{"id":522,"date":"2026-09-11T04:30:39","date_gmt":"2026-09-11T04:30:39","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/fall-binance-krypto-aml-kyc-lektion-2026\/"},"modified":"2026-09-11T04:30:39","modified_gmt":"2026-09-11T04:30:39","slug":"fall-binance-krypto-aml-kyc-lektion-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/fall-binance-krypto-aml-kyc-lektion-2026\/","title":{"rendered":"Der Fall Binance: 4,3 Milliarden und die Krypto-AML-Lektion"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 21. November 2023 bekannte sich der m\u00e4chtigste Mann der Kryptobranche vor einem US-Gericht in Seattle schuldig. Changpeng Zhao, in der Szene nur CZ genannt, Gr\u00fcnder der damals mit Abstand gr\u00f6\u00dften Kryptob\u00f6rse der Welt, hatte gegen die US-Geldw\u00e4schegesetze versto\u00dfen. Der Preis: rund 4,3 Milliarden Dollar, die h\u00f6chste Strafe, die das US-Justizministerium bis dahin je von einem Unternehmen in einem Strafverfahren ausgehandelt hatte (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2023\/11\/21\/binance-to-make-complete-exit-from-us-pay-billions-to-fincen-ofac-on-top-of-doj-settlement'>CoinDesk<\/a>). Es war der Moment, in dem die Branche lernte, dass Geldw\u00e4schepr\u00e4vention keine l\u00e4stige Formalit\u00e4t ist, sondern eine Pflicht, deren Verletzung existenzbedrohend sein kann.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Knapp drei Jahre sp\u00e4ter wirkt dieselbe Geschichte wie aus einer anderen Epoche. CZ wurde im Oktober 2025 von US-Pr\u00e4sident Donald Trump begnadigt. Binance verhandelt 2026 \u00fcber das vorzeitige Ende der Aufsicht, die ihm der Vergleich auferlegte. Und die B\u00f6rse hat sich zum 1. Juli 2026 aus dem regulierten EU-Markt zur\u00fcckgezogen, weil sie keine MiCA-Lizenz erhielt. Bitcoin notiert an diesem Tag bei rund 66.290 Euro (<a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>CoinGecko<\/a>), ein ruhiger Handelstag in einem Markt, der sich an solche Schlagzeilen l\u00e4ngst gew\u00f6hnt hat.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem bleibt der Fall Binance die lehrreichste Fallstudie, die es zu Krypto-KYC und -AML gibt. Er zeigt Schritt f\u00fcr Schritt, was eine B\u00f6rse tun muss, was passiert, wenn sie es unterl\u00e4sst, und wie die Strafe aussieht. F\u00fcr deutsche Anlegerinnen, Anleger und Plattformen ist das mehr als eine amerikanische Anekdote: Dieselben Pflichten, an denen Binance scheiterte, gelten ab 2027 versch\u00e4rft in der gesamten EU, durchgesetzt von einer neuen Beh\u00f6rde mit Sitz in Frankfurt am Main. Dieser Text zerlegt den Fall in seine Einzelteile und \u00fcbersetzt jede Lektion ins deutsche und europ\u00e4ische Regelwerk.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was bei Binance geschah: Anatomie eines 4,3-Milliarden-Falls<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Binance startete 2017 und stieg binnen weniger Jahre zur gr\u00f6\u00dften Kryptob\u00f6rse der Welt gemessen am Handelsvolumen auf. Das Wachstum war atemberaubend, und genau darin lag das Problem. Laut US-Justizministerium stellte das Unternehmen Expansion und Marktanteil systematisch \u00fcber die Regeln, die f\u00fcr jeden Geldtransmitter in den USA gelten. Binance bediente Millionen US-Kundinnen und -Kunden, ohne sich als Money Services Business bei der Finanzaufsicht FinCEN zu registrieren, ohne ein wirksames Geldw\u00e4sche-Abwehrprogramm zu betreiben und ohne die vorgeschriebenen Meldungen abzugeben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Am 21. November 2023 endete das mit einem Paukenschlag. Binance bekannte sich schuldig, ein unlizenziertes Geldtransfergesch\u00e4ft betrieben, gegen den Bank Secrecy Act versto\u00dfen und US-Sanktionen verletzt zu haben. Das Unternehmen akzeptierte eine Gesamtresolution von rund 4,3 Milliarden Dollar. CZ bekannte sich pers\u00f6nlich schuldig, zahlte eine Geldstrafe von 50 Millionen Dollar, trat als CEO zur\u00fcck und \u00fcberlie\u00df die F\u00fchrung Richard Teng. Das US-Finanzministerium sprach von den gr\u00f6\u00dften Vergleichen seiner Geschichte (<a href='https:\/\/home.treasury.gov\/news\/press-releases\/jy1925'>U.S. Treasury<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Justizminister Merrick Garland fasste die Botschaft der Beh\u00f6rden in einem Satz zusammen, der seither in keinem Compliance-Seminar fehlt: &bdquo;Using new technology to break the law does not make you a disruptor. It makes you a criminal.