{"id":653,"date":"2026-09-29T04:28:21","date_gmt":"2026-09-29T04:28:21","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/stablecoin-lizenz-2026-mica-bafin-genius-act\/"},"modified":"2026-09-29T04:28:21","modified_gmt":"2026-09-29T04:28:21","slug":"stablecoin-lizenz-2026-mica-bafin-genius-act","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/stablecoin-lizenz-2026-mica-bafin-genius-act\/","title":{"rendered":"Stablecoin-Lizenz 2026: der Weg durch MiCA und GENIUS Act"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Streit \u00fcber die Regeln ist weitgehend entschieden. In Europa gilt die MiCA-Verordnung seit dem 30. Juni 2024 f\u00fcr Stablecoins, die \u00dcbergangsfrist f\u00fcr Krypto-Dienstleister lief am 1. Juli 2026 aus; in den USA schuf der GENIUS Act am 18. Juli 2025 erstmals einen bundesweiten Rahmen, der am 18. Januar 2027 vollst\u00e4ndig greift. Damit verschiebt sich die eigentliche Frage von &bdquo;Was schreibt das Gesetz vor?&ldquo; hin zu etwas viel Praktischerem: Wer darf 2026 \u00fcberhaupt noch einen Stablecoin herausgeben, und wie kommt man an die Erlaubnis?<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Gr\u00f6\u00dfenordnung erkl\u00e4rt, warum das z\u00e4hlt. Der gesamte Stablecoin-Markt liegt bei <a href='https:\/\/reap.global\/blog\/stablecoin-statistics-2026'>\u00fcber 300 Milliarden Dollar<\/a>, angef\u00fchrt von USDT mit rund 183 Milliarden (etwa 60 Prozent) und USDC mit rund 74 Milliarden (knapp ein Viertel); zusammen kontrollieren die beiden mehr als vier F\u00fcnftel des Marktes. \u00dcber 99 Prozent aller Stablecoins lauten auf US-Dollar. Bitcoin notiert derweil bei <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>rund 73.500 Euro<\/a>, und der Markt h\u00e4lt sich vor einem unruhigen Quartalsende erstaunlich ruhig, wie unsere Analyse zur <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/bitcoin-volatilitaetsklemme-q4-ausbruch-2026\/'>Volatilit\u00e4tsklemme vor dem Q4-Sturm<\/a> zeigt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wer in diesem Markt mitspielen will, braucht ab sofort keine gute Idee mehr, sondern eine Lizenz. Und die gibt es nicht am Schalter, sondern nach einem Pr\u00fcfverfahren, das Monate dauert und Eigenkapital, abgesicherte Reserven sowie ein komplettes Compliance-Ger\u00fcst voraussetzt. Dieser Text f\u00fchrt durch die zwei Wege, die einem Emittenten 2026 offenstehen: den europ\u00e4ischen \u00fcber MiCA und die BaFin, und den amerikanischen \u00fcber den GENIUS Act und die US-Bankenaufsicht OCC. Beide f\u00fchren zum selben Ziel, einem regulierten Dollar- oder Euro-Token, aber \u00fcber sehr unterschiedliches Gel\u00e4nde.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Warum die Lizenz pl\u00f6tzlich das Nadel\u00f6hr ist<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Jahrelang war ein Stablecoin ein technisches Produkt: ein Smart Contract, eine Reserve auf irgendeinem Konto, eine Website mit einem Einl\u00f6seversprechen. Reguliert wurde kaum etwas. Das ist vorbei. MiCA und der GENIUS Act haben den Stablecoin von einem Krypto-Produkt in ein lizenzpflichtiges Finanzinstrument verwandelt, und beide Regelwerke setzen an derselben Stelle an: beim Emittenten, nicht beim Code. Wer Token an Nutzer im Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum oder in den USA ausgibt, muss zugelassen sein, sonst ist das Angebot schlicht illegal.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Folgen sind bereits sichtbar. Tether, mit Abstand der gr\u00f6\u00dfte Emittent, hat sich gegen eine europ\u00e4ische Lizenz entschieden; USDT wurde deshalb seit dem 1. Juli 2026 von den regulierten Handelspl\u00e4tzen im EWR genommen. Circle ging den umgekehrten Weg und lie\u00df sich fr\u00fch zulassen. In den USA l\u00e4uft die Uhr auf den 18. Januar 2027 zu, ab dem nur noch zugelassene Emittenten oder solche mit einer als gleichwertig anerkannten Landeslizenz Zahlungs-Stablecoins anbieten d\u00fcrfen; ab dem 18. Juli 2028 d\u00fcrfen auch Handelspl\u00e4tze und Verwahrer keine nicht genehmigten Token mehr an US-Kunden weiterreichen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lizenz ist damit zum eigentlichen Engpass geworden. Sie entscheidet, welche Token in Europa gelistet werden d\u00fcrfen, welche eine deutsche Sparkasse ihren Kunden anbieten kann und welche Reserven eine Aufsichtsbeh\u00f6rde monatlich zu Gesicht bekommt. Und weil die beiden Rechtsr\u00e4ume unterschiedliche Anforderungen stellen, entsteht ein strategisches Spiel: Manche Emittenten holen sich Lizenzen auf beiden Kontinenten, andere ziehen sich bewusst aus einem zur\u00fcck.