Taproot Wizards: der Ordinal, der Bitcoin umbauen will
Die teuerste Ordinals-Sammlung auf Bitcoin ist in Wahrheit eine 37,5-Millionen-Dollar-Kampagne für den Opcode OP_CAT. Warum Taproot Wizards Bitcoins Basisschicht umschreiben will.
Die meisten Ordinals-Sammlungen sind 2026 leise geworden. Die Böden liegen weit unter den Höchstständen von 2024, große Marktplätze haben Bitcoin verlassen, und ein Gutteil des spekulativen Publikums ist weitergezogen. Eine Sammlung aber sorgt weiter für Schlagzeilen, und zwar völlig unabhängig davon, wo ihr Floor gerade steht: Taproot Wizards. Der Grund hat mit den Bildern selbst fast nichts zu tun.
Taproot Wizards ist weniger ein NFT-Projekt als eine Lobbykampagne mit eigener Kasse. Hinter den comichaften Zauberern stehen 37,5 Millionen US-Dollar Risikokapital und ein einziges technisches Ziel: Bitcoins Basisschicht über einen Softfork namens OP_CAT zu verändern. Für alle, die den Bitcoin-Layer-1 verfolgen, ist Taproot Wizards damit der interessanteste Ordinal überhaupt, ein JPEG, das Bitcoins Regelwerk umschreiben will. Dieser Text erklärt die Sammlung, den Opcode und warum der Streit gerade 2026 so wichtig ist.
Was Taproot Wizards von jeder anderen Sammlung unterscheidet
Fast jede NFT-Sammlung verdient ihr Geld mit der Kunst und dem Floor-Preis: Man mintet Bilder, hofft auf steigende Nachfrage und verkauft teurer weiter. Taproot Wizards funktioniert anders. Das Projekt monetarisiert ein technisch-politisches Ziel. Die Bilder sind das Banner, nicht das Produkt.
Gegründet wurde Taproot Wizards von Udi Wertheimer (CEO), Eric Wall und Francisco Alarcon (0xFAR). Das erklärte Motto lautet, Bitcoin wieder magisch zu machen. Schon der Name verweist auf ein Layer-1-Upgrade: Taproot, aktiviert im November 2021, brachte Schnorr-Signaturen und die Skriptpfade, auf denen Inscriptions überhaupt erst möglich wurden. Die Wizards sind also von Anfang an mehr Programm als Bild, ein Symbol für eine Agenda an der Basisschicht.
Konkret heißt das: Die Sammlung hat eine Kasse, ein Entwicklerteam und die ausdrückliche Mission, OP_CAT auf Bitcoin zu aktivieren. Wer einen Wizard kauft, kauft keinen bloßen Sammlerartikel, sondern eine Wette auf einen Umbau des Protokolls. Diese Doppelnatur zieht sich durch alles, was folgt.
Diese Verschiebung erklärt auch, warum Taproot Wizards in Diskussionen über Bitcoins Zukunft so oft auftaucht, obwohl der reine Sammlermarkt für Ordinals 2026 abgekühlt ist. Das Projekt hat sich früh entschieden, nicht bloß Bilder zu verkaufen, sondern eine Position im wichtigsten technischen Streit von Bitcoin zu beziehen. Ob man das für clever oder anmaßend hält, hängt vom Standpunkt ab; unstrittig ist, dass kaum eine andere NFT-Sammlung eine derart konkrete Agenda für die Basisschicht verfolgt.
Ein Zauberer, der fast einen ganzen Block füllte
Die Geschichte beginnt Anfang Februar 2023, nur Tage nachdem Casey Rodarmor das Ordinals-Protokoll am 21. Januar 2023 live geschaltet hatte. Udi Wertheimer schrieb den ersten Taproot Wizard auf die Kette: ein 3,94 Megabyte großes Bild eines Zauberers, in Zusammenarbeit mit dem Mining-Pool Luxor in einen Block gehoben. Es war die damals größte Bitcoin-Transaktion aller Zeiten und füllte einen Block bis fast an die 4-Megabyte-Grenze, wie CoinDesk damals berichtete.
