{"id":733,"date":"2026-10-08T22:30:31","date_gmt":"2026-10-08T22:30:31","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/hashrate-gegen-stake-bitcoin-ethereum-sicherheitsbudget-2026\/"},"modified":"2026-10-08T22:30:31","modified_gmt":"2026-10-08T22:30:31","slug":"hashrate-gegen-stake-bitcoin-ethereum-sicherheitsbudget-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/hashrate-gegen-stake-bitcoin-ethereum-sicherheitsbudget-2026\/","title":{"rendered":"Hashrate gegen Stake: Bitcoins und Ethereums Sicherheitsbudget"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Am 19. Oktober 2025 erreichte die Bitcoin-Hashrate mit rund 1.162 Exahash pro Sekunde ihren bisherigen Rekord, wie der Nachrichtendienst <a href='https:\/\/yellow.com\/news\/bitcoin-hashrate-drops-below-1-zettahash-for-first-time-since-september-2025'>Yellow<\/a> damals dokumentierte. Ein Jahr sp\u00e4ter, Anfang Oktober 2026, liegt sie rund 15 Prozent darunter und pendelt knapp unter der Marke von einem Zettahash (1.000 EH\/s), w\u00e4hrend Miner Megawatt um Megawatt an Rechenzentren f\u00fcr k\u00fcnstliche Intelligenz abgeben. Auf Ethereum ist im selben Jahr das Gegenteil passiert: der Anteil des gestakten Ether ist weiter geklettert, auf rund 43,7 Millionen ETH oder knapp 36 Prozent des Umlaufs, wie der Live-Tracker <a href='https:\/\/www.validatorqueue.com\/'>validatorqueue.com<\/a> ausweist.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Beide Netzwerke verkaufen im Kern dasselbe Produkt: die praktische Unumkehrbarkeit einmal best\u00e4tigter Transaktionen. Und beide bezahlen daf\u00fcr ein Sicherheitsbudget. Nur bezahlen sie es auf grundverschiedene Weise, Bitcoin als laufenden Fluss aus Strom und Hardware, Ethereum als gesperrtes Pfand aus Kapital. 2026 ist das erste Jahr, in dem diese beiden Budgets sichtbar auseinanderlaufen. Dieser Text erkl\u00e4rt, wie Proof of Work und Proof of Stake Sicherheit einkaufen, was es kosten w\u00fcrde, jedes der beiden Netze anzugreifen, und warum die eine Kurve stockt, w\u00e4hrend die andere weiter steigt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Zwei Netzwerke, ein Produkt: Endg\u00fcltigkeit<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Blockchain ist nur so viel wert wie die Gewissheit, dass ein einmal eingetragener Block nicht nachtr\u00e4glich umgeschrieben wird. Genau diese Gewissheit ist das Produkt. Sie entsteht, indem das Erzeugen eines g\u00fcltigen Blocks teuer gemacht wird, teuer genug, dass sich das Umschreiben der Geschichte f\u00fcr niemanden lohnt. Proof of Work und Proof of Stake l\u00f6sen dieselbe Aufgabe mit entgegengesetzten Mitteln.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Proof of Work steckt der Preis in physischer Arbeit: Miner verbrennen Strom in spezialisierten Chips (ASICs), um alle zehn Minuten einen Block zu finden. Wer die Kette umschreiben will, muss diese Arbeit schneller leisten als der gesamte Rest des Netzes, also mehr als die H\u00e4lfte der weltweiten Rechenleistung aufbringen. Bei Proof of Stake steckt der Preis in gebundenem Kapital: Validatoren hinterlegen Ether als Pfand und verlieren es (das sogenannte Slashing), wenn sie sich regelwidrig verhalten. Wer hier angreifen will, muss einen gro\u00dfen Teil des hinterlegten Kapitals selbst kontrollieren und riskiert, es zu verlieren. Das eine Budget ist eine Miete, das andere eine Kaution.