{"id":622,"date":"2026-09-25T04:30:11","date_gmt":"2026-09-25T04:30:11","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/digitaler-euro-mica-2026-europas-digitales-geld\/"},"modified":"2026-09-25T04:30:11","modified_gmt":"2026-09-25T04:30:11","slug":"digitaler-euro-mica-2026-europas-digitales-geld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/digitaler-euro-mica-2026-europas-digitales-geld\/","title":{"rendered":"Digitaler Euro und MiCA: Europas Kampf ums digitale Geld"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend in Br\u00fcssel die Uhr f\u00fcr die gro\u00dfe MiCA-\u00dcberpr\u00fcfung tickt, das Konsultationsfenster schlie\u00dft am 30. September 2026, entscheidet sich die Zukunft des europ\u00e4ischen Geldes gerade auf zwei Baustellen zugleich. Auf der einen Seite steht die Verordnung \u00fcber M\u00e4rkte f\u00fcr Kryptowerte (MiCA), die seit \u00fcber zwei Jahren den privaten Markt f\u00fcr Stablecoins und Krypto-Dienstleister ordnet. Auf der anderen der digitale Euro, das Projekt der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) f\u00fcr \u00f6ffentliches Zentralbankgeld auf dem Smartphone. Bitcoin notiert an diesem Tag bei rund 74.000 Euro (<a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>CoinGecko<\/a>), doch die eigentliche Geldpolitik spielt sich woanders ab.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Beide Vorhaben verfolgen dasselbe Ziel: die Kontrolle dar\u00fcber, wer den Euro in digitaler Form ausgibt und abwickelt. MiCA hat den Rahmen f\u00fcr private Emittenten gesetzt, der digitale Euro soll die staatliche Erg\u00e4nzung werden. F\u00fcr deutsche Anlegerinnen und Anleger, f\u00fcr Banken und Plattformen entscheidet sich in den kommenden Monaten, wie beides zusammenpasst, und ob Europa den digitalen Zahlungsverkehr aus eigener Hand gestaltet oder ihn amerikanischen Dollar-Token und Kartennetzen \u00fcberl\u00e4sst. Wer den Kurs von Bitcoin und Co. richtig einordnen will, sollte diese <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/bitcoin-price-action-kurs-lesen-fed-2026\/'>geldpolitische Kulisse hinter den Kursbewegungen<\/a> mitlesen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Zwei Baustellen, ein Ziel: die Kontrolle \u00fcber das digitale Geld<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Um zu verstehen, warum der digitale Euro und MiCA im selben Atemzug genannt werden, lohnt ein Blick auf die Arbeitsteilung. MiCA reguliert das Private: Es schreibt vor, wer einen Stablecoin herausgeben darf, welche Reserven er halten muss und welche Erlaubnis eine Handelsplattform braucht. Es schafft aber selbst kein Geld. Der digitale Euro dagegen w\u00e4re echtes Zentralbankgeld, herausgegeben von der EZB, so wie heute Bargeld, nur eben digital und f\u00fcr den Alltag nutzbar.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Man kann sich das als zwei Antworten auf dieselbe Frage vorstellen. Die Frage lautet: Wie beh\u00e4lt Europa die Hoheit \u00fcber sein Geld, wenn Zahlungen zunehmend \u00fcber Apps, Token und internationale Netze laufen? MiCA antwortet mit Regeln f\u00fcr die privaten Anbieter. Der digitale Euro antwortet mit einer \u00f6ffentlichen Alternative. Beide sind Teil derselben Strategie, und beide werden 2026 an entscheidenden Punkten neu justiert: MiCA durch die laufende \u00dcberpr\u00fcfung, der digitale Euro durch das Gesetzgebungsverfahren im Trilog. Genau deshalb geh\u00f6ren sie in eine gemeinsame Analyse.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>MiCA-Umsetzung 2026: der Stand nach dem \u00dcbergang<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">MiCA ist l\u00e4ngst kein Zukunftsthema mehr, sondern gelebte Praxis. Die Verordnung trat am 29. Juni 2023 in Kraft. Die Regeln f\u00fcr Stablecoins (die Titel III und IV zu wertreferenzierten Token und E-Geld-Token) gelten seit dem 30. Juni 2024, die Regeln f\u00fcr Krypto-Dienstleister (CASP) und f\u00fcr Marktmissbrauch seit dem 30. Dezember 2024. Der EU-weite \u00dcbergangszeitraum, in dem Altanbieter ohne volle MiCA-Zulassung weiterarbeiten durften, endete am 1. Juli 2026.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Deutschland ging dabei einen Sonderweg: \u00dcber das Finanzmarktdigitalisierungsgesetz (FinmadiG) und das darin enthaltene Kryptom\u00e4rkteaufsichtsgesetz (KMAG) verk\u00fcrzte der Gesetzgeber die Schonfrist, sodass sie hierzulande bereits Ende Dezember 2025 auslief. Zust\u00e4ndig ist die <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>BaFin<\/a>, f\u00fcr Fragen der Finanzstabilit\u00e4t die Bundesbank. Das Ergebnis l\u00e4sst sich im europ\u00e4ischen Register ablesen: Laut dem Branchen-Tracker <a href='https:\/\/casptracker.eu\/'>casptracker.eu<\/a> waren Ende September 2026 rund 359 CASP im gesamten Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum zugelassen, davon 95 in Deutschland, gefolgt von Frankreich (36) und den Niederlanden (29). Deutschland f\u00fchrt die Liste an, auff\u00e4llig bankenlastig, weil bereits regulierte Institute \u00fcber ein vereinfachtes Anzeigeverfahren einsteigen konnten.