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● Bitcoin & Layer-1s

Bitcoin über 80.000 Dollar: die Rally vor Warshs Jackson Hole

Bitcoin hatte die beste Woche seit drei Jahren und sprang über 80.000 Dollar. Treiber war nicht die Fed, sondern das US-Finanzministerium; nun blickt der Markt auf Warshs Jackson-Hole-Debüt.

Bitcoin hat sich in wenigen Tagen aus der Sommerflaute befreit. Am Dienstag, dem 25. August 2026, kletterte der Kurs in der asiatischen Früh erstmals seit Monaten über die Marke von 80.000 US-Dollar (umgerechnet gut 68.000 Euro), bevor Gewinnmitnahmen einen Teil des Sprungs wieder abtrugen. Es war der Schlusspunkt der besten Bitcoin-Woche seit dem Frühjahr 2023.

Bemerkenswert ist der Auslöser. Hinter der Bewegung steht keine Entscheidung der US-Notenbank, sondern eine des US-Finanzministeriums. Und ausgerechnet jetzt, mit einem überhitzten Markt im Rücken, betritt Fed-Chef Kevin Warsh am Freitag zum ersten Mal als Vorsitzender die Bühne des Notenbank-Symposiums in Jackson Hole. Dieser Text ordnet die Rally ein: woher sie kommt, was die Zahlen sagen und worauf es in den kommenden Wochen ankommt.

Der Stand am 25. August: über 80.000 Dollar, und schon wieder nervös

Zur Wochenmitte notierte Bitcoin laut CoinGecko bei rund 67.800 Euro (etwa 77.500 US-Dollar), ein Plus von gut 22 Prozent auf Sicht von sieben Tagen. Die Marktkapitalisierung lag bei etwa 1,36 Billionen Euro, der Handelsumsatz binnen 24 Stunden bei knapp 49 Milliarden Euro. Auf dem Tageshoch am Dienstag stand der Kurs laut CoinDesk bei 80.894 US-Dollar; intraday betrug das Wochenplus damit sogar mehr als 25 Prozent, ehe der Markt einen Teil der Gewinne wieder abgab.

Es war, wie Cryptopolitan festhielt, die beste Bitcoin-Woche seit März 2023. Anfang August hatte der Kurs noch fast 48 Prozent unter seinem Rekordhoch gelegen, bei rund 56.000 Euro; die Rally hat diesen Abstand auf gut ein Drittel verkürzt. Das Allzeithoch von 126.198 US-Dollar vom 6. Oktober 2025 bleibt gleichwohl weit entfernt, rund 36 Prozent über dem aktuellen Niveau.

Und doch ist die Stimmung nicht euphorisch, sondern angespannt. Der Sprung über 80.000 US-Dollar hielt nur Stunden; Sunday Guardian nannte ein Tageshoch von 79.463 US-Dollar, bevor der Kurs Richtung 77.000 bis 78.000 zurückfiel. Das Muster passt zu einem Markt, der weit und schnell gelaufen ist und nun vor einem Ereignis steht, das die Richtung für den Herbst vorgeben kann.

Chronik einer Rally: von 62.600 auf über 80.000 Dollar

Vor zwei Wochen sah alles anders aus. Anfang August pendelte Bitcoin um 55.000 bis 56.000 Euro und rutschte zeitweise auf den tiefsten Stand seit dem 3. August; die Sommermonate hatten dem Kurs eine zähe Seitwärtsphase beschert. Noch am Montag, dem 18. August, notierte BTC nahe 62.600 US-Dollar. Händler, die auf weiter fallende Kurse gesetzt hatten, fühlten sich sicher; Fortune beschrieb einen Markt, der Bitcoin fest unter 67.000 US-Dollar wähnte.

Dann kam der 19. August. Auf die Nachricht einer ausgeweiteten Anleihe-Rückkauf-Politik des Finanzministeriums schoss der Kurs binnen zwölf Stunden um mehr als acht Prozent nach oben, von rund 64.100 auf 69.500 US-Dollar, wie CryptoSlate dokumentierte; allein in dieser ersten Welle wurden mehr als 400 Millionen Dollar an Short-Positionen zwangsliquidiert. Über das Wochenende hielt Bitcoin die Marke von 77.000 US-Dollar, kletterte am Montag und Dienstag weiter und markierte schließlich das Hoch bei knapp 81.000 Dollar. CoinDesk berichtete zeitweise von Kurszielen bis 180.000 US-Dollar, die im Zuge der Buyback-Fantasie kursierten, ein Beleg dafür, wie schnell sich die Erzählung gedreht hatte.

