Solo-Mining 2026: der 150-Euro-Lottoschein gegen den Pool
Ein Bitaxe für 150 Euro gewann 2026 einen ganzen Bitcoin-Block. Warum das Heim-Mining zurück ist, wie sich das Solo-Lotto rechnet und wo der deutsche Strompreis den Spaß bremst.
Am 9. Juli 2026 gewann ein Gerät von der Größe einer Zigarettenschachtel den Bitcoin-Jackpot. Ein Bitaxe Gamma, ein offener ASIC-Miner für rund 150 Euro, der mit knapp einem Terahash pro Sekunde vor sich hin rechnete, fand über den Solo-Dienst Public Pool den Block 957.382 und kassierte 3,1382 BTC. Beim damaligen Kurs waren das etwa 200.000 US-Dollar; beim heutigen Bitcoin-Preis von rund 67.000 Euro (laut CoinGecko) entspräche derselbe Block gut 210.000 Euro. Im statistischen Mittel hätte dieses Gerät viele Jahrtausende auf einen solchen Treffer warten müssen. Es gelang in einer einzigen Nacht.
Solche Geschichten häufen sich, und sie werfen eine Frage auf, die zunächst paradox klingt: Warum kann ein Bastler mit einem Gerät zum Preis eines Wochenendeinkaufs überhaupt gegen ein Netzwerk antreten, dessen Rechenleistung sich fast einem Zettahash pro Sekunde nähert und in dem eine Handvoll Mining-Pools den Großteil aller Blöcke baut? Und was sagt die kleine, laute Renaissance des Heim-Minings über die viel größere Frage aus, wem Bitcoins Blockproduktion eigentlich gehört?
Dieser Text nimmt den Solo-Miner ernst, ohne den Pool zu romantisieren. Er erklärt die Mathematik des Lottoscheins, die Hardware- und Software-Kultur dahinter, warum sich das Ganze ausgerechnet am deutschen Strompreis reibt und wo Solo-Mining tatsächlich etwas zur Dezentralisierung beiträgt, und wo eben nicht.
Ein 150-Euro-Gerät schlägt das Zettahash-Netz
Der Fund vom 9. Juli war kein Einzelfall, aber ein besonders sauberes Beispiel. Der Miner lief laut den Berichten zu diesem Treffer nur wenige Stunden bei rund 995 Gigahash pro Sekunde, also nicht einmal einem vollen Terahash, und traf trotzdem. Es war erst das zweite Mal, dass ein Bitaxe über den Dienst Public Pool einen ganzen Block fand. Die Auszahlung von 3,1382 BTC setzt sich aus der Blocksubvention von 3,125 BTC plus rund 0,0132 BTC Transaktionsgebühren zusammen und ging ohne Abzug direkt an die Adresse des Miners (TFTC).
Knapp vier Wochen später, am 2. August, wiederholte sich das Muster mit anderem Vorzeichen. Ein Solo-Miner fand über Solo CKPool den Block 960.804 und kassierte 3,1569 BTC, erneut rund 200.000 US-Dollar. Anders als beim Bitaxe steckte hier keine Wohnzimmer-Platine dahinter, sondern etwa 100 Petahash pro Sekunde gemietete Leistung, vermutlich kurz für einen Glücksversuch angemietet. Für den Dienst war es der 317. Solo-Block, den seine Software seit 2014 gefunden hat (news.bitcoin.com).
