{"id":532,"date":"2026-09-12T10:27:05","date_gmt":"2026-09-12T10:27:05","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/hashrate-2026-schaetzung-statt-messung\/"},"modified":"2026-09-12T10:27:05","modified_gmt":"2026-09-12T10:27:05","slug":"hashrate-2026-schaetzung-statt-messung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/hashrate-2026-schaetzung-statt-messung\/","title":{"rendered":"Hashrate 2026: warum niemand die echte Zahl kennt"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 12. September 2026 hatte die Bitcoin-Hashrate je nach Quelle vier verschiedene Werte. CoinWarz meldete einen Spot-Wert von rund 1,17 ZH\/s, <a href='https:\/\/mempool.space\/mining'>mempool.space<\/a> \u00fcber sein Sieben-Tage-Fenster etwa 962 EH\/s, der Hashrate Index von Luxor zuletzt 915 EH\/s im Sieben-Tage-Schnitt, und rechnet man die Zahl direkt aus der Difficulty zur\u00fcck, landet man bei ungef\u00e4hr 912 EH\/s. Vier Zahlen, ein Netzwerk, ein Tag, eine Spannweite von fast 30 Prozent. Auf derselben CoinWarz-Seite prangte sogar noch ein f\u00fcnfter Wert: ein angebliches Allzeithoch von 1,44 ZH\/s, das es in dieser H\u00f6he nie gegeben hat.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hashrate ist die meistzitierte Sicherheitskennzahl von Bitcoin. Sie steht in jedem Marktbericht, in jeder Miner-Pr\u00e4sentation und in fast jeder Diskussion dar\u00fcber, wie robust das Netzwerk gegen Angriffe ist. Und trotzdem kennt niemand ihren exakten Wert, auch nicht die Betreiber der gro\u00dfen Charts. Dieser Text erkl\u00e4rt, warum das so ist, wie aus einer prinzipiell unmessbaren Gr\u00f6\u00dfe trotzdem eine belastbare Sch\u00e4tzung wird, wie man sie liest, ohne sich t\u00e4uschen zu lassen, und warum die Unsch\u00e4rfe f\u00fcr Bitcoins Sicherheit am Ende kaum eine Rolle spielt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was Hashrate eigentlich misst<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hashrate ist eine Geschwindigkeit: die Zahl der Hash-Versuche pro Sekunde, die alle Miner der Welt zusammen aufbringen. Ein Hash ist ein einziger Durchlauf der Funktion SHA-256 \u00fcber den Block-Header, gefolgt von der Frage, ob das Ergebnis unter einem sehr kleinen Zielwert liegt. Fast immer lautet die Antwort Nein, also \u00e4ndert der Miner eine Zahl im Header (die Nonce), rechnet erneut und probiert weiter. Wer zuerst einen Treffer landet, darf den n\u00e4chsten Block anh\u00e4ngen und kassiert die aktuell 3,125 BTC Blocksubvention plus Geb\u00fchren, bei einem Bitcoin-Kurs von rund 66.684 Euro laut <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin'>CoinGecko<\/a> also rund 208.000 Euro pro Block.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Einheiten wachsen schnell. Ein einzelner Rechner schafft heute Terahashes pro Sekunde (TH\/s, also 10 hoch 12). Das Gesamtnetz operiert im Bereich von Exahashes (EH\/s, 10 hoch 18) und st\u00f6\u00dft seit 2025 an die Schwelle zum Zettahash (ZH\/s, 10 hoch 21). Ein Zettahash sind tausend Exahashes oder eine Milliarde Terahashes. Diese Zahl ist so gro\u00df, dass sie sich jeder Anschauung entzieht, und genau das ist der Kern des Problems: Man kann eine so gewaltige, \u00fcber den ganzen Globus verteilte Rechenleistung nicht an einem zentralen Z\u00e4hler ablesen. Man kann sie nur aus dem schlie\u00dfen, was das Netzwerk sichtbar produziert.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Einheit<\/th><th>Hashes pro Sekunde<\/th><th>Gr\u00f6\u00dfenordnung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>1 TH\/s<\/td><td>1.000.000.000.000<\/td><td>ein einzelner alter Rechner<\/td><\/tr><tr><td>1 PH\/s<\/td><td>10 hoch 15<\/td><td>eine kleine Mining-Farm<\/td><\/tr><tr><td>1 EH\/s<\/td><td>10 hoch 18<\/td><td>ein gro\u00dfer Industriebetrieb<\/td><\/tr><tr><td>1 ZH\/s<\/td><td>10 hoch 21<\/td><td>rund das gesamte Netzwerk 2026<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Warum niemand die Hashrate direkt messen kann<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt keinen Sensor, der die weltweite Rechenleistung erfasst. Miner sind pseudonym, verteilen sich auf Dutzende L\u00e4nder und melden ihre Kapazit\u00e4t niemandem verpflichtend. Es existiert kein Register, keine Telemetrie, keine Aufsichtsbeh\u00f6rde, bei der die Betreiber ihre Terahashes anmelden m\u00fcssten. Selbst wenn ein gro\u00dfer b\u00f6rsennotierter Miner seine installierte Leistung im Quartalsbericht nennt, sagt das nichts dar\u00fcber, wie viele Maschinen in diesem Moment tats\u00e4chlich unter Strom stehen, gedrosselt sind oder wegen Wartung