Bitmain vs. MicroBT: Das Duell der ASIC-Giganten 2026
Bitmain und MicroBT teilen sich über 90 Prozent des Marktes für Bitcoin-Mining-Hardware. Wir vergleichen Antminer und Whatsminer bei Effizienz, EUR-Preisen und wachsenden Zoll-Risiken.
Wer heute Bitcoin schürft, kommt an zwei Namen nicht vorbei: Bitmain und MicroBT. Die beiden Hersteller aus China teilen sich den Löwenanteil des globalen Marktes für ASIC-Miner, jene Spezialcomputer, die nichts anderes können, als den SHA-256-Algorithmus von Bitcoin zu berechnen, das aber schneller und sparsamer als jede Grafikkarte. Für professionelle Mining-Farmen, aber auch für ambitionierte Privatleute im deutschsprachigen Raum, entscheidet die Wahl zwischen Antminer und Whatsminer oft über Gewinn oder Verlust.
Dieser Beitrag ordnet den Zweikampf ein: Geschichte, Technik, Wirtschaftlichkeit und die geopolitischen Risiken, die 2026 schwerer wiegen als je zuvor. Als Referenzgröße dient der aktuelle Bitcoin-Kurs, der laut CoinGecko am 26. Juni 2026 bei rund 52.600 EUR notiert, gut 18 Prozent unter dem Stand vor einem Monat. Fallende Kurse erhöhen den Druck auf die Margen, und genau dann zählt jedes Joule pro Terahash. Wer 2026 in Hardware investiert, kauft nicht nur Rechenleistung, sondern wettet auch auf stabile Lieferketten.
Zwei Konzerne, ein Markt: der Stand 2026
Der Markt für Mining-Hardware ist ein Oligopol. Bitmain, MicroBT und der kleinere Rivale Canaan kontrollieren zusammen mehr als 90 Prozent der weltweiten ASIC-Produktion. Bitmain gilt weiterhin als Marktführer, je nach Zählweise mit einem Anteil zwischen 35 und 70 Prozent, während MicroBT in den vergangenen Jahren stetig aufgeholt hat und je nach Schätzung rund ein Viertel des Marktes hält. Diese Konzentration hat eine unbequeme Folge: Wer minen will, ist von zwei Firmen abhängig, die beide aus China stammen und beide im Visier westlicher Aufsichtsbehörden stehen. Für Einkäufer bedeutet das wenig Verhandlungsmacht und lange Vorlaufzeiten, besonders wenn ein neues Spitzenmodell auf den Markt kommt.
Die Rivalität ist persönlich. MicroBT wurde von einem ehemaligen Bitmain-Chefingenieur gegründet, und seither liefern sich die beiden Lager ein Wettrennen um jedes Zehntel Joule pro Terahash. Um zu verstehen, warum dieser Wettbewerb so erbittert geführt wird, lohnt ein Blick auf die Ursprünge.
Bitmain: vom Antminer-Pionier zum Branchenriesen
Bitmain wurde 2013 in Peking von Jihan Wu und Micree Zhan gegründet, wie öffentlich dokumentiert ist. Wu, ein ehemaliger Finanzanalyst, hatte das Bitcoin-Whitepaper als Erster ins Chinesische übersetzt; Zhan steuerte das Chipdesign bei. Die Antminer-Reihe wurde rasch zum Industriestandard, und auf dem Höhepunkt seiner Macht kontrollierte Bitmain über die hauseigene Pool-Infrastruktur (Antpool) einen erheblichen Teil der gesamten Bitcoin-Hashrate.
Der Konzern blieb nicht ohne Turbulenzen. Ein jahrelanger Machtkampf zwischen den beiden Gründern endete 2021 mit dem Ausstieg von Jihan Wu, der anschließend Matrixport aufbaute und Verwaltungsratschef des abgespaltenen Mining-Unternehmens Bitdeer wurde. Micree Zhan übernahm die Kontrolle bei Bitmain, und genau diese Personalie spielt im Geopolitik-Kapitel noch eine entscheidende Rolle.
