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● Markets

Vom Senken aufs Erhöhen: Krypto-Derivate am Tag des CPI

Der August-CPI hält die Zinserhöhung am 16. September im Spiel. Wie sich ein im August aufgebautes Long-Buch neu sortiert, wenn die Frage von Senken auf Erhöhen kippt.

Ein Inflationswert, der den Zinsschritt fast besiegelt

Um 8:30 Uhr New Yorker Zeit, kurz nach halb drei am Wiener Nachmittag, lieferte das US-Arbeitsministerium die Augustzahlen zum Verbraucherpreisindex (CPI). Die Gesamtrate lag bei 3,4 Prozent im Jahresvergleich, unverändert gegenüber Juli, im Monatsvergleich stieg sie um 0,4 Prozent nach nur 0,1 Prozent im Vormonat (Bureau of Labor Statistics). Die Kernrate, ohne Energie und Lebensmittel, kühlte auf 2,4 Prozent im Jahresvergleich ab, den tiefsten Stand seit 2021; doch der monatliche Kernwert von 0,3 Prozent fiel heißer aus als die erwarteten 0,2 Prozent.

Für Bitcoin war das ein Wert zum Zerreißen. Der Kurs rutschte zunächst Richtung 76.000 US-Dollar, sprang dann in der Spitze auf rund 79.837 Dollar, ehe er den Großteil des Sprungs wieder abgab und am Wiener Abend bei etwa 77.400 Dollar oder rund 66.770 Euro notierte, kaum verändert zum Vortag (Decrypt, CoinGecko). Der Krypto-Angst-und-Gier-Index kletterte von 56 auf 73, mitten ins Gier-Terrain. Rund 39 Prozent unter dem Allzeithoch von 126.080 Dollar (6. Oktober 2025) bleibt der Markt damit gefangen zwischen einer im August aufgebauten Long-Lastigkeit und einer Notenbank, die gerade die falsche Frage beantwortet bekommt.

Das eigentliche Signal des Tages steckt nämlich nicht im Kurs, sondern in der Prämisse. Zwei Jahre lang war die Krypto-Positionierung um eine einzige Erwartung herum gebaut. Dieser Print hat sie auf den Kopf gestellt, und wer die Derivatemärkte lesen will, muss zuerst verstehen, welche Frage der Markt seit diesem Vormittag stellt.

Zwei Jahre lang hieß die Frage: Wann senkt die Fed?

Seit dem Zinsgipfel wetteten die Derivatemärkte im Kern auf eine Richtung. Jeder weiche Datenpunkt, jeder Hinweis auf einen kühleren Arbeitsmarkt galt als grünes Licht für die nächste Zinssenkung, und ein Long-Buch, das auf lockerere Bedingungen setzt, war die naheliegende Haltung. Perpetual Futures, die Kassenschlager unter den Krypto-Derivaten, sind das reinste Abbild dieser Erwartung: Wer long ist und dafür Finanzierung zahlt, drückt eine Wette auf steigende Preise aus, und diese Wette lief zwei Jahre lang mit dem Rückenwind der Aussicht auf billigeres Geld.

Unter dem seit Mai 2026 amtierenden Notenbankchef Kevin Warsh hat sich diese Frage gedreht. Sie lautet nicht mehr „wann wird gesenkt“, sondern „wird erhöht, und wie oft“. Warsh ließ bei seinem Auftritt in Jackson Hole Ende August keinen Zweifel: Man habe „noch Arbeit vor sich“, die Inflation sei nicht überzeugend genug auf dem Rückzug, und eine Forward Guidance, also einen Ausblick auf den künftigen Zinspfad, verweigerte er ausdrücklich (Federal Reserve).

Für die Positionierung ist das kein Detail, sondern der Rahmen. Ein Buch, das für Lockerung gebaut wurde, steht schief, sobald das Regime strafft. Wer im August die Erholung am Arbeitsmarkt noch als Bestätigung des alten Drehbuchs las, bekam mit dem starken Jobbericht bereits das erste Warnsignal, dass die Vorzeichen kippen (der Jobbericht hatte den Ton vorgegeben). Der CPI von heute ist die Fortsetzung: kein neues Kapitel, sondern die Bestätigung, dass die alte Frage ausgedient hat.