Diese beiden Fälle zeigen die zwei Gesichter des Solo-Minings: der Hobbyist mit dem billigen Open-Source-Chip auf der einen, der Zocker mit kurz gemieteter Großleistung auf der anderen Seite. Beiden gemeinsam ist das Prinzip: alles oder nichts. Schon im November 2025 hatte ein Miner mit nur sechs Terahash über denselben Dienst 3,146 BTC gewonnen, damals gut 265.000 US-Dollar, wie The Block berichtete. Insgesamt zählte die Szene 2026 bislang zwölf Solo-Blöcke (zusammen rund 75 BTC); über die vergangenen zwölf Monate waren es gut zwei Dutzend, ein Plus von etwa 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Warum es Pools überhaupt gibt: das Varianzproblem
Um zu verstehen, warum der Solo-Treffer so selten ist, hilft ein Blick auf die Mechanik. Miner probieren fortlaufend Zahlen durch und hoffen, einen Hash zu finden, der unter einem vom Netzwerk vorgegebenen Zielwert liegt. Dieser Zielwert wird alle 2016 Blöcke so nachjustiert, dass im Schnitt alle zehn Minuten ein Block fällt, also rund 144 pro Tag. Die dafür nötige Schwierigkeit lag Anfang September bei 127,45 Billionen, nach einem Anstieg von 1,31 Prozent am 6. September, der achten Erhöhung des Jahres, während die Netzwerkleistung um 934 Exahash pro Sekunde pendelte (laut news.bitcoin.com).
Bei dieser Größenordnung trägt ein einzelner moderner Großrechner nur einen winzigen Bruchteil bei. Er würde im Mittel Jahrzehnte auf einen eigenen Block warten. Genau das ist das Varianzproblem: Der Erwartungswert mag stimmen, aber die Schwankung ist so gewaltig, dass ein Miner längst pleite wäre, bevor sich der Durchschnitt einstellt. Wer Rechnungen bezahlen muss, kann nicht darauf setzen, in ein paar Jahrzehnten einmal reich zu werden.
Pools lösen dieses Problem, indem sie die Leistung Tausender Miner bündeln und den Ertrag anteilig ausschütten. Statt selten viel zu bekommen, bekommt jeder Teilnehmer oft ein wenig, planbar und geglättet. Deshalb laufen weit mehr als 90 Prozent der weltweiten Hashrate über Pools. Ein Pool ist im Kern kein technischer Dienst, sondern ein Finanzprodukt: ein Versicherer der Varianz, der gegen eine Gebühr das Risiko übernimmt.
Solo, Pool, Solo-Pool: drei Wege zum Block
Zwischen dem einsamen Bastler und der Industrie-Farm liegt ein Spektrum. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einem echten Solo-Setup, einem Solo-Pool und einem klassischen geteilten Pool. Der Begriff Pool führt dabei in die Irre, denn ein Solo-Pool teilt gerade nichts.
| Modell | Wer trägt die Varianz | Ertragsmuster | Auszahlung | Typische Gebühr | Wer baut die Blockvorlage |
|---|---|---|---|---|---|
| Echtes Solo | Miner (voll) | Alles oder nichts | 100 Prozent an eigene Adresse | keine | Miner (eigener Node) |
| Solo-Pool (Public Pool, CKPool) | Miner (voll) | Alles oder nichts | Direkt an eigene Adresse, nicht verwahrt | 0 bis 2 Prozent | Dienst liefert Vorlage, Miner behält Block |
| Geteilter Pool (FPPS, PPLNS) | Pool oder Kollektiv | Geglättet, regelmäßig | Anteilig, oft verwahrt bis Mindestbetrag | 0 bis 4 Prozent | Pool-Betreiber (bei Stratum V1) |
Der Solo-Pool ist die entscheidende Zwischenstufe. Er nimmt dem Miner die lästige Arbeit ab, selbst einen Full Node und einen Stratum-Server zu betreiben, und stellt die Blockvorlage bereit. Findet der Miner einen gültigen Block, gehört ihm die gesamte Belohnung, abzüglich einer kleinen Gebühr. Er teilt sie mit niemandem, und der Dienst verwahrt das Geld zu keinem Zeitpunkt. Genau deshalb ist ein Solo-Pool die technisch einfachste Art, die Souveränität eines echten Solo-Miners fast vollständig zu behalten, ohne dessen ganze Infrastruktur selbst stemmen zu müssen.
