{"id":486,"date":"2026-09-06T22:25:34","date_gmt":"2026-09-06T22:25:34","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/energiemix-2026-netz-flexible-last-mining\/"},"modified":"2026-09-06T22:25:34","modified_gmt":"2026-09-06T22:25:34","slug":"energiemix-2026-netz-flexible-last-mining","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/energiemix-2026-netz-flexible-last-mining\/","title":{"rendered":"Energiemix 2026: Das Netz entscheidet, nicht der Brennstoff"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Jahrelang lief die Debatte \u00fcber den Energieverbrauch von Krypto nach demselben Muster: Wie viel Strom zieht Bitcoin, und wie schmutzig ist dieser Strom? 2026 ist die entscheidende Frage eine andere geworden. Sie lautet nicht mehr, welcher Brennstoff in der Steckdose steckt, sondern wie sich die Last am Netz verh\u00e4lt. Denn Mining ist eine der wenigen industriellen Lasten, die man binnen Sekunden abschalten, an entlegene Kraftwerke andocken und dorthin verschieben kann, wo Strom gerade niemand sonst haben will.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das verschiebt die gr\u00fcne Rechnung. Ob der Krypto-Strommix sauberer oder dreckiger wird, h\u00e4ngt weniger an der Technologie als am Netz, an dessen Engp\u00e4ssen und an den Anreizen, die Betreiber setzen. Nirgends l\u00e4sst sich das besser beobachten als in Deutschland: ein Land mit so vielen negativen Strompreisen und so hohen Engpasskosten wie nie zuvor, das seine \u00fcbersch\u00fcssige Windkraft im Norden abregelt und trotzdem fast keine Miner beherbergt. Dieser Text erkl\u00e4rt, warum das kein Widerspruch ist, sondern der Kern der Geschichte.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die neue Frage: nicht welcher Brennstoff, sondern welche Last<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Aluminiumwerk, ein Rechenzentrum und eine Mining-Farm ziehen alle viel Strom, aber nur eine dieser Lasten l\u00e4sst sich ohne Reue abschalten. Bricht man die Stromzufuhr eines Aluminiumofens ab, erstarrt die Schmelze und die Anlage ist ruiniert. Ein klassisches Cloud-Rechenzentrum muss rund um die Uhr liefern, sonst fallen Dienste aus. Eine Mining-Anlage dagegen h\u00f6rt auf zu rechnen, verliert ein paar Stunden Ertrag und l\u00e4uft Minuten sp\u00e4ter wieder an, als w\u00e4re nichts gewesen. Genau diese Eigenschaft, nicht der Verbrauch an sich, macht Mining f\u00fcr das Stromsystem interessant.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Aus drei Merkmalen folgt fast alles Weitere. Mining ist erstens unterbrechbar: Es kann in Sekunden herunterfahren und wieder hochfahren. Es ist zweitens ortsunabh\u00e4ngig: Ein Container mit ASIC-Rechnern braucht nur Strom und Internet, kein Publikum, keine Lieferkette, keine N\u00e4he zu St\u00e4dten. Und es ist drittens preisempfindlich bis zur Schmerzgrenze: Weil Strom der mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Kostenblock ist, wandert Mining kompromisslos dorthin, wo die Kilowattstunde am billigsten ist, und schaltet ab, sobald sie zu teuer wird.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Energiemix ist damit kein Ausgangspunkt, sondern ein Ergebnis. Er entsteht aus der Frage, welchen Strom eine abschaltbare, ortsungebundene, preisgetriebene Last am Ende einsammelt. Das kann gekappte Windkraft sein, die sonst niemand nutzt, oder abgefackeltes Erdgas an einem \u00d6lfeld, oder eben billiger Kohlestrom in der Nacht. Wer wissen will, wie gr\u00fcn Bitcoin ist, muss deshalb weniger \u00fcber Kraftwerkstypen reden und mehr \u00fcber Netze, Engp\u00e4sse und Anreize.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Umkehr klingt akademisch, hat aber handfeste Folgen f\u00fcr jede Klimabilanz. Solange man Mining wie eine Fabrik behandelt, die einen festen Standort und einen festen Stromvertrag hat, ergibt der Streit \u00fcber den Brennstoffmix Sinn. Sobald man akzeptiert, dass die Last wandert und sich nach Preis und Verf\u00fcgbarkeit richtet, wird der Mix zu einer Momentaufnahme, die sich mit jeder neuen Standortentscheidung verschiebt. Genau deshalb liegen die Sch\u00e4tzungen so weit auseinander, und genau deshalb ist eine politische Debatte oft schon veraltet, wenn sie gef\u00fchrt wird.