Atia’s Legacy: Axies Alles-oder-nichts-Wette auf ein MMO
Sky Mavis setzt Axies Zukunft auf ein MMO: Atia's Legacy. Wir erklären die Playtests, den Extraction-Dungeon, die neuen Mystic-Axies und was das für Spieler und Anleger in Österreich heißt.
Ein Spieler steigt tief in einen Dungeon in der Welt Lunacia hinab. Er trägt seine beste Ausrüstung und seinen wertvollsten Axie. Je weiter er vordringt, desto größer die Beute, aber auch die Gefahr: Verliert er alle Lebenspunkte, sind nicht nur die Gegenstände weg. In der Testfassung droht die dauerhafte Löschung des Axie selbst, jenes NFT, das ihm gehört und real gehandelt wird. Willkommen bei Atia’s Legacy, dem Spiel, auf das Sky Mavis die gesamte Zukunft von Axie Infinity setzt.
Axie Infinity war einmal das Aushängeschild einer ganzen Bewegung und wenig später ihr abschreckendstes Beispiel. Heuer versucht Sky Mavis, das Studio hinter dem Spiel, etwas fast Ketzerisches: ein Spiel, das zuerst Spaß machen und erst danach, wenn überhaupt, Geld abwerfen soll. Dieser Beitrag nimmt Atia’s Legacy auseinander, erklärt die drei Playtests, den umstrittenen Extraction-Dungeon, die künstlich wiederhergestellte Knappheit der Mystic-Axies und das neue Reputationssystem Axie Score, und fragt, ob dieser Kurswechsel gelingen kann. Am Ende steht, was das alles für Spieler und Anleger in Österreich unter FMA und MiCA bedeutet.
Vom Stipendien-Wunder zur Existenzfrage
Axie Infinity war das Sinnbild einer Idee namens play-to-earn. Auf dem Höhepunkt 2021 spielten laut France24 rund 2,7 Millionen Menschen täglich, ein großer Teil davon auf den Philippinen, in Venezuela, Indonesien und Brasilien. Über eine Struktur, die im Ökosystem Stipendium (scholarship) heißt, liehen Manager ihre teuren Axie-NFTs an Spieler ohne Startkapital, die im Gegenzug einen Teil der erspielten Token SLP abgaben. In manchen Regionen ließ sich damit ein Einkommen von rund 200 US-Dollar im Monat erzielen, in der Pandemie für viele Familien ein echter Rettungsanker.
Dann kam der Bruch. Der SLP-Kurs fiel ab Februar 2022 um mehr als 99 Prozent, das erspielte Geld war fast nichts mehr wert. Im März 2022 stahlen Angreifer über die Ronin-Bridge Kryptowerte im Wert von rund 625 Millionen US-Dollar (CoinDesk), einer der größten Hacks der Krypto-Geschichte. Wer spät eingestiegen war, blieb auf wertlosen Token und teuren Axies sitzen. Aus dem Stipendien-Wunder wurde ein Lehrstück über die Zerbrechlichkeit von play-to-earn, und die täglichen Spielerzahlen brachen auf einen Bruchteil ein. Wie Ronin die Sicherheitswunde von 2022 behandelt hat, haben wir gesondert beschrieben.
Vier Jahre später steht Sky Mavis vor einer einfachen, harten Frage: Kann eine Marke, die untrennbar mit dem Wort earn verbunden ist, ein zweites Mal Millionen Menschen begeistern, diesmal ohne das Versprechen schnellen Geldes? Die Antwort soll ein einziges Spiel liefern.
Atia’s Legacy: das MMO, auf dem alles ruht
Atia’s Legacy ist ein MMO, angesiedelt in Lunacia, der Welt der Axies. Sky Mavis entwickelt es seit Mai 2024 und beschreibt es im offiziellen Ankündigungsbeitrag als plattformübergreifendes Spiel für Mobilgeräte und PC, das den Sprung von den bisherigen Auto-Battlern zu einer echten Online-Welt schaffen soll. Statt Karten zu tippen, steuern Spieler ihre Axies in Echtzeit durch Kämpfe, sammeln Ressourcen, bauen ihr Zuhause aus, treffen sich in Städten und ringen im Endgame in sogenannten Guild Wars um die Vorherrschaft.