MicroBT: der Herausforderer aus dem eigenen Haus
MicroBT entstand aus einem Bruch. Gründer Yang Zuoxing war bei Bitmain für das Chipdesign der erfolgreichen Modelle S7 und S9 verantwortlich, verließ das Unternehmen aber, weil ihm eine Beteiligung verweigert wurde. 2016 gründete er MicroBT und brachte die Whatsminer-Reihe auf den Markt, die sich vor allem durch robuste Bauweise und hohe Energieeffizienz einen Namen machte.
Der Konflikt eskalierte juristisch. Bitmain verklagte Yang wegen mutmaßlicher Patentverletzungen; Yang wurde Ende 2019 kurzzeitig festgenommen und Anfang 2020 gegen Kaution freigelassen. Nachdem ein chinesisches Gericht das strittige Patent für ungültig erklärt hatte, wurde die Klage fallengelassen. MicroBT ging gestärkt aus dem Streit hervor und gilt heute als der einzige Hersteller, der Bitmain technologisch auf Augenhöhe begegnet.
Hardware im Direktvergleich: Antminer gegen Whatsminer
Technisch liefern sich beide Hersteller ein Kopf-an-Kopf-Rennen, doch die Schwerpunkte unterscheiden sich. Bitmain führt bei der reinen Energieeffizienz, gemessen in Joule pro Terahash (J/TH); MicroBT punktet traditionell mit Zuverlässigkeit und hoher Rohleistung pro Gerät. Die folgende Tabelle stellt die aktuellen Flaggschiffe gegenüber, basierend auf Daten von HashrateIndex und Herstellerangaben.
| Modell | Hersteller | Hashrate | Effizienz | Kühlung |
|---|---|---|---|---|
| Antminer S21 Pro | Bitmain | 234 TH/s | 15 J/TH | Luft |
| Antminer S21 XP Hyd | Bitmain | 473 TH/s | 12 J/TH | Hydro |
| Antminer S21 XP+ Hyd | Bitmain | 500 TH/s | 11 J/TH | Hydro |
| Whatsminer M70S | MicroBT | 258 TH/s | 13,5 J/TH | Luft |
| Whatsminer M66S | MicroBT | 298 TH/s | 18,5 J/TH | Immersion |
| Whatsminer M63S | MicroBT | 410 TH/s | 18,5 J/TH | Hydro |
Die Zahlen zeigen das Muster deutlich. Bitmains hydrogekühltes Spitzenmodell S21 XP+ erreicht mit 11 J/TH den derzeit besten Effizienzwert am Markt, was auch das Rig-Profil von HashrateIndex bestätigt. MicroBT kontert bei den luftgekühlten Geräten: Der neue Whatsminer M70S liegt mit 13,5 J/TH vor Bitmains luftgekühltem S21 Pro und ist damit für Betreiber interessant, die keine aufwendige Wasser- oder Immersionskühlung installieren wollen. Die Faustregel lautet: Wer günstigen Platz und eine leistungsfähige Flüssigkeitskühlung hat, fährt mit Bitmains Hydro-Modellen am effizientesten; wer auf einfache Luftkühlung angewiesen ist, findet bei MicroBT inzwischen das attraktivere Gesamtpaket.
Effizienz und Wirtschaftlichkeit: was am Ende in EUR zählt
Effizienz ist im Mining keine technische Spielerei, sondern die zentrale betriebswirtschaftliche Kennzahl. Je weniger Strom ein Gerät pro Terahash verbraucht, desto länger bleibt es auch bei fallenden Kursen profitabel. Ein aktuelles Flaggschiff kostet im Handel je nach Modell und Charge rund 4.500 bis 6.000 EUR, dazu kommen Infrastruktur, Kühlung und vor allem die Stromrechnung.
