{"id":767,"date":"2026-10-13T16:25:16","date_gmt":"2026-10-13T16:25:16","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/ritual-anwendungsfaelle-verifizierbare-ki-onchain-2026\/"},"modified":"2026-10-13T16:25:16","modified_gmt":"2026-10-13T16:25:16","slug":"ritual-anwendungsfaelle-verifizierbare-ki-onchain-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/ritual-anwendungsfaelle-verifizierbare-ki-onchain-2026\/","title":{"rendered":"Ritual 2026: Wof\u00fcr verifizierbare KI on-chain taugt"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber Ritual ist in diesem Jahr viel geschrieben worden: wie die Architektur aufgebaut ist, warum das Projekt eine eigene Blockchain baut, wie sich Inferenz verifizierbar und sogar vertraulich gestalten l\u00e4sst. Eine Frage bleibt dabei meist offen, und es ist die schwierigste von allen. Was baut man eigentlich damit? Eine Kette, auf der ein Smart Contract ein KI-Modell aufruft und dem Ergebnis trauen kann, klingt in der Theorie elegant. Interessant wird sie erst, wenn man sie an konkreten Anwendungen misst.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Text dreht die \u00fcbliche Reihenfolge um. Er fragt nicht, wie Ritual funktioniert, sondern wof\u00fcr. Vorweg ein hartes Faktum, das den ganzen Artikel grundiert: Ritual hat Stand Oktober 2026 kein handelbares Token und kein angek\u00fcndigtes Mainnet-Datum. Alles, was hier beschrieben wird, l\u00e4uft entweder \u00fcber das seit L\u00e4ngerem aktive Infernet-Netzwerk oder auf einem \u00f6ffentlichen Testnet. Wer etwas anderes liest, liest Spekulation.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Nicht wie, sondern wof\u00fcr<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Baustein ist immer nur so gut wie das, was auf ihm entsteht. Orakel wie Chainlink waren jahrelang eine technische Kuriosit\u00e4t, bis Lending-Protokolle ihre Preis-Feeds brauchten und daraus ein Milliardenmarkt wurde. Verifizierbare Inferenz, also eine KI-Antwort, die mit einem g\u00fcnstig pr\u00fcfbaren Beweis ihrer korrekten Berechnung geliefert wird, steht an genau diesem Punkt. Die Mechanik ist weitgehend verstanden. Was fehlt, ist die Anwendung, die den Aufwand rechtfertigt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum das \u00fcberhaupt schwierig ist, hat einen tiefen Grund. Ein Smart Contract ist deterministisch: Jeder Validator f\u00fchrt denselben Code aus und muss zum selben Ergebnis kommen, sonst zerf\u00e4llt der Konsens. Ein gro\u00dfes Sprachmodell auf einer GPU ist das Gegenteil. Gleitkomma-Arithmetik, parallele Ausf\u00fchrung und wechselnde Hardware f\u00fchren dazu, dass derselbe Prompt nicht zuverl\u00e4ssig dieselbe Antwort liefert. Dieses <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/verifiable-compute-determinismus-problem-2026\/'>Determinismus-Problem der KI<\/a> ist der eigentliche Gegner. Jede der folgenden Anwendungen muss es auf die eine oder andere Weise l\u00f6sen, sonst bleibt sie ein Versprechen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was Ritual eigentlich bereitstellt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Bevor es um Anwendungen geht, ein knapper Blick auf das Werkzeug. Ritual besteht aus zwei Teilen. Der erste ist Infernet, ein dezentrales Orakel-Netzwerk mit schlankem SDK, das heute schon l\u00e4uft und EVM-Vertr\u00e4gen auf Ethereum, Base und Arbitrum erlaubt, KI-Modelle on- oder off-chain aufzurufen. Der zweite ist die Ritual Chain, eine eigenst\u00e4ndige Layer-1 im Testnet-Betrieb, die \u00fcber eine Erweiterung namens EVM++ KI-Funktionen direkt in die Ausf\u00fchrungsschicht holt. Die Projektdokumentation fasst den Anspruch in einem Satz zusammen: die erste Blockchain, auf der Smart Contracts denken, sehen, h\u00f6ren und handeln k\u00f6nnen (<a href='https:\/\/docs.ritualfoundation.org\/'>docs.ritualfoundation.org<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Gegr\u00fcndet wurde Ritual 2023 in New York von Niraj Pant und Akilesh Potti, die zuvor drei Jahre gemeinsam bei Polychain Capital gearbeitet hatten. Die Seed-Runde \u00fcber 25 Millionen Dollar f\u00fchrte Archetype an; The Block bezifferte die Gesamtfinanzierung sp\u00e4ter auf \u00fcber 30 Millionen Dollar. Pant formulierte die Gr\u00fcndungsmotivation bei der Ank\u00fcndigung so:<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">&bdquo;Die B\u00fcndelung von KI in den H\u00e4nden einiger weniger m\u00e4chtiger Unternehmen ist eine ernste Gefahr f\u00fcr die Zukunft der Technologie. Wir haben Ritual gegr\u00fcndet, um die Abh\u00e4ngigkeit des \u00d6kosystems von wenigen zu beenden, den Zugang zu dieser kritischen Infrastruktur zu \u00f6ffnen und eine Zukunft zu sichern, in der sich bessere KI bauen l\u00e4sst&ldquo; (<a href='https:\/\/www.coindesk.com\/business\/2023\/11\/08\/artificial-intelligence-platform-ritual-looks-to-decentralize-access-to-ai-with-25m-backing'>CoinDesk<\/a>).