{"id":562,"date":"2026-09-16T04:25:59","date_gmt":"2026-09-16T04:25:59","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/krypto-etf-zulassungen-2026-clarity-aus-fed-woche\/"},"modified":"2026-09-16T04:25:59","modified_gmt":"2026-09-16T04:25:59","slug":"krypto-etf-zulassungen-2026-clarity-aus-fed-woche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/krypto-etf-zulassungen-2026-clarity-aus-fed-woche\/","title":{"rendered":"Krypto-ETFs nach dem CLARITY-Aus: Zulassung ohne Gesetz"},"content":{"rendered":"<h2 class='wp-block-heading'>Eine Woche, in der nicht die SEC \u00fcber Krypto-ETFs entschied<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Ereignisse in 24 Stunden sagen mehr \u00fcber die Zukunft der Krypto-ETFs aus als jede einzelne Zulassung des vergangenen Jahres. Am Abend des 15. September 2026 scheiterte im US-Senat die entscheidende Verfahrensabstimmung zum CLARITY Act, jenem Gesetz, das die amerikanische Marktstruktur f\u00fcr digitale Verm\u00f6genswerte auf eine gesetzliche Grundlage stellen sollte. Am 16. September, dem Tag, an dem dieser Text erscheint, entscheidet die US-Notenbank Federal Reserve \u00fcber die Zinsen, und die Terminm\u00e4rkte preisen mit \u00fcber 90 Prozent Wahrscheinlichkeit den ersten Zinsschritt nach oben seit 2023 ein.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Beide Ereignisse betreffen keine einzelne Fondsgesellschaft, keinen einzelnen Antrag, keine einzelne Ticker-Zeile. Und doch entscheiden sie mehr \u00fcber das weitere Schicksal des Krypto-ETF-Booms als die Frage, ob als N\u00e4chstes ein Avalanche- oder ein Hedera-Produkt an die B\u00f6rse kommt. Der Markt reagierte prompt: Bitcoin notierte am 16. September bei rund 65.677 Euro (etwa 75.831 US-Dollar), ein Minus von 2,4 Prozent binnen 24 Stunden und gut 39 Prozent unter dem Allzeithoch von 126.080 US-Dollar aus dem Oktober 2025 (<a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin'>CoinGecko<\/a>). Ether fiel um 3,9 Prozent auf rund 2.080 Euro, wobei die Kursseite den R\u00fcckgang ausdr\u00fccklich mit dem Scheitern von CLARITY begr\u00fcndete (<a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/ethereum'>CoinGecko<\/a>). Alle Dollar-Betr\u00e4ge in diesem Text werden zu einem Kurs von rund 1,15 US-Dollar je Euro umgerechnet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Text ordnet ein, was die beiden Ereignisse f\u00fcr die Zulassung von Krypto-ETFs bedeuten, warum das US-Genehmigungssystem trotz seiner scheinbaren Reife auf einem \u00fcberraschend d\u00fcnnen rechtlichen Fundament steht, und was das alles f\u00fcr Anlegerinnen und Anleger in Deutschland \u00e4ndert, f\u00fcr die der ganze US-Fondsmarkt ohnehin verschlossen bleibt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wie aus der Zulassung eine Flie\u00dfbandarbeit wurde<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Um zu verstehen, was diese Woche auf dem Spiel steht, hilft ein Blick zur\u00fcck auf das, was in zw\u00f6lf Monaten passiert ist. Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es her, dass die US-B\u00f6rsenaufsicht SEC am 17. September 2025 generische Zulassungsstandards f\u00fcr sogenannte &bdquo;Commodity-Based Trust Shares&ldquo; beschloss (<a href='https:\/\/www.sec.gov\/newsroom\/press-releases\/2025-121-sec-approves-generic-listing-standards-commodity-based-trust-shares'>SEC<\/a>). Vorher musste jeder einzelne Spot-Krypto-ETF ein eigenes, langwieriges Verfahren nach Regel 19b-4 durchlaufen, das bis zu 240 Tage dauern konnte. Seither gen\u00fcgt es, wenn ein Basiswert eine von drei Bedingungen erf\u00fcllt: Er wird an einem Markt gehandelt, der Mitglied der Intermarket Surveillance Group ist; oder es existiert seit mindestens sechs Monaten ein Futures-Kontrakt an einer CME-regulierten B\u00f6rse; oder es gibt bereits einen ETF mit mindestens 40 Prozent Gewichtung in diesem Wert. Erf\u00fcllt ein Produkt die Standards, verk\u00fcrzt sich die B\u00f6rsenzulassung auf rund 75 Tage.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das klingt technisch, hatte aber eine dramatische Wirkung. Die Genehmigung, jahrelang das gr\u00f6\u00dfte Nadel\u00f6hr der Branche, wurde zur Formsache. Auf den Beschluss folgte binnen Wochen eine Welle: Ende 2025 kamen Spot-ETFs auf XRP, Litecoin und Solana an die B\u00f6rse, 2026 folgten Staking-Produkte und K\u00f6rbe aus mehreren Verm\u00f6genswerten. Schon im Juli 2025 hatte die SEC zudem die Sachausgabe und Sachr\u00fccknahme (in-kind creations and redemptions) f\u00fcr alle Spot-Krypto-ETFs erlaubt, was den Handel f\u00fcr die beteiligten Market Maker effizienter und steuerlich sauberer macht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">James Seyffart, ETF-Analyst bei Bloomberg Intelligence, z\u00e4hlte im Verlauf des Jahres deutlich \u00fcber hundert eingereichte Antr\u00e4ge und beschrieb die Strategie der Emittenten mit dem Bild, sie w\u00fcrfen &bdquo;eine Menge Produkte gegen die Wand&ldquo;, um zu sehen, was h\u00e4ngen bleibe (<a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/383361\/crypto-etfs-2026-regulatory-tailwinds-issuers-brace-crowded-year'>The Block<\/a>). Genau darin liegt der Kern der neuen Lage: Die Zulassung ist kein Sieg mehr, sondern ein H\u00e4kchen auf einer Liste.