{"id":602,"date":"2026-09-21T22:30:47","date_gmt":"2026-09-21T22:30:47","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/marathon-vs-riot-zins-neuer-hashprice-2026\/"},"modified":"2026-09-21T22:30:47","modified_gmt":"2026-09-21T22:30:47","slug":"marathon-vs-riot-zins-neuer-hashprice-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/marathon-vs-riot-zins-neuer-hashprice-2026\/","title":{"rendered":"Marathon vs. Riot: der Zins ist der neue Hashprice"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 16. September 2026 hob die US-Notenbank ihren Leitzins zum ersten Mal seit 2023 an, auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent, und die Rendite zehnj\u00e4hriger US-Staatsanleihen kletterte in der Folge auf rund 5 Prozent, den h\u00f6chsten Stand seit 2007. F\u00fcnf Tage sp\u00e4ter, am 21. September, stand Bitcoin bei rund 74.800 Euro (etwa 85.800 US-Dollar), ein Tagesplus von rund 10 Prozent. Zwei Kurse, die sich eigentlich widersprechen sollten, und mittendrin die beiden gr\u00f6\u00dften b\u00f6rsennotierten Bitcoin-Miner der USA: Marathon und Riot.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber weite Strecken ihrer Geschichte bewegten sich Marathon Digital, heute MARA Holdings, und Riot Platforms wie gehebelte Bitcoin-Zertifikate: steigt der Coin, steigen die Aktien, f\u00e4llt er, fallen sie. Seit dem zweiten Quartal 2026 gilt dieser Reflex nicht mehr verl\u00e4sslich. Die entscheidende Gr\u00f6\u00dfe ist nicht mehr allein der Bitcoin-Kurs, sondern die Kapitalkosten. Wer die beiden Miner heute verstehen will, muss aufh\u00f6ren, sie als Coin-Wetten zu lesen, und anfangen, sie als kapitalintensive Infrastruktur-Entwickler zu bewerten. Kurz gesagt: der Zins ist der neue Hashprice.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Zinsschritt vom 16. September und das Paradox<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Entscheidung fiel einstimmig, mit 12 zu 0 Stimmen, und sie war der erste Zinsschritt nach oben seit Juli 2023. Unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh signalisierte der Offenmarktausschuss zudem einen restriktiven Kurs: 16 von 18 Mitgliedern erwarten laut Projektionen noch in diesem Jahr einen weiteren Schritt, und Warsh betonte die anhaltenden Inflationsrisiken. Der Anleihemarkt reagierte prompt, die zehnj\u00e4hrige Rendite sprang <a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/09\/16\/treasury-yield-bond-market-fed-decision.html'>zur\u00fcck auf die Marke von 5 Prozent<\/a>, ein Niveau, das zuletzt vor der Finanzkrise galt. Die Details des Beschlusses lieferte die <a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/09\/16\/fed-rate-decision-september-2026.html'>Fed-Mitteilung selbst<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Und Bitcoin? Der legte trotzdem zu. Am 21. September notierte der Coin laut <a href='https:\/\/fortune.com\/article\/price-of-bitcoin-09-21-2026\/'>Fortune<\/a> bei 85.818,92 US-Dollar, rund 10 Prozent h\u00f6her als am Vortag, bei einer Marktkapitalisierung von etwa 1,33 Billionen US-Dollar. Damit liegt Bitcoin immer noch rund 32 Prozent unter seinem Allzeithoch von etwa 126.200 US-Dollar aus dem Oktober 2025, aber die Richtung nach dem Zinsschritt zeigte klar nach oben. Warum der Kurs die straffere Geldpolitik so gelassen wegsteckte, haben wir an anderer Stelle im Detail <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/bitcoin-fed-zinsschritt-verdaut-kurs-steigt-2026\/'>anhand der Markttreiber aufgeschl\u00fcsselt<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Miner aber l\u00e4uft die Geschichte genau andersherum. Ihr Aktienkurs h\u00e4ngt l\u00e4ngst nicht mehr nur am Coin, sondern an abgezinsten k\u00fcnftigen Cashflows aus dem Ausbau von KI- und Hochleistungsrechenzentren. Steigt der Zins, steigt der Abzinsungssatz, und der Barwert dieser k\u00fcnftigen Ertr\u00e4ge sinkt. Genau deshalb k\u00f6nnen Bitcoin und die Miner-Aktien inzwischen auseinanderlaufen. Die Kapitalkosten sind zur beherrschenden Variable geworden.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Zwei Miner, ein Startpunkt, zwei Gesch\u00e4ftsmodelle<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Vor einem Jahr waren sich die beiden Unternehmen zum Verwechseln \u00e4hnlich: Regale voller ASIC-Rechner, g\u00fcnstiger Strom aus Texas oder Ohio, ein prall gef\u00fcllter Bitcoin-Bestand in der Bilanz und die gleiche Bilanzierungsmethode, die jede Kursbewegung des Coins direkt durch die Gewinn- und Verlustrechnung laufen l\u00e4sst. Beide hatten dieselbe strategische Antwort auf die Margenklemme im Mining gefunden: den Pivot zu KI und Rechenzentren, wo eine Megawattstunde Strom mehr einbringt als beim Sch\u00fcrfen von Bitcoin.