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Zwei Regelwerke, zwei T\u00fcrsteher: MiCA gegen GENIUS Act<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">In Europa f\u00e4llt ein an eine einzelne amtliche W\u00e4hrung gekoppelter Stablecoin unter die Kategorie E-Geld-Token (englisch EMT). Wer einen solchen Token ausgibt, braucht die Zulassung als CRR-Kreditinstitut (also eine Bank) oder als E-Geld-Institut. Die Aufsicht f\u00fchrt die jeweils zust\u00e4ndige nationale Beh\u00f6rde; in Deutschland ist das die BaFin. In den USA schafft der GENIUS Act die Figur des &bdquo;permitted payment stablecoin issuer&ldquo;; gro\u00dfe Emittenten (\u00fcber zehn Milliarden Dollar im Umlauf) unterstehen bundesweit dem OCC, kleinere k\u00f6nnen ein Landesregime w\u00e4hlen, sofern dieses als im Wesentlichen gleichwertig anerkannt ist.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grundprinzipien \u00e4hneln sich verbl\u00fcffend: volle Deckung im Verh\u00e4ltnis eins zu eins, jederzeitiger R\u00fccktausch zum Nennwert, keine Zinsen an die Inhaber, regelm\u00e4\u00dfige Offenlegung der Reserven und Geldw\u00e4schepr\u00e4vention. Die Unterschiede stecken im Detail, und dort entscheidet sich, wie schwer eine Lizenz zu bekommen ist. Der wichtigste Bruch verl\u00e4uft bei den Reserven, ein Thema, das wir im <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/stablecoin-reserven-2026-mica-genius-reservestreit\/'>Reservestreit zwischen MiCA und GENIUS Act<\/a> ausf\u00fchrlich behandelt haben: Europa zwingt einen Teil der Reserve in Bankeinlagen, Washington dr\u00e4ngt sie in kurzlaufende Staatsanleihen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Merkmal<\/th><th>MiCA (EU, E-Geld-Token)<\/th><th>GENIUS Act (USA)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Wer darf ausgeben<\/td><td>Bank oder zugelassenes E-Geld-Institut<\/td><td>Zugelassener Zahlungs-Stablecoin-Emittent<\/td><\/tr><tr><td>Aufsicht<\/td><td>Nationale Beh\u00f6rde (BaFin), bei signifikanten Token die EBA<\/td><td>OCC ab 10 Mrd. Dollar, sonst Landesregime<\/td><\/tr><tr><td>Reserven<\/td><td>Mind. 30 Prozent (signifikant: 60) in EU-Bankeinlagen, Rest in HQLA<\/td><td>Bargeld, Zentralbankguthaben, US-Staatsanleihen bis 93 Tage, Repos<\/td><\/tr><tr><td>Eigenkapital<\/td><td>350.000 Euro oder 2 Prozent der Reserve (signifikant: 3 Prozent)<\/td><td>Risikobasiert, mind. 5 Mio. Dollar in der Anlaufphase<\/td><\/tr><tr><td>Zinsen an Inhaber<\/td><td>Verboten<\/td><td>Verboten<\/td><\/tr><tr><td>R\u00fccktausch<\/td><td>Jederzeit zum Nennwert<\/td><td>Zum Nennwert, zeitnah<\/td><\/tr><tr><td>Vorlauf<\/td><td>Whitepaper plus 40 Arbeitstage Vorabanzeige<\/td><td>Antrag beim OCC, scharf ab 18. Januar 2027<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Der europ\u00e4ische Weg: E-Geld-Institut oder Bank<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die zentrale H\u00fcrde in Europa ist strukturell. Ein E-Geld-Token darf nach MiCA nur von zwei Arten von Unternehmen begeben werden: von einer voll lizenzierten Bank oder von einem E-Geld-Institut (E-Money Institution, EMI). Beides ist eine echte Finanzlizenz mit allem, was dazugeh\u00f6rt: qualifizierte Gesch\u00e4ftsleiter, ein Risikomanagement, interne Kontrollen, ein Sanierungsplan, laufende Meldepflichten. Ein Krypto-Start-up, das gestern noch ein Protokoll betrieb, kann nicht \u00fcber Nacht Token ausgeben; es muss zuerst durch ein Zulassungsverfahren, das eher an eine Bankgr\u00fcndung erinnert als an einen Token-Launch.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das EMI-Modell stammt aus der E-Geld-Richtlinie und war urspr\u00fcnglich f\u00fcr Anbieter von Prepaid-Karten und digitalen Geldb\u00f6rsen gedacht. MiCA hat es auf Stablecoins \u00fcbertragen: Ein Euro-Token ist rechtlich elektronisches Geld, und wer ihn ausgibt, gibt E-Geld aus. Das Mindestanfangskapital eines E-Geld-Instituts liegt bei 350.000 Euro, die laufenden Eigenmittel m\u00fcssen mindestens zwei Prozent der durchschnittlich ausgegebenen Menge betragen. Dazu kommt die Pflicht, die Kundengelder abzusichern, entweder durch Verwahrung auf getrennten Konten oder durch eine Versicherung.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der gro\u00dfe Vorteil dieser Konstruktion ist der EU-Pass. Eine einmal erteilte Zulassung gilt im gesamten Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum; ein in Frankfurt lizenziertes E-Geld-Institut kann seinen Token in Paris, Mailand oder Helsinki anbieten, ohne 27 weitere Genehmigungen einzuholen. Genau das macht den Standort wichtig: Die Wahl der nationalen Beh\u00f6rde entscheidet, wer die Aufsicht f\u00fchrt, aber die Lizenz wirkt europaweit. F\u00fcr einen Emittenten ist die Jurisdiktion damit eine strategische, keine blo\u00df administrative Entscheidung.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was die BaFin von einem Emittenten verlangt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland setzen das Finanzmarktdigitalisierungsgesetz (FinmadiG) und das darin enthaltene Kryptom\u00e4rkteaufsichtsgesetz (KMAG) die MiCA-Vorgaben um und benennen die BaFin als zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde. Wer einen E-Geld-Token \u00f6ffentlich anbieten oder zum Handel zulassen will, muss die BaFin mindestens 40 Arbeitstage vorher informieren und f\u00fcr jeden Token ein Kryptowerte-Whitepaper nach Artikel 51 MiCA vorlegen. Das Whitepaper ist kein Marketingdokument, sondern ein haftungsbewehrter Prospekt: Angaben zum Emittenten, zur Reserve, zu den Rechten der Inhaber und zu den Risiken.