{"id":805,"date":"2026-10-19T04:30:22","date_gmt":"2026-10-19T04:30:22","guid":{"rendered":"https:\/\/hoge.gg\/de\/code-vor-gericht-defi-entwickler-strafbarkeit-2026\/"},"modified":"2026-10-19T04:30:22","modified_gmt":"2026-10-19T04:30:22","slug":"code-vor-gericht-defi-entwickler-strafbarkeit-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/hoge.gg\/de\/code-vor-gericht-defi-entwickler-strafbarkeit-2026\/","title":{"rendered":"Code vor Gericht: Wann DeFi-Entwickler strafbar werden"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Drei M\u00e4nner, drei Urteile, eine Frage. Roman Storm wurde im August 2025 in New York schuldig gesprochen, ein nicht lizenziertes Geldtransfergesch\u00e4ft betrieben zu haben. Alexey Pertsev verb\u00fc\u00dft in den Niederlanden eine Haftstrafe von 64 Monaten, derzeit unter elektronischer \u00dcberwachung, w\u00e4hrend seine Berufung l\u00e4uft. Keonne Rodriguez und William Lonergan Hill, die Gr\u00fcnder von Samourai Wallet, bekannten sich im Juli 2025 schuldig und gingen im November 2025 f\u00fcr f\u00fcnf beziehungsweise vier Jahre ins Gef\u00e4ngnis. Alle drei F\u00e4lle kreisen um dieselbe Frage, die 2026 jeden ernsthaften DeFi-Entwickler umtreibt: Ist das Ver\u00f6ffentlichen von Code eine Straftat?<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Antwort ist unbequem, weil sie nicht &bdquo;ja&ldquo; oder &bdquo;nein&ldquo; lautet, sondern &bdquo;es kommt darauf an&ldquo;. Sie h\u00e4ngt nicht davon ab, wie dezentral eine Anwendung aussieht, sondern davon, wie viel Kontrolle ein Mensch \u00fcber sie beh\u00e4lt und ob er daran verdient. Dieser Ma\u00dfstab, Kontrolle statt Etikett, zieht sich durch das US-Strafrecht, durch ein niederl\u00e4ndisches Berufungsgericht und durch das europ\u00e4ische Regelwerk, das ab 2027 greift. Bei einem Bitcoin-Kurs von <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/coins\/bitcoin\/eur'>rund 73.000 Euro<\/a> und einem <a href='https:\/\/www.coingecko.com\/en\/categories\/stablecoins'>Stablecoin-Markt von knapp 300 Milliarden US-Dollar<\/a> ist dezentrale Finanz zu gro\u00df geworden, um sie als juristische Randnotiz zu behandeln. Warum der Kurs im Oktober trotzdem stockt, haben wir <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/bitcoin-74000-euro-uptober-fed-cpi-2026\/'>an anderer Stelle<\/a> beschrieben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Leser in Deutschland ist das keine ferne US-Debatte. Der sch\u00e4rfste Fall auf europ\u00e4ischem Boden, Pertsev, wurde in den Niederlanden verhandelt, nicht in Washington. Und das deutsche Recht kennt mit \u00a7 261 StGB, dem Kryptom\u00e4rkteaufsichtsgesetz und der k\u00fcnftigen EU-Geldw\u00e4scheverordnung drei eigene Hebel, die denselben Entwickler treffen k\u00f6nnen. Dieser Text sortiert die F\u00e4lle, den juristischen Ma\u00dfstab und die konkreten Risiken, die ein Open-Source-Entwickler hierzulande heute tr\u00e4gt. Wer zivil- und aufsichtsrechtlich haftet, wenn nur Code l\u00e4uft, haben wir im <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/defi-compliance-2026-wer-haftet-wenn-code-laeuft\/'>Begleitst\u00fcck<\/a> aufgeschl\u00fcsselt; hier geht es um das Strafrecht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Unterschied zwischen Code und Betrieb<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die zentrale Trennlinie klingt einfach und ist in der Praxis doch schwer zu ziehen. Reines Schreiben und Ver\u00f6ffentlichen von Software ist in den meisten Rechtsordnungen keine Straftat; das Betreiben eines Dienstes rund um diese Software kann eine sein. Matthew Galeotti, zum fraglichen Zeitpunkt kommissarischer Leiter der Strafrechtsabteilung des US-Justizministeriums, stellte im August 2025 klar, dass nach Auffassung seines Hauses das <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2025\/08\/21\/u-s-justice-department-official-says-writing-code-without-bad-intent-not-a-crime'>blo\u00dfe Schreiben von Code ohne b\u00f6se Absicht keine Straftat<\/a> sei. Der Nachsatz, ohne b\u00f6se Absicht, tr\u00e4gt das ganze Gewicht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Denn sobald ein Entwickler nicht nur ver\u00f6ffentlicht, sondern eine laufende Infrastruktur unterh\u00e4lt, Geb\u00fchren einzieht, eine Weboberfl\u00e4che betreibt, einen Relayer bereitstellt oder Nutzer aktiv anleitet, verschiebt sich die Einordnung vom Werk zur Handlung. Aus &bdquo;ich habe Code geschrieben&ldquo; wird &bdquo;ich habe einen Dienst betrieben&ldquo;. In den USA f\u00e4llt genau diese Grenze mit dem Vorwurf zusammen, ein nicht lizenziertes Geldtransfergesch\u00e4ft nach 18 U.S.C. \u00a7 1960 zu betreiben. In Deutschland entspricht ihr die Erlaubnispflicht nach dem Kryptom\u00e4rkteaufsichtsgesetz. Das Etikett &bdquo;dezentral&ldquo; sch\u00fctzt nicht, wenn im Hintergrund eine Person die F\u00e4den zieht.