stillstehen. Das Netzwerk ist in diesem Sinne eine Black Box: Man sieht, was oben herauskommt, nicht, was drinnen rechnet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Hashrate Index formuliert es in seinem Grundlagentext unmissverst\u00e4ndlich: Es sei <a href='https:\/\/hashrateindex.com\/blog\/what-is-bitcoins-hashrate\/'>nicht m\u00f6glich, die exakte Hashrate des Bitcoin-Netzwerks zu bestimmen<\/a>, weil die Miner diese Information schlicht nicht offenlegen. Was man stattdessen tun k\u00f6nne, sei, aus der aktuellen Difficulty und den Blockzeiten eine Sch\u00e4tzung abzuleiten, im Original n\u00fcchtern ein <em>ballpark estimate<\/em> genannt. Jede Hashrate-Zahl, die Sie irgendwo sehen, ist also ein R\u00fcckschluss, kein Messwert. Der einzige Unterschied zwischen den Quellen liegt darin, wie sauber dieser R\u00fcckschluss gezogen und \u00fcber welchen Zeitraum er gemittelt wird.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu kommt ein zweites Problem: Selbst die scheinbar harten Angaben der Miner sind selten neutral. Ein b\u00f6rsennotierter Betreiber nennt gern seine installierte Kapazit\u00e4t, weil sie die Aktie st\u00fctzt, verschweigt aber, wie viele Ger\u00e4te gerade gedrosselt laufen oder auf Ersatzteile warten. Pools wiederum zeigen die bei ihnen eingehende Rechenleistung, doch die schwankt mit Zu- und Abwanderung von Kunden und wird \u00fcber je eigene Fenster gegl\u00e4ttet. Wer die Netz-Hashrate aus solchen Selbstausk\u00fcnften zusammensetzt, addiert also Zahlen mit ganz unterschiedlichen Interessen und Messmethoden. Der Umweg \u00fcber Difficulty und Blockzeiten ist am Ende neutraler als jede Meldung der Beteiligten.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Formel: aus Difficulty und Blockzeit r\u00fcckgerechnet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der R\u00fcckschluss funktioniert, weil zwei Dinge \u00f6ffentlich in der Blockchain stehen: die Difficulty und die Zeitstempel der Bl\u00f6cke. Die Difficulty legt fest, wie unwahrscheinlich ein g\u00fcltiger Hash ist. Je h\u00f6her sie ist, desto mehr Versuche braucht das Netzwerk im Schnitt f\u00fcr einen Treffer. Z\u00e4hlt man dann, wie schnell die Bl\u00f6cke tats\u00e4chlich hereinkommen, kann man ausrechnen, wie viele Versuche pro Sekunde dahinterstecken m\u00fcssen. Das <a href='https:\/\/en.bitcoin.it\/wiki\/Difficulty'>Bitcoin-Wiki<\/a> bringt die Beziehung auf den Punkt: Bei einer Netzwerk-Hashrate H und Difficulty D werden Bl\u00f6cke mit einer Rate von H geteilt durch (2 hoch 32 mal D) gefunden. Stellt man die Gleichung um, erh\u00e4lt man die g\u00e4ngige Sch\u00e4tzformel.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">In der Praxis rechnet man: Hashrate gleich (gefundene Bl\u00f6cke der letzten 24 Stunden geteilt durch 144) mal Difficulty mal 2 hoch 32, geteilt durch 600. Dabei sind 144 die im Schnitt erwarteten Bl\u00f6cke pro Tag, 2 hoch 32 die durchschnittlich n\u00f6tigen Hashes je Difficulty-Einheit und 600 die Sekunden eines Zehn-Minuten-Blocks. Mit der aktuellen Difficulty von 127,45 Billionen laut <a href='https:\/\/www.coinwarz.com\/mining\/bitcoin\/difficulty-chart'>CoinWarz<\/a> ergibt das beim Zehn-Minuten-Ziel rund 912 EH\/s. Kommen die Bl\u00f6cke schneller, wie zuletzt im Schnitt in etwa 9 Minuten 35 Sekunden, f\u00e4llt die gesch\u00e4tzte Hashrate h\u00f6her aus, weil offensichtlich mehr Rechenleistung am Werk ist, als das Zehn-Minuten-Ziel unterstellt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Setzt man die aktuelle Difficulty in die Formel ein, wird der R\u00fcckschluss konkret: 127,45 Billionen mal 2 hoch 32 ergibt die durchschnittlich pro Block n\u00f6tigen Hashes, geteilt durch 600 Sekunden landet man bei rund 912 Trillionen Hashes pro Sekunde, also 912 EH\/s. L\u00e4uft das Netz wie zuletzt schneller als das Ziel, korrigiert man mit der echten Blockzeit nach oben, auf gut 950 EH\/s. Beide Werte sind dieselbe Formel, nur einmal mit dem Soll- und einmal mit dem Ist-Takt gef\u00fcttert. Schon dieser eine Freiheitsgrad erkl\u00e4rt einen Teil der Spannweite, die man zwischen den Trackern sieht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist, welche der drei Eingangsgr\u00f6\u00dfen fest und welche eine Wahl ist. Die Difficulty ist ein harter, konsensgepr\u00fcfter Wert. Die Zahl der Bl\u00f6cke ist beobachtbar. Das Zeitfenster dagegen ist eine Entscheidung des Analysten, und genau in dieser Entscheidung stecken fast alle Abweichungen zwischen den Trackern.