Akash wählt Solana: Prop 346 und die Zukunft von AKT
Akash hat Solana als neue Heimat gewählt, die Abstimmung über Prop 346 läuft. Was der Wechsel weg von Cosmos für AKT-Halter, Staker und GPU-Mieter bedeutet.
Akash Network hat die größte Architekturentscheidung seiner Geschichte getroffen. Am 26. Oktober 2026 erklärte das Kernteam des dezentralen GPU-Marktplatzes, dass die künftige Heimat des Protokolls Solana heißt. Parallel dazu läuft die Governance-Abstimmung Prop 346, die den Umzug förmlich beschließen soll, und sie läuft eindeutig: Stand 27. Oktober lag die Zustimmung bei rund 98 Prozent. Für ein Projekt, das fünf Jahre lang eine eigene Blockchain auf Basis des Cosmos-SDK betrieben hat, ist das ein Bruch mit der eigenen Vergangenheit.
Die Nachricht ist für Anleger und Nutzer gleichermaßen relevant, weil sie an drei Stellen gleichzeitig ansetzt: an der technischen Basis (die Chain selbst), am Token (AKT wird zu einem SPL-Token auf Solana) und am ökonomischen Kern von AKT (das Staking-Modell, das die Chain bisher abgesichert hat). Dieser Beitrag ordnet ein, was wirklich beschlossen wurde, warum das Team ausgerechnet Solana gewählt hat, was mit AKT, Stakern und GPU-Mietern passiert, und wo die offenen Fragen liegen, die der Kurs bisher nur zum Teil einpreist.
Worum es bei Akash überhaupt geht
Akash ist ein offener Marktplatz für Rechenleistung. Wer eine GPU braucht, etwa eine Nvidia H100 oder A100 für KI-Inferenz, schreibt in einer sogenannten SDL-Datei auf, was er mieten will; unabhängige Anbieter bieten darauf in einer umgekehrten Auktion, und der Mieter wählt ein Angebot aus (nicht zwingend das billigste). Das Resultat ist eine Art Supercloud, die GPU-Zeit oft deutlich günstiger anbietet als die großen Hyperscaler. Die Erlöse sind klein, aber real: Nach den Zahlen von Messari war 2025 ein Wachstumsjahr, und das dritte Quartal 2026 brachte nach einem Jahr Schrumpfung endlich eine Erholung, die wir im Q3-Rückblick auf Akash ausführlich eingeordnet haben.
Bislang lief all das auf einer eigenen, souveränen Blockchain (akashnet-2). Diese Chain führt im Grunde das Kassenbuch des Marktplatzes: Sie hält die Leases fest, verwaltet die Treuhand-Einlagen (Escrow) und wickelt die Abrechnung ab. Eine eigene Layer-1 zu betreiben kostet aber Geld und Mühe, denn sie muss abgesichert werden. Bei Akash geschieht das über rund 100 Validatoren, die AKT binden (bonden), um den Konsens zu sichern. Genau dieses Modell, bei dem ein App-spezifisches Projekt eine vollständige eigene Basisschicht unterhält, steht seit Jahren in der Kritik, weil es Kapital bindet, das anderswo mehr Nutzen stiften könnte. Der Gegenentwurf, eine schlanke Anwendung auf einer gemeinsam genutzten, stark abgesicherten Kette laufen zu lassen, ist derselbe Gedanke, der auch hinter modernen Rollup-Designs steht, etwa bei Citrea, das seine Sicherheit von Bitcoin bezieht statt eine eigene zu erzeugen.
Der Abschied von Cosmos kam nicht über Nacht. Schon im Oktober 2025 hatte Gründer Greg Osuri angekündigt, die eigene Cosmos-Kette aufzugeben und eine Chain mit geteilter Sicherheit (Shared Security) zu suchen; The Block berichtete damals über den Startschuss. Beschleunigt wurde der Bruch durch eine Lizenzänderung: Im April 2026 stellte das Cosmos-Lager die Lizenz eines zentralen Softwarebausteins um, was die kommerzielle Nutzung erschwerte. Osuri nannte den Schritt auf X feindlich. Die Suche nach einer neuen Heimat war damit mehr als eine technische Fingerübung.
