{"id":514,"date":"2026-09-10T04:30:41","date_gmt":"2026-09-10T04:30:41","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/etf-zulassungen-2026-boom-auslese-sec-rethink\/"},"modified":"2026-09-10T04:30:41","modified_gmt":"2026-09-10T04:30:41","slug":"etf-zulassungen-2026-boom-auslese-sec-rethink","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/etf-zulassungen-2026-boom-auslese-sec-rethink\/","title":{"rendered":"ETF-Zulassungen 2026: Warum die Zulassung der leichte Teil war"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor gut einem Jahr war die entscheidende Frage im Krypto-Markt noch, ob die US-B\u00f6rsenaufsicht SEC den n\u00e4chsten Spot-ETF \u00fcberhaupt durchwinkt. Heute ist diese Frage weitgehend beantwortet. Seit die generischen Zulassungsstandards im September 2025 in Kraft sind, wandert ein Antrag nach dem anderen durch die Beh\u00f6rde, und der Markt z\u00e4hlt inzwischen \u00fcber hundert Produkte auf Bitcoin, Ethereum und eine wachsende Reihe von Altcoins. Anfang September 2026 verwalten die US-Spot-Bitcoin-ETFs zusammen rund 99 Milliarden US-Dollar (etwa 85 Milliarden Euro), ein einziger Fonds h\u00e4lt davon fast zwei Drittel.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau hier hat sich die eigentliche Geschichte verschoben: weg von der Zulassung, hin zur Frage, welche dieser Produkte \u00fcberhaupt \u00fcberleben. Die Zulassung war der leichte Teil. Zwei Kr\u00e4fte pr\u00e4gen den Markt jetzt: die betriebswirtschaftliche Auslese, in der Fonds ohne gen\u00fcgend Kapital wieder geschlossen werden, und ein frischer Kurswechsel der SEC, die ihr eigenes Regelwerk nach der Antragsflut neu pr\u00fcft. F\u00fcr Anlegerinnen und Anleger im deutschsprachigen Raum, die ohnehin nicht direkt in die US-Fonds investieren k\u00f6nnen, verschiebt das die relevanten Fragen. Diese Analyse ordnet ein, was nach dem Boom kommt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Von der Zulassung zur Auslese: was sich 2026 verschoben hat<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wendepunkt l\u00e4sst sich datieren. Am 17. September 2025 genehmigte die SEC generische Zulassungsstandards f\u00fcr rohstoffbasierte Trust-Anteile (<a href='https:\/\/www.sec.gov\/newsroom\/press-releases\/2025-121-sec-approves-generic-listing-standards-commodity-based-trust-shares'>SEC-Mitteilung 2025-121<\/a>). Seither muss nicht mehr jedes Produkt einzeln \u00fcber das langwierige 19b-4-Verfahren, das bis zu 240 Tage dauern konnte; erf\u00fcllt ein Token die Kriterien, verk\u00fcrzt sich der B\u00f6rsengang auf rund 75 Tage. Drei Wege qualifizieren einen Basiswert: ein \u00fcberwachter Handelsplatz im Rahmen der Intermarket Surveillance Group, ein seit mindestens sechs Monaten an einer CFTC-regulierten B\u00f6rse gehandelter Futures-Kontrakt oder ein bestehender ETF mit mindestens 40 Prozent Verm\u00f6gensbezug zum Token.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Aus einem Genehmigungsverfahren wurde damit eine Checkliste. Die Folge ist eine Antragsflut. James Seyffart, ETF-Analyst bei Bloomberg Intelligence, z\u00e4hlte weit \u00fcber hundert eingereichte Krypto-Fonds und beschrieb das Vorgehen der Emittenten als Versuch, <a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/383361'>m\u00f6glichst viel Produkt an die Wand zu werfen<\/a> und zu sehen, was h\u00e4ngen bleibt. Wenn aber fast jeder Antrag durchgeht, ist die Zulassung kein Engpass mehr. Der Engpass wird die Nachfrage, die Kostenstruktur und die schiere Frage, ob genug Geld in einen einzelnen Fonds flie\u00dft, damit er sich tr\u00e4gt. Beide Dynamiken dieses Textes, die Marktauslese und der regulatorische Kurswechsel, sind direkte Folgen davon, dass das alte Nadel\u00f6hr verschwunden ist.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wie die Tore aufgingen: die Zulassungsmaschine 2024 bis 2026<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Um die heutige Lage zu verstehen, lohnt ein kurzer R\u00fcckblick. Im Januar 2024 lie\u00df die SEC elf Spot-Bitcoin-ETFs gleichzeitig zu, nachdem ein Bundesberufungsgericht der Beh\u00f6rde im Fall Grayscale bescheinigt hatte, ihre bisherige Ablehnung sei willk\u00fcrlich gewesen. Der damalige SEC-Vorsitzende Gary Gensler stellte trotzdem klar, die Beh\u00f6rde habe Bitcoin weder gebilligt noch empfohlen. Im Juli 2024 folgten die Ethereum-Spot-ETFs. Bis dahin blieb jede Zulassung ein Einzelkampf.