&ldquo; (<a href='https:\/\/www.justice.gov\/archives\/opa\/speech\/attorney-general-merrick-b-garland-delivers-remarks-announcing-binance-and-ceo-guilty'>U.S. Department of Justice<\/a>). Der Fall war kein Streit \u00fcber eine Grauzone, sondern ein Lehrst\u00fcck dar\u00fcber, was geschieht, wenn eine Plattform die Grundpflichten der Geldw\u00e4schepr\u00e4vention bewusst ignoriert.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>KYC ist nicht AML, und warum in Deutschland die BaFin zust\u00e4ndig ist<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Um den Fall zu verstehen, m\u00fcssen zwei Begriffe sauber getrennt werden, die in der Berichterstattung st\u00e4ndig vermischt werden. AML, Anti-Money-Laundering, ist der Oberbegriff: das gesamte Geflecht aus Gesetzen, internen Kontrollen und Meldepflichten, das verhindern soll, dass kriminelle Gelder durch das Finanzsystem gewaschen werden. KYC, Know Your Customer, ist nur ein Baustein davon, n\u00e4mlich die Identit\u00e4tspr\u00fcfung: den Kunden feststellen, seine Angaben verifizieren und sein Risiko einstufen. KYC ohne dahinterliegendes AML-Programm ist ein T\u00fcrsteher ohne Alarmanlage.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Geldw\u00e4sche l\u00e4uft klassischerweise in drei Phasen ab: Platzierung (schmutziges Geld ins System bringen), Verschleierung (die Spur durch viele Transaktionen verwischen) und Integration (das Geld sauber wieder herausholen). Krypto ist vor allem in der Verschleierungsphase attraktiv, weil sich Werte schnell, grenz\u00fcberschreitend und \u00fcber viele Adressen bewegen lassen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend f\u00fcr die Einordnung: In den USA ist f\u00fcr diese Pflichten nicht die B\u00f6rsenaufsicht SEC zust\u00e4ndig, sondern FinCEN und das Sanktionsb\u00fcro OFAC, beide im Finanzministerium, auf Basis des Bank Secrecy Act. Die SEC k\u00fcmmert sich um die Wertpapierdimension, nicht um Geldw\u00e4sche. In Deutschland verl\u00e4uft die Grenze \u00e4hnlich. Geldw\u00e4schepr\u00e4vention regelt das Geldw\u00e4schegesetz (GwG); die BaFin beaufsichtigt Kryptoverwahrer und Kryptodienstleister als Verpflichtete (<a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>BaFin<\/a>); die Verdachtsmeldungen laufen bei der Financial Intelligence Unit (FIU) zusammen, die bei der Generalzolldirektion angesiedelt ist. MiCA regelt den Marktzugang und das Wohlverhalten der Anbieter, nicht die Geldw\u00e4sche. Die AML-Pflichten stehen separat im GwG und, auf EU-Ebene, in der Geldw\u00e4scheverordnung AMLR und der Geldtransferverordnung TFR. Wer die Mechanik im Detail nachlesen will, findet sie in unserem <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/kyc-aml-krypto-2026-bafin-amla-regeln\/'>\u00dcberblick zu KYC und AML bei Krypto<\/a>.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Null Verdachtsmeldungen: das Herzst\u00fcck des Falls<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der vernichtendste Befund des gesamten Verfahrens l\u00e4sst sich in einer Zahl zusammenfassen: null. Binance reichte \u00fcber Jahre hinweg nicht eine einzige Verdachtsmeldung (Suspicious Activity Report, SAR) bei FinCEN ein, obwohl das Unternehmen mehr als 100.000 verd\u00e4chtige Transaktionen abwickelte (<a href='https:\/\/home.treasury.gov\/news\/press-releases\/jy1925'>U.S. Treasury<\/a>). Eine funktionierende B\u00f6rse dieser Gr\u00f6\u00dfe meldet solche Vorg\u00e4nge laufend.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">FinCEN stellte fest, dass die fr\u00fchere Compliance-Verantwortliche intern die Linie ausgegeben hatte, solche Aktivit\u00e4ten nicht zu melden; das sei die Politik des CEO. Durch die Plattform flossen dabei Gelder mit Bezug zu Terrororganisationen wie der Hamas, zu Nordkorea, zu Ransomware-Banden, zu Darknet-M\u00e4rkten, zu Material \u00fcber sexuellen Kindesmissbrauch und zu zahllosen Betrugsmaschen. Finanzministerin Janet Yellen warf dem Unternehmen vor, illegale Akteure praktisch frei gew\u00e4hren gelassen und so ein breites Spektrum schwerster Kriminalit\u00e4t unterst\u00fctzt zu haben (<a href='https:\/\/home.treasury.gov\/news\/press-releases\/jy1925'>U.S. Treasury<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland