{"id":526,"date":"2026-09-11T16:25:45","date_gmt":"2026-09-11T16:25:45","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/ritual-2026-blockchain-ki-agenten-autonom\/"},"modified":"2026-09-11T16:25:45","modified_gmt":"2026-09-11T16:25:45","slug":"ritual-2026-blockchain-ki-agenten-autonom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/ritual-2026-blockchain-ki-agenten-autonom\/","title":{"rendered":"Ritual 2026: eine Blockchain f\u00fcr KI-Agenten, die selbst handeln"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Als das Team hinter Ritual im Jahr 2026 sein \u00f6ffentliches Testnet freischaltete, w\u00e4hlte es eine ungew\u00f6hnliche Botschaft. Die Kette sei nicht &bdquo;KI-nah&ldquo;, sondern KI-nativ: gebaut nicht in erster Linie f\u00fcr Menschen, die Transaktionen unterschreiben, sondern f\u00fcr Software-Agenten, die eigene Schl\u00fcssel halten, sich selbst terminieren und ohne menschliches Zutun weiterlaufen. Das klingt zun\u00e4chst nach Marketing. Doch in der Architektur, die unter der offenen Entwicklerdokumentation der <a href='https:\/\/docs.ritualfoundation.org\/'>Ritual Foundation<\/a> liegt, steckt tats\u00e4chlich ein anderes Modell davon, was eine Blockchain ausf\u00fchren soll.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ritual \u00fcbersetzt zwei Modew\u00f6rter der Branche, autonome Agenten und verifizierbare KI, in konkrete Protokoll-Bausteine: einen Scheduler direkt im Konsens, Konten mit Passkey-Anmeldung, eine Inferenz-Precompile in der virtuellen Maschine. Zugleich gilt eine harte Einschr\u00e4nkung, die dieser Text von Anfang an klarstellt: Es gibt kein Mainnet-Datum und keinen handelbaren Token. Wer den Namen RITUAL an einer B\u00f6rse gelistet sieht, sieht eine F\u00e4lschung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der folgende Text nimmt die Agenten-These ernst und pr\u00fcft sie. Was ist ein KI-Agent, der auf einer Kette lebt, technisch \u00fcberhaupt? Welche F\u00e4higkeiten gibt ihm Ritual, und wie unterscheiden sie sich von einem gew\u00f6hnlichen Bot mit Hot Wallet? Und braucht ein solcher Agent wirklich eine eigene Layer 1, wenn Chainlink, EigenCloud und Bittensor vergleichbare Bausteine als Aufsatz auf bestehende Ketten liefern? Am Ende steht eine Frage, die \u00fcber Ritual hinausweist: Wie viel Selbstst\u00e4ndigkeit wollen wir Programmen geben, die Geld bewegen?<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was Ritual ist, in einem Satz<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ritual ist eine souver\u00e4ne Layer-1-Blockchain, die KI-Berechnung, vor allem Modell-Inferenz, direkt in Smart Contracts verifizierbar und komponierbar machen will. Gegr\u00fcndet wurde das Projekt 2023 in New York von Niraj Pant und Akilesh Potti, zwei fr\u00fcheren Weggef\u00e4hrten aus drei gemeinsamen Jahren beim Krypto-Fonds Polychain Capital. Pant kommt aus dem Web3-Investment (unter anderem EigenLayer und Solana), Potti ist ML-Forscher und arbeitete zuvor als Quant bei Palantir. Zu den Beratern z\u00e4hlen laut Rituals eigenem Gr\u00fcndungsblog prominente Namen wie <a href='https:\/\/ritual.net\/blog\/introducing-ritual'>Illia Polosukhin, Sreeram Kannan und Tarun Chitra<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Im November 2023 sammelte Ritual eine Seed-Runde \u00fcber 25 Millionen US-Dollar ein, angef\u00fchrt von Archetype, mit Beteiligung von Accel, Robot Ventures, dao5 und Angel-Investoren wie Balaji Srinivasan (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2023\/11\/08\/artificial-intelligence-platform-ritual-looks-to-decentralize-access-to-ai-with-25m-backing'>CoinDesk<\/a>). The Block bezifferte die Gesamtfinanzierung ein Jahr sp\u00e4ter auf \u00fcber 30 Millionen US-Dollar. Technisch besteht Ritual aus zwei Teilen: Infernet, einem dezentralen Orakel-Netz mit schlankem SDK, das bereits live ist und EVM-Vertr\u00e4gen auf Ethereum, Base und Arbitrum den Zugriff auf KI-Modelle erlaubt, sowie der Ritual Chain, der eigenen L1, die diese Idee bis in den Konsens durchzieht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Den Antrieb formulierte Mitgr\u00fcnder Niraj Pant zur Finanzierungsrunde so (CoinDesk): &bdquo;Die Konsolidierung von KI in den H\u00e4nden einiger weniger m\u00e4chtiger Unternehmen ist eine erhebliche Gefahr f\u00fcr die Zukunft der Technologie.&ldquo; Man habe Ritual gegr\u00fcndet, um &bdquo;die Abh\u00e4ngigkeit des \u00d6kosystems von wenigen zu beenden&ldquo; und den Zugang zu dieser kritischen Infrastruktur zu \u00f6ffnen. Diese Gr\u00fcndungsidee, offene und \u00fcberpr\u00fcfbare KI statt geschlossener Konzern-Modelle, zieht sich durch jede Designentscheidung des Projekts.