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das \u00e4nderte sich 2025 unter dem neuen Vorsitzenden Paul Atkins. Zwei Reformen bilden das Fundament des heutigen Booms. Am 29. Juli 2025 erlaubte die SEC die Sch\u00f6pfung und R\u00fccknahme von Anteilen in Sachwerten statt nur in Bargeld (<a href='https:\/\/www.sec.gov\/newsroom\/press-releases\/2025-101-sec-permits-kind-creations-redemptions-crypto-etps'>SEC-Mitteilung 2025-101<\/a>), was die Fonds steuerlich und operativ effizienter machte. Rund sieben Wochen sp\u00e4ter kamen die generischen Standards. Danach \u00f6ffnete sich das Tor f\u00fcr eine ganze Produktwelle: Spot-ETFs auf XRP, Solana, Litecoin und Dogecoin gingen Ende 2025 an den Start. Im M\u00e4rz 2026 kl\u00e4rte eine gemeinsame Auslegung von SEC und CFTC, dass Staking in seinen verschiedenen Formen keine Wertpapiertransaktion ist, was den Weg f\u00fcr renditetragende Fonds ebnete. Die Maschine lief, und sie l\u00e4uft weiter. Nur ist das Interessante inzwischen nicht mehr, dass sie l\u00e4uft, sondern was am Ende des Flie\u00dfbands \u00fcbrig bleibt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>99 Milliarden Dollar, sehr ungleich verteilt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die absolute Zahl beeindruckt, die Verteilung dahinter erz\u00e4hlt die eigentliche Geschichte. Anfang September 2026 halten die US-Spot-Bitcoin-ETFs zusammen rund 99,4 Milliarden US-Dollar (etwa 85 Milliarden Euro) und stehen f\u00fcr 1,27 Millionen Bitcoin, also gut 6 Prozent des jemals existierenden Angebots, wie die tagesaktuelle \u00dcbersicht auf <a href='https:\/\/bitbo.io\/treasuries\/us-etfs\/'>bitbo.io<\/a> zeigt. BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) allein verwaltet davon rund 61,5 Milliarden Dollar und damit etwa 62 Prozent des gesamten Segments. Ein einziger Fonds h\u00e4lt mehr Bitcoin als die n\u00e4chsten f\u00fcnf Konkurrenten zusammen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Fonds (Emittent)<\/th><th>AUM (Mrd. USD)<\/th><th>Gehaltene BTC<\/th><th>Marktanteil<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>IBIT (BlackRock)<\/td><td>61,49<\/td><td>785.635<\/td><td>ca. 62 %<\/td><\/tr><tr><td>FBTC (Fidelity)<\/td><td>13,82<\/td><td>176.513<\/td><td>ca. 14 %<\/td><\/tr><tr><td>GBTC (Grayscale)<\/td><td>10,16<\/td><td>129.817<\/td><td>ca. 10 %<\/td><\/tr><tr><td>BTC (Grayscale Mini)<\/td><td>4,92<\/td><td>62.876<\/td><td>ca. 5 %<\/td><\/tr><tr><td>BITB (Bitwise)<\/td><td>3,00<\/td><td>38.355<\/td><td>ca. 3 %<\/td><\/tr><tr><td>ARKB (ARK 21Shares)<\/td><td>2,80<\/td><td>35.751<\/td><td>ca. 3 %<\/td><\/tr><tr><td>Gesamtmarkt<\/td><td>99,4<\/td><td>1.270.201<\/td><td>100 %<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Fl\u00fcsse bleiben dabei sprunghaft. Am 3. September 2026 verzeichneten die Fonds einen Nettozufluss von 731 Millionen Dollar (rund 628 Millionen Euro), den st\u00e4rksten Einzeltag seit dem 14. Januar; IBIT nahm davon 454 Millionen auf, ARKB 138 Millionen und FBTC 74 Millionen (<a href='https:\/\/hedgeco.net\/news\/09\/2026\/spot-bitcoin-etfs-posted-a-731-million-net-inflow-on-september-3.html'>HedgeCo<\/a>). Nur zwei Tage zuvor waren 236 Millionen abgeflossen, davon allein 201 Millionen aus IBIT. Der August war mit rund 3,52 Milliarden Dollar der st\u00e4rkste Zuflussmonat seit etwa zehn Monaten. Bitcoin selbst notierte am 9. September bei knapp 79.000 Dollar (rund 67.600 Euro), Ethereum bei etwa 2.485 Dollar (rund 2.130 Euro), gebremst von geopolitischer Nervosit\u00e4t, wie die Tages\u00fcbersichten von <a href='https:\/\/finance.yahoo.com\/personal-finance\/investing\/article\/bitcoin-and-ethereum-prices-today-wednesday-september-9-2026-ongoing-escalations-in-the-middle-east-are-keeping-a-lid-on-crypto-112541573.html'>Yahoo Finance<\/a> festhielten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ethereum-Fonds erz\u00e4hlen eine kleinere, \u00e4hnliche Geschichte. Sie starteten im Juli 2024, blieben lange im Schatten der Bitcoin-Produkte und durchliefen 2026 abwechselnd Ab- und Zuflussphasen. Mit der Freigabe des Stakings bekamen sie ein Verkaufsargument, das die reinen Bitcoin-Fonds nicht haben. Doch auch hier dominiert mit BlackRock ein einzelner Emittent, w\u00e4hrend die kleineren Anbieter um Sichtbarkeit ringen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>IBIT als Gewinnmaschine: warum ein Fonds BlackRocks Umsatzliste anf\u00fchrt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer verstehen will, warum die Zulassung so hei\u00df