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Herzst\u00fcck ist die R\u00fcckzahlungsverpflichtung. Wer einen Token f\u00fcr einen Euro gekauft hat, muss diesen Euro jederzeit und zum vollen Nennwert zur\u00fcckerhalten k\u00f6nnen, ohne Geb\u00fchren, die das Einl\u00f6serecht aush\u00f6hlen. Die BaFin pr\u00fcft, ob die Reserve dieses Versprechen dauerhaft tr\u00e4gt, ob sie getrennt vom Emittentenverm\u00f6gen gehalten wird und ob die Governance stimmt. Eine eigene Ansprechgruppe der Beh\u00f6rde begleitet die Antragsteller durch das Verfahren.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie hoch die Beh\u00f6rde die H\u00fcrde selbst h\u00e4ngt, hat Ruth Burkert, MiCAR-Expertin der BaFin, in einem <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Fachartikel\/2026\/fa_260826_Micar_interview.html'>Interview der Beh\u00f6rde<\/a> umrissen. Eine Zulassung sei kein Formalakt: &bdquo;Eine Bafin-Lizenz wird im Markt als G\u00fctesiegel gesehen&ldquo;, sagte sie, und zum Verfahren selbst: &bdquo;Wir pr\u00fcfen gr\u00fcndlich, und wir pr\u00fcfen z\u00fcgig.&ldquo; F\u00fcr Emittenten hei\u00dft das: Wer die Pr\u00fcfung besteht, bekommt einen Vertrauensvorschuss, den unregulierte Konkurrenten nicht haben; wer sie nicht besteht, kommt am deutschen Markt nicht vorbei. Die ma\u00dfgeblichen Anforderungen fasst die BaFin in ihrem <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_zulassung_art_emt.html'>Merkblatt zu den Zulassungsanforderungen f\u00fcr ART und EMT<\/a> zusammen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>EURAU: Deutschlands erster lizenzierter Euro-Stablecoin<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie das in der Praxis aussieht, zeigt AllUnity. Das Frankfurter Unternehmen, ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS mit dem US-Krypto-Konzern Galaxy und dem Handelshaus Flow Traders, erhielt Anfang Juli 2025 von der BaFin die Lizenz als E-Geld-Institut. Ende Juli 2025 ging der Token EURAU live, nach eigener Darstellung <a href='https:\/\/allunity.com\/news\/allunity-secures-bafin-emi-license-to-launch-its-micar-compliant-euro-stablecoin'>Deutschlands erster vollst\u00e4ndig regulierter, MiCA-konformer Euro-Stablecoin<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">EURAU ist eins zu eins durch Euro-Reserven gedeckt und richtet sich ausdr\u00fccklich nicht an Kleinanleger, sondern an Unternehmen: grenz\u00fcberschreitende Zahlungen, Firmen-Treasury, die Abwicklung digitaler Verm\u00f6genswerte rund um die Uhr. AllUnity verspricht institutionelle Transparenz \u00fcber Proof-of-Reserves und regulatorisches Reporting. Der erste Handelsplatz, der EURAU f\u00fcr Bitcoin- und USDC-Paare nutzte, war die europ\u00e4ische Plattform von Bullish; Miteigent\u00fcmer Flow Traders \u00fcbernahm die Rolle des Market Makers.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Beispiel ist aus zwei Gr\u00fcnden lehrreich. Erstens zeigt es, dass der europ\u00e4ische Weg funktioniert, aber Kapital, etablierte Partner und einen langen Atem verlangt; ein Konsortium aus einer Fondsgesellschaft, einem Krypto-Konzern und einem Market Maker ist kein Zufall, sondern die Antwort auf die Anforderungen. Zweitens zeigt es die Marktlogik: Der erste deutsche Emittent zielt nicht auf den Massenmarkt, sondern auf Firmenkunden, wo die Margen sitzen und die Regulierung als Verkaufsargument wirkt. Der von <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2025\/07\/31\/germany-s-allunity-launches-bafin-regulated-euro-stablecoin-eurau'>CoinDesk dokumentierte Start<\/a> markiert damit weniger einen Retail-Launch als den Einstieg der deutschen Finanzindustrie in reguliertes E-Geld.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Circle als Blaupause: eine Lizenz auf zwei Kontinenten<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Kein Emittent hat die Doppelstrategie so konsequent verfolgt wie Circle, das Unternehmen hinter USDC und dem Euro-Token EURC. In Europa sicherte sich Circle im Juli 2024 als erster globaler Stablecoin-Anbieter die MiCA-Konformit\u00e4t, und zwar \u00fcber eine E-Geld-Lizenz der franz\u00f6sischen Aufsicht ACPR. Seither gibt Circle USDC und EURC innerhalb der EU unter dieser Zulassung aus. Firmenchef Jeremy Allaire nannte den Schritt einen Meilenstein: &bdquo;Since our founding, Circle has sought to build durable, compliant, and well-regulated infrastructure for stablecoins&ldquo;, so Allaire zur <a href='https:\/\/www.circle.com\/pressroom\/circle-is-first-global-stablecoin-issuer-to-comply-with-mica-eus-landmark-crypto-law'>MiCA-Zulassung<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">In