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Anlass: das \u00f6ffentliche Testnet und die Wette auf Agenten<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ritual startete sein erstes Testnet zusammen mit der unabh\u00e4ngigen Ritual Foundation im November 2024 (<a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/327108\/decentralized-ai-project-ritual-launches-testnet-to-bring-ai-onchain'>The Block<\/a>). Im Laufe des Jahres 2026 folgte das \u00f6ffentliche Testnet, das jeder Entwickler ausprobieren kann. Bemerkenswert ist die Positionierung: Die Foundation vermarktet die Kette ausdr\u00fccklich als f\u00fcr KI-Agenten gebaut, mit On-Chain-Inferenz, komponierbaren Precompiles und nativer Terminplanung, und grenzt sich damit bewusst von Projekten ab, die KI nur als Beiwerk anflanschen. Nicht KI-benachbart, sondern KI-nativ, lautet der Anspruch.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Was das Testnet konkret kann, steht in der Dokumentation: Chain-ID 1979, Blockzeiten um 350 Millisekunden, mehr als ein Dutzend spezialisierte Precompiles und ein Gas-Token namens RITUAL mit 18 Nachkommastellen. Dieser Token existiert ausschlie\u00dflich im Testnet und hat keinerlei wirtschaftlichen Gegenwert (<a href='https:\/\/docs.ritualfoundation.org\/'>Ritual-Dokumentation<\/a>). F\u00fcr Entwickler hei\u00dft das: Sie k\u00f6nnen heute schon Vertr\u00e4ge deployen, Agenten aufsetzen und die Inferenz-Precompiles aufrufen, aber jede Zahl auf dem Bildschirm ist Spielgeld.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Mitgr\u00fcnder Akilesh Potti beschrieb den Anspruch beim Testnet-Start so (The Block): &bdquo;Das Ritual-Chain-Testnet erm\u00f6glicht v\u00f6llig neues Nutzerverhalten, das in keinem anderen System heute m\u00f6glich war. Es geht nicht nur um KI; wir schaffen ein Fundament f\u00fcr RaaS-Plattformen, Prover-Netze und IP-Marktpl\u00e4tze der n\u00e4chsten Generation.&ldquo; Genau dieser Anspruch, eine Plattform statt blo\u00df einer App zu bauen, macht den Reiz und zugleich das Risiko des Projekts aus. Eine Plattform braucht ein \u00d6kosystem, und ein \u00d6kosystem entsteht erst, wenn genug Entwickler mitmachen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was ein KI-Agent auf der Kette \u00fcberhaupt ist<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">In der Praxis ist ein KI-Agent heute meist ein Programm auf einem Server, das ein Sprachmodell aufruft, Entscheidungen trifft und \u00fcber eine hinterlegte Wallet Transaktionen ausl\u00f6st. F\u00e4llt der Server aus, ist der Agent weg; wird der Schl\u00fcssel kompromittiert, ist die Kasse leer; \u00e4ndert der Anbieter seine Preise, kippt das Gesch\u00e4ftsmodell. Ritual verschiebt dieses Modell, indem der Agent selbst zum Bewohner der Kette wird. Die Dokumentation unterscheidet dabei zwei Typen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Persistent Agent ist zustandsbehaftet: Er hat ein Ged\u00e4chtnis und eine dauerhafte Datenverf\u00fcgbarkeit, kann sich also \u00fcber viele Bl\u00f6cke hinweg an fr\u00fchere Interaktionen erinnern. Ein Sovereign Agent geht weiter. Er h\u00e4lt eigene Schl\u00fcssel, plant seine eigene Ausf\u00fchrung und \u00fcberlebt Abst\u00fcrze, ohne dass ein Mensch eingreift. Man sollte ihn sich weniger als rund um die Uhr laufenden Bot vorstellen, sondern eher als asynchronen Auftrag, der immer dann erwacht, wenn seine Bedingungen erf\u00fcllt sind. F\u00fcr die Anbindung an bestehende Werkzeuge nennt die Dokumentation sogar konkrete CLI-Harnesses, darunter Claude Code (<a href='https:\/\/docs.ritualfoundation.org\/'>Ritual-Dokumentation<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Unterschied zu reinen Agenten-Frameworks ist wichtig. Ein Baukasten wie <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/eliza-2026-ki-npcs-spiele-engine-gaming\/'>Eliza<\/a> hilft, das Verhalten eines Agenten zu definieren, seine Pers\u00f6nlichkeit, seine F\u00e4higkeiten, seine Anbindung an soziale Kan\u00e4le; Ritual liefert die Umgebung, in der ein Agent tats\u00e4chlich wohnt, Schl\u00fcssel verwahrt und selbstst\u00e4ndig handelt. Das eine ist die Pers\u00f6nlichkeit, das andere das Zuhause. Wer beides zusammendenkt, ahnt, warum aus autonomen Agenten mehr als ein Spielzeug werden k\u00f6nnte: ein Programm, das nicht abgeschaltet werden kann, weil niemand den Stecker besitzt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Sieben F\u00e4higkeiten: denken, handeln, erinnern, beweisen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ritual b\u00fcndelt seine Precompiles und Systemvertr\u00e4ge zu einem Katalog von F\u00e4higkeiten, die ein Agent auf der Kette nativ nutzen kann. Sie lassen sich zu sieben Gruppen zusammenfassen, die zusammen erkl\u00e4ren, warum das Team von einer agenten-nativen Kette spricht. Jede dieser F\u00e4higkeiten ist bei herk\u00f6mmlichen Ketten ein separater externer Dienst, hier sind sie Grundfunktionen des Protokolls.