umk\u00e4mpft war, muss auf die \u00d6konomie eines erfolgreichen ETF schauen. Ein Fonds verdient an einer laufenden Verwaltungsgeb\u00fchr, einem Prozentsatz des verwalteten Verm\u00f6gens. Bei gen\u00fcgend Volumen wird daraus eine sehr planbare Ertragsquelle. IBIT ist das Musterbeispiel. Der Fonds erreichte 70 Milliarden Dollar Verm\u00f6gen in nur 341 Tagen, schneller als jeder ETF zuvor, und warf Ende 2025 nach Sch\u00e4tzungen rund 245 Millionen Dollar (etwa 210 Millionen Euro) an j\u00e4hrlichen Geb\u00fchren ab. Damit wurde ein einzelnes Krypto-Produkt laut <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2025\/11\/29\/bitcoin-etfs-are-now-blackrock-s-top-revenue-source-exec-says'>CoinDesk<\/a> zur umsatzst\u00e4rksten Ertragsquelle von BlackRock, obwohl das Haus mehr als 1.400 ETFs f\u00fchrt und rund 13,4 Billionen Dollar verwaltet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Rechnung erkl\u00e4rt den ganzen Ansturm. Wenn ein Produkt in gut einem Jahr \u00fcber 52 Milliarden Dollar Nettozufl\u00fcsse einsammelt und dabei eine Geb\u00fchr abwirft, die die des hauseigenen S&amp;P-500-Flaggschiffs auf Ertragsbasis \u00fcbersteigt, dann lohnt sich der Kampf um die Marktf\u00fchrung. Genau deshalb reichen die Emittenten so viele Antr\u00e4ge ein. Doch die Kehrseite ist hart: Diese \u00d6konomie funktioniert nur an der Spitze. Ein Fonds mit ein paar Dutzend Millionen Dollar Verm\u00f6gen verdient bei 0,20 Prozent Geb\u00fchr im Jahr eine Summe, die die Kosten f\u00fcr Index-Lizenz, Verwahrung, B\u00f6rsennotierung, Recht und Vertrieb kaum deckt. Der Boom hat also nicht viele kleine Gewinner geschaffen, sondern wenige sehr gro\u00dfe und viele Kandidaten f\u00fcr die Schlie\u00dfung.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Geb\u00fchrenkrieg und die Break-even-Falle<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wettbewerb um Zufl\u00fcsse l\u00e4uft vor allem \u00fcber den Preis. Als GBTC 2024 von einem geschlossenen Trust in einen ETF umgewandelt wurde, behielt der Fonds seine alte Geb\u00fchr von 1,50 Prozent, w\u00e4hrend die neuen Anbieter deutlich darunter einstiegen. Seither ist ein Preiskrieg entbrannt, der die Verwaltungsgeb\u00fchren an den Rand des M\u00f6glichen dr\u00fcckt. Grayscale legte mit dem Bitcoin Mini Trust den g\u00fcnstigsten gro\u00dfen Fonds bei 0,15 Prozent auf, Morgan Stanley trat 2026 mit einem Produkt um 0,14 Prozent an, und selbst die Marktf\u00fchrer IBIT und FBTC liegen mit 0,25 Prozent im unteren Bereich klassischer Aktienfonds.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Fonds<\/th><th>Verwaltungsgeb\u00fchr p.a.<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Morgan Stanley (Spot-BTC)<\/td><td>um 0,14 %<\/td><\/tr><tr><td>Grayscale Mini (BTC)<\/td><td>0,15 %<\/td><\/tr><tr><td>BITB (Bitwise)<\/td><td>0,20 %<\/td><\/tr><tr><td>ARKB (ARK 21Shares)<\/td><td>0,21 %<\/td><\/tr><tr><td>IBIT (BlackRock)<\/td><td>0,25 %<\/td><\/tr><tr><td>FBTC (Fidelity)<\/td><td>0,25 %<\/td><\/tr><tr><td>GBTC (Grayscale)<\/td><td>1,50 %<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Preiskrieg legt eine paradoxe Rechnung offen. Grayscale verliert seit Jahren Verm\u00f6gen an die billigere Konkurrenz, verdient an den verbliebenen rund 10 Milliarden Dollar aber immer noch pr\u00e4chtig: 1,50 Prozent auf 10 Milliarden ergeben grob 150 Millionen Dollar im Jahr, ungef\u00e4hr so viel wie IBIT mit 0,25 Prozent auf \u00fcber 60 Milliarden erl\u00f6st (eine \u00dcberschlagsrechnung, keine Bilanzzahl). Der schmelzende Fonds druckt also weiter Geld, w\u00e4hrend neue Anbieter mit Kampfpreisen antreten und trotzdem auf Masse angewiesen sind. F\u00fcr ein frisch aufgelegtes Nischenprodukt bedeutet das eine brutale Schwelle: Ohne mehrere hundert Millionen Dollar Verm\u00f6gen deckt die Geb\u00fchr die Fixkosten nicht, und der Emittent zieht irgendwann den Stecker. Diese Break-even-Falle ist der Motor der Auslese, die 2026 sichtbar geworden ist. Ein \u00e4hnliches Muster aus Preisdruck und Konzentration kennt der Markt bereits aus dem <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mining-pools-2026-geschaeftsmodell-fee-krieg-konsolidierung\/'>Gesch\u00e4ft der Mining-Pools<\/a>, wo d\u00fcnne Margen die Anbieter seit Jahren zusammenschmelzen lassen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Auslese hat begonnen: als Direxion zehn Fonds schloss<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Aus der Theorie der