dem Abgriff bei einem Grok- beziehungsweise Bankr-Agenten: Ein Angreifer versteckte eine Anweisung in Morsecode in einer X-Antwort und verschenkte zugleich ein Bankr-Club-NFT, das Transfer- und Tauschrechte freischaltete; der Agent bewegte daraufhin Token im Gegenwert von grob 175.000 US-Dollar auf Base. Der Vorfall ist in der <a href='https:\/\/oecd.ai\/en\/incidents\/2026-05-04-4a73'>OECD-AI-Incident-Datenbank<\/a> dokumentiert und f\u00e4llt in die OWASP-Kategorien Prompt Injection (LLM01) und den Missbrauch \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Berechtigungen. Der Kern des Problems: Ein Sprachmodell kann Anweisung und Daten nicht zuverl\u00e4ssig trennen, und keine Reputationsnote der Welt macht ein Modell dagegen immun.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ethereum-Mitgr\u00fcnder Vitalik Buterin zieht daraus einen radikalen Schluss. In einem <a href='https:\/\/vitalik.eth.limo\/general\/2026\/04\/02\/secure_llms.html'>Blogbeitrag vom 2. April 2026<\/a> fordert er: &bdquo;All LLM inference local first. All files hosted locally. Sandbox everything.&ldquo; Dazu pl\u00e4diert er f\u00fcr strikte Tagesobergrenzen beim autonomen Ausgeben, oberhalb derer ein Mensch als zweiter Best\u00e4tigungsfaktor gegenzeichnen muss. Identit\u00e4t, Reputation und Validierung sind demnach notwendig, aber nicht hinreichend. Sie m\u00fcssen auf harten Berechtigungsgrenzen sitzen: Was ein Agent maximal am Tag bewegen darf, welche Rechte ein geschenktes NFT eben gerade nicht freischalten sollte, und ab welcher Schwelle ein Mensch zustimmen muss. Ein Ausweis verhindert keinen Betrug am Steuer; er sagt nur, wer am Steuer sitzt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr ERC-8004 folgt daraus eine unbequeme Einsicht: Die Identit\u00e4tsschicht kann Vertrauen zwischen Agenten organisieren, aber sie kann den einzelnen Agenten nicht gegen sich selbst sch\u00fctzen. Ein manipulierter Agent mit tadelloser Reputation ist gef\u00e4hrlicher als ein unbekannter, weil sein Ausweis die Gegenseite in falsche Sicherheit wiegt. Genau deshalb betonen die Autoren die abgestuften Vertrauensmodelle: Je h\u00f6her der Einsatz, desto weniger sollte man sich auf eine Note verlassen und desto mehr auf harte Nachweise, enge Berechtigungen und einen Menschen in der Schleife. Reputation ist die K\u00fcr, Zugriffskontrolle bleibt die Pflicht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>BaFin, MiCA und die Haftungsfrage<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Juristisch st\u00f6\u00dft die sch\u00f6ne neue Agentenwelt an eine harte Wand: Ein Agent hat keine Rechtspers\u00f6nlichkeit und keine Steuernummer. Er kann keinen Vertrag schlie\u00dfen und keine Haftung tragen. Was auch immer eine ERC-8004-Identit\u00e4t behauptet, die Verantwortung f\u00e4llt auf den menschlichen oder unternehmerischen Prinzipal, also je nach Konstellation auf den Entwickler, den Betreiber oder den Nutzer, abh\u00e4ngig davon, wer das Versagen kontrolliert hat. Die \u00fcbertragbare NFT-Identit\u00e4t versch\u00e4rft das noch: Wechselt der Besitzer der Kennung, wechselt der haftende Prinzipal, und das On-chain-Register verr\u00e4t nicht zwangsl\u00e4ufig, wer heute wirklich die Schl\u00fcssel h\u00e4lt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die deutsche Aufsicht gilt der bekannte Grundsatz: MiCA und die BaFin regulieren Kryptowerte-Dienstleister und Emittenten, nicht das Software-Protokoll selbst. Das stellt die BaFin in ihrem <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen<\/a> klar. Sobald ein Agent aber Anlageberatung leistet oder ein Portfolio verwaltet, verl\u00e4sst man MiCA und landet bei MiFID II. Die europ\u00e4ische Wertpapieraufsicht ESMA hat in ihrer <a href='https:\/\/www.esma.europa.eu\/press-news\/esma-news\/esma-provides-guidance-firms-using-artificial-intelligence-investment-services'>Stellungnahme zum KI-Einsatz in Wertpapierdienstleistungen<\/a> betont, dass Governance, Transparenz und menschliche Aufsicht