den USA legte Circle nach. Am 10. Juli 2026 erteilte das OCC die endg\u00fcltige Genehmigung f\u00fcr die First National Digital Currency Bank, N.A., die unter dem Namen Circle National Trust firmiert. Der Antrag lag seit dem 30. Juni 2025 vor, die vorl\u00e4ufige Genehmigung kam im Dezember 2025. Die Trust-Bank soll die Verwahrung digitaler Verm\u00f6genswerte \u00fcbernehmen und perspektivisch die USDC-Reserve verwalten, also die Deckung des gr\u00f6\u00dften regulierten Stablecoins der Welt unter eine bundesregulierte Struktur stellen; die Einzelheiten hat <a href='https:\/\/www.circle.com\/pressroom\/circle-receives-final-occ-approval-to-establish-national-trust-bank'>Circle selbst dokumentiert<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Circle demonstriert damit, was die Regulierung belohnt: Wer fr\u00fch und freiwillig kooperiert, sammelt Lizenzen wie Troph\u00e4en und macht die Konformit\u00e4t selbst zum Produkt. Der Preis daf\u00fcr ist hoch, in Kapital, Personal und Offenlegung, doch er kauft etwas, das im Stablecoin-Gesch\u00e4ft mehr wert wird als jede technische Innovation: Zugang zu regulierten M\u00e4rkten und das Vertrauen institutioneller Kunden.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der amerikanische Weg: der GENIUS Act und das OCC<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der amerikanische Pfad sieht anders aus, weil das Ausgangsproblem ein anderes war. Die USA hatten vor dem GENIUS Act kein einheitliches Stablecoin-Recht, sondern einen Flickenteppich aus Landesregeln und einen Zust\u00e4ndigkeitsstreit zwischen SEC und CFTC. Der GENIUS Act zieht nun eine klare Linie: Zahlungs-Stablecoins sind keine Wertpapiere, sondern ein eigenes Zahlungsinstrument, und wer sie ausgeben will, braucht die Zulassung als &bdquo;permitted payment stablecoin issuer&ldquo;.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Aufsicht h\u00e4ngt von der Gr\u00f6\u00dfe ab. Emittenten mit mehr als zehn Milliarden Dollar im Umlauf unterstehen bundesweit dem OCC; kleinere k\u00f6nnen sich f\u00fcr ein Landesregime entscheiden, das aber als im Wesentlichen gleichwertig zertifiziert sein muss. Das OCC legte im Februar 2026 seinen Regelentwurf vor, die Kommentierungsfrist endete am 1. Mai 2026. Der Entwurf verlangt unter anderem ein risikobasiertes Eigenkapital, f\u00fcr neu gegr\u00fcndete Institute in den ersten drei Jahren mindestens f\u00fcnf Millionen Dollar, dazu Liquidit\u00e4t in H\u00f6he von zw\u00f6lf Monatsausgaben. Die Kanzlei <a href='https:\/\/www.lw.com\/en\/insights\/occ-issues-proposal-to-implement-the-genius-act'>Latham &amp; Watkins<\/a> fasst die Anforderungen an Antrag, Reserven und Risikomanagement zusammen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Unterschied zu Europa liegt bei den Reserven. Der GENIUS Act erlaubt im Kern Bargeld, Zentralbankguthaben und kurzlaufende US-Staatsanleihen mit h\u00f6chstens 93 Tagen Restlaufzeit sowie Repos darauf. Bankeinlagen spielen anders als in MiCA nur eine Nebenrolle. Das ist die direkte Lehre aus dem Beinahe-Kollaps von USDC im M\u00e4rz 2023, als ein bei der Silicon Valley Bank geparkter Reserveteil den Token kurzzeitig auf 87 Cent dr\u00fcckte: In Washington gilt seither die Staatsanleihe als sicherer als das Bankkonto, in Br\u00fcssel ist es umgekehrt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Tether w\u00e4hlt den Umweg: USAT statt USDT<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der interessanteste Fall ist Tether, der Marktf\u00fchrer, der die Lizenzfrage am elegantesten umgeht. Statt USDT an die neuen Regeln anzupassen, was einen Umbau der milliardenschweren Reserve bedeutet h\u00e4tte, brachte Tether am 27. Januar 2026 einen separaten, US-regulierten Token heraus: <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2026\/01\/27\/tether-debuts-federally-regulated-usat-stablecoin-via-anchorage-digital'>USAT<\/a>. Ausgegeben wird er nicht von Tether selbst, sondern von der Anchorage Digital Bank, N.A., einer bundeslizenzierten Bank; Cantor Fitzgerald verwahrt die Reserve und agiert als bevorzugter Prim\u00e4rh\u00e4ndler. Gef\u00fchrt wird die USAT-Einheit von Bo Hines, dem fr\u00fcheren Direktor des Krypto-Rats im Wei\u00dfen Haus.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">USAT hat eigene Reserven, eigene Ausgabe- und Einl\u00f6seschienen und unterliegt einem anderen Regime als USDT, das weltweit weiterl\u00e4uft. Die Logik dahinter ist bemerkenswert: Wie das Magazin Forbes es zuspitzte, existiert <a href='https:\/\/www.forbes.com\/sites\/digital-assets\/2026\/05\/27\/tethers-usat-exists-so-usdt-never-has-to-comply\/'>USAT, damit USDT nie konform werden muss<\/a>. Der globale Riese bleibt au\u00dferhalb der regulierten Perimeter, ein neuer, sauberer Token bedient den US-Markt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">In Europa hat Tether-Chef Paolo Ardoino die Verweigerung offen begr\u00fcndet: Die MiCA-Regel, die einen erheblichen Teil der Reserve in Bankeinlagen zwingt, h\u00e4lt er f\u00fcr ein systemisches Risiko, weil eine Bankeinlage nach seiner Argumentation eben nicht dasselbe sei wie sofort verf\u00fcgbares Bargeld. Tether hat deshalb <a href='https:\/\/crypto.news\/tether-ceo-warns-mica-stablecoin-rules-could-pose-systemic-risks-to-eu-banks\/'>keine EU-Lizenz beantragt<\/a> und USDT dem europ\u00e4ischen Markt entzogen. Die Migration, die Nutzer und B\u00f6rsen im EWR seither vollziehen, ist die praktische Folge dieser Entscheidung.