{"id":610,"date":"2026-09-23T04:30:27","date_gmt":"2026-09-23T04:30:27","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/cftc-statt-sec-krypto-aufsicht-clarity-aus-2026\/"},"modified":"2026-09-23T04:30:27","modified_gmt":"2026-09-23T04:30:27","slug":"cftc-statt-sec-krypto-aufsicht-clarity-aus-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/cftc-statt-sec-krypto-aufsicht-clarity-aus-2026\/","title":{"rendered":"CFTC statt SEC? Amerikas Krypto-Aufsicht nach dem CLARITY-Aus"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 15. September 2026 starb der CLARITY Act im US-Senat. Der Antrag auf Schluss der Debatte fiel mit 49 zu 50 Stimmen durch, n\u00f6tig gewesen w\u00e4ren 60. Damit ist das Gesetz, das der Krypto-Branche seit \u00fcber einem Jahr eine klare Zust\u00e4ndigkeitsordnung versprochen hatte, vorerst erledigt. Die ganze Aufmerksamkeit lag in jenen Tagen auf dem Kongress und auf der US-B\u00f6rsenaufsicht SEC, die seit Monaten an einem eigenen Regelwerk arbeitet. Der eigentlich entscheidende Zug kam aber aus einem viel kleineren Geb\u00e4ude, und er kam leise.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Schachzug, den fast alle \u00fcbersahen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Nur zwei Tage nach dem gescheiterten Votum, am 17. September, tauchte im Pr\u00fcfsystem des Wei\u00dfen Hauses eine umfassende Krypto-Marktregel auf, eingereicht nicht von der SEC, sondern von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC), der US-Aufsicht \u00fcber Rohstoff- und Terminm\u00e4rkte. Die kleinere der beiden Beh\u00f6rden legte damit als erste ein bindendes Regelwerk f\u00fcr den Krypto-Kassamarkt zur Freigabe vor, w\u00e4hrend die politische Klasse noch \u00fcber die Tr\u00fcmmer des CLARITY Act stritt. Berichtet wurde das zuerst von <a href='https:\/\/www.pymnts.com\/cryptocurrency\/2026\/cftc-files-crypto-regulation-proposal-after-clarity-act-fails\/'>PYMNTS<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist mehr als eine Randnotiz. Es deutet auf eine stille Verschiebung hin, die f\u00fcr Anleger in Deutschland und Europa wichtiger ist als der laute Streit im Senat: Nicht die SEC, die klassische Krypto-Aufsicht der letzten Jahre, sondern die CFTC k\u00f6nnte am Ende zur faktischen Leitbeh\u00f6rde f\u00fcr den US-Kryptohandel werden. Der Kongress hatte gerade demonstriert, dass er die Grundsatzfrage nicht l\u00f6sen kann; die Exekutive nutzte dieses Vakuum binnen Stunden. Und weil die Vereinigten Staaten der taktgebende Markt bleiben, entscheidet sich dort mit, welche Token weltweit handelbar sind, unter welchen Schutzstandards und in welchem Tempo. Dieser Text erkl\u00e4rt, warum ausgerechnet die CFTC vorpreschte, was ihr Plan technisch bedeutet, wo seine juristischen Sollbruchstellen liegen, und was das alles f\u00fcr einen europ\u00e4ischen Rahmen hei\u00dft, der mit der MiCA-Verordnung l\u00e4ngst einen anderen Weg gew\u00e4hlt hat.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was am 15. September wirklich geschah<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Digital Asset Market Clarity Act, kurz CLARITY Act, hatte das US-Repr\u00e4sentantenhaus im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen passiert und danach \u00fcber ein Jahr im Senat festgesteckt. Er sollte die Grundsatzfrage l\u00f6sen, die den US-Kryptomarkt seit Jahren l\u00e4hmt: Wer ist zust\u00e4ndig, die SEC f\u00fcr Wertpapiere oder die CFTC f\u00fcr Rohstoffe? Der Entwurf h\u00e4tte den Gro\u00dfteil der digitalen Verm\u00f6genswerte als &bdquo;digital commodities&ldquo; der CFTC zugeordnet und der Beh\u00f6rde erstmals eine echte Aufsichtsvollmacht \u00fcber den Kassamarkt gegeben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Gescheitert ist er nicht an der Marktstruktur, sondern an der Politik drumherum. Die Republikaner halten 53 Sitze, f\u00fcr die Schluss-Abstimmung w\u00e4ren 60 n\u00f6tig gewesen, es h\u00e4tte also rund sieben demokratische Stimmen gebraucht. Doch die Demokraten, die monatelang am Text mitverhandelt hatten, darunter Kirsten Gillibrand, Mark Warner, Cory Booker, Raphael Warnock, Ruben Gallego und Angela Alsobrooks, stimmten am Ende geschlossen mit Nein. Der Block, der die entscheidenden Stimmen liefern sollte, lieferte keine einzige, wie <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2026\/09\/15\/crypto-clarity-act-flames-out-in-failed-u-s-senate-vote'>CoinDesk<\/a> festhielt. Drei Streitpunkte blockierten den Kompromiss: Ethikregeln f\u00fcr Amtstr\u00e4ger mit Krypto-Gesch\u00e4ften (Pr\u00e4sident Trump wies f\u00fcr 2025 rund 1,4 Milliarden US-Dollar an Krypto-Eink\u00fcnften aus), die Entwicklerhaftung in Abschnitt 604 des Entwurfs, sowie eine Klausel zu Stablecoin-Ertr\u00e4gen, die f\u00fcr Coinbase Einnahmen von rund 1,35 Milliarden US-Dollar pro Jahr aus USDC-Pr\u00e4mien ber\u00fchrte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Senatorin Elizabeth Warren, die sch\u00e4rfste Kritikerin des Gesetzes, brachte den Ethikvorwurf in einer <a href='https:\/\/www.banking.senate.gov\/'>Erkl\u00e4rung des Bankenausschusses<\/a> auf den Punkt: &bdquo;Donald Trump raked in more than $1.4 billion from cryptocurrency ventures, and this bill does nothing to prevent him from vacuuming up his next $1.4 billion in crypto profits.