{"id":645,"date":"2026-09-28T04:27:34","date_gmt":"2026-09-28T04:27:34","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/stablecoin-reserven-2026-mica-genius-reservestreit\/"},"modified":"2026-09-28T04:27:34","modified_gmt":"2026-09-28T04:27:34","slug":"stablecoin-reserven-2026-mica-genius-reservestreit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/stablecoin-reserven-2026-mica-genius-reservestreit\/","title":{"rendered":"Stablecoin-Reserven 2026: der Streit um MiCA und GENIUS Act"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Stablecoin ist nur so gut wie das Geld, das hinter ihm liegt. Diese Binsenweisheit ist im September 2026 zur konkreten und teuren Regulierungsfrage geworden. Am 22. September haben die Europ\u00e4ische Zentralbank und alle 27 nationalen Notenbanken der EU, die Deutsche Bundesbank eingeschlossen, in einer gemeinsamen Stellungnahme gefordert, die vielleicht bekannteste Vorschrift von MiCA zu streichen: die Pflicht, einen gro\u00dfen Teil der Reserve eines Zahlungs-Tokens auf Bankkonten zu halten (<a href='https:\/\/www.fintechweekly.com\/magazine\/articles\/escb-mica-review-stablecoin-60-percent-deposit-rule-2026'>FinTech Weekly<\/a>). Einen Tag sp\u00e4ter best\u00e4tigte Tether-Chef Paolo Ardoino \u00f6ffentlich, dass genau diese Regel der Grund sei, warum USDT nie eine MiCA-Lizenz beantragt hat (<a href='https:\/\/financefeeds.com\/tether-ceo-says-company-refused-to-apply-for-eu-mica-license-over-stablecoin-reserve-rule\/'>FinanceFeeds<\/a>). Und am 30. September schlie\u00dft die Europ\u00e4ische Kommission die Konsultation, in der \u00fcber die Zukunft eben dieser Regel entschieden wird.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Hinter der Schlagzeile steckt die eigentliche Auseinandersetzung dieses Regulierungsjahres. Sie dreht sich nicht mehr darum, ob Stablecoins erlaubt sind, das sind sie l\u00e4ngst, sondern darum, wo das Deckungsverm\u00f6gen physisch liegen muss. MiCA dr\u00e4ngt es zu einem erheblichen Teil auf Konten europ\u00e4ischer Banken. Der US-amerikanische GENIUS Act, das erste Bundesgesetz f\u00fcr Zahlungs-Stablecoins, verlangt beinahe das Gegenteil: kurz laufende Staatsanleihen und einen bewussten Bogen um ungesicherte Bankeinlagen. Zwei Regelwerke, die an vielen Stellen auseinanderdriften, geben bei der Reservefrage die entgegengesetzte Antwort, und beide berufen sich dabei auf dasselbe Ziel, n\u00e4mlich Stabilit\u00e4t.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Einsatz ist betr\u00e4chtlich. Der Stablecoin-Markt umfasst laut <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/categories\/stablecoins'>CoinGecko<\/a> rund 292 Milliarden US-Dollar, knapp 89 Prozent davon entfallen auf die beiden Dollar-Token USDT (etwa 184 Milliarden) und USDC (etwa 75 Milliarden); mehr als 99 Prozent aller Stablecoins lauten auf US-Dollar. Zur Einordnung: Ein Bitcoin kostet aktuell rund 73.000 Euro. Wer die Reserven dieser Token reguliert, greift also in einen der am schnellsten wachsenden Bausteine des globalen Zahlungsverkehrs ein. Dieser Beitrag erkl\u00e4rt, was MiCA und der GENIUS Act bei der Deckung wirklich verlangen, warum ausgerechnet eine Bankeinlage im M\u00e4rz 2023 den USDC-Peg brach, und weshalb die europ\u00e4ischen Notenbanken jetzt ihre eigene Vorzeigeregel infrage stellen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum die Reserve die eigentliche Frage ist<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein fiat-gedeckter Stablecoin ist ein einfaches Versprechen: F\u00fcr jeden Token liegt ein Euro oder ein Dollar bereit, jederzeit und zum Nennwert einl\u00f6sbar. Das Versprechen steht und f\u00e4llt mit der Reserve, also mit dem Verm\u00f6gen, das der Emittent f\u00fcr die Einl\u00f6sung vorh\u00e4lt. Der Zusammenbruch von TerraUSD 2022 hat gezeigt, dass ein rein algorithmischer Mechanismus daf\u00fcr nicht taugt; Stabilit\u00e4t entsteht nur, wenn hinter dem Token echte, liquide Werte stehen. Genau deshalb ist die Reserve kein Detail, sondern der Kern jeder Stablecoin-Regulierung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Reserve z\u00e4hlen zwei Dinge: die Zusammensetzung und der Ort. Die Zusammensetzung entscheidet, wie schnell und wie verlustfrei sich die Werte in Bargeld verwandeln lassen, wenn viele Inhaber gleichzeitig einl\u00f6sen wollen. Der Ort entscheidet, welchem Kontrahenten der Emittent ausgeliefert ist, etwa einer Bank, die selbst in Schieflage ger\u00e4t. MiCA und der GENIUS Act beantworten beide Fragen, aber sie tun es unterschiedlich, und die j\u00fcngsten Ereignisse