Die Mathematik des Lottoscheins
Wie aussichtslos das Unterfangen rein rechnerisch ist, zeigt eine Aufstellung von Millionminer, die bei einer angenommenen Netzwerkleistung von rund 950 Exahash pro Sekunde die tägliche Trefferwahrscheinlichkeit je Gerät ausweist. Die Wahrscheinlichkeit skaliert linear: Wer doppelt so viel Hashrate aufbietet, halbiert die erwartete Wartezeit.
| Gerät | Hashrate | Tägliche Chance | Erwartete Wartezeit |
|---|---|---|---|
| Bitaxe Gamma | 1,2 TH/s | 1 zu 5,5 Millionen | rund 15.000 Jahre |
| NerdQAxe++ | 4,8 TH/s | 1 zu 1,4 Millionen | rund 3.800 Jahre |
| Avalon Nano 3S | 6 TH/s | 1 zu 1,1 Millionen | rund 3.000 Jahre |
| Gebrauchter Antminer S19 XP | 140 TH/s | 1 zu 47.000 | rund 129 Jahre |
| Antminer S21 XP | 270 TH/s | 1 zu 24.000 | rund 67 Jahre |
Millionminer rechnet vor, dass die Tageschance eines einzelnen Bitaxe immer noch etwa 53-mal höher liegt als die eines einzelnen Powerball-Loses, schließlich gibt es 144 Ziehungen pro Tag. Das ändert nichts am Kern: Für ein Kleingerät ist der Erwartungswert negativ. Solo-Mining mit einem Bitaxe ist ein Lottoschein, keine Geldanlage, und genau so wird es in der Szene auch verstanden. Wer es anders verkauft, verkauft eine Illusion.
Bitaxe: der Open-Source-ASIC hinter der Bewegung
Möglich wurde die Bewegung durch ein Stück Hardware, das es vorher nicht gab. Der Bitaxe ist der erste vollständig quelloffene ASIC-Miner der Welt, gestartet 2023 von einem Ingenieur, der unter dem Namen Skot auftritt. Die aktuelle Version Bitaxe Gamma nutzt den BM1370-Chip, dieselbe Silizium-Generation wie in Bitmains Spitzengerät Antminer S21 Pro, leistet rund 1,1 bis 1,2 Terahash pro Sekunde und zieht dabei nur etwa 18 Watt, was einer Effizienz um 15 Joule pro Terahash entspricht.
Entscheidend ist das Wort quelloffen. Sämtliche Konstruktionsdaten und die Firmware AxeOS liegen offen auf GitHub, jeder kann das Board nachbauen, prüfen oder verbessern. Ein Gerät für rund 100 bis 150 Euro (laut den Berichten zum Juli-Fund um 150 US-Dollar) ist damit die günstigste Möglichkeit, echtes ASIC-Silizium auf dem Bitcoin-Netzwerk laufen zu lassen. Wer mehr Leistung will, greift zu größeren Verwandten wie dem NerdQAxe++ mit rund 4,8 Terahash oder dem Avalon Nano 3S mit etwa sechs Terahash.
Die Bedeutung reicht über das Hobby hinaus. Jahrelang war ASIC-Fertigung eine Blackbox weniger Hersteller, allen voran Bitmain. Ein offener Chip bricht diese Intransparenz auf und bringt das Mining symbolisch dorthin zurück, wo es 2009 begann, als Satoshi Nakamoto Blöcke noch auf einer normalen CPU fand. Wie aus diesem Laptop-Mining ein Netzwerk mit fast einem Zettahash wurde, ist eine eigene Geschichte; der Bitaxe schließt den Kreis, indem er die Einstiegshürde wieder auf Wohnzimmerniveau senkt.