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wenn ein Token signifikant wird: das EBA-Nadel\u00f6hr<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst mit nationaler Lizenz ist die Sache nicht erledigt. MiCA kennt eine zweite Schwelle: W\u00e4chst ein E-Geld-Token \u00fcber bestimmte Gr\u00f6\u00dfen hinaus, gilt er als &bdquo;signifikant&ldquo;, und die Aufsicht wandert von der nationalen Beh\u00f6rde zur Europ\u00e4ischen Bankenaufsicht EBA. F\u00fcr den Emittenten steigen dann die Anforderungen: Die Eigenmittel erh\u00f6hen sich von zwei auf drei Prozent der Reserve, die Berichtspflichten werden dichter, und die EBA kann direkt eingreifen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ob ein Token signifikant ist, entscheidet sich an einem Katalog von Kriterien; erf\u00fcllt ein Token mindestens drei davon, kann er hochgestuft werden. Die <a href='https:\/\/www.eba.europa.eu\/regulation-and-policy\/asset-referenced-and-e-money-tokens-mica'>EBA<\/a> hat daf\u00fcr 60 Arbeitstage. Die folgende Tabelle zeigt die ma\u00dfgeblichen Schwellen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kriterium<\/th><th>Schwelle<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Inhaber<\/td><td>mehr als 10 Millionen<\/td><\/tr><tr><td>Ausgegebener Wert<\/td><td>\u00fcber 5 Milliarden Euro<\/td><\/tr><tr><td>Transaktionen pro Tag<\/td><td>mehr als 2,5 Millionen<\/td><\/tr><tr><td>Transaktionswert pro Tag<\/td><td>\u00fcber 500 Millionen Euro<\/td><\/tr><tr><td>Folge ab drei erf\u00fcllten Kriterien<\/td><td>Direktaufsicht durch die EBA, 3 Prozent Eigenmittel<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu kommt eine Sonderregel, die vor allem Dollar-Token trifft: Wird ein nicht auf Euro lautender E-Geld-Token in gro\u00dfem Umfang als Zahlungsmittel f\u00fcr Waren und Dienstleistungen im EWR genutzt (mehr als eine Million Transaktionen oder 200 Millionen Euro pro Tag), muss der Emittent die Neuausgabe stoppen. Die Vorschrift soll verhindern, dass ein US-Dollar-Stablecoin den Euro im europ\u00e4ischen Zahlungsverkehr verdr\u00e4ngt. F\u00fcr einen Emittenten mit Wachstumsambitionen ist sie eine eingebaute Bremse.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Banken kommen: das Konsortium Qivalis<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Weil die Lizenz eine Bank- oder E-Geld-Lizenz ist, sind die nat\u00fcrlichen Emittenten am Ende die Banken selbst. Genau dorthin bewegt sich der Markt. Neun europ\u00e4ische Banken, darunter ING, UniCredit, KBC, Danske Bank, die deutsche DekaBank, SEB, CaixaBank, Banca Sella und Raiffeisen Bank International, haben sich zu einem Konsortium zusammengeschlossen, um einen gemeinsamen, MiCA-konformen Euro-Stablecoin herauszugeben; sp\u00e4ter stie\u00df auch BNP Paribas dazu. Das <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2025\/09\/25\/nine-european-banks-join-forces-to-issue-mica-compliant-euro-stablecoin'>von CoinDesk gemeldete B\u00fcndnis<\/a> gr\u00fcndete daf\u00fcr eine eigene Gesellschaft in den Niederlanden mit dem Namen Qivalis.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Qivalis will sich von der niederl\u00e4ndischen Zentralbank als E-Geld-Institut lizenzieren lassen und den Token in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2026 erstmals ausgeben. Ziel sind Zahlungen rund um die Uhr, programmierbare Transaktionen und die Abwicklung digitaler Verm\u00f6genswerte. Dass eine deutsche DekaBank neben einer italienischen UniCredit und einer skandinavischen SEB an einem gemeinsamen Token arbeitet, zeigt, wie sehr die Lizenzfrage die Branche zur Kooperation zwingt: Allein ist der Aufwand f\u00fcr viele Institute zu gro\u00df, gemeinsam wird er tragbar.