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Datum<\/th><th>Ereignis<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>19. Oktober 2021<\/td><td>Erster US-Bitcoin-Futures-ETF (ProShares BITO) startet<\/td><\/tr><tr><td>29. August 2023<\/td><td>Berufungsgericht r\u00fcgt die SEC-Ablehnung im Fall Grayscale als willk\u00fcrlich<\/td><\/tr><tr><td>10.\/11. Januar 2024<\/td><td>Elf Spot-Bitcoin-ETFs starten; die SEC betont, sie billige das Produkt nicht<\/td><\/tr><tr><td>23. Juli 2024<\/td><td>Erste Spot-Ether-ETFs handeln<\/td><\/tr><tr><td>29. Juli 2025<\/td><td>SEC erlaubt Sachausgabe und Sachr\u00fccknahme (in-kind)<\/td><\/tr><tr><td>17. September 2025<\/td><td>Generische Zulassungsstandards; Verfahren von 240 auf rund 75 Tage<\/td><\/tr><tr><td>Ende 2025<\/td><td>Spot-ETFs auf XRP, Litecoin und Solana kommen an die B\u00f6rse<\/td><\/tr><tr><td>17. M\u00e4rz 2026<\/td><td>Gemeinsame SEC-CFTC-Auslegung: f\u00fcnf Token-Kategorien<\/td><\/tr><tr><td>15. September 2026<\/td><td>CLARITY scheitert im Senat mit 46 zu 43 Stimmen<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Der fehlende Baustein war immer ein Gesetz<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt einen blinden Fleck in dieser Erfolgsgeschichte, den die Ereignisse dieser Woche schmerzhaft sichtbar machen. Das gesamte Flie\u00dfband ruht nicht auf einem Gesetz, sondern auf Verwaltungsentscheidungen. Die generischen Standards sind ein Beschluss der SEC, kein Bundesgesetz. Die Einordnung, welcher Token eine Ware (commodity) und welcher ein Wertpapier (security) ist, stammt aus einer gemeinsamen Auslegung von SEC und CFTC vom 17. M\u00e4rz 2026, nicht aus dem Kongress (<a href='https:\/\/www.paulweiss.com\/insights\/client-memos\/sec-and-cftc-release-interpretation-on-application-of-federal-securities-laws-to-crypto-assets'>Paul, Weiss<\/a>). Und die Standards selbst gelten ausdr\u00fccklich nur f\u00fcr &bdquo;Commodity-Based Trust Shares&ldquo;, also f\u00fcr Treuhandanteile auf einen Rohstoff, was voraussetzt, dass der Basiswert eben als Ware und nicht als Wertpapier gilt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Konstruktion funktioniert, solange die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden sie st\u00fctzen. Sie ist aber, anders als ein Gesetz, jederzeit durch dieselben Beh\u00f6rden wieder \u00e4nderbar. Ein Beschluss l\u00e4sst sich mit einem neuen Beschluss zur\u00fccknehmen, eine Auslegung durch eine neue Auslegung. Genau hier sollte CLARITY ansetzen: Das Gesetz h\u00e4tte die Zust\u00e4ndigkeitsverteilung zwischen SEC und CFTC und die Definition einer digitalen Ware im Bundesrecht verankert, dauerhaft und unabh\u00e4ngig davon, wer gerade die Beh\u00f6rden f\u00fchrt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dass ausgerechnet eine SEC-Kommissarin fr\u00fch vor der Fragilit\u00e4t warnte, verleiht dem Punkt Gewicht. Caroline Crenshaw stimmte im September 2025 gegen die generischen Standards und \u00fcberschrieb ihr Sondervotum mit den Worten, die SEC schiebe beim Pr\u00fcfen von Krypto-ETP-Antr\u00e4gen &bdquo;den Schwarzen Peter weiter&ldquo; (im Original &bdquo;Passing the Buck&ldquo;), weil sie die Pr\u00fcfung faktisch an die B\u00f6rsen auslagere (<a href='https:\/\/www.sec.gov\/newsroom\/speeches-statements\/crenshaw-statement-commodity-based-etps-091725'>SEC<\/a>). Was aus Sicht der Branche Tempo bedeutet, bedeutet aus ihrer Sicht eine L\u00fccke im Anlegerschutz.