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das zweite Quartal 2026 hat die beiden dann getrennt. Riot landete den Ankermieter, den Marathon seit Monaten sucht, und verwandelte sich damit vom Miner in einen Rechenzentrums-Vermieter mit vertraglich gesicherten, langfristigen Einnahmen. Marathon dagegen baut weiter eigene Kraftwerkskapazit\u00e4t auf, ohne bislang einen Gro\u00dfmieter im gleichen Ma\u00dfstab vorweisen zu k\u00f6nnen. Die beiden Modelle stehen heute geradezu lehrbuchhaft gegeneinander: Marathon, der vertikal integrierte Eigent\u00fcmer und Betreiber mit gro\u00dfem Bitcoin-Schatz, und Riot, der kapitalleichte Entwickler und Vermieter mit bewusst schlanker Coin-Position. Was diese Divergenz f\u00fcr die Bewertung bedeutet, hat sich mit dem Zinsschritt noch einmal versch\u00e4rft.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Kapitalkosten sind der neue Hashprice<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Im reinen Mining ist der Hashprice die Leitgr\u00f6\u00dfe: die erwartete Tageseinnahme je Petahash Rechenleistung, gemessen in US-Dollar je PH und Tag. Er entscheidet, ob eine Maschine Geld verdient oder verbrennt. Doch mit dem Pivot zu KI und Rechenzentren hat sich die Bewertungsgrundlage verschoben. Wer ein Rechenzentrum baut und vermietet, wird nicht mehr nach dem Hashprice bewertet, sondern nach dem Barwert seiner k\u00fcnftigen Mieteinnahmen. Und dieser Barwert h\u00e4ngt am Abzinsungssatz, der wiederum vom risikolosen Zins plus einem Risikoaufschlag bestimmt wird.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der beste Beweis daf\u00fcr lieferte der 18. August. An diesem Tag fielen beide Aktien deutlich, Marathon um rund 5 Prozent, Riot um rund 4 Prozent, obwohl Bitcoin gleichzeitig zulegte und Marathon 35.577 Bitcoin in der Bilanz h\u00e4lt. Der Ausl\u00f6ser war der Sprung der zehnj\u00e4hrigen Rendite auf rund 4,7 Prozent. <a href='https:\/\/finance.yahoo.com\/markets\/crypto\/articles\/mara-holdings-falls-5-riot-164453745.html'>24\/7 Wall St. brachte es auf den Punkt<\/a>: vertraglich gesicherte KI-Kapazit\u00e4t, gesicherter Strom und die Kapitalkosten bestimmen jetzt die Bewertung, nicht mehr der Coin. Der Markt sagte damit unmissverst\u00e4ndlich, dass er beide Unternehmen als Zinswette liest, nicht als Bitcoin-Stellvertreter.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Mechanismus dahinter ist der gleiche, mit dem man eine Anleihe bewertet. Ein k\u00fcnftiger Zahlungsstrom ist heute umso weniger wert, je h\u00f6her der Zins ist, mit dem man ihn abzinst, und je sp\u00e4ter er anf\u00e4llt. Ein Rechenzentrum, das ab 2028 zwei Jahrzehnte lang Miete zahlt, verh\u00e4lt sich deshalb wie eine sehr lange Anleihe: Steigt der Marktzins um einen Prozentpunkt, f\u00e4llt sein Barwert sp\u00fcrbar, ganz ohne dass sich am Vertrag selbst etwas \u00e4ndert. Genau das ist der Grund, warum die Rendite zehnj\u00e4hriger Staatsanleihen f\u00fcr einen Rechenzentrums-Entwickler heute wichtiger sein kann als der Bitcoin-Kurs.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist die zweite Seite derselben Medaille, die auch den Hashprice regiert. Der KI-Pivot hatte die Kapitalkosten der Branche zuletzt gesenkt, die Risikoaufschl\u00e4ge auf Anleihen der Miner fielen von \u00fcber 9 Prozent im Jahr 2025 auf 6 bis 7 Prozent 2026, weil vertraglich gesicherte Mieteinnahmen die Gesch\u00e4ftsmodelle berechenbarer machten. Ein restriktiver Fed-Kurs lehnt sich genau gegen diesen R\u00fcckenwind. Wie eng Zinspfad und Miner-\u00d6konomie zusammenh\u00e4ngen, zeigt sich schon am Hashprice, dessen Erholung ebenfalls <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/hashprice-fed-zinsschritt-zinspfad-miner-2026\/'>am Zinspfad h\u00e4ngt<\/a>.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Riots Anthropic-Anker als Zinswette<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Riots gro\u00dfer Wurf ist ein Mietvertrag mit Laufzeit bis Juni 2048: 20 Jahre, 191 MW kritische IT-Leistung. Als Gegenpartei nennt Riot offiziell nur eines der weltweit f\u00fchrenden KI-Labore; laut <a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/08\/11\/riot-platforms-signs-anthropic-deal-anthropic.html'>CNBC<\/a> und <a href='https:\/\/www.datacenterdynamics.com\/en\/news\/riot-platforms-signs-20-year-lease-with-anthropic\/'>DataCenterDynamics<\/a> handelt es sich um Anthropic, w\u00e4hrend Riots eigene Pflichtmitteilung an die SEC ausdr\u00fccklich nur von einem <a href='https:\/\/www.sec.gov\/Archives\/edgar\/data\/1167419\/000119312526000000\/riot-20260810xex99d1.htm'>f\u00fchrenden Frontier-KI-Labor<\/a> spricht. Das Basis-Vertragsvolumen liegt bei rund 9,1 Milliarden US-Dollar und steigt mit zwei Verl\u00e4ngerungsoptionen \u00fcber je f\u00fcnf Jahre auf bis zu 16,1 Milliarden. Den kumulierten Netto-Betriebsgewinn beziffert Riot in seiner <a