&ldquo; Ein Antrag auf erneute Abstimmung wurde eingereicht, ein neuer Termin steht nicht fest; realistisch bleibt nur die Sitzungsperiode nach den Zwischenwahlen. Wie es aus Sicht der SEC weiterging, hat HOGE Wire bereits in der Analyse <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/sec-enforcement-clarity-gescheitert-2026\/'>&bdquo;Nach dem CLARITY-Aus: Die SEC regelt Krypto gegen die Uhr&ldquo;<\/a> beschrieben. Dieser Beitrag richtet den Blick bewusst auf die andere Beh\u00f6rde.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Seligs Notfallplan: von der Ansage zur Einreichung<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die CFTC hatte den Fall vorbereitet. Ihr Vorsitzender Michael Selig, im Dezember 2025 mit 53 zu 43 Stimmen best\u00e4tigt und der 16. Chef der Beh\u00f6rde, ist kein Zufallsakteur in diesem Drama. Er begann seine Laufbahn als juristischer Referent bei der CFTC unter dem sp\u00e4teren Vorsitzenden Christopher Giancarlo, wechselte dann zur SEC und wurde dort Chefsyndikus der Crypto Task Force, also einer der Architekten genau jenes pro-Krypto-Kurses, den die B\u00f6rsenaufsicht seit 2025 f\u00e4hrt. Kaum jemand kennt die Bruchlinien zwischen den beiden Beh\u00f6rden besser als er. Dieser Mann sitzt nun an der Spitze der Rohstoffaufsicht und nutzt sie, um die SEC ausgerechnet in der Frage zu \u00fcberholen, die beide H\u00e4user am l\u00e4ngsten trennt: wer den Kassamarkt kontrolliert.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bereits am 20. August 2026, bei der ersten Sitzung des neuen Innovation Advisory Committee, hatte Selig den Ernstfall angek\u00fcndigt. Sollte CLARITY weiter blockiert bleiben, so seine Ansage laut <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2026\/08\/20\/u-s-cftc-chief-puts-staff-on-notice-to-create-crypto-regulations-if-clarity-act-fails'>CoinDesk<\/a>, werde die Beh\u00f6rde von sich aus handeln: &bdquo;If Clarity continues to stall because of Democrat obstruction, the CFTC will utilize its existing authorities to begin establishing a regime for crypto asset markets.&ldquo; Und weiter: &bdquo;To achieve this, I&#8217;ve directed the CFTC staff to begin exploring rules to codify a CFTC market structure for crypto assets using the agency&#8217;s existing authorities.&ldquo; Der 15. September aktivierte diesen Plan.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem gescheiterten Votum machte Selig unmissverst\u00e4ndlich klar, dass die Beh\u00f6rde nicht auf den Kongress warten werde. &bdquo;We owe it to the American people to do so. President Trump promised to deliver a crypto asset market structure, and we will help him deliver if Congress will not&ldquo;, sagte er laut PYMNTS. Aus der Drohung wurde binnen 48 Stunden ein Verwaltungsakt: die Einreichung des Regelentwurfs beim Office of Management and Budget, der letzten Station vor der Ver\u00f6ffentlichung. Der genaue Wortlaut der Regel war zu diesem Zeitpunkt noch nicht \u00f6ffentlich, ihre Sto\u00dfrichtung aber schon.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum ausgerechnet die CFTC<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Dass die Rohstoffaufsicht und nicht die B\u00f6rsenaufsicht diesen Griff wagt, ist kein \u00dcbermut, sondern folgt einer Logik, die beide Beh\u00f6rden im M\u00e4rz 2026 selbst besiegelt haben. In einer gemeinsamen Auslegungsmitteilung sortierten SEC und CFTC digitale Verm\u00f6genswerte damals in f\u00fcnf Kategorien: digitale Rohstoffe, digitale Sammlerst\u00fccke (NFTs), digitale Werkzeuge (Utility-Token), Zahlungs-Stablecoins und tokenisierte Wertpapiere. Der entscheidende Ma\u00dfstab dahinter: Ein Token ist dann ein Rohstoff und kein Wertpapier, wenn sein Wert aus dem programmatischen Betrieb eines Netzwerks sowie aus Angebot und Nachfrage stammt, nicht aus der Managementleistung eines Teams.