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Meilenstein<\/th><th>Datum<\/th><th>Status 2026<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>MiCA tritt in Kraft<\/td><td>29. Juni 2023<\/td><td>erledigt<\/td><\/tr><tr><td>Stablecoin-Regeln (Titel III\/IV)<\/td><td>30. Juni 2024<\/td><td>in Anwendung<\/td><\/tr><tr><td>CASP- und Marktmissbrauchsregeln<\/td><td>30. Dezember 2024<\/td><td>in Anwendung<\/td><\/tr><tr><td>DORA (IT-Resilienz) bindet CASP<\/td><td>17. Januar 2025<\/td><td>in Anwendung<\/td><\/tr><tr><td>Ende der Schonfrist (Deutschland)<\/td><td>31. Dezember 2025<\/td><td>abgelaufen<\/td><\/tr><tr><td>Ende der Schonfrist (EU-weit)<\/td><td>1. Juli 2026<\/td><td>abgelaufen<\/td><\/tr><tr><td>MiCA-\u00dcberpr\u00fcfung: Konsultation schlie\u00dft<\/td><td>30. September 2026<\/td><td>laufend<\/td><\/tr><tr><td>Kommissionsbericht (Art. 140\/142)<\/td><td>bis 30. Juni 2027<\/td><td>ausstehend<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">MiCA steht dabei nicht allein, sondern im Zentrum eines ganzen Regel-Stapels. Parallel gelten die Verordnung DORA f\u00fcr die IT-Sicherheit der Anbieter, die Geldtransfer-Verordnung mit ihrer Travel Rule f\u00fcr die R\u00fcckverfolgbarkeit von Krypto-Transfers und ab Mitte 2027 die neue EU-Geldw\u00e4scheverordnung samt der Aufsichtsbeh\u00f6rde AMLA mit Sitz in Frankfurt. Krypto-Derivate wie Futures oder Perpetuals fallen dagegen nicht unter MiCA, sondern als Finanzinstrumente unter die Richtlinie MiFID II. F\u00fcr einen Anbieter hei\u00dft das: Die Lizenz ist nur der Anfang, der laufende Betrieb muss ein ganzes B\u00fcndel weiterer Vorgaben erf\u00fcllen, von der Ausfallsicherheit der Systeme bis zur Geldw\u00e4scheaufsicht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was MiCA mit den Stablecoins gemacht hat<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der sch\u00e4rfste Eingriff von MiCA betrifft Stablecoins. Die Verordnung kennt zwei Kategorien: E-Geld-Token (EMT), die an eine einzige W\u00e4hrung gekoppelt sind, etwa USDC oder EURC, und wertreferenzierte Token (ART), die sich auf einen Korb aus W\u00e4hrungen oder Verm\u00f6genswerten beziehen. Wer einen solchen Token in der EU herausgibt, muss eine Bank oder ein E-Geld-Institut sein, die Reserven vollst\u00e4ndig und getrennt vom eigenen Verm\u00f6gen halten, jederzeit zum Nennwert zur\u00fccktauschen und darf den Haltern keine Zinsen zahlen. F\u00fcr nicht auf Euro lautende EMT, die als Zahlungsmittel genutzt werden, greift zudem eine Obergrenze von rund 200 Millionen Euro Umsatz pro Tag, ab der ein Emittent die Neuausgabe stoppen muss.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Folge war eine Marktbereinigung. Tether, der Herausgeber des weltgr\u00f6\u00dften Stablecoins USDT, stellte keinen MiCA-Antrag; gro\u00dfe Handelspl\u00e4tze im EWR nahmen USDT f\u00fcr Privatkunden von der Liste. Circle dagegen wurde zum ersten global konformen Emittenten und bietet mit USDC und dem Euro-Token EURC zwei zugelassene Coins an. MiCA regelt dabei bewusst die Vermittler und Emittenten, nicht den Code selbst; wo eine Anwendung wirklich ohne identifizierbaren Betreiber l\u00e4uft, greift die Verordnung kaum. Warum die dezentrale Finanz (DeFi) deshalb weitgehend au\u00dfen vor bleibt, haben wir an anderer Stelle ausf\u00fchrlich behandelt, in unserer Analyse dazu, <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mica-defi-2026-dezentrale-finanz-perimeter\/'>warum dezentrale Finanz au\u00dfen vor bleibt<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Zwei Details zeigen, wie ernst es MiCA mit den Stablecoins meint. Erstens die R\u00fccktauschpflicht: Jeder Halter kann seinen Token jederzeit zum Nennwert zur\u00fccktauschen, genau dieser Anspruch soll einen Ansturm wie bei einer Bank verhindern. Zweitens die Gr\u00f6\u00dfenschwelle: Wird ein Token als bedeutend eingestuft, etwa wegen hoher Nutzerzahlen oder Ums\u00e4tze, wandert die Aufsicht von der nationalen Beh\u00f6rde direkt zur Europ\u00e4ischen Bankenaufsicht (EBA). Auch die t\u00e4gliche Obergrenze f\u00fcr Fremdw\u00e4hrungs-Token ist kein Zufall, sie soll gezielt verhindern, dass