Der entscheidende Unterschied zum alten Axie liegt im Anspruch. CEO Trung Nguyen nannte das Projekt bei der Ankündigung das „game to show how web3 gaming should be done“ und betonte, Sky Mavis gehe „all in, to build a game that everyone loves“ (BlockchainGamer). Eine Formulierung ist dabei besonders aufschlussreich: „the hardness makes us different“, die Härte unterscheide das Spiel. Gemeint ist keine technische Schwierigkeit, sondern eine Haltung: Belohnungen sollen etwas kosten, Fortschritt soll verdient sein, nicht abgefarmt.
Wie ernst es dem Studio ist, zeigt der Umgang mit den eigenen NFTs. Axies dienen als Kampfeinheiten, Land-NFTs werden in die Welt integriert, und selbst die extrem seltenen Mystic-Axies (dazu später mehr) sollen eine Rolle spielen. Wer bereits Vermögenswerte im Ökosystem hält, soll sie im Spiel wiederfinden, nicht als Renditequelle, sondern als Ausrüstung, Status und Identität.
Drei Playtests, ein Kurswechsel
Statt einer großen Enthüllung testet Sky Mavis Atia’s Legacy in Etappen, öffentlich und iterativ. Drei Playtests gab es bisher, und ihre Reihenfolge erzählt eine Geschichte des Umdenkens.
Der erste Alpha-Test lief laut GAM3S.GG vom 25. September bis 2. Oktober 2025, zunächst nur für rund 1.000 Spieler und nur auf Mobilgeräten. Playtest 2 folgte am 8. April 2026 und brachte den vielleicht wichtigsten Designbruch: die Single Axie Control. Statt wie im klassischen Axie ein Trio gleichzeitig zu managen, steuert man nun einen einzigen Axie direkt, mit Ausweichmanövern, Spezialfähigkeiten und einem Waffenarsenal (BitPinas). Playtest 3 schließlich, live seit 1. Juli 2026, fügte einen Echtzeit-PvP-Modus hinzu: Acht Spieler treten in fünfminütigen Matches gegeneinander an, Sieger ist, wer zuerst zehn Gegner ausschaltet (BlockchainGamer).
| Playtest | Zeitraum | Neuerung | Belohnung / Format |
|---|---|---|---|
| Playtest 1 | 25. Sep bis 2. Okt 2025 | erster Alpha, rund 1.000 Spieler, nur mobil | geschlossen |
| Playtest 2 | ab 8. April 2026 | Single Axie Control, Extraction-Dungeon, Bosse, fünf neue Waffen | 1.500 bAXS |
| Playtest 3 | ab 1. Juli 2026 | Echtzeit-PvP (Free-for-all, 8 Spieler, 5 Minuten) | Trial of Eight: 2.500 bAXS |
Der rote Faden: Sky Mavis probiert in aller Öffentlichkeit aus, ob aus einem Sammelkartenspiel-Erbe ein actionorientiertes MMO mit echtem Können werden kann. Dass die Kern-Steuerung zwischen Playtest 1 und 2 komplett umgebaut wurde, ist kein Zeichen von Planlosigkeit, sondern von der Bereitschaft, spät und grundlegend zu korrigieren.
Die Risk-it-all-Dungeon und der Tod des Axie
Kein Feature von Atia’s Legacy hat für so viel Gesprächsstoff gesorgt wie der Extraction-Dungeon aus Playtest 2. Das Prinzip stammt aus dem Extraction-Shooter-Genre: Man dringt in einen gefährlichen Bereich vor, sammelt Beute und muss sich rechtzeitig wieder herausziehen (extract), sonst droht der Verlust. Wer früh aussteigt, geht auf Nummer sicher; wer tiefer geht, riskiert mehr für bessere Belohnungen.
Die Härte, von der Nguyen sprach, wird hier wörtlich. Verliert ein Axie im Risk-it-all-Modus alle Lebenspunkte, gehen zunächst die ausgerüsteten Gegenstände verloren. Sky Mavis testet darüber hinaus eine radikalere Konsequenz: die dauerhafte Löschung des Axie selbst (BitPinas). Da ein Axie ein NFT ist, das real gehandelt wird, würde ein Fehler im Dungeon damit einen echten Vermögenswert vernichten. Wichtig zur Einordnung: Diese Löschmechanik ist ausdrücklich als Test für das Feedback der Community gedacht, nicht als bereits gesetzte Endfassung.