Der Auslöser: eine Anleihe-Entscheidung, keine Fed-Entscheidung

Der Kern der Geschichte ist ungewöhnlich, weil er nicht in der Geldpolitik liegt, sondern in der Schuldenverwaltung. Das US-Finanzministerium unter Scott Bessent kündigte an, seine Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen (Laufzeiten von zehn bis dreißig Jahren) von rund zwei auf mindestens vier Milliarden US-Dollar je Operation zu verdoppeln, wirksam ab dem 9. September. Solche Buybacks nehmen Anleihen aus dem Markt, stützen deren Kurse und drücken die Renditen am langen Ende; zugleich schwächen sie tendenziell den Dollar. Beides sind klassische Treibstoffe für knappe, zinslose Anlagen wie Bitcoin und Gold (crypto.news).

Andre Dragosch, Europa-Forschungschef von Bitwise, deutete den Schritt als Warnsignal: Das System zeige „first signs of cracking“, und Bitcoin sei „the canary in the macro coal mine“, der Veränderungen der Finanzbedingungen nach oben wie nach unten vorwegnehme. Finanzminister Bessent stellte in Aussicht, derartige Rückkäufe künftig routinemäßig vorzunehmen, und deutete an, sie könnten sogar größer ausfallen als die genannten vier Milliarden Dollar (CoinDesk).

Für die Miner hat diese Rally eine eigene Logik, weil höhere Preise ihre Margen und ihren Spielraum unmittelbar verändern; die Mechanik der August-Rally aus Sicht der Miner haben wir gesondert aufgeschlüsselt. Für den Spot-Kurs zählt zunächst nur die Makro-Botschaft: Wenn der Staat selbst zum Käufer eigener Anleihen wird, um die Zinslast zu bändigen, lesen Anleger das als Signal, dass harte Wertspeicher gefragt sind.

Der Debasement-Trade ist zurück

Die Bewegung hat einen Namen, der 2025 populär wurde und nun zurückkehrt: der Debasement-Trade. Gemeint ist die Absicherung gegen die schleichende Entwertung von Papiergeld durch hohe Defizite, wachsende Schulden und eine Geldpolitik, die unter fiskalischen Druck gerät. Bloomberg beschrieb, wie Gold und Bitcoin gemeinsam anzogen, während der Dollar nachgab, genau jenes Muster, das Gold bereits durch 2025 getragen hatte.

Die Belege liegen quer über die Anlageklassen. Gold notierte laut Fortune über 4.400 US-Dollar je Feinunze, nahe Rekordniveau. Der Dollar-Index DXY fiel laut Vantage auf rund 98,5, den tiefsten Stand seit Mai, und verlor auf Monatssicht etwa 2,5 Prozent. Im Hintergrund steht eine Staatsverschuldung von mehr als 39 Billionen Dollar; Berichte über wachsende Fiskalsorgen begleiteten die Rally.

AnlageStand (25. Aug 2026)WochenveränderungTreiber
Bitcoinüber 80.000 USD / gut 68.000 EURrund plus 22 ProzentBuyback, Debasement, ETF-Zuflüsse
Goldüber 4.400 USD je Unzeetwa plus 5 ProzentDollar-Schwäche, Fiskalsorgen
US-Dollar-Index (DXY)rund 98,5Monat etwa minus 2,5 Prozentfallende Langfristrenditen
XRPdeutlich festerbis zu plus 46 ProzentRisk-on, Short-Squeeze
SolanafesterTagesplus rund 8 ProzentAltcoin-Rotation
Quellen: CoinGecko, CoinDesk, Fortune, Vantage. Kryptokurse sind volatil; Momentaufnahme.