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Der Kontrolltest, an dem sich alles entscheidet<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Financial Action Task Force (FATF), der globale Standardsetzer f\u00fcr Geldw\u00e4schebek\u00e4mpfung, hat die Formel geliefert, an der sich inzwischen Strafgerichte wie Aufseher orientieren. In ihrem <a href='https:\/\/www.chainalysis.com\/blog\/understanding-fatf-defi-report-july-2026\/'>Bericht zu den regulatorischen Herausforderungen dezentraler Finanz vom Juli 2026<\/a> beschreibt sie den Kontroll-oder-Einfluss-Test (control or sufficient influence): Eine DeFi-Anwendung f\u00e4llt \u00fcberall dort unter die Geldw\u00e4scheregeln, wo eine nat\u00fcrliche oder juristische Person Kontrolle oder hinreichenden Einfluss aus\u00fcbt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die FATF unterscheidet drei F\u00e4lle. Erstens: identifizierbare Betreiber, die dann als Dienstleister die volle Geldw\u00e4scheaufsicht tragen. Zweitens: faktisch zentralisierte Anwendungen, deren Betreiber sich verstecken, die aber trotzdem erfasst bleiben. Drittens: echte herrenlose Protokolle, die aus dem Dienstleister-Rahmen fallen, bei denen aber Restrisiken zu mindern sind. Als Kontrollindikatoren nennt die FATF unter anderem die Konzentration von Governance-Token, Administrations- und Upgrade-Rechte, die Richtung von Geb\u00fchren- und Treasury-Str\u00f6men sowie Einfluss auf Entwicklerteam und Front-end-Infrastruktur.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Zahlen zeigen, wie weit Anspruch und Wirklichkeit auseinanderliegen: Rund 93 Prozent der untersuchten Jurisdiktionen (132 von 143) hatten die Standards f\u00fcr erfassungspflichtige DeFi-Anwendungen noch nicht umgesetzt, nur zwei von 142 hatten \u00fcberhaupt eine solche Anwendung lizenziert oder registriert. Der praktische Effekt ist ern\u00fcchternd: Wo kein Aufseher greift, greift am Ende der Staatsanwalt. Kontrolle ist der rote Faden, der die vier gro\u00dfen F\u00e4lle dieses Jahres verbindet.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Diese drei Kategorien erkl\u00e4ren die scheinbar widerspr\u00fcchlichen Urteile. Van Loon f\u00e4llt in die dritte: ein Protokoll ohne Betreiber, das niemand mehr steuern kann. Storm und Samourai fallen in die erste: identifizierbare Personen, die eine laufende Oberfl\u00e4che, Geb\u00fchren und Marketing kontrollierten. Pertsev liegt dazwischen, und genau deshalb ist seine Berufung so wichtig, denn sie kl\u00e4rt, wie viel Resteinfluss aus einem Autor einen Betreiber macht. Wer die F\u00e4lle nebeneinanderlegt, sieht nicht Willk\u00fcr, sondern denselben Test in drei Auspr\u00e4gungen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Van Loon: wenn Code niemandem geh\u00f6rt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der erste der vier F\u00e4lle ging zugunsten des Codes aus. Am 26. November 2024 entschied das US-Bundesberufungsgericht f\u00fcr den Fifth Circuit in der Sache <em>Van Loon gegen das Finanzministerium<\/em>, dass das Office of Foreign Assets Control (OFAC) seine Befugnisse \u00fcberschritten hatte, als es die Smart Contracts von Tornado Cash auf die Sanktionsliste setzte. Die Begr\u00fcndung: Die <a href='https:\/\/www.arnoldporter.com\/en\/perspectives\/advisories\/2024\/12\/fifth-circuit-limits-ofacs-sanctioning-authority'>unver\u00e4nderlichen Smart Contracts seien kein Eigentum<\/a> im Sinne des International Emergency Economic Powers Act, weil niemand sie besitzen, kontrollieren oder ver\u00e4ndern kann.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend war die Unver\u00e4nderlichkeit. Mehr als tausend Teilnehmer hatten in einer sogenannten trusted setup ceremony die M\u00f6glichkeit unwiderruflich entfernt, den Code noch zu \u00e4ndern oder abzuschalten. Was niemandem geh\u00f6rt und von niemandem gesteuert werden kann, l\u00e4sst sich auch nicht sanktionieren. Das Finanzministerium nahm Tornado Cash im <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2025\/04\/05\/why-ofac-delisted-tornado-cash'>M\u00e4rz 2025 von der Liste<\/a>. Van Loon markiert damit die Obergrenze dessen, was &bdquo;Code ist frei&ldquo; bedeutet: Ein wirklich herrenloses Protokoll ist kein Rechtssubjekt. Der Haken ist nur, dass die wenigsten DeFi-Anwendungen wirklich herrenlos sind, und dass die Entscheidung nichts \u00fcber die strafrechtliche Verantwortung der Menschen aussagt, die das Protokoll gebaut und betrieben haben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Wichtig f\u00fcr europ\u00e4ische Leser ist au\u00dferdem, was Van Loon nicht entschieden hat. Das Urteil betrifft allein die Sanktionsbefugnis einer US-Beh\u00f6rde unter einem US-Gesetz; es sagt nichts dar\u00fcber, ob ein Entwickler sich strafbar gemacht hat, und es bindet kein europ\u00e4isches Gericht. Ein deutscher oder niederl\u00e4ndischer Richter kann denselben Code ganz anders bewerten, zumal das kontinentaleurop\u00e4ische Recht keine mit der US-Meinungsfreiheit vergleichbare Schutzschranke f\u00fcr Software kennt. Van Loon ist ein starkes Signal f\u00fcr die Unantastbarkeit herrenlosen Codes, aber kein Freibrief f\u00fcr die Menschen dahinter.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Roman Storm: der Betrieb macht den T\u00e4ter<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Denn parallel zur Sanktionsfrage lief ein Strafverfahren gegen einen Menschen. Roman Storm, Mitentwickler von Tornado Cash, wurde im August 2025 vor einem Bundesgericht in Manhattan wegen Verschw\u00f6rung zum Betrieb eines nicht lizenzierten Geldtransfergesch\u00e4fts schuldig gesprochen. Bei den beiden anderen Anklagepunkten, Verschw\u00f6rung zur Geldw\u00e4sche und zum Sanktionsbruch, konnte sich die Jury nicht einigen. F\u00fcr diese offenen Punkte hat Richterin Katherine Polk Failla eine <a href='https:\/\/www.theblock.co\/news\/regulation\/2026-08-26-tornado-cash-roman-storm-retrial-april-2027-412761'>Neuverhandlung auf den 26. April 2027<\/a> angesetzt; jeder Punkt wiegt bis zu 20 Jahre Haft.