zeigen, wie weitreichend die Folgen sind. Wer verstehen will, warum eine scheinbar technische Vorschrift \u00fcber Bankeinlagen zum Streitfall zwischen Emittenten, Aufsehern und Notenbanken geworden ist, muss zuerst die beiden Regelwerke nebeneinanderlegen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>MiCA: die Deckung geh\u00f6rt zu gro\u00dfen Teilen auf Bankkonten<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">MiCA, die EU-Verordnung \u00fcber M\u00e4rkte f\u00fcr Kryptowerte, kennt zwei Arten wertstabiler Token. E-Geld-Token (EMT, Titel IV) sind an eine einzige amtliche W\u00e4hrung gebunden, etwa USDC an den Dollar oder EURC an den Euro. Verm\u00f6genswertreferenzierte Token (ART, Titel III) beziehen sich auf einen Korb aus W\u00e4hrungen, Rohstoffen oder anderen Werten. Beide d\u00fcrfen in der EU nur von einer Bank oder einem zugelassenen E-Geld-Institut ausgegeben werden, beide verlangen eine vollst\u00e4ndig gedeckte, getrennt verwahrte Reserve, eine Einl\u00f6sung zum Nennwert jederzeit und, wichtig f\u00fcr ein sp\u00e4teres Kapitel, ein Verbot, den Inhabern Zinsen zu zahlen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die umstrittene Vorschrift steht in <a href='https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/reg\/2023\/1114\/oj'>Artikel 54 der Verordnung<\/a>. Danach m\u00fcssen Emittenten von E-Geld-Token mindestens 30 Prozent der entgegengenommenen Gelder als Einlagen bei Kreditinstituten halten; bei Token, die als signifikant eingestuft werden, steigt die Quote auf mindestens 60 Prozent. Der Rest ist in sichere, risikoarme und hochliquide Instrumente zu investieren, die auf dieselbe W\u00e4hrung wie der Token lauten. Krypto-Assets, Aktien oder Rohstoffe sind in der Reserve tabu. Ob ein Token signifikant ist, entscheidet die Europ\u00e4ische Bankenaufsicht (EBA) anhand von Gr\u00f6\u00dfen- und Nutzungskriterien; sie \u00fcbernimmt dann auch die direkte Aufsicht \u00fcber den Emittenten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland wacht die BaFin \u00fcber Emittenten und Krypto-Dienstleister. Das Finanzmarktdigitalisierungsgesetz mit dem darin enthaltenen Kryptom\u00e4rkteaufsichtsgesetz (KMAG) hat MiCA national verankert und die BaFin als zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde benannt; ihr <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen<\/a> stellt klar, dass die Aufsicht die Dienstleister und Emittenten erfasst, nicht das Protokoll selbst. Circle war der erste global t\u00e4tige Emittent, der die MiCA-Anforderungen erf\u00fcllte, \u00fcber ein franz\u00f6sisches E-Geld-Institut mit Zulassung der Aufsicht ACPR; USDC und der Euro-Token EURC sind damit in der EU regelkonform. Tether ging den umgekehrten Weg, und der Grund daf\u00fcr ist genau der Ort, an dem die Reserve liegen soll.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>GENIUS Act: raus aus ungesicherten Einlagen, rein in kurze Treasuries<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die USA gingen 2025 einen anderen Weg. Der GENIUS Act, im Juli 2025 unterzeichnet, ist das erste US-Bundesgesetz f\u00fcr Zahlungs-Stablecoins. Sein <a href='https:\/\/www.congress.gov\/bill\/119th-congress\/senate-bill\/1582\/text'>Abschnitt 4<\/a> z\u00e4hlt abschlie\u00dfend auf, welche Verm\u00f6genswerte die Reserve decken d\u00fcrfen: US-M\u00fcnzen und -Banknoten, Guthaben bei der Federal Reserve, Sichteinlagen bei versicherten Einlageninstituten, Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von h\u00f6chstens 93 Tagen, \u00fcber Nacht besicherte Repo- und Reverse-Repo-Gesch\u00e4fte auf solche Papiere, staatliche Geldmarktfonds, die ausschlie\u00dflich in diese Werte investieren, sowie tokenisierte Formen davon. Wichtig ist, was fehlt: lang laufende Anleihen, Unternehmenspapiere, Krypto-Assets und, faktisch, gro\u00dfe ungesicherte Bankeinlagen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die 93-Tage-Grenze ist kein Zufall, sondern eine bewusste Risikoschranke. Lang laufende Anleihen tragen Zins\u00e4nderungsrisiko; steigen die Zinsen, f\u00e4llt ihr Marktwert, und genau das kann einen Peg brechen. Indem der GENIUS Act die Reserve auf kurz laufende, hochliquide Papiere begrenzt, minimiert er dieses Szenario, eine Lehre, die direkt aus dem Zusammenbruch der Silicon Valley Bank 2023 gezogen wurde. Dazu kommt ein Verbot, die Reserve zu verpf\u00e4nden oder weiterzuverleihen, abgesehen von eng umrissenen Ausnahmen etwa f\u00fcr die Liquidit\u00e4t bei Einl\u00f6sungen. Emittenten m\u00fcssen ihre Reserve monatlich offenlegen, d\u00fcrfen keine Zinsen an Inhaber zahlen, und ab einem Volumen von zehn Milliarden Dollar fallen sie unter die bundesstaatliche Aufsicht des OCC, darunter unter ein einzelstaatliches Regime.