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Eingangsgr\u00f6\u00dfe<\/th><th>Status<\/th><th>Fehlerquelle<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Difficulty<\/td><td>gemessen, im Protokoll verankert<\/td><td>keine, alle 2016 Bl\u00f6cke fix<\/td><\/tr><tr><td>Blockanzahl<\/td><td>beobachtet<\/td><td>Gl\u00fcck und Pech (Varianz)<\/td><\/tr><tr><td>Zeitfenster<\/td><td>frei gew\u00e4hlt<\/td><td>kurz gleich verrauscht, lang gleich tr\u00e4ge<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Bl\u00f6cke folgen dem Zufall: der Poisson-Prozess<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum ist die Blockanzahl eine Fehlerquelle, wenn man doch einfach z\u00e4hlen kann? Weil Bitcoin einen Block im Mittel alle zehn Minuten findet, aber eben nur im Mittel. Der Fund ist ein reiner Zufallstreffer, und die Suche ist ged\u00e4chtnislos: Nach neun Minuten ohne Treffer ist die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr die n\u00e4chste Minute genauso hoch wie in der ersten. Mathematisch ist das ein Poisson-Prozess. Die Folge sind Bl\u00f6cke, die mal in zwei Minuten, mal erst nach einer Stunde kommen, obwohl sich an der Rechenleistung nichts ge\u00e4ndert hat.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Zahlenbeispiel macht das greifbar. In einer beliebigen Stunde erwartet das Netz im Schnitt sechs Bl\u00f6cke, doch die Poisson-Statistik l\u00e4sst drei oder neun Bl\u00f6cke in derselben Stunde v\u00f6llig regelm\u00e4\u00dfig zu, ohne dass ein einziger Miner dazu- oder abgeschaltet h\u00e4tte. Rechnet ein Tracker die Hashrate naiv aus so einer gl\u00fccklichen Stunde hoch, erscheint das Netz pl\u00f6tzlich um die H\u00e4lfte st\u00e4rker. Erst \u00fcber viele Stunden und Tage mittelt sich der Zufall heraus, weil sich schnelle und langsame Phasen ausgleichen. Genau deshalb ist die Fensterl\u00e4nge keine technische Fu\u00dfnote, sondern der wichtigste einzelne Faktor hinter jeder Hashrate-Angabe.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Sch\u00e4tzung hei\u00dft das: Eine Gl\u00fccksstr\u00e4hne, in der viele Bl\u00f6cke rasch hintereinander fallen, sieht in einem kurzen Zeitfenster wie ein Hashrate-Sprung aus, obwohl kein einziger neuer Miner ans Netz gegangen ist. Umgekehrt l\u00e4sst eine Pechserie die Zahl einbrechen. Das Bitcoin-Wiki weist ausdr\u00fccklich darauf hin, dass ein 24-Stunden-Fenster zu kurz ist, um diese Varianz herauszurechnen, und empfiehlt gleitende Mittel. Wer die Statistik hinter dem Zufall einmal am eigenen Geldbeutel sp\u00fcren will, muss nur solo minen: Die extreme Varianz eines einzelnen Ger\u00e4ts gegen das Netz ist genau derselbe Effekt, nur unverd\u00fcnnt, wie unser <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/solo-mining-2026-bitaxe-lottoschein-pool\/'>Beitrag zum Solo-Mining mit dem 150-Euro-Lottoschein<\/a> zeigt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum die Tracker unterschiedliche Zahlen zeigen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Setzt man die Bausteine zusammen, wird die Verwirrung vom 12. September logisch. Jeder Anbieter w\u00e4hlt ein anderes Fenster, und jedes Fenster f\u00e4ngt einen anderen Ausschnitt des Zufalls ein. CoinWarz zeigte einen kurzfristigen Spot-Wert, der eine schnelle Blockserie eingefangen hatte, mit einem Tagesplus von \u00fcber 20 Prozent. mempool.space gl\u00e4ttet \u00fcber sieben Tage, der Hashrate Index ebenfalls, aber mit leicht anderem Stichtag, und die reine Difficulty-R\u00fcckrechnung beim Zehn-Minuten-Ziel liegt noch etwas tiefer. Keine dieser Zahlen ist falsch. Sie beantworten nur unterschiedliche Fragen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Quelle<\/th><th>Methode<\/th><th>Wert am 12.9.2026<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td><a href='https:\/\/www.coinwarz.com\/mining\/bitcoin\/hashrate-chart'>CoinWarz<\/a><\/td><td>Spot, kurzes Fenster<\/td><td>rund 1,17 ZH\/s<\/td><\/tr><tr><td>mempool.space<\/td><td>Sieben-Tage-Fenster<\/td><td>rund 962 EH\/s<\/td><\/tr><tr><td>Hashrate Index<\/td><td>Sieben-Tage-SMA (letzte offizielle)<\/td><td>rund 915 EH\/s<\/td><\/tr><tr><td>Difficulty-R\u00fcckrechnung<\/td><td>bei Zehn-Minuten-Ziel<\/td><td>rund 912 EH\/s<\/td><\/tr><tr><td>CoinWarz &bdquo;Allzeithoch&ldquo;<\/td><td>fehlerhafte Auto-Zusammenfassung<\/td><td>1,44 ZH\/s (real eher 1,1)<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die legitimen Sch\u00e4tzungen spannen einen Bereich von etwa 912 bis 1.170 EH\/s auf, der H\u00f6chstwert liegt also fast 30 Prozent \u00fcber dem Tiefstwert, an ein und demselben Tag. Wer eine dieser Zahlen isoliert zitiert und als <em>die<\/em> Hashrate ausgibt, hat