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Schuldspruch im ersten Verfahren zeigt, wo die Grenze aus dem vorigen Abschnitt konkret verl\u00e4uft. Nicht das Schreiben der Vertr\u00e4ge brachte Storm vor Gericht, sondern alles, was drumherum betrieben wurde: eine Weboberfl\u00e4che, \u00fcber die Nutzer den Mixer bedienten, ein Relayer-System, Geb\u00fchren und ein Governance-Token. Aus Sicht der Geschworenen war das genug, um aus Entwicklung einen Betrieb zu machen. Sein Verteidiger Brian Klein h\u00e4lt dagegen, die Anklage habe nie genug Beweise f\u00fcr die Schuldspr\u00fcche vorgelegt, und beruft sich darauf, dass Storms Arbeit die Ver\u00f6ffentlichung quelloffener Software war. Genau diese Spannung, Werk oder Dienst, geht im April 2027 in die zweite Runde.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die juristische Theorie hinter dem Schuldspruch ist f\u00fcr Entwickler die eigentliche Nachricht. Nach US-Recht gen\u00fcgt f\u00fcr ein Geldtransfergesch\u00e4ft, dass jemand Werte f\u00fcr andere bewegt; ob er die Gelder verwahrt oder nur weiterleitet, ist zweitrangig. \u00dcbertr\u00e4gt man diese Logik, dann sch\u00fctzt es einen Entwickler nicht, dass die Mittel nie auf seinem eigenen Konto lagen. Entscheidend ist, ob er den Fluss in Gang hielt. F\u00fcr die zweite Runde im April 2027 bleibt offen, ob auch die sch\u00e4rferen Vorw\u00fcrfe der Geldw\u00e4sche und des Sanktionsbruchs haften, die ungleich h\u00f6here Strafen tragen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Alexey Pertsev: Europas eigener Fall<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr europ\u00e4ische Entwickler ist nicht Storm der wichtigste Fall, sondern Pertsev, denn er wurde auf EU-Boden entschieden. Ein niederl\u00e4ndisches Gericht verurteilte den Tornado-Cash-Entwickler Alexey Pertsev im Mai 2024 zu 64 Monaten Haft, weil er zwischen Juli 2019 und August 2022 \u00fcber den Mixer <a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/294906\/tornado-cash-alexey-pertsev-appeals-conviction'>die Geldw\u00e4sche von rund 1,2 Milliarden US-Dollar erm\u00f6glicht<\/a> habe. Pertsev legte Berufung beim Berufungsgericht in s-Hertogenbosch ein und wurde im Februar 2025 unter der Auflage elektronischer \u00dcberwachung aus der Haft entlassen, um seine Verteidigung vorzubereiten.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Berufung dreht sich um denselben Kern wie die US-F\u00e4lle: um Kontrolle. Pertsevs Verteidigung argumentiert, der <a href='https:\/\/www.dlnews.com\/articles\/regulation\/alexey-pertsev-lawyer-plans-tornado-cash-dev-appeal\/'>dezentrale und unver\u00e4nderliche Charakter<\/a> von Tornado Cash m\u00fcsse zur Aufhebung des Urteils f\u00fchren, da er nach dem Deployment keine echte Verf\u00fcgungsgewalt mehr \u00fcber die Software gehabt habe. Zus\u00e4tzlich verlangt die Verteidigung Einblick in die Analyse-Software von Chainalysis, mit der die Mittelfl\u00fcsse zugeordnet wurden. Teile der Ethereum-Gemeinde unterst\u00fctzen den Fall, weil hier auf europ\u00e4ischem Boden gekl\u00e4rt wird, ob das reine Bereitstellen von Protokollcode strafbar ist. Ein Urteil im Berufungsverfahren steht noch aus.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fall ist auch deshalb lehrreich, weil er die Grenzen der Blockchain-Forensik ber\u00fchrt. Die Verteidigung greift an, wie zuverl\u00e4ssig Analyse-Software Transaktionen tats\u00e4chlich einer Person zuordnen kann, und trifft damit einen wunden Punkt: Diese Werkzeuge liefern Wahrscheinlichkeiten, keine mathematischen Beweise. F\u00fcr deutsche Entwickler, die auf dasselbe EU-Rechtsumfeld blicken, ist Pertsev der realistischere Ma\u00dfstab als jeder US-Fall, denn er zeigt, dass ein europ\u00e4isches Gericht einen Mixer-Entwickler verurteilen kann und dass die Berufung nicht \u00fcber abstrakte Dezentralit\u00e4t gewonnen wird, sondern \u00fcber die konkrete Frage der Kontrolle.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Samourai Wallet: wie die Grenze gezogen wurde<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Der klarste der vier F\u00e4lle endete ohne gro\u00dfen Streit \u00fcber die Rechtsfrage, weil die Angeklagten einlenkten. Keonne Rodriguez und William Lonergan Hill, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer und technischer Kopf von Samourai Wallet, bekannten sich am 30. Juli 2025 vor Richterin Denise Cote schuldig, ein nicht lizenziertes Geldtransfergesch\u00e4ft betrieben zu haben, \u00fcber das mehr als 237 Millionen US-Dollar an kriminellen Erl\u00f6sen liefen. Im November 2025 wurde <a href='https:\/\/www.irs.gov\/compliance\/criminal-investigation\/founders-of-samourai-wallet-cryptocurrency-mixing-service-sentenced-to-five-and-four-years-in-prison'>Rodriguez zu f\u00fcnf Jahren Haft und 250.000 US-Dollar Geldstrafe<\/a>, <a href='https:\/\/www.theblock.co\/post\/379568\/samourai-wallet-co-founder-william-lonergan-hill-sentenced-to-four-years-in-crypto-mixing-service-case'>Hill zu vier Jahren<\/a> verurteilt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Warum war dieser Fall so eindeutig? Weil die Staatsanwaltschaft nicht nur Code vorlegte, sondern Verhalten. Den Ermittlern zufolge bezeichnete Rodriguez den Dienst intern als Geldw\u00e4sche f\u00fcr Bitcoin, und die Coinjoin-Funktion Whirlpool wurde in Darknet-Foren damit beworben, Mittel unauffindbar zu machen. Das ist nicht mehr die Grauzone des Van-Loon-Falls, sondern der Vorsatz, den Galeotti meinte. Samourai zeigt, wo die Linie zwischen sch\u00fctzenswerter Software und strafbarem Betrieb am deutlichsten liegt: dort, wo Entwickler wissentlich kriminelle Erl\u00f6se durchleiten und genau damit werben.