Der Stunt war Beweis und Provokation zugleich. Beweis, dass Bitcoin große, beliebige Daten tragen kann; Provokation, weil genau das sofort die Spam-Debatte anheizte. Dass ein einzelner Pool den überdimensionierten Block baute, war kein Zufall: Ohne einen Miner, der die Transaktion aufnimmt, wäre der Zauberer nie bestätigt worden. Wie Pools solche Blöcke bauen und daran verdienen, zeigt unser Blick auf das Geschäftsmodell der Mining-Pools. Die eigentliche PFP-Sammlung mit gut 2.100 Zauberern kam erst rund zwei Jahre später, 2025, öffentlich auf den Markt.
Die wichtigsten Stationen des Projekts im Überblick:
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| Feb. 2023 | Erster Taproot Wizard (3,94 MB) von Luxor in einen Block gehoben, größte BTC-Transaktion bis dahin |
| Nov. 2023 | Seed-Runde über 7,5 Mio. US-Dollar |
| Anfang 2024 | Quantum Cats als OP_CAT-Kampagne inskribiert |
| Feb. 2025 | Serie-A-Runde über 30 Mio. US-Dollar, angeführt von Standard Crypto |
| 2025 | Öffentlicher Mint der Wizards-PFP-Sammlung (gut 2.100 Stück) |
| März 2026 | OP_CAT-Spezifikation als vollständig markiert |
| Aug. 2026 | Rivalisierender Vorschlag BIP-110 scheitert am Miner-Signal |
Kurz erklärt: Was Ordinals und Inscriptions sind
Damit dieser Text für sich steht, ein kurzer Rückblick. Ordinals ist ein Nummerierungsschema für Satoshis, die kleinste Bitcoin-Einheit. Jeder Sat wird nach seiner Mining-Reihenfolge fortlaufend nummeriert und nach dem First-in-first-out-Prinzip verfolgt. Diese Sicht berechnet ein Off-Chain-Indexer namens ord; das Protokoll selbst bleibt unverändert, wie Chainalysis beschreibt.
Eine Inscription hängt Daten (ein Bild, Text, sogar Code) in den Witness-Teil einer Taproot-Ausgabe. Möglich machen das zwei Layer-1-Upgrades: SegWit (2017) führte den Witness-Bereich mit rund vierfachem Datenrabatt ein, Taproot (2021) lieferte die passenden Skriptpfade. Anders als bei vielen Ethereum-NFTs, die nur auf eine externe Datei zeigen, liegt der Inhalt eines Ordinals vollständig auf der Kette, in jedem Vollknoten, für immer. Genau deshalb ist die Debatte so erbittert: Die Daten belasten jeden Knoten dauerhaft. Mehr dazu in unserem ausführlichen Ordinals-Erklärstück.
Rodarmor selbst nennt seine Werke lieber „digital artifacts“ statt NFTs. Gegenüber TechCrunch begründete er das damit, der Begriff NFT fühle sich „tainted“ an, also verbraucht und belastet. Diese Haltung, Bitcoin-Inschriften als etwas Eigenes und Beständiges zu sehen, ist genau der kulturelle Nährboden, aus dem Taproot Wizards wuchs.
Diese Dauerhaftigkeit ist Verkaufsargument und Zankapfel zugleich. Weil eine Inscription in der Blockchain-Historie verankert ist, lässt sie sich nicht so leicht entfernen wie ein Ethereum-NFT, dessen Bild auf einem Server oder bei IPFS liegt. Sammler schätzen genau das: Der Zauberer existiert, solange Bitcoin existiert. Kritiker sehen dieselbe Eigenschaft als Last, weil jeder neue Vollknoten diese Daten für alle Zeiten mitschleppen muss. An diesem Punkt beginnt die Debatte, die Taproot Wizards von der Kunst zur Politik trägt.
Vom JPEG zur Protokoll-Wette: 37,5 Millionen Dollar
Der entscheidende Schritt war die Finanzierung. Auf eine Seed-Runde über 7,5 Millionen US-Dollar im November 2023 folgte im Februar 2025 eine Serie-A-Runde über 30 Millionen US-Dollar, angeführt von Standard Crypto, wie The Block und CoinDesk meldeten. Macht zusammen 37,5 Millionen US-Dollar, weit mehr, als je eine reine Ordinals-Sammlung eingespielt hat.