Matt Hougan, Investmentchef von Bitwise, nennt den Debasement-Trade das zentrale Krypto-Narrativ des Jahres. Wichtig ist die Kehrseite: Dieselbe Erzählung, die Bitcoin gerade trägt, bindet ihn enger an Makrofaktoren. Sie macht ihn weniger zum Rebellen gegen das Finanzsystem und mehr zu dessen Fieberthermometer, mit allen Ausschlägen, die dazugehören.

Der ETF-Bid kehrt zurück, und warum Deutschland ETPs statt ETFs handelt

Ein zweiter Motor sind die börsengehandelten Krypto-Produkte. In den fünf Handelstagen bis zum 21. August flossen laut Marktangaben rund 1,918 Milliarden US-Dollar netto in US-Spot-Bitcoin-ETFs, der stärkste Wochenzufluss des Jahres 2026. Allein am 20. August zogen die Produkte 517 Millionen Dollar an, dazu 189 Millionen Dollar in Ether-ETFs (CoinDesk). Nachdem der ETF-Bid im Frühsommer versiegt war, ist er damit deutlich zurück.

Für deutsche Anlegerinnen und Anleger lohnt eine Klarstellung: Die in den USA gehandelten Spot-ETFs sind hierzulande nicht direkt erhältlich. In der EU laufen vergleichbare Engagements über Krypto-ETPs beziehungsweise ETNs, also besicherte Schuldverschreibungen. Reguliert werden dabei die Dienstleister und Emittenten, nicht das Bitcoin-Protokoll oder sein Kurs. Die BaFin beaufsichtigt Kryptowerte-Dienstleister und Emittenten nach MiCAR; die Marktmissbrauchsregeln der MiCA (Insiderhandel, Marktmanipulation) gelten inzwischen auch für Kryptowerte. Wo die EU-Aufsicht noch Lücken hat, etwa bei DeFi und Staking, zeigt unsere Analyse zur MiCA-Überprüfung 2026.

Was der Short-Squeeze über die Marktstruktur verrät

Warum war die Bewegung so heftig? Weil sie auf eine überwiegend bärische Positionierung traf. Über den gesamten Rally-Verlauf wurden nach Marktdaten mehr als 4,3 Milliarden US-Dollar an Short-Positionen liquidiert. Ein Short-Squeeze wirkt wie ein Verstärker: Steigt der Kurs, müssen leerverkaufte Positionen zurückgekauft werden, was den Kurs weiter treibt und die nächste Liquidationswelle auslöst.

Das erklärt zugleich, warum solche Anstiege selten linear verlaufen. Ein Gutteil der Käufe stammte nicht aus neuer Überzeugung, sondern aus erzwungenen Eindeckungen. Läuft dieser Treibstoff aus, fehlt dem Kurs eine Stütze, und die Bewegung kann ebenso schnell in die Gegenrichtung kippen. Fortune brachte es auf den Punkt: Eine Wette, die sicher schien, wurde an einem einzigen Nachmittag gesprengt. Für die kommenden Tage heißt das: Die Qualität der Rally entscheidet sich daran, ob echte Spot-Nachfrage (ETFs, langfristige Käufer) die Rolle des Hebels übernimmt.

Die technische Lage: überkauft an der 80.000er-Marke

Charttechnisch steht Bitcoin an einer heiklen Stelle. Der Relative-Stärke-Index (RSI) im Tageschart erreichte laut Marktanalysen Werte über 82, zeitweise um 84, tief im überkauften Bereich und unter den höchsten Ständen des Jahres. Der Kurs testete die runde Marke von 80.000 US-Dollar, an der sich laut Investing.com entscheidet, ob die Rally sich verlängert oder eine Verschnaufpause einlegt.

MarkeNiveau (USD)Bedeutung
Widerstand80.000psychologische Marke, Wochenhoch-Zone, RSI überkauft
Dienstag-Spanne77.500 bis 80.900Tageshoch und Rücksetzer
erste Unterstützung77.000 bis 78.000jüngste Konsolidierungszone
zweite Unterstützungrund 70.000Buyback-Ausbruch vom 19. August
Rally-Ausgangspunktrund 62.600Wochentief vom 18. August
Allzeithoch126.1986. Oktober 2025
Quellen: CoinDesk, Investing.com, Sunday Guardian, CoinGecko.