ein Dollar-Stablecoin im Euroraum zum breiten Alltagszahlungsmittel wird und die heimische W\u00e4hrung verdr\u00e4ngt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Das Ergebnis: der Euro spielt digital kaum eine Rolle<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">MiCA hat den privaten Stablecoin-Markt in der EU geordnet, das ist der Erfolg. Der weniger bequeme Befund lautet: Der Euro spielt in diesem Markt fast keine Rolle. Der gesamte Stablecoin-Markt lag Anfang 2026 bei rund 309 Milliarden US-Dollar, und mehr als 99 Prozent davon entfielen auf Dollar-Token (<a href='https:\/\/reap.global\/blog\/stablecoin-statistics-2026'>reap.global<\/a>). Euro-Stablecoins kommen zusammen auf etwa 0,2 Prozent des Marktes; ihr Gesamtangebot lag im September 2026 bei rund 848 Millionen US-Dollar, angef\u00fchrt von EURC mit etwa 526 Millionen und einem Anteil von rund 63 Prozent, gefolgt von EURCV der Soci\u00e9t\u00e9-G\u00e9n\u00e9rale-Tochter SG-Forge mit knapp 20 Prozent (<a href='https:\/\/cryptobriefing.com\/eurc-euro-stablecoin-market-dominance\/'>Cryptobriefing<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist der eigentliche Ausl\u00f6ser f\u00fcr die Debatte um den digitalen Euro. Die Regeln funktionieren, aber sie haben keinen starken europ\u00e4ischen Wettbewerber hervorgebracht. Wer heute digital in einer stabilen Recheneinheit zahlt oder spart, tut das fast immer in Dollar. F\u00fcr eine Wirtschaftsmacht, die ihre monet\u00e4re Souver\u00e4nit\u00e4t ernst nimmt, ist das ein strategisches Problem, kein blo\u00dfes Marktdetail. Die Tabelle zeigt die Gr\u00f6\u00dfenordnungen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Token<\/th><th>Anker<\/th><th>Ungef\u00e4hre Gr\u00f6\u00dfe<\/th><th>MiCA-Status im EWR<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>USDT (Tether)<\/td><td>US-Dollar<\/td><td>gr\u00f6\u00dfter Stablecoin weltweit<\/td><td>nicht zugelassen, f\u00fcr Privatkunden delistet<\/td><\/tr><tr><td>USDC (Circle)<\/td><td>US-Dollar<\/td><td>zweitgr\u00f6\u00dfter Stablecoin<\/td><td>zugelassen (E-Geld-Token)<\/td><\/tr><tr><td>EURC (Circle)<\/td><td>Euro<\/td><td>rund 526 Mio. US-Dollar<\/td><td>zugelassen (E-Geld-Token)<\/td><\/tr><tr><td>EURCV (SG-Forge)<\/td><td>Euro<\/td><td>knapp 20 Prozent des Euro-Segments<\/td><td>zugelassen (E-Geld-Token)<\/td><\/tr><tr><td>Euro-Stablecoins gesamt<\/td><td>Euro<\/td><td>rund 0,2 Prozent des Marktes<\/td><td>wachsend, aber winzig<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Der digitale Euro: die \u00f6ffentliche Antwort<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier setzt der digitale Euro an. Er w\u00e4re kein Stablecoin und kein Krypto-Asset, sondern digitales Zentralbankgeld f\u00fcr den Alltag: eine Forderung gegen die EZB, so sicher wie ein Geldschein, nur elektronisch. Gedacht ist er als Erg\u00e4nzung zum Bargeld, nicht als Ersatz, nutzbar im Laden, online und, das ist ein Kernversprechen, auch offline von Ger\u00e4t zu Ger\u00e4t. Neben tokenisierten Verm\u00f6genswerten und privaten Coins w\u00e4re er eine dritte Form digitalen Werts; wie unterschiedlich solche Token-Modelle technisch gebaut sein k\u00f6nnen, zeigt etwa der Vergleich von <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/runes-oder-taproot-assets-bitcoin-token-2026\/'>Runes und Taproot Assets auf Bitcoin<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Projekt ist weiter, als viele denken. Die zweij\u00e4hrige Vorbereitungsphase lief von November 2023 bis Oktober 2025; am 30. Oktober 2025 beschloss der EZB-Rat, in die n\u00e4chste Projektstufe \u00fcberzugehen (<a href='https:\/\/www.ecb.europa.eu\/press\/pr\/date\/2025\/html\/ecb.pr251030~8c5b5beef0.en.html'>EZB<\/a>). Ein Entwurf des Regelwerks (des sogenannten Rulebook) liegt vor. Wenn die Gesetzgebung im Lauf des Jahres 2026 steht, k\u00f6nnte 2027 eine zw\u00f6lfmonatige Pilotphase starten und eine erste Ausgabe im Jahr 2029 folgen. EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone nennt das Vorhaben nicht blo\u00df ein technisches, sondern einen gemeinschaftlichen Kraftakt, um Europas Geldsystem zukunftsfest zu machen. Die endg\u00fcltige Entscheidung, ob und wann ausgegeben wird, f\u00e4llt der EZB-Rat aber erst, wenn die Verordnung beschlossen ist.