Public Pool und Solo CKPool: mitmachen ohne Verwahrer
Zwei Dienste dominieren die Solo-Szene, und beide verzichten bewusst auf die Verwahrung von Kundengeld. Public Pool ist quelloffen (MIT- und GPL-Lizenz), erhebt null Gebühren und lässt sich entweder gehostet unter web.public-pool.io nutzen oder komplett selbst betreiben, etwa per Docker oder als Umbrel-App auf dem eigenen Node. Man verbindet den Miner einfach mit der eigenen Bitcoin-Adresse als Benutzernamen, ein Konto ist nicht nötig. Findet die Hardware einen Block, fließt die volle Belohnung direkt an diese Adresse.
Solo CKPool unter solo.ckpool.org ist der Veteran. Betrieben wird er von Con Kolivas, der als Linux-Kernel-Entwickler für seine Scheduler-Patches bekannt ist. Der Dienst läuft seit 2014, nimmt rund zwei Prozent Gebühr und zahlt ebenfalls nicht verwahrt direkt aus dem Coinbase-Output aus. Kolivas kommentiert jeden Fund öffentlich mit der jeweiligen Blocknummer; sein Zähler stand nach dem 308. Block im November 2025, dem 313. im April 2026 und dem 317. am 2. August 2026.
| Dienst | Gebühr | Verwahrung | Open Source | Selbst hostbar | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|
| Public Pool | 0 Prozent | nein | ja (MIT, GPL) | ja (Docker, Umbrel) | kein Konto, Adresse als Login |
| Solo CKPool | rund 2 Prozent | nein | teils | nein (gehostet) | seit 2014, öffentlicher Block-Zähler |
Zu den Chancen findet Kolivas immer wieder deutliche Worte. Zum 308. Block schrieb er, ein Miner dieser Größe habe pro Tag nur eine Chance von rund 1 zu 180 Millionen, überhaupt einen Block zu lösen: „A miner of this size has only a 1 in 180 million chance of solving a block each day!“ Die Botschaft ist keine Anlageberatung, sondern eine ehrliche Warnung: Wer solo mint, kauft Nervenkitzel und einen Beitrag zur Netzwerkvielfalt, nicht ein verlässliches Einkommen.
Rechnet sich das? Der deutsche Strompreis als Spielverderber
Für deutsche Miner kommt eine Hürde hinzu, die anderswo kleiner ausfällt: der Strompreis. Im September 2026 zahlten Haushalte im Schnitt rund 31 Cent pro Kilowattstunde, Neukunden kamen auf etwa 25 Cent; über das gesamte Jahr lag der Mittelwert bei rund 37 Cent, immerhin etwas niedriger als im Vorjahr (laut Strom-Report). Kleine und mittlere Industriebetriebe zahlten mit gut 17 Cent deutlich weniger, für den Privatmann zu Hause ist das aber keine Option.
Eine einfache Überschlagsrechnung zeigt das Dilemma. Ein Bitaxe mit 18 Watt zieht rund 13 Kilowattstunden im Monat, also etwa 4 Euro, oder knapp 50 Euro im Jahr. Dem steht eine Jahreschance von etwa 1 zu 15.000 gegenüber, einen Block im Wert von gut 210.000 Euro zu finden. Der statistische Erwartungswert des Gewinns liegt damit bei rund 14 Euro pro Jahr, deutlich unter den Stromkosten. Als reines Investment ist die Rechnung negativ.
In den USA werben Anbieter gern mit Betriebskosten von einem bis zwei Dollar im Monat, doch das setzt Strompreise voraus, von denen deutsche Verbraucher nur träumen. Damit sich der Lottoschein hierzulande überhaupt lohnt, muss der Strom, den er verbraucht, ohnehin geflossen sein. Und genau da kommt die Wärme ins Spiel.
Der Trick mit der Wärme: der Miner als Heizkörper
Physikalisch ist ein ASIC-Miner ein fast perfekter Elektroheizer, der nebenbei Bitcoin verdient. Praktisch die gesamte aufgenommene elektrische Leistung verlässt das Gerät als Wärme, genau wie bei einem Heizlüfter. Wer seinen Raum ohnehin elektrisch heizt, kann diese Heizarbeit ebenso gut von einem Miner erledigen lassen, zum selben Strompreis, aber mit einem gratis Lottoschein obendrauf. In der Szene heißt das Hashrate-Heating.
