{"id":560,"date":"2026-09-15T22:28:22","date_gmt":"2026-09-15T22:28:22","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/mining-pools-51-prozent-angriff-bitcoin-2026\/"},"modified":"2026-09-15T22:28:22","modified_gmt":"2026-09-15T22:28:22","slug":"mining-pools-51-prozent-angriff-bitcoin-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/mining-pools-51-prozent-angriff-bitcoin-2026\/","title":{"rendered":"Die 51-Prozent-Frage: K\u00f6nnen Mining-Pools Bitcoin angreifen?"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Alle paar Monate kehrt dieselbe Schlagzeile zur\u00fcck: Ein einzelner Mining-Pool stehe kurz davor, Bitcoin zu \u00fcbernehmen. Der Anlass ist fast immer dieselbe Grafik. Mitte September 2026 vereinen Foundry USA und AntPool laut <a href='https:\/\/hashrateindex.com\/hashrate\/pools'>Hashrate Index<\/a> zusammen knapp 44 Prozent der Rechenleistung auf sich, die drei gr\u00f6\u00dften Pools kommen auf gut 57 Prozent. F\u00fcr ein System, dessen Sicherheitsversprechen auf Verteilung beruht, klingt das nach einem eingebauten Widerspruch.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Sorge ist berechtigt, nur wird sie selten sauber gestellt. Was genau kann ein Pool, der mehr als die H\u00e4lfte der Hashrate steuert, wirklich anrichten, und was liegt au\u00dferhalb seiner Reichweite? Wie oft ist ein solcher Angriff je gelungen, und warum nie bei Bitcoin selbst? Dieser Text ist keine weitere Bestandsaufnahme der Konzentration, sondern eine Bedrohungsanalyse. Er trennt das Kino-Szenario von den realen, kleineren und weit wahrscheinlicheren Risiken, und er zeigt, warum bisher die \u00d6konomie einen Angriff zuverl\u00e4ssiger verhindert hat als jede geschriebene Regel.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was ein Mining-Pool b\u00fcndelt, und warum Konzentration eingebaut ist<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Mining-Pool ist im Kern eine Versicherung gegen den Zufall. Wer allein sch\u00fcrft, kann bei einer Netzwerk-Hashrate von fast 965 EH\/s jahrzehntelang rechnen, ohne je einen Block zu finden; die Auszahlung ist ein Lottogewinn, kein Einkommen. Der Pool b\u00fcndelt die Leistung tausender Ger\u00e4te, findet dadurch regelm\u00e4\u00dfig Bl\u00f6cke und verteilt den Ertrag anteilig. Der Miner tauscht die Aussicht auf den ganzen Blockertrag (derzeit 3,125 BTC, bei einem Kurs von rund 65.388 Euro laut <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin'>CoinGecko<\/a> also gut 204.000 Euro) gegen einen kleinen, aber planbaren Zahlungsstrom.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese B\u00fcndelung hat eine strukturelle Nebenwirkung: Sie belohnt Gr\u00f6\u00dfe. Je mehr Hashrate ein Pool verwaltet, desto glatter sind seine Auszahlungen, desto g\u00fcnstiger seine Geb\u00fchren, desto attraktiver ist er f\u00fcr den n\u00e4chsten Miner. Hinzu kommen Trichtereffekte, die nichts mit B\u00f6swilligkeit zu tun haben: Hersteller wie Bitmain betreiben mit AntPool ihren eigenen Pool, B\u00f6rsen wie CoinEx speisen ViaBTC. Wer das <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/bitmain-microbt-asic-duopol-bitcoin-mining-2026\/'>Duopol bei der ASIC-Fertigung<\/a> kennt, versteht, warum die Konzentration beim Mining kein Betriebsunfall ist, sondern die logische Folge von Skaleneffekten. Das aktuelle Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis sieht so aus:<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Pool<\/th><th>Anteil an der Hashrate<\/th><th>Rechenleistung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Foundry USA<\/td><td>26,4 %<\/td><td>264 EH\/s<\/td><\/tr><tr><td>AntPool<\/td><td>17,42 %<\/td><td>174,1 EH\/s<\/td><\/tr><tr><td>F2Pool<\/td><td>13,86 %<\/td><td>138,6 EH\/s<\/td><\/tr><tr><td>ViaBTC<\/td><td>10,77 %<\/td><td>107,7 EH\/s<\/td><\/tr><tr><td>SpiderPool<\/td><td>9,08 %<\/td><td>90,8 EH\/s<\/td><\/tr><tr><td>MARA Pool<\/td><td>5,24 %<\/td><td>52,4 EH\/s<\/td><\/tr><tr><td>SecPool<\/td><td>3,93 %<\/td><td>39,3 EH\/s<\/td><\/tr><tr><td>Luxor<\/td><td>2,81 %<\/td><td>28,1 EH\/s<\/td><\/tr><tr><td>Braiins Pool<\/td><td>1,97 %<\/td><td>19,7 EH\/s<\/td><\/tr><tr><td>Binance Pool<\/td><td>1,87 %<\/td><td>18,7 EH\/s<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption>Bitcoin-Mining-Pools nach Hashrate-Anteil, Mitte September 2026. Quelle: Hashrate Index, Netzwerk 964,98 EH\/s.