Das Geld ist ausdrücklich nicht für mehr Kunst gedacht. Udi Wertheimer sagte The Block wörtlich: „We’re really focused on OP_CAT as the future of Bitcoin“, sinngemäß, OP_CAT sei die Zukunft von Bitcoin, und das Kapital fließe in Entwicklung im eigenen Haus und in das Ökosystem drumherum. Und weiter: „The cool thing about OP_CAT, because it’s so flexible, what I expect is that people are going to create tons of new protocols.“
Damit wurde aus einer Sammlung ein Vehikel, um die Entwicklung von OP_CAT zu finanzieren und die Idee in der Szene populär zu machen. Der Floor-Preis der Wizards ist fast eine Nebensache; die eigentliche Wette ist ein Softfork. Das ist ungewöhnlich, und es macht Taproot Wizards zum vielleicht ehrgeizigsten Projekt im gesamten Ordinals-Kosmos.
OP_CAT erklärt: der kleine Opcode mit großer Wirkung
OP_CAT trägt die Nummer BIP-347 und stammt von Ethan Heilman und Armin Sabouri. „CAT“ steht für concatenate, also verketten. Technisch tut der Opcode wenig: Er nimmt die obersten zwei Werte vom Stack, hängt sie in Stack-Reihenfolge aneinander und legt das Ergebnis wieder oben ab. Er schlägt fehl, wenn weniger als zwei Werte vorhanden sind oder das Ergebnis 520 Byte überschreitet.
Der Witz an OP_CAT ist seine Geschichte. Der Opcode war Teil des ursprünglichen Bitcoin, doch Satoshi Nakamoto deaktivierte ihn 2010 in einem einzigen Commit, zusammen mit 15 weiteren Befehlen. Der Grund war Vorsicht: Ein geschickt gebautes Skript hätte den Speicherbedarf exponentiell aufblähen können. Mit der 520-Byte-Grenze für Stack-Elemente in Tapscript gilt diese Sorge heute als überholt. Aktiviert würde OP_CAT über einen Softfork, der den Tapscript-Opcode OP_SUCCESS126 (0x7e) wieder als OP_CAT definiert.
Warum aus so wenig so viel folgt, liegt an der Rolle der Verkettung in Bitcoins Skript. Mit OP_CAT lassen sich Datenstücke im Skript zusammensetzen und prüfen. Damit kann ein Skript Bedingungen an die eigene Folgetransaktion stellen, statt nur eine Signatur abzuhaken. Aus diesem Baustein lassen sich anspruchsvollere Konstruktionen bauen, von der Prüfung kryptografischer Beweise bis zu den Covenants, um die sich der ganze Streit dreht. Ein einzelner, alter Befehl wird so zum Hebel für eine ganze Klasse neuer Anwendungen.
Seinen offiziellen BIP-Status bekam OP_CAT im April 2024, wie CoinDesk berichtete; die Spezifikation wurde am 1. März 2026 als vollständig markiert. Auf dem Bitcoin-Mainnet ist der Opcode dennoch nicht aktiv. Getestet wurde er ausgiebig im Signet-Testnetz. Ein simpler Befehl also, mit potenziell enormen Folgen, wie der nächste Abschnitt zeigt.
Was Covenants sind, und warum sie alle wollen
OP_CAT allein ist trivial, aber er schaltet eine ganze Klasse von Funktionen frei, die man Covenants nennt. Heute prüft Bitcoins Skriptsprache vor allem, wer eine Münze ausgeben darf, nämlich wer die passende Signatur liefert. Ein Covenant geht weiter: Er schreibt vor, wie eine Münze in Zukunft ausgegeben werden darf, etwa nur an eine bestimmte Adresse oder nur in eine festgelegte Transaktionsvorlage.
Was damit möglich würde, umriss ein vielzitierter Beitrag von Eric Wall, Udi Wertheimer und Francisco Alarcon bei CoinDesk: On-Chain-Tausch zwischen BTC und Stablecoins, Kredite mit Bitcoin als Sicherheit, vertrauensärmere Brücken zu anderen Ketten, neue Layer-2-Designs, die Prüfung von Zero-Knowledge-Beweisen und Vaults, also Tresore, die gestohlene Coins schwerer abtransportierbar machen.