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dieser Grundlage stuften die Beh\u00f6rden 16 der gr\u00f6\u00dften Token ausdr\u00fccklich als digitale Rohstoffe ein, nicht als Wertpapiere, darunter Bitcoin, Ethereum, Solana, XRP, Cardano, Avalanche, Polkadot, Dogecoin, Litecoin und Chainlink. \u00dcber die Details berichtete unter anderem <a href='https:\/\/www.forbes.com\/sites\/jasonbrett\/2026\/03\/21\/sec-cftc-crypto-guidance-clarifies-digital-commodities-framework\/'>Forbes<\/a>. Wenn aber der Gro\u00dfteil des Marktes nach dieser Lesart rechtlich ein Rohstoff ist, dann ist die nat\u00fcrliche Heimat seiner Aufsicht die Rohstoffbeh\u00f6rde, und nicht die B\u00f6rsenaufsicht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Arbeitsteilung ist institutionell abgesichert. Am 30. Januar 2026 starteten SEC und CFTC das gemeinsame &bdquo;Project Crypto&ldquo;, am 11. M\u00e4rz 2026 unterzeichneten Atkins und Selig ein <a href='https:\/\/www.sec.gov\/newsroom\/press-releases\/2026-26-sec-cftc-announce-historic-memorandum-understanding-between-agencies'>Memorandum of Understanding<\/a>, das die Zusammenarbeit formalisierte. Die CFTC beaufsichtigt zudem l\u00e4ngst benachbarte Felder, die f\u00fcr Krypto relevant sind, etwa Prognosem\u00e4rkte wie Polymarket und Kalshi, die als Terminmarktpl\u00e4tze unter ihre Zust\u00e4ndigkeit fallen. Wie eng Handel, Information und m\u00f6gliche Manipulation dort verzahnt sind, zeigt die HOGE-Wire-Analyse <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/prognosemaerkte-glaeserner-markt-ki-agenten-insider-2026\/'>&bdquo;Der gl\u00e4serne Markt: KI-Agenten und Insider auf Prognosem\u00e4rkten&ldquo;<\/a>. Kurz: Die CFTC hat sowohl das rechtliche Argument als auch die thematische N\u00e4he auf ihrer Seite.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Merkmal<\/th><th>SEC<\/th><th>CFTC<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Zust\u00e4ndigkeit<\/td><td>Wertpapiere, Emittenten<\/td><td>Rohstoffe, Termin- und Derivatem\u00e4rkte<\/td><\/tr><tr><td>Rechtsgrundlage<\/td><td>Securities Act, Securities Exchange Act<\/td><td>Commodity Exchange Act<\/td><\/tr><tr><td>Krypto-Ansatz<\/td><td>Regulation Crypto Assets (Entwurf, Frist 20. Oktober)<\/td><td>Krypto-Marktstruktur per Verordnung, beim OMB seit 17. September<\/td><\/tr><tr><td>Beh\u00f6rdengr\u00f6\u00dfe<\/td><td>Gr\u00f6\u00dfer, mehrere tausend Mitarbeiter<\/td><td>Deutlich kleiner, unter tausend Mitarbeiter<\/td><\/tr><tr><td>Leitfigur<\/td><td>Paul Atkins<\/td><td>Michael Selig<\/td><\/tr><tr><td>Kernwerkzeug bisher<\/td><td>Registrierung und Klagen<\/td><td>Marktzulassung (DCM) und Betrugsverfolgung<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Wie eine Marktzulassung f\u00fcr Spot-Krypto auss\u00e4he<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Seligs Idee lehnt sich an ein bew\u00e4hrtes Modell an: den Designated Contract Market, kurz DCM. So hei\u00dfen die von der CFTC zugelassenen Handelspl\u00e4tze, an denen standardisierte Terminkontrakte gehandelt werden, etwa die gro\u00dfen US-Terminb\u00f6rsen. Ein DCM muss eine Reihe von Kernprinzipien erf\u00fcllen: eigene Markt\u00fcberwachung, Regeln gegen Manipulation, transparente Listing-Standards, Meldepflichten und finanzielle Absicherung. Selig will f\u00fcr den Krypto-Kassamarkt eine analoge Kategorie schaffen, eine Art &bdquo;crypto asset market&ldquo;-Zulassung, unter der B\u00f6rsen und Handelspl\u00e4tze registriert und beaufsichtigt w\u00fcrden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Prinzip dahinter hei\u00dft Selbstregulierung unter Aufsicht: Ein DCM \u00fcberwacht seine eigenen M\u00e4rkte, meldet Auff\u00e4lligkeiten und haftet f\u00fcr die Einhaltung der Regeln, w\u00e4hrend die Beh\u00f6rde den Rahmen setzt und im Ernstfall eingreift. \u00dcbertragen auf Spot-Krypto w\u00fcrde eine Handelsplattform damit selbst zur ersten Kontrollinstanz f\u00fcr Wash-Trading, Preismanipulation und die Frage, welche Token \u00fcberhaupt gelistet werden d\u00fcrfen. Der Charme dieses Ansatzes liegt darin, dass er nicht bei null anf\u00e4ngt. Die Regelwerke, Pr\u00fcfmechanismen und Aufsichtsroutinen f\u00fcr DCMs existieren seit Jahren; sie m\u00fcssten auf Spot-Krypto \u00fcbertragen und angepasst werden, nicht neu erfunden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Handelspl\u00e4tze verspricht das eine bekannte Struktur statt der bisherigen Rechtsunsicherheit, in der jede Listing-Entscheidung ein potenzielles Wertpapierverfahren nach sich ziehen konnte. Der Haken ist ebenso grunds\u00e4tzlich: Ein DCM ist ein Derivatemarkt. Der klassische Spot-Handel mit Coins ist rechtlich etwas anderes, und genau an dieser Grenze entscheidet sich, ob Seligs Plan tr\u00e4gt oder vor Gericht zerbricht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der wunde Punkt: reicht die bestehende Autorit\u00e4t?