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● Mining & Staking

Bitmain gegen MicroBT: Wenn der Hersteller selbst schürft

Der Streit um Bitmain und MicroBT dreht sich meist um J/TH. Doch 2026 zählt eine andere Frage: Was heißt es, wenn dein Hardware-Lieferant selbst schürft und den größten Pool betreibt?

Wer 2026 über Bitcoin-Mining-Hardware spricht, landet fast immer beim gleichen Zweikampf: Bitmain gegen MicroBT, Antminer gegen Whatsminer, gemessen in Joule pro Terahash. Das ist eine saubere, ingenieurnahe Frage, und sie hat eine ebenso saubere Antwort: Beide Hersteller liefern heute Spitzengeräte knapp an oder unter der Marke von 10 J/TH. Nur ist die Effizienz längst nicht mehr das Interessanteste an diesem Duell.

Die wichtigere Frage ist struktureller Natur. Dein Hardware-Lieferant ist 2026 oft zugleich dein Konkurrent. Bitmain verkauft nicht nur die meisten Rigs der Welt, sondern betreibt mit Antpool auch einen der größten Mining-Pools und schürft selbst. Bitdeer, aus dem Bürgerkrieg bei Bitmain hervorgegangen, verkauft inzwischen eigene ASICs und fährt parallel über 70 EH/s eigene Rechenleistung. Nur MicroBT bleibt der reine Lieferant. Wer heute eine Maschine kauft, wählt also weniger ein Datenblatt als ein Ökosystem, und diese Wahl entscheidet leise mit darüber, wie dezentral Bitcoin eigentlich noch ist.

Zur Einordnung die Lage am 12. Oktober 2026: Bitcoin steht laut CoinGecko bei rund 74.000 Euro (etwa 82.300 US-Dollar), die Netzwerkschwierigkeit liegt laut CoinWarz bei gut 132 Billionen und damit rund 15 Prozent unter dem Allzeithoch von knapp 156 Billionen vom 29. Oktober 2025, und der Hashprice, also der erwartbare Tagesumsatz je Petahash Rechenleistung, pendelt um 40 US-Dollar (etwa 36 Euro). In diesem Umfeld schrumpfen die Margen, und genau dann zählt jede strukturelle Abhängigkeit doppelt.

Die alte Frage und die neue

Die alte Frage lautete: Welches Gerät macht aus einer Kilowattstunde die meisten Hashes? Sie ist in drei bereits auf HOGE Wire erschienenen Analysen zu Bitmain und MicroBT ausführlich beantwortet, vom reinen Modellvergleich über die Marktkonzentration bis zur Abschreibungsfalle gebrauchter ASICs. Diese Frage bleibt wichtig, aber sie ist zur Ware geworden: Der Abstand zwischen dem besten Antminer und dem besten Whatsminer bei gleichem Kaufpreis liegt an der Spitze oft unter fünf Prozent.

Die neue Frage lautet: Wessen Geschäftsmodell kaufst du mit ein? Ein ASIC ist kein neutrales Werkzeug, sondern ein Zugang zu einem Netz aus Firmware, Pool-Anbindung, Ersatzteilversorgung und Wiederverkaufsmarkt. Und bei zwei der drei relevanten Hersteller ist dieses Netz mit eigener Schürf-Tätigkeit verwoben. Das erzeugt zwei Dinge, die ein Datenblatt nicht zeigt: einen möglichen Interessenkonflikt zwischen Verkäufer und Käufer sowie eine Konzentration von Macht über das, was am Ende in Bitcoins Blöcke kommt. Dieser Text handelt von der zweiten Frage.

Das Duopol in Zahlen

Dass der Markt für Bitcoin-Mining-ASICs ein Duopol ist, ist unstrittig. Branchenauswertungen taxieren Bitmains Anteil an ausgelieferter Rechenleistung auf grob vier Fünftel, MicroBT auf den größten Teil des Rests und Canaan auf wenige Prozent; zusammen decken die Top drei nahezu den gesamten Markt ab. Neu ist der dritte ernstzunehmende Name hinter dem Duopol: Bitdeer, mit der SEALMINER-Reihe, das nicht aus dem Nichts kam, sondern aus Bitmain selbst.

Die drei Firmen sehen auf dem Datenblatt ähnlich aus, unterscheiden sich im Geschäftsmodell aber grundlegend. Die folgende Tabelle fasst zusammen, wer was ist.

UnternehmenGegründetGründerRig-MarkeEigener PoolEigenes SchürfenBörse
Bitmain2013, PekingJihan Wu und Micree (Ketuan) ZhanAntminerAntpool (seit 2014)japrivat
MicroBT2016, ShenzhenYang Zuoxing (Ex-Bitmain)Whatsminerneinnein (im Kern)privat
Bitdeer2018 ausgegliedertJihan Wu (nach dem Bitmain-Split)SEALMINERnein (nutzt Fremd-Pools)ja, über 70 EH/sNasdaq (BTDR)

Drei Firmen, drei Geschäftsmodelle

Bitmain ist ein integrierter Konzern: Es entwirft die Chips, baut die Rigs, verkauft sie an Dritte, betreibt mit Antpool einen eigenen Pool und schürft zusätzlich auf eigene Rechnung. Jede Stufe der Wertschöpfung ist unter einem Dach. Das verschafft Bitmain Skaleneffekte und eine konkurrenzlose Marktübersicht, denn kaum jemand sieht die reale Nachfrage nach Hardware so früh wie der Hersteller, der selbst mitbietet.