Anatomie eines klebrigen Prints

Der Augustwert ist deshalb so heikel, weil er in beide Richtungen gelesen werden kann. Die jährliche Kernrate von 2,4 Prozent ist die freundliche Hälfte: der tiefste Stand seit 2021, ein Beleg, dass der zugrunde liegende Preisdruck über den längeren Bogen nachlässt. Die monatlichen Zahlen sind die unfreundliche Hälfte: 0,4 Prozent bei der Gesamtrate, getrieben von neuerlich festen Energiepreisen, und 0,3 Prozent im Kern, über der Erwartung.

Die Analysten der Bank of America ordneten die Ausreißer bei Mobilfunk- und Flugpreisen als vorübergehend ein; diese Effekte dürften sich „über die kommenden Monate weitgehend zurückbilden“ (CoinDesk). Das ist die dovishe Lesart, die einen einmaligen Ausschlag von einem Trend trennt. Die hawkishe lautet: Eine Gesamtrate, die bei 3,4 Prozent klebt, während die Fed ein festes Ziel von 2 Prozent ausgerufen hat, lässt einer straffenden Notenbank genau die Rechtfertigung, die sie sucht. Genau diese Ambivalenz erklärt das Hin und Her im Bitcoin-Kurs: Der Markt konnte sich in Echtzeit nicht entscheiden, welche Hälfte des Berichts er glauben soll.

KennzahlAugust 2026Juli 2026Erwartung
Gesamtrate (Jahr)3,4 %3,4 %3,4 %
Gesamtrate (Monat)+0,4 %+0,1 %+0,4 %
Kernrate (Jahr)2,4 %2,5 %2,4 %
Kernrate (Monat)+0,3 %+0,2 %+0,2 %

Das lange Buch aus dem August-Squeeze

Um zu verstehen, warum dieser Print gefährlich ist, muss man wissen, wie der Markt in ihn hineinlief. Mitte August riss eine der größten Short-Auslöschungen der jüngeren Geschichte durch den Markt: An einem einzigen Tag, dem 19. August, wurden bärische Wetten im Rekordwert von rund 2,7 Milliarden Dollar liquidiert, als Bitcoin Richtung 70.000 Dollar und darüber schoss (CoinDesk). Der Kurs legte in der Spitze rund 25 Prozent gegenüber den Wochentiefs zu.

Ein Short Squeeze ist jedoch kein Fundament, sondern Treibstoff. Er zwingt Leerverkäufer zum Rückkauf und hebt den Preis, ohne dass neue Überzeugungskäufer dahinterstehen. Was zurückbleibt, ist ein Markt, der sich nach oben lehnt, aufgebaut auf einer dünnen Basis. In den Wochen danach baute sich das Open Interest, also die Summe der offenen Kontrakte, zwar wieder auf, doch die Finanzierungskosten blieben dünn. Das ist ein Hinweis, dass die Nachfrage eher aus dem Spot-Markt als aus frisch gehebelten Long-Positionen kam, ein an sich gesundes Zeichen.

Doch gesund heißt nicht robust. Genau diese Long-Lastigkeit trifft nun auf einen Datenpunkt, der die Zinserhöhung wahrscheinlicher macht. Die Positionierung, die im ruhigen August entstand, ist gespeicherte Energie; ein hawkisher Print ist der Funke, der sie entladen kann. Und anders als beim 19. August, als die Shorts das Nachsehen hatten, sitzt das Risiko diesmal auf der anderen Seite des Buches.

Der Markt preist plötzlich zwei Schritte ein

Wie schnell sich die Erwartung dreht, zeigen die Wettmärkte. Das FedWatch-Tool der CME-Gruppe wies für die Sitzung am 16. September eine Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt von 25 Basispunkten aus, die im Tagesverlauf von rund 69 Prozent zeitweise bis in den Bereich von 90 Prozent kletterte, nachdem sie eine Woche zuvor noch bei etwa 59 Prozent gelegen hatte (Decrypt, CoinDesk). Die Prognosebörse Polymarket sah die Chance bei rund 62 Prozent.

Entscheidender als die Höhe der Einzelwahrscheinlichkeit ist eine zweite Verschiebung: Der Markt begann, einen zweiten Schritt einzupreisen. Die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Erhöhung im Oktober sprang auf rund 42 Prozent, von etwa 27 Prozent am Vortag. Die zweijährige US-Staatsanleihe, das sensibelste Barometer für den erwarteten Leitzins, rentierte um acht Basispunkte höher bei 4,63 Prozent, dem höchsten Stand seit über zwei Jahren.