w\u00e4re dasselbe Verhalten ein Frontalversto\u00df gegen \u00a7 43 GwG. Die Verdachtsmeldepflicht kennt keine Betragsschwelle: Jeder begr\u00fcndete Verdacht muss unverz\u00fcglich gemeldet werden. Wer den Kunden \u00fcber die Meldung informiert, begeht eine Straftat (das sogenannte Tipping-off-Verbot). Seit dem 1. M\u00e4rz 2026 m\u00fcssen Verdachtsmeldungen zudem verpflichtend \u00fcber das Portal goAML in strukturiertem XML-Format an die FIU \u00fcbermittelt werden (<a href='https:\/\/www.rosepartner.de\/blog\/geldwaeschepraevention-2026-meldeverordnung-sorgfaltspflicht.html'>RosePartner<\/a>). Eine deutsche Plattform, die jahrelang null Meldungen abgibt, w\u00e4hrend offensichtlich kriminelle Str\u00f6me durchlaufen, w\u00fcrde dieselbe Art existenzieller Aufsichtsma\u00dfnahme ausl\u00f6sen wie Binance in den USA.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die f\u00fcnf S\u00e4ulen eines AML-Programms, die Binance fehlten<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum konnte es \u00fcberhaupt so weit kommen? Weil bei Binance nicht ein Detail fehlte, sondern das gesamte Fundament. Ein wirksames Geldw\u00e4sche-Abwehrprogramm ruht in den USA auf f\u00fcnf S\u00e4ulen, die seit der CDD-Regel von 2016 verbindlich sind. Jede dieser S\u00e4ulen hat ein deutsches Pendant im GwG, und bei jeder einzelnen versagte Binance.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>S\u00e4ule (US-BSA)<\/th><th>Was sie verlangt<\/th><th>Deutsches GwG-Pendant<\/th><th>Binance bis 2023<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Compliance-Beauftragter<\/td><td>benannte verantwortliche Person<\/td><td>Geldw\u00e4schebeauftragter (\u00a7 7 GwG)<\/td><td>vorhanden, aber faktisch wirkungslos<\/td><\/tr><tr><td>Interne Kontrollen<\/td><td>Richtlinien, Transaktionsmonitoring<\/td><td>interne Sicherungsma\u00dfnahmen (\u00a7 6 GwG)<\/td><td>sp\u00e4t eingef\u00fchrt, l\u00fcckenhaft<\/td><\/tr><tr><td>Laufende Schulung<\/td><td>Mitarbeiter regelm\u00e4\u00dfig schulen<\/td><td>\u00a7 6 GwG<\/td><td>unzureichend<\/td><\/tr><tr><td>Unabh\u00e4ngige Pr\u00fcfung<\/td><td>regelm\u00e4\u00dfiges Audit der Kontrollen<\/td><td>interne Revision (\u00a7 6 GwG)<\/td><td>fehlend<\/td><\/tr><tr><td>Risikobasierte Sorgfalt<\/td><td>KYC und wirtschaftlich Berechtigte<\/td><td>Sorgfaltspflichten \u00a7\u00a7 10, 14, 15 GwG<\/td><td>KYC erst ab August 2021 f\u00fcr alle Pflicht<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Muster ist eindeutig. Es handelte sich nicht um ein Versehen an einer Stelle, sondern um eine Struktur, die darauf ausgelegt war, m\u00f6glichst wenig zu wissen und noch weniger zu melden. Genau diese Struktur wollen das GwG und die kommende AMLR verhindern.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>KYC erst ab August 2021: ein Onboarding ohne Ausweis<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Ausgangspunkt jedes AML-Programms ist die Identit\u00e4tspr\u00fcfung, und hier zeigt der Fall seine vielleicht \u00fcberraschendste L\u00fccke. Jahrelang konnten Nutzerinnen und Nutzer bei Binance mit kaum mehr als einer E-Mail-Adresse handeln. Erst im August 2021, vier Jahre nach dem Start und mitten unter dem Druck mehrerer Aufsichtsbeh\u00f6rden, machte die B\u00f6rse KYC f\u00fcr alle Kundinnen und Kunden verpflichtend. Bis dahin war der Zugang zur gr\u00f6\u00dften Kryptob\u00f6rse der Welt f\u00fcr viele faktisch anonym.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Identit\u00e4tspr\u00fcfung ist dabei nur der Einstieg. Das Gesetz verlangt eine risikobasierte Abstufung. Die allgemeinen Sorgfaltspflichten (\u00a7 10 GwG) gelten immer: Kunden identifizieren, wirtschaftlich Berechtigte feststellen, die Gesch\u00e4ftsbeziehung laufend \u00fcberwachen. Bei geringem Risiko sind vereinfachte Pflichten m\u00f6glich (\u00a7 14 GwG), bei erh\u00f6htem Risiko greifen verst\u00e4rkte Pflichten (\u00a7 15 GwG), etwa bei politisch exponierten Personen oder bei Verbindungen in Hochrisikol\u00e4nder. Wer diese Abstufung nicht leisten kann, darf den Kunden nicht aufnehmen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Krypto-Dienstleister in der EU ist die Datenlage inzwischen ohnehin enger. Die Geldtransferverordnung TFR verpflichtet sie seit dem 30. Dezember 2024, bei jeder Krypto-\u00dcberweisung Daten zu Auftraggeber und Beg\u00fcnstigtem zu erheben und mitzusenden, und zwar ohne Bagatellgrenze; bei Transfers von oder zu selbst verwahrten Wallets \u00fcber 1.000 Euro ist zus\u00e4tzlich die Inhaberschaft zu pr\u00fcfen (<a href='https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/reg\/2023\/1113\/oj'>EUR-Lex<\/a>). Ein Onboarding ohne Ausweis, wie Binance es jahrelang zulie\u00df, ist unter diesem Regime nicht mehr denkbar.