<\/figcaption><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Aus dieser Verteilung leitet sich eine oft zitierte Kennzahl ab: der Nakamoto-Koeffizient, also die kleinste Zahl an Akteuren, die zusammen mehr als die H\u00e4lfte der Rechenleistung stellen. F\u00fcr Bitcoins Mining liegt er derzeit bei drei (Foundry, AntPool und F2Pool). Drei Firmen also, die sich theoretisch abstimmen m\u00fcssten, um eine Mehrheit zu bilden. Ob das ein akutes Problem ist, h\u00e4ngt allein daran, was diese Mehrheit \u00fcberhaupt bewirken k\u00f6nnte, und genau da beginnt die eigentliche Analyse. Wie wackelig schon die 965-EH\/s-Zahl selbst ist, hat HOGE Wire an anderer Stelle gezeigt: Die Hashrate wird nicht gemessen, sondern <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/hashrate-2026-schaetzung-statt-messung\/'>aus der Blockfrequenz gesch\u00e4tzt<\/a>, weshalb Anbieter je nach Zeitfenster zwischen etwa 940 und 965 EH\/s ausweisen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die 51-Prozent-Attacke, technisch sauber definiert<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoin kennt keine Abstimmung dar\u00fcber, welche Version der Geschichte gilt. Es z\u00e4hlt schlicht die Kette mit der meisten hineingesteckten Arbeit, die l\u00e4ngste g\u00fcltige Blockkette. Wer mehr als die H\u00e4lfte der Hashrate kontrolliert, produziert im Schnitt schneller Bl\u00f6cke als der gesamte Rest zusammen. Damit kann er im Geheimen eine eigene, private Kette bauen und sie zu einem gew\u00e4hlten Zeitpunkt ver\u00f6ffentlichen. Ist diese Kette l\u00e4nger als die \u00f6ffentliche, verwerfen die Nodes die bis dahin g\u00fcltige Version zugunsten der neuen. Dieser Vorgang hei\u00dft Reorganisation, kurz Reorg, und er ist der Kern jeder Mehrheitsattacke.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Name 51 Prozent ist dabei irref\u00fchrend pr\u00e4zise. Es gibt keine magische Schwelle bei exakt 51: Schon etwas darunter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Angreifer einige wenige Bl\u00f6cke r\u00fcckg\u00e4ngig machen kann; deutlich dar\u00fcber wird ein Erfolg \u00fcber beliebige Distanzen nur noch eine Frage der Zeit und des Geldes. Entscheidend ist aber nicht die genaue Zahl, sondern die Reichweite dieser Macht. Und die ist enger begrenzt, als die meisten Schlagzeilen suggerieren.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was ein Angreifer kann, und was er nicht kann<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die verbreitete Vorstellung, ein Mehrheits-Pool k\u00f6nne Bitcoin einfach leerr\u00e4umen, ist falsch. Eine Mehrheitsattacke verschiebt die j\u00fcngste Transaktionsgeschichte, sie bricht nicht die Kryptografie. Die folgende Tabelle trennt die beiden Sph\u00e4ren:<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Ein Mehrheits-Pool KANN<\/th><th>Ein Mehrheits-Pool KANN NICHT<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>eigene, k\u00fcrzlich best\u00e4tigte Zahlungen r\u00fcckg\u00e4ngig machen (Double-Spend)<\/td><td>Bitcoin aus fremden Wallets entwenden (keine privaten Schl\u00fcssel)<\/td><\/tr><tr><td>Transaktionen gezielt aus Bl\u00f6cken ausschlie\u00dfen (Zensur)<\/td><td>neue Bitcoin \u00fcber den festen Zeitplan hinaus erzeugen<\/td><\/tr><tr><td>Bl\u00f6cke ehrlicher Miner verwaisen lassen und ihnen die Pr\u00e4mie entziehen<\/td><td>die Blockpr\u00e4mie oder die 21-Millionen-Grenze ver\u00e4ndern<\/td><\/tr><tr><td>kurzzeitig die j\u00fcngsten Bl\u00f6cke neu anordnen<\/td><td>tief vergrabene, alte Transaktionen umschreiben<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption>Was eine 51-Prozent-Attacke leisten kann und was nicht.<\/figcaption><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die wichtigste Spalte ist die rechte. Ein 51-Prozent-Angreifer besitzt keine fremden privaten Schl\u00fcssel und kann deshalb keine anderen Wallets pl\u00fcndern. Er kann keine zus\u00e4tzlichen Bitcoin aus dem Nichts erzeugen, weil jede Node die Blockpr\u00e4mie und die Geldmenge unabh\u00e4ngig pr\u00fcft und einen regelwidrigen Block einfach zur\u00fcckweist, wie <a href='https:\/\/chain.link\/article\/what-is-a-51-attack'>Chainlink<\/a> in seiner Erkl\u00e4rung betont. Und er kann keine tief vergrabene Zahlung umschreiben: Je mehr Bl\u00f6cke auf einer Transaktion liegen, desto astronomischer wird der Aufwand, sie zu revidieren. Die Macht beschr\u00e4nkt sich auf die j\u00fcngste Geschichte und auf das Aussperren von Transaktionen. Das ist ernst, aber es ist etwas v\u00f6llig anderes als ein Diebstahl.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Double-Spend in der Praxis: der teure Sonderfall<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie verdient ein Angreifer \u00fcberhaupt Geld mit einem Reorg, wenn er nichts stehlen kann? Der einzige lukrative Weg f\u00fchrt fast immer \u00fcber eine B\u00f6rse. Das Muster ist immer gleich: Der Angreifer sendet Bitcoin an eine B\u00f6rse, l\u00e4sst sich die Einzahlung gutschreiben und tauscht sie sofort in einen anderen Wert oder hebt sie ab. Danach ver\u00f6ffentlicht er seine private Kette, in der diese Einzahlung nie stattgefunden hat. Die urspr\u00fcngliche Zahlung verschwindet, die Coins sind wieder in seiner Hand, w\u00e4hrend die andere Seite bereits geliefert hat. Dieselben Bitcoin wurden zweimal ausgegeben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Deshalb ist die Zahl der Best\u00e4tigungen keine technische Fu\u00dfnote, sondern die eigentliche Verteidigung des Empf\u00e4ngers. Wer eine Zahlung erst nach sechs oder mehr Bl\u00f6cken als endg\u00fcltig behandelt, zwingt einen Angreifer, sechs oder mehr Bl\u00f6cke am St\u00fcck zu \u00fcberholen, ein exponentiell teureres Unterfangen. B\u00f6rsen erh\u00f6hen bei