Prop 346: die Abstimmung im Detail
Formell beschlossen wird der Umzug über die Governance-Vorlage Prop 346 mit dem Titel „Migrate the Akash Protocol to Solana“. Die Abstimmung öffnete am 26. Oktober 2026 um 15:02 UTC und schließt am 2. November 2026 um 15:02 UTC, läuft also sieben Tage. Damit ein Beschluss zustande kommt, müssen mindestens 33,4 Prozent des gebondeten AKT teilnehmen (Quorum) und eine einfache Mehrheit mit Ja stimmen. Beide Hürden waren früh genommen: Nach Daten von Solana Compass standen am Abend des 26. Oktober rund 37,7 Millionen AKT dafür und nur etwa 0,66 Millionen dagegen, bei einer Beteiligung um 43 Prozent.
Gründer Greg Osuri erklärte noch am selben Abend auf X, die Community habe die Vorlage „in Rekordzeit“ angenommen und der Schritt sei „jetzt offiziell“, auch wenn eine kleine Chance bleibe, dass Stimmen bis zum Ende noch kippen. Der offizielle Akash-Account rahmte die Entscheidung bewusst als Sache der Token-Halter: Das Kernteam halte Solana für das nächste Kapitel, dort gedeihe die DePIN-Bewegung, aber es sei „euer Netzwerk, also entscheidet ihr“. Wichtig für die Einordnung: Prop 346 beschließt zunächst nur den Token-Teil. Der eigentliche Umzug des Marktplatzes folgt erst über eine zweite, spätere Abstimmung (Cutover), nachdem weitere Audits und Proben durchlaufen sind. Die folgende Tabelle fasst die Eckdaten zusammen.
| Merkmal | Detail (Stand 27. Oktober 2026) |
|---|---|
| Abstimmung geöffnet | 26. Oktober 2026, 15:02 UTC |
| Abstimmung schließt | 2. November 2026, 15:02 UTC (7 Tage) |
| Quorum | 33,4 % des gebondeten AKT (bereits erreicht) |
| Zustimmung | rund 98 % (ca. 37,7 Mio. AKT dafür, ca. 0,66 Mio. dagegen) |
| Beteiligung | etwa 43 % |
| Ergebnis bei Annahme | Start von AKT als SPL-Token auf Solana, 1:1 |
| Marktplatz-Umzug | separate spätere Abstimmung (Cutover) |
Warum Solana? Die vier Gründe des Kernteams
Im offiziellen Blogbeitrag „Why We Selected Solana for Akash“ nennt das Team vier Gründe, und sie sind vor allem ökonomisch. Erstens die Kostenseite: „Akash zahlt nicht länger für eine Chain, die es nicht nutzt“, heißt es dort. Eine eigene Kette samt Validatoren-Set kostet dauerhaft, obwohl der Marktplatz selbst nur rund 15.000 Transaktionen pro Tag erzeugt. Zweitens die Skalierbarkeit: Eine typische Solana-Transaktion kostet laut Blog etwa 0,001 US-Dollar, Akashs 15.000 Transaktionen pro Tag seien daher ein „Rundungsfehler“. Die Netzgebühren für den gesamten Marktplatz beziffert das Team auf etwa 0,075 SOL pro Tag, bei einem SOL-Kurs um 90 Euro also wenige Euro täglich.
Drittens das Ökosystem: Auf Solana wickeln bereits Helium, Render, io.net, Hivemapper und Nosana ihre Abrechnung ab, also der harte Kern der DePIN-Szene (Decentralized Physical Infrastructure). Akash rückt damit näher an direkte Wettbewerber und potenzielle Partner. Viertens Liquidität und Nutzer: Solana rangiere beim wöchentlichen DEX-Volumen vorne, halte rund 15 Milliarden US-Dollar an Stablecoins und zähle etwa 2,2 Millionen tägliche Gebührenzahler. Die Hoffnung dahinter ist, dass AKT als Teil eines größeren, liquiden Ökosystems leichter handelbar und sichtbarer wird. Dass die Entscheidung kein Selbstläufer war, zeigt die Prüfliste: Das Team bewertete sieben Optionen, bevor es Solana den Vorzug gab.
| Geprüfte Option | Bewertung des Teams |
|---|---|
| Solana Mainnet | gewählt: geringste Kosten, DePIN-Ökosystem, Liquidität |
| Bestehender EVM-Layer-2 | Zweitplatzierter, Rückfalloption |
| Eigener Arbitrum-Orbit-Rollup | geprüft, verworfen |
| Ethereum Mainnet | geprüft, verworfen |
| SVM-Layer-2 (Eclipse-Modell) | geprüft, verworfen |
| Cosmos Shared Security | geprüft, verworfen |
| Status quo (akashnet-2 behalten) | geprüft, verworfen |
Bemerkenswert ist, dass das Team auch benannt hat, unter welchen Bedingungen die Wahl doch auf eine EVM-Lösung gefallen wäre: wenn Börsen, die 80 Prozent des AKT-Handelsvolumens abdecken, den Token-2022-Standard ablehnten; wenn Solanas kommendes Alpenglow-Upgrade instabil würde; wenn zwei oder mehr der fünf größten Handelsplätze EVM gegenüber Solana bevorzugten; oder wenn die Anbieter-Software mehr als 50 Prozent zusätzlichen Aufwand erfordert hätte. Keine dieser Bedingungen trat ein. Das ist der Unterschied zwischen einer Glaubensentscheidung und einer mit Abbruchkriterien hinterlegten Wahl.