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Unterschied klingt technisch, hat aber handfeste Folgen f\u00fcr die Frage, wie teuer Sicherheit ist, wie sie mit dem Kurs w\u00e4chst und was nach einem Angriff passiert. Die folgende Tabelle fasst die beiden Modelle zusammen, bevor wir sie einzeln durchrechnen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Dimension<\/th><th>Bitcoin (Proof of Work)<\/th><th>Ethereum (Proof of Stake)<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Was sichert das Netz<\/td><td>Rechenleistung (Hashrate)<\/td><td>Gesperrtes Kapital (gestaktes ETH)<\/td><\/tr><tr><td>Bezahlform<\/td><td>Fluss: Strom plus Hardware, laufend<\/td><td>Pfand: Kapital, gesperrt und slashbar<\/td><\/tr><tr><td>Budget-Logik<\/td><td>Miete, Block f\u00fcr Block neu<\/td><td>Kaution, einmal hinterlegt<\/td><\/tr><tr><td>Angriff bedeutet<\/td><td>mehr als 50 Prozent der Hashrate<\/td><td>Kontrolle \u00fcber gro\u00dfen Anteil des Stakes<\/td><\/tr><tr><td>Nach dem Angriff<\/td><td>Hardware bleibt, Angriff wiederholbar<\/td><td>Pfand wird geslasht, Angreifer verliert Kapital<\/td><\/tr><tr><td>Naheliegendes Risiko<\/td><td>Konzentration der Mining-Pools<\/td><td>Konzentration der Staking-Anbieter<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Bitcoin zahlt als Fluss: das Budget, das jeder Block neu verbrennt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Bitcoins Sicherheitsbudget ist ein Strom, kein See. Alle zehn Minuten sch\u00fcttet das Protokoll derzeit 3,125 BTC Blocksubvention plus Transaktionsgeb\u00fchren aus. \u00dcber einen Tag sind das rund 450 BTC, \u00fcber ein Jahr etwa 164.000 BTC. Bei einem Kurs von rund 72.800 Euro je Bitcoin (Stand 8. Oktober 2026, <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin'>CoinGecko<\/a>) entspricht das einem laufenden Budget von etwa 13 bis 14 Milliarden US-Dollar, umgerechnet rund 12 Milliarden Euro pro Jahr. Dieses Geld flie\u00dft nicht in einen Tresor, es wird in Strom und abgeschriebene Hardware umgesetzt und muss in jedem einzelnen Block aufs Neue aufgebracht werden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die sichtbare Spur dieses Budgets ist die Hashrate. Anfang Oktober 2026 sch\u00e4tzen die Tracker sie auf eine Spanne von rund 920 bis 1.000 Exahash pro Sekunde (<a href='https:\/\/www.coinwarz.com\/bitcoin-hashrate'>CoinWarz<\/a> meldete zuletzt Werte um 923 EH\/s im Spot, der gegl\u00e4ttete Sieben-Tage-Schnitt lag n\u00e4her an 980 EH\/s). Die Mining-Schwierigkeit steht bei 132,72 Billionen, nach einer nahezu unver\u00e4nderten Anpassung Anfang Oktober; die n\u00e4chste Neuberechnung steht Mitte Oktober an. Der Hashprice, also der Tagesumsatz je Petahash Rechenleistung, liegt bei rund 40 US-Dollar und damit nahe mehrj\u00e4hriger Tiefs.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist die Eigenschaft dieses Budgets: Es ist eine Miete. Das Netz besitzt seine Sicherheit nie, es mietet sie Block f\u00fcr Block. Stellt die Mehrheit der Miner die Maschinen ab, verschwindet die Sicherheit innerhalb weniger Stunden, weil die Arbeit nicht mehr geleistet wird. Genau deshalb ist es f\u00fcr Bitcoin existenziell, dass der Fluss nie versiegt, und genau deshalb ist die stockende Hashrate 2026 mehr als eine Randnotiz.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Ethereum zahlt als Pfand: das Budget, das gesperrt im Vertrag liegt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ethereums Sicherheitsbudget ist ein See, kein Strom. Wer validieren will, hinterlegt Ether als Einsatz und erh\u00e4lt daf\u00fcr eine Belohnung; wer betr\u00fcgt oder grob nachl\u00e4ssig ist, verliert einen Teil des Einsatzes durch Slashing. Anfang Oktober 2026 sind rund 43,7 Millionen ETH hinterlegt, etwa 35,78 Prozent des gesamten Umlaufs, verteilt auf knapp 855.000 aktive Validatoren bei einer Rendite von rund 2,6 Prozent pro Jahr (<a href='https:\/\/www.validatorqueue.com\/'>validatorqueue.com<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das eigentliche Sicherheitsma\u00df ist hier nicht die j\u00e4hrliche Aussch\u00fcttung von gut einer Million ETH, sondern der Wert, der im Vertrag gesperrt liegt und bei einem Angriff vernichtet werden kann. Bei einem ETH-Kurs von rund 2.210 Euro (Stand 8. Oktober 2026, <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/ethereum'>CoinGecko<\/a>) sind das knapp 97 Milliarden Euro, umgerechnet rund 108 Milliarden US-Dollar, die als Pfand im Netz liegen. Dieses Kapital wird einmal hinterlegt und bleibt liegen; es muss nicht in jedem Block neu aufgebracht werden. Darin steckt der Kern des Unterschieds: Bitcoin mietet Sicherheit, Ethereum verlangt eine Kaution.