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dass ausgerechnet Mixer zum Pr\u00fcfstein wurden, ist kein Zufall. Sie sind der Punkt, an dem Privatsph\u00e4re-Technik und Geldw\u00e4sche-Verdacht am dichtesten beieinanderliegen, und sie zwingen Gerichte zur Grundsatzfrage dieses Textes. In den USA kommt hinzu, dass solche Dienste sich als Geldtransmitter beim Finanzministerium h\u00e4tten registrieren und ein Geldw\u00e4scheprogramm f\u00fchren m\u00fcssen, was keiner der Angeklagten tat. Genau diese unterlassene Registrierung, nicht der Mixer-Code an sich, lieferte den Anklagepunkt, der am verl\u00e4sslichsten zu einer Verurteilung f\u00fchrte.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die vier F\u00e4lle im \u00dcberblick<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Vier Verfahren, vier Ausg\u00e4nge, ein gemeinsamer Ma\u00dfstab. Die Tabelle fasst zusammen, worum es ging und was jeweils den Ausschlag gab.<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Fall<\/th><th>Land \/ Gericht<\/th><th>Vorwurf<\/th><th>Ergebnis<\/th><th>Was den Ausschlag gab<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Van Loon<\/td><td>USA, Fifth Circuit<\/td><td>OFAC-Sanktion gegen Smart Contracts<\/td><td>Sanktion aufgehoben, Delisting M\u00e4rz 2025<\/td><td>Unver\u00e4nderlicher Code ist kein Eigentum<\/td><\/tr><tr><td>Roman Storm<\/td><td>USA, Manhattan<\/td><td>Geldtransfer ohne Lizenz, Geldw\u00e4sche, Sanktionsbruch<\/td><td>Teil-Schuldspruch 2025, Neuverhandlung 26. April 2027<\/td><td>Betrieb von Oberfl\u00e4che, Relayer, Geb\u00fchren<\/td><\/tr><tr><td>Alexey Pertsev<\/td><td>Niederlande, s-Hertogenbosch<\/td><td>Geldw\u00e4sche \u00fcber den Mixer<\/td><td>64 Monate Haft, Berufung l\u00e4uft<\/td><td>Frage der Verf\u00fcgungsgewalt nach Deployment<\/td><\/tr><tr><td>Samourai Wallet<\/td><td>USA, Southern District of New York<\/td><td>Geldtransfergesch\u00e4ft ohne Lizenz<\/td><td>Schuldbekenntnis 2025, f\u00fcnf und vier Jahre Haft<\/td><td>Wissentliches Durchleiten, Werbung mit Unauffindbarkeit<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Washington bremst, verfolgt aber weiter<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Man k\u00f6nnte meinen, der politische Wind in den USA h\u00e4tte diese F\u00e4lle l\u00e4ngst gestoppt. Am 7. April 2025 ordnete der stellvertretende Justizminister Todd Blanche in einem vielzitierten Memo an, das <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2025\/04\/08\/doj-axes-crypto-unit-as-trump-s-regulatory-pullback-continues'>National Cryptocurrency Enforcement Team aufzul\u00f6sen<\/a> und die Praxis zu beenden, Krypto-Plattformen f\u00fcr das Verhalten ihrer Nutzer zu belangen. Das Justizministerium werde sich auf jene konzentrieren, die Anleger sch\u00e4digen oder Krypto f\u00fcr Terrorismus, Drogenhandel, organisierte Kriminalit\u00e4t oder Hacking einsetzen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Das Memo beendete die F\u00e4lle jedoch nicht. Es enthielt eine Ausnahme, die laufende Verfahren wie Tornado Cash und Samourai ausdr\u00fccklich fortf\u00fchrbar hielt, und die traditionellen Ermittlungsstellen der US-Staatsanwaltschaften arbeiteten weiter. Dass die Durchsetzung gegen Vermittler nicht nachlie\u00df, zeigte zur selben Zeit der <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/fall-okx-504-millionen-papier-kyc-aml-2026\/'>Fall OKX mit einem Vergleich \u00fcber 504 Millionen US-Dollar<\/a>. Storms Verteidiger Brian Klein las das Memo als Argument f\u00fcr eine Einstellung des Verfahrens gegen seinen Mandanten; eingestellt wurde es nicht. So entstand die Lage, die Entwickler so verunsichert: Die erkl\u00e4rte Politik lautet Schluss mit Regulierung durch Strafverfolgung, w\u00e4hrend dieselbe Beh\u00f6rde Entwickler weiter vor Gericht bringt und ins Gef\u00e4ngnis schickt. Eine Grundsatzentscheidung des Gesetzgebers, die Entwickler klar sch\u00fctzt, fehlt: Der CLARITY Act, der genau das versucht h\u00e4tte, <a href='https:\/\/www.coindesk.com\/policy\/2026\/09\/15\/crypto-clarity-act-flames-out-in-failed-u-s-senate-vote'>scheiterte im September 2026 im Senat<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Entwickler ist diese H\u00e4ngepartie das eigentliche Problem. Eine klare gesetzliche Grenze, die sagt, ab wann ein Beitrag zu einem Protokoll die Schwelle zum strafbaren Betrieb \u00fcberschreitet, gibt es weder in den USA noch in der EU. Stattdessen ergibt sich die Linie aus einzelnen Urteilen, aus Ermessensentscheidungen der Beh\u00f6rden und aus politischen Stimmungen, die sich mit jeder Wahl \u00e4ndern k\u00f6nnen. Rechtssicherheit sieht anders aus, und sie ist der Grund, warum viele Teams ihre Oberfl\u00e4chen geoblocken, Unternehmenssitze verlegen oder Projekte gar nicht erst in der eigenen Jurisdiktion starten.