die Frage nach dem Fenster einfach unterschlagen. Genau dieselbe Uneinigkeit zeigt sich \u00fcbrigens bei der Prognose des n\u00e4chsten Difficulty-Sprungs: F\u00fcr den Termin um den 19. September sch\u00e4tzte CoinWarz plus 4,41 Prozent, mempool.space plus 5,34 Prozent, obwohl beide dieselbe halbfertige Epoche mit gut 1.000 verbleibenden Bl\u00f6cken betrachteten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst zwei Tracker mit demselben Sieben-Tage-Fenster landen selten exakt gleich, wie die 962 EH\/s von mempool.space gegen die 915 EH\/s des Hashrate Index zeigen. Das liegt an Kleinigkeiten mit gro\u00dfer Wirkung: Der eine schlie\u00dft den laufenden, noch unvollst\u00e4ndigen Tag mit ein, der andere nicht; der eine nutzt die tats\u00e4chlichen Zeitstempel der Bl\u00f6cke, der andere runde Difficulty-Epochen; und Zeitstempel d\u00fcrfen im Bitcoin-Protokoll ohnehin ein St\u00fcck von der echten Uhrzeit abweichen. Keine dieser Entscheidungen ist falsch, aber jede verschiebt die Zahl um ein paar Prozent. Wer pr\u00e4zise klingen will, nennt deshalb immer die Quelle und das Fenster dazu.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Spot, sieben Tage, drei\u00dfig Tage: das Fenster entscheidet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Welches Fenster das richtige ist, h\u00e4ngt von der Frage ab. Ein kurzer Spot-Wert reagiert sofort, wenn eine Region ausf\u00e4llt oder eine gro\u00dfe Farm hochf\u00e4hrt, aber er ist so verrauscht, dass eine einzelne Gl\u00fccksstr\u00e4hne ihn zweistellig bewegt. Ein Sieben-Tage-Mittel ist der \u00fcbliche Kompromiss: reaktiv genug f\u00fcr die Nachrichtenlage, ruhig genug, um die Poisson-Varianz weitgehend herauszufiltern. Ein Drei\u00dfig-Tage-Mittel ist am glattesten und eignet sich f\u00fcr Trendaussagen, hinkt echten Wenden aber Tage hinterher.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Faustregel lautet daher: F\u00fcr eine Schlagzeile \u00fcber den langfristigen Kapazit\u00e4tsaufbau nimmt man das Drei\u00dfig-Tage-Mittel, f\u00fcr den aktuellen Netzzustand das Sieben-Tage-Mittel, und den Spot-Wert nutzt man nur, um zu sehen, ob gerade etwas Au\u00dfergew\u00f6hnliches passiert, niemals als Beleg f\u00fcr ein neues Niveau. Das erkl\u00e4rt auch, warum seri\u00f6se Berichte fast immer ein Sieben-Tage- oder Drei\u00dfig-Tage-SMA zitieren und nicht den Live-Wert.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Fenster<\/th><th>Reaktion<\/th><th>Rauschen<\/th><th>gut f\u00fcr<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Spot \/ 1 Tag<\/td><td>sofort<\/td><td>sehr hoch<\/td><td>Anomalien erkennen<\/td><\/tr><tr><td>7 Tage<\/td><td>schnell<\/td><td>mittel<\/td><td>aktueller Netzzustand<\/td><\/tr><tr><td>30 Tage<\/td><td>tr\u00e4ge<\/td><td>niedrig<\/td><td>Trend und Kapazit\u00e4t<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Die 1,44-Zettahash-Falle<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der f\u00fcnfte Wert vom 12. September verdient eine eigene Warnung, weil er zeigt, wie eine falsche Zahl zur zitierten Wahrheit wird. Die CoinWarz-Seite behauptet ein Allzeithoch von 1,44 ZH\/s, datiert auf den 20. September 2025, und rechnet den aktuellen Stand brav als Prozentsatz dieses Rekords aus. Das Problem: Dieser Wert stammt offenkundig aus einem sehr kurzen Spot-Fenster an einem Gl\u00fcckstag und ist kein belastbarer Netzwert. Unabh\u00e4ngige Auswertungen setzen den Tagesrekord an jenem 20. September bei rund 1,09 ZH\/s an, den nachhaltigen H\u00f6chststand Ende Oktober 2025 bei etwa 1,12 ZH\/s, wie die Chronik bei <a href='https:\/\/tftc.io\/bitcoin-hashrate-growth'>TFTC<\/a> dokumentiert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">1,44 gegen 1,1 ist kein Rundungsfehler, das sind rund 30 Prozent zu viel. Trotzdem taucht die Zahl seit Monaten immer wieder in automatisch erzeugten Zusammenfassungen auf, wird von KI-Assistenten \u00fcbernommen und landet so in Artikeln, die nie eine Gegenprobe gemacht haben. Die Lehre ist einfach und praktisch: Jeder Hashrate-Rekord, der deutlich \u00fcber 1,12 ZH\/s liegt, ist bis auf Weiteres ein Spot-Artefakt und kein realer Wert. Wer eine solche Zahl sieht, sollte sie gegen ein Sieben-Tage-Mittel und gegen die Difficulty-R\u00fcckrechnung halten, bevor er sie weiterreicht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Difficulty ist der einzige harte Anker<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">So wackelig die Hashrate ist, so fest ist die Difficulty. Sie steht als Zielwert in jedem Block-Header, wird von jedem Node \u00fcberpr\u00fcft und