Am greifbarsten wird der Nutzen bei diesen Vaults. Gemeint ist eine Konstruktion, bei der Coins nur über einen zweistufigen Prozess bewegt werden: Wer eine Auszahlung anstößt, löst eine Wartezeit aus, in der der rechtmäßige Eigentümer eine unbefugte Abhebung noch stoppen und die Mittel in Sicherheit bringen kann. Für Verwahrer, Börsen und große Halter wäre das ein wirksamer Schutz gegen gestohlene Schlüssel, ohne dass ein Dritter die Coins verwahren müsste. Solche Anwendungsfälle machen Covenants auch weit jenseits der Ordinals-Szene interessant.
Kurz: Covenants brächten Ethereum-artige Programmierbarkeit direkt auf Bitcoins Basisschicht, ohne separate Kette. Der Preis wäre ein BTCfi, das keine Brücke braucht. Genau das ist die Verlockung, und genau das ist für viele konservative Bitcoiner auch die Bedrohung, wie wir weiter unten sehen.
Das Feld der Vorschläge: OP_CAT ist nicht allein
OP_CAT ist nur einer von mehreren Wegen, Covenants und mehr Programmierbarkeit nach Bitcoin zu bringen. Keiner davon ist bis 2026 auf dem Mainnet aktiviert. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Vorschläge zusammen, wie sie unter anderem BlockEden nachzeichnet.
| Vorschlag | Kennung | Autor(en) | Was er bringt | Status 2026 |
|---|---|---|---|---|
| OP_CAT | BIP-347 | Heilman, Sabouri | Verkettung, ermöglicht flexible Covenants und Smart Contracts | Spezifikation vollständig (März 2026), nicht aktiviert |
| CheckTemplateVerify (CTV) | BIP-119 | Jeremy Rubin | Transaktionsvorlagen, Vaults, Staukontrolle | Aktivierungs-Client vorhanden, Miner-Signal nahe 0 Prozent |
| ANYPREVOUT (APO) | BIP-118 | Decker, Towns | Eltoo, robustere Lightning-Kanäle | seit 2022 im Signet, nicht aktiviert |
| LNHANCE | Bündel | Brandon Black | CTV plus CSFS plus INTERNALKEY, Fokus Lightning | in Diskussion, nicht aktiviert |
| BitVM2 | kein Softfork | Robin Linus | Off-Chain-Verifikation ohne Konsensänderung | live: Citrea-Mainnet seit Januar 2026 |
Ein Detail sticht heraus: BitVM2 braucht gar keinen Softfork. Der Ansatz von Robin Linus verlagert Berechnungen off-chain und lässt sie über ein Herausforderungs-Antwort-Verfahren streiten, ohne Bitcoins Konsensregeln anzufassen. Deshalb ist BitVM bereits im Einsatz, etwa in der Citrea-Brücke seit Januar 2026, während OP_CAT und CTV politisch feststecken. Wie diese vertrauensarme Brücke ohne Verwahrer funktioniert, erklären wir im Beitrag zu BitVM. Taproot Wizards hat sich bewusst auf OP_CAT festgelegt, den flexibelsten und allgemeinsten der Vorschläge.
Der Unterschied ist grundlegend. OP_CAT, CTV und LNHANCE wollen Bitcoins Konsensregeln erweitern, was einen Softfork und damit breite Zustimmung erfordert. BitVM dagegen baut auf den bestehenden Regeln auf und erkauft sich diese Freiheit mit stärkeren Annahmen über die beteiligten Wächter. Für Taproot Wizards ist das keine akademische Frage: Setzt sich der brückenbasierte Weg durch, verliert der Kampf um OP_CAT an Dringlichkeit, und mit ihm ein gutes Stück der These hinter der Sammlung.
