Hashprice nach dem Fed-Zinsschritt: der Zinspfad entscheidet
Die Fed hat am 16. September erstmals seit 2023 erhöht, doch der Hashprice zuckte kaum. Die eigentliche Nachricht für Bitcoins Miner steckt im Zinspfad, nicht im einzelnen Schritt.
Am 16. September 2026 hat die US-Notenbank Federal Reserve die Leitzinsen zum ersten Mal seit Juli 2023 angehoben, um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent, und das einstimmig mit 12 zu 0 Stimmen. Für einen Vermögenswert, der lange als Seismograf der Geldpolitik galt, fiel die Reaktion bemerkenswert leise aus: Bitcoin war im Vorfeld kurz unter 75.000 US-Dollar gerutscht, hielt die Marke und notierte zwei Tage später wieder bei rund 77.000 US-Dollar, umgerechnet etwa 67.000 Euro. Und der Hashprice, die zentrale Ertragskennzahl der Mining-Branche, zuckte kaum.
Genau diese Ruhe ist die eigentliche Nachricht. Der Zinsschritt selbst war seit Wochen eingepreist; die Terminmärkte hatten ihn mit fast 90 Prozent Wahrscheinlichkeit erwartet. Was zählte, stand nicht in den 25 Basispunkten, sondern im Dot-Plot, der Zinsprojektion der Notenbanker: 16 von 18 Mitgliedern des Offenmarktausschusses rechnen noch in diesem Jahr mit mindestens einer weiteren Erhöhung, der Dezember gilt als offen. „Höher für länger“ ist damit kein Risikoszenario mehr, sondern die Grundannahme. Für eine Branche, deren Ökonomie fast vollständig in der Zukunft liegt, ist der Pfad wichtiger als der einzelne Schritt.
Dieser Text ordnet den Hashprice nach dem Zinsentscheid ein: warum der Schritt für die Miner ein Nicht-Ereignis war, warum der Zinspfad und das Difficulty-Thermostat, das am 19. September zum zweiten Mal in Folge anzog, die Kennzahl von zwei Seiten in die Zange nehmen, und was das für deutsche und europäische Leser bedeutet, für die an genau diesem 16. September auch die Europäische Zentralbank den Preis des Geldes erhöht hat.
Hashprice in zwei Sätzen: was die Zahl misst
Der Hashprice misst den erwarteten Umsatz eines Miners je Einheit Rechenleistung pro Tag. Er wird nativ in US-Dollar je Petahash pro Sekunde und Tag notiert (geteilt durch 1.000 ergibt sich der Wert je Terahash), und der Begriff stammt vom Hashrate Index von Luxor. Die Formel ist überschaubar: rund 144 Blöcke pro Tag, multipliziert mit der Summe aus Blocksubvention und Transaktionsgebühren und mit dem Bitcoin-Kurs, geteilt durch die gesamte Netzwerk-Hashrate.
Vier Größen gehen also ein: der Bitcoin-Kurs, die Blocksubvention (mit 3,125 BTC bis zur Halbierung im Frühjahr 2028 fix), die Gebühren (derzeit unter einem halben Prozent des Blockrewards) und die Hashrate. Ein Rechenbeispiel: Bei rund 950 EH/s Netzwerk-Hashrate, 3,125 BTC Subvention, 144 Blöcken und einem Kurs von 77.000 US-Dollar ergeben sich grob 36 US-Dollar je PH/Tag. Kurzfristig bewegen sich nur zwei dieser Größen spürbar: der Kurs und, über die Difficulty, die Hashrate. Genau hier setzt der Zinsentscheid an. Er wirkt auf den Kurs, und er wirkt, weit unsichtbarer, auf die Finanzierung der Miner. Der Hashprice zeigt den Umsatz je Rechenleistung; er zeigt nicht, zu welchem Preis diese Rechenleistung finanziert wurde. Das ist die Leerstelle, um die es in diesem Text geht.