Shared Security: das Ende des AKT-Staking-Sinks
Hinter dem technischen Begriff Shared Security steckt der eigentlich spannende Teil der Geschichte, und er betrifft AKT direkt. Heute binden rund 100 Validatoren AKT, nur um den Konsens der eigenen Kette abzusichern. Dieses gebundene Kapital ist der klassische „Staking-Sink“: ein Grund, AKT zu halten und zu sperren, der nichts mit der Nachfrage nach GPUs zu tun hat, sondern allein mit der Sicherheit der Blockchain. Auf Solana entfällt dieser Posten. Jedes Programm erbt die Sicherheit vom Validatoren-Set der Kette, ohne eigenes Bonding, ohne Slot-Auktion und ohne dass Akash selbst SOL staken müsste. Sicherheit wird damit vom Dauer-Fixkostenblock zu einer nutzungsabhängigen Gebühr, dem oben genannten SOL-Betrag pro Tag.
Das ist das Kapitaleffizienz-Argument, das die formelle Vorlage AEP-79 „Akash on Shared Security“ seit Dezember 2025 vorträgt. Aus Sicht des Protokolls ist es überzeugend: Warum teures Eigenkapital in einem Validatoren-Set einfrieren, wenn man Sicherheit pro Nutzung einkaufen kann? Die Kehrseite betrifft die Token-Ökonomie. Fällt der Sicherungsbedarf weg, verschwindet auch einer der wenigen strukturellen Gründe, AKT zu sperren. Wer den Vergleich zu Ethereum sucht, findet ihn in der Debatte um die Rendite gebundener Einsätze; wir haben die Mechanik am Beispiel des Ethereum-Solo-Stakings beschrieben, wo das Binden von Kapital durch Protokollerträge entlohnt wird. Bei Akash soll das Staking laut Team nicht einfach verschwinden, sondern sich „in etwas Besseres“ verwandeln. Nur: Wie dieses neue Modell aussieht, ist noch nicht veröffentlicht. Die Details sollen erst vor dem Cutover feststehen. Für Staker ist das die wichtigste offene Frage der gesamten Migration.
Technisch bedeutet das: Statt eines eigenen Sets von rund 100 Validatoren stützt sich Akash künftig auf Solanas Validatoren, von denen das Netzwerk je nach Zählung rund 770 bis 800 betreibt. Die Sicherheit, die Akash bisher selbst erzeugen und bezahlen musste, wird eingekauft wie Strom aus dem Netz. Der Preis dafür ist ein Stück Souveränität: Akash bestimmt die Regeln seiner Basisschicht nicht mehr allein und teilt sich den Blockraum mit allen anderen Solana-Anwendungen. Für einen Marktplatz, dessen Wertversprechen die günstige Rechenleistung ist und nicht die eigene Kette, ist dieser Tausch aber vertretbar.
Praktisch heißt das schon jetzt: Wer AKT aktuell gestaked hat, muss die Token zuerst entbonden, bevor sie migrationsfähig sind. Die Entbondungsfrist beträgt wie gewohnt 21 Tage. Wer also an der Migration teilnehmen will, sollte den Fahrplan und die Fristen im Blick behalten, statt bis zur letzten Minute zu warten.
Was aus AKT wird: 1:1 als SPL-Token
Für normale Halter ist die wichtigste Nachricht beruhigend: Die Umstellung ändert nichts an der Menge. Laut offiziellem Blog kommt jedes Token „1:1 als SPL AKT“ an, behält seinen Ticker und seine sechs Dezimalstellen, und die Gesamtmenge bleibt unverändert. SPL (Solana Program Library) ist schlicht das Standard-Token-Format auf Solana, vergleichbar mit ERC-20 auf Ethereum. Der Umtausch läuft über ein Migrationsportal, das erst öffnet, nachdem zwei unabhängige Audits bestanden sind, und das danach zwei Jahre lang geöffnet bleibt. Die Reihenfolge laut Blog: „AKT bewegt sich zuerst“, also noch vor dem Marktplatz.