<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Parameter<\/th><th>Wert<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Status<\/td><td>\u00d6ffentliches Testnet, kein Mainnet-Datum<\/td><\/tr><tr><td>Chain ID<\/td><td>1979<\/td><\/tr><tr><td>Blockzeit<\/td><td>rund 350 Millisekunden<\/td><\/tr><tr><td>Gas-Token<\/td><td>RITUAL (18 Dezimalstellen, nur Testnet, ohne Marktwert)<\/td><\/tr><tr><td>Precompiles<\/td><td>16, darunter LLM (0x0802), ONNX (0x0800), HTTP (0x0801), ZK (0x0806), FHE (0x0807)<\/td><\/tr><tr><td>Agenten<\/td><td>Persistent Agents (0x0820), Sovereign Agents (0x080C)<\/td><\/tr><tr><td>Scheduler<\/td><td>Systemvertrag, kein externer Keeper-Bot n\u00f6tig<\/td><\/tr><tr><td>Tooling<\/td><td>Solidity ^0.8.20, Foundry, Hardhat, viem, wagmi<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class='wp-block-table__caption'>Kernparameter des Ritual-Testnets laut Projektdokumentation (Stand Oktober 2026).<\/figcaption><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Der entscheidende Begriff ist verifizierbare Inferenz. Statt dem Server zu vertrauen, der ein Modell betreibt, pr\u00fcft der Verbraucher einen Beweis, dass genau dieses Modell genau diese Antwort korrekt berechnet hat. Erst das macht KI f\u00fcr einen Smart Contract brauchbar, denn ein Vertrag, der Geld bewegt, kann sich keine blinde API-Anfrage leisten. Akilesh Potti beschrieb beim Testnet-Start, worum es im Kern geht:<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">&bdquo;Das Ritual-Chain-Testnet erm\u00f6glicht v\u00f6llig neues Nutzerverhalten im Umgang mit KI, das in keinem anderen System zuvor m\u00f6glich war. Es geht nicht nur um KI; wir schaffen ein Fundament f\u00fcr die n\u00e4chste Generation von RaaS-Plattformen, Prover-Netzwerken und IP-Marktpl\u00e4tzen&ldquo; (<a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/327108\/decentralized-ai-project-ritual-launches-testnet-to-bring-ai-onchain'>The Block<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die folgende \u00dcbersicht nimmt die sechs Felder vorweg, an denen sich diese Versprechen messen lassen. Danach gehen wir jedes einzeln durch.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Bereich<\/th><th>Was KI on-chain leisten soll<\/th><th>Beispiel und Reifegrad<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>DeFi<\/td><td>dynamische Geb\u00fchren, Risiko- und Kredit-Scoring, Liquidations-Logik<\/td><td>OpenGradient\/EZKL f\u00fcr Uniswap-Geb\u00fchren (zkML, live)<\/td><\/tr><tr><td>Gaming<\/td><td>reaktive NPCs, generative Spiellogik, nachweisbar faire KI<\/td><td>Frenrug, Demo auf Base \u00fcber friend.tech<\/td><\/tr><tr><td>Autonome Agenten<\/td><td>Agenten, die Schl\u00fcssel halten, sich selbst planen und bezahlen<\/td><td>Sovereign und Persistent Agents (Testnet)<\/td><\/tr><tr><td>Pr\u00e4diktionsm\u00e4rkte<\/td><td>subjektive Orakel, automatische Aufl\u00f6sung von Wetten<\/td><td>konzeptionell, erste Prototypen<\/td><\/tr><tr><td>Datenschutz<\/td><td>vertrauliche Inferenz, blinde Modelle ohne Dateneinsicht<\/td><td>Nillion und Ritual (MPC, seit 2024)<\/td><\/tr><tr><td>Inhalte und RWA<\/td><td>Echtheitsnachweise, Bewertung, Herkunftsbelege<\/td><td>fr\u00fche Konzepte<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class='wp-block-table__caption'>Sechs Anwendungsfelder f\u00fcr verifizierbare KI on-chain, mit jeweiligem Reifegrad.<\/figcaption><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>DeFi, das nachdenkt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die meisten DeFi-Parameter werden heute entweder per Governance-Abstimmung gesetzt oder folgen starren Formeln. Ein Lending-Markt legt Zinskurven, Beleihungsgrenzen und Liquidationsschwellen fest und \u00e4ndert sie selten. Eine automatisierte Market-Making-Kurve berechnet Geb\u00fchren nach festem Schema. Das funktioniert, l\u00e4sst aber Spielraum liegen. Ein Modell, das Volatilit\u00e4t, Orderfluss und Marktstress in Echtzeit liest, k\u00f6nnte Geb\u00fchren dynamisch anpassen, die Kreditw\u00fcrdigkeit einer Adresse bewerten oder ein Portfolio umschichten, bevor eine Position notleidend wird.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dass das kein reines Gedankenspiel ist, zeigt ein bereits laufendes Beispiel. OpenGradient nutzt das zkML-Werkzeug EZKL, um ein Modell f\u00fcr dynamische Geb\u00fchren auf Uniswap V3 zu betreiben: Das Modell sch\u00e4tzt Volatilit\u00e4t und Risiko, und ein Zero-Knowledge-Beweis belegt, dass die Geb\u00fchr tats\u00e4chlich aus diesem Modell stammt und nicht willk\u00fcrlich gesetzt wurde (<a href='https:\/\/blog.ezkl.xyz\/post\/opengradient'>EZKL<\/a>). Genau diese Kombination, KI-Entscheidung plus Beweis, ist das, was Ritual als Primitive anbieten will.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Haken liegt im Vertrauen. Ein Protokoll, das Hunderte Millionen verwaltet, kann sich nicht auf eine KI-Antwort von einem einzelnen Server verlassen. Woher wei\u00df der Vertrag, dass das Modell nicht manipuliert wurde, dass die Eingaben stimmen, dass niemand das Ergebnis zu seinen Gunsten gedreht hat? Ohne Verifizierbarkeit w\u00e4re jedes KI-gesteuerte DeFi-Modul ein neuer Angriffsvektor, vergleichbar mit einem Orakel, das sich manipulieren l\u00e4sst. Vitalik Buterin hat in seinem Aufsatz zu Krypto und KI genau davor gewarnt: KI, die \u00fcber die Spielregeln entscheidet und dabei Geld bewegt, sei die riskanteste aller Kategorien und erfordere \u00e4u\u00dferste Vorsicht (<a href='https:\/\/vitalik.eth.limo\/general\/2024\/01\/30\/cryptoai.html'>vitalik.eth.limo<\/a>).