Verdacht auf Netzwerk-Instabilit\u00e4t die Schwelle und lassen Einzahlungen erst nach vielen Best\u00e4tigungen zu. Genau dieser Puffer machte die Angriffe auf kleinere Netzwerke am Ende oft weniger profitabel, als es die Schlagzeilen vermuten lie\u00dfen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt ein enges Zeitfenster. Ein Reorg lohnt sich nur, wenn die private Kette die \u00f6ffentliche tats\u00e4chlich \u00fcberholt, bevor das Opfer die Zahlung als endg\u00fcltig verbucht. Der Angreifer rechnet mit seiner Mehrheit also gegen die Uhr, und jede zus\u00e4tzliche Best\u00e4tigung, die eine B\u00f6rse verlangt, vergr\u00f6\u00dfert den n\u00f6tigen Vorlauf sp\u00fcrbar. Deshalb sind Ziele mit sofortiger, unwiderruflicher Auslieferung, klassisch der Umtausch in eine andere Kryptow\u00e4hrung oder eine schnelle Auszahlung, praktisch die einzigen, bei denen sich der Aufwand \u00fcberhaupt rechnet. Gegen einen geduldigen Empf\u00e4nger, der zw\u00f6lf oder mehr Bl\u00f6cke abwartet, wird selbst eine klare Mehrheit rasch unbezahlbar.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der einzige echte Beinahe-Fall: GHash.io 2014<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoin ist genau einmal an diese Grenze geraten. Im Juni 2014 \u00fcberschritt der Pool GHash.io f\u00fcr etwa einen Tag die Marke von 50 Prozent der gesamten Rechenleistung und lag zeitweise bei rund 55 Prozent, wie <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/markets\/2014\/07\/17\/the-bitcoin-mining-arms-race-ghashio-and-the-51-issue'>CoinDesk<\/a> damals dokumentierte. Ein Angriff fand nicht statt. Aber die blo\u00dfe M\u00f6glichkeit l\u00f6ste eine handfeste Vertrauenskrise aus, weil ein einzelner Betreiber theoretisch in der Lage gewesen w\u00e4re, Reorgs zu erzwingen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Kontext war ein anderer als heute. GHash.io wuchs in der \u00c4ra des Cloud-Minings, als Nutzer Rechenleistung mieteten statt eigene Ger\u00e4te zu betreiben, was die B\u00fcndelung bei einem einzigen Anbieter zus\u00e4tzlich beschleunigte. Es gab keine Stratum-V2-Funktion, die den Blockbau zur\u00fcck zum Miner verlagert h\u00e4tte, und keine breite Debatte \u00fcber den Nakamoto-Koeffizienten. Umso bemerkenswerter, dass die Korrektur nicht von einer Beh\u00f6rde kam, sondern aus dem Markt selbst.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert war die Reaktion. Miner wanderten aus eigenem Antrieb zu kleineren Pools ab, und GHash.io verpflichtete sich \u00f6ffentlich, k\u00fcnftig nie mehr als 39,99 Prozent der Netzwerk-Hashrate zu halten, wie <a href='https:\/\/techcrunch.com\/2014\/07\/16\/popular-bitcoin-mining-pool-promises-to-restrict-its-compute-power-to-prevent-feared-51-fiasco\/'>TechCrunch<\/a> berichtete. Der Pool schloss 2016 endg\u00fcltig. Die Episode ist bis heute das st\u00e4rkste Argument beider Lager zugleich: Sie zeigt, dass Konzentration m\u00f6glich ist, und sie zeigt, dass die soziale Schicht des Netzwerks, also der Druck der Miner und der Community, einen Angriff verhindern kann, solange es \u00fcberhaupt Alternativen gibt, zu denen man abwandern kann.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wenn es wirklich passiert: Ethereum Classic und Bitcoin Gold<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Dass 51-Prozent-Angriffe keine Theorie sind, beweisen die kleineren Proof-of-Work-Netzwerke. Bitcoin Gold, eine 2017 abgespaltene Bitcoin-Variante, wurde im Mai 2018 angegriffen: Der T\u00e4ter \u00fcbernahm zeitweise die Mehrheit der Hashrate und gab nach Angaben von <a href='https:\/\/www.bleepingcomputer.com\/news\/security\/hacker-makes-over-18-million-in-double-spend-attack-on-bitcoin-gold-network\/'>BleepingComputer<\/a> rund 388.201 BTG im Wert von etwa 18 Millionen US-Dollar doppelt aus, gezielt gegen B\u00f6rsen gerichtet. Mehrere Handelspl\u00e4tze nahmen die M\u00fcnze anschlie\u00dfend aus dem Programm.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Noch drastischer traf es Ethereum Classic. Anfang Januar 2019 erlebte das Netzwerk mehrere tiefe Reorgs mit sechsstelligen Doppelausgaben, wie <a href='https:\/\/www.coinbase.com\/blog\/coinbases-perspective-on-the-recent-ethereum-classic-etc-double-spend'>Coinbase<\/a> in einer eigenen Analyse festhielt. Im August 2020 folgten drei Angriffe innerhalb weniger Wochen mit Doppelausgaben in Millionenh\u00f6he; <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/tech\/2020\/08\/06\/ethereum-classic-suffers-second-51-attack-in-a-week'>CoinDesk<\/a> sprach vom zweiten Angriff binnen einer Woche. B\u00f6rsen wie Coinbase verlangsamten daraufhin ihre Best\u00e4tigungen und lie\u00dfen Nutzer teils stundenlang auf Einzahlungen warten. Die reale Geschichte der Mehrheitsattacke ist also keine Fiktion, sie spielt nur bislang auf den Nebenschaupl\u00e4tzen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Netzwerk<\/th><th>Zeitpunkt<\/th><th>Schaden<\/th><th>Reaktion<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Bitcoin Gold (BTG)<\/td><td>Mai 2018<\/td><td>rund 388.201 BTG (etwa 18 Mio. USD) doppelt ausgegeben<\/td><td>Delistings, sp\u00e4terer Wechsel des Algorithmus<\/td><\/tr><tr><td>Ethereum Classic (ETC)<\/td><td>Januar 2019<\/td><td>mehrere Reorgs, sechsstellige Doppelausgaben<\/td><td>B\u00f6rsen erh\u00f6hten die Best\u00e4tigungszahl<\/td><\/tr><tr><td>Ethereum Classic (ETC)<\/td><td>August 2020<\/td><td>drei Angriffe in Wochen, Millionenbetr\u00e4ge<\/td><td>MESS-Schutz (ECIP-1100) im Oktober 2020<\/td><\/tr><tr><td>Bitcoin (BTC)<\/td><td>nie erfolgreich<\/td><td>GHash.io lag 2014 kurz \u00fcber 50 %, ohne Angriff<\/td><td>freiwillige Selbstbegrenzung, Abwanderung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption>Die wichtigsten realen 51-Prozent-Ereignisse im Vergleich.