Die Momentaufnahme nach dem 16. September
Wer den Hashprice richtig lesen will, braucht zuerst die Ausgangslage. Der letzte veröffentlichte Wochenwert lag Anfang September bei 39,63 US-Dollar je PH/Tag, ein Plus von 22,24 Prozent gegenüber 32,42 US-Dollar einen Monat zuvor, angetrieben von der August-Rally und einer damals noch niedrigen Difficulty. Seither ist der Bitcoin-Kurs von rund 79.000 auf etwa 77.000 US-Dollar zurückgekommen, und die Difficulty ist gestiegen. Rechnet man den Hashprice mit den Werten vom 19. September neu, landet man bei rund 36 bis 37 US-Dollar (etwa 31 Euro) je PH/Tag. Beide Bewegungen, der niedrigere Kurs und die höhere Difficulty, haben je einen Bissen genommen.
| Kennzahl | Stand 19. September 2026 |
|---|---|
| Bitcoin-Kurs | ~77.000 USD / ~67.000 EUR |
| Hashprice (letzter Print) | 39,63 USD/PH/Tag (Anfang Sep.) |
| Hashprice (rechnerisch, 19. Sep.) | ~36 bis 37 USD/PH/Tag (~31 EUR) |
| Netzwerk-Difficulty | 132,76 Bio. (+4,16% am 19. Sep.) |
| Hashrate (7-/30-Tage-SMA) | ~920 bis 950 EH/s |
| Blocksubvention | 3,125 BTC (bis Frühjahr 2028) |
| Gebührenanteil am Blockreward | unter 0,5% |
| US-Leitzins | 3,75 bis 4,00% (16. Sep., +25 Bp) |
| EZB-Einlagensatz | 2,50% (10. Sep., +25 Bp) |
| EUR/USD | ~1,148 |
Ein Blick auf die On-Chain-Daten nach dem Zinsschritt zeigt dasselbe Bild von der Kursseite: kein Ausverkauf, eher zähe Seitwärtsbewegung knapp über der 75.000-Dollar-Linie, die im Juli schon einmal verteidigt wurde. Zur Einordnung: Der Kurs liegt damit rund 39 Prozent unter dem Rekord von 126.198 US-Dollar aus dem Oktober 2025, und Bitcoin steuert dennoch auf ein Quartalsplus von etwa 32 Prozent zu.
Was die Fed am 16. September wirklich beschloss
Die Entscheidung fiel deutlich aus. Der Offenmarktausschuss hob das Zielband einstimmig um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an, die erste Erhöhung seit Juli 2023 und die erste unter dem im Mai angetretenen Notenbankchef Kevin Warsh. Im Statement hieß es, die Inflation bleibe erhöht, der Schritt solle eine zeitnähere Rückkehr zum Zwei-Prozent-Ziel stützen (Federal Reserve). Dass die Notenbank in einem noch wachsenden Arbeitsmarkt straffte, unterstreicht, wie ernst sie die hartnäckige Teuerung nimmt.
Warsh, der bewusst auf detaillierte Vorabsignale verzichtet, wurde auf der Pressekonferenz deutlich. „Es ist schlicht so, dass die Inflation zu hoch ist, und das schon zu lange“, sagte er und fügte hinzu, er täte sich „schwer damit, die allgemeinen Finanzbedingungen als restriktiv zu beschreiben“ (CNBC). Beide Sätze sind für Miner relevanter, als sie klingen. Wer die Finanzbedingungen nicht für restriktiv hält, signalisiert Spielraum für weitere Schritte. Und wer die Inflation als das dominierende Problem benennt, macht klar, dass eine schnelle Umkehr zu Zinssenkungen, auf die viele kapitalintensive Geschäftsmodelle setzen, nicht ansteht. Dies war keine einmalige Kurskorrektur, sondern der erklärte Beginn eines Kurses, der nach oben offenbleibt.
Der eigentliche Schock steckt im Dot-Plot, nicht im Zinsschritt
Dass Bitcoin und mit ihm der Hashprice den Schritt weggesteckt haben, hat einen einfachen Grund: Er war vollständig eingepreist. Nach den heißen September-Daten hatten die Terminmärkte eine Erhöhung mit fast 90 Prozent Wahrscheinlichkeit erwartet, und ein eingepreistes Ereignis bewegt keine Kurse. „Was mir auffällt, ist, dass Bitcoin auf zwei objektiv schlechte Nachrichten kaum reagiert hat“, sagte Mitchell Askew, Analyst beim Mining-Spezialisten Blockware Intelligence, mit Blick auf Zinsschritt und Regulierung; er wertet das als Zeichen von Verkäufer-Erschöpfung, also einer Marktphase, in der die Verkaufswilligen bereits verkauft haben.
