h hoge.gg
Subscribe
BTC$67,432.18+2.34%ETH$3,521.44+1.08%SOL$178.62-0.62%BNB$612.30+0.41%XRP$0.6234-0.18%ADA$0.4521+3.12%DOGE$0.1623+1.86%AVAX$38.71-1.24%LINK$17.84+0.92%HOGE$0.00004120+4.21%
BTC$67,432.18+2.34%ETH$3,521.44+1.08%SOL$178.62-0.62%BNB$612.30+0.41%XRP$0.6234-0.18%ADA$0.4521+3.12%DOGE$0.1623+1.86%AVAX$38.71-1.24%LINK$17.84+0.92%HOGE$0.00004120+4.21%
● Mining & Staking

Bitcoins verborgene Hashrate: wer das Netzwerk wirklich sichert

Die Bitcoin-Hashrate wächst wieder, doch die börsennotierten Miner sind zur schrumpfenden Minderheit geworden. Wer sichert das Netzwerk 2026, wenn zwei Drittel unsichtbar bleiben?

Am 19. September hob der Difficulty-Retarget die Mining-Schwierigkeit von Bitcoin um 4,16 Prozent auf 132,76 Billionen, die zweite Erhöhung in Folge. Zeitgleich kletterte der Kurs nach einem Montag mit knapp einer Milliarde US-Dollar Zufluss in die US-Spot-ETFs zurück in Richtung 74.000 Euro (rund 84.240 US-Dollar), ein Plus von 4,4 Prozent auf Wochensicht, wie CoinGecko ausweist. Auf dem Papier wächst die Rechenleistung des Netzwerks also wieder, nach einem Jahr Stillstand. Doch die eine Zahl, die alle zitieren, rund 950 Exahash pro Sekunde, verdeckt die eigentlich spannende Verschiebung des Jahres 2026: Wem diese Hashrate gehört, hat sich leise, aber grundlegend verändert.

Die Zahl, die alle nennen, und die Frage, die keiner stellt

Die Netzwerk-Hashrate ist eine einzige aggregierte Kennziffer. Sie sagt, wie viele SHA-256-Rechenversuche pro Sekunde alle Miner der Welt zusammen anstellen, und daraus leitet der Markt Bitcoins Sicherheit ab. Was diese Zahl nicht verrät: wer eigentlich hinter ihr steht. Ein Exahash aus einer texanischen Anlage von Riot zählt genauso viel wie ein Exahash aus einer namenlosen Farm in Sibirien oder aus einem Container am Persischen Golf. Das Protokoll ist bewusst blind gegenüber der Identität seiner Miner, es prüft nur die Rechenarbeit, nicht den Absender.

Genau diese Blindheit macht die Eigentumsfrage so schwer zu beantworten und zugleich so wichtig. Die sichtbaren Akteure, die börsennotierten Miner mit Quartalsberichten und Meldungen an die Börsenaufsicht, liefern die Schlagzeilen und die Aktienkurse. Aber sie sind längst zur Minderheit geworden. Nach dem jüngsten Quartalsbericht von CoinShares kontrolliert die gesamte Riege der Public Miner nur noch rund ein Drittel der real erbrachten Hashrate. Die anderen zwei Drittel sind faktisch unsichtbar, und trotzdem sichern sie Bitcoin Block für Block. Dieser Text zeichnet nach, wer diese verborgene Mehrheit ist, warum die sichtbare Minderheit weiter schrumpft und was das für die Sicherheitsökonomie des Netzwerks bedeutet.

Kurzer Rückblick: Was Hashrate ist und warum Wachstum 2026 wieder zählt

Hashrate misst die Rechenleistung, die auf das Erraten des nächsten gültigen Block-Hash verwendet wird. Die Einheiten haben eine steile Leiter erklommen: von Kilohash (Tausend) über Megahash, Gigahash, Terahash, Petahash und Exahash bis zum Zettahash, einer Trilliarde Hashes pro Sekunde. Weil niemand die wahre Zahl direkt misst, wird sie aus der Difficulty und der durchschnittlichen Blockzeit geschätzt; verschiedene Tracker kommen deshalb auf Werte, die um zehn bis dreißig Prozent auseinanderliegen können. Wer eine Hashrate-Angabe liest, liest immer eine Schätzung, nie eine Messung.