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>F\u00e4higkeit<\/th><th>Was sie bedeutet<\/th><th>Wie Ritual sie umsetzt<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Denken<\/td><td>Modelle aufrufen<\/td><td>LLM-, ONNX- und Bildgenerierungs-Precompiles direkt in der virtuellen Maschine<\/td><\/tr><tr><td>Handeln<\/td><td>Transaktionen ausl\u00f6sen<\/td><td>native Terminplanung \u00fcber einen Scheduler-Systemvertrag<\/td><\/tr><tr><td>Erinnern<\/td><td>Zustand behalten<\/td><td>Persistent Agents mit Ged\u00e4chtnis und dauerhafter Datenverf\u00fcgbarkeit<\/td><\/tr><tr><td>Beweisen<\/td><td>Ergebnisse verifizierbar machen<\/td><td>TEE-Attestierung und modulare Integrit\u00e4tsverfahren<\/td><\/tr><tr><td>Geheimnisse h\u00fcten<\/td><td>vertrauliche Daten sch\u00fctzen<\/td><td>verschl\u00fcsselte Secret-Blobs und DKMS-abgeleitete Schl\u00fcssel<\/td><\/tr><tr><td>Bezahlen<\/td><td>f\u00fcr Dienste zahlen<\/td><td>Zahlungs-Precompiles und der Maschinen-Standard x402<\/td><\/tr><tr><td>Sich ausweisen<\/td><td>Konten steuern<\/td><td>native Account Abstraction mit Passkey-Anmeldung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Clou ist, dass diese Bausteine im Protokoll verankert sind statt in externen Diensten. Ein Agent muss nicht getrennt auf einen Orakel-Anbieter, einen Keeper-Bot und einen Zahlungsdienstleister vertrauen; er findet all das als Grundfunktionen der Kette vor (Ritual-Dokumentation). Das reduziert die Zahl der Vertrauensannahmen, verschiebt sie aber zugleich auf die Kette selbst und ihre Validatoren, ein Tausch, der im Rest dieses Textes noch eine Rolle spielt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die eigenen Schl\u00fcssel: Sovereign Agents und Account Abstraction<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der radikalste Teil der Agenten-These ist die Selbstverwahrung. Bei einem herk\u00f6mmlichen Trading-Bot liegt der private Schl\u00fcssel auf einem Server, oft in einer Umgebungsvariable, und wer diesen Server kontrolliert, kontrolliert das Geld. Rituals Sovereign Agents sollen ihre Schl\u00fcssel selbst halten. Der Zustand eines Agenten wird mit einem \u00fcber ein dezentrales Schl\u00fcsselmanagement (DKMS) abgeleiteten Schl\u00fcssel verschl\u00fcsselt, sodass die Kette selbst die geheimen Daten nie im Klartext sieht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Damit nicht nur Agenten, sondern auch Menschen bequem und sicher signieren k\u00f6nnen, f\u00fchrt Ritual einen eigenen Transaktionstyp namens TxPasskey ein. Er nutzt WebAuthn mit P-256-Signaturen, also genau die Technik, die hinter Face ID, Fingerabdruck-Sensoren und Hardware-Sicherheitsschl\u00fcsseln steckt (<a href='https:\/\/docs.ritualfoundation.org\/'>Ritual-Dokumentation<\/a>). Ein Nutzer kann eine Transaktion also per Gesichtsscan freigeben, ohne je eine Seed-Phrase abzuschreiben. Diese Form der nativen Account Abstraction ist auf anderen Ketten meist ein Aufsatz \u00fcber zus\u00e4tzliche Smart Contracts; hier ist sie Teil des Basisprotokolls.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Damit ein Agent n\u00fctzliche Dinge tun kann, muss er oft Geheimnisse verwahren, etwa den API-Schl\u00fcssel f\u00fcr einen externen Dienst. Ritual sieht daf\u00fcr verschl\u00fcsselte Secret-Blobs vor: Ein Wert wird so hinterlegt, dass die Kette ihn nie im Klartext sieht und nur die vorgesehene Enklave ihn zur Laufzeit entschl\u00fcsselt. In Kombination mit den TEEs skizziert die Dokumentation daraus sogar ein privates, multimodales ChatGPT auf der Kette, bei dem Eingaben vertraulich bleiben und personenbezogene Daten vor der Verarbeitung entfernt werden. Verifizierbarkeit und Vertraulichkeit schlie\u00dfen sich hier also nicht aus, sie sollen zusammenkommen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die sicherheitspolitische Kehrseite darf man nicht verschweigen. Ein Programm, das eigenst\u00e4ndig Schl\u00fcssel h\u00e4lt und Werte bewegt, ist ein neues Angriffsziel. Fehler in der Agentenlogik, manipulierte Eingaben (Prompt Injection) oder eine kompromittierte Hardware-Enklave k\u00f6nnten einen Agenten dazu bringen, Gelder falsch zu bewegen, und anders als bei einem Menschen gibt es niemanden, der z\u00f6gert. Die Vorstellung eines Agenten, den niemand abschalten kann, ist Reiz und Warnung zugleich.