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● Mining & Staking

Hashprice trifft die Fed: Bitcoins Miner im Zins-Stresstest

Am 16. September dürfte die Fed zum ersten Mal seit 2023 die Zinsen erhöhen. Für den Hashprice zählt das doppelt: über den Bitcoin-Preis und über die Kapitalkosten der Miner.

In den vergangenen vier Wochen ist der Hashprice, die wichtigste Umsatzkennzahl im Bitcoin-Mining, um gut 22 Prozent gestiegen: von 32,42 auf 39,63 US-Dollar pro Petahash und Tag, wie der Datendienst News.Bitcoin.com Anfang September vorrechnete. Nach einem brutalen Jahr klingt das nach Entwarnung. Doch der Sprung hat wenig mit dem Netzwerk zu tun und fast alles mit dem Bitcoin-Preis, der nach der August-Rally bei rund 77.300 US-Dollar (etwa 66.600 Euro) notiert (CoinGecko). Und genau dieser Preis steht diese Woche zur Disposition.

Am 16. September entscheidet die US-Notenbank unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh über die Zinsen, und die Terminmärkte preisen mit fast 87 Prozent Wahrscheinlichkeit die erste Erhöhung seit Juli 2023 ein (CNBC). Für den Hashprice ist eine Zinsentscheidung kein Randthema. Sie trifft die Kennzahl gleich zweifach: über den Bitcoin-Preis, also die Fiat-Seite der Rechnung, und über die Kapitalkosten der Miner, die Bilanz-Seite. Zum ersten Mal seit dem Straffungszyklus 2022 trifft ein Zinsschritt eine Mining-Branche, die hoch verschuldet ist und mitten im Umbau zu KI-Rechenzentren steckt.

Dieser Beitrag liest den Hashprice deshalb nicht als Lehrbuchformel und nicht als Sicherheitsbudget, sondern als das, was er im September 2026 vor allem ist: eine zinssensible Zahl. Wir zerlegen die drei Kanäle, über die der Fed-Entscheid die Miner-Rechnung dreht, ziehen die Parallele zum Krisenjahr 2022 und erklären, warum ausgerechnet die künstliche Intelligenz die Kapitalkosten mancher Miner senkt, während die Notenbank sie hebt.

Hashprice in zwei Sätzen: zwei Wetten in einer Zahl

Der Hashprice misst, wie viel ein Miner pro Tag mit einer bestimmten Menge Rechenleistung verdient. Der Begriff stammt von Luxor beziehungsweise dessen Analysehaus Hashrate Index, das ihn 2019 prägte. Quotiert wird er üblicherweise in US-Dollar je Petahash und Tag (PH/Tag); für einzelne Geräte teilt man durch 1.000 und rechnet in Terahash. Die Formel ist simpel: rund 144 Blöcke pro Tag, multipliziert mit der Summe aus Blockprämie (derzeit 3,125 BTC seit dem Halving 2024) und Transaktionsgebühren, multipliziert mit dem Bitcoin-Preis, geteilt durch die gesamte Netzwerk-Hashrate.

Wichtig ist, was in dieser einen Zahl steckt: zwei völlig verschiedene Wetten. Die erste ist eine Wette auf den Preis (Blockprämie mal Bitcoin-Kurs), die Fiat-Seite. Die zweite ist eine Wette auf das Netzwerk (die eigene Hashrate im Verhältnis zur gesamten), gesteuert über die Difficulty. Die Gebühren, die den dritten Baustein bilden, sind 2026 fast vernachlässigbar und machen nur etwa ein halbes Prozent der Blockprämie aus. Wer den Hashprice verstehen will, muss diese beiden Seiten trennen, denn die Fed bewegt nur die eine. Wie unsicher schon die Netzwerk-Seite überhaupt gemessen ist, zeigt unser Beitrag dazu, warum niemand die echte Hashrate kennt.