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis: Die EZB will keine Konten f\u00fcr hunderte Millionen B\u00fcrger selbst f\u00fchren. Ausgegeben und verteilt w\u00fcrde der digitale Euro \u00fcber die gewohnten Vermittler, also Banken und Zahlungsdienstleister, die ihn in ihre Apps und Karten einbauen. Grundlegende Dienste wie das Er\u00f6ffnen eines Wallets und einfache Zahlungen sollen f\u00fcr Privatpersonen kostenlos sein, w\u00e4hrend H\u00e4ndler eine gedeckelte Geb\u00fchr entrichten. Als gesetzliches Zahlungsmittel m\u00fcssten Gesch\u00e4fte den digitalen Euro grunds\u00e4tzlich annehmen, mit Ausnahmen etwa f\u00fcr sehr kleine Betriebe. Es entsteht also keine EZB-Super-App, sondern eine \u00f6ffentliche Geldschicht unter den privaten Bezahldiensten.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum die EZB dr\u00e4ngt: die Frage der Zahlungssouver\u00e4nit\u00e4t<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Das st\u00e4rkste Argument f\u00fcr den digitalen Euro ist nicht Technik, sondern Abh\u00e4ngigkeit. EZB-Pr\u00e4sidentin Christine Lagarde weist immer wieder darauf hin, dass Europa seinen bargeldlosen Zahlungsverkehr \u00fcberwiegend \u00fcber nicht-europ\u00e4ische Netze abwickelt. Internationale Kartensysteme machten \u00fcber 60 Prozent der Kartenzahlungen in Europa aus, und in 13 Euro-L\u00e4ndern gebe es gar kein nationales Kartenschema mehr (<a href='https:\/\/www.euronews.com\/business\/2026\/08\/13\/financial-sovereignty-digital-euro-and-payment-roaming-eu-seeks-alternatives-to-us-cards'>Euronews<\/a>). Man verlasse sich, so Lagarde sinngem\u00e4\u00df, vor allem auf US-Netze, um Zahlungen abzuwickeln; man brauche eine europ\u00e4ische L\u00f6sung, um zu Hause souver\u00e4n zu sein.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Cipollone hat diese Sorge zugespitzt: Wer nichts tue, so seine wiederholte Warnung, akzeptiere eine strukturelle Verwundbarkeit; die Argumente f\u00fcr den digitalen Euro liefen alle auf die strategische Autonomie Europas hinaus (<a href='https:\/\/www.bis.org\/review\/r260410g.htm'>BIS\/EZB<\/a>). Dazu kommt die Stablecoin-Flanke. Lagarde warnt vor einer &bdquo;digitalen Dollarisierung&ldquo;: Wenn europ\u00e4ische Nutzer massenhaft in dollarbesicherte Token abwandern, verliert die EZB an geldpolitischem Einfluss und die Banken an Einlagen (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2026\/05\/08\/ecb-s-lagarde-warns-tether-and-circle-stablecoins-risk-digital-dollarisation-in-europe'>CoinDesk<\/a>). Der digitale Euro soll beiden Risiken zugleich begegnen, der Abh\u00e4ngigkeit von fremden Kartennetzen und der Abh\u00e4ngigkeit vom digitalen Dollar.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Das Haltelimit: die Frage der 3.000 Euro<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der umstrittenste Baustein ist das Haltelimit. Damit der digitale Euro nicht zum Sparkonto wird, soll die Menge, die eine Person halten darf, begrenzt sein. In der Debatte kursieren Betr\u00e4ge in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von 3.000 bis 4.000 Euro pro Person, doch die Zahl ist nicht festgeschrieben und Gegenstand heftiger Auseinandersetzungen (<a href='https:\/\/www.bruegel.org\/analysis\/digital-euro-holding-limits'>Bruegel<\/a>). F\u00fcr Unternehmen ist das Halten grunds\u00e4tzlich ausgeschlossen: Sie sollen digitale Euro annehmen und verarbeiten, aber nicht horten k\u00f6nnen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Grund ist die Furcht vor Disintermediation. Verschieben B\u00fcrger im gro\u00dfen Stil Bankguthaben in digitale Euro, fehlt den Banken eine wichtige Refinanzierungsquelle; im Extremfall droht in Krisen ein digitaler Bankansturm per Fingertipp. Als Sicherung ist ein &bdquo;Wasserfall&ldquo;-Mechanismus vorgesehen: Betr\u00e4ge \u00fcber dem Limit werden automatisch auf ein verkn\u00fcpftes Bankkonto weitergeleitet, in die Gegenrichtung kann bei einer Zahlung fehlendes Guthaben nachgezogen werden. Das Limit soll also hoch genug sein, um Zahlungen bequem zu machen, und niedrig genug, um die Banken zu sch\u00fctzen. Diesen Kompromiss auszutarieren, ist die politisch heikelste Aufgabe des ganzen Projekts.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Politisch brisant ist, wer die genaue H\u00f6he festlegt. Die EZB m\u00f6chte das Limit flexibel und je nach geldpolitischer Lage anpassen k\u00f6nnen, w\u00e4hrend Parlament und Mitgliedstaaten darauf pochen, die Leitplanken selbst im Gesetz zu verankern. Interne Simulationen der Notenbanken haben Spannen von einigen hundert bis wenige tausend Euro durchgespielt. F\u00fcr Sparerinnen und Sparer ist die Botschaft ohnehin dieselbe: Der digitale Euro ist als Portemonnaie f\u00fcrs Bezahlen gedacht, nicht als verzinstes Konto, denn Zinsen soll es auf die Guthaben grunds\u00e4tzlich nicht geben.