Quantum Cats: die zweite Kampagne
Um für OP_CAT zu werben, brachte Taproot Wizards eine zweite Sammlung auf die Kette: Quantum Cats, inskribiert Anfang 2024. Sie war von Beginn an ausdrücklich als Marketing-Kampagne für den Opcode gedacht, wie Decrypt berichtete. Die Bilder erzählen eine kleine Geschichte über eine Katze und die Idee, Bitcoin um OP_CAT zu erweitern.
Der Mint war ausverkauft und half, die OP_CAT-Kampagne mitzufinanzieren. Das Muster ist bemerkenswert: beliebte Ordinals-Sammlungen nutzen, um eine Änderung an der Basisschicht zu bezahlen und öffentlich zu machen. Kunst als politische Finanzierung, gewissermaßen.
Darin steckt auch eine Ironie. Inscriptions sind genau das, was das gegnerische Lager als „Spam“ brandmarkt. Dasselbe Werkzeug finanziert nun einen Vorschlag, der Bitcoin sehr viel leistungsfähiger machen soll. Wer Ordinals ablehnt, muss also mit ansehen, wie Ordinals-Erlöse die größte Erweiterung der Bitcoin-Skriptsprache seit Jahren antreiben.
Warum der Streit gerade jetzt eskaliert: BIP-110
2026 ist der Kampf um die Basisschicht ausgesprochen lebendig. Im Sommer zog ein rivalisierender Vorschlag in die entgegengesetzte Richtung: BIP-110 wollte Inscriptions und beliebige Daten auf Protokollebene ausbremsen. Am 7. August 2026 startete die verpflichtende Signalisierung bei Block 961.632, doch nur rund 2,6 Prozent der Miner unterstützten den Vorschlag, weit unter der nötigen Schwelle von etwa 55 Prozent.
BIP-110 scheiterte damit klar; die Minderheitskette schaffte in acht Stunden nur zwei Blöcke und blieb dann liegen, während die Hauptkette im selben Zeitraum um mehr als 48 Blöcke vorrückte, wie CoinDesk dokumentierte. Michael Saylor kommentierte trocken, Bitcoin funktioniere wie vorgesehen: „Bitcoin is working as designed.“ Für die Ordinals-Szene war das ein Sieg; für alle, die auf einen Umbau hoffen, war es eine Warnung.
Denn die Lehre schneidet in beide Richtungen. Bitcoins verkrustete Governance macht jede Änderung an der Basis schwer, ob man Daten einschränken (BIP-110) oder neue Fähigkeiten hinzufügen will (OP_CAT). Wenn nicht einmal eine Beschränkung nennenswerte Miner-Unterstützung findet, ist ein großer neuer Opcode mindestens ebenso schwer durchzusetzen. Der Hintergrund dazu, wie stark die Miner heute sind und wovon ihre Einnahmen abhängen, steht in unserer Analyse zum Hashrate-Wachstum.
Im Hintergrund steht das Sicherheitsbudget. Der Block-Subventionssatz liegt seit der Halbierung von 2024 bei 3,125 BTC pro Block und sinkt bei der nächsten Halbierung um 2028 weiter. Je kleiner die Subvention wird, desto mehr müssen Transaktionsgebühren die Miner tragen, und Inscriptions gehörten in Spitzenphasen zu den größten Gebührenquellen überhaupt. Genau das ist der wunde Punkt der Debatte um BIP-110: Wer Daten aus Bitcoin verbannt, kappt womöglich Einnahmen, die das Netz langfristig braucht. Die Befürworter von OP_CAT drehen das Argument um und sehen in mehr Anwendungen mehr zahlende Nachfrage nach Blockspace.
Die Gegenseite: die Angst vor Covenants
Nicht alle wollen OP_CAT. Der Widerstand kommt aus zwei Richtungen. Da ist zum einen das Spam-Lager um den Entwickler Luke Dashjr. Für ihn missbrauchen Inscriptions eine Schwäche in Bitcoin Core und umgehen das seit 2013 bestehende Limit für Datenanhänge. Er filtert sie im OCEAN-Pool und in Bitcoin Knots heraus und nennt sie schlicht „Spam“, wie The Block festhielt. Für dieses Lager ist ein aus Inscriptions finanzierter Opcode doppelt anstößig.