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Zeitplan ist eng. Das US-Finanzministerium ver\u00f6ffentlichte im August 2026 seinen Verordnungsentwurf zu Abschnitt 3 im <a href='https:\/\/www.federalregister.gov\/documents\/2026\/08\/18\/2026-16796\/genius-act-regulations-on-payment-stablecoin-issuance-offer-and-sale'>Federal Register<\/a>; die Kommentierungsfrist l\u00e4uft bis zum 19. Oktober 2026 (<a href='https:\/\/home.treasury.gov\/news\/press-releases\/sb0605'>US-Finanzministerium<\/a>). Ab dem 18. Januar 2027 darf niemand ohne bundes- oder einzelstaatliche Lizenz einen Zahlungs-Stablecoin in den USA ausgeben; ab dem 18. Juli 2028 d\u00fcrfen Dienstleister grunds\u00e4tzlich keine nicht regelkonformen Zahlungs-Stablecoins mehr anbieten. Die Kernbotschaft f\u00fcr die Reserve lautet: Geld raus aus ungesicherten Bankeinlagen, rein in kurze Staatsanleihen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Reserve-Regel<\/th><th>MiCA (EU)<\/th><th>GENIUS Act (USA)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Bankeinlagen<\/td><td>mind. 30 %, bei signifikanten Token 60 %<\/td><td>nur versicherte Einlagen, kein Mindestanteil<\/td><\/tr><tr><td>Staatsanleihen<\/td><td>im hochliquiden Restanteil erlaubt<\/td><td>Kern der Reserve, Restlaufzeit max. 93 Tage<\/td><\/tr><tr><td>Krypto, Aktien, Gold, Rohstoffe<\/td><td>verboten<\/td><td>verboten<\/td><\/tr><tr><td>Weiterverleihen der Reserve<\/td><td>untersagt, getrennte Verwahrung<\/td><td>untersagt, enge Ausnahmen<\/td><\/tr><tr><td>Zinsen an Inhaber<\/td><td>verboten<\/td><td>verboten<\/td><\/tr><tr><td>Offenlegung<\/td><td>laufende Meldepflichten, EBA-Aufsicht bei signifikanten Token<\/td><td>monatlich, Best\u00e4tigung durch die Gesch\u00e4ftsleitung<\/td><\/tr><tr><td>Aufsicht<\/td><td>nationale Beh\u00f6rde (in Deutschland die BaFin), EBA<\/td><td>OCC ab 10 Mrd. USD, sonst Einzelstaaten<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class='wp-block-table__figcaption'>Wo die Deckung liegen muss: die Reserve-Vorschriften im Vergleich.<\/figcaption><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Der 11. M\u00e4rz 2023: als eine Bankeinlage den USDC-Peg kostete<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Um zu verstehen, warum der GENIUS Act ungesicherte Bankeinlagen meidet und warum die europ\u00e4ischen Notenbanken jetzt umdenken, hilft ein Blick zur\u00fcck auf das Wochenende, an dem der zweitgr\u00f6\u00dfte Stablecoin der Welt seinen Peg verlor. Am 10. M\u00e4rz 2023 kollabierte die Silicon Valley Bank. Am Abend des 11. M\u00e4rz musste Circle offenlegen, dass rund 3,3 Milliarden Dollar seiner Barreserven, knapp acht Prozent der damaligen Cash-Position, bei genau dieser Bank festhingen (<a href='https:\/\/www.cnbc.com\/2023\/03\/11\/stablecoin-usdc-breaks-dollar-peg-after-firm-reveals-it-has-3point3-billion-in-svb-exposure.html'>CNBC<\/a>). Der Markt reagierte sofort.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wenige Stunden nach der Mitteilung, gegen zwei Uhr morgens, fiel USDC auf 0,87 Dollar. Ein Token, der jederzeit einen Dollar wert sein sollte, verlor an einem Wochenende 13 Prozent, weil ein Teil seiner Deckung in einer Bank lag, die gerade unterging. Erst als die US-Einlagensicherung FDIC die \u00fcbliche Obergrenze von 250.000 Dollar au\u00dfer Kraft setzte und alle Einlagen bei der SVB garantierte, kehrte USDC nach rund drei Tagen zum Dollar zur\u00fcck. Der entscheidende Punkt f\u00fcr die Reservefrage: Es war nicht der Anleihenteil der Reserve, der brach, sondern der Bankeinlagen-Anteil. Die kurzen Staatsanleihen im Circle Reserve Fund blieben unangetastet; gef\u00e4hrlich wurde das Bargeld auf einem einzigen Bankkonto.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Das Paradox: MiCA verlangt genau die N\u00e4he, die USDC brach<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier liegt die eigentliche Ironie der europ\u00e4ischen Regel. MiCA verlangt, dass mindestens 30 und bei den gr\u00f6\u00dften Token sogar 60 Prozent der Reserve als Bankeinlagen gehalten werden, also genau in der Form, die USDC 2023 an den Rand des Abgrunds brachte. Der GENIUS Act zog die entgegengesetzte Lehre und dr\u00e4ngt die Reserve aus den Einlagen heraus. Beide Gesetze wollen Stabilit\u00e4t, aber sie definieren das sichere Verm\u00f6gen unterschiedlich: F\u00fcr Br\u00fcssel war die Bank der sichere Hafen, f\u00fcr Washington das kurze Staatspapier.