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zweiter Punkt ist wichtig, weil er oft falsch gelesen wird: Die Zahl der Validatoren und die Menge des gestakten ETH entwickeln sich seit 2025 getrennt. Mit dem Pectra-Upgrade vom 7. Mai 2025 hob Ethereum die maximale wirksame Einlage je Validator von 32 auf 2.048 ETH an (<a href='https:\/\/blog.ethereum.org\/2025\/04\/23\/pectra-mainnet'>Ethereum Foundation<\/a>). Gro\u00dfe Betreiber b\u00fcndeln seither viele kleine Validatoren zu wenigen gro\u00dfen, weshalb die Validatorenzahl sinken oder stagnieren kann, w\u00e4hrend das gesperrte Kapital weiter steigt. Wer die Netzwerksicherheit messen will, schaut auf das gestakte ETH, nicht auf die Kopfzahl der Validatoren.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>2026: zum ersten Mal laufen die Kurven sichtbar auseinander<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Jahrelang wuchsen beide Budgets im Gleichschritt: mehr Hashrate hier, mehr gestaktes ETH dort, beide immer weiter nach oben. 2026 brach dieser Gleichlauf. Auf der Bitcoin-Seite verzeichnete das Netz im ersten Quartal den ersten Hashrate-R\u00fcckgang seit sechs Jahren (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/markets\/2026\/03\/30\/bitcoin-hashrate-posts-first-quarter-drop-for-first-time-in-6-years-as-miners-pivot-to-ai'>CoinDesk<\/a>), und auch das dritte Quartal lag laut der Heatmap von <a href='https:\/\/hashrateindex.com\/blog\/global-hashrate-heatmap-update-q3-2026'>Hashrate Index<\/a> rund 8,7 Prozent unter dem Vorjahr. Die Mining-Schwierigkeit ist \u00fcbers Jahr netto um etwa zw\u00f6lf Prozent gefallen. Das Besondere daran: Es ist der erste Hashrate-R\u00fcckgang der Geschichte, der nicht erzwungen ist. 2018 und 2022 fiel die Hashrate, weil Miner pleitegingen; 2021 fiel sie, weil China das Mining verbot. 2026 f\u00e4llt sie, weil Betreiber ihre Megawatt freiwillig an lukrativere KI-Rechenzentren vermieten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der Ethereum-Seite lief es umgekehrt. Der Anteil des gestakten Ether ist 2026 weiter gestiegen, von gut 34 Prozent zu Jahresbeginn auf knapp 36 Prozent im Oktober. Selbst als Anfang Oktober eine Abhebewelle die Austrittsschlange auf ein Jahreshoch trieb, blieb die Eintrittsschlange mit mehr als 1,38 Millionen ETH prall gef\u00fcllt: Es warten mehr Einleger auf einen Platz als Abspringer auf den Ausstieg. Die Nachfrage, Sicherheit zu stellen, \u00fcbersteigt bei Ethereum weiterhin das Angebot an Pl\u00e4tzen. Die folgende Tabelle stellt beide Budgets im Oktober 2026 nebeneinander.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Kennzahl<\/th><th>Bitcoin<\/th><th>Ethereum<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Kurs (8. Okt. 2026)<\/td><td>rund 72.800 Euro<\/td><td>rund 2.210 Euro<\/td><\/tr><tr><td>Marktkapitalisierung<\/td><td>rund 1,46 Billionen Euro<\/td><td>rund 270 Milliarden Euro<\/td><\/tr><tr><td>Sicherheitsgr\u00f6\u00dfe<\/td><td>Hashrate rund 950 EH\/s (nahe 1 ZH\/s)<\/td><td>43,7 Mio. ETH gestakt (35,78 % des Umlaufs)<\/td><\/tr><tr><td>Budget-Logik und Gr\u00f6\u00dfe<\/td><td>Fluss, rund 13 bis 14 Mrd. USD pro Jahr<\/td><td>Pfand, rund 108 Mrd. USD Wert im Einsatz<\/td><\/tr><tr><td>Laufende Belohnung<\/td><td>Hashprice rund 40 USD je PH und Tag<\/td><td>rund 2,6 % Staking-Rendite pro Jahr<\/td><\/tr><tr><td>Trend 2026<\/td><td>Hashrate rund 15 % unter Rekord, Difficulty netto rund minus 12 %<\/td><td>Stake-Anteil weiter gestiegen<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Was ein Bitcoin-Angriff kostet: die Acht-Milliarden-Dollar-Frage<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die bekannteste Zahl zu diesem Thema stammt von Campbell Harvey, Finanzprofessor an der Duke University. In einer Arbeit vom Oktober 2025 bezifferte er einen einw\u00f6chigen Angriff mit Mehrheits-Hashrate auf rund sechs Milliarden US-Dollar, aufgeschl\u00fcsselt in Hardware, Rechenzentrumsbau und Strom. In seinen Worten, wiedergegeben von <a href='https:\/\/crypto.news\/51-attack-on-the-bitcoin-network-would-cost-6-billion\/'>crypto.news<\/a>: &bdquo;Hardware is the largest expenditure, about $4.6 billion at current prices. The data center build would require $1.34 billion and the electricity to run the hardware and maintain the data center about $0.13 billion per week.&ldquo; Das entspreche gerade einmal 0,26 Prozent des damaligen Netzwerkwerts.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Mitte 2026 versch\u00e4rfte Harvey das Modell. Koppelt ein Angreifer den Angriff mit einer gro\u00dfen Short-Position auf Offshore-Derivatem\u00e4rkten, finanziert sich der Angriff aus dem Kurssturz, den er selbst ausl\u00f6st, statt sich aus Mining-Ertr\u00e4gen amortisieren zu m\u00fcssen. Gegen\u00fcber <a href='https:\/\/news.bitcoin.com\/8-billion-bitcoin-attack-could-become-profitable-through-derivatives-duke-professor-says\/'>Bitcoin.com News<\/a> sagte Harvey: &bdquo;The cost is about 50 basis points of the value of bitcoin&ldquo;, und: &bdquo;The difference today is the derivatives markets.&ldquo; Die reinen Kosten taxiert er damit auf rund acht Milliarden Dollar, also etwa ein halbes Prozent des Bitcoin-Werts.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht alle teilen diese Sorge. Matt Prusak, Pr\u00e4sident von American Bitcoin Corp., h\u00e4lt die Rechnung f\u00fcr praxisfern. Gegen\u00fcber Bloomberg, zitiert nach crypto.news, sagte er: &bdquo;My attitude is that economic feasibility kills the 51% thesis. I live in the real world, and I am not concerned.&ldquo; Sein Argument: So viel Hardware \u00fcber Jahre hinweg zusammenzukaufen, ohne dass B\u00f6rsen und Betreiber reagieren, sei unrealistisch. Hinzu kommt ein Detail, das die Angriffskosten-Erz\u00e4hlung bei Proof of Work schw\u00e4cht: Nach dem Angriff besitzt der Angreifer die gekaufte Hardware weiterhin. Die vier bis f\u00fcnf Milliarden Dollar f\u00fcr ASICs sind keine verbrannte Summe, sondern eine Investition, die sich weiterverkaufen oder erneut einsetzen l\u00e4sst.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was ein Ethereum-Angriff kostet: warum das Pfand teurer sein soll<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der Proof-of-Stake-Seite liefert der Ethereum-Forscher Justin Drake die am h\u00e4ufigsten zitierte Gegenrechnung. In einem Interview (wiedergegeben unter anderem von <a href='https:\/\/www.bitget.com\/news\/detail\/12560604762153'>Bitget News<\/a>) beziffert er einen Mehrheitsangriff auf Bitcoin auf rund zehn Milliarden Dollar, einen auf Ethereum dagegen auf rund 44,8 Milliarden, weil ein Angreifer die Kontrolle \u00fcber 51 Prozent des damals etwa 34 Millionen ETH gro\u00dfen Einsatzes br\u00e4uchte. Da seither mehr Kapital gestakt wird, w\u00e4re die Zahl heute noch h\u00f6her. Angriffe auf Bitcoin seien, so Drake, schlicht &bdquo;much easier and less costly&ldquo; als auf Ethereum.