Das Jahr 2026 ist ungewöhnlich, weil die Kurve zum ersten Mal ohne staatlichen Zwang abflachte. Ihren Höhepunkt erreichte die Hashrate am 19. Oktober 2025 mit 1.162 EH/s, wie der Datendienst Yellow dokumentiert; am 17. Januar 2026 fiel der Sieben-Tage-Schnitt bei 988 EH/s erstmals wieder unter ein Zettahash und beendete damit eine viermonatige Serie oberhalb der Marke. Anders als die Einbrüche 2018, das Mining-Verbot Chinas 2021 oder die Kapitulation 2022 war dieser Rückgang freiwillig: Miner lenkten Megawatt in das lukrativere KI-Geschäft um. Ende März 2026 berichtete CoinDesk über den ersten Quartalsrückgang seit sechs Jahren. Der Retarget vom 19. September und die zweite Erhöhung in Folge deuten nun an, dass die Kurve wieder dreht. Die aktuelle Momentaufnahme:

KennzahlWert (27. September 2026)
Bitcoin-Kursrund 74.180 Euro (etwa 84.240 US-Dollar)
Marktkapitalisierungrund 1,70 Billionen US-Dollar
Netzwerk-Hashraterund 950 EH/s (difficulty-impliziert)
Mining-Difficulty132,76 Billionen (+4,16 % am 19. September)
Hashpricerund 39,60 US-Dollar je PH/s und Tag (etwa 35 Euro)
Höchststand der Hashrate1.162 EH/s am 19. Oktober 2025
Sicherheitsbudgetrund 14 Mrd. US-Dollar pro Jahr (etwa 12 Mrd. Euro)

Die sichtbare Minderheit: die börsennotierten Miner schrumpfen

Der Q2-2026-Mining-Report von CoinShares, zusammengefasst von Bitcoin.com News, liefert die härtesten Zahlen zu dieser Verschiebung. Die realisierte Hashrate der börsennotierten Miner fiel von 368,3 EH/s im vierten Quartal 2025 über 344,4 EH/s im ersten Quartal 2026 auf 319,0 EH/s im zweiten Quartal. Im selben Zeitraum sank die Netzwerk-Hashrate von rund 1.071 auf rund 957 EH/s. Damit halten die Public Miner nach realisierter Leistung nur noch etwa ein Drittel des Netzwerks (319 von 957 EH/s).

Der eigentliche Befund steckt im Detail. Die Public-Miner-Riege schrumpfte über sechs Monate um 13,4 Prozent, während das Gesamtnetzwerk nur 10,6 Prozent verlor. Rechnet man Bitdeer heraus, dessen Hashrate kräftig wuchs, verlor der Rest der börsennotierten Miner sogar 21,2 Prozent, also gut ein Fünftel. Die Schlagzeile, dass die Public Miner ein Fünftel ihrer Hashrate abgegeben haben, ist deshalb korrekt. Ihr scheinbar stabiler Anteil von rund einem Drittel verdeckt bloß, dass eine einzige Firma die Erosion der übrigen maskiert. Nach installierter Nennleistung, die der Tracker Bitcoin Mining Stock ausweist, liegt der Anteil höher, grob bei 40 bis 45 Prozent; doch selbst diese großzügigere Lesart lässt die Mehrheit außerhalb der Börse.