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Zwei Energiegeschichten, die man nicht verwechseln darf<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor es ums Netz geht, ein Punkt, den viele Diskussionen durcheinanderbringen: Krypto hat 2026 nicht eine Energiegeschichte, sondern zwei, und sie liegen um mehrere Gr\u00f6\u00dfenordnungen auseinander. Bitcoin sichert sein Netzwerk mit Proof of Work, also mit physischer Rechenarbeit, die bewusst Strom kostet. Ethereum und die meisten gro\u00dfen Smart-Contract-Ketten sind l\u00e4ngst auf Proof of Stake umgestiegen, bei dem hinterlegtes Kapital die Sicherheit stellt und die Rechenlast auf das Niveau eines gew\u00f6hnlichen Servernetzes f\u00e4llt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der <a href='https:\/\/ethereum.org\/en\/energy-consumption'>Ethereum-Stromverbrauch<\/a> liegt seit dem Merge im September 2022 bei rund 0,0026 Terawattstunden im Jahr, ein R\u00fcckgang um mehr als 99,98 Prozent. Ein einzelner Validator kommt mit der Leistung weniger Gl\u00fchbirnen aus. Staking hat, energetisch betrachtet, schlicht keine nennenswerte Geschichte mehr. Die gesamte Debatte \u00fcber den Krypto-Strommix ist deshalb im Kern eine Debatte \u00fcber Bitcoin und \u00fcber eine Handvoll kleinerer Proof-of-Work-Coins.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verwechslung ist folgenreich. Wer eine Bitcoin-Zahl von 150 Terawattstunden nimmt und sie als Verbrauch &bdquo;der Kryptow\u00e4hrungen&ldquo; verkauft, addiert im Kopf Ethereum, Solana und hunderte Proof-of-Stake-Ketten hinzu, die zusammen kaum ins Gewicht fallen. Die energiepolitisch relevante Frage betrifft ausschlie\u00dflich Proof of Work, und dort wiederum fast ausschlie\u00dflich Bitcoin, das den Gro\u00dfteil der weltweiten Rechenarbeit auf sich vereint.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Merkmal<\/th><th>Bitcoin (Proof of Work)<\/th><th>Ethereum (Proof of Stake)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Stromverbrauch pro Jahr<\/td><td>rund 138 bis 190 TWh<\/td><td>rund 0,0026 TWh<\/td><\/tr><tr><td>Sicherheitsanker<\/td><td>Rechenarbeit (Hashrate)<\/td><td>hinterlegtes Kapital (Stake)<\/td><\/tr><tr><td>Verbrauch je Knoten<\/td><td>Industrie-ASICs, Megawatt-Bereich<\/td><td>einzelner Validator, Watt-Bereich<\/td><\/tr><tr><td>Mix nachpr\u00fcfbar?<\/td><td>nein, nur per Umfrage gesch\u00e4tzt<\/td><td>ja, aus dem Protokoll ableitbar<\/td><\/tr><tr><td>Reaktion auf Netzsignale<\/td><td>hohe Flexibilit\u00e4t, abschaltbar<\/td><td>kaum relevant, winzige Last<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>138, 190 oder \u00fcber 200 Terawattstunden?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie viel Strom Bitcoin genau zieht, wei\u00df niemand exakt, und das ist der Ausgangspunkt jedes Streits \u00fcber den Mix. Die meistzitierte Zahl stammt vom Cambridge Centre for Alternative Finance, das f\u00fcr seine <a href='https:\/\/www.jbs.cam.ac.uk\/2025\/cambridge-study-sustainable-energy-rising-in-bitcoin-mining\/'>Studie im April 2025<\/a> 49 Mining-Firmen aus 23 L\u00e4ndern befragte, die zusammen fast die H\u00e4lfte der globalen Hashrate stellen. Ergebnis: rund 138 Terawattstunden im Jahr, etwa 0,5 Prozent des Weltstromverbrauchs, davon 52,4 Prozent aus kohlenstoffarmen Quellen (42,6 Prozent Erneuerbare plus 9,8 Prozent Kernkraft), 38,2 Prozent Erdgas und 8,9 Prozent Kohle, bei 39,8 Millionen Tonnen CO2-\u00c4quivalent.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Eine vorl\u00e4ufige Aktualisierung, die Cambridge-Forschungsleiter Alexander Neumueller Ende 2025 auf dem Energy Investors Forum in Dallas vorstellte, hebt die Zahl deutlich an: rund <a href='https:\/\/crypto.news\/hydropower-overtakes-gas-as-bitcoin-mining-power-use-jumps-38\/'>190 Terawattstunden<\/a>, ein Plus von 38 Prozent binnen anderthalb Jahren, bei 59,4 Prozent kohlenstoffarmem Strom und einem bemerkenswerten Detail: Wasserkraft hat Erdgas als wichtigste einzelne Quelle \u00fcberholt. Die Emissionen stiegen mit 20 Prozent langsamer als der Verbrauch, weil der Mix sauberer wurde. Neumueller begr\u00fcndet den Umfrage-Ansatz so: &bdquo;This report directly addresses a persistent data gap by relying on direct practitioner insights rather than abstractions.