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was am 15. September im Senat geschah<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der CLARITY Act, offiziell Digital Asset Market Clarity Act (H.R. 3633), hatte das Repr\u00e4sentantenhaus im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen passiert. Im Senat aber brauchte die Vorlage 60 Stimmen, um die Debatte \u00fcberhaupt zu er\u00f6ffnen. Die Republikaner halten 53 Sitze, sie waren also auf mindestens sieben Stimmen aus dem demokratischen Lager angewiesen (<a href='https:\/\/www.theblock.co\/news\/regulation\/2026-08-08-majority-leader-thune-files-cloture-on-clarity-act-setting-up-sept-15-senate-vote-411211'>The Block<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Am 15. September um 14:15 Uhr Washingtoner Zeit fiel die Entscheidung, und sie fiel negativ aus. Die Verfahrensabstimmung scheiterte mit 46 zu 43 Stimmen, weit unter der n\u00f6tigen Schwelle (<a href='https:\/\/coingape.com\/clarity-act-live-updates-today-sept-15-crypto-bill-senate-cloture-vote\/'>CoinGape<\/a>). Bemerkenswert war nicht nur das Ergebnis, sondern wer dagegen stimmte: Mehrere Demokraten, die monatelang selbst am Text mitverhandelt hatten, darunter Kirsten Gillibrand, Mark Warner, Cory Booker, Raphael Warnock und Ruben Gallego, votierten am Ende mit Nein. Die Journalistin Eleanor Terrett fasste zusammen, dass mehrere Demokraten, die monatelang am Clarity Act verhandelt h\u00e4tten, am Ende alle mit Nein gestimmt h\u00e4tten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die republikanische Senatorin Cynthia Lummis, seit Jahren eine der treibenden Kr\u00e4fte, erkl\u00e4rte danach n\u00fcchtern: &bdquo;Ich glaube, wir sind fertig. Es ist vorbei. Wir arbeiten seit \u00fcber einem Jahr an diesem Gesetz, und wir haben ihnen \u00fcber 120 ihrer Forderungen erf\u00fcllt&ldquo; (<a href='https:\/\/coingape.com\/clarity-act-live-updates-today-sept-15-crypto-bill-senate-cloture-vote\/'>CoinGape<\/a>). Der Streitpunkt, an dem es zuletzt hakte, war nicht die Kryptotechnik, sondern die Ethik: Demokraten verlangten strengere Regeln gegen die Bereicherung von Amtstr\u00e4gern und deren Angeh\u00f6rigen an Krypto-Gesch\u00e4ften, samt einer Pflicht zur Ver\u00e4u\u00dferung gro\u00dfer Best\u00e4nde binnen 180 Tagen (<a href='https:\/\/crypto.news\/clarity-act-september-15-vote-cloture-crypto-regulation\/'>crypto.news<\/a>). Wettm\u00e4rkte taxierten die Chance auf eine Verabschiedung vor 2027 danach auf rund 20 Prozent; angesichts der n\u00e4her r\u00fcckenden Zwischenwahlen (midterms) gilt eine Wiederaufnahme vor 2029 als unwahrscheinlich.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum das f\u00fcr die ETF-Pipeline z\u00e4hlt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Auf den ersten Blick \u00e4ndert das Scheitern nichts: Die SEC genehmigt weiter, die B\u00f6rsen listen weiter, IBIT und Co. handeln weiter. Genau das ist der Punkt. Der ETF-Markt l\u00e4uft heute vollst\u00e4ndig auf Verwaltungsrecht, und CLARITY war der einzige realistische Weg, dieses Fundament in Gesetzesbeton zu gie\u00dfen. Mit dem Nein des Senats bleibt der gesamte Bau auf Auslegungen gebaut, die eine k\u00fcnftige F\u00fchrung von SEC oder CFTC wieder einrei\u00dfen k\u00f6nnte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Am deutlichsten trifft das die Altcoin-Produkte. Ein Spot-Bitcoin-ETF ist politisch kaum noch angreifbar, Bitcoin als Ware einzustufen ist Konsens. Bei kleineren Token dagegen h\u00e4ngt die Zulassung an der Pr\u00e4misse, dass sie Waren und keine Wertpapiere sind, und diese Pr\u00e4misse ist eben nur eine beh\u00f6rdliche Auslegung. F\u00e4llt sie, fehlt den betreffenden ETFs die Eintrittskarte in die generischen Standards, denn die gelten nur f\u00fcr Warentreuh\u00e4nder. Ein ETF ist am Ende nur so solide wie der Basiswert und der rechtliche Rahmen, in dem er gehalten wird; wer \u00fcber die Robustheit eines Produkts nachdenkt, denkt zwangsl\u00e4ufig auch \u00fcber die <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mining-pools-51-prozent-angriff-bitcoin-2026\/'>Sicherheit des zugrunde liegenden Netzwerks<\/a> nach.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Hinzu kommt: Ein Teil der Rechtssicherheit rund um XRP und \u00e4hnliche Token stammt nicht einmal von den Beh\u00f6rden, sondern aus einem einzelnen Gerichtsurteil. Und Urteile sind kein Ersatz f\u00fcr ein Gesetz, wie der n\u00e4chste Abschnitt zeigt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Ware oder Wertpapier, die Linie, die niemand ins Gesetz schrieb<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Frage, ob ein Krypto-Token eine Ware oder ein Wertpapier ist, ist die wichtigste des ganzen Themas, denn von ihr h\u00e4ngt ab, welche Beh\u00f6rde zust\u00e4ndig ist, welcher Zulassungsweg offensteht und ob ein ETF \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist. Beantwortet wird sie derzeit aus drei Quellen, von denen keine ein Gesetz ist.