ZeitraumRealisierte Hashrate der Public MinerNetzwerk-HashrateAnteil
Q4 2025368,3 EH/srund 1.071 EH/srund 34 %
Q1 2026344,4 EH/s(dazwischen)rund 33 %
Q2 2026319,0 EH/srund 957 EH/srund 33 %

Quelle: CoinShares Q2-2026-Mining-Report. Kohorte minus 13,4 Prozent, Netzwerk minus 10,6 Prozent; ohne Bitdeer minus 21,2 Prozent.

Die unsichtbare Mehrheit: privat, offshore, staatsnah

Wenn die börsennotierten Miner nur ein Drittel stellen, wer betreibt dann die restlichen rund 640 EH/s? Die ehrliche Antwort lautet: Das weiß niemand genau, und das ist kein Versehen, sondern Teil des Designs. Die verborgene Mehrheit setzt sich aus mehreren Gruppen zusammen, die alle ein Interesse daran haben, nicht in einem Quartalsbericht aufzutauchen.

  • Private Großfarmen: Nicht börsennotierte Betreiber, oft von Family Offices, Rohstoffhändlern oder Energieversorgern finanziert, die günstigen oder gestrandeten Strom monetarisieren und keinerlei Offenlegungspflichten unterliegen.
  • Offshore-Anlagen: Standorte in Russland, Zentralasien, dem Nahen Osten und Teilen Afrikas, die aus geopolitischen oder steuerlichen Gründen bewusst intransparent bleiben.
  • Staatsnahe und souveräne Miner: Regierungen und staatsnahe Konzerne, die Mining als Instrument der Energiepolitik oder zur Umgehung von Sanktionen nutzen; Äthiopien etwa zog über Abkommen mit chinesischen Herstellern binnen kurzer Zeit spürbare Hashrate an.
  • Heim- und Solo-Miner: Eine kleine, aber symbolisch wichtige Schicht aus Bastlern mit einzelnen Geräten, die in Summe ebenfalls einen Beitrag leisten.

Diese Mehrheit sichert Bitcoin, ohne je ein Interview zu geben oder eine Bilanz zu veröffentlichen. Für den Markt ist das ein Paradox: Ausgerechnet die Akteure, über die am meisten berichtet wird, sind für die Netzwerksicherheit am wenigsten repräsentativ. Und je schneller die Public Miner ins KI-Geschäft abwandern, desto größer wird der Anteil dieser unsichtbaren Schicht. Die Verschiebung des Eigentums ist damit kein Randthema, sondern die zentrale Strukturveränderung des Mining-Jahres 2026.

Warum die Public Miner Hashrate abgeben: das KI-Geschäft frisst die Megawatt

Der Rückzug der sichtbaren Miner ist keine Kapitulation, sondern eine nüchterne Rechnung. Ein Megawatt, das gestern eine Reihe ASICs versorgte, bringt heute als Colocation-Fläche für KI- und HPC-Kunden ein Vielfaches. Die Quartalszahlen machen den Umbau greifbar. Bei Core Scientific übertraf der Colocation-Umsatz im zweiten Quartal mit 136,7 Millionen US-Dollar das Mining-Geschäft (27,5 Millionen) um ein Mehrfaches; die Vermietung stellte 83 Prozent der Erlöse, nach 67 Prozent im Vorquartal. Bei TeraWulf lieferte das HPC-Leasing 31,9 Millionen US-Dollar gegenüber 12,8 Millionen aus dem Mining, ein Anteil von 71 Prozent nach zuvor 62 Prozent. Innerhalb eines Quartals kann ein Hybrid so vom Miner zum Rechenzentrumsvermieter werden, während seine Hashrate sinkt.

John Todaro, Analyst bei Needham & Co., bringt die Sicht der Anleger auf den Punkt: „Investoren bewerten Bitcoin-Miner an diesem Punkt fast ausschließlich für ihre HPC- und KI-Chancen“, sagte er, und ergänzte, der Umsatz pro Megawatt und die EBITDA-Margen seien bei HPC- und KI-Colocation weit höher als beim Mining. James Butterfill, Forschungschef von CoinShares, spricht mit Blick auf die Miner von „einer der schwierigsten Phasen“ seit dem letzten Halving; nach Angaben desselben Berichts haben börsennotierte Miner mehr als 70 Milliarden US-Dollar an KI- und HPC-Verträgen angekündigt, und einzelne Firmen dürften bis Ende 2026 bis zu 70 Prozent ihres Umsatzes aus KI ziehen.