Die eigentliche Neuigkeit war der Dot-Plot. 16 der 18 Projektionen sehen dieses Jahr noch mindestens eine weitere Erhöhung, der Median liegt für Ende 2027 bei gut vier Prozent, und der Dezember ist offen; Warsh selbst gibt bewusst keinen eigenen Punkt ab. Der Markt hat also nicht einen Schritt verdaut, sondern einen ganzen Pfad neu bewertet. Ökonomisch ist das der Unterschied zwischen einer Momentaufnahme und einer Trendlinie. Dass Bitcoin danach sogar wieder leicht zulegte, ändert nichts an der Grundmechanik: Für Miner zählt weniger, wo der Zins heute steht, als wo er die nächsten Jahre stehen dürfte. Und genau diese Erwartung hat sich verschoben.
Warum höher für länger eine vorausschauende Branche am härtesten trifft
Bitcoin-Mining ist ein Geschäft mit langer Duration. Der Umsatz von heute bezahlt Investitionen, die sich über Jahre rechnen müssen: ASIC-Flotten mit mehrjähriger Abschreibung, Stromverträge über ein Jahrzehnt und zunehmend AI-Rechenzentren mit Mietlaufzeiten von 12 bis 20 Jahren. Der Wert solcher künftigen Zahlungsströme hängt entscheidend vom Diskontierungszins ab. Steigt der risikofreie Zins dauerhaft, sinkt der Barwert jedes künftigen Euro, und die Investitionshürde für neue Projekte steigt.
Ein einzelner Schritt von 25 Basispunkten verändert eine solche Barwertrechnung kaum. Ein dauerhaft höherer und flacherer Zinspfad verändert sie erheblich. Anschaulich gesprochen: Ob die Erlöse eines Rechenzentrums bis 2040 mit vier oder mit zwei Prozent abgezinst werden, macht in der Bewertung leicht ein Fünftel aus. Genau diese Verschiebung hat der Dot-Plot signalisiert. Der Hashprice zeigt diese zweite Front nicht an. Er misst den Umsatz je Rechenleistung, nicht die Kosten des Kapitals, das die Rechenleistung überhaupt erst ans Netz bringt. Wer den Hashprice liest, ohne die Finanzierungsseite mitzudenken, sieht nur die halbe Rechnung, und die teurere Hälfte ist gerade unsichtbar teurer geworden.
Die Kapitalkosten-Rechnung: Schulden, Coupons und die AI-Wette
Die zweite Front ist konkret bezifferbar. Der börsennotierte Mining-Sektor hat den Umbau vom reinen Bitcoin-Miner zum AI- und Rechenzentrumsbetreiber weitgehend mit Fremdkapital finanziert. Nach Zahlen von CoinShares summieren sich die angekündigten AI- und HPC-Verträge branchenweit auf über 70 Milliarden US-Dollar; parallel haben Unternehmen wie IREN, TeraWulf und Cipher Milliarden an Wandel- und Unternehmensanleihen begeben, Cipher etwa besicherte Anleihen mit einem Coupon von 7,125 Prozent.
| Miner | AI/HPC-Vertrag (Volumen, Laufzeit) | Fremdkapital (Auswahl) |
|---|---|---|
| Core Scientific | ~10,2 Mrd. USD / 12 J. (CoreWeave) | Wandelanleihen |
| Hut 8 | ~7 Mrd. USD / 15 J., 245 MW (Fluidstack) | – |
| TeraWulf | ~12,8 Mrd. USD kontrahiert | ~5,7 Mrd. USD Gesamtschulden |
| IREN | 9,7 Mrd. USD / 5 J. (Microsoft) | ~3,7 Mrd. USD Wandelanleihen |
| Cipher | AI-Colocation im Aufbau | ~1,7 Mrd. USD Notes (7,125%) |
| Riot | 9,1 bis 16,1 Mrd. USD / 20 J., 191 MW (Anthropic) | Zwischenfinanzierung |
Jeder dieser Bausteine wird in einer Welt dauerhaft höherer Zinsen teurer. Anleihen, die 2027 und 2028 fällig werden, müssen zu höheren Sätzen refinanziert werden. Die milliardenschweren AI-Ausbauten brauchen zusätzliches Fremdkapital, dessen Preis gerade gestiegen ist. Und die Eigenkapitalseite verengt sich: Fällt der Aktienkurs eines Miners, wird das Ausgeben neuer Aktien teurer, und der Aufschlag auf den Nettoinventarwert, der zuletzt viele Bitcoin-lastige Bilanzen stützte, schrumpft. Wie groß der Unterschied zwischen Bar- und Vollkosten ist, zeigt Riot Platforms: Im zweiten Quartal 2026 lagen die reinen Barkosten je Bitcoin bei 49.912 US-Dollar, inklusive Abschreibungen aber bei 90.631 US-Dollar und damit über dem Produktionswert. Die Differenz ist im Kern eine Kapitalkostengröße, und genau die verschiebt sich mit dem Zinsniveau.