Zum anderen gibt es das vorsichtige, konservative Lager. Es fürchtet, Covenants brächten Komplexität und neue Angriffsflächen, könnten unerwünschte Beschränkungen ermöglichen (etwa Coins, die sich auf Protokollebene einfrieren oder auf Blacklists setzen ließen) und den Charakter von Bitcoin verändern. Michael Saylor zählt hier zu den prominentesten Stimmen. Er ordnet BIP-110, Covenants (wie OP_CTV und LNHANCE) und Großblock-Vorschläge allesamt als „constitutional offense“ ein und verlangt für jede Änderung an der Basis „overwhelming, cross-stakeholder consensus or nothing“, also überwältigenden Konsens aller Beteiligten oder gar nichts, wie TFTC zusammenfasst. Bemerkenswert daran: Dieselbe Vorsicht, mit der Saylor BIP-110 abwehrte, richtet sich auch gegen den Umbau, den OP_CAT bedeuten würde.
Die Befürworter halten dagegen: Covenants seien freiwillig, niemand müsse eine belastete Münze annehmen, und gerade diese Flexibilität halte Bitcoin gegenüber Ethereum und Solana konkurrenzfähig. Das Ergebnis ist ein Patt. OP_CAT hat Entwickler-Glaubwürdigkeit, es hat den BIP-Prozess durchlaufen, aber keinen Aktivierungspfad, der einen Konsens findet.
Der Ordinals-Markt 2026: Floor, Blue-Chips und ORDI
Ein Blick auf den Markt, in dem die Sammlung lebt. 2026 war ein Rückzug: Die Böden liegen weit unter den Höchstständen von 2024, Magic Eden stellte im März 2026 den Bitcoin-Handel ein, und die Infrastruktur dünnte aus. Überlebt haben Handelsplätze wie UniSat, OKX, Xverse und Gamma. Für Taproot Wizards ist die Datenlage seit dem Rückzug von Magic Eden dünn und illiquide, weshalb der Bitcoin-Floor aussagekräftiger ist als jede Umrechnung in Euro.
| Wert | Kennzahl (9. September 2026) |
|---|---|
| Bitcoin (BTC) | 79.003 $ / rund 67.929 €; Marktkapitalisierung 1,59 Bio. $; etwa 37 Prozent unter dem ATH (126.080 $, 6. Oktober 2025) |
| ORDI (erster BRC-20) | 4,24 $ / 3,67 €; Marktkapitalisierung 89 Mio. $; Rang 303 |
| Taproot Wizards | 2.106 Stück, rund 1.297 Halter, Floor 0,047 BTC (etwa 3.038 $); Sammlungswert rund 6,4 Mio. $ (Daten dünn) |
| Quantum Cats | OP_CAT-Marketing-Sammlung, ausverkaufter Mint |
Die Zahlen zu BTC und ORDI stammen von CoinGecko, die Sammlungsdaten von der CoinGecko-NFT-Seite. Zum Vergleich: ORDI, der erste BRC-20-Token, bringt allein rund 89 Millionen US-Dollar auf die Waage und übertrifft damit die gesamte Runes-Kategorie, die ihrerseits fast vollständig von einem einzigen Hund-Token dominiert wird, wie unser Text zu Bitcoin Runes zeigt.
Die Botschaft der Tabelle: Der ganze Komplex aus Ordinals, BRC-20 und Runes ist gegenüber Bitcoin selbst klein und wenig liquide. Die Bedeutung von Taproot Wizards liegt also gerade nicht in der Marktkapitalisierung der Bilder. Sie liegt in der Wette, die dahintersteht.
Taproot Wizards steht in diesem Markt nicht allein. Zu den bekannten Bitcoin-Sammlungen zählen unter anderem NodeMonkes, die erste 10.000er-PFP-Serie auf Bitcoin, sowie Bitcoin Puppets und Ordinal Maxi Biz. Nach der Marktbereinigung von 2026 hat sich der Handel auf eine Handvoll solcher Namen konzentriert, deren Böden zwar weit unter den Höchstständen von 2024 liegen, aber überlebt haben. Taproot Wizards ist in dieser Gruppe der Sonderfall: Der Wert speist sich nicht nur aus Sammlernachfrage, sondern aus einer laufenden Kampagne für das Protokoll.