Das Muster zeigt sich in konkreten Abschlüssen. Riot Platforms verwandelte 191 Megawatt seines Standorts in Texas in einen 20-jährigen KI-Leasingvertrag mit Anthropic im Grundwert von 9,1 Milliarden US-Dollar. Es ist dieselbe Nachfrage nach Rechenleistung, die auch dezentrale GPU-Marktplätze wie Akash und Rendering-Netzwerke wie Render antreibt und die um denselben knappen Strom konkurriert, den zuvor die Miner beanspruchten. Für die Hashrate heißt das: Der marginale Megawatt fließt nicht mehr in neue Rigs, sondern in GPU-Racks, und genau dort verliert die sichtbare Minderheit ihren Anteil.

Bitdeer, die Ausnahme, und das Miner-Scoreboard

Nicht jeder börsennotierte Miner zieht sich zurück. Bitdeer legte im selben Zeitraum um 44 Prozent zu und erreichte im zweiten Quartal 63,0 EH/s realisierte Hashrate, mit einer Eigen-Mining-Kapazität von 73 EH/s im Juni; die Bitcoin-Produktion stieg auf 990 BTC, ein Plus von 388 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Unterschied ist strukturell: Bitdeer entwirft mit der SEALMINER-Reihe seine eigenen Chips und ist damit weniger vom Kaufzyklus fremder Hersteller abhängig. Wer die Maschinen selbst besitzt, kann wachsen, auch wenn die Branche sonst stagniert.

Das Scoreboard der bekanntesten Miner sortiert sich damit in zwei Lager: Pure-Play-Akkumulatoren, die weiter Bitcoin stapeln, und Hybride, die Fläche an KI-Kunden verleasen. Die folgenden Werte sind Näherungen aus Quartalsberichten und Trackern zum Stand Mitte 2026 und dienen der Einordnung, nicht der Tagesgenauigkeit.

MinerHashrate (rund, Q2 2026)Strategie
MARA Holdingsrund 70 EH/sPure-Play-Akkumulator, Leistungsziel 4,8 GW
Bitdeerrund 63 EH/s (Eigen-Mining bis 73)Pure-Play, eigene SEALMINER-Chips, plus 44 %
Riot Platformsrund 44 EH/sHybrid, 20-Jahres-KI-Lease mit Anthropic
CleanSparkrund 39 EH/swechselt zu KI/HPC, kaum neue Mining-Kapazität
HIVE DigitalZiel rund 35 EH/sPure-Play, Wasserkraft in Paraguay
American Bitcoinrund 28 EH/sPure-Play-Akkumulator (Hut-8-Tochter)

Quellen: CoinShares Q2-Report, bitcoinminingstock.io; die Zahlen sind gerundete Quartalswerte.

Effizienz verschiebt den Bestand hinter einer flachen Zahl

Ein zweiter Grund, warum die Hashrate-Zahl täuscht, ist die Effizienz der Hardware. In knapp einem Jahrzehnt fiel der Energiebedarf pro Terahash um rund den Faktor zehn: vom Antminer S9 (98 Joule pro Terahash) bis zum S23 Hydro, der 2026 mit etwa 9,5 J/TH als erste Serienmaschine unter zehn Joule bleibt. Das verändert die Bedeutung eines konstanten Hashrate-Werts von Grund auf.