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wero, die Sparkassen und der Widerstand der Banken<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland verl\u00e4uft die Front nicht zwischen Bef\u00fcrwortern und Gegnern der Souver\u00e4nit\u00e4t, sondern zwischen \u00f6ffentlicher und privater L\u00f6sung. Bundesbankpr\u00e4sident Joachim Nagel wirbt offensiv f\u00fcr das Projekt; der digitale Euro sei &bdquo;eine Chance f\u00fcr Europa&ldquo; und eine digitale Erg\u00e4nzung zum Bargeld, kein Ersatz (<a href='https:\/\/www.bundesbank.de\/de\/presse\/reden\/der-digitale-euro-innovation-foerdern-souveraenitaet-sichern-europa-staerken-1000438'>Bundesbank<\/a>). Private Bezahll\u00f6sungen wie Wero, die europ\u00e4ische Initiative f\u00fcr Konto-zu-Konto-Zahlungen, k\u00f6nnten von der gemeinsamen Infrastruktur sogar profitieren, argumentiert Nagel, eine Win-win-Situation.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kreditwirtschaft sieht das skeptischer. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing mahnt, die EZB m\u00fcsse die Bedenken der Branche zu Wettbewerbsverzerrungen ernster nehmen; aus den Reihen der Sparkassen und Genossenschaftsbanken kommt die Sorge, ein staatlich getriebener digitaler Euro k\u00f6nne genau jene privaten Angebote wie Wero verdr\u00e4ngen, die Europa gerade erst aufbaut, und der Nutzen f\u00fcr Verbraucher sei bislang nicht klar belegt (<a href='https:\/\/www.dasinvestment.com\/digitaler-euro-banken-bundesbank-pro-contra-eu-abstimmung-2026\/'>DAS INVESTMENT<\/a>). Auch \u00fcber die Kosten wird gestritten: Die EZB veranschlagt die Investitionen der Branche auf etwa 4 bis 5,8 Milliarden Euro, Bankenvertreter rechnen mit 18 bis 30 Milliarden. Zwischen diesen Polen wird die deutsche Position im Rat ausgehandelt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Privatsph\u00e4re: bargeldnah oder gl\u00e4serner B\u00fcrger?<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Kein Thema erhitzt die Gem\u00fcter so wie der Datenschutz. Kritiker f\u00fcrchten den gl\u00e4sernen B\u00fcrger, dessen jede Zahlung nachvollziehbar wird, \u00e4hnlich wie beim <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/prognosemaerkte-glaeserner-markt-ki-agenten-insider-2026\/'>gl\u00e4sernen Markt der Prognosem\u00e4rkte<\/a>, wo Transparenz und \u00dcberwachung eng beieinanderliegen. Die EZB h\u00e4lt dem ihr Konzept &bdquo;privacy by design&ldquo; entgegen. Bei Offline-Zahlungen sollen nur Zahler und Empf\u00e4nger die Transaktionsdetails kennen, \u00e4hnlich wie bei Bargeld; online soll das Eurosystem einzelne Zahlungen nicht direkt mit Personen verkn\u00fcpfen k\u00f6nnen (<a href='https:\/\/www.ecb.europa.eu\/euro\/digital_euro\/faqs\/html\/ecb.faq_digital_euro.en.html'>EZB-FAQ<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Haken liegt im Zielkonflikt mit der Geldw\u00e4schepr\u00e4vention. Eine vollst\u00e4ndige Anonymit\u00e4t wie bei Bargeld soll es nur bei Offline-Zahlungen kleinerer Betr\u00e4ge geben; sobald gr\u00f6\u00dfere Summen oder Online-Zahlungen im Spiel sind, greifen die \u00fcblichen Sorgfaltspflichten. Genau diese Grenzziehung, wie viel Privatsph\u00e4re bei welchem Betrag, ist im Trilog hart umk\u00e4mpft, weil Datensch\u00fctzer und Strafverfolger gegenl\u00e4ufige Interessen verfolgen. F\u00fcr die Akzeptanz beim Publikum d\u00fcrfte diese Frage am Ende wichtiger sein als jedes technische Detail.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist ein zweiter Punkt, der oft untergeht: Die EZB betont, der digitale Euro werde kein &bdquo;programmierbares Geld&ldquo; sein. Es soll kein Verfallsdatum, keine Verwendungsbeschr\u00e4nkung und keine automatische Ausgabensteuerung geben; wer digitale Euro besitzt, soll frei dar\u00fcber verf\u00fcgen. Bezahlvorg\u00e4nge lassen sich zwar \u00fcber Dienstleister an Bedingungen kn\u00fcpfen (etwa eine Zahlung bei Lieferung), doch das Geld selbst bleibt neutral. Ob diese Zusagen ausreichen, ist umstritten: B\u00fcrgerrechtsorganisationen bem\u00e4ngeln, der Schutz beruhe zu sehr auf institutionellen Versprechen und zu wenig auf technisch harten Garantien (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2026\/08\/26\/the-digital-euro-will-offer-more-privacy-than-regular-bank-transfers-ecb-says'>CoinDesk<\/a>). Genau hier wird sich entscheiden, ob der digitale Euro von den Menschen angenommen wird.