Vom aktuellen Zielband von 3,50 bis 3,75 Prozent aus gedacht bedeutet ein Schritt 3,75 bis 4,00 Prozent, und der Markt hält es für denkbar, dass es nicht der letzte bleibt. Für ein Long-lastiges Derivatebuch ist nicht die einzelne Erhöhung das Problem, sondern die Kurve dahinter: Wenn die Anleihemärkte einen ganzen Zyklus nach oben umbauen, verschiebt sich der risikofreie Anker, an dem sich jede gehebelte Position messen muss.

GrößeWert (11. September)Einordnung
CME-FedWatch, Schritt am 16. Seprund 69 bis 90 %von etwa 59 % vor einer Woche
Polymarketrund 62 %Prognosebörse
Zweite Erhöhung im Oktoberrund 42 %von etwa 27 % am Vortag
2-jährige US-Anleihe4,63 %plus 8 Basispunkte, Hoch seit über zwei Jahren
Fed-Funds-Zielband3,50 bis 3,75 %ein Schritt führt zu 3,75 bis 4,00 %

Vier Tore bis zum Monatsende

Der CPI war nur das erste von mehreren Toren, durch die der Markt bis Monatsende muss, und jedes davon sortiert das Buch neu. Am 14. September kehrt der US-Senat aus der Sommerpause zurück; am 15. September steht die erste prozedurale Abstimmung (Cloture) über den CLARITY Act an, das Marktstruktur-Gesetz H.R. 3633, für das 60 Stimmen nötig sind (CoinDesk). Dieses Gesetz ist der regulatorische Katalysator, der im Sommer die Aufwärts-Calls befeuert hatte.

Am 15. und 16. September tagt das FOMC; die Entscheidung samt aktualisiertem Dot Plot, der Zinsprojektion der einzelnen Notenbanker, folgt am 16. September um 20:00 Uhr MESZ (news.bitcoin.com). Am 18. September verfällt der Monats-Optionskontrakt an der Börse Deribit, dessen Max Pain laut DWF-Labs-Analyst Martin Lee bei rund 78.000 Dollar liegt (Cryptotimes), und am 25. September folgt der Quartalsverfall, der größte des Vierteljahres.

Diese Verdichtung ist der Grund, warum die Positionierung in den vergangenen Wochen so nervös war. Vier marktbewegende Ereignisse in vierzehn Tagen lassen kaum Raum, eine These entspannt aussitzen zu können. Der CPI hat das erste Tor geöffnet, und er hat es auf die hawkishe Seite geöffnet.

DatumEreignisBedeutung für die Positionierung
11. SeptemberUS-CPI (August)erstes Tor, erledigt, hawkish gelesen
14. SeptemberSenat kehrt zurückAuftakt zum CLARITY-Verfahren
15. SeptemberCLARITY-Cloture (60 Stimmen)regulatorischer Katalysator in den Calls
15. bis 16. SeptemberFOMC plus Dot PlotHauptrisiko, Entscheidung am 16. um 20:00 MESZ
18. SeptemberMonats-OptionsverfallGamma-Entladung, Max Pain rund 78.000 Dollar
25. SeptemberDeribit-Quartalsverfallgrößter Verfall des Quartals, Skew wird neu gesetzt

Funding und Liquidationen: das Buch entlädt sich in Zeitlupe

Wenn die Positionierung schief steht, verrät das zuerst die Finanzierungsrate. Der CF Bitcoin Kraken Perpetual Funding Rate Index (KFRI) stand am 11. September bei 2,25 Prozent annualisiert, ein Einbruch um rund 82 Prozent gegenüber dem Vortag (CF Benchmarks). Positiv, aber dünn: Die Prämie, die Long-Positionen an Shorts zahlen, um ihren Hebel zu halten, blutet aus.

Das ist die Kehrseite des August-Squeeze. Damals verbrannten die Shorts; jetzt verschiebt sich der marginale Druck auf die Longs, sollte der Kurs in die Zinsentscheidung hinein fallen. Funding ist die laufende Miete für den Hebel, und diese Miete ist ein empfindlicher, aber unzuverlässiger Zeiger: Sie dreht binnen Stunden und übertreibt in beide Richtungen (mehr dazu in unserer Analyse zur Risikokurve des Fundings).