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Selig beruft sich ausdr\u00fccklich auf &bdquo;existing authorities&ldquo;, also auf Vollmachten, die die CFTC schon besitzt. Diese Selbsteinsch\u00e4tzung ist genau der Streitpunkt. \u00dcber Derivate, also Futures und Swaps, hat die Beh\u00f6rde eine umfassende, unbestrittene Zulassungs- und Aufsichtsvollmacht. \u00dcber den Kassamarkt f\u00fcr Rohstoffe hat sie traditionell vor allem eine Vollmacht gegen Betrug und Manipulation, nicht aber eine umfassende Registrierungspflicht f\u00fcr Handelspl\u00e4tze. Eben diese l\u00fcckenf\u00fcllende Registrierungsvollmacht sollte der CLARITY Act erst schaffen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer nun versucht, per Verordnung eine Vollmacht zu begr\u00fcnden, die der Gesetzgeber gerade nicht erteilt hat, l\u00e4dt zu Klagen ein. Skeptiker verweisen darauf, dass die US-Gerichte nach der Abkehr von der sogenannten Chevron-Doktrin den Beh\u00f6rden weniger Spielraum bei der Auslegung eigener Kompetenzen lassen. Ein Handelsplatz, dem eine neue Registrierungspflicht nicht passt, k\u00f6nnte argumentieren, die CFTC \u00fcberschreite ihre gesetzliche Grundlage. Coinbase-Chef Brian Armstrong sieht das gelassener; er erkl\u00e4rte laut PYMNTS: &bdquo;The SEC and CFTC have the tools they need to create clear rules under existing authority.&ldquo; Ob die Gerichte das genauso sehen, ist die eigentliche offene Frage hinter dem ganzen Man\u00f6ver. Selig selbst h\u00e4lt seinen Kurs f\u00fcr gedeckt, wie auch <a href='https:\/\/thehill.com\/policy\/technology\/6042267-cftc-crypto-clarity-act\/'>The Hill<\/a> berichtete.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dass die Beh\u00f6rde ihre Kompetenzen weit auslegt, ist dabei keine Spekulation, sondern belegt. Ihre Anti-Manipulations-Vollmacht nach dem Commodity Exchange Act, insbesondere die 2010 mit dem Dodd-Frank-Gesetz eingef\u00fchrte Regel gegen Betrug und Manipulation, hat die CFTC in der Vergangenheit ausdehnungsfreudig genutzt. Der Fall Ooki DAO, in dem ein Gericht 2023 auf Betreiben der CFTC entschied, dass ein dezentrales Kollektiv als haftbare Person gilt, zeigt eine Beh\u00f6rde, die vor unkonventionellen Rechtsauslegungen nicht zur\u00fcckschreckt. Der Unterschied ist nur: Betrug im Nachhinein zu ahnden ist etwas anderes, als einen ganzen Markt im Voraus zu lizenzieren. Genau hier greift die sogenannte Major-Questions-Doktrin, nach der eine Beh\u00f6rde f\u00fcr Entscheidungen von gro\u00dfer wirtschaftlicher und politischer Tragweite eine klare gesetzliche Erm\u00e4chtigung braucht. Ob eine Verordnung ohne CLARITY diese H\u00fcrde nimmt, werden am Ende die Gerichte kl\u00e4ren.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Zwei Philosophien der Aufsicht<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hinter dem Zust\u00e4ndigkeitsstreit steckt ein tieferer Unterschied, der f\u00fcr Anleger konkrete Folgen hat. Das Wertpapierrecht der SEC ist ein Offenlegungsregime: Im Zentrum steht die Idee, dass ein Emittent dem K\u00e4ufer alle wesentlichen Informationen offenlegen muss, damit dieser eine informierte Entscheidung treffen kann. Prospektpflichten, Risikohinweise und laufende Berichte sind seine Werkzeuge. Der Schutz entsteht aus Transparenz \u00fcber das Projekt und die Menschen dahinter.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Rohstoffrecht der CFTC verfolgt eine andere Logik: Es sch\u00fctzt nicht prim\u00e4r durch Emittenten-Offenlegung, sondern durch Marktintegrit\u00e4t. Im Vordergrund stehen faire, manipulationsfreie Handelspl\u00e4tze, saubere Preisbildung und die \u00dcberwachung der B\u00f6rsen selbst. F\u00fcr die meisten Coins, die ohnehin keinen klassischen Emittenten mit Quartalsberichten haben, passt dieser Ansatz oft besser. Der Preis ist aber, dass Anleger weniger projektbezogene Pflichtinformationen erhalten. Eine CFTC-gef\u00fchrte Ordnung k\u00f6nnte den US-Handel also breiter und schneller \u00f6ffnen, zugleich aber den Informationsschutz absenken, den ein Wertpapierregime bietet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr europ\u00e4ische Anleger ist das ein wichtiger Kontrast zu MiCA. Die EU-Verordnung mischt beide Philosophien: Sie verlangt f\u00fcr viele Token ein verpflichtendes Whitepaper (ein Offenlegungselement) und reguliert zugleich die Dienstleister und Handelspl\u00e4tze (ein Marktintegrit\u00e4ts-Element). Wer versteht, welche der beiden Logiken in den USA k\u00fcnftig dominiert, versteht auch, welche Informationen ein Anleger dort noch bekommt, bevor er kauft.