ist damit keine Sch\u00e4tzung, sondern eine konsensgepr\u00fcfte Tatsache. Alle 2016 Bl\u00f6cke, also etwa alle zwei Wochen, passt das Protokoll sie an: Waren die Bl\u00f6cke im vorangegangenen Abschnitt schneller als das Zehn-Minuten-Ziel, steigt die Difficulty, waren sie langsamer, sinkt sie. Dieser Thermostat sorgt daf\u00fcr, dass die Blockzeit \u00fcber lange Sicht bei zehn Minuten bleibt, egal wie viel Rechenleistung hinzukommt oder verschwindet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Weil die Difficulty der einzige harte Wert ist, ist sie auch der beste Ausgangspunkt f\u00fcr jede Hashrate-Sch\u00e4tzung, und die Genauigkeit der n\u00e4chsten Anpassung w\u00e4chst mit jedem Block. Kaan Farahani, Research Associate bei Luxor Technology, beschreibt das im <a href='https:\/\/hashrateindex.com\/blog\/hashrate-index-roundup-august-10-2026'>Hashrate-Index-Roundup<\/a> so: &bdquo;Am Anfang sind Difficulty-Prognosen wackelig, weil kurzfristige Varianz hineinspielt. Mit der Zeit, oder mit den Bl\u00f6cken, verschwindet das Rauschen, und das Signal wird sch\u00e4rfer.&ldquo; Genau deshalb lagen CoinWarz und mempool.space bei der Septemberprognose auseinander: Auf halbem Weg durch die Epoche ist die Zahl noch weich, erst kurz vor dem Termin verdichtet sie sich zu einem verl\u00e4sslichen Wert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Aktuell steht die Difficulty bei 127,45 Billionen, angehoben am 6. September um 1,31 Prozent, die achte Erh\u00f6hung des Jahres. Vom Rekord bei knapp 156 Billionen im November 2025 ist das noch rund 18 Prozent entfernt. \u00dcber das ganze Jahr 2026 gerechnet stehen acht Erh\u00f6hungen zehn Senkungen gegen\u00fcber, macht netto etwa zw\u00f6lf Prozent im Minus, wie <a href='https:\/\/news.bitcoin.com\/mining\/difficulty-rises-hashprice-rips-22-as-bitcoin-hashrate-stalls\/'>Bitcoin.com News<\/a> vorrechnet. Der Thermostat war 2026 also \u00fcberdurchschnittlich in Bewegung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie stark eine Anpassung ausf\u00e4llt, ergibt sich aus einer einfachen Regel: Die neue Difficulty ist die alte, multipliziert mit dem Verh\u00e4ltnis aus Soll-Zeit und Ist-Zeit f\u00fcr die vergangenen 2016 Bl\u00f6cke. Brauchte das Netz f\u00fcr einen Abschnitt statt der angepeilten zwei Wochen nur gut dreizehn Tage, steigt die Difficulty um jene rund f\u00fcnf Prozent, die f\u00fcr den 19. September im Raum standen. Diese Zahl ist am Ende der Epoche exakt, w\u00e4hrend die Hashrate selbst dann noch gesch\u00e4tzt bleibt. Das ist der eigentliche Grund, warum Profis Difficulty-Charts oft mehr vertrauen als Hashrate-Charts: Der Anker ist hart, die abgeleitete Gr\u00f6\u00dfe weich.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Wachstumskurve, richtig gelesen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Langfristkurve der Hashrate ist eine der eindrucksvollsten Wachstumsgeschichten der Technikgeschichte, aber auch sie besteht aus Sch\u00e4tzungen. Von den ersten CPUs 2009 \u00fcber Grafikkarten und FPGAs bis zum ersten ASIC 2013 hat sich die Rechenleistung um viele Gr\u00f6\u00dfenordnungen vervielfacht. Die Marke von 100 EH\/s fiel am 4. Januar 2020, die von 1 ZH\/s im Sieben-Tage-Mittel Mitte September 2025. Jede dieser Zahlen ist ein gegl\u00e4tteter Wert, kein an einem Z\u00e4hler abgelesenes Ereignis, und genau deshalb streiten Quellen bis heute \u00fcber das genaue Datum einzelner Meilensteine.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Datum<\/th><th>Meilenstein<\/th><th>Vorbehalt<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>4. Jan 2020<\/td><td>100 EH\/s erstmals \u00fcberschritten<\/td><td>Sieben-Tage-Mittel<\/td><\/tr><tr><td>15. Sep 2025<\/td><td>1 ZH\/s im Sieben-Tage-Mittel<\/td><td>je nach Quelle Tage Unterschied<\/td><\/tr><tr><td>20. Sep 2025<\/td><td>Einzeltagesrekord rund 1,09 ZH\/s<\/td><td>Spot-Wert, hohe Varianz<\/td><\/tr><tr><td>28. Okt 2025<\/td><td>nachhaltiger H\u00f6chststand rund 1,12 ZH\/s<\/td><td>nicht 1,44, siehe oben<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die 17 Jahre von den ersten Bl\u00f6cken auf einem Laptop bis zur Zettahash-Schwelle sind eine eigene Geschichte. F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Zahl reicht der eine Punkt: Selbst die Rekorde sind Mittelwerte, und wer sie liest, sollte immer fragen, \u00fcber welches Fenster gemittelt wurde.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Stagniert die Hashrate 2026 wirklich?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier wird die Unsch\u00e4rfe politisch. 