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>&bdquo;We see the bad, but we close 2 eyes&ldquo;: die Chatprotokolle<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Vorwurf lautete nicht, die Probleme \u00fcbersehen zu haben, sondern sie gekannt und ignoriert zu haben. Das zeigte sich drastisch, als die US-Terminaufsicht CFTC im M\u00e4rz 2023 interne Chatnachrichten offenlegte. In einem der meistzitierten Austausche schrieb eine Compliance-Verantwortliche \u00fcber Nutzer mit kriminellem Hintergrund sinngem\u00e4\u00df, man sehe das Schlechte, dr\u00fccke aber beide Augen zu: &bdquo;we see the bad, but we close 2 eyes&ldquo; (<a href='https:\/\/fortune.com\/2023\/03\/27\/crypto-exchange-binance-crackdown-cftc-complaint-chat-messages-crime\/'>Fortune<\/a>). An anderer Stelle war die Rede davon, Nutzer seien offenkundig &bdquo;here for crime&ldquo;.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Solche S\u00e4tze sind f\u00fcr Ermittler Gold wert, weil sie Vorsatz belegen. Ein Compliance-Versagen aus \u00dcberforderung ist das eine; dokumentiertes Wissen um kriminelle Nutzung bei gleichzeitigem Wegsehen das andere. Genau diese Kultur, Wachstum \u00fcber alles, machte aus einem Aufsichtsproblem ein Strafverfahren. F\u00fcr jede Plattform, die heute unter GwG oder AMLR arbeitet, ist die Lehre unbequem simpel: Interne Kommunikation ist kein gesch\u00fctzter Raum, und eine Geldw\u00e4schebeauftragte, die das Nicht-Melden zur Politik macht, wird im Ernstfall zur Hauptbelastungszeugin.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Sanktionen: als Binance Iran und Hamas bediente<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der Geldw\u00e4sche stand ein zweiter Vorwurf im Raum, der in der \u00f6ffentlichen Debatte oft untergeht, f\u00fcr die Beh\u00f6rden aber besonders schwer wiegt: Sanktionsverst\u00f6\u00dfe. Das OFAC, das US-Sanktionsb\u00fcro, verh\u00e4ngte eine Strafe von rund 968 Millionen Dollar, weil Binance \u00fcber Jahre Transaktionen f\u00fcr Nutzer in sanktionierten Jurisdiktionen erm\u00f6glichte, darunter Iran, Syrien, Kuba und die annektierte Krim, sowie f\u00fcr Akteure auf US-Sanktionslisten (<a href='https:\/\/home.treasury.gov\/news\/press-releases\/jy1925'>U.S. Treasury<\/a>). Sanktionen sind der Punkt, an dem Geldw\u00e4schepr\u00e4vention in nationale Sicherheit \u00fcbergeht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dass das Thema nicht erledigt ist, zeigte sich 2026. Eine Gruppe von US-Senatoren um Richard Blumenthal verlangte vom Justiz- und Finanzministerium Auskunft \u00fcber den Stand der Binance-Monitore, nachdem Berichte \u00fcber rund 1,7 Milliarden Dollar an Iran-nahen Krypto-Str\u00f6men aufgetaucht waren, die nach dem Vergleich \u00fcber die Plattform gelaufen sein sollen (<a href='https:\/\/fortune.com\/2026\/04\/17\/senator-blumenthal-binance-doj-fincen-treasury-monitorships-status\/'>Fortune<\/a>). F\u00fcr deutsche und europ\u00e4ische Anbieter ist die Parallele konkret: Das Sanktions-Screening ist fester Bestandteil der GwG-Pflichten, und Verst\u00f6\u00dfe gegen EU-Embargos k\u00f6nnen strafrechtlich verfolgt werden, unabh\u00e4ngig von der Geldw\u00e4schefrage.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Rechnung: DOJ, FinCEN, OFAC und die CFTC<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Was kostet ein solches Versagen konkret? Die Strafen verteilen sich auf mehrere Beh\u00f6rden, und die Summen sind selbst f\u00fcr ein Unternehmen von Binances Gr\u00f6\u00dfe gewaltig.