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Kein Keeper mehr: native Terminplanung im Protokoll<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Smart Contracts sind von Natur aus passiv. Sie tun nichts, solange sie nicht von au\u00dfen aufgerufen werden. Wer auf Ethereum eine wiederkehrende Aufgabe automatisieren will, etwa eine Liquidation, eine Auszahlung oder ein regelm\u00e4\u00dfiges Rebalancing, braucht bislang einen Keeper: einen externen Bot oder einen Dienst wie eine Automatisierungsplattform, der zur richtigen Zeit die Transaktion abschickt und daf\u00fcr bezahlt wird. Dieser Keeper ist eine zus\u00e4tzliche Abh\u00e4ngigkeit und ein Ausfallpunkt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ritual verankert die Terminplanung stattdessen im Protokoll. Ein Scheduler-Systemvertrag mit fester Adresse erlaubt es, Transaktionen einmal einzustellen und sie danach bei jedem Block oder nach Bedingungen automatisch ausf\u00fchren zu lassen, ohne externen Keeper (<a href='https:\/\/docs.ritualfoundation.org\/'>Ritual-Dokumentation<\/a>). Ein Agent kann sich also selbst einen Wecker stellen. Er sagt einmal: Pr\u00fcfe alle 100 Bl\u00f6cke diesen Preis und handle, wenn er eine Schwelle unterschreitet, und die Kette erledigt den Rest. Das ist genau die F\u00e4higkeit, die einen passiven Vertrag von einem selbstst\u00e4ndig handelnden Agenten trennt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Ritual ist die native Terminplanung eines der st\u00e4rksten Argumente daf\u00fcr, warum eine eigene Kette n\u00f6tig sein k\u00f6nnte. Ein Aufsatz auf einer fremden L1 kann Inferenz und Zahlungen nachr\u00fcsten, aber das Recht, jeden Block etwas auszuf\u00fchren, geh\u00f6rt zum Konsens und l\u00e4sst sich nicht ohne Weiteres von au\u00dfen nachbauen. Ob dieser Vorteil den Aufwand einer Migration wert ist, bleibt die entscheidende Streitfrage.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wie eine deterministische Kette einer KI vertraut<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier liegt das eigentliche Kernproblem. Eine Blockchain ist deterministisch: Jeder Validator muss zum selben Ergebnis kommen, sonst gibt es keinen Konsens. Ein gro\u00dfes Sprachmodell dagegen ist wahrscheinlichkeitsbasiert und l\u00e4uft auf spezialisierter Hardware, die nicht jeder Validator besitzt. Wie kann ein deterministischer Vertrag also einer probabilistischen KI-Antwort vertrauen? Ritual l\u00f6st das \u00fcber zwei Ausf\u00fchrungspfade auf gemeinsamem Zustand, in der Dokumentation Superposition genannt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der replizierte Pfad ist der klassische: Eine Berechnung ist deterministisch, alle Validatoren rechnen sie nach. Der delegierte Pfad ist f\u00fcr schwere, nicht deterministische Aufgaben gedacht, etwa einen LLM-Aufruf. Diese laufen in einer gesicherten Hardware-Umgebung, einem Trusted Execution Environment (TEE), und das Ergebnis wird kryptografisch an die urspr\u00fcngliche Anfrage gebunden. Ritual nennt das Verfahren TEE-EOVMT, kurz f\u00fcr Execute-Once, Verify-Many-Times: einmal ausf\u00fchren, oft \u00fcberpr\u00fcfen. Dar\u00fcber hinaus versteht sich Ritual als modular, das hei\u00dft, die Integrit\u00e4t einer Berechnung l\u00e4sst sich je nach Anwendung \u00fcber zkML, opML, TEEs oder probabilistische Verfahren absichern.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Verfahren<\/th><th>Vertrauensannahme<\/th><th>Kompromiss<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Repliziert (Re-Execution)<\/td><td>ehrliche Validatorenmehrheit<\/td><td>nur f\u00fcr leichte, deterministische Aufgaben praktikabel<\/td><\/tr><tr><td>TEE (Hardware-Enklave)<\/td><td>Chip-Hersteller und Enklave nicht gebrochen<\/td><td>schnell und g\u00fcnstig, aber Vertrauen in die Hardware<\/td><\/tr><tr><td>zkML (Zero-Knowledge)<\/td><td>nur die Mathematik<\/td><td>st\u00e4rkste Garantie, sehr rechenintensiv<\/td><\/tr><tr><td>opML (optimistisch)<\/td><td>ehrlicher Herausforderer existiert<\/td><td>g\u00fcnstig, aber Wartezeit f\u00fcr Einspr\u00fcche<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum das so heikel ist, hat Ethereum-Mitgr\u00fcnder Vitalik Buterin in seinem Essay zur Schnittstelle von Krypto und KI beschrieben. Sobald eine KI als Regel im System steckt, etwa als Orakel oder als Schiedsrichter \u00fcber Gelder, wird sie zum lohnendsten Angriffsziel \u00fcberhaupt, weil ein manipuliertes Modell direkt in eine Auszahlung m\u00fcndet (<a href='https:\/\/vitalik.eth.limo\/general\/2024\/01\/30\/cryptoai.html'>vitalik.eth.limo<\/a>). Auch die Branche selbst ringt um Definitionen: Chainlink ver\u00f6ffentlicht eine eigene Erkl\u00e4rung, was <a href='https:\/\/chain.link\/article\/verifiable-inference'>verifizierbare Inferenz<\/a> sein soll, und positioniert sich damit als direkter konzeptioneller Nachbar von Ritual.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Bezahlen und beweisen: x402 und agentic commerce<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Agent, der denken und handeln kann, braucht auch eine Geldb\u00f6rse, aus der er selbst zahlt. Ritual unterst\u00fctzt daf\u00fcr Zahlungs-Precompiles und den Standard x402, der auf dem lange ungenutzten HTTP-Statuscode 402 (Payment Required) aufsetzt. Die Idee: Ein Agent ruft einen Dienst auf, bekommt eine Zahlungsaufforderung zur\u00fcck, begleicht sie automatisch und erh\u00e4lt dann das Ergebnis, alles ohne menschliche Freigabe und ohne Kreditkarte. Das ist die technische Grundlage dessen, was in der Branche unter dem Schlagwort agentic commerce diskutiert wird.