<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Gaming: Frenrug und spielbare KI<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Das greifbarste Beispiel, das Ritual selbst gebaut hat, ist ein Spiel. Frenrug ist ein gamifizierter Demonstrator, der in einem Chatroom der Social-App friend.tech lebt und mit der Base-Chain spricht. Die Projektseite nennt es ausdr\u00fccklich ein offenes Experiment und keine Produktionssoftware, inklusive der Warnung, dass eingesetzte Mittel nicht sicher sind (<a href='https:\/\/frenrug.com\/blog\/introducing-frenrug'>frenrug.com<\/a>). Das ist wichtig: Frenrug ist ein Schaust\u00fcck, kein fertiges Produkt. Als Schaust\u00fcck zeigt es aber pr\u00e4zise, was on-chain-KI im Gaming bedeuten k\u00f6nnte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Spielprinzip: Nutzer versuchen, den Agenten per Nachricht zu \u00fcberreden, bestimmte friend.tech-Keys zu kaufen oder zu verkaufen. Jede Nachricht l\u00e4uft durch mehrere Sprachmodelle, die von verschiedenen Infernet-Knoten betrieben werden. Weil LLMs nicht deterministisch sind, stimmt jeder Knoten mit einem eigenen Urteil ab. Haben genug Knoten geantwortet, l\u00f6st der Vertrag on-chain eine Aggregationsanfrage aus; ein Off-chain-Infernet-Knoten fasst die einzelnen Stimmen \u00fcber einen trainierten Klassifikator zu einer einzigen Aktion zusammen. On-chain landen der gehashte Input, Embedding-Vektoren der Antworten und die Begr\u00fcndung, sodass die Entscheidung nachvollziehbar bleibt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Spiele ist daran mehr spannend als die Spielerei mit Social-Tokens. Erstens reagieren NPCs, die durch ein Sprachmodell gesteuert werden, auf freie Eingaben statt auf einen starren Dialogbaum. Zweitens, und das ist der eigentliche Krypto-Teil, l\u00e4sst sich die Entscheidung des NPCs beweisen. In einem klassischen Online-Spiel ist die KI eine Blackbox auf den Servern des Studios; ob ein Lootdrop wirklich zuf\u00e4llig war oder ein Gegner fair gehandelt hat, muss man dem Betreiber glauben. Eine verifizierbare Inferenz macht aus diesem Glauben einen Nachweis. Dynamische Schwierigkeitsgrade, prozedural erzeugte Inhalte und Anti-Cheat-Logik k\u00f6nnten so gestaltet werden, dass Spieler sie \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Grenzen sind ebenso klar. Frenrug ist ein Demonstrator, kein Massenspiel, und die Latenz eines mehrstufigen On-chain-Votings passt nicht zu einem schnellen Shooter. Realistisch sind zun\u00e4chst rundenbasierte oder strategische Formate, in denen eine nachweisbare KI-Entscheidung mehr wiegt als einzelne Millisekunden. F\u00fcr ein Haus, das Krypto und Gaming zusammendenkt, ist Frenrug trotzdem der interessanteste Fingerzeig des Jahres, weil es das abstrakte Versprechen verifizierbarer KI in etwas Spielbares \u00fcbersetzt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Autonome Agenten und die Maschinen-\u00d6konomie<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schritt von einem KI-gesteuerten NPC zu einem eigenst\u00e4ndigen Agenten ist kleiner, als er klingt. Ritual unterscheidet zwei Typen. Persistent Agents haben Zustand, Ged\u00e4chtnis und eine on-chain verankerte Identit\u00e4t, die \u00fcber Sitzungen hinweg erhalten bleibt. Sovereign Agents gehen weiter: Sie halten eigene Schl\u00fcssel, planen sich \u00fcber den Scheduler-Systemvertrag selbst ein, laufen in einer abgeschirmten Hardware-Enklave und bezahlen ihre Rechenzeit aus einer eigenen Wallet, bis das Guthaben ersch\u00f6pft ist. Kein externer Bot muss sie ansto\u00dfen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Dokumentation b\u00fcndelt die F\u00e4higkeiten eines solchen Agenten in sieben Verben:<\/p><ul class='wp-block-list'><li><strong>Denken<\/strong>: ein Modell aufrufen und schlussfolgern (LLM- und ONNX-Precompiles).<\/li><li><strong>Handeln<\/strong>: Transaktionen senden und mit anderen Vertr\u00e4gen interagieren.<\/li><li><strong>Erinnern<\/strong>: Zustand und Ged\u00e4chtnis dauerhaft speichern.<\/li><li><strong>Beweisen<\/strong>: die eigene Inferenz verifizierbar machen.<\/li><li><strong>Geheimnisse h\u00fcten<\/strong>: verschl\u00fcsselte Schl\u00fcssel und Daten verwalten, ohne sie offenzulegen.<\/li><li><strong>Bezahlen<\/strong>: aus einer eigenen Wallet f\u00fcr Dienste und Rechenzeit zahlen.<\/li><li><strong>Ausweisen<\/strong>: sich per WebAuthn und Passkey selbst authentifizieren.