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die erste ist die gemeinsame Auslegung von SEC und CFTC vom 17. M\u00e4rz 2026. Sie teilt Krypto-Verm\u00f6genswerte in f\u00fcnf Kategorien: digitale Waren, digitale Sammlerst\u00fccke, digitale Werkzeuge, Stablecoins und digitale Wertpapiere. Die ersten vier gelten grunds\u00e4tzlich nicht als Wertpapiere, k\u00f6nnen aber im Rahmen eines Anlagevertrags verkauft werden, der selbst ein Wertpapier ist. Aktivit\u00e4ten wie Staking, Mining, Wrapping und Airdrops stufte die Auslegung ausdr\u00fccklich als keine Wertpapiergesch\u00e4fte ein, und sie listete 18 Token, die zum Stichtag als digitale Waren gelten, darunter Bitcoin, Ether, Solana und XRP (<a href='https:\/\/www.paulweiss.com\/insights\/client-memos\/sec-and-cftc-release-interpretation-on-application-of-federal-securities-laws-to-crypto-assets'>Paul, Weiss<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite Quelle ist ein Gericht. Im Verfahren SEC gegen Ripple entschied Richterin Analisa Torres am 13. Juli 2023, dass der Token XRP f\u00fcr sich genommen kein Wertpapier sei; der programmatische Verkauf \u00fcber B\u00f6rsen an Privatanleger sei kein Wertpapiergesch\u00e4ft, wohl aber der Verkauf an institutionelle Investoren (<a href='https:\/\/www.hklaw.com\/en\/insights\/publications\/2023\/07\/sec-v-ripple-when-a-security-is-not-a-security'>Holland &amp; Knight<\/a>). Dieses Urteil, so wegweisend es war, betrifft einen Einzelfall und bindet andere Gerichte nur begrenzt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die dritte Quelle w\u00e4re ein Gesetz gewesen, das die Linie im Bundesrecht festschreibt. Sie fiel am 15. September aus. Damit bleibt die zentrale Weichenstellung des gesamten Krypto-ETF-Systems etwas, das eine Beh\u00f6rde per Federstrich oder ein Berufungsgericht per Urteil verschieben kann. Wer wissen will, wie schwierig solche Einordnungen im Detail sind, findet in der Frage, <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mica-nfts-gaming-token-2026-einordnung-bafin\/'>wann Gaming-Token unter die MiCA-Regeln fallen<\/a>, das europ\u00e4ische Gegenst\u00fcck zur selben Debatte.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Fed dr\u00fcckt von der anderen Seite<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend in Washington \u00fcber die Rechtsgrundlage gestritten wird, wirkt aus einer ganz anderen Richtung Druck auf den ETF-Markt: die Geldpolitik. Am 16. September entscheidet die Fed, und die Terminm\u00e4rkte preisen mit rund 92 bis 93 Prozent einen Zinsschritt um 25 Basispunkte auf ein Zielband von 3,75 bis 4,00 Prozent ein (<a href='https:\/\/finance.yahoo.com\/economy\/policy\/live\/federal-reserve-meeting-live-updates-chairman-kevin-warsh-143452661.html'>Yahoo Finance<\/a>). Es w\u00e4re die erste Anhebung seit Juli 2023 und damit eine Z\u00e4sur.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Ausl\u00f6ser war Fed-Chef Kevin Warsh, der beim Notenbank-Symposium in Jackson Hole am 28. August die Inflation zur Priorit\u00e4t erkl\u00e4rte und knapp bemerkte, man habe Arbeit vor sich. Zuvor lag die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr unver\u00e4nderte Zinsen bei fast 70 Prozent, danach kippte die Erwartung. Die US-Verbraucherpreise stiegen im August um 0,4 Prozent gegen\u00fcber dem Vormonat, die Jahresrate verharrte bei 3,4 Prozent, deutlich \u00fcber dem Zwei-Prozent-Ziel (<a href='https:\/\/www.chase.com\/personal\/investments\/learning-and-insights\/article\/september-2026-rate-hike-now-expected-amid-energy-shocks'>Chase<\/a>). Nicht alle halten den Schritt f\u00fcr klug: Der Moody&#8217;s-\u00d6konom Mark Zandi nannte eine Anhebung angesichts angebotsseitig getriebener Inflation einen &bdquo;ernsten politischen Fehler&ldquo; (<a href='https:\/\/finance.yahoo.com\/economy\/policy\/live\/federal-reserve-meeting-live-updates-chairman-kevin-warsh-143452661.html'>Yahoo Finance<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Krypto-ETFs z\u00e4hlt der Mechanismus dahinter. H\u00f6here Zinsen bedeuten h\u00f6here Renditen auf risikolose Anlagen, einen tendenziell st\u00e4rkeren Dollar und teureres Kapital. Alle drei Kan\u00e4le entziehen spekulativeren Anlageklassen Liquidit\u00e4t, und Krypto ist die spekulativste von allen. Genau deshalb reagierten Bitcoin und Ether diese Woche empfindlich auf die Kombination aus regulatorischer Entt\u00e4uschung und geldpolitischem Gegenwind. Wer den Effekt auf die Produzentenseite verstehen will, findet in unserer Analyse dazu, <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/hashprice-fed-zinsentscheidung-miner-2026\/'>was die Fed-Zinsentscheidung f\u00fcr Bitcoins Miner bedeutet<\/a>, die andere H\u00e4lfte derselben Rechnung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist nicht nur der Schritt selbst, sondern die Projektionen. Der Zinspfad, den die Notenbanker im Punktdiagramm (dot plot) skizzieren, sagt mehr \u00fcber die kommenden Monate aus als die Anhebung an diesem einen Tag.