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Beh\u00f6rde<\/th><th>Betrag<\/th><th>Grund<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>DOJ (Justizministerium)<\/td><td>rund 4,3 Mrd. USD (Gesamtresolution)<\/td><td>unlizenzierter Geldtransfer, BSA-Versto\u00df, Sanktionsbruch; Schuldbekenntnis<\/td><\/tr><tr><td>FinCEN<\/td><td>3,4 Mrd. USD (in der Resolution angerechnet)<\/td><td>gr\u00f6\u00dfte FinCEN-Strafe bis dahin; null Verdachtsmeldungen<\/td><\/tr><tr><td>OFAC<\/td><td>968 Mio. USD (angerechnet)<\/td><td>Transaktionen mit sanktionierten Jurisdiktionen und Akteuren<\/td><\/tr><tr><td>CFTC (separat, zivil)<\/td><td>2,7 Mrd. USD + 150 Mio. USD (CZ)<\/td><td>Derivatehandel ohne Registrierung, mangelhafte KYC<\/td><\/tr><tr><td>CZ pers\u00f6nlich (DOJ)<\/td><td>50 Mio. USD, R\u00fccktritt, Haft<\/td><td>BSA-Versto\u00df als CEO<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kamen zwei externe Aufseher, die dem Unternehmen aufgezwungen wurden: ein dreij\u00e4hriger Monitor des Justizministeriums, vergeben an die Forensic Risk Alliance (<a href='https:\/\/globalinvestigationsreview.com\/just-anti-corruption\/article\/forensic-risk-alliance-chosen-doj-s-binance-monitor'>Global Investigations Review<\/a>), und ein f\u00fcnfj\u00e4hriger Monitor des Finanzministeriums. Diese Monitore sind oft die teuerste und unangenehmste Folge eines solchen Vergleichs, weil sie Au\u00dfenstehenden tiefen Einblick ins Tagesgesch\u00e4ft geben.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Begnadigungs-Twist und das Ende des Monitors<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Dann kam die Wende, die den Fall f\u00fcr viele Beobachter vom Lehrst\u00fcck zur Farce machte. CZ verb\u00fc\u00dfte 2024 eine viermonatige Haftstrafe. Am 23. Oktober 2025 begnadigte ihn US-Pr\u00e4sident Donald Trump (<a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2025\/10\/23\/trump-pardons-binance-founder-cz-zhao.html'>CNBC<\/a>). Die Begnadigung fiel in eine Phase, in der die Krypto-Gesch\u00e4fte der Familie Trump florierten und in der Binance Berichten zufolge beim Aufbau des Trump-nahen Stablecoins USD1 eine Rolle gespielt hatte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kritik war scharf. Senatorin Elizabeth Warren kommentierte, erst habe Zhao sich einer Geldw\u00e4sche-Straftat schuldig bekannt, dann ein Krypto-Projekt Trumps unterst\u00fctzt und f\u00fcr eine Begnadigung geworben, und nun habe Trump geliefert: &bdquo;If Congress does not stop this kind of corruption in pending market structure legislation, it owns this lawlessness.&ldquo; (<a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2025\/10\/23\/trump-pardons-binance-founder-cz-zhao.html'>CNBC<\/a>). Warren und Kollegen hatten schon zuvor das Justizministerium zu den Trump-Binance-Verbindungen und zu Pl\u00e4nen befragt, Schutzvorkehrungen des Vergleichs zu lockern (<a href='https:\/\/www.banking.senate.gov\/newsroom\/minority\/warren-hirono-blumenthal-press-doj-on-trump-administrations-binance-ties-and-reported-plan-to-drop-key-safeguards-in-companys-43-billion-settlement-and-plea-agreement'>U.S. Senate Banking Committee<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Parallel verhandelte Binance 2026 \u00fcber das vorzeitige Ende des dreij\u00e4hrigen DOJ-Monitors. Die Staatsanwaltschaft pr\u00fcfte den Antrag, eine endg\u00fcltige Entscheidung stand zuletzt aus; das Unternehmen m\u00fcsste daf\u00fcr versch\u00e4rfte Compliance-Berichtspflichten akzeptieren (<a href='https:\/\/finance.yahoo.com\/news\/binance-close-securing-agreement-end-212125707.html'>Yahoo Finance<\/a>). Der Kurswechsel passt zu einer Linie der neuen US-Regierung, Unternehmensmonitore generell zur\u00fcckzufahren; der zust\u00e4ndige DOJ-Abteilungsleiter Matthew Galeotti hatte argumentiert, solche Aufseher verursachten Kosten und behinderten das legale Gesch\u00e4ft. Kritiker hielten dagegen und verwiesen auf die gemeldeten Sanktionsstr\u00f6me nach dem Vergleich.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Binance 2026: der R\u00fcckzug aus dem regulierten EU-Markt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr europ\u00e4ische Leserinnen und Leser ist die aktuellste Wendung die wichtigste. Binance hat sich 2026 aus dem regulierten EU-Markt zur\u00fcckgezogen. Am 24. Juni 2026 zog das Unternehmen seinen MiCA-Lizenzantrag in Griechenland zur\u00fcck, bevor die dortige Aufsicht entschieden hatte; Berichten zufolge hatten Regulierer in Griechenland, Irland und Lettland Bedenken wegen der Rechtsgeschichte und der Konzernstruktur ge\u00e4u\u00dfert (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2026\/06\/26\/binance-tells-eu-users-it-will-no-longer-provide-services-after-failing-to-secure-mica-license'>CoinDesk<\/a>). Zum Ende der