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die CFTC hat Z\u00e4hne, aber wenig Personal<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Man sollte die kleinere Beh\u00f6rde nicht untersch\u00e4tzen. Im Bereich Betrug und Manipulation hat die CFTC eine beeindruckende Krypto-Bilanz, oft h\u00e4rter und schneller als die SEC. Ihre gro\u00dfen F\u00e4lle wurden fast alle auf der Betrugs- und Manipulationsvollmacht aufgebaut, nicht auf einer Registrierungspflicht, was die aktuelle Debatte umso pikanter macht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Ruf hat historische Wurzeln. Die CFTC versteht sich traditionell als prinzipienbasierte Aufsicht, die weniger mit detaillierten Vorschriften als mit \u00fcbergeordneten Grunds\u00e4tzen arbeitet und Innovation eher gew\u00e4hren l\u00e4sst, solange die Marktintegrit\u00e4t gewahrt bleibt. Gerade dieser Ruf, unternehmerfreundlicher zu sein als die klagefreudige SEC der Gensler-Jahre, macht sie f\u00fcr viele Handelspl\u00e4tze zur Wunschbeh\u00f6rde. Genau deshalb war die Zuweisung der digitalen Rohstoffe an die CFTC auch das Herzst\u00fcck des gescheiterten CLARITY Act, und genau deshalb versucht Selig nun, dieses Herzst\u00fcck auf dem Verordnungsweg zu retten.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Fall<\/th><th>Jahr<\/th><th>Bedeutung<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>BitMEX<\/td><td>2021<\/td><td>100-Mio.-USD-Vergleich mit CFTC und FinCEN wegen illegalen Derivatehandels und AML-Verst\u00f6\u00dfen<\/td><\/tr><tr><td>Ooki DAO<\/td><td>2023<\/td><td>Grundsatzurteil: Ein DAO ist eine haftbare Person nach dem Commodity Exchange Act<\/td><\/tr><tr><td>Binance<\/td><td>2023<\/td><td>Teil der branchenweiten Rekordeinigung von 4,3 Milliarden US-Dollar im November 2023<\/td><\/tr><tr><td>FTX<\/td><td>2022 bis 2023<\/td><td>Verfahren rund um eine Kundengelder-L\u00fccke von \u00fcber 8 Milliarden US-Dollar<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Diesen Z\u00e4hnen steht allerdings ein strukturelles Problem gegen\u00fcber: Die CFTC ist personell und budget\u00e4r nur ein Bruchteil der SEC, und mehrere Kommissarsposten waren im Jahr 2026 unbesetzt. Eine Beh\u00f6rde, die \u00fcber Jahre auf gezielte Enforcement-Schl\u00e4ge ausgelegt war, soll nun einen ganzen Kassamarkt dauerhaft beaufsichtigen, Handelspl\u00e4tze zulassen, \u00fcberwachen und Beschwerden bearbeiten. Ambition und Kapazit\u00e4t klaffen hier weit auseinander. Details der CFTC-Linie finden sich in den offiziellen Mitteilungen der Beh\u00f6rde auf <a href='https:\/\/www.cftc.gov\/PressRoom\/SpeechesTestimony\/opaselig10'>cftc.gov<\/a>.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die SEC-Spur l\u00e4uft parallel weiter<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die CFTC handelt nicht in einem Vakuum. Die SEC verfolgt ihre eigene Spur: Am 18. August 2026 legte sie den Entwurf einer <a href='https:\/\/www.sec.gov\/newsroom\/press-releases\/2026-76'>Regulation Crypto Assets<\/a> vor, dessen Kommentarfrist am 20. Oktober endet. Der Entwurf enth\u00e4lt eine Startup-Ausnahme (bis zu 5 Millionen US-Dollar \u00fcber bis zu vier Jahre), eine Kapitalbeschaffungs-Ausnahme (bis zu 75 Millionen US-Dollar in zw\u00f6lf Monaten) und einen bedingten Schutzhafen, der Token unter Bedingungen aus dem Wertpapierstatus entl\u00e4sst. Damit ringen nun zwei Beh\u00f6rden gleichzeitig per Verordnung um dieselbe Materie.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das birgt Reibung. Wo endet die Wertpapierregel der SEC, wo beginnt die Marktstrukturregel der CFTC? Das Memorandum von M\u00e4rz sollte genau solche \u00dcberschneidungen verhindern, doch ein Vertrag zwischen Beh\u00f6rden ersetzt kein Gesetz. F\u00e4llt ein Token mal unter die eine, mal unter die andere Definition, drohen Doppelregulierung oder blinde Flecken. F\u00fcr Emittenten und Handelspl\u00e4tze hei\u00dft das: Sie m\u00fcssen zwei laufende Regelverfahren gleichzeitig lesen, deren Zusammenspiel niemand garantieren kann. Die SEC-Seite dieser Doppelspur ist in der erw\u00e4hnten Schwesteranalyse ausf\u00fchrlich beschrieben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Aus Sicht der Branche ist die Rangordnung dennoch ziemlich klar. Gro\u00dfe Handelspl\u00e4tze wie Coinbase hatten sich schon im Gesetzgebungsprozess daf\u00fcr stark gemacht, die CFTC zur prim\u00e4ren Aufsicht f\u00fcr den Spot-Handel zu machen, weil deren Marktzulassung berechenbarer wirkt als das Wertpapierregime. Setzt sich Seligs Verordnung durch und \u00fcbersteht sie die Gerichte, k\u00f6nnte die SEC in der Praxis auf die Rolle des Emittenten- und Wertpapierw\u00e4chters