ASIC-Modell (Jahr)HashrateVerbrauchEffizienz
Antminer S9 (2016)13,5 TH/s1.323 W98 J/TH
Antminer S19 (2020)95 TH/s3.250 W34,2 J/TH
Antminer S19 Pro (2020)110 TH/s3.250 W29,5 J/TH
Antminer S21 XP (2024/25)270 TH/s3.645 W13,5 J/TH
Antminer S23 Hydro (2026)rund 560 TH/s5.349 W9,5 J/TH

CoinDesk beschrieb den S23-Start als tiefgreifende Verschiebung: Weil die neuen Rigs so effizient sind, ersetzen sie meist alte Flotten, statt das Netzwerk zu erweitern. Ein Betreiber kann veraltete S19 abschalten und durch weniger, sparsamere S23 ersetzen, ohne dass die aggregierte Hashrate steigt. Hinter einer flachen Kurve findet also ein ständiger Austausch statt: Alte Geräte gehen vom Netz, neue kommen dazu, die Besitzverhältnisse verschieben sich, und die eine Zahl bleibt fast unverändert. Wer nur die Kurve betrachtet, übersieht diesen Umbruch komplett. Ob sich der Austausch für einen Betreiber überhaupt lohnt, hängt an der Abschreibung der alten Hardware, ein Rechenexempel, das der Restwert-Verfall der ASICs im Detail zeigt.

Wer die Maschinen baut: das Silizium-Oligopol

Wer die Hashrate besitzt, ist die eine Frage; wer die Werkzeuge dafür herstellt, eine zweite, und hier ist die Konzentration noch drastischer. Nach einer im April 2025 veröffentlichten Studie des Cambridge Centre for Alternative Finance, zitiert von Cointelegraph, entfallen auf drei chinesische Hersteller mehr als 99 Prozent aller Bitcoin-ASICs: Bitmain mit 82 Prozent, MicroBT mit 15 Prozent und Canaan mit 2 Prozent. Die Studie spricht ausdrücklich von einer oligopolistischen Struktur.

Daraus folgt eine bemerkenswerte Entkopplung: China baut die Maschinen, betreibt aber nach den Verboten von 2021 offiziell nur noch einen Bruchteil der Hashrate; die USA betreiben den größten Anteil, importieren aber fast die gesamte Hardware. Wer die Chips kontrolliert, sitzt am Flaschenhals für echtes Netto-Wachstum. Neue Fertigungskapazität hängt an denselben Foundries, um die auch Apple, Nvidia und die KI-Hyperscaler konkurrieren; ein Wechsel des Auftragsfertigers bedeutet für einen ASIC-Hersteller 12 bis 18 Monate Neudesign. Effizienzsprünge kommen also nur so schnell, wie die Halbleiterlieferkette sie zulässt, und diese Lieferkette teilt ihre knappen Wafer inzwischen mit dem KI-Boom. Die Frage, wer Bitcoin sichert, beginnt damit bereits in einer Handvoll Chipfabriken in Taiwan und Südkorea.

Die Landkarte der verborgenen Hashrate

Die geografische Verteilung erklärt, warum ein so großer Teil der Hashrate im Dunkeln bleibt. Die jüngste Heatmap des Hashrate Index (Stand April 2026) verortet gut 37 Prozent der globalen Rechenleistung in den USA, gefolgt von Russland mit knapp 17 Prozent, China mit 12 Prozent und Paraguay mit gut 4 Prozent. In den USA sitzen die börsennotierten, transparenten Betreiber; die Länder auf den Plätzen dahinter sind gerade jene, in denen Anonymität Programm ist.