Der Terminmarkt hat die höheren Kapitalkosten längst eingepreist
Es gibt einen Ort, an dem die Kapitalkosten der Miner sichtbar werden: den Terminmarkt für Hashprice. Über Forwards von Luxor mit Laufzeiten bis zu zwölf Monaten und über die an der Bitnomial gelisteten Hashrate-Futures können Miner künftige Erlöse heute verkaufen. Der Abschlag, zu dem sie das tun, entspricht einer impliziten Kapitalkostenrate, die zuletzt grob zwischen 6 und 13 Prozent annualisiert lag. Steigt der risikofreie Zins, steigt in aller Regel auch diese implizite Rate.
Der Terminmarkt sendet derzeit ein klares Signal: Die Kurve liegt in Backwardation, die Sechs-Monats-Notierung unter dem Kassawert. Der Markt preist also ein, dass die Erholung des Hashprice nicht hält, sei es, weil die Difficulty aufholt, sei es, weil der Kurs unter dem Druck höherer Zinsen nachgibt. Für einen Miner heißt das konkret: Wer sich heute gegen fallende Erlöse absichern will, etwa indem er die Hälfte seiner Produktion auf sechs Monate verkauft, bekommt dafür weniger als den aktuellen Kassapreis. Dieser Abstand ist ein direkter, marktgehandelter Ausdruck der gestiegenen Kapitalkosten und der Erwartung, dass die zwei Zangenbacken zubeißen.
Das Difficulty-Thermostat zieht von selbst an
Während die Fed auf Kurs und Finanzierung wirkt, arbeitet die zweite Zangenbacke völlig unabhängig von der Geldpolitik: das Difficulty-Thermostat. Alle 2.016 Blöcke, rund alle zwei Wochen, passt das Protokoll die Mining-Schwierigkeit so an, dass die durchschnittliche Blockzeit bei zehn Minuten bleibt. Steigt die Rechenleistung im Netz, steigt die Difficulty, und der Umsatz je Einheit Rechenleistung sinkt, ganz gleich, was die Notenbanken tun.
Genau das passiert gerade. Nachdem die Difficulty im Sommer nahe ihrem Jahrestief lag, stieg sie am 6. September um 1,31 Prozent auf 127,45 Billionen und am 19. September um weitere 4,16 Prozent auf 132,76 Billionen, zwei Erhöhungen in Folge. Damit liegt sie wieder in der Nähe des Anfang-Juli-Niveaus und rund 15 Prozent unter dem Rekord von November 2025. JPMorgan-Analyst Nikolaos Panigirtzoglou hat den Mechanismus einmal so beschrieben: „Wenn Bitcoin unter seinen Produktionskosten notiert, schalten teurere Miner ab, die Hashrate sinkt, und die Difficulty passt sich nach unten an“ (TFTC). Derzeit läuft dieser Satz rückwärts: Der Kurs stieg im August, abgeschaltete Maschinen kehrten zurück, die Hashrate zog an, und die Difficulty passt sich nach oben an. Wie sehr die Hashrate zuletzt stockte, ändert daran wenig: Schon die Rückkehr der Reserveflotte genügt für steigende Difficulty.
Die Zange: das Netz holt zurück, die Fed verteuert die Zukunft
Beide Kräfte zusammen ergeben die Lage nach dem 16. September. Von unten holt sich das Netzwerk automatisch einen Teil des August-Gewinns zurück: Die Difficulty ist in zwei Schritten um zusammen gut fünf Prozent gestiegen. Von außen verteuert die Fed die Zukunft: höhere Kapitalkosten, ein steilerer Refinanzierungsweg, ein niedrigerer Barwert langfristiger Erträge. Der Hashprice, der Ende August fast 39,63 US-Dollar erreichte, ist so auf rund 36 bis 37 US-Dollar zurückgefallen.