2026 ringen zwei Lager um die Deutung: Die einen sehen eine stagnierende oder gar fallende Hashrate als Zeichen von Miner-Stress, die anderen ein Netz, das nach der Herbstrally 2025 nur eine Verschnaufpause einlegt. Das Rauschen der Sch\u00e4tzung erlaubt beiden, sich die passende Zahl herauszupicken, denn ein Spot-Wert von 1,17 ZH\/s st\u00fctzt die Bullen, ein Sieben-Tage-Mittel von 915 EH\/s die Skeptiker.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Jamie Redman von Bitcoin.com News fasst den Befund so zusammen: &bdquo;Die flache Hashrate deutet darauf hin, dass die Miner sich sehr vorsichtig weiterentwickeln und wom\u00f6glich an Hardware-Grenzen sto\u00dfen.&ldquo; Bemerkenswert ist der Kontext: Der Hashprice, also der Tagesertrag je Petahash, sprang binnen eines Monats um rund 22 Prozent auf gut 39 Dollar, weil der Kurs stieg. Trotzdem legte das Netz kaum Kapazit\u00e4t zu. Ein Teil der Erkl\u00e4rung liegt in der Konkurrenz um Megawatt: Dieselben Standorte, die neue Miner aufstellen k\u00f6nnten, verrechnen ihre Leistung inzwischen lieber mit KI-Rechenzentren, ein Muster, das wir bei der Frage, <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/hashrate-wachstum-2026-miner-ki-megawatt\/'>warum das Wettr\u00fcsten trotz steigender Erl\u00f6se stockt<\/a>, ausf\u00fchrlich untersucht haben. Wohin diese Rechenlast wandert, zeigt der Boom dezentraler GPU-Netze wie <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/render-2026-nvidia-ki-compute-boom-gpu-nachfrage\/'>Render im Sog von Nvidias KI-Nachfrage<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der harte Anker widerspricht der reinen Stagnationsthese allerdings leise: Die Difficulty stieg am 6. September und wird laut Sch\u00e4tzung um den 19. September erneut kr\u00e4ftig zulegen, in Richtung 133 Billionen. Steigt der Thermostat, kamen die Bl\u00f6cke im Schnitt zu schnell, und das hei\u00dft: Es rechnet mehr Kapazit\u00e4t mit, als die gegl\u00e4tteten Mittel gerade zeigen. Die ehrliche Antwort auf die Frage lautet daher, dass die Hashrate 2026 seitw\u00e4rts l\u00e4uft, mit einer leichten Aufw\u00e4rtstendenz im gemessenen Anker und einem enormen Rauschen im gesch\u00e4tzten Tageswert.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Effizienz verzerrt das Bild zus\u00e4tzlich<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Falle bleibt selbst bei perfekter Messung: Hashrate ist nicht Energie und nicht Maschinenzahl. Dieselbe Terahash-Leistung braucht heute einen Bruchteil des Stroms von vor zehn Jahren, weil die ASIC-Effizienz, gemessen in Joule pro Terahash, dramatisch gefallen ist. Ein flaches Hashrate-Diagramm kann also einen massiven Hardware-Austausch verdecken, bei dem alte Maschinen durch effizientere ersetzt werden, ohne dass die Zahl steigt. Umgekehrt sagt eine steigende Hashrate nichts dar\u00fcber, ob daf\u00fcr mehr Strom verbraucht wird.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Modell<\/th><th>Jahr<\/th><th>Leistung<\/th><th>Effizienz<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Antminer S9<\/td><td>2016<\/td><td>13,5 TH\/s<\/td><td>rund 98 J\/TH<\/td><\/tr><tr><td>Antminer S19 Pro<\/td><td>2020<\/td><td>110 TH\/s<\/td><td>rund 29,5 J\/TH<\/td><\/tr><tr><td>Antminer S21 XP<\/td><td>2024\/25<\/td><td>270 TH\/s<\/td><td>rund 13,5 J\/TH<\/td><\/tr><tr><td>Antminer S23 Hydro<\/td><td>2026<\/td><td>rund 560 TH\/s<\/td><td>rund 9,5 J\/TH<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Der 2026 anlaufende S23 Hydro ist laut <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/markets\/2025\/05\/29\/bitmains-new-antminer-launch-signals-profound-shift-for-bitcoin-miners-theminermag'>CoinDesk<\/a> das erste Serienmodell unter zehn Joule pro Terahash, rund zehnmal effizienter als der S9 von 2016. Wer die Hashrate als Energie- oder Klimakennzahl liest, misst deshalb das Falsche: Die Zahl beschreibt Sicherheit, nicht Stromverbrauch, und beide Gr\u00f6\u00dfen haben sich \u00fcber die Jahre voneinander entkoppelt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Reicht eine Sch\u00e4tzung f\u00fcr die Sicherheit?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">An dieser Stelle ist die gute Nachricht f\u00e4llig: F\u00fcr den eigentlichen Zweck der Zahl, die Sicherheit, ist die Unsch\u00e4rfe fast bedeutungslos. Was Bitcoin vor einem Angriff sch\u00fctzt, ist das Sicherheitsbudget, also die Summe, die ein Angreifer aufbringen m\u00fcsste, um mehr als die H\u00e4lfte der Rechenleistung zu kontrollieren. Multipliziert man den Hashprice mit der Hashrate und dem Jahr, kommt man auf einen Miner-Umsatz von gut 13 Milliarden Dollar, rund 11 Milliarden Euro, pro Jahr. Das ist die grobe Untergrenze dessen, was ein dauerhafter Angriff an laufenden Kosten \u00fcberbieten m\u00fcsste.