Technisch ist das Portal als Einbahnstraße gebaut: Alt-AKT fließt hinein, SPL-AKT kommt heraus, zurück geht es nicht. Gegen Missbrauch sichern laut Solana Compass mehrere Mechanismen ab: Obergrenzen für die Prägung je Epoche (per-epoch mint caps) und ein automatischer Stopp, sobald die Mengen auf beiden Seiten nicht mehr zusammenpassen. Praktisch angenehm ist ein Fee-Payer-Relayer, der die Solana-Transaktionsgebühren für die Nutzer übernimmt. Das bedeutet: Für die reine Migration muss niemand vorab SOL kaufen oder halten. Zwei Punkte bleiben laut den Unterlagen ausdrücklich offen, nämlich die Behandlung noch nicht freigeschalteter (unvested) AKT und die Frage, was mit Token geschieht, die nach Ablauf der zwei Jahre nicht migriert wurden. Beides ist „noch nicht final geklärt“.
Für Halter auf einer Börse dürfte der Umtausch weitgehend unsichtbar ablaufen: Erfahrungsgemäß schreiben große Handelsplätze ihren Kunden den neuen Token nach einer solchen Umstellung automatisch gut, sofern sie den Standard unterstützen. Genau an diesem Punkt lag eine der Abbruchbedingungen des Teams, denn hätten Börsen mit dem Gros des AKT-Volumens den Token-Standard auf Solana abgelehnt, wäre die Wahl auf eine EVM-Kette gefallen. Wer seine Token dagegen selbst verwahrt, muss das Migrationsportal aktiv nutzen. In beiden Fällen gilt: Nur die offiziell über Akash-Kanäle angekündigte Adresse ist die echte, alles andere sollte man als Betrugsversuch behandeln.
Der Fahrplan: von Prop 346 bis zum Cutover
Ein Chain-Wechsel ist kein Schalter, den man umlegt. Akash hat deshalb einen mehrstufigen Fahrplan veröffentlicht, der Token-Umzug und Marktplatz-Umzug bewusst trennt und mit Audits, einem Testnetz und einer Generalprobe absichert. Die wichtigsten Etappen in der Reihenfolge:
- Prop 346 schließt am 2. November 2026; die Audits laufen an.
- SPL-AKT startet, rund zwei Wochen nach Annahme und erst, wenn zwei unabhängige Audits bestanden sind.
- Anbieter-Testnetz: mindestens sechs Wochen mit 25 oder mehr Betreibern.
- Zwei weitere Audit-Runden plus ein ökonomisches Review und ein öffentlicher Audit-Wettbewerb für den Marktplatz.
- Eine 14-tägige Generalprobe mit der Community (Dress Rehearsal).
- Eine separate Cutover-Abstimmung legt den Umzug des Marktplatzes fest.
- Nach dem Cutover: 90 Tage Auslauf für bestehende Leases; die alte Cosmos-Kette hält rund 13 Wochen nach dem Cutover an.
- Eine zwölfmonatige Einlaufphase (Burn-in), danach eine Abstimmung über die Unveränderlichkeit (Immutability).
Die Roadmap AEP-79 nennt als Zielmarke den 30. Dezember 2026. Realistisch betrifft dieses Datum vor allem den Token-Teil und den Start der Umstellung. Der vollständige Umzug des Marktplatzes samt Auslaufphase, Generalprobe und Einlaufzeit zieht sich dem Fahrplan nach bis ins Jahr 2027. Wer also auf einen harten Stichtag wartet, an dem Akash „fertig“ auf Solana ist, sollte eher in Phasen denken als in einem einzigen Termin. Für Mieter und Anbieter ändert sich bis zum Cutover im Tagesgeschäft nichts: Der Marktplatz läuft zunächst weiter auf der alten Kette.
Und was heißt das alles für jemanden, der schlicht eine GPU mieten will? Kurzfristig nichts. Deploys laufen weiter über die Akash Console und die gewohnte SDL-Datei, Leases und Escrow bleiben unverändert. Mittelfristig verspricht Solana schnellere und billigere Abrechnung, was vor allem bei vielen kleinen, kurzlebigen Deployments spürbar werden könnte. Praktisch interessant ist zudem, dass Mieter die Treuhand-Einlage schon heute in USDC oder per IBC-Token hinterlegen können und damit nicht zwingend AKT halten müssen, um Rechenleistung zu beziehen. Die Nachfrage nach GPUs und die Nachfrage nach dem Token sind also schon jetzt stärker entkoppelt, als es auf den ersten Blick wirkt.