Ein überkaufter RSI ist für sich genommen kein Verkaufssignal; in starken Trends kann er lange erhöht bleiben. Er erhöht aber die Wahrscheinlichkeit einer Konsolidierung oder eines Rücksetzers, vor allem, wenn ein Terminereignis wie Jackson Hole Anlass zu Gewinnmitnahmen gibt. Die erste Unterstützung liegt bei 77.000 bis 78.000 US-Dollar; darunter rückt das Buyback-Ausbruchsniveau um 70.000 Dollar in den Blick, gefolgt vom Rally-Ausgangspunkt nahe 62.600 Dollar.

Warum Analysten jetzt eine Pause wollen

Bemerkenswert ist die Einigkeit unter den Beobachtern. CoinDesk fasste die Stimmung dreier Marktkommentatoren zusammen: Chris Sullivan von Hyperion Decimus, Ryan Lee von Bitget Research und Joel Kruger von LMAX Group werteten die Bewegung übereinstimmend als Verbesserung der Ausgangslage für Bitcoin. Keiner von ihnen rechnete jedoch damit, dass der Kurs einfach weiter nach oben durchmarschiert.

Die gemeinsame Erwartung lautete: eine Pause. Nach einem Anstieg von mehr als 22 Prozent in einer Woche gilt eine Phase der Konsolidierung nicht als Schwäche, sondern als gesunder Verlauf, der Gewinnmitnahmen zulässt und ein tragfähigeres Fundament schafft. Übersetzt in die Praxis: Ein Rücksetzer auf die Unterstützungszone, der dort hält, wäre für die Bullen ein besseres Signal als ein sofortiger, dünn unterlegter Ausbruch über 80.000 Dollar.

Jackson Hole: Warshs Debüt am Freitag

Der Terminkalender kommt für einen überhitzten Markt zur Unzeit, oder zur richtigen Zeit, je nach Blickwinkel. Vom 27. bis 29. August lädt die Federal Reserve Bank of Kansas City zu ihrem jährlichen Symposium nach Jackson Hole; das Thema 2026 lautet „Financial Innovation: Implications for Payments and Policy“, ein für die Kryptobranche unmittelbar anschlussfähiges Motto. Am Freitag, dem 28. August, um 10:00 Uhr Ortszeit (Eastern Time) hält Fed-Chef Kevin Warsh seine erste Grundsatzrede an diesem Ort (XTB, TechTimes).

Warsh, seit dem 22. Mai im Amt, hat die Kommunikation der Notenbank spürbar verknappt. Er gilt als Gegner ausführlicher Forward Guidance und betont, die Fed handle unabhängig davon, was die Märkte einpreisen. Für Bitcoin sind zwei Lesarten denkbar. Klingt Warsh vage oder betont er die abkühlende Konjunktur, dürfte der Markt das als Erlaubnis zum Weiterlaufen deuten. Betont er hingegen, dass es kein weiches Inflationsziel gebe, könnte das die zuletzt gefallenen Zinserhöhungserwartungen wieder anheben und Gewinnmitnahmen auslösen. CoinDesk beschrieb den Markt am Vortag treffend als in Wartestellung.

Ein invertierter Fed-Rahmen: das Risiko heißt Erhöhung

Um Warshs Rede einzuordnen, muss man den ungewöhnlichen Rahmen des Jahres 2026 verstehen. Anders als in den meisten Zyklen besteht das Risiko der Fed derzeit nicht in einer verspäteten Zinssenkung, sondern in einer möglichen Erhöhung. Das am 19. August veröffentlichte Protokoll der Juli-Sitzung dokumentierte einen Beschluss mit 9 zu 3 Stimmen, den Leitzins bei 3,50 bis 3,75 Prozent zu halten; drei regionale Notenbankpräsidenten votierten für eine Anhebung (Federal Reserve).