Solange das Open Interest niedrig bleibt und die Rate dünn, ist das Buch verwundbar, aber nicht überhitzt. Baut sich das Open Interest jedoch wieder auf, während die Rate steigt, wäre der Hebel schnell nachgeladen, und ein Long Squeeze bei fallenden Kursen würde umso heftiger. Genau diese Konstellation, steigendes Open Interest bei kletternder Finanzierung, ist das Frühwarnsignal, auf das On-Chain-Analysten seit Wochen deuten. Bislang fehlt der zweite Teil, doch die Woche vor dem FOMC ist der wahrscheinlichste Moment, in dem er sich einstellt.

Die Skew verrät, wovor sich der Markt absichert

Am Optionsmarkt liest man Positionierung nicht an der Menge, sondern am Preis der Absicherung. Schon Mitte August wies Andrei Grachev, Managing Partner bei DWF Labs, darauf hin, dass Absicherungen nach unten teurer gehandelt wurden als vergleichbare Wetten nach oben: Verkaufsoptionen (Puts) mit Strikes nahe 60.000 Dollar kosteten mehr als Kaufoptionen (Calls) nahe 70.000 Dollar (crypto.news). Diese negative Skew ist der Preis der Angst, und sie sagt etwas über die Richtung dieser Angst aus, nicht über den Ausgang.

Nach dem CPI verschiebt sich, wovor man sich fürchtet. Ist die Erhöhung am 16. September so gut wie sicher, dann liegt das eigentliche Risiko nicht mehr im Ob, sondern in der Schärfe: in einem Dot Plot, der zwei oder mehr weitere Schritte signalisiert. Ein solcher Ausblick wäre der Schwanz der Verteilung, gegen den sich der Markt jetzt absichert, und er würde die Skew weiter ins Negative ziehen.

Der Monats-Max-Pain bei 78.000 Dollar liegt knapp über dem Spotkurs, mal Magnet, mal Mauer, je nachdem, wer die Gamma-Position hält. Verlässlich ist an ihm nur eines: Er ist beschreibend, nicht prognostisch. Ein Kurs, der sich am Verfallstag in seine Nähe schiebt, bestätigt keine Kausalität; er bestätigt nur, dass die Optionshändler dort die meisten Kontrakte geschrieben haben.

Die ETFs, der stetige Käufer im Gegenwind

Dem gehebelten Buch steht ein ruhigerer Käufer gegenüber. Die US-Spot-Bitcoin-ETFs hielten Anfang September ein Nettovermögen von rund 101,25 Milliarden Dollar; allein BlackRocks IBIT sammelte über 30 Tage 3,575 Milliarden Dollar ein, und der August war mit rund 3,5 Milliarden Dollar Nettozuflüssen der stärkste Monat des Jahres 2026 (news.bitcoin.com). Dieser Bid ist das Gegengewicht zur Long-Lastigkeit der Perpetuals: langsames, oft institutionelles Geld gegen schnelles, oft gehebeltes.

Doch ETF-Flüsse sind klebrig, bis sie es nicht mehr sind. Ein höherer risikofreier Zins hebt die Messlatte für jede Allokation in einen Vermögenswert, der keine laufende Rendite abwirft: Wenn kurzlaufende US-Staatsanleihen sicher über 4 Prozent zahlen, muss Bitcoin die Opportunitätskosten erst verdienen. Was der regulierte Basis-Handel zwischen Spot-ETF und Futures dabei tatsächlich einbringt, ist eine eigene Rechnung (was der Basis-Trade wirklich einbrachte), und sie wird mit jedem Zinsschritt enger, weil die risikofreie Alternative teurer zu schlagen ist.

Warum eine Zinserhöhung für Krypto anders wiegt

Der Grund, warum die Umkehr der Frage mehr ist als Stimmung, liegt in der Mechanik. Ein höherer Leitzins erhöht den risikofreien Zins, an dem sich jede gehebelte Strategie messen muss. Der Cash-and-Carry-Handel, das Rückgrat der delta-neutralen Fonds, lebt davon, dass die Futures-Basis den Zins kurzlaufender Staatsanleihen schlägt; steigt dieser Zins, schrumpft der Anreiz, und Kapital wandert ab. Das nimmt dem Markt eine seiner stabilsten Nachfragequellen, ausgerechnet die, die nicht auf steigende Preise wettet, sondern nur auf den Spread.