Der Stand kurz vor der Sitzung

Bevor wir die Kanäle öffnen, der Ausgangspunkt in Zahlen. Der Hashprice liegt nach dem Difficulty-Retarget vom 6. September wieder knapp unter 40 US-Dollar, nahe seinem höchsten Stand seit rund einem Jahr. Der letzte offizielle Wochenwert lag laut dem Wochenbericht von Hashrate Index bei 39,36 US-Dollar. In Bitcoin gerechnet steht die Kennzahl dagegen praktisch still, ein erster Hinweis darauf, dass die Erholung ein Preis-, kein Netzwerkereignis ist.

KennzahlWertQuelle
Hashprice (USD)39,63 $/PH/Tag (nach Retarget 6. Sep)News.Bitcoin.com
Letzter Wochenwert39,36 $/PH/TagHashrate Index (31. Aug)
Hashprice (BTC)rund 0,00050 BTC/PH/TagHashrate Index
Hashprice (EUR)rund 34 €/PH/TagUmrechnung
Bitcoin-Preisrund 77.300 $ / 66.600 €CoinGecko (12. Sep)
Difficulty127,45 Bio. (+1,31 % am 6. Sep)News.Bitcoin.com
Hashraterund 934 EH/s (unter 1 ZH/s)News.Bitcoin.com
Gebührenanteilrund 0,4 bis 0,6 % der BlockprämieHashrate Index
6-Monats-Forward37,59 $/PH/TagHashrate Index

Bemerkenswert ist die letzte Zeile: Der Sechs-Monats-Forward liegt mit 37,59 US-Dollar unter dem Kassakurs. Der Terminmarkt ist also in Backwardation, er preist ein, dass die Rally verblasst. Der Markt für Bitcoins Rechenleistung wettet gegen seine eigene Gegenwart, und das ausgerechnet vor der Sitzung, die darüber mitentscheidet.

Warum die Fed-Sitzung diese Woche über den Hashprice mitentscheidet

Die Fed hält ihren Leitzins seit Dezember 2025 bei 3,50 bis 3,75 Prozent, in fünf Sitzungen in Folge. Doch die September-Daten kamen heiß herein. Der Arbeitsmarktbericht für August meldete am 4. September 162.000 neue Stellen, weit über den erwarteten rund 53.000 (CNBC). Die Erzeugerpreise stiegen im August um 5,4 Prozent zum Vorjahr, den höchsten Wert des Jahres. Und die Verbraucherpreise legten am 11. September um 0,4 Prozent zum Vormonat zu; die Kernrate von 0,3 Prozent lag über der Erwartung (CNBC). Nach dieser Serie preist der CME-FedWatch-Indikator eine Zinserhöhung auf 3,75 bis 4,00 Prozent mit fast 87 Prozent ein. Es wäre der erste Zinsschritt nach oben seit Juli 2023 und der erste Dot-Plot unter Warsh.

Warsh hat keinen Zweifel gelassen, wohin die Reise geht. In seiner ersten Rede als Vorsitzender in Jackson Hole nannte er die Marke von zwei Prozent, gemessen am PCE-Preisindex, „ein festes, unverrückbares Ziel“ und fügte hinzu, solange die Inflation nicht überzeugend und schnell genug falle, „haben wir noch Arbeit vor uns“ (Federal Reserve). Der Ton ist nicht auf Lockerung gestimmt. Und die Fed steht damit nicht allein: Die Europäische Zentralbank hob ihre Sätze bereits am 10. September zum zweiten Mal in diesem Jahr an, der Einlagensatz liegt nun bei 2,50 Prozent. Präsidentin Christine Lagarde nannte den einstimmigen Schritt einen „no brainer“, eine offensichtliche Entscheidung (Bloomberg). Für Miner heißt das: Der geldpolitische Gegenwind kommt synchron von beiden Seiten des Atlantiks, nicht als isoliertes US-Ereignis.