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Unterschied liegt f\u00fcr Drake aber nicht nur in der Summe, sondern in der sozialen Schicht (er nennt sie den &bdquo;social layer&ldquo;). Gelingt ein Angriff, kann die Gemeinschaft den Angreifer per Fork aus dem Netz werfen und sein Pfand durch Slashing vernichten. Bei Proof of Work \u00fcberlebt die Hardware den Angriff, bei Proof of Stake stirbt das Kapital mit ihm. Ein erfolgreicher Angriff ist damit f\u00fcr den Angreifer tendenziell ein einmaliges, selbstzerst\u00f6rerisches Man\u00f6ver statt eines wiederholbaren.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ehrlicherweise ist die Proof-of-Stake-Angriffsrechnung die unsicherere der beiden. Niemand kann 20 bis 50 Milliarden Euro ETH am Markt kaufen, ohne den Kurs massiv nach oben zu treiben; die statische Zahl untersch\u00e4tzt die wahren Kosten eher. Zugleich h\u00e4ngt der n\u00f6tige Anteil vom Angriffsziel ab: Rund ein Drittel des Stakes gen\u00fcgt, um die Finalit\u00e4t zu verz\u00f6gern, f\u00fcr das Finalisieren einer manipulierten Kette braucht es mehr als zwei Drittel. Die folgende Tabelle ordnet die kursierenden Sch\u00e4tzungen ein, mit dem ausdr\u00fccklichen Hinweis, dass es Modellrechnungen mit unterschiedlichen Annahmen sind, keine Marktpreise.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Quelle<\/th><th>Netzwerk<\/th><th>Gesch\u00e4tzte Kosten<\/th><th>Annahme und Besonderheit<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Campbell Harvey (2025)<\/td><td>Bitcoin<\/td><td>rund 6 Mrd. USD<\/td><td>Einw\u00f6chiger Angriff; Hardware 4,6, Rechenzentrum 1,34, Strom 0,13 Mrd.; 0,26 % des Netzwerts<\/td><\/tr><tr><td>Campbell Harvey (2026)<\/td><td>Bitcoin<\/td><td>rund 8 Mrd. USD<\/td><td>rund 50 Basispunkte; profitabel durch gleichzeitige Short-Position<\/td><\/tr><tr><td>Justin Drake<\/td><td>Bitcoin<\/td><td>rund 10 Mrd. USD<\/td><td>Vergleichssch\u00e4tzung<\/td><\/tr><tr><td>Justin Drake<\/td><td>Ethereum<\/td><td>rund 44,8 Mrd. USD<\/td><td>51 % von damals rund 34 Mio. gestaktem ETH; skaliert mit dem Einsatz<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Fluss gegen Pfand: der Unterschied, auf den es ankommt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Jetzt wird greifbar, warum die Fluss-gegen-Pfand-Unterscheidung mehr ist als eine Metapher. Bitcoins Budget ist eine externe Ressource, die laufend verbrannt wird; einmal in W\u00e4rme verwandelter Strom l\u00e4sst sich nicht zur\u00fcckholen. Ethereums Budget ist internes Kapital, das gesperrt liegt, aber abgezogen werden kann, wenn auch nur geordnet. Diese Beweglichkeit ist St\u00e4rke und Schw\u00e4che zugleich.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Anfang Oktober 2026 lie\u00df sich das live beobachten. Nach einer Sicherheitsvorfall-Meldung vom 30. September zog die Wallet-Firma MetaMask vorsorglich rund 523.000 ETH aus Lido-Validatoren ab und rotierte die Validatorschl\u00fcssel; die betroffenen Validatoren mussten daf\u00fcr austreten und sich neu anstellen. Die Austrittsschlange schoss daraufhin auf ein Jahreshoch von 850.736 ETH am 2. Oktober, mit einer Wartezeit von gut 13 Tagen, wie <a href='https:\/\/www.cryptopolitan.com\/ethereum-stakers-25-day-wait-exit-queue-peak\/'>Cryptopolitan<\/a> berichtete. Entscheidend ist, was ausblieb: ein Bank-Run. Das Churn-Limit von 256 ETH je Epoche je Richtung (rund 57.600 ETH pro Tag) wirkt wie ein Sto\u00dfd\u00e4mpfer, der das Pfand nur tropfenweise freigibt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Bitcoin gibt es weder Austrittsschlange noch Churn-Limit, weil es nichts abzuheben gibt. Der Einsatz ist versunkene Hardware und verbrannter Strom; ein aussteigender Miner schaltet einfach ab, die Hashrate f\u00e4llt sofort, aber es wartet niemand in einer Schlange. Damit haben beide Modelle gegens\u00e4tzliche Krisenmuster: Ethereums Sicherheit kann in einer Panik abflie\u00dfen, aber nur langsam und protokollgebremst; Bitcoins Sicherheit kann schnell kollabieren, wenn der Kurs unter die Stromkosten f\u00e4llt, daf\u00fcr ohne Vorwarnzeit. Das eine Risiko ist ein geordneter R\u00fcckzug, das andere ein pl\u00f6tzlicher Stillstand.