MicroBT ist das Gegenteil: ein reiner Ausrüster. Das Unternehmen baut Whatsminer und verkauft sie, Punkt. Es betreibt keinen nennenswerten eigenen Pool, es konkurriert nicht in großem Stil als Miner mit seinen eigenen Kunden. Genau diese Enthaltsamkeit vermarktet MicroBT als Vorteil, und in Hosting-Umgebungen, in denen Betreiber fremde Hardware für Dritte laufen lassen, zählt die Abwesenheit eines Interessenkonflikts tatsächlich etwas.

Bitdeer liegt dazwischen und ist zugleich der spannendste Fall. Das Unternehmen verkauft seit 2025 SEALMINER-Rigs an Dritte, hält aber selbst über 70 EH/s an Rechenleistung und ist damit einer der größten börsennotierten Miner der Welt. Bitdeer ist also Verkäufer und Großschürfer in einem, so wie Bitmain, nur ohne eigenen Pool und als an der Nasdaq gelistetes Unternehmen mit entsprechender Offenlegungspflicht. Die Entscheidung, welche dieser drei Logiken man beim Kauf unterschreibt, ist 2026 wichtiger als die zweite Nachkommastelle beim J/TH-Wert.

Antpool: wenn der Rig-Marktführer auch die größte Mine betreibt

Der entscheidende Unterschied zwischen Bitmain und MicroBT steht in keinem Spec-Vergleich: Bitmain betreibt Antpool. Der Pool wurde laut CoinMarketCap Academy 2014 von Bitmain gegründet, ursprünglich als Dienst für Besitzer von Antminer-Geräten, und kontrolliert heute dauerhaft rund 18 bis 19 Prozent der gesamten Netzwerk-Rechenleistung. Damit vereint ein einziges Unternehmen zwei Dinge, die bei einem dezentralen Geldsystem eigentlich getrennt sein sollten: die Herstellung der überwiegenden Mehrheit aller Schürfmaschinen und den Betrieb einer der beiden größten Minen des Netzwerks.

Warum ist der Pool wichtig und nicht nur die Hardware? Weil nicht die einzelne Maschine entscheidet, welche Transaktionen in einen Block kommen, sondern der Pool, der die Arbeitsvorlagen (die Block-Templates) an die angeschlossenen Miner verteilt. Wer den Pool kontrolliert, bestimmt in der Praxis die Zusammensetzung der Blöcke: welche Transaktionen aufgenommen, in welcher Reihenfolge sortiert und ob bestimmte Adressen zensiert werden. Die reine Rechenleistung liegt verteilt bei Tausenden Betreibern, die Entscheidungsgewalt über den Blockinhalt konzentriert sich bei einer Handvoll Pools. Diese Trennung ist der Kern der folgenden Abschnitte. Sie berührt dieselbe Frage nach Kontrolle über das Protokoll, die auch beim Streit um Taproot und den BIP-54-Test im Zentrum stand.

Die Konzentration ist größer, als die Tabelle zeigt

Auf den ersten Blick wirkt die Pool-Landschaft halbwegs verteilt. Laut einer Auswertung von news.bitcoin.com vom Juni 2026 entfielen auf die vier größten Pools zusammen über 70 Prozent der Netzwerk-Rechenleistung. Foundry USA, betrieben von der US-Gruppe Digital Currency Group, führte mit rund 31 Prozent, gefolgt von Antpool (Bitmain) mit rund 18 Prozent, ViaBTC mit rund 13 und F2Pool mit rund 10 Prozent.

PoolNetzwerkanteil (ca.)BetreiberEinordnung
Foundry USA26 bis 31 %Digital Currency Group (USA)institutionell, strenge KYC-Pflicht
Antpool18 bis 19 %BitmainHersteller und Pool in einer Hand
ViaBTC10 bis 13 %ViaBTCoffener Multi-Coin-Pool
F2Pool10 bis 16 %F2Pooleiner der ältesten Pools

Die entscheidende Kennzahl ist der Nakamoto-Koeffizient: die Mindestzahl an Akteuren, die sich zusammentun müssten, um mehr als die Hälfte der Blöcke zu kontrollieren. Die im selben Bericht zitierte Momentaufnahme von D-Central für das erste Halbjahr 2026 beziffert ihn für die Pool-Ebene auf drei. Drei Unternehmen, nicht dreitausend, stehen also rechnerisch zwischen dem Netzwerk und einer Mehrheitskontrolle über die Blockproduktion.

Und selbst diese drei untertreiben die wahre Konzentration womöglich. Der pseudonyme Bitcoin-Forscher 0xB10C hat in einer vielbeachteten Analyse der Block-Templates gezeigt, dass mehrere nominell eigenständige Pools nahezu identische Arbeitsvorlagen verschicken wie Antpool. In seinem Beobachtungszeitraum wiesen Antpool, BTC.com und Poolin untereinander 98 bis 99 Prozent Ähnlichkeit in der Template-Erstellung auf; dieser Cluster allein kam auf gut 26 Prozent Netzwerkanteil, die neun von ihm untersuchten Pools zusammen auf rund 38 Prozent, mehr als Foundry mit gut 31 Prozent. 0xB10C ist dabei bewusst vorsichtig: Es sei nicht bewiesen, dass eine einzige Instanz hinter diesen Pools stehe, und einige hätten während der Beobachtung ihren Template-Anbieter gewechselt. Aber die Daten legen nahe, dass die effektive Kontrolle über Blockinhalte stärker gebündelt ist, als die offiziellen Prozentzahlen vermuten lassen.

Für die Hersteller-Frage heißt das: Wenn Bitmain die meisten Maschinen baut und zugleich einen Pool betreibt, dessen Template-Logik offenbar über mehrere Marken hinweg Spuren hinterlässt, dann ist die Macht über Bitcoins Blöcke näher an einem einzelnen Industrieakteur, als die meisten Nutzer annehmen. Das ist keine Verschwörung, sondern schlicht die Folge vertikaler Integration in einem Markt, der ohnehin zum Duopol neigt.

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