&ldquo;<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dem stehen deutlich h\u00f6here Sch\u00e4tzungen gegen\u00fcber. Das von Alex de Vries betriebene Portal <a href='https:\/\/digiconomist.net\/bitcoin-energy-consumption'>Digiconomist<\/a> rechnet \u00f6konomisch von oben herab, also aus Mining-Erl\u00f6sen und Hardware-Annahmen, und landet regelm\u00e4\u00dfig oberhalb von 200 Terawattstunden. Diese Spanne von fast Faktor zwei ist kein Randproblem, sondern der eigentliche Kern der gr\u00fcnen Debatte: Wer die Grundmenge nicht kennt, kann auch den Anteil sauberer Energie nur sch\u00e4tzen. Anders als bei kryptografisch <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/zk-ml-2026-ki-modelle-ueberpruefbar-blockchain\/'>\u00fcberpr\u00fcfbaren KI-Modellen<\/a> l\u00e4sst sich der Bitcoin-Mix nicht aus dem Protokoll beweisen. Warum sich die Institute so uneinig sind und was das f\u00fcr die verpflichtende Offenlegung bedeutet, haben wir in einem <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/energiemix-2026-gruene-zahl-pflicht-messkrieg\/'>eigenen Beitrag zum Messkrieg<\/a> aufgeschl\u00fcsselt.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kennzahl<\/th><th>Cambridge April 2025<\/th><th>Cambridge vorl\u00e4ufig Ende 2025<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Stromverbrauch pro Jahr<\/td><td>138 TWh<\/td><td>rund 190 TWh<\/td><\/tr><tr><td>Kohlenstoffarmer Anteil<\/td><td>52,4 %<\/td><td>59,4 %<\/td><\/tr><tr><td>Wichtigste Einzelquelle<\/td><td>Erdgas (38,2 %)<\/td><td>Wasserkraft<\/td><\/tr><tr><td>Kohleanteil<\/td><td>8,9 %<\/td><td>r\u00fcckl\u00e4ufig<\/td><\/tr><tr><td>CO2-Aussto\u00df<\/td><td>39,8 Mt<\/td><td>rund 48 Mt<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Warum Mining eine ungew\u00f6hnliche Stromlast ist<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Netzbetreiber ist steuerbare Last selten und wertvoll. Der Stromverbrauch von Haushalten, Verkehr und klassischer Industrie folgt Gewohnheiten und Produktionspl\u00e4nen, die sich kaum kurzfristig verschieben lassen. Eine Last, die auf Zuruf und binnen Sekunden verschwindet und ebenso schnell zur\u00fcckkommt, ist deshalb kein \u00c4rgernis, sondern ein Werkzeug. In einem Netz mit wachsendem Anteil an Wind und Sonne, deren Einspeisung schwankt, ist genau diese F\u00e4higkeit knapp.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Nutzen l\u00e4uft in beide Richtungen. Wenn mehr erzeugt wird, als gebraucht wird, etwa an einem st\u00fcrmischen Sonntagmittag, dr\u00fcckt der \u00dcberschuss die B\u00f6rsenpreise ins Negative oder zwingt die Betreiber, Windr\u00e4der abzuregeln. Eine flexible Last, die dann anspringt und den \u00dcberschuss in Rechenarbeit verwandelt, verhindert beides. Steigt umgekehrt die Nachfrage, etwa an einem hei\u00dfen Nachmittag mit voller Klimaanlagenlast, kann dieselbe Anlage abschalten und Kapazit\u00e4t f\u00fcr alle anderen freigeben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Technisch reicht die Flexibilit\u00e4t sogar \u00fcber das simple Ein und Aus hinaus. Moderne Anlagen k\u00f6nnen ihre Leistung feinstufig drosseln und im Sekundentakt auf Netzsignale reagieren, was sie theoretisch f\u00fcr hochwertige Regelleistung qualifiziert, nicht nur f\u00fcr das grobe Abschalten in Notlagen. Damit r\u00fcckt Mining in die N\u00e4he von Diensten, die sonst schnelle Gaskraftwerke oder Gro\u00dfbatterien erbringen, allerdings mit dem Unterschied, dass die Anlage nebenbei einen handelbaren Ertrag erzeugt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Damit wird Mining zu etwas, das Ingenieure als Puffer beschreiben w\u00fcrden. Es ist kein sauberer oder schmutziger Verbraucher an sich, sondern ein Verbraucher, dessen Vorzeichen vom Zeitpunkt abh\u00e4ngt. Ob dieser Puffer dem Klima n\u00fctzt, entscheidet sich daran, ob er \u00fcbersch\u00fcssige Erneuerbare auff\u00e4ngt oder ob er rund um die Uhr am billigsten fossilen Grundlaststrom h\u00e4ngt. Beide Betriebsweisen existieren nebeneinander, und beide firmieren im Rohdatensatz unter demselben Wort: Mining.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Demand Response: Mining als abschaltbare Last<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Am weitesten getrieben hat dieses Modell Texas. Der dortige Netzbetreiber ERCOT f\u00fchrt eine eigene Kategorie f\u00fcr gro\u00dfe, flexible Verbraucher, und Bitcoin-Miner stellen den L\u00f6wenanteil. Nach Angaben des Texas Blockchain Council entfallen mehr als 95 Prozent dieser <a href='https:\/\/www.utilitydive.com\/news\/texas-requires-bitcoin-miners-to-register-with-electric-grid-operator-ERCOT\/733848\/'>gro\u00dfen flexiblen Lasten<\/a> auf Mining, insgesamt rund 2.450 Megawatt. Wird der Strom knapp, fahren die Anlagen herunter und kassieren daf\u00fcr Verg\u00fctungen; ist er im \u00dcberfluss da, laufen sie auf Anschlag.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Lee Bratcher, Pr\u00e4sident des Rats, beschreibt den Mechanismus schlicht: Mining &bdquo;soaks up excess power capacity during times of low demand and turns off on hot summer days when Texans use more energy.