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die Lage. Bei sehr günstigen Industriestrompreisen von umgerechnet rund 5,5 Cent pro Kilowattstunde wirft ein Antminer S21 Pro nach gängigen Schätzungen rund 7 EUR Gewinn pro Tag ab, ein immersionsgekühlter Whatsminer M66S dank höherer Rohleistung etwas mehr. Das klingt verlockend, gilt aber nur für Standorte mit Strompreisen, die in Deutschland praktisch unerreichbar sind. Diese Faktoren bestimmen, ob sich ein Gerät rechnet:
- Strompreis am Standort (der mit Abstand wichtigste Hebel)
- Effizienz des Geräts in J/TH
- Bitcoin-Kurs und Netzwerk-Difficulty
- Anschaffungspreis und erwartete Lebensdauer der Hardware
- Kosten für Kühlung, Wartung und Stellfläche
Für deutsche Interessenten ist der erste Punkt ernüchternd. Während Großbetreiber in Texas oder am Persischen Golf Strom für wenige Cent beziehen, zahlen Haushalte in Deutschland oft mehr als 30 Cent pro Kilowattstunde. Bei diesen Tarifen schreibt nahezu jedes Heim-Setup rote Zahlen, unabhängig davon, ob ein Antminer oder ein Whatsminer im Keller steht. Über die typische Lebensdauer von drei bis fünf Jahren amortisiert sich ein Gerät nur, wenn Strompreis und Kurs zusammenpassen; bricht eine der beiden Größen weg, rückt die Gewinnschwelle in weite Ferne. Wer dennoch einsteigen will, sollte auf maximale Effizienz und auf einen günstigen, idealerweise selbst erzeugten Stromtarif (etwa aus einer PV-Anlage) achten.
Geopolitik: Zölle, Zoll-Stopps und der Sophgo-Schock
Die größte Unsicherheit für beide Hersteller liegt 2026 nicht in der Technik, sondern in der Politik. Die US-Regierung hat unter Präsident Trump die Einfuhrzölle drastisch erhöht. Reziproke Zölle trafen ASIC-Importe aus südostasiatischen Fabriken mit Sätzen, die laut CoinDesk von rund 2,6 Prozent auf über 20 Prozent kletterten; je nach Herkunftsland reichten die angekündigten Sätze von 10 bis 50 Prozent. Für Hersteller, die fast ihre gesamte Fertigung in Südostasien konzentriert haben, drücken solche Aufschläge die ohnehin schmalen Margen der Endkunden weiter zusammen.
Noch heikler wurde es an der Grenze. Die US-Zollbehörde CBP hielt auf Betreiben der Telekomaufsicht FCC monatelang Lieferungen der Antminer-Modelle S21 und T21 in den Häfen fest, mit täglichen Lagergebühren, die für einzelne Firmen 200.000 US-Dollar überstiegen, wie The Block berichtete. Später weitete die Behörde die Beschlagnahmungen auf Geräte von MicroBT und Canaan aus, sodass kein großer Hersteller verschont blieb.
Der Auslöser führt direkt zu Bitmain. Hinter den Kontrollen stand der Verdacht, dass die betroffenen Antminer KI-Chips des Unternehmens Sophgo enthielten. Sophgo wurde 2019 von Bitmain-Mitgründer Micree Zhan gegründet und landete Ende 2024 auf der US-Entity-List, nachdem ein bei TSMC bestellter Chip in einem KI-Prozessor von Huawei aufgetaucht war, wie die South China Morning Post berichtete. Für Miner bedeutet das ein doppeltes Risiko: Lieferengpässe und einen möglichen Reputationsschaden durch die Nähe zu sanktionierten Strukturen.
Die Flucht nach Amerika: Produktion in den USA
Beide Konzerne reagieren mit derselben Strategie: Sie verlagern die Endmontage näher an den größten Absatzmarkt. MicroBT eröffnete bereits 2023 ein Montagewerk in den USA. Bitmain zog nach und startete im Januar 2026 seine erste US-Fertigungslinie, wie CCN meldete. Auch Canaan baut in den Vereinigten Staaten Kapazitäten auf.