Break-even-Falle ist l\u00e4ngst Praxis geworden. Am deutlichsten zeigte sich das bei Direxion, einem der gro\u00dfen Anbieter gehebelter und inverser Produkte. Der Anbieter k\u00fcndigte Mitte M\u00e4rz 2026 an, zehn Fonds zu schlie\u00dfen; die Abwicklung wurde zum 10. April wirksam (<a href='https:\/\/www.direxion.com\/press-release\/direxion-closing-ten-etfs'>Direxion<\/a>). Der Grund war nicht schlechte Wertentwicklung, sondern schlicht zu wenig Kapital. Besonders eindr\u00fccklich: Ein Fonds mit dem K\u00fcrzel LMBO hatte vor der Schlie\u00dfung 34 Prozent zugelegt und wurde trotzdem abgewickelt, weil er nicht genug Verm\u00f6gen anziehen konnte. Auch ein auf fallende Kurse setzendes Gegenst\u00fcck verschwand. \u00dcber die Assets, nicht \u00fcber die Rendite, entschied das \u00dcberleben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Anleger ist eine Schlie\u00dfung selten ein Totalverlust, aber ein \u00c4rgernis. Bei der Abwicklung wird das Fondsverm\u00f6gen verkauft und der Erl\u00f6s ausgezahlt, was einen steuerpflichtigen Verkaufszeitpunkt erzwingt, den niemand gew\u00e4hlt hat, und eine Wiederanlage n\u00f6tig macht. Wer gezielt auf einen bestimmten Basiswert gesetzt hatte, steht pl\u00f6tzlich ohne sein Vehikel da. Die \u00dcberlebensf\u00e4higkeit eines Produkts ist deshalb kein akademisches Detail, sondern ein handfestes Auswahlkriterium.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Direxion war kein Einzelfall. Nach Angaben von <a href='https:\/\/cryptobriefing.com\/leveraged-etfs-surge-record-shutdowns-2026\/'>CryptoBriefing<\/a> wurden im April 2026 mehr als 20 gehebelte und inverse ETFs eingestellt, im Juli folgten noch einmal \u00fcber 20. Eric Balchunas, ETF-Analyst bei Bloomberg Intelligence, ordnete die Welle als notwendige Korrektur ein und nicht als Zeichen daf\u00fcr, dass Anleger sich von gehebelten Strategien abwenden. James Seyffart, sein Kollege, erwartet, dass sich die Schlie\u00dfungen bis Ende 2026 und in das Jahr 2027 hinein fortsetzen. Der Boom bringt also nicht nur Auflegungen, sondern zunehmend Beerdigungen. Das ist die stille H\u00e4lfte der ETF-Geschichte von 2026: Flie\u00dfband und Rei\u00dfwolf laufen gleichzeitig.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Optionen und Hebel: die verletzlichste Produktklasse<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht jede ETF-Klasse ist gleich robust, und die Auslese trifft manche zuerst. Seit Ende 2024 gibt es Optionen auf die gro\u00dfen Spot-Bitcoin-ETFs, was Absicherung und Ertragsstrategien wie das Schreiben gedeckter Kaufoptionen erm\u00f6glicht. Diese Bausteine h\u00e4ngen an der Liquidit\u00e4t der Basisfonds und profitieren gerade von der Marktkonzentration; je gr\u00f6\u00dfer und liquider ein Fonds, desto tiefer der Optionsmarkt darauf. Ganz anders die gehebelten und inversen Produkte: Sie halten keine echten Bitcoin, sondern Swaps und Derivate, fallen als Konstruktion nach dem Investment Company Act von 1940 aus den generischen Zulassungsstandards heraus und m\u00fcssen ihre Position b\u00f6rsent\u00e4glich neu einstellen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau diese Klasse geriet 2026 unter Druck. Die von Direxion abgewickelten Fonds waren gehebelte oder inverse Produkte, und auch die zweite Schlie\u00dfungswelle im Juli traf \u00fcberwiegend diese Kategorie. Der Grund liegt in der Kostenstruktur: Das t\u00e4gliche Nachjustieren ist teuer, das Publikum schmal, und ohne stetige Zufl\u00fcsse rechnet sich der Aufwand nicht. Der Request for Comment nennt erh\u00f6hten Hebel ausdr\u00fccklich als eine der Kategorien, die die SEC neu bewerten will. F\u00fcr Anleger folgt daraus zweierlei: Hebelprodukte sind ein Werkzeug f\u00fcr kurze Fristen und keine Anlage zum Liegenlassen, und sie sind die wahrscheinlichsten Kandidaten daf\u00fcr, eines Tages stillgelegt zu werden.