auch dann Pflicht bleiben, wenn ein Algorithmus die Arbeit macht. Wie teuer die Lizenzseite dieser Ordnung inzwischen ist und wie sie den Markt bereinigt, zeigt unsere Analyse zu <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mica-2026-lizenzkosten-konsolidierung-banken\/'>MiCA 2026 und den Kosten der Lizenz<\/a>. Kurz gesagt: Die Identit\u00e4tsschicht macht Zurechnung technisch sauberer, sie schafft aber keine neue Rechtsfigur. Hinter jedem Agenten steht am Ende ein Mensch, der geradesteht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Steuer in Deutschland: Wer tr\u00e4gt die Last<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Was ein Agent an Gewinnen realisiert, rechnet das Finanzamt dem Wallet-Inhaber zu. Krypto gilt in Deutschland als anderes Wirtschaftsgut nach Paragraf 23 EStG: Nach mehr als einem Jahr Haltefrist sind Ver\u00e4u\u00dferungen steuerfrei, darunter fallen sie unter den pers\u00f6nlichen Steuersatz (bis 45 Prozent plus Solidarit\u00e4tszuschlag). Es gilt eine Freigrenze von 1.000 Euro pro Jahr, und die Reihenfolge der Ver\u00e4u\u00dferung wird \u00fcblicherweise nach FIFO bestimmt. Grundlage ist das BMF-Schreiben vom 6. M\u00e4rz 2025, die Meldepflichten versch\u00e4rft die EU-Richtlinie DAC8.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Agenten ist ein Detail heikel: Jede Stablecoin-Zahlung ist eine Ver\u00e4u\u00dferung. Ein Agent, der im Sekundentakt Mikrobetr\u00e4ge zahlt, produziert damit Tausende steuerlich relevanter Vorg\u00e4nge, und weil ein US-Dollar-Stablecoin gegen\u00fcber dem Euro schwankt, k\u00f6nnen dabei viele kleine Gewinne entstehen. Wer seinen Agenten rund um die Uhr hochfrequent handeln l\u00e4sst, riskiert au\u00dferdem die Einstufung als gewerblich: Dann f\u00e4llt Gewerbesteuer an, und die einj\u00e4hrige Steuerfreiheit entf\u00e4llt. Die gute Nachricht: Eine saubere On-chain-Identit\u00e4t macht die Zurechnung transparenter, f\u00fcr den Steuerpflichtigen wie f\u00fcr das Finanzamt. Die schlechte: Sie macht die Vorg\u00e4nge nicht weniger, sondern nur besser sichtbar. Wer einen Agenten mit eigenem Wallet laufen l\u00e4sst, sollte die Buchf\u00fchrung von Anfang an mitdenken, nicht erst zur Steuererkl\u00e4rung.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Ausblick: von der Identit\u00e4t zur echten \u00d6konomie<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Schienen werden schnell verlegt, der Verkehr darauf ist d\u00fcnn. Das ist die ehrliche Zwischenbilanz von ERC-8004 im September 2026. Drei Fragen entscheiden, ob aus der Identit\u00e4tsschicht mehr wird als ein Register voller schlafender Kennungen. Erstens: Wird die Reputationsauswertung robust genug, um Sybil-Schw\u00e4rme und Whitewashing wirklich abzuwehren? Zweitens: Werden Validierungsbeweise (zkML, TEE) billig genug, um bei hochwertigen Auftr\u00e4gen zum Standard zu werden statt zur Ausnahme? Drittens: Setzt sich ein offener Standard durch, oder dr\u00fccken gro\u00dfe Plattformen ihre eigenen, geschlossenen Agenten-Ausweise in den Markt?<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr alle, die heute schon Agenten bauen oder einsetzen, l\u00e4sst sich das in eine kurze Merkliste \u00fcbersetzen:<\/p><ul class='wp-block-list'><li>Identit\u00e4t als notwendig, aber nicht hinreichend behandeln; sie ersetzt keine Sicherheitsarchitektur.<\/li><li>Autonomes Ausgeben hart deckeln und oberhalb einer Schwelle einen Menschen als zweiten Faktor verlangen.<\/li><li>Bei teuren Aufgaben auf Validierungsbeweise setzen, nicht auf die Reputationsnote allein.<\/li><li>Berechtigungen eng schneiden; kein geschenktes NFT und keine fremde Nachricht darf still Transferrechte freischalten.<\/li><li>Den verantwortlichen Prinzipal dokumentieren, f\u00fcr Haftung wie f\u00fcr Steuer.<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende steht nicht die Frage, ob Agenten eine Identit\u00e4t bekommen, das ist bereits entschieden. Die eigentliche Frage ist, ob ein Reputationswert je das bedeuten wird, was er behauptet. Solange 10.000 registrierte Agenten nur 19 wirklich betriebsbereite hervorbringen, ist ERC-8004 ein vielversprechendes Fundament auf der Suche nach einem Geb\u00e4ude.