&ldquo; In der Sprache der Netzplanung ist das Regelreserve, nur dass sie nicht von einem Kraftwerk kommt, sondern von einem Verbraucher, der freiwillig verzichtet. Eine Untersuchung, die <a href='https:\/\/blockworks.com\/news\/bitcoin-mining-mitigate-power-shortages-texas'>Blockworks<\/a> zusammenfasste, kam zu dem Schluss, dass flexible Mining-Last Engp\u00e4sse im texanischen Netz sp\u00fcrbar entsch\u00e4rfen kann.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Formalisiert wird das seit 2025 durch ein texanisches Gesetz, das gro\u00dfe Miner verpflichtet, sich bei ERCOT zu registrieren und ihre Lastspitzen offenzulegen. Aus einer informellen Praxis wird so ein regulierter Baustein der Netzplanung, mit Rechten und Pflichten. F\u00fcr die Betreiber ist der Deal attraktiv: Sie liefern eine Dienstleistung, die das Netz ohnehin braucht, und werden daf\u00fcr bezahlt, statt als blo\u00dfe Stromfresser gebrandmarkt zu werden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Preis dieser Logik ist Ehrlichkeit \u00fcber die Kehrseite. Kritiker wie die US-Senatorin Elizabeth Warren haben moniert, dass Miner in Hitzewellen doppelt verdienen: am hohen Strompreis, den sie durch Abschalten vermeiden, und an den Verg\u00fctungen f\u00fcr genau dieses Abschalten. Ob das eine faire Bezahlung f\u00fcr eine echte Netzdienstleistung ist oder eine Subvention f\u00fcr eine Industrie, die man auch ganz woanders ansiedeln k\u00f6nnte, ist eine politische Frage, keine technische. Fest steht nur: Die Flexibilit\u00e4t ist real, und sie hat einen Marktwert.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Handel mit gestrandeter Energie<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die sauberste Variante dieses Gesch\u00e4fts ist der Griff nach Energie, die sonst verloren ginge. Drei Quellen dominieren. Erstens gekappte Erneuerbare: Strom aus Wind- und Solarparks, den das Netz gerade nicht abtransportieren kann und der deshalb abgeregelt wird. Zweitens abgefackeltes Erdgas: An vielen \u00d6lfeldern entweicht Begleitgas, das sich nicht zu verkaufen lohnt und das abgefackelt oder, schlimmer, direkt abgelassen wird. Drittens abgelegene Wasserkraft, etwa in der Regenzeit, deren Leitungen zu d\u00fcnn sind, um die Energie in die St\u00e4dte zu bringen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Bitcoin sind das ideale Standorte, weil die Anlage zum Strom kommt und nicht umgekehrt. Der Fall Methan ist dabei der klimapolitisch sch\u00e4rfste. Daniel Batten, Investor und Betreiber des Fonds CH4 Capital, argumentiert, dass Miner, die Begleitgas oder Deponiegas verstromen, das rund achtzigfach klimawirksamere Methan verbrennen, bevor es in die Atmosph\u00e4re gelangt, und so unter dem Strich einen Netto-Klimavorteil erzeugen, den die \u00fcbliche Buchhaltung ignoriert. Ganz unumstritten ist die Rechnung nicht, aber sie zeigt, warum der reine Blick auf den Stromz\u00e4hler zu kurz greift.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die konsequenteste Form ist das netzferne Mining. Container mit Solarmodulen und Batteriespeicher, aufgestellt fernab jeder Leitung, verwandeln Sonnenstrom direkt in Hashrate, ohne das \u00f6ffentliche Netz je zu ber\u00fchren. In den nordischen L\u00e4ndern nutzen Betreiber \u00fcbersch\u00fcssige Wasserkraft, in Teilen Afrikas und Lateinamerikas Wasserkraftwerke, deren Leitungen zu schwach sind, um die Energie in Ballungsr\u00e4ume zu bringen. In all diesen F\u00e4llen konkurriert Mining nicht mit anderen Verbrauchern, sondern nutzt Energie, die es sonst schlicht nicht g\u00e4be.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Und hier schlie\u00dft sich der Kreis zum Mix. Jede Kilowattstunde gekappter Windkraft, die ein Miner statt der Abregelung nutzt, verbessert nicht nur seine eigene Bilanz, sie kann sogar den weiteren Ausbau der Erneuerbaren erleichtern, weil ein zus\u00e4tzlicher, jederzeit abschaltbarer Abnehmer die Wirtschaftlichkeit neuer Wind- und Solarparks st\u00fctzt. Das ist die st\u00e4rkste gr\u00fcne These der Branche. Ihr Haken: Dieselbe Beweglichkeit, die gekappten Gr\u00fcnstrom auff\u00e4ngt, findet ebenso zuverl\u00e4ssig den billigsten Kohlestrom, wenn der irgendwo nachts im \u00dcberfluss steht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Deutschland: das Netz, das am lautesten nach Flexibilit\u00e4t ruft<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Nirgends in Europa ist der Bedarf an flexibler Last so sichtbar wie in Deutschland, und das macht das Land zum idealen Testfall. Der Ausbau von Wind im Norden und Solar in der Fl\u00e4che hat die Erzeugung dorthin gebracht, wo die Leitungen sie oft nicht abtransportieren k\u00f6nnen. Die Folge ist ein Dauerengpass zwischen Nord und S\u00fcd, den die Netzbetreiber mit teuren Notma\u00dfnahmen \u00fcberbr\u00fccken.