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die SEC denkt nach: der Request for Comment zu neuartigen ETFs<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der Markt seine eigenen Verlierer aussortiert, hat die Regulierungsbeh\u00f6rde begonnen, ihr Regelwerk zu hinterfragen. Am 30. Juni 2026 ver\u00f6ffentlichte die SEC einen Request for Comment zu neuartigen ETFs (Release 33-11426, Aktenzeichen S7-2026-24). Es handelt sich ausdr\u00fccklich nicht um einen Regelvorschlag, sondern um einen 27 Fragen umfassenden Katalog, mit dem die Beh\u00f6rde die \u00d6ffentlichkeit um Rat bittet. Die Kommentarfrist lief 60 Tage nach der Ver\u00f6ffentlichung im Bundesregister und endete am 31. August 2026 (<a href='https:\/\/www.sec.gov\/files\/rules\/other\/2026\/33-11426.pdf'>SEC-Dokument 33-11426<\/a>). Der Vorsto\u00df ist bemerkenswert, weil dieselbe Beh\u00f6rde, die die Tore weit ge\u00f6ffnet hat, nun fragt, ob ihr Rahmen f\u00fcr die durchstr\u00f6mende Produktvielfalt \u00fcberhaupt taugt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Vorstandschef Paul Atkins hatte den Schritt bereits am 20. Mai 2026 angedeutet, als er erkl\u00e4rte, <a href='https:\/\/www.sec.gov\/newsroom\/speeches-statements\/atkins-statement-novel-exchange-traded-funds-052026'>neuartige Produkte werfen neuartige Fragen auf<\/a> (im Original: novel products raise novel questions), und die Mitarbeiter anwies, Informationen zu sammeln. Der Fragenkatalog gliedert sich, wie das Dokument selbst zeigt, in drei Bereiche.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Fragenkomplex<\/th><th>Worum es geht<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Status als Investmentgesellschaft<\/td><td>Gelten Fonds, die \u00fcberwiegend Nicht-Wertpapiere wie Krypto-Assets oder Event-Kontrakte halten, \u00fcberhaupt als Investmentgesellschaft nach dem Investment Company Act von 1940?<\/td><\/tr><tr><td>Regulierung der Produkte<\/td><td>Sollte Regel 6c-11 um zus\u00e4tzliche Portfoliobedingungen erweitert werden, um besonderen Risiken neuartiger ETFs zu begegnen?<\/td><\/tr><tr><td>Registrierungsverfahren<\/td><td>Sollten die automatischen Wirksamkeitsfristen nach Regel 485 verl\u00e4ngert oder ausgesetzt werden, um Nachahmerprodukte zu bremsen und eine intensivere Pr\u00fcfung zu erm\u00f6glichen?<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders aufschlussreich ist der dritte Bereich. Bisher werden Registrierungsunterlagen nach festen Fristen automatisch wirksam, was Nachahmern erlaubt, ein erfolgreiches Produkt binnen Wochen zu kopieren. Die SEC erw\u00e4gt, diese Automatik zu verl\u00e4ngern oder auszusetzen und Emittenten eine vertrauliche Einreichung zu erm\u00f6glichen, damit ein Pionier nicht sofort ein Dutzend Klone gegen sich hat. F\u00fcr die Produktflut w\u00e4re das eine sp\u00fcrbare Bremse, denn ein Teil der \u00fcber hundert Antr\u00e4ge sind Me-too-Fonds, die auf die Zugkraft eines bereits erfolgreichen Basiswerts setzen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sto\u00dfrichtung ist klar: Die SEC will das Tempo, das sie selbst geschaffen hat, wieder steuern k\u00f6nnen, ohne die grunds\u00e4tzliche \u00d6ffnung zur\u00fcckzunehmen. Ob daraus ein f\u00f6rmlicher Regelvorschlag wird, ist offen; Beobachter rechnen fr\u00fchestens gegen Ende 2026 damit. F\u00fcr die Emittenten bedeutet allein die Debatte, dass die scheinbar automatische Zulassungsstra\u00dfe wieder unter Vorbehalt steht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Event-Kontrakte: die Linie, die die SEC tats\u00e4chlich gezogen hat<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Bei aller \u00d6ffnung gibt es einen Bereich, an dem die Beh\u00f6rde sp\u00fcrbar z\u00f6gert: ETFs auf Event-Kontrakte, also auf Wetten \u00fcber den Ausgang von Wahlen, Wirtschaftsdaten oder anderen Ereignissen. Als eine Reihe von Anbietern im Fr\u00fchjahr 2026 Dutzende solcher Fonds einreichte, verschoben Roundhill, Bitwise und GraniteShares ihre Starts im Mai freiwillig, nachdem Atkins seine Bedenken ge\u00e4u\u00dfert hatte. Der Request for Comment nennt Event-Kontrakte ausdr\u00fccklich als eine der Kategorien, deren Einordnung unklar ist. Hier verl\u00e4uft die eigentliche Grenze des Jahres 2026, und sie ist regulatorischer Natur.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Grund liegt in einer Zust\u00e4ndigkeitsfrage. Event-Kontrakte \u00e4hneln Derivaten und ber\u00fchren die Aufsicht der Terminmarktbeh\u00f6rde CFTC, w\u00e4hrend die SEC \u00fcber Fonds wacht. Ein ETF, der solche Kontrakte b\u00fcndelt, sitzt zwischen den St\u00fchlen, und niemand will die Verantwortung f\u00fcr ein neues Massenprodukt \u00fcbernehmen, dessen rechtliche Natur ungekl\u00e4rt ist. Wie schwierig die Bepreisung und Aufsicht solcher Wetten ist, zeigt der Markt der <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/prognosemaerkte-ki-agenten-leichtes-geld-profis-2026\/'>Prognosem\u00e4rkte<\/a>, in dem sich zuletzt professionelle Akteure und KI-Agenten um d\u00fcnner werdende Ineffizienzen balgten. Dass