Steht ein echtes Geschäft hinter dem Umzug?
Ein Chain-Wechsel ist nur so viel wert wie das Geschäft, das darauf läuft. Hier hat sich die Lage zuletzt tatsächlich verbessert. Nach dem von Messari veröffentlichten Bericht zum dritten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 73 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf rund 304.000 US-Dollar (etwa 271.000 Euro), die verfügbare GPU-Kapazität legte um 8,5 Prozent auf 420 Einheiten zu, und die Auslastung kletterte relativ um 42 Prozent. Das ist die erste Erholung nach einem Jahr Schrumpfung. Zur Erinnerung: Im ersten Quartal 2026 war die Lage düster gewesen, mit 58 aktiven Anbietern, einem Einbruch der verfügbaren GPUs um 57,5 Prozent auf 334 Stück und einem Lease-Umsatz von nur 253.250 US-Dollar (Messari Q1 2026).
Man muss diese Zahlen aber in die richtige Größenordnung setzen. Der zentralisierte Vergleichsmaßstab CoreWeave meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von rund 2,58 Milliarden US-Dollar und einen Auftragsbestand von etwa 104 Milliarden US-Dollar (CNBC). Akashs gesamter Quartalsumsatz entspricht damit weniger als dem, was CoreWeave in wenigen Minuten verbucht. Der Wachstumstreiber bei Akash ist zuletzt weniger das klassische GPU-Vermieten als die Inferenz-Schicht: AkashML, Akash Chat und die Agenten-Plattform hosten offene Modelle und zählen namhafte Nutzer, darunter das KI-Agenten-Framework ElizaOS, dessen Weg nach dem Einbruch des eigenen Tokens wir in dieser Analyse nachgezeichnet haben. Genau diese Trennung von realer Nutzung und Token-Wert ist auch bei Akash das eigentliche Thema.
Fängt AKT den Wert? BME, Inflation und ein Transparenzloch
Hier wird der Umzug zur zweischneidigen Sache. Die Wertabschöpfung von AKT läuft seit März 2026 über das Modell Burn Mint Equilibrium (BME, aktiviert mit Mainnet 17). Vereinfacht: Ein Mieter verbrennt AKT, um ein auf US-Dollar lautendes Abrechnungsguthaben zu erhalten; der Anbieter bekommt am Ende AKT zum dann gültigen Kurs ausgezahlt. Entscheidend ist, dass dabei netto fast nichts dauerhaft vernichtet wird. Eine echte, bleibende Verknappung entsteht nur, wenn AKT zwischen dem Verbrennen und der Auszahlung im Kurs steigt. Es ist, zugespitzt, ein Burn, der kaum brennt.
Die Analystin Zoha Imdad Ali kritisierte bei TECHi genau diesen Punkt: Akash betreibe reale KI-Rechenlast, aber das Protokoll weise bis heute nicht aus, wie viel AKT die Burn-Seite tatsächlich aus dem Umlauf nehme. Ohne diese Zahl lässt sich der angeblich deflationäre Effekt schlicht nicht prüfen. Dazu kommt die Angebotsseite: Die Inflation ist per Proposal 283 auf maximal acht Prozent pro Jahr gedeckelt, doch rund die Hälfte der Neuausgabe fließt in den Community-Pool statt an die Staker, weshalb die reale Staking-Rendite seit Längerem negativ ist (Akash Tokenomics).
Und hier schließt sich der Kreis zur Migration. Shared Security macht das Netz kapitaleffizienter, entfernt aber zugleich den letzten großen strukturellen Grund, AKT zu sperren. Das Token verliert damit potenziell eine Nachfragequelle, während die neue, bessere Staking-Mechanik erst noch definiert werden muss. Positiv gewendet: Der Umzug auf eine liquide Kette könnte den Zugang erleichtern und AKT in ein aktives DePIN-Ökosystem einbetten. Nüchtern betrachtet bleibt die Kernfrage dieselbe wie vor der Migration. Die Rechenleistung ist real und wächst wieder; ob AKT diesen Wert einfängt, ist offen. Der Chain-Wechsel beantwortet diese Frage nicht, er stellt sie nur neu.