Zugleich stützt eine straffere Fed tendenziell den Dollar, und ein festerer Greenback wirkt wie Blei an den Beinen der Risikoanlagen. Dass der Dollar-Index vor der EZB-Sitzung überhaupt unter Druck geriet, war eine der Stützen der August-Rally (ein Euro-Chart erklärt, warum der DXY fiel); dreht dieser Wind, verliert der Bitcoin-Kurs eine wichtige Rückenstütze. Der risikofreie Zins ist die Gravitation der Märkte, und eine Erhöhung stellt sie höher. Deshalb ist die Umkehr von Senken auf Erhöhen kein bloßer Stimmungswechsel, sondern eine Verschiebung der physikalischen Grundkraft, an der jede Position hängt.

Die Gegenrechnung: Entwertung schlägt Zinsen?

Gegen diese Lesart steht eine zweite, und sie ist keineswegs abwegig. Nicht jede Zinserhöhung ist Gift für harte Vermögenswerte. Iggy Ioppe, Chief Investment Officer beim Handelshaus Theo, brachte die Gegenposition auf den Punkt: Ein heißer Print beschere Warsh zwar seine Erhöhung, doch am Ende sei es „ein Schuldenbild, das keine Zinserhöhung repariert“ (Cryptotimes).

Die Logik dahinter: Erhöht die Fed in eine hoch verschuldete Volkswirtschaft hinein, um ein Fiat-System unter fiskalischem Druck zu verteidigen, dann kann genau das die Nachfrage nach knappen Sachwerten befeuern. Gold und Bitcoin liefen heuer über weite Strecken im Gleichschritt, getrieben von diesem Entwertungs-Trade (Gold und Bitcoin im Gleichschritt). Wenn der Markt die Erhöhung als Symptom eines fiskalischen Problems liest und nicht als dessen Lösung, können hard assets in die Straffung hinein sogar zulegen.

Für die Positionierung heißt das: Der Ausgang ist zweiseitig, und ein Buch, das nur die eine Richtung kennt, unterschätzt die andere. Die reflexive Falle liegt darin, dass beide Erzählungen dieselbe Ausgangslage teilen, eine bevorstehende Erhöhung, und daraus entgegengesetzte Kursziele ableiten. Wer die Positionierung liest, sollte deshalb weniger auf die Richtung der Wette schauen als auf ihre Dichte: Wo drängen sich zu viele auf derselben Seite?

Stimmen vor dem Entscheid

Wie unentschieden die Fachwelt ist, zeigt die Bandbreite der Kommentare am Tag des Prints. Fed-Gouverneur Michael Barr hatte schon Anfang September klargemacht, er werde eine Erhöhung mittragen, falls die Inflation nicht ausreichend nachlasse: Dann „sollten wir entschlossen handeln und die Zinsen anheben“ (CNBC). Die Analysten der UBS sahen Warsh nach dem CPI „in die Ecke manövriert“; würde die Fed jetzt kneifen, wäre das „ein massiver Schlag für die Glaubwürdigkeit“ (CoinDesk).

Die Gegenstimme kam vom Ökonomen Daniel Lacalle: Eine Zinserhöhung „in einen sich erholenden Arbeitsmarkt hinein wäre ein gewaltiger geldpolitischer Fehler“ (CoinDesk). Für Trader ist weniger relevant, wer am Ende recht behält, als die Asymmetrie der Aufstellung: Ein Buch, das sich nach oben lehnt, ist der hawkishen Auflösung stärker ausgesetzt als der dovishen. Genau das macht die kommende Woche zum eigentlichen Test, nicht die Frage, ob die Ökonomen sich einig werden.