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Konkret k\u00f6nnte ein Agent so f\u00fcr jede einzelne Inferenz mikrozahlen, f\u00fcr Rechenzeit, f\u00fcr Datenzugriffe oder f\u00fcr die Dienste anderer Agenten. Der Bedarf an Rechenleistung im Hintergrund ist erheblich, und genau hier verzahnt sich Ritual mit dem breiteren Markt f\u00fcr dezentrale GPU-Kapazit\u00e4t. Netze wie <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/render-2026-nvidia-ki-compute-boom-gpu-nachfrage\/'>Render<\/a> oder io.net verkaufen Rechenleistung, die ein Agent im Prinzip autonom einkaufen k\u00f6nnte; Ritual selbst arbeitet seit 2024 mit io.net und EigenLayer an der Orchestrierung von GPU-Ressourcen f\u00fcr Inferenz und Proving.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Beispiel macht das greifbar. Ein Recherche-Agent k\u00f6nnte selbstst\u00e4ndig eine Nachrichten-API abfragen, f\u00fcr jeden Abruf ein paar Cent zahlen, die Ergebnisse von einem Sprachmodell zusammenfassen lassen und das Resultat an einen anderen Agenten verkaufen, der es weiterverarbeitet. Keine dieser Zahlungen br\u00e4uchte einen Menschen, eine Bank oder eine Kreditkarte. Was heute noch nach Science-Fiction klingt, ist die logische Konsequenz, wenn Software eigene Konten f\u00fchrt: eine Maschinen-zu-Maschinen-Wirtschaft, in der Rechenleistung, Daten und Modellantworten im Sekundentakt gehandelt werden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Prove-Teil ist die andere Seite derselben Medaille. Ein Agent, der bezahlt wird, muss belegen k\u00f6nnen, dass er die versprochene Arbeit tats\u00e4chlich geleistet hat, und ein Agent, der zahlt, will sicher sein, dass er f\u00fcr ein echtes Ergebnis zahlt. Die verifizierbare Ausf\u00fchrung aus dem vorigen Abschnitt ist damit kein akademisches Detail, sondern die Voraussetzung daf\u00fcr, dass Maschinen einander \u00fcberhaupt bezahlen k\u00f6nnen, ohne sich blind zu vertrauen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Architektur darunter: EVM++, Precompiles und Sidecars<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Technisch nennt Ritual seinen Ansatz EVM++. Gemeint ist eine r\u00fcckw\u00e4rtskompatible Erweiterung der Ethereum Virtual Machine um vier Dinge: ausdrucksstarke Compute-Precompiles, Sidecars f\u00fcr schwere Berechnungen, native Terminplanung und eingebaute Orakel sowie native Account Abstraction. Sidecars sind Ausf\u00fchrungsumgebungen au\u00dferhalb des eigentlichen Ausf\u00fchrungsclients, in denen rechenintensive Aufgaben laufen: klassisches ML und LLM-Inferenz, ZK-Proving und Verifikation, TEE-Codeausf\u00fchrung und Chain-Abstraction. So bleibt die Kette selbst schlank, w\u00e4hrend die schwere Arbeit ausgelagert und danach verifiziert wird.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Precompile \/ Systemvertrag<\/th><th>Adresse<\/th><th>Funktion<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>ONNX-Inferenz<\/td><td>0x0800<\/td><td>klassische ML-Modelle ausf\u00fchren<\/td><\/tr><tr><td>HTTP-Aufruf<\/td><td>0x0801<\/td><td>externe Daten und APIs abrufen<\/td><\/tr><tr><td>LLM-Inferenz<\/td><td>0x0802<\/td><td>Sprachmodelle direkt aufrufen<\/td><\/tr><tr><td>ZK-Proofs<\/td><td>0x0806<\/td><td>Zero-Knowledge-Beweise pr\u00fcfen<\/td><\/tr><tr><td>FHE-Inferenz<\/td><td>0x0807<\/td><td>Inferenz auf verschl\u00fcsselten Daten<\/td><\/tr><tr><td>Sovereign Agent<\/td><td>0x080C<\/td><td>autonome, selbstverwaltete Agenten<\/td><\/tr><tr><td>Persistent Agent<\/td><td>0x0820<\/td><td>zustandsbehaftete Agenten mit Ged\u00e4chtnis<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Weil unterschiedliche Aufgaben unterschiedliche Hardware brauchen, f\u00fchrt Ritual mit Resonance einen zweiseitigen Geb\u00fchrenmarkt ein, der heterogene Hardware bepreist: Eine simple Signaturpr\u00fcfung kostet anders als ein LLM-Aufruf auf einer teuren GPU. F\u00fcr Entwickler bleibt die Umgebung vertraut. Ritual ist EVM-kompatibel, unterst\u00fctzt Solidity in der Version ^0.8.20 und die \u00fcblichen Werkzeuge Foundry, Hardhat, viem und wagmi (<a href='https:\/\/docs.ritualfoundation.org\/'>Ritual-Dokumentation<\/a>). Wer schon einmal einen Ethereum-Vertrag geschrieben hat, findet sich hier schnell zurecht, nur mit deutlich mehr eingebauten F\u00e4higkeiten.