Der Markt: große Nachricht, rotes Wochenchart
Man könnte erwarten, dass die größte Architekturnachricht in Akashs Geschichte den Kurs beflügelt. Das Gegenteil ist der Fall. Stand 27. Oktober 2026 notiert AKT laut CoinGecko bei etwa 0,68 US-Dollar (rund 0,61 Euro), was einer Marktkapitalisierung von gut 203 Millionen US-Dollar entspricht. Auf Sieben-Tage-Sicht liegt der Token 7,6 Prozent im Minus, und er steht weiterhin rund 91 Prozent unter seinem Allzeithoch von 8,07 US-Dollar aus dem April 2021. Entscheidend ist der Blick auf den ganzen Sektor: Auch RENDER, io.net und Nosana sind auf Wochensicht deutlich rot. Wenn der komplette KI-Compute-Korb gemeinsam fällt, ist das ein starkes Indiz, dass hier Sektor-Beta und Makro am Werk sind, nicht Akash-spezifische Fundamentaldaten. Die Solana-Nachricht war offenbar zu einem guten Teil bereits eingepreist, ein klassisches „Sell the News“.
| Token | Kurs (USD / EUR) | Marktkap. | 7 Tage | Kette |
|---|---|---|---|---|
| AKT (Akash) | 0,68 / 0,61 | ~203 Mio. USD | -7,6 % | Cosmos, Solana geplant |
| RENDER | 1,69 / 1,51 | ~873 Mio. USD | -11,2 % | Solana |
| IO (io.net) | 0,15 / 0,14 | ~62 Mio. USD | -9,0 % | Solana |
| NOS (Nosana) | 0,44 / 0,39 | ~44 Mio. USD | -17,4 % | Solana |
Dabei hatte AKT durchaus einen Lauf hinter sich. Von den Tiefstständen um 0,50 US-Dollar Mitte September kletterte der Kurs bis Anfang Oktober auf rund 0,78 US-Dollar, getragen von einer breiten Rotation in KI-Compute-Token, bevor die aktuelle Korrektur einsetzte. Genau dieses Muster, gemeinsamer Anstieg und gemeinsamer Rückgang des gesamten Sektors, ist das stärkste Argument dafür, dass AKT derzeit eher als Beta auf das KI-Thema gehandelt wird als auf Basis der eigenen Zahlen. Die Solana-Entscheidung ändert daran kurzfristig wenig; sie ist ein fundamentaler Treiber in einem von Stimmung getriebenen Markt.
Akash zieht dorthin, wo die DePIN-Konkurrenz schon sitzt
Die Ökosystem-Begründung des Teams ist keine Marketingfloskel. Mit io.net und Nosana rechnen zwei der direktesten GPU-Konkurrenten bereits auf Solana ab, ebenso Render, Helium und Hivemapper. Akash wandert also nicht in eine fremde Gegend, sondern genau dorthin, wo sich die dezentrale Infrastruktur-Szene inzwischen versammelt. Das hat Vor- und Nachteile: mehr gemeinsame Liquidität und Nutzer auf der einen Seite, ein härterer Nachbarschaftswettbewerb auf der anderen. Die folgende Tabelle zeigt, wie unterschiedlich diese Netzwerke trotz gemeinsamer Kette aufgestellt sind.
| Netzwerk | Fokus | Token-Modell | Kette |
|---|---|---|---|
| Akash | Allzweck-GPU-Marktplatz, umgekehrte Auktion | BME (Burn-Mint) | Cosmos, Solana geplant |
| io.net | GPU-Orchestrierung und Cluster | IDE, Burn an Umsatz gekoppelt | Solana |
| Render | GPU-Rendering und KI (OTOY) | BME (Burn-Mint) | Solana |
| Nosana | KI-Inferenz, kostengünstig | feste Menge | Solana |
| CoreWeave | zentralisierte KI-Cloud | kein Token (Nasdaq: CRWV) | entfällt |
Die eigentliche Konkurrenz steht ohnehin nicht in dieser Tabelle, sondern an der Börse. CoreWeave-Chef Michael Intrator hat die Lage in einer Telefonkonferenz auf den Punkt gebracht (via CNBC): Der Engpass in der KI sei nicht mehr, ob Unternehmen und Labore Kapazität einsetzen wollten, sondern wie schnell leistungsstarke, zuverlässige Cloud-Kapazität geliefert werden könne. Genau dieser Nachfrageüberhang ist die Chance der dezentralen Netze. Sie können ungenutzte GPUs einsammeln, die sonst brachliegen. Ob das reicht, um gegen zweistellige Milliarden-Capex anzukommen, ist die offene Wette des gesamten Sektors.