Ökonomisch ist das ein bemerkenswerter Schwenk. play-to-earn versprach Ertrag ohne echtes Risiko des Kapitals; hier entsteht so etwas wie risk-to-earn oder, genauer, risk-to-own. Der Reiz einer Belohnung steigt mit der Gefahr, sie zu verlieren, ein Grundprinzip, das Spieledesigner seit jeher kennen und das im Krypto-Gaming lange durch garantierte Emissionen ersetzt worden war. Ob die eigene Community, groß geworden mit dem Versprechen sicheren Zuverdienstes, diese Kehrtwende mitträgt, ist eine der spannendsten offenen Fragen des Projekts.
bAXS: Belohnung ohne Inflationsfalle
Wer in den Playtests etwas gewinnt, bekommt es nicht in AXS oder SLP ausgezahlt, sondern in bAXS. Playtest 2 schüttete 1.500 bAXS an Teilnehmer aus, das PvP-Turnier Trial of Eight in Playtest 3 lobte einen Preispool von 2.500 bAXS bei einer Startgebühr von 1 AXS aus (EGamers).
bAXS ist ein spielinterner Belohnungs-Token, den Sky Mavis eingeführt hat, um die Anreize im Spiel vom frei handelbaren AXS zu entkoppeln. Genau daran war das alte Modell gescheitert: SLP wurde praktisch unbegrenzt erspielt und sofort verkauft, das Angebot explodierte, der Kurs kollabierte. Indem Belohnungen zunächst in einem gebundenen In-Game-Token anfallen, kann das Studio steuern, wie und wann Wert das Ökosystem verlässt, statt eine Verkaufslawine auf den offenen Markt zu schicken.
Das Kalkül dahinter formulierte Mitgründer Jeff „Jihoz“ Zirlin schon bei der Ronin-Migration im Mai 2026: „I expect all key metrics across the chain to start to improve. You get what you incentivise.“ (BlockchainGamer). Man bekommt, wozu man anreizt: Wer für stures Farmen belohnt, erntet Bots und Inflation; wer für Können, Risiko und echtes Spielen belohnt, hofft auf gesündere Kennzahlen. bAXS ist der Hebel, mit dem dieser Grundsatz in Atia’s Legacy umgesetzt werden soll.
Mystic-Axies und die Rückkehr der Knappheit
Während das alte Axie an Überangebot erstickte, versucht Sky Mavis heuer, Knappheit gezielt wiederherzustellen. Das jüngste Beispiel: Am 17. August 2026 reaktivierte das Studio die Möglichkeit, aus sogenannten Atia Original Crystals (AOC) neue Origin-Axies zu prägen (BlockchainGamer). Diese Kristalle stammen aus dem Vorverkaufs-Referralprogramm von 2018, ein Stück Krypto-Geschichte.
Die Zahlen sind winzig, und genau das ist der Punkt. Nur noch 1.375 AOC existieren, verteilt auf 37 Wallets. Fünf Kristalle ergeben einen Origin-Axie, insgesamt können also höchstens 275 neue Origin-Axies entstehen. Jedes der sechs Körperteile eines solchen Axie hat unabhängig eine Chance von 7 Prozent, als Mystic zu erscheinen; rechnerisch liegt die Wahrscheinlichkeit für mindestens ein Mystic-Teil bei rund 35 Prozent. Mystic-Teile sind so begehrt, weil sie sich nicht über normale Zucht vererben lassen. Weniger als 1.500 Mystic-Axies gibt es überhaupt; der Bodenpreis liegt laut Bericht bei rund 3,34 ETH, je nach ETH-Kurs also ein hoher vierstelliger bis fünfstelliger Euro-Betrag.