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zahlen sind eindr\u00fccklich. Das gesamte Engpassmanagement kostete 2024 laut Bundesnetzagentur rund <a href='https:\/\/www.smard.de\/page\/home\/topic-article\/444\/216636\/volumen-und-kosten-gesunken'>2,8 Milliarden Euro<\/a>, nach 3,3 Milliarden im Jahr zuvor. Abgeregelt wurden dabei <a href='https:\/\/www.cleanenergywire.org\/news\/germanys-needs-and-costs-grid-management-down-2024-network-agency'>4.951 Gigawattstunden<\/a> Erneuerbare, davon 3.562 aus Wind; die Solar-Abregelung verdoppelte sich nahezu. Die Entsch\u00e4digungen f\u00fcr diesen weggeworfenen Gr\u00fcnstrom sanken zwar 2025 um 22 Prozent, lagen aber immer noch bei <a href='https:\/\/www.cleanenergywire.org\/news\/renewable-curtailment-compensation-costs-germany-decrease-22-2025'>435 Millionen Euro<\/a>, nach 554 Millionen im Vorjahr.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Gleichzeitig f\u00e4llt der B\u00f6rsenpreis immer h\u00e4ufiger unter null. 2025 z\u00e4hlte Deutschland nach Auswertung der FfE rund <a href='https:\/\/www.ffe.de\/en\/publications\/german-electricity-prices-on-the-epex-spot-exchange-in-2025\/'>575 Stunden mit negativen Preisen<\/a>, ein neuer Rekord nach 459 Stunden 2024 und 301 Stunden 2023. In solchen Momenten zahlt man daf\u00fcr, Strom abzunehmen. Ein abschaltbarer, ortsungebundener Verbraucher, der genau dann anspringt und in Spitzenzeiten verschwindet, ist in dieser Statistik nicht das Problem, sondern exakt die fehlende Antwort.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kennzahl deutsches Netz<\/th><th>2023<\/th><th>2024<\/th><th>2025<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Kosten Engpassmanagement<\/td><td>3,3 Mrd. Euro<\/td><td>2,8 Mrd. Euro<\/td><td>Milliardenbereich<\/td><\/tr><tr><td>Abgeregelte Erneuerbare<\/td><td>k. A.<\/td><td>4.951 GWh<\/td><td>k. A.<\/td><\/tr><tr><td>Entsch\u00e4digung Abregelung<\/td><td>k. A.<\/td><td>554 Mio. Euro<\/td><td>435 Mio. Euro<\/td><\/tr><tr><td>Stunden mit negativem Preis<\/td><td>301<\/td><td>459<\/td><td>rund 575<\/td><\/tr><tr><td>B\u00f6rsenpreis EPEX Base, Schnitt<\/td><td>k. A.<\/td><td>rund 77 Euro\/MWh<\/td><td>89,3 Euro\/MWh<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Warum trotzdem kaum jemand in Deutschland sch\u00fcrft<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn das Netz so laut nach flexibler Last ruft, warum stehen die Mining-Container dann in Texas und nicht in Schleswig-Holstein? Die Antwort ist der Preis, und zwar nicht der kurze Ausschlag ins Negative, sondern der Durchschnitt \u00fcber das Jahr. F\u00fcr Mining z\u00e4hlt der Strompreis rund um die Uhr, und der ist in Deutschland strukturell hoch.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der durchschnittliche B\u00f6rsenpreis lag 2025 bei 89,3 Euro je Megawattstunde, also rund neun Cent je Kilowattstunde allein im Gro\u00dfhandel. Oben drauf kommen Netzentgelte, Abgaben und Umlagen. Der <a href='https:\/\/www.smard.de\/page\/en\/topic-article\/5892\/216044\/industrial-electricity-price-trends'>Industriestrompreis<\/a> lag im zweiten Halbjahr 2025 im Schnitt bei rund 19 Cent je Kilowattstunde; selbst energieintensive Gro\u00dfverbraucher mit Entlastungen zahlten um die 13 Cent. In Texas liegt der industrielle Strompreis eher bei sechs bis sieben Cent, und Miner mit langfristigen Standortvertr\u00e4gen und Demand-Response-Gutschriften dr\u00fccken ihren Nettobezug laut <a href='https:\/\/blockworks.com\/news\/bitcoin-mining-mitigate-power-shortages-texas'>Marktdaten<\/a> teils in die N\u00e4he von drei Cent.