Im Rücken hat der ganze Sektor einen handfesten Trend: Rechenzentren brauchen laut Branchenprognosen von Jahr zu Jahr deutlich mehr Strom, und immer mehr Bitcoin-Miner schichten ihre Megawatt von der Münzprägung auf KI-Rechenlast um. Energie und Fläche werden zum eigentlichen Engpass. Dezentrale Netze wie Akash argumentieren, dass sie genau hier ansetzen, indem sie verstreute, ohnehin vorhandene GPU-Kapazität einsammeln, statt neue Rechenzentren aus dem Boden zu stampfen. Ob dieses Einsammeln schnell genug skaliert, um mehr als eine Nische neben den kapitalstarken Hyperscalern zu bleiben, ist die eigentliche Bewährungsprobe der kommenden Quartale.
Risiken und offene Fragen
So überzeugend die Logik ist, der Umzug ist ein Großprojekt mit mehreren Bruchstellen. Erstens das Ausführungsrisiko: Zwischen Prop 346 und dem endgültigen Cutover liegen Token-Launch, ein sechswöchiges Anbieter-Testnetz, mehrere Audit-Runden, ein öffentlicher Audit-Wettbewerb und eine 14-tägige Generalprobe. Jede dieser Etappen kann sich verschieben, und Akashs Roadmap hat in der Vergangenheit Termine verfehlt. Ein Zeitplan bis Ende Dezember 2026 ist ambitioniert.
Zweitens die Abhängigkeit von einer fremden Kette. Mit dem Wegfall der eigenen Souveränität hängt Akashs Marktplatz künftig an Solanas Verfügbarkeit. Solana hat in der Vergangenheit Netzausfälle erlebt, und das anstehende Alpenglow-Upgrade muss stabil laufen, immerhin war genau dessen Zuverlässigkeit eine der Bedingungen, unter denen Akash doch zu EVM gewechselt wäre. Drittens die ungelöste Staking-Frage: Das neue Modell, das den alten Sicherungsmechanismus ersetzen soll, ist noch nicht veröffentlicht. Viertens die ausdrücklich offenen Punkte rund um unvested AKT und nicht migrierte Token nach zwei Jahren. Und fünftens: Die Abstimmung ist bis zum 2. November formal nicht abgeschlossen, selbst wenn das Ergebnis bei rund 98 Prozent kaum noch kippen dürfte. Wer AKT hält, sollte die offizielle Kommunikation abwarten und sich vor gefälschten Migrations-Portalen in Acht nehmen, die bei solchen Umstellungen erfahrungsgemäß auftauchen.
Hinzu kommt eine Ironie, die man bei aller Zustimmung nicht übersehen sollte. Eine Beteiligung um 43 Prozent bedeutet, dass die Mehrheit des AKT gar nicht abgestimmt hat, und die rund 98 Prozent Zustimmung speisen sich aus vergleichsweise wenigen, dafür großen Stimmgewichten. Ein Projekt, das Dezentralisierung verkauft, entscheidet seine wichtigste Weichenstellung also über eine recht konzentrierte Wählerschaft. Das ist bei On-Chain-Governance eher die Regel als die Ausnahme, aber es relativiert das Bild einer breiten Basisbewegung, das die 98-Prozent-Zahl auf den ersten Blick vermittelt.
Einordnung für deutsche Anleger: BaFin, MiCA und Steuer
Für Anleger im deutschsprachigen Raum ändert der Chain-Wechsel an der regulatorischen Einordnung von AKT wenig. AKT liest sich als Utility-Token, der eine Infrastruktur-Dienstleistung bezahlt, und steht damit am Rand des MiCA-Kerns, der auf wertreferenzierte Token (ART), E-Geld-Token (EMT) und Krypto-Dienstleister (CASP) zielt. BaFin und MiCA regulieren Handelsplätze, Verwahrer und Emittenten, nicht das Protokoll selbst; das steht so im einschlägigen BaFin-Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen. Ob AKT ein Token oder ein Wertpapier ist, bleibt vor allem in den USA ein Streitthema, das wir anhand des SEC-Streits um Airdrops und Safe Harbor eingeordnet haben. Eine Besonderheit am Rande: Akashs Hardware-Finanzierungsinstrument Starbonds ist, anders als AKT, in den USA ausdrücklich als reguliertes Wertpapier ausgestaltet. Beides darf man nicht verwechseln.
Steuerlich ist der interessanteste Punkt die Migration selbst. In Deutschland gilt für privat gehaltene Kryptowerte die einjährige Haltefrist, nach der ein Verkauf steuerfrei ist. Die Frage, die der Umzug aufwirft: Ist das Umtauschen von Alt-AKT in SPL-AKT (1:1, gleicher Ticker, gleiche Menge) steuerlich eine Veräußerung, die eine neue Haltefrist auslöst, oder ein reiner technischer Vorgang ohne Tauschcharakter? Dafür gibt es bislang keine gefestigte Linie, und die Antwort kann je nach Ausgestaltung des Portals unterschiedlich ausfallen. Wer größere Bestände migriert, sollte den Vorgang sauber dokumentieren (Zeitpunkt, Mengen, ursprüngliches Anschaffungsdatum) und im Zweifel steuerlichen Rat einholen, statt die Frage auf die Steuererklärung zu verschieben. Das ist keine Steuerberatung, sondern ein Hinweis auf eine echte Grauzone.