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Gesetzgebungsweg: Trilog und Zeitplan bis 2029<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Anders als MiCA ist der digitale Euro noch kein geltendes Recht, sondern ein Gesetzesvorhaben mitten im Verfahren. Der Wirtschafts- und W\u00e4hrungsausschuss des Europ\u00e4ischen Parlaments (ECON) beschloss seine Verhandlungsposition am 23. Juni 2026 mit 43 zu 14 Stimmen bei einer Enthaltung und machte damit den Weg f\u00fcr die Trilog-Verhandlungen frei (<a href='https:\/\/dig.watch\/updates\/ecb-digital-euro-next-legislative-phase'>Digital Watch<\/a>). Im Trilog ringen Parlament, Rat und Kommission um den endg\u00fcltigen Text. Ein erster Trilog fand am 13. Juli 2026 statt, ein zweiter am 10. September, ein weiterer war f\u00fcr Ende September angesetzt (<a href='https:\/\/www.betaalvereniging.nl\/en\/news\/eu-trilogue-digital-euro-begins\/'>Betaalvereniging<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fahrplan ist eng getaktet und h\u00e4ngt an einer Bedingung: Steht die Verordnung Ende 2026, kann 2027 der Pilot starten und 2029 die erste Ausgabe folgen. Rei\u00dft der Zeitplan, verschiebt sich alles nach hinten. F\u00fcr deutsche Leser hei\u00dft das: Der digitale Euro ist beschlossene Absicht, aber noch keine beschlossene Sache. Bis zur ersten Zahlung mit \u00f6ffentlichem digitalen Zentralbankgeld werden nach heutigem Stand mindestens drei Jahre vergehen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Im Kern ringen die drei Institutionen um dieselben Streitpunkte, die schon die Fachdebatte pr\u00e4gen: die H\u00f6he und Steuerung des Haltelimits, die Reichweite des Datenschutzes und die Verteilung der Kosten zwischen Notenbank und Kreditwirtschaft. Der Rat der Mitgliedstaaten agiert dabei traditionell vorsichtiger als das Parlament, das dem Vorhaben im Grundsatz bereits zugestimmt hat. Solange diese Fragen offen sind, bleibt selbst der ehrgeizigste Zeitplan eine Absichtserkl\u00e4rung, und die Kreditwirtschaft nutzt jedes Verhandlungsfenster, um ihre Einw\u00e4nde einzubringen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die MiCA-\u00dcberpr\u00fcfung: das Fenster schlie\u00dft am 30. September<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der \u00f6ffentliche Euro entsteht, wird der private Rahmen bereits \u00fcberarbeitet. Die Europ\u00e4ische Kommission hat am 20. Mai 2026 eine gezielte Konsultation zur \u00dcberpr\u00fcfung von MiCA gestartet, die am 30. September 2026 um 23:59 Uhr MESZ schlie\u00dft, ein Termin, der zum Zeitpunkt dieser Analyse nur noch wenige Tage entfernt ist (<a href='https:\/\/finance.ec.europa.eu\/regulation-and-supervision\/consultations-0\/targeted-consultation-review-mica-regulation_en'>Europ\u00e4ische Kommission<\/a>). Der Fragebogen umfasst 86 Fragen in vier Bl\u00f6cken und reicht bis tief in die Stablecoin-Regeln hinein.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bemerkenswert ist die Sto\u00dfrichtung. Gefragt wird unter anderem, ob das Zinsverbot f\u00fcr E-Geld- und wertreferenzierte Token bestehen bleiben oder unter Bedingungen gelockert werden soll, ob die Obergrenzen und Reservevorgaben angemessen sind und ob Emissionen durch mehrere Herausgeber oder durch Drittstaaten-Emittenten erleichtert werden sollten (<a href='https:\/\/financefeeds.com\/brussels-reopens-mica-and-the-window-shuts-on-30-september\/'>FinanceFeeds<\/a>). Das ist ein Wechsel des Grundtons: von &bdquo;Schutz zuerst&ldquo; zu &bdquo;Wettbewerbsf\u00e4higkeit zuerst&ldquo;, im Einklang mit Br\u00fcssels neuer Vereinfachungs- und Wettbewerbsagenda. Die Antworten flie\u00dfen in einen Kommissionsbericht ein, der nach den Artikeln 140 und 142 bis zum 30. Juni 2027 vorliegen und in einen Gesetzesvorschlag m\u00fcnden k\u00f6nnte, das viel zitierte &bdquo;MiCA 2.0&ldquo;. Hier laufen die beiden Baustellen zusammen: Ausgerechnet die Regeln f\u00fcr private Euro-Token k\u00f6nnten gelockert werden, w\u00e4hrend der \u00f6ffentliche digitale Euro auf die Zielgerade geht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>USA gegen EU: zwei Modelle f\u00fcr digitales Geld<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der transatlantische Kontrast k\u00f6nnte kaum sch\u00e4rfer sein. Die USA haben sich bewusst gegen \u00f6ffentliches und f\u00fcr privates digitales Geld entschieden. Ein Pr\u00e4sidialerlass vom 23. Januar 2025 untersagt Bundesbeh\u00f6rden ausdr\u00fccklich, eine digitale Zentralbankw\u00e4hrung zu schaffen, und f\u00f6rdert zugleich dollarbesicherte Stablecoins (<a href='https:\/\/www.bankingdive.com\/news\/trump-order-stablecoin-cbdc\/738280\/'>Banking Dive<\/a>). Mit dem GENIUS Act, unterzeichnet am 18. Juli 2025 nach klaren Mehrheiten in Senat (68 zu 30) und Repr\u00e4sentantenhaus (308 zu 122), schuf Washington einen Rahmen f\u00fcr Zahlungs-Stablecoins mit vollst\u00e4ndigen Reserven und Pflichten nach dem Bank Secrecy Act (<a