Land/RegionAnteil an der globalen Hashrateungefähr EH/s
USA37,4 %rund 375
Russland16,9 %rund 170
China12,0 %rund 120
Paraguay4,3 %rund 43
VAE3,0 %rund 30
Oman3,0 %rund 30
Kanada2,6 %rund 26
Äthiopien2,5 %rund 25

Quelle: Hashrate Index, globale Heatmap Q2 2026 (Stand April 2026). Zwei Dinge sind wichtig. Erstens ist selbst die US-Zahl größer als die Summe der sichtbaren Miner: Auch in Nordamerika arbeiten zahlreiche private Farmen, die in keiner Bilanz auftauchen. Zweitens sind die genauen Anteile Russlands, des Nahen Ostens und einiger afrikanischer Staaten notorisch schwer zu prüfen, weil Betreiber dort ein Interesse an Undurchsichtigkeit haben, sei es aus steuerlichen Gründen, wegen Sanktionen oder aus politischem Kalkül. Die Weltkarte der Hashrate ist deshalb keine Karte der Eigentümer, sondern bestenfalls eine grobe Schätzung der Standorte.

Pools koordinieren, sie besitzen nicht

Ein häufiges Missverständnis vermengt Mining-Pools mit den Eigentümern der Hashrate. Ein Pool bündelt die Rechenleistung vieler Miner, um Blöcke gleichmäßiger zu finden und die Erträge zu glätten. Er koordiniert die Arbeit, aber die Maschinen und der Strom gehören den einzelnen Minern, die jederzeit den Pool wechseln können. Die Pool-Verteilung sagt also etwas über die Koordination der Blockproduktion aus, nicht über den Besitz der Geräte.

Mining-PoolAnteil an der HashrateBetreiber/Hintergrund
Foundry USA23,41 %Digital Currency Group
AntPool20,68 %Bitmain
F2Pool14,77 %unabhängig
ViaBTC10,00 %unabhängig
SpiderPool7,50 %unabhängig
MARA Pool7,05 %MARA Holdings

Trotzdem ist die Konzentration relevant, denn Pools bestimmen, welche Transaktionen in einen Block wandern. Am 27. September vereinten die drei größten Pools laut Hashrate Index rund 59 Prozent der Rechenleistung; Foundry USA gehört zur Digital Currency Group, AntPool zum Hersteller Bitmain. Genau deshalb ist der Vorstoß nicht-verwahrender Pools wie OCEAN und das Protokoll Stratum V2, das die Auswahl der Transaktionen zurück zu den einzelnen Minern verlagert, der eigentliche Schauplatz der Dezentralisierungsdebatte. Wer die Hashrate besitzt und wer bloß ihre Arbeit koordiniert, sind zwei verschiedene Fragen, die zu oft in einen Topf geworfen werden.

Bricht die Eigentums-Opazität Bitcoins Sicherheit?

Die naheliegende Sorge lautet: Wenn niemand weiß, wem zwei Drittel der Hashrate gehören, könnte sich dort heimlich eine Mehrheit sammeln und einen 51-Prozent-Angriff fahren. Die Ökonomie spricht dagegen, und zwar unabhängig davon, wer die Geräte besitzt, denn die Kosten eines Angriffs bemessen sich an Hardware und Strom, nicht an der Identität der Betreiber.

Campbell Harvey, Finanzprofessor an der Duke University, beziffert einen einwöchigen Mehrheitsangriff inzwischen auf rund 8 Milliarden US-Dollar. Sein ursprüngliches Modell kam auf etwa 6 Milliarden (Hardware 4,6 Milliarden, Rechenzentren 1,34 Milliarden, Strom 0,13 Milliarden), rund 0,26 Prozent des Netzwerkwerts, wie crypto.news berichtete. Neu ist laut Harvey, dass ein Angreifer den Aufwand über eine große Short-Position an Offshore-Derivatemärkten refinanzieren könnte: „Die Kosten betragen etwa 50 Basispunkte des Bitcoin-Werts“, sagt er, und der Unterschied zu früher liege in den Derivatemärkten.