Gegen diese hawkishe Grundhaltung stehen die zuletzt weichen Konjunkturdaten. Die Verbraucherpreise stiegen im Juli mit 3,4 Prozent im Jahresvergleich, die Erzeugerpreise blieben flach, die Einzelhandelsumsätze fielen um 0,6 Prozent, und der Arbeitsmarktbericht war schwach. In der Folge sank die vom CME-FedWatch-Tool gemessene Wahrscheinlichkeit einer September-Erhöhung auf rund 32 Prozent, nachdem sie Mitte Juli noch über 75 Prozent gelegen hatte. Die Rückkehr der Risikofreude an den Kryptomärkten, die CNBC beschrieb, speist sich auch aus dieser Entspannung.

Der September-Stapel: EZB, US-CPI und FOMC

Jackson Hole ist nur der Auftakt zu einem dicht gepackten September. Innerhalb weniger Tage treffen mehrere Weichenstellungen zusammen, die für Bitcoin relevant sind.

DatumEreignisWarum es zählt
28. Aug (Fr)Warsh-Keynote in Jackson Hole (10:00 ET)erste Grundsatzrede als Fed-Chef
4. SepUS-Arbeitsmarktbericht (August)Konjunkturbild und Zinspfad
10. SepEZB-Ratssitzungmögliche Anhebung auf 2,50 Prozent, Divergenz zur Fed
11. SepUS-Verbraucherpreise (August)letzter Inflationswert vor dem FOMC
15. bis 16. SepFOMC plus Projektionen (Dot-Plot)Zinsentscheid und Zinsprojektionen
Quellen: Federal Reserve, EZB, CME FedWatch. Termine ohne Gewähr.

Besonders die Konstellation aus EZB und Fed sticht heraus. Während die US-Notenbank am 15. und 16. September aller Voraussicht nach stillhält, rechnen Volkswirte mehrheitlich damit, dass die Europäische Zentralbank am 10. September ihren Einlagensatz um einen Viertelpunkt auf 2,50 Prozent anhebt. Eine solche Divergenz (Fed hält, EZB erhöht) stützt den Euro, was die Umrechnung Dollar-notierter Kurse für deutsche Anleger verändert. Der FOMC-Termin bringt zudem neue Zinsprojektionen; der Dot-Plot ist der eigentliche Prüfstein für die Frage, wie ernst es die Fed mit ihrer Erhöhungsdrohung meint.

Sicherheitsbudget: Hashrate, Difficulty und die Miner

Bei aller Makro-Dominanz lohnt der Blick auf Bitcoins eigene Fundamentaldaten, denn der Kurs ist nicht die einzige Kennzahl, die zählt. Die Hashrate, die gesamte Rechenleistung im Netzwerk, bewegt sich nahe historischen Höchstständen um 900 Exahash pro Sekunde und bildet das Sicherheitsbudget der Blockchain. Interessant ist ein Detail des Jahres 2026: Die Mining-Difficulty fiel erstmals seit Langem, und zwar nicht durch äußeren Zwang, sondern durch freiwillige Migration der Miner.

Höhere Preise verändern die Rechnung der Miner unmittelbar. Sie verbessern die Margen und können Betreiber von Verkäufern zu Haltern machen, oder umgekehrt zum Verkauf verleiten, wenn die Kurse fallen. Wie wenig die viel zitierte Kennzahl Hashprice allein aussagt, haben wir gesondert eingeordnet. Und Bitcoins langfristiger Wert speist sich nicht nur aus dem Spot-Kurs, sondern auch aus dem, was auf seinen Layer-2-Netzen wie Lightning, Liquid oder den neuen Rollups entsteht. Für die aktuelle Rally sind diese Faktoren zweitrangig; für die Frage, ob ein höheres Preisniveau Bestand hat, sind sie es nicht.

Der Streit um den Vier-Jahres-Zyklus

Jede große Bewegung weckt die Frage nach dem Zyklus. Bitcoin galt lange als von einem Vier-Jahres-Rhythmus getrieben, getaktet durch die Halvings, die das Angebot alle rund vier Jahre halbieren. Doch dieser Rahmen steht in der Kritik.