href='https:\/\/www.lw.com\/en\/insights\/the-genius-act-of-2025-stablecoin-legislation-adopted-in-the-us'>Latham &amp; Watkins<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Beide Ans\u00e4tze strahlen \u00fcber ihre Grenzen hinaus. MiCA gilt als weltweit erstes umfassendes Krypto-Regelwerk und wird von Aufsehern in Asien und im Nahen Osten als Vorlage studiert, ein Beispiel f\u00fcr den viel zitierten Br\u00fcsseler Effekt. Der GENIUS Act wiederum verankert den Dollar-Stablecoin als globales Produkt und verlangt, dass Emittenten Transaktionen einfrieren oder sperren k\u00f6nnen, was Washington regulatorischen Einfluss bis in fremde M\u00e4rkte verschafft. Gro\u00dfbritannien geht einen dritten Weg und arbeitet an einem eigenen Regime f\u00fcr systemrelevante Stablecoins. Es geht also nicht nur um Verbraucherschutz, sondern um die Frage, wessen Regeln das digitale Geld der Zukunft pr\u00e4gen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Vereinfacht: Die USA verbieten den \u00f6ffentlichen digitalen Dollar und exportieren stattdessen den privaten. Europa reguliert den privaten Euro-Token und baut zugleich den \u00f6ffentlichen digitalen Euro. Wie unterschiedlich auch die Aufsicht organisiert ist, zeigt der Blick \u00fcber den Atlantik auf die Frage, ob dort <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/cftc-statt-sec-krypto-aufsicht-clarity-aus-2026\/'>die CFTC statt der SEC das Sagen bekommt<\/a>. Die folgende Tabelle stellt die beiden Modelle gegen\u00fcber.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Aspekt<\/th><th>USA<\/th><th>EU \/ Euroraum<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>\u00d6ffentliches Digitalgeld (CBDC)<\/td><td>per Erlass untersagt<\/td><td>digitaler Euro in Vorbereitung<\/td><\/tr><tr><td>Private Stablecoins<\/td><td>gef\u00f6rdert (GENIUS Act)<\/td><td>reguliert (MiCA, EMT\/ART)<\/td><\/tr><tr><td>Zinsen auf Stablecoins<\/td><td>f\u00fcr Zahlungs-Token untersagt<\/td><td>untersagt (in \u00dcberpr\u00fcfung)<\/td><\/tr><tr><td>Leitw\u00e4hrung digital<\/td><td>US-Dollar (\u00fcber 99 Prozent)<\/td><td>Euro-Token: rund 0,2 Prozent<\/td><\/tr><tr><td>Grundhaltung<\/td><td>Markt zuerst, privat<\/td><td>Souver\u00e4nit\u00e4t, \u00f6ffentlich plus privat<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Was das f\u00fcr deutsche Anleger und Plattformen bedeutet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den Alltag \u00e4ndert sich kurzfristig wenig, und das ist eine wichtige Botschaft gegen die Aufregung. Der digitale Euro kommt nach heutigem Stand fr\u00fchestens 2029, und wegen des Haltelimits w\u00e4re er ein Zahlungsmittel, kein Sparinstrument; Ersparnisse bleiben auf dem Bankkonto oder in anderen Anlagen. Wer heute Krypto h\u00e4lt, sp\u00fcrt vor allem die MiCA-Folgen: USDT ist f\u00fcr Privatkunden im EWR weitgehend verschwunden, konforme Alternativen wie USDC oder EURC treten an seine Stelle.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Praktisch hei\u00dft das: Vor der Nutzung einer Plattform lohnt der Blick ins BaFin- oder ESMA-Register, ob der Anbieter tats\u00e4chlich als CASP zugelassen ist. Kundengelder und Kryptowerte unterliegen unter MiCA einer Trennungspflicht, aber nicht der Einlagensicherung wie ein Bankguthaben. Und wer euro-denominierte Stablecoins nutzt, sollte im Blick behalten, dass die MiCA-\u00dcberpr\u00fcfung genau diese Regeln, vom Zinsverbot bis zur Obergrenze, ver\u00e4ndern k\u00f6nnte. F\u00fcr Banken und Zahlungsdienstleister wiederum wird der digitale Euro zur strategischen Frage: Sie sollen ihn sp\u00e4ter verteilen, ihre Apps anbinden und zugleich ihre eigenen Produkte behaupten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Einordnung im Depot gilt: Ein zugelassener Euro-Stablecoin und ein sp\u00e4terer digitaler Euro sind kein Ersatz f\u00fcr Bitcoin, Ethereum oder tokenisierte Wertpapiere, sondern erf\u00fcllen eine andere Aufgabe, n\u00e4mlich stabiles Bezahlen und Abwickeln. Wer Kryptowerte \u00fcber eine zugelassene Plattform h\u00e4lt, profitiert unter MiCA von klareren Pflichten zu Verwahrung, Beschwerdewegen und Aufkl\u00e4rung. Ein Restrisiko bleibt jedoch stets: Die Trennung der Kundenbest\u00e4nde sch\u00fctzt bei einer Insolvenz des Anbieters, ersetzt aber keine staatliche Einlagensicherung, wie sie f\u00fcr ein Bankguthaben gilt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Ausblick: zwei Euro-Fragen bis 2027<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die kommenden zw\u00f6lf Monate liefern zwei Antworten auf dieselbe Grundfrage, wer den digitalen Euro kontrolliert. Die erste betrifft den privaten Weg: Schlie\u00dft am 30. September das Konsultationsfenster, arbeitet die Kommission auf ihren Bericht bis Ende Juni 2027 hin, der \u00fcber die Richtung von &bdquo;MiCA 2.0&ldquo; entscheidet, strenger oder wettbewerbsfreundlicher. Die zweite betrifft den \u00f6ffentlichen Weg: Gelingt es, die Verordnung zum digitalen Euro bis Ende 2026 zu verabschieden, beginnt 2027 der Pilot, mit Kurs auf eine m\u00f6gliche Ausgabe 2029.