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Begnadigungsfrage<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Statt einer gesetzlichen Kl\u00e4rung deutet sich in den USA ein anderer Weg an: Gnade. Pr\u00e4sident Trump erw\u00e4gt Berichten zufolge ein <a href='https:\/\/cointelegraph.com\/news\/trump-weighs-250-pardons-as-crypto-founders-seek-clemency'>Paket von rund 250 Begnadigungen<\/a> zum 250. Jahrestag der Vereinigten Staaten am 4. Juli 2026, und mehrere Krypto-Gr\u00fcnder werben um Aufnahme. Mehr als 65 Krypto-Organisationen forderten das Justizministerium in einem gemeinsamen Schreiben auf, die Anklage gegen Roman Storm fallen zu lassen, mit der Begr\u00fcndung, seine Arbeit an Tornado Cash sei die Ver\u00f6ffentlichung quelloffener Software und kein Finanzverbrechen. Zu einem m\u00f6glichen Gnadenakt f\u00fcr einen Samourai-Entwickler sagte Trump, er werde sich das <a href='https:\/\/decrypt.co\/352452\/trump-will-look-at-pardon-samourai-bitcoin-app-dev'>ansehen<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Dass Begnadigungen \u00fcberhaupt im Raum stehen, hat Vorbilder: Trump begnadigte 2025 den Binance-Gr\u00fcnder Changpeng Zhao und zuvor den Silk-Road-Betreiber Ross Ulbricht. F\u00fcr Entwickler ist das aber ein schwacher Trost. Eine Begnadigung ist ein Gnadenakt, kein Freispruch und erst recht keine Regel; sie kommt einzelnen zugute und \u00e4ndert nichts an der Rechtslage f\u00fcr den n\u00e4chsten Fall. Dieselbe transatlantische Kluft, Washington begnadigt, w\u00e4hrend Br\u00fcssel die Schrauben anzieht, haben wir im Kontext der <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/krypto-geldwaesche-2026-usa-begnadigt-eu-verschaerft\/'>Krypto-Geldw\u00e4sche<\/a> ausf\u00fchrlich beschrieben. Wer in Deutschland Code schreibt, kann sich auf keinen Pr\u00e4sidenten verlassen.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Privatsph\u00e4re, Open Source und der Abschreckungseffekt<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Unter all dem liegt ein Grundkonflikt, der sich nicht sauber aufl\u00f6sen l\u00e4sst: finanzielle Privatsph\u00e4re gegen Nachvollziehbarkeit. Mixer wie Tornado Cash haben einen legitimen Kern, denn auf einer \u00f6ffentlichen Blockchain ist jede Zahlung dauerhaft einsehbar, und nicht jeder, der seine Spur verwischen will, ist ein Krimineller. Entwicklerverb\u00e4nde wie die DeFi Education Fund und der Thinktank Coin Center argumentieren, dass das Ver\u00f6ffentlichen von Code eine gesch\u00fctzte Ausdrucksform sei und dass Strafverfahren gegen Autoren von Software einen Abschreckungseffekt erzeugen, der weit \u00fcber den Einzelfall hinausreicht.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Peter Van Valkenburgh von Coin Center h\u00e4lt dem bestehenden Geldw\u00e4scheregime zudem entgegen, es richte <a href='https:\/\/www.coincenter.org\/tear-down-this-walled-garden\/'>bemerkenswert wenig<\/a> gegen illegale Finanzstr\u00f6me aus, w\u00e4hrend es legitime Nutzer belaste. Dagegen steht die n\u00fcchterne Bilanz der F\u00e4lle Samourai und Pertsev, in denen nicht die Privatsph\u00e4re bestraft wurde, sondern der nachweisbare, wissentliche Umgang mit kriminellen Erl\u00f6sen. F\u00fcr deutsche Entwickler ist die Lehre doppelt: Finanzielle Privatsph\u00e4re zu erm\u00f6glichen ist kein Verbrechen, einen Dienst zu betreiben, der erkennbar der Geldw\u00e4sche dient, hingegen schon. Die Grenze verl\u00e4uft, wieder einmal, entlang von Kontrolle und Vorsatz.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Was das deutsche Strafrecht sagt: \u00a7 261 StGB<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Womit wir beim deutschen Recht sind. Der zentrale Straftatbestand ist \u00a7 261 StGB, die Geldw\u00e4sche. Seit der Reform, die am 18. M\u00e4rz 2021 in Kraft trat, gilt der sogenannte <a href='https:\/\/www.pohlmann-company.com\/die-neuregelung-des-geldwaeschetatbestandes\/'>All-Crimes-Ansatz<\/a>: Der fr\u00fchere Katalog bestimmter Vortaten wurde gestrichen, sodass grunds\u00e4tzlich jede Straftat als Vortat einer Geldw\u00e4sche in Betracht kommt. Damit ist der Tatbestand deutlich weiter als fr\u00fcher, und er erfasst auch den, der leichtfertig nicht erkennt, dass er es mit kriminellen Erl\u00f6sen zu tun hat.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Hei\u00dft das, ein deutscher DeFi-Entwickler macht sich automatisch strafbar? Nein. \u00a7 261 StGB verlangt einen Bezug zu Erl\u00f6sen aus einer konkreten Vortat und wenigstens Leichtfertigkeit. Das blo\u00dfe Ver\u00f6ffentlichen eines Smart Contracts erf\u00fcllt das nicht. Riskant wird es dort, wo ein Entwickler einen Dienst betreibt, \u00fcber den erkennbar kriminelle Gelder laufen, und das billigend in Kauf nimmt, also genau in der Samourai-Konstellation. Hinzu kommt: Betreibt jemand faktisch einen Mixer oder eine Tauschfunktion gewerbsm\u00e4\u00dfig, r\u00fcckt neben der Geldw\u00e4sche die Frage der fehlenden Erlaubnis in den Vordergrund, und die ist in Deutschland ein eigenes Kapitel.