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Standort und Segment<\/th><th>Strompreis (Richtwert)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Deutschland, Industrie im Schnitt (2. Hj. 2025)<\/td><td>rund 19 ct\/kWh<\/td><\/tr><tr><td>Deutschland, energieintensive Gro\u00dfverbraucher<\/td><td>rund 13 ct\/kWh<\/td><\/tr><tr><td>Deutschland, Gro\u00dfhandel im Schnitt (2025)<\/td><td>rund 9 ct\/kWh<\/td><\/tr><tr><td>Texas, Industrie<\/td><td>rund 6 bis 7 ct\/kWh<\/td><\/tr><tr><td>Mining mit Standortvertrag und Demand Response<\/td><td>Richtung 3 ct\/kWh<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu kommt: Deutschland kennt keinen eigenen Tarif, der eine jederzeit abschaltbare Krypto-Last f\u00fcr ihre Systemdienlichkeit belohnt, wie es das texanische Modell tut. Politisch gilt Mining eher als unerw\u00fcnschter Stromfresser denn als Netzpuffer, Genehmigungen sind langwierig, und die \u00f6ffentliche Stimmung ist skeptisch. Stattdessen konzentriert sich das Gesch\u00e4ft dort, wo Strom dauerhaft billig ist: in Texas mit seinem \u00dcberschuss aus Wind und Gas, in \u00c4thiopien mit dem Strom des Grand-Ethiopian-Renaissance-Staudamms, in Paraguay an der Wasserkraft von Itaip\u00fa, dazu in den Golfstaaten und in Teilen Zentralasiens.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Ergebnis ist ein Paradox: Das Land, das am dringendsten flexible Abnehmer br\u00e4uchte, treibt sie mit seinen Preisen und Regeln au\u00dfer Landes. Deutschland taucht auf der Mining-Landkarte praktisch nicht auf, obwohl es rechnerisch genau die Mischung aus \u00dcberschuss und Flexibilit\u00e4tsbedarf h\u00e4tte, die Miner andernorts suchen. Wer verstehen will, was die weltweite Hashrate wirklich antreibt und wohin sie wandert, findet in unserer <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/hashrate-wachstum-2026-vier-motoren-effizienz\/'>Analyse der Hashrate-Motoren<\/a> die Details.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die gr\u00fcne Gegenrechnung: Rebound, Wasser und E-Schrott<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">So \u00fcberzeugend die Flexibilit\u00e4tsthese klingt, sie hat gewichtige Gegner, und ihre Einw\u00e4nde geh\u00f6ren in jede ehrliche Bilanz. Der grunds\u00e4tzlichste ist der Rebound-Effekt. Ein zus\u00e4tzlicher, dauerhaft zahlungsbereiter Abnehmer erh\u00f6ht die Gesamtnachfrage nach Strom. Wo dieser Strom knapp ist, kann Mining andere Verbraucher verdr\u00e4ngen oder den Betrieb alter fossiler Kraftwerke verl\u00e4ngern, die sich sonst nicht mehr rechnen w\u00fcrden. Die sch\u00f6ne Geschichte vom Puffer gilt nur dort, wo tats\u00e4chlich \u00dcberschuss besteht; anderswo kann dieselbe Last das Gegenteil bewirken.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommen Umweltkosten jenseits des CO2. Alex de Vries, \u00d6konom an der Vrije Universiteit Amsterdam und Betreiber von Digiconomist, verweist seit Jahren auf den Wasserverbrauch der K\u00fchlung und der vorgelagerten Stromerzeugung sowie auf den Elektroschrott: Spezialisierte ASIC-Rechner veralten schnell und landen oft schon nach gut einem Jahr auf dem M\u00fcll, was den Sektor auf eine Gr\u00f6\u00dfenordnung von mehreren zehntausend Tonnen Elektroschrott im Jahr bringt. Diese Kennzahlen sind methodisch umstritten, aber sie erinnern daran, dass eine reine Strommix-Debatte den Fu\u00dfabdruck verk\u00fcrzt darstellt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die vielzitierte Kennzahl &bdquo;Energie pro Transaktion&ldquo; f\u00fchrt in die Irre. Der Stromverbrauch von Bitcoin h\u00e4ngt an der Hashrate und am Blocktakt, nicht an der Zahl der Transaktionen; ob in einem Block eine oder zehntausend Zahlungen stecken, \u00e4ndert am Verbrauch nichts. Genau deshalb wehrt sich die Ethereum-Stiftung ausdr\u00fccklich gegen diese Metrik, w\u00e4hrend sie an anderer Stelle in die europ\u00e4ische Regulierung eingewandert ist, wie der \u00fcbern\u00e4chste Abschnitt zeigt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der KI-Faktor: zwei Bieter um denselben sauberen Strom<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die vielleicht gr\u00f6\u00dfte Ver\u00e4nderung von 2026 kommt nicht aus der Krypto-Welt selbst, sondern von nebenan. Der Hunger der k\u00fcnstlichen Intelligenz nach Rechenzentren ver\u00e4ndert den Strommarkt in einem Tempo, das Mining klein aussehen l\u00e4sst. Nach dem Bericht <a href='https:\/\/www.iea.org\/reports\/energy-and-ai\/executive-summary'>Energy and AI<\/a> der Internationalen Energieagentur d\u00fcrfte der Stromverbrauch der Rechenzentren von rund 485 Terawattstunden 2025 auf etwa 945 Terawattstunden bis 2030 steigen, also ungef\u00e4hr auf drei Prozent des Weltverbrauchs; der Anteil der KI-lastigen Zentren w\u00e4chst dabei am schnellsten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Krypto-Strommix ist das folgenreich, weil KI und Mining zunehmend um dieselben Ressourcen konkurrieren: um billigen, m\u00f6glichst sauberen Strom und um freie Netzanschl\u00fcsse. Anders als Mining ist KI-Rechenlast jedoch kaum flexibel; ein Trainingslauf l\u00e4sst sich nicht so beil\u00e4ufig unterbrechen wie ein Hash. In der Praxis bedeutet das oft, dass die begehrten festen Grundlast-Anschl\u00fcsse an die KI gehen, w\u00e4hrend Miner auf die flexiblen, volatileren Reste ausweichen und genau dort ihre Rolle als Puffer ausspielen. Zugleich bauen viele Miner ihr Gesch\u00e4ft direkt zur KI um und vermieten ihre Rechenzentren an Modellbetreiber.