<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">Daraus ergibt sich das Bild einer Maschinen-\u00d6konomie: Agenten, die andere Agenten beauftragen, f\u00fcr Daten oder Inferenz zahlen und Erl\u00f6se wieder investieren, ohne dass ein Mensch jede Transaktion freigibt. So verlockend das ist, so heikel ist es auch. Ein Agent, der Schl\u00fcssel h\u00e4lt und Geld bewegt, ist ein lohnendes Ziel f\u00fcr Prompt-Injection: Der dokumentierte Fall rund um den Grok\/Bankr-Agenten, bei dem eine manipulierte Nachricht Transaktionen ausl\u00f6ste, zeigt die Angriffsfl\u00e4che. Verifizierbarkeit allein sch\u00fctzt nicht vor einer vergifteten Eingabe; es braucht Budgetgrenzen, Notaus-Mechanismen und menschliche Kontrolle an den richtigen Stellen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Pr\u00e4diktionsm\u00e4rkte und subjektive Orakel<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Pr\u00e4diktionsm\u00e4rkte wie Polymarket oder Kalshi stehen und fallen mit einer Frage: Wer entscheidet am Ende, was passiert ist? Bei objektiven Ereignissen ist das leicht, ein Preis-Feed oder eine amtliche Quelle gen\u00fcgt. Bei subjektiven oder unscharfen Fragen wird es schwierig. Hat ein Politiker eine bestimmte Aussage get\u00e4tigt? Ist eine Nachricht wahr? War ein Vertrag erf\u00fcllt? Heute l\u00f6sen das entweder Menschen oder Streitverfahren wie das von UMA, bei dem Token-Inhaber \u00fcber die richtige Antwort abstimmen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein verifizierbares KI-Orakel k\u00f6nnte hier als Erstinstanz dienen. Ein Modell liest die Quellen, trifft eine Entscheidung und liefert eine \u00fcberpr\u00fcfbare Begr\u00fcndung gleich mit. Der Mehrwert liegt nicht darin, den Menschen vollst\u00e4ndig zu ersetzen, sondern darin, die Blackbox zu \u00f6ffnen: Statt einem undurchsichtigen Orakel blind zu vertrauen, sehen alle Beteiligten, welche Eingaben zu welchem Schluss f\u00fchrten. Dieselbe Mechanik tr\u00e4gt \u00fcber Wetten hinaus, etwa bei der Ausl\u00f6sung von Versicherungszahlungen, der Zusammenfassung von DAO-Antr\u00e4gen oder der Moderation von Inhalten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorsicht aus dem DeFi-Abschnitt gilt hier versch\u00e4rft. Ein Orakel, das \u00fcber Auszahlungen entscheidet, ist per Definition ein Angriffsziel. Wird das Modell oder seine Eingabe manipuliert, steht Geld auf dem Spiel. Verifizierbarkeit verschiebt das Vertrauen von der Antwort zum Beweis, sie beseitigt es nicht. Deshalb bleibt ein Streit- und Einspruchsverfahren auch mit KI-Orakel sinnvoll, nur dass die erste Entscheidung schneller und nachvollziehbarer f\u00e4llt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Vertrauliche KI: Datenschutz, der sich beweisen l\u00e4sst<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Hier steckt ein Widerspruch im Kern. Eine \u00f6ffentliche Blockchain ist transparent, jeder sieht jede Transaktion. Viele der interessantesten KI-Anwendungen brauchen aber genau das Gegenteil: Gesundheitsdaten, personenbezogene Informationen oder die wertvollen Gewichte eines propriet\u00e4ren Modells d\u00fcrfen nicht im Klartext durch einen Mempool wandern. Verifizierbarkeit und Vertraulichkeit scheinen sich auszuschlie\u00dfen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Rituals Antwort kombiniert mehrere Werkzeuge. Bei der delegierten Ausf\u00fchrung l\u00e4uft das Modell in einer Hardware-Enklave (TEE), das Ergebnis wird kryptografisch an die Anfrage gebunden, und der Klartext ber\u00fchrt weder Kette noch Mempool. Geheimnisse wie API-Schl\u00fcssel liegen ECIES-verschl\u00fcsselt vor und werden erst in der Enklave eingesetzt. F\u00fcr den h\u00e4rtesten Fall gibt es die Zusammenarbeit mit Nillion: Deren Technik der blinden Berechnung verteilt die Rechenarbeit per Secret-Sharing so, dass sowohl die Eingabe des Nutzers als auch die Modellgewichte geheim bleiben. Alex Page, CEO von Nillion, ordnete die Partnerschaft so ein:<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">&bdquo;Unsere Partnerschaft mit Ritual wird ver\u00e4ndern, wie sensible Daten bei der KI-Inferenz verarbeitet werden&ldquo; (<a href='https:\/\/siliconangle.com\/2024\/08\/07\/nillion-ritual-team-build-trustless-decentralized-ai-inference-technology\/'>SiliconANGLE<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein verwandter Weg f\u00fchrt \u00fcber Zero-Knowledge-Verfahren, die einen Beweis liefern, <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/zk-ml-datenschutz-ki-beweisen-ohne-daten-2026\/'>ohne Gewichte oder Nutzerdaten zu zeigen<\/a>. Die Anwendungen reichen von privater medizinischer Vorab-Triage \u00fcber KYC-Pr\u00fcfungen, die kein Dokument offenlegen, bis zu Handelsmodellen, deren Logik geheim bleibt. Der Vorbehalt bleibt bestehen: Ein TEE ist eine Vertrauensannahme, kein mathematischer Beweis. Der Seitenkanal-Angriff TEE.Fail von Ende 2025 hat gezeigt, dass sich selbst Enklaven mit vergleichsweise g\u00fcnstiger Hardware aushebeln lassen, was die Grenzen dieses Ansatzes markiert.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Echtheit von Inhalten und reale Verm\u00f6genswerte<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">In einer Welt, in der sich Bilder, Stimmen und Texte beliebig f\u00e4lschen lassen, bekommt ein \u00fcberpr\u00fcfbarer Echtheitsnachweis Wert. Ein Modell, das einen Inhalt als echt oder als KI-generiert einstuft und diese Einstufung mit einem Beweis versieht, k\u00f6nnte zur Grundlage f\u00fcr Herkunftsbelege werden. F\u00fcr Medienh\u00e4user, Marktpl\u00e4tze und Plattformen w\u00e4re das eine M\u00f6glichkeit, Provenienz nicht nur zu behaupten, sondern zu belegen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich gelagert ist der Bereich der tokenisierten realen Verm\u00f6genswerte (RWA). Ein tokenisiertes Haus, ein Kunstwerk oder eine Anleihe braucht eine Bewertung, und diese Bewertung ist heute oft ein unterschriebenes PDF, dem man vertrauen muss. Eine KI-gest\u00fctzte Bewertung mit nachpr\u00fcfbarem Rechenweg w\u00e4re belastbarer. In dieselbe Richtung zielt Pottis Hinweis auf IP-Marktpl\u00e4tze: Wenn ein Modell nachweislich ein bestimmtes Werk erzeugt oder genutzt hat, lassen sich Lizenz- und Verg\u00fctungsfragen on-chain abbilden.