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende steht eine europ\u00e4ische Wette: dass ein regulierter privater Markt und eine \u00f6ffentliche digitale W\u00e4hrung zusammen mehr Souver\u00e4nit\u00e4t schaffen als jede der beiden f\u00fcr sich. Ob sie aufgeht, h\u00e4ngt an unscheinbaren Zahlen, an einem Haltelimit von vielleicht 3.000 Euro, an einem gelockerten oder beibehaltenen Zinsverbot, an der Frage, ob Millionen Menschen einer staatlichen App mehr vertrauen als einem Dollar-Token. Der Kurs von Bitcoin mag die Schlagzeilen bestimmen, doch die eigentliche Weichenstellung f\u00fcr das Geld der Europ\u00e4er f\u00e4llt in Sitzungss\u00e4len in Br\u00fcssel und Frankfurt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufige Fragen (FAQ)<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Was ist der Unterschied zwischen dem digitalen Euro und einem Euro-Stablecoin wie EURC?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Der digitale Euro w\u00e4re \u00f6ffentliches Zentralbankgeld, also eine direkte Forderung gegen die EZB, so sicher wie Bargeld. Ein Euro-Stablecoin wie EURC ist privates Geld: Ein Unternehmen gibt den Token heraus und hinterlegt ihn mit Reserven, reguliert unter MiCA. Beide lauten auf Euro, aber der digitale Euro tr\u00e4gt kein Emittenten-Risiko, w\u00e4hrend bei einem Stablecoin die Bonit\u00e4t und die Reserven des privaten Herausgebers z\u00e4hlen.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wann kommt der digitale Euro?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nach heutigem Stand fr\u00fchestens 2029. Voraussetzung ist, dass die EU-Verordnung im Lauf des Jahres 2026 verabschiedet wird. Dann k\u00f6nnte 2027 eine zw\u00f6lfmonatige Pilotphase starten und 2029 die erste Ausgabe folgen. Verz\u00f6gert sich die Gesetzgebung im Trilog, verschiebt sich der gesamte Zeitplan entsprechend nach hinten.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Bedeutet der digitale Euro das Ende des Bargelds?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Die EZB und die Bundesbank betonen, der digitale Euro sei eine Erg\u00e4nzung zum Bargeld, kein Ersatz. Scheine und M\u00fcnzen bleiben gesetzliches Zahlungsmittel und sollen parallel weiter verf\u00fcgbar sein. Der digitale Euro soll vor allem die L\u00fccke bei rein digitalen, europaweiten Zahlungen schlie\u00dfen, f\u00fcr die es bisher keine \u00f6ffentliche L\u00f6sung gibt.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wie viel digitales Zentralbankgeld darf ich halten?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Geplant ist ein Haltelimit pro Person, damit der digitale Euro ein Zahlungsmittel und kein Sparkonto wird. In der Debatte kursieren Betr\u00e4ge in der Gr\u00f6\u00dfenordnung von 3.000 bis 4.000 Euro, doch die genaue H\u00f6he ist noch nicht festgelegt. \u00dcber einem Limit liegende Betr\u00e4ge sollen per Wasserfall-Mechanismus automatisch auf ein verkn\u00fcpftes Bankkonto weitergeleitet werden. Unternehmen d\u00fcrfen digitale Euro annehmen, aber grunds\u00e4tzlich nicht halten.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Verschwindet mein Stablecoin wie USDT durch MiCA?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Privatkunden im Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum ist USDT bei zugelassenen Plattformen weitgehend verschwunden, weil Tether keine MiCA-Zulassung beantragt hat. Konforme Alternativen wie USDC und der Euro-Token EURC sind zugelassen und bleiben handelbar. Ob und wie sich die Stablecoin-Regeln weiter \u00e4ndern, etwa beim Zinsverbot oder bei den Obergrenzen, h\u00e4ngt vom Ergebnis der laufenden MiCA-\u00dcberpr\u00fcfung ab.<\/p><script type=\"application\/ld+json\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was ist der Unterschied zwischen dem digitalen Euro und einem Euro-Stablecoin wie EURC?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Der digitale Euro w\u00e4re \u00f6ffentliches Zentralbankgeld, also eine direkte Forderung gegen die EZB, so sicher wie Bargeld. Ein Euro-Stablecoin wie EURC ist privates Geld: Ein Unternehmen gibt den Token heraus und hinterlegt ihn mit Reserven, reguliert unter MiCA. 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