Aus der Industrie kommt der Konter. Matt Prusak, Präsident von American Bitcoin, hält den Angriff für praktisch ausgeschlossen: „Meine Haltung ist, dass die wirtschaftliche Machbarkeit die 51-Prozent-These erledigt“, so Prusak; ein Angreifer müsste über Jahre Hardware anhäufen, und Börsen würden verdächtige Aktivitäten längst einfrieren. Für die Sicherheit zählt am Ende das Sicherheitsbudget, also die Summe aus Blockprämie und Gebühren, die Miner täglich verdienen. Bei aktuellem Kurs und Hashprice liegt es bei rund 14 Milliarden US-Dollar (etwa 12 Milliarden Euro) im Jahr. Diese Zahl bleibt robust, egal ob die dahinterstehenden Miner mit Namen und Bilanz auftreten oder anonym bleiben. Die Undurchsichtigkeit der Eigentümer ändert an der Angriffsrechnung nichts.

Der Kontrast: Proof-of-Stake macht Eigentum sichtbar

Wie anders das aussehen kann, zeigt Ethereum. Bei Proof-of-Stake ist der Einsatz on-chain sichtbar: Jeder Validator, jede Einzahlung von 32 ETH, jeder große Staking-Anbieter lässt sich in Echtzeit nachverfolgen. Marktanteile wie der von Lido sind öffentlich messbar, und genau deshalb dreht sich die Sicherheitsdebatte bei Ethereum um Konzentration und Slashing, nicht um Undurchsichtigkeit.

Bitcoins Proof-of-Work tauscht diese Transparenz gegen Anonymität. Die Sicherheit stützt sich auf physische Kosten (Chips und Strom), nicht auf hinterlegtes Kapital, und die Identität der Miner ist für das Protokoll ohne Belang. Beide Modelle haben ihren Preis: Ethereum weiß, wer seine Kette sichert, und muss deshalb über Machtkonzentration wachen; Bitcoin weiß es nicht, verlässt sich dafür aber auf eine Angriffsökonomie, die Eigentum gleichgültig behandelt. Wer Sicherheit vergleicht, sollte diesen grundlegenden Unterschied kennen, statt Hashrate und Staking-Quote unbesehen gleichzusetzen.

Was das für die Sicherheitsökonomie bis 2028 heißt

Die Verschiebung des Eigentums fällt in eine heikle Zeit. Beim nächsten Halving 2028 sinkt die Blockprämie von 3,125 auf 1,5625 BTC, und ein wachsender Teil des Sicherheitsbudgets muss künftig aus Transaktionsgebühren statt aus neuer Ausgabe kommen. Zugleich lenken die profitabelsten, sichtbarsten Miner ihre Megawatt in die KI. Fred Thiel, Chef von MARA, formuliert die Konsequenz drastisch: „Bis 2028 sind Sie entweder ein Stromerzeuger, gehören einem oder haben einen als Partner“, sagt er; die Zeit des reinen Miners am Netz sei gezählt.

Für die Hashrate bedeutet das zweierlei. Kurzfristig lässt sich abgeschaltete Kapazität schnell reaktivieren, sobald der Hashprice steigt; genau das treibt die Erholung seit September. Echtes Netto-Wachstum aber hängt an neuen Maschinen, und die sind durch die Halbleiterlieferkette begrenzt. Worauf man in den kommenden Monaten achten sollte:

  • Ob die Public-Miner-Quote im nächsten Quartalsbericht von CoinShares weiter unter ein Drittel rutscht.
  • Ob der nächste Retarget (Anfang Oktober erwartet) die Serie der Erhöhungen fortsetzt.
  • Ob der Hashprice über der Schmerzgrenze bleibt, ab der alte Rigs wieder ans Netz gehen.
  • Ob weitere Miner Milliarden-Leases mit KI-Anbietern abschließen und damit dauerhaft Fläche aus dem Mining ziehen.

Je mehr sichtbare Kapazität in die KI abwandert, desto stärker verlagert sich Bitcoins Sicherheit auf die anonyme Mehrheit, deren Motive und Kostenstrukturen der Markt nur erraten kann. Das ist kein akutes Risiko, aber eine strukturelle Eigenheit, die 2026 klarer zutage tritt als je zuvor.