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dieser Bereich ist der am wenigsten reife der sechs. Es gibt mehr Konzept als Code, und viele Fragen, von der Rechtssicherheit bis zur Haftung bei einer falschen Einstufung, sind offen. Als Ausblick geh\u00f6rt er dennoch dazu, weil er zeigt, dass verifizierbare KI nicht an den Grenzen der reinen Finanzanwendungen endet.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Woher die Rechenleistung kommt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Jede dieser Anwendungen braucht GPUs, und zwar irgendwo. Ritual betreibt diese Hardware nicht selbst, sondern koordiniert einen Markt. Infernet-Knoten stellen Rechenleistung bereit; \u00fcber Partnerschaften mit GPU-Netzwerken wie io.net, mit Restaking-Infrastruktur rund um EigenLayer, inzwischen EigenCloud, und mit dezentralen Marktpl\u00e4tzen wie Akash l\u00e4sst sich zus\u00e4tzliche Kapazit\u00e4t anbinden. Das interne Preissystem Resonance ist als zweiseitiger Markt f\u00fcr heterogene Hardware gedacht, der ungleiche GPUs und CPUs fair bepreisen soll.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig ist die Unterscheidung zwischen dezentraler und verifizierbarer Rechenleistung. Ein GPU-Marktplatz vermietet Hardware, beweist aber nicht, dass das Ergebnis korrekt ist. Verifizierbare Inferenz setzt obendrauf und liefert den Nachweis. Die gro\u00dfen DePIN-Projekte dieses Jahres zeigen, wie viel Kapital in die Angebotsseite flie\u00dft: Render etwa hat <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/render-q3-2026-rekordquartal-comeback\/'>nach einem Rekordquartal<\/a> die Debatte neu entfacht, wie nachhaltig das Comeback dezentraler Rechennetze ist. Ritual positioniert sich eine Schicht dar\u00fcber, als Koordinator und Pr\u00fcfinstanz statt als reiner Vermieter.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist zugleich die wirtschaftliche Wette. Rohe GPU-Zeit ist zur Ware geworden, der Preis f\u00e4llt tendenziell. Wertvoll wird, was oben drauf kommt: die Garantie, dass eine Berechnung korrekt und, wo n\u00f6tig, vertraulich erfolgt ist. Ob daf\u00fcr ein Aufpreis erzielbar ist, den Nutzer wirklich zahlen, ist die offene Frage hinter dem gesamten Sektor.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Wie man einer KI-Antwort \u00fcberhaupt trauen kann<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Alle sechs Anwendungen h\u00e4ngen an einer einzigen Frage: Wie wei\u00df der Vertrag, dass die KI-Antwort stimmt? Ritual nennt seinen Ansatz modulare Berechnungsintegrit\u00e4t und l\u00e4sst daf\u00fcr mehrere Verfahren nebeneinander zu. \u00dcber eine Mechanik namens Superposition gibt es zwei Ausf\u00fchrungspfade \u00fcber einen gemeinsamen Zustand: einen replizierten, bei dem alle Validatoren dieselbe deterministische Aufgabe nachrechnen, und einen delegierten, bei dem schwere Arbeit wie LLM-Inferenz off-chain in einer Enklave l\u00e4uft und das Ergebnis an die Anfrage gebunden wird. Welche Methode passt, h\u00e4ngt von der Anwendung ab.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Methode<\/th><th>Wie der Beweis entsteht<\/th><th>Vertrauensannahme und Haken<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Replizierte Ausf\u00fchrung<\/td><td>alle Validatoren rechnen dieselbe deterministische Aufgabe nach<\/td><td>kein Zusatzvertrauen, aber alles \u00f6ffentlich; nur f\u00fcr deterministische Modelle; teuer<\/td><\/tr><tr><td>TEE (Hardware-Enklave)<\/td><td>Enklave bindet das Ergebnis per Attestierung an die Anfrage<\/td><td>Vertrauen in den Chiphersteller; Seitenkan\u00e4le wie TEE.Fail; kein mathematischer Beweis<\/td><\/tr><tr><td>zkML (Zero-Knowledge)<\/td><td>kryptografischer Beweis korrekter Berechnung, ohne Daten zu zeigen<\/td><td>vertrauensminimiert, aber Aufwand superlinear; gro\u00dfe LLMs kaum machbar<\/td><\/tr><tr><td>opML (optimistisch)<\/td><td>Ergebnis wird ver\u00f6ffentlicht, ein Challenge-Fenster erlaubt Betrugsbeweise<\/td><td>braucht mindestens einen ehrlichen W\u00e4chter; Latenz durch das Streitfenster<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class='wp-block-table__caption'>Vier Wege, eine KI-Inferenz pr\u00fcfbar zu machen, mit ihren jeweiligen Kompromissen.<\/figcaption><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Keine Methode gewinnt \u00fcberall. Zero-Knowledge-Beweise sind mathematisch am saubersten, aber Vitalik Buterin beziffert den Mehraufwand f\u00fcr die nichtlinearen Schichten gro\u00dfer Modelle auf das rund 200-Fache, weshalb sie f\u00fcr heutige Sprachmodelle noch kaum praktikabel sind (<a href='https:\/\/vitalik.eth.limo\/general\/2024\/01\/30\/cryptoai.html'>vitalik.eth.limo<\/a>). TEEs sind schnell und vertraulich, h\u00e4ngen aber am Chiphersteller. opML ist g\u00fcnstig, aber langsam. Deshalb setzen Ritual und der gesamte Sektor 2026 zunehmend auf Hybride, die St\u00e4rken kombinieren. Die grundlegende Einordnung verifizierbarer Inferenz als eigene Infrastrukturkategorie beschreibt auch Chainlink in seiner Definition des Begriffs (<a href='https:\/\/chain.link\/article\/verifiable-inference'>chain.link<\/a>).