die SEC ausgerechnet hier bremst, ist ein Signal: Nicht der Krypto-Charakter eines Produkts ist das Hindernis, sondern die Frage, ob es \u00fcberhaupt in den Fonds-Rahmen passt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Rendite als n\u00e4chste Bruchlinie: Staking-ETFs und ihre L\u00fccke<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Segment, das nach der Staking-Kl\u00e4rung im M\u00e4rz 2026 rasch gewachsen ist, verdient eine gesonderte Betrachtung: renditetragende Fonds. Der erste US-Staking-ETF, REX-Osprey auf Solana, ging bereits im Sommer 2025 \u00fcber einen Umweg im Investment Company Act an den Start; BlackRock legte im M\u00e4rz 2026 einen gestakten Ethereum-Fonds auf. Das Versprechen klingt verlockend: Der Anleger bekommt nicht nur die Kursentwicklung, sondern auch die Staking-Belohnungen des Netzwerks. Doch zwischen Versprechen und Auszahlung klafft eine L\u00fccke.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein b\u00f6rsengehandelter Fonds muss t\u00e4glich Anteile zur\u00fccknehmen k\u00f6nnen und darf deshalb nie sein gesamtes Verm\u00f6gen binden. Die Produkte staken in der Praxis nur einen Teil, oft zwischen 70 und 95 Prozent, und halten den Rest als Liquidit\u00e4tspuffer, weil das Herausl\u00f6sen gestakter Coins beim Ethereum-Netzwerk in einer Warteschlange dauern kann. Vom Bruttoertrag geht zudem die Geb\u00fchr ab, und ein Teil der Belohnung bleibt beim Emittenten. Aus einer Netzwerkrendite von rund 3 Prozent bei Ethereum wird f\u00fcr den Anleger netto oft nur etwa 2 Prozent. Hinzu kommt ein Governance-Risiko: Wenn gro\u00dfe Fonds ihre Coins \u00fcber wenige Validatoren staken, konzentriert sich Einfluss im Netzwerk. Rendite ist damit die n\u00e4chste Bruchlinie, an der sich Produkte unterscheiden werden, sobald der reine Kurs-Zugang zur Massenware geworden ist.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was Anleger in Deutschland kaufen k\u00f6nnen: der ETN-Sonderweg<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">All das spielt sich in den USA ab, und genau hier liegt f\u00fcr deutschsprachige Anleger der entscheidende Haken. Die US-Spot-ETFs sind f\u00fcr europ\u00e4ische Privatkunden nicht erwerbbar, weil ihnen das nach europ\u00e4ischem Recht vorgeschriebene Basisinformationsblatt fehlt und die UCITS-Richtlinie Fonds mit nur einem einzigen Basiswert grunds\u00e4tzlich untersagt. Ein reiner Bitcoin-ETF im US-Sinne ist in der EU also nicht zugelassen. Stattdessen greifen Anlegerinnen und Anleger hierzulande zu b\u00f6rsengehandelten Schuldverschreibungen, den Exchange Traded Notes (ETN), etwa von 21Shares, CoinShares oder WisdomTree, die \u00fcber die Deutsche B\u00f6rse (Xetra) handelbar sind.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Unterschied ist mehr als eine Formalie. Ein ETN ist rechtlich eine Schuldverschreibung des Emittenten, kein Sonderverm\u00f6gen. Damit tr\u00e4gt der Anleger ein Emittenten- und Gegenparteirisiko, das ein echter Fonds so nicht kennt, auch wenn die seri\u00f6sen Produkte physisch mit Bitcoin hinterlegt und getrennt verwahrt sind. Die BaFin beaufsichtigt in Deutschland die Krypto-Dienstleister und Emittenten nach der EU-Verordnung MiCAR, nicht aber das Protokoll selbst, wie ihr <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen<\/a> festh\u00e4lt. Krypto-Derivate wiederum fallen unter die Finanzmarktrichtlinie MiFID II, nicht unter MiCAR. Wer sich fragt, wie ein Anbieter \u00fcberhaupt in diesen Rahmen kommt, findet die Details im <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/casp-lizenz-2026-mica-zulassung-bafin-verfahren\/'>CASP-Zulassungsverfahren der BaFin<\/a>. Und dass die europ\u00e4ische Aufsicht nach der Zulassungsphase durchaus die Z\u00e4hne zeigt, hat der <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mica-2026-fall-ethena-durchsetzungswende\/'>Fall Ethena unter MiCA<\/a> gezeigt. Die Auslese, die in den USA \u00fcber die Fonds\u00f6konomie l\u00e4uft, hat in Europa also ein regulatorisches Gegenst\u00fcck.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den europ\u00e4ischen Wrapper hat die US-Auslese eine unangenehme Pointe. Weil ETN Schuldverschreibungen einzelner Emittenten sind, trifft ein R\u00fcckzug eines Anbieters die Anleger unmittelbarer als bei einem breit gestreuten Sonderverm\u00f6gen. Die Frage, welche Produkte genug Volumen sammeln, um dauerhaft zu bestehen, ist auf dem Kontinent also mindestens so wichtig wie jenseits des Atlantiks.