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem versch\u00e4rft sich durch die Gr\u00f6\u00dfenordnungen. Die europ\u00e4ische Einlagensicherung greift nur bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Eine Stablecoin-Reserve von mehreren Milliarden ist damit fast vollst\u00e4ndig ungesichert; sie ist eine ungesch\u00fctzte Forderung gegen eine Gesch\u00e4ftsbank. Wird ein Token signifikant und muss 60 Prozent seiner Deckung als Einlagen halten, konzentriert sich ein zweistelliger Milliardenbetrag auf wenigen Bankbilanzen. Die Bank wiederum kann diese Einlagen verleihen. Fordern viele Inhaber gleichzeitig ihr Geld zur\u00fcck, muss der Emittent die Einlagen abziehen, und der Stress springt binnen Stunden vom Token auf die Bank \u00fcber. Was als Schutzvorschrift gedacht war, kann so selbst zur Quelle systemischer Fragilit\u00e4t werden.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der R\u00fcckzieher der Notenbanken: 22. September 2026<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Genau diese Sorge hat nun die h\u00f6chste geldpolitische Instanz Europas erreicht. In ihrer Antwort auf die MiCA-Konsultation der Kommission haben die EZB und alle 27 nationalen Notenbanken am 22. September 2026 gefordert, die festen Einlagenquoten von 30 und 60 Prozent zu streichen (<a href='https:\/\/www.fintechweekly.com\/magazine\/articles\/escb-mica-review-stablecoin-60-percent-deposit-rule-2026'>FinTech Weekly<\/a>). Ihr Argument ist das Ansteckungsrisiko: Ein gro\u00dfer, an einen einzigen Token gebundener Einlagenblock sei eine unbest\u00e4ndige Refinanzierung f\u00fcr die Bank, die ihn h\u00e4lt. L\u00f6sen die Inhaber massenhaft ein, ziehe der Emittent seine Einlagen ab, und der Stress aus dem Token-Markt erreiche binnen Stunden das Bankensystem.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">An die Stelle fester Prozents\u00e4tze soll ein Liquidit\u00e4tsansatz treten: Ein Mindestanteil der Reserve m\u00fcsste innerhalb eines Gesch\u00e4ftstags f\u00e4llig werden, ein weiterer Mindestanteil innerhalb von f\u00fcnf Gesch\u00e4ftstagen, f\u00fcr den Rest g\u00e4lten Laufzeitgrenzen und Streuungsregeln; als Ausgangspunkt dienen die technischen Regulierungsstandards der EBA. Dass ausgerechnet die Bundesbank und ihre Schwesterinstitute die Bankeinlagen-Pflicht kippen wollen, ist bemerkenswert, denn es ist dieselbe Diagnose, die Tether seit Jahren stellt. Die Konsultation schlie\u00dft am 30. September; eine tats\u00e4chliche \u00c4nderung setzt eine Reform von MiCA voraus und ist kaum vor 2027 zu erwarten. Der Vorsto\u00df zeigt aber, dass sich die europ\u00e4ische Reserve-Logik in Richtung des US-Modells bewegt, weg von der Einlage, hin zum kurzen, liquiden Papier.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Tethers Abschied und Ardoinos Argument<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Kein Akteur hat diese Debatte lauter gef\u00fchrt als Tether. Firmenchef Paolo Ardoino stellte am 23. September klar, dass sein Unternehmen bewusst auf eine MiCA-Lizenz verzichtet hat, und zwar wegen der 60-Prozent-Einlagenregel (<a href='https:\/\/financefeeds.com\/tether-ceo-says-company-refused-to-apply-for-eu-mica-license-over-stablecoin-reserve-rule\/'>FinanceFeeds<\/a>). Sein Kernargument: Eine Bankeinlage sei nicht dasselbe wie sofort verf\u00fcgbares Bargeld. M\u00fcsste ein Token \u00fcber zehn Milliarden Euro sechs Milliarden davon als Einlagen halten, k\u00f6nnten die Banken dieses Geld verleihen; in einer Bankenkrise m\u00fcsste der Emittent Milliarden auf einmal abziehen und geriete in Liquidit\u00e4ts- und Kontrahentenrisiko. Statt auf Gesch\u00e4ftsbanken setzt Tether auf kurz laufende US-Staatsanleihen, die sich in einer Einl\u00f6sungswelle besser kontrollieren lie\u00dfen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Konsequenz ist praktisch sp\u00fcrbar. Seit dem Ende der MiCA-\u00dcbergangsfrist am 1. Juli 2026 ist USDT von regulierten Handelspl\u00e4tzen im Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum verschwunden; B\u00f6rsen mit EU-Zulassung haben den Token f\u00fcr Endkunden ausgelistet, w\u00e4hrend USDC zum regelkonformen Standard aufstieg. Das Bemerkenswerte an der Lage im September 2026 ist, dass der Emittent, der sich der Regel verweigert hat, und die Notenbanken, die die Regel geschrieben haben, pl\u00f6tzlich dieselbe Schwachstelle benennen. \u00dcber die Konsequenzen bleiben sie uneins: Tether will gar nicht erst unter das europ\u00e4ische Dach, die Notenbanken wollen das Dach umbauen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wie