<\/figcaption><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Ethereum Classic zog daraus eine technische Lehre. Im Oktober 2020 aktivierte das Netzwerk unter dem Namen MESS (Modified Exponential Subjective Scoring, <a href='https:\/\/ecips.ethereumclassic.org\/ECIPs\/ecip-1100'>ECIP-1100<\/a>) einen Schutz, der tiefe Reorganisationen als verd\u00e4chtig einstuft und f\u00fcr einen Angreifer bis zu 31-mal teurer macht. Das Grundprinzip: Kleine Umordnungen \u00fcber wenige Bl\u00f6cke sind normal, das Zur\u00fcckrollen von hunderten oder tausenden Bl\u00f6cken ist es nicht, und das Protokoll darf misstrauisch werden. MESS beseitigte die Konzentration nicht, es verteuerte lediglich ihren Missbrauch.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum Bitcoin nicht Ethereum Classic ist<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Unterschied zwischen einem attackierten Nebennetzwerk und Bitcoin ist nicht die Gesinnung der Miner, sondern schiere Physik und \u00d6konomie. Bitcoin Gold und Ethereum Classic teilten ihren Mining-Algorithmus mit gr\u00f6\u00dferen Netzwerken oder mit einem liquiden Markt f\u00fcr mietbare Rechenleistung. Ein Angreifer musste keine Hardware kaufen, er konnte f\u00fcr wenige Stunden genug Hashrate anmieten, um die Mehrheit zu stellen. Bei einer Kapitalisierung im dreistelligen Millionenbereich rechnet sich das schnell.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoins SHA-256-Hashrate von fast 965 EH\/s l\u00e4sst sich nicht anmieten. Es existiert schlicht kein Vermietungsmarkt, der auch nur einen Bruchteil davon liefern k\u00f6nnte, und die spezialisierten ASIC-Maschinen stammen fast ausschlie\u00dflich vom <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/bitmain-microbt-asic-duopol-bitcoin-mining-2026\/'>Duopol aus Bitmain und MicroBT<\/a>, das keine Flotte in Angriffsgr\u00f6\u00dfe kurzfristig ausliefern k\u00f6nnte. Das Sicherheitsbudget des Netzwerks, also der t\u00e4gliche Ertrag, den ehrliche Miner verdienen und den ein Angreifer \u00fcberbieten m\u00fcsste, liegt bei einem Hashprice von rund 39,63 US-Dollar je PH pro Tag (<a href='https:\/\/news.bitcoin.com\/mining\/difficulty-rises-hashprice-rips-22-as-bitcoin-hashrate-stalls\/'>News.Bitcoin.com<\/a>) in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von 30 Millionen Euro pro Tag. Wie eng dieses Budget an Kurs und Zinsumfeld h\u00e4ngt, zeigt HOGE Wire im <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/hashprice-fed-zinsentscheidung-miner-2026\/'>Zins-Stresstest der Miner<\/a>. Wer diese Maschinerie \u00fcberbieten wollte, m\u00fcsste Milliarden in Hardware und Strom versenken, um am Ende genau den Verm\u00f6genswert zu zerst\u00f6ren, dessentwegen sich der Angriff \u00fcberhaupt lohnen sollte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Um die Gr\u00f6\u00dfenordnung zu fassen: Wer dauerhaft die Mehrheit stellen wollte, m\u00fcsste neue Spezialhardware in gewaltigem Umfang beschaffen, dazu Gigawatt an Strom und die passende Rechenzentrumsfl\u00e4che. Ein solcher Aufbau ist weder heimlich noch schnell m\u00f6glich; er w\u00fcrde die Chip-Lieferketten, die Strompreise und den Gebrauchtmarkt f\u00fcr Miner sichtbar verzerren, lange bevor der erste b\u00f6sartige Block fiele. Genau diese Tr\u00e4gheit der physischen Welt, so unelegant sie klingt, ist ein Teil von Bitcoins Verteidigung, den keine Software\u00e4nderung ersetzen kann.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Selfish Mining: der Angriff unterhalb von 50 Prozent<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Fixierung auf die 50-Prozent-Marke verdeckt eine subtilere Schwachstelle. 2013 zeigten die Cornell-Forscher Ittay Eyal und Emin G\u00fcn Sirer in ihrer Arbeit <a href='https:\/\/arxiv.org\/abs\/1311.0243'>&bdquo;Majority is not Enough&ldquo;<\/a>, dass ein Pool das Netzwerk auch mit deutlich weniger als der H\u00e4lfte der Rechenleistung manipulieren kann. Die Strategie hei\u00dft Selfish Mining: Statt einen gefundenen Block sofort zu ver\u00f6ffentlichen, h\u00e4lt der Angreifer ihn zur\u00fcck und sch\u00fcrft heimlich auf seiner privaten Kette weiter. Zum richtigen Moment ver\u00f6ffentlicht er sie und l\u00e4sst die inzwischen von ehrlichen Minern gefundenen Bl\u00f6cke verwaisen. So verdient er einen gr\u00f6\u00dferen Anteil an Bl\u00f6cken, als seiner Rechenleistung entspr\u00e4che.