BaFin, MiCA und was in Europa wirklich reguliert wird

Für Anleger im deutschsprachigen Raum ist wichtig, was hier tatsächlich der Aufsicht unterliegt. Mining selbst ist keine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung; die BaFin und die europäische MiCA-Verordnung regulieren Krypto-Dienstleister (Handel, Verwahrung) und Emittenten, nicht das Protokoll und nicht das Schürfen von Bitcoin. Wer die anonyme Mehrheit der Hashrate beaufsichtigen wollte, hätte schlicht keinen regulatorischen Ansatzpunkt, weil es weder einen Emittenten noch einen erfassbaren Dienstleister gibt.

Exposure zur Hashrate gewinnen europäische Anleger daher meist indirekt: über Aktien der börsennotierten Miner oder über regulierte Krypto-ETPs auf Bitcoin. Genau hier schließt sich der Kreis zur Eigentumsfrage. Wer Miner-Aktien kauft, wettet zunehmend nicht auf Hashrate, sondern auf KI-Colocation, wie die Bewertungslogik von Needham zeigt. Und die politische Debatte um digitale Souveränität, etwa beim digitalen Euro und MiCA, dreht sich um staatlich kontrolliertes Geld, während Bitcoins Sicherheit weiter von einer bewusst nicht kontrollierten, größtenteils unsichtbaren Miner-Basis getragen wird. Der Kontrast könnte kaum größer sein.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel der Bitcoin-Hashrate kontrollieren börsennotierte Miner?

Nach dem Q2-2026-Report von CoinShares hielten die börsennotierten Miner mit 319 von rund 957 EH/s nur noch etwa ein Drittel der real erbrachten Hashrate. Nach installierter Nennleistung liegt der Anteil etwas höher, grob bei 40 bis 45 Prozent. Die Mehrheit des Netzwerks wird also von nicht börsennotierten Akteuren betrieben.

Wer besitzt die restliche, unsichtbare Hashrate?

Private Großfarmen, Offshore-Anlagen in Russland, Zentralasien und dem Nahen Osten, staatsnahe oder souveräne Miner sowie eine kleine Schicht von Heim- und Solo-Minern. Diese Betreiber veröffentlichen keine Bilanzen und bleiben oft bewusst anonym, weshalb sich ihr genauer Anteil nicht exakt bestimmen lässt.

Wächst die Bitcoin-Hashrate 2026 wieder?

Nach einem Jahr Stillstand deutet sich eine Erholung an. Die Difficulty stieg am 19. September um 4,16 Prozent, die zweite Erhöhung in Folge, und die difficulty-implizierte Hashrate liegt wieder bei rund 950 EH/s. Der Höchststand von 1.162 EH/s vom 19. Oktober 2025 ist damit aber noch nicht erreicht.

Macht die Undurchsichtigkeit der Eigentümer einen 51-Prozent-Angriff wahrscheinlicher?

Nein. Die Kosten eines Mehrheitsangriffs hängen an Hardware und Strom, nicht an der Identität der Miner. Campbell Harvey von der Duke University beziffert einen einwöchigen Angriff auf rund 8 Milliarden US-Dollar. Das Sicherheitsbudget von etwa 14 Milliarden US-Dollar pro Jahr bleibt robust, egal ob die Miner namentlich bekannt sind oder nicht.

Wie können europäische Anleger in Hashrate investieren?

Direkt gar nicht, denn Mining ist keine regulierte Finanzdienstleistung unter der Aufsicht von BaFin oder MiCA. Exposure entsteht indirekt über Aktien börsennotierter Miner oder über regulierte Bitcoin-ETPs. Zu beachten ist, dass Miner-Aktien zunehmend die KI- und HPC-Fantasie einpreisen und weniger die reine Mining-Leistung.

Von Marcus Okafor, Redakteur für Bitcoin und Mining bei HOGE Wire.

Share 𝕏 Post Telegram