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Der Tatbestand erfasst dabei nicht nur das klassische Waschen, sondern auch das Verbergen und Verschleiern der Herkunft inkriminierter Verm\u00f6genswerte sowie das Vereiteln ihrer Einziehung. Ein Dienst, dessen erkl\u00e4rter Zweck es ist, die Nachverfolgung zu durchbrechen, bewegt sich damit im Kernbereich der Norm, sobald konkrete kriminelle Erl\u00f6se hindurchlaufen. Deutsche Staatsanwaltschaften h\u00e4tten also, anders als oft angenommen, durchaus Werkzeuge, um einen hier ans\u00e4ssigen Betreiber eines Misch- oder Tauschdienstes zu verfolgen, ohne auf neues Recht warten zu m\u00fcssen. Ob sie es tun, ist bislang eine Frage der Priorisierung, nicht der fehlenden Grundlage.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>Die Lizenzfrage: KMAG, MiCAR und die BaFin<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Das deutsche Gegenst\u00fcck zum US-Vorwurf des nicht lizenzierten Geldtransfergesch\u00e4fts ist die Erlaubnispflicht. Mit dem Finanzmarktdigitalisierungsgesetz, das der Bundestag am 18. Dezember 2024 verabschiedete, trat das <a href='https:\/\/www.deloitte.com\/de\/de\/services\/audit-assurance\/perspectives\/finanzmarktdigitalisierungsgesetz-finmadig.html'>Kryptom\u00e4rkteaufsichtsgesetz (KMAG)<\/a> in Kraft, das die europ\u00e4ische Verordnung MiCAR in Deutschland durchf\u00fchrt. MiCAR gilt seit dem 30. Dezember 2024 vollst\u00e4ndig. Seit dem 1. Juli 2026 ist das Erbringen von Kryptowerte-Dienstleistungen ohne MiCAR-Erlaubnis <a href='https:\/\/cryptoslate.com\/crypto-laws\/germany-crypto-markets-supervision-act-kmag\/'>verboten<\/a>, und die BaFin kann gegen unerlaubt t\u00e4tige Anbieter bis zur Abwicklung vorgehen.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend f\u00fcr Entwickler ist, dass MiCAR und das KMAG Dienstleister und Emittenten regeln, nicht das Protokoll selbst. Die BaFin stellt in ihrem <a href='https:\/\/www.bafin.de\/SharedDocs\/Veroeffentlichungen\/DE\/Merkblatt\/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html'>Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen<\/a> klar, dass der erlaubnispflichtige Ankn\u00fcpfungspunkt die Dienstleistung ist, etwa Verwahrung, Tausch oder der Betrieb einer Handelsplattform. Ein wirklich dezentrales, von niemandem betriebenes Protokoll f\u00e4llt zun\u00e4chst nicht darunter. Sobald aber ein identifizierbarer Betreiber die Oberfl\u00e4che, den Zugang oder die Abwicklung in der Hand hat, wird genau er erlaubnispflichtig, derselbe Kontrollgedanke wie bei der FATF. Warum dezentrale Finanz grunds\u00e4tzlich au\u00dferhalb des MiCAR-Perimeters bleibt und wo die EU trotzdem ansetzt, haben wir <a href='https:\/\/hoge.gg\/de\/mica-defi-2026-dezentrale-finanz-perimeter\/'>gesondert analysiert<\/a>.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Praktisch hei\u00dft das: Wer in Deutschland eine Tauschfunktion, eine Verwahrl\u00f6sung oder eine Handelsoberfl\u00e4che betreibt und dabei als identifizierbarer Anbieter auftritt, braucht seit dem Ende der \u00dcbergangsfrist am 1. Juli 2026 eine MiCAR-Erlaubnis. Fehlt sie, ist das kein Kavaliersdelikt, sondern kann als unerlaubtes Gesch\u00e4ft verfolgt und von der BaFin untersagt werden. Der Entwickler, der nur einen Smart Contract ver\u00f6ffentlicht und danach jede Steuerung abgibt, bleibt au\u00dfen vor; wer die Oberfl\u00e4che hostet und Geb\u00fchren nimmt, ist mittendrin. Die Grenze ist dieselbe wie im Strafrecht, nur mit der BaFin statt der Staatsanwaltschaft als Gegen\u00fcber.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>AMLR: wann der Entwickler zum Verpflichteten wird<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Die dritte Front ist das Geldw\u00e4scherecht auf EU-Ebene. Ab dem 10. Juli 2027 gilt die EU-Geldw\u00e4scheverordnung (AMLR, Verordnung 2024\/1624) unmittelbar in allen Mitgliedstaaten und ersetzt gro\u00dfe Teile des deutschen Geldw\u00e4schegesetzes. F\u00fcr DeFi ist eine Formulierung zentral: Die AMLR erfasst <a href='https:\/\/eur-lex.europa.eu\/eli\/reg\/2024\/1624\/oj'>zentral kontrollierte DeFi-Plattformen<\/a> als Verpflichtete. Die Europ\u00e4ische Bankenaufsichtsbeh\u00f6rde (EBA) hat bereits im April 2025 Leitlinien zur Anwendung auf DeFi vorgelegt, und die neue Geldw\u00e4schebeh\u00f6rde AMLA in Frankfurt nimmt die direkte Aufsicht \u00fcber die risikoreichsten Verpflichteten ab 2028 auf.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Auch hier entscheidet nicht das Etikett, sondern die Kontrolle. Ein genuin dezentrales Protokoll ohne identifizierbaren Betreiber ist kein Verpflichteter; eine Plattform mit zentraler Steuerung schon. Parallel verschwinden anonyme Krypto-Konten und Anonymit\u00e4tsm\u00fcnzen wie Monero oder Zcash von <a href='https:\/\/www.neuebanken.de\/eu-geldwaesche-krypto-2027\/'>regulierten EU-Handelspl\u00e4tzen<\/a>. F\u00fcr Entwickler hei\u00dft das: Je mehr Kontrolle sie behalten, desto eher werden sie zum Verpflichteten mit vollen Sorgfaltspflichten, und desto n\u00e4her r\u00fccken sie an die Rolle, die Storm und die Samourai-Gr\u00fcnder vor Gericht brachte.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Was zentral kontrolliert konkret bedeutet, f\u00fcllt die EBA mit denselben Merkmalen, die auch die FATF nennt: Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber Schl\u00fcssel und Upgrades, konzentrierte Governance, Einnahmen aus dem Betrieb, Kontrolle \u00fcber die Nutzeroberfl\u00e4che. Hinzu kommt die Behandlung selbst gehosteter Wallets: Transfers von und zu unregulierten Adressen \u00fcber 1.000 Euro l\u00f6sen versch\u00e4rfte Pr\u00fcfpflichten aus. F\u00fcr ein Protokoll, das bewusst ohne Betreiber auskommt, l\u00e4uft die Pflicht ins Leere, weil es niemanden gibt, der sie erf\u00fcllen k\u00f6nnte. F\u00fcr jedes Projekt mit einem Team, einer Kasse und einer Roadmap wird die Verpflichteten-Rolle dagegen zur realistischen Option.