zur\u00fcckfallen, w\u00e4hrend die CFTC den laufenden Handel kontrolliert. Das w\u00e4re nicht das Ergebnis eines Gesetzes, sondern das Ergebnis dessen, wer schneller und entschlossener von seinen bestehenden Mitteln Gebrauch macht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Das Grundproblem: Regeln per Verordnung sind umkehrbar<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der tiefere Haken am gesamten Post-CLARITY-Man\u00f6ver ist nicht die Zust\u00e4ndigkeit, sondern die Haltbarkeit. Ein Gesetz bindet \u00fcber Wahlperioden hinweg; eine Verordnung ist ein Verwaltungsakt, den eine sp\u00e4tere Regierung oder ein anderer Beh\u00f6rdenchef \u00e4ndern oder streichen kann. Was Atkins und Selig 2026 aufbauen, k\u00f6nnte 2029 wieder abger\u00e4umt werden. Genau diese Reversibilit\u00e4t ist der Grund, warum die Branche das Gesetz so dringend wollte: Sie h\u00e4tte Planungssicherheit \u00fcber eine Wahl hinaus gegeben, die eine Verordnung schlicht nicht bieten kann.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Versch\u00e4rft wird das durch zwei institutionelle Entwicklungen. Erstens hat der Supreme Court im Fall Trump v. Slaughter Ende Juni 2026 die alte Humphrey-Executor-Doktrin gekippt und den Schutz vor Absetzung f\u00fcr Kommissare unabh\u00e4ngiger Beh\u00f6rden wie SEC und CFTC ausgeh\u00f6hlt, wie <a href='https:\/\/decrypt.co\/372342\/supreme-court-trump-fire-sec-cftc-commissioners-crucial-moment-crypto'>Decrypt<\/a> analysierte; beide Beh\u00f6rden sind damit politisch angreifbarer, nicht robuster. Zweitens verl\u00e4sst SEC-Kommissarin Hester Peirce die Beh\u00f6rde im November 2026, was die B\u00f6rsenaufsicht auf zwei Kommissare schrumpfen l\u00e4sst und Beschlussf\u00e4higkeitsfragen aufwirft. Ein Regelwerk, das auf so wackeligen institutionellen Beinen steht, ist ein Versprechen auf Widerruf.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Praxis bedeutet das eine paradoxe Lage: Der Markt bekommt endlich Regeln, aber keine Gewissheit. Ein Emittent, der 2026 auf die CFTC-Marktzulassung oder den SEC-Schutzhafen baut, muss einkalkulieren, dass eine neue Kommission diese Grundlage wieder einkassieren oder ein Gericht sie aufheben k\u00f6nnte. Rechtssicherheit auf Zeit ist besser als gar keine, aber sie ist eben nicht dasselbe wie ein Gesetz, das erst durch einen erneuten Kongressbeschluss f\u00e4llt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Blick nach Europa: MiCA als Gegenmodell<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr deutsche Leser ist der spannendste Teil der Kontrast. W\u00e4hrend in Washington zwei Beh\u00f6rden per Eilverordnung um Zust\u00e4ndigkeiten rangeln und ganze Regelwerke unter Vorbehalt eines Gerichtsurteils oder einer Wahl stehen, hat die Europ\u00e4ische Union diese Grundsatzfrage l\u00e4ngst durch ein einziges, bindendes Gesetz beantwortet. Die MiCA-Verordnung regelt Emittenten und Krypto-Dienstleister (CASPs) unmittelbar in allen Mitgliedstaaten, mit einem einheitlichen Regelbuch statt einer Beh\u00f6rden-Rangelei.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland setzt die BaFin diesen Rahmen um. Ihr <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen<\/a> beschreibt, wie Zulassung und Aufsicht funktionieren; die \u00dcbergangsfrist endete am 1. Juli 2026. Der Unterschied zum US-Modell ist fundamental: Die MiCA-Zust\u00e4ndigkeit h\u00e4ngt nicht davon ab, ob ein Token ein Wertpapier oder ein Rohstoff ist, sondern erfasst die Dienstleistung und den Emittenten direkt. Kein Zust\u00e4ndigkeitskrieg, keine Umkehrbarkeit per Wahl, kein Gericht, das die Grundlage kassieren k\u00f6nnte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das hei\u00dft nicht, dass Europa alles besser macht. MiCA hat eigene L\u00fccken, vor allem bei echter Dezentralit\u00e4t, wo mangels eines greifbaren Anbieters kein klarer Adressat f\u00fcr die Aufsicht existiert; die Analyse <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mica-defi-2026-dezentrale-finanz-perimeter\/'>&bdquo;MiCA und DeFi 2026: Warum dezentrale Finanz au\u00dfen vor bleibt&ldquo;<\/a> beschreibt diesen blinden Fleck im Detail. Der Kern bleibt aber: Ein langweiliges, bindendes Gesetz schl\u00e4gt ein dramatisches, widerrufliches.