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Konzentration als Systemrisiko: wenn ein Emittent 62 Prozent h\u00e4lt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Dominanz von IBIT ist betriebswirtschaftlich eine Erfolgsgeschichte und marktstrukturell ein Risiko. Wenn ein einzelner Emittent rund 62 Prozent aller US-Bitcoin-ETF-Verm\u00f6gen kontrolliert und der L\u00f6wenanteil der Best\u00e4nde \u00fcber wenige spezialisierte Verwahrer liegt, entsteht ein Klumpen. Ein gro\u00dfer Anleger, der aus IBIT aussteigt, bewegt \u00fcber den Mechanismus der autorisierten Teilnehmer echte Bitcoin am Markt, nicht nur Fondsanteile. In ruhigen Phasen ist das unproblematisch; in Stressphasen kann es Bewegungen verst\u00e4rken.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt eine zweite, weniger sichtbare Konzentration: die Verwahrung. Ein Gro\u00dfteil der von den US-Fonds gehaltenen Bitcoin liegt bei einer Handvoll spezialisierter Verwahrer, allen voran Coinbase, das f\u00fcr zahlreiche Emittenten zugleich als Verwahrstelle dient. F\u00e4llt ein solcher Dienstleister aus oder wird er zum Ziel eines Angriffs, betrifft das nicht einen Fonds, sondern gleich mehrere. Diese gemeinsame Abh\u00e4ngigkeit ist ein Klumpenrisiko, das in der Zulassungsphase kaum diskutiert wurde und erst mit der schieren Gr\u00f6\u00dfe des Segments an Gewicht gewinnt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Konzentration steht in bemerkenswertem Kontrast zum Gr\u00fcndungsversprechen von Bitcoin. Das Netzwerk wurde entworfen, um ohne zentrale Mittelsm\u00e4nner auszukommen, doch der ETF-Boom kanalisiert einen wachsenden Teil des Angebots durch eine Handvoll Wall-Street-Adressen. W\u00e4hrend einzelne Enthusiasten mit einem <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/solo-mining-2026-bitaxe-lottoschein-pool\/'>150-Euro-Miner das Netzwerk am \u00e4u\u00dfersten Rand absichern<\/a>, sammelt sich das institutionelle Gewicht an sehr wenigen Stellen. Beides geh\u00f6rt heute zum selben Markt. F\u00fcr die Regulierung ist die Konzentration ein weiteres Argument, das eigene Regelwerk zu \u00fcberdenken, denn ein System, in dem ein Anbieter so dominant ist, wirft Fragen zu Verwahrung, Marktintegrit\u00e4t und Ausfallsicherheit auf, die \u00fcber die reine Zulassung weit hinausreichen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Vom Produkt-Tsunami zur Konsolidierung: der Ausblick auf 2027<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Richtung f\u00fcr die kommenden Quartale zeichnet sich ab. Erstens wird die Zahl der Schlie\u00dfungen weiter steigen, weil viele der \u00fcber hundert aufgelegten Produkte niemals die kritische Gr\u00f6\u00dfe erreichen, ab der sie sich tragen. Seyffarts Erwartung einer Liquidationswelle bis 2027 ist kein Pessimismus, sondern die logische Folge der Break-even-Falle. Zweitens d\u00fcrften Index- und Korbfonds gegen\u00fcber einzelnen, gering kapitalisierten Altcoin-ETFs die Oberhand behalten, weil sie Kosten und Nachfrage auf mehrere Basiswerte verteilen. Drittens h\u00e4ngt viel davon ab, ob aus dem Request for Comment ein f\u00f6rmlicher Regelvorschlag wird und wie streng die SEC das Registrierungsverfahren nachjustiert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Anleger im deutschsprachigen Raum bleibt die praktische Lehre n\u00fcchtern. Der Zugang zu Bitcoin und Ethereum \u00fcber regulierte Vehikel ist l\u00e4ngst da, aber er l\u00e4uft \u00fcber ETN mit Emittentenrisiko, nicht \u00fcber die US-Fonds. Wichtiger als die Frage, welcher neue Exot als N\u00e4chstes zugelassen wird, ist die Frage, welche Produkte in zwei Jahren noch existieren und wer sie verwahrt. Das Jahr 2026 hat die Zulassung zur Nebensache gemacht und das \u00dcberleben zur Hauptsache. Wer heute ausw\u00e4hlt, sollte auf Gr\u00f6\u00dfe, Kosten, Verwahrung und Emittentenqualit\u00e4t achten, nicht auf die blo\u00dfe Neuheit eines Tickers. Die Zulassung war der leichte Teil; die Auslese entscheidet, was bleibt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Worauf es bei der Produktauswahl jetzt ankommt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die Zulassung kein Qualit\u00e4tssiegel mehr ist, verschiebt sich die Verantwortung zum Anleger, und daraus folgt eine klare Rangordnung. Die erste Kennzahl ist die Gr\u00f6\u00dfe: Ein Vehikel mit mehreren Milliarden Euro Volumen wird kaum abgewickelt, eines mit wenigen Millionen ist ein Kandidat daf\u00fcr, unabh\u00e4ngig davon, wie gut die zugrunde liegende Kryptow\u00e4hrung l\u00e4uft. Ein schrumpfendes Volumen ist ein Warnsignal, lange bevor eine Schlie\u00dfung offiziell wird, und es l\u00e4sst sich bei einem ETN ebenso ablesen wie bei einem US-Fonds. Wer langfristig plant, bevorzugt etablierte, gro\u00dfe Produkte und beobachtet deren Verm\u00f6gensentwicklung \u00fcber die Zeit, nicht nur den Tageskurs.