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Token, den es nicht gibt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt zur unbequemen Wahrheit, die man bei aller Technikbegeisterung nicht \u00fcbergehen darf. Es gibt keinen handelbaren RITUAL-Token. Der gleichnamige Gas-Token existiert nur im Testnet und hat keinen wirtschaftlichen Gegenwert. Es gibt kein best\u00e4tigtes Mainnet-Datum, keinen offiziellen Token-Start (TGE) und keine B\u00f6rsennotierung. Trotzdem ist rund um das Projekt eine ganze Spekulations\u00f6konomie entstanden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie br\u00fcchig diese Erwartung ist, zeigt ausgerechnet eine Anleitung, die zum Farmen aufruft. Ein bekannter Airdrop-Guide r\u00e4umt selbst ein, dass Ritual keinen offiziellen Airdrop angek\u00fcndigt habe, dass es kein best\u00e4tigtes Datum f\u00fcr einen Token-Start und keine best\u00e4tigten B\u00f6rsennotierungen gebe und dass alle kursierenden Tokenomics reine Platzhalter seien; die dort genannten Preisspannen bezeichnet der Text ausdr\u00fccklich als rein spekulativ (<a href='https:\/\/web3.bitget.com\/en\/academy\/ritual-airdrop-guide-how-to-participate-and-claim-ritual-rewards'>Bitget Academy<\/a>). Anders gesagt: Selbst die Farming-Ratgeber geben zu, dass sie eine Wette auf ein Vielleicht verkaufen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Sichtbar wird diese Schattenwirtschaft in Discord-Rollen mit klingenden Namen und in Punktesystemen, die angeblich eine sp\u00e4tere Zuteilung sichern sollen. Best\u00e4tigt ist davon nichts. Solche Programme kosten vor allem Zeit und verleiten Nutzer dazu, Wallets zu verkn\u00fcpfen oder Aufgaben zu erledigen, deren einziger sicherer Ertrag die Daten der Teilnehmer sind. Wer mitmacht, sollte das als Wette mit ungewissem Ausgang verstehen, nicht als verdienten Anspruch.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Leserinnen und Leser in Deutschland ist die praktische Konsequenz einfach. Jedes Angebot, das einen handelbaren RITUAL-Token, einen garantierten Airdrop oder einen Vorverkauf verspricht, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Betrug oder Phishing. Die BaFin warnt regelm\u00e4\u00dfig vor Fake-Token und betr\u00fcgerischen Krypto-Plattformen; wo es offiziell nichts zu kaufen gibt, gibt es nur F\u00e4lschungen zu kaufen. Das Muster, ein reales Produkt mit einer spekulativen Schattenwirtschaft, ist im KI-Krypto-Sektor kein Einzelfall, aber bei Ritual besonders ausgepr\u00e4gt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Konkurrenz: braucht ein Agent eine eigene Kette?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die strategisch wichtigste Frage lautet nicht, ob Rituals Technik funktioniert, sondern ob Entwickler daf\u00fcr auf eine neue Kette umziehen. Denn mehrere gut finanzierte Projekte bieten \u00e4hnliche Bausteine als Aufsatz auf bestehenden Ketten an, und sie haben, anders als Ritual, bereits einen handelbaren Token. <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/bittensor-2026-ki-training-ohne-rechenzentrum\/'>Bittensor<\/a> ist mit Abstand das gr\u00f6\u00dfte KI-Krypto-Netz nach Marktkapitalisierung, konzentriert sich aber auf Training und Subnetze statt auf verifizierbare Inferenz. Chainlink will mit seiner Runtime-Umgebung verifizierbare Berechnung als Dienst auf jede Kette bringen, ohne Migration. Und EigenCloud, der neue Name des fr\u00fcheren EigenLayer, verkauft \u00fcber das Restaking von ETH Sicherheitsdienste, die auch KI- und Proving-Aufgaben absichern k\u00f6nnen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Projekt<\/th><th>Ansatz<\/th><th>Token<\/th><th>Marktkap. (EUR, 11.09.2026)<\/th><th>Fokus<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Ritual<\/td><td>eigene Layer 1<\/td><td>keiner (nur Testnet)<\/td><td>nicht vorhanden<\/td><td>verifizierbare Inferenz und Agenten<\/td><\/tr><tr><td>Bittensor<\/td><td>eigene L1 mit Subnetzen<\/td><td>TAO, rund 206,22 &euro;<\/td><td>rund 2,1 Milliarden<\/td><td>dezentrales Training<\/td><\/tr><tr><td>Chainlink<\/td><td>Aufsatz auf viele Ketten<\/td><td>LINK, rund 10,11 &euro;<\/td><td>rund 8 Milliarden<\/td><td>Orakel und Off-Chain-Compute<\/td><\/tr><tr><td>EigenCloud<\/td><td>Restaking-Dienste<\/td><td>EIGEN, rund 0,19 &euro;<\/td><td>knapp 190 Millionen<\/td><td>Sicherheit f\u00fcr AVS und KI<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Preis- und Kapitalisierungsangaben stammen von <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bittensor'>CoinGecko<\/a> (Stand 11. September 2026; TAO rund 206,22 Euro und Rang 43, LINK rund 10,11 Euro und Rang 17, EIGEN rund 0,19 Euro und Rang 170). Rituals Gegenargument ist konsistent: Nur eine eigens gebaute Kette liefert native Terminplanung, Selbstverwahrung durch Agenten und Inferenz direkt in der VM als zusammenh\u00e4ngendes Paket. Ein Aufsatz kann einzelne Funktionen nachr\u00fcsten, aber nicht den Konsens umbauen. Die Gegenseite antwortet ebenso konsistent: Wer heute schon Nutzer, Liquidit\u00e4t und einen Token hat, muss niemanden zum Umzug \u00fcberreden. Weitere spezialisierte Anbieter wie Gensyn (vertrauensloses Training) und der GPU-Marktplatz Akash runden ein Feld ab, in dem Ritual eine klare, aber schmale Nische besetzt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Interessant ist, dass Ritual die Migrationsfrage teilweise selbst entsch\u00e4rft. \u00dcber Infernet kann das Projekt KI-Inferenz auch an Vertr\u00e4ge auf Ethereum, Base und Arbitrum liefern, ohne dass jemand die Kette wechselt. Die eigene L1 ist damit weniger ein Entweder-oder als das obere Ende eines Spektrums: Wer nur gelegentlich ein Modell aufrufen will, nutzt Infernet als Br\u00fccke; wer eine ganze Flotte autonomer Agenten betreiben will, zieht auf die Ritual Chain, wo Terminplanung, Zahlungen und Selbstverwahrung nativ zusammenspielen. Ob dieses gestufte Angebot genug Entwickler nach oben zieht, ist die eigentliche Wette.