href='https:\/\/www.riotplatforms.com\/riot-platforms-reports-second-quarter-2026-financial-results-and-strategic-highlights\/'>Quartalsmitteilung<\/a> auf 7,3 bis 8,2 Milliarden US-Dollar, im Jahresschnitt also 365 bis 411 Millionen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Auslieferung erfolgt gestaffelt: 96 MW bis Dezember 2027, die vollen 191 MW bis Juni 2028. Eine Zwischenfinanzierung von 573 Millionen US-Dollar von Morgan Stanley \u00fcberbr\u00fcckt die Bauphase. Rechnet man den bereits laufenden AMD-Vertrag \u00fcber 50 MW hinzu, sind rund 241 MW und knapp 9,8 Milliarden US-Dollar an Umsatz vertraglich gebunden. Riots Vorstandschef Jason Les nannte den Abschluss <a href='https:\/\/www.riotplatforms.com\/riot-platforms-reports-second-quarter-2026-financial-results-and-strategic-highlights\/'>&bdquo;einen entscheidenden Moment in unserer Entwicklung zu einem f\u00fchrenden Entwickler gro\u00dfer Rechenzentren&ldquo;<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau hier setzt die Zinsmechanik an. Vertraglich fixierte Mieteinnahmen bis 2048 sind ein langlaufendes, anleihe\u00e4hnliches Aktivum. Ihr Barwert reagiert auf Zinsen wie eine lange Staatsanleihe: steigt der Abzinsungssatz, f\u00e4llt der heutige Wert, und zwar umso st\u00e4rker, je weiter die Zahlungen in der Zukunft liegen. Bernstein-Analyst Gautam Chhugani hat sein Riot-Modell <a href='https:\/\/cryptobriefing.com\/bernstein-raises-riot-price-target-ai-deal\/'>ausdr\u00fccklich um dieses KI-Infrastrukturgesch\u00e4ft erweitert<\/a> und rechnet mit einem Abzinsungssatz um 8,9 Prozent sowie rund 457 Millionen US-Dollar wiederkehrendem Jahresumsatz aus dem Anthropic-Vertrag. Ein restriktiver Zinsausblick dr\u00fcckt damit direkt auf den Barwert von Riots wertvollstem Baustein. Das Kronjuwel ist zugleich der zinssensitivste Teil des Unternehmens.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Marathons doppelte Zinslast<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Marathon trifft der Zins gleich zweifach. Erstens ist der Wert des KI-Gesch\u00e4fts bei MARA weitgehend eine Option, weil ein Gro\u00dfmieter im Riot-Ma\u00dfstab bislang fehlt; unbewiesene Optionen werden mit einem h\u00f6heren Abzinsungssatz belegt, und der steigt mit dem Zins. Zweitens h\u00e4ngt an der Bilanz ein Berg von Wandelanleihen, die 2030 und 2031 f\u00e4llig werden und refinanziert werden m\u00fcssen, sowie ein Bitcoin-Bestand, dessen Bewertung ebenfalls diskontiert in die Kurserwartung einflie\u00dft. Beide Kan\u00e4le f\u00fchren zum selben Ergebnis: h\u00f6here Zinsen, h\u00f6here Belastung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert war Marathons Zug am Tag der Zinsentscheidung selbst. Am 16. September kaufte das Unternehmen <a href='https:\/\/en.cryptonomist.ch\/2026\/09\/16\/mara-holdings-bitcoin-purchase\/'>1.292 Bitcoin f\u00fcr rund 98,6 Millionen US-Dollar<\/a> zu einem Durchschnittspreis von etwa 76.300 US-Dollar je Coin und beendete damit eine rund sechsmonatige Phase, in der es netto Bitcoin verkauft hatte, um den KI-Ausbau zu finanzieren. Der Bestand liegt weiterhin bei rund 35.577 Bitcoin, zu aktuellen Kursen also etwa 3,05 Milliarden US-Dollar. Die Stromzielkapazit\u00e4t hat Marathon auf rund 4,8 GW angehoben, unter anderem \u00fcber die \u00dcbernahme des 505-MW-Gaskraftwerks Long Ridge in Ohio und ein Gemeinschaftsprojekt mit Starwood.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Passend zur These lieferte Marathon zuletzt eine Kursbewegung, die sich mit Unternehmensnachrichten allein nicht erkl\u00e4ren l\u00e4sst. Die Aktie legte binnen eines Monats rund 21 Prozent zu und schloss am 21. September bei 13,28 US-Dollar (rund 11,60 Euro), womit sie ihre Miner-Konkurrenten deutlich hinter sich lie\u00df. <a href='https:\/\/247wallst.com\/investing\/2026\/09\/17\/mara-holdings-just-rallied-21-in-a-month-take-profits-or-buy-more\/'>24\/7 Wall St. stellte ausdr\u00fccklich fest<\/a>, dass es in diesem Zeitfenster keinen belegbaren firmenspezifischen Ausl\u00f6ser gab, weder frische Zahlen noch eine Prognoseanpassung, eine Analystenbewertung, eine Finanzierung oder einen Vertrag. Genau das ist der Punkt: Wenn Aktien ohne Firmennachricht steigen oder fallen, treibt sie die Makrolage, also Liquidit\u00e4t und Zinsen. Marathons Chef Fred Thiel selbst hat die Richtung vorgegeben, in die sich die Branche bewegt: <a href='https:\/\/coingeek.com\/block-reward-miners-cant-pivot-to-ai-fast-enough\/'>&bdquo;Bis 2028 bist du entweder ein Stromerzeuger, geh\u00f6rst einem oder kooperierst mit einem. Die Zeiten, in denen man als Miner einfach am Netz hing, sind gez\u00e4hlt&ldquo;<\/a>.