USDT und USDC wirklich gedeckt sind<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Blick in die tats\u00e4chlichen Reserven der beiden Marktf\u00fchrer zeigt, warum die Ortsfrage so brisant ist. USDC h\u00e4lt laut Circle rund 80 Prozent seiner Deckung in kurz laufenden US-Staatsanleihen, geb\u00fcndelt im Circle Reserve Fund, einem bei der SEC registrierten staatlichen Geldmarktfonds, der von BlackRock verwaltet und bei der Bank of New York Mellon verwahrt wird; die gewichtete Restlaufzeit liegt unter 60 Tagen. Die restlichen rund 20 Prozent sind Bargeld bei regulierten Banken. Die Reserve ist vom Firmenverm\u00f6gen getrennt, darf nicht verliehen werden, und Circle ver\u00f6ffentlicht monatliche Best\u00e4tigungen von Deloitte samt Angaben auf Wertpapierebene (<a href='https:\/\/www.circle.com\/transparency'>Circle<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">USDT ist komplexer. Der L\u00f6wenanteil der Reserve steckt ebenfalls in US-Staatsanleihen; im ersten Quartal 2026 meldete Tether ein Engagement von rund 141 Milliarden Dollar einschlie\u00dflich Reverse-Repos. Daneben h\u00e4lt das Unternehmen aber Positionen, die unter beiden Regelwerken tabu w\u00e4ren: Zum Jahresende 2025 wies Tether Gold im Wert von 17,4 Milliarden und Bitcoin im Wert von 8,4 Milliarden Dollar aus (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2026\/01\/30\/tether-s-gold-holdings-top-usd17-billion-as-net-profits-surpassed-usd10-billion-for-2025'>CoinDesk<\/a>), dazu besicherte Kredite und weitere Anlagen. Diese Bausteine erkl\u00e4ren die hohe Rendite des Emittenten, disqualifizieren USDT aber sowohl unter MiCA als auch unter dem GENIUS Act.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Unterschied zeigt sich im Ernstfall. Eine Reserve aus kurzen Staatsanleihen l\u00e4sst sich binnen Stunden am tiefsten und liquidesten Anleihemarkt der Welt verkaufen, ohne den Preis stark zu bewegen. Gold und Bitcoin sind volatiler und schwerer schnell zu Geld zu machen, besicherte Kredite noch weniger. Und anders als Circle ver\u00f6ffentlicht Tether Best\u00e4tigungen durch die Pr\u00fcfungsgesellschaft BDO Italia nur quartalsweise, als Momentaufnahme, nicht als vollst\u00e4ndige Pr\u00fcfung. F\u00fcr die Reservefrage hei\u00dft das: USDT ist heute gut kapitalisiert, aber seine Deckung entspricht nicht dem, was Aufseher auf beiden Seiten des Atlantiks von einem regulierten Zahlungs-Token verlangen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Merkmal<\/th><th>USDC (Circle)<\/th><th>USDT (Tether)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Marktkapitalisierung<\/td><td>rund 75 Mrd. USD<\/td><td>rund 184 Mrd. USD<\/td><\/tr><tr><td>Staatsanleihen<\/td><td>ca. 80 %, Restlaufzeit unter 60 Tagen<\/td><td>ca. 141 Mrd. USD inkl. Reverse-Repos<\/td><\/tr><tr><td>Bargeld<\/td><td>ca. 20 % bei regulierten Banken<\/td><td>Teil der Cash-Position<\/td><\/tr><tr><td>Gold und Bitcoin<\/td><td>keine<\/td><td>Gold 17,4 Mrd., Bitcoin 8,4 Mrd. USD (Ende 2025)<\/td><\/tr><tr><td>Verwahrung<\/td><td>BNY Mellon, Verwaltung BlackRock<\/td><td>gemischt, teils besicherte Kredite<\/td><\/tr><tr><td>Nachweis<\/td><td>monatliche Best\u00e4tigung (Deloitte)<\/td><td>quartalsweise Best\u00e4tigung (BDO Italia)<\/td><\/tr><tr><td>MiCA-konform<\/td><td>ja<\/td><td>nein<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class='wp-block-table__figcaption'>Zwei Marktf\u00fchrer, zwei Reserve-Modelle (Angaben laut Circle bzw. Tether).<\/figcaption><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Attestierung ist kein Audit<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die Reserve \u00fcber die Stabilit\u00e4t eines Tokens entscheidet, kommt es darauf an, wie glaubw\u00fcrdig ihre Existenz belegt wird. Hier lohnt eine Unterscheidung, die in der Debatte oft untergeht: Eine Attestierung ist kein Audit. Eine Attestierung best\u00e4tigt eine bestimmte Aussage zu einem bestimmten Stichtag, etwa dass an einem 30. Juni Verm\u00f6genswerte in einer bestimmten H\u00f6he vorhanden waren. Ein Audit pr\u00fcft dar\u00fcber hinaus die zugrunde liegenden Systeme und Kontrollen \u00fcber einen Zeitraum hinweg. F\u00fcr Reserven, die niemand direkt einsehen kann, ist dieser Unterschied entscheidend.