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Hinter dem Vorsto\u00df steht ein politisches Motiv. Europ\u00e4ische Aufseher sorgen sich seit Langem, dass der Kontinent seinen digitalen Zahlungsverkehr fast vollst\u00e4ndig US-Dollar-Token \u00fcberl\u00e4sst. Ein bankengetragener Euro-Token ist die private Antwort darauf, w\u00e4hrend die \u00f6ffentliche Antwort, der digitale Euro, noch im Gesetzgebungsverfahren steckt; beide Str\u00e4nge haben wir im St\u00fcck zum <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/digitaler-euro-mica-2026-europas-digitales-geld\/'>digitalen Euro und Europas Kampf ums digitale Geld<\/a> nebeneinandergestellt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wer ist \u00fcberhaupt schon lizenziert? Ein Blick auf das Euro-Segment<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Wie viele Emittenten den Weg bereits gegangen sind, l\u00e4sst sich am Euro-Segment ablesen, das klein, aber aufschlussreich ist. Rund acht Euro-Stablecoins sind inzwischen als E-Geld-Token unter MiCA zugelassen, gegen\u00fcber f\u00fcnf zu Jahresbeginn. Angef\u00fchrt wird das Feld von Circles EURC mit gut 60 Prozent Marktanteil, gefolgt vom EURCV der Soci\u00e9t\u00e9-G\u00e9n\u00e9rale-Tochter SG-Forge. Das gesamte Euro-Segment hat 2026 erstmals die Marke von <a href='https:\/\/cryptobriefing.com\/eurc-euro-stablecoin-market-dominance\/'>rund 900 Millionen Dollar<\/a> \u00fcberschritten, ein Vielfaches des Vorjahres, aber weiterhin nur ein Bruchteil eines Prozents des \u00fcber 300 Milliarden Dollar schweren Gesamtmarktes.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Token<\/th><th>Emittent<\/th><th>Hintergrund<\/th><th>Stellung im Euro-Segment<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>EURC<\/td><td>Circle<\/td><td>EMI-Lizenz via ACPR (Frankreich)<\/td><td>Marktf\u00fchrer, gut 60 Prozent<\/td><\/tr><tr><td>EURCV<\/td><td>SG-Forge<\/td><td>Tochter der Soci\u00e9t\u00e9 G\u00e9n\u00e9rale<\/td><td>zweitgr\u00f6\u00dfter, rund 20 Prozent<\/td><\/tr><tr><td>EURAU<\/td><td>AllUnity<\/td><td>DWS, Galaxy, Flow Traders; BaFin-EMI<\/td><td>erster deutscher lizenzierter Token<\/td><\/tr><tr><td>EURI<\/td><td>Banking Circle<\/td><td>lizenzierte Zahlungsbank<\/td><td>kleinerer Anbieter<\/td><\/tr><tr><td>(geplant)<\/td><td>Qivalis<\/td><td>Konsortium aus 10 Banken, DNB-Lizenz<\/td><td>Start in H2 2026 erwartet<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Bild ist eindeutig: Wer eine Lizenz hat, ist entweder eine Bank, eine Banktochter oder ein gut kapitalisiertes Konsortium. Reine Krypto-Gr\u00fcndungen ohne Finanzpartner tauchen in der Liste kaum auf. Die Regulierung hat den Kreis der m\u00f6glichen Emittenten drastisch verengt und ihn faktisch an die etablierte Finanzindustrie zur\u00fcckgegeben.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was Migration praktisch bedeutet, f\u00fcr Emittenten und Nutzer<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr einen Emittenten l\u00e4uft der Weg zur Lizenz in vier Schritten ab. Erstens die Wahl der Rechtsform und der Jurisdiktion: Bank oder E-Geld-Institut, Frankfurt, Paris oder Amsterdam. Zweitens der Aufbau der Substanz: Kapital, Gesch\u00e4ftsleiter, Risikomanagement, Reservestruktur. Drittens das Whitepaper und die Vorabanzeige bei der Beh\u00f6rde. Viertens der laufende Betrieb unter Aufsicht mit Reservenachweisen, Meldungen und Pr\u00fcfungen. Jeder Schritt kostet Zeit und Geld, und keiner l\u00e4sst sich abk\u00fcrzen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Nutzer in Deutschland ist die Folge konkreter, als es klingt. USDT ist von regulierten EWR-Handelspl\u00e4tzen verschwunden; wer dort Stablecoins h\u00e4lt oder handelt, weicht zunehmend auf USDC, EURC oder EURAU aus, also auf Token mit einem lizenzierten Emittenten. F\u00fcr die meisten Privatanleger bedeutet das kaum eine sp\u00fcrbare Umstellung, f\u00fcr Unternehmen und Plattformen dagegen sehr wohl: Sie m\u00fcssen pr\u00fcfen, welche Token sie \u00fcberhaupt noch anbieten oder in ihre Abl\u00e4ufe einbinden d\u00fcrfen. \u00c4hnliche Fragen stellen sich in der dezentralen Finanz, wo Compliance auf ganz eigene Weise erzwungen wird, wie unsere Analyse zur <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/defi-compliance-2026-whitelist-oder-nullwissen\/'>DeFi-Compliance zwischen Whitelist und Nullwissen-Beweis<\/a> zeigt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Migration ist damit kein einmaliger Akt, sondern ein Dauerzustand. Die Reserven m\u00fcssen laufend den Vorgaben entsprechen, die Berichte p\u00fcnktlich kommen, die Grenzwerte im Blick bleiben. Ein Token, der heute konform ist, kann morgen signifikant werden und in die EBA-Aufsicht rutschen; ein US-Token, der zu stark im europ\u00e4ischen Zahlungsverkehr genutzt wird, muss die Ausgabe drosseln. Regulierung ist im Stablecoin-Gesch\u00e4ft kein Zustand, sondern ein Prozess.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Kosten, Zeit und die Kluft zwischen den Systemen<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Was ist schwerer, die europ\u00e4ische oder die amerikanische Lizenz? Eine pauschale Antwort gibt es nicht, aber die Profile unterscheiden sich klar. In Europa ist die strukturelle H\u00fcrde hoch: Man muss von vornherein eine Bank- oder E-Geld-Lizenz besitzen oder erwerben, mit allen personellen und kapitalm\u00e4\u00dfigen Anforderungen. Daf\u00fcr wirkt die Lizenz danach europaweit. In den USA ist der Einstieg \u00fcber das risikobasierte Kapital (in der Anlaufphase f\u00fcnf Millionen Dollar) auf dem Papier niedriger, doch der GENIUS Act verlangt eine enge Bindung an das Bankensystem und, oberhalb von zehn Milliarden Dollar, die direkte Aufsicht des OCC.