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der beunruhigende Befund der beiden: Diese Taktik kann sich bereits ab etwa einem Drittel der Hashrate lohnen, und mit einem Vorteil bei der Netzwerkanbindung sinkt die Schwelle Richtung ein Viertel. Damit widerlegten Eyal und Sirer die bis dahin geltende Annahme, das Protokoll sei sicher, solange eine ehrliche Mehrheit die Regeln befolgt. In der Praxis wurde Selfish Mining bei Bitcoin nie zweifelsfrei beobachtet, weil ein solcher Angriff auff\u00e4llt, Vertrauen kostet und die eigenen Ertr\u00e4ge langfristig gef\u00e4hrdet. Aber als theoretische Grenze zeigt er, dass die eigentliche Verteidigung nicht in einer festen Prozentzahl liegt, sondern in den Anreizen der Beteiligten. Verwandte Angriffe wie das Zur\u00fcckhalten von Bl\u00f6cken durch Saboteure innerhalb eines Pools zielen auf denselben Hebel: die Manipulation, wann und ob gefundene Arbeit ver\u00f6ffentlicht wird.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Das realistischere Risiko hei\u00dft Zensur, nicht Angriff<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der dramatische Reorg ist das unwahrscheinlichste Szenario. Der leisere, weit plausiblere Hebel ist die Zensur. Unter dem klassischen Stratum-Protokoll entscheidet nicht der einzelne Miner, sondern der Pool-Betreiber, welche Transaktionen in einen Block wandern. Ein Betreiber, der einer staatlichen Anordnung folgen muss oder aus eigenem Antrieb handelt, kann bestimmte Adressen einfach aussortieren. Daf\u00fcr braucht er keine 51 Prozent und keine Reorganisation; es gen\u00fcgt sein normaler Blockanteil.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau das geschah nachweislich. Der Entwickler 0xB10C dokumentierte, dass F2Pool zeitweise von den USA sanktionierte Transaktionen herausfilterte; Mitgr\u00fcnder Chun Wang r\u00e4umte den Filter ein und schaltete ihn nach \u00f6ffentlicher Kritik wieder ab, wie <a href='https:\/\/www.theminermag.com\/news\/2023-11-22\/f2pool-ofac-bitcoin-transaction'>The Miner Mag<\/a> festhielt. Diese Form der Einflussnahme r\u00fcttelt nicht am Bestand der Coins, sie untergr\u00e4bt die Neutralit\u00e4t des Netzwerks. Und weil sie so viel billiger und unauff\u00e4lliger ist als eine Mehrheitsattacke, ist sie die Bedrohung, die Entwickler heute ernster nehmen als das 51-Prozent-Gespenst.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Beruhigend ist immerhin die Sichtbarkeit. Weil jeder Block \u00f6ffentlich ist und unabh\u00e4ngige Beobachter den Mempool mit dem tats\u00e4chlichen Blockinhalt abgleichen, f\u00e4llt gezieltes Filtern fr\u00fcher oder sp\u00e4ter auf. Genau so wurde der Fall F2Pool \u00fcberhaupt erst bekannt. Zensur auf der Blockchain ist kein heimlicher Schalter, sondern ein \u00f6ffentlicher Akt, der einen Betreiber Reputation und Miner kosten kann. Das macht sie nicht harmlos, aber es begrenzt, wie weit ein einzelner Pool gehen kann, ohne Gegenwind zu provozieren.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Spieltheorie: warum der rationale Mehrheits-Pool nicht angreift<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier liegt der eigentliche Grund, warum Bitcoin trotz sichtbarer Konzentration weiterl\u00e4uft. Ein Angriff ist nicht deshalb unwahrscheinlich, weil er unm\u00f6glich w\u00e4re, sondern weil er sich f\u00fcr den m\u00e4chtigsten denkbaren Angreifer selbst zerst\u00f6rt. Ein Pool, der die Mehrheit der Hashrate h\u00e4lt, ist zugleich der gr\u00f6\u00dfte Investor in das System: Er hat Milliarden in ASICs, Rechenzentren und Stromvertr\u00e4ge gesteckt, und ein Teil seiner Ertr\u00e4ge liegt in Bitcoin. Ein sichtbarer Angriff w\u00fcrde das Vertrauen in das Netzwerk ersch\u00fcttern und den Kurs einbrechen lassen. Der Angreifer w\u00fcrde also den Wert seiner eigenen Hardware, seiner eigenen Coins und seines gesamten Gesch\u00e4ftsmodells vernichten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu kommt die soziale Schicht. Miner sind keine Leibeigenen ihres Pools; sie k\u00f6nnen binnen Minuten zu einem anderen wechseln, wie 2014 bei GHash.io. Und im Ernstfall kann die Community per Soft Fork oder \u00fcber eine nutzeraktivierte Reaktion die Spielregeln so \u00e4ndern, dass die Arbeit des Angreifers wertlos wird, \u00e4hnlich wie Ethereum Classic es mit MESS tat. Satoshi Nakamotos Entwurf setzt genau darauf: Es soll profitabler sein, ehrlich mitzuspielen, als das System zu sabotieren. Solange diese Rechnung stimmt, ist die reine F\u00e4higkeit zum Angriff nur eine Drohung ohne Gesch\u00e4ftsmodell. Das ist ein schw\u00e4cheres Versprechen als mathematische Unm\u00f6glichkeit, aber es hat 15 Jahre gehalten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Rechnung hat eine L\u00fccke, und sie geh\u00f6rt ehrlich benannt: Sie unterstellt einen Angreifer, der Gewinn will. Ein Staat oder ein Akteur, dem es allein darum ginge, Bitcoin zu besch\u00e4digen, m\u00fcsste sich um die Rendite nicht scheren. Doch selbst dieses Szenario f\u00fchrt nicht zum Totalschaden. Ein solcher Angriff w\u00e4re sofort sichtbar, er lie\u00dfe sich durch mehr Best\u00e4tigungen und notfalls durch eine Protokoll\u00e4nderung neutralisieren, und er k\u00f6nnte weder Guthaben stehlen noch die Geldmenge aufbl\u00e4hen. Das teuerste denkbare Feuerwerk k\u00f6nnte den Kurs ersch\u00fcttern und einzelne B\u00f6rsen treffen, aber es k\u00f6nnte die Regeln des Systems nicht umschreiben. Bitcoins Sicherheit ist damit weniger eine Mauer als eine Kostenfrage, verbunden mit der F\u00e4higkeit des Netzwerks, auf einen Angriff zu antworten.