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Q2 2026 im direkten Vergleich<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Quartalszahlen zeigen, wie unterschiedlich die beiden Unternehmen inzwischen aufgestellt sind. Beide schrieben rote Zahlen, wobei ein Gro\u00dfteil der Verluste aus der Neubewertung des Bitcoin-Bestands zu Marktpreisen stammt, die direkt durch die Gewinnrechnung l\u00e4uft. Entscheidend ist aber die Struktur darunter: Bei Riot ist der Nicht-Mining-Umsatz erstmals materiell, bei Marathon praktisch noch nicht vorhanden.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kennzahl (Q2 2026)<\/th><th>Marathon (MARA)<\/th><th>Riot (RIOT)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Umsatz<\/td><td>174,9 Mio. USD<\/td><td>174,2 Mio. USD<\/td><\/tr><tr><td>davon Bitcoin-Mining<\/td><td>im Wesentlichen gesamt<\/td><td>113,7 Mio. USD<\/td><\/tr><tr><td>Nicht-Mining-Umsatz<\/td><td>praktisch null<\/td><td>60,5 Mio. USD (Data Center 23,2 + Engineering 37,3)<\/td><\/tr><tr><td>Nettoverlust<\/td><td>611,3 Mio. USD<\/td><td>237,2 Mio. USD<\/td><\/tr><tr><td>Bereinigtes EBITDA<\/td><td>-360,9 Mio. USD<\/td><td>-69,7 Mio. USD<\/td><\/tr><tr><td>Produzierte Bitcoin<\/td><td>2.422<\/td><td>1.587<\/td><\/tr><tr><td>Hashrate<\/td><td>70,3 EH\/s (energized)<\/td><td>44,4 EH\/s (deployed)<\/td><\/tr><tr><td>Bitcoin-Bestand<\/td><td>35.577<\/td><td>11.380<\/td><\/tr><tr><td>Strom-Zielkapazit\u00e4t<\/td><td>rund 4,8 GW<\/td><td>rund 1,7 GW plus Anthropic-Ausbau<\/td><\/tr><tr><td>KI-Ankermieter<\/td><td>keiner im Gro\u00dfma\u00dfstab<\/td><td>Anthropic (191 MW, 20 Jahre)<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zahlen erz\u00e4hlen zwei Geschichten. Marathon produziert mehr Bitcoin und weist die gr\u00f6\u00dfere Hashrate aus, tr\u00e4gt aber auch den weit gr\u00f6\u00dferen Nettoverlust und ein tief negatives bereinigtes EBITDA, das ma\u00dfgeblich von der Bitcoin-Neubewertung getrieben ist. Riot verliert im Mining-Gesch\u00e4ft ebenfalls Geld, hat aber mit Data Center und Engineering bereits eine zweite, wachsende Einnahmequelle etabliert und ein deutlich weniger negatives EBITDA. Wer nur auf die Hashrate schaut, sieht Marathon vorn; wer auf die Gesch\u00e4ftsstruktur der Zukunft schaut, sieht Riot vorn.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Das Mining bleibt ein Rohstoffgesch\u00e4ft<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">So sehr sich die Bewertung verschiebt, der Mining-Kern bleibt ein Rohstoffgesch\u00e4ft, in dem die Kosten je Bitcoin \u00fcber Leben und Tod entscheiden. Und genau hier lauert eine Falle f\u00fcr Anleger: Die von den Unternehmen gemeldeten Kostenkennzahlen sind nicht vergleichbar. Riot weist f\u00fcr das zweite Quartal Cash-Kosten je Bitcoin von 49.912 US-Dollar aus (ohne Abschreibungen), was 69,6 Prozent des Produktionswerts von 71.667 US-Dollar entspricht; inklusive Abschreibungen steigen die Kosten auf 90.631 US-Dollar, also 126,5 Prozent des Produktionswerts. Das bedeutet: cash-positiv, aber nach den vollen GAAP-Kosten im selben Quartal defizit\u00e4r. Marathon dagegen nennt eine enge Kennzahl von 38.690 US-Dollar, die nur die eingekaufte Energie bei rund 0,04 US-Dollar je Kilowattstunde erfasst, nicht die umfassenden Cash-Kosten.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kosten je Bitcoin (Q2 2026)<\/th><th>Riot Platforms<\/th><th>Marathon (MARA)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Cash-Kosten (ohne Abschreibung)<\/td><td>49.912 USD<\/td><td>38.690 USD (nur Energie)<\/td><\/tr><tr><td>Vollkosten (mit Abschreibung)<\/td><td>90.631 USD<\/td><td>keine vergleichbare Angabe<\/td><\/tr><tr><td>Produktionswert je Bitcoin<\/td><td>71.667 USD<\/td><td>rund 71.325 USD (Durchschnitt produziert)<\/td><\/tr><tr><td>Vollkosten in % des Produktionswerts<\/td><td>126,5 %<\/td><td>andere Methodik<\/td><\/tr><tr><td>Definition<\/td><td>umfassende Cash-Kosten<\/td><td>enge Energiekosten bei 0,04 USD\/kWh<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Der \u00fcbergeordnete Trend hilft beiden. Der Hashprice hatte sich von den Sommertiefs erholt und lag Anfang September zuletzt offiziell bei 39,63 US-Dollar je PH und Tag, wobei die Mining-Schwierigkeit am 6. September <a href='https:\/\/news.bitcoin.com\/mining\/difficulty-rises-hashprice-rips-22-as-bitcoin-hashrate-stalls\/'>erstmals in diesem Zyklus wieder deutlich anzog<\/a>, um 1,31 Prozent auf 127,45 Billionen. Mit dem j\u00fcngsten Kursanstieg auf rund 85.800 US-Dollar liegt der Hashprice rechnerisch inzwischen im niedrigen 40-Dollar-Bereich. Die Schwierigkeit wirkt dabei als Thermostat, das jeden Gewinnsprung teilweise wieder einkassiert. JPMorgan-Analyst Nikolaos Panigirtzoglou beziffert die durchschnittlichen Produktionskosten der Branche auf rund 78.000 US-Dollar und beschreibt den Mechanismus so: <a href='https:\/\/www.tftc.io\/bitcoin-mining-costs-jpmorgan-below-production-cost-2026\/'>&bdquo;Wenn Bitcoin unter die Produktionskosten f\u00e4llt, schalten teurere Miner ab, die Hashrate sinkt, und die Schwierigkeit passt sich nach unten an&ldquo;<\/a>. Der von CoinShares gemessene gewichtete Cash-Durchschnitt lag zuletzt bei knapp <a href='https:\/\/coinshares.com\/insights\/research-data\/bitcoin-mining-report-q1-2026\/'>79.995 US-Dollar je Bitcoin<\/a>. Dass die Grenze des Wachstums inzwischen weniger am Strom als am Nachschub effizienter Chips h\u00e4ngt, zeigt der <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/hashrate-wachstum-2026-silizium-engpass-asic-chips\/'>Silizium-Engpass bei modernen ASICs<\/a>.