MiCA-\u00dcbergangsfrist am 1. Juli 2026 teilte Binance Kundinnen und Kunden in mehreren EU-L\u00e4ndern mit, bestimmte Dienste einzustellen, und k\u00fcndigte an, eine Lizenz in Frankreich anzustreben (<a href='https:\/\/www.euronews.com\/business\/2026\/06\/25\/binance-to-halt-crypto-services-across-eu-countries-after-failing-to-secure-mica-approval'>Euronews<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ganz verschwunden ist Binance aus Europa aber nicht. Im September 2026 berichteten Medien, die B\u00f6rse halte einen Teil ihrer EU-Kundschaft \u00fcber die sogenannte Reverse Solicitation und \u00fcber eine Abu-Dhabi-Einheit (<a href='https:\/\/crypto.news\/binance-uses-mica-workaround-to-keep-some-eu-customers-report\/'>crypto.news<\/a>). Reverse Solicitation ist eine eng gefasste MiCA-Ausnahme f\u00fcr den seltenen Fall, dass ein EU-Kunde von sich aus und ohne jede Werbung einen nicht lizenzierten Anbieter im Ausland anspricht. Die ESMA hat klargestellt, dass sie nicht als Schlupfloch taugt, um eine \u00fcber Jahre mit Werbung, Empfehlungsboni und App-Downloads aufgebaute Nutzerbasis zu halten, und hat Binance direkt um Klarstellung gebeten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Ironie ist bemerkenswert. Dieselbe Compliance-Geschichte, die in den USA 4,3 Milliarden Dollar kostete, ist heute der Grund, warum europ\u00e4ische Aufseher unter MiCA z\u00f6gern. In diesem Regime ist die verweigerte Lizenz selbst die Durchsetzung. Wie eine MiCA-Zulassung bei der BaFin im Detail abl\u00e4uft, zeigt unser <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/casp-lizenz-2026-mica-zulassung-bafin-verfahren\/'>Leitfaden zur CASP-Lizenz<\/a>; und dass die Zulassung, wie bei den Krypto-<a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/etf-zulassungen-2026-boom-auslese-sec-rethink\/'>ETF-Zulassungen<\/a>, oft der leichtere Teil ist, best\u00e4tigt sich hier erneut. Der schwierige Teil ist, die laufenden Pflichten glaubhaft zu erf\u00fcllen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was in Europa g\u00e4lte: GwG, AMLR und die Frankfurter AMLA<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Was w\u00fcrde passieren, wenn ein Anbieter die Binance-Fehler heute in Deutschland oder der EU beginge? Die Antwort f\u00e4llt anders aus als 2017, denn das europ\u00e4ische Regelwerk ist dichter geworden und r\u00fcckt organisatorisch n\u00e4her an Deutschland heran.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auf nationaler Ebene gilt das GwG. Ein Kryptoverwahrer ist Verpflichteter, muss eine Geldw\u00e4schebeauftragte bestellen, interne Sicherungsma\u00dfnahmen betreiben, Kunden nach \u00a7\u00a7 10 bis 15 pr\u00fcfen und jeden Verdacht nach \u00a7 43 \u00fcber goAML an die FIU melden (<a href='https:\/\/www.rosepartner.de\/blog\/geldwaeschepraevention-2026-meldeverordnung-sorgfaltspflicht.html'>RosePartner<\/a>). Die BaFin hat den Kryptosektor f\u00fcr 2026 ausdr\u00fccklich zu einem Schwerpunkt ihrer GwG-Pr\u00fcfungen erkl\u00e4rt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auf EU-Ebene kommt ab dem 10. Juli 2027 die Geldw\u00e4scheverordnung AMLR (Verordnung (EU) 2024\/1624) voll zur Anwendung. Sie harmonisiert die Pflichten f\u00fcr alle Verpflichteten, verbietet anonyme Krypto-Konten ebenso wie anonymit\u00e4tsf\u00f6rdernde Dienste (also faktisch Privacy-Coins wie Monero) und f\u00fchrt eine unionsweite Bargeldobergrenze von 10.000 Euro ein (<a href='https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/reg\/2024\/1624\/oj'>EUR-Lex<\/a>). Die bereits geltende TFR erg\u00e4nzt das mit der Travel Rule f\u00fcr jede Krypto-\u00dcberweisung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Am auff\u00e4lligsten ist die institutionelle Verschiebung. Seit dem 1. Juli 2025 arbeitet die neue EU-Geldw\u00e4schebeh\u00f6rde AMLA, und ihr Sitz ist Frankfurt am Main (<a href='https:\/\/www.amla.europa.eu\/about-amla_en'>AMLA<\/a>). Unter ihrer Vorsitzenden Bruna Szego, die zuvor die Geldw\u00e4scheaufsicht der italienischen Notenbank leitete, wird die AMLA ab 2028 rund 40 besonders risikoreiche Einrichtungen direkt beaufsichtigen und hat Krypto fr\u00fch als Schwerpunktrisiko benannt (<a href='https:\/\/www.amla.europa.eu\/news-media\/news-articles\/amla-chair-bruna-szego-appears-econ-libe-committees-european-parliament_en'>AMLA<\/a>). Ein Anbieter von Binances Gr\u00f6\u00dfenordnung w\u00e4re genau die Art grenz\u00fcberschreitender Einrichtung, die k\u00fcnftig nicht mehr nur eine nationale Aufsicht, sondern eine europ\u00e4ische Beh\u00f6rde mit Sitz in Deutschland im Blick h\u00e4tte.