Kanal eins: der Bitcoin-Preis

Die Fiat-Seite des Hashprice ist eine direkte Funktion des Bitcoin-Preises. Steigt der Kurs, steigt der in Dollar gemessene Hashprice, ohne dass sich am Netzwerk irgendetwas ändert. Genau das ist im August passiert: Die 22 Prozent Plus waren fast vollständig ein Preisereignis. In Bitcoin gerechnet bewegte sich die Kennzahl kaum, sie verharrte bei rund 0,0005 BTC pro Petahash und Tag. Der Miner verdiente also nicht mehr Coins, seine Coins waren nur mehr wert.

Eine Zinserhöhung wirkt auf diese Seite über die üblichen Makrokanäle: höhere Realzinsen, ein festerer Dollar, straffere Liquidität. Alle drei drücken tendenziell auf Risikoanlagen, und Bitcoin gehört trotz aller Digital-Gold-Erzählung weiter dazu. CoinDesk beschrieb schon im August, wie steigende Staatsanleiherenditen die Absicherungs-Erzählung von Bitcoin auf die Probe stellen (CoinDesk). Man sah es in Echtzeit: Nach dem heißen CPI vom 11. September schoss Bitcoin kurz Richtung 80.000 US-Dollar, stieß dann aber an der Wand steigender Anleiherenditen ab. Der Kurs liegt noch immer rund 39 Prozent unter seinem Allzeithoch von 126.198 US-Dollar vom 6. Oktober 2025. Kurz gesagt: Was den Hashprice hochgehebelt hat, ist genau das, was ein Zinsschritt bedroht.

Kanal zwei: die Kapitalkosten der Miner

Hier unterscheidet sich 2026 von jeder früheren Hashprice-Betrachtung. Miner sind längst nicht mehr nur Preisnehmer auf der Umsatzseite, sie sind Schuldner. Der Umbau zu KI- und Hochleistungsrechenzentren hat die Branche mit Fremdkapital vollgeladen. IREN trägt rund 3,7 Milliarden US-Dollar an Wandelanleihen, TeraWulf kommt auf etwa 5,7 Milliarden Gesamtverschuldung, Cipher Mining hat 1,7 Milliarden in besicherten Anleihen begeben (MinerWeekly). Jeder Basispunkt, den die Fed anhebt, verteuert das Rollen dieser Schulden und die Finanzierung der nächsten ASIC-Charge.

Fremdkapital ist dabei nur die eine Hälfte. Viele börsennotierte Miner finanzieren sich zusätzlich über die laufende Ausgabe neuer Aktien über den Markt. Dreht die Stimmung in den Risk-off-Modus, fällt der Aktienkurs, und jede eingesammelte Milliarde kostet mehr Anteile, also mehr Verwässerung der Altaktionäre. Auch das ist eine Form von Kapitalkosten, und auch sie steigt, wenn die Fed strafft und Risikoanlagen abwerten.

Das schlägt direkt in die Kostenrechnung durch. Laut dem Bitcoin-Mining-Report von CoinShares liegen die reinen Cash-Kosten je geschürftem Bitcoin bei etwa 77.000 US-Dollar, doch die Vollkosten, inklusive Abschreibung der Hardware, Overhead und eben der gestiegenen Kapitalkosten, übersteigen bei vielen börsennotierten US-Minern die Marke von 100.000 US-Dollar pro Coin. Der entscheidende Punkt für unsere Frage: Diese Vollkosten sind zinssensibel. Wenn die Fed strafft, verschiebt sich die Kostenkurve nach oben, selbst wenn Strompreis und Hardware unverändert bleiben. Der Abstand zwischen Hashprice und echtem Break-even schrumpft also nicht nur, wenn der Umsatz fällt, sondern auch, wenn das Geld teurer wird. Wie kapitalhungrig die Branche geworden ist, zeigt unsere Analyse zum Hashrate-Wachstum zwischen Minern, KI und Megawatt.