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Verbleibende AOC | 1.375 |
| Haltende Wallets | 37 |
| Kristalle je Origin-Axie | 5 |
| Maximal neue Origin-Axies | 275 |
| Mystic-Chance je Körperteil | 7 % |
| Wahrscheinlichkeit mindestens ein Mystic-Teil | rund 35 % |
| Existierende Mystic-Axies | weniger als 1.500 |
| Bodenpreis Mystic (laut Bericht) | rund 3,34 ETH |
Die Botschaft an die Community ist klar: Nicht jedes Asset soll beliebig vermehrbar sein. Ein Ökosystem, das Sammler, Status und Seltenheit belohnt, verhält sich völlig anders als eines, das jedem Neuling frisch geprägte Token in die Hand drückt. Genau diese Verschiebung, weg vom Ertrags-Token, hin zum knappen Sammelobjekt, ist ein Kern der Neuausrichtung.
Der Axie Score: Reputation statt Rendite
Neben Knappheit setzt Sky Mavis auf Reputation. Im Juni 2026 überarbeitete das Studio den Axie Score, ein 2024 eingeführtes Bewertungs- und Governance-System (GAMES.GG). Der Score misst das Engagement eines Spielers über vier Bereiche: NFT-Besitz, Beiträge zur Schatzkammer (treasury), Teilnahme an der Community und Leistung im Spiel. Wer punktet, gewinnt Einfluss, etwa Stimmgewicht bei Entscheidungen über die Verwendung der Treasury.
Die Neuauflage brachte eine klarere Oberfläche und ein Abzeichensystem. Neue Badges wie „Marketplace Fee Contribution“ (für Spieler, die über den Marktplatz Handelsgebühren erzeugen) oder „First Proposal Voter“ (für die Teilnahme an der ersten Abstimmung AIP-0001) erscheinen samt Punktwert und Rangliste auf dem öffentlichen Lunalog-Profil. Je nach Punktestand tragen Spieler Titel wie Lunacian oder Mythkeeper.
Der strategische Sinn zeigt sich im Zusammenspiel mit Atia’s Legacy. Der Score soll künftig auch im Spiel wirken: höhere Sichtbarkeit, möglicher Einfluss auf Entscheidungen, eventuell früher Zugang zu neuen Inhalten. Damit ersetzt Sky Mavis das alte Leitmotiv (spiele, um zu verdienen) durch ein neues (spiele und trage bei, um zu zählen). Ob Reputation ein ähnlich starker Antrieb ist wie Bargeld, muss sich erst zeigen; doch sie lässt sich nicht so leicht abfarmen und stürzt auch nicht über Nacht um 99 Prozent ab.
Was mit SLP und AXS passiert
Die Token-Reform ist bereits im Gang. Am 7. Jänner 2026 stoppte Sky Mavis das Erspielen von SLP im Ranglisten-Modus von Origins (BitPinas). Begründung: Bei sinkender Spieler-Liquidität und gleichbleibenden Belohnungen sei das Erspielen im großen Stil zum Einfallstor für Bots geworden. „SLP extraction at this scale is harmful to the long-term health of the Axie ecosystem“, hieß es vom Studio. SLP verschwindet damit nicht, es bleibt für Crafting und das Morphing von Axies nötig, wird also verbraucht statt ausgeschüttet. 2025 wurden rund 250 Millionen SLP verbrannt, ein deflationäres Jahr.
Zirlin gab sich vorsichtig optimistisch: „I expect to see a much healthier Smooth Love Potion this year“ (BitPinas). Parallel wandelt sich die Rolle von AXS: weg vom Belohnungs-Token, hin zu einem Asset, das man ausgibt und stakt, etwa für Turnier-Startgebühren wie die 1 AXS beim Trial of Eight. Die frei handelbaren Token AXS und SLP sollen so mehr Senken (Verbrauch) und weniger Quellen (Emission) bekommen, während die eigentlichen Spiel-Belohnungen über bAXS laufen.
Das ist die stille, aber vielleicht wichtigste Reform: Nicht das Marketing entscheidet über die Gesundheit eines Krypto-Spiels, sondern die Bilanz aus geschaffenen und vernichteten Token. Axie hat diese Lektion teuer bezahlt und baut seine Ökonomie nun um sie herum.