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Fl\u00fcsse erz\u00e4hlen ihre eigene Geschichte<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie fragil die Stimmung ist, zeigen die Mittelfl\u00fcsse. Am 3. September nahmen die US-Spot-Bitcoin-ETFs an einem einzigen Tag 731 Millionen US-Dollar auf, der st\u00e4rkste Wert seit dem 14. Januar; nur wenige Tage sp\u00e4ter gaben sie \u00fcber drei Handelssitzungen fast 450 Millionen wieder ab. Am 8. September flossen erneut rund 47 Millionen aus den Bitcoin-Produkten ab (<a href='https:\/\/thecryptobasic.com\/2026\/09\/09\/xrp-etfs-become-only-crypto-funds-attracting-inflows-as-btc-eth-and-sol-bleed\/'>The Crypto Basic<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert ist der Kontrast zu den XRP-ETFs, die in derselben Phase als einzige Krypto-Spot-Fonds Zufl\u00fcsse verbuchten und in 20 Handelstagen nur einen einzigen negativen Tag verzeichneten. Sieben XRP-Spot-ETFs kamen Mitte September zusammen auf rund zwei Milliarden US-Dollar Verm\u00f6gen. Diese Divergenz ist ein fr\u00fcher Hinweis darauf, dass Krypto-ETF-Nachfrage kein Block mehr ist, sondern in Produkte mit sehr unterschiedlichen Anlegergruppen zerf\u00e4llt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">An der Gr\u00f6\u00dfenordnung des Gesamtmarkts \u00e4ndert das wenig. Zum 15. September hielten die US-Spot-Bitcoin-ETFs zusammen rund 1,27 Millionen Bitcoin im Wert von knapp 96 Milliarden US-Dollar, gut sechs Prozent des jemals existierenden Angebots (<a href='https:\/\/bitbo.io\/treasuries\/us-etfs\/'>bitbo<\/a>). Doch die Verteilung dieser Summe ist alles andere als gleichm\u00e4\u00dfig, wie der n\u00e4chste Abschnitt zeigt.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Fonds<\/th><th>Verm\u00f6gen (Mrd. USD)<\/th><th>Bitcoin<\/th><th>Geb\u00fchr<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>IBIT (BlackRock)<\/td><td>59,7<\/td><td>786.654<\/td><td>0,25 %<\/td><\/tr><tr><td>FBTC (Fidelity)<\/td><td>13,3<\/td><td>175.861<\/td><td>0,25 %<\/td><\/tr><tr><td>GBTC (Grayscale)<\/td><td>9,7<\/td><td>128.131<\/td><td>1,50 %<\/td><\/tr><tr><td>Grayscale Mini (BTC)<\/td><td>4,8<\/td><td>62.875<\/td><td>0,15 %<\/td><\/tr><tr><td>BITB (Bitwise)<\/td><td>2,9<\/td><td>38.192<\/td><td>0,20 %<\/td><\/tr><tr><td>ARKB (ARK \/ 21Shares)<\/td><td>2,4<\/td><td>32.095<\/td><td>0,21 %<\/td><\/tr><tr><td>Gesamtmarkt<\/td><td>95,9<\/td><td>1.265.058<\/td><td>verschieden<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption>Stand 15. September 2026. Quelle: bitbo.<\/figcaption><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Ein Fonds, der gr\u00f6\u00dfer ist als die n\u00e4chsten f\u00fcnf zusammen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Krypto-ETF-Markt ist kein Wettbewerb unter Gleichen, sondern eine Pyramide mit einer sehr breiten Spitze. BlackRocks iShares Bitcoin Trust (IBIT) hielt Mitte September rund 786.654 Bitcoin, mehr als die n\u00e4chsten f\u00fcnf Fonds zusammen (rund 437.000). Das entspricht etwa 62 Prozent des gesamten Verm\u00f6gens der Kategorie (<a href='https:\/\/bitbo.io\/treasuries\/us-etfs\/'>bitbo<\/a>). Fidelitys FBTC und der aus einem alten Trust hervorgegangene Grayscale Bitcoin Trust (GBTC) folgen mit deutlichem Abstand.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Konzentration hat eine Kehrseite, die selten diskutiert wird. Wenn ein einzelnes Produkt den L\u00f6wenanteil der b\u00f6rsennotierten Bitcoin-Best\u00e4nde h\u00e4lt, h\u00e4ngen Liquidit\u00e4t, Preisbildung und Verwahrung \u00fcberproportional an einem Anbieter und dessen Dienstleistern. Das ist kein akutes Risiko, aber ein struktureller Umstand, der in einem rein verwaltungsrechtlich getragenen System st\u00e4rker wiegt als in einem gesetzlich abgesicherten. Die Frage, was einen Fonds im Kern ausmacht und wie viel Vertrauen in seine Struktur gerechtfertigt ist, hat die Branche zuletzt an ganz anderer Stelle besch\u00e4ftigt, etwa bei der Frage, <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/ai16z-trades-daos-fun-fonds-frage-2026\/'>ob ein bekannter KI-Fonds je ein echter Fonds war<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geb\u00fchren spiegeln die Machtverh\u00e4ltnisse: Grayscales Mini-Produkt kostet 0,15 Prozent, BITB 0,20, ARKB 0,21, IBIT und FBTC je 0,25, w\u00e4hrend der alte GBTC mit 1,50 Prozent ein Vielfaches verlangt. Dass IBIT trotz