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Beide Regelwerke schieben die Emittenten in Richtung mehr Transparenz. Der GENIUS Act verlangt eine monatliche Offenlegung der Reserve mitsamt einer Best\u00e4tigung durch die Gesch\u00e4ftsleitung; MiCA verlangt laufende Meldungen und stellt signifikante Token unter die direkte Aufsicht der EBA. Beide verlangen zudem, die Reserve strikt vom Firmenverm\u00f6gen zu trennen und nicht weiterzuverleihen. Vollst\u00e4ndige Jahresabschlusspr\u00fcfungen durch gro\u00dfe Wirtschaftspr\u00fcfer sind in der Branche aber weiterhin die Ausnahme, nicht die Regel. F\u00fcr Anleger bedeutet das: Die Frage ist nicht nur, was in der Reserve liegt, sondern auch, wie oft und wie gr\u00fcndlich das \u00fcberpr\u00fcft wird.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Basel, Bankbilanzen und der doppelte Reiz der Stablecoins<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum wehren sich ausgerechnet Notenbanken gegen eine Regel, die Geld in ihr eigenes Bankensystem lenkt? Die Antwort liegt in den Bankbilanzen. F\u00fcr die Banken selbst sind Kryptowerte teuer: Der Baseler Standard f\u00fcr die aufsichtsrechtliche Behandlung von Krypto-Engagements belegt die riskanteste Gruppe (Group 2) mit einem Risikogewicht von 1.250 Prozent, was faktisch eine vollst\u00e4ndige Eigenkapitalunterlegung bedeutet (<a href='https:\/\/www.skadden.com\/insights\/publications\/2024\/08\/bank-capital-standards-for-cryptoasset'>Skadden<\/a>). Nur Stablecoins, die strenge Einl\u00f6se- und Aufsichtstests bestehen (Group 1b), kommen in den Genuss einer weit g\u00fcnstigeren Behandlung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Daraus entsteht ein doppelter Reiz. Auf der einen Seite f\u00fcrchten Banken die unbest\u00e4ndigen Einlagen, die ein einziger gro\u00dfer Token mit sich bringt, und die Baseler Regeln machen jedes Engagement in unqualifizierten Kryptowerten kostspielig. Auf der anderen Seite lockt das Gesch\u00e4ft: Verwahrung der Reserven, Zahlungsabwicklung und, zunehmend, die Ausgabe eigener, regelkonformer Token. Ein Konsortium europ\u00e4ischer Banken hat f\u00fcr 2026 einen gemeinsamen Euro-Stablecoin angek\u00fcndigt, und deutsche Institute stehen dabei nicht abseits. Die Notenbanken wollen also nicht die Stablecoins aus dem Bankensystem verbannen, sondern die riskanteste Verbindung, den gro\u00dfen ungesicherten Einlagenblock, durch etwas Robusteres ersetzen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wer die Zinsen der Reserve kassiert<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reserve ist nicht nur ein Sicherheitspolster, sie ist auch eine Ertragsquelle, und beide Gesetze regeln, wer sie behalten darf. Sowohl MiCA als auch der GENIUS Act verbieten es, den Inhabern Zinsen zu zahlen. Wer USDC oder USDT h\u00e4lt, bekommt also keinen Cent der Zinsertr\u00e4ge, die die dahinterliegenden Staatsanleihen abwerfen. Bei kurzen US-Zinsen um vier bis f\u00fcnf Prozent und einem Reserveverm\u00f6gen von zusammen mehr als 250 Milliarden Dollar landet dieser Ertrag beim Emittenten. Wie dieser stille Gewinn verteilt wird und welche Umgehungswege \u00fcber verzinste Token entstehen, hat HOGE Wire in einem eigenen Beitrag dazu aufgeschl\u00fcsselt, <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/stablecoin-regeln-2026-zinsverbot-rendite\/'>wer die stille Rendite kassiert<\/a>; die EZB hat in ihrer Stellungnahme vom 22. September zudem gefordert, das Zinsverbot enger zu fassen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reserve-Regel ist damit auch Geldpolitik. Weil der GENIUS Act die Deckung in kurze Staatsanleihen zwingt, werden regulierte Dollar-Stablecoins zu einem strukturellen K\u00e4ufer von US-Staatspapieren. US-Finanzminister Scott Bessent sieht darin eine wachsende Nachfragequelle f\u00fcr Staatsanleihen und rechnet mittelfristig mit einem Markt im Billionenbereich (<a href='https:\/\/home.treasury.gov\/news\/press-releases\/sb0197'>US-Finanzministerium<\/a>). F\u00fcr Washington ist das ein willkommener Nebeneffekt: Jeder neue Dollar-Stablecoin finanziert indirekt die Staatsschuld. F\u00fcr Br\u00fcssel ist es ein Warnsignal, denn ein Markt, der zu \u00fcber 99 Prozent auf den Dollar lautet, verlagert Nachfrage und Einfluss \u00fcber den Atlantik.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Euro-Winkel: winzige Reserven, gro\u00dfe Ambitionen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn die Reserve entscheidet, wessen W\u00e4hrung im Umlauf ist, dann steht der Euro schlecht da. Die acht MiCA-konformen Euro-Stablecoins bringen zusammen nur rund 674 Millionen Dollar auf die Waage, ein Zuwachs von 128 Prozent binnen eines Jahres, aber immer noch gut zwei Promille des Gesamtmarkts. Marktf\u00fchrer ist EURC von Circle mit rund 526 Millionen Dollar und einem Anteil von etwa 63 Prozent, gefolgt von EURCV der Soci\u00e9t\u00e9 G\u00e9n\u00e9rale mit rund 138 Millionen (<a href='https:\/\/cryptobriefing.com\/eurc-euro-stablecoin-market-dominance\/'>Crypto Briefing<\/a>). Dazu kommen kleinere Token wie EURI, EURQ oder EURAU. Die Reserven dieser Euro-Token sind winzig gegen die Dollar-Riesen, die Ambitionen dahinter aber gro\u00df.