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Was ist ERC-8004 einfach erkl\u00e4rt?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">ERC-8004 (&bdquo;Trustless Agents&ldquo;) ist ein Ethereum-Standard, der KI-Agenten eine \u00fcberpr\u00fcfbare On-chain-Identit\u00e4t, eine \u00f6ffentliche Reputationsspur und einen Weg zur unabh\u00e4ngigen Pr\u00fcfung ihrer Arbeit gibt. Drei Register (Identity, Reputation, Validation) sollen es Agenten verschiedener Betreiber erm\u00f6glichen, einander zu finden und zu handeln, ohne dass vorher jemand Vertrauen herstellen muss. Er ist kein Token und formal noch ein Entwurf, l\u00e4uft aber seit Ende Januar 2026 als Referenzimplementierung auf dem Ethereum-Mainnet.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie bekommt ein KI-Agent eine On-chain-Identit\u00e4t?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Betreiber pr\u00e4gt f\u00fcr den Agenten einen ERC-721-Identity-Token, der auf eine Registrierungsdatei zeigt. Diese Datei nennt die Endpunkte des Agenten (etwa MCP, A2A, ENS oder DIDs) und die unterst\u00fctzten Vertrauensmechanismen. Danach authentifiziert sich der Agent rein kryptografisch, indem er signiert und die Gegenseite den \u00f6ffentlichen Schl\u00fcssel aus dem Register pr\u00fcft. Die Registrierung kostet auf einem Layer 2 nur Bruchteile eines Euro.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Verhindert ERC-8004 Betrug durch KI-Agenten?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Eine gepr\u00fcfte Identit\u00e4t und eine gute Reputation sagen nichts dar\u00fcber aus, ob ein Agent sich im Moment manipulieren l\u00e4sst. Der Abgriff bei einem Grok- beziehungsweise Bankr-Agenten im Mai 2026 zeigte, dass Prompt Injection und \u00fcberm\u00e4\u00dfige Berechtigungen Verluste im sechsstelligen Bereich verursachen k\u00f6nnen, unabh\u00e4ngig vom Reputationswert. Identit\u00e4t muss deshalb auf harten Ausgabelimits, engen Berechtigungen und menschlicher Freigabe oberhalb einer Schwelle sitzen.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wer haftet, wenn ein autonomer KI-Agent Verluste verursacht?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Der menschliche oder unternehmerische Prinzipal, also je nach Fall Entwickler, Betreiber oder Nutzer. Ein Agent hat keine Rechtspers\u00f6nlichkeit und kann nicht selbst haften. MiCA und die BaFin regulieren Dienstleister und Emittenten, nicht das Protokoll; ber\u00e4t ein Agent oder verwaltet er ein Portfolio, greift MiFID II mit der Pflicht zu Governance und menschlicher Aufsicht.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie werden Gewinne eines KI-Agenten in Deutschland versteuert?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Gewinne werden dem Wallet-Inhaber zugerechnet. Krypto gilt als anderes Wirtschaftsgut nach Paragraf 23 EStG: steuerfrei nach \u00fcber einem Jahr Haltefrist, sonst zum pers\u00f6nlichen Satz, mit einer Freigrenze von 1.000 Euro pro Jahr und FIFO. Jede Stablecoin-Zahlung ist eine Ver\u00e4u\u00dferung, sodass hochfrequente Agenten viele steuerbare Vorg\u00e4nge erzeugen; ununterbrochener Handel kann zudem als gewerblich eingestuft werden.<\/p><script type='application\/ld+json'>{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was ist ERC-8004 einfach erkl\u00e4rt?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"ERC-8004 (Trustless Agents) ist ein Ethereum-Standard, der KI-Agenten eine \u00fcberpr\u00fcfbare On-chain-Identit\u00e4t, eine \u00f6ffentliche Reputationsspur und einen Weg zur unabh\u00e4ngigen Pr\u00fcfung ihrer Arbeit gibt. Drei Register (Identity, Reputation, Validation) erm\u00f6glichen es Agenten verschiedener Betreiber, einander zu finden und zu handeln, ohne vorher Vertrauen herzustellen. 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