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">Die drei deutschen und europ\u00e4ischen Rechtsfronten lassen sich so zusammenfassen:<\/p><figure class='wp-block-table'><table><thead><tr><th>Rechtsfront<\/th><th>Was sie ausl\u00f6st<\/th><th>Wen sie erfasst<\/th><th>M\u00f6gliche Folge<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>\u00a7 261 StGB (Geldw\u00e4sche)<\/td><td>Umgang mit Erl\u00f6sen aus einer Vortat, wenigstens leichtfertig<\/td><td>Jede Person, auch der Entwickler eines aktiv betriebenen Dienstes<\/td><td>Freiheits- oder Geldstrafe<\/td><\/tr><tr><td>KMAG \/ MiCAR (Erlaubnispflicht)<\/td><td>Erbringen einer Kryptowerte-Dienstleistung ohne Erlaubnis<\/td><td>Identifizierbarer Betreiber von Oberfl\u00e4che, Tausch, Verwahrung<\/td><td>Untersagung, Abwicklung, Sanktionen durch die BaFin<\/td><\/tr><tr><td>AMLR (ab 10. Juli 2027)<\/td><td>Zentrale Kontrolle \u00fcber eine DeFi-Plattform<\/td><td>Betreiber zentral gesteuerter Plattformen als Verpflichtete<\/td><td>Volle Sorgfalts- und Meldepflichten, AMLA-Aufsicht<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure><h2 class='wp-block-heading'>Was DeFi-Entwickler in Deutschland jetzt beachten sollten<\/h2><p class=\"wp-block-paragraph\">Aus den F\u00e4llen und dem Regelwerk l\u00e4sst sich eine klare Linie ableiten, auch wenn sie keine Rechtsberatung im Einzelfall ersetzt. Wer als reiner Entwickler gelten will, sollte Kontrolle abgeben, nicht ansammeln.<\/p><ul class='wp-block-list'><li>Admin-Schl\u00fcssel, Upgrade-Rechte und Notschalter sind Kontrollindikatoren. Wer sie h\u00e4lt, steht n\u00e4her am Betreiber als am Autor.<\/li><li>Eine selbst betriebene Weboberfl\u00e4che, ein Relayer oder ein Geb\u00fchrenschalter verwandeln Code in einen Dienst. Genau daran scheiterten Storm und Samourai.<\/li><li>Gewinne aus Geb\u00fchren oder Treasury lenken den Verdacht auf Kontrolle und Vorsatz. Die Richtung der Geldstr\u00f6me ist ein zentraler FATF-Indikator.<\/li><li>Ein DAO ist kein Schutzschild. Die US-Derivateaufsicht CFTC erwirkte gegen die <a href='https:\/\/www.cftc.gov\/PressRoom\/PressReleases\/8715-23'>Ooki DAO<\/a> ein Vers\u00e4umnisurteil \u00fcber 643.542 US-Dollar und behandelte abstimmende Token-Inhaber als Mitglieder.<\/li><li>Dokumentierte Dezentralisierung hilft. Eine nachweisbare, unwiderrufliche Aufgabe der Kontrolle, wie bei der trusted setup ceremony von Tornado Cash, war der Kern des Van-Loon-Erfolgs.<\/li><\/ul><p class=\"wp-block-paragraph\">Die Botschaft ist unbequem, aber konsistent: Nicht der Grad der Dezentralit\u00e4t auf dem Papier sch\u00fctzt, sondern die tats\u00e4chliche Abwesenheit von Kontrolle und Vorsatz. Solange der CLARITY Act in den USA fehlt und die AMLR in Europa erst 2027 greift, bleibt die Rechtslage uneinheitlich, und die vier F\u00e4lle dieses Jahres sind die beste verf\u00fcgbare Landkarte. Wer in Deutschland DeFi baut, sollte sie kennen, bevor er die erste Oberfl\u00e4che online stellt.<\/p><p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr Deutschland kommt eine Besonderheit hinzu: Anders als in den USA, wo eine Begnadigung am Ende doch noch einen Ausweg \u00f6ffnen kann, gibt es diesen politischen Notausgang hier nicht. Greift \u00a7 261 StGB oder die Erlaubnispflicht, entscheidet ein Gericht, kein Pr\u00e4sident. Umso mehr z\u00e4hlt, dass Entwickler die Rollen fr\u00fch trennen: Wer forscht und ver\u00f6ffentlicht, sollte das sichtbar von jedem Betrieb l\u00f6sen, und wer betreibt, sollte Erlaubnis und Geldw\u00e4scheprogramm von Anfang an mitdenken. Die vier F\u00e4lle dieses Jahres sind teuer bezahlte Lehrstunden dar\u00fcber, wo die Grenze liegt.<\/p><h2 class='wp-block-heading'>H\u00e4ufige Fragen<\/h2><h3 class='wp-block-heading'>Macht sich ein DeFi-Entwickler in Deutschland strafbar, wenn er nur Code ver\u00f6ffentlicht?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Das blo\u00dfe Schreiben und Ver\u00f6ffentlichen von quelloffenem Code ist f\u00fcr sich genommen keine Straftat. Strafbar wird es, wenn ein Entwickler dar\u00fcber hinaus einen Dienst betreibt, also etwa eine Oberfl\u00e4che, einen Relayer oder eine Geb\u00fchrenstruktur unterh\u00e4lt, und dabei wenigstens leichtfertig kriminelle Erl\u00f6se durchleitet. Entscheidend sind der Grad an Kontrolle und der Vorsatz, nicht der Code selbst.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Was war das Urteil im Fall Tornado Cash gegen Roman Storm?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Roman Storm wurde im August 2025 wegen Verschw\u00f6rung zum Betrieb eines nicht lizenzierten Geldtransfergesch\u00e4fts schuldig gesprochen. Bei den Vorw\u00fcrfen der Geldw\u00e4sche und des Sanktionsbruchs konnte sich die Jury nicht einigen; f\u00fcr diese beiden Punkte ist eine Neuverhandlung auf den 26. April 2027 angesetzt, mit bis zu 20 Jahren Haft je Punkt.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Warum wurde Alexey Pertsev in den Niederlanden verurteilt?