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Gegenmittel: Stratum V2, DATUM und Solo-Mining<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Verlassen muss man sich auf diese Anreize nicht allein. Die Branche baut derzeit die gef\u00e4hrlichste Machtquelle der Pools um: die Kontrolle dar\u00fcber, was in einen Block kommt. Stratum V2 verlagert diese Kontrolle mit der Funktion Job Declaration zur\u00fcck zum einzelnen Miner, der dann mit eigener Node seine Blockvorlage selbst zusammenstellt, w\u00e4hrend der Pool nur noch die Auszahlung gl\u00e4ttet und die Vorlage pr\u00fcft (<a href='https:\/\/www.spark.money\/research\/bitcoin-stratum-v2-mining-decentralization'>Spark<\/a>). Oceans Ansatz DATUM erreicht dasselbe Ziel auf bestehender Hardware. In beiden F\u00e4llen kann ein gro\u00dfer Pool Transaktionen nicht mehr im Alleingang aussperren, weil er den Blockinhalt gar nicht mehr diktiert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der R\u00fcckhalt ist erstaunlich breit. Im Mai 2026 schlossen sich nach Angaben von <a href='https:\/\/news.bitcoin.com\/bitcoin-mining-pool-giants-foundry-antpool-and-f2pool-signal-stratum-v2-shift\/'>News.Bitcoin.com<\/a> Pools, die zusammen rund 75 Prozent der Hashrate stellen, einer Arbeitsgruppe f\u00fcr Stratum V2 an, darunter Foundry, AntPool und F2Pool. Dass ausgerechnet die gr\u00f6\u00dften Betreiber ein Protokoll mittragen, das ihnen Macht entzieht, hat einen n\u00fcchternen Grund: V2 \u00fcbertr\u00e4gt Blockvorlagen effizienter, senkt die Bandbreite und kann die Rentabilit\u00e4t der Miner erh\u00f6hen. Dezentralisierung wird hier nicht aus Idealismus verkauft, sondern als Nebeneffekt eines Upgrades, das sich auch betriebswirtschaftlich rechnet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Wandel ist keine Absichtserkl\u00e4rung mehr. Am 25. Juni 2026 sch\u00fcrften der Pool DMND und der Miner GoMining den ersten Block, dessen Vorlage per Job Declaration vom Miner selbst gebaut wurde (<a href='https:\/\/tftc.io\/stratum-v2-job-declaration-first-block-dmnd-gomining\/'>TFTC<\/a>). GoMining-Chef Mark Zalan bringt das Problem auf den Punkt: &bdquo;For years, mining pools have determined which transactions are included in Bitcoin blocks.&ldquo; Und selbst die gro\u00dfen Betreiber ziehen mit; AntPool-Chef Andy Zhou erkl\u00e4rte sich <a href='https:\/\/news.bitcoin.com\/bitcoin-mining-pool-giants-foundry-antpool-and-f2pool-signal-stratum-v2-shift\/'>&bdquo;proud to support the broader adoption of Stratum V2&ldquo;<\/a>. Am unteren Ende der Skala h\u00e4lt das Solo-Mining den Anspruch offen, dass jeder auch ohne Pool teilnehmen kann; wirtschaftlich ist das f\u00fcr deutsche Stromverh\u00e4ltnisse ein Lottoschein, symbolisch aber die letzte R\u00fcckfallebene gegen jede Form von Zentralisierung.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der PoS-Spiegel: Lido, Staking und dasselbe Problem<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer \u00fcber Mining-Pools spricht, sollte ihre Verwandtschaft nicht \u00fcbersehen. Ethereum beendete mit dem Merge im September 2022 sein eigenes Proof-of-Work-Mining; an die Stelle der Mining-Pools traten die Staking-Pools. Das Konzentrationsproblem wanderte einfach mit. Lido, der gr\u00f6\u00dfte Liquid-Staking-Dienst, kontrolliert nach Daten von <a href='https:\/\/www.datawallet.com\/crypto\/ethereum-staking-statistics-and-trends'>Datawallet<\/a> etwa 28 bis 30 Prozent aller gestakten ETH und \u00fcber 60 Prozent des Liquid-Staking-Marktes. Auch hier kreist die Debatte um eine kritische Schwelle: Ab rund einem Drittel der Eins\u00e4tze k\u00f6nnte ein einzelner Akteur die Finalisierung von Bl\u00f6cken st\u00f6ren, weshalb Teile der Community sogar \u00fcber eine freiwillige Selbstbegrenzung von Lido stritten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Unterschied liegt in der Verteidigung. Proof of Stake kennt das Slashing: Wer sich nachweisbar falsch verh\u00e4lt, dessen hinterlegter Einsatz wird vom Protokoll teilweise zerst\u00f6rt. Ein angreifender Staking-Pool riskiert also nicht nur den Kursverfall, sondern die unmittelbare Vernichtung seines Kapitals durch die Software selbst. Proof of Work besitzt kein solches eingebautes Strafinstrument; seine Abschreckung liegt allein in den externen Kosten und der sozialen Schicht. Wie sich die dezentralen Anbieter dagegen aufstellen, zeigt der Vergleich von <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/lido-rocket-pool-frax-liquid-staking-umbau-2026\/'>Lido, Rocket