<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Haken: Kosten, Latenz und Reifegrad<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">So \u00fcberzeugend die Liste klingt, so n\u00fcchtern muss der Reifegrad eingeordnet werden. Fachleute sprechen von einem Verifizierbarkeits-Trilemma: Ein System kann nicht gleichzeitig maximale Integrit\u00e4t, niedrige Latenz und niedrige Kosten bieten. Jedes der genannten Verfahren opfert eine Ecke. Wer den st\u00e4rksten Beweis will, zahlt mit Rechenzeit und Geld; wer Echtzeit braucht, muss bei der H\u00e4rte des Beweises Abstriche machen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu kommt der schlichte Umstand, dass Ritual im Testnet steckt. Es gibt kein Mainnet-Datum, keine handelbare M\u00fcnze und mit Frenrug einen Demonstrator statt einer Produktionsanwendung. Die meisten der hier beschriebenen Use-Cases existieren als Prototyp oder Konzept, nicht als Dienst mit echten Nutzern und echtem Umsatz. Das ist kein Vorwurf, sondern eine Zustandsbeschreibung: Die Bausteine sind da, der Beweis durch den Markt steht aus.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Und das Determinismus-Problem vom Anfang verschwindet nicht. Solange ein Sprachmodell auf einer GPU nicht reproduzierbar rechnet, braucht jede Anwendung einen der vier Wege aus der Tabelle, um die L\u00fccke zwischen dem deterministischen Vertrag und der nichtdeterministischen KI zu schlie\u00dfen. Das kostet, und ob die Anwendung diesen Preis wert ist, entscheidet sich von Fall zu Fall.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Kein Token, aber viel Spekulation<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein Satz, der sich nicht oft genug wiederholen l\u00e4sst: Es gibt kein handelbares Ritual-Token. Das RITUAL im Testnet ist ein reiner Gas-Token ohne Marktwert, und ein offizieller Airdrop ist nicht angek\u00fcndigt. Rund um das Projekt hat sich dennoch eine lebhafte Spekulations\u00f6konomie gebildet. Airdrop-Ratgeber listen Discord-Quests und Botschafterprogramme, manche nennen sogar konkrete Zahlen zu Gesamtmenge und Zuteilung. Diese Zahlen stammen von Dritten und sind unbest\u00e4tigt; selbst einschl\u00e4gige Guides r\u00e4umen ein, dass weder ein Starttermin noch eine B\u00f6rsennotierung feststehen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Im Oktober kursierten zudem Schlagzeilen \u00fcber ein angebliches Token-Event. Wer die Prim\u00e4rquelle pr\u00fcft, findet weiterhin nur Testnet-Status und kein Token. F\u00fcr Leserinnen und Leser folgt daraus eine simple Schutzregel: Jeder, der heute ein Ritual-Token, einen Vorverkauf oder einen garantierten Airdrop anbietet, betreibt im besten Fall Spekulation und im schlechtesten einen Betrug. Die BaFin warnt regelm\u00e4\u00dfig vor genau solchen gef\u00e4lschten Token und Phishing-Maschen; ihr Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen stellt klar, dass die Aufsicht an Dienstleister und Emittenten ankn\u00fcpft, nicht an das Protokoll selbst (<a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>bafin.de<\/a>).<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Sollte eines Tages ein echtes Token kommen, w\u00e4re es nicht nur ein Kurs, sondern auch ein Steuerfall. Wer Airdrops farmt, sollte sich fr\u00fch damit besch\u00e4ftigen, wie solche Zufl\u00fcsse behandelt werden, Stichwort <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/finanzamt-liest-mit-dac8-krypto-steuer-2026\/'>DAC8 und die Krypto-Steuer 2026<\/a>. Bis dahin gilt: Das Produkt ist real, das Token ist es nicht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Konkurrenz: wer sonst verifizierbare KI liefert<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Ritual ist nicht allein. Die spannende Frage f\u00fcr jeden der Use-Cases lautet: Braucht er wirklich eine eigene Blockchain, oder reicht ein Aufsatz auf bestehender Infrastruktur? Chainlink etwa hat mit der Chainlink Runtime Environment (CRE) eine Orchestrierungsschicht f\u00fcr \u00fcberpr\u00fcfbare Off-chain-Berechnung auf den Markt gebracht, ausdr\u00fccklich keine neue Kette. Uri Sarid, Chefarchitekt bei Chainlink Labs, beschreibt sie so:<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">&bdquo;Die Chainlink Runtime Environment f\u00fchrt alle F\u00e4higkeiten zusammen, indem sie Workflows ausf\u00fchrt, sobald deren Ausl\u00f6ser feuern, und die einzelnen Capability-DONs \u00fcber DON-zu-DON-Kommunikation verbindet&ldquo; (<a href='https:\/\/chain.link\/blog\/introducing-chainlink-runtime-environment'>chain.link<\/a>). F\u00fcr Entwickler ist das ein Gegenmodell: dieselbe KI-N\u00e4he, ohne auf eine neue Kette umzuziehen.