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ein niederl\u00e4ndisches Gericht verurteilte Pertsev im Mai 2024 zu 64 Monaten Haft, weil er \u00fcber Tornado Cash die Geldw\u00e4sche von rund 1,2 Milliarden US-Dollar erm\u00f6glicht habe. Er legte Berufung ein und wurde im Februar 2025 unter elektronischer \u00dcberwachung entlassen. Die Berufung dreht sich um die Frage, ob er nach dem Deployment noch Kontrolle \u00fcber das Protokoll hatte.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Ab wann brauchen Krypto-Dienste in Deutschland eine BaFin-Erlaubnis?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Seit dem 1. Juli 2026 ist das Erbringen von Kryptowerte-Dienstleistungen ohne MiCAR-Erlaubnis in Deutschland verboten. Zust\u00e4ndig ist die BaFin auf Grundlage des Kryptom\u00e4rkteaufsichtsgesetzes. Erfasst sind Dienstleistungen wie Verwahrung, Tausch oder der Betrieb einer Handelsplattform, nicht ein wirklich dezentrales, von niemandem betriebenes Protokoll.<\/p><h3 class='wp-block-heading'>Gilt ein DeFi-Protokoll ab 2027 als Verpflichteter unter der EU-Geldw\u00e4scheverordnung?<\/h3><p class=\"wp-block-paragraph\">Ab dem 10. Juli 2027 erfasst die AMLR zentral kontrollierte DeFi-Plattformen als Verpflichtete mit vollen Sorgfaltspflichten. Ein genuin dezentrales Protokoll ohne identifizierbaren Betreiber f\u00e4llt nicht darunter. Ma\u00dfgeblich ist, ob eine Person oder ein Unternehmen die Plattform tats\u00e4chlich steuert, nicht das Etikett dezentral.<\/p><script type=\"application\/ld+json\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@type\":\"FAQPage\",\"mainEntity\":[{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Macht sich ein DeFi-Entwickler in Deutschland strafbar, wenn er nur Code ver\u00f6ffentlicht?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Das blo\u00dfe Schreiben und Ver\u00f6ffentlichen von quelloffenem Code ist f\u00fcr sich genommen keine Straftat. Strafbar wird es, wenn ein Entwickler dar\u00fcber hinaus einen Dienst betreibt, also etwa eine Oberfl\u00e4che, einen Relayer oder eine Geb\u00fchrenstruktur unterh\u00e4lt, und dabei wenigstens leichtfertig kriminelle Erl\u00f6se durchleitet. Entscheidend sind der Grad an Kontrolle und der Vorsatz, nicht der Code selbst.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Was war das Urteil im Fall Tornado Cash gegen Roman Storm?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Roman Storm wurde im August 2025 wegen Verschw\u00f6rung zum Betrieb eines nicht lizenzierten Geldtransfergesch\u00e4fts schuldig gesprochen. Bei den Vorw\u00fcrfen der Geldw\u00e4sche und des Sanktionsbruchs konnte sich die Jury nicht einigen; f\u00fcr diese beiden Punkte ist eine Neuverhandlung auf den 26. April 2027 angesetzt, mit bis zu 20 Jahren Haft je Punkt.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Warum wurde Alexey Pertsev in den Niederlanden verurteilt?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Ein niederl\u00e4ndisches Gericht verurteilte Pertsev im Mai 2024 zu 64 Monaten Haft, weil er \u00fcber Tornado Cash die Geldw\u00e4sche von rund 1,2 Milliarden US-Dollar erm\u00f6glicht habe. Er legte Berufung ein und wurde im Februar 2025 unter elektronischer \u00dcberwachung entlassen. Die Berufung dreht sich um die Frage, ob er nach dem Deployment noch Kontrolle \u00fcber das Protokoll hatte.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Ab wann brauchen Krypto-Dienste in Deutschland eine BaFin-Erlaubnis?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Seit dem 1. Juli 2026 ist das Erbringen von Kryptowerte-Dienstleistungen ohne MiCAR-Erlaubnis in Deutschland verboten. Zust\u00e4ndig ist die BaFin auf Grundlage des Kryptom\u00e4rkteaufsichtsgesetzes. Erfasst sind Dienstleistungen wie Verwahrung, Tausch oder der Betrieb einer Handelsplattform, nicht ein wirklich dezentrales, von niemandem betriebenes Protokoll.\"}},{\"@type\":\"Question\",\"name\":\"Gilt ein DeFi-Protokoll ab 2027 als Verpflichteter unter der EU-Geldw\u00e4scheverordnung?\",\"acceptedAnswer\":{\"@type\":\"Answer\",\"text\":\"Ab dem 10. Juli 2027 erfasst die AMLR zentral kontrollierte DeFi-Plattformen als Verpflichtete mit vollen Sorgfaltspflichten. Ein genuin dezentrales Protokoll ohne identifizierbaren Betreiber f\u00e4llt nicht darunter. Ma\u00dfgeblich ist, ob eine Person oder ein Unternehmen die Plattform tats\u00e4chlich steuert, nicht das Etikett dezentral.\"}}]}<\/script><p class=\"wp-block-paragraph\">Von Anneke de Vries, Redaktion Regulierung, HOGE Wire.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Storm verurteilt, Pertsev im Gef\u00e4ngnis, Samourai-Gr\u00fcnder in Haft: 2026 kl\u00e4rt sich, ob DeFi-Code zu ver\u00f6ffentlichen strafbar ist, und was das f\u00fcr Entwickler in Deutschland hei\u00dft.<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":806,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-805","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-regulation"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/805","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=805"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/805\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/806"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=805"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=805"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/hoge.gg\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=805"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}