| Zeitpunkt | Hashprice (USD/PH/Tag) | Wesentlicher Treiber |
|---|---|---|
| Anfang Januar 2026 | ~37,60 | Nachlauf der Herbst-2025-Rally |
| Ende Juni 2026 | ~27,70 | Mehrjahrestief, Kurs unter Produktionskosten |
| Anfang August 2026 | ~32,10 | erste Erholung |
| Ende August 2026 | ~39,36 | BTC-Rally auf rund 79.000 USD |
| Anfang September 2026 | ~39,63 | Difficulty noch niedrig |
| 19. September 2026 | ~36 bis 37 (rechnerisch) | Kurs zurück, Difficulty +4,16% |
Bemerkenswert ist, dass der in Bitcoin denominierte Hashprice dabei fast unverändert blieb. Das ist die saubere Trennung: Der Rückgang in Dollar spiegelt vor allem den schwächeren Kurs und die höhere Difficulty, nicht einen Zusammenbruch der Netzwerkökonomie. Für einen Miner mit Dollar-Kosten und Dollar-Schulden zählt aber genau die Dollar-Zahl, und die steht nun von zwei Seiten unter Druck.
Der zweite Schlag: das CLARITY-Aus vom 15. September
Askews zwei objektiv schlechte Nachrichten meinten nicht nur die Fed. Einen Tag vor dem Zinsentscheid scheiterte im US-Senat die Verfahrensabstimmung zum CLARITY Act, dem großen Marktstruktur-Gesetz, das die Zuständigkeiten von SEC und CFTC klären sollte, mit 49 zu 50 Stimmen an der nötigen 60-Stimmen-Hürde. Damit fiel kurz vor dem Zinsentscheid ein regulatorischer Rückenwind weg, auf den der Sektor gesetzt hatte. Was das für Entwickler und Protokolle bedeutet, ordnet unser Beitrag zur DeFi-Compliance nach dem CLARITY-Aus ein.
Interessant ist die Marktreaktion. Bitcoin fiel auf das CLARITY-Aus kurz unter 74.887 US-Dollar, fing sich aber schnell. In den Tagen um den Zinsentscheid brachen die Korrelationen zu Aktien, Gold und Dollar auf; Krypto handelte seine eigene Nachrichtenlage statt der klassischen Makro-Signale. Für die Miner ist die Botschaft doppelt: Der monetäre Gegenwind hat einen regulatorischen Zwilling bekommen, und beide treffen zusammen auf eine Branche, die sich gerade erst von einem Mehrjahrestief erholt. Dass die Krypto-ETFs trotz des CLARITY-Aus weiter zugelassen werden, ist einer der wenigen Lichtblicke dieser Woche.
Break-even unter Zinsdruck: welche Maschine noch rechnet
Am Ende entscheidet sich alles an der Gewinnschwelle. Die Faustformel lautet: Break-even-Strompreis (in Dollar je Kilowattstunde) gleich Hashprice geteilt durch 24 mal die Effizienz in Joule je Terahash. Je effizienter die Maschine, desto höher der Strompreis, den sie noch verträgt. Die folgende Tabelle zeigt die Schwellen beim September-Hoch von 39,63 US-Dollar und beim rechnerischen Wert von rund 36 US-Dollar, jeweils in Euro und Dollar (ASIC-Spezifikationen laut Bitmain).
| ASIC (Effizienz) | Break-even bei 39,63 USD (EUR / USD) | Break-even bei ~36 USD (EUR / USD) |
|---|---|---|
| Antminer S23 Hydro (9,5 J/TH) | 0,151 / 0,174 | 0,138 / 0,158 |
| Antminer S21 XP (13,5) | 0,107 / 0,122 | 0,097 / 0,111 |
| Antminer S21 Pro (15) | 0,096 / 0,110 | 0,087 / 0,100 |
| WhatsMiner M60S (18,5) | 0,078 / 0,089 | 0,071 / 0,081 |
| Antminer S19 XP (21,5) | 0,067 / 0,077 | 0,061 / 0,070 |
| Antminer S19j Pro (29,5) | 0,049 / 0,056 | 0,044 / 0,051 |
Der Rückgang um wenige Dollar verschiebt die Schwellen spürbar. Ein hocheffizienter Antminer S23 Hydro (9,5 J/TH) verträgt noch rund 14 Cent je Kilowattstunde, ein betagter S19j Pro (29,5 J/TH) nur noch gut vier. Diese Zahlen erklären, warum die Effizienz der neuen ASIC-Generation zum wichtigsten Wettbewerbsfaktor geworden ist: Bei einem gedrückten Hashprice überlebt nur, wer entweder sehr billigen Strom oder sehr moderne Hardware hat, am besten beides. Nach Schätzung von CoinShares liefen schon bei den Sommertiefs 15 bis 20 Prozent der weltweiten Flotte unter Vollkosten.