Pool und Frax<\/a>: Rocket Pool verteilt seinen Einsatz auf rund 3.000 erlaubnisfreie Betreiber, w\u00e4hrend Lido auf ein kuratiertes Set weniger Profis setzt. Es ist derselbe Zielkonflikt wie beim Mining, nur mit anderen Werkzeugen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Beide Welten teilen am Ende dieselbe letzte Verteidigungslinie: die Menschen, die die Software ausf\u00fchren. Ob Bitcoin-Miner zu einem anderen Pool wechseln oder Ethereum-Staker ihre Eins\u00e4tze von einem \u00fcberm\u00e4chtigen Anbieter abziehen, in beiden F\u00e4llen entscheidet nicht der Code allein, sondern die Bereitschaft der Community, einen Akteur fallen zu lassen, der zu m\u00e4chtig oder zu feindlich wird. Diese soziale Schicht ist schwer zu quantifizieren und steht in keiner Hashrate-Tabelle, aber sie war historisch der zuverl\u00e4ssigste Schutz, den beide Netzwerke besitzen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>BaFin, MiCA und die Grenzen der Aufsicht<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">L\u00e4sst sich Konzentration regulieren? Nur bedingt. Die europ\u00e4ische Krypto-Verordnung MiCA und die <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>BaFin<\/a> beaufsichtigen Dienstleister und Emittenten, also B\u00f6rsen, Verwahrer und Herausgeber von Token, nicht aber den Konsensmechanismus selbst. Das reine Sch\u00fcrfen von Bitcoin ist in Deutschland keine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung, und kein Aufseher kann einem Pool vorschreiben, wie viel Hashrate er halten darf. Die Frage, wer Bitcoins Bl\u00f6cke baut, ist eine Frage der Marktstruktur und der Technik, keine des Wertpapierrechts.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist kein Vers\u00e4umnis, sondern eine Grenze der Zust\u00e4ndigkeit. Aufsichtsbeh\u00f6rden greifen dort, wo Nutzergelder, Verwahrung und Marktmissbrauch im Spiel sind; die Neutralit\u00e4t eines dezentralen Protokolls sch\u00fctzen sie nicht. Wo staatliche Anordnungen doch durchgreifen, etwa \u00fcber Sanktionslisten, entsteht sogar zus\u00e4tzlicher Zensurdruck auf einzelne Betreiber. Der Schutz vor Pool-Macht kommt deshalb nicht aus Frankfurt oder Br\u00fcssel, sondern aus dem Protokoll und aus den Anreizen der Teilnehmer. Denselben Grundsatz beschreibt HOGE Wire auch bei der <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mica-nfts-gaming-token-2026-einordnung-bafin\/'>Einordnung von Gaming-Token unter MiCA<\/a>: Die Regeln fassen die Vermittler, nicht den Code.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Fazit: die realistische Bedrohung<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die 51-Prozent-Frage hat zwei Antworten, und sie widersprechen sich nur scheinbar. Ja, die Konzentration ist real: Drei Pools gen\u00fcgen rechnerisch f\u00fcr die Mehrheit, der Nakamoto-Koeffizient von drei ist unangenehm niedrig. Und nein, das Horrorszenario einer feindlichen \u00dcbernahme ist unwahrscheinlich, weil es \u00f6konomisch selbstm\u00f6rderisch ist und sich historisch von selbst korrigiert hat. Ein Mehrheits-Pool kann keine Coins stehlen, keine neuen Bitcoin drucken und keine alte Geschichte umschreiben; er kann nur eigene Zahlungen zur\u00fcckrollen und Transaktionen aussperren, und beides zerst\u00f6rt sein eigenes Gesch\u00e4ft.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die eigentlichen Risiken sind unauff\u00e4lliger: schleichende Zentralisierung, Zensur einzelner Betreiber unter staatlichem Druck und die theoretische Verwundbarkeit unterhalb der 50-Prozent-Marke. Gegen alle drei arbeiten dieselben Kr\u00e4fte, die das Netzwerk seit 2014 stabil halten: die M\u00f6glichkeit der Miner abzuwandern, die soziale Schicht der Community, und mit Stratum V2 und DATUM nun auch ein technischer Umbau, der den Pools ihre gef\u00e4hrlichste F\u00e4higkeit nimmt. Bitcoins Sicherheit war nie ein Zustand, sondern ein Gleichgewicht. Die Aufgabe besteht nicht darin, die Pools zu zerschlagen, sondern daf\u00fcr zu sorgen, dass ihre Macht jederzeit anfechtbar bleibt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Kann ein Mining-Pool Bitcoin mit einer 51-Prozent-Attacke stehlen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Ein Angreifer mit Mehrheits-Hashrate kann nur eigene, k\u00fcrzlich get\u00e4tigte Zahlungen r\u00fcckg\u00e4ngig machen (Double-Spend) und Transaktionen zensieren. Er besitzt keine fremden privaten Schl\u00fcssel, kann keine Bitcoin aus anderen Wallets entwenden und keine zus\u00e4tzlichen Coins \u00fcber den festen Zeitplan hinaus erzeugen, weil jede Node regelwidrige Bl\u00f6cke zur\u00fcckweist.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie viele Pools kontrollieren mehr als die H\u00e4lfte der Bitcoin-Hashrate?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Mitte September 2026 gen\u00fcgen drei Pools, um die H\u00e4lfte zu \u00fcberschreiten: Foundry USA, AntPool und F2Pool kommen zusammen auf rund 58 Prozent. Der Nakamoto-Koeffizient f\u00fcr Bitcoins Mining liegt damit bei drei, ein historisch niedriger, aber nicht neuer Wert.