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die tiefere Kluft liegt in der Philosophie der Reserven, und sie hat praktische Folgen f\u00fcr die Migration. Ein Emittent, der auf beiden Kontinenten aktiv sein will, muss zwei kaum vereinbare Reservevorgaben bedienen: In Europa m\u00fcssen 30 Prozent (bei signifikanten Token 60) in EU-Bankeinlagen liegen, in den USA sollen die Mittel gerade aus unversicherten Einlagen heraus und in kurzlaufende Staatsanleihen flie\u00dfen. Was in Br\u00fcssel als sicher gilt, gilt in Washington als riskant. Deshalb betreiben Circle und Tether faktisch getrennte Reserven pro Rechtsraum, und deshalb ist ein einziger, global konformer Token bis heute eine Fiktion.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr den europ\u00e4ischen Reservestreit zeichnet sich zudem Bewegung ab: Das Europ\u00e4ische System der Zentralbanken hat in der MiCA-\u00dcberpr\u00fcfung vorgeschlagen, die starren Einlagenquoten durch flexiblere Liquidit\u00e4tsvorgaben zu ersetzen, was MiCA n\u00e4her an die GENIUS-Logik heranr\u00fccken w\u00fcrde. Ob und wann das kommt, ist offen; die zugeh\u00f6rige Konsultation lief Ende September 2026 aus, ein Bericht der EU-Kommission ist f\u00fcr den 30. Juni 2027 vorgesehen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Fahrplan bis 2027 und was auf dem Spiel steht<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die n\u00e4chsten Monate sind mit Fristen gepflastert. In den USA werden die endg\u00fcltigen OCC-Regeln erwartet, bevor der GENIUS Act am 18. Januar 2027 vollst\u00e4ndig greift; ab dem 18. Juli 2028 d\u00fcrfen Handelspl\u00e4tze und Verwahrer keine nicht genehmigten Zahlungs-Stablecoins mehr an US-Kunden weiterreichen. In Europa m\u00fcndet die MiCA-\u00dcberpr\u00fcfung fr\u00fchestens Mitte 2027 in einen Bericht, m\u00f6glicherweise in eine Reform (&bdquo;MiCA 2&ldquo;), die die Reservevorgaben neu justiert. Bis dahin gelten die heutigen Regeln, und die Lizenz bleibt der Engpass.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem Spiel steht mehr als die Frage, welches Logo auf einem Token prangt. Es geht darum, ob Europa einen nennenswerten Anteil seines digitalen Zahlungsverkehrs in Euro und unter eigener Aufsicht beh\u00e4lt oder ihn dauerhaft an US-Dollar-Token abgibt. Es geht darum, ob Stablecoins zur regulierten Infrastruktur des Finanzsystems werden oder eine parallele, kaum beaufsichtigte Welt bleiben. Und es geht um die schlichte, aber folgenreiche Erkenntnis, dass im Stablecoin-Gesch\u00e4ft 2026 nicht mehr der beste Code gewinnt, sondern der geduldigste Antragsteller.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr deutsche Nutzer, Unternehmen und Banken hei\u00dft das: Der Markt wird \u00fcbersichtlicher, langweiliger und sicherer zugleich. Die wilden Jahre, in denen ein Stablecoin nur ein Versprechen auf einer Website war, sind vorbei. An ihre Stelle tritt ein Markt, in dem eine BaFin- oder OCC-Lizenz das eigentliche Produkt ist und in dem die Frage, wer ausgeben darf, wichtiger geworden ist als die Frage, wer programmieren kann.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Frequently Asked Questions<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Wer darf 2026 in Deutschland einen Stablecoin ausgeben?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nur ein CRR-Kreditinstitut, also eine Bank, oder ein von der BaFin zugelassenes E-Geld-Institut. Ein reines Krypto-Unternehmen ohne eine dieser Lizenzen darf keinen an den Euro gekoppelten E-Geld-Token an das Publikum ausgeben. Zus\u00e4tzlich sind ein Kryptowerte-Whitepaper und eine Vorabanzeige von 40 Arbeitstagen bei der BaFin n\u00f6tig.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was kostet eine Stablecoin-Lizenz und wie lange dauert sie?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Feste Geb\u00fchrentabellen gibt es nicht, aber die H\u00fcrden lassen sich beziffern. In Europa verlangt ein E-Geld-Institut mindestens 350.000 Euro Anfangskapital und laufend zwei Prozent der Reserve als Eigenmittel, drei Prozent bei signifikanten Token. In den USA sieht der OCC-Entwurf f\u00fcr neue Institute mindestens f\u00fcnf Millionen Dollar in den ersten drei Jahren vor. Das Verfahren zieht sich \u00fcber Monate; Circle brauchte vom Antrag bis zur finalen OCC-Genehmigung rund ein Jahr.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum ist USDT von europ\u00e4ischen B\u00f6rsen verschwunden?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Tether hat sich entschieden, keine EU-Lizenz zu beantragen, vor allem wegen der MiCA-Regel, die einen erheblichen Teil der Reserve in Bankeinlagen zwingt. Ohne Zulassung darf USDT im Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum nicht mehr an regulierten Handelspl\u00e4tzen angeboten werden, weshalb B\u00f6rsen den Token f\u00fcr EWR-Kunden seit dem 1. Juli 2026 auslisten.