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">MiCA versucht, die Dollar-Dominanz zu bremsen. Ein nicht auf den Euro lautender E-Geld-Token, der im gro\u00dfen Stil als Zahlungsmittel f\u00fcr Waren und Dienstleistungen genutzt wird, muss die Ausgabe stoppen, sobald er eine Million Transaktionen oder 200 Millionen Euro Umsatz pro Tag \u00fcberschreitet. Parallel arbeitet die EU an einer \u00f6ffentlichen Antwort, dem digitalen Euro, den die EZB als Erg\u00e4nzung zum Bargeld plant und der die Abh\u00e4ngigkeit von privaten Dollar-Token verringern soll. Wie sich die private und die \u00f6ffentliche Spur des Euro-Geldes zueinander verhalten, beleuchtet der Beitrag zu <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/digitaler-euro-mica-2026-europas-digitales-geld\/'>digitalem Euro und MiCA<\/a>; die grunds\u00e4tzliche Frage der W\u00e4hrungssouver\u00e4nit\u00e4t steht im Zentrum der Analyse zu den <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/stablecoin-regeln-2026-mica-genius-euro-souveraenitaet\/'>zwei Regelwerken und dem Kampf um den Euro<\/a>.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was das f\u00fcr deutsche Anleger und Dienstleister bedeutet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Nutzer in Deutschland hat der Reservestreit konkrete Folgen. Wer \u00fcber eine in der EU regulierte B\u00f6rse handelt, findet USDT im Endkundengesch\u00e4ft kaum noch und weicht auf USDC oder Euro-Token aus. Emittenten und Krypto-Dienstleister brauchen eine MiCA-Zulassung; die BaFin pr\u00fcft dabei nicht nur die Reserve, sondern auch Verwahrung, Geldw\u00e4schepr\u00e4vention und operative Widerstandsf\u00e4higkeit. Die Travel Rule und die Sorgfaltspflichten gelten f\u00fcr Stablecoin-Transfers wie f\u00fcr andere Kryptowerte, ein Thema, das der Beitrag zur <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/defi-compliance-2026-whitelist-oder-nullwissen\/'>DeFi-Compliance zwischen Whitelist und Nullwissen-Beweis<\/a> vertieft.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist auch, was sich noch \u00e4ndern kann. Sollte die von den Notenbanken geforderte Reform kommen, m\u00fcssten die Emittenten weniger Geld bei Banken parken und mehr in kurze, breit gestreute Anleihen umschichten, was die Reserve im Ernstfall widerstandsf\u00e4higer, f\u00fcr einzelne Banken aber weniger lukrativ machen w\u00fcrde. Zugleich wachsen die Einsatzfelder: Stablecoins werden zunehmend zur Abrechnungsschiene f\u00fcr automatisierte Zahlungen, bis hin zu KI-Agenten, die eigenst\u00e4ndig Transaktionen ausl\u00f6sen, wie der Beitrag zu <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/defai-2026-wenn-ki-agenten-die-defi-steuern\/'>KI-Agenten in der DeFi<\/a> zeigt. Wer Stablecoins h\u00e4lt oder als Zahlungsmittel nutzt, sollte deshalb die Reservefrage im Blick behalten: Sie entscheidet, wie sicher der Token in der n\u00e4chsten Bankenkrise wirklich ist.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Ausblick: zwei Fahrpl\u00e4ne, ein Reservestreit<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die kommenden Monate kl\u00e4ren, in welche Richtung sich die Reserve-Regeln bewegen. In Europa schlie\u00dft die MiCA-Konsultation am 30. September 2026; die Kommission muss bis zum 30. Juni 2027 Bericht erstatten, erst danach k\u00f6nnte ein \u00c4nderungsvorschlag folgen, der die Einlagenpflicht lockert. In den USA l\u00e4uft die Kommentierungsfrist zum GENIUS-Verordnungsentwurf bis zum 19. Oktober 2026, bevor am 18. Januar 2027 die Lizenzpflicht greift und am 18. Juli 2028 die Vertriebsbeschr\u00e4nkung f\u00fcr Dienstleister. Zwei Fahrpl\u00e4ne, ein gemeinsamer Nenner.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Denn so weit MiCA und der GENIUS Act in Ton und Philosophie auseinanderliegen, bei der Reserve n\u00e4hern sie sich an. Beide wollen die Deckung aus unbest\u00e4ndigen, ungesicherten Bankeinlagen herausziehen und in kurze, liquide, jederzeit verwertbare Papiere lenken. Der GENIUS Act hat diese Lehre von Anfang an eingebaut, die europ\u00e4ischen Notenbanken ziehen jetzt nach. Der Reservestreit von 2026 ist damit weniger ein transatlantischer Graben als ein gemeinsames Lernen aus 2023: Ein Stablecoin ist nur so sicher wie der Ort, an dem sein Geld liegt.