Die Zahlen hinter den Token
So plausibel die Reform klingt, an den Kursen ist sie bislang spurlos vorübergegangen. Die drei Token des Ökosystems notieren tief unter ihren Rekordständen. Die folgende Momentaufnahme stammt von CoinGecko (Stand 23. August 2026, Umrechnung bei rund 1,17 US-Dollar je Euro):
| Token | Kurs (EUR) | Marktkapitalisierung | Abstand zum ATH |
|---|---|---|---|
| AXS | rund 0,82 € | rund 142 Mio. € | -99,4 % (ATH 6. Nov 2021) |
| RON | rund 0,047 € | rund 36 Mio. € | -98,8 % (ATH 25. März 2024) |
| SLP | rund 0,00054 € | rund 19 Mio. € | -99,8 % (ATH 13. Juli 2021) |
RON tastete sich Ende Juli 2026 sogar auf ein Allzeittief von 0,04546 US-Dollar heran (CoinGecko). Bemerkenswert ist der Kontrast zwischen Unternehmen und Token. Sky Mavis kehrte im Geschäftsjahr 2024 in die Gewinnzone zurück, der Nettogewinn verdreifachte sich laut DealStreetAsia auf 13,4 Millionen US-Dollar bei 35,2 Millionen Umsatz. Der Kurs von RON oder AXS spiegelt davon nichts wider, ein Muster, das wir im Beitrag zum Auseinanderdriften von Firmenerfolg und Token-Kurs ausführlich beleuchtet haben.
Für Anleger ist das die zentrale Warnung: Ein gutes Spiel und ein gesundes Unternehmen führen nicht automatisch zu einem steigenden Token, solange kein direkter Mechanismus (etwa Rückkäufe oder Gebührenbeteiligung) Wert an die Halter zurückführt. Gerade bei RON mit einem 24-Stunden-Volumen im niedrigen Millionenbereich kommt hinzu, dass dünn gehandelte Kurse leicht ausschlagen; wie solche Referenzkurse überhaupt zustande kommen, erklären wir hier.
Ronin als Unterbau
Atia’s Legacy läuft nicht im luftleeren Raum, sondern auf Ronin, der von Sky Mavis gebauten Spiele-Blockchain. Im Mai 2026 vollzog Ronin einen tiefgreifenden Umbau: Die Kette wurde per Hardfork zu einem Ethereum-Layer-2 auf Basis des OP Stack und EigenDA (Ronin-Blog). Gleichzeitig sank die jährliche Inflation des RON-Tokens von über 20 Prozent auf unter 1 Prozent, und ein neues Verteilungsmodell namens Proof of Distribution belohnt seither jene Spiele automatisch, die tatsächlich Aktivität erzeugen.
Für ein MMO ist dieser Unterbau doppelt wichtig. Erstens braucht ein Spiel mit Land-NFTs, handelbaren Axies und häufigen Transaktionen niedrige Gebühren und hohe Kapazität, beides liefert die L2-Architektur. Zweitens hängt Vertrauen an Sicherheit: Der 625-Millionen-Hack von 2022 traf genau die Brücke, über die Werte in die Spielwelt und wieder hinaus flossen. Ohne eine belastbare, günstige und als sicher wahrgenommene Kette hätte Atia’s Legacy keine tragfähige Basis; die Migration von 2026 ist der Versuch, genau diese Basis zu liefern.
Kann Spaß zuerst gelingen, wo Earn zuerst scheiterte?
Damit steht die eigentliche Wette im Raum. Das erste Axie-Zeitalter lockte mit Rendite und zog Menschen an, die nicht spielen, sondern verdienen wollten; als die Rendite verschwand, verschwanden auch sie. Das zweite Zeitalter soll mit Spielspaß locken, mit Können, Risiko, Sammlerstolz und Reputation, und die finanzielle Seite in den Hintergrund rücken.
Die Branche diskutiert genau diesen Perspektivwechsel. Gabby Dizon, Mitgründer von Yield Guild Games und einst zentrale Figur des Stipendien-Booms, bringt es so auf den Punkt: „Sustainability happens when you focus on your spenders rather than chasing TVL or airdrop hunters“ (BlockchainGamer). Nachhaltigkeit entsteht demnach, wenn ein Spiel sich um jene kümmert, die Geld ausgeben, nicht um jene, die nur Anreize abgreifen. Eine bemerkenswerte Kehrtwende ausgerechnet aus dem Lager, das den play-to-earn-Boom mit angetrieben hat.