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Projekt<\/th><th>Fokus<\/th><th>Token und Marktkapitalisierung<\/th><th>Ansatz<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Ritual<\/td><td>verifizierbare Inferenz und Agenten<\/td><td>kein handelbares Token (Testnet)<\/td><td>eigene Layer-1 (EVM++)<\/td><\/tr><tr><td>Bittensor<\/td><td>dezentrales Training, Subnets<\/td><td>TAO, rund 2,8 Mrd. Euro, Rang 35<\/td><td>eigene Layer-1<\/td><\/tr><tr><td>Chainlink<\/td><td>Orakel und Off-chain-Compute (CRE)<\/td><td>LINK, rund 8,8 Mrd. Euro, Rang 15<\/td><td>Aufsatz, keine neue Kette<\/td><\/tr><tr><td>EigenCloud<\/td><td>Restaking und verifiable cloud<\/td><td>EIGEN, rund 213 Mio. Euro, Rang 167<\/td><td>Aufsatz auf Ethereum<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><figcaption class='wp-block-table__caption'>Wettbewerbsumfeld mit Kursen laut CoinGecko (EUR, 13. Oktober 2026); Ritual hat kein handelbares Token.<\/figcaption><\/figure><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Marktkapitalisierungen stammen von <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bittensor\/eur'>CoinGecko<\/a> und zeigen zugleich die Kluft zwischen Technik und Kurs. Bittensor, das am h\u00f6chsten kapitalisierte KI-Krypto-Projekt, notiert mit rund 247 Euro je TAO etwa zwei Drittel unter seinem Allzeithoch, hat aber von der ETF-Erz\u00e4hlung profitiert, die den Sektor 2026 getragen hat (siehe dazu auch <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/krypto-etf-zulassungen-2026-sec-zwei-kommissare-hebel\/'>Krypto-ETFs trotz halbleerer SEC<\/a>). Gensyn verfolgt dezentrales Training, Akash vermietet GPUs. Rituals Wette ist, dass KI-native Primitive wie Precompiles und ein nativer Scheduler eine eigene Kette rechtfertigen; die Gegenwette hei\u00dft Bolt-on.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Regulierung und Ausblick<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Regulatorisch wirkt auf Ritual zun\u00e4chst nicht das Krypto-, sondern das KI-Recht. Der EU AI Act verpflichtet Anbieter von Allzweck-KI (GPAI) seit August 2025; seit August 2026 kann die Kommission diese Pflichten durchsetzen, die Hochrisiko-Vorgaben greifen gestaffelt 2027 und 2028 (<a href='https:\/\/digital-strategy.ec.europa.eu\/en\/policies\/regulatory-framework-ai'>Europ\u00e4ische Kommission<\/a>). Das ist f\u00fcr verifizierbare KI eher R\u00fcckenwind als Last: Wer Nachvollziehbarkeit und Pr\u00fcfbarkeit gesetzlich schuldet, hat einen Grund, f\u00fcr beweisbare Inferenz zu zahlen. Aus einer Pflicht wird so eine Nachfrage.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Krypto-Aufsicht ruht, solange es kein Token gibt. MiCA und die BaFin regulieren Dienstleister und Emittenten, nicht ein Protokoll oder ein Testnet. K\u00e4me ein Token, stellte sich die Einordnung unter MiCA und die Frage einer CASP-Erlaubnis. In den USA hat die SEC im August 2026 mit einem Regelvorschlag f\u00fcr Krypto-Assets einen bedingten Safe Harbor skizziert, wonach ein Token die Einstufung als Wertpapier verlassen kann, sobald der Emittent alle wesentlichen unternehmerischen Anstrengungen eingestellt hat (<a href='https:\/\/www.sec.gov\/newsroom\/press-releases\/2026-76-sec-proposes-new-regulation-crypto-assets'>SEC<\/a>). Der marktstrukturelle CLARITY Act scheiterte dagegen Mitte September 2026 im Senat an der n\u00f6tigen Mehrheit. Beides erkl\u00e4rt, warum ein Projekt gut beraten sein kann, mit einem Token zu warten: Kein Token zu haben, ist derzeit auch ein rechtlicher Schutzschild.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Woran man echten Fortschritt erkennt, ist am Ende einfach: ein Mainnet mit Datum, eine benannte Produktionsanwendung jenseits des Frenrug-Demonstrators und, falls es dazu kommt, ein transparentes Token-Modell. Die Anwendungsfelder sind da, und einige, wie die dynamischen Uniswap-Geb\u00fchren, laufen bereits. Der Beweis, dass verifizierbare KI on-chain mehr ist als eine elegante Idee, wird aber nicht im Testnet erbracht, sondern dort, wo echte Nutzer f\u00fcr echte Ergebnisse zahlen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufig gestellte Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Was ist Ritual und was macht es besonders?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ritual ist eine KI-native Krypto-Infrastruktur, die es Smart Contracts erlaubt, KI-Modelle aufzurufen und dem Ergebnis \u00fcber einen Beweis zu trauen. Besonders ist der Fokus auf verifizierbare Inferenz: Nicht der Server wird vertraut, sondern ein pr\u00fcfbarer Nachweis, dass das Modell korrekt gerechnet hat. Es besteht aus dem bereits aktiven Infernet-Netzwerk und der Ritual Chain, die sich im Testnet befindet.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Gibt es ein Ritual-Token oder einen Airdrop?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Nein. Stand Oktober 2026 gibt es kein handelbares Ritual-Token und keinen offiziell angek\u00fcndigten Airdrop. Das RITUAL im Testnet ist ein reiner Gas-Token ohne Marktwert. Angebote f\u00fcr ein Token, einen Vorverkauf oder einen garantierten Airdrop sind unbest\u00e4tigte Spekulation oder Betrug; die BaFin warnt regelm\u00e4\u00dfig vor gef\u00e4lschten Token und Phishing.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was ist Frenrug?