nicht einmal niedrigster Geb\u00fchr dominiert, zeigt, dass im ETF-Gesch\u00e4ft Marke, Vertrieb und Optionsliquidit\u00e4t mehr z\u00e4hlen als der letzte Basispunkt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>F\u00fcr deutsche Anleger \u00e4ndert sich (fast) nichts<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Nun die vielleicht wichtigste Einordnung f\u00fcr das deutschsprachige Publikum: Der ganze eben beschriebene US-Markt ist f\u00fcr Privatanlegerinnen und Privatanleger in Deutschland gar nicht zug\u00e4nglich. IBIT, FBTC oder die ETH-Produkte von BlackRock d\u00fcrfen an EU-Kleinanleger nicht vertrieben werden. Der Grund ist kein Verbot von Krypto, sondern die europ\u00e4ische Fondsregulierung: Die OGAW-Richtlinie (auf Englisch UCITS) verlangt f\u00fcr zugelassene Publikumsfonds eine Mindeststreuung. Ein Fonds, der nur einen einzigen Verm\u00f6genswert h\u00e4lt, etwa ausschlie\u00dflich Bitcoin, erf\u00fcllt diese Diversifikationsregel nicht und kann in der EU nicht als solcher Fonds zugelassen werden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Europ\u00e4ische Anleger greifen deshalb zu einer anderen H\u00fclle: den ETPs, genauer den b\u00f6rsengehandelten Schuldverschreibungen (ETNs beziehungsweise ETCs). Rechtlich sind das keine Fondsanteile, sondern Inhaberschuldverschreibungen. Sie fallen nicht unter OGAW, d\u00fcrfen daher einen einzigen Wert abbilden, sind in der Regel physisch mit dem Basiswert bei einem Verwahrer hinterlegt, tragen aber ein Emittenten- und Kontrahentenrisiko, weil hinter ihnen kein Sonderverm\u00f6gen steht. Sie werden \u00fcber Xetra oder die Schweizer SIX gehandelt und sind \u00fcber jedes g\u00e4ngige Wertpapierdepot erreichbar. F\u00fchrende, in Europa ans\u00e4ssige Anbieter sind CoinShares (dessen Physical Bitcoin das gr\u00f6\u00dfte physische Bitcoin-ETP Europas ist), 21Shares, WisdomTree, Bitwise und Valour.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der praktische Unterschied ist also weniger eine Frage des Zugangs zu Bitcoin als eine Frage der Verpackung, der rechtlichen Absicherung und der Steuer. Die folgende Tabelle stellt die drei Wege gegen\u00fcber.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Merkmal<\/th><th>US-Spot-ETF<\/th><th>EU-ETP \/ ETN<\/th><th>Direktkauf<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>F\u00fcr Privatanleger in DE verf\u00fcgbar<\/td><td>Nein<\/td><td>Ja (\u00fcber Xetra \/ SIX)<\/td><td>Ja<\/td><\/tr><tr><td>Rechtsform<\/td><td>Fonds (Treuhand)<\/td><td>Inhaberschuldverschreibung<\/td><td>Eigenbesitz der Coins<\/td><\/tr><tr><td>Nur ein Einzelwert m\u00f6glich<\/td><td>Ja (US-Recht)<\/td><td>Ja (keine OGAW-Pflicht)<\/td><td>Ja<\/td><\/tr><tr><td>Emittenten- und Kontrahentenrisiko<\/td><td>gering<\/td><td>vorhanden<\/td><td>keines (aber Verwahrrisiko selbst)<\/td><\/tr><tr><td>Gesetzliche Einlagensicherung<\/td><td>Nein<\/td><td>Nein<\/td><td>Nein<\/td><\/tr><tr><td>Steuer bei Haltedauer \u00fcber 1 Jahr<\/td><td>entf\u00e4llt<\/td><td>grunds\u00e4tzlich Abgeltungsteuer<\/td><td>steuerfrei (Paragraf 23 EStG)<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>BaFin, MiCA und die Frage der Verwahrung<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland liegt die Aufsicht \u00fcber den Krypto-Markt bei der Bundesanstalt f\u00fcr Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), eingebettet in die EU-Verordnung MiCA (Markets in Crypto-Assets). MiCA reguliert die Dienstleister und Emittenten, nicht das Protokoll selbst; ein Merkblatt der BaFin vom 3. Januar 2025 fasst zusammen, welche Krypto-Dienstleistungen unter die Erlaubnispflicht fallen (<a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>BaFin<\/a>). Deutschland ging dabei einen Sonderweg: Statt der EU-weiten \u00dcbergangsfrist bis zum 1. Juli 2026 nutzte es eine verk\u00fcrzte Frist, die bereits am 31. Dezember 2025 endete. Wer hierzulande Krypto-Verwahrung oder -Handel anbietet, braucht seither eine MiCA-Erlaubnis, und die BaFin-Liste der zugelassenen Anbieter ist auff\u00e4llig bankenlastig.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr ETN-Anleger ist der wichtigste Punkt der Anlegerschutz. Anders als ein Bankguthaben sind weder ein Krypto-ETN noch direkt verwahrte Kryptowerte durch die gesetzliche Einlagensicherung gesch\u00fctzt. Bei einem physisch besicherten ETN kommt es im Insolvenzfall des Emittenten darauf an, ob die hinterlegten Coins rechtlich getrennt gehalten werden und ausgesondert werden k\u00f6nnen. Genau deshalb ist die Bonit\u00e4t und die Verwahrstruktur des Emittenten kein Nebenaspekt, sondern das eigentliche Risiko, das die b\u00f6rsengehandelte H\u00fclle vom Direktbesitz unterscheidet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Damit ist der zweite gro\u00dfe Unterschied benannt, der in Deutschland oft den Ausschlag gibt: die Steuer.