Leicht wird der Weg nicht. Die Konkurrenz um Web3-Spieler ist härter geworden: Immutable hat sich vom Spielestudio zum Infrastruktur- und Marketinganbieter gewandelt und verkauft lieber Schaufeln, als selbst zu graben, eine Strategie, die wir gesondert analysiert haben. Beam, Aptos-basierte Titel und andere Ketten buhlen um dieselben Entwickler und dieselbe knappe Aufmerksamkeit. Und Axie schleppt eine Hypothek mit, die neuere Projekte nicht haben: den Ruf, schon einmal Menschen enttäuscht zu haben. Genau deshalb ist die Härte des neuen Ansatzes riskant und ehrlich zugleich. Sie verspricht kein leichtes Geld mehr.
Was das für österreichische Spieler und Anleger heißt
Für Nutzer in Österreich stellt sich neben dem Spielerischen die regulatorische und steuerliche Frage. Krypto-Dienstleister werden hierzulande von der Finanzmarktaufsicht (FMA) beaufsichtigt, die seit MiCA die zuständige nationale Behörde ist; die verkürzte MiCA-Übergangsfrist endet in Österreich am 1. Juli 2026. Ob ein Spiel-Token wie AXS oder RON als reines Krypto-Asset oder als Finanzinstrument gilt, richtet sich nach den ESMA-Leitlinien zur Einordnung von Krypto-Assets (Abschlussbericht Dezember 2024, anwendbar ab Frühjahr 2025): Es zählt die Substanz, nicht das Etikett. Verleiht ein Token Gewinnbeteiligung oder echte Stimmrechte, kann er unter die strengere MiFID-II-Regulierung fallen. NFTs wie einzelne Mystic-Axies liegen in der Regel außerhalb von MiCA, große fungible Serien können aber hineinfallen.
Steuerlich gilt in Österreich für Krypto-Gewinne der besondere Steuersatz von 27,5 Prozent (Paragraf 27a EStG). Spiel-Belohnungen wie erspielte Token gelten als unentgeltlich erworbene Krypto-Assets: Beim Zufluss fallen keine Steuern an, die Anschaffungskosten betragen null, versteuert wird erst bei der späteren Veräußerung. Der Tausch von Krypto gegen Krypto ist seit der Steuerreform 2022 steuerneutral, erst der Verkauf gegen Euro (oder die Nutzung als Zahlungsmittel) löst die Steuer aus. Praktisch heißt das: Wer bAXS erspielt, in AXS tauscht und hält, löst noch keine Steuer aus; wer AXS gegen Euro verkauft, schon. Inländische Plattformen behalten die Kapitalertragsteuer seit 1. Jänner 2024 automatisch ein. Der wichtigste Rat bleibt unromantisch: Wer mitspielt, sollte jede Transaktion protokollieren, denn die Nachweispflicht liegt beim Nutzer.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Atia’s Legacy ist Chance und Risiko in einem. Die folgende Gegenüberstellung fasst zusammen, was für und was gegen die Wette spricht:
| Chancen | Risiken |
|---|---|
| Echtes Spielprinzip statt reiner Ertragsmechanik | Community wurde mit Zuverdienst gewonnen, nicht mit Schwierigkeit |
| Emissionskontrolle über bAXS und SLP-Senken | Token-Kurse reagieren bisher nicht auf die Reform |
| Gezielte Knappheit (Mystic-Axies, AOC) | Löschmechanik im Dungeon könnte Spieler abschrecken |
| Reputationssystem (Axie Score) statt reinem Farming | Ruf-Hypothek aus dem Absturz von 2022 |
| Solider L2-Unterbau (Ronin) und profitables Studio | harter Wettbewerb (Immutable, Beam, Aptos) |
| Vorhandene NFTs erhalten neue Nutzung | Vollversion erst 2026, Umsetzungsrisiko bleibt hoch |
Unterm Strich ist Atia’s Legacy die konsequenteste Antwort, die Sky Mavis auf das eigene Scheitern geben kann: mehr Spiel, weniger Automat. Ob das reicht, entscheidet nicht die Whitepaper-Logik, sondern die Frage, ob Menschen freiwillig bleiben, wenn der Zähler kein Geld mehr ausspuckt.