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Termin<\/th><th>Ereignis<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>1. Juli 2026<\/td><td>Ende der MiCA-\u00dcbergangsfrist; USDT f\u00fcr Endkunden von EU-Handelspl\u00e4tzen verschwunden<\/td><\/tr><tr><td>18. August 2026<\/td><td>US-Finanzministerium ver\u00f6ffentlicht den GENIUS-Verordnungsentwurf (Abschnitt 3)<\/td><\/tr><tr><td>22. September 2026<\/td><td>EZB und 27 Notenbanken fordern das Aus f\u00fcr die 30\/60-Einlagenregel<\/td><\/tr><tr><td>30. September 2026<\/td><td>MiCA-Konsultation der EU-Kommission schlie\u00dft<\/td><\/tr><tr><td>19. Oktober 2026<\/td><td>Ende der US-Kommentierungsfrist zum GENIUS-Entwurf<\/td><\/tr><tr><td>18. Januar 2027<\/td><td>GENIUS Act: Lizenzpflicht f\u00fcr Zahlungs-Stablecoins in den USA<\/td><\/tr><tr><td>30. Juni 2027<\/td><td>EU-Kommission legt MiCA-\u00dcberpr\u00fcfungsbericht vor<\/td><\/tr><tr><td>18. Juli 2028<\/td><td>GENIUS Act: Vertriebsverbot f\u00fcr nicht regelkonforme Token durch Dienstleister<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class='wp-block-table__figcaption'>Der Reserve-Fahrplan 2026 bis 2028.<\/figcaption><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>M\u00fcssen Stablecoin-Reserven auf Bankkonten liegen?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Unter MiCA ja: mindestens 30 Prozent der Reserve eines E-Geld-Tokens, bei signifikanten Token sogar 60 Prozent, m\u00fcssen als Einlagen bei Kreditinstituten gehalten werden. Der US-GENIUS-Act verlangt das nicht und setzt stattdessen auf kurz laufende Staatsanleihen. Am 22. September 2026 haben die EZB und die 27 nationalen Notenbanken gefordert, die feste Einlagenpflicht zu streichen, weil sie das Bankensystem gef\u00e4hrden k\u00f6nne.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum hat Tether keine MiCA-Lizenz beantragt?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Tether-Chef Paolo Ardoino nennt die 60-Prozent-Einlagenregel als Grund. Aus seiner Sicht ist eine Bankeinlage nicht so sicher wie eine kurze Staatsanleihe, weil Banken die Gelder verleihen und der Emittent in einer Krise nicht schnell genug an sein Geld k\u00e4me. Seit dem 1. Juli 2026 ist USDT deshalb von regulierten Handelspl\u00e4tzen im Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum f\u00fcr Endkunden verschwunden.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Sind USDC und USDT vollst\u00e4ndig durch Reserven gedeckt?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">USDC h\u00e4lt rund 80 Prozent seiner Reserve in kurz laufenden US-Staatsanleihen und rund 20 Prozent in Bargeld, monatlich best\u00e4tigt durch Deloitte. USDT st\u00fctzt sich ebenfalls stark auf Staatsanleihen, h\u00e4lt daneben aber Gold, Bitcoin und besicherte Kredite und l\u00e4sst nur quartalsweise best\u00e4tigen. Eine Best\u00e4tigung zu einem Stichtag ist allerdings keine vollst\u00e4ndige Pr\u00fcfung der Systeme \u00fcber einen Zeitraum.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was \u00e4ndert sich am 18. Januar 2027?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">An diesem Tag greift die zentrale Frist des GENIUS Act: In den USA darf dann niemand mehr ohne bundes- oder einzelstaatliche Lizenz einen Zahlungs-Stablecoin ausgeben. Ab dem 18. Juli 2028 d\u00fcrfen Dienstleister zudem keine nicht regelkonformen Zahlungs-Stablecoins mehr anbieten. Zuvor l\u00e4uft die Kommentierungsfrist zum Verordnungsentwurf des Finanzministeriums bis zum 19. Oktober 2026.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Reguliert die BaFin Stablecoins in Deutschland?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ja. Als zust\u00e4ndige nationale Beh\u00f6rde beaufsichtigt die BaFin unter MiCA die Emittenten von E-Geld- und wertreferenzierten Token sowie die Krypto-Dienstleister. Sie pr\u00fcft die Reserve, die Verwahrung, die Geldw\u00e4schepr\u00e4vention und die operative Widerstandsf\u00e4higkeit. Das Protokoll selbst, also der reine Programmcode, f\u00e4llt dagegen nicht unter die Aufsicht.<\/p><script type=\"application\/ld+json\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"M\u00fcssen Stablecoin-Reserven auf Bankkonten liegen?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Unter MiCA ja: mindestens 30 Prozent der Reserve eines E-Geld-Tokens, bei signifikanten Token sogar 60 Prozent, m\u00fcssen als Einlagen bei Kreditinstituten gehalten werden. Der US-GENIUS-Act verlangt das nicht und setzt stattdessen auf kurz laufende Staatsanleihen. Am 22. 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