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Konzentration ist die eigentliche Nahdistanz-Gefahr<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der brachiale 51-Prozent-Angriff ist das Lehrbuchszenario, aber nicht die realistische Sorge der n\u00e4chsten Jahre. Realistischer ist Konzentration: dass zu wenige Akteure zu viel der sichernden Ressource kontrollieren. Beide Netze haben hier eine wunde Stelle, nur an unterschiedlicher Stelle.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Bitcoin liegt sie bei den Mining-Pools. Laut dem Live-Tracker von <a href='https:\/\/hashrateindex.com\/hashrate\/pools'>Hashrate Index<\/a> kontrolliert Foundry USA rund 27 Prozent der Hashrate, AntPool gut 20 und F2Pool knapp 18 Prozent; die drei gr\u00f6\u00dften Pools zusammen kommen auf gut 65 Prozent. Das klingt dramatischer, als es ist: Pools koordinieren Hashrate, die sie nicht besitzen. Die einzelnen Miner k\u00f6nnen ihre Maschinen binnen Minuten auf einen anderen Pool umlenken, wenn einer sich danebenbenimmt. Protokolle wie Stratum V2 und nicht-verwahrende Pools wie OCEAN geben zudem die Kontrolle \u00fcber den Blockinhalt an die Miner zur\u00fcck.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Ethereum liegt die wunde Stelle bei den Staking-Anbietern. Lido b\u00fcndelt rund 9,8 Millionen ETH, etwa 23 Prozent des gesamten Einsatzes und rund 62 Prozent des Liquid-Staking-Markts, auch wenn der Anteil vom Hoch von gut 32 Prozent im Jahr 2023 gefallen ist. Dazu kommen gro\u00dfe B\u00f6rsen als Verwahr-Staker. Die Gegenstrategie hei\u00dft Distributed Validator Technology (DVT): Verfahren, die den Schl\u00fcssel eines Validators auf mehrere unabh\u00e4ngige Betreiber aufteilen und so das Einzelbetreiber-Risiko senken. Warum ausgerechnet die Pectra-Konsolidierung diese Technik wichtiger macht, haben wir in der Analyse zur <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/ssv-dvt-validator-konsolidierung-2026\/'>Validator-Konsolidierung und SSVs DVT<\/a> ausgef\u00fchrt. Die folgende Tabelle zeigt die Konzentration auf beiden Seiten.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Akteur<\/th><th>Netzwerk<\/th><th>Anteil<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Foundry USA<\/td><td>Bitcoin-Mining-Pool<\/td><td>rund 27 %<\/td><\/tr><tr><td>AntPool<\/td><td>Bitcoin-Mining-Pool<\/td><td>rund 20 %<\/td><\/tr><tr><td>F2Pool<\/td><td>Bitcoin-Mining-Pool<\/td><td>rund 18 %<\/td><\/tr><tr><td>Top 3 Pools zusammen<\/td><td>Bitcoin<\/td><td>rund 65 %<\/td><\/tr><tr><td>Lido (Anteil am Einsatz)<\/td><td>Ethereum-Staking<\/td><td>rund 23 %<\/td><\/tr><tr><td>Lido (Liquid-Staking-Markt)<\/td><td>Ethereum-Staking<\/td><td>rund 62 %<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Zyklisch gegen strukturell: warum die Budgets anders altern<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die beiden Sicherheitsbudgets altern nach verschiedenen Gesetzen. Bitcoins Budget h\u00e4ngt am Kurs und am Halving-Takt. Alle rund vier Jahre halbiert sich die Blocksubvention; beim n\u00e4chsten Halving, erwartet 2028, f\u00e4llt sie von 3,125 auf 1,5625 BTC je Block. Langfristig muss sich der Fluss deshalb von der Subvention zu den Transaktionsgeb\u00fchren verlagern. Noch tragen die Geb\u00fchren nur einen niedrigen einstelligen Prozentsatz zur Blockbelohnung bei, der Rest ist frisch geschaffenes BTC. Ob ein Geb\u00fchrenmarkt entsteht, der das wegfallende Angebot ersetzt, ist die gro\u00dfe offene Frage \u00fcber Bitcoins Sicherheit, und sie stellt sich bei jedem Halving aufs Neue, in diskreten