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Ebene sind Kosten und Struktur. Bei nahezu identischen, physisch besicherten Bitcoin-ETN entscheidet die j\u00e4hrliche Geb\u00fchr \u00fcber die Rendite nach Jahren; ein Aufschlag von einem halben Prozentpunkt summiert sich \u00fcber ein Jahrzehnt sp\u00fcrbar. Ebenso wichtig ist, wer die Coins verwahrt und ob das Produkt tats\u00e4chlich physisch hinterlegt oder nur synthetisch nachgebildet ist, denn ein synthetischer ETN ohne echte Deckung tr\u00e4gt ein zus\u00e4tzliches Gegenparteirisiko. F\u00fcr breit gestreute Positionen sind Index- oder Korbprodukte eine \u00dcberlegung wert, weil sie die Schlie\u00dfungswahrscheinlichkeit \u00fcber mehrere Basiswerte verteilen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Schlie\u00dflich lohnt der Blick auf den Emittenten selbst. Ein gro\u00dfes Haus mit breitem Angebot kann ein einzelnes Vehikel eher \u00fcber eine Durststrecke tragen als ein spezialisierter Anbieter, f\u00fcr den sich jeder Fonds sofort rechnen muss; genau diese Logik hat 2026 die kleineren Anbieter zuerst getroffen. Eine Streuung \u00fcber mehrere seri\u00f6se Emittenten kann daher sinnvoller sein, als alles auf das billigste Produkt eines einzigen Hauses zu setzen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Kann ich als Anleger in Deutschland einen US-Spot-Bitcoin-ETF kaufen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">In der Regel nicht. Den US-Fonds wie IBIT oder FBTC fehlt das in der EU vorgeschriebene Basisinformationsblatt, und die UCITS-Regeln verbieten Fonds mit nur einem Basiswert. Deutschsprachige Anleger nutzen stattdessen b\u00f6rsengehandelte Schuldverschreibungen (ETN) von Anbietern wie 21Shares, CoinShares oder WisdomTree, die \u00fcber Xetra handelbar sind und physisch mit Bitcoin hinterlegt sein k\u00f6nnen.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist der Unterschied zwischen einem ETF und einem ETN?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein ETF ist ein Sonderverm\u00f6gen, das im Insolvenzfall des Anbieters gesch\u00fctzt ist. Ein ETN ist dagegen eine Schuldverschreibung des Emittenten und tr\u00e4gt damit ein Gegenparteirisiko, auch wenn seri\u00f6se Krypto-ETN physisch besichert und getrennt verwahrt werden. F\u00fcr europ\u00e4ische Krypto-Anleger ist der ETN der \u00fcbliche Weg, weil echte Single-Asset-ETFs hier nicht zugelassen sind.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum werden trotz des Booms immer mehr Krypto-ETFs geschlossen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Weil die Zulassung leicht geworden ist, aber die Wirtschaftlichkeit nicht. Ein Fonds lebt von einer Geb\u00fchr auf sein Verm\u00f6gen; ohne mehrere hundert Millionen Dollar decken die Einnahmen die Fixkosten nicht. Anbieter wie Direxion haben 2026 deshalb Dutzende Produkte geschlossen, teils sogar solche mit positiver Wertentwicklung, weil sie zu wenig Kapital anzogen.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist der Request for Comment der SEC zu neuartigen ETFs?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist ein am 30. Juni 2026 ver\u00f6ffentlichter Fragenkatalog (Release 33-11426) mit 27 Fragen, dessen Kommentarfrist am 31. August 2026 endete. Die SEC pr\u00fcft darin, ob ihr Regelwerk zum Investment Company Act von 1940, zur Regel 6c-11 und zum Registrierungsverfahren noch zur Flut neuartiger Produkte passt. Ein f\u00f6rmlicher Regelvorschlag ist damit noch nicht verbunden.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum dominiert BlackRocks IBIT den Markt so stark?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">IBIT profitierte von Marke, tiefer Liquidit\u00e4t und breitem Vertrieb und sammelte in gut einem Jahr \u00fcber 52 Milliarden Dollar Zufl\u00fcsse ein. Anfang September 2026 h\u00e4lt der Fonds rund 62 Prozent aller US-Bitcoin-ETF-Verm\u00f6gen und wurde nach Angaben von CoinDesk zeitweise zur umsatzst\u00e4rksten Ertragsquelle von BlackRock. 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