Was ist ein Taproot Wizard wirklich wert?
Damit zum Kern. Ein Taproot Wizard ist eine Wette auf zwei Dinge zugleich. Erstens auf den Floor, den Sammler- und Kunstwert, der bescheiden und illiquide ist. Zweitens auf die OP_CAT-Option: Sollte der Opcode aktiviert werden und ein echtes BTCfi auf Bitcoins Basisschicht entstehen, hätte die Sammlung, die diese Bewegung finanziert und mit ihrem Namen geprägt hat, enormen kulturellen und womöglich auch finanziellen Wert. Scheitert OP_CAT dauerhaft, bleibt ein teures JPEG.
Der eigentliche Wert eines Wizards folgt damit weniger dem NFT-Markt als der Wahrscheinlichkeit eines Softforks. Er ähnelt eher einer Kaufoption auf Bitcoins künftige Programmierbarkeit als einem klassischen Sammlerstück. Das erklärt auch, warum das Team Risikokapital eingesammelt hat, statt sich mit Mint-Erlösen zu begnügen: Es finanziert genau das, was die Sammlung überhaupt erst bedeutsam machen würde.
Der Haken liegt im Zeithorizont. Softfork-Fahrpläne werden in Bitcoin in Jahren gemessen, und oft kommen sie nie an. CTV hängt seit 2019 fest, ANYPREVOUT seit 2022. Die Option kann also sehr lange aus dem Geld bleiben. Wer einen Wizard hält, hält im Grunde eine Wette auf Bitcoins Governance, und das ist die langsamste Variable im ganzen Kryptomarkt.
Man kann die Sammlung deshalb auch als etwas ganz anderes lesen: als tokenisierte Interessenvertretung. Wer einen Wizard hält, hält ein Stück einer Bewegung, die Zeit, Geld und Aufmerksamkeit in einen bestimmten Umbau von Bitcoin steckt. Das ähnelt weniger einem Kunstkauf als einer Wette auf den Ausgang eines langen politischen Prozesses. Solche Wetten können stark aufgehen, wenn der Prozess kippt, und über Jahre wenig wert bleiben, wenn er sich nicht bewegt. Anlegerinnen und Anleger sollten wissen, welche der beiden Wetten sie eingehen.
Steuern und Aufsicht: Ordinals in Deutschland
Für deutsche Anlegerinnen und Anleger gelten Ordinals und NFTs steuerlich als andere Wirtschaftsgüter im Sinne des Paragraf 23 EStG, also als private Veräußerungsgeschäfte. Wer länger als ein Jahr hält, verkauft steuerfrei; wer innerhalb der Jahresfrist verkauft, versteuert den Gewinn zum persönlichen Einkommensteuersatz. Seit 2024 gilt eine Freigrenze von 1.000 Euro pro Jahr, und zwar eine Freigrenze, kein Freibetrag: Wird sie überschritten, ist der gesamte Gewinn steuerpflichtig. Es gilt das First-in-first-out-Prinzip.
Wichtig für Ordinals-Käufer: Wer einen Wizard mit Bitcoin bezahlt, löst einen steuerbaren Tausch aus, weil dabei die eingesetzten Bitcoin veräußert werden. Ab 2026 greift zudem die europäische Meldepflicht DAC8. Das ist keine Steuerberatung, aber wer im Ordinals-Markt aktiv ist, sollte die Grundzüge kennen.
Aufsichtsrechtlich regulieren BaFin und die europäische MiCA-Verordnung die Dienstleister und Emittenten, nicht das Protokoll selbst. Die BaFin stellt das in ihrem Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen klar; wie eine CASP-Zulassung in der Praxis abläuft, zeigt unser Leitfaden zur CASP-Lizenz bei der BaFin. Einzigartige NFTs sind von MiCA ausgenommen, doch große Serien, Sammlungen oder fraktionalisierte NFTs können nach dem Grundsatz Substanz vor Form doch erfasst werden, wie CMS darlegt. Eine PFP-Serie mit gut 2.100 Stücken ließe sich durchaus als große Serie einordnen. Dass die Aufsicht bei Verstößen inzwischen härter durchgreift, zeigt der Fall Ethena. OP_CAT und Covenants ändern an alldem nichts: Die Regulierung zielt auf Dienste, nicht auf Opcodes.