Fazit: strategisch schlüssig, die Token-Frage bleibt
Der Wechsel auf Solana ist für Akash strategisch nachvollziehbar. Er senkt die Fixkosten der eigenen Kette, bettet das Protokoll in das aktivste DePIN-Ökosystem ein und beseitigt einen jahrelangen Kritikpunkt am App-Chain-Modell. Die Abstimmung ist bei rund 98 Prozent Zustimmung praktisch eine Formsache. Doch die große Frage für AKT verschiebt sich nur, sie verschwindet nicht. Die Rechenleistung ist real und wächst nach dem Q3-Rebound wieder, aber ob der Token diesen Wert einfängt, hängt an Dingen, die noch nicht feststehen: am neuen Staking-Modell, an mehr Transparenz beim tatsächlichen Netto-Burn und daran, ob Solanas Liquidität die Nachfrage nach AKT wirklich hebt. Die nächsten Wegmarken sind klar umrissen, die Cutover-Abstimmung, der SPL-Launch und die versprochene neue Staking-Spezifikation. An ihnen wird sich zeigen, ob der Umzug mehr war als ein Wohnortwechsel.
Frequently Asked Questions
Warum wechselt Akash Network von Cosmos zu Solana?
Das Kernteam will die Kosten der eigenen Kette loswerden: Statt rund 100 Validatoren mit gebondetem AKT abzusichern, bezieht Akash die Sicherheit künftig von Solana und zahlt nur noch nutzungsabhängige Gebühren von etwa 0,075 SOL pro Tag. Dazu kommen die Nähe zum DePIN-Ökosystem mit io.net, Nosana und Render sowie mehr Liquidität. Beschlossen wird der Schritt über Prop 346 mit rund 98 Prozent Zustimmung.
Was passiert mit meinen AKT-Token bei der Migration?
AKT wird 1:1 in einen SPL-Token auf Solana umgetauscht, Ticker und sechs Dezimalstellen bleiben gleich, die Gesamtmenge ändert sich nicht. Der Umtausch läuft über ein Einbahn-Migrationsportal, das zwei Jahre lang geöffnet bleibt. Gestaktes AKT muss zuvor entbondet werden, was 21 Tage dauert. SPL-AKT startet rund zwei Wochen nach Annahme von Prop 346, sobald zwei unabhängige Audits bestanden sind.
Wann ist die Akash-Migration auf Solana abgeschlossen?
SPL-AKT soll etwa zwei Wochen nach der Abstimmung starten. Der eigentliche Marktplatz-Umzug folgt erst nach einem sechswöchigen Testnetz, weiteren Audits und einer 14-tägigen Generalprobe über eine separate Cutover-Abstimmung. Danach laufen alte Leases 90 Tage aus, und die Cosmos-Kette hält rund 13 Wochen nach dem Cutover an. Die Zielmarke der Roadmap ist Ende Dezember 2026, der vollständige Abschluss reicht aber bis 2027.
Was bedeutet Shared Security für das AKT-Staking?
Akash muss kein AKT mehr in einem eigenen Validatoren-Set binden, um die Kette abzusichern, denn die Sicherheit kommt von Solana. Damit entfällt ein wichtiger Grund, AKT zu sperren. Das Team sagt, Staking solle nicht verschwinden, sondern sich in ein besseres Modell verwandeln, hat dieses aber noch nicht veröffentlicht. Für Staker ist das die wichtigste offene Frage der Migration.
Ist AKT unter BaFin und MiCA ein Wertpapier?
AKT liest sich als Utility-Token und steht am Rand des MiCA-Kerns, der ART, EMT und CASP-Dienstleister reguliert. BaFin und MiCA erfassen Handelsplätze, Verwahrer und Emittenten, nicht das Protokoll selbst. Der Chain-Wechsel ändert daran nichts. Zu beachten ist, dass Akashs Finanzierungsinstrument Starbonds in den USA als reguliertes Wertpapier gilt, AKT jedoch nicht.
Jonas Weber berichtet für HOGE Wire über KI, DePIN und die Schnittstelle von Krypto und Rechenleistung.