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Dimension<\/th><th>USA<\/th><th>Deutschland und EU<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Rechtsgrundlage<\/td><td>Bank Secrecy Act<\/td><td>GwG + AMLR (EU) 2024\/1624<\/td><\/tr><tr><td>Aufsicht<\/td><td>FinCEN, OFAC (Finanzministerium)<\/td><td>BaFin und FIU; ab 2028 AMLA (Frankfurt)<\/td><\/tr><tr><td>Verdachtsmeldung<\/td><td>SAR an FinCEN<\/td><td>Verdachtsmeldung (\u00a7 43 GwG) via goAML an die FIU<\/td><\/tr><tr><td>Sanktionen<\/td><td>OFAC<\/td><td>EU-Restriktionsma\u00dfnahmen, national durchgesetzt<\/td><\/tr><tr><td>Travel Rule<\/td><td>ab 3.000 USD<\/td><td>TFR ohne Bagatellgrenze; selbst verwahrte Wallets \u00fcber 1.000 EUR<\/td><\/tr><tr><td>Bargeld und Anonymit\u00e4t<\/td><td>keine EU-weite Obergrenze<\/td><td>Bargeldobergrenze 10.000 EUR, Verbot anonymer Krypto-Konten (ab 10.7.2027)<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Bringt die ganze \u00dcberwachung \u00fcberhaupt etwas?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fall Binance beweist, dass Durchsetzung bei\u00dfen kann: 4,3 Milliarden Dollar sind ein Hammer, den keine B\u00f6rse ignoriert. Aber beweist er auch, dass das System funktioniert? Die Zahlen geben eine unbequeme Antwort.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Laut dem Krypto-Kriminalit\u00e4tsbericht 2026 von Chainalysis flossen 2025 mindestens 154 Milliarden Dollar an illegale Adressen, ein Anstieg um 162 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr; zugleich lag der Anteil illegaler Aktivit\u00e4t am gesamten On-Chain-Volumen weiter unter 1 Prozent (<a href='https:\/\/www.chainalysis.com\/blog\/2026-crypto-crime-report-introduction\/'>Chainalysis<\/a>). Auff\u00e4llig ist die Verschiebung des Rails: Stablecoins machen inzwischen rund 84 Prozent des illegalen Transaktionswerts aus, und der Wert, der an sanktionierte Akteure ging, stieg um 694 Prozent; ein rubelgedeckter Stablecoin namens A7A5 allein wickelte in weniger als einem Jahr 93,3 Milliarden Dollar ab.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Kritiker ziehen daraus einen scharfen Schluss. Peter Van Valkenburgh vom Thinktank Coin Center argumentiert, das bestehende AML- und KYC-Regime leiste &bdquo;remarkably little&ldquo;, um Finanzkriminalit\u00e4t tats\u00e4chlich zu verhindern, bei enormen Kosten und Eingriffen in die Privatsph\u00e4re (<a href='https:\/\/www.coincenter.org\/tear-down-this-walled-garden\/'>Coin Center<\/a>). Der Fall Binance l\u00e4sst sich in beide Richtungen lesen: als Beleg, dass Strafverfolgung am Ende doch greift, und als Beleg, dass die Str\u00f6me sich einfach verlagern, sobald eine T\u00fcr zugeht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Verlagerung zu Stablecoins r\u00fcckt ausgerechnet deren Herausgeber ins Zentrum. Wer einen Stablecoin ausgibt, kann einzelne Guthaben einfrieren, und genau diese F\u00e4higkeit macht die Emittenten zum neuen Kontrollpunkt der Geldw\u00e4schepr\u00e4vention. Der gesamte Stablecoin-Markt liegt aktuell bei rund 291 Milliarden Dollar, davon entfallen allein auf USDT etwa 183,4 und auf USDC etwa 74,2 Milliarden Dollar (<a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/categories\/stablecoins'>CoinGecko<\/a>). Wie die EU diese Emittenten unter MiCA in die Pflicht nimmt, schl\u00fcsseln wir in der Analyse zu den <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/stablecoin-regeln-2026-mica-pruefstand\/'>Stablecoin-Regeln<\/a> auf.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Lektionen f\u00fcr deutsche Plattformen und Anleger<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Plattformen ist die erste Lehre die teuerste: Compliance ist kein Kostenposten, den man wegoptimieren kann, sondern die Betriebserlaubnis selbst. Die f\u00fcnf S\u00e4ulen sind nicht verhandelbar, Verdachtsmeldungen sind Pflicht, nicht Option, und die Lizenz ist erst der Anfang, nicht das Ziel. Binance zeigt zudem, wie teuer Nachbesserung wird, wenn sie erst unter Aufsicht eines Monitors erfolgt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Anlegerinnen und Anleger ist die Lehre praktischer. Eine seri\u00f6se Plattform erkennt man an wenigen, \u00fcberpr\u00fcfbaren Merkmalen.