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was das f\u00fcr Anleger in Deutschland hei\u00dft<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer in Deutschland handelt, tut das auf MiCA-lizenzierten Plattformen unter BaFin-Aufsicht; daran \u00e4ndert das US-Drama direkt nichts. Indirekt aber sehr wohl. Die USA sind der liquideste Kryptomarkt der Welt; ihre Regelentscheidungen wirken auf Kurse, auf die Verf\u00fcgbarkeit einzelner Token und darauf, welche US-Handelspl\u00e4tze \u00fcberhaupt europ\u00e4ische Nutzer bedienen. Eine CFTC-gef\u00fchrte, rohstoffzentrierte Ordnung k\u00f6nnte mehr Token schnell handelbar machen, weil sie nicht am Wertpapierverdacht h\u00e4ngen bleiben. Der Preis daf\u00fcr w\u00e4re m\u00f6glicherweise ein schlankerer Anlegerschutz, denn das Rohstoffrecht kennt nicht dieselben Prospekt- und Offenlegungspflichten wie das Wertpapierrecht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Praktisch hei\u00dft das f\u00fcr den deutschen Markt: Der Handel l\u00e4uft \u00fcber CASPs, die bei der BaFin oder einer anderen EU-Aufsicht lizenziert sind und ihre Zulassung \u00fcber den MiCA-Pass europaweit nutzen. Welche Stablecoins verf\u00fcgbar sind, entscheidet dabei bereits heute die EU-Regel und nicht Washington; EURC und USDC sind in Europa zugelassen, w\u00e4hrend Tether USDT im regulierten EU-Handel weitgehend zur\u00fcckgezogen wurde. Wer die US-Entwicklung verfolgt, sollte auf drei Dinge achten: den ver\u00f6ffentlichten Wortlaut der CFTC-Regel nach der OMB-Pr\u00fcfung, m\u00f6gliche Klagen von Handelspl\u00e4tzen gegen eine Registrierungspflicht, und die Frage, ob SEC und CFTC ihre Zust\u00e4ndigkeiten sauber trennen oder sich ins Gehege kommen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu kommt die Makrolage. Die US-Notenbank hob den Leitzins am 16. September 2026 \u00fcberraschend um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4 Prozent an, die erste Anhebung seit 2023, wie <a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2026\/09\/16\/fed-rate-decision-september-2026.html'>CNBC<\/a> berichtete. Bitcoin notierte am 23. September laut <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>CoinGecko<\/a> bei rund 75.000 Euro. Regulatorische Unsicherheit und straffere Geldpolitik treffen also zusammen. Wie sich beides im Kurs niederschl\u00e4gt, lesen Sie in der Analyse <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/bitcoin-kurs-on-chain-daten-fed-zinsschritt-2026\/'>&bdquo;Bitcoin-Kurs nach der Fed: was die On-Chain-Daten verraten&ldquo;<\/a>. F\u00fcr Anleger bedeutet die Gemengelage vor allem eines: Der regulatorische Rahmen der USA ist derzeit ein bewegliches Ziel, kein Fundament.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Fahrplan: was war, was kommt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Machtwechsel von der Legislative zur Exekutive vollzog sich nicht \u00fcber Nacht, sondern in einer Kette von Schritten, die erst im R\u00fcckblick ihr Muster zeigen. Die folgende \u00dcbersicht b\u00fcndelt die wichtigsten Stationen des Jahres 2026.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Datum<\/th><th>Ereignis<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>30. Januar 2026<\/td><td>SEC und CFTC starten das gemeinsame Project Crypto<\/td><\/tr><tr><td>11. M\u00e4rz 2026<\/td><td>Atkins und Selig unterzeichnen ein Memorandum of Understanding<\/td><\/tr><tr><td>21. M\u00e4rz 2026<\/td><td>Gemeinsame Auslegung stuft 16 Token als digitale Rohstoffe ein<\/td><\/tr><tr><td>18. August 2026<\/td><td>SEC legt den Entwurf der Regulation Crypto Assets vor<\/td><\/tr><tr><td>20. August 2026<\/td><td>Selig k\u00fcndigt den CFTC-Alleingang f\u00fcr den Ernstfall an<\/td><\/tr><tr><td>15. September 2026<\/td><td>CLARITY Act scheitert im Senat mit 49 zu 50<\/td><\/tr><tr><td>16. September 2026<\/td><td>Die Fed hebt den Leitzins auf 3,75 bis 4 Prozent an<\/td><\/tr><tr><td>17. September 2026<\/td><td>CFTC reicht ihre Krypto-Marktregel beim OMB ein<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Auff\u00e4llig ist die Verdichtung im September: Innerhalb weniger Tage fielen das Gesetz, ein \u00fcberraschender Zinsschritt und der Vorsto\u00df der CFTC zusammen. Der Blick nach vorn zeigt, dass die eigentlichen Entscheidungen erst noch anstehen:<\/p><ul class='wp-block-list'><li><strong>Ab sofort:<\/strong> Die CFTC-Marktregel durchl\u00e4uft die OMB-Pr\u00fcfung; erst danach wird der Text \u00f6ffentlich und startet die Kommentarphase.<\/li><li><strong>20. Oktober:<\/strong> Kommentarfrist f\u00fcr die Regulation Crypto Assets der SEC endet.<\/li><li><strong>November:<\/strong> Hester Peirce verl\u00e4sst die SEC; die Kommission schrumpft auf zwei K\u00f6pfe.<\/li><li><strong>Nach den Zwischenwahlen:<\/strong> m\u00f6gliche Wiederaufnahme des CLARITY Act in der Lame-Duck-Sitzung, mit ungewissem Ausgang.<\/li><li><strong>2027:<\/strong> realistischer Zeitpunkt, zu dem eine der beiden Verordnungen endg\u00fcltig in Kraft treten k\u00f6nnte, sofern sie Gerichtsverfahren \u00fcbersteht.