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum mNAV bei einem Miner versagt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr reine Bitcoin-Halter wie manche Treasury-Firmen hat sich die Kennzahl mNAV eingeb\u00fcrgert: das Verh\u00e4ltnis von Marktkapitalisierung zum Nettowert der gehaltenen Bitcoin. Ein mNAV \u00fcber eins bedeutet, dass der Markt mehr zahlt als den reinen Coin-Wert, ein Aufschlag. Wendet man das auf Marathon an, ergibt sich zun\u00e4chst genau dieses Bild: 35.577 Bitcoin sind bei rund 85.800 US-Dollar etwa 3,05 Milliarden US-Dollar wert, die Marktkapitalisierung liegt laut <a href='https:\/\/stockanalysis.com\/stocks\/mara\/'>stockanalysis.com<\/a> aber bei rund 5,13 Milliarden. Der Aufschlag betr\u00e4gt also fast das 1,7-fache des Coin-Werts.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Nur ist dieser Aufschlag eben kein Coin-Premium. Der Gro\u00dfteil von Marathons Unternehmenswert steckt in Infrastruktur, in Kraftwerken, Rechenzentren und ASIC-Flotten, sowie in den Schulden, die diese Anlagen finanzieren. mNAV tut so, als best\u00fcnde das Unternehmen nur aus Coins auf einem Konto, und f\u00fchrt genau deshalb bei einem Miner in die Irre. Man muss die Infrastruktur getrennt bewerten, und das ist ein abgezinstes Cashflow-Gesch\u00e4ft. Damit schlie\u00dft sich der Kreis zur These: Weil der Wert eines Miners zum gro\u00dfen Teil aus zinssensitiven Zukunftsertr\u00e4gen besteht, ist es v\u00f6llig folgerichtig, dass ein steigender Zins die Aktie unter Druck setzt, selbst wenn der Bitcoin-Kurs steigt. Wer Marathon oder Riot bewertet, sollte die Anl\u00e4ufe, den Coin einfach durchzumultiplizieren, misstrauisch betrachten.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Drei Bewertungsbrillen, eine Zinszahl<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer die beiden Miner sauber bewerten will, braucht drei verschiedene Brillen, und alle drei h\u00e4ngen am selben Zins. Erstens die Rohstoff-Brille f\u00fcr den Mining-Kern: hier z\u00e4hlen Hashprice gegen Cash-Kosten, wie in der Kostentabelle oben. Zweitens die mNAV- oder Coin-Wert-Brille f\u00fcr Marathons Bitcoin-Schatz, die aber, wie beschrieben, beim Miner bricht. Und drittens die Sum-of-the-Parts-Brille mit einer NOI-Cap-Rate f\u00fcr Riots Rechenzentren: Man kapitalisiert den vertraglichen Netto-Betriebsgewinn mit einem Kapitalisierungssatz. Ein NOI von rund 390 Millionen US-Dollar geteilt durch einen Satz von 8 Prozent erg\u00e4be grob 4,9 Milliarden US-Dollar Wert allein f\u00fcr den Anthropic-Baustein, und dieser Satz h\u00e4ngt unmittelbar am risikolosen Zins.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Bewertungsbrille<\/th><th>Passt zu<\/th><th>Zentrale Eingangsgr\u00f6\u00dfe<\/th><th>Schw\u00e4che<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Rohstoff-Cashflow<\/td><td>Mining-Kern beider<\/td><td>Hashprice gegen Cash-Kosten<\/td><td>ignoriert den KI-Ausbau<\/td><\/tr><tr><td>mNAV \/ Coin-Wert<\/td><td>Marathons Treasury<\/td><td>Bitcoin-Bestand mal Kurs<\/td><td>bricht beim Miner, weil der Wert in Infrastruktur steckt<\/td><\/tr><tr><td>Sum-of-the-Parts \/ NOI-Cap-Rate<\/td><td>Riots Anthropic-Anker<\/td><td>vertraglicher NOI geteilt durch Cap-Rate<\/td><td>hoch zinssensitiv, Laufzeit bis 2048<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie sehr die Zinszahl die Sicht der Profis bestimmt, zeigt die Spannweite der Kursziele. In einer einzigen Bewertungslogik stellt Bernstein Riot mit 35 US-Dollar auf Outperform, Marathon aber nur mit 17 US-Dollar auf Market Perform. Citi sieht Riot bei 32 US-Dollar, Morgan Stanley traut Marathon nur 6 US-Dollar zu und bleibt bei Underweight. Der Konsens der Analysten spiegelt die gleiche Rangfolge: Riot kommt laut <a href='https:\/\/stockanalysis.com\/stocks\/riot\/'>stockanalysis.com<\/a> auf ein Strong-Buy-Votum von 21 Analysten mit einem Durchschnittsziel von 32,40 US-Dollar, Marathon auf ein Buy von 14 Analysten mit 17,99 US-Dollar.