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Campbell Harvey, Finanzprofessor an der Duke University, beziffert einen einw\u00f6chigen 51-Prozent-Angriff in seiner j\u00fcngsten Modellrechnung auf rund acht Milliarden Dollar. Gegen\u00fcber Bitcoin.com News sagte er: &bdquo;Die Kosten liegen bei etwa 50 Basispunkten des Bitcoin-Werts.&ldquo; Neu sei die Rolle der Terminm\u00e4rkte: &bdquo;Der Unterschied heute sind die Derivatem\u00e4rkte&ldquo;, so Harvey, denn ein Angreifer k\u00f6nne parallel zum Kauf der Hardware auf fallende Kurse wetten und so am selbst ausgel\u00f6sten Crash <a href='https:\/\/news.bitcoin.com\/8-billion-bitcoin-attack-could-become-profitable-through-derivatives-duke-professor-says\/'>verdienen, statt seine Kosten \u00fcbers Mining zur\u00fcckholen zu m\u00fcssen<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Frage der Messgenauigkeit ist entscheidend: Ob die reale Hashrate nun 912 oder 1.170 EH\/s betr\u00e4gt, verschiebt diese Kostensch\u00e4tzung nur um den ohnehin schon in den Annahmen steckenden Faktor. Die Gr\u00f6\u00dfenordnung, mehrere Milliarden, bleibt in jedem Szenario dieselbe. Ein Sch\u00e4tzfehler von 20 oder 30 Prozent \u00e4ndert nichts daran, dass ein Angriff extrem teuer ist. Bitcoin ist bis heute nie erfolgreich per 51-Prozent-Angriff kompromittiert worden, w\u00e4hrend kleinere Proof-of-Work-Ketten das mehrfach erlebt haben. Die Unsch\u00e4rfe der Hashrate ist also ein \u00c4rgernis f\u00fcr Statistiker, kein Sicherheitsrisiko.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gegenbeispiele sind real und gut dokumentiert. Ethereum Classic wurde 2019 und 2020 mehrfach per Mehrheitsangriff reorganisiert, Bitcoin Gold gleich zweimal, und in beiden F\u00e4llen war der Grund dieselbe Rechnung von der falschen Seite: Wo die gesamte Kette nur einen Bruchteil von Bitcoins Rechenleistung auf sich zieht, l\u00e4sst sich die n\u00f6tige Hashrate am freien Markt mieten, oft f\u00fcr wenige tausend Dollar pro Stunde. Bei Bitcoin scheitert genau dieser Mietansatz an der schieren Gr\u00f6\u00dfe: Es gibt nicht ann\u00e4hernd genug freie SHA-256-Kapazit\u00e4t, um das Netz zu \u00fcberstimmen, und der Selbstbau w\u00fcrde Jahre und Milliarden verschlingen. Die Unsch\u00e4rfe der Zahl \u00e4ndert an dieser Kluft nichts.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Selbst nachrechnen: Werkzeuge und Fallstricke<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer die Zahl selbst im Blick behalten will, sollte mehrere Quellen nebeneinander legen und jeweils auf das Fenster achten. mempool.space, der Hashrate Index, CoinWarz und blockchain.com liefern alle brauchbare Sch\u00e4tzungen, aber nur, wenn man wei\u00df, ob man gerade einen Spot-Wert oder ein Mittel ansieht. Eine vierte Methode ist die Summe der von den Mining-Pools gemeldeten Anteile, doch auch die hat einen Haken: Pools melden ihre eigenen Zahlen, und wer welchen Block wirklich baut, ist eine Frage f\u00fcr sich, wie unser Blick auf das <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mining-pools-2026-geschaeftsmodell-fee-krieg-konsolidierung\/'>Gesch\u00e4ftsmodell hinter dem Block<\/a> zeigt.<\/p><ul class='wp-block-list'><li>Immer das Zeitfenster pr\u00fcfen: Spot, sieben Tage oder drei\u00dfig Tage.<\/li><li>F\u00fcr Trendaussagen ein Mittel nehmen, nie den Live-Wert.<\/li><li>Jedes angebliche Allzeithoch \u00fcber 1,12 ZH\/s als Spot-Artefakt behandeln.<\/li><li>Als Gegenprobe die Difficulty-R\u00fcckrechnung nutzen, sie ist der harte Anker.<\/li><li>Automatische Zusammenfassungen misstrauisch lesen, sie tragen die 1,44-ZH\/s-Falle weiter.<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">Der wichtigste Reflex ist die Gegenprobe: Weicht eine Zahl stark von den anderen ab, ist fast immer das Fenster schuld, nicht die Realit\u00e4t. Und wenn der Spot-Wert innerhalb eines Tages um 20 Prozent springt, hat sich nicht das Netz ver\u00e4ndert, sondern der Zufall hat zugeschlagen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein praktischer Tipp zum Schluss: Wenn zwei seri\u00f6se Quellen sich um mehr als etwa zehn Prozent unterscheiden, lohnt der Blick auf die Difficulty statt auf noch mehr Hashrate-Charts. Die aktuelle Difficulty und der Fortschritt durch die laufende Epoche, beides zeigt zum Beispiel mempool.space in einem einzigen Bild, sagen mehr \u00fcber den wahren Netzzustand aus als jeder auf die zweite Nachkommastelle genaue Spot-Wert. Und wer eine Zahl weitergibt, sollte sie mit Datum, Quelle und Fenster versehen, sonst wandert am Ende wieder eine 1,44 durch die Timeline.