Die KI-Ironie: billigeres Kapital trotz Zinserhöhung

Nun die Wendung, die das Bild kompliziert. Während der Leitzins steigt, fallen die individuellen Finanzierungskosten mancher Miner. Anleihen, die 2025 noch jenseits von 9 Prozent platziert wurden, landen 2026 bei Namen wie Core Scientific, Cipher, Applied Digital und Hut 8 näher bei 6 bis 7 Prozent (MinerWeekly). Der Grund: Die neuen Finanzierungen sind zunehmend projektbesichert und an KI-Verträge mit bonitätsstarken Gegenparteien gekoppelt, nicht mehr an das schwankende Mining-Geschäft allein.

Das ergibt ökonomisch Sinn. In einer Welt höherer Zinsen zahlen Investoren einen Aufschlag für langfristige, vertraglich gesicherte und planbare Zahlungsströme, genau das, was ein Mietvertrag mit einem Hyperscaler bietet und was reines Hashprice-Risiko nicht liefert. Der KI-Pivot wirkt damit zugleich als Makro-Hedge: Er verwandelt zinssensible, Bitcoin-korrelierte Einnahmen in fixe, planbare Einnahmen. Das Paradox lautet: Je stärker ein Miner auf KI setzt, desto weniger folgen seine Kapitalkosten der Fed, und desto weniger seiner Megawatt bleiben überhaupt am Hashprice hängen. Der beste Schutz vor der zinssensiblen Fiat-Seite ist, weniger Miner zu sein.

Kanal drei: die Opportunitätskosten je Megawatt

Damit sind wir beim dritten Kanal. Jedes Megawatt kann Bitcoin schürfen (variabler, an den Hashprice gekoppelter Umsatz) oder KI-Last hosten (fixe Miete). Höhere Diskontsätze verändern die Barwertrechnung zwischen beiden Optionen, und sie verschieben sie tendenziell zugunsten der KI, eben weil der Markt planbare Cashflows in einem Hochzinsumfeld höher bewertet. Der Zins beschleunigt so die Abwanderung von Kapazität weg vom Hashprice.

Jaran Mellerud, Gründer von Hashlabs Mining und einer der genauesten Beobachter der Miner-Ökonomie, hält 2026 für möglich als erstes Jahr in Bitcoins Geschichte mit einer über das Jahr rückläufigen Hashrate. Die Hashrate werde von zwei starken Kräften zugleich gedrückt: schwacher Mining-Ökonomie und KI-Konversion. Schon im Frühjahr, als Bitcoin bei rund 67.000 US-Dollar notierte und die Vollkosten bei etwa 90.000 lagen, brachte er es auf den Punkt: Viele Miner bewegten sich „auf Messers Schneide“ (CoinDesk). Selbst ein vergleichsweise effizienter Antminer S21 sei bei 0,07 US-Dollar je Kilowattstunde cashflow-negativ. Dass die Hashrate mit 934 EH/s noch immer unter ihrem Rekord von rund 1,1 ZH/s aus dem Oktober 2025 liegt, passt ins Bild.

Das Echo von 2022: als der Zins die Miner zerlegte

Wer wissen will, was ein Straffungszyklus mit hoch verschuldeten Minern anrichten kann, muss nur drei Jahre zurückblicken. 2022 hob die Fed die Zinsen im Rekordtempo an, Bitcoin verlor mehr als 60 Prozent seines Werts, der Hashprice brach ein, und Miner mit teuren, maschinenbesicherten Krediten liefen gegen die Wand. Core Scientific, damals einer der größten börsennotierten Miner, beantragte im Dezember 2022 Gläubigerschutz nach Chapter 11; der Rechenzentrumsbauer Compute North war schon im Herbst insolvent. Die Kombination, die sie umbrachte, war nicht ein niedriger Hashprice allein, sondern niedriger Hashprice plus Verschuldung plus steigende Zinsen.