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kursziel (Stand Mitte September 2026)<\/th><th>Riot (RIOT)<\/th><th>Marathon (MARA)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Bernstein<\/td><td>35 USD (Outperform)<\/td><td>17 USD (Market Perform)<\/td><\/tr><tr><td>Citi<\/td><td>32 USD (Buy)<\/td><td>&#8211;<\/td><\/tr><tr><td>Morgan Stanley<\/td><td>&#8211;<\/td><td>6 USD (Underweight)<\/td><\/tr><tr><td>Jefferies<\/td><td>24 USD (Hold)<\/td><td>&#8211;<\/td><\/tr><tr><td>Analysten-Konsens<\/td><td>32,40 USD (Strong Buy, 21 Analysten)<\/td><td>17,99 USD (Buy, 14 Analysten)<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Der Energie-Krieg: Kraftwerk gegen Netzdienst<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hinter der Bewertungsfrage liegt eine handfeste Auseinandersetzung um Strom, und auch hier gehen die beiden gegens\u00e4tzliche Wege. Marathon setzt auf Eigenerzeugung: Mit dem 505-MW-Gaskraftwerk Long Ridge in Ohio, einem Zielportfolio von rund 4,8 GW und dem Gemeinschaftsprojekt mit Starwood will das Unternehmen die Energie besitzen, die seine Rechenzentren speist. Der Vorteil ist Kontrolle und feste, planbare Leistung, die ein KI-Mieter rund um die Uhr braucht; der Nachteil ist der hohe Kapitalbedarf und die Verantwortung f\u00fcr den Betrieb der Kraftwerke.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Riot geht kapitalleichter vor und verdient zus\u00e4tzlich am texanischen Netz. \u00dcber die Nachfrageflexibilit\u00e4t im ERCOT-Markt sammelte Riot im zweiten Quartal 10,1 Millionen US-Dollar und im ersten Halbjahr 31,1 Millionen US-Dollar an Stromgutschriften ein, indem es seine Mining-Last in Spitzenzeiten drosselte. Dieser Netzdienst-Vorteil hat aber eine Kehrseite: Ein KI-Mieter verlangt feste, ununterbrochene Leistung, w\u00e4hrend Mining sich flexibel abschalten l\u00e4sst. Die Verlagerung von unterbrechbarer Mining-Last hin zu fester KI-Last ist deshalb kein Selbstl\u00e4ufer. John Todaro von Needham fasst zusammen, warum sich der Umbau dennoch lohnt: <a href='https:\/\/coingeek.com\/block-reward-miners-cant-pivot-to-ai-fast-enough\/'>Der Umsatz je Megawatt und die EBITDA-Margen seien bei HPC und KI-Colocation deutlich h\u00f6her als beim Mining<\/a>. Dieselbe Nachfrage nach Rechenleistung, die den Pivot attraktiv macht, treibt auch dezentrale GPU-Netze wie <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/render-2026-artechouse-kunst-gpu-netz-token\/'>Render<\/a>, was zeigt, wie breit der Hunger nach KI-Compute inzwischen ist.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dass der Umbau nicht neu ist, sondern von aktivistischen Investoren forciert wurde, geh\u00f6rt zur Vorgeschichte. Starboard Value hatte Riot bereits im Februar 2026 in einem Brief gedr\u00e4ngt, seine 1,7 GW Stromkapazit\u00e4t st\u00e4rker f\u00fcr KI zu nutzen; das k\u00f6nne <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2026\/02\/18\/starboard-value-pushes-riot-platforms-to-use-power-capacity-for-ai'>mehr als 1,6 Milliarden US-Dollar Jahres-EBITDA und bis zu 21 Milliarden an Wert freisetzen<\/a>. Der Anthropic-Vertrag ist die erste gro\u00dfe Einl\u00f6sung dieser Forderung.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Sektor im R\u00fccken: der gro\u00dfe KI-Vertrags-Boom<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Divergenz zwischen Marathon und Riot spielt sich vor einem Hintergrund ab, der beide beg\u00fcnstigt: Die gesamte b\u00f6rsennotierte Mining-Branche baut sich zur KI-Infrastruktur um. Public Miner haben zusammen bereits Vertr\u00e4ge \u00fcber <a href='https:\/\/www.kucoin.com\/news\/flash\/bitcoin-miners-shift-to-ai-sign-over-70-billion-in-contracts'>mehr als 70 Milliarden US-Dollar<\/a> im Bereich KI und Hochleistungsrechnen unterschrieben. Riots Anthropic-Deal ist damit kein Ausrei\u00dfer, sondern der Anschluss an eine Welle, die andere schon fr\u00fcher ritten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Konkurrenz zeigt, wie gro\u00df die Schecks inzwischen sind. Core Scientific schloss Ende Juli einen <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2026\/07\/28\/core-scientific-lands-amd-ai-deal-as-bitcoin-mining-operation-winds-down'>15-Jahre-Vertrag mit AMD \u00fcber mehr als 14 Milliarden US-Dollar<\/a> und f\u00e4hrt das reine Mining zugleich zur\u00fcck. Hut 8 vermarktete seinen Beacon-Point-Campus in Texas \u00fcber eine 15-j\u00e4hrige Vermietung im Wert von rund 9,8 Milliarden. Daneben haben Riot, TeraWulf, IREN, Bitdeer, CleanSpark und Cipher jeweils milliardenschwere, ein Jahrzehnt und l\u00e4nger laufende Vertr\u00e4ge mit KI-Laboren und Hyperscalern abgeschlossen. Der wirtschaftliche Antrieb ist simpel: Eine Megawattstunde bringt in der KI-Vermietung ein Vielfaches dessen, was sie beim Sch\u00fcrfen von Bitcoin einbringt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bernstein fasst die Dynamik unter dem Schlagwort <a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/401809'>follow the gigawatts<\/a> zusammen: \u00fcber den Sektor summieren sich die KI-Deals auf mehr als 90 Milliarden US-Dollar und rund 3,7 GW an Kapazit\u00e4t. Kein Wunder, dass Werte wie Hut 8, TeraWulf und Core Scientific 2026 zu den st\u00e4rksten der Branche geh\u00f6rten, w\u00e4hrend die reinen Bitcoin-Produkte zur\u00fcckblieben. Der Markt zahlt f\u00fcr vertraglich gesicherte Rechenzentrums-Cashflows, nicht mehr f\u00fcr nackte Terahash.