Der Haken steckt im Vergleich. Der Eins-zu-eins-Vorteil gilt nur gegenüber einer reinen Widerstandsheizung. Gegen eine moderne Wärmepumpe, die aus einer Kilowattstunde Strom drei bis vier Kilowattstunden Wärme holt, oder gegen günstiges Gas ist der Miner teure Wärme, und die Rechnung kippt. Für einen leisen Bitaxe mit 18 Watt und rund 35 Dezibel, der als Nebenwärmequelle unter dem Schreibtisch summt, spielt das kaum eine Rolle; für einen alten Antminer S19 XP, der etwa 3.010 Watt Wärme abgibt, sehr wohl.
Ein wachsender Markt hat daraus Produkte gemacht, vom Heatbit bis zu umgebauten Antminern als Raumheizung; der Report State of Home Bitcoin Mining and Heat Reuse von D-Central dokumentiert das Segment. Für den deutschen Kontext ist die Botschaft nüchtern: Solo-Mining rechnet sich hier fast nur, wenn man die Wärme sowieso braucht und sonst mit Strom erzeugt hätte. Welche Rolle die Ökobilanz dabei spielt, hängt weniger vom Miner ab als vom Netz, an dem er hängt.
Was Solo-Mining wirklich zur Dezentralisierung beiträgt
So sympathisch die Bilder vom siegreichen Bastler sind, ehrlich bleibt: Für die Machtverteilung im Netzwerk ist das Heim-Mining vorerst ein Rundungsfehler. Alle Solo-Miner zusammen bringen deutlich weniger als ein Prozent der Hashrate auf. An der Konzentration ändert das nichts. Laut Hashrate Index hält Foundry USA rund 25 Prozent, AntPool etwa 19 und F2Pool knapp 15 Prozent; die drei größten Pools bauen zusammen fast 60 Prozent aller Blöcke, sechs Pools über 80 Prozent. Der Nakamoto-Koeffizient, also die Zahl der Akteure, die für eine Mehrheit nötig wären, liegt bei drei.
Und doch ist der Beitrag nicht null. Jeder Solo-Block ist ein Block, den kein Großpool gebaut hat, also eine Blockvorlage, die keiner Filterlogik eines einzelnen Betreibers unterlag. Das ist gelebte Zensurresistenz im Kleinen. Vor allem hält Solo-Mining eine Eigenschaft am Leben, die für Bitcoins Sicherheitsversprechen zentral ist: dass grundsätzlich jeder mitmachen kann, ohne um Erlaubnis zu fragen.
Ocean-Mitgründer und Bitcoin-Core-Entwickler Luke Dashjr hat diesen Gedanken auf den Punkt gebracht, als über seinen Pool zwei unabhängige Miner kurz hintereinander Blöcke fanden: „Instead of two blocks made by the same pool, we get blocks made by two independent miners, exactly the same as if they weren’t using any pool at all!“ (x.com). Die eigentliche Frage ist also nicht, ob ein Bitaxe Foundry entthront, sondern ob sich die Blockproduktion breiter verteilen lässt, ohne dass Miner auf die Varianzversicherung des Pools verzichten müssen.
Stratum V2 und DATUM: Souveränität auch im Pool
Genau hier setzt die wichtigste Protokollneuerung dieser Mining-Generation an. Beim alten Stratum V1 baut der Pool-Betreiber die Blockvorlage und bestimmt damit, welche Transaktionen hineinkommen; der Miner liefert nur Rechenleistung. Stratum V2 dreht das um. Über die sogenannte Job Declaration baut ein Miner mit eigenem Full Node seine Vorlage selbst, der Pool prüft nur noch und übernimmt weiterhin die geglättete Auszahlung. Zusätzlich verschlüsselt V2 die Verbindung zwischen Miner und Pool.