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was Anleger und die BaFin daraus lesen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Anleger ist die Hashrate ein Gesundheitsindikator des Netzwerks, kein Kurssignal. B\u00f6rsennotierte Miner und die Fonds, die sie halten, werden an ihrer installierten Leistung gemessen, doch die aggregierte Netz-Hashrate folgt dem Preis, nicht umgekehrt: Steigt der Kurs, lohnt mehr Rechenleistung, die Difficulty zieht mit Verz\u00f6gerung nach. Wer Miner-Aktien oder thematische Produkte einordnen will, sollte die Zahl deshalb als Kapazit\u00e4ts- und Wettbewerbskennzahl lesen und nicht als Prognose.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Regulatorisch ist die Lage in Deutschland klar. Das Mining selbst ist keine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung, die BaFin beaufsichtigt Krypto-Dienstleister wie Verwahrer und Handelspl\u00e4tze, nicht das Betreiben von Rechenleistung, wie ihr <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen<\/a> vom Januar 2025 klarstellt. Unter der EU-Verordnung MiCA gilt dieselbe Logik, und wer wissen will, wie eine CASP-Zulassung in der Praxis abl\u00e4uft, findet die Details in unserem <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/casp-lizenz-2026-mica-zulassung-bafin-verfahren\/'>Leitfaden zum BaFin-Verfahren<\/a>. In den USA hat die SEC 2025 festgehalten, dass Proof-of-Work-Mining keine Wertpapiertransaktion ist. F\u00fcr die Hashrate hei\u00dft das: Es gibt keine gepr\u00fcfte, testierte oder amtliche Zahl. Es wird sie auch nie geben, weil niemand verpflichtet ist, seine Rechenleistung zu melden. Die beste verf\u00fcgbare Gr\u00f6\u00dfe bleibt eine gut gemachte Sch\u00e4tzung, und wer sie richtig liest, ist jeder automatischen Zusammenfassung voraus.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Wie wird die Bitcoin-Hashrate berechnet?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Hashrate wird nicht direkt gemessen, sondern aus zwei \u00f6ffentlichen Werten gesch\u00e4tzt: der Difficulty und den Blockzeiten. Die g\u00e4ngige Formel lautet Blockanzahl geteilt durch 144, mal Difficulty, mal 2 hoch 32, geteilt durch 600 Sekunden. Weil die Blockzeiten zuf\u00e4llig schwanken, mittelt man das Ergebnis \u00fcber sieben oder drei\u00dfig Tage, um das Rauschen herauszufiltern.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum zeigen verschiedene Seiten unterschiedliche Hashrate-Werte?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Weil jede Seite ein anderes Zeitfenster f\u00fcr die Mittelung w\u00e4hlt. Ein kurzer Spot-Wert reagiert auf jede Gl\u00fccksstr\u00e4hne bei der Blocksuche und schwankt stark, ein Sieben-Tage- oder Drei\u00dfig-Tage-Mittel ist ruhiger. Am 12. September 2026 lagen die seri\u00f6sen Sch\u00e4tzungen deshalb zwischen rund 912 EH\/s und 1,17 ZH\/s, obwohl es dasselbe Netzwerk am selben Tag war.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist der Unterschied zwischen Hashrate und Difficulty?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Difficulty ist ein harter, im Protokoll verankerter Wert, der alle 2016 Bl\u00f6cke neu gesetzt und von jedem Node gepr\u00fcft wird. Die Hashrate dagegen ist eine Sch\u00e4tzung, die man aus der Difficulty und den Blockzeiten ableitet. Difficulty ist also gemessen, Hashrate ist gerechnet, weshalb die Difficulty der verl\u00e4sslichere Anker f\u00fcr jede Analyse ist.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie hoch ist die Bitcoin-Hashrate 2026?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Im September 2026 lag das Sieben-Tage-Mittel bei rund 915 EH\/s, w\u00e4hrend kurzfristige Spot-Werte bis \u00fcber 1,17 ZH\/s ausschlugen. Der nachhaltige H\u00f6chststand wurde Ende Oktober 2025 bei etwa 1,12 ZH\/s erreicht. Werte von 1,44 ZH\/s, die manche Seiten als Rekord nennen, sind fehlerhafte Spot-Artefakte und kein realer Netzwert.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Bedeutet eine h\u00f6here Hashrate einen h\u00f6heren Bitcoin-Preis?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Die Kausalit\u00e4t l\u00e4uft umgekehrt: Ein steigender Kurs macht mehr Rechenleistung profitabel, also zieht die Hashrate mit Verz\u00f6gerung nach, nicht andersherum. 2026 stieg der Hashprice um rund 22 Prozent, w\u00e4hrend die Hashrate kaum zulegte. 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