Der AI-Ausweg wird teurer, aber auch defensiver
Der Umbau zum AI-Rechenzentrum ist die große Wette der Branche, und höhere Zinsen wirken auf sie zweischneidig. Einerseits verteuern sie den Ausbau, der fast vollständig fremdfinanziert ist. Andererseits ist ein fester, langfristiger AI-Mietvertrag genau in einer Welt höherer Zinsen wertvoll: Er verwandelt volatile Mining-Erlöse in planbare, vertraglich fixierte Einnahmen und macht die Bilanz weniger abhängig vom Bitcoin-Kurs. Wie anspruchsvoll vertrauenswürdiges Rechnen auf fremder GPU-Infrastruktur technisch ist, zeigt unser Blick auf Akash und vertrauliches Rechnen.
MARA-Chef Fred Thiel bringt die strukturelle Verschiebung auf den Punkt: „Bis 2028 wird man entweder selbst Strom erzeugen, einem Stromerzeuger gehören oder mit einem kooperieren“, sagte er; Mining sei „ein Nullsummenspiel, und der Boden ist der eigene Strompreis“ (CoinGeek). Umsatz und Marge je Megawatt sind im AI-Geschäft deutlich höher als im Mining, weshalb jedes Megawatt, das in einen AI-Vertrag wandert, dem Mining entzogen wird. Höhere Zinsen beschleunigen diese Abwägung eher, als sie zu bremsen: Wer teures Kapital einsetzt, will die höhere Rendite. James Butterfill von CoinShares sprach von „einer der herausforderndsten Phasen“ für die Branche und erwartet, dass einige börsennotierte Miner bis Jahresende bis zu 70 Prozent ihres Umsatzes aus AI erzielen, gegenüber rund 30 Prozent heute.
Die transatlantische Zange: EZB, BaFin und deutscher Strom
Für deutsche Leser hat der 16. September eine zweite Dimension. Am selben Tag, an dem die Fed erhöhte, wurde die EZB-Zinserhöhung wirksam: Die Notenbank hatte den Einlagensatz am 10. September einstimmig um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent angehoben, die zweite Erhöhung des Jahres. EZB-Präsidentin Christine Lagarde nannte den Schritt einen „No-Brainer“. Die Kapitalkosten sind also nicht nur in den USA, sondern beiderseits des Atlantiks gestiegen, und zwar am selben Stichtag. Für europäische Miner und für Anleger in Miner-Aktien bedeutet das: Der Refinanzierungsdruck kommt von beiden Zentralbanken zugleich.
Für das Mining in Deutschland verschärft das eine ohnehin schwierige Rechnung. Deutscher Industriestrom zählt zu den teuersten in der EU, je nach Abnahmemenge grob zwischen 13 und über 20 Cent je Kilowattstunde, und der subventionierte Industriestrompreis von rund 5 Cent nimmt Rechenzentren zum Mining ausdrücklich aus. Bei einem Hashprice um 36 US-Dollar liegt selbst die Schwelle für die effizienteste Hydro-Hardware bei rund 14 Cent, für ältere Maschinen weit darunter. Standorte mit Strom unter 6 Cent, wie sie in Teilen der USA oder am Golf üblich sind, sind damit uneinholbar im Vorteil. Regulatorisch bleibt die Lage klar: Die BaFin beaufsichtigt Krypto-Dienstleister wie Verwahrung und Handel, nicht das Mining selbst, das keine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung ist.
Ausblick: der Weg nach Dezember und zur Halbierung 2028
Zwei Uhren laufen für die Miner. Die kurze zeigt auf den Dezember: Bestätigt die Fed ihren Dot-Plot mit einer weiteren Erhöhung, vertieft sich das Regime höher für länger, und der Druck auf Kurs und Kapitalkosten hält an. Panigirtzoglou beziffert die Sensitivität der Difficulty auf den Kurs mit einem Beta von 0,62 und die durchschnittlichen Vollkosten der Produktion auf rund 78.000 US-Dollar, ein Niveau, das der Kurs derzeit knapp unterschreitet. Kurz: Der Hashprice bleibt vor allem eine Wette auf den Bitcoin-Kurs, und die Fed hat diese Wette gerade teurer gemacht.