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die beiden Protagonisten hei\u00dft das zweierlei. Riots 9,1-Milliarden-Anker ist im Vergleich solide, aber nicht au\u00dfergew\u00f6hnlich; das Unternehmen hat schlicht den Anschluss an die Spitzengruppe geschafft. Marathon dagegen ist mit seinem kraftwerksbasierten Modell und ohne Gro\u00dfmieter der Nachz\u00fcgler unter den Gro\u00dfen, was einen Teil des Bewertungsabschlags gegen\u00fcber Riot erkl\u00e4rt. Zugleich nimmt der breite Boom beiden die Frage ab, ob die Nachfrage \u00fcberhaupt da ist. Sie ist es, und sie w\u00e4chst schneller, als die Branche Megawatt bereitstellen kann. Der Engpass ist nicht der Kunde, sondern Strom, Chips und Kapital, und der Preis des Kapitals ist zuletzt eben gestiegen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Konzentrationsrisiko und Ausf\u00fchrung<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">So \u00fcberzeugend Riots Anker wirkt, er b\u00fcndelt das Risiko auf eine einzige Gegenpartei. F\u00e4llt der Finanzierungs- oder Investitionszyklus des KI-Labors, h\u00e4ngt ein gro\u00dfer Teil der These an diesem einen Mieter. Hinzu kommt das Ausf\u00fchrungsrisiko: 96 MW m\u00fcssen bis Dezember 2027, die vollen 191 MW bis Juni 2028 gebaut und \u00fcbergeben werden, und die 573-Millionen-Zwischenfinanzierung von Morgan Stanley muss in eine dauerhafte Finanzierung \u00fcberf\u00fchrt werden. Verz\u00f6gerungen oder steigende Baukosten treffen einen Entwickler unmittelbar.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Marathon tr\u00e4gt das gespiegelte Risiko. Ohne Ankermieter im Gro\u00dfma\u00dfstab bleibt der KI-Wert eine Option, die sich erst noch beweisen muss, und die Umsetzung des 4,8-GW-Ziels verschlingt Kapital, das \u00fcber Wandelanleihen aufgenommen wurde und refinanziert werden will. James Butterfill von CoinShares rechnet damit, dass einzelne Miner bis Jahresende <a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/395259\/bitcoin-miners-face-breakeven-pressure-as-ai-pivot-accelerates-coinshares-says'>bis zu 70 Prozent ihrer Erl\u00f6se aus KI beziehen<\/a>, gegen\u00fcber rund 30 Prozent heute; wer den Sprung nicht schafft, bleibt im schwierigsten Umfeld seit dem Halving gefangen. Und \u00fcber allem schwebt f\u00fcr beide die Bitcoin-Bilanzierung zu Marktpreisen: Ein Kursrutsch schl\u00e4gt sofort auf das ausgewiesene Ergebnis durch, egal wie weit der Umbau zum Rechenzentrum schon fortgeschritten ist.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die deutsche Perspektive: BaFin, MiCA und der Anlegerzugang<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Anleger im deutschsprachigen Raum ist zun\u00e4chst wichtig, was diese Titel regulatorisch sind und was nicht. Marathon und Riot sind an der Nasdaq notierte US-Aktien und als solche Wertpapiere unter Aufsicht der US-B\u00f6rsenaufsicht SEC, die ihre Quartals- und Ad-hoc-Berichte einfordert. Sie sind keine Krypto-Dienstleistung im Sinne der europ\u00e4ischen Regulierung. Die BaFin beaufsichtigt nach MiCA Krypto-Verwahrer und -Handelspl\u00e4tze, nicht das Bitcoin-Mining selbst; das Sch\u00fcrfen ist keine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung, wie die Aufsicht in ihrem <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen<\/a> deutlich macht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">In den USA hat die SEC im M\u00e4rz 2025 in einer Stellungnahme klargestellt, dass Proof-of-Work-Mining auf \u00f6ffentlichen, erlaubnisfreien Netzen kein Wertpapierangebot im Sinne des Howey-Tests darstellt. Eine umfassende gesetzliche Marktordnung fehlt allerdings weiter: Der CLARITY Act scheiterte am 15. September im Senat an der n\u00f6tigen Mehrheit, womit die Aussicht auf klare Zust\u00e4ndigkeiten f\u00fcr 2026 vom Tisch ist und die SEC vorerst <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/sec-enforcement-clarity-gescheitert-2026\/'>\u00fcber Einzelverfahren reguliert<\/a>. Praktisch hei\u00dft das f\u00fcr deutsche Anleger: Der Zugang l\u00e4uft \u00fcber einen Broker mit US-Marktzugang, und zum Kurs- kommt das W\u00e4hrungsrisiko. Der Euro notierte nach dem Zinsschritt bei rund 1,148 US-Dollar und damit auf dem schw\u00e4chsten Stand seit Ende Juli, weil der straffere Fed-Kurs den Dollar st\u00fctzte. Einen Spot-Bitcoin-ETF im UCITS-Mantel gibt es in der EU nicht; MiCA regelt Dienstleister, nicht die Miner.