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist der Unterschied zwischen MiCA und dem GENIUS Act?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Beide verlangen volle Deckung, R\u00fccktausch zum Nennwert und ein Zinsverbot. Der Kernunterschied liegt bei den Reserven und der Lizenz: MiCA zwingt einen Teil der Reserve in EU-Bankeinlagen und macht den Emittenten zur Bank oder zum E-Geld-Institut unter nationaler Aufsicht. Der GENIUS Act setzt auf kurzlaufende US-Staatsanleihen und l\u00e4sst gro\u00dfe Emittenten bundesweit vom OCC beaufsichtigen.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Ist EURAU wirklich der erste deutsche Stablecoin?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">EURAU der Frankfurter AllUnity gilt als erster von der BaFin lizenzierter, MiCA-konformer Euro-Stablecoin aus Deutschland. Die BaFin-Lizenz als E-Geld-Institut wurde Anfang Juli 2025 erteilt, der Token ging Ende Juli 2025 live. Er richtet sich vor allem an Unternehmen und institutionelle Nutzer, nicht an den Massenmarkt.<\/p><script type='application\/ld+json'>{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Wer darf 2026 in Deutschland einen Stablecoin ausgeben?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Nur ein CRR-Kreditinstitut, also eine Bank, oder ein von der BaFin zugelassenes E-Geld-Institut. Ein reines Krypto-Unternehmen ohne eine dieser Lizenzen darf keinen an den Euro gekoppelten E-Geld-Token an das Publikum ausgeben. Zus\u00e4tzlich sind ein Kryptowerte-Whitepaper und eine Vorabanzeige von 40 Arbeitstagen bei der BaFin n\u00f6tig.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was kostet eine Stablecoin-Lizenz und wie lange dauert sie?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Feste Geb\u00fchrentabellen gibt es nicht, aber die H\u00fcrden lassen sich beziffern. In Europa verlangt ein E-Geld-Institut mindestens 350.000 Euro Anfangskapital und laufend zwei Prozent der Reserve als Eigenmittel, drei Prozent bei signifikanten Token. In den USA sieht der OCC-Entwurf f\u00fcr neue Institute mindestens f\u00fcnf Millionen Dollar in den ersten drei Jahren vor. Das Verfahren zieht sich \u00fcber Monate; Circle brauchte vom Antrag bis zur finalen OCC-Genehmigung rund ein Jahr.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Warum ist USDT von europ\u00e4ischen B\u00f6rsen verschwunden?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Tether hat sich entschieden, keine EU-Lizenz zu beantragen, vor allem wegen der MiCA-Regel, die einen erheblichen Teil der Reserve in Bankeinlagen zwingt. Ohne Zulassung darf USDT im Europ\u00e4ischen Wirtschaftsraum nicht mehr an regulierten Handelspl\u00e4tzen angeboten werden, weshalb B\u00f6rsen den Token f\u00fcr EWR-Kunden seit dem 1. Juli 2026 auslisten.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was ist der Unterschied zwischen MiCA und dem GENIUS Act?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Beide verlangen volle Deckung, R\u00fccktausch zum Nennwert und ein Zinsverbot. Der Kernunterschied liegt bei den Reserven und der Lizenz: MiCA zwingt einen Teil der Reserve in EU-Bankeinlagen und macht den Emittenten zur Bank oder zum E-Geld-Institut unter nationaler Aufsicht. Der GENIUS Act setzt auf kurzlaufende US-Staatsanleihen und l\u00e4sst gro\u00dfe Emittenten bundesweit vom OCC beaufsichtigen.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Ist EURAU wirklich der erste deutsche Stablecoin?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"EURAU der Frankfurter AllUnity gilt als erster von der BaFin lizenzierter, MiCA-konformer Euro-Stablecoin aus Deutschland. Die BaFin-Lizenz als E-Geld-Institut wurde Anfang Juli 2025 erteilt, der Token ging Ende Juli 2025 live. Er richtet sich vor allem an Unternehmen und institutionelle Nutzer, nicht an den Massenmarkt.\"}}]}<\/script><p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Von Anneke de Vries, Regulierungsredaktion HOGE Wire.<\/em><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Regeln stehen, die Fristen sind verstrichen. Jetzt z\u00e4hlt die Lizenz: Wer darf 2026 einen Stablecoin ausgeben, und wie f\u00fchrt der Weg durch MiCA, BaFin und den GENIUS Act?<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":654,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-653","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-regulation"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/653","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=653"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/653\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/654"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=653"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=653"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=653"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}