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Regulierung: EU AI Act, MiCA und die US-H\u00e4ngepartie<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ohne Token f\u00e4llt Ritual vorerst durch die meisten Raster der Krypto-Regulierung. Die MiCA und die Aufsicht der BaFin greifen bei Krypto-Dienstleistern und Emittenten, nicht beim Protokoll selbst und schon gar nicht bei einem Testnet-Token ohne Gegenwert. K\u00e4me eines Tages ein echter Token, w\u00fcrde dessen Einordnung nach der MiCA relevant, und eine Plattform, die ihn Anlegern anbietet, br\u00e4uchte in Deutschland eine <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/casp-lizenz-2026-mica-zulassung-bafin-verfahren\/'>CASP-Zulassung bei der BaFin<\/a>. Bis dahin ist der einschl\u00e4gige Rahmen ein anderer.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr ein Projekt, das KI-Modelle bereitstellt und einbindet, sind die Pflichten des EU AI Act zentral. Die Regeln f\u00fcr KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck (GPAI) gelten seit dem 2. August 2025, und seit dem 2. August 2026 kann die Europ\u00e4ische Kommission \u00fcber ihr AI Office durchsetzen: Auskunftsersuchen, Evaluierungen, im Extremfall Bu\u00dfgelder von bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes (<a href='https:\/\/artificialintelligenceact.eu\/gpai-guidelines-overview\/'>artificialintelligenceact.eu<\/a>, <a href='https:\/\/digital-strategy.ec.europa.eu\/en\/policies\/regulatory-framework-ai'>Europ\u00e4ische Kommission<\/a>). Zugleich schafft der AI Act eine Nachfrage nach genau dem, was Ritual verkauft: nachvollziehbare, \u00fcberpr\u00fcfbare KI-Prozesse.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">In den USA ist die Lage un\u00fcbersichtlicher, und das erkl\u00e4rt zum Teil, warum Ritual mit einem Token wartet. Die SEC unter Vorsitzendem Paul Atkins hat am 18. August 2026 eine formelle Regulierung f\u00fcr Krypto-Verm\u00f6genswerte vorgeschlagen (<a href='https:\/\/www.sec.gov\/newsroom\/press-releases\/2026-76-sec-proposes-new-regulation-crypto-assets'>Pressemitteilung 2026-76<\/a>). Sie enth\u00e4lt einen bedingten Safe Harbor: Ein Token verl\u00e4sst demnach den Status eines Wertpapiers, sobald der Emittent, in Atkins Worten, alle wesentlichen unternehmerischen Anstrengungen, die er versprochen habe, abgeschlossen oder dauerhaft eingestellt hat. Parallel steht die Marktstruktur-Gesetzgebung auf der Kippe: F\u00fcr den 15. September 2026 ist im US-Senat eine Verfahrensabstimmung (Cloture) \u00fcber den CLARITY Act angesetzt, f\u00fcr die 60 Stimmen n\u00f6tig sind. Die Aussichten sind zuletzt gesunken; Wettm\u00e4rkte gaben einer Verabschiedung 2026 Anfang September nur noch rund 16 Prozent, nach 82 Prozent im Februar, und Galaxy Research veranschlagt etwa 10 Prozent (<a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/09\/01\/crypto-enters-september-with-policy-gamble-hanging-by-a-thread.html'>CNBC<\/a>). Diese Unsicherheit ist selbst ein Argument, ein Token-Design lieber reifen zu lassen, statt es zu fr\u00fch dem Zufall der Gesetzgebung auszusetzen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was f\u00fcr die These spricht, was dagegen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ob Rituals Wette aufgeht, l\u00e4sst sich heute nicht entscheiden, aber die Argumente lassen sich ordnen. Auf der Habenseite stehen ein durchdachtes, agenten-natives Design und ein Team mit Substanz; auf der Sollseite stehen Ausf\u00fchrungsrisiko, offene Adoption und ein Wettbewerbsumfeld, das nicht schl\u00e4ft.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Daf\u00fcr<\/th><th>Dagegen<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>native Agenten-Primitive (Scheduler, Selbstverwahrung, Inferenz in der VM), die sich als Aufsatz kaum sauber nachbauen lassen<\/td><td>noch kein Mainnet und kein Token, also erhebliches Ausf\u00fchrungs- und Zeitrisiko<\/td><\/tr><tr><td>starkes Team, namhafte Berater und \u00fcber 30 Millionen US-Dollar Finanzierung<\/td><td>die Kette verlangt einen Umzug, w\u00e4hrend Konkurrenten als Aufsatz auf bestehende Netze kommen<\/td><\/tr><tr><td>R\u00fcckenwind durch den EU AI Act, der \u00fcberpr\u00fcfbare KI-Prozesse nachfragt<\/td><td>Spekulations- und Betrugsrisiko rund um einen Token, den es nicht gibt<\/td><\/tr><tr><td>verifizierbare und zugleich vertrauliche Ausf\u00fchrung als Alleinstellungsmerkmal<\/td><td>TEE-Ansatz verlagert Vertrauen auf Chip-Hersteller und