2026 wiederholt sich die Zutatenliste teilweise: fixe Kosten, variabler Umsatz, fällige Anleihen, eine straffende Notenbank. Anders ist der Rest. Der Hashprice ist in Bitcoin gerechnet höher als am Tiefpunkt 2022, die Branche diversifiziert in KI, und die Kapitalkosten komprimieren sich derzeit eher, als dass sie explodieren. Das Echo ist real, aber es ist leiser. Die Lehre bleibt dieselbe: Nicht der Hashprice allein bringt Miner in Gefahr, sondern der Hashprice im Zusammenspiel mit dem Schuldenstand, und über den Schuldenstand entscheidet der Zins mit.

Der Difficulty-Thermostat: die zinsunempfindliche Seite

Die zweite Seite des Hashprice, das Netzwerk, kennt keine Notenbank. Fällt der Hashprice und kapitulieren Miner, sinkt die Hashrate, die Difficulty passt sich rund alle zwei Wochen nach unten an, und der Hashprice je Einheit erholt sich, ganz ohne Beschluss. Dieser automatische Ausgleich ist der Puffer, den die Fiat-Seite nicht hat. Zuletzt lief er umgekehrt: Weil die Preis-Rally Hashrate zurücklockte, stieg die Difficulty am 6. September um 1,31 Prozent auf 127,45 Billionen, die achte Anhebung des Jahres (News.Bitcoin.com). Der Thermostat holt sich einen Teil des Windfalls zurück.

Zuvor war die Difficulty über weite Strecken des Jahres gefallen, im Jahresvergleich sogar erst zum zweiten Mal überhaupt. Wie diese Rückkopplung die Marge der Miner wieder einfängt, haben wir gesondert beschrieben, in Mining-Margen 2026: die Marge, die das Netz zurückholt. Für die Zins-Frage zählt vor allem eines: Dieser Kanal reagiert auf Ökonomie, nicht auf den Fed-Entscheid. Die Difficulty interessiert sich nicht für Dot-Plots.

Der ETF-Kanal: warum auch die Nachfrageseite am Zins hängt

Der marginale Käufer von Bitcoin ist 2026 zu einem großen Teil institutionell, über Spot-ETFs. Und ETF-Zuflüsse sind selbst zinssensibel. In einem Hochzinsumfeld steigt die Hürde für jede Allokation, und Geldmarktpapiere werfen wieder eine Rendite ab, die mit einem zinslosen Vermögenswert konkurriert. Ein falkenhafter Dot-Plot kann die Zuflüsse bremsen, was den Bitcoin-Preis und damit die Fiat-Seite des Hashprice belastet. Wie groß dieser Markt inzwischen ist und wie sehr er das Geschehen dominiert, zeigt unser Überblick zum Milliardengeschäft der Krypto-ETFs. Für den Miner bedeutet das: Der Zins wirkt nicht nur über seine Kosten, sondern auch über die Nachfrage nach dem Coin, den er produziert.

Break-even unter Zinsdruck: die Strompreis-Rechnung

Wie eng es wirklich ist, zeigt der Break-even nach Stromkosten. Die folgende Tabelle rechnet den maximal tragbaren Strompreis pro ASIC-Modell beim aktuellen Hashprice von 39,36 US-Dollar (letzter offizieller Wochenwert) durch. Die Formel ist der Hashprice geteilt durch 24 mal der Effizienz in Joule pro Terahash; die Euro-Werte nutzen einen Kurs von rund 1,16.

ASIC-ModellEffizienz (J/TH)Break-even (nur Umsatz)
Antminer S21 XP13,5rund 0,105 €/kWh (0,122 $)
Antminer S21 Pro15,0rund 0,094 €/kWh (0,109 $)
Whatsminer M60S18,5rund 0,076 €/kWh (0,089 $)
Antminer S19 XP21,5rund 0,066 €/kWh (0,076 $)
Antminer S19j Pro29,5rund 0,048 €/kWh (0,056 $)

Zwei Dinge sind an dieser Tabelle entscheidend. Erstens: Es ist ein reiner Umsatz-Break-even. Pool-Gebühren, Kühlung, Personal und vor allem die Kapitalkosten kommen obendrauf, und der echte, voll gerechnete Break-even liegt deutlich über diesen Linien. Genau dieser Aufschlag ist der zinssensible Teil; er steigt mit jedem Fed-Schritt. Zweitens: Selbst der modernste Antminer S21 XP braucht Strom für rund 10,5 Cent oder weniger, um überhaupt umsatz-positiv zu sein. Ältere S19-Maschinen brauchen Strompreise, die nur an sehr günstigen Standorten existieren.