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Frenrug ist ein gamifizierter Demonstrator von Ritual, der in einem friend.tech-Chatroom lebt und mit der Base-Chain spricht. Nutzer versuchen, einen KI-Agenten zum Kauf oder Verkauf von Keys zu \u00fcberreden; mehrere von Infernet-Knoten betriebene Sprachmodelle stimmen ab, und die Stimmen werden on-chain aggregiert. Es ist ausdr\u00fccklich ein offenes Experiment, keine Produktionsanwendung.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Wof\u00fcr braucht DeFi verifizierbare KI?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein KI-Modell kann Geb\u00fchren dynamisch an die Volatilit\u00e4t anpassen, Kreditw\u00fcrdigkeit bewerten oder Portfolios umschichten. Ein Protokoll, das Geld verwaltet, darf einer solchen Entscheidung aber nicht blind folgen. Verifizierbare Inferenz liefert den Beweis, dass die Entscheidung tats\u00e4chlich aus dem Modell stammt und nicht manipuliert wurde. OpenGradient nutzt diesen Ansatz bereits f\u00fcr dynamische Uniswap-Geb\u00fchren.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Ist Ritual schon live nutzbar?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Teilweise. Das Infernet-Netzwerk l\u00e4uft und erlaubt Vertr\u00e4gen auf Ethereum, Base und Arbitrum, KI-Modelle aufzurufen. Die Ritual Chain selbst ist ein \u00f6ffentliches Testnet ohne Mainnet-Datum. Entwickler k\u00f6nnen also schon bauen und testen, aber es gibt noch keine Produktionskette und kein Token.<\/p><script type='application\/ld+json'>{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was ist Ritual und was macht es besonders?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Ritual ist eine KI-native Krypto-Infrastruktur, die es Smart Contracts erlaubt, KI-Modelle aufzurufen und dem Ergebnis \u00fcber einen Beweis zu trauen. Besonders ist der Fokus auf verifizierbare Inferenz: Nicht der Server wird vertraut, sondern ein pr\u00fcfbarer Nachweis, dass das Modell korrekt gerechnet hat. Es besteht aus dem bereits aktiven Infernet-Netzwerk und der Ritual Chain, die sich im Testnet befindet.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Gibt es ein Ritual-Token oder einen Airdrop?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Nein. Stand Oktober 2026 gibt es kein handelbares Ritual-Token und keinen offiziell angek\u00fcndigten Airdrop. Das RITUAL im Testnet ist ein reiner Gas-Token ohne Marktwert. Angebote f\u00fcr ein Token, einen Vorverkauf oder einen garantierten Airdrop sind unbest\u00e4tigte Spekulation oder Betrug; die BaFin warnt regelm\u00e4\u00dfig vor gef\u00e4lschten Token und Phishing.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was ist Frenrug?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Frenrug ist ein gamifizierter Demonstrator von Ritual, der in einem friend.tech-Chatroom lebt und mit der Base-Chain spricht. Nutzer versuchen, einen KI-Agenten zum Kauf oder Verkauf von Keys zu \u00fcberreden; mehrere von Infernet-Knoten betriebene Sprachmodelle stimmen ab, und die Stimmen werden on-chain aggregiert. Es ist ausdr\u00fccklich ein offenes Experiment, keine Produktionsanwendung.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Wof\u00fcr braucht DeFi verifizierbare KI?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Ein KI-Modell kann Geb\u00fchren dynamisch an die Volatilit\u00e4t anpassen, Kreditw\u00fcrdigkeit bewerten oder Portfolios umschichten. Ein Protokoll, das Geld verwaltet, darf einer solchen Entscheidung aber nicht blind folgen. Verifizierbare Inferenz liefert den Beweis, dass die Entscheidung tats\u00e4chlich aus dem Modell stammt und nicht manipuliert wurde. OpenGradient nutzt diesen Ansatz bereits f\u00fcr dynamische Uniswap-Geb\u00fchren.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Ist Ritual schon live nutzbar?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Teilweise. Das Infernet-Netzwerk l\u00e4uft und erlaubt Vertr\u00e4gen auf Ethereum, Base und Arbitrum, KI-Modelle aufzurufen. Die Ritual Chain selbst ist ein \u00f6ffentliches Testnet ohne Mainnet-Datum. Entwickler k\u00f6nnen also schon bauen und testen, aber es gibt noch keine Produktionskette und kein Token.\"}}]}<\/script><p class=\"wp-block-paragraph\">Von Marcus Okafor, Redaktion HOGE Wire.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was man mit einer Blockchain baut, auf der Smart Contracts KI-Modelle aufrufen k\u00f6nnen. Von DeFi \u00fcber das Spiel-Experiment Frenrug bis zu autonomen Agenten, und warum es noch kein Token gibt.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":768,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[],"class_list":["post-767","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ai-crypto"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/767","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=767"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/767\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/768"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=767"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=767"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=767"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}