Hardware<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer zu Vertrauensfragen bei neuer Infrastruktur ein Gef\u00fchl entwickeln will, findet in der Aufarbeitung anderer Vorf\u00e4lle des Jahres reichlich Anschauungsmaterial; die Lehren aus dem <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/bitcoin-l2s-2026-liquid-hack-vertrauen-ausstieg\/'>Liquid-Hack<\/a> etwa zeigen, wie schnell aus einem technischen Detail eine Vertrauenskrise wird. Genau deshalb ist die verifizierbare Ausf\u00fchrung bei Ritual mehr als ein Feature: Sie ist der Punkt, an dem sich entscheidet, ob autonome Agenten je \u00fcber Spielgeld hinauskommen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Ausblick: der Weg zum Mainnet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die kommenden Monate lohnt es sich, drei Signale zu beobachten. Erstens ein konkretes Mainnet-Datum: Solange die Kette im Testnet steckt, bleibt jede Agenten-Vision ein Versprechen. Zweitens eine benannte Produktions-Anwendung, ein realer Agent, der au\u00dferhalb von Demos echten Nutzen stiftet und echtes Geld bewegt. Drittens ein Token-Modell, das offenlegt, wie Wert erfasst wird, und das sich sauber unter MiCA oder eine k\u00fcnftige US-Regulierung einordnen l\u00e4sst.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bis diese Signale kommen, gilt eine n\u00fcchterne Bilanz. Rituals Agenten-These ist im Code real: Der Scheduler, die Passkey-Konten, die Inferenz-Precompiles und die Sovereign Agents existieren im \u00f6ffentlichen Testnet und lassen sich ausprobieren. Real ist auch die offene Frage, ob genug Entwickler und Anwender diese F\u00e4higkeiten wichtig genug finden, um f\u00fcr sie die Kette zu wechseln. Die Idee einer Blockchain, auf der KI-Agenten selbst denken, handeln, sich erinnern und bezahlen, ist faszinierend und beunruhigend zugleich. Ob Ritual sie zur tragenden Infrastruktur macht oder ob sie ein technisch elegantes Experiment bleibt, entscheidet nicht die Whitepaper-Prosa, sondern die kommende Adoption. F\u00fcr Anlegerinnen und Anleger bleibt bis dahin die wichtigste Regel unver\u00e4ndert: Es gibt nichts zu kaufen, und alles, was so tut, ist verd\u00e4chtig.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Hat Ritual einen Token, den man kaufen kann?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Der Token RITUAL existiert bislang nur als Gas-Einheit im Testnet und hat keinen wirtschaftlichen Gegenwert. Es gibt weder ein best\u00e4tigtes Mainnet-Datum noch einen offiziellen Token-Start. Angebote, die einen handelbaren RITUAL-Token oder einen offiziellen Airdrop versprechen, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit Betrug.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist ein Sovereign Agent bei Ritual?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Sovereign Agent ist ein autonomes Programm, das direkt auf der Ritual Chain lebt, eigene Schl\u00fcssel h\u00e4lt, seine Ausf\u00fchrung selbst plant und Abst\u00fcrze \u00fcbersteht, ohne dass ein Mensch eingreifen muss. Er \u00e4hnelt eher einem asynchronen Auftrag als einem klassischen Bot, der rund um die Uhr l\u00e4uft.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie stellt Ritual sicher, dass eine KI-Antwort korrekt ist?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ritual kennt zwei Wege. Deterministische Berechnungen werden von allen Validatoren nachgerechnet, w\u00e4hrend schwere KI-Aufgaben in einer gesicherten Hardware-Umgebung (TEE) laufen und das Ergebnis kryptografisch an die Anfrage gebunden wird. Zus\u00e4tzlich sind zkML, opML und probabilistische Verfahren als modulare Integrit\u00e4tsbausteine vorgesehen.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Ist Ritual bereits live?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Das \u00f6ffentliche Testnet ist live und f\u00fcr Entwickler nutzbar, samt Infernet, Precompiles und den Werkzeugen Foundry, Hardhat, viem und wagmi. Ein Termin f\u00fcr das Mainnet ist bislang nicht genannt.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Unterliegt Ritual der BaFin oder der MiCA?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Solange es keinen handelbaren Token gibt, f\u00e4llt Ritual weder unter die MiCA noch unter die Aufsicht der BaFin. K\u00e4me ein Token, w\u00e4ren dessen Einordnung nach der MiCA und wom\u00f6glich eine CASP-Zulassung n\u00f6tig; f\u00fcr die zugrunde liegenden KI-Modelle greifen zudem die Pflichten des EU AI Act.<\/p><script type='application\/ld+json'>{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Hat Ritual einen Token, den man kaufen kann?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Nein. Der Token RITUAL existiert bislang nur als Gas-Einheit im Testnet und hat keinen wirtschaftlichen Gegenwert. Es gibt weder ein best\u00e4tigtes Mainnet-Datum noch einen offiziellen Token-Start. 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