Drei Szenarien für den 16. September

Wie könnte der Entscheid auf den Hashprice durchschlagen? Die folgende Matrix bündelt die drei plausibelsten Ausgänge und ihre Wirkung über den dominanten Kanal, den Bitcoin-Preis.

SzenarioFed-EntscheidBitcoin-ReaktionHashprice (USD)Für Miner
Falken-ÜberraschungErhöhung plus falkenhafter Dot-PlotRisk-off, Kurs unter DruckfälltDoppelschlag: Umsatz runter, Kapitalkosten rauf
Erwarteter SchrittErhöhung, Ton eher einmaliggrößtenteils eingepreist, seitwärtshält bei rund 38 bis 40 $Erleichterung, Blick auf den 2027-Pfad
Taube ÜberraschungPause oder Erhöhung mit Abschluss-SignalRisk-on, Kurs höhersteigt kurzfristigWindfall, den die Difficulty zurückholt

Eine Konstante zieht sich durch alle drei Zeilen: Der in Bitcoin gerechnete Hashprice bewegt sich kaum, egal wie die Fed entscheidet. Er ist eine Netzwerkgröße. Die Zinsentscheidung ist ein Ereignis der Fiat-Seite, nicht der Netzwerk-Seite. Wer den Miner als Bitcoin-Produzenten begreift, sieht am 16. September vor allem, was mit dem Preis seines Produkts passiert, nicht mit seiner Produktionsmenge.

Deutschland, die BaFin und der doppelte Zinsdruck

Für deutschsprachige Leser lohnt ein Blick auf die lokale Lage. Vorweg die regulatorische Einordnung: Die BaFin beaufsichtigt Krypto-Dienstleister (Verwahrung, Handel, Vermittlung), nicht das Mining selbst. Schürfen ist in Deutschland keine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung; das stellt das BaFin-Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen vom 3. Januar 2025 klar. Unter MiCA fällt die Aufsicht über Anbieter, nicht über das Protokoll; die Übergangsfrist für die CASP-Zulassung lief am 1. Juli 2026 aus. Wie das Zulassungsverfahren praktisch abläuft, beschreibt unser Leitfaden zur CASP-Lizenz bei der BaFin.

Für den Zins bedeutet das hierzulande einen doppelten Druck. Erstens verteuert die EZB-Erhöhung vom 10. September die Finanzierung für jeden europäischen Miner und jede Treasury im Euroraum. Zweitens machen deutsche Industriestrompreise von grob 16 bis 20 Cent je Kilowattstunde großflächiges Mining ohnehin unrentabel, wie die Break-even-Tabelle oben zeigt; selbst der beste S21 XP wäre bei diesen Preisen tief in den roten Zahlen. Deutsche Anleger sind dem Hashprice daher fast nur mittelbar ausgesetzt, über Miner-Aktien, ETPs oder Bitcoin selbst, und all das sitzt auf der zinssensiblen Fiat-Seite. Die Zinsentscheidung aus Washington ist damit für ein deutsches Krypto-Depot relevanter als jeder heimische Schürfbetrieb.