Die Wirkung ist bemerkenswert: Man bekommt die Souveränität des Solo-Miners bei der Blockgestaltung, ohne dessen mörderische Varianz zu erben. Oceans Ansatz DATUM verfolgt dasselbe Ziel auf einem anderen Weg und läuft sogar auf bestehender V1-Firmware, ohne dass die ASICs ein Update brauchen. Eine Analyse von Spark beschreibt V2 als binäres, verschlüsseltes Protokoll, das die Blockkonstruktion an die Miner zurückgibt.
2026 ist das aus der Theorie in die Praxis gekippt. Von geschätzt 15 bis 20 Prozent Hashrate zu Jahresbeginn schlossen sich am 7. Mai sieben große Pools mit zusammen rund 75 Prozent der Leistung einer Arbeitsgruppe an; die Referenzimplementierung SRI rechnet bis Jahresende mit 40 bis 60 Prozent auf V2. Den ersten Block mit selbst deklarierter Vorlage bauten am 25. Juni die Teams von DMND und GoMining (Block 955.318). GoMining-CEO Mark Zalan ordnete den Bruch mit der bisherigen Praxis ein: „For years, mining pools have determined which transactions are included in Bitcoin blocks.“ (TFTC).
Für die Heim-Szene ist entscheidend, dass die Fronten hier zusammenlaufen. Dieselbe Bitaxe-Firmware AxeOS unterstützt in neueren Versionen Stratum V2, ebenso Braiins OS+ auf Antminern und die NerdQAxe-Firmware. Der Bastler an der Frontlinie des Hobbys steht damit zugleich an der Frontlinie der Protokollentwicklung. Diese vertrauensarme Bauweise, bei der man Kontrolle nicht abgeben muss, ist derselbe Gedanke, der auch vertrauensarme Brücken für Bitcoin-L2s antreibt.
Steuer und Aufsicht: was der deutsche Heim-Miner beachten muss
Wer in Deutschland mint, sollte die steuerliche Seite kennen, denn sie unterscheidet sich klar von der reinen Kursspekulation. Nach herrschender Auffassung sind Mining-Erträge im Moment des Zuflusses zum Marktwert steuerpflichtig. Gelegentliches, privates Mining fällt in der Regel unter die sonstigen Einkünfte nach Paragraf 22 Nummer 3 EStG, für die eine Freigrenze von 256 Euro pro Jahr gilt. Wer dagegen mit Gewinnerzielungsabsicht und in gewissem Umfang schürft, gilt schnell als gewerblich (Paragraf 15 EStG), muss ein Gewerbe anmelden und gegebenenfalls Gewerbesteuer zahlen (eine Übersicht bietet Blockpit).
Verkauft man die geschürften Coins später, kann ein privates Veräußerungsgeschäft nach Paragraf 23 EStG vorliegen, wenn zwischen Zufluss und Verkauf weniger als ein Jahr liegt; Stromkosten und Hardware lassen sich anteilig gegenrechnen. Wichtig ist eine saubere Dokumentation von Anschaffung, Pool-Auszahlungen und Stromverbrauch, damit das Finanzamt den Vorgang nachvollziehen kann.
Aufsichtsrechtlich ist die Lage entspannter, als viele denken. Das Schürfen selbst ist kein erlaubnispflichtiger Finanzdienst. Die BaFin und die EU-Verordnung MiCA regulieren Krypto-Dienstleister (CASPs), also Verwahrer, Börsen und Emittenten, nicht aber das Protokoll oder den einzelnen Solo-Miner, wie das BaFin-Merkblatt zu Kryptowerte-Dienstleistungen klarstellt. Wer nur seinen eigenen Miner betreibt und die Belohnung an die eigene Adresse bekommt, braucht keine CASP-Lizenz. Erst wer für Dritte verwahrt oder handelt, gerät in die laufende MiCA-Aufsicht.