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wurde Bitcoin jemals erfolgreich mit 51 Prozent angegriffen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Am n\u00e4chsten kam der Pool GHash.io im Juni 2014, der f\u00fcr etwa einen Tag \u00fcber 50 Prozent der Rechenleistung hielt, sich danach aber freiwillig begrenzte. Erfolgreiche 51-Prozent-Angriffe trafen kleinere Netzwerke wie Bitcoin Gold (2018) und Ethereum Classic (2019 und 2020).<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist Selfish Mining?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Selfish Mining ist eine 2013 von Ittay Eyal und Emin G\u00fcn Sirer beschriebene Strategie, bei der ein Miner gefundene Bl\u00f6cke zun\u00e4chst zur\u00fcckh\u00e4lt und erst gezielt ver\u00f6ffentlicht, um Konkurrenten die Arbeit verwaisen zu lassen. Sie kann sich bereits ab etwa einem Drittel der Hashrate lohnen und widerlegt die Annahme, eine ehrliche Mehrheit gen\u00fcge automatisch.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Sch\u00fctzt Stratum V2 vor Zensur durch Pools?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, zumindest strukturell. Mit der Job-Declaration-Funktion von Stratum V2 und mit Oceans DATUM stellt wieder der einzelne Miner den Blockinhalt zusammen, nicht der Pool-Betreiber. Damit kann ein gro\u00dfer Pool Transaktionen nicht mehr im Alleingang aussperren; Solo-Mining bleibt die letzte R\u00fcckfallebene.<\/p><script type='application\/ld+json'>{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Kann ein Mining-Pool Bitcoin mit einer 51-Prozent-Attacke stehlen?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Nein. Ein Angreifer mit Mehrheits-Hashrate kann nur eigene, k\u00fcrzlich get\u00e4tigte Zahlungen r\u00fcckg\u00e4ngig machen (Double-Spend) und Transaktionen zensieren. Er besitzt keine fremden privaten Schl\u00fcssel, kann keine Bitcoin aus anderen Wallets entwenden und keine zus\u00e4tzlichen Coins \u00fcber den festen Zeitplan hinaus erzeugen, weil jede Node regelwidrige Bl\u00f6cke zur\u00fcckweist.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Wie viele Pools kontrollieren mehr als die H\u00e4lfte der Bitcoin-Hashrate?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Mitte September 2026 gen\u00fcgen drei Pools, um die H\u00e4lfte zu \u00fcberschreiten: Foundry USA, AntPool und F2Pool kommen zusammen auf rund 58 Prozent. Der Nakamoto-Koeffizient f\u00fcr Bitcoins Mining liegt damit bei drei, ein historisch niedriger, aber nicht neuer Wert.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Wurde Bitcoin jemals erfolgreich mit 51 Prozent angegriffen?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Nein. Am n\u00e4chsten kam der Pool GHash.io im Juni 2014, der f\u00fcr etwa einen Tag \u00fcber 50 Prozent der Rechenleistung hielt, sich danach aber freiwillig begrenzte. Erfolgreiche 51-Prozent-Angriffe trafen kleinere Netzwerke wie Bitcoin Gold (2018) und Ethereum Classic (2019 und 2020).\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was ist Selfish Mining?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Selfish Mining ist eine 2013 von Ittay Eyal und Emin G\u00fcn Sirer beschriebene Strategie, bei der ein Miner gefundene Bl\u00f6cke zun\u00e4chst zur\u00fcckh\u00e4lt und erst gezielt ver\u00f6ffentlicht, um Konkurrenten die Arbeit verwaisen zu lassen. Sie kann sich bereits ab etwa einem Drittel der Hashrate lohnen und widerlegt die Annahme, eine ehrliche Mehrheit gen\u00fcge automatisch.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Sch\u00fctzt Stratum V2 vor Zensur durch Pools?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Ja, zumindest strukturell. Mit der Job-Declaration-Funktion von Stratum V2 und mit Oceans DATUM stellt wieder der einzelne Miner den Blockinhalt zusammen, nicht der Pool-Betreiber. Damit kann ein gro\u00dfer Pool Transaktionen nicht mehr im Alleingang aussperren; Solo-Mining bleibt die letzte R\u00fcckfallebene.\"}}]}<\/script><p class=\"wp-block-paragraph\">Von Yuki Tanaka, HOGE Wire. Yuki Tanaka schreibt \u00fcber Mining, Netzwerksicherheit und die \u00d6konomie von Proof-of-Work.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Foundry und AntPool kontrollieren fast die H\u00e4lfte der Bitcoin-Hashrate. Was ein Mehrheits-Pool wirklich anrichten k\u00f6nnte, was nicht, und warum die \u00d6konomie den Angriff bisher verhindert.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":561,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-560","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-mining-staking"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/560","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=560"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/560\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/561"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=560"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=560"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=560"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}