Perps, die FMA und der Steuersatz bis 55 Prozent

Für Anlegerinnen und Anleger in Österreich hat die ganze Debatte eine handfeste lokale Ebene. Perpetual Futures und andere Krypto-Derivate fallen nicht unter die MiCA-Verordnung, die nur Spot-Krypto und die Dienstleister (CASPs) reguliert, sondern als Finanzinstrumente unter die MiFID-II-Richtlinie, beaufsichtigt von der Finanzmarktaufsicht FMA (FMA). Die europäische Wertpapieraufsicht ESMA stellte im Februar 2026 klar, dass der Handelsname „perpetual futures“ unerheblich ist: Diese Produkte gelten als CFDs, mit einem Hebel-Limit von 2:1 für Kleinanleger, verpflichtender Nachschuss-Glattstellung und Negativsaldo-Schutz (ESMA). Der Hebel von 50-fach oder 100-fach, der auf Offshore-Börsen lockt, liegt damit außerhalb des europäischen Schutzschirms.

Und dann ist da der Fiskus. Spot-Kryptogewinne unterliegen in Österreich dem Sondersteuersatz von 27,5 Prozent, den inländische Plattformen seit 1. Jänner 2024 automatisch als KESt einbehalten. Nicht verbriefte Derivate aber, und dazu zählen Futures, Perpetuals, CFDs und Optionen, fallen aus diesem Sondersatz heraus: Ihre Gewinne werden nach dem progressiven Tarif des Paragraf 27 Abs 4 EStG besteuert, also mit bis zu 55 Prozent, bei stark eingeschränkter Verlustverrechnung (ARTUS Steuerberatung). Ausgerechnet die Instrumente, um die es in diesem Text geht, tragen in Österreich den höchsten Grenzsteuersatz, ein Detail, das in der Hitze eines CPI-Tages leicht untergeht, aber die Netto-Rechnung jeder gehebelten Wette verändert.

Häufig gestellte Fragen

Warum reagiert Bitcoin empfindlich auf eine mögliche Zinserhöhung?

Ein höherer Leitzins hebt den risikofreien Zins und die Messlatte für gehebelte Strategien, stützt den Dollar und verknappt die Liquidität; ein Vermögenswert ohne laufende Rendite konkurriert dann schwerer. Es gibt allerdings eine Gegenlogik: Erhöht die Fed in ein Schuldenproblem hinein, kann die Nachfrage nach knappen Sachwerten wie Gold und Bitcoin sogar steigen.

Was bedeutet der August-CPI von 3,4 Prozent für die Fed-Sitzung am 16. September?

Die Gesamtrate blieb bei 3,4 Prozent, im Monatsvergleich stieg sie um 0,4 Prozent, und der Kern lag mit 0,3 Prozent monatlich über der Erwartung; das hielt einen Zinsschritt von 25 Basispunkten im Spiel. Die Markterwartung für eine Erhöhung sprang auf rund 69 bis 90 Prozent, und erstmals preiste der Markt auch einen möglichen zweiten Schritt im Oktober ein.

Was ist ein Short Squeeze, und warum ist das August-Buch jetzt riskant?

Bei einem Short Squeeze zwingen steigende Kurse Leerverkäufer zum Rückkauf, was den Preis weiter treibt; am 19. August wurden so rekordhafte 2,7 Milliarden Dollar an bärischen Wetten liquidiert. Solche Sprünge sind Treibstoff, keine Überzeugung: Sie hinterlassen ein nach oben gelehntes Buch auf dünner Basis, das bei einem hawkishen Datenpunkt schnell in die Gegenrichtung kippen kann.

Wie werden Krypto-Derivate in Österreich besteuert?

Spot-Kryptogewinne unterliegen dem Sondersteuersatz von 27,5 Prozent. Nicht verbriefte Derivate wie Perpetuals, Futures, CFDs und Optionen fallen dagegen unter den progressiven Tarif nach Paragraf 27 Abs 4 EStG mit bis zu 55 Prozent und einer stark eingeschränkten Verlustverrechnung; reguliert werden sie über MiFID II und die FMA, nicht über MiCA.

Welche September-Termine sind für die Krypto-Positionierung entscheidend?

Nach dem CPI am 11. September folgen die CLARITY-Abstimmung am 15. September, die FOMC-Entscheidung samt Dot Plot am 16. September, der Monats-Optionsverfall am 18. September mit einem Max Pain um 78.000 Dollar und der große Quartalsverfall an der Deribit am 25. September. Jeder dieser Termine kann die Positionierung neu ordnen.

Von Liam Brennan, Marktredakteur bei HOGE Wire.

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