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der deutsche Steuer-Dreh: warum Direktbesitz oft g\u00fcnstiger ist<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier dreht sich die Logik, die in anderen EU-L\u00e4ndern gilt, ins Gegenteil. In Deutschland fallen direkt gehaltene Kryptowerte unter die privaten Ver\u00e4u\u00dferungsgesch\u00e4fte nach Paragraf 23 Einkommensteuergesetz. Wer Bitcoin oder Ether l\u00e4nger als ein Jahr h\u00e4lt und dann verkauft, zahlt auf den Gewinn keine Steuer; die Spekulationsfrist macht den langfristigen Direktbesitz steuerfrei. Diese Regel gilt f\u00fcr die unmittelbar gehaltene Kryptow\u00e4hrung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein b\u00f6rsengehandelter ETN ist steuerlich ein anderes Tier. Als Wertpapier unterliegt er grunds\u00e4tzlich der Abgeltungsteuer auf Kapitalertr\u00e4ge, unabh\u00e4ngig von der Haltedauer, sofern nicht die besonderen Voraussetzungen f\u00fcr eine Gleichstellung mit dem Direktbesitz erf\u00fcllt sind, die in der Praxis strittig und produktabh\u00e4ngig sind. F\u00fcr einen langfristig orientierten deutschen Anleger kann der Direktbesitz nach Ablauf der Jahresfrist daher steuerlich deutlich g\u00fcnstiger sein als der Umweg \u00fcber ein ETP, das den Komfort eines Wertpapierdepots bietet, aber eben nicht die Steuerfreiheit nach zw\u00f6lf Monaten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist bemerkenswert, weil es die h\u00e4ufige Annahme umkehrt, die regulierte B\u00f6rsenh\u00fclle sei immer die \u00fcberlegene Wahl. In Italien etwa ist das Gegenteil der Fall: Dort gilt ein ETP als regul\u00e4res Finanzinstrument und wird milder besteuert als der direkte Kryptobesitz, der einem h\u00f6heren, kryptospezifischen Satz unterliegt. In Deutschland f\u00fchrt die Spekulationsfrist zur umgekehrten Rangfolge. Wer eine Entscheidung trifft, sollte den eigenen Anlagehorizont, das Emittentenrisiko und die pers\u00f6nliche Steuersituation gegeneinander abw\u00e4gen, idealerweise mit fachlichem Rat, denn dieser Text ersetzt keine Steuerberatung.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was Fachleute aus dieser Woche lesen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Drei Stimmen fassen die Lage zusammen. Die erste ist die schon zitierte SEC-Kommissarin Caroline Crenshaw, deren Warnung von 2025, die Beh\u00f6rde schiebe &bdquo;den Schwarzen Peter weiter&ldquo;, durch das Scheitern von CLARITY an Sch\u00e4rfe gewinnt: Ein System, das den Anlegerschutz an B\u00f6rsen delegiert und dessen rechtliche Grundlage der Gesetzgeber gerade nicht festschreiben wollte, steht auf zwei wackligen Beinen statt auf einem festen Fundament (<a href='https:\/\/www.sec.gov\/newsroom\/speeches-statements\/crenshaw-statement-commodity-based-etps-091725'>SEC<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die zweite ist Cynthia Lummis, deren &bdquo;Es ist vorbei&ldquo; nicht nur den Frust einer Senatorin ausdr\u00fcckt, sondern eine realistische Prognose: Vor den Zwischenwahlen wird kein zweiter Anlauf gelingen, und die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse danach sind offen. F\u00fcr die Branche hei\u00dft das, sich auf Jahre ohne gesetzliche Marktstruktur einzustellen (<a href='https:\/\/coingape.com\/clarity-act-live-updates-today-sept-15-crypto-bill-senate-cloture-vote\/'>CoinGape<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die dritte ist James Seyffart von Bloomberg Intelligence, dessen Bild vom Werfen der Produkte gegen die Wand eine zweite Bedeutung bekommt. Er rechnet damit, dass viele der \u00fcber hundert eingereichten Fonds nie genug Verm\u00f6gen einsammeln und dass eine Bereinigungswelle Ende 2026 einsetzt und sich bis 2027 zieht (<a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/383361\/crypto-etfs-2026-regulatory-tailwinds-issuers-brace-crowded-year'>The Block<\/a>). Ohne Gesetz im R\u00fccken und mit der Fed als Gegenwind wird diese Auslese h\u00e4rter ausfallen, als es die Euphorie des vergangenen Jahres vermuten lie\u00df. Die genaue Gr\u00f6\u00dfe des Bitcoin-Netzwerks, das all diese Produkte abbilden, l\u00e4sst sich im \u00dcbrigen nicht einmal exakt messen, wie unsere Analyse zeigt, <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/hashrate-2026-schaetzung-statt-messung\/'>warum bei der Hashrate niemand die echte Zahl kennt<\/a>.