Die Grenzen des Traums: warum der Pool nicht verschwindet
Bei aller Sympathie für den Bastler: Der Pool verschwindet nicht. Ein professioneller Miner mit Krediten, Personal und Stromverträgen kann seine Lohnzahlungen nicht von einer Chance von eins zu einer Million abhängig machen. Er braucht den geglätteten, planbaren Ertrag, den nur ein Pool liefert. Solo-Mining bleibt deshalb ein Nischen- und Kulturphänomen, kein Geschäftsmodell im großen Stil.
Was sich aber verschoben hat, ist die Verfügbarkeit der Alternative. Nie war es billiger und einfacher, souverän zu minen: ein offener Chip für gut 100 Euro, ein quelloffener Solo-Pool ohne Verwahrung, eine Firmware, die bereits das nächste Protokoll spricht. Diese Optionalität ist selbst ein Korrektiv. Sie erinnert die großen Pools daran, dass ihre Rolle verdient und nicht garantiert ist, und sie hält die Tür für den Fall offen, dass Zensur oder Missbrauch die Miner zur Abwanderung zwingen.
Am Ende gehört der Block dem, der ihn baut. Die eigentliche Nachricht des Jahres 2026 ist nicht, dass Foundry gestürzt wurde, sondern dass dieser Jemand gelegentlich wieder eine Platine in einem deutschen Arbeitszimmer sein kann, und dass Stratum V2 verspricht, diese Souveränität bald auch denen zu geben, die im Pool bleiben.
Häufig gestellte Fragen
Kann ich mit einem Bitaxe zu Hause wirklich einen Bitcoin-Block gewinnen?
Ja, aber es ist reines Glücksspiel. Ein Bitaxe Gamma hat pro Tag eine Chance von etwa 1 zu 5,5 Millionen und müsste statistisch rund 15.000 Jahre warten. Trotzdem gab es 2026 mehrere dokumentierte Treffer, weil bei täglich 144 Blöcken und Tausenden Geräten irgendwann jemand gewinnt.
Lohnt sich Solo-Mining in Deutschland finanziell?
Als Geldanlage nein. Bei einem Haushaltsstrompreis um 31 Cent je Kilowattstunde übersteigen die Stromkosten den statistischen Erwartungswert deutlich. Wirtschaftlich wird es nur, wenn der Miner zugleich als Heizung dient und den Strom ersetzt, den man ohnehin für Wärme ausgegeben hätte.
Was ist der Unterschied zwischen Solo-Mining und einem Mining-Pool?
Beim Solo-Mining gilt alles oder nichts: Man behält den ganzen Block, trägt aber die volle Varianz. Ein geteilter Pool bündelt die Leistung vieler Miner und zahlt geglättet aus. Solo-Pools wie Public Pool oder CKPool koordinieren nur die Verbindung, teilen die Belohnung aber nicht.
Muss ich Mining-Erträge in Deutschland versteuern?
Ja. Erträge sind zum Marktwert im Zeitpunkt des Zuflusses steuerpflichtig. Privates Mining fällt meist unter sonstige Einkünfte nach Paragraf 22 Nummer 3 EStG mit einer Freigrenze von 256 Euro; gewerbliches Mining nach Paragraf 15 EStG erfordert eine Gewerbeanmeldung. Eine spätere Veräußerung binnen eines Jahres kann zusätzlich steuerpflichtig sein.
Braucht Solo-Mining eine BaFin-Lizenz?
Nein. Das Schürfen selbst ist kein erlaubnispflichtiger Finanzdienst. BaFin und MiCA regulieren Krypto-Dienstleister wie Verwahrer und Börsen, nicht das Protokoll oder den einzelnen Miner. Eine Lizenz wird erst nötig, wenn man Kryptowerte für Dritte verwahrt oder handelt.
Von Yuki Tanaka, HOGE Wire. Yuki Tanaka schreibt über Bitcoin-Mining, Netzwerk-Infrastruktur und die Ökonomie der Blockproduktion.