Matt Hougan, Investmentchef von Bitwise, erklärte den klassischen Zyklus bereits Ende 2025 für beendet und rief stattdessen einen „Ten-Year Grind“ aus: eine längere, flachere Aufwärtsphase mit geringeren Ausschlägen, weil institutionelles Kapital und ETFs die alten Muster glätten (Bitwise). Dem widerspricht Jurrien Timmer, Makrostratege bei Fidelity: Der Zyklus sei intakt, 2026 werde eher ein ruhiges „year off“ mit Unterstützung im Bereich von 65.000 bis 75.000 US-Dollar (CoinDesk). Die August-Rally hat den Kurs vorerst klar über Timmers Band gehoben, was beide Lager für sich reklamieren können: die einen als Beleg für die glättende Kraft neuen Kapitals, die anderen als späten, aber intakten Zyklusschub.

Drei Szenarien und was jetzt zu beobachten ist

Wie könnte es nach Jackson Hole weitergehen? Drei Szenarien fassen die Bandbreite. Es handelt sich um Einordnungen, nicht um Prognosen.

SzenarioAuslöserBTC-Spanne (kommende Wochen)
BullischWarsh bleibt vage oder taubenhaft, Buyback-Effekt hält, ETF-Bid bleibtAusbruch über 84.000, Test Richtung 90.000
BasisWarsh unverbindlich, RSI kühlt ab, Markt konsolidiertSeitwärtsspanne 72.000 bis 82.000
BärischWarsh betont den Inflationskampf, Gewinnmitnahmen, Hebel wird abgebautRückfall auf 70.000, dann 66.000
Einordnung der HOGE-Wire-Redaktion; keine Anlageberatung.

Unabhängig vom Szenario lohnt eine kurze Beobachtungsliste für die nächsten Tage:

  • die Warsh-Rede am Freitag und ihr Ton (vage, taubenhaft oder hawkish)
  • ob 80.000 US-Dollar nachhaltig fällt oder die Zone 77.000 bis 78.000 hält
  • ob der RSI aus dem überkauften Bereich abkühlt, ohne dass der Kurs einbricht
  • ob die ETF-Zuflüsse anhalten oder wieder drehen
  • der September-Stapel aus EZB, US-CPI und FOMC

Die Rally hat Bitcoin in wenigen Tagen aus der Sommerflaute in die Nähe eines neuen Ausbruchs getragen, getrieben von einer fiskalischen Entscheidung, nicht von der Geldpolitik. Ob dieses Fundament trägt, hängt weniger vom nächsten Kurssprung ab als davon, ob echte Spot-Nachfrage den Hebel ablöst und ob Warsh dem Markt am Freitag Sauerstoff lässt. Kurse sind volatil; die hier genannten Zahlen sind Momentaufnahmen und keine Anlageberatung.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist Bitcoin im August 2026 so stark gestiegen?

Auslöser war die Ankündigung des US-Finanzministeriums, Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen auf mindestens vier Milliarden Dollar je Operation zu verdoppeln. Das drückte Renditen und Dollar, belebte den Debasement-Trade und löste einen Short-Squeeze aus; zugleich kehrten Zuflüsse in Krypto-ETFs zurück.

Wie hoch steht der Bitcoin-Kurs heute in Euro?

Am 25. August 2026 sprang Bitcoin über 80.000 US-Dollar und notierte danach um rund 67.800 Euro (etwa 77.500 US-Dollar), ein Wochenplus von gut 22 Prozent. Kurse sind volatil und können sich rasch ändern.

Was hat Jackson Hole mit dem Bitcoin-Kurs zu tun?

Beim Notenbank-Symposium in Jackson Hole hält Fed-Chef Kevin Warsh am 28. August seine erste Grundsatzrede als Vorsitzender. Signale zum Zinspfad bewegen Dollar, Realzinsen und Risikofreude und damit auch Bitcoin.

Was bedeutet ein überkaufter RSI für Bitcoin?

Ein RSI über 80, wie er Ende August erreicht wurde, gilt als überkauft und deutet auf eine kurzfristige Überhitzung hin. Er ist für sich genommen kein Verkaufssignal, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit einer Pause oder Korrektur.

Ist der Vier-Jahres-Zyklus von Bitcoin noch intakt?

Das ist umstritten. Bitwise-Chef Matt Hougan hält den klassischen Zyklus für beendet und erwartet eine längere, flachere Phase; Fidelity-Stratege Jurrien Timmer sieht den Zyklus dagegen als intakt an.

Von Jonas Weber, Marktredaktion HOGE Wire.

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