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Krypto-Branche selbst zieht neuen Rechenhunger nach sich, etwa mit dezentralen Netzen f\u00fcr KI-Training, deren Anspruch und Grenzen wir im Beitrag zu <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/gensyn-2026-dezentrales-ki-training-wettlauf\/'>Gensyn und dezentralem KI-Training<\/a> untersucht haben. F\u00fcr Deutschland versch\u00e4rft dieser Wettlauf das Dilemma zus\u00e4tzlich. Jede Kilowattstunde sauberer Strom, die hierzulande knapp und teuer ist, wird von KI-Rechenzentren mit tiefen Taschen umworben; eine flexible Last wie Mining, die sich mit Resten und \u00dcbersch\u00fcssen begn\u00fcgen k\u00f6nnte, hat es im Bieterwettbewerb noch schwerer. Der Strom, um den in Frankfurt und anderswo gerungen wird, ist derselbe, aus dem anderswo Hashrate wird.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was MiCA und die BaFin jetzt verlangen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend die USA ihre Klima-Offenlegungspflichten zur\u00fcckfahren, hat Europa sie eingef\u00fchrt. Mit der Delegierten Verordnung <a href='https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/reg_del\/2025\/422\/oj\/eng'>(EU) 2025\/422<\/a>, in Kraft seit April 2025, konkretisiert MiCA, welche Nachhaltigkeitsangaben in ein Krypto-Whitepaper geh\u00f6ren. Immer verpflichtend ist der gesamte j\u00e4hrliche Stromverbrauch des Konsensmechanismus; oberhalb einer Schwelle kommen der Anteil erneuerbarer Energie, die Energieintensit\u00e4t je Transaktion und die Treibhausgasemissionen hinzu. Die ESMA verankert die Bewertung in drei Merkmalen der Netzknoten: ihrem Stromverbrauch, ihrem Standort und ihrer Hardware.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier trifft die Regulierung auf ein Messproblem. Die Pflicht zur Angabe der Energieintensit\u00e4t je Transaktion \u00fcbernimmt genau die Kennzahl, die Fachleute f\u00fcr Bitcoin als irref\u00fchrend kritisieren. Und sie verlangt eine Pr\u00e4zision, die der Sektor mangels vollst\u00e4ndiger Daten gar nicht liefern kann: Ein Wert, den drei Institute mit fast Faktor zwei Unterschied sch\u00e4tzen, wird per Formular zur nachkommagenauen Pflichtangabe. F\u00fcr Proof of Stake ist die Zahl aus dem Protokoll ableitbar und damit belastbar; f\u00fcr Bitcoin bleibt sie eine Umfragesch\u00e4tzung im Pflichtgewand.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr deutsche Anleger ist die Zust\u00e4ndigkeit klar geregelt. Die BaFin \u00fcberwacht die Krypto-Dienstleister, also B\u00f6rsen und Verwahrer, nach dem <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>MiCAR-Regime<\/a>, nicht das Bitcoin-Protokoll selbst. Wie diese laufende Aufsicht \u00fcber die reine Lizenz hinaus funktioniert, haben wir in unserem Beitrag zur <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mica-umsetzung-2026-laufende-aufsicht-dora-amla\/'>MiCA-Umsetzung<\/a> beschrieben. Dass die USA nach dem R\u00fcckzug ihrer Klima-Offenlegung hier einen ganz anderen Weg gehen als Europa, versch\u00e4rft den Kontrast nur.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was das f\u00fcr deutsche Anleger und Leser hei\u00dft<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer 2026 eine gr\u00fcne Zahl \u00fcber Bitcoin liest, sollte drei Fragen stellen. Erstens: Reden wir \u00fcber Proof of Work oder Proof of Stake? Bei Staking ist die Energiefrage praktisch beantwortet, bei Bitcoin nicht. Zweitens: Woher stammt die Zahl? Eine Umfrage von Cambridge, ein \u00f6konomisches Modell von Digiconomist und die Pflichtangabe eines Anbieters k\u00f6nnen denselben Sachverhalt mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen beschreiben. Drittens, und das ist der Kern dieses Textes: In welcher Beziehung steht die Anlage zum Netz?