Was Miner und Anleger jetzt beobachten sollten

Der Zinsschritt selbst ist womöglich das am wenigsten Interessante an diesem Mittwoch. Sechs Signale sind aussagekräftiger für den Hashprice der kommenden Monate:

  • Der Dot-Plot, nicht der Schritt: Der projizierte Zinspfad für 2027 und Warshs erste eigene Projektion sagen mehr über die Fiat-Seite als die 25 Basispunkte am Mittwoch.
  • Die Forward-Kurve: Der Sechs-Monats-Forward liegt mit 37,59 US-Dollar unter dem Kassakurs. Wandert er weiter nach unten, preist der Terminmarkt eine schwächere Fiat-Seite ein.
  • Der BTC-denominierte Hashprice: Bleibt er um 0,0005 BTC stabil, ist das Netzwerk gesund und jede Bewegung rein preislich getrieben.
  • Der Difficulty-Trend: Dreht die Difficulty nach den jüngsten Anhebungen wieder nach unten, kapitulieren Miner, ein Frühwarnsignal für Stress.
  • Fälligkeiten und Refinanzierungen: Bei hoch verschuldeten Minern ist der nächste Anleihetermin wichtiger als der Tages-Hashprice.
  • Hedging: Wer die Fiat-Seite absichern will, kann über Hashprice-Forwards oder Hashrate-Futures die aktuelle Rally einloggen, statt darauf zu wetten, dass sie hält.

Unterm Strich ist der Hashprice im September 2026 zu einem Makro-Instrument geworden. Er verdichtet eine Wette auf Bitcoins Preis, eine Wette auf das Netzwerk und, neuerdings, eine Wette auf die Kapitalkosten einer verschuldeten Industrie. Am 16. September bewegt die Fed vor allem die erste und die dritte dieser Wetten. Die zweite, das Netzwerk, regelt sich weiter selbst.

Frequently Asked Questions

Was ist der Hashprice beim Bitcoin-Mining?

Der Hashprice ist der erwartete Tagesumsatz eines Miners je Einheit Rechenleistung, meist angegeben in US-Dollar pro Petahash und Tag. Er ergibt sich aus Blockprämie plus Gebühren, multipliziert mit dem Bitcoin-Preis und geteilt durch die gesamte Netzwerk-Hashrate. Der Begriff wurde 2019 von Luxor beziehungsweise Hashrate Index geprägt.

Wie wirkt sich eine Zinserhöhung der Fed auf den Hashprice aus?

Eine Zinserhöhung trifft den Hashprice vor allem über den Bitcoin-Preis: höhere Realzinsen und ein festerer Dollar drücken Risikoanlagen und damit den in Dollar gemessenen Hashprice. Zusätzlich steigen die Kapitalkosten verschuldeter Miner, was ihren Vollkosten-Break-even nach oben schiebt. Der in Bitcoin gerechnete Hashprice bleibt dagegen weitgehend unberührt, weil er eine Netzwerkgröße ist.

Warum ist der Hashprice 2026 gestiegen, obwohl die Mining-Ökonomie schwach ist?

Der Anstieg um rund 22 Prozent auf knapp 40 US-Dollar war fast vollständig ein Preisereignis: Die August-Rally hob den Bitcoin-Kurs und damit mechanisch die Fiat-Seite des Hashprice. In Bitcoin gerechnet blieb die Kennzahl nahezu unverändert. Die Difficulty stieg daraufhin am 6. September wieder an und holt einen Teil des Zugewinns zurück.

Ab welchem Strompreis lohnt sich Bitcoin-Mining 2026 noch?

Beim aktuellen Hashprice liegt der reine Umsatz-Break-even für einen modernen Antminer S21 XP bei rund 0,105 Euro je Kilowattstunde, für ältere S19-Maschinen bei unter 0,05 Euro. Kapitalkosten, Kühlung und Pool-Gebühren kommen obendrauf. Bei deutschen Industriestrompreisen von 16 bis 20 Cent ist großflächiges Mining daher unrentabel.

Reguliert die BaFin Bitcoin-Mining in Deutschland?

Nein. Die BaFin beaufsichtigt Krypto-Dienstleister wie Verwahrung und Handel, nicht das Mining selbst. Bitcoin-Mining ist in Deutschland keine erlaubnispflichtige Finanzdienstleistung. Unter MiCA gilt die Aufsicht den Anbietern (CASPs), nicht dem Protokoll oder den Minern.

Von Yuki Tanaka, Redaktion Mining und Staking, HOGE Wire.

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