Risiken und offene Fragen
Wer Taproot Wizards nüchtern betrachtet, sollte mehrere Risiken zugleich im Blick behalten. Sie fassen zusammen, warum diese Sammlung so ehrgeizig und zugleich so spekulativ ist.
- Aktivierung ungewiss: Der Softfork kommt vielleicht nie. Bitcoins Governance ist verkrustet, die Fahrpläne dauern Jahre, und die Miner zeigen wenig Eile.
- Illiquidität: Dünne Böden und veraltete Daten seit dem Rückzug von Magic Eden machen den Ausstieg aus einer Position schwer.
- Konzentrationsrisiko: Der Wert hängt an einer einzigen technischen Wette und am fortgesetzten Einsatz des Teams.
- Konkurrenz der Vorschläge: Selbst wenn Covenants kommen, könnte statt OP_CAT ein Rivale wie CTV oder LNHANCE gewinnen, oder der brückenbasierte BitVM-Weg ganz ohne Softfork.
- Regulierung: Große NFT-Serien könnten unter MiCA fallen, und Krypto-zu-Krypto-Tausch ist in Deutschland steuerbar.
- Sicherheitsbudget-Paradox: Dieselben Inscriptions, die OP_CAT finanzieren, wollen die Kritiker ausbremsen; die Daten-Debatte schneidet in beide Richtungen.
Unterm Strich ist Taproot Wizards das ambitionierteste Vorhaben im Ordinals-Raum und zugleich eines der spekulativsten, weil es im Kern eine Wette auf Bitcoins Governance ist. Für Beobachter des Layer-1 ist es genau deshalb so lehrreich: An dieser einen Sammlung lässt sich ablesen, wie schwer, wie politisch und wie langsam Veränderung bei Bitcoin ist.
Frequently Asked Questions
Was sind Taproot Wizards?
Taproot Wizards ist eine Sammlung von Bitcoin-Ordinals, gegründet von Udi Wertheimer, Eric Wall und Francisco Alarcon. Der erste Wizard füllte im Februar 2023 fast einen ganzen Block. Im Kern ist das Projekt aber eine Kampagne, Bitcoins Basisschicht über den Softfork OP_CAT zu verändern, finanziert mit 37,5 Millionen US-Dollar Risikokapital.
Was ist OP_CAT?
OP_CAT (BIP-347) ist ein Opcode, der zwei Werte auf dem Stack verkettet. Er war im ursprünglichen Bitcoin enthalten, wurde 2010 von Satoshi deaktiviert und würde über einen Softfork wieder aktiviert, um Covenants und Smart Contracts zu ermöglichen. Auf dem Mainnet ist er 2026 nicht aktiv.
Was sind Covenants bei Bitcoin?
Covenants sind Regeln, die vorschreiben, wie eine Münze künftig ausgegeben werden darf, nicht nur wer sie ausgeben darf. Sie ermöglichen Vaults, vertrauensärmere Brücken, On-Chain-Kredite und -Tausch sowie neue Layer-2-Designs.
Wie viel ist ein Taproot Wizard wert?
Der Floor liegt bei etwa 0,047 BTC, wobei die Daten seit dem Rückzug von Magic Eden dünn und illiquide sind. Der eigentliche Wert ist aber weniger der Floor als eine Wette darauf, dass OP_CAT eines Tages aktiviert wird.
Muss ich in Deutschland Steuern auf Ordinals-Gewinne zahlen?
Ja, wenn Sie innerhalb eines Jahres verkaufen: Dann gilt Ihr persönlicher Einkommensteuersatz, mit einer Freigrenze von 1.000 Euro pro Jahr. Nach mehr als einem Jahr Haltedauer ist der Verkauf steuerfrei. Der Kauf eines Ordinals mit Bitcoin gilt als steuerbarer Tausch. Dies ist keine Steuerberatung.
Marcus Okafor berichtet für HOGE Wire über Bitcoin, Layer-1-Protokolle und die Ökonomie der Blockspace-Debatte.