Ein Allheilmittel ist die US-Montage nicht. Die Werke decken nur einen Bruchteil der Gesamtproduktion ab, und selbst lokal zusammengebaute Geräte tragen weiterhin Zölle auf importierte Komponenten wie Aluminium und Kupfer. Hinzu kommt, dass viele Betreiber versuchten, der Zollwelle mit teuren Charterflügen zuvorzukommen, ein Indiz dafür, wie stark die Lieferketten unter Druck stehen. CoinDesk dokumentierte sogar, wie einzelne Firmen die Zollkontrollen auszutricksen versuchten. Dennoch ist der Trend eindeutig: Die Produktion wandert dorthin, wo der politische Wind günstiger weht.
Was das für Miner in Deutschland bedeutet
Für den deutschsprachigen Raum sind zwei Ebenen relevant: die regulatorische und die wirtschaftliche. Regulatorisch gibt die BaFin beim Mining selbst weitgehend Entwarnung. Die Aufsicht ordnet Bitcoin als Rechnungseinheit und damit als Finanzinstrument ein, doch das reine Schürfen ist nach gängiger Lesart kein erlaubnispflichtiges Geschäft, da der Miner die Kryptowerte weder selbst emittiert noch öffentlich anbietet.
Anders sieht es aus, sobald gewerbliche Dienstleistungen rund um Kryptowerte hinzukommen, etwa Verwahrung, Tausch oder der Betrieb einer Handelsplattform. Seit dem 30. Dezember 2024 gilt die EU-Verordnung MiCAR vollständig; wer entsprechende Dienstleistungen anbietet, braucht eine Zulassung, deren Anforderungen die BaFin in einem eigenen Merkblatt erläutert. Reines Hardware-Mining fällt nicht darunter, doch die Grenze verschwimmt, sobald ein Betreiber gepoolte Erträge an Dritte ausschüttet oder Hosting-Dienste verkauft.
Wirtschaftlich bleibt der hohe Strompreis das größte Hindernis. Die Kombination aus teurer Energie, schwächelndem Kurs und Lieferketten-Risiken macht Heim-Mining in Deutschland zu einem Nischenhobby. Wer professionell einsteigen möchte, mietet in der Regel Stellplätze (Hosting) in Ländern mit billigem Strom, statt die Geräte selbst zu betreiben. Steuerlich gelten in Deutschland zudem besondere Regeln: Gewerbliches Mining kann der Einkommensteuer und der Gewerbesteuer unterliegen, weshalb sich vor dem Start eine fachliche Beratung empfiehlt.
Ausblick: Wer gewinnt den nächsten Zyklus?
Der Zweikampf bleibt offen. Bitmain hat den Effizienzvorsprung und die stärkere Marke, schleppt aber durch die Verbindung zu Sophgo ein erhebliches politisches Risiko mit sich. MicroBT punktet mit Zuverlässigkeit, einer aufholenden Effizienz bei luftgekühlten Geräten und einem etwas leiseren geopolitischen Profil, steht aber ebenfalls im Fokus der US-Zollbehörden.
Für Käufer im deutschsprachigen Raum lautet die nüchterne Empfehlung: Die Entscheidung zwischen Antminer und Whatsminer sollte sich an der konkreten Effizienz, der verfügbaren Kühlung und den realen Lieferzeiten orientieren, nicht an Markenloyalität. Solange der Bitcoin-Kurs unter Druck steht und die Zollpolitik unberechenbar bleibt, gewinnt am Ende, wer den günstigsten Strom und die kühlste Rechnung hat. Der nächste Halving-Zyklus wird zeigen, ob das Duopol hält oder ob Herausforderer wie Bitdeer mit eigenen Chips die Karten neu mischen.
Von der HOGE-Wire-Redaktion, Ressort Mining und Staking.