<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Denn ein Miner, der gekappte Windkraft, abgefackeltes Gas oder \u00dcberschussstrom bei negativen Preisen aufnimmt, betreibt ein anderes Gesch\u00e4ft als einer, der rund um die Uhr am billigsten Kohleblock h\u00e4ngt, auch wenn beide dieselbe Hardware nutzen. Die MiCA-Offenlegung liefert daf\u00fcr einen ersten Anhaltspunkt, mehr nicht; die eigentliche Auskunft steckt im Standort und im Fahrplan der Anlage. Bei Bitcoin-Kursen im Bereich von mehreren zehntausend Euro ist die \u00d6konomie des Sch\u00fcrfens hoch genug, dass diese Standortentscheidungen mit echtem Kapital getroffen werden, und sie pr\u00e4gen den Mix st\u00e4rker als jede Absichtserkl\u00e4rung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die n\u00fcchterne Bilanz lautet: Der Energiemix von Krypto ist 2026 keine Eigenschaft der Technologie mehr, sondern eine Eigenschaft des Netzes, an dem sie h\u00e4ngt. Er l\u00e4sst sich verbessern, indem man Mining an \u00dcberschuss und gestrandete Energie koppelt, und er l\u00e4sst sich verschlechtern, indem man es an fossile Grundlast bindet. Deutschland zeigt beide Seiten dieser Wahrheit auf einmal: Es h\u00e4tte den \u00dcberschuss, es h\u00e4tte den Bedarf an Flexibilit\u00e4t, und es schickt die passende Last trotzdem ins Ausland. Wer \u00fcber die gr\u00fcne Zahl streiten will, sollte deshalb beim Netz anfangen, nicht beim Kraftwerk.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufige Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Wie viel Strom verbraucht Bitcoin 2026?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Verl\u00e4ssliche Sch\u00e4tzungen liegen weit auseinander. Das Cambridge Centre for Alternative Finance nennt rund 138 Terawattstunden und in einer vorl\u00e4ufigen Aktualisierung rund 190 Terawattstunden, w\u00e4hrend das Portal Digiconomist mit einem \u00f6konomischen Modell oberhalb von 200 Terawattstunden landet. Ethereum verbraucht nach dem Umstieg auf Proof of Stake dagegen nur noch etwa 0,0026 Terawattstunden.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Ist Bitcoin-Mining gut oder schlecht f\u00fcrs Stromnetz?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Beides ist m\u00f6glich. Als abschaltbare Last kann Mining \u00fcbersch\u00fcssige Erneuerbare aufnehmen und in Spitzenzeiten vom Netz gehen, was Netzen mit viel Wind und Solar hilft. Dieselbe Flexibilit\u00e4t kann aber auch billigen Kohle- oder Gasstrom auslasten und so fossile Kraftwerke st\u00fctzen. Ob der Effekt gr\u00fcn ausf\u00e4llt, h\u00e4ngt vom Standort und von den Anreizen ab, nicht von der Technik allein.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum wird in Deutschland trotz \u00dcberschussstrom kaum Bitcoin gesch\u00fcrft?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Deutschland regelt zwar viel Windkraft ab und verzeichnet Rekorde bei negativen Strompreisen, doch der Industriestrompreis liegt mit Netzentgelten und Abgaben deutlich \u00fcber dem Niveau von Texas oder \u00c4thiopien. Es gibt keinen speziellen Tarif f\u00fcr abschaltbare Krypto-Last, dazu kommen politische Vorbehalte und lange Genehmigungswege. Miner gehen deshalb dorthin, wo Strom dauerhaft billig ist.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Verbraucht Ethereum-Staking so viel Energie wie Bitcoin-Mining?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Seit dem Merge im September 2022 arbeitet Ethereum mit Proof of Stake und verbraucht rund 99,98 Prozent weniger Strom als zuvor, etwa 0,0026 Terawattstunden im Jahr. Ein einzelner Validator kommt mit der Leistung weniger Gl\u00fchbirnen aus. Die Energiedebatte betrifft im Kern Proof-of-Work-Coins wie Bitcoin, nicht Staking.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was muss ein Krypto-Anbieter unter MiCA zum Energieverbrauch offenlegen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Die technischen Standards der EU (Delegierte Verordnung 2025\/422) verlangen im Whitepaper Angaben zum Konsensmechanismus und zu Klimafolgen. Immer verpflichtend ist der gesamte j\u00e4hrliche Stromverbrauch; oberhalb einer Schwelle kommen Angaben wie erneuerbarer Anteil, Energieintensit\u00e4t je Transaktion und Treibhausgasemissionen hinzu. In Deutschland \u00fcberwacht die BaFin die Dienstleister, nicht das Protokoll selbst.<\/p><script type=\"application\/ld+json\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Wie viel Strom verbraucht Bitcoin 2026?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Verl\u00e4ssliche Sch\u00e4tzungen liegen weit auseinander. Das Cambridge Centre for Alternative Finance nennt rund 138 Terawattstunden und in einer vorl\u00e4ufigen Aktualisierung rund 190 Terawattstunden, w\u00e4hrend Digiconomist mit einem \u00f6konomischen Modell oberhalb von 200 Terawattstunden landet. 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