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was den Rest von 2026 entscheidet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der n\u00e4chste Fixpunkt ist die Dezember-Sitzung der Fed. Der Zinsausblick l\u00e4sst einen weiteren Schritt nach oben ausdr\u00fccklich zu, und jeder weitere Schritt hebt den Abzinsungssatz erneut an, ein Gegenwind f\u00fcr beide Aktien und besonders f\u00fcr Riots lange Vertragsduration. Parallel laufen die Bau- und \u00dcbergabetermine: Riot muss liefern, Marathon muss endlich einen Gro\u00dfmieter zeigen. Und der Bitcoin-Kurs bleibt relevant, weil er \u00fcber den Mining-Ertrag und den Wert des Treasury weiter direkt ins Ergebnis wirkt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht zu untersch\u00e4tzen ist die Refinanzierung. Beide Unternehmen haben ihren Umbau teuer \u00fcber Fremdkapital und Wandelanleihen bezahlt; Marathons Papiere von 2030 und 2031 und Riots 573-Millionen-Zwischenkredit von Morgan Stanley m\u00fcssen zu den dann geltenden Konditionen abgel\u00f6st werden. In einer Welt mit vier Prozent Leitzins und f\u00fcnf Prozent auf zehnj\u00e4hrige Anleihen ist jede Anschlussfinanzierung teurer als in der Niedrigzinsphase, in der die Wetten aufgesetzt wurden. Der Zins wirkt also nicht nur \u00fcber den Abzinsungssatz auf die Bewertung, sondern ganz konkret \u00fcber die Zinslast in der Gewinnrechnung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Unterm Strich l\u00e4sst sich die Wette klar sortieren. Marathon ist eine gehebelte Position auf den Bitcoin-Kurs plus eine noch unbewiesene KI-Option, mit einem gro\u00dfen, transparenten Coin-Schatz und der doppelten Zinslast aus Optionswert und Refinanzierung. Riot ist ein Entwickler mit vertraglich gesicherten, aber zinssensitiven Cashflows, bewusst schlank beim Coin und daf\u00fcr abh\u00e4ngig von einem einzigen Ankermieter. Der Zins entscheidet \u00fcber das Bewertungsmultiple, der Bitcoin-Kurs \u00fcber den Mining-Ertrag, und die Ausf\u00fchrung dar\u00fcber, wer am Ende recht beh\u00e4lt. Wer die beiden 2026 einsch\u00e4tzen will, sollte weniger auf den Coin-Chart schauen und mehr auf die Renditekurve.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Warum fielen Marathon und Riot im August, obwohl Bitcoin stieg?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Weil der Markt beide inzwischen als kapitalintensive Infrastruktur-Entwickler bewertet, deren Wert von abgezinsten k\u00fcnftigen Cashflows abh\u00e4ngt. Als die Rendite zehnj\u00e4hriger US-Staatsanleihen am 18. August auf rund 4,7 Prozent kletterte, fielen beide Aktien trotz steigendem Bitcoin-Kurs; die Kapitalkosten wogen schwerer als die 35.577 Bitcoin in Marathons Bilanz.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was umfasst der Anthropic-Vertrag von Riot?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist ein 20-Jahre-Mietvertrag \u00fcber 191 MW Rechenzentrumsleistung bis Juni 2048, offiziell mit einem der weltweit f\u00fchrenden KI-Labore, laut CNBC und DataCenterDynamics mit Anthropic. Das Basisvolumen liegt bei rund 9,1 Milliarden US-Dollar und steigt mit zwei Verl\u00e4ngerungsoptionen auf bis zu 16,1 Milliarden; der kumulierte Netto-Betriebsgewinn wird auf 7,3 bis 8,2 Milliarden gesch\u00e4tzt.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum funktioniert die mNAV-Bewertung bei einem Miner nicht?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">mNAV vergleicht die Marktkapitalisierung mit dem Nettowert der gehaltenen Bitcoin. Bei einem Miner steckt der Gro\u00dfteil des Unternehmenswerts jedoch in Infrastruktur wie Kraftwerken, Rechenzentren und ASICs sowie in Schulden, nicht in einem Aufschlag auf die Coins. Marathons 35.577 Bitcoin sind bei rund 85.800 US-Dollar etwa 3,05 Milliarden wert, die Marktkapitalisierung liegt aber bei rund 5,13 Milliarden.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>K\u00f6nnen deutsche Anleger Marathon- oder Riot-Aktien kaufen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ja, beide sind an der Nasdaq notiert und \u00fcber die meisten Broker mit US-Marktzugang handelbar. Es handelt sich um US-Wertpapiere unter Aufsicht der SEC, nicht um MiCA-regulierte Krypto-Dienstleistungen; die BaFin beaufsichtigt Krypto-Verwahrung und -Handel, nicht das Mining selbst. Anleger tragen zus\u00e4tzlich das Wechselkursrisiko zwischen US-Dollar und Euro.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Ist Marathon oder Riot die bessere Wette f\u00fcr 2026?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Das h\u00e4ngt davon ab, worauf man setzt. Riot ist eine Wette auf vertraglich gesicherte, aber zinssensitive Cashflows aus dem KI-Ausbau und wird von H\u00e4usern wie Bernstein h\u00f6her eingestuft, mit einem Kursziel von 35 US-Dollar. Marathon ist eine gehebelte Wette auf den Bitcoin-Kurs plus eine noch unbewiesene KI-Option. 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