Ausblick: 2026 als Bewährungsjahr
Sky Mavis hat für Atia’s Legacy einen globalen Start im Jahr 2026 in Aussicht gestellt. Bis dahin gilt es, aus drei Playtests ein rundes Spiel zu formen, die Löschmechanik so zu justieren, dass sie reizt statt vergrault, und die Millionen Vormerkungen in echte, wiederkehrende Spieler zu verwandeln. Parallel läuft der Abschied vom alten Flaggschiff: Die letzte kompetitive Saison von Axie Classic soll laut Sky Mavis rund um den 2. September 2026 enden, ehe das Spiel in die Hände der Community übergeht (BlockchainGamer).
Der Fahrplan liest sich wie ein Bekenntnis: Das alte Axie, Symbol des play-to-earn-Zeitalters, tritt ab; das neue Axie will als Spiel bestehen, nicht als Einkommensquelle. Gelingt der Übergang, wäre Atia’s Legacy der Beweis, dass sich ein einst verbranntes Krypto-Franchise neu erfinden kann. Misslingt er, bleibt Axie eine Fußnote darüber, wie schnell finanzielle Anreize ein Spiel aufblähen und wieder entleeren können. 2026 wird zeigen, welche der beiden Geschichten stimmt.
Frequently Asked Questions
Was ist Atia’s Legacy?
Atia’s Legacy ist ein MMO von Sky Mavis, dem Studio hinter Axie Infinity. Es spielt in der Welt Lunacia, erscheint für Mobilgeräte und PC und setzt auf Echtzeitkämpfe, in denen spielereigene Axie-NFTs als Kampfeinheiten dienen. Ein globaler Start ist für 2026 geplant; bislang gab es drei öffentliche Playtests.
Ist Atia’s Legacy noch ein play-to-earn-Spiel?
Sky Mavis rückt ausdrücklich vom klassischen play-to-earn ab. Belohnungen laufen über den spielinternen Token bAXS statt über den frei handelbaren AXS, und ein Extraction-Dungeon-Modus stellt Risiko in den Vordergrund. Statt garantiertem Zuverdienst geht es eher um risk-to-own: Spieler können wertvolle Gegenstände und in der Testphase sogar Axies verlieren.
Was sind Mystic-Axies und warum sind sie so wertvoll?
Mystic-Axies tragen besonders seltene Körperteile, die sich nicht über normale Zucht vererben lassen. Es existieren weniger als 1.500 Stück. Am 17. August 2026 erlaubte Sky Mavis wieder das Prägen neuer Origin-Axies aus den seltenen Atia Original Crystals, wobei jedes Körperteil eine Chance von 7 Prozent hat, Mystic zu werden. Der Bodenpreis lag zuletzt bei rund 3,34 ETH.
Wie werden Gewinne aus Axie in Österreich besteuert?
In Österreich gilt für Krypto-Gewinne der besondere Steuersatz von 27,5 Prozent. Erspielte Token gelten als unentgeltlich erworben (Anschaffungskosten null), besteuert wird erst beim Verkauf gegen Euro. Krypto-zu-Krypto-Tauschvorgänge sind seit 2022 steuerneutral. Inländische Plattformen behalten die Steuer seit 1. Jänner 2024 automatisch ein.
Sollte man jetzt AXS, RON oder SLP kaufen?
Das ist keine Anlageempfehlung. Alle drei Token notieren rund 99 Prozent unter ihren Rekordständen, und trotz der Rückkehr von Sky Mavis in die Gewinnzone gibt es keinen direkten Mechanismus, der den Unternehmenserfolg an die Token-Halter weitergibt. Der Erfolg von Atia’s Legacy ist zudem nicht garantiert. Wer investiert, sollte nur Kapital einsetzen, dessen Totalverlust er verkraften kann.
Von Priya Reddy, Redakteurin für Gaming und GameFi bei HOGE Wire.