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was als N\u00e4chstes kommt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Kurzfristig \u00e4ndert sich an der Mechanik wenig: Die SEC genehmigt weiter nach den generischen Standards, die Pipeline mit Produkten auf Hedera, Avalanche oder Multi-Asset-K\u00f6rbe l\u00e4uft, und die n\u00e4chsten Antr\u00e4ge werden im Zweifel durchgewinkt, solange der Basiswert als Ware gilt. Ver\u00e4ndert hat sich das Fundament, nicht der Betrieb.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Mittelfristig verschiebt das Scheitern von CLARITY die Machtfrage zur\u00fcck zu den Beh\u00f6rden und Gerichten. Solange SEC und CFTC ihre Auslegung von 2026 aufrechterhalten, bleibt alles beim Alten. \u00c4ndert sich die F\u00fchrung oder die politische Gro\u00dfwetterlage, kann dieselbe Auslegung fallen, und mit ihr die rechtliche Basis f\u00fcr einen Teil der Altcoin-ETFs. Diese Reversibilit\u00e4t ist der eigentliche Preis eines Systems ohne Gesetz.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Deutschland bleibt der Rahmen stabiler, weil er auf einer Verordnung beruht: MiCA gilt, die BaFin beaufsichtigt, ETNs bleiben der Weg \u00fcber die B\u00f6rse, und der Direktbesitz beh\u00e4lt seinen Steuervorteil nach einem Jahr. Die laufende europ\u00e4ische \u00dcberpr\u00fcfung von MiCA und das Projekt eines digitalen Euro werden die kommenden Monate pr\u00e4gen, doch keines davon hebt die grundlegende Trennung auf: In den USA entscheidet eine Auslegung, in Europa eine Verordnung. Wer diese Woche verstanden hat, versteht auch, warum das kein technisches Detail ist, sondern der Kern der ganzen Geschichte.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Kann ich als Anleger in Deutschland einen US-Spot-Bitcoin-ETF wie IBIT kaufen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. US-Spot-Krypto-ETFs d\u00fcrfen nicht an EU-Kleinanleger vertrieben werden, weil sie die europ\u00e4ische OGAW-Fondsregel zur Mindeststreuung nicht erf\u00fcllen und keine PRIIPs-Basisinformationen f\u00fcr den EU-Markt bereitstellen. Deutsche Anleger nutzen stattdessen b\u00f6rsengehandelte Krypto-ETPs (ETNs) von Anbietern wie CoinShares, 21Shares, WisdomTree oder Bitwise, die \u00fcber Xetra handelbar sind.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was bedeutet das Scheitern des CLARITY Act f\u00fcr Krypto-ETFs?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Kurzfristig \u00e4ndert sich am laufenden Betrieb nichts: Die SEC genehmigt weiter nach ihren generischen Zulassungsstandards. Langfristig bleibt die gesamte Zulassung jedoch auf einer beh\u00f6rdlichen Auslegung statt auf einem Gesetz gegr\u00fcndet. Eine k\u00fcnftige F\u00fchrung von SEC oder CFTC k\u00f6nnte die Einordnung, welche Token Waren und welche Wertpapiere sind, wieder \u00e4ndern, was besonders Altcoin-ETFs treffen w\u00fcrde.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum ist der Unterschied zwischen Ware und Wertpapier so wichtig?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Die generischen Zulassungsstandards der SEC gelten nur f\u00fcr Treuhandanteile auf Waren. Nur wenn ein Token als Ware (commodity) eingestuft ist, steht ihm der schnelle Zulassungsweg offen und ist die CFTC statt der SEC zust\u00e4ndig. Gilt er als Wertpapier, greift das strengere Wertpapierrecht. Diese Linie ist derzeit nur durch eine SEC-CFTC-Auslegung und ein Gerichtsurteil gezogen, nicht durch ein Gesetz.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Sind Krypto-ETNs in Deutschland durch die Einlagensicherung gesch\u00fctzt?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Weder direkt gehaltene Kryptowerte noch Krypto-ETNs fallen unter die gesetzliche Einlagensicherung. Bei einem physisch besicherten ETN h\u00e4ngt der Schutz im Insolvenzfall des Emittenten davon ab, ob die hinterlegten Coins getrennt gehalten und ausgesondert werden k\u00f6nnen. Dieses Emittenten- und Verwahrrisiko ist der zentrale Unterschied zum direkten Selbstbesitz.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Ist ein ETN oder der Direktkauf von Bitcoin in Deutschland steuerlich g\u00fcnstiger?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr langfristige Anleger ist oft der Direktkauf g\u00fcnstiger. Direkt gehaltene Kryptowerte sind nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr gem\u00e4\u00df Paragraf 23 Einkommensteuergesetz steuerfrei. Ein ETN unterliegt als Wertpapier grunds\u00e4tzlich der Abgeltungsteuer, unabh\u00e4ngig von der Haltedauer. Das kehrt die in manchen anderen EU-L\u00e4ndern \u00fcbliche Rangfolge um. 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