<\/p><ul class='wp-block-list'><li>Lizenz und Register: Die Plattform ist im ESMA-Register oder bei der BaFin als CASP gelistet; bei Reverse-Solicitation-Konstruktionen oder Offshore-Strukturen ist Vorsicht geboten.<\/li><li>KYC beim Onboarding: Ausweispr\u00fcfung und Verifizierung geh\u00f6ren zum Standard; eine B\u00f6rse, die ganz ohne Identit\u00e4tspr\u00fcfung auskommt, ist ein Warnsignal.<\/li><li>Travel-Rule-Daten: Bei Ein- und Auszahlungen werden Auftraggeber- und Empf\u00e4ngerdaten erhoben, gerade bei selbst verwahrten Wallets.<\/li><li>Verwahrung und Segregierung: Kundengelder sind getrennt gehalten; anders als bei Bankeinlagen greift keine Einlagensicherung, die Sicherheit h\u00e4ngt an der Lizenz und der Organisation des Anbieters.<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">Der rote Faden: Die Sicherheit des eigenen Guthabens h\u00e4ngt unmittelbar davon ab, ob die Plattform die Regeln einh\u00e4lt, an denen Binance scheiterte. Der 4,3-Milliarden-Fall ist damit weniger eine Geschichte \u00fcber eine einzelne B\u00f6rse als eine Landkarte der Pflichten, die heute jede regulierte Krypto-Plattform in Deutschland und der EU erf\u00fcllen muss.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Frequently Asked Questions<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Warum musste Binance 4,3 Milliarden Dollar zahlen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Binance bekannte sich im November 2023 schuldig, in den USA ein unlizenziertes Geldtransfergesch\u00e4ft betrieben, gegen den Bank Secrecy Act versto\u00dfen und Sanktionen verletzt zu haben. Das Unternehmen hatte kein wirksames Geldw\u00e4sche-Abwehrprogramm, f\u00fchrte KYC erst ab 2021 verpflichtend ein und reichte \u00fcber Jahre keine einzige Verdachtsmeldung ein, obwohl es mehr als 100.000 verd\u00e4chtige Transaktionen abwickelte. Die rund 4,3 Milliarden Dollar umfassten Strafen von DOJ, FinCEN und OFAC.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist der Unterschied zwischen KYC und AML?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">AML (Anti-Money-Laundering) ist der Oberbegriff f\u00fcr alle Gesetze und Kontrollen gegen Geldw\u00e4sche und Terrorfinanzierung. KYC (Know Your Customer) ist nur ein Baustein davon, n\u00e4mlich die Identit\u00e4tspr\u00fcfung der Kundschaft. In Deutschland regelt das Geldw\u00e4schegesetz beide Dimensionen; beaufsichtigt werden Krypto-Anbieter von der BaFin, Verdachtsmeldungen gehen an die FIU.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Ist Binance in Deutschland 2026 noch legal nutzbar?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Binance zog seinen MiCA-Lizenzantrag in Griechenland im Juni 2026 zur\u00fcck und stellte zum 1. Juli 2026 Dienste in mehreren EU-L\u00e4ndern ein; eine Lizenz wird in Frankreich angestrebt. Teile des EU-Gesch\u00e4fts laufen laut Berichten \u00fcber Reverse Solicitation und eine Abu-Dhabi-Einheit weiter, was die ESMA kritisch pr\u00fcft. Nutzerinnen und Nutzer sollten darauf achten, ob ein Anbieter \u00fcber eine g\u00fcltige MiCA-Lizenz im ESMA-Register verf\u00fcgt.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was passiert, wenn eine Kryptob\u00f6rse keine Verdachtsmeldungen abgibt?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Unterlassen von Verdachtsmeldungen ist einer der schwersten AML-Verst\u00f6\u00dfe; in den USA war es das Herzst\u00fcck des Binance-Falls. In Deutschland verpflichtet \u00a7 43 GwG Verpflichtete, jeden begr\u00fcndeten Verdacht unverz\u00fcglich und ohne Betragsschwelle \u00fcber das Portal goAML an die FIU zu melden; wer den Kunden warnt, macht sich strafbar. Verst\u00f6\u00dfe k\u00f6nnen zu Bu\u00dfgeldern, Lizenzentzug und strafrechtlicher Verfolgung f\u00fchren.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wer \u00fcberwacht Geldw\u00e4sche bei Krypto in Deutschland und der EU?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland beaufsichtigt die BaFin Krypto-Anbieter nach dem GwG, die FIU bei der Generalzolldirektion nimmt Verdachtsmeldungen entgegen. Auf EU-Ebene gelten ab dem 10. Juli 2027 die Geldw\u00e4scheverordnung AMLR und bereits seit Ende 2024 die Geldtransferverordnung TFR. 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