<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">Kurz gesagt: Vor 2027 wird es keine belastbare, finale US-Regel geben, und selbst dann steht sie unter dem Vorbehalt der Reversibilit\u00e4t und m\u00f6glicher Klagen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Fazit: Wer das Regelbuch erbt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Scheitern des CLARITY Act war die laute Schlagzeile, aber die eigentliche Geschichte spielt sich in den Regelwerksschlangen zweier Beh\u00f6rden ab. Die SEC schreibt gegen die Uhr, doch die CFTC hat als erste geliefert, und der Mann an ihrer Spitze kennt das Spielbuch der B\u00f6rsenaufsicht aus eigener Erfahrung. Ob Seligs Griff nach dem Kassamarkt h\u00e4lt, h\u00e4ngt weniger von seiner Entschlossenheit ab als von zwei Dingen, die er nicht kontrolliert: der Reichweite seiner bestehenden Vollmachten und der Geduld der Gerichte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Europa ist der Vorgang vor allem ein Lehrst\u00fcck. Ein Kontinent, der oft f\u00fcr seine Regulierungsfreude gescholten wird, steht am Ende mit dem stabileren Fundament da: ein Gesetz, das nicht davon abh\u00e4ngt, wer die n\u00e4chste Wahl gewinnt oder welche Beh\u00f6rde zuerst zum OMB rennt. Der US-Markt bleibt der Taktgeber f\u00fcr Kurse und Liquidit\u00e4t; der Rahmen aber, in dem deutsche Anleger tats\u00e4chlich handeln, hei\u00dft weiter MiCA und BaFin. Amerikas Krypto-Regelbuch wird gerade neu geschrieben, nur eben nicht im Kongress, sondern in den Vorzimmern des Wei\u00dfen Hauses.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Ist der CLARITY Act endg\u00fcltig gescheitert?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Am 15. September 2026 scheiterte der Antrag auf Schluss der Debatte mit 49 zu 50 Stimmen, n\u00f6tig gewesen w\u00e4ren 60. Ein Antrag auf erneute Abstimmung wurde eingereicht, ein Termin steht aber nicht fest. Realistisch bleibt nur eine Wiederaufnahme in der Sitzungsperiode nach den Zwischenwahlen, deren Ausgang offen ist.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum greift jetzt die CFTC und nicht die SEC nach der Krypto-Aufsicht?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">SEC und CFTC hatten im M\u00e4rz 2026 gemeinsam 16 gro\u00dfe Token als digitale Rohstoffe eingestuft, nicht als Wertpapiere. Damit ist die Rohstoffaufsicht CFTC die naturgem\u00e4\u00dfe Heimat f\u00fcr den Kassahandel. Ihr Vorsitzender Michael Selig reichte nur zwei Tage nach dem CLARITY-Aus eine eigene Marktregel beim Wei\u00dfen Haus ein.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was plant die CFTC mit ihrer neuen Krypto-Marktstruktur?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Selig will eine Zulassungskategorie f\u00fcr Krypto-Handelspl\u00e4tze schaffen, die dem bew\u00e4hrten Modell der Designated Contract Markets nachempfunden ist. Handelspl\u00e4tze m\u00fcssten dann eigene Markt\u00fcberwachung, Regeln gegen Manipulation und Listing-Standards erf\u00fcllen. Offen ist, ob die bestehenden Vollmachten der Beh\u00f6rde f\u00fcr eine solche Registrierungspflicht am Kassamarkt ausreichen.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was bedeutet das US-Regulierungschaos f\u00fcr Anleger in Deutschland?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Deutsche Anleger handeln weiterhin auf MiCA-lizenzierten Plattformen unter BaFin-Aufsicht, daran \u00e4ndert sich direkt nichts. Indirekt wirken US-Entscheidungen aber auf Kurse, Token-Verf\u00fcgbarkeit und den Zugang zu US-Handelspl\u00e4tzen. Der US-Rahmen ist derzeit ein bewegliches Ziel und bleibt es voraussichtlich bis mindestens 2027.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie unterscheidet sich die US-Regulierung von MiCA?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Die USA streiten \u00fcber die Zust\u00e4ndigkeit zwischen SEC und CFTC und arbeiten mit widerruflichen Verordnungen. Die EU hat mit MiCA ein einziges, bindendes Gesetz, das Emittenten und Dienstleister unmittelbar erfasst, unabh\u00e4ngig davon, ob ein Token ein Wertpapier oder ein Rohstoff ist. Das europ\u00e4ische Modell ist stabiler, hat aber eigene L\u00fccken bei echter Dezentralit\u00e4t.<\/p><script type='application\/ld+json'>{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Ist der CLARITY Act endg\u00fcltig gescheitert?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Am 15. September 2026 scheiterte der Antrag auf Schluss der Debatte mit 49 zu 50 Stimmen, n\u00f6tig gewesen w\u00e4ren 60. Ein Antrag auf erneute Abstimmung wurde eingereicht, ein Termin steht aber nicht fest. 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