Stufen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ethereums Budget kennt keine solche Klippe. Die Ausgabe neuer ETH an Validatoren folgt einer glatten Kurve, die mit der Menge des gestakten Kapitals steigt, und seit EIP-1559 verbrennt das Netz einen Teil der Geb\u00fchren wieder. In Phasen hoher Aktivit\u00e4t kann die Netto-Ausgabe sogar negativ werden, ETH wird dann knapper statt reichlicher. Das Budget passt sich also laufend an, ohne Stufen. Daf\u00fcr hat es eine eigene Spannung: Je mehr ETH gestakt wird, desto niedriger die Rendite je Validator. Irgendwann konkurriert Staking mit anderen Verwendungen des Kapitals. Das eine Budget altert wie eine Treppe, das andere wie eine Rampe.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wohin Megawatt und Kapital flie\u00dfen: KI, Restaking und der Kampf ums Budget<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Damit sind wir bei der eigentlichen Ursache der Divergenz von 2026. Bitcoins Hashrate-Wachstum stockt nicht, weil Miner das Interesse verloren h\u00e4tten, sondern weil das marginale Megawatt und der marginale Dollar inzwischen ein lukrativeres Zuhause haben: Rechenzentren f\u00fcr k\u00fcnstliche Intelligenz. B\u00f6rsennotierte Miner unterschreiben milliardenschwere Mietvertr\u00e4ge mit KI-Anbietern, etwa Riot Platforms mit Anthropic \u00fcber einen Deal mit einem Basiswert von 9,1 Milliarden Dollar (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2026\/08\/11\/riot-platforms-surges-20-in-pre-market-trading-on-usd9-1-billion-anthropic-deal'>CoinDesk<\/a>), und leiten Strom wie Kapital von neuen Rigs weg. Wer die Betriebswirtschaft dahinter verstehen will, findet sie in unserer Analyse <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mining-margen-2026-marge-pro-megawatt\/'>Mining-Margen 2026: das Megawatt entscheidet<\/a>; in Kurzform: \u00fcber Gewinn oder Verlust entscheidet l\u00e4ngst die Marge je Megawatt, nicht der Bitcoin-Kurs allein. Die Nachfrage nach Rechenkapazit\u00e4t, die diesen Wettbewerb anheizt, zeichnen wir im <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/dezentrale-inferenz-entwickler-leitfaden-2026\/'>Leitfaden zur dezentralen Inferenz<\/a> nach.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ethereums Budget k\u00e4mpft an einer anderen Front. Gestaktes ETH konkurriert nicht um Megawatt, sondern um Rendite: mit Restaking, mit Kreditprotokollen, mit jeder anderen Anlage, die mehr abwirft als die rund 2,6 Prozent Staking-Zins. Solange die Kombination aus Staking- und Restaking-Ertr\u00e4gen attraktiv bleibt, flie\u00dft Kapital hinein, und genau das ist 2026 passiert. Bezeichnend f\u00fcr dieses Umfeld: Beim MetaMask-Ausstieg Anfang Oktober ging der Markt davon aus, dass der gro\u00dfe Teil des abgezogenen ETH ohnehin wieder neu angelegt wird. Der Kampf ums Bitcoin-Budget wird in Megawatt ausgetragen, der ums Ethereum-Budget in Basispunkten.<\/p>@@CONTENT@@","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bitcoin kauft Sicherheit als Fluss aus Strom und Hardware, Ethereum als Pfand aus gesperrtem Kapital. 2026 laufen die beiden Sicherheitsbudgets erstmals sichtbar auseinander.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":734,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-733","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-mining-staking"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/733","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=733"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/733\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/734"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=733"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=733"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=733"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}