Die lange Uhr zeigt auf das Frühjahr 2028. Dann halbiert sich die Blocksubvention von 3,125 auf 1,5625 BTC, und das Sicherheitsbudget des Netzes, aktuell grob 11 Milliarden Euro pro Jahr (Hashprice mal Hashrate), halbiert sich bei konstantem Kurs. Wer diese Klippe überstehen will, muss die Jahre bis dahin zu tragbaren Kapitalkosten überbrücken. Genau deshalb ist der Zinspfad für die Branche wichtiger als jeder einzelne Schritt. Am besten aufgestellt sind Betreiber, die vier Dinge zugleich haben:
- sehr effiziente, moderne Hardware unter etwa 15 Joule je Terahash;
- Strom deutlich unter 6 Cent je Kilowattstunde oder eigene Erzeugung;
- eine niedrige Verschuldung mit weit entfernten Fälligkeiten;
- echte, vertraglich gesicherte AI-Erlöse statt bloßer Ankündigungen.
Wer nur einen dieser Punkte erfüllt, kann eine Rally überstehen; wer keinen erfüllt, gehört zu jener Gruppe, die schon bei den Sommertiefs unter Vollkosten lief. Der 16. September hat den Abstand zwischen beiden Gruppen nicht über den Hashprice vergrößert, den er kaum berührte, sondern über die Zahl, die im Hashprice nicht steht: den Preis des Geldes.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Hashprice und wie wird er berechnet?
Der Hashprice ist der erwartete Tagesumsatz eines Miners je Einheit Rechenleistung, üblicherweise in US-Dollar je Petahash pro Sekunde und Tag angegeben. Er ergibt sich aus rund 144 Blöcken pro Tag, multipliziert mit Blocksubvention plus Gebühren und dem Bitcoin-Kurs, geteilt durch die Netzwerk-Hashrate. Steigt der Kurs oder sinkt die Difficulty, steigt der Hashprice; steigt die Difficulty, fällt er.
Wie hat sich der Fed-Zinsschritt vom 16. September auf den Hashprice ausgewirkt?
Kaum direkt und sofort, weil der Schritt eingepreist war. Der Bitcoin-Kurs hielt sich über 75.000 US-Dollar, und der Hashprice bewegte sich nur wenig. Die Wirkung läuft mittelbar: über den Kurs, über die höheren Kapitalkosten der stark verschuldeten Miner und über den Zinspfad, den der Dot-Plot vorgibt.
Warum ist der Dot-Plot wichtiger als die einzelne Zinserhöhung?
Weil das Mining-Geschäft in der Zukunft liegt: lange AI-Mietverträge, Anleihefälligkeiten 2027 und 2028 sowie die Halbierung 2028. Ein einzelner Schritt bewegt eine Barwertrechnung kaum, ein dauerhaft höherer Zinspfad hingegen verteuert jede künftige Refinanzierung und drückt den Barwert langfristiger Erträge. 16 von 18 Fed-Mitgliedern erwarten weitere Erhöhungen.
Warum steigt die Difficulty, obwohl der Hashprice unter Druck steht?
Weil die Difficulty rein auf die Rechenleistung im Netz reagiert, nicht auf die Rentabilität. Als der Kurs im August stieg, kehrten abgeschaltete Maschinen zurück, und die Hashrate zog an. Das Netzwerk korrigierte das mit zwei Erhöhungen in Folge: plus 1,31 Prozent am 6. September und plus 4,16 Prozent am 19. September. So holt sich das Netz einen Teil des Umsatzgewinns automatisch zurück.
Lohnt sich Bitcoin-Mining in Deutschland bei diesen Zinsen und Strompreisen?
Für die meisten Betreiber nicht. Bei einem Hashprice um 36 US-Dollar liegt die Gewinnschwelle selbst für hocheffiziente Hydro-Maschinen bei rund 14 Cent je Kilowattstunde, während deutscher Industriestrom je nach Abnahmemenge zwischen etwa 13 und über 20 Cent kostet und der subventionierte Industriestrompreis Miner ausdrücklich ausnimmt. Die BaFin reguliert zudem Krypto-Dienstleister, nicht das Mining selbst.
Von Yuki Tanaka, Redaktion Mining und Staking, HOGE Wire.